[0:00] Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe der Cannstatt Study Hour, und ich freue mich, dass wir heute ein besonders interessantes Thema studieren können. Ich denke, das ganze Quartal ist schon mal interessant, weil die Geschichte des Hiob ist sicherlich keine alltägliche Geschichte, und so kann man viele, viele verschiedene Lehren daraus ziehen. Und wir werden sicherlich auch noch verschiedene bestimmte Aspekte ansprechen, die sich auf das Ganze beziehen, aber wir kommen heute zu einer wirklich entscheidenden Szene, würde ich sagen.
Weil, wenn man das Buch ganz grob gliedert, dann würde ich sagen, sind es grob drei oder vier Abschnitte. Der erste Abschnitt ist so etwa die Vorgeschichte. Das sind so, sage ich mal, die ersten beiden Kapitel, wo wir so ein bisschen Metainformationen darüber bekommen, Informationen, die der Hiob selber gar nicht hat. Dann gibt es von Kapitel 3 bis Kapitel 37 den großen Mittelteil, aber ich würde ihn halt nicht als den Hauptteil bezeichnen, weil das Finale kommt dann erst noch. Und in diesem Mittelteil drückt Hiob sein Leid aus. Es kommen Freunde, die ihn eigentlich trösten wollen, die aber mit ihm ins Gespräch kommen, aber ihn auch ins Gericht ziehen, quasi. Und dann, urplötzlich, in Kapitel 38, erscheint Gott auf einmal wieder im Bild und er äußert sich, weil die ganze Zeit wurde über ihn geredet und dann auf einmal spricht Gott selbst. Und ich denke, dieser Hauptteil, der relativ kurz dann ist, von Kapitel 38 bis Kapitel 42 und ich würde sagen, wenn man genau ist, 42 Vers 6. Das ist so der Hauptteil. Und wenn man so will, dann der vierte Teil wäre die Schlussszene, wo Hiob wiederhergestellt wird und ja, das Ganze zu einem Abschluss kommt. Die Geschichte findet ein sogenanntes Happy End.
[2:29] Und die Vorgeschichte ist uns, denke ich mal, über die letzten Wochen schon relativ geläufig, aber lasst uns trotzdem einfach noch mal ganz, ganz kurz rekapitulieren, was dort alles geschehen ist. Da haben wir erstmal in Kapitel 1, die ersten drei Verse, dass Hiob als gottesfürchtig und gerecht beschrieben wird. Wir lesen einfach mal diese Verse. Es heißt dort: „Es war ein Mann im Lande Us, der hieß Hiob, der war ein untadeliger und rechtschaffender Mann, der Gott fürchtete und das Böse mied. Und ihm wurden sieben Söhne und drei Töchter geboren. Und an Herden besaß er 7.000 Schafe, 3.000 Kamele, 500 Jochrinder und 500 Eselinnen. Und seine Dienerschaft war sehr groß, sodass der Mann größer war als alle Söhne des Ostens.“ Sprich, das ist ein wohlhabender Mann, und er steht in wunderbarer Beziehung zu Gott. Er ist gerecht, untadelig und ja, er kennt Gott, denke ich mal, soweit ganz gut.
[3:30] Dann wissen wir, weil wir das Buch Hiob so aufgeschrieben vor uns haben, was dann passiert ist. Die Szene im Himmel, wo Satan vor Gott tritt und sagt: „Naja, so wie du mir das präsentierst, lieber Gott, dass Hiob einfach nur so aufrecht und gottesfürchtig und treu ist, das kann ja nicht sein. Du bestichst ihn doch quasi. Aber wenn du mir die Chance gibst, ein bisschen was bei ihm zu machen, dann wird er dir ins Gesicht absagen, er will mit dir nichts mehr zu tun haben.“ Und so geht Gott darauf ein und lässt ihn in zwei Schüben im Unheil widerfahren. Erstens betrifft es erstmal sein Umfeld, dass seine Kinder sterben, dass er seinen Besitz verliert. Aber dann in der zweiten Welle des Unglücks passiert noch mehr. Und zwar, er darf, also Satan darf Hiobs Leib auch antasten, nur sein Leben nicht nehmen. Und ich denke, wie wir später noch sehen werden, Satan lässt nichts unversucht, ihn so maximal zu quälen, wie es nur irgendwie geht, mit Beulen und Jucken und Schmerzen in Kombination. Und es ist wirklich sehr, sehr schlimm, was Satan über Hiob kommen lässt. Aber von alledem weiß Hiob nichts. Er weiß nicht, was da wirklich vor sich gegangen ist.
[5:03] Und so wollen wir jetzt erstmal so ein kleines bisschen versuchen, die Geschichte nur ausschließlich aus der Perspektive des Hiobs zu sehen. Denn was ist denn mit ihm gewesen? Er, wir wissen nicht genau, wie alt er war, aber sein ganzes Leben offensichtlich hat er mit Gott gelebt, eine Freundschaft mit ihm gehabt, eine Beziehung gepflegt. Wir hören später, dass er sagt: „Wenn ich gerufen habe, dann hat er geantwortet.“ Wir waren gut miteinander, ich kannte ihn, alles war wunderbar. Und dann auf einmal, Hiobs Botschaft nach Hiobs Botschaft nach Hiobs Botschaft, alles wird ihm genommen. Er selber wird angetastet und seine Freunde, sein engstes Umfeld, was einem ja eigentlich eine Stütze sein sollte, versucht ihm noch mehr den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Seine Frau, die offensichtlich von Satan ganz bewusst übrig gelassen wurde, die ja sonst sein engster Vertrauter war, klagt ihn an, sagt: „Sag doch endlich Gott ab und stirb.“ Und er sagt, Hiob antwortet: „Du redest, wie eine törichte Frau redet.“ In alledem, sagt die Bibel, versündigte sich Hiob nicht mit seinen Lippen, er redete nicht ungerecht. Er drückt aber auch immer wieder sein Leid aus, was alles über ihn gekommen ist.
[6:28] Und interessant ist aus dieser Sache einfach noch festzuhalten, das, was in Kapitel 2 und dort in Vers 3 steht. Nämlich da sagt Gott bei der zweiten Versammlung im Himmel, am Ende von Vers 3: „Obwohl du mich gereizt hast, ihn ohne Ursache zu verderben.“ Ohne Ursache, es gab keinen Grund. Und Hiob wusste das. Hiob wusste, dass es keinen Grund gab für all das, weil seine Beziehung mit Gott, da war alles im Reinen. Er war sich sicher. Und deswegen umso dramatischer ist es halt, dass er einfach nicht versteht, warum von einem Schlag auf den anderen sich offensichtlich alles geändert hat, warum Gottes Einstellung sich auf einmal geändert hat. Das ist die Vorgeschichte und jetzt wollen wir uns ein kleines bisschen dem Mittelteil zuwenden.
[7:17] Und da würde ich sagen, schauen wir als erstes einmal ganz kurz in Kapitel 19, wie Hiob denn wirklich sein Leiden beschreibt. Es fängt direkt an, dass er am liebsten sterben würde und so. Aber wenn man sich einfach mal diese Worte, die hier in Kapitel 19 aufgeschrieben stehen, sich auf der Zunge zergehen lässt, dann kriegen wir noch so ein besseres Gespür davon, wie hart es ihn letzten Endes wirklich getroffen hat. In Kapitel 19 lesen wir die Verse 17 bis 19. Dort heißt es: „Mein Atem ist meiner Frau zuwider und mein Gestank den Söhnen meiner Mutter. Sogar Knaben verachten mich. Stehe ich auf, so reden sie gegen mich. Alle meine Vertrauten verabscheuen mich und die ich liebe, haben sich gegen mich gewandt.“ Dann lesen wir doch noch weiter in Vers 20: „An meiner Haut und an meinem Fleisch klebt mein Gebein und ich habe kaum noch Haut, um meine Zähne zu behalten.“ Erbarmt euch, erbarmt euch doch über mich. Und er fleht sie gewissermaßen an, unterstützt mich doch vielleicht ein kleines bisschen. Ich weiß zwar, dass ich gerecht bin und das gibt mir Trost, aber wie schön wäre es, wenn sich nicht alle nur vor mir ekeln würden, sondern da wenigstens irgendjemand wäre, der wirklich auf meiner Seite stünde.
[8:50] Vieles ist über ihn gekommen, aber, und das ist ein wichtiger Punkt, die körperlichen Leiden, der Verlust der Kinder beispielsweise. Da sagt er: „Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen, gepriesen sei der Name des Herrn.“ Auch wenn ihn das sicherlich geschmerzt hat, das ist nicht das, was ihn wirklich so abgrundtief niederdrückt. Auch die Krankheit, mit der ist es zwar schwer umzugehen, aber er ist damit umgegangen. Er hat sie einfach nur nicht verstanden. Aber das Schlimmste, was ihm eigentlich quasi widerfahren ist, das lesen wir beispielsweise hier auf Kapitel 23. Hier auf Kapitel 23, dort die Verse 3, 8 und 9. Dort heißt es, und Hiob redet offensichtlich über Gott. In Vers 3, dass ich wüsste, wo ich ihn fände, dass ich bis zu seinem Thron gelangen könnte. Und dann Vers 8 und 9: „Wenn ich aber nach Osten gehe, so ist er nirgends. Wende ich mich nach Westen, so bemerke ich ihn nicht. Wirkt er im Norden, so erblicke ich ihn nicht. Verbirgt er sich im Süden, so kann ich ihn nicht sehen.“
[10:08] Hiob sagt: „Wie kann das sein? Gott, der allgegenwärtig ist, dem eigentlich nichts entgeht, mit dem ich immer reden konnte, wenn ich ihn jetzt suche, egal in welche Himmelsrichtung, egal wo ich hingehe, ich finde ihn nicht. Er ist nicht mehr da. Es scheint so, als wäre er nicht nur vom Erdboden verschwunden, sondern vielleicht aus dem Universum verschwunden. Er ist einfach nicht mehr für mich auffindbar.“ Und das in dem Kontrast zu dem, was wir in Hiob Kapitel 12 finden, denn dann sagt Hiob etwas ganz anderes über seine Beziehung zu Gott. Hiob Kapitel 12 und dort der Vers 4, und da heißt es: „Ich bin wie einer, der zum Gespött für seine Freunde wird. Dabei rief ich einst zu Gott und wurde von ihm erhört, der untadelige Gerechte wird zum Gespött.“ Er rief zu Gott, er wurde erhört, und das scheint nicht eine einmalige Erfahrung gewesen zu sein, sondern etwas tagtägliches für ihn. Der Umgang mit Gott war so natürlich für ihn, dass es ihn so schlimm traf, dass es von einem Tag auf den anderen aufgehört hat.
[11:23] Versuchen wir es zu übertragen. Natürlich ist es kein Eins-zu-eins-Vergleich, aber wie fühlt sich ein Mensch, wenn man, was weiß ich, sein ganzes Leben, 30, 40 Jahre Ehe vielleicht zusammen gelebt hat und alles scheint gut zu sein. Von einem Tag auf den anderen, man verlässt vielleicht morgens das Haus, kommt abends wieder, die Wohnung ist leer, der Partner ist weg. Was ist passiert? Gestern war doch noch alles okay, was ist denn jetzt los? Er hat mir doch immer geantwortet, ich habe doch immer mit ihm geredet, aber jetzt, ich finde ihn nicht, er ist verschwunden. Das ist Hiobs größter Schmerz, weil Gott war ja sein Leben. Er weiß ja, er spricht ja die ganze Zeit auch davon: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt und ich weiß, dass er alles unter Kontrolle hat.“ Er anerkennt Gottes Allmacht. Er weiß viel über Gott und doch versteht er in dieser Sache einfach nicht, warum Gott sich genau so jetzt verhält.
[12:22] Dann finde ich noch in Kapitel 19, relativ interessant, habe ich auch schon kurz angesprochen, aber lasst uns einfach mal die Verse 25 bis 27 in Kapitel 19 noch mal im Zusammenhang lesen. Dort heißt es: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt und zuletzt wird er sich über den Staub erheben und nachdem diese meine Hülle gebrochen ist, dann werde ich von meinem Fleisch los Gott schauen. Ja, ich selbst werde ihn schauen und meine Augen werden ihn sehen, ohne fremd zu sein. Danach sehnt sich mein Herz in mir.“ Offensichtlich versteht Hiob nicht, warum Gott so handelt, aber, und das drückt er immer wieder aus, man kann es immer wieder lesen, dass er ein Verlangen danach hat, zu Gott zu kommen, ihn endlich wieder zu sehen. Natürlich auch, um ihn Fragen zu stellen, um zu verstehen, warum das so ist, aber letzten Endes doch, dass er sich nach Gott sehnt, dass er ihn einfach vermisst, dass er ihn wieder in seinem Leben braucht. Er braucht ihn wirklich.
[13:46] Und so ist Hiob in diesem Schmerz und die Freunde des Hiob verstehen nicht so wirklich, was das eigentliche Problem ist. Denn was sie beispielsweise, und das finden wir an vielen, vielen Stellen, aber was sie beispielsweise zu ihm sagen ist, da lesen wir es einfach in Hiob Kapitel 22, die Verse 21 bis 23. Da heißt es: „Versöhne dich doch mit ihm, mache Frieden, dadurch wird Gutes über dich kommen. Nimm doch Belehrung an aus seinem Mund und lege seine Worte in dein Herz. Wenn du zu dem Allmächtigen umkehrst, so würdest du aufgerichtet werden, wenn du die Ungerechtigkeit aus deinen Zelten entferntest.“ Was sie im Grunde genommen sagen ist: „Job, es ist doch ganz klar, mit dem Gerechten geht Gott gut um. Er segnet ihn, er kommuniziert mit ihm, er lässt ihn sprießen und sprossen, alles ist mit ihm gut. Aber wenn dein Weg nicht richtig ist, dann greift Gott halt ein. Und warum tut er das? Nicht einfach aus Willkür oder um dich zu strafen, sondern er will dir zeigen, dass du auf einem falschen Weg bist. Und Job, jetzt ganz konkret, das, was dir gerade widerfährt, ist eine Züchtigung Gottes. Das, was du gerade durchmachen musst, so schlimm es auch ist, da muss etwas bei dir im Busche sein. Du musst Sünde haben. Du musst da Schwächen, Charakterfehler bei dir haben, die dir offensichtlich nicht bewusst sind. Du hältst dich für gerecht, aber kann denn Gott ungerecht sein? Kann er sowas über einen gerechten Menschen kommen lassen?“
[15:41] Die Freunde sagen nein, es geht nicht, absolut unmöglich. Und wir wissen ja nicht genau, zu welcher Zeit das geschehen ist. Es wird wahrscheinlich nicht allzu lange nach der Schöpfung gewesen sein, sprich noch während der Zeit der Patriarchen. Aber wahrscheinlich wird den Freunden auch so bestimmtes Gedankengut vertraut gewesen sein. Und wir haben ja durchaus auch in der Bibel Beispiele, wo Gott zum Beispiel Segen und Fluch vorlegt in 5. Mose 28. Ich weiß nicht, ob die Freunde diesen Text als Text schon kannten, aber das Konzept scheint ihnen geläufig zu sein. Wo es heißt: „Wenn du der Stimme des Herrn deines Gottes gehorsam leistest, wenn du auf alles achtest, was er dir sagt, dann wird es dir gut gehen. Solltest du der Stimme deines Gottes aber nicht Gehör schenken, ihm nicht folgen, ihm nicht gehorsam sein, dann wird er Dinge über dich kommen lassen und es wird dir nicht so gut gehen.“ Und aus dem Gesamtkontext der Bibel, wenn Gott etwas zulässt, dann wissen sie natürlich auch, dass es nicht nur willkürlich ist, sondern eine Zielrichtung hat, dass Gott mit allem, was er tut, etwas beabsichtigt. Und so sagen sie: „Das, was Gott über dich kommen lässt, lieber Hiob, das macht er doch nur, um dich auf den richtigen Weg zurückzubringen.“ Das ist so ihre Vorstellung.
[17:05] Und Hiob ist da komplett anderer Meinung. Sie stoßen sowas von konträr aufeinander und auch das lesen wir an vielen Stellen, wie Hiob über seine Gerechtigkeit redet. Ein Beispiel habe ich rausgesucht in Hiob Kapitel 27 und dort der Vers 5. In Hiob 27 Vers 5 heißt es: „Fern ist es von mir, dass ich euch recht gebe. Ich werde mir meine Unschuld nicht nehmen lassen bis an mein Ende. Ich bin unschuldig und ihr könnt, solange ihr wollt, hier reden. Ich bin davon überzeugt, ich weiß, dass es so ist. Ich verstehe zwar auch nicht, warum das so gerade alles passiert, aber ich stehe rein da vor Gott.“ Und das können die Freunde halt nicht akzeptieren.
[17:58] So haben wir an mehreren Stellen Aussagen, dass die Frage aufgeworfen wird: „Kann ein Mensch denn überhaupt gerecht sein vor Gott? Kann ein Mensch denn überhaupt vor Gott bestehen?“ So heißt es in Hiob 4 Vers 17, genau das beispielsweise. Hiob 4 Vers 17: „Kann wohl ein Sterblicher gerecht sein vor Gott oder ein Mann rein vor seinem Schöpfer?“ Und der Gedanke wird auch noch mal wiederholt in Kapitel 25 Vers 4, auch an anderen Stellen, aber einfach mal an diesen beiden Stellen, um zu zeigen, dass die Frage wirklich immer wieder im Raum steht. Hiob Kapitel 25 Vers 4 sagt: „Wie kann aber der Sterbliche gerecht sein vor Gott und wie will der rein sein, der von der Frau geboren ist?“ Kann man vor Gott gerecht sein? Geht das überhaupt?
[18:53] Und natürlich wissen wir, dass wir keine Gerechtigkeit aus uns selbst produzieren können, aber Hiob behauptet offensichtlich: „Ich bin gerecht.“ Offensichtlich ist er mit Gott ins Reine gekommen, hat für seine Sünden Buße getan. Er ist ja auch für andere eingetreten, für seine Kinder, weil er gefürchtet hat, dass sie vom richtigen Weg abkommen und hat für sie geopfert und hat sie geheiligt, hat mit ihnen geredet und ihnen eindringlich klargemacht, wie wichtig es ist, dass man sich treu zu Gott hält. Und so ist es bei Hiob halt, dass er sich sicher ist, dass es möglich ist, vor Gott gerecht zu sein, denn er ist von sich überzeugt, gerecht zu sein und seine Freunde glauben nicht, dass es überhaupt möglich ist. Sie sagen: „Gott traut seinen Geschöpfen ja überhaupt nicht.“ Sie sagen: „Kann denn das überhaupt sein, vor Gott gerecht zu sein?“
[20:02] Und aus dem Ganzen erschließt sich natürlich trotzdem auch immer noch die Frage, denn sie sagen ja, über einen Gerechten kann Gott sowas nicht kommen lassen. Und Hiob sagt genau das Gegenteil. Er sagt, dem Gottlosen geht es eigentlich die ganze Zeit gut und dem Gerechten, der leidet die ganze Zeit. Freunde drehen das genau ins Gegenteil. Wer hat recht? Ich denke, die Freunde haben ja immer eine gute Absicht. Sie können sich ja sogar am Anfang beherrschen und eine ganze Woche lang erstmal nichts sagen. Sie wollen ihn wirklich trösten, aber dann platzt es doch aus ihnen heraus und sie müssen irgendwas sagen, sie müssen irgendwas loswerden und es ist nicht irgendwas letzten Endes, was Hiob wirklich aufbaut. Sie haben ein Gottesbild und Hiob hat ein Gottesbild und diese beiden Arten von Gottesbildern stoßen aufeinander und sind eigentlich unvereinbar miteinander.
[21:07] Und Hiob in der ganzen Sache ist zwar tief betrübt und niedergedrückt und er drückt das immer wieder aus, dass er am liebsten sterben würde, dass er Gott anfleht, lass mich doch ins Totenreich fahren. Aber, und das ist trotzdem das Schöne daran, auch in Hiob Kapitel 19 lesen wir nochmal die Verse 25 bis 27. „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt und zuletzt wird er sich über den Staub erheben. Nachdem diese meine Hülle zerbrochen ist, dann werde ich von meinem Fleisch los Gott schauen. Ja, ich selbst werde ihn schauen und meine Augen werden ihn sehen, ohne fremd zu sein. Danach sehnt sich mein Herz in mir.“
[22:02] Hiob versteht Gott nicht. Er weiß nicht, warum Gott aus seiner Sicht so ungerecht an ihm handelt, ohne Ursache. Er weiß es ja nicht. Und wir wissen ja auch, er kennt die Hintergrundgeschichte nicht. Er weiß nicht, was da passiert ist. Wir wissen es, wir können uns noch eher jetzt einen Reim schon im Vorhinein draus machen. Aber Hiob völlig ohne Ahnung, genauso wie seine Freunde, sie alle kannten die Geschichte im Himmel ja nicht. Sie reden über Gott, wie Gott handelt, wie Gott ist und es sind zwei unterschiedliche Meinungen, die dort aufeinandertreffen. Und dann kommt jetzt halt die Auflösung, das Finale, der Hauptteil, wo endlich Dinge klargestellt werden.
[22:52] Es wird viel über Gott geredet und jetzt in Kapitel 38 fängt Gott selbst an zu reden. Und jetzt stellen wir uns erstmal zu Beginn die Frage: Was redet Gott denn dort überhaupt? Was ist denn seine Art und Weise zu reden, seine Methode? Und was uns ganz leicht auffällt, ist, dass offensichtlich er bestimmte Aspekte aufgreift, die vorher zwischen Hiob und seinen Freunden schon angesprochen wurden. Dass er Bilder verwendet, die den Leuten dort bekannt waren. Einfach nur kurz als Übersicht ein paar Beispiele. Da haben wir beispielsweise, dass in Hiob 9 Vers 9 über das Siebengestirn und den Orion gesprochen wird. Und dann in Kapitel 38 Vers 31 wird das von Gott auch aufgegriffen. Dann in Hiob 24 Vers 5 wird über den Wildesel gesprochen. In Hiob 39 Vers 5 bis 8 spricht auch Gott über den Wildesel. Hiob Kapitel 3 Vers 8 spricht Hiob selbst vom Leviathan. Und auch hier greift das ganze Gott in Hiob 40 Vers 25 bis sogar Kapitel 41 Vers 26 auf. Also es gibt immer wieder Anknüpfungspunkte. Bestimmte Bilder, die den Leuten geläufig waren, die Hiob geläufig waren, den Freunden geläufig waren, werden immer wieder aufgegriffen.
[24:24] Und jetzt ist halt die Frage, warum redet Gott genau das, was er dort redet. Und ich glaube, manchmal wird Gottes Rede sogar ein bisschen überlesen, weil man auf den ersten Blick nicht wirklich versteht, was die Aussage letzten Endes ist. Und manche gehen sogar dahin, dass sie zum Beispiel einfach sagen, das, was Gott dort mit diesen rhetorischen Fragen macht. Und wir können ja einfach mal ganz kurz den ersten Eindruck davon bekommen. Lesen wir einfach mal ab Vers 1 in Kapitel 38. „Da antwortete der Herr dem Hiob aus dem Gewittersturm und sprach: Wer verfinstert da den Ratschluss mit Worten ohne Erkenntnis? Gürte doch deine Lenden wie ein Mann. Ich will dich fragen und du sollst mich belehren. Wo warst du, als ich den Grund der Erde legte? Sprich es aus, wenn du Bescheid weißt. Wer hat ihre Maße bestimmt? Weißt du das? Oder wer hat die Messschnur über sie ausgespannt? Worin wurden ihre Grundpfeiler eingesenkt? Oder wer hat ihren Eckstein gelegt?“ Fragen, die Gott an Hiob richtet und die offensichtlich von Hiob nur so beantwortet werden können: „Ich weiß es nicht. Natürlich war ich nicht da.“
[26:00] Und so führt das manche Leser des Buches Hiob dazu, die Rede Gottes allein darauf zu konzentrieren und herunterzubrechen, dass Gott lediglich seine Größe darstellen will. Dass er sagt: „Schau Hiob, du hast zwar Fragen, schön und gut, aber schau dir einfach an, wie groß ich bin, wie mächtig ich bin. Meine Gedanken sind höher als deine Gedanken. Was willst du mich überhaupt hinterfragen? Was willst du mich kritisieren? Schau meine Allmacht und Größe an und dann müsste doch eigentlich alles für dich klar sein, oder?“ Ist das wirklich das, was Gott in erster Linie mit seiner Rede beabsichtigt? Und ich denke nicht. Denn wenn wir beispielsweise, wir werden es jetzt nicht lesen, aber beispielsweise uns Kapitel 9 anschauen. In Kapitel 9 anerkennt Hiob Gottes Allmacht und Größe. Sie ist ihm durchaus bewusst. Es ist nicht etwas, was Gott ihm erst auf besondere Art und Weise beibringen müsste.
[27:07] Gibt es immer Raum zum Dazulernen? Sicherlich. Natürlich können wir als Sterbliche, als menschliche Wesen mit beschränktem Verstand nicht Gott komplett verstehen und erklären und seine Größe fassen. Natürlich nicht. Und so bleibt es, gibt es immer wieder weitere Offenbarungsmöglichkeiten für Gott. Aber trotzdem ist das der Hauptaspekt der Rede Gottes, einfach nur sich als groß und mächtig darzustellen? Ich denke, das wäre viel zu verkürzt.
[27:45] Dann stellt sich die Frage, warum redet Gott denn so viel über die Schöpfung, das Tierreich, all diese Dinge? Und etwas plakativ formuliert würden manche Leute es vielleicht so beschreiben, als Gott hält Hiob eine Stunde in Naturkundeunterricht, in Biologie. „Weißt du denn, wie das mit den ganzen Tieren ist und mit der Erde und dem Meer?“ Und dann kommt ja noch diese lange, lange Beschreibung von erst dem Behemoth und dem Leviathan. Detailliert beschreibt Gott diese Tiere und man könnte vielleicht theoretisch schon auf den Gedanken kommen, gut, Hiob soll einfach noch tiefer verstehen, wie groß Gott ist. Noch tiefer verstehen, dass da in der Natur Dinge einfach sind, die er nicht verstehen kann. Aber ist das der Hauptaspekt, den Gott durch diese Rede ausdrücken will? Einfach nur ihm Unterricht zu geben, ihm da in Naturkunde etwas beizubringen, Tierwelt besser zu erklären. Auch das denke ich, wäre stark, stark verkürzt.
[29:14] Denn was lesen wir denn in diesen Kapiteln zwischen den Zeilen oder vielleicht gar nicht mal so unbedingt zwischen den Zeilen, sondern was drückt denn Gott auch aus durch die Beschreibung der ganzen Tiere und Sachen? Beispielsweise, wenn wir uns einfach zwei Dinge im Kontrast anschauen, dann redet Gott über sein Wesen, über seinen Charakter, über das, wie er mit der Schöpfung und seinen Geschöpfen umgeht. Und er beschreibt, dass er sich um die großen Dinge, die wirklich atemberaubenden Dinge kümmert, aber auch um die kleinen Details. Es entgeht ihm nichts. Und lasst uns einfach mal in Hiob Kapitel 38, die Verse 31 bis 33 lesen. Dort heißt es: „Knüpfst du die Bande des Siebengestirns oder kannst du die Fesseln des Orion lösen? Kannst du die Sterne des Tierkreises herausführen zu ihrem Zelt und leitest du den großen Bären samt seinen Jungen? Kennst du die Gesetze des Himmels oder bestimmst du seine Herrschaft über die Erde?“ Das ganz Große, das Universum, Siebengestirn, Orion, all diese Dinge. Gott scheint, nicht nur scheint, sondern Gott kümmert sich offensichtlich um den Unterhalt des ganzen Universums. Und wer sich einfach mal das Universum versucht hat vor Augen führen zu lassen, wenn man mal so aus der Milchstraße rauszoomt und in die ganzen anderen Galaxien und dann sieht man dies und das und jenes, das ist unglaublich. So groß ist Gott. Er kümmert sich um alles, was in diesem Universum vor sich geht. Die Gestirne, für uns unfassbar groß, er kümmert sich darum. Er ist groß genug, damit umzugehen, zu lösen oder festzuhalten, all diese Dinge.
[31:12] Aber Gott bleibt dabei nicht stehen und sagt nur: „Gut, ich kümmere mich um das Große“, sondern er geht auch auf die Details ein. Und das lesen wir beispielsweise in Hiob 38, Vers 41. Da heißt es: „Wer verschafft dem Raben seine Speise, wenn seine Jungen zu Gott schreien und herumflattern aus Mangel an Nahrung?“ Wer ist es, der sich um die kleinsten Tiere kümmert, um für uns nebensächliche Dinge vielleicht, so würden wir es bezeichnen. Aber es gibt nichts in Gottes Schöpfung, was seiner Aufmerksamkeit entgeht. Er kümmert sich um alle Dinge, ob groß, ob klein und alles dazwischen. Ihm ist nichts egal. Und das drückt Gott durch diese Beschreibung halt auch aus, zu beschreiben, was für ein liebevoller Schöpfer, ein liebevoller Vater seiner Schöpfung er wirklich ist. Es geht nicht nur um Beschreibung von Tieren, sondern viel mehr auch um die Beschreibung des Wesens und des Charakters Gottes.
[32:24] Dann steht beispielsweise noch ein paar Verse vorher in Hiob 38, die Verse 8 bis 11. „Wer hat das Meer mit Schleusen verschlossen, als es hervorbrach, heraustrat wie aus dem Mutterschoß, als sich es in Wolken kleidete und Wolkendecke zu seinen Windeln machte, als ich ihm seine Grenzen zog und Riegel und Tore einsetzte und sprach: Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter. Hier soll der Stolz deiner Wellen sich legen.“ Und das drückt für mich so ein kleines bisschen aus, natürlich jetzt auf das Meer bezogen, aber wenn wir das Prinzip extrahieren, dann sagt das in etwa so viel wie: Gott lenkt alles in geregelten Bahnen. Er hat Grenzen für alles festgesetzt. Er hat Spielraum für alles festgelegt und es ist eine wohlweisliche Entscheidung. Es ist nichts Willkürliches. Gott hat einen Plan hinter allen Dingen, die er macht. Es ist nichts, was einfach so zufällig passiert, sondern Gott in seiner Weisheit weiß, was am besten ist und so legt er beispielsweise Grenzen für das Meer fest. Aber extrapoliert heißt das, alles, was ihn betrifft, läuft in geregelten Bahnen und Gott weiß, was das Beste ist. Das will er Hiob auch wieder beibringen oder nochmal besonders deutlich machen.
[33:56] Aber dann kommen wir zu dem wirklichen Finale, zu der eigentlichen Beantwortung aller Fragen von Hiob. Hiob, wie wir gesehen haben, weiß ja nicht, warum das alles kommt. Und jetzt ist die Frage, wenn Gott gut und gerecht ist und mit seinem Knecht richtig umgehen will, wäre es richtig und gut, wenn Gott einfach nur seine Macht demonstriert, ohne ihm auch nur im Ansatz zu zeigen, warum das Ganze gerade geschieht? Ich denke nicht. Das passt einfach nicht ins Bild, wie Gott umgeht. Und wie wir jetzt sehen werden, Gott geht ja auch auf diese Frage ein. Manche Menschen sehen es nicht und auf den ersten Blick ist es vielleicht auch nicht so gut zu erkennen. Aber wenn wir jetzt beispielsweise uns anschauen, die Beschreibung ab Kapitel 40, Vers 15. Lesen wir einfach mal Kapitel 40, Vers 15.
[35:03] „Siehe doch den Behemoth, den ich gemacht habe wie dich. Gras frisst er wie der Ochse. Siehe doch, welche Kraft in seinen Lenden liegt und welche Stärke in seinen Bauchmuskeln. Sein Schwanz streckt sich wie eine Zeder. Die Sehnen seiner Schenkel sind fest verflochten. Seine Knochen sind wie ähnelnde Röhren, seine Gebeine wie Eisenstangen. Er ist der Erstling der Wege Gottes, der ihn gemacht hat. Reichte ihm sein Schwert. Denn Futter tragen ihm die Berge und alle Tiere des Feldes spielen. Unter Lotusgebüschen liegt er, versteckt in Rohr und Sumpf. Lotusgebüsche bedecken ihn mit ihren Schatten. Die Bachweiden umgeben ihn. Siehe, der Strom schwillt mächtig an. Er fürchtet sich nicht. Er bleibt auch ruhig, wenn ein Jordan sich in seinen Mund ergießt. Kann man ihn in seine Augen greifen? Kann man mit Fangseilen seine Nase durchbohren?“ Ein großes, mächtiges Tier wird beschrieben. Behemoth, wir wissen nicht ganz genau, was es für ein Tier ist, ob es es noch länger gegeben hat, wie es genau aussieht. Aber aus der Beschreibung dieses Tieres denke ich, kann man klar erkennen, dass es sich nicht nur um eine Beschreibung eines Tieres handelt. Auch wenn Hiob das Tier wahrscheinlich gekannt hat, genauso wie er von dem Leviathan vorher gesprochen hat, wird er höchstwahrscheinlich auch den Behemoth gekannt haben. Aber dann gibt es halt mindestens diese zwei Stellen hier, die so ein bisschen Hinweis darauf geben, dass es sich mehr um mehr handelt, als nur die Beschreibung eines Tieres.
[36:56] Wenn es heißt in Kapitel 40, Vers 19: „Er ist der Erstling der Wege Gottes.“ Erstling der Wege Gottes klingt definitiv nach mehr als einfach nur ein Geschöpf. Oder dann beispielsweise, wenn es weitergeht: „Siehe, der Strom schwillt mächtig an. Er fürchtet sich nicht, er bleibt auch ruhig, wenn ein Jordan sich in seinen Mund ergießt.“ Das scheint ja schon nicht wirklich natürliche Beschreibung von Dingen zu sein, sondern es scheint darüber hinaus zu gehen. Aber es wird beschrieben, dass dieser Behemoth auch unbezwingbar ist, dass er sich vor nichts fürchtet. Dass man nicht einfach so mit ihm umgehen kann, wie mit jedem anderen Tier. Und dann kommt die lange Beschreibung des Leviathan. Und wir werden jetzt nicht alles lesen, aber durch die Beschreibung des Leviathan kommt es zu etwas, was uns auch aufmerken lässt. Er scheint quasi noch unbezwingbarer zu sein, als der Behemoth eben beschrieben wurde. Und warum erzählt Gott jetzt so viel über diesen Leviathan? Und in Kapitel 41, Vers 4, drückt er sogar noch eine besondere Haltung, etwas aus, was für ihn besondere Bedeutung hat. Denn Gott sagt in Vers 4: „Ich will von seinen Gliedern nicht schweigen, sondern reden von seiner Kraftfülle und von der Schönheit seines Baus.“ Da ist also ein wirklich ganz, ganz besonderes Tier. Aber scheint es auch wieder nur eine Beschreibung eines Tieres zu sein? Oder geht es darüber hinaus?
[39:09] Denn wenn man jetzt einfach mal schaut, dieses Tier scheint offensichtlich nicht mit natürlichen Mitteln bekämpft werden zu können. Mit physischen Waffen kann man ihm nicht entgegenstehen. Es steht dort, egal ob du Schwert oder Harpune oder Speer nimmst, macht ihm alles nichts aus. Du kannst ihn auf diese Art und Weise nicht bekämpfen. Sprich, ihr als Menschen habt überhaupt keine Chance, gegen ihn zu bestehen. Keine Möglichkeit. Und es ist nicht möglich, ihn an die Leine zu nehmen. Es ist nicht möglich, ihn in die Zahnreihen zu fassen. Man geht mit ihm nicht normal um, wie mit einem anderen Tier. Dann sagt Gott aber auch noch in Vers 2 und 3, in Kapitel 41, Vers 2 und 3: „Niemand ist so tollkühn, dass er ihn reizen möchte. Wer kann aber vor mir bestehen? Wer hat mir zuvor gegeben, dass ich ihm vergelten sollte? Alles, was unter dem ganzen Himmel ist, gehört mir.“ Gott stellt sich dennoch gegenüber auch diesen beiden Tieren, dem Behemoth und dem Leviathan, souverän dar. Aber aus der Beschreibung kommt doch heraus, dass man offensichtlich dieses Tier, in Klammern, selbst für Gott, nicht ganz natürlich bekämpft werden kann. Dass man mit ihm nicht einfach so umgehen kann und ihn mit Gewalt oder oder irgendwelcher List einfach so überfallen kann. Das scheint etwas ganz, ganz Besonderes zu sein.
[40:56] Und ich denke, wenn man diese ganzen Gedanken hier zusammennimmt und wenn wir die Hintergeschichte aus Kapitel 1 und 2 im Buch Hiob haben, dann können wir nur zu dem Schluss kommen, dass Gott in dieser Beschreibung der beiden Tiere, des Behemoth und des Leviathan, eine Beschreibung über Satan abgibt. Dass Gott auf diese Art und Weise auf die Frage des Hiob eingeht, warum passiert denn das? Warum kommt es über mich? Warum verbirgst du dein Angesicht vor mir, Gott? Warum finde ich dich nicht? Warum hörst du mein Rufen und mein Schreien nicht? Ich möchte mit dir reden, aber du bist nicht da. Und Gott geht darauf ein, indem er sagt: „Schau, da gibt es einen Kampf, von dem du nicht, zumindest nicht vollumfänglich alles verstehst. Da gibt es jemanden, mit dem kann man nicht einfach so kämpfen. Da gibt es jemanden, der nicht einfach mit Waffengewalt bezwingbar ist. Es braucht mehr als das. Und du bist Teil dieses Kampfes geworden, Hiob. Aber vertraue mir, dass ich trotzdem souverän bin. Vertraue mir, dass der Leviathan, so mächtig er auch sein mag, dass er letzten Endes doch nicht gegen mich Bestand hat. Vertraue mir, Hiob.“
[42:16] Und ich denke, das ist das Finale, der Hauptteil des Buches Hiob, wo für Hiob, der vorher nichts wusste, endlich sich Dinge eröffnen, die ihm besseres Verständnis geben über die Situation, aber auch noch tieferes Verständnis über Gott. Wir wissen schon, dass Hiob eine gewisse Vorkenntnis über Gott hatte, dass er Gott für seine Verhältnisse schon sehr, sehr gut kannte. Aber wenn wir beispielsweise in Vers 42, oder das bestätigt sich daraus, was wir in Vers 42 in den Versen 7 und 8 lesen, jeweils am Ende, 42 Vers 7 am Ende und Vers 8 am Ende, da sagt Gott über Hiob zu den Freunden: „Ihr habt nicht recht von mir geredet, wie mein Knecht Hiob.“ Und in Vers 8 wiederholt er den Gedanken: „Ihr habt nicht recht von mir geredet, wie mein Knecht Hiob.“ Hiob hat recht über Gott geredet. Offensichtlich hat er schon Kenntnis über Gott gehabt und sein Vertrauen auf Gott war schon auf einer guten Grundlage. Aber offensichtlich konnte Hiob dennoch etwas dazulernen, noch ein tieferes Verständnis über Gott bekommen.
[43:31] Und das lesen wir beispielsweise in Kapitel 42 Vers 5, wo es heißt: „Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen.“ Ich habe schon von dir gehört, ich wusste, du bist da und ich wusste, wie du etwa bist, aber verglichen mit dem, was ich jetzt für eine neue Erkenntnis über dich gewinnen konnte, war das andere mehr Hörensagen. Ja, wir waren in einer guten Beziehung, du warst mein engster Freund und Verbündeter, aber jetzt verstehe ich dich noch viel besser, lieber Gott. Jetzt sind meine Augen ein ganzes Stück weiter geöffnet. Und ich denke, was er damit auch ausdrückt ist, dass er Gott dankbar ist, dass er sich so offenbart hat. Hiob wusste schon viel über Gott, aber er konnte noch eine viel, viel größere Kenntnis von Gott gewinnen.
[44:30] Was nehmen wir jetzt also aus dem heutigen Studium mit? Was ist es denn, was die Geschichte des Hiob und diese Rede Gottes denn letzten Endes mit uns persönlich zu tun hat? Wir können es auch wieder ganz theoretisch abhaken und sagen, okay, das ist vor etlichen tausend Jahren gewesen, diese Art von Unglücken hat sich nicht so häufig wiederholt. Was können wir jetzt persönlich für unser Leben daraus ziehen? Und die erste Frage, die ich mir dabei stelle, ist die folgende: Warum, warum redet Gott mit Hiob auf diese Art und Weise? Wäre es nicht, und ich spreche jetzt menschlich gesehen, wäre es nicht besser, dass Gott einfach zu Hiob geht und sagt: „Hiob, ich weiß, du hast viele Fragen, okay, und es ist wirklich viel passiert. Ich will dir einfach mal kurz erzählen, wie die Geschichte gewesen ist.“ Und dann hätte er ja einfach Hiob Kapitel 1 und 2 rezitieren können. Er hätte ja sagen können: „Schau, da war eine Versammlung im Himmel und da ist ein Wesen, der Satan, du kennst ihn vielleicht noch nicht so gut, du weißt, da ist ein Widersacher, durch den die Sünde angefangen hat, aber du weißt wahrscheinlich nicht allzu viel über ihn. Aber er kam halt und er hat diese Forderung gestellt. Er wollte dich anrühren und es war so, dass ich mir sicher war, dass du durchhalten wirst. Und so habe ich das zugelassen. Ich musste Satan auch ein Stück weit Spielraum geben, um zu zeigen, wohin seine Strategie führt und dass du, obwohl alles ungerecht über dich kommt, dass du mir treu bleibst. Und Hiob, die erste Welle war, dass dein ganzes Umfeld gegen dich war. Dann musste ich aber auch noch ihm zugestehen, dass dein Leben angetastet wird. Nicht dein Leben, aber dein Leib, Krankheit und alle diese Dinge.“ Gott hätte doch einfach das rezitieren können. Dann hätte Hiob wahrscheinlich richtig gut verstanden, was alles passiert ist, oder? Dann hätte er doch, genauso wie wir als heutige Leser, Schlüsse daraus ziehen können, dass es für Gott nicht so einfach ist, dass es nicht der langfristig richtige, gute Weg ist, Satan vielleicht einfach zu vernichten, sondern dass man mit ihm auf bestimmte Art und Weise umgehen muss. Diese Schlüsse hätte Hiob sicherlich doch daraus ziehen können, wenn Gott ihm das einfach so erzählt, oder?
[47:20] Aber es ist interessant, dass Gott nicht auf diese Art und Weise redet. Er erscheint Dinge ein wenig zu verpacken, auf bestimmte Art und Weise Hiob zu präsentieren. Und die Frage ist, warum? Warum macht Gott das so? Und ich denke, Gott, der den Menschen geschaffen hat, weiß, wie wir Dinge am besten verstehen und am besten lernen können. Und offensichtlich ist es nicht so, dass es der beste Weg ist, einfach nur Faktenwissen zu präsentieren und zu sagen: „So, das ist die Wahrheit, du musst es akzeptieren“, sondern dass das der beste Weg ist, Dinge zu verstehen, indem man Fragen stellt, dass die Person, das Gegenüber, letzten Endes selber auf die Lösung kommt. Dass man selber nach der Antwort forscht, danach ringt und zu eigenen Schlüssen kommt. Dass, wenn man selbst auf eine Lösung gekommen ist, dass es viel, viel mehr wert ist, als wenn man einfach nur Vorgekautes nacherzählt. Und so ist es hier in der Situation offensichtlich für Hiob das Beste, dass Gott ihm Fragen stellt und Hiob dadurch bestimmte Aspekte selbst sich erschließen kann. Und dass er auch die Beschreibung des Behemoth und Leviathan, also die Beschreibung des Satan, in Worte einkleidet, die noch greifbarer irgendwo sind, die plastischer sind für Hiob als vielleicht abstrakte Konstrukte, was alles im Himmel passiert. Wir wissen ja, dass Hiob den Leviathan kannte, dass er ihn gesehen hat, dass er weiß, dass es wirklich ein unbezwingbares Wesen ist. Und diesen bildlichen Eindruck, den zu vermitteln, scheint für Hiob noch etwas viel wertvolleres gewesen zu sein, als dass Gott einfach nur etwas ihm auf den Punkt erklärt.
[49:33] Wie gehen wir jetzt dann heute damit um? Wisst ihr, ich glaube, es ist leider oftmals so, dass wir uns auch mit vorgekauten Meinungen sehr leicht und sehr gut zufriedengeben. Dass wir sagen, wenn wir die Lektion studieren beispielsweise, dann ist die Lektion ja aufgebaut als eine Studienanleitung. Aber wie wir sie heute oftmals verwenden, ist einfach, naja, wir lesen das, was der Schreiber beschrieben hat, dann ist da eine Bibelstellenangabe und dann soll man seine eigenen Gedanken darunter schreiben. Aber ich habe jetzt gerade keine Zeit, also lesen wir mal, was der Schreiber darunter als Erklärung dazu gibt. Wir haben uns verlernt, selbst zu forschen, selbst zu graben, selbst auf Lösungen zu kommen, die uns letzten Endes dann wirklich befriedigen können. Weil das, was man einfach nur hört, aufnimmt, von anderen übernimmt, kann heute kommen und morgen schon wieder gehen. Aber die Dinge, die wir uns selbst erarbeitet haben, wo wir geschürft haben nach Gold, nach Schätzen in Gottes Wort, wenn wir diese Schätze gefunden haben, dann werden sie uns nie wieder loslassen. Sie werden für uns so kostbar sein, dass es nichts mehr gibt, was sie uns entreißen kann. Und so denke ich, ist die Art und Weise, wie Gott hier diese Dinge präsentiert, ein Mittel, was uns zeigen kann, dass wir selbst forschen sollen, dass wir selbst versuchen sollen, Fragen zu beantworten. Und dann, wenn wir wirklich nicht weiterkommen, dann können wir sicher sein, dass Gott eingreift und uns Dinge erklärt, dass sein Geist uns in den Gedanken führt, uns Interpretationen schenkt. Aber wir sollten uns niemals damit zufriedengeben, einfach nur Aussagen, die da sind, zu übernehmen. Und das ist ein wichtiger, wichtiger Aspekt aus dieser Sache.
[51:48] Dann ist ein weiterer Aspekt, dass ich denke, dass wir wirklich verstehen lernen sollten, wie Gott im großen Kampf gegen Satan kämpft. Dass es zwar damals sicherlich eine Geschichte war, eine Begebenheit, die auf besondere Art und Weise geführt wurde, aber uns ist gesagt, dass zum Ende der Zeit nochmal ein sehr, sehr heftiger Kampf losbrechen wird. Und das, was damals mit Hiob geschehen ist, gewissermaßen sich wiederholen wird, aber noch auf größere Art und Weise, noch im größeren Stile. Damals war Hiob als der einzige, oder ja, der eine gerechte Mann beschrieben worden. In Offenbarung finden wir 144.000 Gerechte beschrieben. 144.000 Leute, die von sich sagen werden: „An und für sich bin ich doch gerecht.“ Und Gott bestätigt das auch und sagt: „In ihrem Mund ist kein Falsch gefunden worden. Sie sind untadelig vor Gott.“ Auch sie werden durch eine Krise gehen, wo sie nicht verstehen, warum scheinbar Gott sich gegen sie gewandt hat. Auch sie werden die Erfahrung, die Hiob durchleben musste, sicherlich auf leicht modifizierte Art und Weise, aber trotzdem auch in solcher Heftigkeit erleben. Und ich weiß nicht, wie es mit euch steht, aber ich möchte zu dieser Gruppe gehören, die am Ende Gott die Ehre dadurch geben, dass sie ihm nachfolgen, wohin das Lamm auch geht, dass sie gerecht sind. Und so will ich, genau wie Hiob es letzten Endes dann verstanden hat, schon jetzt im Vorhinein so gut wie möglich verstehen, wie Gottes Wesen ist, wie er mit Dingen umgeht, wie er mit Gerechten und Ungerechten verfährt, ob es überhaupt möglich ist, vor Gott gerecht zu sein. Und die Bibel sagt, ja, es ist möglich. Und trotzdem wird auch diese Gruppe in der Offenbarung beschrieben als eine Gruppe, die durch viel hindurchgehen muss. Es wird in der Bibel beschrieben von einer großen Trübsal oder die Zeit der Angst in Jakob oder Dinge, die eine schwierige, schwierige Erfahrung sein werden. Aber lasst uns heute schon so früh wie möglich, so tief wie möglich diese Überzeugung gewinnen, dass Gott in allem, was er tut, gerecht ist und dass wir die Möglichkeit haben, mit seiner Hilfe, durch seine Gerechtigkeit, die er uns gibt, vor ihm gerecht zu sein. Aber wir sind ja keine Marionetten und so befähigt er uns, gerecht vor ihm zu sein. Ich möchte verstehen, worum es in diesen ganzen Dingen geht und ich möchte verstehen, auf welche Art und Weise letzten Endes Satan von Gott besiegt werden kann. Und offensichtlich geht der Sieg über Satan, wie im Beispiel des Hiob, auch über schwierige Erfahrungen des treuen Gottesvolkes. Und so wird es auch über uns als Volk Gottes Dinge kommen, es werden Dinge kommen, die so aussehen, als würde Gott sich von uns zurückziehen. Und es wird sicherlich keine leichte Zeit sein. Aber wenn wir nicht vorbereitet in diese Zeit gehen, dann wird es uns hinwegschwemmen und es wird für uns kaum Hoffnung geben. Aber wenn wir die Erfahrung des Hiob richtig verstehen und die richtigen Schlüsse jetzt herausziehen, dann kann und wird uns Gott auch durch unsere schwierigen Zeiten führen können.
[56:33] Ein letzter Punkt, den ich kurz ansprechen möchte, ist, dass manchmal auch wir heutzutage Dinge nicht wirklich verstehen. Dass wir jetzt schon in dem kleinen Rahmen, in dem wir uns persönlich bewegen, dass wir auch Gottes Handeln und Wirken nicht komplett erfassen können. Und es mag sein, dass wir offene Fragen haben. Es mag sein, dass Gott scheinbar sich verborgen hat und nicht direkt darauf antwortet. Aber die Geschichte des Hiob sagt mir, dass Gott sich um alles kümmert, dass ihm nichts entgeht, dass er wirklich fürsorglich und liebevoll ist. Und, dass wenn wir Fragen haben, dass wir durchaus selbst danach forschen sollen, Antworten zu finden. Aber, dass letzten Endes Gott für Antwort sorgen wird. Und zwar ganz individuell. Wenn Hiob bestimmte Fragen hatte, dann geht Gott auf ihn ein und beantwortet seine Fragen so individuell, dass er hinterher mit der Antwort zufrieden ist und glücklich damit ist. Und so dürfen auch wir getrost sein, dass wenn wir Fragen haben, dass es auch manchmal vielleicht etwas länger dauert. Oder wir es vielleicht auf dieser Erde, diesem Zeitalter nicht komplett verstehen und die Fragen komplett beantwortet bekommen. Aber wir dürfen dieses Vertrauen haben, dass Gott auf jede Frage, auf jeden Zweifel, auf jede Ungereimtheit eine Antwort haben wird. Und auch das ist eine Lehre aus dem Buch Hiob und speziell aus der Antwort, die Gott aus dem Wirbelsturm gibt.
[58:14] Und so denke ich, dürfen wir dankbar sein, dass Gott dieses Buch hat aufschreiben lassen. Dass wir hinter die Kulissen schauen durften und es für uns ein bisschen erträglicher und leichter ist, mit dieser Geschichte umzugehen. Aber lasst uns die richtigen Schlüsse daraus ziehen, dass wir das Buch Hiob nicht nur einfach als etwas abtun und sagen, es geht um das Thema Leid. Und wenn wir es lesen, dann können wir ein bisschen Trost bekommen, dass auch Hiob leiden musste. Also können wir auch irgendwie ertragen. Sondern dass es in diesem Buch noch um viel, viel mehr geht. Es geht um die Gerechtigkeit Gottes, um die Möglichkeit, wie man trotz widrigster Umstände vollen Vertrauens auf Gott sein kann. Und dass wir immer wissen und daran festhalten bis ans Ende, dass unser Erlöser lebt und egal, was uns widerfährt, dass selbst wenn es ungerecht über uns hereinbricht und sogar Tod eintritt oder was auch immer, dass der Erlöser lebt und am Ende sich über den Staub erheben kann, dass er alles wiederherstellen kann. Lasst uns diesem Gott vertrauen und ihn täglich immer besser kennenlernen. Das wünsche ich dir und das wünsche ich mir. Amen.
[59:29] Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!