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Manuskript zur Sendung >>> CSH_Manuskript_2020 1st (Special) Nr 9 (2)

In dieser Ausgabe der Cannstatt-Study-Hour wird das Buch Daniel, Kapitel 8, eingehend behandelt. Christopher Kramp erklärt die prophetischen Visionen von Widder und Ziegenbock und deren Bedeutung für die Weltgeschichte, von den Medo-Persern bis zum griechischen Weltreich Alexanders des Großen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Interpretation des „kleinen Horns“ und seiner Verbindung zum Römischen Reich und dem Papsttum. Die zentrale Botschaft des Kapitels, die 2300 Abende und Morgen und die Reinigung des Heiligtums, wird beleuchtet und ihre Relevanz für die heutige Zeit herausgestellt.


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Serie: Cannstatt Study Hour - Spezial 2020 Q1: Daniel

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Transkript

[0:00] Hallo und herzlich willkommen zu einer besonderen Ausgabe der Cannstatt-Study-Hour hier auf www.joelmedia.de. Ein herzliches Willkommen gilt natürlich auch allen Zuschauern auf Amazing Discoveries. Besonders ist diese Sendung heute, weil es die letzte aus unseren alten Studio-Räumlichkeiten sein wird. Nach einer kurzen Übergangsphase, in der wir die Adventgemeinde Wangen nutzen werden, werden wir dann ab April aus unserem neuen Studio senden. Und es ist eine besondere Freude und sicherlich kein Zufall, dass die letzte Sendung, die wir hier aus unserem alten Studio, in dem wir joelmedia.de auch gegründet haben, ausgerechnet sich mit Daniel Kapitel 8 beschäftigen wird. Jenem Kapitel, das in mehrerer Hinsicht das Fundament der Adventbewegung ist, des Adventglaubens. Und wir wollen uns heute Zeit nehmen, dieses besondere Kapitel sehr sorgfältig zu studieren. Wir bereiten uns damit vor auf das Bibelgespräch am 29. Februar. Und das Ganze steht unter dem Titel von der Verunreinigung zur Reinigung. Lasst uns gemeinsam beten.

[1:37] Lieber Vater im Himmel, wir sind dir von Herzen dankbar, was du alles in unserem persönlichen Leben tust, wie du uns führst, wie du auch joelmedia.de gesegnet hast bis zu diesem Punkt. Danke für allen Segen, den du uns geschenkt hast, für alle Erkenntnis, dass du unser Lehrer gewesen bist durch den Heiligen Geist in all den Jahren. Wir möchten dich jetzt bitten, dass du uns erneut durch dein Wort stärkst, dass wir in unserem Glauben gefestigt werden, dass wir dich besser verstehen, die Wahrheit für diese Zeit begreifen und vorbereitet sind, in die Welt zu gehen, um genau diese Wahrheit den anderen Menschen mitzuteilen. Wir möchten dich bitten, dass du jetzt nach deiner Verheißung dein Wort nicht leer zurückkehren lässt, sondern es ausführen lässt, wozu du es gesandt hast. Das bitten wir im Namen unseres Erlösers und Hohenpriesters und bald wiederkommenden Königs, Jesus Christus. Amen.

[2:30] Das Buch Daniel enthält etliches, was nicht so leicht zu verstehen ist. Das gilt insbesondere für die späteren Prophezeiungen. Uns wird gesagt, der Prophet konnte seine erstaunlichen Weissagungen, wie er sie in Kapitel 7 bis 12 des nach ihm benannten Buches aufgezeichnet hat, nicht einmal selbst völlig verstehen. Wir müssen also nicht verzweifeln, wenn wir auch in Daniel 8 nicht jedes Detail immer vollständig schon komplett erfasst haben. Wenn es da noch Raum gibt, auch noch für weiteres Studium. Und das soll auch hier die Ermutigung an euch sein, euch selbst mit diesem Thema zu befassen. Und auch dann, wenn wir zu den späteren Kapiteln, vor allem Kapitel 11 kommen, soll es dazu führen, das Buch Daniel noch intensiver zu studieren. Es ist nämlich sehr wichtig, uns wird gesagt, während wir uns dem Ende der Weltgeschichte nähern, beanspruchen die von Daniel überlieferten Weissagungen unsere volle Aufmerksamkeit. Da sie sich gerade auf die Zeit beziehen, in der wir leben. Und deswegen sollten wir auch Daniel 8 mit großer Aufmerksamkeit lesen.

[3:34] Wir beginnen in Vers 1 und heißt es: Im dritten Jahr der Regierung des Königs Belsatzer erschien mir Daniel. Ein Gesicht nach jenem, das mir am Anfang erschienen war. Ab diesem Vers ist das Buch Daniel bis ans Ende wieder in Hebräisch geschrieben. Diesen Belsatzer kennen wir schon aus Kapitel 5 und auch in 7 ist er ja kurz erwähnt worden. Bel-shara-uzur, der Herr, also Marduk, schützte den König, war der Sohn von Nabunid, dem letzten König von Babylon. Und er war höchstwahrscheinlich eine, oder seine Mutter war höchstwahrscheinlich eine Tochter von Nebukadnezar. Das war so jedenfalls die ganz sinnvolle Vermutung von Deji Weissman. Und er war zehn Jahre lang Korrigent mit seinem Vater Nabunid, der sich in Arabien aufhielt, weswegen er auch in Daniel 5 dann dem Daniel den dritten Rang im Reich anbietet. Er ist mehrmals in Keilschrifttexten belegt und damit auch ein starker Beweis dafür, dass das Buch Daniel wirklich auch in der Zeit geschrieben wurde, von der es spricht. Das dritte Jahr seiner Regierung war, und da ist lange Zeit viel hin und her diskutiert worden, aber mittlerweile ist die Sache ziemlich klar, das Jahr früher 548 bis früher 547. Wer sich da weiter hinein vertiefen will, da haben wir einen Link zu einem sehr guten Artikel von Gerhard Hasel auf der Seite der Andrews-Universität, da kann man die entsprechenden Belege finden. Das ist also immerhin noch neun Jahre vor dem Fall von Babylon. Und zwei Jahre nach der Vision aus Daniel 7, auf die er sich hier explizit bezieht. Das wollen wir festhalten, Daniel sagt von Anfang an, dass Daniel 8 hier etwas auch mit Daniel 7 zusammenhängt. Wie auch schon in Daniel 7 spricht er jetzt vor allem in der ersten Person, das wird sich in der zweiten Hälfte des Buches jetzt vor allem so durchziehen. Er spricht von einem Gesicht und wichtig ist, und das ist auch im Hinblick dann auf Daniel 9 ganz entscheidend, dass es im Hebräischen hier in diesem Kapitel zwei verschiedene hebräische Worte für Gesicht gibt. Das ist jetzt nicht absolut entscheidend, um Daniel 8 verstehen zu können und Daniel 9, aber sehr hilfreich, um die Hauptaussage nochmal zu vertiefen. Es gibt das Wort Chazon und das Wort Mare und Chazon wird hier verwendet und es meint die gesamte Vision in ihrer Länge.

[5:54] Vers 2. Susa war die alte Königstadt der Elamen und jetzt eine wichtige Stadt im Babylonischen Reich. Später sind auch die Geschichten von Esther und auch anfangs von Nehemia dort verortet. Elam selbst war ja ein mächtiges Reich, das schon in 1. Könige 14 erwähnt wird, ein Erbfeind der mesopotamischen Königreiche und war dann im 7. Jahrhundert vor Christus von den Assyrern weitestgehend ausgeschaltet worden. Jetzt mehr oder weniger eine Provinz, wie sie heißt im Babylonischen Reich. Später war elamisch die Amtssprache auch im Persischen Reich. Elam war nach Jesaja 21 Vers 2 auch am Fall von Babylon später beteiligt. Interessant ist dieser Ulai-Fluss, der kommt nämlich auch in Keilschrifttexten öfter vor. Dort fand eine gewichtige Schlacht statt, schon Jahrhunderte vorher im 12. Jahrhundert zwischen Babylon und Elam. Damals Babylon unter der Führung von Nebukadnezar I., nachdem später der berühmte Nebukadnezar II. benannt worden ist. Und auch die Schlacht zwischen Assyrien und der Assurbanipal und Elam im 7. Jahrhundert. Interessanterweise wird der Ulai auch im berühmten Gilgamesch-Epos erwähnt auf der 8. Tafel und dort als der heilige Fluss bezeichnet. Und das ist sehr interessant, weil wir sehen werden, dass hier in diesem Kapitel die Idee von Heiligkeit und von Heiligtum sehr stark betont wird.

[7:29] Uns wird gesagt, wir sollen das Buch Daniel lesen und Punkt für Punkt die Geschichte der dort präsentierten Königreiche nachvollziehen. Wir sollen uns mit den Staatsmännern, den mächtigen Armeen, den Konzilen beschäftigen und sehen, wie Gott gewirkt hat, um den Stolz der Menschen in den Staub zu legen. Gott allein wird in diesem Buch als der Große dargestellt. Und in einem Brief von 1896 sagte sie, die Visionen, die er, Daniel, an den Ufern des Ulai und des Chedekel, das ist der Tigris in Daniel 11, gesehen hat. Also die Visionen von Daniel 8 und 11, die großen Flüsse von China, sind jetzt im Vollzug. Und die Ereignisse, die vorhergesagt worden sind, werden bald sich ereignet haben. Also eine sehr deutliche Ermutigung, sich auch mit Daniel 8 zu beschäftigen.

[8:27] Vers 3. Und ich hob meine Augen auf und schaute und siehe, da stand vor dem Fluss ein Widder. Der hatte zwei Hörner und beide Hörner waren hoch, aber das eine war höher als das andere und das höhere war zuletzt empor gewachsen. Und diese Idee, "ich hob meine Augen", wird öfter auch im Alten Testament für prophetische Gesichte verwendet. Nicht nur, aber auch zum Beispiel 4. Mose 24 in der Geschichte von Bileam ist das zu sehen oder vor allem auch öfter im Buch Sacharja, die Referenzen wie immer im Sendemanuskript. Es spricht hier von einem Widder und wir müssen nicht lange raten, denn später in Vers 20 gibt es ja die Erklärung. Das ist ja so beim Buch Daniel, dass eigentlich immer die Vision erst aufgeschrieben ist und dann folgt die Erklärung. Das haben wir in Daniel 2 so, in Daniel 7 so und Daniel 8 so. Und wir werden deswegen ab und zu schon in die Erklärung hineinspringen, auch wenn wir sie später nochmal kurz anschauen werden. In Vers 20 heißt es: Der Widder mit den beiden Hörnern, den du gesehen hast, das sind die Könige, der Meder und der Perser. Also das Weltreich Medo-Persien, das ab dem Fall Babylons im Oktober 539 v. Chr. ungefähr 200 Jahre bis zur Schlacht von Gaugamela 331 die Oberherrschaft hatte. Es waren zwei Königreiche oder zwei große Nationen, die Meder, die wir zum Beispiel auch aus Jesaja 21, Vers 17 kennen und die Perser, die eine Allianz gebildet haben. Daniel 5, 28 sagt es ja auch in dem Spruch ganz deutlich, dass das Königreich den Medern und den Persern gegeben wird und deswegen zwei Hörner. Das eine war höher, weil die Perser am Ende sehr viel mächtiger waren als die Meder, weswegen man öfter auch in der Geschichtsschreibung nur noch von dem Perserreich spricht. Das erinnert ein bisschen auch an die Ungleichheit zwischen den beiden Seiten des Bären, der auf einer Seite aufgerichtet worden ist. Und wir haben auch diesen interessanten Punkt hier, dass das höhere, das heißt das persische Horn, zuletzt empor gewachsen ist und das ist tatsächlich auch historisch greifbar. Die Meder waren zunächst einmal sehr viel wichtiger, schon um 700 tauchen sie in den assyrischen Quellen als ernstzunehmender Faktor im Zagrosgebirge auf. Sie waren dann mit den Babyloniern alliiert, um gemeinsam das assyrische Reich zu stürzen, die Eroberung von Assur 614 zum Beispiel, die geschah im Wesentlichen allein durch die Meder. Und sie haben dann auch sehr weit ausgegriffen, während Babylon das ganze Mesopotamien eigentlich unter sich hatte, waren vor allem die Gebirgsregionen des Zagrosgebirge und auch in Kleinasien unter medischer Kontrolle. Man hat dann bis nach Kleinasien ausgegriffen, im Krieg gegen Lydien und erst später kamen dann die Perser wirklich mächtig auf. Das war vor allem, als dann Kyros dort auch die Macht lokal übernahm und spätestens mit seiner Regierungsübernahme über das ganze Reich, nach unserer revidierten Chronologie, die auf Ellen White basiert, 537 vor Christus, da beginnt dann das persische Übergewicht.

[11:27] Vers 4. Ich sah, wie der Widder gegen Westen, Norden und Süden stieß, also offensichtlich aus Osten kam und kein Tier konnte auf ihm bestehen und niemand konnte aus seiner Gewalt erretten, sondern er tat, was er wollte und wurde groß. Das medische Weltreich hat nachher später im Laufe seiner Zeit die Grenzen bis nach Ägypten, nach Europa, Thrakien und bis zum Indus ausgedehnt.

[11:48] Vers 5. Während ich nun acht gab, siehe, da kam ein Ziegenbock von Westen her über die ganze Erde, ohne den Erdboden zu berühren, der Bock aber hatte ein ansehnliches Horn zwischen seinen Augen. Und auch hier sagt uns der Engel Gabriel später sehr genau, wer das ist.

[12:04] Vers 21. Der zottige Ziegenbock aber ist der König von Griechenland und das große Horn zwischen seinen beiden Augen, das ist der erste König. Also wir haben hier das griechisch-makedonische oder auch das hellenistische Weltreich, es kommt aus Westen, die Himmelsrichtungen sind immer auf die Perspektive von Daniel natürlich bezogen. Und es nimmt die ganze Erde ein, die Ausmaße der Eroberung Alexanders, das Ausmaß, was er in einer Generation erobert hat, das ist völlig ohne Parallele eigentlich in der Weltgeschichte. Ohne den Boden zu berühren, das erinnert an die Vogelflügel des Panthers aus Daniel 7 Vers 6. Und dieses ansehnliche Horn, das heißt jetzt der erste König, das stellt natürlich das Reich von Alexander dem Großen dar, Alexandros Hormegas, das er ab 334 vor Christus erobert und gegründet hat.

[12:59] Vers 6. Und er kam zu dem Widder, der zwei Hörner hatte, den er nicht vor dem Fluss hatte stehen sehen und lief wütend mit seiner ganzen Kraft gegen ihn an. Warum waren die Griechen wütend auf die Perser? Das geht zurück auf ein wichtiges Ereignis in der griechisch-persischen Geschichte, die sogenannten Perserkriege zwischen 492 und 479 vor Christus. Da war es so gewesen, dass Darius schon, Darius der Große, den wir aus Esra 6 kennen zum Beispiel, dass er nach der Ionischen Rebellion, Ionischen Aufstand um 500, der niedergeschlagen wurde an der Westküste Kleinasiens, auch Festland Griechenland bestrafen wollte, weil die dort den Griechen in Kleinasien geholfen hatten. Und eine erste Expedition scheiterte 492, weil die Schiffe beim Athos untergingen. 490 landete man dann in Griechenland, aber es kam zur berühmten Schlacht von Marathon, wo die Athener mithilfe einiger anderer Griechen die Perser überrascht in die Flucht schlagen konnten. Und da rührt dann die berühmte Geschichte her von dem Läufer, der die etwas mehr als 42 Kilometer vom Schlachtfeld bis nach Athen zurücklief, um die Siegesmeldung zu bringen und auch vor den möglicherweise anrückenden Persern per Schiff zu warnen. Und dann, so sagt es die Geschichte, tot umgefallen ist. Da kommt dann diese Idee vom Marathonlauf her. Viel entscheidender ist dann allerdings zehn Jahre später, als dann Xerxes an der Macht war, der große Eroberungszug, den Xerxes anführte. Eine gewaltige Armee, wir werden da im Zuge von Daniel 11 vielleicht noch das eine oder andere zu sagen haben, das war zehn Jahre nach der Schlacht von Marathon, und da ging es bis weit ins griechische Kernland. Man hatte sie nur mühsam bei den Thermopylen aufhalten können und dann wurde ganz Griechenland verwüstet, Athen verwüstet, die Tempel zerstört. Xerxes selbst wurde dann in der Seeschlacht bei Salamis zurückgeschlagen und seine Resttruppen, nachdem er sich zurückgezogen hatte, ein Jahr später bei Plataiai vertrieben. Allerdings hat das einen tiefen Einschnitt bedeutet, das kollektive Bewusstsein der Griechen, eine traumatische Erfahrung, und seit dem Zeitpunkt hatte man sich geschworen, diesen Persern irgendwie Rache zukommen zu lassen. Man war aber viel zu schwach zum damaligen Zeitpunkt, um das in Bewegung zu ziehen. Aber als Alexander zog gegen Persien war das die offizielle Vergeltung für die Frevel der Perser, die ca. 150 Jahre zuvor geschehen worden waren.

[15:59] Die wichtigsten Etappen des Alexanderzuges sind 334, der Sieg bei Granikos, damals noch gegen einige Stadthalter in Westkleinasien, dann 333, die erste große Schlacht gegen Darius III. bei Issos, 332 ist er dann, nachdem er Tyrus eingenommen hat, Jerusalem vorbeigekommen ist, sagen wir noch mehr dazu, da hat er dann Ägypten eingenommen, sich zum Pharao krönen lassen, und 331 kam es zur großen Entscheidungsschlacht bei Gaugamela, die auch er, die er dann wieder für sich entscheiden konnte gegen Darius III., danach hat er versucht noch Darius zu verfolgen und hat im Laufe der nächsten Jahre wesentliche Provinzen auch im Osten erobert, bis dann er auch Richtung Indien gezogen ist.

[16:42] Vers 8. Der Ziegenbock aber wurde über die Maßen groß. Als er aber am stärksten war, zerbrach das große Horn und es wuchsen an dessen Stelle vier ansehnliche Hörner auf nach den vier Himmelsrichtungen hin. Alexander starb auf dem Höhepunkt seiner Macht in Babylon, das er zur neuen Hauptstadt machen wollte, im Jahre 323 v. Chr. Und diese vier Hörner sind parallel zu den vier Köpfen des Panthers in Daniel 7. Als Alexander starb, gab es keine wirkliche Nachfolgeregelung, sein Halbbruder war offensichtlich regierungsunfähig, es scheint so, dass er wahrscheinlich irgendwie geistig behindert gewesen ist oder ähnliches. Sein Sohn Herakles war illegitim, sein legitimer Sohn mit der persischen Prinzessin Roxane war noch nicht geboren und so gab es verschiedene Fragen, wie das jetzt gelöst werden soll. Er soll auf dem Todesbett gesagt haben, der Beste solle sein Nachfolger werden, das haben natürlich irgendwie alle auf sich bezogen. Es gab dann ungefähr 20 Jahre Bürgerkrieg mit wechselnden Allianzen, bis es dann 301 v. Chr. zur Entscheidungsschlacht bei Ipsos kam und dort haben die vier Generäle Cassander, Lysimachus, Seleucus und Ptolemäus den Antigonus besiegt, der immer noch die Alleinherrschaft für sich in Anspruch nahm. Die anderen vier aber, die gerade genannten, die hatten sich seit 305 Basileus König genannt und hatten quasi das Reich unter sich aufgeteilt und damit wurde jetzt endgültig dieses große Alexanderreich auf diese vier sogenannten Diadochen aufgeteilt. Ursprünglich bekamen Cassander Makedonien und Festlandgriechenland, Lysimachus war in Thrakien, so dem heutigen Bulgarien, also etwas nordöstlich von Griechenland und auch in Westkleinasien. Ptolemäus hatte Ägypten, auch die Kyrenaika, also Libyen und auch Kilikien, das ist so südöstlich von Kleinasien und Seleucus den ganzen Osten, Mesopotamien, Syrien, Ostkleinasien, Anatolien, auch Persien bis zum Indus. Er hatte wesentlich zum Sieg beigetragen, deswegen bekam er auch ein großes Stück. Das hat sich im Laufe der Zeit natürlich dann stark geändert und auch gewechselt, aber das war die originale Aufteilung in vier Königreiche, genauso wie es die Bibel vorhergesagt hatte.

[18:57] In Vers, außerdem heißt es hier nach den vier Himmelsrichtungen, also entsprechend der vier Winde des Himmels, ganz interessant vielleicht, ist noch nicht so viel drüber nachgedacht worden vielleicht, dass hier auch in Bezug nochmal zu Daniel 7 Vers 2 ist, weil die vier Winde des Himmels ja auch für Krieg stehen. Können wir vielleicht mal drüber nachdenken.

[19:14] Vers 9. Abwegig, dass die hebräische Grammatik hier die vier Himmelsrichtungen meint, das ist in der Tat tatsächlich möglich. Aus einem von ihnen könnte sich auf die Hörner als auch auf die Himmelsrichtungen beziehen. Manchmal wird gesagt, dass das zwangsläufig die Himmelsrichtungen sind, das ist allerdings tatsächlich nicht der Fall. Wir verweisen da auf die Dissertation von Martin Pröbstle, wir haben auch den Link dazu, wer sich da durch dieses gewaltige Werk hindurchlesen möchte. Die hebräische Urtextstelle hier ist einfach nicht ganz eindeutig, man kann also anhand der hebräischen Grammatik das nicht eindeutig entscheiden. Man kann allerdings aufgrund des Parallelismus von Daniel 2 und 7, jetzt mit 8, sehen, dass natürlich nicht irgendein kleiner hellenistischer Herrscher, wie das die Bibelkritik dann oft die Präteristen oft sehen, mit Antiochus IV. Epiphanes, das hier gemeint sein kann, sondern natürlich das Römische Reich und das, wie wir jetzt sehen, passt auch sehr viel besser zu den anderen historischen Details, die genannt werden.

[20:42] Zum einen heißt es hier, es kommt aus Kleinheit, es wird jetzt was kleines Horn genannt, aber eigentlich steht hier, es kommt aus Kleinheit hervor. Rom beginnt tatsächlich als eine völlig unscheinbare Siedlung und ist noch um 350 vor Christus, also lange nachdem Daniel hier schreibt, nur eine lokale Größe. Also zum Zeitpunkt, als Daniel hier schreibt, ist Rom wahrscheinlich niemandem außerhalb von Latium überhaupt bekannt gewesen und hat erst sehr langsam dann die Oberherrschaft über Mittelitalien und später dann auch ganz Italien bekommen. Es wurde aber dann außerordentlich groß und das ist eine nochmalige Steigerung, es heißt von dem Widder, er tat groß, von dem Ziegenbock heißt es hier in Vers 8, er wurde über die Maßen groß und jetzt heißt es hier von dem kleinen Horn, es tat außerordentlich groß. Wir sehen also eine Steigerung, dieses Reich ist nur am Anfang klein, ist dann außerordentlich groß, noch größer als das, was der Ziegenbock getan hat und es passt natürlich unter gar keinen Umständen auf Antiochus IV. Epiphanes, sondern nur auf Rom. Interessant ist hier, dass Süden und Osten als die Haupt-Expansionsrichtung genannt werden und wenn man sich mit der relativ kurzen Zeit der intensiven römischen Expansion zur Weltmacht befasst, dann findet man, dass es genau in diese beiden Himmelsrichtungen sind, in die das geschieht. Das ist einmal der Süden, das sind die Kriege gegen Karthago, 264 bis 241 und dann 237 bis 218, da sind natürlich die berühmten Schlachten auch mit Hannibal und so weiter zu erwähnen. Dann im Osten sind es zuerst die Illyrischen Kriege und dann vor allem die makedonischen Kriege und der syrische Krieg gegen das Seleukidenreich, die Jahreszahlen sind alle im Sendemanuskript und dann nochmal der dritte makedonische Krieg, spätestens mit der Eroberung von Korinth im Osten und Karthago im Süden ist diese Entwicklung eigentlich weitestgehend abgeschlossen und ab dem Zeitpunkt schreiben dann auch Historiker wie Polybius von diesen gewaltigen Eroberungen des römischen Reiches.

[22:49] Etwas später kommt dann Rom auch in das herrliche Land, das ist Israel, da haben wir einige Bibeltexte hier, Jeremia 3,19, Hesekiel 2,26,15, das herrliche Land, das Land der Ziele, das ist das Land Israel und im Zuge von Militäroperationen im Osten hat dann Pompejus, 63 vor Christus, auch Judäa erobert und von da an finden wir Römer in Israel, das sieht man im Neuen Testament ja an vielen Stellen.

[23:14] Vers 10. Und es wagte sich bis an das Heer des Himmels heran und warf von dem Heer und von den Sternen etliche auf die Erde und zertrat sie. Hier haben wir interessanterweise eine recht deutliche Parallele zu Offenbarung 12, Vers 4. Dort in Offenbarung 12, Vers 4 heißt es ja.

[23:56] Wir haben hier an gleicher Stelle bei unserer Spezialserie über die Offenbarung studiert, die Bedeutung des römischen Reiches, die Bedeutung von Rom, allerdings auch die Bedeutung des Satan selbst und das zeigt sozusagen auch, wie sehr dieses Horn noch einen satanischen Charakter hat.

[24:15] Vers 11. Vielleicht interessant hier noch in diesem Punkt, dass dieser Vers, wenn diese Parallele zur Offenbarung 12 sich tatsächlich bestätigt, dass das dann noch vor der Geburt Jesu oder im Zuge dieser Geburt Jesu zeitlich einzuordnen ist und dementsprechend auch ein Kampf wohl gegen das Volk Gottes hier dargestellt ist.

[24:36] Vers 11. Ja, bis zum Fürsten des Heeres erhob es sich und es nahm ihm das Beständige weg und seine heilige Wohnung wurde verwüstet. Der Fürst des Heeres, das ist natürlich Jesus selbst, der wird später in Daniel 9 und auch in Daniel 11 immer wieder als der Fürst bezeichnet, der gesalbte Fürst, der Messias, der Fürst des Bundes, der dann dort auch ausgerottet wird. Es geht also jetzt nicht nur um bestimmte Himmelsrichtungen, sondern Rom kämpft gegen Jesus. Es geht auch um religiöse Dinge und das zeigt hier, wie hier eine zweite Phase ins Spiel kommt.

[25:14] Daniel 8 ist relativ kompakt. In Daniel 11 werden wir später sehen, dass der Kampf gegen den Fürsten des Bundes in dort Vers 22, aber die Wegnahme des täglichen Vers 31 geschieht. Das heißt, da werden auch viele Details dazwischen.

[25:31] Ein Wort zu dem Beständigen, dem Hebräischen, dem Tamid, das Tägliche. Manchmal wird hier in Bibelübersetzungen das Wort Opfer eingeführt. Man hört dann von dem täglichen Opfer. Das ist natürlich irgendwie verständlich, allerdings ist das Wort Opfer nicht im Text. Trotzdem handelt es sich dezidiert hier in diesem ganzen Kapitel um Heiligtumssprachen, den Widder, den Ziegenbock. Später reden wir von dem Heiligtum. Aufgrund von Daniel 12, und da werden wir ja dann in einigen Wochen drauf kommen, ist diese Wegnahme des täglichen auf 508 nach Christus zu datieren. Das wird meistens mit der Taufe von Chlodwig, dem Frankenkönig, in Verbindung gebracht. Das war der erste Herrscher der germanischen Stämme, der katholisch wurde. Das ist auch nicht abwegig. Die historische Dokumentation ist allerdings schwierig. Das ist nicht letztlich geklärt und eigentlich ziemlich unsicher, was die genaue Datierung angeht. Das heißt nicht, dass es falsch ist, das heißt nur, dass wir hier noch mehr Studium brauchen, um über die historischen Umstände genaue Klarheit zu haben. Es gab um 1900 herum einen erbitterten Kampf in der Adventgemeinde über die Interpretation des täglichen. Und Ellen White hat damals beide Seiten, sowohl diejenigen, die die eine Sicht als auch die andere Sicht vertraten, aufgefordert, sich lieber auf die Großstadtmission zu fokussieren, da eine exakte Definition des täglichen für die Bedeutung von Daniel 8 eigentlich nicht zu entscheiden ist. Traditionell gibt es eigentlich die beiden Ansichten. Man spricht entweder von dem Heidentum, so zum Beispiel in Standardwerken wie bei Ryan Smith zum Beispiel, dass also das Heidentum weggenommen worden ist, um damit das Papsttum möglich zu machen. Das geht auf Miller zurück, der allerdings in seinen ersten Werken sogar mit der Idee von heidnischen Opfern argumentiert hat, dass also heidnische Opfer weggenommen worden sind. Das ist natürlich insofern ein wenig problematisch, weil es 508 nach Christus fast keine Heiden mehr in dem Sinne gab, weil bereits 280 durch Theodosius I. alle römischen Bürger per Dekret zu römischen Christen gemacht worden waren. Und dann auch die Germanenstämme, die eingefallen sind, größtenteils christianisiert waren. Die Arianer, die Westgoten, die Ostgoten, die Burgunder, die Sueben, die Vandalen waren alle mehr oder weniger meistens Arianer oder wie man heute sagt Homöer. Die Franken waren dann die ersten, die dann Katholiken wurden.

[27:52] Das ist also zumindest eine Hürde für dieses Argument. Die zweite Sicht ist, dass es sich hier um den täglichen Dienst von Jesus im Heiligtum bezieht, also nicht so sehr um das Opfer, das ja am Kreuz von Golgatha geschehen ist, sondern dann um den Dienst Jesu im Heiligtum. Und dann sieht man hier, dass es einen Angriff des Papsttums gegen den Heilsplan Gottes gibt, weil es sozusagen hier in Daniel 8, das ist unstrittig, zwei Phasen gibt. Das Rom erst in einer horizontalen Phase gegen Süden und Osten in das herrliche Land und dann jetzt später gegen die Wahrheit, gegen das Heiligtum in dem Fall. Die Frage ist sozusagen nur, wann genau das wechselt und unter welchen Umständen. Die Idee ist sozusagen, dass die Priester der römischen Kirche mit dem Anspruch, Sünden vergeben zu können oder zumindest auch die Beichte abnehmen zu können, den Blick von Jesus weg lenken auf sich selbst und auf vermeintliche Heilige und damit einen direkten Angriff auf den Heiligtumsdienst von Jesus begehen. Und in dieser Sicht gibt es natürlich eine relativ interessante Harmonie auch mit den weiteren Versen, vor allem dann auch mit Vers 14. Aber auch diese Sicht kann noch nicht ganz hundertprozentig erklären, wie, ist noch nicht völlig klar, wie das genau das Jahr 508 zu datieren ist.

[29:08] Also hier gibt es echt noch Studiumsbedarf und ich möchte jeden einladen, sich da ein bisschen hineinzuknien und mitzustudieren und mitzudenken und da für die Adventbewegung noch mehr zu tun. Es gibt noch ein paar seltene Interpretationen, die durchaus auch nicht völlig abwegig sind, wie man zumindest erwähnen sollte. Manche sehen auch hier den Sabbat in dem täglichen und eine nicht ganz uninteressante Interpretation sagt, es handelt sich einfach um den bisher allgemeinen bisherigen Verlauf der Weltgeschichte, der sich jetzt ändert, weil jetzt etwas mit dem Papst und etwas Neues kommt.

[29:43] Wie auch immer, in der Debatte wird man manchmal mit einem Zitat konfrontiert aus frühen Schriften oder Erfahrungen und Gesichten, das wir hier in seiner Gänze abgedruckt haben, wo Ellen White davon spricht, wo sie sagt, dass vor 1844 als Einigkeit herrschte, hatten alle eine richtige Ansicht von dem täglichen, aber seit der Verwirrung von 1844 wurden andere Ansichten angenommen. Und Finsternis und Verwirrung war die Folge, das wird manchmal benutzt und wurde schon um 1900 von Stephen Haskell benutzt, der eine der besten Pioniere, den wir hatten, um damit die Sicht vom Heidentum zu bestätigen. Ellen White hat sich dagegen verwahrt, hat das verneint, dass dieses Zitat dazu geeignet ist. Und der historische Kontext zeigt, und das ist sehr interessant, falls das bei euch in der Gemeinde oder im Studio mal aufkommt, dass es hier eigentlich um Timesetting, um das Setzen neuer Wiederkunftsdaten geht. Und dazu muss man wissen, dass es zu der Zeit, als Ellen White schreibt, es Versuche gab, die Wegnahme des täglichen Opfers als neuen Startpunkt für die 2300 Abend und Morgen zu verwenden. Wir haben da im Sendemanuskript sogar eine historische Chart, eine Karte, die von ersten Tagsadmittisten gemacht worden sind, wo man das genau sieht, wo man an einer vermeintlichen Wegnahme des täglichen Opfers, die man dann auf 446 vor Christus datiert hat, eine Wiederkunft für 1855 berechnet hat. Und Ellen White hat sich dagegen gewarnt, hat gesagt, das Tägliche hat mit den 2300 Jahren nichts zu tun. Und vor der großen Enttäuschung wussten alle, wo das einzuordnen ist, zeitlich auf der Zeitleiste. Und entsprechend ist dieses Zitat von Ellen White ein Kommentar zu dieser Zeitsetzung.

[31:29] Und später hat Ellen White öfter betont, dass diese Frage keine Streitfrage sein sollte. Sie selbst hat nicht einmal genau wirklich verstanden, worum es bei der Debatte eigentlich geht, hat sie sogar gesagt. Und wir haben hier noch ein paar längere Zitate, die deutlich machen, wie wir in solchen Fragen miteinander umgehen sollten. Es ist spannend, das zu studieren, aber es sollte niemals zu einer Testfrage gemacht werden. Und leider gibt es bis heute Menschen, die den klaren Aussagen von Ellen White trotzen und versuchen, dieses Thema zu einer Testfrage zu machen. Wir sollten uns davor hüten, sondern uns an das halten, was klar offenbart ist und alles andere im brüderlichen Geiste weiter studieren, ohne damit zu polarisieren.

[32:08] Es spricht davon, dass die heilige Wohnung verwüstet worden ist. Wörtlich heißt es, es wurde geworfen, der Platz oder die Stelle oder die Stütze, das Fundament seines Heiligtums. Hier geht es also um einen Angriff auf das Heiligtum von Jesus. In Daniel 7 wird das Gesetz angegriffen, Daniel 8, der Erlösungsplan. Aber möglicherweise bezieht sich dieses Fundament des Heiligtums auch auf das Gesetz. Da kann man durchaus auch interessante Dinge noch in diesem Punkt weiter studieren.

[32:38] Vers 12. Und das Heer wurde dahin gegeben, samt dem Beständigen, wegen des Frevels. Und das Horn warf die Wahrheit zu Boden, und sein Unternehmen gelang ihm. Wörtlich steht hier eigentlich, ein Heer wurde gegeben gegen das Tägliche in Rebellion oder durch Rebellion. Es geht also darum, dass mit Hilfe eines Heeres das kleine Horn sich rebellisch gegen das Tägliche wendet. Und das zeigt eigentlich schon recht deutlich, dass hier gegen dieses Heiligtum-Argument gekämpft wird. Zumindest ist das eine Ansicht. Wenn man der Ansicht B, also der Idee von dem Heiligtum folgt, dann kann man hier von einem Priester her ausgehen, das für das Papsttum einen Krieg förmlich führt gegen das himmlische Heiligtum, einen rebellischen Krieg, einen Angriff auf die Wahrheit. Und über diesen Begriff Wahrheit werden wir dann auch gleich noch mehr zu sagen haben. Mit dem Niederwerfen der Wahrheit ist natürlich das Papsttum gemeint, das ganz wesentliche Lehren der Bibel, das Gesetz, der Sabbat, das Erlösungsverständnis, die Anbetung verändert hat. Und Ellen White sagt hier im Großen Kampf, zu den hauptsächlichsten Ursachen, die zur Trennung der wahren Gemeinde von Rom geführt hatten, gehörte dessen Hass gegen den biblischen Sabbat, wie von der Prophezeiung vorhergesagt, warf die päpstliche Macht die Wahrheit zu Boden.

[34:01] Und dann kommt die Frage in Vers 13. Und ich hörte einen Heiligen reden, und ein anderer Heiliger fragte den Betreffenden, der redete: Wie lange gilt dieses Gesicht, nämlich das von dem Beständigen und dem verheerenden Frevel, das sowohl Heiligtum als auch Opferdienst der Zertretung preisgegeben wird? Die Frage ist, wie lange, und hier geht es wieder um Chazon, um die gesamte Vision. Und jetzt kommt die Antwort in Vers 14. Der Vers, von dem Ellen White sagt, es ist der Eckstein sozusagen, das Fundament des ganzen Adventglaubens.

[34:32] Er sprach zu mir: Bis zu 2300 Abenden und Morgen, dann wird das Heiligtum gerechtfertigt werden. 2300 Abende und Morgen. Ein Abend und ein Morgen ergibt einen Tag, so wissen wir es aus 1. Mose, dort heißt es immer Abend und Morgen, der erste Tag, der zweite Tag, und ein Tag steht nach Ezekiel 4x6 für ein Jahr. Das heißt, es geht ganz eindeutig um 2300 Jahre. Spannend ist dieses Wort gerechtfertigt, auch darum hat sich in den letzten Jahrzehnten ein gigantischer Streit in der theologischen Welt der Adventgemeinde erhoben, insbesondere damals durch die Ausführung von Desmond Ford, dem dann eine ganze Reihe von Predigern gefolgt sind und Ideen entwickelt haben, die bis heute auch in akademischen Kreisen, auch im deutschsprachigen Raum, noch vertreten und gelehrt werden, die aber dem klaren Zeugnis von Ellen White und auch, wie ich denke, der Bibel widersprechen. Da geht es um die Frage, ob dieses Gerechtfertigen wirklich eine Reinigung ist, wie es wir grundsätzlich immer verstanden haben. Septuaginta übersetzt dieses Wort rechtfertigen mit katharizo, mit gereinigt werden. Fakt ist, dieses Wort kommt natürlich erstmal von Tzaddak, von gerecht sein. Es steht im Enifal, das ist eine hebräische grammatische Form, die so annähernd, passiv angegeben werden kann. Es ist nicht genau das gleiche, aber ungefähr. Also da geschieht etwas am Heiligtum. Es wird irgendwie gerecht gemacht, deswegen gerechtfertigt. Und das Argument war jetzt von Desmond Ford, naja, das Wort hier, das ist ein völlig anderes Wort als in 3. Mose 16, wo von der Reinigung des Heiligtums beim großen Versöhnungstag steht. Da steht das Wort daher und weil diese beiden Worte so gar nichts mehr zu tun haben, kann man Daniel 8, Vers 14 mit 3. Mose 16 nicht verbinden.

[36:26] Das ist natürlich Unsinn. Nur weil zwei Worte linguistisch nicht miteinander verwandt sind, heißt das nicht, dass sie nicht dieselbe Idee ausdrücken können. Es gibt unzählige Beispiele in der Deutschen, in der Englischen, in allen Sprachen, wo man für dieselbe Idee verschiedene Worte hat, für denselben Gegenstand verschiedene Worte, die sprachlich nichts mehr zu tun haben und trotzdem dasselbe meinen. Also das war ein sehr unsinniges Argument und es ist ein bisschen schade, dass viele unserer Theologen so leicht darauf reingefallen sind und sich zu sehr auf so linguistische Sachen fokussiert haben.

[37:07] Schade jedenfalls, dass so ein schwaches Argument solche starke Kraft bekommen hat. In der deutschen Sprache würden wir das nie verwenden. Wir würden immer deutlich klar machen, dass ein Computer und ein Laptop und ein Apple, wenn ich von meinem Apple spreche, von meinem Laptop, von meinem Computer, dass das immer dasselbe Ding ist, auch wenn die Worte miteinander nichts zu tun haben. Soviel dazu. Die Frage ist allerdings jetzt, warum kann die griechische Septuaginta dieses Wort auch mit gereinigt sein übersetzen und das ist theologisch absolut möglich aus einem ganz simplen Grund. Was ist denn Rechtfertigung? Nehmen wir ein kurzes Bibelstudium, um diese Frage ein für alle mal zu klären.

[37:53] 1. Römer 3, Vers 23 und 24. Die Erlösung geschieht durch das Blut Jesu und sie bewirkt die Vergebung. Und der nächste Vers in 1. Johannes 1 sagt uns in 1. Johannes Kapitel 1 und dort Vers 9.

[38:53] Also Rechtfertigung ist Vergebung durch das, was Jesus getan hat, theologisch, durch sein Blut. Und das, was Jesus getan hat, bewirkt, wenn wir es annehmen, eine Vergebung, die immer auch eine Reinigung mit sich bringt durch das Blut. Und deswegen kann man Rechtfertigung und Reinigung nicht voneinander trennen und das gilt natürlich für den Menschen, aber auch für das Heiligtum, das ja aus theologischer Sicht unsere Sünden übertragen werden. Und deswegen ist also das Reinigen und Rechtfertigen hier nicht voneinander zu differenzieren, sondern das sind Aspekte, die gemeinsam dazugehören.

[39:37] Die Reinigung des Heiligtums geschah am großen Versöhnungstag, wie gesagt in 3. Mose 16. Dort wird zwar ein anderes Wort verwendet, aber das ist völlig unproblematisch. Die Idee ist natürlich selbstverständlich dieselbe. Und das Heiligtum wird dort von den Sünden gereinigt, die das ganze Jahr durch den Opferdienst und die Vermittlung des Priesters dorthin übertragen worden sind. Das war der sogenannte tägliche Dienst. Und dann am großen Versöhnungstag, am Jom Kippur, gab es den großen, den jährlichen Dienst. Und das scheint eigentlich auch gut zu passen mit Daniel 8, wo ja von dem Täglichen gesprochen wird, das angegriffen wird durch das Papsttum, das größtenteils nicht in Anspruch genommen wird, weil das Papsttum die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich selbst lenkt und nicht auf Jesus, der im himmlischen Heiligtum für sie dienen möchte. Und jetzt sozusagen dann der jährliche Dienst, der große Versöhnungstag in Vers 14 angesprochen wird, weil jetzt sozusagen auch wieder das Heiligtum zu seinem Recht kommt.

[40:43] Interessant ist auch, wenn man sich die Parallele zwischen Daniel 7 und 8 anschaut, dann sieht man die ganzen Weltreiche. Babylon zwar nicht mehr Daniel 8, nicht weil Babylon keine Rolle mehr spielte, die waren noch neun Jahre an der Macht, aber vor allem, denke ich, weil Daniel 8, wie wir noch sehen werden, mit Daniel 9 verknüpft ist. Und der Anfangszeitpunkt der 2300 Abend und Morgen eben in persischer Zeit liegt, mit dem siebten Jahr des Artaxerxes, das werden wir in Daniel 9 studieren. Und deswegen Babylon hier außen vor bleibt in Daniel 8. Aber ansonsten haben wir Mido-Persien, wir haben Griechenland, wir haben Rom als politische, das römische Reich als kaiserliche Macht, dann haben wir das Rom als geistliche Macht, das Papsttum. Und dann haben wir Daniel 7 in dieser Reihenfolge als nächstes in Daniel 7, Vers 9 das Gericht im Himmel, während wir hier in Daniel 8, Vers 14 jetzt die Reinigung des Heiligtums haben. Und das heißt also, diese Reinigung des Heiligtums ist eigentlich nichts anderes oder wird dargestellt als dieses Gericht im Himmel, das ein Vorwiederkunftsgericht ist, wie wir dann letzte Woche studieren konnten, weil dort Jesus zum himmlischen König gekrönt wird und dann in Offenbarung 14, Offenbarung 19 als König wiederkommt, das Gericht muss also vor der Wiederkunft stattfinden.

[42:00] Daniel 8, Vers 14 gibt uns also den Zeitpunkt für das Gericht, das schon in Daniel 7 besprochen und erklärt worden ist. Und dieser Zeitpunkt ist das Jahr 1844, das werden wir heute hier nicht mehr erklären, weil das mit Daniel 9 zusammenhängt, das wir nächste Woche studieren werden. Aber das dürfte ja auch vielleicht schon bekannt sein und auf jeden Fall werden wir es nächste Woche dann mit Daniel 9 dann ausführlich erklären. Aber das heißt, dass wir hier genau die Botschaft haben jetzt, die in Offenbarung 14 angesprochen ist, wo es heißt: Und ich sah einen anderen Engel inmitten des Himmels fliegen, der hat ein ewiges Evangelium zu verkündigen, den die auf der Erde wohnen, und zwar jede Nation und jedem Volk stammend, jeder Sprach und jedem Volk, der sprach mit lauter Stimme: Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre. Denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen und betet jener, der den Himmel und die Erde und das Meer und die Wasserquellen gemacht hat. Hier haben wir die Liebe zu Gott, das Evangelium, was Gott für uns getan hat, sein Gericht und den Sabbat, alles miteinander verbunden in dieser letzten Warnungsbotschaft, die auf die Wiederkunft vorbereiten soll.

[43:02] Und es lohnt sich, mehr darüber zu lesen, auch über diesen Vers 14. Wir haben eine ganze Reihe von Kapiteln aus den Büchern Frühe Schriften und auch dem Großen Kampf zusammengestellt hier, die man nochmal auch über diese Woche hinaus studieren kann, um zu verstehen, was ist eigentlich mit dieser Reinigung des Heiligtums gemeint. Auch eine ganze Reihe von Ellen White-Zitaten, auch mit der Frage, warum kann man das himmlische Heiligtum überhaupt reinigen, muss etwas gereinigt werden, das ist der Grund, warum Miller sich von dieser Idee erstmal distanziert hat. Er hatte auch diskutiert, ob vielleicht in Daniel 8, Vers 14 ein Heiligtum im Himmel gemeint ist, er meinte allerdings dann, das muss ja nicht gereinigt werden.

[43:46] Hebräer 9 sagt sehr deutlich, das können wir vielleicht noch lesen hier, in Hebräer 9 und dort Vers 22 heißt es: Und fast alles wird nach dem Gesetz mit Blut gereinigt und ohne Blutvergießung geschieht keine Vergebung. Vers 23: So ist es also notwendig, dass die Abbilder der im Himmel befindlichen Dinge hierdurch gereinigt werden, die himmlischen Dinge selbst aber durch bessere Opfer als diese. Auch der Himmel selbst, das himmlische Heiligtum muss gereinigt werden und so sagt sie, die Reinigung muss sowohl im Schattendienst als auch im wahrhaftigen Dienst mit Blut vollzogen werden. Und eine ganze Reihe von sehr wertvollen Zitaten, die wir hier aus Zeitgründen jetzt nicht lesen können, die ihr euch aber anschauen könnt, die die Bedeutung von Daniel 8, Vers 14 sehr klar demonstrieren und auch die praktische Komponente zeigen.

[44:47] Ein Zitat wollte ich auf jeden Fall aber hier noch kurz anfügen.

[44:54] Ja, und zwar sagt sie, und das ist sehr wichtig, sehr praktisch: Die Gemeinde im Himmel verbindet sich mit der Gemeinde auf Erden oder oben und unten sozusagen. Und sie kämpfen den guten Kampf auf der Erde. Es muss eine Reinigung der Seele hier auf der Erde stattfinden in Harmonie mit der Reinigung des himmlischen Heiligtums durch Christus.

[45:41] Und hier ist der entscheidende Punkt, warum diese Lehre von der Reinigung des Heiligtums nicht nur eine theologische Idee ist, die uns irgendwie als Adventgemeinde von dem Rest der Christenheit unterscheidet, die man jetzt theologisch vielleicht bekämpfen oder bestätigen muss, sondern es hat eine direkte praktische Auswirkung. Weil nämlich Gerichtszeit ist, möchte Gott uns die Sünden nicht nur vergeben, er möchte uns reinigen und zwar so, dass wir versiegelt werden können.

[46:08] Sich über Daniel 8, Vers 14 Gedanken zu machen, bedeutet eigentlich darüber nachzudenken, was Jesus alles für mich tun kann. Er ist am Kreuz für mich gestorben, er vergibt mir meine Sünden, er reinigt mich von der Sünde und er will mich vorbereiten auf die Wiederkunft durch das Gericht. Darüber nachzudenken bedeutet, sich auch die Frage zu stellen, wie ich zum Gesetz Gottes stehe, das ja die Grundlage des Gesetzes ist. Es bedeutet, sich Gedanken zu machen, wie ich es halten kann. Da kommt man sehr schnell, wenn man Jesus wirklich kennt, auf den Punkt: Alleine kann ich es nicht. Ich brauche Jesus, ich brauche jeden Tag die Erfüllung mit seinem Heiligen Geist. Und deswegen sollten wir nicht nur die Daten kennen und die prophetischen Ereignisse, sondern all das soll uns ja dazu führen, festzustellen: Jesus tut jetzt, wo wir hier reden und zuhören, etwas im himmlischen Heiligtum, damit meine eigene Seele von Sünde gereinigt werden kann. Und das möchte er gerne tun und deswegen ist diese Botschaft so wichtig und deswegen sollten wir sie verteidigen und studieren und besser verstehen und vor allem praktisch in unserem Leben umsetzen.

[47:15] Vers 15. Das Gesicht Gabriel ist ein Engel. Es heißt hier, sein Name heißt starker Mann oder Kämpfer Gottes. Er wird zum ersten Mal hier in der Bibel erwähnt, später natürlich im Lukas mehrfach bei der Ankündigung der Geburt von Johannes dem Täufer und von Jesus. Jesus hat in Offenbarung seinen Engel gesandt und hier spricht eine Menschenstimme. Wir wissen, dass Jesus in Daniel 7 als Menschensohn dargestellt wird. Möglicherweise ist es Jesus selbst, der jetzt hier seinen Engel sendet. Die Engel sind ja Diener derer, die die Erlösung erfahren sollen, nach Hebräer 1, Vers 14. Und es gibt sehr starke Hinweise im Schrifttum von Ellen White, dass der Gabriel der Engel ist, der die ehemalige Position des gefallenen Luzifers kleidet und deswegen hier an dieser entscheidenden Stelle um so einen großen Kampf geht, den den Kampf, den Satan durch das Papsttum gegen das himmlische Heiligtum führt, dass in diesem Kampf jetzt auch Gabriel kommt und eine Rolle hier spielt.

[48:49] In Daniel 17, da kam er an den Ort, wo ich stand. Als er aber kam, erschrak ich so sehr, dass ich auf mein Angesicht fiel und er sprach zu mir: Du sollst wissen, Menschensohn, dass das Gesicht sich auf die Zeit des Endes bezieht. Auch Hesekiel ist oft Menschensohn genannt worden in seinen Visionen. Der kommende König, der Messias wird als Menschensohn bezeichnet, der identifiziert sich also mit Daniel und mit der ganzen Menschheit. Erstmals wird hier das Konzept der Zeit des Endes erwähnt, das kommt dann später in Daniel 11 und Daniel 12 noch öfter vor. Hier nicht so sehr, um zu sagen, dass hier der Zeitpunkt, wann die Zeit des Endes beginnt, das ist nicht das Thema hier, das wird in Daniel 11 und 12 dann wichtig, den Beginn der Zeit des Endes zu bestimmen, sondern hier wird nur gesagt, dass diese Vision sich in diese Zeit des Endes hineinbezieht und dort zur Erfüllung kommen wird.

[49:36] Vers 18. Als er mit mir redete, sank ich ohnmächtig zur Erde auf mein Angesicht, er berührte mich an und richtete mich wieder auf an meinen Ort. Ganz ähnlich sehen wir das später in Daniel 10, dann dort nochmal, als er Jesus begegnet.

[49:48] Vers 19. Und er sprach: Siehe, ich verkünde dir, was in der letzten Zeit des Zornes geschehen wird, denn es bezieht sich auf die bestimmte Zeit des Endes. Dieses Wort bestimmte Zeit, das ist ein Wort bestimmt hier, das wird an anderer Stelle auch für Versammlungspunkt, für Sammelstätte, für Stiftstätte verwendet, wenn im Zusammenhang mit dem Zelt, also auch ein Wort, das so in das Sprachfeld von Heiligtum hineingehört, also das nur so am Rande.

[50:13] Vers 20. Haben wir uns schon angeschaut, der Widder mit den beiden Hörnern, den du gesehen hast, das sind die Könige, der Meder und Perser, die werden hier also mit Namen neun Jahre vor dem Fall Babylons als nächste Weltmacht vorhergesagt.

[50:27] Noch spektakulärer ist dann natürlich Vers 21, weil hier jetzt Jahrhunderte ins Land gehen werden, bis das sich erfüllen wird. Der zottige Ziegenbock aber ist der König von Griechenland und das große Horn zwischen seinen beiden Augen, das ist der erste König. Hebräisch ist das Javan, das ist der Griechenland erstmal allgemein, die ganze Küstenwelt der Ägäis, da wird jetzt keine Differenzierung zwischen einzelnen Stadtstaaten und den Makedonen im Norden vorgenommen. Von den verschiedenen griechischen Poleis. Etwa 217 Jahre vor der Entscheidungsschlacht von Gaugamela ist das vorhergesagt worden und als Daniel das aufschreibt, er scheint das, und das möchte ich betonen, das erscheint absolut absurd zu sein. Denn im 6. Jahrhundert sind die Griechen überhaupt weit davon entfernt, jemals eine einheitliche Nation zu sein. Es gibt ganz viele Stadtstaaten, sogenannte Poleis, die sind völlig unabhängig, die bekriegen sich zum Teil, die haben nichts miteinander zu tun. Und dort, wo es noch Monarchie gab, wird die immer mehr abgeschafft. Also es gibt eine Ausnahme, das Doppelkönigtum in Sparta zum Beispiel. Aber überall setzen sich im Laufe der Zeit und der Jahrhunderte mehr und mehr demokratische Regierungsformen durch, vor allem Athen zum Beispiel. Und die Idee, dass alle Griechen sich gemeinsam vereinen unter einem König, ist absolut absurd und wird immer absurder, je mehr die Zeit voranschreitet. Und man würde fast denken, dass das sich nie ereignet, bis dann plötzlich innerhalb von einer Generation Philipp II. der König von Makedonien ganz Griechenland unterwirft und dann stirbt und sein Reich dem Alexander übergibt. Und plötzlich, innerhalb von wenigen Jahren eigentlich, etwas, was vorher undenkbar erschien, aber von der Bibel vorhergesagt worden ist, vor über 200 Jahren, plötzlich sich erfüllt.

[52:11] Auch im Zuge von Endzeit-Prophezeiungen ist das vielleicht ganz interessant im Hinterkopf zu behalten. Josephus, der jüdische Geschichtsschreiber, sagt uns übrigens, dass diese Stelle dem Alexander dann gezeigt worden ist, als er in Jerusalem auftauchte. Wir haben die komplette Stelle im englischen Sendemanuskript, könnt ihr nachlesen, vor allem den letzten Punkt, wo es dann heißt: Und als das Buch Daniel ihm gezeigt worden war, wo Daniel erklärt, dass einer der Griechen kommen sollte und das Reich der Perser zerstören würde, dachte er, also Alexander, dass er selbst diese dargestellte Person ist. Und das zeigt also, wie sehr Prophetie sogar den Lauf der Weltgeschichte mit beeinflusst hat. Jerusalem blieb stehen, Alexander hat dann den Juden wohlwollend freundlich gesonnen. Und es zeigt auch, dass offensichtlich zu der Zeit das Buch Daniel schon existiert, was ja heute von vielen Kritikern verneint wird.

[53:07] Vers 22. Dass es aber zerbrach und an seiner Stelle vier andere aufgekommen sind, bedeutet, dass aus diesem Volk vier Königreiche entstehen werden, doch nicht mit der Macht, die jener hatte. Hier sind die Diadochenreiche beschrieben, die wir schon in den Versen vorher gesehen haben und in Daniel 11 gibt es eine sehr viel deutlich detailliertere Beschreibung.

[53:29] Vers 23. Aber am Ende ihrer Regierung, wenn die Frevler das Maß voll gemacht haben, wird ein frecher und listiger König auftreten. Also das Ende ihrer Regierung, das sind die hellenistischen Diadochenreiche. Und jetzt gibt es mehr Details zu diesem kleinen Horn, zu Rom. Das Maß voll gemacht haben, das ist diese Idee, die wir schon aus 1. Mose 15 kennen, Vers 16, wo dem Abraham gesagt worden ist, dass die Schuld der Amoriter noch nicht voll ist. Das heißt, Nationen haben so ein Limit, dass irgendwann, wenn es erreicht ist, dann fällt die Nation. Das sieht man auch in Matthäus 23, auch mit dem jüdischen Volk dann. Und dann wird hier im Hebräischen gesagt, nicht ein frecher König, sondern ein König mit starkem oder wildem oder rauem oder grobem Angesicht. Und diese hebräische Phrase gibt es nur noch einmal und zwar in 5. Mose 28 und dort Vers 50 im Segen- und Fluchkapitel. Da heißt es in Vers 50: Wenn das Volk kontinuierlich ungehorsam ist, ein Volk mit hartem Angesicht, das keine Rücksicht kennt, gegen den Greis und mit den Knaben keiner Barmherzigkeit. Ein Volk würde kommen von der Ferne und würde Jerusalem zerstören. Das bezog sich natürlich einmal auf die Babylonier, weil genau das ist ja dann passiert. All das, was hier in 5. Mose 28 steht. Aber die Eroberung von Babylon war ja bereits Geschichte, als Daniel das schreibt. Das heißt, es kann sich hier nicht auf die Babylonier beziehen, sondern dann auf die Römer. Die zweite große Macht, die Jerusalem genau so zerstörte, wie das hier in 5. Mose 28 mit den Details beschrieben ist. Also noch ein Hinweis darauf, dass das kleine Horn wirklich Rom ist. Die Macht, die Jerusalem zerstörte.

[55:12] Ein listiger König heißt es hier. Einer, der in Listen und Tücken, manchmal auch in Sinnsprüchen und Ergleichnissen, ein Einsichthabender. Der gibt eine ähnliche Konstruktion in Sprüche 1-6, wo es um Rätselsverstehen geht. Und da ja das römische Reich und das Papsttum in Daniel 8 als eine Einheit dargestellt werden durch dieses kleine Horn. Das ist auch nicht so abwegig, weil auch in Daniel 7 ja das kleine Horn Teil des schrecklichen Tigers ist. So werden auch hier beide Aspekte vom römischen Reich und dann auch vom Papsttum so nebeneinander präsentiert.

[55:49] Vers 24. Und seine Macht wird stark sein, aber nicht in eigener Kraft. Und er wird ein erstaunliches Verderben anrichten. Und sein Unternehmen wird ihm gelingen. Das ist direkter Bezug zu Vers 12. Und er wird stark verderben und das Volk der Heiligen. Auch das ist ein klarer Bezug zu Daniel 7. Vers 25, wo wir gelesen haben, dass das kleine Horn freche Reden gegen den Höchsten führen wird und die Heiligen des Allerhöchsten aufreiben wird. Später in Daniel 11 wird das auch nochmal aufgeführt.

[56:18] Nicht in eigener Kraft. Das ist ein Hinweis wahrscheinlich auf das, was in Offenbarung 13 beschrieben wird. Wo das Meertier, das Papsttum, seine Macht vom Drachen erhält.

[56:29] Vers 25. Und wegen seiner Klugheit. Und weil ihm der Betrug in seiner Hand gelingt, wird er sich in seinem Herzen erheben und vielen ihrer Sorglosigkeit verderben. Und er wird gegen den Fürsten der Fürsten auftreten, aber ohne Zutun von Menschenhand zerschmettert werden. Klugheit. Das erinnert nochmal an Vers 23, möglicherweise auch an Daniel 7, Vers 8. Diese Menschenaugen. Ist aber nicht ganz klar. Er wird sich in seinem Herzen erheben. Dieses Erheben ist das Gardal. Groß werden. Und das kommt in Vers 9, in Vers 10 und in Vers 11 vor. Dort erhebt er sich oder wird groß gegen die Himmelsrichtung. Süden und Osten, das herrliche Land. Dann gegen das Heer des Himmels. Und schließlich gegen den Fürsten des Heeres. Das ist eine ziemliche Steigerung. Erste horizontal und dann vertikal und dann bis ganz zum Fürsten der Fürsten. Aber interessant ist hier, dass er sich in seinem Herzen erheben wird. Das heißt, es geht um eine Herzenseinstellung. Und auch hier ist die Parallele zu Satan. In Jesaja 14, Vers 12-14 ganz, ganz, ganz deutlich. Wo es ja heißt, dass in seinem Herzen er gesagt hat: Ich will im Po steigen. Und mich dem Allerhöchsten gleich machen. Der Fürst der Fürsten ist natürlich Jesus. Da denken wir an Offenbarung 19, Vers 16, wo er König der Könige und Herr der Herren genannt wird. Und auch in Daniel 8, Vers 11 wurde ja bereits gesagt, dass er sich bis zum Fürsten des Heeres erhob.

[57:46] Ohne Zutun von Menschenhänden. Das ist eine Phrase, die wir aus Daniel 2 kennen. Wo die Wiederkunft Jesu das Aufrichten des Reiches Gottes einleitet. Und entsprechend wissen wir aus 2. Thessalonicher 2, Vers 8 und das ist auch Offenbarung 19, Vers 19 und 20, dass das Papsttum durch die Wiederkunft Jesu letztendlich beseitigt wird.

[58:06] Vers 26. Was aber über das Gesicht von den Abenden und Morgen gesagt worden ist, das ist wahr. Und du sollst das Gesicht verwahren, denn es bezieht sich auf fernliegende Tage. Das erste Wort Gesicht hier ist das hebräische Wort Mare. Nicht Chasson. Nicht die gesamte Vision, sondern ein kleiner Ausschnitt. Chasson meint die gesamte Vision. Mare meint eine Detailszene hier in diesem Zusammenhang. Und diese Detailszene ist das Gesicht von den Abenden und Morgen. Die 2300 Abenden und Morgen, die wir in Daniel 8, Vers 14 finden.

[58:37] Der Engel hatte ihm fast alles erklärt. Er hatte gesagt, wer der Widder ist. Er hat erklärt, wer der Ziegenbock ist. Hatte einiges zum kleinen Horn gesagt. Aber über Daniel 8, Vers 14 sagt er nur: Das ist wahr. Oder man kann übersetzen: Das ist die Wahrheit. Und das ist interessant, weil wir in Daniel 8, Vers 12 gesehen haben, dass das kleine Horn die Wahrheit zu Boden wirft. Also das ist möglicherweise auch genau diese Wahrheit. Die Wahrheit vom himmlischen Heiligtum und vom Lösungsplan, wie er in der Bibel im Heiligtumsplan dargestellt wird. Auch die Wahrheit von einem Untersuchungsgericht. Die Wahrheit vom Gesetz Gottes. Die Wahrheit von dem großen Versöhnungstag. All das war niedergeworfen worden.

[59:20] Daniel erhält keine weitere Erklärung, sondern nur die Zusicherung, dass es die Wahrheit ist. Und der Grund dafür besteht unter anderem darin, dass er, so sagt es Ellen White, könnt ihr nachlesen in dem Manuskript, dass er ohnmächtig geworden ist. Als er plötzlich realisiert, was da alles passiert, kann er es gar nicht ertragen. Für ihn war diese Sache unvorstellbar. Für ihn war im Kopf noch nicht ganz klar, dass hier von einem himmlischen Heiligtum und nicht von dem irdischen Heiligtum eine Rolle gesprochen wird. Deswegen studiert er dann Daniel 9, Jeremia, um festzustellen, wie lange es dauert, bis der irdische Tempel wieder aufgebaut wird. Und nur nach und nach hat sich diese Erkenntnis durchgesetzt, dass wir im Laufe der Jahrhunderte, auch als Adventbewegung, endlich zu dem Punkt gekommen sind, dass ein himmlisches Heiligtum gereinigt werden soll. Und dass es nichts mit dem irdischen Heiligtum zu tun hat. Deswegen sagt ja auch der Gabriel: Es bezieht sich auf fernliegende Tage. Und das gesamte Gesicht soll verwahrt werden. Auch wenn natürlich viele Dinge verstanden werden können.

[1:00:20] Das Buch wird versiegelt. Das liegt insbesondere an den Details von Daniel 8, Vers 14 und allem, was damit zusammenhängt.

[1:00:27] Letzter Vers, Vers 27. Aber ich, Daniel, lag mehrere Tage krank, ehe ich wieder aufstehen und die Geschäfte des Königs besorgen konnte. Ich war aber entsetzt über das Gesicht. Und niemand verstand es. Er war, auch hier ist das Gesicht wie das Mare. Er war also nicht entsetzt über den Widder und den Ziegenbock, auch nicht über das kleine Horn so sehr, sondern vor allem über diese Sache mit den 2300 Abendmorgen. Das hat ihn entsetzt. Er war völlig fertig. Und er wollte eine Erklärung finden, fand sie aber nirgends. Und das heißt, auch in Daniel 8 ist sie nicht zu finden. Und das ist dann schon die Steilvorlage für die nächste Woche, wenn wir sehen werden, dass Daniel 9 die Erklärung für Daniel 8 ist.

[1:01:10] Ellen White sagt mit allem Ernst, Vorstellung nach der Bedeutung dieses Gesichtes. Er konnte nicht verstehen, welche Beziehung zwischen den 70 Jahren der Gefangenschaft, die Jeremia vorausgesagt hatte, und den 2300 Jahren Bestand. Diese sollten vergehen, hat er den himmlischen Besucher im Gesicht sagen hören, ehe das Heiligtum Gottes wieder geweiht werde. Der Engel Gabriel deutete ihm das Gesicht teilweise. Doch als der Prophet die Worte hörte: Es ist noch eine lange Zeit bis dahin, wurde er ohnmächtig. Und an anderer Stelle, als der Prophet die schreckliche Verfolgung schaute, die über die Gemeinde kommen sollte, schwanden seine Kräfte. Er konnte nicht mehr ertragen. Und der Engel verließ ihn einstweilen. Manchmal ist die Wahrheit so überwältigend. Gott kann uns gar nicht mehr zeigen, weil wir es gar nicht ertragen würden. Aber Gott ist gnädig. Und mit der Zeit hat Daniel auch mehr verstanden. Und auch wir können mehr verstehen. Wir werden nicht alles auf einmal verstehen. Er gibt uns nur so viel, wie wir verstehen können. Aber eins steht fest, diese Themen, Daniel 7 und Daniel 8 und Daniel 9 und auch Daniel 11, sind voller Bedeutung für unsere Zeit. Wir sollten mehr Zeit damit verbringen, sie uns wirklich gründlich anzuschauen, uns damit vertraut zu machen und die großen Themen des Erlösungsplanes zu studieren.

[1:02:22] Wer von euch möchte sagen: Ich möchte mich persönlich intensiver mit diesen Themen beschäftigen, weil das ist ein Kernthema der Adventbewegung. Ich möchte wissen, warum ich Adventist bin. Ich möchte wissen, was hier in Daniel 8 und Daniel 9 bedeutet. Ich möchte mich nicht nur abhängig machen von Leuten, die mir das erklären. Ich möchte das selbst verstehen, selbst studieren und vor allem so einfach rüberbringen können, dass andere auch Jesus aufgrund dieser Wahrheiten als ihren Erlöser annehmen und auf seine Wiederkunft sich vorbereiten. Wer von euch möchte sich dafür entscheiden? Gott segne dich!

[1:02:52] Wir werden uns nächste Woche dann nicht mehr hier, sondern an einem anderen Ort wiedersehen. Dann für die nächste Folge unserer Kanzlerzeitjahre. Bis dahin wünschen wir euch von ganzem Herzen Gottes reichen Segen und viel Freude im Studium der Prophetie. Amen.

[1:03:20] Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!


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