Veröffentlicht am
185 Klicks

Dieses Video der Christ Study Hour beleuchtet das Thema „Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes“. Sprecher David Thiel erklärt, wie Jesus das Gesetz nicht auflöste, sondern durch sein sündloses Leben erfüllte. Anhand von Timothy Jennings‘ Adaption von Kohlbergs Moralentwicklungstheorie werden sechs Stufen der Motivation zur Gesetzeshaltung vorgestellt, von der Angst vor Bestrafung bis zur prinzipiengeleiteten Liebe. Der Vortrag betont, dass Gott sich eine Gehorsamkeit wünscht, die aus einer tiefen Beziehung und Liebe zu ihm entspringt.


Weitere Aufnahmen

Serie: Christ Study Hour 2025 Q1: Gottes Liebe und Gerechtigkeit

  • 0:0
  • 0:0
  • 0:0

Transkript

[0:34] Hallo und herzlich willkommen zur Christ Study Hour. Heute befinden wir uns schon am letzten Punkt unseres größeren Themas Gottes Liebe und Gerechtigkeit. Und der Titel der heutigen Lektion lautet: Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes. Ein, wie ich finde, äußerst spannender Titel und wir werden uns gleich anschauen, was es damit auf sich hat.

[0:59] Doch bevor wir starten, möchte ich mit euch gemeinsam beten. Lieber Gott, wir wollen dir danken, dass wir heute wieder dein Wort studieren können. Ich möchte dich darum bitten, dass du jeden, der hier zuschaut und auch mich, der es hier vorträgt, segnest, dass ja dein Geist unter uns ist und ja wirklich auch dein Wort gut verstanden und vermittelt werden kann. Ich bitte dich darum in deinem kostbaren Namen. Amen.

[1:33] Der Titel lautet, wie bereits schon gesagt: Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes. Und dieser Titel erinnert mich an eine Begebenheit aus dem Matthäusevangelium, aus Matthäus Kapitel 5 und dort Vers 17. Dort lese ich: „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen sei, um das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen, um aufzulösen, sondern um zu erfüllen.“

[2:02] Wir sehen hier, also es geht ja darum, dass Jesus das Gesetz erfüllt. Es passt so ein bisschen zu unserem Titel. Die Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes. Aber was bedeutet es eigentlich, dass Jesus das Gesetz erfüllt? Ich möchte mit euch gemeinsam in den Römerbrief schauen in Kapitel 8 und dort die Verse 3 und 4 und ich lese nach der Neues Leben Bibel.

[2:33] Dort heißt es: „Das Gesetz konnte uns nicht retten, weil unsere menschliche Natur ihm widerstand. Deshalb sandte Gott seinen Sohn zu uns. Er kam in menschlicher Gestalt wie wir, aber ohne Sünde. Gott zerstörte die Herrschaft der Sünde über uns, indem er seinen Sohn stellvertretend für unsere Schuld verurteilte. Das tat er, damit die gerechten Forderungen des Gesetzes durch uns erfüllt würden und wir uns nicht länger von unserer menschlichen Natur, sondern vom Geist Gottes leiten lassen.“

[3:15] Das Gesetz Gottes an sich ist heilig und es ist gut. Das lesen wir unter anderem auch im Römerbrief in Römer 7, Vers 12: „So ist nun das Gesetz heilig und das Gebot ist heilig, gerecht und gut.“ Warum sollte das Gesetz Gottes auch nicht heilig sein, nicht gut sein? Es stammt von Gott.

[3:38] Wir lesen in 3. Mose Kapitel 19 Vers 2 folgendes. Dort heißt es: „Rede mit der ganzen Gemeinde der Kinder Israels und sprich zu ihnen: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der Herr, euer Gott.“ Der Herr identifiziert sich selbst mit seinem Gesetz. Demnach sehen wir, dass das Gesetz der Ausdruck der Heiligkeit des Wesens Gottes ist.

[4:09] Das heilige Gesetz Gottes hat das Ziel, die Menschen zur Heiligkeit zu erziehen, damit sie heilig sind, genauso wie Gott auch heilig ist. Und auch Ellen White spricht über die Beziehung zwischen Gott und dem Gesetz. Wir lesen im Buch „Bilder vom Reiche Gottes“ auf Seite 249: „Gottes Gesetz spiegelt sein Wesen wider.“ Ganz kurz und knapp.

[4:35] Somit können wir davon ausgehen, dass Gottes Gesetz gut ist und somit auch keine Mängel aufweist. Der Punkt ist, das Gesetz kann uns nicht retten. Es zeigt lediglich unseren sündigen Zustand auf. In Römer 3, Vers 20 lesen wir: „Denn niemand wird in Gottes Augen gerecht gesprochen, indem er versucht, das Gesetz zu halten. Im Gegenteil, je besser wir Gottes Gesetz kennen, desto deutlicher erkennen wir, dass wir schuldig sind.“

[5:16] Wenn wir das Gesetz Gottes untersuchen, das, wie wir gesehen haben, ein Ausdruck der Werte und des Charakters Gottes ist, Gott, der ein reines, moralisch einwandfreies Wesen ist, dann kommen wir zu dem Schluss, dass wir im Lichte dieses Gesetzes sündig und böse sind.

[5:42] Das Gesetz drückt unsere oder macht unsere Unfähigkeit deutlich, seinen hohen moralischen Maßstäben zu entsprechen. Der sündige Mensch an sich, von seiner Natur her, ist von Gott entfremdet. Das wird beispielsweise in Kolosser 1 Vers 21 deutlich. Dort heißt es: „Auch euch, die ihr einst entfremdet und feindlich gesinnt wart in den bösen Werken, hat er jetzt versöhnt.“

[6:15] In dieser Entfremdung, die der Mensch von Gott hat, in dieser Entfremdung, in der der Mensch von Gott lebt, ist es ihm unmöglich, den Ansprüchen des Gesetzes Gottes gerecht zu werden. Jesus sagte z.B. in Johannes Kapitel 15 Vers 5: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun.“

[6:49] Das Fleisch oder in anderen Übersetzungen die menschliche Natur, von der in Römer 8 die Rede ist, widersteht und widerstrebt dem göttlichen Gesetz.

[7:02] Das Fleisch steht hier für die gefallene, sündige Natur des Menschen. So lesen wir z.B. in Römer Kapitel 7 Vers 18: „Ich weiß, dass ich durch und durch verdorben bin, soweit das meine menschliche Natur betrifft. Denn immer wieder nehme ich mir das Gute vor, aber es gelingt mir nicht. Es gelingt mir nicht, es zu verwirklichen.“

[7:30] Die menschliche Natur neigt von Geburt an zur Sünde und lehnt sich immer wieder gegen Gottes Gesetz auf. Dazu möchte ich gerne auch noch Römer Kapitel 8 Vers 7 zitieren: „Denn unser selbstsüchtiger Wille lehnt sich gegen Gott auf. Er gehorcht seinen Geboten nicht. Er kann es gar nicht.“

[8:02] Und Galater 5, Vers 17 gibt uns zu verstehen, dass der natürliche Mensch in seiner sündigen Natur Gottes Gesetz somit aus eigener Kraft gar nicht halten kann. Er lebt in einem ständigen Konflikt zwischen seinem eigenen Willen und Gottes heiligen Maßstäben. Ich lese: „Die alte sündige Natur liebt es, Böses zu tun. Genau das Gegenteil von dem, was der Heilige Geist will. Der Geist weckt in uns Wünsche, die den Neigungen unserer sündigen Natur widersprechen. Diese beiden Kräfte liegen in ständigem Streit miteinander, sodass ihr nicht das tun könnt, was ihr wollt.“

[8:51] Es wird also deutlich, dass das Problem nicht beim Gesetz Gottes liegt, sondern bei uns Menschen. Und Römer Kapitel 8 Vers 3 geht noch mal einen Schritt weiter und sagt, dass Gott aus diesem Grund seinen Sohn sandte, der genauso wie wir in menschlicher Gestalt lebte, jedoch ohne Sünde war.

[9:18] Jesus nahm also unsere menschliche Natur an. Ich verweise auf Philipper 2. Und doch trotz alldessen sündigte er nicht. Und ich möchte an dieser Stelle auch noch Hebräer 4, Vers 15 erwähnen, wo es heißt, dass Jesus in allen Dingen genauso wie wir versucht wurde, aber bei allem nicht sündigte, bzw. Er war dennoch ohne Sünde.

[9:51] Er lebte als Mensch also ein vollkommenes Leben. Er übte den vollkommenen Gehorsam gegenüber dem Vater. Er war der einzige, der den Ansprüchen des Gesetzes gerecht werden konnte. Er zeigte, dass es möglich ist, das Gesetz Gottes zu halten, doch niemals aus eigener Kraft, sondern allein mit Gottes Hilfe. Und so hat Jesus das Gesetz erfüllt, indem er es vollkommen ausgelebt hat.

[10:24] Und wenn wir uns das Leben Jesu anschauen, dann sehen wir deutlich, dass Jesus das alles nur geschafft hat und vollbringen konnte, zu jeder Gelegenheit die Verbindung mit dem Vater gesucht hat und sich stets von seinem Vater abhängig wusste.

[10:46] Beispielsweise suchte er vor Tagesanbruch die Einsamkeit, die Stille, um dort in der Einsamkeit dem Vater im Gebet zu begegnen, mit ihm zu kommunizieren, Gemeinschaft mit ihm zu haben und sich von ihm auch dazu ausrüsten zu lassen, das zu tun, was an jenem Tag auf ihn zukam oder vor ihm lag. Jesus war klipp und klar, dass ohne die Gemeinschaft, die er mit dem Vater hat, er scheitern wird.

[11:27] Gehen wir noch einmal zurück zu Römer Kapitel 8, Vers 4.
[11:45] „Das tat er, damit die vom Gesetz geforderte Gerechtigkeit in uns erfüllt würde, die wir nicht gemäß dem Fleisch wandeln, sondern gemäß dem Geist.“

[11:59] Durch seinen sündlosen und reinen Lebenswandel und letztendlich durch seinen Tod am Kreuz erfüllte Jesus die Anforderung des göttlichen Gesetzes. Und der Text sagt uns, dass wir dadurch nicht länger unserer eigenen menschlichen bzw. sündigen Natur ausgesetzt sind, unserem Fleisch, wie wir bereits schon gesehen haben, sondern dass wir gemäß dem Geist wandeln.

[12:36] Aber was bedeutet das konkret? Der Psychologe Lawrence Kohlberg beschreibt in seiner Theorie der Moralentwicklung ein Stufenmodell des moralischen Denkens. Oder anders gesagt, Kohlberg zeigt, welche Motivationen für moralisches Handeln existieren können.

[13:00] Und nach Kohlberg unterteilen sich sechs Stufen insgesamt in drei Hauptniveaus. Das erste Niveau bezieht sich auf selbstbezogene Moral. Das zweite Hauptniveau auf gesellschaftsbezogene Moral und das dritte Hauptniveau bezieht sich auf prinzipiengeleitete Moral.

[13:27] Und Timothy Jennings, ein adventistischer Psychiater, hat dieses Modell angepasst, um zu zeigen, wie sich die Motivation zum moralischen Handeln bzw. zum Halten des Gesetzes Gottes auf verschiedenen Ebenen entwickelt. Und ich möchte euch diese sechs Stufen ganz kurz vorstellen und euch jeweils jede Stufe mit einem Beispiel erläutern.

[14:00] Also die erste Stufe: In der ersten Stufe wird Gehorsam durch die Angst vor der Bestrafung motiviert. Also, was bedeutet das? Ich möchte euch ein Beispiel geben von einem kleinen Jungen, der nur widerwillig seine Zähne putzt und die Mutter, die sagt ihm: „Du putzt gefälligst deine Zähne, sonst werde ich dir etwas wegnehmen oder sonst werde ich dich so oder so bestrafen.“ Das heißt, der Junge putzt letztendlich seine Zähne aus der Motivation heraus, weil er Angst davor hat, von seiner Mutter letztendlich bestraft zu werden.

[14:58] Als biblisches Beispiel habe ich den Pharao, der das Volk Israel aus Ägypten ziehen lässt aus Angst vor weiteren Plagen.

[15:11] In der zweiten Stufe wiederum hält man die Gebote Gottes, weil man sich daraus einen Vorteil erhofft. In diesem Fall putzt das Kind seine Zähne, weil die Mutter gesagt hat: „Wenn du deine Zähne putzt, werde ich dich belohnen, werde ich dir ein Geschenk kaufen, werde ich dir morgen einen Nachtisch geben nach dem Essen.“ Wie auch immer, das Kind erhofft sich eine Belohnung und putzt aus diesem Grund seine Zähne.

[15:48] Und hier könnte man z.B. die Geschichte von Jakob nehmen aus dem 1. Buch Mose, in 1. Mose Kapitel 28. Das ist die Geschichte, wo Jakob auf der Flucht ist und dann in Betel schläft und dann einen Traum hat und ihm dort dann Gott begegnet. Und Jakob sagt dann letztendlich, Genesis Kapitel 28 Verse 20 und 21: „Wenn Gott mit mir sein wird und mich behüten wird auf dem Weg, den ich gehe und mir Brot zu essen geben wird und Kleider anzuziehen und mich wieder mit Frieden heim zu meinem Vater bringen, so soll der Herr mein Gott sein.“

[16:37] Wir sehen hier, Jakob stellt hier gewisse Forderungen oder anders gesagt Bedingungen. Ja, wenn er mir Brot geben wird, wenn er mir Kleider anzuziehen geben wird und mich wieder sicher und mit Frieden zurück zu meinem Vater bringt, dann soll der Herr mein Gott sein.

[16:58] Jetzt kommen wir zur dritten Stufe. Und mit der dritten Stufe betreten wir die Ebene, das Hauptniveau der gesellschaftsbezogenen Moral. Was bedeutet das? Auch hier geht es um eine fremde Motivation, die auf der Erwartung von anderen Menschen basiert. In der dritten Stufe geht es einfach um Anerkennung oder, wie man auch sagen könnte, um Peer Pressure, um Gruppenzwang.

[17:30] Z.B. putzt der Junge seine Zähne, weil es alle in der Schule machen, alle in der Klasse und wenn er seine Zähne jetzt nicht putzen würde, dann würde er wahrscheinlich ausgelacht werden wegen Mundgeruch. Und wenn wir uns dann ins Neue Testament begeben, dann sehen wir die Pharisäer, die das Gesetz äußerlich halten, damit sie von den Menschen gesehen werden und geehrt werden, aber sie tun das nicht aus echter Liebe zu Gott.

[18:03] In der vierten Stufe gehorche ich, weil es mir ein staatliches Gesetz so sagt. Das sind Gesetze, es können Sitten, Konventionen sein, die einfach allen Menschen gängig sind und die auch nicht hinterfragt werden.

[18:33] In diesem Fall, auch wenn es nicht realistisch ist, würde das kleine Kind seine Zähne putzen, weil er sich anderenfalls strafbar machen würde. Und in der Bibel können wir hier das Gesetz des Mose, das zum Ziel hat, das zivile Leben in Israel unter den Bürgern zu ordnen.

[18:55] Mit der fünften Stufe gehen wir jetzt in das dritte Hauptniveau und dort sind wir auf der Ebene der prinzipiengeleiteten Moral. Und in der fünften Stufe sind wir in der prinzipiengeleiteten Moral.

[19:24] Man erkennt, dass Gottes Gesetz auf Liebe und Gerechtigkeit basiert, nicht auf willkürlichen Regeln. Man kann also die Motivation oder man kann das Handeln, die Prinzipien anderer Menschen nachvollziehen und verstehen, warum sie es so von einem selbst erwarten. Man kann die Grundsätze der anderen Person nachvollziehen und gegebenenfalls imitiert man diese auch.

[19:57] Das Kind kann nachvollziehen, warum seine Mutter möchte, dass er täglich seine Zähne putzt, nämlich, dass ihm seine Zähne lange genug erhalten bleiben.

[20:15] Und in der Bibel hätten wir dieses Beispiel von Daniel, der in Daniel 1 sich weigert von den Speisen zu essen aufgrund seiner Prinzipien gegenüber Gott.

[20:31] Und in der sechsten Stufe befinden wir uns in der Stufe der prinzipiengeleiteten Liebe. Hier kommt der Gehorsam aus Liebe und nicht aus Furcht oder Zwang ins Spiel. Die Beziehung zu Gott motiviert den Menschen dazu, etwas Bestimmtes zu tun bzw. nicht zu tun. Der Mensch trägt die göttlichen Werte in seinem Herzen. Sie sind zu seinen eigenen Werten, zu seinen eigenen Prinzipien geworden.

[21:12] Ich möchte auch hier ein Beispiel bringen, zunächst nicht mal aus der Bibel, sondern aus der Geschichte. Wir schauen in die NS-Zeit. Dort gab es ja das Gesetz, dass man Juden ausliefern sollte, wenn sie bekannt waren. Und wenn man Juden in seinen Häusern versteckt hat, war das höchst illegal und wurde auch bestraft. Es gab allerdings einige Menschen, die sich dazu entschlossen haben, Juden Obdacht zu gewähren und sie vor Verfolgung zu schützen. Damit haben sie sich natürlich illegal gemacht, bzw. strafbar gemacht.

[21:59] Doch für sie war der Wert wichtiger, das Leben der anderen Menschen zu schützen, als irgendwie dem staatlichen Gesetz zu entsprechen. Das heißt, obwohl man hier ein staatliches Gesetz hat, hat man in sich selbst ruhende Prinzipien, die einen zu einer Handlung motivieren, die auf Grundsätzen und moralischen Werten basieren.

[22:33] Und hier könnte man sagen, das Kind putzt seine Zähne, weil es davon überzeugt ist, dass Zahnpflege und Zahnhygiene wichtig sind, selbst wenn z.B. die Eltern jetzt etwas anderes sagen würden.

[22:46] Und in der Bibel gibt es ein berühmtes Beispiel in Matthäus, auch hier in Kapitel 5 Vers 28. Dort sagt Jesus: „Wer eine Frau nur ansieht, um sie zu begehren, der hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.“

[23:05] Also, wir sehen hier einen ganz deutlichen Kontrast zwischen Stufe 1 und Stufe 6. In der ersten Stufe wird das Gesetz aus Furcht, aus Angst vor Bestrafung gehalten, aus dem Grund, weil andere es sagen. Doch in der letzten Stufe trage ich ein Wertesystem in mir und dieses Wertesystem steht stabil.

[23:34] Und wenn wir uns die Geschichte des Volkes Israel anschauen, dann macht das hier total Sinn, denn ich bin davon überzeugt, dass Gott im Alten Testament die Menschen, das Volk Israel, erzogen hat zum moralisch mündigen Verhalten.

[23:51] Wir dürfen nicht vergessen, dass das Volk Israel damals, bevor Gott das Volk aus Ägypten geführt hat, Sklaven in Ägypten war. Und als Sklave wird man auch wie ein Sklave behandelt. Wenn du nicht gehorchst, wirst du ausgepeitscht, wirst du geschlagen, wirst du vielleicht sogar auch getötet.

[24:11] Wenn du ein Sklave bist, dann gehorchst du einfach, du wirst nicht auf die Idee kommen, Regeln zu hinterfragen oder ein Sklave hat schon gar nicht die Motivation, die Werte und Grundsätze ihrer Sklaventreiber für sich zu gewinnen und diese Werte zu leben.

[24:30] Doch dann führt Gott das Volk Israel aus Ägypten heraus. Doch die Mentalität der Sklaven ist immer noch in den Israeliten drin. Sie haben sich an den rauen Ton in Ägypten gewöhnt und vielleicht war das auch der einzige Ton, den die Israeliten verstanden haben.

[24:53] Z.B. heißt es in Exodus 21 Vers 12: „Wer einen Menschen schlägt, der soll des Todes sterben.“ Ganz, ganz klar, wenn du das tust, wirst du so und so bestraft. Doch im Neuen Testament sagt Jesus, dass wenn man seinen Bruder nur zürnt, es schon so ist, als hätte man ihn umgebracht.

[25:15] Und in Exodus 31 Verse 14 und 15 heißt es: „Wer am Sabbat arbeitet, der wird sterben. Der wird aus der Mitte des Volkes ausgerottet werden.“

[25:26] Doch wenn wir dann in Jesaja 58 Verse 13 und 14 reinschauen, dann lesen wir: „Wenn du den Sabbat eine Wonne nennst, ihn ehrwürdig nennst und nicht deinen Geschäften nachgehst, dann wirst du deine Lust am Herrn haben.“

[25:46] Also, es gibt in der Bibel unterschiedliche Motivationen, das Gesetz Gottes zu halten. Wir sehen Angst vor Bestrafung oder auch, wie ich schon gesagt habe, die zivilen Gesetze in Israel oder eben die Liebe, die Lust am Herrn, wie es hier in Jesaja 58 heißt.

[26:10] Gott wünscht sich, dass wir zu dem Punkt gelangen, dass wir sagen können, ich gehorche dem Gesetz Gottes auf der Stufe 5 oder 6.

[26:29] Und wenn wir uns vergegenwärtigen, wie wir schon vorhin gesehen haben, dass das Gesetz Gottes der Ausdruck seines Charakters ist und Gott somit der Urheber des Gesetzes, dann ist es eine Frage, die ganz wichtig und grundsätzlich ist, wenn wir über das Gesetz Gottes sprechen: Kennst du den Urheber des Gesetzes, bist du ihm begegnet? Hast du eine Erfahrung mit Gott gemacht? Hast du ihn kennengelernt? Hast du seine Schönheit erkannt? Sein Charakter, seine Grundsätze, seine Werte?

[27:20] Hältst du das Gesetz, weil du den Urheber kennengelernt hast? Weil du davon überzeugt bist, dass Gott gut ist und dass deswegen auch sein Gesetz gut sein muss. Oder hältst du das Gesetz aus Angst oder einfach, weil man es dir gesagt hat, dass du es halten sollst?

[27:44] In Hebräer Kapitel 8 Vers 10 lesen wir: „Aber dann werde ich mit dem Volk Israel einen neuen Bund schließen und der wird ganz anders aussehen. Ich schreibe mein Gesetz in ihr Herz. Es soll ihr ganzes Denken und Handeln bestimmen. Ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein.“

[28:21] Das Gesetz ist der Ausdruck des Wesens Gottes. Und wenn du Gott liebst und eine Beziehung mit ihm hast, dann kannst du gar nicht anders, als das Verlangen danach zu haben, diesem Gott immer ähnlicher zu werden.

[28:43] Wenn du die Güte und die Liebe Gottes erkannt hast, wenn du die Schönheit seines Charakters bewunderst, dann bist du wirklich motiviert, diese Attribute Gottes, diese Werte und diese Eigenschaften von ihm in deinem Leben zu verinnerlichen und zu imitieren.

[29:09] Jesus wurde einmal nach dem höchsten Gebot gefragt. Wir lesen das in Matthäus Kapitel 22, Verse 34 bis 40.
[29:34] „Als nun die Pharisäer hörten, dass er den Sadduzäern den Mund gestopft hatte, versammelten sie sich. Und einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, stellte ihm eine Frage, um ihn zu versuchen und sprach: ‚Meister, welches ist das größte Gebot im Gesetz?‘ Und Jesus sprach zu ihm: ‚Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken. Das ist das erste und größte Gebot.‘“

[30:11] Denken." Das ist das erste und größte Gebot. Und das zweite ist ihm vergleichbar: Du sollst deine Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen zwei Geboten hängen das ganze Gesetz und die Propheten. Jesus zeigt uns hier, was der eigentliche Kern des Gesetzes Gottes ist. Das ist das Wesen Gottes selbst, und das ist die Liebe. "Du sollst Gott lieben" (Vers 37) und "du sollst deine Nächsten lieben" (Vers 39).

[30:57] Jesus schließt diesen Diskurs ab, indem er sagt: "An diesen zwei Geboten hängen das ganze Gesetz und die Propheten." Also, in anderen Worten, die gesamte Bibel der damaligen Zeit, das gesamte Alte Testament – ähm, also die Bibel, die Jesus hatte – drückt im Grunde genommen nichts anderes aus. Sie drückt schon mehr aus, aber wenn man es runterbricht, drückt sie nichts anderes aus, als praktiziere Liebe. Liebe deinen Gott, tritt in eine persönliche Beziehung mit ihm ein. Ähm, dort heißt es: "Du sollst deinen Gott lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken, mit deinem gesamten Sein." Wer du bist, sollst du Gott lieben. Und liebe deine Nächsten. Liebe ihn, weil auch Gott ihn liebt. Und das ähm, das sind beides Gebote aus dem Alten Testament, aus der Tora selbst. Das ist nichts, was Jesus hier hinzugefügt hat. Das sind Zitate aus dem Alten Testament.

[32:08] Und das Neue Testament rundet diesen Gedanken ab, indem es uns in Johannes 13, Vers 35 sagt: "Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt." Und Erster Johannes, Kapitel 4, Vers 8 ergänzt: "Wer nicht liebt, der hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Liebe." Es geht Gott also in erster Linie um die Veränderung des Herzens, um Liebe.

[32:44] In Hosea, Kapitel 6, Vers 6 heißt es folgendes: "Denn an Liebe habe ich Wohlgefallen und nicht am Opfer, an der Erkenntnis Gottes mehr als an Brandopfern."

[33:14] Und im Propheten Jesaja heißt es im ersten Kapitel in den Versen 11 bis 17: "Was soll mir die Menge eurer Schlachtopfer?", spricht der Herr. "Ich bin der Brandopfer von Widdern und des Fettes der Mastkälber überdrüssig. Und am Blut der Jungstiere, Lämmer und Böcke habe ich keinen Gefallen. Wenn ihr kommt, um vor meinem Angesicht zu erscheinen, wer verlangt dies von euch, dass ihr meine Vorhöfe zertretet? Bringt nicht mehr vergebliches Speiseopfer. Räucherwerk ist mir ein Gräuel, Neumond und Sabbat. Versammlungen halten, Frevel, verbunden mit Festgedränge, ertrage ich nicht. Eure Neumonde und Festzeiten hasst meine Seele. Sie sind mir zur Last geworden. Ich bin es müde, sie zu ertragen. Und wenn ihr eure Hände ausbreitet, verhülle ich meine Augen vor euch. Und wenn ihr auch so viel betet, höre ich doch nicht, denn eure Hände sind voll Blut."

[34:26] "Wascht, reinigt euch, tut das Böse, das ihr getan habt, von meinen Augen hinweg. Hört auf, Böses zu tun. Lernt Gutes zu tun. Trachtet nach dem Recht, helft dem Bedrückten, schafft der Waise Recht, führt den Rechtsstreit für die Witwe."

[34:54] Also, was Gott hier sagt, ist, dass er nichts mit den Opfern ähm und den ganzen Riten anfangen kann, sofern sie komplett sinnentleert sind und nur noch oberflächlich und überhaupt keine Umkehr und keine Buße in den Herzen der Menschen bewirken. Der Jesaja-Text hat ausgesagt, dass die Menschen Opfer bringen, Feste feiern für Gott, doch ihre Hände sind voll Blut. Und Gott fordert die Menschen wieder auf und sagt: "Lernt doch Gutes zu tun. Wendet euch vom Bösen ab." Heißt es in Vers 16. Und in Vers 17 heißt es: "Lernt es stattdessen Gutes zu tun. Trachtet nach dem Recht, helft den Bedrückten, schafft der Waise Recht, führt den Rechtsstreit für die Witwe."

[36:02] Gottes Willen, Gottes Gebote, das, was Gott für gut erachtet, uns egal ist und wir uns unseren Mitmenschen kalt verhalten gegenüber. Wenn wir Ungerechtigkeit zulassen beziehungsweise praktizieren, unsere Hände voll Blut sind, dann sind all die Dinge, die wir scheinbar für Gott tun, all die Opfer, all die Riten, all die Äußerlichkeiten bedeutungslos, wenn sie zu keiner echten Reue und Umkehr des Herzens führen.

[36:38] Gott möchte, dass Menschen das Gesetz hinterfragen. Gott möchte, dass wir die Werte, die hinter dem Gesetz liegen, verstehen und sie in uns aufnehmen. Und das ist etwas, das Volk Israel nicht geschafft hat.

[37:04] Und ich möchte heute zu dir sprechen. Ich weiß nicht, wo du gerade in deinem Leben stehst, auch nicht, wo du in deinem Glauben stehst. Vielleicht bist du frisch im Glauben, vielleicht glaubst du schon viele Jahre. Und vielleicht hast du, obwohl du schon viele Jahre glaubst, eine schlechte Beziehung oder keine gute Beziehung zum Gesetz Gottes, weil du so oft an den Ansprüchen des Gesetzes Gottes gescheitert bist. Oder aber vielleicht bist du jemand, der sich das Gesetz Gottes zu deinem eigentlichen Gott gemacht hat, indem du sichergestellt hast, dass du das Gesetz Gottes äußerlich betrachtet hältst und dich damit vor Gott sozusagen absicherst. Aber wem machen wir uns was vor? Es geht nicht um das Gesetz an sich.

[38:01] Es geht darum, dass Gott in uns sein Ebenbild wiederherstellen möchte, dass wir seinem Wesen immer ähnlicher werden, dass seine Werte und seine Grundsätze die unseren werden, dass wir in der Beziehung, die wir mit ihm haben, ihm die Erlaubnis geben, durch seinen Heiligen Geist uns zu verändern, damit wir zu dem heranwachsen können, zu dem wir eigentlich geschaffen wurden, nämlich um Gott zu lieben und auch um unsere Mitmenschen zu lieben.

[38:34] Und ich wünsche mir, dass, wenn du das heute siehst, dass du die Gelegenheit ergreifst, einen Neustart in deinem Glauben zu wagen. Ich lade dich ein, den Urheber des Gesetzes kennenzulernen, ihm zu begegnen, damit du aus der Liebe zu ihm das Gesetz mit Freuden hältst und nicht aus Furcht, aus Angst vor Bestrafung oder einfach nur deswegen, weil du es musst, weil du gezwungen wirst oder weil es dir einfach gesagt wurde, dass du es halten sollst, ohne dass du einen wirklichen Grund darin...

[39:20] ...einladen, das Gesetz Gottes in dein Herz schreiben zu lassen von Gott selbst.

[39:25] Nicht, dass das Gesetz nicht relevant sei. Es ist relevant, aber dass du es erfüllt, erfüllen kannst, genauso wie Jesus es erfüllt hat, durch die Liebe Gottes, durch den Geist, der ihn ermächtigt hat, das Gesetz Gottes zu halten.

[39:46] Ich möchte dich einladen, mit mir ins Gebet zu gehen, damit wir Gott darum bitten, dass er uns diese Werte, diese Grundsätze, diese Prinzipien in unser Herz eingibt, dass die Wurzeln schlagen, sodass wir wirklich das Gesetz gemäß dem Geist halten, so wie es der Römerbrief gesagt hat.

[40:15] Lieber Gott, du bist ein großes Wesen. Du bist der Anfang der Schöpfung und deine Liebe, dein Wesen hält diese gesamte Schöpfung zusammen.

[40:32] Und deine Liebe und dein Charakter wird in deinem Gesetz zusammengefasst, und wir sehen, dass wir nicht in der Lage sind, diesen Anforderungen des Gesetzes zu entsprechen, weil wir von dir entfremdet sind.

[40:51] Und somit möchte ich dich darum bitten, dass du uns mit deinem Geist und mit deiner Liebe erfüllst, so dass wir dich kennenlernen, dass wir dich verstehen und dass wir wissen, wer du bist und aufgrund dieser Erkenntnis das Gesetz mit Freuden halten.

[41:08] Lieber Gott, jeder, der hier zuschaut, ich weiß nicht, was auf seiner oder auf ihrer Seele liegt und was sie bedrückt. Ich will dich darum bitten, dass du jeder Person ähm deine Liebe zeigst, dass du jede Person ansprichst und berührst und dass sie wissen darf, dass sie geliebt ist von dir und dass durch diese Liebe, durch diese Begegnung mit dir eine, ja, ein Neuanfang geschehen kann und dass dadurch wir alle, die wir die Begegnung mit dir nötig haben, ähm zu neuen Kreaturen heranwachsen können durch deine verändernde Kraft, dass wir in der Lage sind, dein Wesen in unserem Herzen zu tragen und nicht, dass wir einfach wie in einer Diktatur irgendwelchen erlassenen Geboten ähm ohne sie zu hinterfragen sie halten.

[42:10] Lieber Gott, ich will dich bitten, dass wir deinem Wort folgen, weil wir dich lieben, weil wir dich kennen, weil wir deine Liebe verstanden haben und weil wir wissen, dass du gut bist.

[42:23] Lieber Gott, ich will dich darum bitten, dass wir das immer wieder verstehen, dass wir uns immer wieder in dieser Sache auch erinnern und dass du uns auch die Kraft dazu schenkst, dass du deinen Geist über uns aussendest, ausgießt, damit wir das Gebot, das Gesetz gemäß dem Geist auch erfüllen können. Darum möchte ich dich bitten und ich danke dir dafür, lieber Gott.

[42:58] Amen. Ich bedanke mich bei euch, dass ihr zugeschaut habt und damit beschließe ich dieses Quartal. Und ähm, nächstes Mal geht es mit einem ganz neuen Thema weiter. Ähm, das bedeutet, beim nächsten Mal wird das Thema angefangen: "Analogien, Bilder, Symbole, biblische Texte verstehen." Bis dahin wünsche ich euch Gottes Segen und freue mich auf das nächste. [Musik]


Lizenz

Copyright ©2025 Joel Media Ministry e.V.
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.