In dieser Predigt von Christopher Kramp geht es um das biblische Gebot „Richtet nicht“. Es wird erklärt, warum wir andere nicht verurteilen sollen, welche Konsequenzen das für uns hat und wie wir stattdessen Barmherzigkeit üben können. Die Ausführungen basieren auf biblischen Texten aus Matthäus, Römer, Jakobus und Johannes und beleuchten die Bedeutung von täglicher Abhängigkeit von Gott, Vergebung und der Unterscheidung zwischen dem Erkennen von Sünde und der Verurteilung von Menschen.
Der Ersehnte: 89. „Richtet nicht“
Christopher Kramp · Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus ·Themen: Bibel, JesusPodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Der Ersehnte
„Der Ersehnte“ wird das Leben und Wirken von Jesus Christus detailliert und chronologisch beleuchten. Die verschiedenen Evangeliumsberichte werden in ein harmonisches Ganzes zusammengefügt und die vielen alttestamentlichen Wurzeln und Bezüge aufgezeigt. Über allem steht der Wunsch, unseren Herrn und Erlöser in Seinem alltäglichen Leben besser kennen zu lernen. Diese Aufnahmen sind einer Videoserie auf https://www.joelmedia.de/serien/der-ersehnte/ entnommen.
Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:
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Serie: Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus
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Transkript
[5:00] selten die nächsten zehn Jahre durch. Aber wir planen schon, was die nächsten Wochen so ist, oder? Und wenn Jesus sagt, sorgt euch nicht um den nächsten Tag, möchte er deutlich machen, meine Fürsorge beginnt schon um die Ecke. Sie beginnt nicht erst für die ferne Zukunft, so nach dem Motto, wir machen erst mal unser Ding und wenn wir nicht mehr weiter wissen, kommt Gott, sondern er möchte schon, dass die Dinge, die wir vermeintlich überblicken können, weil den nächsten Tag kann man, obwohl wir nicht wissen, was kommt, sag ich mal, mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit kann man überblicken. Man weiß, wie der Tagesablauf wohl sein wird, man weiß wohl, wo man sein wird, nicht wahr? Und man hat oft das Gefühl, so die nächsten Tage hätte ich ja vielleicht schon in der Hand, oder? Und Jesus macht deutlich schon, der nächste Tag ist so unsicher, dass wir uns Gott ganz anvertrauen müssen.
[5:58] Ganz genau, also die Idee ist, wir wissen nicht, was in der Zukunft kommt. Jetzt gibt es in der Bergpredigt irgendwo schon zuvor diese Idee, dass wir etwas täglich von Gott abhängig sind. Gib uns unser täglich Brot. Das ist jetzt quasi die praktische Anwendung von dem Vaterunser. Das heißt, wenn ich bete, gib uns unser täglich Brot, dann ist das hier eigentlich jetzt die praktische Anwendung. Also wenn ich alles durchplane und mir Sorgen mache, was morgen wird, brauche ich eigentlich auch nicht zu beten, gib uns unser täglich Brot, weil dann ist mein Leben und mein Gebet nicht in Harmonie. Kennt ihr denn Stellen der Bibel, wo das Brot tatsächlich täglich von Gott kam? Wo also Menschen wirklich das Manner, es kamen sechs Tage die Woche, nicht wahr? Einen Tag kam es dann doppelt, das war aber eine andere Lektion für den Sabbat, aber prinzipiell kam es täglich. Die Israeliten sollten lernen, dass sie jeden Tag auf Gott vertrauen. Kennt ihr noch eine Geschichte, wo das Essen täglich kam? Elia, auch dort kamen die Raben täglich. Die brachten also nicht große Fleischkeulen mit, an denen er erstmal ein paar Tage nagen konnte, sondern die kamen jeden Tag erneut und immer wieder, also das scheint so ein Prinzip Gottes zu sein, dass wenn er uns so führt, will er uns in eine tägliche Abhängigkeit bringen, ein tägliches Vertrauen auf ihn.
[7:31] Noch interessanter Text dazu ist in Klagelieder, Klagelieder klingt jetzt erstmal nicht so, dass es zu dem Thema passen würde, aber hier gibt es wirklich einen ganz interessanten Vers, der genau da hineinpasst und den man auch oft hört, obwohl er jetzt vielleicht einem nicht bewusst ist, dass das in Klagelieder steht. In Klagelieder 3 und dort Vers 22 und Vers 23, Klagelieder 3 und dort Vers 22 und 23, da sagt der Jeremia, Gnadenbeweise des Herrensinns, dass wir nicht gänzlich aufgerieben wurden, denn seine, was? Seine Barmherzigkeit ist nicht zu Ende und jetzt heißt es, sie ist jeden Morgen neu und deine Treue ist groß. Sie ist, bezieht sich auf was? Sie ist die Barmherzigkeit. Jeden Morgen, also das eine ist, dass wir, dass wir theoretisch jeden Tag Brot von Gott bekommen könnten, bekommen oder wie Elia auch versorgt werden. Das andere ist vielleicht noch viel entscheidender, dass Gottes Gnade jeden Tag aufs Neue da ist und da ist die Idee, dass, wie die Ellen White sagt, wir müssen jeden Tag uns Gott übergeben. Zu viele Menschen und manchmal habe ich die Idee auch in der Adventgemeinde, sind wir nicht ganz frei davon, dass wir die Idee haben, wenn ich dann einmal bekehrt bin, bin ich bekehrt. Also als ob ich in eine Box gesprungen bin, aus der ich so schnell nicht wieder rauskomme, aber Bekehrung ist, sagt Ellen White, ein lebenslanger Prozess und letztendlich geht es um diese tägliche Übergabe, weil ich jeden, also auch mit anderen Worten, die Gnade, die Gott mir gibt, reicht für heute. Sie ist überfließend, sie ist mehr, als ich quasi gebrauchen kann, aber sie reicht nur bis heute und morgen brauche ich neue Gnade und jeden Morgen ist Gottes Gnade, seine Barmherzigkeit neu. Wenn ich aber verpasse, diese Barmherzigkeit heute in Anspruch zu nehmen, dann laufe ich durch den Tag ziemlich durstig. Ich weiß nicht, ob ihr das schon mal erlebt habt, dass man irgendwie, vielleicht irgendwie dachte, jetzt habe ich keine Zeit, nicht wahr, die Termine drücken, jetzt muss ich einfach los. Der Tag verläuft anders, wenn man sich nicht Zeit für Gott genommen hat und selbst, wenn man den Tag zuvor die großartigsten Erfahrungen macht, vielleicht habt ihr das auch schon mal erlebt in eurem Leben, dass das manchmal im geistlichen Leben sehr abrupt gehen kann, dass man an einem Tag sich dem Himmel schon ganz nahe fühlt und glaubt, wie hier noch schon kurz vor der Schwelle zu stehen, nicht wahr, weil man so gewaltiges mit Gott erlebt hat und man ist so voller, voller, voller Inbrunst und erfüllt vom Heiligen Geist und 24 Stunden liegt man auf der Nase, geistlich gesehen. Und man wundert sich, wie ist das möglich, war doch gestern noch so, so erfüllt, nicht wahr. Und ihr kennt, bei wem ist das auch so deutlich gewesen von einem Tag auf den anderen? Elia auch, nicht wahr. Was hat er auf dem Berg Karmel erlebt? Gebetserhöhungen, die unfassbar sind und am nächsten Tag war er wieder, hat er gezweifelt. Das heißt, all das, was wir erleben mit Gott reicht erst mal, hat so ein Haltbarkeitsdatum von 24 Stunden. Natürlich, wir sollen es erinnern und es hat dann auch weiter strahlende Kraft, aber so grundsätzlich brauchen wir die Gnade jeden Tag.
[10:34] Ganz genau, ganz genau. Dankeschön. Schauen wir mal in 5. Mose 33, das ist auch ein schöner Vers. Das sind so Verse, die in diesem Thema wichtig sind. 5. Mose 33 und dort Vers 25. 5. Mose 33, Vers 25. Ja, der Anfang des Verses ist ein bisschen ungewöhnlich, so würden wir heute vielleicht nicht mehr reden, aber der hat schon auch seine Berechtigung. Deine Schuhe sollen von Eisen und Erz sein, aber dann heißt es hier und wie deine Tage, so sei deine Kraft. Was soll das ausdrücken? So wie deine Tage, so sei deine Kraft. Was ist die Idee dahinter? Genau, also je mehr Tage ich mit Gott, je mehr Tage ich erlebe, desto mehr Kraft habe ich bekommen, weil ich jeden Tag neue Kraft bekommen habe. Und wenn man sozusagen das Ganze addiert, über alle Tage des Lebens hinweg, so viele Tage, wie man gelebt hat, so viel Kraft hat auch man bekommen. Und es wäre ja schade, wenn wir auf unser christliches Leben zurückblicken und sehen, das sind so viele Lücken, wo wir Tage ohne Kraft hatten, wo wir Tage gelebt haben, eigentlich waren die Tage umsonst. Vielleicht kennt ihr auch solche Tage, wo ich mir hinterher gedacht habe, meine Güte, den Tag müsste man jetzt eigentlich streichen. Auch geistlich, diesen Tag müsste man am liebsten streichen, als wäre dieser Tag gestrichen werden, weil man diese Kraft nicht in Anspruch genommen hat. Und vielleicht meinte, das passierte ganz oft sofort, dass man denkt, weil man jetzt so tolle Sachen mit Gott erlebt hat am Tag zuvor oder zwei Tage zuvor, da bin ich jetzt erstmal auf der sicheren Seite. Und genau, dann schlägt der Satan meistens zu. Ja, genau. Aber also die Idee ist, wir brauchen jeden Tag die Kraft von Gott. Man darf übrigens schon beten, bevor man aufgestanden ist, aber du hast vollkommen recht. Man darf auch schon beten, wenn man noch liegt, wenn man noch nicht aufgestanden ist.
[13:43] Ganz, ganz entscheidend, dass das unser erstes Werk ist. Ellen White spricht davon, dass es unser erstes Werk sein soll am Tag, dass wir uns Gott übergeben. Und es ist eine gute Gelegenheit, auch immer gerade zu der Zeit, sich darüber bewusst zu machen, was Jesus am Kreuz für einen getan hat. Ellen White spricht davon, wir sollten jeden Tag darüber nachdenken. Und aus meiner Erfahrung, dass irgendwann im Laufe des Tages mit dem vielen Stress, den man hat, man kommt nicht so da rein, jetzt lange darüber nachzudenken. Aber gerade am frühen Morgen, wenn man sich bewusst macht, ich möchte mich Gott übergeben, dann ist es besonders sinnvoll, darüber nachzudenken. Weil dann weiß man gleich sofort, warum man sich Gott übergeben will, damit es nicht nur eine Routine wird. Auch sowas kann eine Routine werden, dass man einfach sagt, ich übergebe mich Gott. Aber man denkt gar nicht genau daran, warum das so ist und warum ich das machen will und was mich eigentlich an zu Jesus zieht.
[14:28] Ganz genau. Ganz genau. Schauen wir mal in Matthäus 6, Vers 34 noch mal. Da sagt ja Jesus jetzt, darum solltet ihr euch nicht sorgen, den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Jedem Tag genügt seine eigene Plage. Und hier sagt Jesus etwas sehr Interessantes. Er sagt nämlich im Prinzip eigentlich, dass jeder Tag hat eine Plage. Und was Jesus hier deutlich macht, ist etwas, das wir auch als Christen uns besser verdeutlichen sollten. Nämlich es gibt auch im christlichen Leben nicht problemloses Leben. Das gibt es nicht. Die Gefahr ist immer wieder, sowohl bei jungen Christen als auch bei Erfahrenen manchmal auch, dass man die Idee hat, jetzt habe ich Widerstände gerade erlebt, Probleme, dann muss irgendwas in meiner Beziehung zu Gott nicht stimmen. Das ist jetzt, weil Gott mich strafen will. Selbst ein Martin Luther hat noch Jahre, nachdem er seinen Durchbruch gehabt hat, gedacht, wenn es dann draußen blitzt und donnert, vielleicht liegt es daran, was ich nicht lange genug gebetet habe. Sorgen, Nöte, Widrigkeiten, die man nicht gleich einordnen kann, tendieren dazu, dass man oftmals dann die Beziehung zu Gott automatisch in Frage stellt. Und wenn wir diesen Vers hier bedenken, dann wissen wir, egal wie sehr wir mit Jesus verbunden sind, die Widrigkeiten hören auf dieser Erde vor der Wiederkunft nicht auf. Und sie sind dann nicht nur ab und zu mal oder am Ende, sondern sie sind eigentlich jeden Tag da. Jeder Tag hat seine eigene Plage. Es gibt sicherlich Tage, die sind besser und es gibt Tage, die sind schlechter, aber Widrigkeiten sind kein Beweis dafür, dass es prinzipiell an einer Beziehung zu Jesus mangelt. Das kann sein, muss aber nicht.
[16:37] Und schaut mal mit mir in Johannes 16, Vers 33. Das Neue Testament gibt hier immer wieder ganz klare Lehre dazu. Johannes 16, Vers 33. Jesus sagt das ebenfalls ganz ausdrücklich hier in Johannes. Johannes 16, Vers 33. Dies habe ich zu euch geredet, damit ihr in mir was habt? Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst. Oder hat jemand ein anderes Wort? Bedrängnis. Das ist eigentlich besser, weil die Idee ist nicht so sehr, dass innerlich die Jünger in der Welt jetzt verschmachten vor Furcht, sondern dass sie von außen bedrängt werden. In der Welt seid ihr bedrängt, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Also wir können in Jesus Frieden haben innerlich, aber äußerlich trotzdem bedrängt sein. Und das Einzige, was Jesus auf dieser Welt verspricht, ist vollständiger Friede innerlich. Er verspricht uns auch im Großen und Ganzen ein gutes Leben. Er verspricht uns auch, dass wir gesegnet sein werden und all dies, aber er verspricht uns nicht, dass wir ohne Plage sein werden von außen. Von Schwierigkeiten, Nöte, Sorgen, Bedrängnisse. Und damit zeigt sich auch, dass das, was Jesus gelehrt hat, ja, dass es nicht irgendeine fantastische Schwärmerei ist, sondern wirklich sehr auf das Leben, so wie wir es kennen, zugeschnitten ist und wirklich praktikabel ist.
[18:03] Ja, kommen wir zu, das ist nämlich der nächste, vielleicht meinst du den Vers, vielleicht auch einen anderen, aber in Apostelgeschichte 14, Vers 22 wird uns sogar gesagt, dass es gar keinen Umweg gibt. Man kann gar nicht, wenn man gottgefällig leben will, nicht Bedrängnisse haben. Apostelgeschichte 14 und dort Vers 22, Apostelgeschichte 14, Vers 22.
[18:48] Also wie viele Bedrängnisse brauchen wir? Werden da sein? Viele Bedrängnisse. Und wie viele Plagen werden wir haben? Täglich, täglich Plagen. Das heißt, was Jesus sagen möchte, ist, wenn du praktisch als Christ lebst, musst du wissen, es wird ein täglicher Kampf sein. Da werden täglich Probleme sein und Widrigkeiten, aber Gottes Gnade ist jeden Morgen neu. So wie deine Tage sind, so ist deine Kraft. Wir können für jede Herausforderung, für jede Bedrängnis, für jede Plage genügend Kraft haben, um sie zu bestehen und um nicht fallen zu müssen und um nicht verzweifelt sein zu müssen. Das ist also genau das, was die Evangelik hier sagen will.
[19:31] Ich kann mir vorstellen, dass ich am Tag nicht so gut war, aber ich kann mir vorstellen, warum es so ist. Ich weiß, Gott wird mir helfen. Das ist sehr wichtig. Ich habe keine Angst. Ich glaube an Gott. Warum ist es so? Warum ist das so? Aber ich weiß, er wird mir helfen. Er hat etwas zu tun und er wird mir helfen.
[19:58] Dankeschön. Ich wollte ganz kurz das vorlesen, was Ellen White schreibt hier in diesem Zusammenhang. Das fand ich sehr schön. Gottes ewiger Arm umfasst die Seele oder umarmt die Seele, die sich zu ihm wendet, um Hilfe zu bekommen. Ganz egal, wie schwach diese Seele sein mag, die kostbaren Dinge der Hügel sollen verschwinden. Aber die Seele, die für Gott lebt, wird für immer bei ihm bleiben. Die Stadt Gottes wird ihre goldenen Tore dem öffnen, der gelernt hat, auf dieser Erde sich auf Gott für die Führung und den Weisheit und den Trost und die Hoffnung zu verlassen, selbst wenn er Verlust und Bedrängnis erlebt.
[20:50] Und das ist, glaube ich, die ganz entscheidende Idee. Wir müssen niemals einen Zustand erreichen, wo wir uns selbst stark fühlen. Wir müssen nur solch einen Glauben entwickeln, dass egal was kommt, wir wissen, so schwach wie wir sind, können wir zu Jesus kommen und mit Jesus alles durchstehen. Und darauf kommt es an.
[21:10] Weil in der Endzeit werden die Plagen nicht weniger werden, sie werden buchstäblich mehr werden, weil dann die echten Plagen ausgegossen werden. Und deswegen ist an der Stelle auch wieder auch dieses Thema eine Vorbereitung auf die Endzeit.
[21:28] Gut, also nehmen wir das mit aus Matthäus 6, jeden Tag erneut sich von Gottes Gnade neu auftanken lassen, jeden Tag Gottes Führung in Anspruch nehmen. Niemals glauben, weil ich heute oder gestern gut mit Jesus gelebt habe, ist der nächste Tag ein Selbstläufer. Das ist eigentlich somit dann noch die letzte Chance, die der Satan hat, wenn Menschen ganz eng mit Jesus verbunden sind, dass er sie in solch einer Sicherheit wiegen kann, dass es nicht mehr notwendig ist, Gott jetzt jeden Tag aufs Neue zu vertrauen und jeden Tag aufs Neue sich ihm zu übergeben.
[22:08] Jetzt gehen wir mal zu Matthäus 7 und schauen mal, wie das hier weitergeht. In Matthäus 7, Vers 1. Und hier kommen jetzt sehr bekannte Worte natürlich auch. Meine ganze Werkberichte ist ja sehr bekannt. Und es geht recht deutlich los. Matthäus 7, Vers 1. Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Sehr deutlich. Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.
[22:36] Kennt ihr noch andere Bibelstellen, wo diese Idee deutlich kommt, wenn ich jemanden richte, dass ich dann selbst gerichtet werde? Also wo man dieses Prinzip hier aus Matthäus 7, Vers 1 noch woanders sehen kann. Römer 2. Genau, Römer 2 ist eine ganz tolle Stelle diesbezüglich. Lohnt sich mal das anzuschauen. In Römer 2 und dort ab Vers 1. Römer 2, Vers 1. Da sagt der Paulus, darum bist du nicht zu entschuldigen, o Mensch, wer du auch seist, der du richtest. Denn worin du den anderen richtest, verurteilst du dich selbst. Denn du, der du richtest, verübst dir dasselbe.
[23:23] Was der Paulus hier macht, ist eine ganz interessante Sache. Er zeigt einen Weg auf, wie man im Grunde genommen sogar ohne Kenntnis der 10 Gebote einen Menschen überführen kann, Sünder zu sein. Weil nämlich, also lass mich es so erklären, ein Mensch, der belogen wird oder der andere Lügen sieht, findet das eigentlich schlecht, oder? Wenn jemand anders lügt und ich davon betroffen bin, dann verurteile ich das. Und was Paulus sagt hier im Wesentlichen ist, die Tatsache, dass du die Lüge bei anderen schlecht findest, dass du Mord oder Ehebruch oder solche Dinge bei anderen verurteilst, richtet dich selbst. Obwohl der unbekehrte Mensch natürlich einen anderen Maßstab an andere anlegt als sich selbst, nicht wahr? Der unbekehrte Mensch entschuldigt das bei sich selbst und verurteilt es bei anderen. Aber das ist dieses Prinzip, mit dem Paulus auch den Heiden zeigt, nicht nur den Juden, auch den Heiden. Ihr seid Sünder, weil was ihr selbst tut, das verurteilt ihr bei anderen.
[24:21] Das ist ein ganz, ganz wichtiger Vers. In dem Moment, wo ich sage, du hast gelogen und deswegen bist du Sünde, in dem Moment habe ich gesagt, ich bin Sünder. Weil in meinem Leben habe ich schon gelogen, oder? Da gibt es eine ganze Liste hier mit Dingen, die er anführt.
[24:43] Noch einmal Römer, Römer 14. Und das ist auch ein interessanter Vers hier, Römer 14 und dort Vers 3 und 4. Hier bekommen wir noch einen Grund, einen noch tieferen Grund, warum wir nicht richten sollen. Römer 14 und dort Vers 3 und 4. Schauen wir mal da. Wer ist, verachte den nicht, der nicht ist. Und wer nicht ist, der richte den nicht, der ist. Denn Gott hat ihn angenommen. Wer bist du, dass du den Hausknecht eines anderen richtest? Er steht oder fällt seinem eigenen Herrn. Er wird aber aufrecht gehalten werden, denn Gott vermag ihn aufrecht zu halten.
[25:22] Hier am Anfang von Vers 4 gibt der Paulus den Grund an, warum wir nicht richten dürfen. Warum dürfen wir nicht richten? Ja, das stimmt, das stimmt. Ja, genau, er sagt, Gott richtet. Gehen wir noch genauer, was ist dein Argument? Ja, das wissen wir schon von Matthäus 7, genau. Was ist dein Argument in Vers 4? Wie fängt Vers 4 an? Wer bist du?
[25:54] Wann fragt man, unter welcher Intention frage ich, wer bist du, dass du das machst? Also wann sagt jemand, wer bist du, dass du so etwas tust? Das ist eine Frage der Autorität, das ist eine Frage der Kompetenz. Wenn jemand, der nie Medizin studiert hat, in ein Krankenhaus hineinmarschiert und sich an den Operationstisch stellt und anfängt zu operieren, dann wird er wahrscheinlich vorher schon hinausgeschlissen werden, aber mindestens würde man fragen, wer bist du, dass du dir jetzt überlegst, das machen zu wollen. Du hast nicht die Kompetenz dazu.
[26:30] Das ist genau das, was Paulus sagt, wer bist du, dass du den Hausknecht eines anderen richtest? Also der erste Punkt hier mit dem Richten ist eine Frage der Kompetenz. Und warum habe ich als Gläubiger, das ist eine interessante Frage, warum habe ich als Gläubiger nicht die Kompetenz, einen anderen in solchen Fragen, wie sie hier stehen, zu richten?
[26:54] Direkt zur Frage, warum habe ich nicht die Kompetenz, in solchen Fragen, wie sie hier behandelt werden, einen anderen zu richten? Genau, weil das würde eingreifen in die direkte Beziehung zwischen Gläubige und Jesus. Weil jeder Gläubige ist direkt Jesus verantwortlich.
[27:16] Jetzt kommt es aber, was für Fragen werden hier in Römer 14 behandelt? Was für Fragen werden in Römer 14 behandelt? Ja genau, was sagt denn Römer 14 Vers 1? Ihr kennt das Kapitel noch, oder? Haben wir doch vor kurzem studiert, Römer 14 Vers 1. Nehmt den Schwachen im Glauben an, ohne über Gewissensfragen. Es geht um Gewissensfragen, wenn es um eine Sache geht, zwischen dem, also der Gläubige und Jesus, da geht es um das Gewissen.
[27:56] Gibt es denn Fragen, bei denen Gott erlaubt, dass Menschen über Menschen richten? Ja genau, das ist jetzt die Frage, ja und wenn ja, unter welchen Bedingungen? Okay, da geht es jetzt um die Frage der Kompetenz. Unter welchen Bedingungen hat jemand die Kompetenz, einen anderen zu richten? Darf ein Richter in Stuttgart, im Oberlandesgericht oder so, darf der einen Dieb richten? Warum? Warum ist das seine Aufgabe? Biblisch gesehen, warum ist das seine Aufgabe? Gott hat das Schwert der Obrigkeit gegeben, Römer 13, richtig? Gott hat der Obrigkeit die Kompetenz zugewiesen, die zwischenmenschlichen Angelegenheiten entsprechend, wie weit das halt geht, zu richten. Also wenn da Gesetze gemacht werden, die das regeln, hat der Richter eine beschränkte, aber doch rechtmäßige Aufgabe und Kompetenz zu richten. Und dann darf der auch, dann muss er auch. Aber hier geht es um etwas anderes, hier geht es um das Gewissen.
[29:15] Ja, hier geht es um die Frage, kein Richter und kein Gläubiger hat das Recht, in einer Gewissensfrage zwischen dem Gläubigen und Jesus, selbst wenn er falsch liegt, zu richten, weil, und das ist jetzt, was Paulus andeutet und an anderer Stelle dann sagt, der kommt ja sowieso vors Gericht.
[29:40] Schaut mal mit mir in Römer 14, Vers 10 bis 13. 10 bis 13. Gleiches Kapitel, nur ein bisschen weiter drunter. 10 bis 13.
[30:05] So wird also jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben. Das wäre diese Idee von Gewissen, nicht wahr? Ich stehe selbst vor Gott und ich werde sowieso gerichtet werden. Und zwar von dem einen, der mein Herz kennt, der meine Motive kennt, der meine Intentionen kennt, der als einziger gerecht richten kann.
[30:20] Vers 13. Ansonsten könnte Gott nicht richten. Heute gibt es oft die Idee, auch in der Gemeinde manchmal, dass richten an sich etwas Negatives ist. Wenn du richtest, bist du böse. Nein, nein, nein. Warum wir nicht richten sollen, ist einfach der Grund, dass wir erstmal in diesen Fragen gar nicht kompetent genug sind, weil wir kennen das Herz nicht, wir kennen die Gedanken nicht, wir haben gar nicht die Fähigkeit, richtig zu richten. Und wer in solchen Fragen richtet, der läuft Gott voraus. Der stellt sich an die Stelle, wo eigentlich Jesus hingehört, denn Jesus richtet. Und Jesus richtet später, als wir vielleicht wollen. Er richtet zu seinem Zeitpunkt, aber er richtet dann gerecht. Und jemand, der das versteht, der hat Geduld und wartet, bis Gott sich der Sache annimmt.
[31:34] Wir sind ja noch nicht am Ende. Wir tasten uns ja vorsichtig von Vers zu Vers. 1. Korinther 14. 1. Korinther 14 und dort Vers 4 und 5. Nein, nein, nein, schon wieder falsch. Schon wieder falsch, falsch, falsch.
[32:00] Moment, Moment, Moment. 1. Korinther 14. Wieso komme ich denn zu 1. Korinther 14? Ich weiß gerade ehrlich gesagt nicht, wo ich den... Da geht es irgendwo um Gottes Gericht, aber warte. Ne, tut mir leid, weiß ich nicht. Gehen wir jetzt den nächsten Vers an. Muss ich vielleicht nochmal suchen, ob ich ihn finde. Ist es 1. Korinther 8? Ne, ne, ne, da geht es darum, dass man auf Gottes Gericht wartet.
[32:39] 34, 35. Okay. Ja, ja, ja, ja, dass sich selbst zum Gericht bringen. Ne, es geht um die gleiche Idee wie in 1. Korinther 14, dass wir auf Jesus warten als den Richter.
[33:04] Ja, doch, 2. Korinther 5. 2. Korinther 5 ist nicht genau der Vers, den ich wollte, aber der drückt es zumindestens auch aus. 2. Korinther 5, Vers 10.
[33:25] Das heißt, die Idee ist mehrmals. Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Der Grund, warum wir nicht richten sollen, ist, dass Jesus selbst Richter ist. Und wer sich eigenmächtig zum Richter ernennt oder aufspielt, setzt sich an die Stelle Christus. Und wer sich an die Stelle Christi setzt, den könnte man auch wie nennen? Antichrist, genau. Das ist letztendlich die Idee, nicht wahr? Das ist ja, was der Antichrist macht. Er setzt sich an die Stelle Christi und behauptet, ich bin jetzt der oberste Richter und entscheide, was der richtige Glaube ist und entscheide und so weiter. Und entscheide, wen ich binde und löse und wer gerettet ist und wer nicht gerettet ist. Das ist ja ein Richteramt letztendlich auch.
[34:07] Schauen wir jetzt in Jakobus 4. Jakobus Kapitel 4. Jakobus Kapitel 4 und dort Vers 11 und 12. Das ist noch ein interessanter Grund, warum wir nicht richten sollen. Jakobus 4, Vers 11 und 12. Dort heißt es, verleumdet einander nicht, ihr Brüder, Wer seinen Bruder verleumdet und seinen Bruder richtet, der verleumdet das Gesetz und richtet das Gesetz. Interessant, ja? Also, wer seinen Bruder richtet, richtet das Gesetz.
[34:44] Also, da sieht man schon, wie brisant das Thema ist. Wir können es nicht leisten, bei dem Thema einfach so vor uns hin zu tapsen und denken, wir werden schon irgendwie das richtig machen. Wer seinen Bruder richtet, richtet das Gesetz. Und dann sagt der Paulus, wenn du aber das Gesetz richtest, so bist du nicht ein Täter, sondern ein Richter des Gesetzes. Man kann also was nicht gleichzeitig sein? Man kann nicht gleichzeitig Täter des Gesetzes und Richter sein. Aber was wollen wir sein? Täter oder Richter? Wir müssen Täter sein, denn wenn wir nicht Täter des Gesetzes sind, was sind wir dann? Wenn wir nicht Täter des Gesetzes sind, was sind wir dann? Dann sind wir in der Sünde. Dann sind wir in der Sünde. Mit anderen Worten, wer ein Richter des Gesetzes ist, verharrt in der Sünde. Wer ist ein Richter des Gesetzes? Wer seine Brüder richtet. Wer seine Brüder richtet, richtet das Gesetz und kann nicht gleichzeitig das Gesetz halten. Da werden wir gleich noch dazu kommen, warum das so ist. Vers 12. Einer nur ist der Gesetzgeber, der die Macht hat zu retten und zu vernerben. Wer bist du, dass du den anderen richtest? Seht ihr dieselbe Frage? Das ist jetzt Jakobus, aber stellt dieselbe Frage wieder Paulus. Er sagt, wer bist du?
[36:13] Und wer hat sich vorgenommen, das Gesetz Gottes zu ändern, das Gesetz Gottes zu richten? Das war der Satan im Himmel und dann auf der Erde. Das heißt, jemand, der diesen Richtgeist hat, diese Idee hat, ich muss andere richten und nicht darauf warte, dass Gott gerecht richtet, der hat denselben Geist wie der Satan. Er ist der Verkläger der Brüder, ganz genau. Und also dieser Richtgeist kommt von Satan, weil der wollte auch Gesetzgeber sein, er wollte über dem Gesetz stehen, er wollte das Gesetz richten.
[36:48] Jetzt gehen wir zurück, wir müssen ein bisschen sputen. Matthäus 7, Vers 2. Jesus erklärt das ein bisschen genauer, was das bedeutet mit richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Denn mit demselben Gericht, mit dem ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden und mit demselben Maß, mit dem ihr anderen zumesst, wird euch zugemessen werden.
[37:04] Ganz kurz, kennt ihr Geschichten in der Bibel, wo jemand genau das gleiche bekommen hat, was er anderen zugefügt hat? Wo jemand genau mit dem, was er anderen zufügen wollte oder zugefügt hat, bestraft worden ist? Haman, der hat einen Galgen geknüpft, für wen? Mordechai und an dem Galgen hing am Ende Haman selbst. Eine andere Geschichte, die nicht so bekannt ist. Kennt ihr die Geschichte von König Adonai Bezek? Richtig, der Adonai Bezek war ein König der Kanaaniter und als die Kinder Israels kamen, haben die dem, ein bisschen grausame Geschichte, die Daumen und die großen Zehen abgeschnitten und dann sagt er sogar selbst, Gott ist gerecht, denn 70 andere Könige ohne Daumen und ohne Zehen haben unter meinem Tisch die Brosa aufgelesen und sagt, was ich anderen angetan habe, das ist mir angetan worden sozusagen. Das ist diese Idee. Wir finden es immer wieder in der Bibel, wir finden das in Offenbarung 16, das haben wir lang und breit studiert und Offenbarung 16 bei den Plagen, dass die Plagen genau dem entsprechen, was das Verbrechen gewesen ist.
[38:13] Schaut mal mit mir in Jakobus 2 Vers 13. Jakobus 2 und dort Vers 13 und da nähern wir uns jetzt langsam auch dieser Idee. Also was hier als richten verboten ist, ist nicht das Beurteilen, es ist nicht das Vergleichen von Tat mit Wort Gottes. Wir sind selbstverständlich aufgefordert, die Früchte zu beurteilen. Wir sind selbstverständlich aufgefordert, eine Lehre zu beurteilen, Charakter zu beurteilen, soweit es uns möglich ist anhand des Wortes Gottes, wobei wir immer bedenken müssen, mein Urteil ist immer nur Stückwerk. Ich kann also zum Beispiel, ich gebe euch ein Beispiel, ich kann zum Beispiel feststellen, jemand glaubt an die Unsterblichkeit der Seele und ich kann feststellen, das ist gegen die Bibel. Ich kann also sagen, er ist im Irrtum. Ich kann aber nicht letztendgültig daraus Schlussfolger, dass er verloren gehen wird, weil auch William Miller trotz Erkenntnis darüber, dass bis ins Ende geglaubt hat. Das heißt, ich kann zwar äußerlich Dinge beurteilen, was wichtig ist für mich, um mich davon zu distanzieren, aber ich kann eigentlich kein abschließendes Urteil über die Person fällen. Das ist, glaube ich, sehr entscheidend.
[39:25] Ganz genau. Wir haben die Aufgabe, die Sünde als solche zu identifizieren, aber trotzdem den Sünder und den Sünder gedanklich zu trennen, so wie Jesus es auch gemacht hat. Ja, aber letztendlich ist es ja eigentlich mit aller Sünde so, denn Ellen White spricht auch sehr deutlich, wenn man das Licht, erst wenn man das Licht, das man kennt, ablehnt, dann ist es Sünde. Das heißt, bei aller Sünde ist es letztendlich im Grunde genommen so, aber das ist ein anderes Thema.
[40:11] Schauen wir mal in Jakobus 2 und dort Vers 13. Jakobus 2 und dort Vers 13. Denn das Gericht wird unbarmherzig ergehen über den, der keine Barmherzigkeit geübt hat. Die Barmherzigkeit aber triumphiert über das Gericht. Das heißt, die Idee ist, wenn ich unbedingt Richter sein will, andere verurteilen will, weil das ist ja letztendlich eigentlich, was hier mit richten gemeint ist. Also dieses Wort richten kann zwei Dinge bedeuten. Es kann einmal beurteilen meinen, im Sinne von, dass ich eine Lehre oder auch ein Verhalten anhand des Wortes Gottes prüfe und dann entweder als nachahmenswert oder nicht nachahmenswert erkenne. Oder es kann bedeuten, dass ich jemanden als Person verurteile und das sagt er. Darum geht es hier. Wer keine Barmherzigkeit übt, der wird keine Barmherzigkeit bekommen. Glückselig sind die, die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit empfangen. Fünfte Seligpreisung. Das ist genau wieder hier das Thema. Und das hatten wir in der Bergpredigt noch woanders.
[41:22] Schaut mal, Matthäus 6. Das heißt, wir leben ja in der Zeit des Gerichts und wir glauben, dass wir laudezäher das Volk des Gerichts sind. Das heißt, in unserer Verkündigung sollte dieses Thema auch vom Richten und Gerichtetwerden einen Fokus haben. Denn wenn jetzt gerade Gerichtszeit ist, ist es umso wichtiger, sich bewusst zu machen, dass wenn Jesus jetzt schon beim Richten ist, müssen wir doppelt erst nicht die Idee jetzt haben, wir sollten Richter sein.
[41:49] Matthäus 6 und dort Vers 14 und 15. Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlung vergebt, so wird euer himmlischer Vater euch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen ihre Verfehlung nicht vergebt, so wird euer Vater eure Verfehlung auch nicht vergeben. Und hier wird jetzt deutlich, wo eigentlich der Haken ist. Es gibt zwei Dinge, eine Dynamik von zwei Prozessen. Das eine ist, dass ich die Sünde identifiziere. Jetzt mal beim anderen. Also ich schaue mir das Leben eines anderen an und ich stelle fest, er macht etwas falsch. Es gibt eine Handlung, die ich wahrnehmen kann. Die Gedanken kann ich nicht prüfen, aber eine Handlung oder Worte, die ich wahrnehmen kann. Ich prüfe sie mit dem Wort Gott. Ich stelle fest, es ist eine Sünde. Diese Sünde zu identifizieren, als Sünde zu erkennen, ist nicht verboten. Aber jetzt kommt es. Der zweite Schritt ist jetzt mein Umgang mit der Tatsache, dass der andere Sünder ist. Und jetzt kann ich mich entscheiden, ob ich wie Jesus bin, mit dem Sünder barmherzig umgehe oder ob ich ihn verurteile. Das Problem ist ja, dass er ich in der gleichen Haut stecke. Und da kommt jetzt das Gleichnis von Matthäus 18 ins Spiel. Ihr kennt, der Knecht hat eine Riesenschuldensumme und ihm wird vergeben. Und jetzt kommt er zu seinem Mitknecht und identifiziert die Sünde. Der hat 8000 Euro Schulden bei mir. Kein Pappenspiel, also umgerechnet ungefähr. Der identifiziert das Problem und jetzt hat er die Möglichkeit, er kann sich entscheiden, entweder ihn so zu behandeln, wie er behandelt worden ist, nämlich ich vergebe dir oder aber ich verurteile dich. Was macht er? Er steckt ins Gefängnis, er zeigt keine Barmherzigkeit. Als Folge dessen verliert er die Vergebung, die er schon hatte und wird ohne Barmherzigkeit verurteilt. Und das zeigt, wie enorm entscheidend das Thema ist, weil diese beiden Dinge oft nicht getrennt werden im Kopf, die werden durcheinander gebracht. Auch bei vielen wohlmeinenden Christen, die die Sünde beim anderen erkennen und deswegen aber vergessen, dass sie selbst Sünder sind. Und das beste Mittel, diese gedankliche Mauer zwischen den beiden Dingen, die zu trennen, dass es nicht ineinander fällt. Das beste Mittel dagegen ist, wenn man sich bewusst macht, ich bin ein Sünder. Denn wenn ich mir bewusst mache, wie sehr mir Jesus vergeben hat, dann werde ich schnell bereit sein, auch anderen zu vergeben. Aber wenn ich das vergesse, wie der Petrus sagt, dann habt ihr die Reinigung von euren früheren Sünden vergessen. Dann entsteht so ein hartherziger Geist.
[44:50] Also nichts tun ist auch ein falscher Umgang. Der Umgang von Jesus ist, er hat die Sünde immer angesprochen, am richtigen Zeitpunkt, auf die richtigen Worte und hat mit Barmherzigkeit den Menschen zu sich gezogen. Er hat sich nicht damit begnügt, die Sünde zu identifizieren. Das hat nicht gereicht und das wird auch ganz deutlich, weil hier geht es ja darum, dass ich den anderen zurecht weise und meinen Nächsten liebe wie mich selbst. Das heißt, zu viel Zurechtweisung ist nur Rechthaberei. Wir dürfen immer Liebe haben mit dem Sünder. Das ist jetzt ganz wichtig, dass wir diese beiden Dinge auseinander bekommen. Paulus tadelt sie, weil sie Sympathie mit der Sünde haben. Wir dürfen niemals Sympathie mit der Sünde haben, aber wir müssen in allen Umständen Sympathie und Liebe zum Sünder haben. Ohne das geht es nicht, weil ohne Liebe zum Sünder ist es Rechthaberei. Und wenn ich ohne Liebe dem anderen gegenüber bin, dem Menschen, sagt Jesus, wird auch er uns ohne Barmherzigkeit richten und dann haben wir verloren. Das spielt jetzt keine Rolle, wie lange wir in der Gemeinde sind, da haben wir verloren. Wenn wir meinen, dass wir ohne Liebe Gottes durchs Gericht kommen, haben wir verloren. Das heißt, und das ist so entscheidend, dass wir diese beiden Dinge ganz deutlich auseinander kriegen in unserem Kopf, weil das ganz oft, auch im praktischen Gemeindeleben, miteinander vermischt wird. Wir müssen die Sünde eindeutig identifizieren und dann aber im Geiste Jesu dafür wirken, dass der Mensch seine Sünde los wird und ihn nicht einfach nur verurteilen.
[46:45] Jetzt bevor wir enden, ganz kurz ein Ellen White Zitat. Woher kommt eigentlich dieser Richtgeist? Was meint ihr, wo hat er seine Wurzel? Ja, ganz genau, der Geist der Sünde. Ellen White hat einen interessanten Punkt. Sie sagt, ich lese es euch mal vor, dann könnt ihr das vielleicht sehen. Sie sagt, im Wesentlichen, das liegt an Werksgerechtigkeit. Sie sagt, das Bemühen, durch die eigenen Werke Erlösung zu bekommen, führt unweigerlich dazu, dass man menschliche Regeln aufstellt als Barriere gegen Sünde. Heißt mit anderen Worten, wenn ich versuche, durch eigene Werke gerecht zu werden, muss ich irgendwie gegen die Sünde kämpfen. Was macht der Mensch? Wie die Pharisäer, er stellt extra Regeln auf, zack, zack, zack, zack, zack, zack, als Barriere gegen die Sünde. Denn, weil sie sehen, dass sie nicht das Gesetz halten, werden sie Regeln und Regulationen erfinden, um sich selbst zu zwingen, zu gehorchen. All das bringt das Denken weg von Gott zu sich selbst. Achtung, die Liebe, seine Liebe, Gottes Liebe stirbt im Herzen aus und mit ihr stirbt die Liebe für andere Menschen. Also was sie sagt ist, zuerst ist da die Selbstgerechtigkeit, die Werksgerechtigkeit, der Versuch, durch eigene Leistung gerettet zu werden, das führt dazu, dass man sagt, oh man, das schaffe ich ja gar nicht, also muss ich extra Regeln aufstellen, Barrieren. Und wie die Pharisäer, diese ganzen extra Regeln. Wenn ich mir immer mehr extra Regeln mache, um mich zu zwingen, gehorsam zu sein, dann schaue ich mehr auf mich als auf Gott. In dem Moment, wo ich nicht mehr auf Gott schaue, sondern auf mich, stirbt Gottes Liebe aus, weil ich nicht mehr mit Gottes Liebe verbunden bin. Und in dem Moment, wo ich nicht mehr mit Gottes Liebe verbunden bin, bin ich auch, da habe ich keine Liebe mehr für meine Mitmenschen. Das ist der Grund, warum die Pharisäer bei ihrem Bestreben nach Heiligkeit plötzlich so unmenschlich waren und so hartherzig. Und dann sagt sie, ein System von menschlicher Erfindung mit all ihren Sonderregeln wird dazu führen, dass ihre Befürworter alle anderen richten, die nicht dem vorgeschriebenen menschlichen Standard entsprechen. Eine Atmosphäre des Egoismus und der engstirnigen Kritik erstickt alle edlen und freundlichen Emotionen und verursacht, dass Menschen selbstzentrierte Richter und Spione werden.
[49:28] Und das ist unglaublich. Das heißt, wann immer eigentlich jemand so einen Richtgeist hat, so alles kritisieren will, dann liegt das am Ende, wenn man das zurückverfolgt, daran, dass da eigentlich im Herzen eine Werksgerechtigkeit ist, die ganz aufrichtig Sünde überwinden will, aber eben es nicht mit Gottes Liebe tun will, sondern durch Leistung. Und das führt zu einer egoistischen Haltung, die automatisch dazu führt, dass man andere richtet. Wenn also Jesus sagt, richtet nicht, warnt er vor einer Täuschung. Er warnt davor, ein falsches Evangelium zu glauben, denn die, die andere verurteilen, hier in diesem Sinne, die werden auch nicht gerettet, weil sie gar nicht das Evangelium wirklich erleben, sondern sie einfach nur versuchen, selbstgerecht zu sein. Und ich könnte noch mehr dazu sagen, aber vielleicht lassen wir es heute hier, weil die Zeit ist vorbei. Nächste Woche werden wir dann weitermachen. Es gibt nämlich auch im Parallelbericht bei Lukas interessante Dinge noch dazu, das werden wir das nächste Mal anschauen.
[50:34] Und halten wir also fest, wir müssen Sünde beim Namen nennen, wir müssen Sünde identifizieren, wir dürfen keine Sympathie mit der Sünde haben. Aber egal, wie schlimm die Sünde ist und egal, wie oft sie vorkommt, wir müssen Liebe zum Menschen haben. Wir brauchen Sympathie für den Menschen, weil wir niemals als eigener Mensch, niemals wissen, was im Herz eines anderen vor sich geht. Und der Einzige, der ein gerechtes Urteil sprechen kann über die Person, ist Jesus. Wenn wir dem zuvorkommen wollen, wenn wir stattdem das hier machen und den Menschen verurteilen, stellen wir uns an die Stelle Christi und tun genau das, was Satan im Himmel getan hat. Und deswegen ist es so entscheidend.
[51:17] Wollen wir noch gemeinsam bieten? Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir heute in deinem Wort so klare Wahrheit erkennen konnten, die uns zeigt, dass wir zwar gerufen sind, Sünde als solche zu erkennen und Sünde auch beim Namen zu nennen, Sünde nicht zu tolerieren, aber dass wir auf keinen Fall das verwechseln dürfen mit einer Verurteilung von Menschen. Wir sind nicht gerufen, Richter zu sein über andere bezüglich ihrer Erlösung. Und Herr, wenn das in unserem Leben geschehen ist, ob in Gedanken oder in Worten oder Taten, dann möchten wir dich in Vergebung bitten. Schenkt uns eine echte Erfahrung mit dem Evangelium, die uns daran hindert, solche engstirnigen, kritiksüchtigen Menschen zu werden. Denn wir wollen nicht erleben, was der Knecht in Matthäus 18 erlebt hat. Schenkt uns jeden Tag eine frische Offenbarung deiner Liebe und unserer Bedürftigkeit und unserer Hilflosigkeit, dass wir auch mit Liebe allen anderen begegnen dürfen. Im Namen Jesu bitten wir dies. Amen.
[52:41] Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!
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