[0:00] Hallo und herzlich willkommen zur Cannstatt Study Hour hier auf www.joelmedia.tv.de. Herzlich willkommen auch allen Zuschauern auf Amazing Discoveries. Wir wollen heute unser Studium fortsetzen im Römerbrief anlässlich unserer Reformation Spezialausgabe der Cannstatt Study Hour, wo wir den gesamten Römerbrief in gleichgroßen Teilen Vers zu Vers chronologisch lesen und kommentieren und entsprechend versuchen wollen, diese gute Nachricht, diese wunderbare Botschaft vom Evangelium von Jesus Christus nachzuvollziehen, so wie Paulus das aufgeschrieben hat und ausgedrückt hat, wie es auch Martin Luther gepackt hat und zur Reformation geführt hat.
[1:03] In der letzten Folge haben wir uns vor allem Kapitel 2 und dann auch die ersten Verse von Kapitel 3 angeschaut. Wir haben dort drei wesentliche Dinge entdeckt. Zunächst einmal haben wir gesehen, dass es ein Gericht geben wird. Paulus basiert seine gesamte theologische Argumentation auf dieser Tatsache, dass ein Gericht gehalten werden wird, bei dem Gott die Menschen nach ihren Werken beurteilen wird, ob sie das Gesetz Gottes gehalten haben oder nicht. In einem zweiten Punkt hat er dann deutlich gemacht, dass das Besitzen des Gesetzes, das Hören des Gesetzes, das Kennen des Gesetzes nicht ausreicht, sondern dass man es wirklich halten muss und nicht der ein Jude ist, der äußerlich das Gesetz kennt, sondern der innerlich bestimmt am Herzen ist. Und dann in einem dritten Punkt konnten wir feststellen, dass Gott treu ist, auch wenn diejenigen, denen das Evangelium anvertraut war im Alten Testament, selbst im größten Teil den Glauben nicht praktiziert haben oder nicht so, wie Gott es sich gewünscht hat.
[2:01] An der Stelle wollen wir heute weitermachen und Kapitel 3, Vers 7 bis Kapitel 4, Vers 8 gemeinsam betrachten. Und bevor wir beginnen, möchte ich euch einladen, dass wir gemeinsam ein Gebet sprechen. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen für den Römerbrief und für die Tiefe der Gedanken, die wir dort entdecken können, die uns zeigen, wie du bist und wie du uns retten möchtest und was du für uns getan hast. Wir möchten dich bitten, dass wenn wir jetzt noch diese nächsten Verse uns anschauen, dass du mit deinem Heiligen Geist unser Denken erleuchtest, dass wir verstehen, was wir tun können, was wir tun müssen, um gerettet zu werden, wie wir durch den Glauben das Evangelium in unserem Herzen haben können. Bitte halte du alles Störende fern und gib, dass uns die Wahrheit ganz klar, ganz praktisch, ganz deutlich vor Augen steht, dass wir ihr folgen können durch deine Kraft. Im Namen Jesu beten wir dies. Amen.
[2:58] Römer 3, Vers 7. Paulus hatte gerade zuvor eine Frage aufgeworfen, nämlich warum richtet Gott Sünder, wenn Gott doch sogar trotz der Sünde auch in dem Leben von sündigen Menschen immer noch seine Gerechtigkeit offenbart. Paulus hatte das zunächst einmal damit schon beantwortet, dass Gott sonst gar nicht die Welt richten könnte und wir wissen, dass er das tun wird. In Vers 7 greift er die selbe Frage nochmal auf mit anderen Worten.
[3:33] Vers 7: „Wenn nämlich die Wahrhaftigkeit Gottes durch meine Lüge überströmender wird zu seinem Ruhm, weshalb werde ich dann noch als Sünder gerichtet?“ Also nicht meine Lüge macht Gott wahrhaftig, aber trotz meiner Lüge ist Gott wahrhaftig, sodass seine Wahrhaftigkeit in einem noch größeren Licht erscheint, weil er sogar trotz meiner Lüge wahrhaftig sein kann. Geschichten dafür gibt es in der Bibel eine ganze Reihe. Man erinnert sich an Josef, wo die Sünde der Brüder von Gott benutzt wird, um letztendlich fast die ganze Welt zu retten. Oder auch die Rebellion des Pharao gegen die klare Botschaft Gottes, die dazu führt, dass die Welt erkennt, wie Gott retten kann. An anderer Stelle spricht Gott zum Beispiel auch von einem gottlosen Assyrien, das er benutzt für seinen Plan, obwohl die Assyrer selbst gar nicht davon profitieren, weil sie gottlos sind.
[4:26] In Vers 8 zeigt jetzt Paulus, wohin solch ein Denken führen würde. Wenn man das Gericht ausblendet, wenn man also sagt, Gott ist so groß, er schreibt ja auf den krummen Linien gerade, wir wissen, dann braucht es bestimmt kein Gericht mehr. Dann zeigt Paulus jetzt, dass man dann ja eigentlich so reden müsste, wie es offenbar den Christen auch vorgeworfen worden ist.
[4:55] Vers 8. Also Paulus weist diesen Vorwurf, der offensichtlich damals gemacht worden ist, entschieden zurück, weil Gott nämlich die Werke richten wird. Er wird das Böse richten. Jesus hatte selbst vorher gesagt, dass die Christen verleumdet werden, in der Werkpredigt Matthäus 5, Vers 11. In 1. Petrus 3, 16 sagt Petrus, dass Christen als Übeltäter angeklagt werden, aber gerade deswegen sollten sie darauf achten, dass das nicht der Wahrheit entspricht. Und Paulus hat das nicht ohne Grund aufgeworfen, weil sogar in seiner Zeit Irrlehrer in die Gemeinde gedrungen waren, die tatsächlich in diese Richtung gepredigt haben, die die Gnade in Zügellosigkeit verkehrt haben, wie Judas 1, Vers 4 sagt. Aber durch die Verwendung des Wortes Verurteilung weist Paulus hin: Es gibt ein Gericht. Niemand kann also sagen, dass das Evangelium zum Böses tun auffordert, weil dadurch vielleicht Gottes Gnade noch toller sichtbar wird, sondern solch eine Pervertierung des Evangeliums wird durch die Lehre von dem gerechten Gericht Gottes über die Werke eindeutig korrigiert. Mit anderen Worten, wir brauchen die Botschaft vom Gericht, um das Evangelium wirklich ausgewogen und ohne Perversion darstellen zu können.
[6:28] Vers 9. Paulus kehrt jetzt zurück zu seiner eigentlichen Hauptargumentationslinie. „Wie nun? Haben wir etwas voraus? Ganz und gar nicht. Denn wir haben ja vorhin sowohl Juden als Griechen beschuldigt, dass sie alle unter der Sünde sind.“ Nachdem er in einem Exkurs in Vers 1-8 darüber gesprochen hat, dass es ja durchaus einen gewissen Vorzug für die Juden gab, nämlich dadurch, dass sie das Wort Gottes schriftlich in ihren Händen hielten, kehrt er jetzt zu der Frage zurück, ob sich daraus ein moralischer Vorrang ableitet, ein besser sein, ein besser wegkommen im Gericht Gottes. Und er zeigt, das ist nicht der Fall. Gott ist übrigens, so sagt uns Jesaja 65, besonders über die erzürnt, die von sich selbst behaupten, dass sie heiliger sind als andere und gleichzeitig in Übertretung leben. Auch das berühmte Gleichnis von dem Pharisäer, der Gott dankt, dass er nicht so ist wie die Sünder, und dann dem armen Sünder, der sich an die Brust schlägt, passt hier ganz gut hinein. Diese elitäre Haltung hat vor Gott nichts zu suchen.
[7:39] Wenn er sagt, vorhin haben wir sie als sowohl Juden und Griechen beschuldigt, bezieht er sich natürlich auf all die ganzen Abschnitte, die wir in den letzten beiden Folgen studiert haben. Die Bibel sagt an mehreren Stellen ganz deutlich, dass alle Menschen Sünder sind. Die Juden hatten zwar den Vorteil, dass sie das Gesetz kannten, aber moralisch vor Gott sind alle gleich, denn alle, ob sie das Gesetz kannten oder nicht, ob sie die Bibel in ihrem Besitz hatten oder nicht, sie alle haben gegen Gott gesündigt. Und Paulus sagte hier, wir haben sie beschuldigt. Das ist eine forensische Anklage, als würde er sie vor Gericht anklagen. Und diese Anklage, diese Behauptung, alle Menschen sind Sünder, die belegt er jetzt in einer ganzen Reihe von Bibelfersen.
[8:28] Alle diese Bibelverse demonstrieren einen und denselben Punkt, nämlich: Alle Menschen sind Sünder, unabhängig davon, wie viel religiöses Wissen sie haben. In Vers 10 heißt es: „Wie geschrieben steht.“ Hier zeigt Paulus erneut, wie schon in Kapitel 1, Vers 1 und 2 angedeutet, dass seine Botschaft des Evangeliums identisch ist mit dem, was im Alten Testament steht. Und entsprechend zitiert er jetzt eine ganze Reihe von alttestamentlichen Stellen, die seinen Punkt hier unterstreichen sollen. Ja, auch in Kapitel 3, Vers 4 hatte er schon das Alte Testament herangezogen. Jesaja 8, Vers 20 sagt uns, dass wir zum Gesetz und zur Weisung reden sollen. Ansonsten ist kein Licht in der Leere.
[9:17] Die Verse im Zusammenhang gelesen von Vers 10 bis 18 lauten wie folgt: „Es ist keiner gerecht, auch nicht einer. Es ist keiner, der verständig ist, der nach Gott fragt. Sie sind alle abgewichen, sie taugen alle zusammen nichts. Da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer. Ihre Kehle ist ein offenes Grab, mit ihren Zungen betrügen sie. Otterngift ist unter ihren Lippen. Ihr Mund ist voll Fluchen und Bitterkeit. Ihre Füße eilen, um Blut zu vergießen. Verwüstung und Elend bezeichnen ihre Bahn. Und den Weg des Friedens kennen sie nicht. Es ist keine Gottesfurcht vor ihren Augen.“
[9:51] Es ist ganz interessant, einmal anzuschauen, was die Quellen sind, aus denen Paulus hier schöpft. Zunächst einmal in Vers 10, 11 und 12 bezieht er sich auf Psalm 14, Vers 1 bis 3. Kann man vielleicht nachvollziehen, wenn wir das einmal kurz auch aufschlagen. Psalm 14, und dort Vers 1 bis 3. Dort heißt es: „Der Narr spricht in seinem Herzen: Es gibt keinen Gott. Sie handeln verderblich und abscheulich ist ihr Tun. Da ist keiner, der Gutes tut. Der Herr schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, um zu sehen, ob es einen Verständigen gibt, einen, der nach Gott fragt.“ Also hier hat Paulus tatsächlich auch manche Dinge weggelassen und auch anders formuliert, ein bisschen paraphrasiert. Und dann im Vers 3: „Sie sind alle abgewichen, allesamt verdorben. Es gibt keinen, der Gutes tut, auch nicht einen.“ Also teilweise zitiert, teilweise paraphrasiert sind diese drei Verse.
[10:59] Interessant ist, wenn man das vergleicht, dass durchaus hier das „Gutes tun“ in den Psalmen auch übersetzt wird mit „dass keiner der Gerecht ist“. Keiner der Gutes tut, keiner der Gerecht ist. Das ist vielleicht ganz interessant und passt natürlich auch zu anderen Beobachtungen im Alten Testament, wo es zum Beispiel in Jeremia 17 heißt, dass das Herz abgrundtief böse ist. Die Idee, dass keiner verständig ist, die haben wir schon auch im Römer Kapitel 1 gesehen, wo Paulus sagt, dass sie in Vers 22 zum Beispiel, dass sie sich für weise hielten, aber zu Narren geworden sind. Gottes Volk ohne richtige Einsicht, Jeremia 4, 22 oder auch Hosea 4, Vers 6. Und echtes Verständnis kann es nur der Sohn Gottes schenken, so sagt uns 1. Johannes 5, Vers 20.
[11:53] Dieser Abfall, „sie sind alle abgewichen“, ist sehr gut zu sehen auch zum Beispiel in 2. Mose 32, die Geschichte vom goldenen Kalb. Das ist ein Beispiel dafür, dass es diesen Abfall auch im Volk Israel gab, wo den Juden oder den Israeliten, Jesaja 53, Vers 6 sagt: „Wir sind alle in die Irre gegangen.“ Alle abgewichen sozusagen. Und hier heißt es ja: „Sie taugen alle zusammen nichts.“ Das erinnert vielleicht an Matthäus 25, Vers 30, an den unnützen Knecht, der hinausgeworfen wird.
[12:30] Dann in Vers 13 finden wir zwei Zitate, eins aus Psalm 5, Vers 10b und dann aus Psalm 140, Vers 4b. Das erste Zitat aus Psalm 5 mit dem offenen Grab, da gibt es eine interessante Parallelstelle in Jeremia 5, wo sich das auf die Babylonier bezieht. Das zweite Zitat aus Psalm 140, wo es heißt: „Otterngift ist unter ihren Lippen“, kommt direkt eigentlich aus dem Lied des Mose, aus 5. Mose 32 und bezieht sich dort auf die abgefallenen Israeliten.
[13:07] Also hier wird sehr deutlich, wie Paulus ganz bewusst aus verschiedenen Textstellen zitiert. Textstellen, die vielleicht eher auf die Heiden weisen und dann Textstellen, die eher auch auf das Volk Israel sich beziehen. Um deutlich zu machen, da gibt es im Alten Testament keinen Unterschied.
[13:23] Dann in Vers 14 kommt das Zitat aus Psalm 10, Vers 7 und dort bezieht es sich im Kontext auf die Gottlosen. Diese Psalmtexte sind oft auch Zitate, wo David von seinen Feinden spricht, den Feinden der Gerechtigkeit, den Feinden Gottes. Und Paulus sagt, das ist letztendlich der Zustand aller Menschen, wenn sie für sich genommen erstmal betrachtet werden.
[13:48] Dann in Vers 15 hier in Römer 3, Vers 15, das Zitat könnte vielleicht aus Sprüche 1, Vers 16 kommend betrachtet werden. Da gibt es eigentlich fast dasselbe auch. Aber vermutlich hatte Paulus wohl hier Jesaja 59, Vers 7 vor Augen, weil im nächsten Vers er dann Jesaja 59, Vers 7c und dann auch Jesaja 59, Vers 8 zitiert hat.
[14:15] Hier in Vers 15, 16 und 17. Das ist deswegen interessant, weil in Jesaja 59 der Prophet ja auch wieder zum Volk Israel spricht, wo er sagt: „Eure Sünden haben eine Scheidung gemacht, eine Trennmauer zwischen Gott und euch.“ Und auch hier können wir vielleicht nochmal den Abschnitt lesen in Jesaja 59. Und dort heißt es ja in Vers 2:
[15:11] „Den Weg des Friedens kennen sie nicht, es ist kein Recht in ihren Spuren. Sie machen sich krumme Pfade, keiner, der darauf geht, kennt den Frieden.“ Bezeichnet hier das Volk Gottes.
[15:23] Ganz am Ende seiner Zitatensammlung in Vers 18 haben wir dann nochmal ein Zitat aus Psalm 36, Vers 2b, wo Paulus interessanterweise sogar ein Wort ändert. In Psalm 36 geht es um „seine Augen“, und Paulus verallgemeinert das, um sozusagen die Kollektivität der Aussage zu betonen, zu „vor ihren Augen“. Und „keine Gottesfurcht“ ist natürlich sehr interessant, weil Sprüche 8, Vers 13 sagt, dass die Gottesfurcht bedeutet, das Böse zu hassen.
[16:04] Insgesamt zusammenfassend kann man sagen, dass Paulus hier sechs alttestamentliche Zitate verwendet, davon zwei etwas längere und vier sehr kurze. Fünf von denen stammen aus den Psalmen, wie gesagt, und eins aus dem Propheten Jesaja.
[16:21] Vers 19 ist unter diesem Gesichtspunkt besonders interessant. „Wir wissen aber, dass das Gesetz alles, was es spricht, zu denen sagt, die unter dem Gesetz sind, damit jeder Mund verstopft werde und alle Welt vor Gott schuldig sei.“ Das heißt, wenn hier von dem Gesetz jetzt die Rede ist, meint es nicht die Zehn Gebote, denn die hat er gerade nicht zitiert. Es meint noch nicht einmal die Tora, die fünf Bücher Mose, auch die wurden nicht zitiert, sondern das Wort „Gesetz“ kann hier im Römerbrief offensichtlich synonym verstanden werden mit der gesamten Bibel, die es damals gab, mit dem Alten Testament, wie wir es heute bezeichnen würden. In dem Sinne verwendet auch Jesus mehrmals das Wort „Gesetz“, zum Beispiel Johannes 10 oder auch Johannes 15, wo er sagt: „Habt ihr nicht in eurem Gesetz gelesen?“ Das heißt, die Idee hier ist: Das, was die Bibel sagt, sagt sie denen, die die Bibel haben. Wenn also hier immer wieder davon die Rede ist, dass alle unter der Sünde sind und alle abgewichen sind und alle in die Irre gegangen sind, dann sagt die Bibel das zu denen, die die Bibel vor sich haben. Die Juden können also nicht behaupten, dass diese Verse nicht auf sie zutreffen, weil nämlich sie diese Schrift gehabt haben und die Bibel zu denen spricht, die sie lesen. Das gilt also auch für die Juden, ist ein Punkt. Und damit ist bewiesen, dass die Juden genauso wie auch die Heiden Sünder sind.
[17:48] Interessant ist die Formulierung „unter dem Gesetz“. Die kommt öfter vor bei Paulus und muss gut verstanden werden. Was bedeutet es, „unter dem Gesetz“ zu sein? Vor allem, wenn jetzt ja hier auch das Gesetz sehr breit verstanden wird als letztlich das gesamte Wort Gottes. Dieser Ausdruck ist bei Paulus eine Formulierung für einen Zustand, bei dem man die Forderung des Gesetzes oder quasi den biblischen Standard und Maßstab kennt, weil man nämlich das schriftliche Wort Gottes kennt, aber aufgrund mangelnden Glaubens oder gar nicht vorhandenen Glaubens und ohne die Kraft des Heiligen Geistes nicht in der Lage ist, diesen Maßstab, den man kennt, umzusetzen, da die eigene Kraft niemals ausreicht. Wer unter dem Gesetz ist, kennt die Forderung des Gesetzes, hat aber nicht die göttliche Kraft, weil er noch keinen Glauben hat, diese Forderung zu verwirklichen. In diesem Sinne gibt es mehrere Stellen im Galaterbrief, die das sehr deutlich machen.
[18:52] „Unter dem Gesetz“ bedeutet also nicht Gehorsam dem Gesetz gegenüber, denn der ist ja gefordert, wie wir aus Römer 2 schon sehr deutlich sehen, und notwendig, wenn dann das Gericht urteilen wird. „Unter dem Gesetz“ ist die Kenntnis des Gesetzes, ohne die Fähigkeit, es halten zu können. Und deswegen sind auch die, die unter dem Gesetz sind, schuldig und Sünder.
[19:14] Hier greift Paulus um einen Gedanken auf, den er vorher schon immer mal wieder eingebracht hat, nämlich, dass angesichts des Gerichts Gottes niemand eine Entschuldigung hat. Wir haben das ja schon in Kapitel 1, Vers 20 gesehen, wo es hieß, dass sie keine Entschuldigung haben. Oder auch Kapitel 2, Vers 1. Und auch in Kapitel 3, Vers 4 ist deutlich, dass jeder Mensch ein Lügner ist und dass Gott siegreich hervorgeht, dass er Recht hat in dem, was er tut. Diese Idee, den Mund nicht aufmachen, was ja recht ähnlich ist mit „Mund aufmachen“, das ist ja auch in Kapitel 3, Vers 4 deutlich. Und man erinnere sich an das Gleichnis von dem Hochzeitskleid, als dann einer in den Saal hineinkommt und bei der Inspektion, bei der Untersuchung, nicht das Hochzeitskleid anhat, und dann sagt er, dass er das Hochzeitskleid nicht aufmachen kann. Das ist ja auch in Kapitel 3, Vers 4 deutlich. Und in Kapitel 4, Vers 5, Kapitel 6, Kapitel 7, Kapitel 8, Kapitel 9, Kapitel 10, Kapitel 11, da kann er auf die Nachfrage, warum er das Hochzeitskleid nicht anhat, was ja ein Symbol für die Gerechtigkeit Gottes ist, keine Worte vorbringen, er ist sprachlos. Sein Mund ist verstopft. Vor Gott schuldig.
[20:41] Paulus hatte das ja schon vorher in Vers 9 behauptet und jetzt durch die Bibelverse belegt. Deswegen sagt er, dass das jetzt quasi begründet und bewiesen ist. Er hat ja schon in Kapitel 2, Vers 1 auch durch die Logik nachgewiesen, dass wir schuldig sein müssen, weil wir die Sünde in anderen verurteilen und deswegen eigentlich zustimmen, dass diese Sünde verkehrt ist.
[21:13] Und jetzt kommt in Vers 20 ein wichtiger Punkt, der sozusagen die theologische Begründung liefert für das, was Paulus vorher geschlussfolgert hat. Da heißt es in Vers 20: „Weil aus Werken des Gesetzes kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden kann, denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.“ Äußere Gehorsam kann nicht rechtfertigen. Die Werke des Gesetzes, die jemand tut, weil er zwar weiß, was Gott sagt und versucht es äußerlich zu halten, das kann nicht Rechtfertigung bringen, sondern das Gesetz zeigt uns, dass wir Sünder sind. In gewisser Weise ist das die Zusammenfassung auch all der gesagten Verse vorher.
[22:05] Die Werke des Gesetzes, wie gesagt, bedeuten nicht, dass man das Gesetz befolgt, denn Römer 2, Vers 13 sagt ja, dass die Täter des Gesetzes gerechtfertigt werden, sondern es handelt sich um den vergeblichen Versuch derer, die unter dem Gesetz sind, wie wir gerade definiert haben, aus eigener Kraft etwas zu tun, nicht aus Glaubensgehorsam, denn Glaubensgehorsam zählt im Gericht vor Gott. Es sind Werke, die ohne Glauben geschehen und deswegen vergeblich sind. Epheser 2, Vers 9 sagt ja, wenn Erlösung durch Werke wäre, dann hätte der Mensch etwas zum Rühmen, wo er sagt, das habe ich getan und habe mir die Erlösung verdient. Aber nicht das Gesetz des Moses, sondern Jesus Christus bewirkt die Rechtfertigung, so sagt es auch Apostelgeschichte 13 und Galater 2, Vers 16, nicht durch die Werke des Gesetzes, sondern durch den Glauben an Jesus werden wir gerechtfertigt.
[23:00] Das Wort „Fleisch“ meint hier natürlich einfach Menschen im allgemeinen Sinn und damit kommen wir jetzt zu einem Schlüsselwort in diesem Vers, nämlich dem Wort „gerechtfertigt“. Was heißt das eigentlich? Ein Wort, das hier bei Paulus von großer Bedeutung ist, überhaupt im gesamten Neuen Testament. Rechtfertigung ist das genaue Gegenteil von Verurteilung, hat also einen Bezug zum Gericht. Wenn es kein Gericht gibt und Gott nie Gericht hält, ist auch der Begriff Rechtfertigung eigentlich überflüssig. Das heißt, das Evangelium, wie wir auch schon letztes Mal gesehen haben, das der Paulus predigt, braucht auch ein Gericht, ansonsten fehlt ihm sozusagen ein Koordinatensystem, in das das eingefügt werden kann. Das heißt, mit unserer Botschaft im ewigen Evangelium von der Stunde des Gerichts haben wir eigentlich eine wirklich hervorragende Grundlage, das Evangelium besser zu verstehen.
[23:57] Rechtfertigung ist also das Gegenteil von Verurteilung und damit die vollständige, absolute Vergebung der Sünde. Mit anderen Worten, wer die Bibel liest und einfach aus eigener Kraft versucht, alles richtig zu machen, kann der Verurteilung im Gericht nicht entrinnen. Er kann sich die Vergebung nicht verdienen.
[24:27] Die Erkenntnis der Sünde, die hier beschrieben wird, ist auch interessant. Das Wort „Erkenntnis“ bedeutet hier genaue Erkenntnis. Es geht nicht nur darum, dass man intellektuell etwas begreift, sondern dass man sich als Sünder erkennt, als Sünder begreift, als Sünder fühlt. Dass man vom ganzen Menschen her gesehen ganzheitlich deutlich gemacht bekommt, dass man Sünder ist. Und das geht nur durch das Gesetz Gottes, denn 1. Johannes 3, Vers 4 zeigt uns die einzige Definition, die es in der Bibel für Sünde gibt, nämlich Gesetzlosigkeit. Weil Sünde Gesetzlosigkeit ist, zeigt das Gesetz sehr genau, wo Sünde in unserem Leben ist.
[25:16] Paulus beginnt jetzt dieses ganze Problem noch ausführlicher zu analysieren. In Vers 21 heißt es: „Jetzt aber ist außerhalb des Gesetzes die Gerechtigkeit Gottes offenbar gemacht worden, die von dem Gesetz und den Propheten bezeugt wird.“ Die Gerechtigkeit Gottes ist offenbar gemacht worden. Damit geht er zurück auf Kapitel 1, Vers 16 und 17. Die Gerechtigkeit Gottes offenbart sich im Evangelium. Das Evangelium, so haben wir gelernt in Kapitel 1, Vers 1, 2, 3 und folgende, ist das Evangelium vom Sohn Gottes.
[25:56] Was bedeutet es, dass die Gerechtigkeit Gottes sich außerhalb des Gesetzes offenbart hat? Das bedeutet, dass das Evangelium nicht aus einem Buch besteht mit Buchstaben, sondern das Evangelium besteht aus einer Person, die am Kreuz hängend für uns gestorben ist. Deswegen außerhalb des Gesetzes. Das Buch konnte nicht von uns sterben, das Buch konnte kein Blut vergießen. Außerhalb des Buches, außerhalb des Gesetzes, Jesus Christus selbst als Person offenbart das Evangelium. Aber diese Gerechtigkeit Gottes im Evangelium wird bezeugt von dem Gesetz und von den Propheten. Das heißt, von dem biblischen Bericht, wie er schon in Kapitel 1, Vers 1 und 2 deutlich gemacht hat. Das ganze Alte Testament bezeugt das Evangelium. Und viele Stellen im Alten Testament machen das sehr deutlich. Übrigens ist schon im Alten Testament die Gerechtigkeit Gottes parallel gesehen mit seiner Rettung. So zum Beispiel in Jesaja 46, Vers 13 oder auch Jesaja 61, Vers 10, wo das Kleid des Heils auch der Mantel der Gerechtigkeit ist. Oder in Jesaja 54, Vers 17, wo die Gerechtigkeit Gottes unverklagbar macht.
[27:16] Das heißt, man ist dann gerechtfertigt, man kann nicht mehr verurteilt werden. Hier im Jahr 23, Vers 5 und 6, „Der Herr unsere Gerechtigkeit.“ Und diese Einführung dieser ewigen Gerechtigkeit wird in Daniel 9 ja vorhergesagt im Zuge dieser 70 Wochen, was auf das Kommen Jesu und seine Kreuzigung hinweist. Übrigens sagt die Bibel auch, dass wir in Jesus selbst zur Gerechtigkeit Gottes werden. Jesus selbst hat immer wieder darauf hingewiesen, dass das Evangelium vom Alten Testament bezeugt wird. Lukas 24, Vers 44, wo er sagt, dass sein ganzes Leben in den Prophezeiungen des Alten Testamentes erfüllt wird. Er hat selbst Geschichten wie die erhöhte Schlange benutzt, um das Evangelium zu illustrieren. Und er sagte an einer Stelle, dass wer den Schriften Moses nicht glaubt, auch an ihn, an Jesus nicht glauben würde. Paulus hat an manchen Stellen gesagt, dass er nichts anderes lehrt, als was die Schreiber des Alten Testamentes gesagt haben. Alle Propheten bezeugen das Evangelium, so auch Apostelgeschichte 10, Vers 43 und viele andere Stellen könnte man anführen, von denen Paulus hier sagt, dass Gesetze und die Propheten bezeugen die Gerechtigkeit Gottes im Evangelium, Vers 22.
[28:33] Paulus definiert jetzt diese Gerechtigkeit noch einmal ganz eindeutig, nämlich die Gerechtigkeit Gottes durch den Glauben an Jesus Christus, die zu allen und auf alle kommt, die glauben, denn es ist kein Unterschied. Paulus macht immer wieder eine klare Unterscheidung zwischen der eigenen Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, wo man versucht zu lesen und dann einfach aus eigener Kraft zu tun, und der Gerechtigkeit Gottes durch den Glauben, die wir haben können. Und wie wir später noch sehen werden, ist das die Gerechtigkeit, die auch Abraham gehabt hat. Diese Gerechtigkeit ist nur verfügbar unter einer einzigen Bedingung, nämlich Glauben.
[29:16] Interessant ist hier, dass es heißt: „zu allen und auch auf alle kommt.“ Möglicherweise wird mit diesem „auf alle“ dargestellt, dass die Gerechtigkeit wie ein Kleid uns bedecken möchte, so zum Beispiel Jesaja 61, Vers 10. Es gibt keinen Unterschied, da alle dasselbe Problem haben, wie er ja lang und breit ausgeführt hat, brauchen auch alle dieselbe Lösung. Galater 3, 28: Weder Jude noch Grieche, Position, Nationalität, Rang spielen alle keine Rolle. Und auch die Juden Petrus und Paulus mussten durch den Glauben gerechtfertigt werden, so sagen sie in Galater 2, Vers 16.
[29:56] Noch einmal begründet Paulus sehr klar und sehr auf den Punkt gebracht, warum es keinen Unterschied gibt in Vers 23: „Denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten.“ Das ist im Prinzip die Zusammenfassung fast des gesamten Römerbriefes bis dahin. Alle haben gesündigt und sind deswegen in einem Zustand, wo es ihnen an der notwendigen Herrlichkeit fehlt.
[30:21] Auch hier gibt es viele Bibelstellen: Kein Mensch ist so gerecht, dass er nie gesündigt hat, Prediger 7, Vers 20 oder auch: Wer behauptet, dass er ohne Sünde ist, der macht Gott zum Lügner und betrügt sich selbst, 1. Johannes 1, Verse 8-10. Diese Herrlichkeit, von der die Rede ist, das ist die Herrlichkeit, zu der Gott uns berufen hat, 1. Thessalonicher 2, Vers 12. Die Herrlichkeit Jesu, so 2. Thessalonicher 2, Vers 14.
[30:47] Und jetzt, nachdem Paulus noch einmal deutlich gemacht hat, warum alle dasselbe Problem haben und alle auch dieselbe Lösung brauchen, präzisiert er den Kern des Evangeliums in einem seiner wichtigsten Sätze überhaupt: „sodass sie ohne Verdienst gerechtfertigt werden.“ Also sie werden nicht verurteilt, ihnen wird die Sünde vergeben durch seine Gnade, aufgrund der Erlösung, die in Christus Jesus ist. Der Mensch kann für die Vergebung, für die Aufhebung der Verurteilung, keine eigenen Verdienste hinzufügen.
[31:29] Einige andere Paulus-Texte dazu: 1. Korinther 6, Vers 11. Rechtfertigung geschieht durch Jesus Christus und durch den Heiligen Geist. Epheser 2, Verse 7-10. Kein Mensch kann sich rühmen. In der Erlösung durch Jesus zeigt sich die Freundlichkeit Gottes. Und Titus 3, Verse 5-7. Die Rechtfertigung ist kein formal juristischer Akt, sondern wir werden gewaschen. Wir erleben die Wiedergeburt durch den Heiligen Geist, wenn Gott uns die Sünde vergibt.
[32:02] In Jesaja 53 war schon vorhergesagt worden, dass der gerechte Messias durch seinen Tod viele gerecht machen würde, das heißt, rechtfertigen würde. Jesus gibt sein Lösegeld für viele, Epheser 1, Vers 7. Erlösung ist die Vergebung unserer Sünden durch das Blut Jesu, Titus 2, Vers 14. Jesus erlöst von aller Gesetzlosigkeit, von jeder einzelnen Sünde. Sein Blut ist teurer als Gold und Silber, 1. Petrus 1. Und in seinem Blut werden unsere Kleider weiß, Offenbarung 7, Vers 14.
[32:34] In den nächsten beiden Versen hat Paulus eine besonders dichte theologische Aussage. Die Verse sind nicht so einfach zu verstehen. Vers 25: „Ihn hat Gott zum Sühnopfer bestimmt, das wirksam wird durch den Glauben an sein Blut, um seine Gerechtigkeit zu erweisen, weil er die Sünden ungestraft ließ, die zuvor geschehen waren.“ Dieses Wort „Sühnopfer“, Hilasterion, ist schwer zu übersetzen. Es kommt im Neuen Testament nur noch einmal vor, in Hebräer 9, Vers 25, und steht dort für den Sühnedeckel. Auf dem Sühnedeckel sollte das Blut des Opfers kommen und vollständige Versöhnung erwirken. Das ist interessant. Das hat zu tun mit dem großen Versöhnungstag natürlich auch.
[33:22] Diese Formulierung: „Ihn hat Gott zum Sühnopfer bestimmt.“ Dieses Bestimmen kann entweder bedeuten, sich vornehmen. So zum Beispiel in Kapitel 1, Verse 12 und 13, wo Paulus sich vornimmt, nach Rom zu kommen, oder auch das als Ziel hat. An vielen anderen Stellen heißt es aber auch: öffentlich machen. Und das ist deswegen interessant, weil Jesus, als er starb, der Vorhang im Tempel zerriss und das Allerheiligste sichtbar gemacht wurde. Da gab es natürlich keine Bundeslade und keinen Sühnedeckel buchstäblich. Aber die Idee ist schon auch die, dass durch den Tod Jesu die Versöhnung Gottes, die vorher im alten Bund durch die Vorhänge quasi ein bisschen versteckt war, öffentlich gemacht worden ist. Da ja auch die Idee von der Schlange, die erhöht werden muss. Und dieses Wort ist verwandt mit gnädig, mit Sühnen, mit Sühnopfer. Deswegen wird auch manchmal Sühnopfer übersetzt. Die Idee ist also, dass Jesus die Versöhnung schlechthin ist. Durch ihn geschieht Versöhnung. Er ist das Zentrum des gesamten Versöhnungsdienstes. Und das hat Gott öffentlich gemacht. Er hat das sichtbar gemacht für alle durch sein Blut. Und wenn wir das glauben, können wir davon profitieren. Das ist letztendlich die Idee dieses Verses.
[34:51] „Weil er die Sünden ungestraft ließ, die zuvor geschehen waren.“ Hier sagt das Griechische, dass er vorbeigegangen ist. So ähnlich wie es auch im Hebräischen das Passach ist, wo Gott vorbeigeht. Gott hat ja eine ganze Zeit lang Sünden auch vergeben, ohne den Preis dafür gezahlt zu haben. Das erklärt sich jetzt in Vers 26.
[35:10] „Als Gott Zurückhaltung übte, um seine Gerechtigkeit in der jetzigen Zeit zu erweisen, damit er selbst gerecht sei und zugleich den rechtfertige, der aus dem Glauben an Jesus ist.“ Gott hat zwar immer schon wieder Sünden vergeben, aber jetzt durch das Kreuz Jesu wird deutlich, dass er sowohl vergibt, rechtfertigt, als auch wirklich gerecht ist. Diese beiden Ideen sind übrigens nicht im Gegensatz zueinander, sondern sie kommen zusammen. Gerechtigkeit und Frieden haben sich geküsst, sagt Psalm 85, Vers 11. Und Sacharja 9, Vers 9 sagt, dass Jesus Christus ein Gerechter ist und ein Retter. Und das Kreuz offenbart diese Wahrheit vollkommen.
[35:47] Vers 27: „Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen, durch welches Gesetz? Das der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens.“ Die Juden hatten sich gerühmt, so hatten wir in Kapitel 2, Vers 17 und 23 gesehen, weil sie das Wort Gottes haben und kennen. Aber wenn Gott vergibt, dann gibt es nichts zu rühmen, sondern die Menschen müssen sich schämen, wie wir schon Hesekiel 16 zitiert haben, dort ja auch ganz besonders die Juden im Kontext gemeint. Der Sünder, der sich an die Brust schlägt und sich schämt, der erfährt Rechtfertigung. Der Pharisäer, der sich rühmt, wird nicht gerechtfertigt. Ausgeschlossen, wörtlich eigentlich der, es ist ausgeschlossen worden, durch eine Handlung, durch eine Tat, die in der jüngeren Vergangenheit liegt, aus der Sicht von Paulus, nämlich durch den Tod von Jesus am Kreuz. Jetzt ist es ausgeschlossen, sich zu rühmen, denn die Gerechtigkeit Gottes ist offenbar am Kreuz.
[36:54] Durch welches Gesetz? Paulus sagt also offensichtlich hier, das menschliche Rühmen wäre nicht ausgeschlossen, wenn die Gesetzeswerke Erlösung bringen, aber es ist aus dem Glauben und deswegen ist menschlicher Ruhm ausgeschlossen.
[37:12] Vers 28: „So kommen wir nun zu dem Schluss.“ Also Paulus zieht jetzt hier so ein bisschen die Summe des bisherigen, dass der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt wird, ohne Werke des Gesetzes. Dem Menschen wird vergeben, er wird nicht verurteilt im Gericht, weil er Gott glaubt. Und in diesem Akt spielt das, was ich allein aus eigener Kraft tue, um Gott zu gefallen, keine Rolle. Das ist eigentlich eine wunderbare Zusammenfassung dessen, was er bisher hier gesagt hat. Und es wird durch Jesus bestätigt: Er sagt, dass jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben haben wird.
[37:52] Paulus nimmt jetzt nochmal Bezug auf einige rhetorische Fragen. Vers 29: „Oder ist Gott nur der Gott der Juden oder nicht auch der Heiden? Ja, freilich auch der Heiden.“ Diese rhetorische Frage, die er selbst beantwortet, zeigt: Es wäre ja unsinnig zu glauben, dass die Erlösung von bestimmten Vorrechten abhängt, die nur die Juden haben, weil dann wäre Gott nur der Gott der Juden und nicht der Gott der Heiden. Aber er ist der Gott der Heiden, wie das Alte Testament ja an vielen Stellen offensichtlich sagt. Jesaja 19, 25 ist besonders interessant, weil dort Gott sagt, dass er es plant, dass Ägypten und Assyrien genauso Volk Gottes sind wie auch Israel. Er wird Gott der ganzen Erde genannt, Jesaja 54. Alle Heiden sollen zu ihm kommen, viele Heidenvölker werden Teil des Volkes Gottes, Jesaja 2, Vers 15. Und das war etwas, was die Juden ja theoretisch eigentlich auch wussten. Gott ist ein Gott für alle und deswegen muss auch die Erlösung für alle gleich sein.
[38:44] Vers 30.
[38:55] Es besteht eigentlich kein sachlicher Unterschied zwischen „aus Glauben“ und „durch Glauben“. Wenn man beide Phrasen im Römerbrief studiert, wird deutlich, dass beides sowohl von den Juden als auch von den Heiden gesagt wird. Es heißt zum Beispiel ja auch schon in Vers 22, dass alle durch den Glauben an Jesus gerettet werden. Also da sollte man keine große Unterscheidung vornehmen. Und Galater 5, Vers 6 sagt ja: „Die nicht die Beschneidung zählt, sondern der Glaube, der durch die Liebe wirksam wird.“ Gott handelt also an allen gleich.
[39:30] Daraus ergibt sich natürlich aus Sicht des jüdischen Denkens eine wichtige Frage. Wenn das so ist, heben wir nun das Gesetz auf durch den Glauben? Vers 31. Paulus beantwortet diesen gewichtigen Einwand mit einem klaren: „Das sei ferne. Vielmehr bestätigen wir das Gesetz.“ Übrigens, das Gesetz außer Kraft zu setzen, wäre ja eine ziemlich dramatische Sache. Psalm 119, Vers 126 sagt, dass Gott sich aufmachen soll, wenn das Gesetz außer Kraft gesetzt wird. Jesus selbst war diesem Vorwurf ausgesetzt und hat in der Bergpredigt deutlich gesagt, dass er nicht gekommen ist, das Gesetz aufzulösen, sondern um das Gesetz zu erfüllen. Im Gegenzug sagte Jesus, dass es gerade die jüdischen Traditionen waren, die de facto das Gesetz Gottes aufgehoben haben, so zum Beispiel Matthäus 15, Vers 6.
[40:23] Das Evangelium, so wie Paulus es predigt, bestätigt das Gesetz. Das Gesetz wird man später im Römerbrief an mehreren Stellen sehen. Das heißt, dass die vom Gesetz geforderte Gerechtigkeit in uns erfüllt wird durch den Heiligen Geist. Jesus hatte ja das Gesetz Gottes im Herzen. Und im Neuen Bund, von dem er Paulus hier auch schreibt, wird das Gesetz Gottes den Gläubigen ebenfalls ins Herz geschrieben. Jakobus sagt uns, Kapitel 2, dass wir nach dem Gesetz der Freiheit leben sollen. Paulus lehnt nicht das Gesetz ab, sondern zeigt endlich den Weg, wie man das Gesetz Gottes überhaupt halten kann, wie es bestätigt wird, wie der eigentliche Sinn der gesamten Bibel, der eigentliche Sinn des gesamten Alten Testament ist, sowohl in den Geboten als auch in den Prophezeiungen, als auch in den Verheißungen, als auch im Heiligungsdienst. All das wird bestätigt und erfüllt und vollendet durch das Evangelium, wie es jetzt im Römerbrief erklärt wird.
[41:24] Um das zu begründen, muss Paulus natürlich auf das Alte Testament zurückgreifen. Und er tut das, indem er die Person aus dem Alten Testament aufgreift, die quasi die Gallionsfigur ist des jüdischen nationalen Denkens, nämlich Abraham. Ganz ähnlich verfährt er auch im Galaterbrief, wo er ebenfalls auf Abraham sich bezieht. Der galt als Vater der Juden, so stellen wir fest, im Johannesevangelium immer wieder auch. Oder auch Lukas 16, Vers 24.
[41:52] Er sagt hier in Kapitel 4, Vers 1: „Was wollen wir denn sagen, dass Abraham, unser Vater nach dem Fleisch, erlangt hat?“ Abraham ist schon Jesaja 51 als der Vater Israels bezeichnet worden. Johannes der Täufer hat übrigens die Juden getadelt, die sich allein darauf verlassen wollten, dass Abraham ihr buchstäblicher Vater sei. Und Jesus hat in Johannes 8 sehr deutlich eine Unterscheidung vorgenommen zwischen der ethnischen Abstammung und der geistlichen Kindschaft.
[42:19] Paulus stellt die rhetorische Frage: Was hat denn Abraham nach dem Fleisch, das heißt in seiner eigenen menschlichen Kraft, ohne Gott erreicht? Gibt es irgendetwas, fragt er mit anderen Worten, das Abraham für sich genommen, ohne Gott, ohne Erlöser, ohne Glauben, ohne Heiligen Geist, für sich genommen erreicht hat, sodass wir ihn besonders preisen sollten, dass wir ihn als Vorbild nehmen sollten. Und er begründet auch, warum er diese Frage stellt.
[42:46] Vers 2: „Wenn nämlich Abraham aus Werken gerechtfertigt worden ist, hat er zwar Ruhm, aber nicht vor Gott.“ Wenn also Abraham eigene menschliche Leistung erbracht hat, dann werden Menschen ihn dafür rühmen. Aber vor Gott wird das nicht zählen. Denn wenn Abraham seine Rechtfertigung auf die Grundlage von Werken gestellt hätte, hätte Abraham ein Problem gehabt. Paulus macht sehr deutlich: Vor Gott hätte er keinen Ruhm gehabt. Und wir brauchen uns die Geschichte von Abraham nicht lange anschauen, um festzustellen, da gibt es Dinge, wo er gelogen hat, wo er falsche Dinge getan hat. Zweimal hat er seine Frau als Schwester ausgegeben, was nur die halbe Wahrheit war. Und dabei zweimal beinahe schwere Sünde über Menschen gebracht. Wenn also Abraham seine eigene Erlösung, sein eigenes Wohlsein mit Gott auf eigene Werke basiert hätte, hätte er vielleicht Ruhm vor Menschen gehabt. Menschen hätten ihn immer noch gelobt und wären für ihn gewesen, wären ihm nachgefolgt, aber vor Gott hätte er keinen Ruhm gehabt.
[43:48] Vers 3. Paulus zitiert jetzt die Bibel, um deutlich zu machen, was die Grundlage der Erlösung für Abraham war. „Denn was sagt die Schrift? Wieder bezieht er sich auf die Bibel, wie wir in Römer 8, wie wir in Jesaja 8, Vers 20 lernen, dass wir es tun sollten. Abraham aber glaubte Gott und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet.“ Berühmtes Zitat aus 1. Mose 15, Vers 6, das auch im Galaterbrief benutzt wird, um denselben Punkt zu machen. Interessanterweise, wenn man 1. Mose 15, Vers 6 im Original liest, könnte man eigentlich wörtlich übersetzen: „und er war einer, also Abraham, der dem Herrn glaubte.“ Das war also eigentlich eine ständige, andauernde Haltung. Nicht nur ein einmaliges: „Ah ja, okay, ich denke, das wird schon stimmen“, sondern eine grundsätzliche Lebenshaltung, die Abraham an den Tag gelegt hat. Und das hat der Herr ihm als Gerechtigkeit angerechnet.
[44:44] In den nächsten beiden Versen, Vers 4 und 5, erklärt Paulus noch einmal so den theoretischen Unterschied zwischen der Werks- und der Glaubensgerechtigkeit. In Vers 4 lesen wir: „Wer aber Werke verrichtet, dem wird der Lohn nicht aufgrund von Gnade angerechnet, sondern aufgrund der Verpflichtung.“ Wenn also das Evangelium auf Grundlage der eigenen Werke bestehen würde, dann wäre es keine Gnade mehr. Dann wäre Gott verpflichtet, uns etwas zu geben, was wir uns verdient haben. Matthäus 20 hat dieses interessante Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, wo Jesus diese Idee, dass man nach der Leistung belohnt wird, ganz aus den Angeln hebt. Denn dort erhalten alle den gleichen Lohn, obwohl sie sehr unterschiedlich viel gearbeitet haben. Offensichtlich basiert der göttliche Heilsplan nicht auf der Idee menschlicher Leistung.
[45:35] Aus einem simplen Grund: Alles, was vor Gott zählen würde, wäre ein vollkommen sinnloses Leben. Aber das hat niemand vorzuweisen. Das heißt, wenn Gott dieses Prinzip als Grundlage genommen hätte, wäre niemand überhaupt für den Himmel in Frage gekommen. Denn, wie wir in Römer 3, 23 gesehen haben, verfehlen alle die Herrlichkeit, die sie eigentlich vor Gott haben sollten. Alle sind im Minus, sozusagen.
[46:01] Im Gegensatz dazu steht die Gerechtigkeit aus dem Glauben. Vers 5: „Wer dagegen keine Werke verrichtet, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, dem wird sein Glaube als Gerechtigkeit angeeignet.“ Das war der Glaube, den Abraham gehabt hat. Wie er nochmal diese Bezug auf den Bibelfers aus 1. Mose 15, 6 sagt. Abraham hat nämlich an Gott geglaubt. Er hat geglaubt, dass Gott dem Sünder vergibt. Dass Gott dem Gottlosen vergeben kann und das eigentlich fällige Urteil über die Sünde nicht aussprechen wird. Und um das zu glauben, braucht es keine eigene Leistung, sondern es braucht den Glauben, dass Gott genau das tut. Es braucht den Glauben, dass Gott die bereits begangene Sünde, die ich ja nicht durch eine neue Heldentat auslöschen kann, dass er die begangene Sünde mir nicht anrechnet und stattdessen mir vergibt. Dass er kein Urteil, keine Verurteilung über mich ausspricht. Das kann ich durch Leistung ihm nicht dazu erkaufen. Ich kann das nur glauben, weil er es mir verspricht.
[47:23] Abraham war übrigens genauso ein Gottloser, wenn er ohne Gott gelebt hätte, der genauso unter die Beschreibung von Römer 1 und 2 fällt, der genauso gesündigt hatte. Abraham vertraute nicht auf das, was er kann. Abraham wusste, ich habe schon gesündigt, ich bin ein Sünder und meine einzige Hoffnung besteht daran, dass ich Gott glaube, dass er das tun kann, was er versprochen hat.
[47:52] Paulus nimmt dann noch ein zweites Beispiel aus dem Alten Testament, nämlich David, den berühmten König. In Vers 6 heißt es: „Ebenso preist auch David den Menschen glückselig, dem Gott ohne Werke Gerechtigkeit anrechnet.“ Also das ist nicht nur bei Abraham zu finden, das findet sich durch das gesamte Alte Testament. Auch David spricht von dieser Gerechtigkeit, die Gott uns zurechnet, die er uns anrechnet, ohne dass der Mensch sich durch eigene Leistungen dafür qualifiziert.
[48:26] Das heißt hier in Vers 7 und 8: „Glückselig sind die, deren Gesetzlosigkeiten vergeben und deren Sünden zugedeckt sind. Glückselig ist der Mann, dem der Herr die Sünde nicht anrechnet.“ Das ist ein Zitat aus Psalm 32, Verse 1 und 2. In diesem Bußpsalm hat David seine eigene Reaktion auf die Sünde verarbeitet. Zunächst hat er versucht, das Ganze totzuschweigen, zu vertuschen. Aber das hat ihm keinen inneren Frieden gemacht. Dann hat er seine Schuld eingesehen, als Nathan ihn mit seiner Sünde konfrontiert hat. Und darauf, nachdem er seine Sünde bekannt hat, hat er die Erfahrung der Sündenvergebung durch Gott gemacht und beschreibt dieses Gefühl.
[49:16] „Glückselig sind die, deren Gesetzlosigkeiten vergeben sind.“ Wenn man das übrigens mit dem originalen Hebräisch in Psalm 32 abgleicht, stellt man fest, es gibt keinen Unterschied hier zwischen Sünde und Sünden, wie manchmal etwas haarspalterisch Theologie einen Unterschied vorgenommen werden will. Genauso gibt es auch keinen Unterschied hier zwischen Sünde und Schuld. Das wird hier austauschbar verwendet, auch wenn sicherlich natürlich verschiedene Bedeutungsnuancen zugrunde liegen können.
[49:46] Worin besteht die Glaubensgerechtigkeit? Sie besteht darin, dass Gott die Sünde vergibt, dass ich im Gericht nicht verurteilt werde, weil Jesus durch sein Blut bereits die gerechte Strafe für diese Sünde bezahlt hat und seine Gerechtigkeit mir angerechnet wird, während meine Sünde auf ihn gelegt worden ist. Dieser Tausch, der wird auch in 2. Korinther 5, Vers 21 beschrieben, wo unsere Sünde und Jesu Gerechtigkeit getauscht werden. Christus ist unsere Gerechtigkeit.
[50:18] Wenn ich also glaube, dass Jesus meine Sünde, die ich nicht durch eigene Leistung wiedergutmachen kann, getragen hat, dann darf ich wissen und glauben, dass er, weil er gestorben ist, weil die Gerechtigkeit Gottes sichtbar gemacht worden ist, dass Gott ganz gerechterweise mich nicht mehr verurteilen muss, weil Jesus meine Sünde auf sich genommen hat. Meine Missetaten können gezögert werden. Gott vergibt die Schuld, er deckt die Sünden zu. Bei Gottes Vergebung und deswegen wird man ihn fürchten. Gott hat Freude daran, unsere Sünden zu vergeben, so Micha 7. Und wenn wir unsere Sünden vergeben bekommen, dann werden wir froh, wie Matthäus 9, Vers 2 sagt. Jesus hat unsere Sünden ans Kreuz gemacht.
[51:09] Liebe Freunde, wir können dieses Studium nicht beenden, ohne uns die Frage zu stellen, ob wir alle unsere Sünden Jesus übergeben haben, ob wir ihm glauben, nicht aufgrund unserer eigenen Werke, nicht aufgrund unserer eigenen Klugheit und Stärke und Macht, sondern aufgrund unseres Glaubens sagen können, dass Jesus unser Erlöser ist, dass wir mit Freude und Zuversicht auf das Gericht blicken können, weil unsere Sünden von Jesus getragen worden sind, weil wir glauben, dass er unsere Sünde auf sich genommen hat, dass er uns deswegen rechtfertigen wird, dass er uns deswegen im Gericht nicht verurteilen wird, sondern dass er uns die Sünden vergeben hat und entsprechend dann auch im Gericht uns freisprechen wird.
[51:59] Diese Verbindung, dieses Evangelium wird umso schöner und kraftvoller, je mehr man die Wahrheit vom Kreuz mit der Wahrheit des Gerichts ab 1844 verbindet. Jesus ist am Kreuz gestorben, damit ich im Gericht nicht verurteilt werden muss. Die Rechtfertigung bedeutet, dass ich so wie Jesaja 54 sagt, im Gericht unverklagbar bin. Möchtest auch du diese Gewissheit haben, dass Jesus alle deine Sünden auf sich genommen hat und du dem Gericht zuversichtlich entgegen schauen kannst, weil er für dich gestorben ist und du es ihm einfach glauben musst und aus dem Glauben gerechtfertigt wirst und die Gerechtigkeit Gottes dir angerechnet wirst? Möchtest du auch dieses Gefühl der Glückseligkeit haben, von dem David spricht? Gott segne dich in deiner Entscheidung, Christus, unsere Gerechtigkeit, für dich persönlich anzunehmen und mit ihm zu leben.
[52:54] Nächste Woche sehen wir uns hier wieder, um dann weiter zu studieren, wie Paulus diese Gedanken weiter ausführt und weiter erklärt. Und ich freue mich schon darauf, wenn ihr dann wieder einschaltet. Bis dahin wünschen wir euch Gottes Segen und Freude beim Studium seines Wortes.
[53:24] Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!