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In dieser Folge von „Der Ersehnte“ taucht Christopher Kramp tief in Johannes Kapitel 1, Vers 29 ein: „Siehe, das Lamm Gottes“. Er beleuchtet die Bedeutung dieser Aussage im historischen und biblischen Kontext, indem er auf alttestamentliche Opfer und Prophezeiungen wie Jesaja 53 eingeht. Kramp erklärt, wie Johannes der Täufer Jesus als denjenigen identifiziert, der die Sünde der Welt trägt, und wie diese Erkenntnis die Grundlage für den Glauben an Jesus als Sohn Gottes bildet.


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Serie: Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus

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Transkript

[0:30] Hallo und herzlich willkommen zu unserem Seminar "Der Ersehnte". Heute mit der 30. Folge. So viel haben wir schon hinter uns. Herzlich willkommen auf www.joelmedia.de. Schön, dass ihr auch hier vor Ort da seid.

[0:46] Wir wollen heute weiter studieren im Johannesevangelium. Wir sind ja mitten in Johannes 1 und wollen uns dort weiter dem Leben Jesu widmen, chronologisch. Bevor wir heute mit Vers 29 weitermachen und dann die nächsten Verse lesen, möchte ich euch bitten, da, wo es möglich ist, dass wir gemeinsam niederknien für ein Anfangsgebet.

[1:17] Lieber Vater im Himmel, wir danken dir von ganzem Herzen, dass wir diesen Tag haben dürfen und dass du zu uns sprichst und bei uns bist. Wir danken dir für die Worte, die wir jetzt lesen werden und die uns noch näher zu dir ziehen werden, die unseren Glauben stärken werden und die uns helfen werden, dich besser zu verstehen. Halte du jetzt alle Störungen fern und sprich du durch dein Wort. Gib, dass wir Jesus wirklich kennen und lieben lernen. Im Namen Jesu, Amen.

[1:47] Also, Johannes Kapitel 1. Wir sind hier mittendrin in dem Bericht über das frühe Wirken Jesu. Nachdem wir seine Taufe angeschaut haben und die Versuchung in der Wüste, haben wir das letzte Mal begonnen mit dem Bericht, der in den ersten Kapiteln des Johannesevangeliums eine Rolle spielt, weil dort in den ersten fünf Kapiteln des Johannesevangeliums die ersten Tage, Wochen, Monate, ja das erste Jahr des Dienstes Jesu ausführlich behandelt wird.

[2:31] Wisst ihr noch, was wir letztes Mal angeschaut haben? Was war letztes Mal passiert in den Versen 19 bis 28? Der Hohe Rat hat ja eine Abordnung an Johannes geschickt. Genau. Nach dem Motto: "Bist du der Ersehnte?" Genau. Also der Sanhedrin, der Hohe Rat, hatte eine Delegation geschickt und Johannes gefragt: "Wer bist du und in welcher Autorität tust du, was du tust?" Und wir haben gesehen, dass Johannes, obwohl er eine deutliche prophetische Antwort gab, gesagt hat: "Ich bin der aus Jesaja 40", man ihn doch ignoriert hat und er dann einfach den Blick auf Jesus gewandt hat. Er hat gesagt: "Mitten unter euch steht einer, der so groß ist, dass ich nicht einmal würdig bin, ihm die Schuhriemen zu öffnen."

[3:08] Jetzt lies weiter in Vers 29. Johannes 1 und dort Vers 29. Da heißt es: "Am folgenden Tag sieht Johannes Jesus auf sich zukommen und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt." Also halten wir fest: Zunächst einmal heißt es hier: "Am folgenden Tag." Wir werden sehen, dass in Johannes 1 es zunächst einmal einen richtigen Tag-für-Tag-Ansatz gibt. Ja, also Johannes folgt Jesus in den ersten Tagen hier wirklich Tag für Tag. Und ansonsten ist es in den Evangelien relativ ungewöhnlich. Ja, es gibt relativ wenig genaue Zeitangaben, wann jetzt welches Wunder gewesen ist.

[4:07] Es gibt eigentlich nur zwei Wochen in allen vier Evangelien, zwei Wochen im Leben von Jesus, die ziemlich präzise Tag für Tag beschrieben werden. Eine Woche, das ist die jetzt hier, wo er nach der Versuchung sich zum ersten Mal den Menschen zeigt. Weiß jemand, was die andere Woche ist, die auch Tag für Tag deutlich zu identifizieren ist? Ja, ich weiß, was du meinst, aber ich meine, genau. Genau. Und zwar ist das dann der Höhepunkt der letzten Woche seines Dienstes, ja. Das heißt, die Anfangswoche ist ziemlich detailliert berichtet und dann die letzte Woche, beginnend von dem Sonntag, wo er in Jerusalem einmarschiert ist, und dann kann man die letzten Tage vor seiner Kreuzigung sehr deutlich in den Evangelien nachvollziehen, bis er dann am Donnerstagabend das Abendmahl hält und dann am Freitag gekreuzigt wird und so weiter. Ja, das ist ganz interessant. Am Anfang ein sehr detaillierter Tag-für-Tag-Bericht und am Ende ein sehr detaillierter Tag-für-Tag-Bericht. Dazu werden wir vielleicht später noch mal genauer kommen.

[5:25] Jetzt heißt es hier: "Am folgenden Tag sieht Johannes Jesus." An dieser Stelle kommt zum ersten Mal im Johannesevangelium das Wort "Jesus" vor. Wie wird er vorher mal genannt? Im Johannesevangelium? Wie wird er vorher mal genannt? Das Wort, nicht wahr? Könnt ihr euch erinnern, dass wir gesagt haben, Johannes hat so eine ganz interessante Struktur in diesem ersten Kapitel? Die ersten fünf Verse, Vers 1 bis 5, da sieht er nur das Wort, das ewige Wort. Jesus ist Gott, das Wort Gottes, durch das alles gemacht worden ist. "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott."

[6:07] Dann in Vers 6 bis 14, da sieht er schon neben dem Wort eine Person, Johannes. Da heißt es in Vers 6: "Johannes sollte Zeugnis geben von dem Wort und von dem Licht." Und dann beschreibt er wieder das Licht. Und dann in Vers 15 bis 18, da sieht er jetzt Johannes und er sieht schon die Worte, die Johannes spricht, wo Johannes sagt: "Das ist der, der nach mir kommt, ist vor mir gewesen." Und dann beschreibt es wieder Jesus und seine Herrlichkeit.

[6:42] Und dann in Vers 19 bis 28, da sehen wir jetzt Johannes, seine Worte und auch tatsächliche Menschen, die Johannes zuhören. Es wird immer greifbarer, es wird immer irdischer sozusagen. Es ist fast so, als ob das Wort vom Himmel herabsteigt. Und dort in der letzten Geschichte, die wir angeschaut haben, da sieht man Johannes und Johannes sagt: "Er ist schon unter uns, aber man sieht ihn noch nicht, man hört ihn noch nicht, er ist schon unter uns." Und jetzt in Vers 29 und folgende, jetzt ist er greifbar, jetzt sehen wir ihn, jetzt sehen wir ihn mit Namen: Jesus, ein Mensch.

[7:19] Man kann also sehen, wir werden das noch weiter verfolgen in den nächsten Wochen, wie in Johannes 1 Johannes so eine Brücke schlägt von dem ewigen Gott von Ewigkeit dann bis zu dem Jesus, den die Jünger kennenlernen. Eine gewaltige Brücke.

[7:34] Also, er sieht Jesus zu sich kommen. Und ihr wisst, Jesus heißt was, haben wir schon angeschaut? Der Retter. Der Retter. Jesus ist der Retter. Und diesmal wird Jesus identifiziert. Den Tag davor hat Johannes nur gesagt: "Er steht mitten unter uns, er ist da." Und alle haben geschaut: "Wer? Wo? Wo?" Aber jetzt sagt er: "Das ist er." Er sagt in Vers 29: "Siehe, das Lamm Gottes." Übrigens, zu wem hat er denn gesprochen, als er sagt: "Siehe, das Lamm Gottes?" Zu den umstehenden Juden, genau.

[8:15] Jetzt denkt mal scharf nach, was wäre denn grammatikalisch richtig gewesen, was hätte er sagen müssen, wenn er zu den Juden, die um ihn herum standen, gesprochen hat? Okay, ich wiederhole die Frage. Er spricht zu einer großen Menge an Menschen, viele. Was wäre grammatisch richtiger gewesen? "Seht", nicht wahr? Plural, "seht". Aber er sagt stattdessen: "Siehe." Und das heißt? Einzelne. Jeder Einzelne.

[8:50] Das ist ein ganz interessantes Detail. Johannes sagt nicht: "Seht das Lamm Gottes." Er sagt: "Siehe." Er spricht zu der großen Volksmenge und sagt zu jedem Einzelnen: "Siehe." Das macht einen Unterschied, ob die ganze Volksmenge ihn annimmt oder jeder Einzelne. Kennt ihr eine andere Stelle in der Bibel, wo auch eine große Volksmenge steht und jeder wird persönlich angesprochen? Ganz berühmtes Beispiel, wo eine Volksmenge von zwei Millionen Menschen angesprochen wird, alle persönlich.

[9:27] Bei Mose. "Ich bin der Herr, nicht euer Gott, sondern dein Gott", spricht er zu zwei Millionen Israeliten. Also ganz interessant, er sagt nicht: "Seht", sondern: "Siehe, das Lamm Gottes." Jetzt, er sagt: "Siehe, das Lamm Gottes." Und das muss etwas Außergewöhnliches gewesen sein. Worauf spielt er an, als er sagt: "Siehe, das Lamm Gottes"? Woran wird wohl der Jude, der dort umher stand, woran wird er gedacht haben? An die Opfer. Genau.

[9:55] Es gibt bestimmte Textstellen in der Bibel, die euch besonders einfallen bei dem Thema "Lamm Gottes". Also allgemein natürlich die Opfer, aber es gibt so ungefähr drei Stellen, die besonders hervorleuchten im Alten Testament, an die die besonders gedacht haben dürften. Genau, Jesaja, kommen wir gleich dazu, Jesaja, Jesaja 53, genau, das machen wir als drittes, und vorher noch zwei andere. Im Alten Testament, im Neuen Testament wird jetzt ganz oft "Lamm" gesprochen, hast du vollkommen recht, in Offenbarung, aber im Alten Testament.

[10:48] Schau mal mit mir in 1. Mose 22. Ganz berühmte Geschichte. 1. Mose 22. Und jetzt erzählen wir nicht die ganze Geschichte, ich denke, ihr kennt sie. 1. Mose 22 und dort Vers 7 und 8. Abraham ist gerufen, Isaak zu opfern, nicht wahr? Vers 7 sagt uns: "Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham: Mein Vater! Und er antwortete: Hier bin ich, mein Sohn! Und er sprach: Siehe, hier ist Feuer und Holz, wo ist aber das Lamm zum Brandopfer?"

[11:34] Und jetzt hörst du die Antwort von Abraham: "Mein Sohn, Gott wird für ein Lamm sorgen." Wenn Gott für ein Lamm sorgt, wie würde man das Lamm dann nennen? Das Lamm Gottes. Abraham macht hier unwissentlich eine Prophezeiung. Er wird kaum gewusst haben, wie weitreichend seine Worte sind. Er sagt: "Gott wird für ein Lamm zum Brandopfer sorgen." Jetzt schaut mal zu Vers 13. Ihr kennt die Geschichte, er muss den Isaak nicht opfern, aber was findet er dort im Gebüsch? Einen Witter. Kein Lamm, einen Witter. Und das ist bedeutsam, weil er sagte: "Gott wird für ein Lamm sorgen", aber er findet an diesem Tag an jener Stelle kein Lamm, sondern einen Witter. Und er hat dann verstanden, dass die ganze Geschichte nur ein Vorbild ist, nur ein Schatten, dass das wahre Lamm, für das Gott sorgen wird, erst noch kommen wird in der Zukunft.

[12:37] Deswegen sagt er in Vers 14: "Und Abraham nannte den Ort: Der Herr wird dafür sorgen." Nicht: "Der Herr hat heute dafür gesorgt", sondern: "Der Herr wird dafür sorgen." Wofür wollte der Herr nochmal sorgen? Für ein Lamm. Und dieser Ort war übrigens der Berg Moria, und auf dem Berg Moria stand später der Tempel Salomos und die Opfer. Aber es gab eine Prophezeiung von Abraham, die gesagt hat: "Gott wird für ein Lamm sorgen." Die ganze Geschichte war ein Hinweis darauf. Also, das ist Punkt Nummer 1. Jeder Israelit wird damals gedacht haben: "Oh, das ist jetzt also das Lamm, für das Gott sorgen wollte."

[13:25] Die zweite Geschichte ist in 2. Mose 12. Und da können wir nicht alles lesen aus Zeitgründen, aber ihr kennt es. 2. Mose 12. Worum geht es denn da? 2. Mose 12. Worum geht es da? Das Passafest. Und das Passafest war die Befreiung des Volkes Israel aus der Knechtschaft. Und welche Rolle spielte das Lamm? Das war die Hauptrolle. Das Lamm musste geschlachtet werden, und man musste sich öffentlich zu dem Lamm bekennen, und dann wurde man durch Gott befreit.

[14:17] Also 1. Mose 22, 2. Mose 12, und dann habt ihr richtig gesagt, als drittes Jesaja 53. Und das ist sehr explizit. Jesaja 53 und dort ab Vers 5. "Doch er wurde um unsere Übertretung willen durchbohrt, wegen unserer Missetaten zerschlagen. Die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt worden. Wir alle gingen in die Irre wie Schafe, jeder wandte sich auf seinen Weg, aber der Herr warf unser aller Schuld auf ihn."

[15:22] Was sagt Johannes? "Siehe, das Lamm Gottes, das der Weltsünde trägt." Kommen wir gleich darauf, was dieses Tragen bedeutet. Vers 7: "Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm." Also hier gibt es eine Person, die die Schuld aller trägt und wie ein Lamm beschrieben wird. Das heißt, das ist die Prophezeiung, auf die Johannes Bezug nimmt.

[15:47] Er sagt also: "Ich selbst bin derjenige aus Jesaja 40, die Stimme eines Rufenden in der Wüste. Aber der dort, das ist die Person aus Jesaja 53, der Knecht Gottes, der die Sünde der Welt trägt, das Lamm Gottes." Und dann schaut man in Vers 11, da seht ihr das nochmal sehr deutlich. In Vers 11: "Nachdem seine Seele Mühsal erlitten hat, wird er seine Lust sehen und die Fülle haben. Durch seine Erkenntnis wird mein Knecht, der Gerechte, viele gerecht machen und ihre Sünden wird er tragen." Seht ihr das? In Vers 11. Er wird die Sünden tragen.

[16:29] Also das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt trägt, ist fast eine wortwörtliche Zusammenfassung der Prophezeiung von Jesaja 53. Jeder Jude, der damals das Alte Testament ein wenig kannte, muss sofort gewusst haben: Johannes meint Jesaja 53. Explizit.

[16:51] Und es scheint so zu sein, und Ellen G. White bestätigt das, dass Johannes in dieser Zeit Jesaja 53 intensiv studiert hat. Er selbst hat nicht ganz völlig verstanden, was eigentlich der Plan oder die Aufgabe des Messias war. Aber er hatte schon gemerkt durch das Studium von Jesaja 53: Da steckt mehr dahinter, als die meisten glaubten. Das ist tiefgründiger als nur ein Mensch, der jetzt die Römer vertreibt.

[17:18] Und so ruft er mit ausgestreckten Armen: "Siehe, das Lamm Gottes! Jesaja 53 erfüllt sich vor euren Augen!" Das hat er gesagt. Die Prophezeiung erfüllt sich vor euren Augen.

[17:30] Geht mal zurück zu Johannes 1, Vers 29. Es heißt: "Siehe, das Lamm Gottes, das der Weltsünde trägt." Hat jemand eine andere Übersetzung? "Wegnimmt."

[17:45] Die Idee ist, und das ist sehr interessant, das griechische Wort kann drei Dinge bedeuten. Es kann bedeuten, einfach etwas hochheben. Die zweite Bedeutung ist, dass man etwas hochhebt, um es selbst zu tragen. Und die dritte Bedeutung ist, dass man etwas hochhebt, um es wegzutragen. Und letztendlich ist eigentlich alles mehr oder weniger gemeint. Er nimmt die Sünde auf sich, um sie dann wegzutragen von uns. Nämlich ins Heiligtum und so weiter und so fort.

[18:21] Die Idee kommt eigentlich aus dem Alten Testament. Schaut mal in 3. Mose 10, Vers 17. Dort geht es um den Heiligtumsdienst und um die Priester. Schaut mal in 3. Mose 10, Vers 17. Moses spricht dort zu den Söhnen Aarons: "Warum habt ihr das Sündopfer nicht gegessen an heiliger Stätte? Denn es ist hochheilig, und er hat es euch gegeben, damit ihr die Schuld der Gemeinde tragt, um für sie Sühnung zu erwirken vor dem Herrn."

[19:14] Okay, versuchen wir das mal zu verstehen. Was sollten die Priestersöhne tun? Sie sollten das Sündopfer essen. Wozu war eigentlich das Sündopfer da? Genau, es sollte illustrieren, wie Sünden vergeben werden. Also mit anderen Worten, jetzt stellen wir uns mal vor, da ist ein Sünder. Er kommt mit seinem Sündopfer, sagen wir mal ein Lamm oder ein Stier oder ein Witter. Und er bekennt jetzt seine Sünde, bevor das Tier geschlachtet wird. Wo befindet sich die Sünde? Auf dem Tier.

[19:57] Was geschieht als nächstes? Von wem? Der Priester schlachtet das Tier. Nimmt das Blut auf, sprengt es an und so weiter. Aber was wir oft nicht so richtig auf dem Schirm haben, ist, dass nicht nur das Blut aufgefangen wurde und dann in das Heiligtum gebracht wurde oder angesprengt wurde, sondern dass ein Teil von dem Opfer gegessen werden musste vom Priester.

[20:30] Es gab zwar Brandopfer, die wurden komplett verbrannt, aber ein Sündopfer wurde nicht komplett verbrannt. Sünd- und Schuldopfer wurden zum Teil verbrannt und ein Teil, wenn es nur ein kleines Stück war, aber der Priester musste ein Stück von diesem Opfer essen.

[20:49] Jetzt stellt euch mal die Symbolsprache vor. Das Opfer hat jetzt die Sünde symbolisch, nicht wahr? Und jetzt nimmt der Priester und nimmt die Sünde auf sich, und deswegen heißt es: "Er trägt die Sünde." Und dann geht der Priester damit wohin? Ins Heiligtum. Erstmal ins Heilige und einmal im Jahr ins Allerheiligste. Er trägt die Sünde hinweg. Sie ist dann nicht mehr beim Sünder, sondern der Hohepriester trägt die Sünde weg.

[21:24] Das ist diese Idee von "die Sünde tragen". Er identifiziert sich mit unserer Sünde sozusagen. Er infiziert sich, muss man eigentlich eher sagen. Und das ist genau die Idee, die im Galaterbrief deutlich wird. Schaut mal, Galater 3 oder 2. Korinther 5 ist noch besser. 2. Korinther 5. 2. Korinther 5 und dort Vers 21. Ein schöner Vers, der das illustriert.

[22:05] 2. Korinther 5, Vers 21: "Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zu was gemacht? Zur Sünde." Also Jesus hat nicht einfach nur ein Theaterstück aufgeführt. Jesus hat nicht einfach nur so symbolisch den Kreuzestod erlitten, sondern Jesus ist buchstäblich zur Sünde geworden. Der Galater sagt: "Er wurde zum Fluch."

[22:45] Ein anderer Text, der das illustriert, ist in 1. Petrus 2, Vers 24. 1. Petrus 2, Vers 24: "Er hat unsere Sünden an seinem Leib getragen auf dem Holz." Also Jesus hat nicht einfach nur gesagt: "Ich tue mal so, als ob ich jetzt für euch sterbe, so pro forma." Nein, er hat sich wirklich infizieren lassen. Er hat die Sünde existenziell getragen. Und zwar ganz physisch. Er selbst hat zwar nie gesündigt, aber er ist für uns zur Sünde geworden und hat damit die Sünde hinweggenommen, hinweggetragen.

[23:39] Und übrigens, was hat Johannes genau gesagt? "Siehe, das Lamm Gottes, das der Welt Sünde hinwegnehmen wird oder hinwegnimmt." Er spricht explizit im Präsens, nicht im Futur. Das heißt, als Johannes ihn sieht am zweiten Tag dort, dann sagt er jetzt schon: "Jetzt schon beginnt dieses Werk, das am Kreuz seinen Abschluss findet." Das Tragen der Sünde, das Hinwegnehmen der Sünde war etwas, was den gesamten Dienst von Jesus durchzogen hat. Er war nicht nur dreieinhalb Jahre ein Wanderprediger und hat dann plötzlich unsere Sünden getragen, sondern er hat dieses Werk der Befreiung von der Sünde von Anfang an im Fokus gehabt. Auf eine Art und Weise, die wir manchmal nicht bis ins Netz verstehen, war er schon zu dem Zeitpunkt derjenige, der der Welt Sünde trägt. Obwohl natürlich das später weitaus intensiver eine Rolle gespielt hat.

[23:38] Nun gehen wir weiter in Johannes, Johannes 1 und dort Vers 30. Also Johannes, der Teufel, gibt jetzt diese spektakulären Worte und dann sagt er in Vers 30: "Das ist der, von dem ich sagte." Kennt ihr das, wenn man von etwas immer redet, redet, redet und endlich kann man sagen: "Das habe ich gemeint." Das ist, was er gesagt hat.

[25:07] Ich habe monatelang, habe ich euch davon erzählt und gepredigt. Ich habe immer gesagt: "Er wird kommen, der nach mir kommt." Einen Tag vorher konnte er sagen: "Er ist schon unter uns." Und jetzt konnte er sagen: "Den habe ich gemeint." Das ist der, von dem ich sagte: "Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist, denn er war eher als ich."

[25:30] Und damit zitiert er sich selbst. Könnt ihr mal nachschauen, in Vers 15 zum Beispiel, gleiches Kapitel. Vers 15: "Johannes legte Zeugnis ab von ihm, rief und sprach: Dieser war es, von dem ich sagte: Der nach mir kommt, ist vor mir gewesen, denn er war eher als ich." Oder auch Vers 27: "Dieser ist, der nach mir kommt, der vor mir gewesen ist, und ich bin nicht würdig, ihm die Schuhriemen zu lösen." Er hat das immer wieder gesagt, er hat immer wieder betont: "Jesus ist vor mir gewesen."

[25:58] Wer ist eigentlich zuerst geboren? Johannes oder Jesus? Johannes. Wie viele Monate? So sechs Monate. Also warum sagt er dann: "Jesus ist vor mir gewesen"? Damit macht er ganz deutlich: Jesus muss präexistent gewesen sein. Wenn Jesus ein paar Monate vorher geboren worden wäre, wäre die Aussage nicht so klar gewesen. Aber dadurch, dass Jesus kurz nach Johannes geboren worden ist, war deutlich, was er wirklich sagt ist: Jesus hat schon vor seiner Menschwerdung existiert.

[26:31] Und deswegen beginnt das Johannes-Evangelium mit den Worten: "Im Anfang war das Wort, das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott", und dann wurde das Wort Fleisch. Also Johannes macht deutlich: Jesus ist mehr als nur ein Mensch. Und das scheint hier schon so durch.

[26:47] Übrigens, er sagt hier interessanterweise: "Nach mir kommt ein Mann." Das ist sehr interessant, weil das ist das griechische Wort für eine männliche Person. Nicht einfach nur ein Mensch, sondern ein Mann. Womit deutlich wird: Jesus war wirklich ein richtig echter, fleischgewordener Mensch, ein Mann. Und das zeigt auch sozusagen, wie vom Anfang des Kapitels, wo Jesus beschrieben wird als Gott, jetzt sozusagen immer deutlicher wird, er ist auch gleichzeitig Mensch. In diesem Kapitel versucht Johannes diese beiden großen Pole, seine Gottheit und seine Menschheit, zu beschreiben.

[27:29] Okay, 31. Jetzt sagt er was Interessantes in Vers 31. Er sagt: "Und ich kannte ihn nicht, aber damit er Israel offenbar würde, darum bin ich gekommen, um mit Wasser zu taufen." Im Griechischen sagt er eigentlich: "Selbst ich, ich, der ich euch davon geredet habe, ich kannte ihn nicht."

[27:48] Warum sagt er: "Ich kannte ihn nicht?" Weil er ihn jetzt kennt. Haben sie sich vorher nie getroffen? Doch, er hat ihn gesehen, aber getroffen haben sie sich nicht. Aber vor der Taufe haben sie sich vor der Taufe getroffen? Nein, sie haben sich nie getroffen. Und das war aus gutem Grund so. Warum haben sie sich nie getroffen? Die waren doch eng verwandt. Maria und Elisabeth haben sich auch getroffen und besucht.

[28:10] Das ist Auslegung Gottes, da war ja der Geruch. Genau. Was wäre wohl passiert, wenn sie jahrelang zusammen gehockt hätten und dann plötzlich tritt einer auf und ich sage: "Ich bin der Messias" und der andere sagt: "Ich bezeuge es, es ist der Messias." Dann hätten sie gesagt: "Naja, die kennen sich, die haben das vorher abgesprochen."

[28:31] Wo hat Johannes den größten Teil seines Lebens verbracht? In der Wüste. Wo hat Jesus den größten Teil seines Lebens verbracht? Nazareth. Gott hat dafür gesorgt, dass sie sich nicht treffen. Also manchmal ist es zum Guten, wenn zwei Menschen, die eng zusammengehören, sich nicht treffen. Die sind Verwandte und vielleicht hätte jemand sagen können: "Naja, wäre schon schön, wenn die sich mal treffen, Cousin und Cousin, sich mal kennenlernen." Es war gut, dass sie sich nicht kannten. Und das wird jetzt deutlich an diesem Punkt. "Ich kannte ihn nicht."

[29:07] Also nach diesem Vers hier, was war das ganze Ziel der Mission von Johannes? Nichts anderes. Alles, was er geredet hat, alles, was er gesagt hat, das Taufen selbst hatte ein Ziel: Jesus zu offenbaren, damit Jesus offenbar wird.

[29:35] Findest du das interessant? Weil wir auch die Offenbarung Jesu kennen. Er sagt: "Deswegen bin ich gekommen." Er war ja der Täufer. Und er sagt: "Meine Taufe soll dazu führen, dass Menschen Jesus annehmen." Das ist eine gute Frage. Schaut mal mit mir in Matthäus 3, Vers 6. Das zeigt jetzt nämlich was sehr Schönes.

[30:05] Wer wurde von Johannes getauft? Alle, die wollten, ja, das ist die halbe Wahrheit. Richtig. Das heißt, Matthäus 3, Vers 6 sagt: "Und es wurden von ihm im Jordan getauft, die ihre Sünden bekannten." Und jetzt sehen wir die ganze Logik dahinter. Konnte Johannes die Sünden vergeben? Konnte das Wasser die Sünden vergeben? Nein. Das heißt, Menschen, die jetzt zur Taufe gebracht wurden, die hatten eingesehen: "Ich brauche Hilfe." Johannes war dazu da, zu sagen: "Du brauchst Hilfe. Du musst deine Sünden bekennen, jemand muss deine Sünden wegnehmen. Aber ich kann es nicht. Aber, und jetzt kommt die gute Nachricht, nach mir kommt einer, und der wird die Sünden, die du jetzt bekannt hast, im Taufwasser, die kann er tatsächlich wegnehmen."

[31:11] Johannes 1, Vers 29 sagt: "Siehe." Also stellt euch vor, Johannes der Täufer predigt Tag ein, Tag aus: "Bekennt eure Sünden, bekennt eure Sünden." Wer seine Sünden bekennt, wird getauft, und die Leute bekennen ihre Sünden. Und eines Tages ruft er: "Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünden hinwegnimmt!" Ja, seht ihr? All sein Dienst, immer auf die Sünden hinzuweisen, hatte nur ein eigentliches Endziel: die Menschen auf den hinzuweisen, der die Sünde wegnimmt.

[31:40] Das heißt, obwohl er manchmal auch durchaus klare Worte gefunden hat und durchaus auch mal schneidende Wahrheiten formuliert hat, hat er das nie getan, um den Leuten weh zu tun. Nie, um ihnen mal so richtig zu zeigen, wie schlecht sie sind, sondern immer nur, um ihnen etwas bewusst zu machen, dass sie etwas brauchen, nämlich Jesus. Sein Blick war immer schon auf Jesus gerichtet. Er sagt: "Das ist alles, alles, was ich tue. Meine prophetische Mission dient dazu, dass die Menschen Jesus erkennen."

[32:10] Und wisst ihr, das ist deswegen wichtig, weil wir sagen, wir sind der dritte Elias. Wir wollen von Johannes dem Täufer lernen. Wir haben auch eine prophetische Botschaft, oder? Erste Engelsbotschaft, zweite Engelsbotschaft, dritte Engelsbotschaft. Und manchmal könnte man fast denken, das ist ein Selbstzweck, dass wir gerufen sind, einfach, dass die Menschen die dritte Engelsbotschaft hören. Nein, die dritte Engelsbotschaft soll gehört werden, damit Menschen sehen: "Ich brauche Jesus." Wenn Jesus fehlt, ist die dritte Engelsbotschaft, ist unsere ganze prophetische Botschaft umsonst. Ja, so wie hier.

[32:47] Okay, gut, gehen wir einen Schritt weiter. Johannes 1, Vers 32. Und jetzt schaut mal hier in Vers 32. "Und Johannes bezeugte." Dieses Wort haben wir letztes Mal schon gesehen, ist sehr wichtig. Ständig in Johannes 1 heißt es: "Johannes kam zum Zeugnis." In Vers 7 hatten wir gelesen: "Dieser kam zum Zeugnis." In Vers 15 hatten wir gesehen: "Johannes legte Zeugnisse ab." In Vers 19: "Dies ist das Zeugnis des Johannes." Johannes zeugt etwas, bezeugt etwas.

[33:04] Vers 32: "Und Johannes bezeugte und sprach: Ich sah den Geist wie eine Taube vom Himmel herabsteigen und er blieb auf ihm." Jetzt können wir auch sehen, ganz offensichtlich, dass Johannes 1 nach der Taufe spielt, oder? Johannes 1 ist nach der Taufe, weil er sagt: "Ich kann mich erinnern, das gesehen zu haben."

[33:51] Was ist an diesem Bericht hier in Vers 32 noch neu, was so explizit in den anderen drei Evangelien nicht so rauskommt? Genau, die anderen Evangelien beschreiben auch, wie der Heilige Geist kam. Klar, man hat es sich wahrscheinlich auch denken können, aber er sagt es jetzt explizit: "Der Heilige Geist kam und der Heilige Geist blieb auf ihm." Es war nicht ein einmaliges Ereignis, so rauf und runter, runter und rauf, sondern er blieb dauerhaft auf ihm. Und bei uns steht ja meistens: "Ich schaute", oder "Ich sah den Geist." Eigentlich sagt er: "Ich habe gesehen." Er sagt nicht im Präteritum, sondern im Perfekt. "Ich habe gesehen." Das ist mehr so wie: "Ich gebe euch jetzt ein Zeugnis. Ich habe gesehen und ich war dabei und es ist implizit, es hat immer noch einen Eindruck auf mich. Ich habe gesehen."

[34:57] Okay, jetzt gehen wir einen Schritt weiter, Vers 33. Also er bezeugt jetzt davon, wie er dieses erlebt hat bei der Taufe. Und dann sagt er in Vers 33: "Und ich kannte ihn nicht." Was fällt euch auf? Wiederholt er. Also merken wir uns schon mal: Vers 31 und Vers 33 ist irgendwie dasselbe, dieser erste Satz. Wenn etwas wiederholt wird, was sagt uns das? Er möchte das wirklich betonen, es ist wichtig. "Ich kannte ihn vorher nicht." Dass ich jetzt rufe: "Das ist der Messias", hat nichts mit meinen Familienbanden zu tun. Nichts mit meiner Genetik und auch nichts mit irgendwelchen Ideen, die ich habe, sondern es gibt einen Grund. "Ich kannte ihn nicht."

[35:48] Schaut mal, wie es weitergeht jetzt, Vers 33. Also was sagt er mit anderen Worten? Gott hat mir gesagt: "Nichts anderes." Er sagt: "Dass Jesus der Messias ist, basiert nicht auf meiner Interpretation, sondern basiert auf einer Offenbarung Gottes." Gott hat ihm vorgesagt: "Pass auf, ich gebe dir ein Zeichen." Und übrigens, wenn Gott Zeichen gibt, dann sind sie immer so, dass man sie nicht missverstehen kann. Manchmal, ich weiß nicht, ob ihr das auch kennt, manchmal gibt es so Gläubige, die machen so ihre eigenen Zeichen. So, wenn ich würfel und es eine 3 kommt, dann soll ich das machen oder so. Oder wenn mich mein Bruder X heute Abend anruft oder nicht anruft oder so. Wir machen so Zeichen, die viel zu schwammig sind.

[36:45] Wenn Gott ein Zeichen gibt, dann sagt er zum Beispiel: "Die Jungfrau wird schwanger." Oder er sagt: "Der Heilige Geist kommt vom Himmel herab." Dinge, die nicht so offensichtlich passieren. Dinge, die, wenn sie passieren, so außergewöhnlich sind, dass man weiß: "Das war wirklich Gott." Also, wenn du um ein Zeichen bittest, wenn du meinst, ein Zeichen zu erbitten, dann mach so ein Zeichen, das so außergewöhnlich ist, dass es kein Zufall sein kann. Ansonsten ist das manchmal Selbstbetrug. Man denkt, man hat jetzt ein Zeichen von Gott, dabei war es einfach nur Zufall.

[37:19] Gott hatte zu ihm gesprochen und hatte deutlich gemacht: "Wenn du den Heiligen Geist herabkommen siehst, der wird es sein, der mit Heiligem Geist tauft."

[37:31] Vers 34: "Dann sagt er: Und ich habe es gesehen und bezeuge, dass dieser der Sohn Gottes ist." Das ist also gewaltig. Ihr seht, er sagt mehrere Dinge in diesen Versen. Er sagt hier: "Das Lamm Gottes", und dann erklärt er: "Ich kannte ihn nicht." Er erklärt: "Das ist der, von dem ich gesprochen habe." Und dann kommt er jetzt zur Schlussfolgerung und sagt: "Deswegen, nach all den Dingen, die ich jetzt euch gesagt habe, das ist sozusagen das Schlussergebnis, die Endsumme: Das ist der Sohn Gottes."

[38:06] Wörtlich sagt er eigentlich: "Ich habe es gesehen und ich habe es bezeugt." Also als ob er das schon immer bezeugt hat. Jetzt dieser Satz oder dieser Ausspruch "Sohn Gottes" ist äußerst wichtig. So wichtig, dass Johannes der Evangelist sein Buch deswegen geschrieben hat, damit die Menschen das verstehen. Könnt ihr nachlesen? Lasst es mit euren Fingern drin in Johannes 20. Johannes 20, Vers 31: "Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen."

[39:01] Das ganze Buch, das Johannesevangelium hat einen Zweck. Es soll beweisen, dass Jesus der Sohn Gottes ist. Und dass durch diesen Glauben wir das ewige Leben bekommen. Und übrigens, im Johannesevangelium kann man immer wieder sehen, wie Menschen erkennen, dass Jesus Gottes Sohn ist. Später, wenn wir sehen, der sagt: "Du bist der Sohn Gottes." Petrus sagt: "Du bist der Sohn Gottes." Martha sagt: "Ich glaube, du bist der Sohn Gottes." Thomas sagt am Ende in Johannes 20: "Mein Herr und mein Gott."

[39:33] Also ein Ziel, das Hauptziel vom Johannesevangelium ist zu zeigen, dass Jesus Gott ist. Deswegen fängt er gleich von Anfang an, fällt er mit der Tür ins Haus quasi und sagt: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott." Er lässt keinen Zweifel daran, dass Jesus ist Gott.

[39:49] Jetzt, manche haben sich gefragt: "Ja, Moment mal, aber wenn er Sohn Gottes genannt wird, warum sagen wir dann, dass er Gott ist? Heißt nicht Sohn Gottes, dass er von Gott irgendwie gezeugt ist?" Und dazu muss man nochmal verstehen, ich möchte das ganz kurz als Exkurs nochmal erklären.

[40:08] Das Wort "Sohn" im Hebräischen hat eine weitere Bedeutung als gewöhnlich im Deutschen. Die Hebräer haben unter "Sohn" nicht immer nur eine biologische Abstammung verstanden. Ich gebe euch zwei Beispiele, wo ihr das sehr schön sehen könnt.

[40:30] Das erste Beispiel ist in Jesaja 14, weil es gibt immer wieder Leute, die sagen: "Wenn da steht 'Sohn', dann muss er ja ein biologischer Sohn sein, oder?" Es gibt immer wieder Leute, die das behaupten. Ja, aber dann hätte er einen Anfang. Dann hätte er einen Anfang, wenn er der buchstäbliche Sohn ist. Das ist mal die Idee, die Leute haben. Er ist dann ein Gott. Er ist nicht der Gott, aber er ist ein Gott. Er ist göttlich, aber er ist halt nicht ewig sozusagen. Er hat einen Anfang, und das hat enorme Implikationen. Eigentlich passt dein ganzer Erlösungsplan nicht mehr, aber das ist ein anderes Thema.

[41:08] Jesaja 14, schaut mal. Jesaja 14, Vers 12. Wir wollen mal kurz anschauen, wie das Wort "Sohn" verwendet wird in der Bibel. Jesaja 14 und dort Vers 12. Dort heißt es: "Wie bist du vom Himmel herabgefallen, du Glanzstern?" Frage bis dahin, um wen geht es? Lucifer. Und dann heißt es: "Sohn der Morgenröte." Wörtlich übersetzt heißt es auch: "Sohn des Lichts." Frage: Ist Luzifer vom Licht geboren worden? Was soll das ausdrücken? Wir alle verstehen das, was das bedeuten soll, oder? Dass Licht seine Charakteristik ist, oder?

[42:01] Was hast du gesagt? Vielleicht ja, vielleicht auch im weitesten Sinne. Aber auf jeden Fall, wenn die Hebräer denken, dass es ein Sohn des Lichts ist, sagen die nicht: "Da war das Licht, und dann hat das Licht geboren, und dann kam der Luzifer raus." Nein, sie meinen: Das Licht ist eine besondere Eigenschaft von ihm.

[42:22] Zweites Beispiel, und das ist ziemlich interessant, obwohl das im Deutschen gar nicht rauskommt, aber ich sage es euch trotzdem, damit ihr das mal wisst. Schaut mal in 1. Mose 12, Vers 4. Und was ich euch jetzt sage, das ist wirklich interessant. Also als ich das gesehen habe, habe ich gedacht: "Mensch, wenn das all die Menschen wüssten, die immer so darauf rumhacken." Naja, 1. Mose 12, Vers 4. "Da ging Abram, wie der Herr zu ihm gesagt hatte, und Lot ging mit ihm. Abram aber war 75 Jahre alt, als er von Haran auszog."

[43:00] Jetzt werdet ihr euch wundern. Der Text passt doch gar nicht. Im Hebräischen steht dort wörtlich: "Abram war, haltet euch fest, der Sohn von 75 Jahren." Also, wenn ihr Hebräisch lesen würdet, würde dort stehen: "Abram war der Sohn von 75 Jahren." Das steht in keiner deutschen Übersetzung, weil die deutschen Übersetzungen gleich den Gedanken erfassen. Das ist eine Redewendung.

[43:34] Also ihr seht offensichtlich, Abram war natürlich nicht das Kind von 75 Jahren. Sondern was soll das ausdrücken? Wenn der Hebräer sagt: "Er war ein Sohn von 75 Jahren", was soll das aussagen? Das war seine Eigenschaft. Versteht ihr?

[43:52] Wenn also Jesus der Sohn Gottes ist, dann soll das ausdrücken, was seine Eigenschaft ist. Er ist Gott. So wie der Sohn des Lichts voller Licht ist, und wie der Sohn von 75 Jahren 75 Jahre alt ist, so ist der Sohn Gottes in dem Fall Gott. Es ist nur im Hebräischen so. Weil das würde ja zu sehr verwirren. Im Hebräischen. Weil alle deutschen Übersetzungen übersetzen es so, dass man gleich den Sinn hat und nicht das Wortwörtliche.

[44:26] Damit will ich nur illustrieren, wie die Hebräer denken. Der Hebräer sagt: "Du bist ein Sohn von 75 Jahren" und denkt nicht im Traum daran, dass du ein buchstäblicher Sohn von 75 Jahren bist. Und deswegen kann man nicht immer gleich sagen, weil da "Sohn" steht, meint das "Sohn", wie wir "Sohn" verstehen. Also Jesus der Sohn Gottes.

[44:47] Schaut mal mit mir in Psalm 2. Psalm 2. Und dort haben wir eigentlich den Vers, den wir in der Bibel gesehen haben, der wahrscheinlich den Juden durch den Kopf ging, als sie gehört haben, dass es der Sohn Gottes ist. Schaut mal in Vers 1.

[45:32] Also das ist jetzt zu einem Zeitpunkt, wo die Menschen schon gegen Gott rebellieren. "Die Könige der Erde lehnen sich auf und die Fürsten verabreden sich gegen den Herrn und gegen seinen Gesalbten." Was ist ein anderes Wort für Gesalbter? Gegen den Messias. Und dann schaut mal in Vers 7.

[46:08] Drumherum toben schon die Heiden. Die Heiden toben und denken sich Dinge aus gegen Gott. Und mitten in Zion sagt Gott zu seinem Gesalbten, dem Messias: "Du bist mein König. Heute habe ich dich gezeugt, du bist mein Sohn." Der war ja schon vorher da. Der ist nicht gerade erst entstanden. Der Messias entsteht ja nicht nach den Heiden. Die Heiden sind schon da, der Messias ist schon da. Aber er wird jetzt eingesetzt als König.

[46:41] Und da sehen wir diese interessante Verbindung zwischen Sohn Gottes, Messias und König. Und deswegen haben ja die Juden immer gedacht, dass der Messias ein irdischer König ist. Und sie haben nicht verstanden, was für ein König er ist. Aber sie waren richtig in der Ahnung, dass er ein König ist. Das vergessen wir manchmal. Er war ein König hier auf der Erde. Und deswegen spricht er immer vom Königreich Gottes, das Reich Gottes. Das Reich Gottes heißt wörtlich mal das Königreich Gottes. Er war ein König.

[47:13] Nur als Johannes zu ihm... Anders gesagt, stellt euch vor, ihr werdet ein Jude und ihr kennt das Neue Testament nicht. Und ihr lebt zur Zeit von Johannes. Und ihr lest von den Heiden, die gegen Gott kämpfen. Und dann lest ihr von Gott, der seinen Gesalbten, den Heiligen König einsetzt auf den Berg Zion, um die Heidenvölker mit eisernem Zepter zu zerschmettern. Und mit Töpfergeschirr. Stellt euch das mal vor.

[47:43] Tag ein, Tag aus in der Synagoge. Heißt es: "Bald wird der Messias kommen. Der Sohn Gottes, der die Heidenvölker mit eisernem Zepter regieren wird." Und jetzt kommt Johannes der Täufer. Und sagt: "Das ist der Sohn Gottes." Das ist der Sohn Gottes.

[48:01] Und was sehen sie dann? Ein Mensch. Ein Mensch, der so unscheinbar war. Aufgrund seiner ärmlichen Sachen. Er war blass. 40 Tage gehungert. Schwächlich. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass das zusammenpasst. Deswegen hat der Jesaja schon deutlich gemacht: Ihr müsst die Prophezeiung vom König verknüpfen mit der Prophezeiung von Jesaja 53. Er ist der Sohn Gottes und das Lamm Gottes.

[48:43] Und manche, sagt Ellen G. White, haben in seinem Gesicht diese unersprechliche Liebe gesehen. Und manche waren enttäuscht. "Wenn das der König ist, damit ist kein Staat zu machen." Jetzt. Ja.

[49:07] Das passiert uns auch. Wir kennen theoretisch auch viele Dinge in der Bibel. Und wie oft ist es uns präsent, wenn wir es brauchen. Ihr seht schon, das ist ganz interessant. Zurück zu Johannes, wir sind gleich am Ende. Johannes 1, 2 Verse noch. Johannes 1 und dort Vers 35.

[49:40] "Am folgenden Tag stand Johannes wiederum da und zwei seiner Jünger." Das ist der wievielte Tag? Seit wir Jesus aus der Wüste herausgesehen haben? Der dritte. Tag Nummer 1: Sanhedrin kommt mit der Delegation und fragt: "Was tust du dort?" Tag Nummer 2: Johannes weist die Menschen auf Jesus hin und sagt: "Das ist das Lamm Gottes." Tag Nummer 3 kommt jetzt. Und er sagt: "Es wird noch schöner."

[50:16] Wer sind denn diese beiden Jünger? Vielleicht wisst ihr das schon. Das werden wir im nächsten Mal ausführlicher betrachten. Einer von den beiden ist, der wird namentlich genannt, einer ist Andreas. Und der andere wird im ganzen Evangelium nie genannt. Das ist er selber, Johannes.

[50:43] Schaut mal, wie schön das ist. Jetzt versuche ich es nochmal aufzumalen. Johannes beschreibt: Am Anfang war das Wort. Und dann gab es diesen Prediger Johannes, und der hat immer von dem Wort gesprochen. Und dann hat er Zeugnis gegeben von dem Wort. Und dann stand der Johannes, und dann haben die ihn gefragt, wer er ist. Und er hat immer auf Jesus gewiesen. Und am nächsten Tag hat er sogar deutlich die Person benannt und gesagt: "Das ist das Lamm Gottes." Und dann am nächsten Tag, da war ich auch dabei, er baut sich quasi in die Geschichte mit ein. Er hat immer Jesus, Jesus als Gott, Jesus als der Gegenstand von Johannes. Jesus war dann schon mitten gegenwärtig. Jesus ist immer im Fokus. Und irgendwo sagt er: "Naja, ich war dabei." Er nennt sich kaum mit Namen. Johannes der Täufer weist auf Jesus. Und er stand daneben.

[51:49] Das Interessante ist, im ganzen Evangelium sagt er niemals seinen Namen. So sehr, dass alle anderen Evangelisten immer "Johannes der Täufer" sagen. Der Evangelist sagt immer nur "Johannes". Wenn er von dem Täufer redet, sagt er nie "der Täufer". Er sagt immer nur "Johannes", weil er gar nicht vor hat, sich selbst mal zu nennen. Die anderen sagen immer "Johannes der Täufer", weil sie ihn dann von Johannes unterscheiden wollen. Das macht er gar nicht, weil es immer nur "Johannes". Er ist unwichtig, ganz unwichtig.

[52:25] Und was sind die ersten Worte, die er dort hört? "Und in dem er auf Jesus blickte, also Johannes der Täufer, der vorüberging, sprach er: Siehe, das Lamm Gottes." Die ersten Worte, die Johannes hört, sind: "Das ist das Lamm Gottes."

[52:46] Wisst ihr, in welchem Buch der Bibel Jesus am allermeisten das Lamm Gottes genannt wird? In welchem Buch der Bibel wird Jesus überall ständig das Lamm Gottes genannt? In der Offenbarung. Und wer hat die Offenbarung geschrieben? Johannes. Das heißt, hier sehen wir, als Jüngling wahrscheinlich, als Jugendlicher hört er zum ersten Mal die Worte: "Siehe, das Lamm Gottes." Und dann Jahrzehnte später, über ein halbes Jahrhundert später, auf der Insel Patmos, schreibt er jedes Mal, wenn er von Jesus spricht: "Das Lamm Gottes." "Ich war in der Mitte des Thrones, wie ein Lamm geschlachtet." "Die 144.000 mit dem Lamm." Und sie singen das Lied des Lammes. Das hat sich so tief eingeprägt in ihn. Jesus, das Lamm Gottes.

[53:42] Offensichtlich hat Johannes, der Täufer, seine Jünger weggewiesen auf Jesus. Jeder wahre Prediger des Evangeliums, jeder wahre Ausleger der Prophetie, wird seine Nachfolger von sich wegleiten auf Jesus. Es gibt öfter, dass Leute Leuten nachfolgen. "Ich gehöre zum Paulus, ich gehöre zum Kephas, ich gehöre zum Veit, ich gehöre zu dem." Jeder zu sagen: "Das ist mein Lieblingsprediger." Und jeder wahre Prediger wird sagen: "Schön, dass ihr da seid, aber schaut mal, da ist Jesus. Und da ist Jesus." Das ist ein wahrer Prediger. Ein wahrer Prediger.

[54:28] "Der Sehende, schaut hin." Wo haben wir das schon gelesen, dieses "Siehe, das Lamm Gottes"? Heute. Wo? Vers 29. Vers 29 und Vers 36 sind identisch. Zum Schluss eine kleine Übung in. Wir finden eine Struktur im Bibeltext. Vers 29 hat gesagt: "Siehe, das Lamm Gottes." Richtig? Was ist der Hauptinhalt von Vers 30? Von Vers 30? Die Gottheit Jesu. Seine Präexistenz. Was ist der Kerninhalt von Vers 31? Multitasking. Was ist der Kerninhalt von Vers 31? "Er kannte ihn nicht." Und er spricht von der Wassertaufe. Was ist Vers 32? Er bezeugt die Taufe. Was ist Vers 33? "Er kannte ihn nicht." Und es geht wieder um die Wassertaufe. Was ist Vers 34? Die Gottheit Jesu. Seht ihr, dass es rückwärts läuft?

[56:24] Vers 35, 36 würde ich zusammenfassen. Da heißt es wieder: "Siehe, das Lamm Gottes." Seht ihr das? "Siehe, das Lamm Gottes." Die Gottheit Jesu. "Ich kannte ihn nicht." Die Taufe. "Ich kannte ihn nicht." Die Gottheit Jesu. "Siehe, das Lamm Gottes." Das erste und der letzte Vers sind identisch. Der zweite und der vorletzte Vers. Der dritte und so weiter. Weiß man von euch, wie man sowas nennt? Die Theologen nennen sowas Chiasmus. Wenn man auf den Berg steigt, unten ist der Fluss, dann kommt der Wald, dann kommt die Almhütte, dann kommt das Geröll, oben kommt die Bergspitze, dann kommt das Geröll, dann kommt die Almhütte, dann kommt der Wald und unten der Fluss.

[57:24] Unten: "Siehe, das Lamm Gottes." Auf halber Höhe: Die Gottheit Jesu. Ziemlich weit oben: "Ich kannte ihn nicht." Die Taufe. "Ich kannte ihn nicht." Die Gottheit Jesu. "Siehe, das Lamm Gottes."

[57:39] Das heißt, der Johannes schreibt das auch noch ganz kunstvoll auf. Der gibt nicht nur einen Bericht, sondern auch so, dass man sich das gut merken kann und dass etwas im Zentrum steht. Was ist im Zentrum? Der Heilige Geist ist auf ihn gekommen, und das ist das Zentrum. Das Zentrum, das ist der Gipfel. Johannes sagt: "Ich habe bezeugt, der Heilige Geist ist auf ihm." Das war ein kleines Beispiel dafür, wie man interessante Dinge herausfinden kann in der Bibel. Nächstes Mal schauen wir weiter. Ihr könnt vorlesen ab Vers 37, was dann am dritten Tag alles so passiert ist. So bis Vers 42 oder so.

[58:27] Für heute halten wir fest: Jesus ist wirklich der Sohn Gottes, und er ist wirklich das Lamm Gottes, und er ist wirklich derjenige, der die Sünden hinweg nimmt. Wenn wir unseren Blick auf Jesus richten, so wie Johannes, dann werden wir in sein Ebenbild verwandelt. Amen.

[58:54] Lieber Vater im Himmel, hab doch herzlichen Dank für dein wunderbares Wort. Hab Dank für die Schönheit deines Evangeliums, dass wir immer neue Dinge kennenlernen und die tiefen Sehnen, die du hineingelegt hast. Wir möchten dich bitten von ganzem Herzen, dass unser Blick auch so unabwendbar auf Jesus gerichtet ist. Dass wir vor lauter Betrachtung von Jesus unser eigenes Ich vergessen. Wir danken dir, dass wir durch das Betrachten in sein Bild verändert werden. In seinem Namen bitten wir dies. Amen.


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