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In dieser Folge der CSH Spezialserie über das Markusevangelium beleuchtet Christopher Kramp Markus 9,30-10,34. Er analysiert Jesu zweite Leidensankündigung und die Reaktion der Jünger, die sich stattdessen mit der Frage nach dem Größten unter ihnen beschäftigen. Der Vortrag betont die Wichtigkeit von Demut, aktivem Dienen und der richtigen Herzenseinstellung im Reich Gottes, und warnt vor Machtstreben und Selbsttäuschung.


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Serie: CSH 2024 Q3 Spezial – Das Markusevangelium

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Transkript

[0:34] Hallo und herzlich willkommen zur Christ Study Hour hier auf www.jolmedia.de. Herzliches Willkommen gilt wie immer auch allen Zuschauern auf dem Sender Das Wort.

[0:44] Wir sind mittendrin in unserer CSH Spezialserie über das Markusevangelium, das kürzeste Evangelium in der Bibel, aber eines, das eine ganze Reihe von ganz besonderen Nuancen, interessanten Details und Schwerpunkten uns zeigt. Ein Evangelium, in dem wir Jesus ganz besonders kennenlernen können. Und wir wollen uns auch heute wieder auf den gedanklichen Weg machen, weiter in diesem Evangelium studieren, um Jesus, unseren Erlöser, unseren König, unseren Schöpfer, unseren Freund, immer besser verstehen zu können.

[1:22] Wir wollen uns heute mit Markus 9, dem zweiten Teil dieses Kapitels, beschäftigen, ab Vers 30, und dann auch noch einen ganz großen Abschnitt aus dem zehnten Kapitel uns anschauen.

[1:38] Wir bereiten uns vor auf das Bibelgespräch am 24. August. Aber wie immer in dieser CSH Spezialserie betonen wir, dass wir uns hier nicht streng an dem Lektionsheft orientieren, sondern das gesamte Markusevangelium in ungefähr gleich großen Portionen, in gleich großen Stücken, studieren, damit wir ein gutes Fundament haben, einen guten Hintergrund und auch, um dann im Bibelgespräch die einzelnen Geschichten besser einordnen zu können und auch so die großen Entwicklungslinien, so den roten Faden, verfolgen können, der sich im Markusevangelium zeigt.

[2:14] Wir wollen, bevor wir beginnen, mit einem Gebet starten, und ich lade dich, lieber Freund, liebe Freundin, ein, mit mir gemeinsam am Anfang zu beten.

[2:25] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir danke sagen, dass du jetzt durch deinen Heiligen Geist in deinem Wort zu uns sprechen möchtest. Bitte gib, dass wir verstehen, was wir lesen. Sei du unser Lehrer, hilf uns die Wahrheit so zu erkennen, wie du sie gemeint hast, damit sie uns wirklich auch verändert und heiligt und dass wir dir folgen, wohin du uns auch führst. Herr, gib, dass wir die Worte und die Werke von Jesus besser verstehen und durch das Anschauen verwandelt werden. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen.

[3:05] Wir beginnen in Markus Kapitel 9 und dort Vers 30.

[3:09] Wir haben das letzte Mal aufgehört mit der Heilung des mondsüchtigen Knaben, wie er im Matthäusevangelium genannt wird.

[3:16] Und das nächste, was jetzt folgt, ist die zweite Ankündigung des Todes und des Leidens, die Jesus seinen Jüngern gegeben hat. Es sind diese drei Verse in Markus 9,30 bis 32.

[3:33] Diese zweite Leidensankündigung findet sich auch in Matthäus 17,22-23. Bei Markus ist sie ein klein wenig ausführlicher, und Lukas 9,33-45 bringt dann noch weitere Details, insbesondere auch zeigt dann Lukas, mit welchem Nachdruck Jesus diese Worte gesprochen hat.

[3:56] Vers 30: Und sie gingen von dort weg und zogen durch Galiläa, und er wollte nicht, dass es jemand erfuhr.

[4:07] Sie gehen also jetzt weg vom Ort der Verklärung, und es gibt diese geheime Reise durch Galiläa, bei der Jesus gar nicht auffallen möchte. Er meidet die großen Menschenmassen und er möchte mit seinen Jüngern alleine sein. Er hat ihnen etwas Wichtiges zu sagen.

[4:24] Und die Begründung kommt jetzt in Vers 31.

[4:29] Denn er lehrte seine Jünger und sprach zu ihnen: Der Sohn des Menschen wird in die Hände der Menschen ausgeliefert, und sie werden ihn töten, und nachdem er getötet worden ist, wird er am dritten Tag auferstehen.

[4:45] Der Grund, warum Jesus mit seinen Jüngern allein sein möchte, ist: Er möchte ihnen etwas ganz Wesentliches, etwas Entscheidendes vermitteln, und dazu müssen sie ungestört sein. Es ist eine wichtige, aber auch eine unangenehme Lehre, die sie verstehen sollen.

[4:59] Und wir lernen hier, dass es für die Weitergabe einer schwierigen, unangenehmen Lehre, einer Lehre, die vielleicht nicht gleich auf Begeisterung stößt, auch die richtige Atmosphäre braucht.

[5:12] Und das wollen wir auch für uns persönlich daraus mitnehmen, dass wir entscheidende, wichtige Wahrheiten nicht zwischen Tür und Angel einfach so weitergeben, sondern auch den richtigen Moment dafür nutzen.

[5:25] Jesus sagt erneut sein Leiden und sein Sterben voraus. Er sagt, dass er ausgeliefert werden wird, dass er sterben wird und dass er am dritten Tag aufersteht.

[5:38] Wir haben schon in Markus 8,31 die erste Ankündigung seines Leidens und Sterbens gesehen. Hier wird der Gedanke der Auslieferung neu betont.

[5:51] Jesus wiederholt also, was er gesagt hat, und erweitert es noch ein wenig. Und das ist dieses Prinzip, das wir auch in den prophetischen Büchern finden: Linie auf Linie, Satzung auf Satzung.

[6:01] Jesus hat nicht alles auf einmal gesagt, sondern auch Stück für Stück die Wahrheit entfaltet. Auch das ein wesentliches Prinzip, insbesondere dann, wenn es um Wahrheiten geht, die vielleicht nicht sofort auf Verständnis stoßen, wo Vorurteile abzubauen sind, wo falsches Verständnis ein richtiges Erkennen der Wahrheit erschwert. Gerade dann müssen wir die Wahrheit Schritt für Schritt entfalten, und so hat das Jesus uns vorgemacht hier.

[6:29] Das Thema Auferstehung war ja schon etwas, was wir in Markus 9,10 gesehen haben, dass die Jünger auf dem Verklärungsberg diese Idee nicht verstanden haben, obwohl Jesus ja bereits vorher von seinem Tod gesprochen hatte. Es wollte ihnen in Markus 9,10 gar nicht in den Sinn kommen, was Jesus damit meinen könnte.

[6:50] Und Jesus versucht ihnen jetzt erneut zu zeigen, dass er tatsächlich sterben und auferstehen wird.

[6:58] Im originalgriechischen ist die Ausdrucksweise sehr plastisch, sehr direkt. Das heißt dort wörtlich: Der Sohn des Menschen ist in die Hände der Menschen ausgeliefert. Diese Gegenwartsform soll das also ganz besonders dramatisch verdeutlichen.

[7:20] Interessant ist, dass Lukas 9,44 dann auch noch betont, dass Jesus seine Jünger dazu auffordert, genau hinzuhören. Er möchte, dass sie endlich verstehen, was er ihnen sagt. Wörtlich heißt es dort im Griechischen: "Legt diese Dinge in eure Ohren." Eine aktive Handlung der Jünger ist notwendig, um das zu verstehen.

[7:42] Auch bei uns ist es so: Jesus hat uns immer wieder auch Dinge zu sagen, die vielleicht unangenehm sind für uns, die wir so nicht erwartet haben. Und es erfordert unser aktives Zuhören und unser echtes Interesse an dem, was Jesus uns zu sagen hat, damit wir davon auch profitieren können.

[7:59] Vers 32 zeigt uns dann aber, dass sie ihn eben nicht verstanden haben. Sie aber verstanden das Wort nicht und fürchteten sich, ihn zu fragen.

[8:09] Sie haben Angst davor, ihn zu fragen, und das ist etwas sehr Wichtiges hier, dass wir das bemerken. Normalerweise haben die Jünger, wenn sie etwas nicht verstanden haben – das kam mir öfter vor, das haben wir auch schon an verschiedenen Stellen gesehen –, dann haben sie die Gewohnheit gehabt, Jesus hinterher noch einmal persönlich zu fragen, und das hätte ihnen hier sehr geholfen. Aber genau das tun sie an dieser Frage nicht, und so bleiben sie sozusagen im Nebel.

[8:41] Immer wieder hat Markus betont, dass sie bestimmte Dinge nicht verstanden haben. Wir denken an Markus 7,18 bei der Frage der Verunreinigung, bei Markus 8,17 und 18 bei dem Sauerteig der Pharisäer und dann auch in Markus 8,33, als es um Petrus ging.

[9:02] Einer der Hauptgründe, warum sie aber Jesus nicht wirklich verstanden haben, der wird uns jetzt in der nächsten Geschichte offenbart. In den Versen 33 bis 37 geht es um eine Unterredung mit den Jüngern über die Frage, wer der größte unter ihnen sei.

[9:19] Die findet sich auch in Matthäus 18,1 und 5 und wird auch später von Lukas kurz und knapp zusammengefasst. Markus hat hier einige individuelle Formulierungen, die wieder zeigen, dass er natürlich von Petrus, der dabei gewesen ist, auch diese Information bekommen hat.

[9:38] Vers 33: Und er kam nach Kapernaum, und als er zu Hause angelangt war, fragte er sie: "Was habt ihr unterwegs miteinander verhandelt?"

[9:48] Matthäus zeigt uns, dass es in diesem Zusammenhang auch noch diese Geschichte von der Tempelsteuer gibt, und wo Petrus dann bei einem Fisch die erforderliche Münze findet. Das hat Markus hier ausgespart.

[10:02] Was uns aber hier besonders auffällt, ist, dass Jesus die Gedanken der Jünger kennt. Wir haben im Sendemanuskript einige Verse, die deutlich machen, dass es Gott ist, der unsere Gedanken kennt.

[10:16] Vers 34: Sie aber schwiegen, denn sie hatten unterwegs miteinander verhandelt, wer der Größte sei. Und jetzt verstehen wir, warum es ihnen so unfassbar schwerfällt, zu begreifen, dass Jesus sein Leben hingibt. Sie selbst sind damit beschäftigt, sich die Frage zu stellen: Wer ist größer als der andere? Wer hat die höchste Autorität? Wer wird den höchsten Posten bekommen?

[10:40] Der Kontrast zwischen den Worten Jesu in seiner zweiten Leidensankündigung und ihren Gedanken könnte kaum größer sein. Die Jünger fühlen sich ertappt. Sie haben offensichtlich schon gewusst, dass das etwas ist, was Jesus nicht gefallen würde. Und so haben sie es untereinander miteinander besprochen, wahrscheinlich denkend, dass er es nicht mitbekommt. Und hier sehen wir ganz deutlich: Es gibt nichts, auch nicht in unseren Gedanken, was wir vor Jesus verbergen könnten.

[11:10] Vers 35: Und er setzte sich und rief die Zwölf und sprach zu ihnen. Dieses Niedersetzen ist ein Hinweis darauf, dass Jesus jetzt eine ganz entscheidende, wichtige Lehre ihnen vermitteln möchte.

[11:24] Und er sagt dann: "Wenn jemand der Erste sein will, so sei er von allen der letzte und aller Diener." Das Wort Diener, Diakonos, ist wörtlich einer, der anderen nachfolgt, der also sich auf den Weg macht, nicht seinen eigenen Weg verfolgt, sondern anderen hinterhergeht, um ihnen aktiv zu helfen. Es geht also nicht um ein passives 'Ich wünsche dir alles Gute', sondern ein aktives Dienen.

[11:55] Nun, Gott ist mit Abstand der größte Diener. Er dient tatsächlich allen, und Jesus kam auf die Erde, um das deutlich zu machen. Die Leidensankündigung, die wir gerade gelesen haben, soll ja deutlich machen, dass Jesus bereit ist, sein Leben zu geben zugunsten anderer, dass er aktiv anderen Menschen dient.

[12:22] Diese Wahrheit, dass Gottes Herrschaft auf dem Dienst für andere beruht, diese Wahrheit hatte Luzifer nie begriffen, oder hat sie dann irgendwann nicht mehr begriffen, besser gesagt, er wollte sie nicht wahrhaben, hat dagegen rebelliert und hat den Gedanken der Selbsterhöhung entwickelt.

[12:45] Vers 36: Und er nahm ein Kind und stellte es mitten unter sie, und nachdem er es in die Arme genommen hatte, sprach er zu ihnen. Vers 37: "Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, der nimmt nicht mich auf, sondern den, der mich gesandt hat."

[13:09] Männer, die Gott sehr nahe waren und Bedeutendes für Gott vollbracht haben, haben sich nach eigener Aussage wie Kinder gefühlt. Wir denken an Salomo in 1. Könige 3,7, als er noch treu war, oder auch Jeremia, der sicherlich auch sehr jung war, in Jeremia 1,7.

[13:29] In Matthäus 18,4 wird deutlich gesagt: "Wer sich erniedrigt, so wie dieses Kind verhält..." Es geht also, und das macht Matthäus noch ein bisschen deutlicher als Markus, darum, dass dieses Kind ein Bild für die Herzenseinstellung ist, die ein echter Jünger Jesu hat, jemand, der im Reich Gottes lebt.

[13:59] Je größer die Selbstniedrigung, desto höher die Position im Reich Gottes.

[14:08] Das sehen wir schon im Alten Testament in Psalm 131, auf den sich Jesus möglicherweise direkt bezieht. Dort finden wir die Idee, dass jemand, der in Gottes Liebe ruht, sich wie ein kleines Kind fühlt. Er sagt im Psalm 131, Vers 1, sagt es David: "Oh Herr, mein Herz ist nicht hochmütig, und meine Augen sind nicht [hochmütig]. Ich gehe nicht mit Dingen um, die mir zu groß und zu wunderbar sind." Es geht also genau darum, dass David sagt: "Ich bin nicht stolz, ich will mich nicht selbst erhöhen, ich strebe nicht nach der höchsten Position."

[14:39] Er sagt dann Vers 2: "Nein, ich habe meine Seele beruhigt und gestillt wie ein entwöhntes Kind bei seiner Mutter. Wie ein entwöhntes Kind ist meine Seele still in mir. Israel, hoffe auf den Herrn von nun an bis in Ewigkeit."

[14:56] Das ist genau dieser Gedanke, eben nicht sich selbst zu erhöhen, sondern wie ein Kind einfach zu vertrauen.

[15:03] Die Jünger waren stolz und gingen mit Dingen um, die ihnen zu groß gewesen waren. Sie hätten das Wesen des Reiches Gottes noch gar nicht verstanden, wollten aber schon eine leitende Position daran haben. Wie viele von uns wollen gern in der Gemeinde leiten und führen, ohne die Prinzipien zu verstehen, auf denen Gott seine Gemeinde gebaut hat?

[15:29] In den Worten, die wir hier in Vers 37 lesen, greift Jesus auf das zurück, was er seinen Jüngern schon bei der Aussendung zur Missionsreise in Matthäus 10,40-42 mitgegeben hat. Das Kind ist in den Augen Jesu so wertvoll und genauso Repräsentant von Jesus wie die ausgesandten Apostel.

[15:51] Matthäus 10,42 wird deutlich: Nicht die Größe der Gabe, sondern die Herzenseinstellung zählt. Auch ein Becher kalten Wassers, der in der richtigen Herzenseinstellung mit der richtigen Motivation zur Unterstützung des Werkes Gottes gegeben wird, wird nicht ohne Lohn bleiben.

[16:12] Es folgen jetzt einige Verse, in denen Johannes von Jesus korrigiert wird, in Vers 38 bis 41. Diese Passage findet sich bei Matthäus nicht. Markus bringt sie also als neues Material. Lukas hat sie später noch in einer leicht gekürzten Fassung in Lukas 9,49.

[16:37] Vers 38: Johannes aber antwortete ihm und sprach: "Meister, wir sahen einen, der uns nicht nachfolgt, in deinem Namen Dämonen austreiben, und wir wehrten es ihm, weil er uns nicht nachfolgt."

[16:53] Johannes war Jesus besonders nahe und trotzdem immer noch so weit von ihm entfernt, dass er durchaus zu solchen Dingen noch fähig war. Dass Jesus ihn jetzt tadelt, bedeutet nicht, dass Jesus den Johannes nicht lieb gehabt hat, und nicht, dass er nicht schon viel mit ihm erlebt hatte, sondern gerade, weil er Johannes so gern mochte, musste er ihn auch hier besonders korrigieren.

[17:21] Jesus hatte gerade gesagt, wie wir gesehen haben, sie sollten sogar ein kleines Kind im Namen Gottes, im Namen Jesu, annehmen. Also jemand, der Gottes Werk tut, auch wenn er vielleicht nicht in das Denkschema der Jünger passte. Für sie waren ja auch Kinder noch außerhalb dessen, was in ihr Denkschema für Mitarbeiter Gottes, so wie sie sich Mitarbeiter Gottes vorgestellt haben.

[17:48] Und wir werden noch später sehen heute, dass Jesus auch hier im Bezug auf die Kinder ihr Denken korrigieren musste.

[17:56] Vermutlich hat Johannes aber schon aufgrund der Worte in Vers 37 gemerkt, dass er möglicherweise einen Fehler gemacht hat. Sein Gewissen hat wohl Alarm geschlagen. Er fragt jetzt nach. Er hatte diesen Mann gewehrt, weil – oder die Jünger hatten diesen, oder er hatte diesen, er sagt 'wir', die Jünger also – hatten diesen Mann gewehrt, weil sie sich als überlegen sahen.

[18:16] Und hier sehen wir wieder diese Idee von dem Gedanken: Wer ist der Größere, wer ist der Größte? Wenn wir diesen Gedanken haben, wer ist der Größte, dann führt dieser Gedanke auch zu unterdrückendem, repressivem Verhalten.

[18:32] Wenn in der Gemeinde Menschen nach Macht streben und angesehen sein wollen, dann führt das automatisch auch zu Unterdrückung. Wir können das in 3. Johannes 9 und 10 ganz deutlich sehen, wo Johannes diesen Gedanken hier ausspricht. In Vers 9 und 10: "Ich habe der Gemeinde geschrieben, aber Diotrephes, der bei ihnen der Erste sein möchte" – da haben wir wieder diesen Gedanken, den noch die Jünger hatten – "nimmt uns nicht an. Darum will ich ihm, wenn ich komme, seine Werke vorhalten, die er tut, indem er uns mit bösen Worten verleumdet. Und damit nicht genug, er selbst nimmt die Brüder nicht auf und verwehrt es auch denen, die es tun wollen, und stößt sie aus der Gemeinde hinaus."

[19:11] Hier haben wir mit Diotrephes auch jemanden, der etwas sein will, der der Größte sein will und gleichzeitig dann andere unterdrückt.

[19:20] Es gibt noch andere Beispiele, die wir hier angeführt haben.

[19:25] Sie planten also nicht nur ihre Regierung, die Jünger Jesu, sie haben quasi schon so ein bisschen das ausgelebt. Sie lebten schon so, als würden sie regieren, und ihre Gedanken offenbaren sich jetzt in ihren Worten und in ihren Taten. Und jetzt erkennen sie, dass sie für ihre eigene Ehre gekämpft haben und nicht für Jesus. Wie oft kämpfen wir auch in der Gemeinde für unsere eigene Ehre? Wie oft habe ich schon für meine eigene Ehre gekämpft und denken dabei, dass wir für die Ehre Gottes kämpfen?

[19:59] Wir sehen die Geschichte von Johannes und sehen es sonnenklar: Johannes kämpft für seine eigene Ehre und nicht wirklich für Jesus. Aber Johannes dachte, dass er für Jesus kämpft und war darin in diesem Punkt hier verführt, verführt von seinem eigenen Machtstreben.

[20:21] Und deswegen sind diese Geschichten im Evangelium so entscheidend, dass wir sie in unser Herz lassen, damit das Licht dieser Geschichte unser eigenes Herz durchleuchtet und uns zeigt, wo wir nach Macht gestrebt haben und andere gehindert haben, für Gott zu arbeiten, und dabei noch gedacht haben, dass wir Gott einen Gefallen tun.

[20:42] Vers 39: Jesus aber sprach: "Wehrt es ihm nicht, denn niemand, der in meinem Namen ein Wunder tut, wird mich bald darauf schmähen können."

[20:54] Jesus sagt hiermit nicht, dass jemand, der ein Wunder in seinem Namen tut, automatisch gerettet sein wird. Ja, wir denken da natürlich auch an Matthäus 7,22 und folgende. Aber nur Jesus kennt die Herzen, und nur Jesus kann die Motive genau bestimmen. Nur er kann beurteilen, wer wirklich von Herzen für Jesus brennt und wer vielleicht nur ein Heuchler ist. Wir sollten niemandem, der offenbar Interesse an Jesus hat, einfach so zurückweisen.

[21:29] Vers 40: "Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns." Es gibt im großen Kampf nur zwei Seiten. Man kann nicht auf der Seite Jesu stehen und gleichzeitig gegen andere wahre Nachfolger Jesu kämpfen und mit ihnen streiten und zanken.

[21:50] Wenn wir wahre Nachfolger Jesu sind, werden wir auch mit allen anderen wahren Nachfolgern Jesu zusammenarbeiten, ihnen vielleicht auch helfen, Jesus noch besser kennenzulernen, aber nicht mit ihnen streiten und zanken.

[22:10] Vielleicht unterstellen wir deswegen oft anders Denkenden niedere Motive, um uns selbstgerecht zu vergewissern, dass wir noch auf Gottes Seite stehen. Aber das ist eine Selbsttäuschung. Wir müssen heute, lieber Freund, liebe Freundin, unser Herz vor Jesus offenlegen. Wenn wir mit anderen im Streit liegen in der Gemeinde, folgt daraus nicht automatisch, dass die anderen ohne Jesus sind. Das kann auch sein, dass wir selbst niedere Motive in unserem Herzen haben.

[22:47] Vers 41: "Denn wer euch einen Becher Wasser in meinem Namen zu trinken gibt, weil ihr Christus angehört, wahrlich, ich sage euch, ihm wird sein Lohn nicht ausbleiben."

[22:59] Auch das hatte eine klare Parallele zu dem, was Jesus den Jüngern schon mal gesagt hatte, bei der Aussendung zu ihrer Missionsreise in Matthäus 10,42.

[23:11] Es reicht für die Jünger, wenn sie die allergeringsten sind. Ihre Verbindung mit Christus macht sie so wertvoll, dass jeder Liebesdienst ihnen gegenüber vom Himmel honoriert wird. Mit anderen Worten: Gott schätzt uns nicht, weil wir eine hohe Position oder viel können haben, sondern, weil wir Jesus zum Freund haben.

[23:38] Unsere Stellung vor Gott hängt nicht davon ab, welches Amt wir in der Gemeinde haben. Es hängt nicht davon ab, wie viel wir gelesen, studiert, verstanden haben, wie viel wir gearbeitet haben. Unsere Stellung vor Gott hängt davon ab, wie wir sind, und selbst wenn wir in menschlichen Augen die allergeringsten sind.

[23:58] In Gottes Augen, die allergeringsten sind. Weil wir Freunde von Jesus sind, wird sogar der einen Lohn erhalten von Gott, der uns ein Glas Wasser gibt, weil wir in Gottes Augen so wertvoll sind. Nicht wegen unserer Position innerhalb der Gemeinde, sondern wegen unserer Verbindung zu Jesus.

[24:10] Lieber Freund, liebe Freundin, das möchte ich mir und dir sagen: Unsere Verbindung zu Jesus ist das Wertvollste, was es gibt. In den Augen des Himmels ist der größte Wert, den ein Mensch haben kann, derjenige, dass er mit Jesus eng verbunden ist.

[24:31] Lasst uns nicht danach streben, nach weltlichen Gesichtspunkten Macht und Einfluss zu bekommen, sondern lasst uns danach streben, ein echter Jünger Jesu zu sein. Und dann kann Gott durch uns das bewirken, was er niemals durch uns bewirken würde, wenn wir zwar eine hohe Position haben, aber nicht mit Jesus verbunden sind. Niemand, niemand, der mit Jesus verbunden ist, wird ohne Einfluss bleiben.

[25:03] In Markus 9 Vers 42 bis 50 haben wir dann Jesu Warnung vor der Verführung zur Sünde. Sie findet sich auch in Matthäus 18, aber dort sehr viel kürzer in Vers 6 bis 9. Also auch hier bietet uns Johannes Markus tatsächlich die deutlich ausführlichere Fassung.

[25:21] Wir lesen ab Vers 42: „Wer aber einem der Kleinen, die an mich glauben, Anstoß zur Sünde gibt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen würde.“ Wir dürfen keinen Anstoß zur Sünde geben. Paulus hat das später auch in Römer 14 Vers 13 ganz deutlich gemacht. Lieber, sagt er in 1. Korinther 8 Vers 13, verzichte ich auf etwas, als dass ich ein Anstoß zur Sünde bin.

[25:49] Wir sollen nicht auf den eigenen Nutzen bedacht sein, sondern auf die Errettung von anderen. Und das ist etwas, was ich mir und was wir uns allen immer wieder neu sagen müssen, was wir uns vor Augen halten müssen, dass unser Leben darin besteht, anderen zu helfen, gerettet zu werden und nicht unseren eigenen Vorteil zu suchen. In 2. Korinther 6 Vers 3 sagt Paulus, dass er keinen Anstoß geben möchte, damit der Dienst der Apostel nicht verlästert wird.

[26:14] Und dann kommt Vers 33 bis 48 eine dreimalige Wiederholung, sodass deutlich wird, dass Jesus in diesem Abschnitt etwas sehr, sehr Wichtiges uns mitteilen möchte: „Und wenn deine Hand für dich ein Anstoß zur Sünde ist, so haue sie ab. Es ist besser für dich, dass du verstümmelt in das Leben eingehst, als dass du beide Hände hast und in die Hölle fährst, in das unauslöschliche Feuer, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.“

[26:41] „Und wenn dein Fuß für dich ein Anstoß zur Sünde wird, so hau ihn ab. Es ist besser für dich, dass du lahm in das Leben eingehst, als dass du beide Füße hast und in die Hölle geworfen wirst, in das unauslöschliche Feuer, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.“

[26:57] „Und wenn dein Auge für dich ein Anstoß zur Sünde wird, so reiß es aus. Es ist besser für dich, dass du einäugig in das Reich Gottes eingehst, als dass du zwei Augen hast und in das höllische Feuer geworfen wirst, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.“ Man kann nicht deutlicher sprechen, als Jesus das hier tut.

[27:17] Er greift hier eine Lehre aus der Bergpredigt auf, die er schon in Matthäus 5 Vers 29 und 30 gepredigt hatte. Offensichtlich geht es nicht um eine tatsächliche körperliche Verunstaltung, allein schon deswegen, weil Jesus ja dann davon spricht, dass jemand verstümmelt in das Leben eingeht oder lahm in das Leben eingeht. Aber im Reich Gottes, im ewigen Leben, gibt es natürlich keine Verstümmelten und keine Einäugigen und Lahmen. Sie sind alle geheilt.

[28:04] Worum geht es dann also? In Römer 6 Vers 6 geht es darum, dass der alte Mensch mitgekreuzigt werden soll. Römer 8 Vers 13 spricht davon, dass durch den Heiligen Geist die Taten des Leibes getötet werden sollen. Galater 5 Vers 24 spricht davon, dass wir den alten Menschen mit seinen Lüsten kreuzigen. Es geht auch in 1. Korinther 9 Vers 27 darum, dass wir den Körper knechten.

[28:28] Und das ist das eine, ist eine Theorie weiterzugeben. Etwas ganz anderes ist es, auch selbst auszuleben. Noch etwas können wir hier in diesem Abschnitt deutlich sehen: Offensichtlich ist die Hölle ein Ort, an dem man mit dem Körper hingeht. Natürlich geht es hier um das Feuer nach den 1000 Jahren, das vom Himmel fällt, wie uns Offenbarung 20 dann deutlich macht.

[28:53] Wörtlich ist es die Hölle des Feuers, griechisch Gehenna. Das ist die griechische Variante von Ge Hinnom, das Tal von Hinnom, ein Tal, in dem im Alten Testament die bösen Könige ihre Kinder durchs Feuer gehen ließen. Und in Jesaja 30 Vers 33, das können wir vielleicht hier an der Stelle kurz lesen, finden wir dann einen Bezug darauf. In Jesaja 30 und dort Vers 33, dort heißt es: „Denn die Feuerstelle ist längst bereit, auch für den König ist sie hergerichtet. Man hat ihren Scheiterhaufen tief und weit gemacht. Feuer und Holz ist genug vorhanden. Wie ein Schwefelstrom wird der Atem des Herrn ihn anzünden.“

[29:41] Hier geht es um ein Gericht mit Feuer. Hier geht es aber nicht um einen Ort, der schon die ganze Zeit brennt. Was hat es mit dieser Formulierung auf sich: „Wo ihr Wurm nicht stirbt“? Das bezieht sich auf Jesaja 66 und dort Vers 24. Dort am Ende des Buches Jesajas haben wir folgende Aussage. Es heißt hier in Vers 24, wenn es dann um die neue Erde geht und den neuen Himmel, die geschaffen worden sind: „Und man wird hinausgehen und die Leichname der Leute anschauen, die von mir abgefallen sind. Denn ihr Wurm wird nicht sterben und ihr Feuer nicht erlöschen, und sie werden ein Abscheu sein für alles Fleisch.“

[30:21] Schon hier sehen wir, dass dieses nicht erlöschende Feuer sozusagen symbolisch gemeint ist, weil es darum geht, dass hier die Leichname liegen auf der neuen Erde. Und wir wissen natürlich aus Offenbarung 21 und 22, dass die Leichname dann nicht dort weiter auf der neuen Erde liegen werden, sondern dass das Feuer alles vernichten wird. Dass ihr Wurm nicht stirbt, ist eine Redewendung, deutlich zu machen: Der Wurm, der übrigens auch ganz offensichtlich dann nicht buchstäblich gemeint ist, denn wenn gleichzeitig das Feuer nicht erlöscht, wenn das Feuer buchstäblich brennen würde, dann könnte der Wurm ja gar nicht lebendig sein, der diesen Leichnam jetzt zersetzt.

[31:13] Es geht also darum, dass, wenn der Wurm nicht stirbt, es ein Bild dafür ist, dass diese Zersetzung immer weiter voranschreiten wird. Sie wird nicht aufhören, sie wird durch nichts unterbrochen, sie wird nicht umgekehrt. Es gibt keine, keine, keine Umkehr dieses Zerfallprozesses des menschlichen Körpers. Es geht also darum, dass dieser Tod endgültig ist. Das ist der entscheidende Gedanke. Es geht um den zweiten Tod hier.

[31:42] Hier ist von Leichnamen die Rede, und in Jeremia, in Jesaja 34 Vers 10 finden wir auch, dass das unauslöschliche Feuer ebenfalls eine Bildsprache ist. Dort heißt es in Jesaja 34 ab Vers 10: „Tag und Nacht erlischt es nicht, ewig wird sein Rauch aufsteigen. Es wird öde liegen von Geschlecht zu Geschlecht, und niemand wird mehr hindurchziehen ewiglich.“ Und dann heißt es in Vers 11: „Und der Pelikan und der Igel werden es einnehmen, und die Eule und der Rabe werden darin wohnen. Die Messschnur der Verwüstung wird er darüber spannen und das Richtblei der Verödung.“ Also offensichtlich brennt das nicht buchstäblich die ganze Zeit, denn ansonsten können ja diese Tiere dort gar nicht überleben.

[32:38] Wir müssen also Markus, also Markus Kapitel 9 hier als eine sehr eindringliche Warnung verstehen, dass jedes Element, das uns zur Selbsterhöhung führen möchte – und das ist ja der Kontext, was wir Vers 33 gesehen haben –, dass das ausgerissen werden muss. Jedes Element in unserem Charakter, jede, jede Sache, die dazu führt, dass wir uns über andere Gläubige erhöhen muss, egal wie schmerzhaft das auch sein mag, tatsächlich ausgerissen werden.

[33:13] Wenn es Gedanken gibt, lieber Freund, liebe Freundin, in meinem Leben und in deinem Leben, die dazu führen, dass wir uns über andere erhöhen; wenn es Gewohnheiten gibt, die dazu führen; wenn es Worte gibt, die dazu führen: All das muss aus unserem Leben vollständig entwurzelt und ausgerissen werden. Denn Selbsterhöhung, denn Selbsterhöhung ist genauso schrecklich in Gottes Augen wie Mord oder Ehebruch.

[33:44] Vers 49 und 50: „Denn jeder muss mit Feuer gesalzen werden, wie jedes Opfer mit Salz gesalzen wird. Das Salz ist etwas Gutes. Wenn aber das Salz salzlos wird, womit wollt ihr es würzen? Habt Salz in euch und haltet untereinander Frieden.“

[34:01] Tatsächlich ist jedes Opfer im Alten Testament gesalzen worden, wie uns 3. Mose 2 Vers 13 zum Beispiel zeigt. Interessanterweise sagt Jesus, dass wir aber nicht, wir als Gläubige, nicht mit Salz gesalzen werden sollen, sondern mit Feuer. Nun, Feuer ist nach Hoheslied 8 Vers 6 ein Symbol für die Liebe Gottes, die die Sünde vernichtet und besiegt.

[34:30] Ist unser Leben ein Opfer? Die Bibel macht das ganz deutlich, dass das so ist. In Römer 12 und dort Vers 1 können wir lesen, was der Paulus dazu zu sagen hat. Er sagt in Vers 1 und 2 in Römer 12: „Ich ermahne euch nun, ihr Brüder, angesichts der Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber darbringt als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.“

[34:52] Lieber Freund, liebe Freundin, diese Ermahnung gilt auch für uns. Wir sollen unser Leben als ein lebendiges Opfer darbringen. Und dieses Opfer – und das ist jetzt der entscheidende Punkt – soll gesalzen werden, aber gesalzen mit dem Feuer der Liebe Gottes. Wenn wir also unser Leben für Gott geben, ist es entscheidend, dass die Liebe und Gerechtigkeit Christi dieses Opfer auch salzt.

[35:21] Es ist nämlich möglich, dass ein Mensch einfach sozusagen sein Leben Gott gibt, aber nicht bereit ist, die Liebe Gottes sein Herz verändern zu lassen. Und solche Menschen enden dann im Fanatismus. Sie laufen dann selbst und sind der Meinung, etwas ganz Großes zu tun, aber ihr Opfer ist nicht gesalzen mit der Liebe und der Gerechtigkeit Christi. Nur wenn das Feuer der Liebe Gottes unser gesamtes Leben salzt, nur dann sind wir das Salz der Erde.

[36:00] Und das Salz damals zur Zeit Jesu war nicht dazu da, um eine Suppe einfach schmackhafter zu machen. Vor allem war es dazu da, Dinge zu konservieren, den Prozess des Verderbens aufzuhalten. Wenn wir das Salz der Erde sind, dann halten wir viel Böses auf. Und dazu brauchen wir die Liebe und die Gerechtigkeit Christi. Das können wir nicht aus eigener Kraft. Das können wir auch nicht machen, wenn wir alles hingeben und Gott zeigen wollen, wie sehr wir ihm dienen, indem wir alles ihm hingeben. Wenn wir nicht gefüllt sind mit Gottes Liebe und Gerechtigkeit, wenn wir nicht gesalzen sind, dann ist es alles umsonst.

[36:46] Das ist das, was Paulus sagt in 1. Korinther 13, fällt mir gerade ein, was man hier dazu hinzufügen könnte, wo er sagt in 1. Korinther 13 ab Vers 1: „Und wenn ich alle meine Habe austeilte, also quasi ein Opfer bringe, und meinen Leib hingebe, damit ich verbrannt würde, aber keine Liebe hätte, so nützte es mir nichts.“ Ein Opfer, wenn man sein eigenes Leben opfert, aber nicht mit der Liebe Gottes gesalzen ist, dann ist es nicht das, was vor Gott zählt. Unser Opfer, das, was wir opfern, muss mit Salz gesalzen werden, mit dem Salz der Liebe Gottes.

[37:28] Und ich möchte für mich lernen und dich einladen, lieber Freund, liebe Freundin, diesen Gedanken nachzudenken. Dass wir nicht einfach nur Dinge aufgeben für Jesus, weil wir sonst vielleicht irgendwann bitter werden, weil wir es aus eigener Kraft tun, sondern dass wir unser Opfer, dass wir bringen, was immer es ist – und möge es tatsächlich nach Römer 12 Vers 1 unser gesamtes Leben sein –, dass es gesalzen ist mit Gottes Liebe, Gottes Gerechtigkeit. Das macht jedes Opfer, das wir bringen, alleine annehmbar vor Gott. Das möchte ich lernen, und ich lade dich ein, lieber Freund, liebe Freundin, diesen Gedanken nachzudenken.

[38:13] Unsere Worte sollen mit Salz gewürzt sein, sagt Kolosser 4 Vers 6, damit wir wissen, wie wir anderen antworten sollen. Wenn wir mit der Liebe Gottes erfüllt sind und die Gerechtigkeit Christi in uns haben, dann wissen wir, was und wann und wie wir reden sollen und vor allem warum.

[38:35] „Habt Frieden untereinander!“ Statt nach der höchsten Position, sagt Jesus seinen Jüngern, sollten sie lieber oder vielmehr nach Frieden streben. Wie oft gibt es Wettbewerb in der Gemeinde, wer eine höhere Position hat? Statt danach zu streben, sollten wir danach streben, Harmonie und Einheit zu erreichen. Harmonie und Einheit sind etwas Wunderschönes, so sagt es Psalm 133 Vers 1. Wir sind aufgerufen, dem Frieden nachzujagen, siehe auch Hebräer 12 Vers 14. Römer 12 Vers 18 sagt: „So viel an uns liegt, sollen wir mit allen Menschen im Frieden leben.“

[39:14] Die Liebe untereinander ist das Erkennungsmerkmal wahrer Jünger Jesu. Die Frage ist, wie sehr haben wir das als Priorität in unserem Leben, dass wir Frieden miteinander haben? Wie sehr ist das unsere Priorität? Wenn wir im Frieden miteinander leben, wird der Gott des Friedens mit uns sein, 2. Korinther 13 Vers 11. Petrus ermahnt uns in 1. Petrus 3 Vers 8, dass wir gleichgesinnt sein sollen, voll brüderlicher Liebe.

[39:48] Matthäus berichtet nach diesem Abschnitt, wie schon erwähnt, auch noch die Geschichte von der Tempelsteuer in Matthäus 17 Vers 20 bis 27, die Johannes Markus weggelassen hat. Chronologisch folgen nun einige Geschichten rund um das Laubhüttenfest 30 nach Christus, die allerdings erst von Johannes dann in Johannes 7, 8, 9 und 10 bis Vers 21 berichtet worden sind.

[40:14] Wir springen jetzt in der Zeit etwas nach vorne, aber in Markus und auch in Matthäus ist es das Nächste, was berichtet wird. Markus 10 Vers 1: „Und er brach auf von dort und kam durch das Land jenseits des Jordan in das Gebiet von Judäa. Und wieder kamen die Volksmengen zu ihm, und er lehrte sie wieder, wie er es gewohnt war.“

[40:35] Der Bericht über Jesu Dienst in Peräa – das ist das Land jenseits, das heißt östlich des Jordans – ist hier extrem knapp zusammengefasst, äußerst knapp. Genauso auch in Matthäus 19 Vers 1 und 2. Lukas hat dann später sehr ausführlich in Lukas 9 Vers 51 bis Lukas 18 Vers 14 diese Phase, in der Jesus auch viele seiner Lehren wiederholt hat, noch einmal ausführlich dargestellt. Johannes hat er noch weitere Geschichten hinzugefügt in Johannes 10 ab Vers 22 bis 11:57. Da das alles jetzt hier bei Matthäus und Markus nicht erwähnt wird, kommen wir jetzt mit den folgenden Geschichten schon relativ nahe in die Zeit kurz vor der Kreuzigung.

[41:23] Es kommt jetzt zu einem Dialog mit den Pharisäern über die Ehescheidung, den wir auch in Matthäus 19 Vers 3 bis 12 finden. Und Matthäus, also Markus folgt hier in dem gesamten Aufbau in seinem Buch hier an diesen, diesen Stellen dem Matthäus-Evangelium. Die Berichte sind etwa gleich lang. Es gibt nur einige wenige Unterschiede in der Reihenfolge der Worte Jesu. Und Johannes Markus hat bestimmte Inhalte in dem Dialog zwischen Jesus und seinen Jüngern dann nicht aufgenommen.

[41:52] Vers 2: „Und die Pharisäer traten zu und fragten ihn, um ihn zu versuchen: Ist es einem Mann erlaubt, seine Frau zu entlassen?“ Wir wissen aus der Bibel, aus Maleachi 2 Vers 16, dass Gott die Ehescheidung hasst. Und Jesus hatte über dieses Thema auch schon in der Bergpredigt in Matthäus 5, Verzeihung, Vers 31 und 32 gesprochen. Wichtig ist noch, dass in Matthäus deutlich wird, dass diese Pharisäer gefragt haben: „Ist es erlaubt, aus jedem Grund seine Frau zu entlassen?“

[42:20] Vers 3: „Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Was hat euch Mose geboten?“ Jesus verweist auf die Bibel, so wie auch Jesaja 8 Vers 20 uns immer wieder daran erinnert, dass wir der Bibel und dem Schriftzeugnis folgen sollen. Vers 4: „Sie sprachen: Mose hat erlaubt, einen Scheidebrief zu schreiben und seine Frau zu entlassen.“ Das bezieht sich natürlich auf 5. Mose 24 Vers 1 bis 4.

[42:50] Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: „Wegen der Härte eures Herzens hat euch dieses Gebot geschrieben.“ Jesus offenbart, dass also 5. Mose 24 ein Statut darstellt, das im Fall, dass Männer den eigentlichen Plan Gottes nicht umsetzen, dennoch die Frauen geschützt werden, indem sie einen Scheidebrief bekommen. Es ist also von vorneherein ein Plan B gewesen hier in 5. Mose 24 und nicht das Original.

[43:20] Interessanterweise finden wir auch in 5. Mose mehrfach Hinweise darauf, dass zur Zeit der Predigt 5. Mose, das Volk unter Herzenshärtigkeit litt, 5. Mose 9 Vers 6 oder auch Kapitel 31 Vers 27. Jesus zeigt Ihnen das. Er zeigt also quasi das, was auch in 5. Mose selbst offensichtlich gezeigt werden kann und verweist dann die Pharisäer noch weiter zurück an den Anfang der Bibel.

[43:47] „Am Anfang“, sagt er in Vers 6, „der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau erschaffen.“ Vers 7 und 8: „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und die zwei werden ein Fleisch sein. So sind sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch.“ Das ist das Zitat aus 1. Mose, Verzeihung, 2 Vers 24. In Matthäus 19 wird noch ergänzt, dass dies die Worte Gottes sind.

[44:18] Jesus betont also den Aspekt der echten Einheit, die durch die Ehe entsteht. Anstelle jetzt einen Regelkatalog aufzustellen, wann und wie und wo eine Scheidung alles erlaubt sein könnte, zeigt er, dass das Ganze, die ganze Intention Gottes darin besteht, dass die Ehe eine Einheit darstellt und nicht eine Zweckgemeinschaft, sondern eine echte Einheit. Jesus betont das. Er sagt, dass Gott das so geschaffen hat. Das ist das Original. Das heißt Vers 9: „Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.“ Wenn Gott zu einer Einheit zusammenführt, ist es nicht an den Menschen, nach bestimmten Regeln wieder scheiden zu können. Vom Grundsatz her ist die Ehe daher prinzipiell nicht zu scheiden.

[45:03] Dies war auch das allgemeine Verständnis in der frühen Christenheit, wie es sich aus Römer 7 Vers 1 bis 3 ergibt oder wie es dort vorausgesetzt wird. Vers 10 bis 12: Und seine Jünger fragten ihn zu Hause nochmals darüber. Hier haben wir diese Angewohnheit der Jünger, noch mal nachzufragen, die wir bei der zweiten Ankündigung des Leidens leider vermisst haben.

[45:30] „Er sprach zu ihnen: Wer seine Frau entlässt und eine andere heiratet, der bricht die Ehe ihr gegenüber. Und wenn eine Frau ihren Mann entlässt und sich mit einem anderen verheiratet, so bricht sie die Ehe.“ In Matthäus 19 Vers 9 wird deutlich, dass Jesus diese Worte auch den Pharisäern gesagt hatte. Die Jünger fragen also noch einmal nach. Jesus wiederholt die Worte noch einmal für sie. Und er fügt dann auch noch weitere Gedanken hinzu, weil die Jünger dann völlig außer sich sind, die aber nur in Matthäus 19 dann enthalten sind.

[46:07] Interessanterweise sagt jetzt ausgerechnet Markus: „Wenn eine Frau ihren Mann entlässt.“ Das findet sich so bei Matthäus nicht. Und das ist durchaus möglich, dass Markus die Formulierung von Jesus oder dass diese Formulierung bewusst so darstellt, dass es von beiden Seiten beleuchtet ist. Denn im römischen Reich war es den Römerinnen tatsächlich seit dem Ende der römischen Republik möglich, alleine aktiv eine Scheidung voranzutreiben. Etwas, was im jüdischen Rechtssystem nicht so gegenwärtig gewesen ist. Und wir sehen also, wie Markus tatsächlich auch die Lehre von Jesus jetzt sozusagen so formuliert, dass auch die nichtjüdischen römischen Leserinnen und Leser verstehen, was das alles beinhaltet. Wichtig an dieser Stelle ist natürlich der Hinweis in Matthäus 19 Vers 9, dass Unzucht eine valide Ausnahme ist.

[47:03] Vers 9, dass Unzucht eine valide Ausnahme darstellt, die auch zu einer rechtmäßigen Scheidung führen kann, die auch Gott anerkennt. Unzucht muss keine Scheidung herbeiführen, ist keine zwangsläufige Sache. Aber Unzucht, Ehebruch, alle diese Dinge, die damit verbunden sind, stellen eine so tiefgreifende Erschütterung des Vertrauens dar, dass Gott es erlaubt, dass dann eine Ehe auch geschieden wird. So ja, auch in Matthäus 5 Vers 31 und 32 in der Bergpredigt.

[47:43] Als Nächstes folgt die Segnung der Kinder, die auch in Matthäus 19 Vers 13 bis 15 berichtet wird, wobei auch hier Markus etwas detaillierter ist. Auch Lukas 18 hat dann diesen Bericht. In Vers 13 lesen wir: "Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrühre. Die Jünger aber tadelten die, welche sie brachten."

[48:03] Schon im Alten Testament werden immer Kinder mit eingeschlossen, wenn es darum geht, dass Gottes Volk sich Gott nahen soll. Aber die Jünger haben offensichtlich den Eindruck, dass Jesus zu wichtig ist, als dass er Zeit hätte für Jünger. Vers 14: "Als das Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehrt ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes."

[48:25] Johannes Markus bringt diese Zusatzinformation, dass Jesus unwillig wurde. Das griechische Wort bedeutet, dass jemand etwas nicht erträgt. Jesus ist zwar sehr geduldig, aber wenn Menschen Kinder von Gott fernhalten, dann kann das Jesus nicht ertragen. Es macht ihn betrübt. Er muss dagegen sprechen. Er kann nicht schweigen, wenn Kinder von ihm ferngehalten werden.

[48:48] Vers 15: "Wahrlich, ich sage euch, wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen." Das ist genau dieser Gedanke, den wir auch schon früher gesehen haben, in Matthäus 18 Vers 3, auch im Zusammenhang mit der Frage nach dem Größten im Reiche Gottes. Und Vers 16: "Und er nahm sie auf die Arme, legte ihnen die Hände auf und segnete sie." Und wir erinnern uns an Jesaja 40 Vers 11 über den Messias, heißt es, dass er wie die kleinen Lämmer in seinen Armen nehmen wird.

[49:20] Es folgt nun direkt im Anschluss, ohne Unterbrechung, die berühmte Geschichte vom reichen Jüngling, die in den Evangelien Matthäus, Markus und Lukas allesamt auf die Kindersegnung folgend berichtet werden. Diese Geschichten hängen letztlich direkt zusammen. Die Kinder werden gerettet, sie können gerettet werden. Oder anders gesagt, während jedes Kind gerettet werden kann, reichen selbst die größten Errungenschaften und Werke nicht aus, wenn sie nicht mit echter Bekehrung verbunden sind.

[49:52] Also, während jedes Kind gerettet werden kann, geht dieser reiche Jüngling, der ein Gesetzesgelehrter ist, der geht dann verloren. Und dieser Kontrast ist natürlich sehr stark, wenn diese beiden Geschichten miteinander verbunden sind. Matthäus 19 hat einen etwa gleichlangen Bericht in Vers 16 bis 26, aber Markus hat, wie immer, ein paar interessante neue Details. Lukas ist dann etwas kürzer.

[50:17] Vers 17: "Und als er auf den Weg hinausging, lief einer herzu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was soll ich tun, um das ewige Leben zu erben?" Nur Johannes Markus bringt dieses Detail jetzt hier, dass der Jüngling lief und niederkniete. Das zeigt natürlich, mit welcher Ernsthaftigkeit dieser Jüngling wirklich diese Antwort gesucht hat.

[50:45] Vers 18: "Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein." Jesus weist auf einen entscheidenden Punkt hin: Wenn er nur für einen guten Menschen gehalten wird, dann geht das am Ziel vorbei. Wer Jesus nachfolgt, muss letztlich auch glauben, dass Jesus Gottes Sohn ist, dass er Gott ist.

[51:05] Vers 19: "Du kennst die Gebote: Du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsches Zeugnis reden, du sollst nicht rauben, du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren."

[51:19] Bei Matthäus gibt es noch einen Dialog in diesem Zusammenhang, der bei Markus jetzt fehlt. Jesus zitiert ja offensichtlich einige der zehn Gebote. Er lässt, wie auch in Matthäus 19, interessanterweise das zehnte Gebot aus. Da geht es ja um die Habgier, wenn man etwas haben will, was einem nicht gehört. Und das ist offensichtlich ja das Problem, dass dieser Jüngling hat, dass er so sehr am Besitz hängt.

[51:40] Er endet hier auch wie in Matthäus mit dem fünften Gebot. Aber was anders ist im Vergleich zu Matthäus, ist die Reihenfolge vom sechsten und siebenten Gebot. Die ist nämlich vertauscht. Was zunächst wenig auffällig ist, wird immer interessanter, wenn man sich zuvor Augen führt, dass auch in Lukas 18 im parallelen Bericht auch dort das sechste und siebte Gebot vertauscht sind. Und auch in Römer 13 Vers 9, implizit wohl auch in Jakobus 2 Vers 11.

[52:05] Und es ist interessant zu beobachten, dass es auf dem berühmten Nash-Papyrus, der vor der Entdeckung der Qumranrollen so das älteste bekannte alttestamentliche Manuskript gewesen ist, wo die Zehn Gebote abgeschrieben sind, tatsächlich auch diese vertauschte Reihenfolge, erst das siebte, dann das sechste Gebot, zu finden ist. Es hat also möglicherweise tatsächlich zur Zeit Jesu eine alternative Reihenfolge der zehn Gebote gegeben, die oder zumindestens verbreitet gewesen ist hier und dort. Das ist allerdings lediglich eine Frage der Zählung. Die Gebote verlieren ja nichts an ihrer Autorität und Kraft, wenn sie in einer anderen Reihenfolge dargestellt werden.

[52:46] Und natürlich, wenn wir 2. Mose 20 und 5. Mose 5 anschauen, ist ganz klar, dass natürlich "Du sollst nicht töten" das sechste Gebot ist und "Du sollst nicht ehebrechen" das siebte. Aber es ist interessant zu sehen, dass es einige Stellen gibt im Neuen Testament, wo ähnlich wie dieser Nash-Papyrus das sechste und siebte Gebot andersherum aufgezählt sind. In Matthäus 19 finden wir dann natürlich noch das Gebot: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst."

[53:11] Vers 20: "Er aber antwortete und sprach zu ihm: Meister, das alles habe ich gehalten von meiner Jugend an." Matthäus 19 hat er noch die Frage: "Was fehlt mir noch?"

[53:26] Vers 21: "Da blickte ihn Jesus an und gewann ihn lieb." Das ist ein ganz besonderes, spezielles Detail hier bei Markus, sehr wertvoll. Jesus blickt ihn an, er gewann ihn lieb und sprach zu ihm: "Eines fehlt dir." Damit wird natürlich deutlich, dass auch Markus implizit diese Frage "Was fehlt mir noch?" mit im Kopf hat. "Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm, nimm das Kreuz auf dich und folge mir nach."

[53:58] Auch nur bei Markus findet sich dieser Hinweis: "Nimm das Kreuz auf dich." Und das ist im Hinblick auf das, was wir auch schon früher in Markus 8 ab Vers 34 gesehen haben, im Zusammenhang auch mit der Leidensankündigung Jesu und jetzt auch der Tatsache, dass er kurz vor seiner Kreuzigung steht, natürlich eine ganz interessante und wichtige Ergänzung.

[54:24] Jesus versucht ihm zu zeigen, dass das ewige Leben in selbstlosem Dienst für andere besteht, in einer Liebe, die auch bereit ist, Opfer zu bringen. Der Jüngling möchte unbedingt das ewige Leben haben, und er dachte, man muss sich dafür qualifizieren, indem man ganz viele Dinge tut. Und er hat alles getan, was er dachte, dass er tun muss, und hat das Gefühl, aber ihm fehlt doch was. Er hat den Frieden nicht.

[54:48] Und Jesus zeigt ihm etwas sehr Entscheidendes, etwas, das ich und du, lieber Freund, liebe Freundin, dass wir alle unbedingt lernen müssen, ansonsten werden wir das ewige Leben nicht finden. Das ewige Leben besteht in selbstlosem Dienst, und den kann uns allein Gott durch seine Gnade, durch seinen Heiligen Geist in unser Herz pflanzen. Wir müssen Jesus folgen, unser Kreuz auf uns nehmen, bereit sein, auf Dinge zu verzichten, um zu lernen, wie Jesus ist, um von ihm das Reich Gottes kennenlernen zu können.

[55:20] Dieser junge Mann war bereit, religiöse Pflichten einzuhalten, aber war nicht bereit, Gottes Liebe, die ihn erlösen wollte, widerzuspiegeln. Er war nicht bereit, für andere da zu sein und sein Kreuz auf sich zu nehmen. Aber diese selbstaufopfernde Liebe und das Kreuz sind die Fundamente des ewigen Lebens, das er ja gesucht hat.

[55:37] Vers 22: "Er aber wurde traurig über dieses Wort und er ging betrübt davon, denn er hatte viele Güter." Da blickte Jesus umher und sprach zu seinen Jüngern: "Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes eingehen!" Für die Jünger bricht bei diesem Satz ein Weltbild zusammen. Die Jünger aber erstaunten über seine Worte. Sie haben immer gedacht, dass Reichtum und eine hohe Stellung sichere Anzeichen einer besonderen göttlichen Gunst sind.

[56:06] Also präzisiert Jesus das Ganze noch einmal und macht es noch deutlicher. "Da begann Jesus wiederum und sprach zu ihnen: Kinder, eine schöne Formulierung. Kinder, wie schwer ist es für die, welche ihr Vertrauen auf Reichtum setzen, in das Reich Gottes hineinzukommen!"

[56:25] Es geht also gar nicht so sehr um den Reichtum an sich. Abraham war ja durchaus auch sehr wohlhabend, sondern darum, ob man sich auf den Reichtum verlässt oder es als ein Geschenk Gottes annimmt, um damit andere segnen zu können. Wer sich auf den Reichtum verlässt, wer den Reichtum als Sicherheit für das Leben betrachtet, der wird das Reich Gottes nicht sehen. Dazu muss man nicht mal sehr reich sein, um sich auf materielle Dinge zu verlassen und darauf sein Vertrauen zu setzen. Unser Vertrauen muss sich vollkommen und vollständig auf Gott richten. Das möchte ich tun, du auch, lieber Freund, liebe Freundin.

[57:04] "Sie aber entsetzten sich sehr", Vers 26, "und sprachen untereinander: Wer kann dann überhaupt errettet werden?" Erneut geht es, wie schon in Vers 17, um die Frage, wie man errettet werden kann. Und jetzt kommt Vers 27: "Jesus aber blickte sie an und sprach: Bei den Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott, denn bei Gott sind alle Dinge möglich."

[57:26] Und damit wird ganz deutlich, dass unsere Lösung, dass deine Erlösung, lieber Freund, liebe Freundin, dass meine Erlösung und auch die Erlösung von den Jüngern, von jedem, ein göttliches Wunder ist. Es ist keine menschliche Tat, keine menschliche Weisheit, keine menschliche Planung kann Erlösung bewirken. Ein Mensch kann sich unmöglich erretten, egal was er tut. Aber Gott kann durch den Erlösungsplan, der seine selbstaufopfernde Liebe offenbart, jeden Menschen retten, sogar kleinste Kinder.

[57:59] Aber dazu müssen wir bereit sein, dieser Liebe ganz zu vertrauen, müssen bereit sein, ihm nachzufolgen und Opfer zu bringen, weil Jesus das entscheidende Opfer gebracht hat. Wir müssen diese selbstaufopfernde Liebe in unser Herz lassen.

[58:34] Lass uns nie vergessen, lieber Freund, liebe Freundin, dass unsere Erlösung ein Wunder ist. Bei Gott sind alle Dinge möglich. Egal wie weit du gegangen bist, egal wie schlecht du gewesen bist, egal wie schlecht es dir jetzt gerade geht, egal wie tief du in gewissen Gewohnheiten gefangen sein magst, bei Gott sind alle Dinge möglich. Wir haben eine ganze Reihe von Bibeltexten hier, die wir aus Zeitgründen nicht lesen können, aber die das deutlich zeigen.

[58:58] Markus 10 Vers 28 bis 31. Petrus hat eine direkte Nachfrage, denn er und einige andere, die Jünger, hatten ja alles verlassen. Und diese Frage kommt in allen drei Berichten, Matthäus, Markus, Lukas, direkt danach. Matthäus und Markus sind etwa gleich lang, haben aber unterschiedliche Details. Lukas 18 ist dann ein klein wenig kürzer.

[59:18] "Da begann Petrus und sprach zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt." Petrus bringt dann noch die Frage, die hier nur implizit mitgedacht wird, explizit zu Papier.

[59:32] Vers 29: "Jesus antwortete und sprach: Wahrlich, ich sage euch, es ist niemand, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Frau oder Kinder oder Äcker verlassen hat um meinetwillen und um des Evangeliums willen,"

[59:47] Interessanterweise gibt Jesus Matthäus auch noch die Verheißung, dass die Apostel als Mitkönige über Israel herrschen werden. Matthäus 19 Vers 28. Vielleicht hat er das weggelassen, das wissen wir natürlich nicht, warum. Wir können nicht in seinen Kopf hineinschauen. Aber vielleicht war das für die nichtjüdischen Leser ohnehin nicht so relevant oder nicht so, besser gesagt, nicht so gut verständlich, weil ihnen diese Idee des Königtums, des israelitischen Königreichs nicht so vertraut gewesen ist.

[1:00:12] Aber interessanterweise ist ein Detail hier neu bei Johannes Markus, nämlich "und um des Evangeliums willen". Jesus kann von seiner Botschaft nicht getrennt werden. Das haben wir schon in Markus 8 Vers 38 gesehen, wo Jesus gesagt hat, dass wir uns weder seiner noch seiner Worte schämen sollen in dieser Welt.

[1:00:31] Vers 30: "Der nicht hundertfältig empfängt jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker unter Verfolgung." Auch das, interessanterweise, ein zusätzliches Detail bei Markus. "Und in der zukünftigen Weltzeit ewiges Leben."

[1:00:54] Anders als Matthäus zählt Markus noch einmal alles auf, um das ganz besonders deutlich zu machen. Der reiche Jüngling hatte nach dem ewigen Leben gefragt. Jesus bestätigt jetzt seinen Jüngern, dass sie den richtigen Weg eingeschlagen haben. Wenn sie Jesus und das Evangelium an die erste Stelle setzen, werden sie wirklich ewiges Leben erhalten und schon in dieser Welt, trotz Verfolgung, überreich gesegnet sein.

[1:01:18] Und ich habe das in meinem Leben erlebt, und ich glaube, dass jeder von uns diese Verheißung hier in Anspruch nehmen darf und erleben wird, dass Gott schon in dieser Zeit uns überreich segnet und wir uns freuen dürfen auf das ewige Leben mit ihm, wenn wir tatsächlich Jesus und sein Wort an die Nummer eins setzen.

[1:01:40] Vers 32 bis 34. Hier finden wir, und damit wollen wir heute enden, wir finden hier noch die dritte Ankündigung des Leidens und Sterbens durch Jesus. Sie findet sich auch in Matthäus 20 Vers 17 bis 19. Bei Markus ist sie etwas ausführlicher, und Lukas 18 bringt dann in Vers 31 bis 34 noch einen wichtigen letzten Vers als Zusatz.

[1:02:04] "Sie waren aber auf dem Weg und zogen hinauf nach Jerusalem, und Jesus ging ihnen voran, und sie entsetzten sich und folgten ihm mit Bangen." Johannes Markus beschreibt anschaulicher als Matthäus die Angst, die die Jünger auf dem Weg nach Jerusalem gehabt haben.

[1:02:20] "Dann nahm er die Zwölf nochmals beiseite und fing an, ihnen zu sagen, was mit ihm geschehen werde." Und dann kommt Vers 33 und 34, fast identisch mit Matthäus 20 Vers 18 und 19: "Siehe, wir ziehen hinauf nach Jerusalem, und der Sohn des Menschen wird den obersten Priestern und den Schriftgelehrten ausgeliefert werden, und sie werden ihn zum Tode verurteilen und ihn den Heiden ausliefern, und sie werden ihn verspotten und geißeln und anspucken und ihn töten, und am dritten Tag wird er wieder auferstehen." Johannes Markus hat hier lediglich noch das Detail "anspucken", während Matthäus dann die Tötungsart Kreuzigung präzisiert.

[1:03:06] Lieber Freund, liebe Freundin, möchtest du Jesus ganz nachfolgen? Möchtest du schon in diesem Leben, wenn noch unter Verfolgung, hundertfach gesegnet sein und ewiges Leben haben? Möchtest du im Glauben annehmen, dass jedes Kind gerettet werden kann und dass es nicht unsere Leistung, nicht unser Machtstreben, nicht unsere Taten sind, die uns vor Gott angenehm machen, sondern unsere Beziehung zu Jesus und unsere Bereitschaft, ihm alles zu geben?

[1:03:36] Und wenn wir dann die allergeringsten sind, sind wir trotzdem unfassbar wertvoll in Gottes Augen, wenn wir mit Jesus verbunden sind. Wollen wir bereit sein, nicht einfach nur unser Leben hinzugeben, sondern es mit der Liebe Gottes gesalzen zu lassen, sodass wir ein Salz der Erde sein können und dass wir aufgrund der Liebe in uns auch nach Frieden untereinander streben?

[1:04:00] Ist das dein Wunsch? Dann lass uns gemeinsam zum Ende noch beten.

[1:04:05] Lieber Vater im Himmel, danke, dass du durch dein Wort zu mir und zu uns gesprochen hast. Danke, dass die Worte Jesu und die Geschichten, die wir gelesen haben, uns genau zeigen, wo in unserem persönlichen Leben, wo in meinem Leben Dinge verändert werden müssen, wo dein Wort wirken möchte. Und Herr, dazu laden wir dich ein. Wir wollen durch das Anschauen deines Evangeliums verändert werden. Wir wollen dir tatsächlich unser Leben in die Hand geben und dich bitten, dass du dieses Opfer mit heiligem, mit dem Feuer deiner Liebe salzt, dass wir erfüllt vom Heiligen Geist nicht einfach nur etwas aufgegeben haben, sondern dein Wesen verstehen und in unserem Leben weitergeben und widerspiegeln. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen.

[1:05:01] Nächste Woche sehen wir uns wieder und werden dann weiter studieren in Markus Kapitel 10 und dann auch natürlich das Kapitel 11 dazunehmen. Und bis dann wünsche ich euch Gottes reichen Segen im Studium des Evangeliums und im Anschauen von Jesus. Möge er uns alle verändern. Gott sei mit euch. Amen.


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