[0:35] Hallo und herzlich willkommen zur Christ Study Hour hier auf www.joelmedia.de.
[0:42] Wie immer gilt ein ganz herzliches Willkommen auch allen Zuschauern auf dem Sender Das Wort zur mittlerweile zehnten Folge unserer Serie über die Paulusbriefe an die Philipper und die Kolosser. Heute wollen wir uns vorbereiten auf das Bibelgespräch am 7. März unter dem Titel Vollkommen in Christus. Was für ein großartiges und wichtiges Thema.
[1:10] Was wir uns heute vorgenommen haben, ist das zweite Kapitel vom Kolosserbrief. Ein wirklich sehr interessantes und mit vielen wichtigen Themen gespickter Abschnitt, ein sehr interessantes Kapitel.
[1:23] Und wir möchten zu Beginn Gott einladen, dass er unser Studium segnet und dass wir aus seinem Wort das heute lernen, was für uns persönlich ganz besonders wichtig ist. Lasst uns gemeinsam beten.
[1:40] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir danke sagen, dass du uns die Möglichkeit schenkst, dein Wort zu verstehen, dich zu verstehen und im Leben deine Kraft auch zu erfahren. Herr, wir möchten dich bitten, dass die Worte, die wir lesen, nicht nur tote Buchstaben sind, sondern dein lebendiges Wort, das unser Herz verändert. Wir möchten dich bitten, dass du jetzt mit deinem Heiligen Geist zu uns sprichst, dass deine Wahrheit uns heiligt und dass wir Wahrheit von Irrtum unterscheiden können in dieser Welt, weil dein Wort unser Maßstab ist. Herr, wir wollen auf dich schauen und danken dir, dass du jetzt unser Lehrer bist. Im Namen Jesu beten wir dies. Amen.
[2:36] Wir beginnen Kolosser 2 in Vers 1. Paulus hat natürlich keine Kapiteleinteilung vorgenommen. Für ihn geht es gedanklich genau dort weiter, wo wir in Kapitel 1 in den Versen vorher aufgehört haben, letztes Mal mit dem Nico.
[2:53] Und wir lesen jetzt hier in Kolosser 2 und dort Vers 1. Paulus sagt: "Ich will aber, dass ihr wisst, welch großen Kampf ich habe um euch und um die in Laodizea und um alle, die mich nicht von Angesicht im Fleisch gesehen haben."
[3:13] Paulus hatte in den Versen vorher von einem Kampf gesprochen in Vers 29: "Dafür arbeite und ringe ich auch gemäß seiner wirksamen Kraft, die in mir wirkt, mit Macht." Paulus sagt, dass er einen Kampf hat. Er ringt um etwas, und zwar nicht alleine, sondern Gott kämpft sozusagen in ihm. Gott hat ein Anliegen, und Paulus hat sich dieses Anliegen auch zu eigen gemacht, und Gott wirkt in ihm. Aber er selbst hat diesen Wunsch auch, dass dieser – ja, er diesen Kampf, diesen Wunsch.
[3:45] Und was ist dieser Wunsch? Er sagt ja in Vers 29, dafür, wenn wir wissen wollen, wofür er kämpft, müssen wir Vers 28 uns anschauen. Oder lesen wir Vers 27 schon: "Ihnen, den Heiden" – so wird deutlich in Vers 26, vielleicht können wir da schon anfangen – "nämlich das Geheimnis, das verborgen war, seitdem es Weltzeiten und Geschlechter gibt, das jetzt aber seinen Heiligen offenbar gemacht worden ist." Ihnen, nicht den Heiden – Verzeihung – den Heiligen wollte Gott bekannt machen, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Heiden ist, nämlich Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.
[4:27] Paulus ist ja der Missionar der Heiden schlechthin im Neuen Testament, und er möchte deutlich machen: Es gibt dieses große Geheimnis. Christus kann in jedem Menschen Gestalt gewinnen. Christus ist der Erlöser für jeden Menschen, egal welcher Nation, welcher kulturellen Herkunft. Es wird noch ganz wichtig werden jetzt in Kapitel 2. Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit. Das ist das Geheimnis Gottes, das übrigens nach Offenbarung 10 in der Endzeit vollendet werden soll.
[5:00] Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit. Vers 28: "Ihn, also Christus, verkündigen wir, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen lehren in aller Weisheit, um jeden Menschen vollkommen in Christus Jesus darzustellen." Da haben wir dieses Thema schon: vollkommen in Christus.
[5:29] Ihn verkündigen wir. Paulus sagt, er predigt Jesus, und wenn er Menschen ermahnt, wenn er Menschen lehrt mit aller Weisheit, hat er dieses eine große Ziel, dass Christus in den Menschen ist, Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit, und dass die Menschen vollkommen in Christus Jesus sind.
[5:44] Und er sagt für dieses Ziel, Vers 29: "Dafür arbeite und ringe ich auch gemäß seiner wirksamen Kraft, die in mir wirkt mit Kraft." Gott möchte selbst, dass wir vollständig in Christus Jesus sind und dass Christus in uns ist.
[6:00] Und jetzt sagt Paulus in Kapitel 2, Vers 1: "Ich möchte, dass ihr wisst, wie sehr mir das ein Anliegen ist für euch in Laodizea und in Kolossä, die mich noch nicht gesehen habt."
[6:17] Er kennt diese Gläubigen nur vom Hörensagen, aber er hat genau den gleichen Wunsch. Er möchte, dass auch in ihrem Leben Christus in ihnen ist und sie vollkommen in Christus, und dafür kämpft er.
[6:33] Er sagt, dass ihr wisst, welch großen Kampf ich habe um euch und um die in Laodizea. Später am Ende des Briefes macht er folgende bemerkenswerte Aussage in Kolosser Kapitel 4 und dort Vers 16: "Und wenn der Brief bei euch gelesen ist, so sorgt dafür, dass er auch in der Gemeinde von Laodizea gelesen wird und dass ihr auch den aus Laodizea lest."
[6:54] Da gab es noch einen zweiten Brief, einen Brief an Laodizea. Diesen Brief haben wir leider nicht, aber wir wissen, dass die Gemeinde Laodizea auch den Brief an die Kolosser lesen sollte und dass die Gemeinde aus Kolossä auch den Brief an die Laodizea lesen sollte.
[7:10] Diese beiden Gemeinden hatten also offensichtlich ganz ähnliche Herausforderungen, einen ganz ähnlichen geistlichen Zustand, so sehr, dass das, was man der einen Gemeinde schrieb, auch für die andere galt und umgekehrt.
[7:21] Und das ist deswegen interessant, weil natürlich in der Offenbarung Jesus die Gemeinde Laodizea wenige Jahrzehnte später zum Bild, zum Symbol für Gottes Endzeitgemeinde nimmt.
[7:38] In Offenbarung 3. Wir haben heute nicht die Zeit, das ausführlich uns anzuschauen, aber wir haben auf Joelmedia in dem Seminar Offenbarung Vers für Vers sehr ausführlich über Offenbarung 3, Vers 14 bis 22 uns Gedanken gemacht. Da kann man noch einiges noch mal nachlesen oder nachhören.
[8:01] Dann aber in Offenbarung 3, Vers 14 wird die Endzeitgemeinde, die letzte der sieben Gemeinden genannt. Das heißt hier in Vers 14: "Und dem Engel der Gemeinde von Laodizea schreibe: Das sagt der Amen, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Ursprung der Schöpfung Gottes."
[8:20] Und wenn man diesen ganzen Abschnitt liest, merkt man, wie sehr Jesus um die Gemeinde Laodizea kämpft, wie sehr er ihnen deutlich macht, dass sie auf einem falschen Weg sind, wie sehr er ihnen anbietet, wieder zurückzukommen. Er rät ihnen, Gold zu kaufen, das im Feuer geläutert ist. Er möchte sie überführen. Er möchte sie züchtigen, weil er sie lieb hat. Es sind intensive Worte, die so weit gehen, dass Jesus sagt, dass er dabei ist, sie aus dem Mund auszuspeien, wenn sie nicht ihren lauen Zustand überwinden.
[8:54] Sein großer Kampf, den Jesus um die Gemeinde Laodizea hat, und Paulus, der zwar die Gläubigen in Laodizea und Kolossä nie getroffen hatte, weiß aber, inspiriert vom Heiligen Geist, was diese Gemeinden benötigen. Und ich glaube, allein das sollte uns dazu führen, den Kolosserbrief noch genauer zu lesen, weil er offensichtlich eine ganze Reihe von den Dingen enthält, die auch die Gemeinde Laodizea braucht, die ein Typus war oder gebraucht hat, die ein Typus war für unsere Zeit heute.
[9:21] Der Kolosserbrief ist nicht nur ein weiterer Paulusbrief. Der Kolosserbrief enthält gegenwärtige Wahrheit für uns. Paulus sagt, ich habe einen großen Kampf. Und er meint damit, dass es ihm ein gewaltiges Anliegen ist, dass die Gläubigen in Laodizea und in Kolossä vollkommen in Christus sind und Christus in ihnen.
[9:46] Jesus hat heute ein Anliegen. Ich glaube, Jesus kämpft noch heute den großen Kampf, dass auch wir im geistlichen Laodizea vollkommen in Christus sind und Christus in uns, die Hoffnung der Herrlichkeit.
[10:04] Lesen wir noch mal Kolosser 2, Vers 1 und dann weiter. Was ist das große Hauptanliegen von Paulus? Er sagt, ich will aber, dass ihr wisst, welch großen Kampf ich habe um euch und um die in Laodizea und um alle, die mich nicht von Angesicht im Fleisch gesehen haben.
[10:25] Jetzt kommen die Ziele, die Hauptanliegen, die der Paulus für Kolosser, für Laodizea und übrigens auch für alle anderen Gemeinden hat, die er selbst nicht besuchen konnte. Vers 2: "Damit ihre Herzen ermutigt werden." Das erste, was er sich wünscht, ist, dass die Gläubigen ermutigt werden in ihren Gedanken, in ihren Emotionen, in ihrem Herzen.
[10:50] Wenn wir der Gemeinde Laodizea etwas Gutes tun wollen im Sinne Jesu, dann müssen wir dafür wirken, dass sie ermutigt werden.
[11:02] Ermutigt, damit ihre Herzen ermutigt werden; zweitens, in Liebe zusammengeschlossen.
[11:10] Paulus hat die Botschaft an Laodizea und Kolosser nicht so konzipiert, dass sie möglichst alle Geschwister in Streit bringt, sondern sein Anliegen war, dass die Botschaft die Gläubigen in Liebe zusammenschließt.
[11:30] Nun, es ist wahr. Wahrheit wird immer auch Spaltung erzeugen. Wahrheit wird immer Widerspruch hervorrufen. Aber das Anliegen von Paulus, die Geisteshaltung war, sein größter Wunsch war, in der Wahrheit, in Liebe die Geschwister zusammenzuschließen. Und die Frage ist, haben auch wir heute das Anliegen, den Wunsch, die Geschwister in Laodizea in Liebe zusammenzuschließen, sie zu ermutigen und sie in Liebe zusammenzuschließen?
[12:03] Und dann drittens, und mit völliger Gewissheit im Verständnis bereichert werden. Also drei Dinge, die Paulus vorhat mit diesem Brief an Kolosser und an Laodizea. Die Herzen sollen ermutigt werden. Zweitens, die Geschwister sollen in Liebe zusammengeschlossen werden, eine Einheit finden, und sie sollen im Verständnis Gottes, im Verständnis der Wahrheit, im Verständnis des Evangeliums völlige Gewissheit haben.
[12:32] Die Vision, die Paulus von der Gemeinde Kolosser und von Laodizea hat, ist, dass diese Gläubigen ermutigt sind, zusammenhalten in Liebe und sich ihres Glaubens und ihrer Beziehung zu Gott völlig gewiss sind.
[12:47] Was ist das große Ziel? Er sagt Vers 2: "Damit ihre Herzen ermutigt werden, in Liebe zusammengeschlossen und mit völliger Gewissheit im Verständnis bereichert werden zur Erkenntnis des Geheimnisses Gottes, des Vaters und des Christus."
[13:05] Genau das Geheimnis, dass wir in Kolosser 1, Vers 27 gesehen haben. "Ihnen wollte Gott bekannt machen, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Heiden ist, nämlich Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit."
[13:17] Paulus sagt, es gibt ein Geheimnis. Das hat aber Gott offenbar gemacht. Das ist nicht nur für die super Schlauen oder für die besonders Privilegierten. Jeder kann es erkennen, dieses Geheimnis, dass Jesus Christus in meinem Leben und in deinem Leben gegenwärtig ist. Er sagt, das ist die Hoffnung der Herrlichkeit.
[13:37] Übrigens, wenn die Gemeinde Laodizea diesen Punkt versteht und glaubt, wird das aus der Gemeinde Laodizea, wie sie in Offenbarung 3 beschrieben wird – arm, blind, entblößt, elend, erbärmlich – wird aus dieser Gemeinde die Gemeinde, die in Offenbarung 18, Vers 1 die ganze Erde erleuchtet mit der Herrlichkeit Gottes.
[14:05] Der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Heiden, das ist total missionarisch. Das leuchtet die ganze Welt aus. Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.
[14:19] Paulus hat diesen intensiven Wunsch, dass die Gläubigen dort in der Gemeinde Kolosser und Laodizea nicht einfach nur die Wahrheit einmal gehört haben, dass sie zustimmen, dass Jesus existiert hat und am Kreuz von Golgatha gestorben ist, sondern dass Christus in ihnen, in ihrem Leben, in ihren Gedanken, in ihrem Handeln und Fühlen Gestalt gewinnt. Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.
[14:48] Kolosser 2, Vers 3. In welchem Geheimnis ist Jesus Christus? Das heißt ja vorher zur Erkenntnis des Geheimnisses Gottes, des Vaters und des Christus. Es ist ihr gemeinsames Geheimnis.
[14:58] Und dann heißt es hier am Ende von Vers 2 und des Christus Vers 3: "In welchem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind." Wir werden gleich sehen. Er sagt das schon im Hinblick auf die Dinge, die er jetzt gleich in den nächsten Versen noch ausführen möchte.
[15:16] In Christus ist alle Weisheit zu finden. Alle wahre Erkenntnis, alle wahre Weisheit, alle echte Wahrheit findet in Jesus ihre Quelle.
[15:30] Und Jesus hat selbst gesagt, dass es sich lohnt für diesen Schatz alles aufzugeben. Matthäus 13 und dort Vers 44: "Wiederum gleicht das Reich der Himmel einem verborgenen Schatz im Acker, den ein Mensch fand und verbarg, und vor Freude darüber geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker."
[15:52] Wenn in Christus alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind, dann wollen wir Christus haben, Christus kaufen in Anführungsstrichen. Der Mann dort hat alles gegeben, was er hatte. Wie viel sind wir bereit zu geben? Wir können unsere Erlösung nicht erkaufen, aber wie viel sind wir bereit zu geben, um alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis uns zu eigen machen zu können? Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.
[16:28] Paulus möchte deutlich machen: Außerhalb von Christus gibt es keine echte Wahrheit. Außerhalb von Christus gibt es keine echte Weisheit und Erkenntnis. Wenn Menschen uns einreden, es gäbe Wahrheit und Erkenntnis außerhalb oder gegen Jesus gerichtet, ist das ein großer Betrug.
[16:47] Aber dazu jetzt gleich mehr, denn Paulus sagt in Vers 4, warum er diese Dinge anspricht. Er sagt in Vers 4: "Das sage ich aber" – also das, was er vorher gesagt hat, ja, in Vers 2 und 3. Er sagt: "Das sage ich aber, damit euch nicht irgendjemand durch Überredungskünste zu Trugschlüssen verleitet."
[17:06] Damals war die Rhetorik sehr beliebt. Leute gingen umher und haben mit geschickten Redekünsten andere verführt. Paulus weiß, dass Irrlehrer unterwegs sind, und er weiß, dass junge Christen vielleicht auf die Rhetorik, auf die scheinbar so guten Argumente reinfallen können.
[17:29] Offenbar bieten diese Irrlehrer eine andere Weisheit außerhalb von Christus an. Es gab ja damals die Philosophen, die sich für Weisheit interessiert haben. Wenn so ein Philosoph rhetorisch geschickt von Weisheit spricht, aber Christus verachtet, sagt Paulus, ist das ein Trugschluss. Dazu gleich noch mehr.
[17:50] Er weiß, dass auch Gläubige in der Gefahr stehen, durch geschickte Argumentation verführt zu werden. Und wenn das damals bei umherwandernden Philosophen der Fall war, wie viel mehr in der heutigen Welt von Medien, die manipulative Techniken anwenden, denen wir uns kaum entziehen können, wenn wir nicht tatsächlich in Christus gegründet und vollkommen in Christus stehen.
[18:14] Vers 5: "Denn wenn ich auch leiblich abwesend bin, so bin ich doch im Geist bei euch und sehe mit Freuden eure Ordnung und die Festigkeit eures Glaubens an Christus."
[18:25] Paulus hat zwar die Gemeinde noch nie besucht, aber trotzdem nimmt er lebhaft Anteil an ihr. Wir neigen dazu – und ich denke, das trifft uns alle mehr oder weniger –, dass wir vor allem an dem Ergehen der Glaubensgeschwister Anteil nehmen, die wir gut kennen, die wir öfter besucht haben, wo wir vielleicht früher in der Gemeinde gewesen sind. Aber Paulus hat auch ein reges Interesse an denen, die er gar nicht kennt.
[19:00] Er kann sie nicht besuchen, aber er hat sich so gefreut, dass Epaphras einen so guten Bericht gegeben hat, wie wir in Kapitel 1, Vers 7 und 8 gelesen haben. Epaphras konnte sagen, dass die Gläubigen dort nicht nur das Evangelium angenommen haben, sondern dass sie fest im Glauben stehen, dass sie die Wahrheit wirklich durchdrungen haben, dass die Wahrheit sie erfüllt hat, dass sie eine Ordnung, eine ordentliche Gemeinde sind, dass da nicht alles kreuz und quer durcheinandergeht, wie es zum Teil ja in anderen Gemeinden durchaus auch passieren konnte. Wir denken an die Gemeinde in Korinth zum Beispiel, die Paulus sehr ermahnen musste auch.
[19:35] Er freut sich, dass dort Ordnung und Festigkeit ist, aber er weiß, das ist kein Selbstläufer. Er weiß, das ist nicht selbstverständlich. So, er weiß, Satan wird versuchen, auch diese festgegründeten Gläubigen von der Wahrheit abzubringen.
[19:51] Und so gibt er ihnen nun einen entscheidenden Rat, der zu den wichtigsten Ratschlägen zählt, die es in der ganzen Bibel gibt. Jeder Ratschlag ist wichtig, aber das ist ein zentraler Ratschlag nicht nur für die Gemeinde in Kolosser, sondern auch für Laodizea, für uns alle.
[20:09] Er sagte in Vers 6: "Wie ihr nun Christus Jesus den Herrn angenommen habt, so wandelt auch in ihm." Das ist ein ganz wichtiges Prinzip mit den gleichen Prinzipien, mit denen wir uns zu Christus bekehrt haben. Das heißt, dadurch, dass Christus sich uns offenbart hat, dass wir ihm geglaubt haben, dass wir auf seine Gnade vertraut haben, dass wir auf sein Wort gehört haben, dass wir unser eigenes Herz ihm gegeben haben, dass wir ihm gefolgt sind, dass wir ihm gehorcht haben, alles, was wir bei unserer Bekehrung erlebt haben, das sind exakt genau die Prinzipien, die wir auch brauchen, um bei ihm zu bleiben.
[20:44] Manchmal denken einige, na ja, ich muss auf die Gnade vertrauen, wenn ich zu Jesus komme, und dann muss ich mich anstrengen. Aber nein, wenn ich durch Gnade und Glauben und Übergabe des eigenen Herzens zu Christus gekommen bin, dann kann ich auch nur so bei ihm bleiben: durch Glauben, Vertrauen auf Gnade, durch das Hören auf das Wort Gottes, durch die Übergabe des eigenen Herzens, durch die Bereitschaft, ihm zu folgen, wohin er auch geht, und ihm zu gehorchen. All das, was wir bei unserer Bekehrung erlebt haben, müssen wir auch im Alltag immer wieder und immer wieder erleben.
[21:17] Vielleicht sind das nicht immer große emotionale Höhenflüge, aber so wie wir ihn angenommen haben, so sollen wir auch mit ihm wandeln. Denn wenn wir plötzlich anders leben, als zu der Zeit, dass wir ihn angenommen haben, dann werden wir ihn wieder aus den Augen verlieren.
[21:34] Christ sein ist also nicht eine einmalige Bekehrung, sondern das tägliche Fortführen der Bekehrung im Alltag. Es gibt nicht die Bekehrung und dann das christliche Leben, sondern das christliche Leben ist eigentlich nur eine Verlängerung der Bekehrung in jeden neuen Tag hinein.
[21:59] So wandelt in ihm. Kannst du dich noch daran erinnern, wie du zum ersten Mal zu Jesus gefunden hast? Vielleicht hast du von ihm schon vorher gehört, bist in der Gemeinde aufgewachsen. Vielleicht waren es dramatische Umstände. Jeder hat eine andere Geschichte. Vielleicht kannst du nicht mal genau den Tag und die Stunde angeben, wo du dich bekehrt hast. Vielleicht war es ein längerer Prozess, der aber genauso valide und genauso wahr ist. Und in allen Fällen ist eigentlich Bekehrung immer ein langer Prozess.
[22:22] Johannes 3 sagt uns, dass der Geist lange an uns wirkt, bevor wir es merken. Aber weißt du noch, wie es war, als du gemerkt hast, Gott zieht an meinem Herzen, als du plötzlich realisiert hast, dass Gott und sein Wort dir wichtiger ist als andere Dinge, die dir vorher der Lebensinhalt waren? Ich weiß, wie ich das irgendwann in meinem Leben realisiert habe, dass Gott tatsächlich in meinem Herzen etwas tut.
[22:47] Wir dürfen das nie vergessen. Wir dürfen nie vergessen, wie Gott uns zu sich gezogen hat. Wir dürfen nicht vergessen, welche Entscheidung wir einmal gefällt haben und wie gesegnet wir gewesen sind, als wir diese Entscheidung gefällt haben. Denn der Satan möchte uns davon abbringen, in dieser Entscheidung zu bleiben.
[23:04] Und Paulus, der gehört hat von Epaphras, dass die Kolosser im Glauben gefestigt sind, eine ordentliche Gemeinde haben, hakt das nicht ab und sagt: "Na ja, wunderbar, alles klar." So wie wir oft leider abhaken und sagen, ach, der steht im Glauben, der ist wunderbar, missionarisch aktiv, das kann ja alles kann ja nichts schiefgehen.
[23:20] Paulus sagt, ich habe einen großen Kampf, dass ihr erfüllt werdet mit Christus. Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.
[23:36] Vers 7: "Gewurzelt und auferbaut in ihm und gefestigt im Glauben, so wie ihr gelehrt worden seid, und seid darin überfließend mit Danksagung."
[23:51] Paulus wünscht sich, dass die Gläubigen ihre Wurzeln in Christus haben und dass sie ihr ganzes Leben auf Christus aufbauen. Wenn wir uns diese Frage stellen, dann lohnt es sich...
[24:00] Frage stellen, dann lohnt es sich drüber nachzudenken: Baut mein Leben auf Christus auf? Sind meine Wurzeln in Christus, oder ist Christus nur ein Accessoire, das ich vielleicht in Ehren halte und immer mal wieder heraushole? Ist mein Leben auf Christus gebaut?
[24:20] Sie hatten es so von Epaphras gehört, und sie sollen bei dem bleiben, was sie gelernt haben. Und dann erinnert sich Paulus an einem seiner großen Lieblingsthemen: Danke sagen. Er hat den Römern gesagt, dass wenn man Gott nicht dankt für das, was man verstanden hat, dann wird das Herz verfinstert. Römer 1, Vers 20 – Verzeih, Vers 21: „Denn obgleich sie Gott erkannten, haben sie ihn doch nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt, sondern sind in ihren Gedanken in Nichtswahn verfallen und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert.“ Wir müssen Gott danken für das, was wir gelernt haben, was wir erkannt haben.
[25:10] Und dann kommt eine deutliche Warnung vor der Philosophie. Er sagt in Vers 8: „Habt acht, dass euch niemand beraubt durch die Philosophie und leeren Betrug gemäß der Überlieferung der Menschen, gemäß den Grundsätzen der Welt und nicht Christusgemäß erweist.“ Damals gab es viele Leute, die sich für Philosophie interessiert haben, die in spekulativen Theorien sich viel Weisheit erhofft haben. Viele griechische, römische, ja, in dem ganzen Kulturkreis dort, viele verschiedene Nationen, die natürlich da waren, die alle oder wo viele Menschen versucht haben, Wahrheit zu erkennen, ohne dabei den Gott der Bibel in Betracht zu ziehen, so wie heute auch noch. Es hat sich in der Hinsicht nicht wirklich viel verändert.
[26:06] Paulus warnt, dass wenn man sich an menschliche Traditionen, an weltliche Grundsätze hält und damit argumentiert, dann stimmt das nicht mit Christus und seinem Wort überein. Er warnt die Gläubigen vor der damals so populären Philosophie. Die Frage ist, wovor würde er heute warnen?
[26:38] Wie oft verlassen Menschen die Gemeinde, weil sie denken, dass in weltlicher Weisheit und mit menschlichen Theorien und Argumentationen man mehr Wahrheit erkennen könne? Das passiert heute noch sehr oft. Paulus war nie gegen intellektuelles Verstehen. Paulus war kein Antiintellektueller.
[27:09] Paulus war einer der klügsten Schreiber, die wir in der Bibel überhaupt gehabt haben. Ähm, wir sehen seine Briefe sehr komplex und sehr, sehr tiefgründig. Aber Paulus wusste, unsere Intelligenz ist ein Geschenk von Gott. Christus hat sie geschaffen, und sie kommt nur dann wirklich zur vollen Entfaltung, sie erreicht nur dann ihr Ziel, nämlich Wahrheit zu erfassen und zu begreifen, wenn wir vollkommen in Christus sind und Christus in uns.
[27:48] Vers 9: „Denn in ihm, in Christus, wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.“ Wer Christus hat, hat Zugang zur gesamten Fülle Gottes. Mit anderen Worten, wer Christus hat, braucht nichts anderes. Er muss kein Stoiker werden und kein Epikureer. Er muss weder den Lehren Platons noch den Lehren Aristoteles folgen. Wer Christus hat, hat Zugang zur ganzen Fülle, denn Christus offenbart den Vater selbst.
[28:22] Alles, was gut für uns ist, alles was wahr ist, alles was tatsächlich echte Weisheit ist, ist in Christus enthalten. Deswegen hat er in Vers 3 gesagt, in welchem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind.
[28:40] Aber nicht nur ist in Christus alle Fülle der Gottheit gegenwärtig, er sagt in Vers 10: „Und ihr seid zur Fülle gebracht in ihm, der das Haupt jeder Herrschaft und Gewalt ist.“ Nicht nur haben wir in Christus Zugang zu allem, was wahr und richtig ist. Wir haben auch den höchsten Platz erreicht, wenn wir bei Jesus Christus sind. Wenn Christus in unserem Herzen ist, haben wir die höchste Fülle erreicht. In ihm werden wir zur Fülle gebracht. Was Paulus sagen möchte, ist, wenn Christus in uns ist und wir in Christus, dann gibt es absolut nichts, was weltliche Wissenschaft, was Philosophie, was kluge Rhetorik, was sonst alles, was uns noch irgendetwas Zusätzliches geben könnte, was nicht in Christus vorhanden wäre.
[29:39] Scheint fast so, als ob er hier letztlich den Gedanken wiedergibt, den schon der weise Salomo am Ende seiner sehr ernüchterten Lebensbetrachtung in Prediger uns mitgibt als Schlusswort, wo er in Prediger Kapitel 12 ab Vers 12 sagt: „Und über diese hinaus lass dich warnen, mein Sohn: Des vielen Büchermachens ist kein Ende und viel Studieren ermüdet den Leib. Lasst uns die Summe aller Lehre hören – die Fülle, könnte man sagen. Fürchte Gott und halte seine Gebote, denn das macht den ganzen Menschen aus, denn Gott wird jedes Werk für ein Gericht bringen, sei es gut oder böse.“ Salomo sagt, egal wie viel Bücher man liest, egal wie viel man studiert, egal wie viel Theorien man durchdenkt, am Ende ist das, was dabei rauskommt. Und Paulus sagt, wenn du wirklich Wahrheit erkennen willst, wenn du wirklich dein volles Potenzial ausschöpfen möchtest, dann sei vollkommen in Christus und lass Christus in deinem Herzen wohnen, denn dann hast du Zugang zur ganzen Fülle. Du bist Teilhaber der göttlichen Natur und du wirst selbst zur Fülle gebracht.
[30:56] Jesus, so sagt er, ist Haupt jeder Herrschaft und Gewalt. Er hatte ja schon in Kolosser 1 darauf Bezug genommen und gesagt, dass Jesus den Vorrang hat. Wir hatten das vor zwei Wochen gemeinsam studiert, wo es heißt in Vers 16: „Denn in ihm ist alles erschaffen worden, was im Himmel und was auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten. Alles ist durch ihn und für ihn geschaffen.“ Jesus steht über allem. Wer Christus kennt, kennt den Herrscher des Universums. Wer Christus kennt, kennt den Schöpfer. Wer Christus kennt, kennt den Erlöser. Alle Fragen: Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Alle Fragen über Sinn und Zweck und Bestand, Beschaffenheit des Lebens finden ihre Antwort in ihm. Es gibt keine höhere Autorität, keine größere Weisheit, keine tiefere Liebe. Christus ist tatsächlich nicht einfach nur die bessere Option. Christus ist die Fülle. In ihm haben wir alles. Wer sich von Christus abwendet, weil er meint, irgendwo mehr Weisheit oder mehr Erkenntnis oder mehr dies und jenes zu bekommen, der begeht einen folgenschweren Fehler. Er wendet sich von der Fülle ab.
[32:10] Paulus hat jetzt sehr deutlich vor diesen weltlichen griechisch-römischen Philosophen gewarnt, die mit ihrer Weisheit auch viele Christen oft durcheinanderbringen wollten und auch durcheinandergebracht haben. Und wer die Kirchengeschichte kennt, weiß, wie stark der Einfluss der Philosophie dann auch in den folgenden Jahrhunderten auf die Christenheit gewesen ist und wie schwer man sich davon oft lösen konnte oder gar nicht lösen konnte, weil man sich davon hat so bezaubern lassen. Paulus hat da sehr deutlich vorgewarnt, aber er warnt noch vor einer zweiten Gruppe, und die kommt jetzt in Vers 11. Er sagt: „In ihm seid ihr auch beschnitten mit einer Beschneidung, die nicht von Menschenhand geschehen ist, durch das Ablegen des fleischlichen Leibes der Sünden in der Beschneidung des Christus.“ Er hatte vor den Philosophen, den griechisch-römischen Irrlehrern gewarnt. Jetzt warnt er vor denen, die behaupten als jüdische Prediger, die behaupten, man müsse beschnitten werden, um gerettet werden zu können. Er hatte auch die Philipper vor dieser Gruppe gewarnt in Philipper 3 und dort Vers 2: „Habt Acht auf die Hunde, habt Acht auf die bösen Arbeiter, habt Acht auf die Zerschneidung.“ Das Problem war virulent. Überall waren sie unterwegs, und Paulus warnt nicht nur die Gemeinden, die er kennt, er warnt auch die Gemeinden, von denen er nur gehört hat. Er sagt: „Passt auf, lasst euch von niemandem einreden, ihr müsstet erst eine fleischliche Beschneidung erleben, bevor ihr gerettet werden könnt.“
[33:39] Denn das Argument von Paulus ist interessant. Er sagt nicht, Beschneidung ist an sich unwichtig. Er sagt, jeder wahre Christ ist tatsächlich geistlich beschnitten und erklärt auch, was er meint. Er sagt, die wahre Beschneidung, die Beschneidung des Christus, besteht darin, den fleischlichen Leib der Sünde abzulegen.
[34:05] Paulus hat diesen Gedanken immer wieder aufgegriffen. Den Römern hat er geschrieben in Römer Kapitel 2 und dort Vers 28 und 29: „Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist. Auch ist nicht das die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht, sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist und seine Beschneidung geschieht am Herzen im Geist durch den Heiligen Geist, nicht den Buchstaben nach. Seine Anerkennung kommt nicht von Menschen, sondern von Gott.“ Eine Beschneidung durch den Heiligen Geist, eine Beschneidung durch das Ablegen des Fleisches der Sünde. Damit ist nicht gemeint, dass wir uns von unserem Körper entfernen. Schauen wir uns an, was andere Textstellen von Paulus darüber sagen, worin diese wahre Beschneidung besteht. Und ich glaube, es ist ein wichtiges Thema, weil es nützt nichts, wenn wir als Christen einfach nur sagen: „Na, wir müssen nicht beschnitten werden.“ Wir müssen beschnitten werden. Wir müssen nur die wahre Bedeutung der echten geistlichen Beschneidung verstehen und auch erleben. In Römer Kapitel 6 und dort Vers 6 sagt Paulus:
[35:13] „Wir wissen ja dieses, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde außer Wirksamkeit gesetzt sei, sodass wir der Sünde nicht mehr dienen.“ Das ist die Beschneidung.
[35:28] Geistliche Beschneidung bedeutet nicht, dass ich jetzt nicht mehr fleischlich beschnitten werden muss und einfach irgendwie jetzt mich Christ nenne. Es bedeutet, dass etwas weggeschnitten wird, nämlich der alte Mensch.
[35:38] In Römer 8 und dort Vers 13 heißt es: „Denn wenn ihr gemäß dem Fleisch lebt, so müsst ihr sterben. Wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Leibes tötet, so werdet ihr leben.“ Geistliche Beschneidung bedeutet, dass wir Gott erlauben, in unserem Leben den alten Menschen zu töten, alte Begierden zu töten, wegzuschneiden. Gedanken, die nicht gut sind, ihm zu übergeben. Gefühle, die uns kaputt machen, abzugeben, wegnehmen zu lassen, wegschneiden zu lassen. Das ist die Beschneidung des Herzens.
[36:17] Paulus wusste, dass schon zu dem Zeitpunkt, als die fleischliche Beschneidung gegeben worden ist in 1. Mose 17, eigentlich die geistliche Beschneidung im Vordergrund stand, im Zentrum stand. Die fleischliche Beschneidung war nur ein Zeichen, ein äußeres Zeichen für die innere Beschneidung. In 1. Mose 17, als Abraham 13 Jahre lang geglaubt hatte, dass er mit seinem eigenen Sonderweg mit Hagar, mit seinem eigenen sündigen Handeln trotzdem irgendwie den Segen Gottes so erreichen könnte, hat Gott sich ihm offenbart und gesagt in Vers 1: „Wandle vor mir und sei untadelig“ und, könnte man sagen, sei vollkommen in Christus.
[37:06] Er hat einen Bund mit ihm gemacht, aber er wollte diesen Bund erneuern. Er sagt, ich möchte einen Bund mit dir machen, obwohl sie schon einen Bund gemacht hatten. Denn Abraham war diesem Bund nicht treu gewesen.
[37:16] Und im Zentrum dieser Geschichte steht die Verheißung Gottes, dass das, was menschlich unmöglich erscheint, Gott möglich machen wird. Er wird dem Abraham durch Sarai, die jetzt Sara heißen soll, dem Abraham, der jetzt Abraham heißen soll, einen Sohn geben. Und das, obwohl eigentlich die Zeit schon längst vorbei ist für die beiden, Kinder zu bekommen.
[37:39] Und als Abraham aber seinen eigenen Gedanken, seinen eigenen Plan durchgeführt, durch sündige Alternative, Gott anbietet in Vers 18: „Und Abraham sprach zu Gott: Ach, dass Ismael vor dir leben möchte!“ Dann sehen wir das geistliche Beschneidungsmesser. Da sprach Gott: „Nein, nein!“ Wenn unsere Gedanken, unsere Pläne, die wir uns selbst überlegt haben, wo wir ohne Vertrauen auf Gott einfach uns selbst gesagt haben, wir machen das jetzt so, wenn die weggeschnitten werden, weil Gott einen anderen Plan hat, dann ist das Beschneidung des Herzens. Das ist die geistliche Beschneidung. Und um das zu illustrieren,
[38:25] hat Gott in Vers 17, in Kapitel 17, die Beschneidung von Abraham und seine Nachkommen angeordnet als Zeichen des Volkes derjenigen, die diese Herzensbeschneidung erleben sollen. Und Paulus macht diesen Punkt, denn so wie schon in Philipper Kapitel 3 das deutlich gemacht hat: Wenn Menschen Beschneidung predigen, aber von Christus weglenken und sagen, ein Glaube an Christus an das Kreuz sei nicht notwendig, dann ist das eine absolute Katastrophe.
[38:59] Das wäre so, als wenn Menschen sagen, man muss sich taufen lassen, aber man soll nicht an Jesus Christus glauben. Dann bleibt nur eine äußere Form ohne Inhalt. Wir wissen aus dem Galaterbrief, dass solche Menschen damals unterwegs waren. Wir wissen, was der Hintergrund war. Galater 6, Vers 12: „Alle, die im Fleisch wohl angesehen sein wollen, nötigen euch, dass ihr euch beschneiden lasst, nur damit sie nicht um des Kreuzes des Christus willen verfolgt werden.“ Da waren Menschen, die gesagt haben: „Lasst uns einfach beschneiden, dann sind wir alle Teil des jüdischen Volkes. Ähm, aber dann werden wir, und lasst uns Christus aufgeben, weil dann werden wir nicht mehr deswegen verfolgt wegen dieser Sonderlehre, die so umstritten ist.“ Paulus warnt all die Gemeinden deutlichst davor.
[39:52] Denn das würde bedeuten, die eigentliche wahre Beschneidung aufzugeben. Menschen sind oft dazu bereit, eher eine äußere Form zu akzeptieren, als eine innere Herzensverwandlung zu erleben. Menschen sind eher bereit, sich äußerlich taufen zu lassen, als ein neues Herz zu erhalten, sind eher bereit, eine Beschneidung durchführen zu lassen, als ihre Gedanken beschneiden zu lassen.
[40:20] Aber das Äußere darf das Innere nicht verdrängen.
[40:26] Und da hier Menschen umherzogen und den neugläubigen Kolossern einreden wollten, es wäre nicht notwendig, an Christus zu glauben, es wäre aber notwendig, beschnitten zu sein. Das hat Paulus auf die Palme gebracht, das hat Paulus, er sagt: „Ich habe einen großen Kampf, dass ihr Christus nicht aufgebt.“ In Christus ist die wahre Beschneidung, das Ablegen des Fleisches, des fleischlichen Leibes der Sünde.
[40:56] Er sagt an die Galater, Galater 2, Vers 20: „Ich bin mit Christus gekreuzigt, und nun lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir.“ Die Hoffnung der Herrlichkeit, das Geheimnis Gottes, für das er auch so sehr ringt, damit es auch die Kolosser verstehen. „Und was ich jetzt dem Glauben, was ich jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich hingegeben hat.“ Paulus sagt, er ist natürlich noch, das Fleisch ist ja noch da, aber es wird durch den Glauben an Christus außer Wirksamkeit gesetzt. Das ist die wahre Herzensbeschneidung. Die geschieht nicht einmal so als Akt und dann ist alles für immer selbstverständlich klar, sondern geschieht täglich, wenn ich bereit bin, meine ererbten und anerzogenen Fehler und Tendenzen zum Bösen, dass ich die bereit bin, täglich wegschneiden zu lassen, die Beschneidung des Herzens.
[42:02] Vers 12: „Mit ihm begraben seid in der Taufe, in dem ihr auch mit ihm auferweckt worden seid durch den Glauben an die Kraftwirkung Gottes, der ihn aus den Toten auferweckt hat.“ Paulus macht hier einen Punkt, wie auch schon in Römer.
[42:24] Die Taufe symbolisiert das Einswerden mit Christus, eben Sterben und Auferstehen. So auch in Römer Kapitel 6 ab Vers 1, wo es heißt Vers 3: „Oder wisst ihr nicht, dass wir alle, die wir in Christus Jesus hineingetauft sind, in seinen Tod getauft sind?“ Das ist die Antwort auf die Frage: „Wie sollten wir, die wir der Sünde gestorben sind, noch in ihr leben?“ Das ist die Beschneidung, um die es hier geht, da ihr mit ihm begraben seid in der Taufe.
[43:00] Paulus, wenn wir alle seine Aussagen zusammennehmen, sagt: „Wir sind mit Christus gekreuzigt, wir sind mit ihm begraben. Wir sind mit ihm auferweckt.“ Er sagt an anderer Stelle, wir sind auch mit ihm versetzt worden in die himmlischen Regionen. Im Epheserbrief sagt er das, wenn ich mich nicht täusche. Genau. In Epheser 2, Vers 6.
[43:24] Mit anderen Worten, im Glauben können wir das gesamte Heilsgeschehen, das Jesus Christus für uns vollbracht hat, können wir es im Glauben mit nachvollziehen. Wir sind vollkommen in Christus und Christus in uns. Das, was er getan hat, nehmen wir für uns persönlich in Anspruch. Wir sind dann mit ihm gekreuzigt, mit ihm begraben, mit ihm auferweckt, mit ihm in den Himmel versetzt, auferweckt durch die Kraftwirkung Gottes, der ihn aus den Toten auferweckt hat. Wir haben schon gesehen, dass die Auferweckung Jesu eine ganz besondere war. Das haben wir in Kolosser 1 gesehen.
[43:59] Wir haben gesehen, wie dort Gottes Befehl und seine Kraft zusammengewirkt haben. Was interessant ist, ist, dass Paulus immer wieder deutlich macht, dass dieselbe Kraft, die bei der Auferstehung Jesu sich zeigt, auch in unserem Leben sichtbar ist.
[44:24] Philipper 3, Vers 9 und 10: Dieselbe Kraft, die bei der Auferstehung Jesu sich zeigt, soll sich auch in unserem Leben zeigen. Es heißt hier in Vers 9 und 10: „Und in ihm erfunden werde, indem ich nicht meine eigene Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus, die Gerechtigkeit aus Gott aufgrund des Glaubens, um ihn zu erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden, indem ich seinem Tod gleichförmig werde.“
[44:57] Schauen wir weiter in Kolosser 2, Vers 13. Er sagt jetzt weiter: „Er hat auch euch, die ihr tot wart in den Übertretungen und dem unbeschnittenen Zustand eures Fleisches, mit ihm lebendig gemacht, indem er euch alle Übertretungen vergab.“
[45:14] Der Zustand des Sünders wird hier mit zwei Metaphern beschrieben. Zum einen sagt er, man ist tot in Sünden und zweitens unbeschnitten. Er sagt, das war auch der Zustand der Kolosser. Sie waren aufgrund ihrer Sünden geistlich tot, und sie waren geistlich unbeschnitten, bevor ihnen Epaphras das Evangelium gebracht hat. Als sie jetzt das Evangelium angenommen haben und die Erfahrung der Sündenvergebung gemacht haben, hat sich ihr Leben vollständig verändert. Sie waren vorher aufgrund der Sünden geistlich tot. Ja, wir denken auch in Epheser 2, das steht das Gleiche ab Vers 1. Indem jetzt ihre ganzen Sünden vergeben wurden, waren sie nicht mehr geistlich tot, sondern geistlich auferweckt. Wenn Sünden zu einem geistlichen Tod führen, führt die Vergebung der Sünden zu geistlichem Leben.
[46:04] Kann es sein, dass so oft das geistliche Leben darniederliegt in unseren Gemeinden, weil wir keine echte Vergebungsgewissheit haben, dass Gott tatsächlich meine Sünden vergeben hat?
[46:24] Vers 14: „Und er hat die gegen uns gerichtete Schuldschrift ausgelöscht, die durch Satzungen uns entgegenstand und hat sie aus dem Weg geschafft, indem er sie ans Kreuz heftete.“
[46:35] Diese Satzungen, die werden von Paulus auch im Epheserbrief erwähnt, und es ist wichtig, das zu verstehen, weil es hier viele Missverständnisse gibt. Schauen wir uns das an in Epheser 2 ab Vers 14: „Denn er Christus ist unser Friede, der aus beiden – gemeint sind die Juden und die Heiden – eins gemacht und die Scheidewand des Zaunes abgebrochen hat, indem er in seinem Fleisch die Feindschaft, das Gesetz der Gebote in Satzungen hinwegtat, um die zwei, also Juden und Heiden, in sich selbst zu einem neuen Menschen zu schaffen und Frieden zu stiften.“ Paulus sagt, es gab eine Feindschaft zwischen Juden und Heiden aufgrund von Satzungen. Gemeint sind also die Satzungen, die einen Unterschied gemacht haben zwischen Juden und Heiden.
[47:30] Die Gesetze, die sozusagen spezifisch allein nur für das jüdische Volk waren und damit die Heiden ausgeschlossen haben von diesen Gesetzen.
[47:47] Diese Satzungen hat Christus durch seinen Tod weggenommen, sodass jetzt Juden und Heiden alle gemeinsam ein Volk sein können in Christus.
[47:58] Damit ist deutlich, dass diese Satzungen nicht die zehn Gebote meinen können, denn die zehn Gebote gelten ganz ausdrücklich für alle Menschen. Wir haben gerade für Prediger 12 gelesen, das macht den ganzen Menschen aus, Gottes Gebote zu halten. In 2. Mose 20 wird deutlich, dass das Sabbatgebot für die Fremdlinge genauso gilt wie für den Juden. Jesaja 56 macht ganz deutlich, auch hier das Sabbatgebot gilt genauso auch für Fremdlinge und Verschnittenen.
[48:41] Dieser Schuldschein, diese Handschrift, diese Urkunde, wie es eigentlich wörtlich heißt, die wird aus dem Weg geschafft. So, in Epheser 2 steht ja, dass ein trennender Zaun war, der weggenommen wird. Hier wird es wörtlich in Kolosser 2 aus der Mitte herausgenommen, dieser Schuldschrift. Entscheidend ist: Wenn das Kreuz Schulden weggenommen hat, hat es nicht das Gesetz
[49:08] weggenommen hat, hat es nicht das Gesetz weggenommen, auf deren Grundlage Schulden als Schulden beschrieben worden sind. Gott vergibt durch das Kreuz Sünde; er verändert nicht das Gesetz.
[49:19] Schauen wir uns mal Vers 13 und 14 an. Durch das Kreuz erhalten wir Vergebung. Dadurch sind wir wieder geistlich lebendig und beschnitten. Und die Schulden, die wir durch die Übertretung des Gesetzes angehäuft hatten – ja, denken wir an Johannes 3, Vers 4: Sünde ist die Übertretung des Gesetzes – diese Schulden sind beglichen. Also wir werden durch das Kreuz lebendig, geistlich beschnitten, und die Schulden sind beglichen.
[49:51] Die Satzung, die im Alten Testament den Anbetern immer wieder lebhaft vor Augen geführt hat, dass ihre Sünden noch zu bezahlen sind, die ihnen immer wieder gezeigt hat: Eure Schuld ist juristisch noch nicht abbezahlt. Diese Satzung, das waren die Opfergesetze, denn jedes Opfer hat ausgedrückt: Der Preis für die Vergebung, die ein Mensch jetzt schon haben konnte, dieser Preis dafür muss erst noch bezahlt werden. Aber jetzt, wo das Kreuz von Golgatha diesen Preis für alle Menschen bezahlt hat, waren die Opfergesetze obsolet, denn der Preis für die Schulden ist am Kreuz gezahlt worden.
[50:37] Vers 15: „Als er so, also am Kreuz, die Herrschaften und Gewalten entwaffnet hatte, stellte er sie öffentlich an den Pranger und triumphierte über sie an demselben, das heißt am Kreuz.“ Am Kreuz hat Jesus die Anschuldigung Satans gegen den Charakter Gottes, gegen die Regierung Gottes vollumfänglich entkräftet. Gott ist vollständig gerecht und gleichzeitig absolute Liebe. Er ist gerecht und rechtfertigt den Sünder, weil er selbst die Strafe auf sich nimmt. Es wird deutlich: In der Regierung Gottes gibt es keinen Mangel an Gerechtigkeit und keinen Mangel an Liebe und Erbarmen. Er stellt die Mächte und Gewalten öffentlich zur Schau, heißt es wörtlich. Und dieses „er triumphierte über sie“, das ist tatsächlich hier im Griechischen, wenn man an die Römer denkt, ein Triumphzug.
[51:38] Paulus zeichnet in diesem Vers das Bild eines römischen Triumphzuges. Wenn ein Imperator siegreich von der Schlacht zurückkam vom Krieg, dann durfte er in Rom, was sonst eigentlich nicht mit Waffen betreten werden durfte, einen Triumphzug durchführen. Und dort wurden die besiegten Gegner öffentlich zur Schau gestellt.
[51:53] Das Krasse an diesem Vers ist, dass Paulus, der ja die römische Kultur genau kannte, sagt, dass Jesus Christus am Kreuz, wo nach allgemeiner römischer Auffassung eigentlich sozusagen die erniedrigste, die niedrigste und die besonders entwürdigendste Form der Todesstrafe stattfand, dass Jesus, der dort wie ein Verbrecher verurteilt am Kreuz hing, dass er dort den größten Triumphzug aller Zeiten durchgeführt hat, nicht über ein paar Alpenvölker oder über die Germanen oder irgendwelche Berberstämme in Nordafrika, wie das römische Imperatoren so taten, sondern ein Triumphzug über alle Mächte und Gewalten, die gegen Gottes Regierung gearbeitet haben. Der größte Triumphzug aller Zeiten an einem Kreuz.
[52:43] Ein krasser Vers, der deutlich macht, dass wenn wir mit den Augen des Glaubens auf das Kreuz von Golgatha sehen, sehen wir nicht eine Niederlage. Wir sehen den größten Sieg aller Zeiten, den Sieg der Liebe, wie es so schön als Buchtitel heißt. Und weil das so ist, gibt es jetzt praktische Auswirkungen. Vers 16: „So lasst euch von niemand richten wegen Speise oder Trank oder wegen bestimmter Feiertage oder Neumondfeste oder Sabbate.“
[53:09] Viel ist über diesen Vers geschrieben worden, aber nicht immer sehr viel Sinnvolles. Paulus spielt hier offensichtlich auf einen alttestamentlichen Text an. In Hesekiel 45, Vers 17 heißt es: „Dem Fürsten dagegen obligen die Brandopfer, Speisopfer und Trankopfer für die Feste und die Neumonde und die Sabbate.“ Speis, Trank, Feste, Neumond, Sabbate in der Reihenfolge hier in Kolosser 2. Speis, Trank, Feiertage, Neumondfeste, Sabbate, das kann kein Zufall sein. Das kommt nur in Hesekiel 45,17 und hier in Kolosser 2, Vers 16 vor. Und in Hesekiel 45 geht es ganz offensichtlich um Opfer. Es geht um Speisopfer und Trankopfer, um Feste, Neumonde und Sabbate. Das heißt weiter: „An allen Festzeiten des Hauses Israels soll er das Sündopfer, das Speisopfer, das Brandopfer und die Friedensopfer darbringen, um für das Haus Israels Sühnung zu erwirken.“ Es geht also um Opfergesetze in all ihren Formen: Speisopfer, Trankopfer,
[54:09] besondere Feste zum Opfern. Es gab auch besondere Sabbate zum Opfern. Das Passahfest, das Fest der Wochen, das Laubhüttenfest. 3. Mose 23 gibt uns diese sieben Feste, die alle Sabbate waren, teilweise auch so wörtlich genannt werden im Bibeltext, weil man an ihnen keine Arbeit verrichten durfte. Das waren nicht die siebten Tags-Sabbate, sondern es waren der 14. oder der zehnte Tischri festgelegte, an einem Kalenderdatum festgelegte Feste, die an jeden möglichen Wochentag fallen konnten, aber an dem Tag war frei, war ein Sabbat mit der Auflage: An diesem Tag musste geopfert werden.
[54:47] Und deswegen sind diese Feiertage, diese Neumondfeste, diese Sabbate nicht mehr relevant, weil sie mit Opfern verknüpft waren.
[55:00] Aber der siebte Tag Sabbat, der hat seinen Ursprung in der Schöpfung, als es noch keine Sünde gab und kein Opfer. Er ist auch keine spezifisch jüdische Angelegenheit, die jetzt aus dem Weg geräumt werden muss, wie die trennende Mauer aus Epheser 2. Denn der Sabbat gilt für alle Menschen. 2. Mose 20,8 bis 11: Auch dein Fremdling, der innerhalb deiner Tore ist. Jesaja 56 haben wir schon erwähnt. Auch die Verschnittenen, die Fremdlinge, sie dürfen alle, wenn sie den Sabbat halten, Söhne und Töchter Gottes sein. Markus 2,27: Der Sabbat ist für den Menschen gemacht, für jeden Menschen.
[55:40] Paulus bringt in diesem Vers also die praktische Konsequenz aus den vorherigen Versen. Wenn die Satzungen der Opfergesetze, die Israel von den anderen Heiden geschieden haben, durch das Kreuz obsolet geworden sind, dann soll auch niemand mehr sich irritieren lassen von Leuten, die jetzt sagen: „Nein, nein, ihr müsst Juden werden. Ihr müsst die Opfergesetze noch halten. Ihr müsst es jetzt als bindend annehmen.“ Paulus sagt: „Nein, nein, nein, nein, nein. Diese Opfergesetze sind alle nicht mehr notwendig. Sie sind aufgehoben, weil Christus das Opfer gebracht hat. Und deswegen gibt es auch keinen spezifischen Unterschied mehr zwischen Israel und den Heiden, weil diese Opfergesetze, die speziell für Israel waren, die sind jetzt aufgehoben. Und der Gedanke, ihr müsst erst Juden werden, damit ihr gerettet werden könnt, der ist absurd.“
[56:35] Das ist ja die Argumentation von Paulus. Er sagt hier gar nichts über die Zehn Gebote, überhaupt gar nicht. Das ist gar nicht sein Thema.
[56:45] Vers 17: Es spricht also hier von Feiertagen, Neumonden und Sabbaten, Speis und Trank, letztlich Opfer, wenn wir Hesekiel 45 dazu nehmen, die doch nur ein Schatten der Dinge sind, die kommen sollen, wovon aber der Christus das Wesen hat. Die ganzen Opfergesetze, die Beschneidungsvorschriften sind nur Schatten gewesen. Sie haben auf Christus als Typos hingewiesen, auf das Evangelium. Und ein Schatten hört dann auf, wenn er quasi, also wenn man dem Schatten folgt und dann kommt man zu dem Gegenstand, der den Schatten wirft, danach ist der Schatten weg. Genau das ist das Argument von Paulus.
[57:19] Vers 18 und 19: „Lasst nicht zu, dass euch irgendjemand um den Kampfpreis bringt, indem er sich in Demut und Verehrung von Engeln gefällt und sich in Sachen einlässt, die er nicht gesehen hat, wobei er ohne Grund aufgeblasen ist von seiner fleischlichen Gesinnung und nicht festhält an dem Haupt, von dem aus der ganze Leib durch die Gelenke und Bänder unterstützt und zusammengehalten, heranwächst in dem von Gott gewirkten Wachstum.“
[57:45] Wir sehen hier, Paulus warnt noch einmal deutlich vor den Irrlehrern, die zwar viele fromme Worte machen, aber nicht festhalten an dem Haupt. Und wir wissen, wer das Haupt ist. Das Haupt ist niemand anderes als Jesus Christus. Das war der Punkt in Kolosser 1 und dort ab Vers 15 bis 18. Er ist das Haupt des Leibes der Gemeinde, ist das Haupt des ganzen Universums. Und hier sind Menschen, die zwar sehr fromm reden, die sich demütig geben, die von Engeln reden, von vielen guten Dingen, die aber nicht an Christus festhalten,
[58:22] die zwar viele nette Worte machen, aber das Entscheidende verleugnen.
[58:29] Und er sagt: „Hört nicht auf sie! Denn wenn ihr auf sie hören würdet, wenn ihr ihnen folgt, dann werdet ihr um den Kampfpreis gebracht.“ Denn egal wie demütig man sich gibt, egal wie viel man von Engeln redet, egal wie tiefe Theologie man betreibt, wenn man nicht Christus hat, ist alles umsonst. Wir müssen vollkommen in Christus sein. Christus in uns, die Hoffnung der Herrlichkeit.
[58:49] Keine Beschneidung, keine Speisopfer oder Trankopfer. Nichts kann uns retten, nur Christus. Christus allein.
[59:04] Paulus warnt, denn er weiß, dass diese vorgebliche Demut, diese angebliche Verehrung guter Wesen vielleicht den einen oder anderen bezaubert, weil er denkt: „Na ja, aber das klingt doch auch ganz gut, das ist doch nichts Böses dabei, das ist doch auch sehr interessant.“ Aber es ist ohne Christus.
[59:28] Wenn jemand den Kolossern einreden sollte und auch den Laodizeern: „Christus sei nicht so wichtig.“ Das war genau das, was die Irrlehrer nach Galater 6, Vers 12 und 13 gemacht haben. Sie wollten um des Kreuzes Jesu nicht verfolgt werden. Sie haben gesagt: „Hey, lasst diese Sonderlehre mit Christus und kommt einfach in den Mainstream, lasst euch beschneiden, dann seid ihr so akzeptiert.“
[59:54] Wenn jemand also behauptet, Christus sei nicht so wichtig, dann ist es egal, wie viel scheinbar gute Dinge er tut. Dann ist es egal, ob er toll von Engeln redet oder tiefe Erkenntnisse bringt oder demütig erscheint – ohne Christus ist alles nichts.
[1:00:08] Und Paulus bringt ein einleuchtendes anatomisches Gleichnis. Er sagt: Ohne den Kopf kann der Körper nicht funktionieren. Er kann nicht wachsen. Wenn der Kopf nicht da ist, wenn das Haupt fehlt, kann der Körper nicht wachsen. Zwar benötigt der Körper auch Gelenke und Bänder und dies und jenes, aber der Kopf ist unumgänglich.
[1:00:25] Und wir haben gesehen, Christus ist das Haupt der Gemeinde.
[1:00:30] Ja, auch unser Dienst ist wichtig. Auch wir sind gefordert, in Zusammenarbeit mit dem Haupt als Gelenk oder als Band oder als dies oder jenes als Organ mitzuwirken, dass der Leib gut funktioniert. Aber entscheidend ist das Haupt.
[1:00:52] Christus ist das Wichtigste von allem, und ohne ihn ist alles andere nutzlos.
[1:01:00] Vers 20: „Wenn ihr nun mit Christus den Grundsätzen der Welt gestorben seid, weshalb lasst ihr euch Satzungen auferlegen, als ob ihr noch in der Welt lebtet?“ Er bringt jetzt mit einer ernsten Frage die ganzen vorherigen Gedankengänge auf einen praktischen Punkt. Eine ganz ähnliche Frage, die er auch den Galatern angestellt hat in Galater Kapitel 4, dort ab Vers 8: „Damals aber, als ihr Gott nicht kanntet, dientet ihr denen, die von Natur nicht Götter sind. Jetzt aber, da ihr Gott erkannt habt, ja, viel mehr von Gott erkannt seid, wieso wendet ihr euch wiederum den schwachen und armseligen Grundsätzen zu, denen ihr von neuem dienen wollt?“
[1:01:36] Das Problem kam öfter vor in den jungen Gemeinden. Das Problem gibt's auch heute noch, dass Menschen, die sich zu Gott bekehren, im Laufe der Zeit wieder zurückfallen in weltliche Grundsätze, in Tradition, sich von menschlichen Theorien, seien sie wissenschaftlich oder esoterisch oder was auch immer, mehr faszinieren lassen als von dem Evangelium von Jesus Christus.
[1:02:10] Paulus fragt in Vers 20: „Wenn ihr nun mit Christus den Grundsätzen der Welt gestorben seid, weshalb lasst ihr euch Satzungen auferlegen, als ob ihr noch in der Welt lebtet?“
[1:02:18] Vers 21: Jetzt gibt er ein Beispiel: „Rühre das nicht an, koste jenes nicht, betaste dies nicht.“ Was doch alles durch den Gebrauch zur Vernichtung anheimfällt, Gebote nach den Weisungen und Lehren der Menschen – ist ganz wichtig.
[1:02:29] Paulus ist nicht gegen göttliche Gebote aus dem Alten Testament, wie wir sie z.B. in 3. Mose 11 oder 5. Mose 15 finden. Paulus will nicht gegen das Alte Testament polemisieren. Er ist gegen menschliche Tradition. Und jeder, der die Evangelien mal gelesen hat, weiß, wie viel menschliche Traditionen sich um die göttlichen Gebote herum gerankt haben zur Zeit Jesu und danach. Wie viele menschliche Dogmen und menschliche Tradition sich das alles überdeckt haben. Und so wie Jesus den menschlichen Traditionen keinen Respekt gegenüber gezollt hat und sie nicht als Autorität anerkannt hat, so auch Paulus nicht, und so sollten auch wir uns allein auf das geschriebene Wort Gottes
[1:03:12] gründen und darauf verlassen.
[1:03:17] Später hat Paulus an Timotheus noch mehr über dieses Thema geschrieben. In 1. Timotheus 4, dort ab Vers 1 sagt er: „Der Geist aber sagt ausdrücklich, dass in späteren Zeiten etliche vom Glauben abfallen und sich irreführenden Geistern und Lehren der Dämonen zuwenden werden.“ Also eine wirklich krasse Sache. „Durch die Heuchelei von Lügenrednern, die in ihrem eigenen Gewissen gebrandmarkt sind. Sie verbieten zu heiraten und Speisen zu genießen, die doch Gott geschaffen hat, damit sie mit Danksagung gebraucht werden von denen, die gläubig sind und die Wahrheit erkennen. Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut und nichts ist verwerflich, wenn es mit Danksagung empfangen wird, denn es wird geheiligt durch Gottes Wort und Gebet.“
[1:03:55] Hier geht es nicht darum, dass man plötzlich Dinge essen darf, die Gottes Wort als Speise nicht zulässt. Hier geht es darum, dass eine Zeit kommen wird – und diese Zeit war ja teilweise schon da –, dass Menschen Dinge, die Gott erlaubt, verbieten als menschliche Zusatz-Tradition, dass obwohl Gott erlaubt hat zu heiraten, diese Menschen jetzt anfangen zu sagen: „Bestimmte Gruppen dürfen nicht heiraten, damit ihre Heiligkeit so sichtbar wird.“ Und wir wissen aus der Kirchengeschichte, wie viel Leid das herbeigebracht hat.
[1:04:32] Das ist wirklich eine Lehre von Dämonen, eine dämonische Lehre, die Menschen einredet, sie müssten Lasten tragen, die Gott ihnen nicht auferlegt hat, die bestimmte Fastenvorschriften macht, die Gott so nie gemacht hat, wo Menschen sich als Gewissen für andere aufspielen und ihnen vorschreiben, was sie zu essen oder ob sie zu heiraten oder nicht zu heiraten haben.
[1:04:59] Hier geht es nicht um unreine Tiere, die man für sich angeblich essen darf. Nein, nein, nein, nein, nein. Schweine und Klippdachse und Kamele sind keine Speise. Sie sind nie Speise gewesen. Genauso wenig wie Eisenerz und Menschenbabys keine Speise sind. Hier geht es um Speisen. Und Vers 5 macht deutlich: „Geheiligt durch
[1:05:20] Gottes Wort ist eine Speise gut.“ Wenn Gottes Wort sagt, dass es eine Speise ist und ich bete aus Dankbarkeit für diese Speise, dann darf ich diese Speise essen. Egal, was jemand mir an menschlicher Tradition dazu sagen möchte.
[1:05:39] Das ist der Punkt, um den es geht.
[1:05:44] Paulus möchte deutlich machen, dass wir der Bibel folgen und nicht menschlichen Traditionen.
[1:05:53] Kolosser Kapitel 2, Vers 23, letzter Vers für heute.
[1:05:59] „Die freilich einen Schein von Weisheit haben in selbstgewähltem Gottesdienst und Demut und Kasteiung des Leibes und doch wertlos sind und zur Befriedigung des Fleisches dienen.“
[1:06:09] Paulus weiß, die, verzeiht, die falschen Lehrer machen einen äußerlich frommen Eindruck. Sie können sehr fromm erscheinen.
[1:06:20] Sie wirken vielleicht aufrichtig. Sie sind sehr belesen, sie sind sehr eifrig für moralische Reform, für den Glauben. Aber sowohl die Theologie als auch die Praxis des christlichen Lebens darf nicht anhand unserer Sinneseindrücke beurteilt werden, sondern allein am Wort Gottes. Die Bibel sagt uns in Jesaja Kapitel 8,
[1:06:41] und dort Vers 20: „Zum Gesetz und zum Zeugnis! Wenn sie nicht so sprechen, gibt es für sie kein Morgenrot.“ Es mag auf den ersten Blick vielleicht sehr fromm aussehen und sehr, sehr demütig, aber jede menschliche Zusatztradition verdunkelt am Ende die Schönheit des Evangeliums. Die ganzen frommen Traditionen und Kasteiungen, die in der Spätantike in der christlichen Kirche Einzug hielten, haben zu einem finsteren Mittelalter geführt und nicht zu einer Verbreitung des Lichts des Evangeliums.
[1:07:23] Wenn wir menschliche Traditionen, menschliche Theorien, menschliche Gedanken in unseren Glauben, in unseren Gemeinden Einzug halten lassen, dann wird das immer zum Schaden für das Evangelium sein.
[1:07:39] Es wird wertlos sein und am Ende doch nur dem Fleisch dienen.
[1:07:52] Wir haben heute eine ganze Reihe von interessanten und wichtigen Versen gelesen und studiert. Aber eins ist bei allem, hoffe ich, ganz deutlich geworden.
[1:08:01] Wenn wir Christus haben, haben wir alles, was wir brauchen. In Christus ist die ganze Fülle vorhanden. Wir brauchen keine menschlichen Traditionen. Wir brauchen keine menschliche Philosophie. Wir brauchen keine menschlichen Zusatzregeln. Wir brauchen Christus, und das vollkommen.
[1:08:20] Möchtest du heute die Entscheidung fällen, dem biblischen Jesus ganz und völlig nachzufolgen? Möchtest du dich dafür entscheiden, nur das in deinem Leben zu akzeptieren, was wirklich durch Jesus und sein Wort begründet ist? Und möchtest du lernen, dich auf ihn zu verlassen und dich nicht vom menschlichen Schein beeindrucken zu lassen? Ich möchte die Schätze der Weisheit in Christus erforschen, seine Gnade und Kraft in meinem Leben vollkommen haben. Ist das auch dein Wunsch? Lass uns auch gemeinsam beten.
[1:08:57] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir danke sagen, dass du in deinem Wort zu uns sprichst.
[1:09:05] Und Herr, so oft haben wir in unserem Leben den Blick von dir weggewandt. Heute haben wir erneut gesehen: Nur du, Herr Jesus, du bist alles, was wir brauchen. In dir ist die Fülle der Gottheit, alle Schätze der Weisheit und der Kenntnis. Und wir wollen nichts und niemandem erlauben, deinen Platz in unserem Herzen einzunehmen. Du sollst in unserem Herzen sein, und wir wollen vollkommen dein sein. Das bitten wir in deinem Namen. Amen.
[1:09:39] Nächste Woche wollen wir hier an dieser Stelle weiter studieren, dann in das Kapitel 3 hineingehen, uns dort mit den nächsten Versen befassen. Auch dort gibt es ganz entscheidende, wichtige grundsätzliche Dinge zu verstehen und für unseren Alltag umzusetzen. Bis dahin wünschen wir euch auf jeden Fall Gottes reichen Segen und viel Freude im Studium seines Wortes.