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Manuskript zur Sendung >>> Römer Teil 8

In dieser Folge der Cannstatt Study Hour taucht Christopher Kramp tief in Römer 9:9 – 10:8 ein. Er beleuchtet die komplexe Frage der Auserwählung und Gottes Souveränität im Verhältnis zur menschlichen Verantwortung. Anhand biblischer Beispiele wie Jakob und Esau, Pharao und dem Töpfer mit dem Ton erklärt Paulus, dass Erlösung nicht von menschlichem Wollen oder Tun abhängt, sondern von Gottes Gnade. Die Ausführungen zeigen auf, wie Gottes Plan auch durch scheinbar negative Umstände zur Verherrlichung seines Namens dient und wie die Gerechtigkeit aus Glauben für Juden und Heiden gleichermaßen zugänglich ist.


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Serie: Cannstatt Study Hour 2017 Q4: Der Römerbrief (Reformations-Spezial)

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Transkript

[0:00] Hallo und herzlich willkommen zur Cannstatt Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Herzlich willkommen gilt auch allen Zuschauern auf Amazing Discoveries zur 8. Folge unseres Studiums über den Römerbrief anlässlich unseres Reformations-Spezials für die Cannstatt Study Hour.

[0:39] Wir wollen durch den Römerbrief Vers für Vers gehen, ihn biblisch kommentieren und diese kraftvolle Botschaft des Evangeliums, die auch Martin Luther so sehr begeistert hat und die Reformation in Gang gebracht hat, diese Botschaft wollen wir verstehen und auf unser Leben anwenden.

[0:54] In der letzten Folge haben wir gesehen, wie alle diejenigen, die durch den Geist Gottes Söhne Gottes sind, auch ein Anrecht haben auf das letztendliche Erbe, das wir noch erhoffen, nämlich die Verwandlung unseres Körpers. Darauf hofft die ganze Schöpfung und wir haben gesehen, dass wir darauf vertrauen dürfen, dass wenn wir gerechtfertigt sind, wenn wir Heiligung erleben, dass wir alles von Gott geschenkt bekommen. Wir müssen nicht denken, dass wenn wir drei Schritte erlebt haben, den vierten nicht mehr erleben können, sondern Gott, der für uns seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, der wird uns alles schenken. Und obwohl wir in dieser Welt sehr viele Mühsal und Drangsal und Schwierigkeiten und Feindschaft erleben werden, werden wir weit überwinden durch den, der uns geliebt hat.

[1:41] Paulus hat dann in einem ganz neuen Gedankengang diese Idee oder die Frage aufgegriffen, was ist dann jetzt aus dem buchstäblichen Israel geworden, dem ja das Evangelium anvertraut worden war. Und er beginnt dann in Kapitel 9 mit dieser längeren Diskussion der Frage, was ist aus Israel geworden, die ja so viel bekommen hatten, die Bündnisse und die Verheißung, das Gesetz. Und Paulus zeigt dann, dass nicht jeder, der von Israel ist, ein wahrer Israelit ist. Und sein Grundzeug ist Abraham und dessen Sohn Isaak alleine war der Sohn der Verheißung. An der Stelle wollen wir heute weitermachen, aber bevor wir mit dem Studium beginnen, möchten wir ein kurzes Gebet sprechen, wozu ich euch einlade.

[2:32] Lieber Vater im Himmel, wir danken dir für deine große Güte, für deine unermessliche Liebe und diesen wunderbaren Erlösungsplan, den du dir ausgedacht hast. Kein Mensch wäre auf so etwas gekommen und wir danken dir, dass wir im Römerbrief diesen Erlösungsplan besonders klar und deutlich sehen können. Wenn wir jetzt deine Gefäße studieren werden, die so spannend sind, aber auch oft missverstanden werden, bitten wir dich um deinen Heiligen Geist, dass du uns Weisheit schenkst, die richtige Erkenntnis und dass wir erfüllt werden mit einer Wertschätzung deines Charakters und erfüllt werden mit deiner Liebe, so wie wir es gelesen haben, dass dein Heiliger Geist deine Liebe in unser Herz ausgießen wird. Sei du bei uns. Gib, dass wir uns gut konzentrieren können und hab Dank, dass du zu uns sprechen wirst und dass dein Wort nicht leer zurückkehrt, so wie du es verheißen hast, im Namen unseres großartigen Erlösers, Jesus Christus. Amen.

[3:26] Römer 9, Vers 9. Nachdem Paulus gesagt hat, dass Isaak das Kind der Verheißung ist und nicht alle ethnischen Nachkommen Abrahams dasselbe Erbe bekommen, führt er jetzt einen Bibelvers an zur Begründung, Vers 9. Denn das ist ein Wort der Verheißung: "Um diese Zeit will ich kommen, und Sarah soll einen Sohn haben."

[3:52] Die Grundlage der Existenz Isaaks war also eine Verheißung, ein Versprechen. Und Abraham hatte ebenfalls diese Verheißung in 1. Mose 17 erhalten. Auch die Erfüllung wird dann in 1. Mose 21 auf die Verheißung Gottes zurückgeführt. Hebräer 11 sagt: Sarah wurde schwanger, weil sie Gott glaubte.

[4:18] Paulus führt jetzt noch ein zweites Beispiel an, um denselben Punkt zu unterstreichen, Vers 10. Es geht jetzt also um die nächste Generation. Nicht nur bei Abraham war es so, dass nicht seine ethnischen Kinder alle automatisch auch Erben der Verheißung waren, sondern auch bei Isaak war es so, dass dort zwei Kinder waren. Wir kennen die Geschichte, da waren Jakob und Esau. Biologische Nachkommenschaft bedeutet nicht automatisch Teilhabe des göttlichen Segens. Diese Geschichte findet sich in 1. Mose 25 und Paulus geht jetzt darauf ein in Vers 11.

[5:00] "Als die Kinder noch nicht geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten, damit der gemäß der Auserwählung gefasste Vorsatz Gottes bestehen bleibe, nicht aufgrund von Werken, sondern aufgrund des Berufenden." Nun, dieser Vers ist sehr interessant. Es geht darum zu zeigen, dass die Erlösung nicht ethnisch bedingt ist, weil offensichtlich Jakob und Esau ein unterschiedliches Schicksal erlitten haben. Dieser Vers begründet vor allem den Vers 12, auf den wir gleich noch zu kommen werden. Es geht hier also nicht darum zu zeigen, dass einer von den beiden von vornherein zum Segen programmiert worden ist, sondern Gott sagt im Vorhinein das, was er über die freiwillige Entscheidung der beiden weiß, damit niemand auf die Idee später kommt, Jakob hätte sich den Segen irgendwie verdient, dass Gott sich nach dem Jakob das eine oder andere getan hat, dafür entschieden hat, dann doch Jakob zu segnen. Gott sagt deutlich, dass er weiß, wie sich jeder entscheiden wird, schon lange bevor diese Dinge überhaupt getan sind.

[6:16] Der Vorsatz Gottes ist ja eine Idee, die wir schon in Römer 8, Vers 28 bis 30 studiert haben. Gott tut alles für diejenigen, die ihn lieben. Das war damals die Idee in Vers 28 und er weiß bereits im Vorhinein, wer das ist. Sein Vorsatz kommt zustande. Gottes Vorsatz ist mit seinem Vorherwissen verknüpft. Das sagt ganz deutlich Jesaja 46, Vers 10. Und sein ewiger Vorsatz dreht sich immer um Jesus, Epheser 3. Und seine Gnade ist sein Vorsatz, 2. Timotheus 1, Vers 9. Er hat uns in Christus Jesus erwählt, damit wir in ihm tadellos und heilig sind in Liebe, Epheser 1, Verse 4 und 5. Und die Auserwählung braucht dann unsere bestätigende Reaktion, so sagt es 2. Petrus 1, Vers 10. Das ganze geschieht nicht aus Werken, damit niemand sich selbst rühmt, sondern durch das Bad der Wiedergeburt, durch den Heiligen Geist.

[7:19] Jetzt kommt in Vers 12 das Zitat, das durch Vers 11 eigentlich begründet wird. "Wurde auch zu ihr gesagt: Der Ältere wird dem Jüngeren dienen." Gott offenbart damit sein Wissen über die Zukunft der beiden Söhne. Jakob wird das Vorrecht erhalten und über dem älteren Esau stehen. Das hat sich übrigens auch politisch erfüllt, als dann zur Zeit von König David, interessanterweise, der ein Typus auf dem Messias ist, politisch Israel sich über Edom erhob und das auch später in der Königsgeschichte immer wieder zu beobachten ist, wie Israel die Vorherrschaft über Edom hatte.

[7:58] Vers 13. "Wie auch geschrieben steht: Jakob habe ich geliebt, Esau aber habe ich gehasst." Diesmal zitiert Paulus Maleachi und dort Kapitel 1. Dort in Maleachi kontrastierte der Prophet das unterschiedliche Schicksal von Israel und Edom. Beide Länder waren durch die Babylonier verwüstet, beide waren entvölkert worden, beide waren ins Exil gebracht worden. Doch Edom blieb, wie es war, wüst und kahl, während Juda eine Wiederherstellung erlebte, eine Rückkehr der ins Exil Gegangenen. Juda erlebte Gnade und Edom nicht, obwohl sie beide dieselben Sünden begangen hatten und auch dasselbe Schicksal erlitten hatten. Diese unverdiente Gnade beweist diese Liebe Gottes.

[8:44] Das Wort "gehasst" ist in der Bibel oft in einem komparativen Sinn, das heißt im vergleichenden Sinn gesehen, so z.B. ja berühmterweise auch in Matthäus 10, Vers 37, wenn man das mit Lukas 14, 26 vergleicht. Immer wieder heißt es von der weniger geliebten Frau bei Mehr-Ehen, dass sie gehasst war.

[9:01] Was war jetzt also der Unterschied zwischen Jakob und Esau? Der entscheidende Unterschied war nicht die Programmierung Gottes, sondern die Bekehrung Jakobs in 1. Mose 32, als er endlich der Gnade Gottes allein vertraut hatte. Beide wollten den Segen. Jakob wollte den Segen und auch Esau wollte den Segen, aber Esau war nicht zur Buße bereit, so sagt es Hebräer 13, Vers 17 ganz deutlich. Und weil er nicht zur Buße bereit war, weil er nicht auf die Gnade vertraute, konnte Gottes Liebe ihm nicht zum Besten dienen. Gott wusste das im Vorhinein und hat im Vorhinein gesagt, dass er wusste, wer sich wie entscheiden würde.

[9:40] Und auf dieser Grundlage kann man jetzt die folgenden Verse, die sonst schwer verständlich werden, besser verstehen. Vers 14. "Was wollen wir nun sagen? Ist etwa Ungerechtigkeit bei Gott?" Wie Paulus das oft macht, wie wir gesehen haben, greift er da einen Einwand auf, weil jemand tatsächlich glauben könnte, Gott lässt Menschen einfach so verloren gehen, obwohl sie gar nichts dafür können. Und in der Tat wird gerade diese Passage oft von vielen Christen genau dafür verwandt. Aber Paulus sagt deutlich: Gott ist nicht ungerecht. Er verneint diese Idee kategorisch, denn Gott wird ein gerechtes Gericht halten, wie wir schon in Römer 2, Vers 5 und auch Römer 3, Verse 5 und 6 gesagt hat. Gott ist wahr und gerecht. Bei Gott ist kein Unrecht, Psalm 92. Gottes Gerichte sind gerecht, Offenbarung 16. Und die Gerechtigkeit äußert sich darin, dass er nur die Schuldigen bestraft.

[10:28] Also Vers 15. "Denn zu Mose spricht er: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und über wen ich mich erbarme, über den erbarme ich mich." Paulus zitiert jetzt aus 2. Mose 33, Vers 19 und bringt die Barmherzigkeit Gottes in den Fokus. Es war die Antwort auf Vers 14, aber es geht ja um diese Frage von Jakob und Esau. Der Unterschied zwischen Jakob und Esau war nicht ihr Wille zum Erben, war nicht ihr Wille, das Erstgeburtsrecht haben zu können, sondern der entscheidende Unterschied war die Gnade Gottes, die nur einer von beiden annahm. Und damit betont Paulus, dass es nicht so sehr um den Willen des Menschen geht, wie wir gleich sehen werden, sondern um die Gnade Gottes, die wir natürlich frei dann erwählen müssen. Die Gnade Gottes ist das entscheidende Element in der Erwählung und deswegen wird auch die Gnade Gottes eine entscheidende Rolle spielen in der Erwählung eines Volkes.

[11:25] Der Kontext von dem Zitat ist ja das Goldene Kalb. Dort war gegen Gottes Gesetz rebelliert worden und alle, die an der Rebellion festhielten, obwohl sie dann gewarnt wurden, wurden ohne Gnade vernichtet, während diejenigen, die Reue empfanden, als sie gewarnt wurden, die sich dann durch Mose-Vermittlung Gott näherten, die erhielten Gnade. Denn Gnade und Treue und Barmherzigkeit sind allgemeine Eigenschaften Gottes, die nicht nur bestimmten Menschen alleine zukommen, sondern immer zur Anwendung kommen, so ein Mensch sich für sie interessiert und sie wirken lässt. Wirken tun sie an jedem Menschen, aber nicht jeder lässt das dann zu.

[12:06] Unter welchen Umständen erbarmt sich Gott nicht? Dann, wenn das Volk in der Rebellion verharrt, wie Jesaja 27, Vers 11 zeigt. Gott hat Freude daran, Menschen zu vergeben und ihre Sünden zu bezwingen, und das ist eine einzigartige Eigenschaft, die Gott hat.

[12:22] Nun zieht Paulus die Schlussfolgerung in Vers 16. "So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen." Nicht der menschliche Anteil, also weder die Leistung noch der menschliche Wille, sind der entscheidende Punkt, sondern die Gnade Gottes. Ohne die gibt es keine Erwählung. Das heißt, wenn Israel die Gnade Gottes in Christus ablehnt, können sie nicht gleichzeitig erwählt sein. Das ist ein ganz fundamentaler Punkt, den man hier verstehen muss. Der Wille zum Gehorsam reicht nicht aus. Das hat Paulus in anderer Perspektive auch in Römer 7 ganz deutlich gemacht. Wer gehorsam sein will, aber die Gnade nicht in Anspruch nimmt, der wird immer scheitern. Und damit sagt Paulus etwas ganz Ähnliches wie Johannes 1, Verse 12 und 13, wo gesagt wird, dass wir Kinder Gottes sind, nicht durch den Willen des Fleisches oder durch den Willen des Mannes oder durch das Blut, durch Abstammung, nicht einmal durch unsere eigene Willenskraft, sondern durch Gottes, dass wir wiedergeboren werden, durch Gottes Gnade. Wir müssen zwar dem zustimmen, aber wir können nicht durch unsere Willenskraft sagen, ich möchte das und dann muss Gott das tun. Nein, Gott tut es zuerst, er erbarmt sich und wir können das akzeptieren. Die bereits wirkende Kraft muss einfach zugelassen werden. So kann man Johannes 3, Vers 8 bei Nikodemus verstehen. Und in einem bekehrten Menschen wird Gott sowohl das Wollen als auch das Vollbringen, Philipper 2, Vers 13. Die Erlösung basiert auf der Menschenliebe und Freundlichkeit Gottes, nicht auf unseren Anstrengungen, Titus 3, Verse 4 und 5. Und Gottes Wille, nicht unser, ist die Grundlage unserer Wiedergeburt. Auch unser Wille ist ja ein Werk sozusagen, wenn wir etwas wollen, und so kann es nicht unser Wille sein oder unser Laufen, übrigens eine sehr bekannte Metapher, die Paulus gerne verwendet, sondern Gott will uns retten und wer das akzeptiert, der ist erwählt. Wir laufen, weil Gott uns liebt und uns Erlösung aus freiem Willen anbietet, nicht weil er durch unser Laufen oder Wollen gezwungen wäre.

[14:36] Aus all dem ergibt sich jetzt eine Frage in Vers 17. Wenn Gott bereits vor der Geburt weiß, ob eine Person ein allergerichtetes Liebesangebot annehmen wird, warum lässt er dann diejenigen noch beträchtlich weiterleben, von denen er vorhinein weiß, dass sie es niemals annehmen werden? Also Gott weiß, zum Beispiel beim Esau, er wird es nicht annehmen, hat ihn aber trotzdem weiterleben lassen. Die Frage ist: Warum? Diese Frage wird zwar hier nicht buchstäblich gestellt, aber sie ist jetzt quasi das, was Paulus als nächstes beantwortet. Sie steht zwischen den Zeilen.

[15:10] Vers 17. Paulus verwendet jetzt das Beispiel vom Pharao aus Ägypten als ein Musterbeispiel für dieses Thema. "Denn die Schrift sagt zum Pharao: Eben dazu habe ich dich aufstehen lassen, dass ich an dir meine Macht erweise und dass mein Name verkündigt werde auf der ganzen Erde." Das ist ein Zitat aus 2. Mose 9, Vers 16.

[15:32] Gott wusste vorher, wie der Mensch, den wir heute als Pharao kennen, sich Gottes Botschaft gegenüber zeigen würde. Er wusste im Vorhinein, dass ausgerechnet dieser Pharao jegliches Angebot Gottes ausschlagen würde. Und weil er das wusste, hat er ausgerechnet diesen Pharao auf dem Thron bestehen lassen, um dadurch seinen eigenen Charakter der Liebe und der Rettung zu illustrieren. Mit anderen Worten, man könnte es überspitzt formulieren, der Pharao war ein geeigneter für den Satan oder für die Sünde und hatte damit seine eigene Rolle im Heilsplan. Gott hätte den Pharao schon lange vorher vernichten können, das macht der Kontext von dem Zitat sehr deutlich in 2. Mose 9, Vers 15. Dort heißt es sehr deutlich, dass er weiter besteht, also auf dem Thron noch von Gott erhalten blieb. Nicht, weil er das wollte oder nicht, weil er das konnte, sondern weil Gott durch ihn etwas illustrieren wollte.

[16:34] In gewisser Weise hilft uns das auch zu verstehen, warum der Satan nicht gleich vernichtet worden ist. Wenn Paulus hier von dem Aufstehen spricht, meint er nicht, dass Gott den Pharao geschaffen hat für diese Rolle. Nein, Gott hatte auch für den Pharao einen eigentlichen Plan für sein Leben. Aber der Pharao hat diesen Plan abgelehnt. Und da der eigentliche Plan Gottes für diesen Pharao nicht realisiert werden konnte, hat Gott ihn dann als Illustration verwendet. Er hat ihn bestehen bleiben lassen, sodass immer noch Gottes Wille ausgeführt werden konnte. Zwar nicht mehr für den Pharao, aber für sein Volk.

[17:15] Denn der Auszug aus Ägypten sollte Gottes Erlösung illustrieren und das für die nächsten Generationen. So sagt es schon 2. Mose 10, Vers 2. Und in 2. Mose 14 und auch später in der Bibel wird immer wieder deutlich, dass die Heiden durch diesen Auszug, diesen Exodus, die Erlösung Gottes erkannten. Das heißt, der rebellische Pharao hat trotz seines eigenen Untergangs noch dazu mitgedient, dass das Evangelium verbreitet worden ist. "Mein Name wird verkündigt", oder der Name Gottes wird verkündigt, vielmehr. Jesus hat den Namen Gottes verkündigt, indem er das Evangelium predigte. Pharao blieb auf dem Thron, obwohl Gott wusste, dass er sich gegen ihn entscheiden würde, damit durch den Kontrast zwischen Gottes Güte und seiner Bosheit das Evangelium in der Welt verbreitet werden würde.

[18:06] Vers 18. "So erbarmt er sich nun über wen er will und verstockt wen er will." Anhand dieses Beispieles lässt sich Folgendes erkennen: Gottes Wirken bewirkt entweder Reue und Buße, also dann kommt das Erbarmen ins Spiel, oder es bewirkt Verstockung. In beiden Fällen wird das Evangelium gepredigt. Die beiden Ideen sind entgegengesetzt. Wer sich nicht erweichen lässt, der wird verhärtet. Wenn die Reue nicht auf dem eigenen Willen basiert, sondern lediglich freiwillige, positive Reaktion auf Gottes Willen zur Errettung ist, dann gilt das Gleiche auch für die Verhärtung. Sie ist die freiwillige, negative Reaktion auf Gottes Rettungswillen. Schon in Römer 5 haben wir gesehen, in dieser Welt regieren sowohl die Sünde als auch die Gnade. Der entscheidende Punkt ist, wie stellt sich jeder zur Gnade oder zu der Sünde.

[19:11] Erneut bringt Paulus, wie schon gewohnt, einen Einwand. Vers 19. "So wirst du mich fragen: Warum tadelt er dann noch? Denn wer kann seinem Willen widerstehen?" Man könnte das so formulieren: Warum tadelt er dann noch die Sünden des Pharao, nachdem er sich ja entschlossen hat, ihn als sowieso schon verlorenen König weiterleben zu lassen, um durch dessen Sünden ein Exempel zu statuieren. Also mit anderen Worten, Gott möchte eigentlich, dass Pharao gerettet wird. Er sieht im Vorhinein, dass Pharao, egal was Gott tun wird, immer sich dagegen entscheiden wird. Pharao wird verloren gehen. Jetzt sagt Gott aber: Ich kann ihn trotzdem gebrauchen, trotz seines eigenen Verlorengehens und ich lasse ihn weiter am Leben, damit durch die Sünden, die er begeht, deutlich wird, wie ich bin. Und jetzt stellt Paulus die Frage: Warum wird der Pharao dann noch für diese Sünden getadelt?

[20:09] Es geht hier nicht um die Sünden des Pharaos insgesamt, sondern es geht um die Sünden, die er dann noch begeht, wenn er von Gott für diese Aufgabe ausgewählt wird. Er sagt nicht, warum tadelt er dann, sondern warum tadelt er dann noch? Es geht um die weiteren Sünden desjenigen, der zum Bestehen bleiben bestimmt ist, obwohl seine früheren Sünden ihn bereits rechtmäßig zum Tode hätten führen können. So könnte man das unter anderem auch formulieren.

[20:42] Jetzt ist Paulus im Grunde genommen wieder bei demselben Gedanken wie in Römer 3, Verse 3 bis 6. Die Untreue Israels beweist die Treue Gottes. Niemand kann zu Gott sagen: Was machst du? Daniel 4, Vers 32. Und Gott wusste, dass Judas Jesus verraten würde. Er ließ ihn am Leben, sodass durch den Kontrast Judas und Jesus etwas über Jesus deutlich wird. Aber trotzdem wird Judas auch für diese Sünde, von der Gott im Vorhinein wusste, dass er sie tun würde und das zugelassen hat, wird Judas trotzdem zur Verantwortung gezogen. Das gleiche Prinzip auch in Apostelgeschichte 2, Vers 23.

[21:22] Beim Wort "Widerstehen" geht es hier jetzt nicht um den Prozess des Widerstehens im Griechischen, sondern es geht um das Resultat eines erfolgreichen Widerstandes. Ein Mensch kann zwar gegen Gottes Botschaft und Willen rebellieren, aber nur zu seinem eigenen Schaden. Er kann nicht den Willen Gottes aufhalten. 2. Korinther 13, Vers 8 sagt dazu treffend: "Wir vermögen nichts gegen die Wahrheit, sondern nur für die Wahrheit."

[21:48] Vers 20. "Ja, oh Mensch, wer bist denn du, dass du mit Gott rechnen willst? Sprich doch das Gebilde zu dem, der es geformt hat: Warum hast du mich so gemacht?" Wir sind Geschöpfe und können nicht den Schöpfer richten. Gott ist Liebe, er lässt uns die freie Wahl, ob wir bei ihm sein wollen oder nicht, aber wenn wir nicht bei ihm sein wollen, hat er trotzdem das moralische Recht, unser Leben dann unter die Umstände unseres Lebens so zu gestalten, dass obwohl wir selbst verloren gehen aufgrund unserer eigenen Entscheidung, wir immer noch zum Besten für andere dienen. Und diese ganze Frage wird übrigens sehr detailliert auch im Buch Hiob beleuchtet, wo es um den Willen Gottes für unser Leben geht, der souverän ist. Auch Hiob hat letztendlich erkennen dürfen, ganz am Ende, dass auch sein Schicksal, so schwer es war, am Ende zum Unterrömer 8, Vers 28 fällt und das alles ihm zum Besten diente. Das Wort "rechnen" hier ist nicht dasselbe Wort "rechnen" wie in Jesaja 1, wo Gott uns einlädt, mit ihm zu rechnen, sondern hier geht es um den Widerspruch. Das griechische Wort kommt nur noch hier in Lukas 14, Vers 6 vor.

[23:03] Und Paulus leitet jetzt über mit diesem Wort, das Gebilde, das geformt wurde. Er leitet jetzt über zu dem nächsten Vers, wo er das Bild vom Töpfer und Ton gebraucht. Er verwendet hier schon die Sprache aus Jesaja 29, Vers 16 und leitet damit zu diesem Bild über.

[23:23] Vers 21. "Oder hat nicht der Töpfer Macht über den Ton, aus derselben Masse das eine Gefäß zur Ehre, das andere zur Unehre zu machen?" Dieses Bild vom Töpfer, der den Ton formt, stammt aus Jeremia 18. Paulus – und ich will das noch einmal betonen – will nicht sagen, dass Gott von Anfang an Menschen für die Vernichtung geschaffen hat. Das würde Jeremia 18 deutlich widersprechen, denn dort in Vers 7 bis 11 ruft Gott die missratenen Stücke zur Umkehr auf. Die Abtrünnigen werden zur Buße aufgefordert. Darum geht es also nicht.

[23:57] Es geht um einen ganz gewichtigen Punkt. Gott hat, wie gesagt, das vollkommene moralische Recht, nicht nur die Menschen zu benutzen für seine Zwecke und für die Verbreitung des Evangeliums, die ihm ergeben sind, das sind nämlich die Gefäße zur Ehre, sondern er kann auch die Rebellen dazu benutzen, trotz ihrer Rebellion, dass noch das Gute im Universum sichtbar wird. Nämlich, das sind dann die Gefäße zur Unehre. Sie sind Gefäße zur Unehre, weil sie selbst verloren gehen, weil sie gegen Gott rebellieren, aber sie dienen trotzdem dem Evangelium gegen ihren eigenen Willen oder gegen ihre Intention, weil sie gegen Gott kämpfen. Er kann sie nicht zwingen zur Annahme des Evangeliums, denn das wäre gegen das Prinzip der Liebe, aber er kann ihr rebellisches Leben so einsetzen, dass trotzdem Gottes Charakter und Wesen deutlich wird. Und so hat er das beim Pharao gemacht, der quasi der Prototyp eines Gefäßes zur Unehre ist.

[25:00] Wir sind alle Tote in der Hand Gottes, Jesaja 64, Vers 8. Und selbst die Bösen dienen am Ende der Verherrlichung des Charakters Gottes, so deutet es Sprüche 16, Vers 4 an.

[25:11] Wie wird man übrigens ein Gefäß zur Ehre? 2. Timotheus 2, Verse 20 und 21, wo dasselbe Thema aufgegriffen wird, sagt deutlich: Wir müssen uns von den Gefäßen der Unehre klar absondern und uns von der Unehre reinigen. Nur dann können wir ein Gefäß zur Ehre sein.

[25:25] Paulus fasst jetzt alles noch mal so zusammen in Vers 22. "Wenn nun aber Gott, da er seinen Zorn erweisen und seine Macht offenbaren wollte, mit großer Langmut die Gefäße des Zorns getragen hat, die zum Verderben zugerichtet sind" – also die Gefäße zur Unehre, diese rebellischen Personen wie der Pharao – "verdienen ihren Taten nach das Verderben, aber trotzdem ist Gott langmütig, hat große Geduld und erhält sie am Leben, weil dadurch etwas Gutes entsteht, zwar nicht für den Pharao selbst, aber sowohl für das Volk Gottes, als auch für viele andere Generationen, die durch den Konflikt zwischen Pharao und Gott das Wesen Gottes besser verstehen." Sein Zorn und seine Macht wird deutlich, so war das ja auch beim Exodus, wo das gerechte Gericht Gottes über die Sünde dann offenbar wurde. Hier passt jetzt Römer 2, Verse 4 und 5 wieder gut ins Bild. Gottes Geduld und Güte hat das Potenzial, jeden Menschen zur Buße zu führen, doch die Gefäße zur Unehre wollen das nicht und werden daher am Tag des Zorns des Gerichtes ihre entsprechende Strafe erhalten. Gottes langsam zum Zorn, 4. Mose 14. Und das geduldige, lange Schweigen Gottes wird oft von Sündern missverstanden als Gleichgültigkeit oder so, als ob es kein echtes Gericht gäbe, so Psalm 50, Verse 21 und 22 oder auch Prediger 8, Verse 11 und 12. Gott wünscht sich, dass alle zur Buße kommen, aber das geschieht nicht.

[26:50] Das Wort "zugerichtet" bedeutet hier griechisch "reif für die Zerstörung".

[26:55] Vers 23. "Warum tut Gott das? Damit er auch den Reichtum seiner Herrlichkeit an den Gefäßen der Barmherzigkeit erzeige, die er zuvor zur Herrlichkeit bereitet hat." Gottes Hauptgrund mit der Geduld mit seinen rebellischen Gefäßen zur Unehre ist: Er will an den Gefäßen der Barmherzigkeit seine Herrlichkeit offenbaren. Er nennt hier die Gefäße zur Ehre auch die Gefäße der Barmherzigkeit, die also dieses Erbarmen Gottes wie Jakob in Anspruch genommen haben.

[27:25] Das heißt also, durch den Pharao wurde Gottes Herrlichkeit verkündet unter den Heiden, und zwar trotz seiner Rebellion. Und die Israeliten waren aufgerufen als aktive Verkündiger seine Ehre zu verkünden. Das wird in 2. Mose 19 aufgetragen. Sie waren jetzt ebenfalls Gefäße zur Ehre, weil sie von diesem Erbarmen, das durch ihr Leben deutlich wurde, sogar selbst profitieren konnten. Das heißt also, am Ende wird unser Leben immer die Herrlichkeit Gottes offenbaren. Die Frage ist nur, ob wir selbst davon profitieren oder nicht.

[28:03] Vers 24. "Als solche hat er auch uns berufen, nicht allein aus den Juden, sondern auch aus den Heiden." Paulus kommt jetzt zur Hauptfrage zurück, nämlich die Frage von Juden und Heiden, und er sagt: Wir, die Berufenen, die Gott lieben, wir sind diese Gefäße zur Ehre. Der Punkt, die Schlussfolgerung ist natürlich: diejenigen, die nicht zu uns gehören, die nicht zu diesen Berufenen gehören, die nicht Gott lieben und seine Gnade annehmen, die sind dann eben nicht Gefäße zur Ehre, sondern Gefäße zur Unehre. Und diese Gefäße zur Ehre, die Berufenen, die setzen sich zusammen aus Heiden und Juden, nicht nur Juden. Und es ist nämlich nicht der menschliche Wille oder die menschliche Leistung, sondern Gottes Gnade in Christus, die macht uns zu einem Gefäß.

[28:52] Übrigens sagt ja auch schon das erste Buch Mose in Vers 49, dass der verheißene Schilo zwar aus Juda kommt, aber alle Völker werden zu seinen Untergebenen gehören. Der im Psalm 22 heißt es, aus allen Geschlechtern der Heiden werden Menschen zu Gott beten. Und die Apostel haben erlebt, wie die Heiden von Gott zu sich gezogen worden sind.

[29:16] Vers 25. "Wie er auch durch Hosea spricht." Paulus ist gerade dabei, jeden seiner Punkte mit alttestamentlichen Versen zu illustrieren, um zu zeigen, das, was ich jetzt sage, steht so im Alten Testament. Und gerade hier, wo es so sensibel wird, wo er über dieses ethnische Israel spricht, das glaubt, Gottes Volk zu sein, sichert er sich bei jedem Schritt mit deutlichen alttestamentlichen Versen ab. Hier zitiert er jetzt aus dem Buch Hosea in Kapitel 2, Vers 25. "Ich will das mein Volk nennen, was nicht mein Volk war, und die Geliebte, die nicht Geliebte war."

[29:51] Der Kontext: Hosea sollte seinem zweiten und dritten Kind, das er mit der ehemaligen Frau hatte, den Namen geben: Loruchamma, nicht Begnadigte, und Lo-Ammi, nicht mein Volk. Damit sollte symbolisch ausgedrückt werden, dass das Nordreich Israel von Gott verworfen worden ist, so sagt es Hosea 1, Verse 6 und 9. Und die Verheißung in Hosea 2, Vers 25 zeigt dann, dass es wieder eine Wiederherstellung geben wird.

[30:17] Der Punkt ist jetzt nicht, dass Paulus interpretiert jetzt diese Verse nicht so, dass die buchstäblichen Nordstämme wieder im buchstäblichen Israel angesiedelt werden, obwohl das ja viele dann aus diesen Versen ableiten wollen, sondern Paulus zeigt, dass Hosea etwas anderes meinte. Er macht nämlich deutlich: Das Nordreich wird jetzt quasi heidnisch, weil es von Gott verworfen ist. Es wird von Gott angesehen wie die Heiden. Aber es gibt gute Nachrichten, es gibt ein Evangelium. Denn es kommt die Zeit, wo auch die Heiden, zu denen jetzt das Nordreich zählt, Gottes Volk sein können. Die, die nicht Gottes Volk sind, werden Gottes Volk sein. Das heißt, auch wenn das Nordreich jetzt zu den Heiden gezählt wird, ist es nicht dramatisch, denn Gott wird die Heiden einmal zu seinem Volk auch zählen.

[31:03] Und so kann man auch Jesaja 49, Vers 22 verstehen, wo die Heiden, wenn sie zu Gott kommen, die Söhne Israels dann mitbringen werden, weil unter diesen Heiden so manche Nachfahren der Nordstämme gewesen sind.

[31:18] Geliebte, das ist übrigens ein Begriff, den der Paulus schon in Römer 1, Vers 7 für die Gläubigen in Rom verwendet hat. Wann sind wir die Geliebten? Wenn wir Jesus lieben und an seine Mission glauben, Johannes 16, Vers 27.

[31:31] Er zitiert dieselbe Idee bei Hosea dann nochmal in Vers 26, das ist aus Hosea 2, Vers 1. "Und es soll geschehen an dem Ort, wo zu ihnen gesagt wurde: Ihr seid nicht mein Volk, da sollen sie Söhne des lebendigen Gottes genannt werden." Wir wissen durch Römer 8, Verse 14 und 16, Söhne des lebendigen Gottes sind die, die vom Heiligen Geist geleitet wurden, Geleitet 3, Vers 26. Durch den Glauben an Jesus sind wir Kinder Gottes. Und 2. Römer 6, Vers 18, Gott hat uns verheißen, unser Vater zu sein. Ein Ausdruck der tiefen Liebe Gottes, 1. Johannes 3, Vers 1.

[32:07] Vers 27. "Jesaja aber ruft über Israel aus." Paulus möchte jetzt hier sehr deutlich diesen Punkt illustrieren und greift jetzt auf einen weiteren Propheten zurück, Jesaja, und fügt jetzt zwei weitere Zitate von Jesaja an. Während es bei Hosea darum ging, nachzuweisen, dass auch die Heiden zum Volk Gottes gehören können, zeigt er jetzt anhand von Jesaja, dass nicht jeder aus Israel zum Volk Gottes gehört.

[32:33] Das Zitat geht so: "Wenn die Zahl der Kinder Israels wäre wie der Sand am Meer, so wird doch nur der Überrest gerettet werden. Nur die Übrigen aus Israel werden sich bekehren." So steht es auch deutlich in Jesaja 10, Vers 21, ein Vers vorher vor diesem Zitat. Nur ein Überrest wird auf die Botschaft der Buße und Bekehrung antworten, wie sie ja zum Beispiel von Johannes dem Täufer oder Jesus gepredigt worden sind. Die Übrigen, das sind die, die dem Verderben entkommen sind, so macht es deutlich Esra 9, Vers 8.

[33:09] Und das Zitat geht weiter in Vers 28. "Denn eine abschließende und beschleunigte Abrechnung in Gerechtigkeit wird der Herr durchführen. Ja, eine summarische Abrechnung für das Land." Hier wird es spannend, wenn man sich das Original in Jesaja anschaut, denn dort steht nicht "Abrechnung", sondern ein "Vertilgen", eine "Vertilgung". Das Wort im Hebräischen bedeutet Auslöschung, Beendigung, Verschmachten, Verzehrung, ein zu Ende bringen. Aber was noch interessanter ist, dass in Jesaja 10 zwei Begriffe vorkommen, nämlich einmal das Festbeschlossene, das Karatz, eine Vernichtung, die festbeschlossen ist, und die Idee, dass diese Vernichtung wie eine Flut kommt. Und beides erinnert an Daniel 9, Verse 26 und 27, wo die beiden Worte oder verwandte Worte im Fall von der Flut, Shetef bei Daniel als Nomen und Shatef als Verb bei Jesaja.

[34:00] Das zeigt deutlich, dass in Jesaja 10, der Vers, den Paulus hier zitiert, es um die Ereignisse von Daniel 9 geht, wo Jerusalem endgültig zerstört wird, weil die 70 Wochen, die dem Volk und der Stadt bestimmt waren, verstrichen sind und der Messias abgelehnt worden ist und jetzt eine abschließende Abrechnung durchgeführt wird. Nur ein Überrest wird überleben. Und das hat sich in der Geschichte dann spektakulär erfüllt, als die Ereignisse von Daniel 9 am Ende dann eintrafen, als Israel, als Jerusalem umzingelt war von den römischen Armeen, gab es eine Gruppe von Menschen, die sich an die Warnung von Jesus erinnert haben, dass wenn das Gräuelbild der Verwüstung aufgestellt ist, dass sie dann fliehen sollten. Und alle, die auf Jesus hörten, alle, die an Jesus glaubten, wurden gerettet. Sie waren der Überrest, von dem Jesaja 10 zitiert. Der Überrest der Israeliten, das sind die an Jesus Gläubigen, die an Jesus gläubig Gewordenen unter den Juden. Und von ihnen ging nicht einer verloren, wie schon Amos 9, Vers 9 deutlich macht.

[35:11] Also sehr interessant, dass Paulus hier in dieser Frage über den Status von Israel ausgerechnet eine Prophezeiung aus Jesaja zitiert, die eine Verbindung hat zu Daniel 9, wo deutlich wird, dass das Volk irgendwann abgeschnitten ist und als Volk nicht mehr den Status hat, den es vor Gott mal gehabt hat, nicht mal der Träger des Evangeliums als solches ist.

[35:37] Ein zweites Zitat in Vers 29, diesmal aus Jesaja 1, Vers 9. "Und wie Jesaja vorhergesagt hatte: Hätte der Herr der Herrscharen uns nicht einen Samen übrig bleiben lassen, so wären wir wie Sodom geworden und Gomorra." Das Wort "Samen" ist hier aus der griechischen Septuagint-Übersetzung. Im hebräischen Original in Jesaja steht eigentlich ebenfalls "Überrest". Die Idee ist, dass wenn ein Bauer eine Ernte einfährt, dann lässt er ein bisschen was von der Ernte übrig, um es als Samen neu zu verwenden. Übrigens, Paulus sieht das Wort von Jesaja hier nicht nur als eine Zustandsbeschreibung der Zeit von Jesaja, sondern als eine Weissagung. Übrigens geht es in Jesaja 1 hier um ein Volk, das durchaus die äußerlichen gebotenen Zeremonien einhält, wie man das deutlich in den Versen dort lesen kann, weswegen sich die Juden ja rühmten, wie Römer 2, Vers 1 deutlich macht, Verse 17 ff. Aber innerlich war Israel wie Sodom und Gomorra. Gott wünscht sich echte Herzensbequemung, so in Jesaja 1, Verse 16 bis 18.

[36:42] Vers 30. Paulus bringt jetzt alles zu einer abschließenden Schlussfolgerung. "Was wollen wir nun sagen? Dass Heiden, die nicht nach Gerechtigkeit strebten, Gerechtigkeit erlangt haben, und zwar die Gerechtigkeit aus Glauben?" Die Heiden hatten bezüglich ihrer Religion, ihrer Erziehung, ihrer Tradition gar nicht vorgehabt, Gottes Gerechtigkeit zu erlangen, denn das war ihnen naturgemäß fremd. Aber durch den Glauben an Jesus haben sie das erreicht. Nun, Paulus spricht nicht von den Heiden im Ganzen, sondern nur von Heiden, die tatsächlich an Jesus gläubig geworden sind. Und diese Gerechtigkeit aus dem Glauben, die haben wir in den Versen, in den Kapiteln 1 bis 8 im Detail beschrieben. Das Alte Testament hatte vorhergesagt, dass die Heiden gerechtfertigt werden können, Galater 3, Vers 31.

[37:23] Im Kontrast dazu jetzt Israel, dass aber Israel, das nach dem Gesetz der Gerechtigkeit strebte, das Gesetz der Gerechtigkeit nicht erreicht hat. Israel hatte bezogen auf ihre Religion, ihre Erziehung, ihre Tradition sehr wohl vorgehabt, die Gerechtigkeit Gottes zu erreichen, denn in ihrem Gesetz im Alten Testament war ja diese Gerechtigkeit beschrieben. Und obwohl sie dieses Ziel hatten, das Gesetz zu lassen, sind sie doch nicht am Ziel angekommen. Man könnte beide Verse folgendermaßen zuspitzen: Alle Theorie hat keine Praxis entstehen lassen, während andere, die die Theorie nicht kannten, genau das praktizieren, was die Theorie fordert.

[38:06] Das Problem ist natürlich, das Gesetz kann für sich genommen kein Leben geben. Wenn das möglich gewesen wäre, hätte Gott diesen Weg gewählt, so Galater 3, Vers 21. Die Pharisäer dachten sehr wohl, dass sie dem Gesetz gegenüber untadelig sind, während sie gleichzeitig unschuldige Menschen verfolgten, Philipper 3, Vers 6.

[38:27] Paulus sagt, warum das der Fall ist. Vers 32. "Warum? Weil es nicht aus Glauben geschah, sondern aus Werken des Gesetzes; denn sie haben sich gestoßen an dem Stein, an dem Stein des Anstoßes." Alle Bemühungen, die nur menschlich sind, sind vergeblich, sie sind aus eigener Kraft und das sind die sogenannten Werke des Gesetzes. Solange der Glaube fehlt, wird die Gerechtigkeit des Gesetzes nicht erreicht. Und das wird deutlich am Umgang mit Christus. Als sie Christus nicht glauben wollten, haben sie im Grunde genommen alle Gebote übertreten, vor allem das sechste, als sie dann ihn töten wollten und das in die Wege geleitet haben. Er wurde zum Stolperstein, Jesus ein Stolperstein für alle, die auf dem Weg zur eigenen Selbstgerechtigkeit sind. Wer nicht auf ihn achtet, wer nicht ihn beachtet, der wird über ihn fallen, sozusagen.

[39:15] Der Glaube ist das Entscheidende, Matthäus 13, Vers 57. Die Israeliten nahmen Anstoß an Jesus und schon Simeon hatte der Maria vorher gesagt, dass Jesus für viele zum Fall und zum Auferstehen gesetzt ist. Es gibt also zwei Klassen. Es gibt den Überrest, die wahren Israeliten, die am Herzen beschnitten sind, die berufen sind, Gefäße zur Ehre zu sein, die sich an Jesus nicht stoßen, sondern ihm glauben. Und dann gibt es die, die sich an ihm stoßen. Es ist die Masse, die Namens-Israeliten, die nur am Fleisch beschnitten sind und Gefäße zur Unehre. Und wir merken schon daran, das hat sich nicht nur beschränkt sich nicht nur auf das ethnische Israel, das beschränkt sich auch auf jeden, der ein rein traditionelles, formales Namenschristentum pflegt. Christus ist den ungläubigen Juden ein Ärgernis, 1. Korinther 1, Vers 23. Glückselig, wer sich nicht an Jesus anstößt, so sagte selbst Lukas 7, Vers 23.

[40:05] Und Paulus fügt ein altes in den Text dazu, Vers 33. "Wie geschrieben steht: Weil es nicht aus Glauben geschah, sondern aus Werken des Gesetzes, denn sie haben sich gestoßen an dem Stein des Anstoßes." Hier zitiert er Jesaja 28, Vers 16. Auch hier lohnt sich ein Blick in das Original. Das Wort eigentlich ist "Stein der Bewährung". Es ist ein Test und dieser Stein der Bewährung wird genannt überaus kostbar und vor allem kostbar und überaus ein überaus festes Fundament, ein Eckstein, der unverzichtbar ist. Jeder, der an Jesus glaubt, ist sicher. Gleichzeitig klingt auch Jesaja 8, Vers 14 hier an, wo deutlich wird, dass der Herr selbst, der Herr der Herrscharen, sich zum Stein des Anstoßes machen wird für Israel, aber, und das ist auch interessant, zum Heiligtum für alle, die Gott heiligen. Und das erinnert an Johannes 2, Vers 21, wo Jesus sich selbst als das Heiligtum bezeichnet. Petrus hat diese Zweiteilung auch deutlich gemacht, in 1. Petrus 2, Verse 7 und 8. Jesus hat dieses Bild vom Eckstein, der verworfen wird, den Pharisäern vor Augen gehalten, als er ihnen erklärt hat, dass das Reich Gottes, die Verkündigung des Evangeliums, von ihnen genommen wird. Aber wer an ihn glaubt, wird nicht zu Schanden werden, Römer 5, Vers 5. Wir haben gelesen, man wird nicht zu Schanden, denn die Liebe Gottes ist in unsere Herzen ausgegossen durch den Heiligen Geist. Und wenn Gott gegenwärtig ist, Joel 4, Vers 27, Joel 2, Vers 27, werden wir nicht zu Schanden. Wir dürfen dann die Schmach und Schande vergessen und werden nicht zu Schanden durch die ewige Errettung Gottes, Jesaja 45, Vers 8.

[41:41] Nach dieser theologischen Darstellung wird Paulus noch einmal sehr persönlich. Vers 1. "Brüder, der Wunsch meines Herzens und mein Flehen zu Gott für Israel ist, dass sie gerettet werden." Er wünscht es sich so sehr. Mose hat sich für Israel das Beste gewünscht. Jeremia hat das Beste gewünscht. Und Jesus sagt in Lukas 13, Vers 34, dass er sich gewünscht hätte, dass Jerusalem umkehrt.

[42:06] Vers 2. "Denn ich gebe ihnen das Zeugnis, dass sie Eifer für Gott haben, aber nicht nach der rechten Erkenntnis." Ein gutes Beispiel für diesen Eifer ist der Eifer von Jehu. Viele Juden glaubten dann zur Zeit Jesu, dass wenn sie oder die Zeit danach, wenn sie Christen verfolgen würden, würden sie sogar für Gott kämpfen. Paulus selbst hatte den größten Eifer diesbezüglich. In Galater 1, Vers 14 bekennt er das.

[42:29] Die rechte Erkenntnis ist im Angesicht Jesu zu finden, 2. Korinther 4, Vers 6. Und Hosea 4, Vers 6 sagt berühmterweise: "Das Volk geht zugrunde an Mangel an Erkenntnis."

[42:41] Was ist der Grund? Vers 3. "Denn weil sie die Gerechtigkeit Gottes nicht erkennen und ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten betrachten, haben sie sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen." Sie haben die Gerechtigkeit aus Glauben, die Gerechtigkeit Gottes nicht erkannt. Wo wird die offenbart? Römer 1, Vers 17. "Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit Gottes aus Glauben zum Glauben. Wie geschrieben steht: Der Gerechte wird aus Glauben leben." Römer 1, Vers 17. Schon im Alten Testament war die da, aber die Juden haben diese Gerechtigkeit Gottes nicht geglaubt. Sie ist frei und für jeden erhältlich, Römer 3, Vers 22. Also das Problem der Juden ist nicht, dass sie etwas Unerreichbares nicht erreicht haben, sondern sie haben das klar und offensichtlich Ausgedrückte im Alten Testament nicht wahr haben wollen und nicht Gott beim Wort genommen. Und ja, seine Gerechtigkeit wird nicht vergehen, Jesaja 51, Vers 6.

[43:35] Daniel 9 hatte gesagt, dass das Kommen des Messias eine ewige Gerechtigkeit einführen würde. Und unsere Gerechtigkeit ist wie ein unreines Kleid, Jesaja 64, Vers 6. Wir neigen immer dazu, uns selbst zu rechtfertigen, Lukas 10, Vers 29. Laodizea hat genau das Problem, Offenbarung 3, Verse 17 und 18. Dieses Wort "aufrichten" erinnert an einen Gedenkstein, der zum eigenen Ruhm errichtet werden soll. Und dieses sich nicht unterwerfen der Gerechtigkeit Gottes erinnert uns an Römer 8, Vers 7, wo das Fleisch sich nicht dem Gesetz Gottes unterwirft. Wer aus eigenen Werken etwas tun will, der isst eben Fleisch und kann die Gerechtigkeit Gottes nicht erreichen.

[44:13] Paulus macht jetzt einen wichtigen Punkt in Vers 4. "Denn Christus ist das Ende des Gesetzes." Das griechische Wort ist "Telos", das meint die letztendliche Intention, das Ziel des Gesetzes zur Gerechtigkeit für jeden, der glaubt. Schon in Römer 3, Vers 31 hat er deutlich gemacht, dass das Gesetz nicht aufgehoben ist, sondern das gesamte Gesetz weist auf Christus. Wer Christus verwirft, der kann per Definition die Gerechtigkeit nicht erreichen, denn Christus ist die Gerechtigkeit, Jeremia 23, Verse 5 und 6. Jesus ist nicht gekommen, das Gesetz aufzulösen, sondern zu erfüllen, Matthäus 5, Verse 17 und 18. 1. Korinther 1, Vers 30, er ist unsere Gerechtigkeit. Galater 3, Vers 24, das Gesetz ist ein Lehrmeister zu Christus hin. Alle Propheten des Alten Testaments bezeugen Christus, Apostelgeschichte 10, Vers 43. Und Jesus hat auch nach dem Kreuz, nach der Auferstehung in Lukas 24, Vers 27 das Alte Testament benutzt, um auf sich hinzuweisen, dass das Alte Testament zeigt auf ihn.

[45:12] Vers 5. Paulus macht jetzt noch einmal einen kurzen theologischen Exkurs. Wieder geht es um die Gerechtigkeit aus dem Gesetz und die Gerechtigkeit aus dem Glauben und beides Mal zitiert er jetzt aus der Tora, Vers 5. Mose beschreibt nämlich die Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, so: "Der Mensch, der diese Dinge tut, wird durch sie leben." Ein Zitat aus 3. Mose 18, Vers 5. Und hier geht es darum, dass das Gesetz das Leben beschreibt. Wenn wir lebendig sind geistlich und das Gesetz halten, dann brauchen wir uns keine Gedanken machen, ob wir sterben oder vergehen werden, wir werden leben, weil wer das Gesetz hält, der lebt, der bleibt leben. Und diese Funktion des Gesetzes ist auch durch Jesus nicht abgeschafft worden. Jesus sagt genau dasselbe in Lukas 10, Verse 27 und 28. Dieser Vers ist nicht veraltet, er beschreibt lediglich einen Zustand des Lebendigen, denn das Gesetz kann nicht lebendig machen. Das Gesetz kann sozusagen, wenn wir das Gesetz tun, bleiben wir lebendig, aber durch das Gesetz tun, können wir nicht lebendig werden, denn das kann das Gesetz nicht tun. Das Gesetz kann nicht lebendig machen, was tot ist, indem wir 9, Vers 25 für deutlich, dass das Problem, nämlich genau das war das, Israeliten durch ihre Sünde das Gesetz ja gar nie taten oder immer dagegen rebellierten. Der fleischliche Mensch kann sich an die Gebote Gottes nicht unterwerfen, selbst wenn er sich anstrengt, wie wir in Römer 7, Vers 14 gesehen haben und den folgenden.

[46:41] Jetzt kommt die Gerechtigkeit aus dem Glauben, Vers 6 und 7. "Aber die Gerechtigkeit aus Glauben redet so." Und hier zitiert Paulus jetzt aus einem Abschnitt aus 5. Mose. Vielleicht so viel als schon Erklärung dazu: Das bedeutet, dass sowohl die Gesetzesgerechtigkeit als auch die Glaubensgerechtigkeit beide im Alten Testament beschrieben werden, zwei Dinge, die im Alten Testament gut bekannt waren. Und die Stelle, aus der er jetzt zitiert, gehört bei 5. Mose zum sogenannten Bund in Moab, der ist weniger gut bekannt, ein anderer Bund als der Bund vom Sinai, es ist nicht der alte Bund. Und kurz vor dem Einzug ins Gelobte Land, kurz vor dem Tod von Mose, hat Gott hier im Grunde genommen das Wesen des neuen Bundes dem Volk deutlich gemacht. Und diese Predigt hat dann zu einer fundamentalen Änderung im Volk geführt. Wir lesen danach von Siegen und Siegen und Siegen. Aus dem rebellischen Volk Israel wurde ein im Grunde genommen ziemlich gehorsames Volk, das durch Gotteskraft Kanaan erobert hat. Und deswegen ist das für uns von so gigantischer Bedeutung, die wir das himmlische Kanaan erobern wollen.

[47:46] Und in dem ganzen Abschnitt in 5. Mose 30 geht es darum, um die Erlösung und die Gnade. Es gibt einige der fantastischen Verheißungen dort. Da geht es darum, dass Gott jedem Menschen Erlösung anbietet, egal wie weit er von Gott sich entfernt hat, in 5. Mose 30, Verse 2 bis 4, dass Gott selbst unser Herz beschneiden möchte, dass wir Segen erleben können, dass wir durch ihn wirklich gehorsam sein können. Und dann kommt das, was Paulus jetzt zitiert. Oder vielmehr paraphrasiert.

[48:15] "Sprich nicht in deinem Herzen: Wer wird in den Himmel aufsteigen, nämlich um Christus herabzuholen? Oder wer wird in den Abgrund hinuntersteigen, nämlich um Christus von den Toten zu holen?" Hier lohnt es sich wirklich einmal das Original zu lesen, weil Paulus eine interessante Gleichsetzung vornimmt, nicht genau zitiert, sondern interpretierend wiedergibt. 5. Mose 30, ab Vers 11.

[48:37] "Denn dieses Gebot, das ich dir heute gebiete, ist nicht zu wunderbar für dich und nicht zu verhindern." Es geht also darum, dass man Gottes Gebote halten kann. Es geht um diese Idee, dass es nicht zu schwer ist, dass das, was dem fleischlichen Menschen unmöglich ist, wie wir in Römer 8, Vers 7 gesehen haben, dem geistlichen sehr wohl möglich ist. Das Ziel des Evangeliums ist ja der Glaubensgehorsam, Römer 1, Vers 6. Und das, was Johannes meint, wenn er in 1. Johannes 5, Vers 3 sagt: "Gottes Gebote sind nicht schwer."

[49:07] Zitat in 5. Mose 30, Verse 12 und 13. "Es, das Gebot, ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest: Wer will für uns zum Himmel fahren und es uns holen lassen und es uns hören lassen, dass wir es tun? Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen müsstest: Wer will für uns über das Meer fahren und es uns holen und es uns hören lassen, dass wir es tun?" Die Idee ist also hier: Es ist nicht zu schwer. Es ist nicht zu weit weg, sondern es ist nah. Es bedarf nicht eines menschlichen Vermittlers, der irgendwo in die Ferne geht und etwas uns holt, was wir brauchen. Das Wort "Meer" wird bei Paulus dann wiedergegeben mit "Abgrund", das hat mit der griechischen Übersetzung zu tun hier vom Alten Testament, dem Avis, und bei Paulus wird es dann auf das Totenreich bezogen, aber die Idee bleibt dieselbe, dass es eben nicht weit weg ist, sondern nah.

[50:00] Und Paulus macht etwas ganz Entscheidendes hier. Er zitiert diese Verse, aber er setzt für "es", das sich bei Mose auf das Gebot, auf das Gesetz bezieht, setzt er Christus ein. Christus ist dieses Gebot, er ist diese Gerechtigkeit, er ist dieses Wort. "Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort wurde Fleisch."

[50:25] So dann in Vers 14. "Sondern das Wort ist sehr nah bei dir, in deinem Mund und deinem Herzen, sodass du es tun kannst." Die Gerechtigkeit ist nicht fern, dass man sich aufmachen müsste, nicht durch eigene Leistungen kann man zu ihr hingelangen, sondern sie ist nicht unerreichbar und braucht keinen menschlichen Vermittler, sondern sie ist nahe. Damit zeigt Gott durch Mose auch die Unzulänglichkeit des alten Bundes, wo ja ein menschlicher Vermittler notwendig war. Christus ist nicht fern, man muss ihn nicht irgendwo herbeiholen, man muss nicht erst durch eigene Anstrengungen zu ihm gelangen, er ist weder tot noch unnahbar, er ist nahe.

[51:07] Und dann ist es interessant, wie Paulus das interpretiert. In Römer 9, wo wir das gelesen haben: "Wer wird in den Himmel aufsteigen, nämlich um Christus herabzuholen?" Und dann: "Oder wer wird in den Abgrund hinuntersteigen, nämlich um Christus von den Toten zu holen?" Die Idee ist, dass im Evangelium Jesus zwei gigantische Dinge tat. Erstens, er wurde Mensch, er stieg vom Himmel herab. Und zweitens, er musste den Tod besiegen, weswegen er für uns gestorben ist und auferstanden ist. Beides hat er getan, ohne menschliches Zutun. Wir müssen uns nicht Gedanken machen und sagen, gemäß des Evangeliums, gemäß der Theorie, müsste jemand vom Himmel herabkommen, Gott müsste Mensch werden. Wie kriegen wir Gott dazu, dass er Mensch wird? Wir müssen uns auch nicht Gedanken machen und sagen, gemäß des Evangeliums, müsste jemand den Tod besiegen. Wer kann das tun? Wie können wir Jesus von den Toten auferwecken? All das ist schon geschehen, es ist nah.

[51:58] Wenn wir davon lesen, wenn wir darüber nachdenken, wenn wir darüber sprechen, dann ist es da. Wir müssen es einfach nur glauben. So wird das Wort Gottes lebendig, so wird das Gebot realisiert, so können wir es tun, weil Gott es schon getan hat.

[52:16] Vers 8. "Sondern was sagt sie? Die Glaubensgerechtigkeit: Das Wort ist dir nah in deinem Mund und in deinem Herzen. Dies ist das Wort des Glaubens, das wir verkündigen." Wie dann in dem nicht mehr von Paulus zitierten Schluss des Verses steht: "sodass du es tun kannst." Du kannst mit Christus leben, du kannst Gottes Gebote halten, denn Christus ist Gottes Gebot. Das Gebot Gottes beschreibt ja Christus. Und wenn du bei Christus bist, bist du auch bei Gottes Gesetz. Wenn Christus in dir ist, ist das Gesetz Gottes in dir. Und jeder Versuch, Christus von seinem Gesetz zu trennen, ist absolut absurd, denn Christus ist unsere Gerechtigkeit und er macht uns gerecht.

[52:56] Durch das Sprechen des Wortes Gottes, durch das Nachdenken darüber, sind wir im direkten Kontakt mit der Quelle aller Gerechtigkeit. Wir brauchen keinen Priester, keinen Guru, keinen menschlichen Vermittler, der uns aus dem Himmel holt oder von den Toten oder aus dem Meer oder sonst irgendwo her. Es ist schon da, denn in ihm ist das Leben, Johannes 1. "Der Mensch lebt aus jedem Wort, das aus dem Mund Gottes hervorgeht."

[53:21] Paulus sagt: Das ist es, was ich sagen will. In all diesen Versen, in all diesen Kapiteln in Römer 8, das ist, was ich sagen will. Das ist die Botschaft, die wir predigen. Hier in 5. Mose 30, am Ende dieses großartigen Buches, wo viele nur Gesetzesgerechtigkeit sehen, da ist die Botschaft der Glaubensgerechtigkeit so präsent. Und diese Botschaft hat das Volk Israel so sehr verwandelt, dass sie in das Land Kanaan nach ewig langer Wüstenwanderung hineinmarschiert sind. Was wird passieren, wenn wir diese Botschaft entdecken, wenn wir diesen Bund in Moab, diesen neuen Bund in unserem Leben anwenden? Werden wir nicht dann auch diese ewig lange Wüstenwanderung vor der Wiederkunft beenden? Werden wir nicht Christus beim Wort nehmen und vorbereitet sein, in das himmlische Kanaan hineinzugehen?

[53:59] Lieber Freund, liebe Freundin, Gott segne dich bei dem Studium des Wortes. Er segne dich in deiner Entscheidung, diese Glaubensgerechtigkeit anzunehmen, Gott beim Wort zu nehmen, denn er hat es schon getan. Er wird dir treu sein, wenn du ihm glaubst. Er wird alles in dir tun, was notwendig ist und viel darüber hinaus. Nächste Woche werden wir weiter hier studieren und sehen, wie Paulus dieses Argument weiterführt. Gott segne dich in deinem Bibelstudium und ich freue mich, wenn wir uns nächste Woche hier wiedersehen und bis dahin wünschen wir euch viel Freude im Studium seines Wortes. Amen.


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