[0:00] Hallo und herzlich willkommen zur Cannstatt Study Hour hier auf www.joelmedia.tv.de. Ein herzliches Willkommen auch allen Zuschauern auf Amazing Discoveries zur nächsten Folge unseres Reformation Spezials zum Römerbrief. Wir sind dabei, den Römerbrief Vers für Vers zu lesen und biblisch zu kommentieren, weil dieses Buch unter anderem auch für Martin Luther so ein Schlüsselerlebnis war. Die ganze Botschaft des Evangeliums ist hier so schön und systematisch erklärt und wir wollen diese Botschaft des Paulus besser verstehen und für unser Leben anwenden.
[0:56] Beim letzten Mal waren wir mittendrin in der Diskussion um das Thema Israel, als Paulus anhand von Esau und Jakob erklärt hat, dass dieselben Gene nicht dasselbe geistliche Schicksal bedeuten. Und er hat erklärt, dass Gott sowohl die Gläubigen als auch die Ungläubigen für seine Zwecke und für die Verkündigung des Evangeliums letztendlich gebraucht. Und Paulus hat auch nachgewiesen, dass schon im Alten Testament deutlich wird, dass auch die Heiden einmal zu Gottes Volk dazugehören sollen und auch, dass nicht jeder Israelit, der genetisch von Abraham abstammt oder von Jakob, dann tatsächlich die Glaubensgerechtigkeit erlebt.
[1:36] Noch einmal hat Paulus dort in diesem Abschnitt die Glaubensgerechtigkeit und die Gesetzesgerechtigkeit anhand von Zitaten aus 5. Mose und aus 3. Mose illustriert und gezeigt, dass nur durch den Glauben die Gerechtigkeit Gottes erreicht werden kann und dass Israel diese eben nicht erreicht, obwohl sie die Theorie gehabt haben, weil es eben an dem Glauben mangelte. An der Stelle wollen wir heute weitermachen, doch zunächst wollen wir mit einem Gebet beginnen, dass Gottes Geist uns auch heute in alle Wahrheit führen darf.
[2:09] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen für die Gelegenheit, jetzt wieder dein Wort zu studieren. Bitte schenke uns deinen Heiligen Geist, dass wir die Wahrheit, die hier im Römerbrief enthalten ist, wirklich so klar verstehen, wie es für unser Leben notwendig ist und wie du es dir wünschst. Bitte gib, dass wir die Gedankengänge so in unseren praktischen Alltag auch anwenden können, dass wir gestärkt werden, dass wir getröstet werden und dass das Evangelium in unserem Leben sich immer klarer und schöner entfaltet. Wir danken dir, dass du verheißen hast, dass dein Wort nicht leer zurückkehren wird und dass wir erleben dürfen, wie die Kraft deines Wortes unser Leben verändert. All das bitten wir im Namen unseres Erlösers, Jesus Christus. Amen.
[2:56] Römer 10, Vers 9. Paulus hatte ja in den Versen zuvor 5. Mose 30 paraphrasiert und dann den Vers 11 zitiert und diese Idee, dass das Wort nahe ist in dem Mund, in dem Herzen, sodass man es tun kann. Und wir hatten das letzte Mal ja gesehen, dass das Wort hier von Paulus richtigerweise auf Christus selbst gedeutet wird, der für uns die Gerechtigkeit, das Wort Gottes, das Gesetz ist. Dieser ganze Vers wird jetzt praktisch angewandt in Vers 9.
[3:38] Also hier geht es darum, was bedeutet es, dass das Wort im Mund und im Herzen ist. Es bedeutet, dass wir mit unserem Denken, mit unserem Herzen glauben, dass es wahr ist und dass wir mit unserem Mund es bekennen. Das ist entscheidend für die Rettung. Interessanterweise bezieht sich Paulus hier auch wieder auf die beiden Dinge, die er schon in Vers 6 und 7 angedeutet hat, nämlich die Tatsache, dass Jesus vom Himmel herabkommen musste als der Christus und dann, dass er von den Toten auferstehen müsste.
[4:09] Dieses Bekennen ist sehr wichtig. Matthäus 10, Verse 32 und 33 sagt, dass so wie Jesus sich im himmlischen Heiligtum zu uns bekennt, sollen wir uns auf der Erde zu ihm bekennen. Beides ist untrennbar miteinander verknüpft und wenn wir uns nicht zu Jesus bekennen, wird er sich nicht im himmlischen Heiligtum zu uns bekennen. Das Bekenntnis zu Jesus als dem Messias war eine heiße Sache. Menschen sind dafür aus der Synagoge ausgeschlossen worden. So lesen wir es in Johannes 9, Vers 22. Interessant hier auch noch einmal, dass die Auferstehung Jesu von den Toten so entscheidend ist für die Erlösung, wie das Paulus ja schon in Römer 4, 25 und 8, 34 gesagt hat.
[4:54] Vers 10 bietet jetzt die Begründung. Denn mit dem Herzen glaubt man, um gerecht zu werden und mit dem Mund bekennt man, um gerettet zu werden. Nun, hier geht es nicht darum, dass erst der Glaube kommen muss und dann später als zweite Stufe der Erlösung das Bekenntnis, sondern Glaube und Bekenntnis sind im Grunde genommen wie zwei Seiten derselben Medaille. Man muss also nicht denken, dass wenn ich Glauben habe, dann habe ich so die Hälfte der Erlösung geschafft. Nein, nein, der Glaube und das Bekenntnis gehen Hand in Hand. Rettender Glaube findet immer seinen Ausdruck.
[5:30] Wir sehen das ja schon bei den Kindern Israels, die sich zum Blut Jesu beim Passah-Ereignis öffentlich bekennen sollten. Diese Kernidee wird auch sehr schön ausgedrückt in Offenbarung 12, Vers 10, wo es heißt, dass der Satan überwunden wird durch das Blut des Lammes, also durch Jesus, und durch das Zeugnis der Gläubigen, woran sie festhalten und ihr Leben nicht liefern bis in den Tod. Der rettende Glaube ist einem guten und feinen Herzen, sagt die Bibel, und Unglaube gehört zu einem bösen Herzen. Das gereinigte Herz hat dann völlige Glaubensgewissheit. So ist also der Glaube sehr entscheidend hier.
[6:10] Römer 10, Vers 11: Denn die Schrift spricht: Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zu Schanden werden. Noch einmal bringt Paulus dieses Zitat aus Jesaja 28, Vers 16, das er schon vorher in Römer 9, Vers 33 zitiert hat und kommt damit noch einmal auf dieses Bild vom Eckstein bzw. dem Stein des Anstoßes zurück, sodass jetzt alles, was dazwischen gewesen ist, im Grunde genommen eine Erklärung dieses Glaubens ist, mit dem man auf diesen Eckstein, diesen kostbaren Stein, eigentlich sich zubewegen sollte, statt darüber zu stolpern. Aber genau dieser Glaube, der jetzt hier noch einmal angedeutet wird, hat ja gefehlt.
[6:47] Es zeigt übrigens auch, dass tatsächlich in Vers 10 nicht der Glaube und das Bekenntnis zwei unterschiedliche Dinge sind, sondern beides ist notwendig und dann wird es begründet mit einem Vers, in dem es um den Glauben geht. Vers 12: Es ist ja kein Unterschied zwischen Juden und Griechen. Alle haben denselben Herrn, der reich ist für alle, die ihn anrufen. Jetzt kommt Paulus wieder zu einem Hauptpunkt zurück, den er schon öfter angeführt hat. In Römer 3 haben wir das öfter gesehen, auch in Römer 9, Vers 24. Bezüglich der Erlösung gibt es zwischen Juden und Griechen keinen Unterschied.
[7:28] Petrus musste erkennen, dass Gott alle gleich behandelt, in Apostelgeschichte 10, und dann auch wurde gesagt beim Apostelkonzil, in Apostelgeschichte 15, dass Gott keinen Unterschied macht und alle durch den Glauben reinigt, Galater 3, 28. In Christus ist weder Jude noch Grieche, und die Heiden sind Miterben, Epheser 3, Vers 6. Sie haben denselben Herrn. Wir lesen in Apostelgeschichte 10, Vers 36, dass Jesus der Herr über alle ist, dass er der einzige Vermittler für die ganze Menschheit ist, in 1. Timotheus 2, Vers 5, und natürlich nennt ihn die Offenbarung auch Herr der Herren.
[8:00] Der Herr ist reich. Und da greift Paulus auf die Idee zurück in Römer 2, Vers 4, wo von dem Reichtum der Güte und der Geduld gesprochen wird. In Epheser finden wir auch den Reichtum seiner Gnade und den unausforschlichen Reichtum Jesu und den Reichtum seiner Herrlichkeit. Wir sollen Gott anrufen, das finden wir auch in Jesaja 55, Vers 6, solange er zu finden ist. Und diese Idee, den Herrn anrufen und dann gerettet zu werden, wird jetzt wieder mit dem Alten Testament begründet. Wir sehen also, Paulus ist in diesem ganzen Abschnitt des Römerbriefes sehr damit bedacht, alles, was er sagt, alttestamentlich abzusichern, weil er ja gerade hier über das Thema Israel spricht.
[8:45] Vers 13: Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden. Das ist diesmal Joel 3, Vers 5. Im Kontext sind dort die Geretteten auf dem Berg Zion. Es sind die Übrigen, die übrig Gebliebenen. Und dort ist der Kontext ja sogar endzeitlich, nicht ganz uninteressant. In Apostelgeschichte 2, Vers 21 wird der Vers dann von Petrus zitiert, unter Inspiration des Heiligen Geistes, bei der Pfingstpredigt, um deutlich zu machen, dass der Glaube an Jesus die entscheidende Lehre ist und darin die Rettung besteht.
[9:24] Vers 14: Paulus wendet sich jetzt einer neuen Fragestellung zu. Es geht immer ja noch um die Frage, wer ist das Volk Gottes? Wie steht das jetzt mit Israel, die ja den Auftrag hat, das Evangelium zu verkündigen? Und jetzt stellen wir fest, in den folgenden Versen, viele von Israel sind gar nicht echte gläubige Israeliten. Und das Evangelium ging zu allen Heiden. Und jetzt ist die Frage, wie wird diese Wahrheit dann weiter verbreitet? Diese Wahrheit, die für alle gedacht ist, muss ja von irgendjemandem zu allen gebracht werden.
[10:00] Vers 14: Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht geglaubt haben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören, ohne einen Verkündiger? Die Idee des Volkes Gottes basiert auf diesem Gedanken. Schon in Römer 3, Vers 1 und 2 war das ja kurz angedeutet, dass der Vorzug der Juden darin bestand, dass ihnen das Wort Gottes anvertraut worden war. Auch die Geschichte Jona illustriert diese Wahrheit, dass es einen Verkündiger braucht, um die Heiden mit der Wahrheit in Kontakt zu bringen.
[10:34] Die Jünger bekamen den Auftrag, das Evangelium in die Welt zu tragen. Und wer glauben würde, würde gerettet werden. So Markus 16. Die Botschaft der Sündenvergebung muss gepredigt werden, Lukas 24, und auch das Evangelium selbst in Johannes zum Beispiel ist geschrieben, damit der Leser an Jesus glaubt.
[10:52] Die Fragen gehen noch weiter in Vers 15. Wie sollen sie aber verkündigen, wenn sie nicht ausgesandt werden? Und das Ganze wird jetzt wieder untermauert mit einem alttestamentlichen Zitat, diesmal aus Jesaja 52, Vers 7. Denn Jesaja, wie geschrieben steht: Wie lieblich sind die Füße derer, die Frieden verkündigen, die Gutes verkündigen. Im Original ist dort im Hebräischen die gute Botschaft, das Evangelium angesprochen, dass Gott als König herrscht. Der Dienst der Verkündiger ist ein wundervoller.
[11:27] Und übrigens, wenn es hier heißt, wie sollen sie verkündigen, wenn sie nicht ausgesandt worden sind. Man mag darauf hinweisen vielleicht noch, dass in Jeremia 23, Vers 32 deutlich wird, nicht jeder Verkündiger ist von Gott gesandt. Wir sollen darum beten, dass Gott Arbeiter sendet, Matthäus 9, 38. Jesus hat seine Jünger ausgesandt, Lukas 10, Vers 1. Und Paulus kannte diesen Ruf aus eigener Erfahrung. Die Aufgabe der Verkündigung ist eine verlierende Gnade, so sagt es Epheser 3, Vers 8. Das Evangelium soll in der Kraft des Heiligen Geistes verkündigt werden, 1. Petrus 1, Vers 12.
[12:01] Frieden soll verkündigt werden. Jesus hat Frieden verkündigt, so sagt es Epheser 2, Vers 17. Und zur Waffenrüstung Gottes, in Epheser 6, Vers 15, gehört die Bereitschaft zur Verkündigung des Evangeliums, des Friedens, und zwar als Stiefel an den Füßen. Ganz interessante Parallele. Diese gute Botschaft wird immer wieder auch in Jesaja erwähnt, oder auch Jesaja 60, diese frohe Botschaft, die gepredigt werden soll.
[12:27] Vers 16. Aber nicht alle haben dem Evangelium gehorcht, denn Jesaja spricht hier: Wer hat unserer Verkündigung geglaubt? Das Evangelium trifft nicht überall auf positive Resonanz. Das Zitat hier kommt interessanterweise aus Jesaja 53, Vers 1. Und damit steht es im direkten Kontext von dem Zitat in Vers 15, was ja aus Jesaja 52, Vers 7 kam. Interessant ist hier die Gleichsetzung von Glauben und dem Evangelium gehorsam sein. Und damit erinnern wir uns wieder an Römer 1, Vers 5. Das Ziel ist der Glaubensgehorsam.
[13:05] Ebenfalls interessant ist, dass dieses Zitat, das also die Verwerfung des Evangeliums hier begründet, eine Passage in Jesaja einleitet, wo es in Jesaja 53 tatsächlich um die Kreuzigung Jesu, die Verwerfung des Messias durch sein eigenes Volk geht. Wer nicht glaubt, gehört nicht zu den Schafen Jesu, so sagt es Johannes 10, 26. Es gibt unterschiedliche Reaktionen auf das Evangelium, Apostelgeschichte 28. Das Evangelium hat den Israeliten nichts genützt, weil sie nicht geglaubt haben, Hebräer 4. Das Stolpern über den Stein des Anstoßes drückt sich in Ungehorsam aus, 1. Petrus 2. Und wer dem Evangelium nicht gehorsam ist, 2. Thessalonicher 1, wird verloren gehen. Jesus ist der Urheber ewigen Heils allen denen, die ihm gehorchen, Hebräer 5, Vers 9. Und durch den Geist der Wahrheit oder durch den Geist können wir der Wahrheit gehorsam sein, 1. Petrus 1, Vers 22.
[14:01] Wichtiger grundlegender Gedanke jetzt in Vers 17. Demnach kommt der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort. Der Glaube ist immer auch Reaktion auf Verkündigung und diese muss auf dem Wort Gottes basieren. Deswegen war ja auch dem Volk Israel im Alten Testament das Wort Gottes übergeben worden, damit sie es verkündigen, sodass sie dann Menschen zum Glauben führen. Deswegen hat sich Paulus noch nicht geschämt, das Evangelium zu verkündigen, weil es das Evangelium der Schrift war, wie er in Römer 1, Verse 1 und 2 sagt. Er sagt auch in 1. Thessalonicher 2, Vers 13, dass das von ihm gepredigte Wort das eigentliche Wort Gottes war. Dieses Wort Gottes ist wie ein Same in Lukas 8, Vers 11. Und Paulus weiß auch, dass zu seiner Zeit viele das Wort Gottes verfälschen. Das Wort ist wie ein zweischneidiges Schwert, es ist lebendig und wirksam und dringt ins Herz und bewirkt so diesen Glauben, was menschliche Worte nie tun könnten.
[15:03] Ab Vers 18 beginnt Paulus jetzt eine Reihe von Fragen, die er biblisch beantwortet. Die erste Frage ist in Vers 18: Aber ich frage: Haben sie es etwa nicht gehört? Doch ja, ihr Schall ist ausgegangen über die ganze Erde und ihre Worte bis ans Ende des Erdkreises. Die erste Frage ist da: Haben denn die Heiden überhaupt durch oder ist durch das Alte Testament, durch das Volk Israel überhaupt das Wort Gottes verkündigt worden? Ist das Evangelium überall gehört worden? Und Paulus zeigt anhand von Psalm 19, Vers 5, dass überall auf der Welt etwas vom Evangelium gehört worden ist.
[15:42] Interessanterweise zitiert er hier Psalm 19, wo es um die Himmelskörper geht, die von Gott geschaffen worden sind, um die Herrlichkeit Gottes zu verkünden. Das passt so ein bisschen auch zu Römer 1, Verse 19 und 20, wo die Kraft Gottes, die das Evangelium darstellt, anhand der Schöpfung erkannt werden kann. Psalm 98, Vers 3 sagt: Alle Enden der Erde haben das Heil gesehen. Aber dann sagt Jesaja 52, Vers 10: Alle Enden werden das Heil Gottes sehen, was sich auf den Messias bezieht, der in Jesaja 49, Vers 6 das Heil für alle Enden der Erde sein soll.
[16:22] Aber ich frage: Hat es Israel nicht erkannt? Schon Mose sagt: Ich will euch zur Eifersucht reizen durch das, was kein Volk ist. Durch ein unverständliches Volk will ich euch erzürnen. Also die Frage ist, hat Israel das nicht gewusst, dass das Evangelium zu allen Heiden gehen soll? War ihnen das nicht klar? Denn wenn man Israel anschaut in der Geschichte, muss man den Eindruck gewinnen, dass dieser Auftrag ihnen nicht richtig bewusst gewesen ist.
[16:51] Paulus zitiert jetzt zuerst einmal aus 5. Mose 32, Vers 1, dem Lied des Mose. Und dort sagt Gott im Original: Weil Israel sich fremde Götter gesucht hat und damit Eifersucht bei Gott erregt hat, wird Gott sich fremde Völker, Heidenvölker suchen und so die Israeliten zur Eifersucht erregen. Also hier haben wir diesen doppelten Gedanken: Israel fällt ab und dadurch kommt es zu einer Übertragung der Bundessegnung auf die Heiden, aufgrund des Abfalls Israels. Und Paulus sagt, das hätte Israel wissen können.
[17:28] Und wir haben ja schon an anderer Stelle in Bezug auf Hosea 2, Vers 23 und 1. Petrus 2, Vers 10 gesehen, dass das sehr deutlich war, schon im alten Testament, Gott würde die, die kein Volk waren, durch seine Barmherzigkeit zu seinem Volk machen. Übrigens unverständlich. Das Wort hier, das unverständliche Volk, bezieht sich auf die Heiden. So sagt ja schon Römer 1, 22, 23, dass sie unverständlich geworden sind durch den Götzendienst, den die Bibel auch Dummheit anzeigt.
[17:57] Paulus fügt aber noch ein zweites Zitat an, jetzt von Jesaja, Vers 20. Jesaja wagt sogar zu sagen: Ich bin von denen gesucht worden, die mich nicht suchten. Ich bin denen offenbar geworden, die nicht nach mir fragten. Paulus scheint dieser Punkt sehr wichtig zu sein und deswegen bringt er gleich noch ein zweites Argument. Und dieses Zitat ist noch etwas kühner als das von Mose. Zitiert wird Jesaja 65, Vers 1 und hiermit wird bestätigt, was schon Römer 9, Vers 30 gesagt hat.
[18:29] Die Heiden haben gar nicht nach dem Evangelium gesucht, nach der Gerechtigkeit Gottes, sind aber durch die Verkündigung des Evangeliums darauf gestoßen und haben die Glaubensgerechtigkeit ergriffen. Der Gedanke in Jesaja 65, Vers 1 ist übrigens, dass Gott die Initiative ergreift, dass er sich dem Volk offenbart, das ihn gar nicht gesucht hat. Und auch Jesaja 52, Vers 15 sagt, die Heiden werden durch den Messias Dinge hören, die sie nie zuvor gehört haben. Der Messias wird zur Attraktion für die Heidenvölker, Jesaja 55, Verse 4 und 5. Vielleicht passt auch Matthäus 20 hier rein, die Letzten werden die Ersten sein.
[19:02] Vers 21: Paulus zitiert gleich noch einmal Jesaja und zwar den nächsten Vers, der dann in Jesaja 65, Vers 2 steht. In Bezug auf Israel bespricht er: Den ganzen Tag habe ich meine Hände ausgestreckt nach einem ungehorsamen und widerspenstigen Volk. Er fährt also wieder dieselbe Strategie hier. Er zitiert alttestamentliche Verse, die zeigen, dass die Heiden auch zum Volk Gottes gehören werden und dass gleichzeitig das Volk Israel sich im Abfall befinden wird. Und im Original in Jesaja steht dann noch die Phrase: Es geht auf einem Weg, der nicht gut ist. Jesus weint über Jerusalem, dass er immer wieder zur Umkehr aufgerufen hat und doch nicht hören wollte. Diese ausgestreckten Hände sind da ein Symbol dafür.
[19:48] Und jetzt erreicht Paulus einen sehr sensiblen Punkt. Kapitel 11, Vers 1: Ich frage nun: Hat Gott etwa sein Volk verstoßen? Er verneint dies, er sagt: Das sei ferne. Und jetzt ist es aber wichtig, seine Erklärung genau zu hören. Er sagt: Denn auch ich bin ein Israelit aus dem Samen Abrams, aus dem Stamm Benjamin. Also diese Antwort: Hat Gott sein Volk verstoßen, wird verneint mit der Begründung: Paulus sagt, ich bin ja Israelit. Er selbst, der Heidenmissionar, der Verkündiger des Evangeliums, ist ein waschechter, ethnischer Israelit. Man kann also nicht sagen, dass alle ethnischen Israeliten automatisch ohne Ausnahme vom Evangelium abgeschnitten sind. Denn Paulus ist ein wahrer Gläubiger.
[20:39] 1. Samuel 12, Vers 20: Gott verstößt sein Volk nicht aufgrund seines Namens. Psalm 94, Vers 14: Gott verstößt sein Volk nicht. Und dann Amos 9, Verse 8 und 9. Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Gott wird das sündige Israel richten, aber nicht vollständig. Es wird vielmehr eine Sichtung geben. Und nicht ein wahrer Gläubiger wird verloren gehen. Das muss Paulus jetzt etwas genauer erklären.
[21:03] Vers 2: Gott hat sein Volk nicht verstoßen. Achtung, das wird jetzt qualifiziert, dass er zuvor ersehen hat. Oder wisst ihr nicht, was die Schrift bei Elia sagt? Wie er vor Gott gegen Israel auftritt und spricht. Dieses Wort ersehen, das haben wir schon in Römer 8, Vers 29 gehabt und erklärt dort. Gott weiß im Vorhinein, wer sich freiwillig für ihn und für die Rettung entscheidet und wer ihn lieben wird. Und die er ersehen hat, die werden auch gerechtfertigt und geheiligt. Und das wissen wir, geschieht allein durch Jesus Christus. Wer dies erlebt, also die Rechtfertigung und die Heiligung, indem er sich für Jesus entscheidet, der gehört zum Volk Gottes. Und das hat nicht unbedingt etwas mit den Genen zu tun.
[21:46] Und dieses Volk Gottes, nicht das buchstäbliche Israel, sondern alle Gläubigen, und dazu gehören definitiv auch ethnische Israeliten, wie Paulus zum Beispiel, die hat er nicht verworfen. Es gibt das Volk Gottes, bleibt bestehen. Aber mit dem Volk Gottes sind die gemeint, die Gefäße zur Ehre sind. Und Paulus begründet dies jetzt mit dem Alten Testament. Er verweist auf die Geschichte Elias. Und die wird jetzt hier zitiert in Vers 3. Paulus zitiert den Elia, als der sich vor Gott fast aufgeben möchte, weil der geistliche Zustand von Israel so desolat ist.
[22:28] Erste Könige 19, Vers 14b kann man dieses Zitat finden, von dem Paulus sogar die ersten beiden Teilsätze hier vertauscht. Herr, sie haben deine Propheten getötet und deine Altäre zerstört, und ich bin allein übrig geblieben, und sie trachten mir nach dem Leben. Elia dachte, dass es mit dem Volk vollständig aus ist, dass er der letzte überlebende Gläubige sozusagen ist. Und dass man eigentlich an dem Volk nichts mehr Gutes findet. Für ihn schien es so zu sein, als ob ganz Israel gefallen war.
[23:05] Dabei wusste er eigentlich, in Erste Könige 18, Verse 4 und 13 lesen wir das, dass durch den Obadja etliche Propheten überlebt hatten. Die Perspektive des Elia war also offensichtlich falsch. Und Paulus will damit deutlich machen, wer das gesamte ethnische Volk Israel aufgrund der Gene für verworfen hält, der liegt falsch. Und hier hat die Kirche natürlich über die Jahrhunderte sehr viel falsch gemacht.
[23:29] Vers 4: Aber was sagt ihm die göttliche Antwort? Ich habe mir 7.000 Männer übrig bleiben lassen, die ihr Knie nicht gebeugt haben vor Baal. Die Perspektive Gottes ist anders als die von Elia. Das Zitat kommt aus Erste Könige 19, Vers 18, das ist also die Antwort Gottes auf das, was Elia vorbringt. Es gibt 7.000 Übrige, und diese Übrigen sind jetzt ein Schlüsselbegriff, eine Schlüsselidee in dem ganzen Argument von Paulus. Diese Übrigen haben sich am Glaubensabfall nicht beteiligt.
[23:58] Und jetzt kommt der große Schlusspunkt oder die wesentliche Schlussfolgerung diesbezüglich. Vers 5: So ist nun auch in der jetzigen Zeit ein Überrest vorhanden aufgrund der Gnadenwahl. Paulus sagt, genauso wie damals der Großteil Israels abgefallen war, aber es 7.000 Übrige gab, 7.000 wahre, wahrhaftige Israeliten, die den Glauben an die Gnade Gottes aufrechterhielten, so auch heute. Die Basis der Übrigen ist die Gnade Gottes.
[24:38] Die Juden hatten diesmal ja nicht nur Propheten umgebracht, wie zur Zeit von Elia, sondern sogar den Sohn selbst. Und wir sehen das Apostelgeschichte 7, bei der Rede des Stephanus und auch Matthäus 21, dass das weitreichende Konsequenzen für das Volk als solches hat. Aber es gibt einen Überrest, der an diesem eigentlichen Evangelium, an dem eigentlichen Glauben an den Messias des Alten Testaments festhält. Und Paulus hat dieses Thema des Überrestes schon in Römer 9, Verse 27-29 mit einigen Jesaja-Zitaten zitiert.
[25:11] Wer an Jesus glaubt, gehört zu den Übrigen. Weite Teile des Judentums verlieren ihre Aufgabe als Träger des Evangeliums, aber es gibt die Übrigen. Und mit ihnen arbeitet Gott. Gott arbeitet quasi mit den Übrigen der Israeliten, die weiterhin an den Messias glauben, jetzt seit er gekommen ist. Und mit ihnen wird er jetzt die Evangelisierung der Heiden vornehmen. Gott hat also nicht das ganze ethnische Volk Israel verworfen, sondern alle Ungläubigen und alle, die an Jesus gläubig geworden sind oder vielmehr an dem wahren Glauben des Alten Testaments festgehalten haben, die bilden jetzt das neue Volk Gottes.
[25:52] Und diese Erwählung durch die Gnade, die war ja schon in Römer 9, Verse 11-13 das Thema. Jakob hat die Gnade Gottes und sein Erbarmen angenommen. Gott wusste das im Vorhinein. Und Esau war nur am Erbe interessiert, aber nicht an der Buße. Und so ist Jakob ein Typus für alle Juden, die Christus angenommen haben. Und Esau ein Typus für alle, die die Botschaft von Johannes dem Täufer und auch Jesus abgelehnt haben.
[26:20] An der Stelle ist es vielleicht interessant, einen kurzen Exkurs zu machen. Denn die Offenbarung 12, Vers 17 beschreibt für die Endzeit die Übrigen nicht aus dem Judentum, wie hier, sondern die Übrigen dann aus der Christenheit, die festhalten an dem wahren Glauben angesichts allgemeinen Abfalls, auch in Offenbarung 14, Vers 12, die Gebote Gottes und den Glauben Jesu bewahren.
[26:39] Nun, wenn man sich die Entstehung des Christentums anschaut und die Entstehung der Adventbewegung, gibt es interessante Parallelen. Zunächst einmal die Entstehung des Christentums. Da war zuvor das Volk Israel das Volk Gottes. Im Alten Testament wurde bereits prophetisch vorhergesagt, dass es eine neue Bewegung geben würde, die auch die Heiden mit einschließen würde. Der Zeitpunkt der Entstehung des Christentums basierte auf Daniel 8 und 9. Viele würden diese wichtige Botschaft, die dann gepredigt werden würde, verwerfen. Aber einige würden glauben, sie sind jetzt nach Paulus die Übrigen.
[27:10] Sie erhalten den Missionsauftrag und sie sollen auch die Ungläubigen erreichen. Nicht nur die Juden, sondern die, die auch außerhalb des jüdischen Religionskreises sind. Die Übrigen verstehen selbst nicht gleich diesen Auftrag. Sie müssen so ein bisschen darauf angestupst werden erst. Und alle, die nicht aber an Jesus glauben und an das, was er am Kreuz von Golgatha getan hat, die sind jetzt nicht mehr Gottes Volk, bleiben als in Anführungsstrichen gefallene Kirche zurück. Es gibt aber immer noch unter diesen Juden viele grundsätzlich Gläubige, Aufrichtige, die jetzt das Licht der gegenwärtigen Wahrheit vom Kreuz Jesu erfahren müssen.
[27:57] Es gab aber dann auch Irrlehrer, die den Christen sagten, sie müssten wieder zurück zu den Traditionen der Juden. Jetzt haben wir dasselbe Prinzip bei der Entstehung der Adventgemeinde. Da war zuvor das Christentum im Ganzen das Volk Gottes oder das protestantische Christentum, um es etwas genauer zu sagen. In der Bibel wird aber prophetisch vorhergesagt, dass es eine letzte Endzeitbewegung geben wird. Der Zeitpunkt dieser Bewegung basiert ebenfalls auf Daniel 8 und 9.
[28:27] Auch da gibt es eine wichtige Botschaft, die weltweit verkündigt wird, wo es wieder um Jesus geht. Diesmal nicht Jesus am Kreuz, sondern Jesus im himmlischen Heiligtum. Es geht um die Wiederkunft und um das Untersuchungsgericht. Viele verwerfen diese Botschaft, aber einige wenige glauben. Und sie sind dann diese Übrigen. Sie erhalten den Missionsauftrag, in alle Nationen, Völkerstämme und Sprachen usw. zu gehen. Sie sollen nicht nur die anderen Christen erreichen, sondern alle Ungläubigen.
[28:53] Sie verstehen das auch nicht sofort historisch, sondern müssen etwas von Gott darauf hingestupst werden. Und alle restlichen christlichen Kirchen, die diese Botschaft nicht angenommen haben, sind jetzt genauso nicht mehr Gottes Volk, wie das Volk Israel nach Römer 11, nach dem Kreuz oder nach der Steinigung von Stephanus nicht mehr das Volk Gottes gewesen ist. Und das ist vielleicht ein interessanter Punkt.
[29:16] Unser Verhältnis zum Volk, zu dem ethnischen Israel jetzt, sollte ähnlich sein, wie das zu den anderen Kirchen, die die gegenwärtige Wahrheit nicht angenommen haben. Denn auch hier gibt es viele Gläubige in den Kirchen, so wie es noch viele Gläubige unter den Juden gab und gibt. Interessanterweise gibt es auch eine Parallele bezüglich der Irrlehrer. Auch heute gibt es wieder Irrlehrer, die wie damals sagten, man muss zurück zu der jüdischen Tradition. Heute die sagen, man muss zurück zu den christlichen Traditionen vor der Adventbewegung.
[29:50] Also das vielleicht als Gedankenanregung kann man noch weiter studieren, wie sehr also Römer 11 hier vielleicht auch eine ganz wichtige gegenwärtige Wahrheit für uns noch deutlicher illustriert. Vers 6: Wenn aber aus Gnade, so ist es nicht mehr um der Werke willen, sonst ist die Gnade nicht mehr Gnade. Wenn aber um der Werke willen, so ist es nicht mehr Gnade, sonst ist das Werk nicht mehr Werk.
[30:10] Paulus nutzt hier noch einmal die Gelegenheit, grundsätzlich diesen klaren Unterschied zwischen Werke und Gnade deutlich zu machen. Das ist ihm sehr wichtig. Er hat das ja schon in Römer 4, Verse 4 und 5 anhand von Abraham deutlich gemacht. Ohne Gnade, das heißt ohne Jesus Christus, kann man nicht zum Volk Gottes gehören, egal welche Werke man vorzuweisen hat. Denn wenn es Werke wären, dann wäre die Gnade nicht mehr Gnade. Deswegen kommt man da an diesem Punkt nicht vorbei. Niemand kann zum Volk Gottes gehören, sich dazu zählen oder dazu gezählt werden, wenn es nicht aufgrund von Gnade ist, aufgrund der Annahme dessen, was Jesus für mich getan hat.
[30:44] Selbst im alten Israel wurde das Land Kanaan aus Gnade gegeben und nicht aufgrund der Verdienste. Paulus sagt: Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Wer durch Werke gerechtfertigt werden will, Galater 5, Vers 4, für den ist das Opfer Christi wertlos. Gott hat uns aufgrund seiner Gnade in Christus gerufen, 2. Timotheus 1, Vers 9.
[31:03] Paulus zieht jetzt in Vers 7 die logische Konsequenz. Wie nun? Was Israel sucht, das hat es nicht erlangt. Die Auswahl aber hat es erlangt, die Übrigen dagegen wurden verstockt. Israel suchte Gerechtigkeit durch das Alte Testament, hat aber diese Gerechtigkeit nicht erreicht, weil sie nicht an den Erlöser geglaubt haben. Das ist in Römer 9 deutlich geschildert worden, Verse 31-33.
[31:30] Aber, Paulus sagt, diese Aussage muss etwas differenziert werden. Es gibt nämlich Israeliten, es gibt ethnische Juden, die die Glaubensgerechtigkeit erlangt haben. Diese Auswahl, diese Gefäße zur Ehre haben im Glauben Christus angenommen. Paulus ist einer von ihnen. Die anderen dagegen sind verstockt worden. Und das ist wie beim Pharao. Sie sind jetzt nicht mehr Gefäße zur Ehre, sondern Gefäße zur Unehre. Sie sind verblendet, da ihnen der Schlüssel Christus fehlt, lesen sie das Alte Testament nicht richtig. Sie haben das Evangelium nicht erkannt, 2. Korinther 3, Vers 4. Und wer keine Liebe zur Wahrheit hat, wird durch Irrlehren ins Verderben geführt, 2. Thessalonicher 2, Vers 8.
[32:25] Der ganze Gedanke lässt sich am besten illustrieren an der Apostelgeschichte 28, Verse 23-29, wo Paulus nach Rom kommt und dort zu den Juden in Rom predigt. Und einige glauben ihm, sagt es dort. Das ist die Auswahl, das sind die Übrigen, während die anderen nicht glauben. Sie werden verstockt. Auf sie trifft dieses Wort zu, dass sie nicht sehen und nicht hören.
[32:45] Paulus führt noch ein drittes Zitat zu in Vers 9 und 10. Und David spricht. Das Spektakuläre an dem Zitat ist noch nicht einmal das, was dort steht, sondern was davor steht im Original, was Paulus vielleicht mit sensiblem Blick für seine Leser weggelassen hat oder sie vielleicht nur indirekt darauf anstoßen wollte. Denn in Vers 21 und 22 im Psalm 69, wo das Herz zitiert ist, geht es prophetisch um das Geschehen am Kreuz, wo der Geist Christi durch den Psalmschreiber sagt, dass die Missetaten das Herz ihm gebrochen haben und dass man ihm Essig reichte und so weiter.
[33:13] Das heißt, Verse 23, 24, die hier zitiert werden, sprechen von den Menschen, die die Kreuzigung Jesu initiiert haben und ihn dann dort verspottet haben. Und damit sind sie jetzt gefallen. Sie sind verstockt. Sie sind in diesem Zustand unmöglich ein Gefäß zur Ehre dieser finsteren Augen. Da verweisen wir noch mal an Römer 1, 21. Die Ablehnung des Evangeliums führt zur Verfinsterung des Herzens. Und ein verfinsterter Verstand, Epheser 4, 18, ist eigentlich eine Eigenschaft der Heiden.
[34:07] Ich frage nun: Sind sie denn gestrauchelt, damit sie fallen sollten? Also die Frage ist, war es Gottes Ziel, dass diese ungläubigen Israeliten fallen? Sind sie dafür programmiert worden? Das sei ferne. Sondern durch ihren Fall wurde das Heil den Heiden zuteil, um sie zur Eifersucht zu reizen. Obwohl sie gefallen sind, trotz ihrer Rebellion ist noch etwas Gutes daraus entstanden. Sie sind jetzt Gefäße zur Unehre. Es entsteht noch etwas Gutes daraus. Gott wollte nicht, dass sie sterben. Gott wollte nicht, dass sie verloren gehen. Hesekiel 18, 23 sagt, dass Gott an keinerlei Tod gefallen hat.
[34:45] Der Punkt ist jetzt hier, die Eifersucht. Wenn die Israeliten sehen, wie sehr die Heiden, die so wenig Gott kannten, Gott von ganzem Herzen lieben, dann sollte das doch die Juden, die das aus der Theorie des Alten Testaments kennen, doch dazu bringen, sich diesen Zustand auch zu wünschen.
[35:02] Vers 12: Wenn aber ihr Fall der Reichtum der Welt und ihr Verlust der Reichtum der Heiden geworden ist, wie viel mehr ihre Fülle? Paulus zeigt jetzt deutlich, es war nicht Gottes Absicht. Und schon gar nicht war es notwendig, dass Israel fallen sollte. Sondern im Gegenteil. Er sagt, wenn sogar der Fall Israels, die ja eigentlich für die Heidenmission berufen waren, trotz ihres Falls noch dazu geführt hat, dass die Heiden das Evangelium erkennen können, weil nämlich die wenigen Übrigen das Evangelium gepredigt haben, wie viel mehr Segen hätte die ganze Welt erlebt, wenn ganz Israel Christus vollständig angenommen hätte.
[35:40] Israel ist dezimiert worden. Deswegen heißt es hier, ihr Verlust. Sie sind stark dezimiert worden seit dem Kreuz. Denn nur wenige der Überrest haben an dem Glauben festgehalten. Trotz dieses Verlustes konnte der Reichtum der Gnade die Heiligen erreichen. Aber was wäre geschehen, wenn sie das in Fülle getan hätten?
[36:02] Vers 13: Paulus wird erneut persönlich. Denn zu euch, den Heiden, rede ich. Weil ich Apostel der Heiden bin, bringe ich meinen Dienst zur Ehre. Er spricht hier zu den Christen in Rom, von denen offensichtlich die meisten Heiden waren, mindestens. Und Paulus war von Jesus zum Heidenmissionar berufen worden.
[36:22] Vers 14: Worin besteht die besondere Ehre seines Dienstes? Ob ich irgendwie meine Volksgenossen zur Eifersucht reizen und etliche von ihnen retten kann. Paulus sagt etwas, was offensichtlich nicht gleich an der Oberfläche lag. Er sagt, mein Dienst für die Heiden ist auch dazu bestimmt, die Juden zu retten. Zumindest etliche. Er ist sich also offensichtlich bewusst, dass die Juden nicht alle automatisch aufgrund ihrer Gene gerettet werden. Er hat also bei allem, was er tut, auch die Rettung seines eigenen Volkes im Blick. Und das passt natürlich zu Römer 9, Vers 3 und auch 10, Vers 1, wo wir das schon gelesen haben.
[37:00] Wir haben übrigens nicht die Garantie, dass sich jemand bekehrt, den wir mögen, 1. Korinther 7, Vers 16. Aber Paulus hat sich versucht, auf die Juden so weit wie möglich auch einzustellen, 1. Korinther 9, Vers 20.
[37:12] Der Gedanke von Vers 12 wird in Vers 15 noch einmal in andere Worte gekleidet. Denn wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt zur Folge hatte, was wird ihre Annahme anderes zur Folge haben als Leben von den Toten? Eine vollständige Bekehrung Israels zum Glauben würde der Verkündigung des wahren Evangeliums einen enormen Schub geben.
[37:33] Paulus macht allerdings hier auch sehr deutlich, und das muss man festhalten, dass die verstockten Israeliten verworfen sind. Sie sind gefallen, sagt Vers 12. Es handelt sich also quasi bei all denen oder bei dem Judentum, das Christus abgelehnt hat, um eine gefallene Kirche. Genauso wie auch die gefallenen Kirchen dann in der Offenbarung später. Es ist quasi die gleiche Kategorie. Die Übrigen halten weiter am originalen alttestamentlichen Glauben fest. Sie sind das wahre Volk Gottes.
[38:01] Die Versöhnung, haben wir in Römer 5, Vers 10 gelesen, geschieht durch den Kreuzestod Jesu. Und den haben eben diese ungläubigen, verstockten Juden angezettelt. Leben von den Toten ist eine interessante Formulierung. Möglicherweise spielt Paulus hier auf Hesekiel 37 an, wo die Totengebeine das verlorene Volk Israel darstellen im babylonischen Exil, die durch die Bekehrung durch den Geist Gottes zu einer mächtigen Armee werden können.
[38:28] Vers 16: Paulus benutzt zwei Bilder, um jetzt zu illustrieren, dass das Fundament Israels immer noch heilig ist, ungebrochen. Wenn aber die Erstlingsgabe heilig ist, so ist es auch der Teig. Und wenn die Wurzel heilig ist, so sind es auch die Zweige. Bei der Erstlingsgabe geht es hier vor allem um Brot, wo auch der erste Teil als Erstlingsgabe gegeben werden sollte, so in 4. Mose 15, Verse 19 bis 21. In beiden Fällen ist die Idee sehr deutlich, dass was zuerst dabei, wenn das heilig ist, dann ist auch alles, was dazu gehört, heilig.
[39:04] Es kommt auf das richtige Fundament an und das wahre Fundament von Israel ist Christus. Es ist der Glaube des Abrams. Es sind die Verheißungen auf Christus hin, die dem Abram gegeben worden sind. Wer zu dieser Wurzel gehört, der ist ein heiliger Zweig. Jesus wird ja auch die Wurzel Davids genannt, zum Beispiel in Offenbarung 22, Vers 16. Erstling übrigens auch die 144.000 in Offenbarung 14.
[39:32] Dieses Bild, das zweite Bild jetzt von der Wurzel und den Zweigen wird in Vers 17 weiterverwendet und konkret an die Situation angepasst. Wenn aber etliche der Zweige ausgebrochen wurden und du als ein wilder Ölbaum unter sie eingepfropft bist und mit Anteil bekommen hast an der Wurzel und der Fettigkeit des Ölbaums.
[39:51] Etliche der Zweige sind ausgebrochen. Das sind die ungläubigen, verstockten Juden, die dasselbe Evangelium gehört haben, aber die es nicht angenommen haben. Sie gehören nicht mehr zum eigentlichen Israel. Sie sind gefallen, sie sind verworfen, weil sie die Wurzel Christus selbst verworfen haben durch die Kreuzigung, die sie initiiert haben.
[40:14] Die Heiden dagegen sind wilde Ölzweige. Sie sind nicht kultiviert durch die traditionelle Pflege des Alten Testaments, wie es die Juden hatten. Sie werden aber jetzt aufgrund ihres Glaubens an Jesus eingepfropft auf dieses Fundament und haben jetzt Anteil an der Wurzel, an der Fettigkeit. Das heißt an den Verheißungen, an dem ewigen Bund, den Gott mit Abram gemacht hat und mit David. An diesem Evangelium, das schon im Alten Testament ständig gepredigt wird.
[40:42] Interessant ist, dass in Jesaja 6, Vers 13 deutlich wird, dass viel abgebrochen wird und nur ein kleiner Überrest übrig bleibt. Jesaja 27, Vers 11 sagt, das ist ein sehr wichtiger Vers, abgebrochene Zweige sind vorher verdorrt. Ihnen fehlt also die echte innere Verbindung und sie werden dann verbrannt. Dort in Jesaja 27, Vers 11 ein Bild für die Unverständlichkeit des Volkes, dass keine Gnade erhalten wird.
[41:06] Jesus verwendet ähnliche Sprachen in Johannes 15, Vers 6, wenn er sagt, jeder, der nicht in Christus bleibt, verdorrt und wird abgebrochen und anschließend verbrannt. Es gibt also kein zweites Volk Gottes irgendwo anders, sondern jeder, der zum Volk Gottes gehört, der muss eine lebendige Verbindung zu dem Erlöser haben. Sei es im Glauben voraus, wie im Alten Testament oder im Glauben zurück auf das Kreuz geschaut in unserer Neuzeit der männlichen Zeit.
[41:35] Jesus sagt übrigens auch in Matthäus 8, Vers 12, dass viele, die sich zum Reich Gottes dazugehören, am Ende ausgestoßen sein werden. Die Heiden werden Miterben und Teilhaber der Verheißung Gottes, so sagt es Epheser 3, Vers 6, sie sind eingepfropft. Und für den Ölbaum gibt es ein schönes Bild in Psalm 52, Vers 10, dort heißt es: Wer immer und ewig auf die Gnade Gottes baut, ist ein Ölbaum im Heiligtum.
[42:02] Also dieser Ölbaum hier, das sind alle diejenigen, die auf die Gnade Gottes bauen in allem, was sie tun. Für ihre Rechtfertigung, für ihre Erlösung, für ihre Rettung, für ihre Heiligung, für ihre Verherrlichung. Sie bauen auf die Gnade Gottes im Heiligtum und sind deswegen ein Ölbaum. Und jeder, wer das mit glaubt, gehört zu diesem Ölbaum.
[42:27] Vers 18: So überhebe dich nicht gegen die Zweige. Überhebst du dich aber, so bedenke nicht, du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich. Paulus warnt die Heiden vor der Überhebung gegen die Juden. Denn das ganze Evangelium basiert auf den Verheißungen und Bündnissen, die Gott den Juden gab und die im Alten Testament aufgezeichnet sind. Deswegen ist es nicht so absurd, wie die Behauptung vieler Christen heute, dass das Christentum ohne das Alte Testament oder ohne die alttestamentlichen Propheten oder das alttestamentliche Gesetz auskommen könnte.
[42:57] Ganz im Gegenteil, es ist das Fundament, auf dem alles basiert. Wer nicht im Alten Testament verwurzelt ist, ist kein Christ nach dem Römerbrief. Der menschlich so empfundene Wechsel des Volkes Gottes von Israel zu den Christen ist in Wirklichkeit eine Weiterführung. Denn es ist derselbe Glaube, es sind dieselben Verheißungen, es ist dasselbe Bündnissystem, nur die Mitglieder des Bündnissystems sind getauscht. Viele von den alten Mitgliedern sind rausgebrochen und neue sind reingebrochen. Aber es ist dasselbe geistliche Israel, derselbe Glaube an den Messias.
[43:32] Abraham ist der Vater von allen Gläubigen, haben wir schon im Römer 4, Vers 16 gesehen. Und wer Christus angehört, ist Abrahams Same und Erbe nach der Verheißung, Galater 3, Vers 29. Deswegen schließt das Evangelium alles egoistische Rümen aus, so in Römer 3, Vers 27. Paulus sagt in 1. Korinther 10, Vers 12: Wer meint zu stehen, sollte zusehen, dass er nicht fällt. Jesus sagt: Andere Schafe hat er noch, aber sie alle werden kommen zu einer Herde und es wird ein Hirte sein.
[43:59] Vers 19: Nun sagst du aber, die Zweige sind ausgebrochen worden, damit ich eingepfropft werde. Ein möglicher Gedanke der Heiden wird ja vielleicht gewesen sein: Naja, damit Jesus gekreuzigt werden kann, müssen ja die Heiden, müsste Israel erstmal fallen. Vielleicht ist Israel gefallen, damit die Heiden dazu kommen. In Vers 11 und 12 hat Paulus dazu schon Stellung genommen. Gott hat die Israeliten nicht zum Fall programmiert, aber er hat ihren Fall benutzt, dass es trotzdem noch zur Verkündigung des Evangeliums funktioniert, wie damals beim Pharao, ein Gefäß zur Unehre.
[44:35] Er stellt den Punkt jetzt in Vers 20 klar, ganz recht. Um ihres Unglaubens willen sind sie ausgebrochen worden, du aber stehst durch den Glauben, sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich. Also die Heiden sind nicht direkt kausal aufgrund des Abfalls der Juden dabei, sondern die Juden sind nicht mehr dabei, weil sie nicht an Christus geglaubt haben und die Heiden sind dabei, weil sie an Christus geglaubt haben. Der entscheidende Punkt ist der Glaube.
[45:03] Deswegen ist Hochmut völlig fehl am Platz. Die Rechtfertigung durch den Glauben bewirkt unseren Frieden mit Gott, so haben wir es in Römer 5, Verse 1 und 2 gesehen. Und wir sollten im Glauben feststehen und uns fürchten, denn Gott zieht auf die Geringen. Hochmut und Vermessenheit, Habakuk 2, Vers 4, sind das Gegenteil vom Glauben. Wer sich demütigt, der wird erhöht, wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden.
[45:25] Hochmut und Vermessenheit sind die Eigenschaften des Antichristen, der in Rom erscheinen würde. Und das ist vielleicht auch ein interessanter Punkt, dass der Heilige Geist eine entsprechende Warnung ausgesprochen hat. Man kann in der Kirchengeschichte sehen, dass tatsächlich die Christen in Rom sich von den Juden distanziert haben, sich überhoben haben und das führt dann zur Einführung des Sonntags usw. Ganz interessant, wir haben nicht die Zeit, das hier auszuführen, aber mal zum Weiterdenken.
[45:52] Gott gibt dem Demütigen Gnade, Jakobus 4, Vers 6, die Furcht Gottes, das Gegenteil von Herzensverhärtung. Gott schaut auf die, die vor seinem Wort zittern, Jesaja 66, Vers 2. Die Erlösung soll mit Furcht und Zittern bewirkt werden, also ohne Stolz, ohne Hochmut, ohne ein falsches Herabschauen auf andere. Und wir sollen uns fürchten, dass wir die Verheißung verpassen, auf den wir bauen sollten. Und 1. Petrus 1, Vers 17 sagt, wir sollten im Bewusstsein des Gerichts leben.
[46:20] Liebe Freunde, liebe Freundinnen, nächste Woche werden wir hier an dieser Stelle weiter studieren und dieses Thema dann auch mit Israel zum Abschluss bringen. Es zeigt sich sehr deutlich, dass es im Neuen Testament eine Lehre der Übrigen gibt, die vielleicht auch für unsere Zeit, für unsere gegenwärtige Wahrheit neu durchdacht werden sollte, weil sie uns zeigt, wie wir mit den anderen umgehen sollten. Wir sollten keinen Hochmut haben, sondern dankbar sein für all das, was die Gruppierungen und Kirchen und Völker Gottes in Anführungsstrichen vor uns schon geleistet haben.
[46:56] Und wenn dann einige gefallen sind durch Unglauben an weitere Wahrheit, dann sollten wir uns bewusst machen, dass wir allein deswegen stehen, weil wir glauben und weil wir durch Gnade errettet werden, nicht weil wir besser oder klüger werden als andere. In diesem Sinne wünschen wir euch gottesreichen Segen und sehen uns hoffentlich nächste Woche wieder hier zur Kanzlerzeit. Bis dahin, Gottes Segen in euch. Amen.