[0:00] Hallo und herzlich willkommen zu "Die Bibel erklärt". Heute geht es um die Frage: Wenn der Heilige Geist das Gesetz ins Herz schreibt, warum halten dann nicht alle Christen den Sabbat? John Bunyan, der Schreiber der "Pilgerreise", über ihn wird im "Großen Kampf" geschrieben, dass er, als er das Buch geschrieben hat, ja die Präsenz des Himmels geatmet hat. Und doch war er die gleiche Person, die auch ein Buch zur Verteidigung des Sonntags geschrieben hat. Und sein Argument, warum der Sabbat nicht mehr gültig ist, ist genau das: Wenn der Heilige Geist das moralische Gesetz ins Herz schreibt, warum schreibt er da nicht den Sabbat ins Herz? Und warum halten nicht alle den Sabbat? Und darum hat er geschlussfolgert: Der Sabbat ist nicht mehr gültig und ist nicht Teil des moralischen Gesetzes. Ja, wie ist es denn in der Bibel?
[1:02] Wir werden uns heute eine Passage in der Bibel anschauen, wo Paulus genau über das Thema spricht. Er spricht über die Einheit des Geistes und die Einheit des Glaubens und was die Rolle des Geistes und was die Rolle des Geistes in diesem Thema nicht ist. Gehen wir in die Bibel. Der Bibelvers, der uns hier hilft, diese Idee zu verstehen, ist Epheser Kapitel 4, und zwar die Verse 1 bis 15. Und bevor wir es durchlesen, gebe ich einen ganz, ganz kurzen Überblick. Und zwar hier im ersten Teil, 1 bis 6, da geht es um das Konzept der Einheit des Geistes. Während im zweiten Teil, 7 bis 15, geht es um das Konzept der Einheit des Glaubens. Und das sind zwei unterschiedliche Dinge, die uns Paulus hier erklärt und mithilfe derer wir diese Kontroverse zwischen gesetzgeschriebenem Herzen und Glaubenspunkten und Lehre verstehen.
[2:02] "So ermahne ich euch nun, ich, der gebundene Herr, spricht Paulus, dass ihr der Berufung würdig wandelt, zu der ihr berufen worden seid, indem ihr mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut einander in Liebe ertragt und eifrig bemüht seid, die Einheit des Geistes zu bewahren, durch das Band des Friedens: ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, über allen und durch alle und in euch allen."
[2:43] Ich stoppe mal hier und wir sehen, dass Paulus hier was sagt: Wir sollen eifrig bemüht sein, die Einheit des Geistes zu bewahren, als ob es selbstverständlich ist, dass jeder Gläubige diese Aufgabe hat. Und er verknüpft diese Aufgabe mit einigen Attributen hier. Und zwar haben wir hier die Demut, wir haben hier die Sanftmut, die Langmut und die Liebe. Und die Attribute, die kennen wir, das sind die Früchte des Geistes. Deswegen heißt es ja auch die Einheit des Geistes, und die Frucht des Geistes ist, was jeder Gläubige entwickelt, wenn der Heilige Geist wirklich im Herzen des Gläubigen wohnt. Und diese Frucht des Geistes, die Langmut und Liebe in uns bewirkt, die führt dazu, dass wir als Gemeinde ein Leib werden, dass wir einander lieben, dass wir dieses Band des Friedens haben.
[3:40] Und an anderer Stelle sagt er, das Band des Friedens ist das Zeichen der Perfektion. Denn wir haben ja auch einen Geist, der uns vereinen möchte, als eine Gemeinde. Das ist, was Paulus hier sagen will. Und trotzdem beobachten wir, dass er hier sagt: "einander in Liebe ertragt". Es scheint also nicht so einfach zu sein, in Liebe miteinander zusammenzuleben, als ein Leib, sondern Paulus wusste schon, dass es manchmal etwas zu ertragen gibt. Deswegen brauchen wir auch die Langmut, deswegen brauchen wir die Demut, weil wir es sonst eben nicht schaffen mit Menschen, die eben nicht so perfekt sind, weil die Sünde in ihnen wohnt, dass wir in Liebe zusammen wohnen. Wir brauchen diese Attribute. Und das ist, was Paulus uns sagt: Die Einheit des Geistes bedeutet, in Liebe zusammen zu wohnen. Und jeder Christ hat diese Aufgabe von Anfang an. Und es gibt keine Bedingungen für diese Einheit des Geistes. Es gibt keine Bedingung, das Gleiche zu glauben, dass alle genau in die gleiche Richtung gehen, sondern die Bedingung ist, dass jeder den Heiligen Geist hat und wir uns in Liebe einander annehmen.
[4:56] Aber dann sehen wir unten schon, und das ist, was den Leser dieses Verses ja etwas perplext: "Was fange ich damit an? Es heißt ja, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott, ein Vater über alle." Wenn es nur einen Gott gibt, nur eine Taufe, nur einen Herrn, nur einen Glauben, warum gibt es dann so viele verschiedene Gruppierungen mit so vielen verschiedenen Glaubenspunkten, wenn die Bibel ja eindeutig sagt, es gibt nur einen Glauben? Es ist ja auch das Argument der katholischen Kirche: Es gibt nur einen Glauben und alle sollten eigentlich zu unserer Kirche gehören. Und das scheint ja eine vernünftige Behauptung zu sein. Und Paulus geht auf das Thema ein im nächsten Teil.
[5:40] Und er fängt hier im Vers 7 an, ich habe das noch auf diese Seite genommen: "Jedem Einzelnen von uns aber ist die Gnade gegeben nach dem Maß der Gabe des Christus." Und dann macht Paulus hier eine Klammer und spricht ein bisschen über etwas anderes. Ich habe das hier nicht mit reingenommen. Und dann spricht Paulus über die sogenannten Gaben des Geistes. Und er heißt es: "Und er hat etliche als Apostel gegeben, etliche als Propheten, etliche als Evangelisten, etliche als Hirten und Lehrer, zur Zurüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes des Christus, bis wir alle zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, zur vollkommenen Mannesreife, zum Maß der vollen Größe des Christus, damit wir nicht mehr unmündig seien, hin und her geworfen und umgetrieben von jedem Wind der Lehre, durch das betrügerische Spiel der Menschen, durch die Schlauheit, mit der sie zum Irrtum führen, sondern wahrhaftig in der Liebe heranwachsen, in allen Stücken zu ihm hin, der das Haupt ist, der Christus."
[6:58] Paulus sagt hier folgendes, dass Gott diverse Gaben gegeben hat. Einige sind Apostel, andere sind Propheten, andere sind Evangelisten, andere sind Hirten und Lehrer. Hirten und Lehrer gehört zusammen, das ist eine Gabe. Und er hat diese Ämter gegeben, zur Zurüstung der Heiligen, für das Werk des Dienstes und die Erbauung. Also es geht um die Zurüstung und die Erbauung. Das ist im Prinzip die gleiche Idee. Also diese Ämter hier wurden gegeben, diese Gaben, damit die Gemeinde erbaut und zugerüstet wird für das Werk, das sie hat, und die Erbauung, damit sie heranwachsen.
[7:36] Wohin heranwachsen? Wohin wird erbaut? Was wird erbaut? Ja, bis alle zur Einheit des Glaubens und zur Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen. Und wir sehen hier, dass im Gegensatz zur Einheit des Geistes, steht hier: "bis alle zur Einheit des Glaubens und zur Erkenntnis gelangen". Im Gegensatz zur Einheit des Geistes ist das hier ein Prozess und nicht eine Sache, die von vornherein vorausgesetzt wird, sondern es ist ein Prozess, in dem die Gläubigen heranwachsen.
[8:11] Zur vollkommenen Mannesreife und zum Vollmaß, von voller Größe des Christus. Also es geht hier um Vollkommenheit. Es geht hier um heranzuwachsen, nicht irgendwo, sondern wirklich, dass wir so sind wie Jesus Christus. Und dann steht hier: "damit wir nicht mehr unmündig seien, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre." Hier geht es also um die Lehre. Also wir sollen heranwachsen, damit wir wirklich verstehen, was die Lehre Gottes verstehen. Und warum sollen wir die Lehre Gottes verstehen? Damit wir argumentieren können mit anderen Theologen? Nein, nein. Damit wir nicht mehr unmündig sind. Damit wir nicht hin- und hergeworfen werden mit allem, was irgendwelche Leute sagen, sondern genau wissen: Das ist Gottes Wort. Darauf stehe ich. Darauf kann ich mich verlassen. Und da brauche ich keine Angst haben. Da brauche ich nicht von weggehen. Wenn ich treu bin zu Gott, dann ist er treu zu mir. Und das ist die Erlösung.
[9:15] Genau, und diese Winde der Lehre kommen eben durch Menschen, die die Bibel entsprechend falsch auslegen und mit schlechten Attributen hier belegt sind. Und dann heißt es hier am Ende nochmal: "sondern wahrhaftig in der Liebe heranwachsen." Und ihr seht, dass die Liebe, die spielt immer die Rolle. Sie ist dabei bei beiden Seiten. Heranwachsen in allen Stücken zu ihm hin, der das Haupt ist, der Christus. Also das Thema ist wirklich das Gleiche. Es geht um den Körper und das Haupt, das Jesus Christus ist. Und dass wir heranwachsen.
[9:53] Nur der Unterschied ist, dass hier nicht der Heilige Geist direkt am Herzen wirkt, sondern der Heilige Geist wirkt durch Menschen. Und durch diese Menschen wird die Gemeinde erbaut und wächst im Glauben. Sie wächst in der Vollkommenheit und sie wächst in der Lehre. Und wir sehen, dass die Einheit des Glaubens nicht was Vorausgesetztes ist. Es ist nicht direkt bei der Bekehrung sind alle einheitlich im Glauben, sondern falsche Lehren loszuwerden, falsche Lehren abzubauen und richtige Lehren aufzubauen, den richtigen Glauben aufzubauen. Das ist ein Werk, das durch das komplette Leben des Christen hindurch vollbracht wird. Und diejenigen, die erbauen, ist natürlich immer der Heilige Geist. Aber der Heilige Geist wirkt durch Menschen, im Gegensatz zu direkt am Herzen in jedem Falle. Sondern wir sind tatsächlich auf unsere Pastoren, auf unsere Evangelisten, auf unsere treuen Brüder und Schwestern in der Gemeinde angewiesen, einander zu helfen und zu wachsen.
[11:02] Und das erklärt auch, warum die Zehn Gebote, warum sie größtenteils automatisch für uns ist. Weil es unter den ersten Teil dieser Verse fällt. Und zwar unter dem Teil, wo der Heilige Geist direkt in unserem Herzen wirkt und die Liebe zu den Nächsten und die Liebe zu Gott hineinlegt. Aber so ein Thema wie zum Beispiel der Sabbat, was ja wirklich ein willkürlicher Tag von Gott ist, hier einen willkürlichen Tag genommen, einen aus sieben und gesagt: Das ist mein heiliger Tag. Und das ist eine Lehre. Und die schreibt nicht, ich sage es richtig, der Heilige Geist schreibt auch diese Lehre und diesen Sabbat in unser Herz. Aber nicht bis Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer ihr Werk getan haben und uns diese Lehre beigebracht haben. Erst danach kann der Heilige Geist diese Information wirklich in unser Herz schreiben.
[12:04] Ansonsten würde er die von Gott gegebene Ordnung umgehen und Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer im Prinzip nutzlos machen. Aber das ist Gottes Plan. Er hat den Heiligen Geist gegeben für den Zweck. Aber trotzdem sind wir nicht losgelöst von der Verantwortung als Menschen, einander näher zu Gott zu bringen, einander zu erbauen, zur Vollkommenheit zu führen, zur vollen Größe in Christus, damit wir die Lehre verstehen und so heranwachsen in allen Stücken zum Haupt Jesu, zum Gebäude, zum Tempel Gottes als eine Gemeinde. Und wir sehen, dass es tatsächlich eine Einheit des Glaubens gibt. Und damit das Argument, wir sollen uns einfach alle einander lieben und die Glaubensunterschiede sind nicht so wichtig, kein biblisches Argument ist, sondern das biblische Argument ist, dass wir die Einheit des Glaubens suchen und heranwachsen und studieren und aus der Bibel den wahren Glauben herausholen, damit wir alle am Ende den wahren Glauben haben.
[13:18] Ich hoffe, du konntest was lernen. In der nächsten Folge schauen wir uns das Thema des letzten Gerichts an. Vielleicht hast du schon mal das Wort Untersuchungsgericht gehört und dass das Gericht schon angefangen hat. Und wir wollen uns in der Bibel anschauen, gibt es dafür Beweise? Und was sagt die Bibel über das letzte Gericht? Und wir stellen uns alle die harten Fragen. Bis dann, Gottes Segen. Amen.