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Manuskript zur Sendung   >>>   CSH_Manuskript_2024 3rd Nr 10   <<<

In dieser Ausgabe der CSH Spezial-Serie taucht Christopher Kramp tief in Markus 12:1-13:13 ein. Er beleuchtet zunächst das Gleichnis von den bösen Weingärtnern, das die Verwerfung Jesu durch die jüdischen Führer prophetisch vorwegnimmt. Anschließend analysiert er Jesu weise Antworten auf provokante Fragen der Pharisäer, Herodianer und Sadduzäer, darunter die berühmte Lehre über die Trennung von Kirche und Staat und die Auferstehung der Toten. Entdecken Sie, wie Jesus die Heuchelei entlarvt und tiefgreifende geistliche Wahrheiten offenbart.


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Serie: CSH 2024 Q3 Spezial – Das Markusevangelium

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Transkript

[0:35] Hallo und herzlich willkommen zur Christ Study Hour hier auf www.joelmedia.de! Ein herzliches Willkommen gilt wie immer allen Zuschauern auf dem Sender "Das Wort". Wir sind mittendrin in unserer CSH Spezial-Serie zum Markusevangelium, und vorbereitend auf das Bibelgespräch am 7. September wollen wir uns heute mit weiteren Geschichten und Begebenheiten im Leben und Wirken von Jesus Christus beschäftigen. Unser Ziel ist es ja hier, das gesamte Markusevangelium in ungefähr gleich großen Teilen durchzustudieren, um einen Hintergrund zu bekommen und das Evangelium aus der Perspektive von Markus wirklich umfassend besser verstehen zu können. Damit wir auch in den Lektionsgesprächen uns dann mit dem, was wir studiert haben, entsprechend einbringen können und überhaupt auch ein Gefühl dafür zu bekommen, wie das Markusevangelium aufgebaut ist, was ihm wichtig ist, was so seine speziellen Eigenheiten sind und was wir ganz besonders für unser Leben auch mit Jesus aus diesem Buch mitnehmen dürfen, wie es unser Leben verändert. Jesus ist unser Erlöser, ist unser Freund, er ist für uns da, und wir sind dankbar für jede Geschichte, die uns zeigt, wie Jesus gedacht hat, wie er gesprochen hat, wie er gehandelt hat. Und damit wir auch heute aus diesen Geschichten, aus den Dingen, die er, den Gleichnissen, den Dingen, die er weitergegeben hat, dass wir auch heute davon profitieren können. Damit wir davon profitieren können, möchten wir Gott einladen, uns jetzt ganz besonders in diesem Bibelstudium zu segnen, und ich lade dich, lieber Freund, liebe Freundin, ein, dass wir gemeinsam mit einem Gebet starten.

[2:18] Lieber Vater im Himmel, danke, dass du zu uns sprichst. Danke, dass du für uns da bist, dass wir, egal ob wir uns gerade stark oder schwach fühlen, egal was in unserem Leben gerade passiert ist: Wir können zu dir kommen, und du bist immer für uns da. Du bist der beste Freund, den man haben kann. Wir möchten dich bitten, dass dein Wort jetzt seine Kraft entfaltet, dass wir Freude dabei haben dürfen, wenn wir es studieren, wenn wir uns mit dem Leben von Jesus beschäftigen. Gib, dass durch das Anschauen wir gerettet und verwandelt werden, dass wir unseren Blick auf Jesus richten und dadurch die geistliche Stärke bekommen, die wir brauchen für die Herausforderungen des Alltags. Das bitten wir alles und bitten dich, dass du unser Lehrer bist nach deiner Verheißung. Im Namen Jesu. Amen.

[3:09] Wir beginnen heute mit Markus Kapitel 12, Vers 1. Wir werden das 12. Kapitel studieren und dann noch die ersten Verse des 13. Kapitels dazunehmen.

[3:28] In Markus Kapitel 12 ab Vers 1 finden wir ein Gleichnis: das Gleichnis von den Weingärtnern. Wir haben das letzte Mal aufgehört in Markus Kapitel 11, Vers 33 mit der Tatsache, dass Jesus auf die Frage der Obersten nach seiner Autorität keine direkte Antwort gegeben hat, weil sie eine klare Stellungnahme zu Johannes dem Täufer verweigert haben. Jesus hatte ihnen keine spezielle Antwort auf ihre Frage gegeben, aber natürlich möchte er sie zurückholen zur Gerechtigkeit, zurückholen zu Gott. Er lässt sie nicht ohne lebensrettende Wahrheit gehen. Deswegen erzählt Jesus im Anschluss an dieses Gespräch drei Gleichnisse: das Gleichnis von den zwei Söhnen, das Gleichnis von den Weingärtnern und das Gleichnis von dem Hochzeitskleid. Alle drei Gleichnisse, die wir in Matthäus finden (Matthäus 21, Vers 28 bis 22, Vers 14), machen bei steigernder Intensität immer den gleichen grundsätzlichen Punkt, nämlich, dass Gottes Volk versprochen hat, ihm treu zu sein, aber die Segnungen missbraucht und die Versprechen gebrochen hat, und dass Israel seinen Status als Volk Gottes verlieren wird, weil es Heiden gibt, die diese Aufgabe mit größerer Treue ausführen werden. Das ist so der rote Faden, der durch alle drei Gleichnisse geht, die mit wachsender Intensität diesen Punkt dann verdeutlichen.

[5:18] Von diesen drei Gleichnissen hat Markus nur das zweite, nur eines von diesen drei, nämlich das zweite Gleichnis von den Weingärtnern. Und auch Lukas hat dann später in Lukas 20, Vers 9 bis 19 nur dieses zweite Gleichnis, aber es steht sozusagen auch hier exemplarisch für diesen Punkt, der in Matthäus mit allen drei Gleichnissen ausgeführt wird.

[5:41] Wir beginnen in Markus 12 und dort Vers 1: "Und er fing an, in Gleichnissen zu ihnen zu reden." Und hier sehen wir schon am Anfang in dieser Formulierung zeigt Markus, dass es mehr als dieses eine Gleichnis gegeben hat, weil dann nach diesem Gleichnis bei Markus andere Dinge kommen, da kommen dann keine Gleichnisse mehr. Aber er deutet damit an, dass das, was er hier wiedergibt, exemplarisch für mehrere Gleichnisse ist, die uns ja dann Matthäus zeigt. "Und er fing an, in Gleichnissen zu ihnen zu reden." Verzeihung. "Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und zog einen Zaun darum und grub eine Kelter und baute einen Wachturm und verpachtete ihn an Weingärtner und reiste außer Landes."

[6:28] Dieses Gleichnis nimmt absolut unmissverständlich Bezug auf Jesaja Kapitel 5 ab Vers 1. In diesem berühmten Lied des Propheten Jesaja geht es auch um den Weinberg, und dort ist der Weinberg ganz klar – das wird dann auch ausgelegt in den folgenden Versen und erklärt – das ist das Symbol für das Volk Gottes. Die Obersten wussten also von Anfang an, was Jesus mit diesem Gleichnis wohl meinen wird, denn er bezieht sich auf etwas, was sie gut kannten und wo sie die Symbolik auch verstehen konnten.

[7:05] Vers 2 heißt es: "Und er sandte zur bestimmten Zeit einen Knecht zu den Weingärtnern, damit er von den Weingärtnern seinen Anteil von der Frucht des Weinberges empfange." Bei Matthäus heißt diese bestimmte Zeit die Zeit der Früchte, also die Zeit der Ernte.

[7:23] Wir lesen weiter. Vers 3: "Die aber ergriffen ihn, schlugen ihn und schickten ihn mit leeren Händen fort. Und wiederum sandte er einen anderen Knecht zu ihnen, und den steinigten sie, schlugen ihn auf den Kopf und schickten ihn entehrt fort. Und er sandte wiederum einen anderen, den töteten sie. Und noch viele andere: die einen schlugen sie, die anderen töteten sie."

[7:46] Markus bringt hier ganz besonders diesen Aspekt der Steigerung der Gewalt hervor. Der erste wird geschlagen, weggeschickt. Der zweite wird dann schon gesteinigt, auf den Kopf geschlagen, aber noch nicht getötet. Und der dritte wird dann getötet. So eine Steigerung der Gewalt, die hier deutlicher noch hervorgehoben wird, als das in Matthäus 21, Vers 35 und 36 der Fall ist.

[8:10] Vers 6: "Nun hatte er noch einen einzigen Sohn, seinen geliebten." Und dieser Zusatz "seinen geliebten" ist neu bei Markus, möglicherweise ein direkter Bezug auch zu 1. Mose 22 und dort Vers 12, wo Gott zu Abraham spricht und sagt: "Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, Isaak." Dort in 1. Mose 22 haben wir auch eine ganz deutliche Typologie auf Jesus Christus.

[8:42] "Den sandte er zuletzt auch zu ihnen und sprach: 'Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen.'"

[8:47] Dieses Gleichnis erzählt eine sehr gut nachvollziehbare Geschichte: Der Weinberg ist, wie gesagt, das Volk Gottes. Gott selbst hat diesen Weinberg gepflanzt. Er hat ihn Weingärtnern übergeben, die auf ihn aufpassen sollten – Symbol für die Obersten des Volkes, die dafür Sorge tragen sollten, dass das Volk Gottes auch so lebt, wie Gott es sich wünscht. Die Knechte, die er dann sendet, um die Frucht in Empfang zu nehmen, sind die Propheten, deren Botschaft durch all die Jahrhunderte immer die gewesen ist, dass das Volk zu Gott zurückkehren soll, dass es Früchte bringen soll, die der Buße würdig sind, wie es noch der letzte große Prophet vor Jesus, Johannes der Täufer, deutlich gemacht hat. Die Propheten haben immer wieder zur Umkehr, zur Buße, zur echten Reue aufgerufen. Sie haben die Menschen eingeladen und aufgefordert, den Geist Gottes in ihrem Leben wirken zu lassen, sodass die Frucht des Geistes auch entsteht. Und diese Propheten sind zu allen Zeiten immer wieder attackiert, verlacht, ausgelacht, verhöhnt, verfolgt und in nicht seltenen Fällen auch getötet worden.

[9:55] In diesem Gleichnis wird also wie in einem kurzen Abriss die Geschichte des Alten Testamentes zusammengefasst. Und dann sendet Gott seinen Sohn, und das ist genau das, was jetzt im Neuen Testament in den Evangelien passiert ist. Gott hat seinen Sohn gesandt. Wie werden sie mit ihm umgehen?

[10:15] In Vers 7 heißt es: "Jene Weingärtner aber sprachen untereinander: 'Das ist der Erbe! Kommt, lasst uns ihn töten, so wird das Erbgut uns gehören!'"

[10:24] Dieser Vers ist sehr, sehr außergewöhnlich. Er macht nämlich deutlich, dass es unter den Obersten offensichtlich Personen gab, die Jesu wahre Position richtig eingeschätzt haben und in absichtsvoller Bosheit gegen ihn vorgegangen sind, die verstanden haben, wer er ist.

[10:48] Vers 8: "Und sie ergriffen ihn, töteten ihn." Matthäus fügt noch hinzu: "Sie stießen ihn zum Weinberg hinaus." "Töteten ihn und warfen ihn zum Weinberg hinaus", ist jetzt eine Ergänzung von Markus. Also nicht nur ist dieser Sohn aus dem Weinberg hinausgestoßen worden, sondern er ist dort auch hinausgeworfen worden. Sein Leichnam ist dort außerhalb des Weinbergs weggeworfen worden.

[11:16] Ganz interessant, dass Jesus ja auch außerhalb der Stadt Jerusalem dann gekreuzigt worden ist. Und wir erinnern uns auch an die Opferzeremonie der roten Kuh, deren Fleisch auch außerhalb des Lagers verbrannt werden sollte.

[11:38] Vers 9: Und das ist jetzt die Frage von Jesus an die Obersten: "Was wird nun der Herr des Weinbergs tun?" Matthäus finden wir dann, dass die Obersten selbst eine Antwort auf diese Frage geben, und Markus zeigt uns, dass Jesus diese Antwort auch mit eigenen Worten bestätigt hat, denn er sagt jetzt: "Er wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg anderen geben."

[12:07] "Habt ihr nicht auch dieses Schriftwort gelesen?" Übrigens macht dieser Vers 10 deutlich, dass der Status als Volk Gottes von Israel genommen werden wird und einem anderen Volk gegeben werden wird, das dann in Matthäus auch ganz deutlich so ausformuliert. Das bedeutet nicht, dass das Volk Israel plötzlich so verflucht ist, dass es jetzt irgendwie schlechter sei als andere Menschen. Darum geht es nicht. Es geht nicht darum, dass das Volk Israel jetzt einen geringeren Status hat als andere Völker. Alle Menschen sind vor Gott gleich, aber diese herausgehobene Aufgabe, Boten des Evangeliums zu sein, diese Aufgabe ist dem Volk Israel im Zuge der Verwerfung von Jesus genommen worden und wird diesem Volk Israel auch nie wieder gegeben werden. Deswegen spielt das ethnische Israel der heutigen Zeit auch in der biblischen Prophetie, namentlich auch in der Endzeit, keine Heilsrolle mehr.

[13:16] Vers 10: "Habt ihr nicht auch dieses Schriftwort gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist das geschehen, und es ist wunderbar in unseren Augen."

[13:31] Jesus zitiert Psalm 118, Vers 22 und 23. Und wer das letzte Mal dabei gewesen ist, weiß, dass dieser Psalm bereits eine Rolle bei seinem triumphalen Einzug nach Jerusalem gespielt hat. Denn in Psalm 118, Vers 22 heißt es tatsächlich: "Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist das geschehen, es ist wunderbar in unseren Augen." Und dann heißt es in Vers 24: "Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; wir wollen uns freuen und fröhlich sein in ihm." Und dann kommt Vers 25: "Ach Herr, hilf! Hosianna!" im Hebräischen, "Ach Herr, lass wohl gelingen! Gepriesen sei der, welcher kommt im Namen des Herrn!" Das sind genau die Worte, die die Leute gerufen hatten, als Jesus zwei Tage zuvor am Sonntag in Jerusalem einmarschiert oder eingeritten war auf dem Eselsfüllen.

[14:30] Jesus bezieht sich also auf diesen Psalm. Die Obersten waren ja dabei gewesen, sie hatten ja versucht, das Volk davon abzuhalten, genau diesen Psalm auf Jesus anzuwenden. Und Jesus macht ganz deutlich hier, dass er tatsächlich dieser Messias ist, der in Psalm 118 angekündigt wird, und versucht, den Obersten zu zeigen, dass Psalm 118 sogar darauf hinweist, dass der Messias von vielen verworfen sein würde, dass also gerade die Tatsache, dass sie ihn nicht anerkennen wollen als Messias, eine Erfüllung der messianischen Prophezeiung ist.

[15:07] Vers 12: "Da suchten sie ihn zu ergreifen, aber sie fürchteten das Volk; denn sie erkannten, dass er das Gleichnis gegen sie gesagt hatte. Und sie ließen ab von ihm und gingen davon."

[15:18] Die Obersten haben genau begriffen, dass Jesus von ihnen gesprochen hat. Und Matthäus 21 ergänzt noch in Vers 46, dass die Volksmenge Jesus für einen Propheten gehalten hat, und ähnlich wie schon bei Johannes dem Täufer, diese Popularität im Volk zunächst einmal diese Mordpläne zurückgehalten hat.

[15:40] Wir kommen jetzt zu drei interessanten Begebenheiten, die aufeinander folgen, in denen unterschiedliche Gruppierungen der Obersten (Pharisäer und dann Sadduzäer und so weiter) jeweils mit einer kontroversen Frage zu Jesus kommen und Jesus jedes Mal diese kontroverse Frage auf eine Art und Weise beantwortet, mit der die Fragesteller nicht gerechnet haben, und umfassende Einsichten in das Thema damit liefert.

[16:15] Die erste dieser Fragen ist die Frage nach der Steuer. Sie findet sich auch in Matthäus 22, Vers 15 bis 22 und auch in Lukas 20, Vers 20 bis 26. Markus hat das alles etwas kompakter formuliert, aber inhaltlich sind die Berichte im Wesentlichen gleich.

[16:33] Vers 13: "Und sie sandten etliche von den Pharisäern und Herodianern (das sind diejenigen, die dem herodianischen Königshaus anhingen) zu ihm, um ihn in der Rede zu fangen." Matthäus 22 ergänzt noch, dass sich die Pharisäer vorher diesbezüglich beratschlagt haben.

[16:52] Vers 14: "Diese kamen nun und sprachen zu ihm: 'Meister, wir wissen, dass du wahrhaftig bist und auf niemand Rücksicht nimmst; denn du siehst die Person der Menschen nicht an, sondern lehrst den Weg Gottes der Wahrheit gemäß.'" Dieser Zusatz hier ist neu bei Markus: "'sondern du lehrst den Weg Gottes der Wahrheit gemäß.' 'Ist es erlaubt, dem Kaiser die Steuer zu geben, oder nicht? Sollen wir sie geben oder nicht geben?'"

[17:21] Vers 15: Da er aber ihre Heuchelei erkannte, interessanterweise stellen sie sich vor Jesus und sagen: "Wir wissen, dass du wahrhaftig bist", während sie selbstwissentlich nicht wahrhaftig sind. Sie wollen ihn in einer kontroversen, politisch hochbrisanten und aufgeladenen Frage irgendwie ein Bein stellen. Sie wollen ihn fangen, sie wollen irgendetwas gegen ihn vorbringen können, entweder bei den Römern oder bei dem Volk.

[17:48] Vers 15: "Da er aber ihre Heuchelei erkannte, sprach er zu ihnen: 'Weshalb versucht ihr mich? Bringt mir einen Denar, damit ich ihn ansehe.'"

[18:01] Jesus stellt diese interessante Frage: "Warum versucht ihr mich? Was ist eure Motivation?" Er lässt sich dann diesen Denar bringen. Matthäus 22, Vers 19 zeigt, dass das die Steuermünze ist, mit der die Steuern bezahlt werden mussten.

[18:20] Wir lesen weiter. In Vers 16: "Da brachten sie einen. Und er sprach zu ihnen: 'Wessen ist dieses Bild und die Aufschrift?' Sie sprachen zu ihm: 'Des Kaisers.'"

[18:29] Nun, die Aufschrift zeigt den Anspruch an. Die Münze ist durch die Autorität des Kaisers geprägt worden, und er hat deswegen auch das Recht, sie zurückzufordern.

[18:42] Vers 17: "Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: 'Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!' Und sie verwunderten sich über ihn."

[18:56] Das, was dem Kaiser gehört, lässt sich daran erkennen, dass das Bild des Kaisers dort abgebildet ist und die Aufschrift des Kaisers dort zu finden ist. Bei dem, was Gott gehört, ist es genauso. Das, was Gottes ist, da lässt sich ebenfalls das Bild Gottes sehen, denn wir Menschen sind nach 1. Mose 1, Vers 26 und 27 im Bild Gottes geschaffen. Und wenn wir uns ihm ganz hingeben, steht auch nach Offenbarung 14, Vers 1 sein Name auf unserer Stirn. Dann wird durch den Erlösungsplan das Bild Gottes wiederhergestellt und sein Name wird auf unsere Stirn geschrieben. Also symbolisch natürlich: Wir gehören dann zu Gott.

[19:46] Nun gibt es also Dinge in unserem Leben, die dem Staat gehören. Der Staat hat das Recht, Steuern zu fordern, und deswegen zahlen wir auch als echte, bibeltreue Christen Steuern, weil auch nicht nur Jesus, sondern auch Paulus in Römer 13 uns das nahelegt. Aber unser Leben, unser Herz, unsere Gedanken sollen ganz Gott gehören. Und wenn die Juden wirklich in den Jahrzehnten und Jahrhunderten zuvor wirklich Gott ganz treu gewesen wären, dann hätten sie dieses Leid der römischen Unterdrückung auch gar nicht so erlebt.

[20:33] "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!" Jesus anerkennt diese beiden Sphären: die Sphäre des Staates und die Sphäre des Geistlichen, die Sphäre des Reiches Gottes. Und beide Sphären sind getrennt. Solange wir in dieser Welt leben, haben wir auch mit beiden Sphären zu tun. Wir haben staatsbürgerliche Pflichten, und die müssen wir auch als Gläubige dem Staat gegenüber erfüllen, so macht das Römer 13 ganz deutlich. Aber das gilt nur, solange die Forderungen des Staates nicht dem offenbarten Willen Gottes entgegenstehen. Wenn, wie in Offenbarung 13, der Staat Dinge von uns fordert, die dem offenbarten "Es steht geschrieben" entgegenstehen, dann ist Gottes Gebot immer wichtiger als menschliche Verordnungen.

[21:34] Diese Trennung von Kirche und Staat ist ein wesentliches Prinzip, das wir hier von Jesus lernen können.

[21:45] Markus 12, Vers 18 bis 27: die zweite Frage. Diesmal sind es nicht die Pharisäer und die Herodianer, sondern die Sadduzäer, die in den Evangelien in der Regel nicht so sehr in Erscheinung treten. Erst später in der Apostelgeschichte sind sie vor allem diejenigen, die dann immer wieder die Jünger auch verfolgen.

[22:06] Die Sadduzäer waren sozusagen in Anführungsstrichen die "liberalen" Juden, im Gegensatz zu den in Anführungsstrichen "konservativen" Pharisäern. Die Pharisäer waren stolz darauf, alles exakt genauso zu machen, wie es in der Bibel steht, und durch gute Werke sich selbst etwas zu verdienen. Die Sadduzäer zweifelten dagegen bestimmte biblische Lehren an, insbesondere glaubten sie nicht, dass es wirklich eine Totenauferstehung gebe, und sie glaubten auch nicht an die Existenz von Engeln, wie uns Apostelgeschichte 23, Vers 8 zeigt. Und sie hielten auch nichts von der Idee, dass Gottes Geist tatsächlich im Menschen real wirkt und Gott sozusagen ganz konkret im Leben eingreift.

[22:50] Sie sind sehr stark von der griechischen Philosophie beeinflusst gewesen. Wir wissen aus der Apostelgeschichte Kapitel 17, Vers 32, wo Paulus in Athen gepredigt hat, dass gerade diese griechischen Philosophen es lächerlich fanden, dass Tote auferstehen. Und entsprechend können wir diesen Einfluss hier auch bei den Sadduzäern wiederfinden. Sie glaubten, dass Gott die Menschen sich weitgehend sich selbst überlassen habe und dass er, wie gesagt, nicht übernatürlich in das Leben eingreift. Und weil sie das Wirken des Heiligen Geistes verleugneten, wurde ihr Charakter entsprechend sehr egoistisch.

[23:28] Die Sadduzäer waren längst nicht so zahlreich wie die Pharisäer (von denen gab es viel mehr). Aber die Sadduzäer waren meistens sehr reich, gehörten sozusagen zur Oberschicht und waren daher aufgrund ihres Reichtums sehr einflussreich. Die meisten Priester gehörten zu den Sadduzäern, und deswegen stellten die Sadduzäer in der Regel auch den Hohenpriester, der allerdings wegen der hohen Popularität der Pharisäer seine skeptischen Ansichten der Bibel gegenüber nicht so offen darlegen konnte.

[24:03] Wenn wir Matthäus 22, Vers 23 noch dazunehmen, dann sehen wir ganz deutlich, dass dieses Gespräch am selben Tag noch stattfand.

[24:10] Vers 18: Es kamen Sadduzäer zu ihm, die sagen, es gebe keine Auferstehung. Das fügt hier Markus erklärend noch einmal an, weil ja viele seiner nichtjüdischen Leser das sonst nicht hätten wissen können und insbesondere, weil das Thema...

[24:26] können, und insbesondere weil das Thema der Auferstehung jetzt auch das Thema dieser Frage und der Antwort von Jesus ist. Und sie fragten ihn und sprachen, Vers 19: „Meister, Mose hat uns geschrieben: Wenn jemandes Bruder stirbt und eine Frau hinterlässt, aber keine Kinder, so soll sein Bruder dessen Frau nehmen und seinem Bruder Nachkommen erwecken.“ Damit beziehen sie sich auf 5. Mose 25, Vers 5 bis 10. „Nun waren da sieben Brüder, und der erste nahm eine Frau, und der starb und hinterließ keine Nachkommen. Dann nahm sie der zweite, und der starb, und auch er hinterließ keine Nachkommen, und der dritte ebenso. Und es nahmen sie alle sieben und hinterließen keine Nachkommen. Als letzte von allen starb auch die Frau. In der Auferstehung nun, wenn sie auferstehen“ – denken wir daran, sie glauben gar nicht an die Auferstehung – „wessen Frau wird sie sein? Denn alle sieben haben sie zur Frau gehabt.“

[25:18] Also dieser vorgebrachte Fall soll offensichtlich die Lehre von der Totenauferstehung ad absurdum führen und damit lächerlich machen. Sie wollen also zeigen, dass, wenn die Toten wirklich auferstehen würden, es zu solchen absurden Situationen kommen würde, und das kann ja sozusagen nicht sein. Dazu ist es wichtig zu wissen, dass die Sadduzäer dachten, dass, wenn es eine Auferstehung der Toten gäbe, würden die Menschen, die dann auferstanden sind, nach der Auferstehung das gleiche Leben auf dieselbe Art und Weise weiterleben, wie wir es hier auf dieser Erde, in dieser Welt auch erfahren. Das heißt konkret, zum Beispiel, glaubten sie, dass nach der Auferstehung auch eine Ehe durch Geschlechtsverkehr vollzogen werden würde. Und dadurch entsteht für sie natürlich dieses dann absurde Problem.

[26:15] Vers 24: „Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Irrt ihr nicht darum, weil ihr weder die Schriften kennt noch die Kraft Gottes?“ Jesus wirft ihnen nicht Heuchelei vor, wie er es bei den Pharisäern getan hat, sondern er wirft ihnen Irrtum vor. Die Sadduzäer kannten nicht die Kraft Gottes. Wir brauchen aber die Kraft Gottes, um das Evangelium richtig verstehen zu können, um die Bibel richtig verstehen zu können. Ohne die Kraft Gottes werden wir auch, wenn wir das Wort Gottes zwar lesen, aber zweifeln. Und was ist die Kraft Gottes? Die Kraft Gottes wird uns erklärt in Römer 1, Vers 16, dass das Evangelium ist. Wenn wir erleben, wie Gott in unserem Leben wirkt, werden wir auch die nötige Einsicht bekommen, die Bibel richtig auszulegen. Wenn wir aber diese Kraft Gottes in unserem Leben verleugnen und einfach alles nur rational erklären wollen und alles mit menschlichen Gedanken und Philosophien versuchen uns zurechtzulegen, dann werden wir die Bibel nie so verstehen, wie Gott sie eigentlich gemeint hat. Denn in der Bibel offenbart sich ja die Kraft Gottes, und wenn wir die nicht haben wollen, dann wird sie nicht gegen uns seinen Willen sozusagen uns überwältigen. Wir werden die Kraft Gottes im Wort Gottes nur erfahren, wenn wir auch für die Kraft Gottes offen sind.

[27:41] Das Problem war also nicht, dass sie Texte nicht kannten, sondern dass sie Gottes Kraft und sein Evangelium nicht in ihr Herz aufnehmen wollten und deswegen beim Bibellesen zu großen Irrtümern kamen. Und so ist es auch heute, gerade auch unter vielen Theologen, die vielleicht die Ursprachen der Bibel sehr gut kennen, die ein großes historisches Wissen haben, die sich gut auskennen mit den Manuskripten und all diese wissenschaftlichen Qualifikationen haben, und trotzdem selbst die einfachsten Grundwahrheiten des Evangeliums nicht verstehen, weil sie in ihrem Leben rein rational, rein menschlich an die Sache gehen und Gottes Kraft nicht erfahren. Deswegen ist jeder, der sich Gott ganz hingibt und die Kraft des Evangeliums für sich persönlich in Anspruch nimmt, ein besserer Bibelausleger als selbst der hochdotierteste Theologe, der nur mit menschlichen Mitteln und menschlichem Verstand die Bibel zu verstehen sucht.

[28:45] Vers 25: Jetzt beantwortet Jesus die Frage. Er sagt: „Denn wenn sie aus den Toten auferstehen, so heiraten sie nicht, noch werden sie verheiratet, sondern sie sind wie die Engel, die im Himmel sind.“ Nun, ich glaube, dass wir uns im Himmel wiedererkennen werden. Wir werden nicht einfach namenlose Nummern sein, sondern wir werden wissen, in welcher Beziehung wir zueinander hier schon auf der Erde gestanden haben. Eltern werden natürlich ihre Kinder wiedererhalten und Kinder ihre Eltern erkennen. Aber entscheidend ist hier, dass Jesus doch deutlich macht, dass es einen Unterschied geben wird. Das Leben im Himmel und dann auf der neuen Erde wird nicht einfach genauso exakt so weitergehen, wie es hier auf der Erde gewesen ist. Es wird zum Beispiel keinen ehelichen Geschlechtsverkehr mehr geben, sodass diese ganze Absurdität, die die Sadduzäer dieser Frage legen wollten, eigentlich gar nicht vorhanden ist.

[29:43] Vers 26 und 27: „Was aber die Toten anbelangt, dass sie auferstehen“ – wir sehen also, Jesus beantwortet nicht nur ihre Frage, sondern er geht viel mehr auf den zugrunde liegenden Irrtum ein. Er weiß ja, dass sie das nur fragen, weil sie gar nicht an die Totenauferstehung glauben. Und er hat ihnen ihre Frage beantwortet, aber geht jetzt noch einen Schritt weiter, um das eigentliche Problem an der Wurzel zu packen. „Habt ihr nicht gelesen im Buch Moses, bei der Stelle von dem Busch“ – also in 2. Mose ist das Kapitel 3 – „wie Mose zu ihm sprach: Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.“ Das ist 2. Mose 3, Vers 6. „Er ist nicht der Gott der Toten, sondern der Gott der Lebendigen. Darum irrt ihr sehr.“ Es ist also ein ganz schwerwiegender Irrtum.

[30:30] Und Jesus hat hier den Sadduzäern theologischen Irrtum vorgeworfen. Wir können also nicht einfach der Meinung sein, was wir glauben, ist egal, Hauptsache, wir sind gute Christen oder so, sondern theologische Wahrheit ist für Jesus entscheidend. Wenn wir die Kraft Gottes in Anspruch nehmen, wird er uns auch Stück für Stück in alle Wahrheit führen. Jesus zeigt ihnen schon aus dem Alten Testament hier, dass es eine Auferstehung der Toten geben muss. Gott identifiziert sich ja hier dem Mose gegenüber mit seiner Bundesbeziehung gegenüber Abraham, Isaak und Jakob, das heißt den Patriarchen aus 1. Mose. Diese Patriarchen hatten allerdings die Bundesverheißungen, die Gott ihnen gegeben hat, zu Lebzeiten gar nicht vollumfänglich erhalten.

[31:27] Wir wissen aus Hebräer Kapitel 11, da nimmt Paulus diesen Gedanken auf. In Hebräer Kapitel 11, ab Vers 13, da heißt es: „Diese alle“ – da geht es vor allem um Abraham und auch um Sara und Isaak und Jakob – „diese alle sind im Glauben gestorben, ohne das“ – sehr entscheidend – „ohne das Verheißene empfangen zu haben, sondern sie haben es nur von Ferne gesehen und waren davon überzeugt und haben es willkommen geheißen und bekannt, dass sie Gäste ohne Bürgerrecht und Fremdlinge sind auf Erden. Der die solches sagen, geben damit zu erkennen, dass sie ein Vaterland suchen.“ Und dann Vers 16: „Nun aber trachten sie nach einem besseren, nämlich einem himmlischen. Darum schämt sich Gott ihrer nicht, ihr Gott genannt zu werden, denn er hat ihnen eine Stadt bereitet.“

[32:13] Also, Gott, der Gedanke ist hier: Gott hat mit Abraham, mit Isaak und Jakob einen Bund geschlossen, und bis zu ihrem Tod hier auf der Erde haben Abraham, Isaak und Jakob gar nicht all das erhalten, was Gott ihnen versprochen hat. Und sie haben darauf gewartet, dass das noch kommen wird, dass er ihnen es noch geben wird. Und wenn das nicht der Fall wäre, wenn Abraham, Isaak und Jakob nicht auferstehen würden, dann hätte Gott sie angelogen, dann könnte man sich auf Gottes Verheißung nicht verlassen, und dann wäre alle Hoffnung auf Erlösung dahin. Das heißt, die Tatsache, dass Gott nach dem Tod von Abraham, Isaak und Jakob sich als der deren Gott ausgibt, wie es Paulus sagt, „er schämt sich nicht, ihr Gott genannt zu werden“, weil er ihnen etwas versprochen hat, weil er einen Bund mit ihnen gemacht hat, den er vollumfänglich erfüllen wird. Da wir wissen, dass diese Erfüllung noch nicht hier auf dieser Erde vollumfänglich geschehen ist, folgt daraus, dass sie später noch diese Erfüllung erfahren werden. Gott wird alles einhalten, was er versprochen hat, auch der Person Abraham, Isaak und Jakob gegenüber. Und das, da er das noch tun wird, müssen sie irgendwann wieder leben. Das heißt, sie müssen von den Toten auferstehen. Das ist der Gedanke letztlich hier hinter.

[33:35] Und für Gott ist es so, dass er in die Zukunft schaut. Für ihn ist die Zukunft, die Vergangenheit ganz real. Er ist nicht an die Zeit so gebunden, dass er nicht wüsste, was in der Zukunft geschieht oder was in der Vergangenheit gewesen wäre. Gott schaut in die Zukunft, und für ihn ist die Auferstehung der Patriarchen nicht eine Hoffnung, nicht etwas, was er sich wünscht, sondern weiß, dass es geschehen wird. Es ist ein Faktum für ihn, und deswegen kann er jetzt schon sich als der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs bezeichnen, obwohl die momentan gar nicht existieren, jedenfalls nicht auf dieser, jedenfalls nicht als lebende Wesen. Und weil er aber weiß, dass sie wieder existieren werden, bekennt er sich hier als der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.

[34:25] Lukas 20, Vers 39, das noch ganz interessant ergänzt, dass einige Schriftgelehrte zu dieser Antwort ihre Zustimmung gegeben haben. Wir können das kurz lesen. In Lukas 20, Vers 39, da antworteten etliche der Schriftgelehrten und sprachen: „Meister, du hast gut geantwortet.“ Und das bildet den Ausgangspunkt für die nächste Geschichte, die wir jetzt in Markus Kapitel 12, ab Vers 28 bis 34 haben. Es ist die dritte Frage, die gestellt wird. Sie wird auch in Matthäus berichtet, in Matthäus 22, Vers 34 bis 40, aber nicht mehr in Lukas, der nur die ersten beiden Fragen aufführt. Und hier ist Johannes Markus tatsächlich wieder einmal etwas ausführlicher als Matthäus. Es ist die Frage eines Schriftgelehrten nach dem größten Gebot.

[35:13] Wir lesen ab Vers 28: „Da trat einer der Schriftgelehrten herzu, der ihrem Wortwechsel zugehört hatte“ – also einer von denen, die jetzt dabeistanden, als Jesus mit den Sadduzäern gesprochen hat – „und weil er erkannte, dass er ihnen gut geantwortet hat“ – das ist das, was wir dann in Lukas gelesen haben – „er war einer von denen, die das sozusagen bekannt haben, das war eine gute Antwort. Dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das erste Gebot unter allen?“ Nun, mit „erstem“ ist ja natürlich nicht das erste im Sinne der Zeit, also nicht das Erste, was gegeben wurde, sondern das erste in Bezug auf den Rang. Das ist öfter in der Bibel, auch wenn es um Erstgeborenen geht, zum Beispiel in Kolosser 1, dann geht es nicht, Jesus ist nicht der Erstgeborene in Bezug auf die Zeit, sondern Erstgeborene in Bezug auf den Rang. Das ist eine Sache, die wir öfter in der Bibel finden.

[36:09] Vers 29 und 30: Jesus aber antwortete ihm: „Das erste Gebot“, also das wichtigste Gebot unter allen, ist – jetzt zitiert er 5. Mose 6, Vers 4 und 5, großartige Verse: „Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der HERR unser Gott, Verzeihung, der HERR unser Gott ist Herr allein. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft. Dies ist das erste Gebot.“ Das ist das berühmte Schema Israel, das Glaubensbekenntnis des alttestamentlichen Israel. Interessanterweise gibt uns nur Markus das volle Zitat. Matthäus hat dann eine gekürzte Fassung.

[36:55] Gottes größter Wunsch ist, dass wir ihn von ganzem Herzen so lieben, wie er uns liebt. Nur so, nur wenn wir das tun, werden wir auch dauerhaft mit ihm in Harmonie leben. Nur wenn er die Priorität in unserem Leben ist, wenn wir wirklich ihm gefallen wollen, dann werden wir dauerhaft mit ihm in Harmonie leben, und dann werden wir auch seine Gebote halten. Lieber Freund, liebe Freundin, weißt du, wie sehr Gott dich liebt? Weißt du, wie groß Liebe ist, wie in Jeremia 32, Vers 41 gesagt wird, dass er von ganzem Herzen, von ganzer Seele uns wiederherstellen möchte und wieder einpflanzen möchte und wieder zurückbringen möchte zu dem Ort, wo er uns segnen kann? Weißt du, wie sehr Gott dich und mich liebt? Wenn wir das immer mehr begreifen, werden wir immer mehr zurücklieben. Wir werden die Dinge tun, die er sagt, nicht weil wir Angst haben vor ihm, sondern weil wir ihm eine Freude machen möchten. Möchtest du Gott heute in deinem Leben eine Freude machen?

[38:05] Vers 31: „Und das zweite ist ihm vergleichbar, nämlich dies: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Das ist ein Zitat aus 3. Mose 19, Vers 18. Und dann sagt Jesus: „Größer als diese ist kein anderes Gebot.“ Auch das ein exklusiver Zusatz hier bei Markus. Matthäus dagegen hat noch diesen interessanten Gedanken, den wir auch hier nicht unerwähnt lassen wollen, dass Jesus gesagt hat, dass diese beiden Gebote, das gesamte Gesetz und die Propheten, sprich das gesamte Alte Testament, hängen. Jesus hat also das Alte Testament so verstanden, dass es von A bis Z auf diesen beiden Ideen aufbaut: dass wir Gott von ganzem Herzen lieben und unseren Nächsten wie uns selbst. Und ich glaube, es würde uns gut tun, wenn wir das Alte Testament und natürlich das Neue Testament, aber hier geht's auch insbesondere um das Alte Testament, unter diesem Gesichtspunkt lesen und verstehen, dass alles, was Gott sagt, diesen beiden großen Zielen dient: dass wir ihn von ganzem Herzen lieben, dass wir ihm nicht aus Angst gehorchen, sondern weil wir erkannt haben, dass man gar nicht besser regieren kann, als Gott regiert, weil er uns mit Segen überschüttet und immer das Beste für uns möchte. Und dass wir auch nicht auf uns selbst allein schauen oder nicht auf uns selbst schauen, sondern dass wir für andere da sind und damit das Wesen des Reiches Gottes illustrieren, dass wir für andere da sind, weil wir wissen, dass Gott sich vollständig um uns kümmert mit allem, was er hat und kann.

[39:47] Vers 32 und 33: „Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Recht so, Meister, es ist in Wahrheit so, wie du sagst, dass es nur einen Gott gibt und keinen anderen außer ihm. Und ihn zu lieben mit ganzem Herzen und mit ganzem Verständnis und mit ganzer Seele und mit aller Kraft und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer.“

[40:22] Nur Markus berichtet diese ausführliche Antwort des Schriftgelehrten, und in ihr spiegeln sich interessante Texte wider, zum Beispiel in Hosea 6, Vers 6, wo es heißt: „Denn an Liebe habe ich Wohlgefallen und nicht am Opfer, an der Gotteserkenntnis mehr als an Brandopfern.“ Oder in Micha 6, Vers 6 bis 8: „Womit soll ich vor den Herrn treten, mich beugen vor dem erhabenen Gott? Soll ich mit Brandopfern, mit einjährigen Kälbern vor ihn treten? Hat der Herr Wohlgefallen an Tausenden von Widdern oder unzähligen Strömen von Öl? Soll ich meinen Erstgeborenen geben für meine Übertretung, die Frucht meines Leibes für die Sünde meiner Seele? Es ist dir gesagt, oh Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: was anderes, als Recht zu tun, Liebe zu üben und demütig zu wandeln mit deinem Gott.“ Wir sehen, dass diese und ähnliche Verse hier im Hintergrund stehen bei dem, was dieser Schriftgelehrte sagt, wenn er sagt: „Das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer.“

[41:25] Und dann kommt Vers 34: „Und da Jesus sah, dass er verständig geantwortet hatte, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes.“ Und es getraute sich niemand mehr, ihn weiter zu fragen. Das ist ein interessanter Vers. Dieser Mann hat etwas Richtiges gesagt. Warum ist er nicht im Reich Gottes, wenn er die Wahrheit sagt? Vielleicht ist die Antwort ganz einfach: Das Reich Gottes besteht nicht darin, dies zu wissen und dies zu sagen, sondern zu tun. Aber jemand, der schon das Richtige weiß und das Richtige sagt, der den Erlösungsplan richtig erklärt, der ist nicht fern vom Reich Gottes. Aber im Reich Gottes ist erst der, der das auch tatsächlich in seinem Leben annimmt. Es ist nicht die Verkündigung der Wahrheit, die mich oder irgendjemand anderes, die dich rettet. Es ist das Erleben der rettenden Wahrheit, die Kraft Gottes.

[42:40] Auf die drei gestellten Fragen – die Frage von den Pharisäern und Herodianern, die Frage von den Sadduzäern, die Frage von diesem Schriftgelehrten, von dem wir aus dem Parallelbericht erkennen können, dass auch er ein Pharisäer gewesen war, in Matthäus 22, Vers 34 und 35 – auf diese drei gestellten Fragen reagiert Jesus nun seinerseits mit einer Frage, und zwar eine Frage, die von den Schriftgelehrten nicht beantwortet werden kann. Sie findet sich auch in Matthäus 22, Vers 41 bis 45. Das heißt, die Variante bei Johannes Markus jetzt von Vers 35 bis 37 ist kürzer, bringt aber, wie so oft, eigene Details.

[43:20] Vers 35: „Und Jesus begann und sprach, während er im Tempel lehrte: Wie können die Schriftgelehrten sagen, dass der Christus Davids Sohn ist?“ Jesus lehrt also weiterhin im Tempel. Und Matthäus 22, Vers 41, zeigt, dass die Frage an die Pharisäer gerichtet war. Dort wird auch das Gespräch zwischen Jesus und den Pharisäern wiedergegeben.

[43:47] Vers 36: „David selbst sprach doch im Heiligen Geist“ – und jetzt kommt ein Zitat aus Psalm 110, Vers 1 – „Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde hinlege als Schemel für deine Füße.“

[44:04] Vers 37: „David selbst nennt ihn also Herr. Wie kann er dann sein Sohn sein?“ Die große Volksmenge hörte ihm mit Freude zu. Jesus will mit dieser Frage die Aufmerksamkeit auf die Präexistenz des Messias lenken. Er möchte zeigen, dass im Alten Testament deutlich wird, dass der Sohn Davids schon vor David existiert hat, dass der Sohn Davids auch der Schöpfer Davids ist, dass er nicht nur Spross Davids, sondern auch Wurzel Davids ist, wie es in Offenbarung 22, Vers 16, ja deutlich wird.

[44:42] Nur Markus hat dieses Detail, dass die Volksmenge sich so sehr über die Lehre von Jesus freut. Interessanterweise wird auch in Matthäus erwähnt, dass sich dann niemand mehr traute, ihn zu fragen. Matthäus bringt diesen Gedanken dann nach diesem Gespräch mit den Pharisäern. Und möglicherweise gab es erst das Gespräch von Jesus mit den Pharisäern, wie es in Matthäus in dem Dialog dargestellt wird, und dann möglicherweise hat sich Jesus danach noch einmal an die Volksmenge gewandt und in der Form, wie es hier steht, denn hier haben wir keinen Dialog, hier predigt Jesus einfach, und er spricht nicht direkt die Schriftgelehrten an, sondern er fragt: „Wie können die Schriftgelehrten sagen, dass der Christus Davids Sohn ist?“ Das also den Inhalt des Gespräches oder seine Punkte, die er im Gespräch mit den Pharisäern vorgebracht hat, noch einmal der Volksmenge dann mit derselben Argumentation vorträgt.

[45:37] Auf jeden Fall ist es interessant, dass diese Passage jetzt zu einer Warnung überleitet. Diese Warnung richtet sich an das Volk. Jesus geht jetzt dazu über, kurz vor seiner Kreuzigung, nachdem er drei Jahre lang versucht hat, die Schriftgelehrten mit dem Evangelium zu sich zu gewinnen, und die es bis zum letzten Tag jetzt hier abgelehnt haben. Er geht jetzt dazu über, vor ihnen ganz klar, deutlich und öffentlich zu warnen.

[46:08] Wir lesen ab Vers 38 bis 40: „Und er sagte ihnen in seiner Lehre: Hütet euch vor den Schriftgelehrten, welche gern im Talar...“

[46:18] Schriftgelehrten, welche gern im Talar einhergehen und auf den Märkten sich grüßen lassen und die ersten Sitze in den Synagogen und die obersten Plätze bei den Mahlzeiten einnehmen wollen, welche die Häuser der Witwen fressen und zum Schein lange Gebete sprechen. Diese werden ein umso schwereres Gericht empfangen. Das ist also jetzt diese Warnung vor den Schriftgelehrten, die bei Matthäus sehr viel ausführlicher ist. Matthäus hat in Kapitel 23 eine ausführliche Predigt von Jesus dazu überliefert. Markus hat das alles sehr stark zusammengefasst auf wenige Sätze eingedampft sozusagen. Und Lukas 20, Vers 45 bis 47 übernimmt dann im Wesentlichen diese Markus-Fassung, ergänzt aber, dass diese Worte insbesondere an die Jünger gerichtet waren. In Lukas 20, Vers 45. Dieses Wort Talar, das ist eine der wenigen Dinge, die hier ein neues Detail sind bei Markus in Vers 38. Die gerne im Talar einhergehen, das ist also die `stolē`, das ist ein langes Gewand. Ansonsten entsprechen diese Verse Matthäus 23, Vers 7. Also Vers 38 entspricht Vers 7 in Matthäus. Vers 39 hier entspricht Matthäus 23, Vers 6 und Vers 40 entspricht Matthäus 23, Vers 14. Also Markus hat hier nur wenige Sätze herausgegriffen, exemplarisch. Die volle Rede, wie gesagt, bei Matthäus.

[47:47] Dafür bringt Markus jetzt etwas, was Matthäus gar nicht berichtet hat, was später dann auch von Lukas aufgegriffen wird, nämlich die Geschichte von der armen Witwe und ihrem Scherflein. Vers 41: „Und Jesus setzte sich dem Opferkasten gegenüber und schaute zu, wie die Leute Geld in den Opferkasten legten.“ Das war im sogenannten Vorhof der Frauen. Dort waren auch Frauen, konnten auch Frauen hingehen. Und viele Reiche legten viel ein. Das Wort Geld hier, das sind Bronze- oder Kupfermünzen, die dort gegeben worden sind. Vers 42: „Und es kam eine arme Witwe, die legte zwei Scherflein ein, das ist ein Groschen.“ Und wenn hier steht „es kam eine arme Witwe“, dann ist das im Griechischen nicht der unbestimmte Artikel, so eine, eine, eine Witwe, sondern es ist das Zahlwort „eine Witwe“. Der Kontrast ist also zwischen den vielen Reichen, die viel geben, den vielen Reichen, und der einen Witwe, die eine arme Witwe. Das Scherflein, das griechisch ein `Lepton`, das ist die damals kleinste Münze gewesen. Und wir erfahren dann, dass zwei `Lepta` – `Lepta` ist der Plural von `Lepton` – zwei `Lepta` ein, ein, wie es hier heißt, ein Groschen. Das ist ein, ein im Griechischen `Quadrans`, ein `Quadrans`. So hieß die Münze römisch. Und ein `Quadrans`, das kann man ungefähr ausrechnen, was das ist. Also wir wissen aus der Bibel, dass ein Denar zur Zeit von Jesus ungefähr als Tageslohn gerechnet werden konnte. Und wenn wir das einfach mal versuchen – das ist immer natürlich sozusagen mit Schwierigkeiten behaftet, weil natürlich die Kaufkraft damals anders war als heute – wenn wir einfach mal so ein Gefühl dafür bekommen wollen, was das ist, dann können wir ein Denar vielleicht als Tageslohn mit 80 € ansetzen. Das rechnet sich dann ganz gut. Kann ein bisschen mehr sein, aber wenn ein Denar ungefähr 80 € entspricht, dann ist ein `Quadrans` 1,25 €.

[49:55] Das heißt, wenn man das in unsere Zeit so ein bisschen übertragen möchte, könnte man etwa sagen, so diese Witwe hat ungefähr 1,25 € so in der Größenordnung für den Tempel gegeben. Und dann steht jetzt Folgendes in Vers 43: „Da rief er seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, diese arme Witwe“ – das ist im Griechischen noch sehr betont, die Witwe, sie, die arm ist – „hat mehr in den Opferkasten gelegt als alle, die eingelegt haben. Denn sie alle haben von ihrem Überfluss eingelegt, diese aber hat von ihrer Armut alles eingelegt, was sie hatte, ihren ganzen Lebensunterhalt.“ Das heißt, mit anderen Worten, diese Frau hatte nur etwas ungefähr über 1 € für unsere, also übertragen, zum Leben überhaupt, und sie hat alles davon gegeben. Und obwohl absolut gesehen diese 1 € vielleicht gar nicht so sehr ins Gewicht fallen, was dann die Gesamtmenge angeht, hat Gott ihr Motiv gesehen. Gott hat ihre Bereitschaft gesehen, alles zu geben für sein Werk. Das war nach menschlichem Ermessen, nach menschlicher Kalkulation, verschwindend gering, aber bei Gott war es etwas ganz Wertvolles. Bei Gott zählt nicht der absolute Wert, sondern die Hingabe. Gott sieht unsere Umstände und er weiß, ob wir einfach nur eine lästige Pflicht erfüllen, indem wir einfach ein bisschen ja abgeben, ob wir vielleicht einfach von unserem Überfluss geben und damit uns selbst rühmen wollen, oder ob wir echt alles, was wir sind und haben, in seine Hand geben.

[51:41] Interessanterweise wird hier auch deutlich, dass Jesus diese Lebensumstände der Frau ganz genau kannte. Vielleicht hat er sie nie getroffen, das wird uns ja nicht gesagt, aber möglicherweise hat er sie hier zum ersten Mal so in dieser Form gesehen. Aber er wusste ganz genau, wie ihr Leben gewesen ist. Er wusste ganz genau, womit sie zu kämpfen hatte. Er kannte die Schwierigkeiten ihres Lebens. Scheinbar hat diese Witwe ein unbedeutendes Leben gelebt. Ihr Name ist uns nicht einmal hier bekannt gemacht worden. Aber diese Witwe hat wie kaum jemand anders in den Evangelien das Wesen des Charakters Gottes widergespiegelt, auf eine Art und Weise, wie wir sie vor allem sonst bei Jesus finden. Denn Jesus hat alles gegeben, was er hatte, für uns. Das war natürlich mehr als 1,25 €, aber es war auch alles. Hier ist eine Frau, die zwar nur 1,25 € hat, aber sie gibt alles. Und deswegen werden noch 2000 Jahre später Predigten über diese Frau gehalten. Und deswegen wird sie einmal für alle Ewigkeit die Freude empfinden dürfen. In einer besonders dunklen Zeit, als das Volk Gottes dabei war, den Messias abzulehnen, hat sie durch ihr Beispiel gezeigt, dass Gottes Liebe nicht umsonst an den Menschen gewirkt hat, dass es Menschen gibt, die offen sind für die Liebe Gottes, die bereit sind, alles zu geben. Dass sie Jesus ermutigt hat und Freude bereitet hat. Dieses selbstlose Handeln der Witwe aus Liebe zu Gott steht in krassem Gegensatz zu der Heuchler-Religion der Obersten, die Jesus ja gerade so deutlich getadelt hat. Und deswegen ist es interessant, dass Markus diese Geschichte jetzt hier direkt auch nach dem Tadel über die Obersten anfügt und quasi zu zeigen: Es kommt eben nicht auf den Reichtum an, nicht auf das, was vor Augen ist, was menschlich berechnet werden kann. Es kommt auf die Herzenseinstellung an, und das kann allein Gott beurteilen. Das müssen wir Jesus überlassen. Wir dürfen lernen von dieser Witwe. Vielleicht haben wir nicht viel, und ganz egal, ob es wenig Geld ist oder wenig Intellekt, wenig soziale Fähigkeiten, wenig körperliche Kraft, was immer es ist, was wir wenig haben: Wir können trotzdem das Wenige, was wir haben, was vielleicht in menschlichen Augen keinen Unterschied macht, dieses Wenige können wir doch Gott ganz weihen. Und in Gottes Augen ist das dann mehr, als wenn ein ganz starker und ein ganz kluger und ein ganz Reicher etwas für das Werk Gottes gibt. Lieber Freund, liebe Freundin, vielleicht hast du nur ganz wenig. Wenn du das ganz Wenige, was du hast, Gott gibst, und wenn es nur fünf Brote und zwei Fische sind, kann Gott ein Wunder damit bewirken. Wenn es nur 1,25 € sind, die du in die Tempelkasse geben kannst, kann Gott etwas Großes daraus machen.

[54:51] Dass Dinge geschehen, von denen du niemals ahnen würdest, dass sie möglich sind. Diese Frau hat sicherlich nicht gedacht, dass im Laufe von zwei Jahrtausenden unvorstellbare Mengen an Geld für das Werk Gottes gegeben worden sind, weil Menschen sich ein Beispiel dieser Witwe genommen haben. Vielleicht ist das, was du tatsächlich tun kannst, sehr gering, aber das Motiv, wenn Gott es segnen kann, wird zu einem Samen, der große, große Resultate hervorbringen kann durch Gottes Kraft, weil seine Liebe es bewirkt. Lass uns ein Vorbild nehmen an dieser Frau: das Wenige, was wir haben, für Gottes Werk geben.

[55:45] Nun folgt in Markus eine der etwas, was bei Markus eigentlich sonst fast nie vorkommt, nämlich eine ausführliche, lange Predigt. Die einzige lange Predigt, die Markus so ausführlich darstellt. Es ist die berühmte Endzeitrede von Jesus. Markus 13 wird davon komplett eingenommen. Wir werden heute nur noch einige Verse am Anfang lesen, den Rest dann das nächste Mal weitermachen. Markus 13 entspricht im Wesentlichen inhaltlich dem, was in Matthäus 24 steht und auch Lukas 21, Vers 5 bis 36. Das heißt, die Endzeitgleichnisse, die in Matthäus 25 dann im Anschluss kommen, die sind bei Markus nicht aufgenommen worden. Vers 1: „Und als er aus dem Tempel ging, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Meister, sieh nur, was für Steine und was für Gebäude sind das!“ Gegenüber Matthäus 24, Vers 1 zeigt uns Markus, dass ja zwar natürlich alle Jünger begeistert sind vom Tempel, aber dass es gerade ein Jünger war, von dem wir den Namen nicht wissen, der Jesus direkt angesprochen hat. Und Markus gibt uns auch die tatsächlichen Worte. Wie immer dürfen wir hier Petrus als Kronzeugen für diese Details im Hintergrund annehmen. Vers 2: „Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Siehst du diese großen Gebäude? Es wird kein einziger Stein auf dem anderen bleiben, der nicht abgebrochen wird.“ Hier wird deutlich, dass Jesus auch in seiner Antwort auf diesen einen Jünger direkt eingeht, obwohl natürlich alle Jünger auch daneben stehen und das hören. Der Tempel in Jerusalem war seit dem aufwendigen Neubau, den Herodes der Große initiiert hatte und der zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht ganz abgeschlossen war, eines der absoluten Weltwunder sozusagen im römischen Reich des ersten Jahrhunderts, eines der beeindruckendsten Gebäude der ganzen römischen Welt. Josephus hat uns eine ausführliche Baubeschreibung hinterlassen. Jesus sagt, dass all diese menschliche Größe vergänglich ist, und die Prophezeiung hat sich buchstäblich erfüllt. Vom eigentlichen Tempel ist heute nichts mehr übrig geblieben.

[57:51] Wir lesen weiter in Vers 3: „Und als er am Ölberg saß, dem Tempel gegenüber“ – das ist ein Detail, das Markus hier neu hat gegenüber Matthäus. Fragten ihn Petrus und Jakobus und Johannes und Andreas für sich allein. Auch das ist sehr interessant. Auch das sagt uns jetzt Markus, das hat Matthäus nicht erwähnt, dass diese berühmte Endzeitrede nicht einmal allen zwölf Jüngern gegeben worden ist, sondern nur dem engsten Kreis, nämlich den vier Jüngern: Petrus, Jakobus, Johannes und Andreas. Wir sehen immer wieder in der Bibel, dass Endzeitprophetie etwas ist, was Gott denen anvertraut, die besonders nahe bei ihm sind. Daniel war ein Vielgeliebter. Später in der Offenbarung haben wir Johannes, den Jünger, den Jesus so sehr liebte, weil er näher als alle anderen sich an Jesus sozusagen festgehalten und näher als alle anderen zu Jesus kam und mehr als alle anderen von der Liebe Gottes aufgesogen hat. Je näher wir Gott sind, desto eher wird er uns mit Einsichten in die Endzeit beschenken. Das ist ein interessanter Gedanke.

[59:03] Wenn wir also als Adventvolk große Einsichten in die Endzeit haben, was sagt das über Gottes besondere Liebe zu seinem Endzeitvolk aus? Vers 4: „Sagt uns, wann wird dies geschehen, und was wird das Zeichen sein, wann dies alles vollendet werden soll?“ In Matthäus 24 wird noch deutlich herausgearbeitet, dass die Jünger die Zerstörung des Tempels gedanklich mit dem Ende der Welt und der Wiederkunft Jesu verbunden haben.

[59:41] Vers 5 kommt jetzt die Antwort von Jesus. „Jesus aber antwortete ihnen und begann zu reden: Habt acht, dass euch niemand verführt.“ Wie auch in Matthäus 24, Vers 4 beginnt seine Rede mit dem Aufruf zur Wachsamkeit. Wenn wir über die Endzeit nachdenken, sollte das allererste sein, dass wir uns vor Augen halten, dass Jesus selbst uns gewarnt hat, dass wir uns nicht verführen lassen. Vers 6: „Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin es, und werden viele verführen.“ Die Verführung wird einen scheinbar christlichen Charakter haben, und davor warnt Jesus ganz explizit. Und hier zeigt sich das natürlich auch bei Markus, diese Frage der Wiederkunft mitschwingt, weil Jesus sagt, es werden viele falsche Christusse kommen, die unter seinem Namen kommen werden.

[1:00:30] Vers 7: „Und wenn ihr aber von Kriegen und Kriegsgeschrei hören werdet, so schreckt nicht, denn es muss geschehen, aber es ist noch nicht das Ende. Denn ein Heidenvolk wird sich gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere. Und es wird hier und dort Erdbeben geben und Hungersnöte und Unruhen.“ Das ist neu bei Markus, dafür gibt es hier nicht die Seuchen, die bei Matthäus erwähnt werden. „Und Unruhen werden geschehen. Das sind die Anfänge der Wehen.“

[1:00:59] Vers 9: „Ihr aber habt acht auf euch selbst.“ Eine ganz besondere Betonung noch einmal, die hier bei Markus besonders hervorgehoben wird. „Denn sie werden euch den Gerichten und in den Synagogen ausliefern. Ihr werdet geschlagen werden und dann wird euch vor Fürsten und Könige stellen um meinetwillen, ihnen zum Zeugnis.“ Wenn man das jetzt vergleicht, dann weicht das ein bisschen mehr von Matthäus 24 ab als die Verse vorher. In Vers 9 ist sozusagen der Matthäus 24,9 ist der Parallelvers dazu. Markus beschreibt hier detailliertere Worte von Jesus über diese Verfolgung, wie das alles geschehen wird, dass man vor die Gerichte ausgeliefert wird, geschlagen wird und dann vor Fürsten und Könige gestellt wird. Erwähnt hier noch nicht, dass man getötet werden wird, was in Matthäus 24 erwähnt wird. Interessant ist an dieser Stelle, dass diese Worte eigentlich ziemlich genau eine Wiederholung dessen sind, was Jesus schon einmal lange zuvor bei der Aussendung der zwölf Jünger auf ihre Missionsreise in Matthäus 10 gesagt hat. Also wenn man das hier, diese Worte, vergleicht mit Matthäus 10, Vers 17 bis 18, dann sieht man hier eine klare Wiederholung. Und das zeigt, wie sehr für Jesus das Thema Endzeit mit dem Thema Mission verknüpft ist.

[1:02:15] In Vers 10 lesen wir: „Und allen Heidenvölkern muss zuvor das Evangelium verkündigt werden.“ Das entspricht natürlich Matthäus 24, Vers 14. Interessant ist, dass Markus die Notwendigkeit betont. Also Jesus hat gesagt, es muss zuvor das Evangelium verkündigt werden allen Heidenvölkern. In Matthäus wird dieser Punkt betont, dass es geschehen wird, nicht nur, dass es geschehen muss, sondern dass es tatsächlich geschehen wird. Das heißt in Matthäus 24: „Und dieses Evangelium vom Reich wird in der ganzen Welt verkündigt werden zum Zeugnis für alle Heidenvölker, und dann wird das Ende kommen.“ Wenn wir darüber nachdenken, dass in Vers 9 eigentlich Matthäus 10 im Hintergrund steht, dann ist es natürlich interessant, dass dieser Vers 10 hier auch in Matthäus 10, Vers 18 seinen Widerhall findet. Da geht es auch um die Heidenvölker. Und das Ganze wird noch stärker belegt dadurch, dass jetzt auch die nächsten Verse, Vers 11 bis 13, eine fast wörtliche Wiederholung auch aus Matthäus sind, aus Matthäus 10, Vers 19 bis 22. Das heißt hier: „Wenn sie euch aber wegführen und ausliefern werden, so sorgt nicht im Voraus, was ihr reden sollt und überlegt es nicht vorher, sondern was euch zu jener Stunde gegeben wird, das redet. Denn nicht ihr seid es, die reden, sondern der Heilige Geist. Es wird aber ein Bruder den anderen zum Tode ausliefern und der Vater das Kind, und Kinder werden sich gegen die Eltern erheben und werden sie töten helfen. Und ihr werdet von allen gehasst sein um meines Namens willen. Wer aber aushält bis an Ende, der wird gerettet werden.“ Das ist alles fast wörtlich so auch in Matthäus 10 bei der Aussendung der zwölf Apostel zu ihrer ersten Missionsreise. Und das heißt, man kann also im Grunde genommen Markus 13, Vers 9 bis 13, diesen ganzen Abschnitt gegen Matthäus 10 halten und wird finden, dass derselbe Gedankengang fast wörtlich wiederholt wird von Matthäus 10, Vers 17 bis 22. Das heißt, mit anderen Worten, als Jesus gefragt worden ist nach den Zeichen der Endzeit, hat er einige Zeichen gegeben und hat dann allerdings Teile seiner Missionspredigt wiederholt. Diese Predigt kannten ja die Jünger, sie waren ja damit ausgesandt worden. Damit wollte Jesus deutlich machen: Wenn es um die Endzeit geht, reicht es nicht aus, sich einfach nur zu informieren, was da alles so kommen soll, sondern es geht ja gerade darum, dass wir dann unter erschwerten Bedingungen das Evangelium predigen müssen, und zwar allen Stämmen, Völkern und Sprachen. Das ist genau das, was uns Offenbarung 14 dann zeigt, dass in der Endzeit das ewige Evangelium allen Nationen, Stämmen, Völkern und Sprachen gepredigt werden soll. Und deswegen dürfen wir das Thema Endzeit niemals losgelöst von dem Thema Mission und Evangeliumsverkündigung betrachten, denn Jesus hat diese beiden Dinge direkt miteinander verknüpft.

[1:05:20] Und damit kommen wir heute zu der Frage: Möchtest du bereit sein und dich von Gott ausbilden lassen, um in der Endzeit das Evangelium zur Ehre Gottes und zu seinem Ruhm zu verbreiten? Das nächste Mal werden wir uns den Rest dieser Endzeitrede anschauen in Markus 13, dann auch in Markus 14 die letzten Tage und Stunden von Jesus anfangen zu betrachten. Für heute wollen wir uns diese Frage stellen: Bin ich bereit, wenn es um das Thema Endzeit geht, den Aspekt der Mission ganz in den Vordergrund zu stellen und auch unter erschwerten Bedingungen für den Jesus zu wirken, der alles für mich gegeben hat? Bin ich bereit, das zu geben, was ich habe, und wenn es nur wenig ist, aus Liebe zu Jesus, aus Liebe zu seinem Wort, aus Liebe zu seiner wunderbaren Adventbotschaft? Ist das dein Wunsch? Dann lass uns gemeinsam noch zum Abschluss beten.

[1:06:16] Lieber Vater im Himmel, danke, dass du auch heute durch dein Wort zu uns gesprochen hast. Danke, dass dein Wort in unserem Herzen aufgeht. Danke, dass du mit deinem Wort uns verändern kannst. Und danke, dass wir in diesem wunderbaren Markus-Evangelium so viele schöne Schätze der Wahrheit finden. Herr, wir sind heute ganz besonders angesprochen worden auch durch das Leben dieser armen Witwe, die so wenig hatte und die trotzdem alles gegeben hat. Herr, wir haben mehr. Wir möchten dich bitten, dass du uns hilfst, dass wir verstehen, wie viel du für uns gegeben hast, dass wir bereit sind, was immer wir haben, dass wir es für deinen Dienst weihen. Das möchte ich tun, lieber Vater. Ich möchte dich bitten, dass du jedes Gebet, das jetzt aufrichtig genau das auch zum Ausdruck bringt, dass du unsere Herzen schaust und dieses Gebet annimmst, dass du das bisschen, was wir haben, in deine Hand nimmst und dass du es vermehrst, dass du es segnest, dass wir bereit sind, uns ganz dir zur Verfügung zu stellen. Herr, gib, dass wir nicht verführt werden. Lass uns aus deinem Wort leben und ganz fest bei dir bleiben. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen. Nächste Woche werden wir, wie gesagt, dann weiterstudieren und weitere interessante Wahrheiten im Markus-Evangelium entdecken. Bis dahin wünschen wir euch Gottes reichen Segen und viel Freude im Studium des Lebens und Wirkens von Jesus Christus. Amen.


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