[0:35] Hallo und herzlich willkommen zur Christ Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Ein herzliches Willkommen gilt wie immer allen Zuschauern auch auf dem Sender Das Wort. Zur zweiten Folge unserer Serie über die beiden neutestamentlichen Briefe des Paulus an die Philipper und an die Kolosser. Letzte Woche haben wir uns den Hintergrund, die historischen Gegebenheiten angeschaut, die zu der Abfassung dieser Briefe geführt haben. Und heute wollen wir damit beginnen, uns zunächst einmal den Philipperbrief ganz genau Vers für Vers anzuschauen. Unter dem Thema "Gründe für Danksagung und Gebet" wollen wir uns in diesem Bibelstudium, mit dem wir uns vorbereiten wollen auf das Bibelgespräch am 10. Januar, uns die ersten 18 Verse von Philipper 1 gemeinsam anschauen. Und da steckt ganz viel drin für uns in dieser Zeit, in der wir leben.
[1:43] Bevor wir mit dem Bibelstudium beginnen, möchte ich dich einladen, dass wir gemeinsam mit einem Gebet starten. Lieber Vater im Himmel, ich möchte von Herzen Dank sagen für dein Wort und für die Gelegenheit, dass wir gemeinsam dein Wort studieren können. Ich möchte dich bitten, dass du jetzt unser Lehrer bist. Danke für alles, das du uns schenkst, für die Erkenntnis, die du uns gibst, damit wir dich besser verstehen und im Alltag jeden Tag mit dir so leben, wie du es dir wünschst. Ich möchte dich bitten, dass du zu mir und zu jedem von uns jetzt sprichst durch dein Wort. Wir wollen dich erheben, dich loben und preisen und aus deinem Wort lernen. Sei du unser Lehrer und hab Dank dafür im Namen Jesu. Amen.
[2:35] Wir beginnen in Philipper Kapitel 1, Vers 1: "Paulus und Timotheus, Knechte Jesu Christi, an alle Heiligen in Christus Jesus, die in Philippi sind, samt den Aufsehern und Diakonen." Wir haben hier den Verfasser des Briefes, Paulus, und auch Timotheus ist bei ihm, wie an anderen Stellen in anderen Briefen deutlich. Es ist nicht das einzige Mal, dass Paulus eine andere Person noch mit erwähnt. Und doch merkt man am Schreibstil dann, dass natürlich Paulus der eigentliche Verfasser ist. Timotheus ist ein junger Mitarbeiter von Paulus, der seit Apostelgeschichte 16, Vers 1 bis 3, mit ihm unterwegs ist und dann ja später auch Empfänger der beiden Timotheusbriefe ist, die dann zu dem letzten gehören, was Paulus in seinem Leben noch getan hat.
[3:36] Timotheus wird öfter noch am Anfang von Briefen erwähnt. Ich nenne hier ein paar Beispiele: Korinther beginnt auch mit ihm, der Kolosserbrief. Die beiden Thessalonicherbriefe erwähnen ihn ebenfalls am Anfang, und das zeigt, welche Bedeutung Timotheus auch für Paulus gehabt hat. "Knechte Jesu Christi", schreibt er. Und das erinnert uns an den Römerbrief, wo Paulus eine ganz ähnliche Formulierung verwendet: "Paulus, Knecht Jesu Christi, berufener Apostel, ausgesondert für das Evangelium Gottes."
[4:10] Über die Stadt Philippi brauchen wir hier nicht mehr viel sagen. Wir haben in der letzten Folge schon den historischen Hintergrund zu dieser römischen Kolonie in Makedonien, in Nordostgriechenland, uns angeschaut. Interessant ist hier, dass Paulus nicht nur die Gemeinde allgemein adressiert, sondern ausdrücklich, was er sonst eigentlich nicht tut, die Aufseher und die Diakone noch einmal herausgreift und erwähnt.
[4:37] Aufseher, da steckt das griechische Episkopos dahinter, aus dem sich später dann das Wort Bischof entwickelt hat. Was ist die Aufgabe dieser Aufseher? Das ist vielleicht eine ganz interessante Gelegenheit für uns, auch diesen Begriff einmal kurz biblisch zu betrachten. In Apostelgeschichte 20 und dort Vers 28 finden wir Paulus, der hier auf seiner Weiterreise von der dritten Missionsreise nach Jerusalem noch einmal die Ältesten von Ephesus in Milet zusammenruft und dort ihnen sagt in Vers 28, Apostelgeschichte 20: "So habt nun Acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist euch zu Aufsehern gesetzt hat, um die Gemeinde Gottes zu hüten, die er durch sein eigenes Blut erworben hat."
[5:30] Aufseher sind zwar von Menschen gewählt und bestimmt worden, das sieht man auch im Neuen Testament. Paulus weist z.B. Titus an, dass er Aufseher einsetzen soll in den Gemeinden. Aber dahinter, und das macht die Bibel ganz deutlich, steckt das Wirken des Heiligen Geistes. Ein Aufseheramt ist nicht bloß eine menschliche Verwaltungsaufgabe.
[5:57] Gemeindeleiter, die Ältesten, sind nicht einfach nur Manager, Organisatoren, Terminfinder der Gemeinde, sondern sie haben eine von Gott gegebene, vom Heiligen Geist gegebene Aufgabe, die Gemeinde Gottes zu hüten. Die Gemeinde, für die Jesus sein eigenes Leben gegeben hat, für die Gott den höchsten denkbaren Preis bezahlt hat. Diese Gemeinde soll gehütet werden, und die Aufseher sind dazu bestimmt.
[6:28] Behütet soll die Gemeinde werden, weil Gefahren drohen. Vers 29: "Denn das weiß ich, dass nach meinem Abschied räuberische Wölfe zu euch hineinkommen werden, die die Herde nicht schonen, und aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen in ihre Gefolgschaft." Und deswegen sagt Paulus: "Achtet auf die Herde." Aber er sagt nicht nur "achtet auf die Herde", er sagt: "Achtet auf euch selbst." Ja, Vers 28: "So habt nun Acht auf euch selbst und auf die ganze Herde."
[7:04] Nur der, der in einer engen Beziehung zu Jesus lebt und immer wieder sich auch selbst hinterfragt und sich selbst prüft, das Wort Gottes sein eigenes Herz durchleuchten lässt, nur der kann die Gemeinde Gottes auch wirklich hüten vor den Angriffen. Nun, dabei ist der Aufseher natürlich nicht auf sich alleine gestellt. Er ist noch nicht einmal der eigentliche Hauptaufseher. Die Bibel sagt in 1. Petrus Kapitel 2 und dort Vers 25: "Denn ihr wart wie Schafe, die in die Irre gehen. Jetzt aber habt ihr euch bekehrt zu dem Hirten und Hüter." Und hier steht Episkopos, hier steht dasselbe Wort, "zu dem Aufseher eurer Seelen." Das ist Jesus Christus. Jesus ist sozusagen der Ober-Episkopos, der Oberbischof in Anführungsstrichen, der wahre Aufseher, um es vielleicht am besten so auszudrücken.
[8:01] Und jeder von Menschen gewählte Aufseher, der vom Heiligen Geist dieses Amt dann bekommen hat, der in der Gemeinde die Gemeinde hütet, der muss das in Gemeinschaft mit dem Oberaufseher Jesus Christus tun.
[8:22] Es gibt ein paar konkrete Anweisungen, ein paar konkrete Eigenschaften, besser gesagt, die erfüllt sein müssen, damit jemand ein solches Amt ausführen kann. 1. Timotheus Kapitel 3 und dort ab Vers 2. Hier sieht man übrigens, dass, obwohl es ein vom Heiligen Geist gegebenes Amt ist, trotzdem Menschen nach bestimmten Kriterien solche Aufseher auswählen sollen. Dort heißt es hier ab Vers 1: "Glaubwürdig ist das Wort: Wer nach einem Aufseherdienst trachtet, der begehrt eine vortreffliche Tätigkeit."
[8:56] "Nun muss aber ein Aufseher untadelig sein, Mann einer Frau." Biblisch gesehen, sagt Paulus an mehreren Stellen, ist dieses Amt – das ist das einzige Amt im Neuen Testament, entsprechend dem priesterlichen Amt im Alten Testament – das den Männern vorbehalten ist. "Mann einer Frau, nüchtern, besonnen, anständig, gastfreundlich, fähig zu lehren, nicht der Trunkenheit ergeben, nicht gewalttätig, nicht nach schändlichem Gewinn strebend, sondern gütig, nicht streitsüchtig, nicht geldgierig. Einer, der seinem eigenen Haus gut vorsteht und die Kinder in Unterordnung hält mit aller Ehrbarkeit. Wenn aber jemand seinem eigenen Haus nicht vorzustehen weiß, wie wird er für die Gemeinde Gottes sorgen?" Also jemand, der in seiner eigenen Familie nicht für Recht und Ordnung sorgen kann, der sollte auch die Gemeinde Gottes nicht leiten, nicht behüten. "Kein Neubekehrter, damit er nicht aufgeblasen wird und in das Gericht des Teufels fällt. Er muss aber auch ein gutes Zeugnis haben von denen außerhalb der Gemeinde, damit er nicht in üble Nachrede und in die Fallstricke des Teufels gerät." Also jemand, der auch in der Welt nicht negativ, ja, aufgrund von Charakterfehlern angesehen wird. Jemand, der auch über genügend geistliche Erfahrung verfügt. Und man könnte über all diese Dinge noch ausführlicher reden, aber die Zeit wird uns dafür heute nicht reichen.
[10:24] Halten wir fest: Es ist ein wichtiges Amt, ein Amt, für das man bestimmte besondere Qualifikationen mitbringen muss, geistlicher Art. Und ähnlich verhält es sich ja auch mit den Diakonen. Auch für sie gibt es notwendige Eigenschaften. Wenn wir weiterlesen in 1. Timotheus 3 ab Vers 8. Dort heißt es z.B.: "Gleicherweise sollen auch die Diakone ehrbar sein, nicht doppeltzüngig, nicht vielem Weingenuss ergeben, nicht nach schändlichem Gewinn strebend. Sie sollen das Geheimnis des Glaubens in einem reinen Gewissen bewahren." Und so weiter und so fort. Dort heißt es: "Und diese sollen zuerst erprobt werden, dann sollen sie dienen, denn wenn sie unterstehen. Frauen sollen ebenfalls ehrbar sein, nicht verleumderisch, sondern nüchtern, treu in allem." Hier sehen wir, dass auch Frauen in dieser Aufgabe, im Dienst, eine große und wichtige Rolle spielen sollten.
[11:17] Apostelgeschichte 6 zeigt uns die Entstehung dieses Amtes der Diakone. Die Diakone sollten vor allem für die sozialen Aufgaben in der Gemeinde zuständig sein, aber haben überdies natürlich auch die Möglichkeit und auch das Recht, sich in der Evangeliumsverkündigung einzusetzen. Stephanus ist dort das ganz berühmte Vorbild und Beispiel.
[11:40] Gehen wir zurück zu Philipper Kapitel 1 und dort Vers 2. Nach dem Adressaten und dem Verfasser des Briefes kommt jetzt der übliche Gruß: "Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus." Das ist die typische Grußformel am Anfang des Briefes, so z.B. genauso auch in 2. Korinther 1, Vers 2, und ähnlich in fast allen Briefen von Paulus.
[12:07] Vers 3. Jetzt beginnt der eigentliche Hauptteil des Briefes: "Ich danke meinem Gott, so oft ich an euch gedenke." Paulus beginnt die meisten seiner Briefe mit Dank. Ich weiß nicht, womit du so die Dinge beginnst, wie du das neue Jahr begonnen hast, das jetzt ja vor Kurzem angefangen hat. Paulus beginnt seine Briefe in aller Regel mit Dank.
[12:40] Nehmen wir ein paar Beispiele: Hier in Römer Kapitel 1 und dort Vers 8. Dort ist die Einleitung ein bisschen länger, und dann geht es in Vers 8 mit dem eigentlichen Hauptteil los: "Zuerst danke ich meinem Gott durch Jesus Christus um euer aller Willen, weil euer Glaube in der ganzen Welt verkündigt wird." Oder 1. Korinther Kapitel 1, Vers 4. Dort ist die Einleitung drei Verse lang, und dann der erste Vers des Hauptteils hat diesen Gedanken. Vers 4: "Ich danke meinem Gott allezeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch in Christus Jesus gegeben ist." So schreibt Paulus auch an die Philipper in Philipper 1, Vers 3: "Ich danke meinem Gott, so oft ich an euch gedenke."
[13:24] Das Wort "gedenke" hier meint eigentlich, dass Paulus in den Gebeten an sie denkt. Das Wort, das hier verwendet wird, wird immer wieder auch im Neuen Testament verwendet, wenn jemand in einem Gebet an jemanden denkt und ihn im Gebet erwähnt.
[13:50] Es heißt weiter hier in Philipper 1 und dort Vers 4: "Indem ich allezeit in jedem meiner Gebete" – und hier sehen wir die Verbindung zum Gebet und dem Gedenken – "in jedem meiner Gebete für euch alle mit Freuden Fürbitte tue." Wann immer Paulus für die Gemeinde in Philippi gebetet hat, hat er das mit Freuden für die ganze Gemeinde getan. Und die Frage, die ich mir stellen möchte und die ich euch stellen möchte, ist: Wie viel beten wir für unsere Ortsgemeinde mit Freude?
[14:24] Wie oft danken wir für die Geschwister, die wir haben? Wie oft danken wir, dass Gott eine Gemeinde an diesem Ort hat, auch wenn vielleicht noch nicht alles so ist, wie es sein sollte? Wir werden sehen, dass Paulus durchaus auch die Dinge sieht, die auch in der Gemeinde Philippi noch geändert werden müssen. Und wir haben andere Beispiele, wo Paulus den Korinthern, den Galatern sehr deutlich sagt, was schiefläuft in ihren Gemeinden. Und trotzdem hat Paulus diese Grundeinstellung bei den Korinthern ja auch zumindest des Dankens.
[15:14] "Allezeit", sagt er, "in jedem meiner Gebete für euch alle mit Freuden." Das ist nicht nur ab und zu nebenbei, wenn er gerade Zeit hat, sondern eine Grundeinstellung trotz aller Schwierigkeiten, die eine Gemeinde haben kann, eine Grundeinstellung des dankbaren Betens für die Gemeinde. Was passiert, lieber Freund, liebe Freundin, wenn wir diese Grundeinstellung zu unserer eigenen Grundeinstellung machen? Wenn wir allezeit mit Freuden für unsere Ortsgemeinde, auch gerne für die überregionalen Gemeindestrukturen, mit Freuden Fürbitte tun.
[15:52] Wir lesen weiter. Vers 5: "Wegen eurer Gemeinschaft am Evangelium vom ersten Tag an bis jetzt." Dieses griechische Wort für "Gemeinschaft" meint manchmal auch die aktive Involvierung in der Verbreitung des Evangeliums und der Unterstützung von Missionaren. Z.B. könnte man dort Hebräer 13, Vers 16 anführen. Hebräer 13 und dort Vers 16: "Wohlzutun und mitzuteilen" – also etwas einem anderen zu geben, ihm zu schenken – "vergesst nicht, denn solche Opfer gefallen Gott wohl." Oder 2. Korinther Kapitel 9 und dort Vers 13. Dort heißt es: "Indem sie durch den Beweis dieses Dienstes zum Lob Gottes veranlasst werden für den Gehorsam eures Bekenntnisses zum Evangelium von Christus und für die Freigiebigkeit der Unterstützung für sie und für alle." Das Wort "Unterstützung" als Übersetzung für das, was hier "Gemeinschaft" genannt wird. Also die Idee ist also Gemeinschaft nicht nur im Sinne von "wir haben eine schöne Zeit zusammen", sondern "wir sind gemeinsam in dieser Sache und wir involvieren uns und wir nehmen teil, indem wir auch aktiv helfen, das Evangelium voranzubringen." Und Paulus sagt: "Ich freue mich, ich danke Gott trotz aller Schwierigkeiten, die es noch geben mag, trotz aller Dinge, in denen die Geschwister noch wachsen müssen." Er sagt: "Ich danke, ich danke Gott von Herzen, dass ihr vom ersten Tag an euch aktiv in die Verbreitung des Evangeliums eingebracht habt."
[17:41] Vers 6: "Weil ich davon überzeugt bin, dass der, welcher in euch ein gutes Werk angefangen hat, es auch vollenden wird bis auf den Tag Jesu Christi." Wörtlich steht in Vers 6: "Überzeugt von eben dem." Mit anderen Worten, er verweist ein bisschen auch zurück auf das, was in Vers 5 steht: "Wegen eurer Gemeinschaft am Evangelium vom ersten Tag an bis jetzt." Paulus schaut also zum einen in die Vergangenheit und sagt: "Okay, ich sehe, vom ersten Tag an seid ihr – wir haben es ja angeschaut in Apostelgeschichte 16 – zum Glauben gekommen im Zuge dieser zweiten Missionsreise. Vom ersten Tag an habt ihr euch immer in die Verbreitung des Evangeliums involviert. Ihr habt unterstützt. Ihr seid dabei gewesen. Ihr hattet Gemeinschaft am Evangelium bis jetzt." Und dann sagt er: "Ich bin davon überzeugt von eben dem, dass ihr auch bis in die Zukunft, bis zum Tag Jesu Christi, dabei bleiben werdet, weil nämlich Gott in euch dieses Werk, das er angefangen hat, es auch vollenden wird."
[18:55] Paulus macht damit deutlich, dass diese Gemeinschaft am Evangelium in Vers 5 nicht einfach die gute Tat, die Superleistung der Philipper war, sondern ein Werk, das Gott in ihnen getan hat. Paulus sagt mit anderen Worten: "Ich danke Gott, dass er in ihnen schon so viel gewirkt hat, dass sich die Philipper so sehr am Evangelium beteiligt haben." Paulus ist jetzt überzeugt, dass Gott das auch weiterhin tun wird bis ans Ende.
[19:23] Kannst du sehen, wie Gott im Leben von Geschwistern deiner Gemeinde gewirkt hat? Wir konzentrieren uns vielleicht immer vor allem darauf, wie Gott in unserem Leben wirkt. Aber lohnt es sich vielleicht nicht auch, so wie Paulus es tut, darauf zu achten, wie Gott im Leben von anderen Geschwistern gewirkt hat und dankbar dafür zu sein, wie sie sich eingebracht haben für die Unterstützung des Evangeliums und dann die Überzeugung zu haben, dass Gott, der so viel schon gemacht hat, auch weiterwirken wird? Was bedeutet, dass die Charakterfehler, die Dinge, die vielleicht noch nicht so gut laufen, die Dinge, wo wir sehen, dass noch Wachstumspotenzial ist, wie man so schön oft sagt, dass auch diese Dinge Gott noch in ihnen vollenden wird.
[20:08] Paulus ist dankbar, wenn er an die Gemeinde denkt. Es ist Gott, der das Werk angefangen hat. Gott wird es auch vollenden. Im Hebräerbrief, sagt Paulus in Hebräer 12, Vers 2: "Indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen das Kreuz erduldete und dabei die Schande für nichts achtete und sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt hat." Jesus hat es angefangen. Jesus wird es vollenden. Lieber Freund, liebe Freundin, wenn du heute dieses Video siehst, darfst du wissen: Jesus hat das Werk in dir begonnen. Und so wie Jesus es begonnen hat, so wird er es auch vollenden, wenn wir bei ihm bleiben, wenn wir Gemeinschaft haben am Evangelium.
[20:57] Jetzt, wo das neue Jahr begonnen hat, fragt sich vielleicht manch einer, was wird es bringen? Werde ich im Glauben vorangehen oder werde ich zurückbleiben? Werde ich vielleicht Schiffbruch erleiden oder werde ich tolle Erfahrungen machen? Die Antwort ist ganz einfach: Wenn wir bei Jesus bleiben in der Gemeinschaft des Evangeliums, kann er das, was er angefangen hat, auch bis ans Ende bringen.
[21:20] Interessant ist die Formulierung "bis auf den Tag Jesu Christi". Das erinnert uns an den 1. Korintherbrief in 1. Korinther 1, wo Paulus einen ganz ähnlichen Gedanken sagt. Er sagt nämlich hier ab Vers 6: "Wie denn das Zeugnis von Christus in euch gefestigt worden ist, sodass ihr keinen Mangel habt an irgendeiner Gnadengabe, während ihr die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus erwartet, der euch auch festmachen wird bis ans Ende, sodass ihr unverklagbar seid am Tag unseres Herrn Jesus Christus." Wie vollendet also Jesus das Werk in uns? Er macht uns fest. Er bewirkt, dass wir im Glauben so fest werden, dass wir am Tag des Herrn Jesu Christi – mit anderen Worten, wenn Jesus wiederkommt – unverklagbar sein werden.
[22:11] Es gibt oft eine Debatte darüber, welchen Zustand wir haben müssen, wenn Jesus wiederkommt. Aber die Bibel ist sehr deutlich. Sie verwendet nicht nur das Wort "vollkommen", das oft eine sehr allgemeine Bedeutung hat, sie verwendet viele interessante und deutliche Begriffe, wie z.B. hier "unverklagbar". Wir werden gleich sehen, dass auch im Philipperbrief dazu noch einiges geschrieben steht in Kapitel 1 in einigen Versen gleich, die wir noch behandeln werden.
[22:40] Paulus macht deutlich, dass Jesus das, was er angefangen hat, auch vollenden wird. Das Evangelium auf dieser Erde ist nicht nur ein erster Versuch, der nie wirklich ans Ziel gelangt. Gott hat es angefangen, und es war ein Wunder. Und der Gott, der durch ein Wunder uns Glauben schenken konnte, kann auch den Glauben vollenden bis zum Tag des Herrn. Er kann uns auch reifen lassen, bis die Frucht des Geistes völlig ausgereift ist.
[23:19] Vers 7, Philipper 1, Vers 7: "Es ist ja nur recht, dass ich so von euch allen denke, weil ich euch im Herzen trage, die ihr ja alle – Verzeihung – die ihr alle sowohl in meinen Fesseln als auch bei der Verteidigung und Bekräftigung des Evangeliums mit mir Anteil habt an der Gnade." Im Griechischen ist Vers 7 immer noch Teil von diesem Satz, der ab Vers 3 beginnt. Das heißt eigentlich die Hauptaussage von Vers 3, 4, 5, 6 und 7: "Ich danke." Und dann kommen ganz viele Nebensätze und Erklärungen, und deswegen und weil und warum und deswegen und wohin und all die Dinge, die mit dem Dank zu tun haben. Aber Vers 3, "ich danke", ist die Hauptaussage, von der alle anderen Verse, Vers 4, 5, 6, 7, abhängig sind.
[24:05] Das zeigt, welche Bedeutung Paulus diesem Dank beigemessen hat. Es war nicht nur so eine Floskel, die er schnell noch vor den Brief geschoben hat, sondern alles, was hier steht, ist Teil, ist Grund, ist Ziel dieses Dankens.
[24:23] Interessant ist, dass die Formulierung hier "es ist nur recht, dass ich so von euch allen denke, weil ich euch im Herzen trage", nach dem Griechischen genauso übersetzt werden könnte: "weil ihr mich im Herzen tragt". Das liegt an der besonderen Konstruktion. Das ist tatsächlich grammatisch beides möglich. Die Übersetzungen übersetzen meistens: "weil ich euch im Herzen trage." Aber ich bin mir nicht ganz sicher. Also, ich glaube, man könnte sogar durchaus argumentieren, dass Paulus eigentlich im Sinn hatte: "weil ihr mich im Herzen tragt", weil dann wäre der Sinn des Satzes ja irgendwie klarer. Er sagt, es ist ja nur Recht, dass ich so von euch denke, weil ihr mich im Herzen tragt. Und zwar steht dann wörtlich: "Sowohl in meinen Fesseln als auch in der Verteidigung und Bekräftigung des Evangeliums. Ihr alle meine Teilhaber der Gnade seid." Ihr, mit anderen Worten, ihr habt mich im Herzen, indem ihr Teilhaber seid an der Gnade, sowohl in meinen Fesseln als auch in der Verteidigung und Bekräftigung des Evangeliums.
[25:39] Wie dem auch sei, eins ist ganz deutlich, vielleicht hat Paulus ja auch beides irgendwo im Blick gehabt. Liebe ist ja immer auch beidseitig. Paulus, und das wird ganz deutlich, hat zu den Philippern eine ganz besondere, innige Verbindung. Die Gemeinde in Philippi kennt Verfolgung und die daraus entstehenden Möglichkeiten, für den Glauben einzustehen, das können wir auf jeden Fall ganz deutlich sagen. Wer sich mehr für die Argumentation der Satzteile interessiert, könnt ihr im Sendemanuskript noch mal schauen, da wird alles ausführlich erklärt.
[26:20] Wir lesen weiter ab Vers 8, Philipper 1, Vers 8: "Denn Gott ist mein Zeuge, wie mich nach euch allen verlangt in der herzlichen Liebe Jesu Christi." Und auch das wäre vielleicht ein Argument zu sagen: "Okay, wenn er in Vers 7 sagt, ihr habt mich im Herzen, dann sagt er in Vers 8, aber ich verlange auch, ich habe ein Verlangen nach euch." Ja, dann hat man dieses Miteinander ganz deutlich ausgedrückt. Diese herzliche Liebe kann man auch übersetzen mit Sympathie, mit Zartgefühl. Paulus sitzt in Rom gefangen und wünscht sich so sehr, seine Geschwister in Philippi, die er vor ca. 10 Jahren zum Glauben geführt hat, einmal wiedersehen zu können.
[27:07] Wir haben gesehen, in Vers 3 ist das große Thema "Ich danke", aber Paulus dankt nicht nur, er hat auch eine Bitte, die er in seinen Gebeten für die Philipper vorbringt. Er sagt in Vers 9: "Und um das bete ich, dass eure Liebe noch mehr und mehr überströme in Erkenntnis und allem Urteilsvermögen, damit ihr prüfen könnt, worauf es ankommt, sodass ihr lauter und ohne Anstoß seid bis auf den Tag des Christus, erfüllt mit Früchten der Gerechtigkeit, die durch Jesus Christus gewirkt werden, zur Ehre und zum Lob Gottes."
[27:50] Paulus, der überzeugt ist, dass Gott in der Lage ist, das Werk zu vollenden, betet jetzt auch darum. Er betet darum, dass die Liebe noch mehr und mehr überströme. Er betet darum, dass die Philipper in einen Zustand versetzt werden, dass sie prüfen können, worauf es ankommt, sodass sie lauter und ohne Anstoß sind bis auf den Tag des Christus. Das ist also die Parallele zu Vers 6, wo es ja hieß, er wird es auch vollenden bis auf den Tag Jesu Christi. Wir haben gesehen, wie in 1. Korinther 1, Vers 8 das Wort "unverklagbar" erwähnt worden ist. Hier heißt es jetzt "lauter und ohne Anstoß". Das sind interessante Worte.
[28:36] Das Wort "lauter" bedeutet "ungetrübt", und davon leitet man dann auch "rein" im moralischen Sinne ab. Paulus hat diesen Wunsch, dass die Gemeinde in Philippi, dass die Geschwister in Philippi am Tag des Herrn – also entweder bei der Wiederkunft Jesu oder wenn sie sterben und dann ja bei der Wiederkunft auferstehen werden – dass sie unverklagbar sind, dass sie lauter sind. "Unverklagbar" sagt er in Korinther. Hier sagt er "lauter", also rein, ungetrübt und ohne Anstoß. Und er weiß, so sagt er in Vers 6, dass Gott das tun kann. Und weil er das glaubt und eine dankbare Grundhaltung hat, betet er dafür, dass Gott das Werk vollendet.
[29:29] Paulus glaubt an die Vollendung, Vervollkommnung des Charakters. Aber Paulus tut das nicht, indem er ständig den Blick auf die Dinge hat, die noch nicht funktionieren und auf die Dinge, die noch nicht richtig sind und ständig sozusagen das kritisiert. Er glaubt das und kommuniziert das mit einer Perspektive, in der er Gott für das dankt, was Gott schon alles getan hat, wissend, dass Gott noch mehr tun kann. Und mit dieser Perspektive verliert das Thema, das so oft für Streitigkeiten und Konflikte sorgt in den Gemeinden, seinen Schrecken. Denn dann geht es nicht darum, dem anderen vorzuhalten, was er alles noch nicht richtig macht und sich vielleicht selbst noch zu erhöhen. Dann geht es darum, Gott zu loben und zu preisen für das, was er schon getan hat und zu glauben, dass Gott noch nicht am Ende ist, zu glauben, dass Gott noch mehr tun kann, als er bisher getan hat und dafür zu beten in dem Vertrauen, dass Gott es tun will und tun kann und tun wird.
[30:37] Und so werden Menschen am Ende der Zeit tatsächlich unverklagbar, lauter und ohne Anstoß sein, weil Gott es in ihnen bewirkt und Menschen das so geglaubt haben und dafür gebetet haben. Und um dieses Ziel zu erreichen, soll die Liebe nicht abnehmen. Nein, es sagt in Vers 9: "Und um das bete ich, dass eure Liebe noch mehr und mehr überströme." Manchmal heißt es: "Predige nicht so viel von der Vollkommenheit, predige mehr von der Liebe Gottes." Aber Paulus hätte diesen Satz gar nicht verstanden. Paulus sagt: "Ich bete darum, dass die Liebe immer mehr wird, immer mehr Liebe, Liebe, Liebe, Liebe, damit ihr unverklagbar, ohne Anstoß seid, lauter, damit Gott das Werk vollenden kann, soll er in euch die Liebe überströmen werden lassen." Menschen, die sich auf Charaktervollkommenheit, dieses Ziel der Charaktervollkommenheit haben, die strömen immer mehr voller Liebe, also überströmen von Liebe.
[31:40] Und es wäre doch schade, wenn die Liebe Gottes so missverstanden wird und so missinterpretiert wird, dass man denken sollte, die Liebe Gottes sei nicht darauf ausgerichtet, uns auf den Tag vollkommen zu machen. Das ist doch das Ziel der Liebe Gottes, uns für den Himmel bereit zu machen.
[32:01] Er sagt in Vers 9: "Und um das bete ich, dass eure Liebe noch mehr und mehr überströme in Erkenntnis und allem Urteilsvermögen." Diese Liebe ist nicht einfach nur ein Gefühl, das kommt und geht. Diese Liebe zeigt sich, wie es hier heißt, in Erkenntnis und allem Urteilsvermögen.
[32:30] Erkenntnis, griechisch Epignosis, das ist die genaue, die exakte Erkenntnis, dass man Dinge besser versteht, richtig versteht, genau begreift. Das Urteilsvermögen ist ein Wort, das sonst im Neuen Testament nicht vorkommt. Aisthesis, da kommt unsere Ästhetik her. Das ist eigentlich wörtlich die Sinneswahrnehmung, also nicht so sehr die intellektuelle Erkenntnis, sondern das, was man so mit den Sinnen wahrnehmen kann, davon leitet sich dann die Bedeutung "Erfahrung" ab. Und wenn diese Aisthesis als Gegenstück zu Epignosis genannt wird, also zur intellektuellen Erkenntnis, dann bezeichnet dieses Wort so das sittliche Verständnis, das Taktgefühl. Liebe führt also dazu, dass wir Dinge besser richtig verstehen, theologisch abstrakt, sondern dass wir auch ein immer besseres Taktgefühl haben, ein moralisches, sinnliches – Verzeihung – sittliches Verständnis und uns entsprechend auch verhalten und benehmen.
[33:39] Und Paulus sagt: "Ich bete darum, dass diese Liebe noch mehr und mehr überströme." Schon im Alten Testament finden wir in den Sprüchen diesen Gedanken, dass im Leben eines Gläubigen es keinen Stillstand gibt. Sprüche 4, Vers 18: "Aber der Pfad des Gerechten ist wie der Glanz des Morgenlichts, das immer heller leuchtet bis zum vollen Tag." Das ist genau derselbe Gedanke. Die Liebe, die Gott als Licht in unser Herz hineingebracht hat, 2. Korinther 4, Vers 6. Diese Liebe soll immer heller leuchten, immer mehr überströmen, sodass wir sowohl die biblische Wahrheit und den Charakter Gottes immer besser verstehen und auch sittlich-moralisch ein immer besseres Urteilsvermögen bekommen, ein immer feineres Taktgefühl und uns so verhalten, wie es dem Wort Gottes, dem Wesen Gottes entspricht.
[34:34] Vers 10: "Damit ihr prüfen könnt, worauf es ankommt." Worauf es ankommt, wörtlich, damit ihr das Ausschlaggebende erforscht, untersucht oder erprobt. Das Ausschlaggebende, das sind also die Dinge, auf die es wirklich ankommt, die entscheidend sind. Wie oft passiert es, dass in den Gemeinden man sich auf Dinge konzentriert, die völlig nebensächlich sind oder gar nicht zum Evangelium dazugehören? Manchmal wird sich sogar darüber gestritten, aber Paulus sagt: "Ich bete darum, dass die Liebe Gottes in euch immer mehr überströmt, sodass ihr dann euch auf das konzentriert, worauf es wirklich ankommt." Und ankommen tut es immer auf das, was Gott gesagt hat, was er als Hauptthema uns genannt hat, was er in die dreifache Engelsbotschaft, in das ewige Evangelium hineingeschrieben hat. Das sind die Dinge, auf die es ankommt.
[35:31] Paulus' Wunsch ist, dass die Gemeinden mehr und mehr sich auf das konzentrieren, worauf es ankommt. Ist es auch unser Wunsch? Mein Wunsch ist das von Herzen, dass wir uns wieder auf das konzentrieren, was dieses Wort sagt, und alles, was in diesem Wort nicht angesprochen ist, beiseite tun, weil es nur zu Streit und zur Ablenkung führt.
[36:00] Die Geschwister sollen eigenständig beurteilen können, worauf es ankommt, nicht immer nur an den Lippen von jemand anders kleben und sagen: "Ist das jetzt wichtig? Wie soll ich mich verhalten?" Sondern die sollen durch das Überströmen der Liebe, durch das Wirken Gottes in ihrem Leben selbstständig entscheiden können: "Das ist ein entscheidendes Thema, das ist ein wichtiges Thema. Damit beschäftige ich mich. Und das ist nur Ablenkung, und das ist nur Spekulation, und das nur weltliche Nachrichten, die mit der Bibel nichts zu tun haben." Das ist das Ziel. Dafür betet Paulus. Er befiehlt es ihnen nicht. Er sagt ihnen, dass er dafür betet.
[36:38] Vielleicht habe ich, vielleicht haben wir zu viel unseren Geschwistern gesagt, was sie zu tun haben, was sie lassen sollen, was falsch ist. Vielleicht sollten wir sie mehr wissen lassen, dass wir für sie beten, dass wir für unsere Ortsgemeinden beten, dass die Liebe in unseren Ortsgemeinden überströmt, mehr und mehr in Erkenntnis und in Urteilsvermögen, damit unsere Geschwister, damit wir alle prüfen können, worauf es ankommt, was das Ausschlaggebende ist.
[37:16] Bin ich dazu in der Lage, das zu prüfen? Sind meine Geschwister in der Gemeinde dies zu tun? Lass uns dafür beten, weil das ultimative Ziel ist ja, dass wir am Tag des Christus lauter und ohne Anstoß sind.
[37:38] Wie können wir das wirklich prüfen? Paulus sagt an anderer Stelle im Römerbrief in Kapitel 12, was die Grundlage ist, damit wir so etwas prüfen können. In Römer 12 und dort Vers 1 und 2 sagt er: "Ich ermahne euch nun, ihr Brüder, angesichts der Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber darbringt als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und passt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern lasst euch in eurem Wesen verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt – Verzeihung – was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist."
[38:26] Nur wer sich selbst auf den Altar legt, wer sein Leben Gott ganz weiht und bereit ist, sein ganzes Leben in den Dienst Gottes zu stellen. Und wer bereit ist, sich von dem Lauf dieser Welt, von Zeitgeist, von seiner Mode und seiner Unterhaltung und seinen Sinnlosigkeiten und auch seiner Politik sich davon fernzuhalten. Wer die Welt hinter sich lässt, der kann in seinem Denken erneuert werden, verwandelt werden, eine Metamorphose erleben, wie das Griechische sagt, eine Erneuerung. Und dann, nur dann kann man prüfen, was Gott eigentlich wirklich will.
[39:20] Nur dann können wir erkennen, wie es im Philipperbrief heißt, worauf es ankommt. Dann können wir das Ausschlaggebende für unsere Erlösung und für unsere Rechtfertigung und Heiligung, für die Entwicklung unseres Charakters bis hin zum Tag des Christus, worauf es da wirklich ankommt, das können wir dann erkennen. Wenn wir das erkennen, dann werden wir uns auf die Dinge konzentrieren, die ausschlaggebend sind, damit wir tatsächlich am Tag des Christus lauter und ohne Anstoß sind.
[39:47] Liebe Freunde, was nützt es, wenn ich glaube, dass es möglich ist, dass man am Tag des Christus lauter und ohne Anstoß ist, aber wenn ich am Ende selbst nicht lauter und ohne Anstoß bin? Was nützt es, wenn ich anderen gegenüber mit Streitdebatten verteidigt habe, dass Gott das theoretisch tun könnte und will, aber es selbst nicht erlebt habe? Was nützt es, wenn ich die theologische Wahrheit hochhalte, aber am Ende verloren gehe?
[40:19] Wollen wir nicht dafür beten, dass die Liebe auch in unserem eigenen Leben mehr und mehr überströmt in Erkenntnis und Urteilsvermögen, dass wir selbst prüfen können, was die ausschlaggebenden Dinge sind? Was sind die Dinge, die dazu führen, dass ich am Tag des Christus lauter, ungetrübt, rein und ohne Anstoß bin? Dann werden wir darauf kommen, dass viele Dinge, mit denen wir uns beschäftigen, Dinge, die wir sogar vielleicht für wichtig achten und als Teil des Evangeliums verkündigen, vielleicht gar nicht dazu führen, weil sie nur menschliche Spekulation sind, menschliche Politik und mit dem heiligen Wort Gottes, das uns heiligen soll, nichts zu tun haben.
[41:13] Paulus schreibt noch mehr in Vers 11 über diesen Zustand, den Menschen haben werden am Tag des Christus. Vers 11: "Erfüllt mit Früchten der Gerechtigkeit." Es geht nicht nur darum, was wir nicht tun sollen und nicht anschauen sollen und uns nicht mit beschäftigen sollen. Es geht darum, womit wir gefüllt sein sollen. "Erfüllt mit Früchten der Gerechtigkeit, die durch Jesus Christus gewirkt werden zur Ehre und zum Lob Gottes."
[41:37] Wir erinnern uns in diesem Zusammenhang an den Epheserbrief. Epheser 2, Vers 10: "Denn wir sind seine Schöpfung, erschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen." Früchte der Gerechtigkeit, die durch Jesus Christus gewirkt sind.
[42:02] Wir erinnern uns auch an Hebräer 13, wo es heißt in Vers 21, eine wunderschöne Passage: "Der Gott des Friedens aber, der unseren Herrn Jesus aus den Toten heraufgeführt hat, den großen Hirten der Schafe durch das Blut eines ewigen Bundes. Er rüste euch völlig aus zu jedem guten Werk, damit ihr seinen Willen tut." Wir denken an Römer 12, Vers 2, was der gute und vollkommene und heilige Wille Gottes ist. "Damit ihr seinen Willen tut, indem er in euch das wirkt, was vor ihm wohlgefällig ist durch Jesus Christus. Ihm sei die Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen." Paulus sagt das immer und immer wieder: Gott möchte durch Jesus in uns wirken, und er möchte das Werk vollenden.
[42:52] Und wenn wir nicht glauben, dass Gott das Werk vollenden kann, was für ein Bild haben wir dann von Gott? Und wenn wir glauben, dass wir es vollenden müssen, was Gott angefangen hat, in eigener Kraft, was für ein Bild haben wir dann von Gott? Sowohl diejenigen, die aus eigener Kraft versuchen, vollkommen zu sein, als auch diejenigen, die sagen, dass es eine Vollkommenheit nicht geben kann oder muss, haben ein begrenztes, ja, ich möchte sagen, ein falsches Bild von der Kraft Gottes.
[43:37] Früchte der Gerechtigkeit, die werden in Hebräer 12 und dort Vers 11 erwähnt. Dort heißt es in Hebräer 12, Vers 11: "Alle Züchtigung aber scheint uns für den Augenblick nicht zur Freude, sondern zur Traurigkeit zu dienen. Danach aber gibt sie eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit, denen, die durch sie geübt sind." Wer mit Früchten der Gerechtigkeit erfüllt ist, der ist offensichtlich nach Hebräer 12, Vers 11 durch die Züchtigung hindurchgegangen.
[44:09] Der hat lernen müssen, und Paulus sagt ja selbst, dass die Züchtigung uns im Augenblick, in dem Moment, nicht gerade zur Freude zu dienen scheint. Wir freuen uns nicht an der Züchtigung, sondern wir werden traurig durch sie. Aber doch gibt sie die friedsame Frucht der Gerechtigkeit.
[44:30] Er sagt es ja hier in dem Kontext von Vers 4: "Ihr habt noch nicht bis aufs Blut widerstanden im Kampf gegen die Sünde", und sagt dann: "Und habt das Trostwort vergessen, das zu euch als zu Söhnen spricht: Mein Sohn, achte nicht gering die Züchtigung des Herrn und verzage nicht, wenn du von ihm zurechtgewiesen wirst." Er sagt also mit anderen Worten: "Ihr seid im Kampf gegen die Sünde noch nicht ans Ziel gelangt und habt vergessen, dass Gott durch seine Züchtigungen euch helfen will, das Ziel zu erreichen." Denn wer durch die Züchtigung geübt ist, der hat am Ende die friedsame Frucht der Gerechtigkeit, von der es in Philipper 1 heißt, die am Ende unverklagbar, lauter und ohne Anstoß sind, sind erfüllt mit Früchten der Gerechtigkeit. Und in Hebräer 12 beginnt das Ganze ja mit dieser Aussage: "Lasst uns schauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens."
[45:26] Wir, die wir auch noch nicht bis aufs Blut widerstanden haben im Kampf gegen die Sünde, müssen hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande für nichts achtete. Können wir dann für die vor uns liegende Freude, einmal für alle Ewigkeiten bei Gott sein zu können, die Züchtigung Gottes ertragen, durch die er in uns wirkt, um uns darauf vorzubereiten.
[46:13] Das ist das, was Paulus in Galater Kapitel 5 mit der Frucht des Geistes bezeichnet. Vers 22: "Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung." Ich glaube, jeder von uns weiß, dass diese Dinge nicht dadurch kommen, dass man sie irgendwo kaufen kann, sondern dass gerade die Züchtigung Gottes, die Herausforderungen, die Schwierigkeiten, durch die Gott uns hindurchträgt, diese Dinge in uns wachsen lassen.
[46:52] Was Paulus hier sagt, ist, dass am Ende des Heiligungsprozesses Menschen stehen, die liebevoll sind, freudig sind, friedvoll, geduldig, freundlich, gütig, treu, sanft und selbstbeherrscht. Das ist das Ziel. Wollen wir dafür beten? Wollen wir dafür beten, dass in unserem Leben und im Leben der Geschwister, in unseren Gemeinden, dass diese Frucht des Geistes, diese Früchte der Gerechtigkeit, mehr und mehr heranreifen und zur Vollendung geraten?
[47:33] Zurück zum Philipperbrief. Philipper Kapitel 1 ab Vers 12. Paulus sagt: "Ich will aber, Brüder, dass ihr erkennt, wie das, was mit mir geschehen ist" – also mit anderen Worten, seine Gefangennahme und seine Überführung nach Rom, weil er sich auf den Kaiser berufen hat – "Ich will aber, Brüder, dass ihr erkennt, wie das, was mit mir geschehen ist, sich viel mehr zur Förderung des Evangeliums ausgewirkt hat." Man hätte ja denken können, dass durch seine Gefangennahme er jetzt von der Arbeit abgeschnitten ist, dass dem Evangelium ein Rückschlag zugefügt wurde, dass ein Rückschlag erlitten hat sozusagen. Paulus sagt: "Nein, ganz im Gegenteil. Mein Fall, so traurig ihn das ja auch selbst gemacht hat, hat zu einem Fortschritt geführt, denn das Wort 'Förderung' bedeutet eigentlich wörtlich 'Fortschritt des Evangeliums'." Wir haben gesehen Apostelgeschichte 28, Paulus kann das Evangelium in Rom predigen, wenn auch in seiner eigenen Wohnung. Vers 30, Apostelgeschichte 28: "Paulus aber blieb zwei Jahre in einer eigenen Mietwohnung und nahm alle auf, die zu ihm kamen. Und er verkündigte das Reich Gottes und lehrte von dem Herrn Jesus Christus mit aller Freimütigkeit und ungehindert."
[48:43] Gott hat tausend Wege, von denen wir nichts wissen. Philipper 1, Vers 13: Er zeigt jetzt, wie weit sich dieses Evangelium verbreitet hat. Wenn er als Wanderprediger, als freier Missionar dort angekommen wäre, hätte er sicherlich ein paar Menschen erreicht und sicherlich auch einige interessante Begegnungen gehabt, aber durch seinen jetzigen Fall als Gefangener ist die Wirkung noch viel größer. Er sagt in Vers 13: "Sodass in der ganzen kaiserlichen Kaserne und bei allen übrigen bekannt geworden ist, dass ich um des Christus willen gefesselt bin."
[49:19] Die Kaserne, das ist das Prätorium. Und damit kann im ersten Jahrhundert entweder die Gruppe der Prätorianer als Gruppe gemeint sein, die für die Sicherheit des Kaisers in Rom garantiert hat und auch politisch ein entscheidender Machtfaktor war. Nero selbst ist im Jahre 54 nach Christus unter anderem deswegen Kaiser geworden, weil die Prätorianer ihn da entscheidend unterstützt haben. Damit kann allerdings auch der Palast des Kaisers selbst gemeint sein, und das wäre dann der Domus Transitoria des Nero auf dem Palatin. Beides wäre denkbar. Vielleicht schließt das nicht mal aus, also, dass einmal der Kaiserpalast und auch die Prätorianer als Gruppe mitgedacht sind. Aber wir können, glaube ich, durch den weiteren Verlauf des Philipperbriefes deutlich sagen, was Paulus hier primär im Auge hatte, nämlich in Philipper 4 und dort Vers 22 heißt es ganz deutlich: "Es grüßen euch alle Heiligen, besonders die aus dem Haus des Kaisers." Und das macht deutlich, das Evangelium muss den Kaiserpalast selbst durchdrungen haben. Wenn Paulus hier sagt in Vers 13: "sodass in der ganzen kaiserlichen Kaserne", dann meint das ganze Prätorium, in dem Fall also der Kaiserpalast, der gesamte Kaiserpalast des Nero, weiß von dem Fall des Paulus und weiß, dass er wegen Jesus Christus dort gefangen in Rom sitzt.
[50:56] Mehr dazu kann man auch in dem Buch "Gute Nachricht für alle", Kapitel 44, nachlesen. Das Evangelium erreicht hier durch die Gefangennahme des Paulus die allerhöchsten Schichten der Weltpolitik, den Kaiser und seine Bediensteten.
[51:24] Wir denken manchmal, dass wenn den Missionaren, den Verkündigern, den Gläubigen Missgeschicke passieren, dass dies einen Rückschritt bedeutet. Aber Gott sieht die Dinge anders. Selbst Paulus war einen Moment entmutigt, als er in Ketten auf Rom zugelaufen ist. Er hatte keine Ahnung, dass Gott genau seine Ketten benutzen würde, um das Evangelium bis zum Imperator zu bringen. Und das sogar im Haus des Kaisers Nero, in seinem Palast, dort wo niemand glauben würde, dass jemand erstmal Christ wird, geschweige denn Christ bleibt.
[52:06] Die Geschichten über das Leben am Palast des Nero sind zu schlimm und zu gottlos, als dass man sie in einem solchen Video überhaupt erwähnen könnte. Aber dort gab es Menschen, die, als sie von Paulus gehört haben und dann beobachtet haben, wie Paulus über Wochen und Monate und zwei Jahre lang sich verhielt, sie die Kraft des Evangeliums begriffen haben und nicht nur im Haus des Nero Christen wurden, sondern auch Christen blieben. Die Kraft des Evangeliums.
[52:52] Und wenn Gott Menschen, die für Nero arbeiten und von Gottlosigkeit und Sünde umgeben sind, wenn er ihnen Glauben schenken kann und sie im Glauben bewahren kann, dann kann er in uns allen das Werk tun, was er tun möchte. Bis auf den Tag Jesu Christi wird er das vollenden können.
[53:14] Vers 14. Paulus berichtet noch mehr. Er sagt: "Und dass die meisten der Brüder" – das Wort "meisten" ist wörtlich "die Mehrheit" – "die Mehrheit der Brüder im Herrn durch meine Fesseln ermutigt ist, desto kühner wagen sie das Wort zu reden ohne Furcht." Es gab ja schon vor der Ankunft des Paulus eine Gemeinde in Rom. In Römer 1 wird das mehrfach angesprochen. Paulus wollte sie unbedingt besuchen. Und jetzt kommt Paulus aber als Gefangener. Es gibt große Aufmerksamkeit um seinen Fall, aber das hemmt die Gemeinde nicht. Ganz im Gegenteil.
[53:50] Vers 15: "Einige verkündigen zwar Christus auch aus Neid und Streitsucht, andere aber aus guter Gesinnung." Es gibt offensichtlich hier christliche Brüder, die aus falschen Motiven und mit schlechten Absichten Jesus verkündigen. Ich habe lange Zeit irgendwie mir Gedanken gemacht, was das eigentlich hier genau bedeutet und war mir nicht ganz sicher, was Paulus hier konkret meint. Schauen wir uns auf jeden Fall erst einmal an, was wir durch Parallelstellen erkennen können. 1. Thessalonicher Kapitel 2 und dort Vers 3 und 4. Dort heißt es: "Denn unsere Verkündigung entspringt nicht aus Irrtum noch aus unlauteren Absichten, noch geschieht sie in listigem Betrug, sondern so wie wir von Gott tauglich befunden wurden, mit dem Evangelium betraut zu werden, so reden wir auch nicht als solche, die den Menschen gefallen wollen, sondern Gott, der unsere Herzen prüft."
[54:46] Paulus macht also ganz deutlich, dass er selbst und seine Mitarbeiter nicht aus listigem Betrug, nicht mit bösen Absichten, nicht weil sie Menschen gefallen wollen, predigen. Aber offensichtlich gab es solche Fälle. Er spricht davon, dass einige der Geschwister in Rom aus Neid und Streitsucht predigen. Und das ist interessant, weil er in seinem Brief an die Römer genau sie davor gewarnt hatte. In Römer 13, Vers 13: "Lasst uns anständig wandeln, wie am Tag, nicht in Schlemmereien und Trinkgelagen, nicht in Unzucht und Ausschweifung. Und jetzt Achtung: nicht in Streit und Neid." Er hatte sie davor gewarnt. Doch gab es einige, die diese Warnung in den Wind geschlagen haben und jetzt, wo er da war, in Streit und Neid unterwegs waren.
[55:34] Wenn so etwas vorkommt, ist es ein klarer Beweis, dass diese Geschwister fleischlich sind. 1. Korinther 3, Vers 3: "Denn ihr seid noch fleischlich. Solange nämlich Eifersucht und Streit und Zwietracht unter euch sind, seid ihr da nicht fleischlich und wandelt nach Menschenweise?" Es gab also dort Christen in Rom, die zwar Christus verkündigt haben, aber auf eine sehr menschliche und sehr fleischliche Art und Weise. Übrigens auch, wenn man Galater 5 liest, die Werke des Fleisches, da kommen diese Begriffe auch vor: Streit und Neid. Und Römer 1, Vers 29 macht das auch ganz deutlich. 1. Timotheus 6, Vers 3 und 4 zeigt uns, dass wo immer falsche Lehrer gearbeitet haben, auch Neid und Streit eine Frucht sind. Aber nicht nur bei falschen Lehrern, auch in der Gemeinde konnte das durchaus vorkommen. 1. Korinther Kapitel 1 und dort Vers 11: "Mir ist nämlich, meine Brüder, durch die Leute der Chloe bekannt geworden, dass Streitigkeiten unter euch sind." Manchmal gab es solche Streitigkeiten auch wegen Debatten über unwichtige Fragen, die uns Titus Kapitel 3, Vers 9 deutlich macht.
[56:44] Interessant ist, dass die Erfahrung, die Paulus hier macht, ihn in gewisser Weise mit Jesus verbindet. Matthäus 27 und dort Vers 18 heißt es: "Denn er wusste" – also Pilatus – "denn er wusste, dass sie ihn" – also Jesus – "aus Neid ausgeliefert hatten." Es gab Verkündiger des Alten Testamentes, Menschen, die die Bibel predigten, Priester, Schriftgelehrte, Pharisäer, Sadduzäer, Verkündiger der Bibel, die Jesus aus Neid auslieferten. Interessante Parallele zu Paulus, der in Rom gefangen ist und sagt, es gibt hier einige Christen, die zwar die Bibel predigen, aber aus Neid und Streitsucht.
[57:34] Wenn wir versuchen, das Ganze uns praktisch vorzustellen, dann scheint es zumindestens aus meiner Perspektive so zu sein, dass es dort Christen gab, denen es nicht recht war, dass der fremde Paulus jetzt hier einfach in Rom aufgetaucht ist und solche Aufmerksamkeit auf sich zieht. Bisher war die Gemeinde ja ohne Paulus gut ausgekommen. Jetzt ist er da und ist aber ein brisanter politischer Fall bis zum Kaiser Nero, den alle fürchten. Ist von ihm jetzt bekannt geworden, warum er gefangen ist. Und so scheint es hier Christen gegeben zu haben, die zwar Christus gepredigt haben, aber gleichzeitig deutlich gemacht haben, dass sie nicht zu Paulus gehören und dass sie sozusagen eine andere Gruppierung sind, dass sie sich von Paulus distanzieren.
[58:33] In Philipper 1, Vers 15 heißt es: "andere aber aus guter Gesinnung." Da gab es also Christen in Rom, die mit Paulus zusammenarbeiteten und welche, die sich von ihm distanzierten, denen es nicht recht war, dass der, der bisher noch gar nicht Teil ihrer eigenen Ortsgemeinde gewesen ist, jetzt hier plötzlich eine solche Aufmerksamkeit bekommt und vielleicht auch eine Gefahr darstellt für die Sicherheit der Gemeinde. Wir können ja jetzt im Einzelnen nicht eruieren, was die Leute gedacht haben. Da gab es einige, die zwar Christus gepredigt haben, aber gleichzeitig sich von Paulus distanziert haben.
[59:15] Vers 16 und 17 sind übrigens in einigen Manuskripten manchmal vertauscht, aber das sollte keine Rolle spielen. "Diese verkündigen Christus aus Selbstsucht." Das Wort wird entweder "Streitsucht" oder "Selbstsucht" übersetzt. Das ist tatsächlich nicht ganz klar, was es genau bedeutet. "Nicht lauter", also nicht so, dass sie vorbereitet sind auf den Tag des Herrn, nicht wahr? Denn wir haben ja gesehen in Vers 10, er wünscht sich, dass die Philipper dann lauter und ohne Anstoß sein sollen. Aber er sagt, hier gibt es Christen, die sind nicht lauter, "indem sie beabsichtigen, meinen Fesseln noch Bedrängnis hinzuzufügen."
[59:57] Sie hatten kein Interesse an der Befreiung von Paulus und haben sich von Paulus offensichtlich distanziert. Aber Vers 17 sagt uns: "Jene aber aus Liebe" – damit könnte durchaus gemeint sein, dass sie eine Sympathie, eine brüderliche Liebe zu Paulus gehabt haben – "weil sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums bestimmt bin." Es gab also Christen, die, obwohl sie Paulus noch nie gesehen hatten, wie wir aus Römer 1 wissen, dennoch ihn gern gehabt haben und ihn nicht als einen unwillkommenen Eindringling gesehen haben, der jetzt mit seinem brisanten Fall die Gemeinde möglicherweise in ein ungutes Licht bringt, sondern die erkannt haben, dass dieser Gefangene von Gott nach Rom geführt worden ist, weil Paulus als Gefangener dort für das Evangelium einstehen soll. Und entsprechend haben sie auch Christus verkündigt und deutlich gemacht, dass sie mit diesem Paulus in Verbindung stehen und mit ihm zu einer Gruppe gehören.
[1:00:51] Vers 18: "Was tut es? Jedenfalls wird auf alle Weise, sei es zum Vorwand oder in Wahrheit, Christus verkündigt, und darüber freue ich mich. Ja, ich werde mich auch weiterhin freuen." Ungeachtet der Motive, sagt Paulus, wird Christus ja bekannt gemacht. Vielleicht haben einige der Verkündiger, die Paulus nicht gut gesonnen gewesen sind, ihre Streitsucht als einen Eifer und eine Kompromisslosigkeit getarnt. Deswegen spricht er hier von einem Vorwand. Wie auch immer im Einzelnen. Was wir auf jeden Fall lernen können, ist: Paulus wusste zwar von den persönlichen Rachemotiven oder unguten Motiven, vielleicht Rache nicht unbedingt, aber unguten Motiven einiger, hat sich trotzdem gefreut, dass sie missionarisch aktiv gewesen sind.
[1:01:50] Das große Motto vom Philipperbrief ist Philipper 4, Vers 4: "Freut euch im Herrn allezeit! Abermals sage ich: Freut euch!" Und Paulus sagt das nicht einfach nur als Floskel her. Er sagt tatsächlich: "Ich freue mich, wenn Christus verkündigt wird. Auch wenn einige sich von mir als Person distanzieren."
[1:02:10] Hast du das schon erlebt, dass Leute mit Eifer das Evangelium predigen, aber dich als Person ausbooten wollen in der Gemeinde, im Hauskreis, im Missionswerk, in einer größeren Institution oder einer größeren kirchlichen Organisationseinheit? Dass Menschen dich ausbooten wollen, sich von dir distanzieren und sagen: "Mit dem habe ich nichts zu tun." Aber gleichzeitig wichtige und gute und richtige Wahrheiten verkündigen. Wie oft haben wir einen Groll auf solche Menschen? Paulus sagte: "Ich freue mich, dass trotzdem Christus gepredigt wird. Ich freue mich, dass die Wahrheiten trotzdem an den Mann kommen, auch wenn diese Menschen sich nicht brüderlich mir persönlich gegenüber verhalten."
[1:03:00] Ich glaube, da müssen wir alle lernen, oder? Paulus entschuldigt nicht ihre Sünde, aber Paulus hält sein eigenes Ich für nicht so hoch und wichtig, dass er wegen der persönlichen Kränkung lieber ist er bereit, dass einige sich von ihm distanzieren. Hauptsache Christus wird gepredigt. Paulus hat das nicht gewollt, aber wenn er jetzt angefangen hätte in seinen Predigten, in seinen Seminaren, die er in seinem eigenen Mietshaus gegeben hat, diese persönlichen Konflikte zum großen Thema zu machen, dann wäre die Spaltung umso größer geworden. Er sagt: "Was tut es? Jedenfalls wird auf alle Weise, sei es zum Vorwand oder in Wahrheit, Christus verkündigt. Und darüber freue ich mich, ja, ich werde mich auch weiterhin freuen."
[1:04:13] Lieber Freund, liebe Freundin, worauf schauen wir? Schauen wir auf die Resultate im Werk Gottes oder schauen wir auf die Motive einzelner? Machen wir persönliche Kränkungen, die wir erlebt haben, die auch ungerecht gewesen sein mögen, machen wir die zum Zentrum oder freuen wir uns, wenn Gottes Werk vorangeht, auch wenn jemand mich dabei mal ausgebootet hat? Und das möchte ich mir persönlich ins Herz schreiben lassen von Gott, dass das, was Philipper 4, Vers 4 sagt, auch in solchen Situationen gilt: "Freut euch allezeit!"
[1:04:51] Möchtest du heute Gott dankbar sein, dass er schon so viel in deinem Leben und dem Leben deiner Geschwister getan hat und dass er bereit ist, noch viel mehr zu tun? So viel, dass am Tag des Christus wir alle durch seine Kraft, durch seine Gnade lauter und ohne Anstoß sein können, dass das Werk vollendet sein wird. Wollen wir ihn dafür heute bitten, dass er das in uns tut, dass seine Liebe in uns immer mehr überströmt? Lass uns gemeinsam beten.
[1:05:25] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass du zu uns gesprochen hast durch dein Wort. Wir möchten dich bitten, dass diese Worte ganz tief in unser Herz hineindringen und dass sie dort bleiben und Früchte der Gerechtigkeit hervorbringen. Herr, wir möchten dir Dank sagen für das, was du in unserem Leben schon getan hast und dass du uns auch durch Schwierigkeiten durchträgst, weil du uns erfüllen willst mit Früchten der Gerechtigkeit. Wir möchten dir vertrauen, neu vertrauen, dass du das Werk, das du in uns angefangen hast, auch vollenden wirst bis auf den Tag Jesu Christi. Wir bitten, dass wir den Blick auf dein Wirken richten, nicht auf das, was uns Menschen antun, sondern auf das, was du getan hast. Du hast tausend Wege, von denen wir nichts wissen, und auch in Enttäuschung enttäuschst du uns nie. Hab Dank dafür im Namen Jesu. Amen.
[1:06:30] Nächste Woche wollen wir uns dann mit den nächsten Versen beschäftigen, Vers 19 bis 30. Bis dann wünsche euch Gottes reichen Segen und viel Freude im Studium seiner wunderbaren Botschaft. Gott mit euch. Amen.