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In dieser Cannstatt Study Hour-Ausgabe dreht sich alles um die Einheit des Evangeliums im Galaterbrief. Ronny Schreiber beleuchtet, wie wichtig Einigkeit in der Gemeinde ist und wie sie sich von Spaltungen abgrenzt. Anhand biblischer Beispiele aus 1. Korinther und Apostelgeschichte wird die Bedeutung der Herzensbeschneidung statt äußerlicher Rituale erklärt. Die Lektion thematisiert auch die Freiheit von der Sünde durch Christus und die Herausforderung, diese Freiheit in Liebe und Wahrheit zu leben, ohne sich in Streitigkeiten zu verlieren.


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Serie: Cannstatt Study Hour 2017 Q3: Der Galaterbrief

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Transkript

[0:00] Hallo und herzlich Willkommen zur nächsten Ausgabe unserer Cannstatt Study Hour. Wir sind ja jetzt mittlerweile im dritten Quartal 2017 und behandeln das Evangelium im Galaterbrief. Wir möchten uns dieses Mal damit auseinandersetzen, die Einheit des Evangeliums im Galaterbrief. Wir fangen an, sozusagen uns den Merkvers einmal einzuprägen. Da heißt es in Philipper 2, Vers 2: „So macht meine Freude völlig, indem ihr eines Sinnes seid, welche Liebe habt, einmütig und auf das eine bedacht seid.“ Eines Sinnes zu sein, darum soll es gehen in dieser Lektion im Galaterbrief und was es bedeutet und wie weit man darin geht.

[1:01] Bevor wir anfangen, lasst uns gemeinsam den Herrn bitten, dass er uns seinen Geist sendet, damit wir von ihm geführt und unterrichtet werden. Unser lieber Vater im Himmel, wir sind dir so dankbar dafür, dass wir wieder gemeinsam studieren dürfen und uns im Galaterbrief voranbringen können. Wir möchten dich bitten, lieber Vater, dass du uns hilfst durch deinen Heiligen Geist, dass du unser Lehrer bist und wir von dir lernen können, was es bedeutet, eins zu sein in der Gemeinde. Wir danken dir schon jetzt dafür. Im Namen Jesu, Amen.

[1:27] Nun, wir wollen beginnen mit einem Vers aus dem Johannesevangelium, Johannes Kapitel 17, hier ab Vers 20. Nun, das war dieses Kapitel, in dem Jesus seine Jünger zusammenruft und seinen Jüngern noch ein paar Anweisungen gibt, wo er auch dieses hochpriesterliche Gebet für seine Jünger spricht. Und da sagt er unter anderem das, Johannes 17, ab Vers 20: Christus bittet den Vater, dass die Jünger und die Leute, die von den Jüngern angesprochen werden, also von den Aposteln, dass sie alle zusammen eins sind, eine Einheit sind, genauso wie Christus und der Vater eine Einheit sind. Christus bittet eigentlich um zwei Dinge. Sie sollen eine Einheit sein in Christus, denn wenn sie alle eine Einheit in Christus sind, sind sie auch eine Einheit untereinander. Und das Zweite, worum er bittet, ist, sie sollen diese Einheit haben, damit die, welche von außen dazukommen und diese Gemeinschaft sehen und sehen, dass sie eins sind, eines Sinnes sind, dass sie erkennen, dass es die Gemeinde Jesu Christi ist. Es scheint also, als ob diese Einigkeit unter uns, unter uns Geschwistern in der Gemeinde, ein deutliches Zeichen dafür ist, dass wir die Gemeinde Christi sind.

[3:16] Und es ist bemerkenswert, denn wenn wir die Apostelgeschichte lesen oder uns die erste Gemeinde genau angucken, da herrscht zwar Einigkeit, aber doch nicht immer. Und war es deshalb nicht die Gemeinde Christi? Doch, sie waren die Gemeinde Christi, denn sie waren eins in einer Sache. Und die wollen wir ein bisschen studieren: Eins zu sein, wie meint die Bibel, dass wir eins sein sollen? Was meint das in unserer Gemeinde heute? Sind wir eins in der weltweiten Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten? Oder gibt es da auch Parteien und Spaltungen? Nun, darum soll es heute ein bisschen gehen.

[3:58] Wir gehen in den nächsten Text hinein, in 1. Korinther, 1. Kapitel, ab Vers 10. 1. Korinther 1, Vers 10 bis 13. Paulus sagt: „Ich ermahne euch aber, ihr Brüder, Kraft des Namens unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr alle einmütig seid in eurem Reden und keine Spaltung unter euch zulasst, sondern vollkommen zusammengefügt seid in derselben Gesinnung und in derselben Überzeugung. Mir ist nämlich, meine Brüder, durch die Leute der Chloé bekannt geworden, dass Streitigkeiten unter euch sind. Ich rede aber davon, dass jeder von euch sagt: Ich gehöre zu Paulus, ich aber zu Apollos, ich aber zu Kephas, ich aber zu Christus. Ist Christus denn zerteilt? Ist etwa Paulus für euch gekreuzigt worden, oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft?“

[4:50] Und Paulus ermahnt hier die Gemeinde in Korinth. Ihm ist zu Ohren gekommen, dass es dort Spaltungen gibt. Und diese Spaltungen sind so, es haben sich Streitigkeiten ergeben. Der eine sagt: „Ich gehöre zu Apollos, ich gehöre mehr zur Gemeinde des Apollos.“ Und der andere sagt: „Ich gehöre aber mehr zu Paulus, und ich mehr zu Petrus.“ Und wieder einmal sagt er: „Im Moment, ich gehöre zu Christus.“ Und Paulus, der das zu Ohren bekommt, sagt: „Wie kann das sein? Warum tut ihr sowas in eurer Gemeinde?“

[5:25] Nun, da waren verschiedene Parteien, es gab so Spaltungen in dieser Gemeinde, und sie haben sich auf verschiedene Menschen berufen. Also Paulus, Petrus und Apollos waren natürlich große Säulen in der Gemeinde. Das waren große Lehrer, die man gemeinhin auch kannte. Nun, auf die wurde sich berufen. Nebenbei, eine Partei berief sich direkt auf Christus. Jetzt, ob ich mich auf Paulus oder auf Petrus berufe, könnte was damit zu tun haben, wenn ich sage: „Ich engagiere mich sehr für die Mission, und zwar für die Heidenmission, und berufe mich in allem, was ich tue, immer auf Paulus. Denn Paulus war der große Missionar der Heiden.“ Wenn ich mich nun innerhalb der Juden sozusagen versuche, mich dazu engagieren und das Volk Gottes, das damalige, die Juden sozusagen für Christus zu gewinnen, dann würde ich sagen: „Ich gehöre aber mehr zu Petrus. Also diese Paulus-Seite ist ja ganz gut und nett, aber zuerst hat Gott ja die Juden berufen, ich gehöre mehr zu Petrus.“ Also ich gehöre dem Zweig der Arbeit an, und du gehörst vielleicht einem anderen Zweig der Arbeit an. Und so wurde das alles so ein bisschen aufgeteilt, und jeder hat so seinen kleinen Kreis gehabt, in dem er gearbeitet hat.

[6:40] Und sowas kennen wir heute auch aus den Gemeinden. Wir arbeiten in verschiedenen Feldern. Der eine macht Straßenmission vielleicht mit Büchertischen, der andere evangelisiert, der andere hält Bibelstunden zu Hause. Jeder hat so seinen kleinen Bereich. Der eine setzt sich sehr für Gemeindepolitik innerhalb der Gemeinschaft ein. Verschiedene Gruppen. Einer ist sehr engagiert in der Musik vielleicht, der andere dekoriert die Gemeinde. Alles so kleine Kreise. Und jetzt sagt der eine: „Ich gehöre aber mehr zu der Gruppe, und ich gehöre mehr zu der Gruppe.“ Also, wenn ich mich zum Beispiel sehr für Evangelisation einsetze und viele Groß-Evangelisationen mache, dann identifiziere ich mich leicht mit den großen Evangelisten, wie Mark Finley zum Beispiel oder Walter Veith oder die großen Leute, die es da gibt, und sage: „Ich gehöre irgendwie so zu der Gruppe. Und das ist das Wichtigste und die größte Arbeit, die wir machen.“ Wenn ich mich jetzt eher für vielleicht Büchertische engagiere, dann sage ich: „Wir sind eine andere Gruppe, und ich glaube, unsere Arbeit ist viel wichtiger. Ich kann es auch mit Ellen White belegen, wie wichtig diese Büchertische sind.“ Aber ich darf nicht anfangen, mit den anderen zu streiten und sagen: „Ihr macht eigentlich ein anderes Werk. Ihr gehört mehr zu denen, und wir gehören mehr zu denen.“ Das ist nämlich nicht wahr. Sowohl die, die vielleicht die Evangelisation vorantreiben und damit im Team arbeiten, genauso wie die, die Tag für Tag auf der Straße an Büchertischen stehen, arbeiten im gleichen Werk.

[8:00] Und Paulus fragt dann: „Wie ist es möglich, dass ihr so argumentiert? Wie kann das sein? Ist denn der Leib des Christus zerteilt? Also ist es nicht so, dass sowohl Apollos als auch Petrus als auch Paulus als auch Christus ein Leib sind? Christus das Haupt und die anderen drei Teile des Leibes, genauso wie du und ich, Teile des Leibes Christi sind, auch wenn wir in unterschiedlichen Bereichen arbeiten?“ Wie kann es sein, dass ihr so gegeneinander seid und euch versucht, so abzugrenzen? Akzeptiert den anderen, der diese andere Arbeit macht, so wie Petrus und Paulus einander akzeptiert haben. Petrus für die Judenmission, Paulus für die Heidenmission. Sie haben beide zusammengearbeitet, sie haben beide voneinander gelernt. Sie haben sich nicht behindert in ihrem Werk. Sie haben sich unterstützt und füreinander gebetet.

[8:50] Nun, das Problem der damaligen Kirche ist auch ein Problem, das wir heute in der Kirche haben, dass es diese Spaltung und diese Entzweiung gibt und so immer wieder neue kleine Zweige entstehen. Aber jeder von uns soll in dem Bereich arbeiten, wie der Geist es ihm zugeteilt hat. Der eine macht die andere Arbeit vielleicht besser als der andere. Dann lasst denjenigen in dieser Arbeit. Denn diese Arbeit, die er macht, dient zu seiner Heiligung. Vielleicht kann einer von euch groß sprechen und ist ein guter Redner. Ein anderer mag das nicht können. Er ist vielleicht eher so im 1:1-Kontakt mit Menschen unterwegs. Und das hilft ihm in der Heiligung. Dem einen das Predigen, dem anderen vielleicht dieser 1:1-Kontakt. Aber beide werden gefördert durch das, was sie tun. Ob ich jemandem ein Buch gebe, oder ob ich eine Predigt halte, oder ob ich musiziere für den Herrn. Ob ich Menschen einlade in die Gemeinde, oder ob ich die Räumlichkeiten schmücke. Das alles soll meiner Heiligung dienen. Die Arbeit im Werk dient mir, während ich anderen diene. Versucht nicht, Menschen aus ihrer Arbeit herauszunehmen oder ihnen zu sagen, dass diese Arbeit nichts wert ist oder dass es was anderes ist. Wir sind alle so ein bisschen: „Du müsstest dich da und da engagieren.“ Jeder an dem Platz, den Gott ihm zugewiesen hat. Aber dort mit vollem Einsatz. Und so kann das Werk vorangehen. Denn nicht wir planen das Werk des Herrn, sondern der Geist Gottes plant es. Lasst uns aufeinander acht haben, dass wir dort in Einheit sind und nicht gegeneinander.

[10:19] Nun, wir gehen in den Galaterbrief, mit dem wir ja sind in diesem Quartal. Galaterbrief, ins zweite Kapitel. Und das wollen wir uns heute angucken. Galaterbrief 2, Vers 1 bis 3. Paulus sagt: „Darauf nach 14 Jahren zog ich wieder hinauf nach Jerusalem mit Barnabas und nahm auch Titus mit. Ich zog aber aufgrund einer Offenbarung hinauf und legte ihm, insbesondere den Angesehenen, das Evangelium vor, das ich unter den Heiden verkündigte, damit ich nicht etwa vergeblich liefe oder gelaufen wäre. Aber nicht einmal mein Begleiter Titus, obwohl er ein Grieche ist, wurde gezwungen, sich beschneiden zu lassen.“

[10:59] Nun, Paulus erklärt, dass er nach Jerusalem hinaufgezogen ist und nicht einmal die Apostel ihn dazu gedrängt haben, seinen griechischen Begleiter beschneiden zu lassen, den Titus. Es besteht hier also ein Konsens sowohl zwischen den Juden in der alten Jerusalemer Gemeinde als auch zwischen den Aposteln in der alten Jerusalemer Gemeinde, genauso wie dem großen Missionar im Missionsfeld außen, dem Paulus. Die beiden vereinen sich darin in dem Konsens: Wir müssen die Griechen nicht beschneiden.

[11:40] Warum war diese Frage so wichtig? Warum musste darüber Einigkeit bestehen, sowohl bei den Juden als auch bei den Griechen? Als die Apostel sich getroffen haben, inklusive Paulus, scheint das ja irgendeine Frage zu sein, mit der Paulus hier argumentiert im Galaterbrief. Er sagt, die Apostel waren nicht anderer Meinung als ich, wir haben uns darüber abgestimmt und wir waren da gleich. Nun, warum diese Wichtigkeit hinter dieser Frage? Warum war das damals, was für uns vielleicht heute so nebensächlich ist, damals so bedeutend?

[12:11] Wir gehen dazu mal in 1. Mose, ins 17. Kapitel. 1. Buch Mose, ins 17. Kapitel. Und hier lesen wir die Verse 10 bis 14. Gott spricht hier mit Abraham und er sagt: „Das ist aber mein Bund, den ihr bewahren sollt, zwischen mir und euch und deinem Samen nach dir. Alles, was männlich ist unter euch, soll beschnitten werden. Und ihr sollt am Fleisch eurer Vorhaut beschnitten werden. Das soll ein Zeichen des Bundes sein, zwischen mir und euch. Jedes Männliche von euren Nachkommen soll bei euch beschnitten werden, wenn es acht Tage alt ist, sei es im Haus geboren oder um Geld erkauft von irgendwelchen Fremden, die nicht von deinem Samen sind. Was in deinem Haus geboren oder um Geld erkauft wird, soll unbedingt beschnitten werden. So soll mein Bund an eurem Fleisch sein, ein ewiger Bund. Und ein unbeschnittener Mann, einer, der sich nicht beschneiden lässt am Fleisch seiner Vorhaut, dessen Seele soll ausgerottet werden aus seinem Volk, weil er meinen Bund gebrochen hat.“

[13:20] Nun, Gott machte hier deutlich, dass jeder Mann, der zu seinem Volk zählen wollte, sich am Fleisch seiner Vorhaut beschneiden lassen musste. Und er sagt, das soll ein Zeichen sein zwischen euch und mir. Also Gott hatte das damals verlangt, dass jeder sich beschneiden lassen soll.

[13:44] Nun, warum wurde das ausgesetzt? Gott hatte dieses Zeichen gegeben, aber später sagt Paulus irgendwann: „Das braucht ihr nicht zu tun.“ Nun, warum?

[13:54] Wir gehen mal in Apostelgeschichte 15 und lesen dort Vers 4 bis 12. Apostelgeschichte 15, Vers 4 bis 12. Hier heißt es: „Als sie aber nach Jerusalem kamen, wurden sie von der Gemeinde, den Aposteln und den Ältesten empfangen und berichteten alles, was Gott mit ihnen gewirkt hatte. Aber einige von der Richtung der Pharisäer, die gläubig geworden waren, standen auf und sprachen: Man muss sie beschneiden und ihnen gebieten, das Gesetz Moses zu halten. Da kamen die Apostel und die Ältesten zusammen, um diese Sache zu untersuchen. Nachdem aber eine große Auseinandersetzung stattgefunden hatte, stand Petrus auf und sprach zu ihnen: Ihr Männer und Brüder, ihr wisst, dass Gott lange vor diesen Tagen mitten unter uns die Heiden erwählt hat, dass sie durch meinen Mund das Wort des Evangeliums hören und zum Glauben kommen sollten. Und Gott, der die Herzen kennt, legte für sie Zeugnis ab, indem er ihnen den Heiligen Geist gab, gleich wie uns. Und er machte keinen Unterschied zwischen uns und ihnen, nachdem er ihre Herzen durch den Glauben gereinigt hatte. Weshalb versucht ihr denn jetzt Gott, indem er ein Joch auf den Nacken der Jünger legt, das weder unsere Väter noch wir tragen konnten? Vielmehr glauben wir, dass wir durch die Gnade des Herrn Jesus Christus gerettet werden, auf gleiche Weise wie jene.“ Da schwieg die ganze Menge und hörte Barnabas und Paulus zu, die erzählten, wie viel Zeichen und Wunder Gott durch sie unter den Heiden getan hatte. Nachdem sie aber zu reden aufgehört hatten, ergriff Jakobus das Wort und sagte: „Ihr Männer und Brüder, hört mir zu. Simon hat erzählt, wie Gott zuerst sein Augenmerk darauf richtete, aus den Heiden ein Volk für seinen Namen anzunehmen. Und damit stimmen die Worte der Propheten überein, wie geschrieben steht und so weiter und so weiter.“

[15:54] Jetzt geht er durch und Jakobus erklärt jetzt nach der Rede von Petrus und Paulus auf diesem Konzil, dass sozusagen die Beschneidung für die Heiden nicht notwendig ist. Nun, warum eigentlich? Im alten Testament sagt Gott, das soll ein Zeichen sein zwischen euch und mir, zwischen deinen Nachkommen und mir. Und ihr solltet so halten. Jetzt im neuen Testament kommt das Apostelkonzil zusammen und sie beraten darüber. Die Pharisäer haben gesagt, die müssen genauso beschnitten werden und unterwiesen werden im Gesetz des Mose wie wir. Das Konzil setzt sich, die Apostel sind zusammen und sie überlegen: Ist das so? Müssen die das wirklich?

[16:31] Nun, und dann kommen sie zu einem interessanten Schluss, und das Konklusio sozusagen, das können wir lesen, Paulus drückt das später aus im Römerbrief. Wir gehen in den Römerbrief ins zweite Kapitel. Nun, was hat der Geist die Apostel gelehrt? Römer 2 und dort die letzten beiden Verse, nämlich 28 und 29. Hier heißt es: „Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist, auch ist nicht das die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht, sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist, und seine Beschneidung geschieht am Herzen, im Geist, nicht dem Buchstaben nach. Seine Anerkennung kommt nicht von Menschen, sondern von Gott.“

[17:27] Nun, die Argumentation, die einer der Apostel, also Paulus hier aufführt, ist: Wer zum Volk der Juden dazugehören möchte, muss beschnitten sein. Aber nicht beschnitten an der Vorhaut, sondern beschnitten am Herzen. Also sein Herz muss verändert sein. Es scheint also nur ein Zeichen im alten Testament gewesen zu sein, das auf etwas anderes hindeutete, eine Art Schatten für etwas, das die Apostel hier verstanden haben. Gesagt haben, es heiligt euch nicht, wenn ihr euch an der Vorhaut beschneiden lasst. Es heiligt euch wohl, wenn ihr diese Beschneidung am Herzen erfahrt. Und darum scheint es gegangen zu sein. Und die Apostel haben das nicht aus irgendeiner Lust und Laune heraus entschieden, sondern die Apostel kannten sehr, sehr wohl das alte Testament. Insbesondere ja Paulus, der ehemalige Saulus von Tarsus, muss diesen Vers in Jeremia 4, 4 gekannt haben.

[18:17] Wir schauen dort mal rein, Jeremia 4, Vers 4. Hier spricht Gott, Jeremia 4, Vers 4 und sagt: „Beschneidet euch für den Herrn und beseitigt die Vorhaut eurer Herzen, ihr Männer von Juda und ihr Einwohner von Jerusalem, damit mein Zorn nicht ausbricht wie ein Feuer, das niemand löschen kann, wegen der Bosheit eurer Taten.“ Scheinbar haben die Israeliten böse gehandelt. Wegen der Bosheit eurer Taten würde der Zorn Gottes auf euch kommen. Sie haben scheinbar schlecht gehandelt. Gott sagt: „Beschneidet euch an der Vorhaut eures Herzens.“

[19:03] Nun, diese Männer, die waren ja alle äußerlich beschnitten, aber diese äußerliche Beschneidung hatte keinen Einfluss auf ihren Charakter. Diese äußerliche Beschneidung war mehr ein Zeichen dafür, dass sie zum Volk Gottes dazugehören. Aber damals gab es einen Unterschied. Die Beschneidung heute findet am Herzen statt, sollte sie damals auch schon. Aber damals gab es noch eine andere Beschneidung, nämlich die am Fleisch. Nun, warum? Zum einen war das ein Zeichen für die Beschneidung, die kommen sollte, aber zum anderen, Gott ging es ja immer schon um die Herzensbeschneidung. Er wollte den Menschen ja immer am Herzen ändern. Aber in der Zeit dieser Theokratie damals, also in der Zeit, als Gott sozusagen der Führer seines Volkes war, auch politisch, war es ein äußeres Zeichen des Bundes.

[19:56] Nun, seit Jesus Christus aber gekommen ist, gibt es diese Theokratie nicht mehr. Und sein Volk wird sozusagen nicht mehr daran erkannt. Früher konnte ja jeder sagen: „Das sind die Juden, und in diesen Gesetzen leben sie.“ Unabhängig davon, wie die Menschen sind, kennen wir die Gesetze dieses Landes, und die Gesetze des Landes sind einleuchtend zu sagen: „Das ist ein gütiger und gnädiger Gott, ein gerechter Gott.“ Also dadurch, dass da ein Volk war und dieses Volk äußerlich beschnitten war, war klar zu erkennen: Sie gehören sozusagen zu den Israeliten. Das ist Israel. Wenn ich dazu gehören will, muss ich auch diese Beschneidung haben. Aber ich konnte es abstecken: Das ist das Volk, und das sind die Gesetze, in denen das Volk lebt. Und diese Gesetze verraten mir, wer ihr Gott ist.

[20:47] Nun, als diese Theokratie aufgelöst wurde, als jetzt Jesus Christus kam, der hatte sein Gesetz wiedergegeben, aber nicht mehr äußerlich. Und wer dazu gehören wollte, musste am Fleisch beschnitten sein, sondern sein Gesetz musste in die Herzen hinein. Heute sollen die Menschen das Volk Gottes auch erkennen darin, dass sie eins sind, wie Christus gesagt hatte.

[21:06] Nun, die Menschen sehen dich und mich und sollen das Gesetz Gottes in uns sehen, weil wir es leben. Und wenn die Menschen Liebe in dir sehen, dann sehen sie Gottes wahren Charakter. Die Beschneidung musste jetzt dort sein, denn es gab keinen theokratischen Staat mehr, wo die Leute von außen sehen konnten: „Ah ja, das sind die Gesetze Gottes.“ Sondern es gab jetzt einen geistlichen Staat. Und hier müssen die Leute an euch sehen, ihr, dass ihr ein Heiligtum Gottes seid, was Gottes Charakter ist, wie er ist, was Liebe bedeutet. Die Menschen sehen es in dir und mir. Und das wussten die Apostel. Und deswegen konnten sie auch mit Überzeugung sagen: Gott hat gezeigt, dass auch das für die Heiden geöffnet ist, das Heil, und sie waren nicht beschnitten. Nicht äußerlich, denn innerlich hatten sie die Beschneidung sehr wohl. Paulus wusste das. Und so konnten die Apostel mit Überzeugung sagen: Die Beschneidung im alten Testament machte ja Sinn, aber im neuen Testament ist der Schatten aus dem alten erfüllt worden. Der Bund, den Gott schließen wollte, im Herzen.

[22:25] Nun, lasst uns wieder in den Galaterbrief zurückgehen. Galater 2, und wir lesen die nächsten Verse 4 und 5. Paulus wird hier nochmal sehr ernst und sagt: „Was aber die eingeschlichenen falschen Brüder betrifft, die sich hereingedrängt hatten, um unsere Freiheit auszukundschaften, die wir in Christus Jesus haben, damit sie uns unterjochen könnten, dem gaben wir auch nicht eine Stunde nach, dass wir uns ihnen unterworfen hätten, damit die Wahrheit des Evangeliums bei euch bestehen bliebe.“

[23:11] Es scheint ein Problem gegeben zu haben in dieser frühen Gemeinde der Galater. Paulus sagt, Brüder hätten sich eingeschlichen und sie wollten der Gemeinde die Freiheit nehmen, die die Gemeinde erworben hatte, und sie wieder in die Knechtschaft hineinführen. Brüder schlichen sich ein und kundschafteten etwas aus. Interessant ist das zum einen, dass sie Brüder genannt werden, und zum anderen, dass sie auskundschaften von innen. Sie beobachten also, was ist das Evangelium, was ist diese Freiheit, die die Christen bekommen haben. Und jetzt lehnen sie sich gegen diese Freiheit auf und wollen wieder ein Joch auf die Gemeinde legen. Nun, ob absichtlich oder unabsichtlich, aber was passiert denn da? Also, was machen die denn? Von was für einer Freiheit und von was für einer Knechtschaft spricht denn Paulus hier?

[23:56] Und wir können uns da einige Bibelstellen angucken. Wir nehmen aber mal von Jesus direkt und schauen uns mal Johannes 8 an. Johannes 8 sagt es sehr deutlich. Johannes 8 und wir lesen hier 34 bis 36: „Jesus antwortete ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, jeder, der die Sünde tut, ist ein Knecht der Sünde. Der Knecht aber bleibt nicht ewig im Haus, der Sohn bleibt ewig. Wenn euch nun der Sohn freimachen wird, so seid ihr wirklich frei.“

[24:37] Nun, diese Knechtschaft, von der Christus hier spricht, ist die Knechtschaft der Sünde. Was meint er damit? Warum Knechtschaft der Sünde? Sind wir Knechte der Sünde? Nun, wir sind dann Knechte der Sünde, wenn wir eigentlich das Gute tun wollen, aber das Schlechte machen. Ist das manchmal so in deinem Leben, dass du dir vorgenommen hast: „Ich tue nur das Gute“? Dass du vielleicht so eine Art Masterplan für dein Leben hast, wie du dein tägliches Leben sortieren willst, wann du Gebetszeiten haben willst, wann du Andachten haben willst, welche Worte du nicht mehr sagen willst, was du nicht mehr tun willst, was du stattdessen tun möchtest, wie du mit Menschen umgehen möchtest? Also so Ideen, so soll mein Leben sein, und findest dich dann plötzlich wieder, dass du das doch nicht tust, und dass du eigentlich andere Wege gehst, als du dir vorgenommen hast? Das tust du nicht aus freiem Willen, denn dein Wille möchte eigentlich das Gute. Du bist also Knecht von irgendetwas, irgendein Wille, irgendjemand hat Willen über dich. Irgendjemand entscheidet, was du tust, oder irgendetwas, und in dem Fall die Sünde. Obwohl du vielleicht gute Gedanken hast und das Gute tun möchtest, die richtigen Wege gewählt hast, siehst du dich und findest dich doch in Situationen wieder, in denen du die falschen Wege gehst. Und du bist da traurig drüber. Und das nennt die Bibel die Knechtschaft der Sünde. Wir sind geknechtet davon, und wir kommen da gar nicht raus. Wir haben gar keine Wahl, das Richtige zu machen, weil die Sünde uns knechtet und uns zwingt, das Falsche zu tun. Das ist die Sünde, von der gesprochen wird.

[26:09] Die Freiheit kommt von Christus. Denn ich muss mich sozusagen irgendwem unterstellen. Ich kann mich Christus unterstellen, und er wird als König siegreich in mein Leben einziehen. Er wird mein Herr und mein Gott sein. Und er wird mir die Freiheit von der Knechtschaft der Sünde geben. Denn die Sünde, die mich knechtet, war bis dahin Herr meines Lebens. Ich habe mich also sozusagen einem falschen Gott untergeordnet, der Sünde. Und ich komme da auch nicht von los, weil die Sünde stärker ist als ich. Jetzt muss ich Christus in mein Leben einladen. Ich muss ihn bitten: „Sei du der König und der Herr meines Lebens, denn in der Sünde komme ich um.“ Und Christus nimmt nun den Kampf in unserem Herzen gegen die Sünde auf. Also sozusagen Königreich kämpft gegen Königreich, Fürst gegen Fürst. Und Christus übernimmt unsere Herzen, und er nimmt die Knechtschaft der Sünde weg. Das heißt, wir sind nicht mehr gezwungen, das Falsche zu tun. Natürlich kann ich immer noch das Falsche tun, nach meinem Willen. Aber ich bin nicht mehr gezwungen wie vorher. Ich wollte das Richtige tun, aber ich tue das Falsche. Ich kann das Christus übergeben, und ich bin nicht mehr gezwungen, der Sünde zu folgen, sondern ich kann die richtigen Entscheidungen treffen und sie auch umsetzen.

[27:27] Schauen wir, wie Paulus das beschreibt. Dazu gehen wir in Römer 7 und lesen Vers 18, in Römer 7. Ganz bekannt Römer 7, 18, 19 und 20. Paulus sagt: „Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Das Wollen ist zwar bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten gelingt mir nicht. Denn ich tue nicht das Gut, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will, das verübe ich. Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so vollbringe nicht mehr ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt.“ Ich will ja eigentlich das Gute tun, aber ich tue das Schlechte. Mein Wille geht dahin, aber ich folge trotzdem dem Weg. Er sagt, das liegt daran, dass die Sünde in mir regiert. Die Sünde, die in mir wohnt, führt dazu, dass ich den Weg gehe, den ich eigentlich gar nicht will.

[28:28] Und sagt Paulus in Vers 24: „Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von diesem Todesleib?“ Paulus kann live sehen, wie er verloren geht. Er kann sich selbst beobachten, wie er die falschen Wege geht. Geht es dir vielleicht auch so in deinem Leben? Du weißt, was richtig ist. Du möchtest Christus folgen von ganzem Herzen, aber du gehst die falschen Wege. Und du merkst, du wirst immer tiefer in die Sünde gezogen. Und du bekommst diese Sünde nicht aus deinem Leben raus. Und plötzlich fängst du an, mit dieser Sünde zu kämpfen. Aber das brauchst du nicht. Konzentrier dich nicht auf diese Sünde, sondern übergib dein Leben jeden Tag Christus und bitte ihn in deinem Herzen, den Kampf mit der Sünde zu führen. Du kannst nicht gegen die Sünde kämpfen von dir aus. Das schaffst du nicht. Die Sünde ist Teil von dir. Die Sünde ist dein Herz. Dein Herz ist Sünde. Du würdest ja gegen dein Herz kämpfen. Willst du dagegen gewinnen? Wie willst du das tun? Gegen dich selbst? Christus muss überwinden in deinem Herzen. Deswegen musst du Christus einladen, ihn bitten, jeden Tag in dein Herz zu kommen.

[29:33] Und glaube nicht, dass du von dem Zeitpunkt an frei von jeder Sünde bist. Du hast von dem Zeitpunkt an, hast du die Möglichkeit, den richtigen oder den falschen Weg zu wählen. Christus wird dich aber erziehen darin, dass du die richtigen Wege wählst. Du wirst dich immer wieder finden, dass du nochmal Sünde machst. Aber Johannes sagt deutlich: „Wer von uns behauptet, er sei ohne Sünde, ist ein Lügner, und die Wahrheit ist nicht in ihm.“ Ja, wir sind alle Sünder und wir fallen auch ab und zu. Aber sollten wir sündigen, so haben wir im Himmel einen Hohenpriester, der für uns einsteht. Wir haben jetzt die Wahl, den richtigen Weg zu gehen, die hatten wir vorher nicht. Durch die Macht Jesu Christi in unserem Herzen sind wir frei von der Knechtschaft der Sünde. Wir können die richtigen Wege endlich wählen und wir können sie gehen nach unserem Willen.

[30:22] Doch manchmal sehen wir, dass wir trotzdem uns falsch entscheiden, obwohl wir die Freiheit hatten, den richtigen Weg zu gehen. Auch dann kommen wir wieder zu Christus und sagen: „Herr, ich habe mich selbst besser kennengelernt. Ich war nicht in der Lage, den richtigen Weg zu gehen. Ich war nicht stark genug. Ich hätte ihn gehen können, aber mir fehlte richtig der Wille, das zu machen.“ Und wie bekommen wir den Willen? Wie werden wir heilig dazu, den richtigen Weg zu gehen? Indem wir den Charakter Jesu Christi studieren. Indem wir in der Bibel schauen, wie Christus ist, und wenn wir erkennen, wie Christus ist, dann wird das abfärben auf unser Herz und unser Herz stark machen. Christus wird gegen die Sünde in unserem Herzen kämpfen. Unser Charakter wird veredelt durch das Wort Gottes. Der Heilige Geist wirkt durch die Schrift in unser Herz und veredelt unseren Charakter. Und plötzlich ist mein Wille, das Gute zu tun. Und plötzlich, da ich nicht mehr unter der Knechtschaft der Sünde bin, wird auch meine Entscheidung sein, das Richtige zu tun. Ich werde sehen, wie ich auf dem richtigen Weg bin.

[31:19] Dieser Prozess nennt sich Heiligung. Das geht nicht von heute auf morgen. Das dauert eine Weile. Umso näher wir mit Christus verbunden sind, umso enger wir ihm kommen, umso näher wir dran sind, umso heiliger wird unser Leben. Denn wir müssen mit dem verbunden sein, der heilig, heilig, heilig ist. Und diese Heiligkeit wird wie ein Glanz auf unser Leben abfärben. So wie Mose, der vor Gott stand und ihn gesehen hat und sein Gesicht leuchtete, sein Angesicht strahlte, sodass die Leute ihn kaum ansehen konnten. Er musste eine Decke über seinem Haupt tragen. Die Herzensumkehr, das Abfärben, das soll auch in unserem Leben passieren. Das war die Knechtschaft und die Freiheit, die uns Christus gibt.

[32:01] Nun, schaut mal, wie Paulus hier in Römer 8, Vers 2 bis 4 das beschreibt. Direkt im Anschluss hier an diese Verse: „Und mich befreien von diesem Leib des Todes“, sagt er: „Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. Denn was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch kraftlos war, das tat Gott, indem er seinen Sohn sandte in der gleichen Gestalt wie das Fleisch der Sünde und um der Sünde willen und die Sünde im Fleisch verurteilte, damit die vom Gesetz geforderte Gerechtigkeit in uns erfüllt würde, die wir nicht gemäß dem Fleisch wandeln, sondern gemäß dem Geist.“

[32:40] Paulus war ja auch an diesem Kampf und sagt: „Er wird mich befreien von diesem Leib der Sünde.“ Was soll ich denn tun? Er sagt: „Christus selbst hat mich frei gemacht durch seinen Geist.“ Der Geist Christi hat mich befreit von der Herrschaft der Sünde. Ich kann plötzlich, habe plötzlich einen freien Willen. Ich kann plötzlich Dinge tun, die ich auch tun möchte.

[33:00] Ich studiere also folglich jetzt den Charakter Jesu Christi, damit mein Wille auch heilig ist, und dann habe ich durch Jesus Christus sogar die Kraft bekommen, auch den heiligen Weg zu wählen. Denn wie traurig wäre das, das war wie die Juden damals, beschnitten an der Vorhaut, aber noch nicht im Herzen. Da ist der richtige Weg, und ich studiere den Charakter Gottes in seinem Wort, und ich sehe, wie heilig Gott ist, aber ich finde mich immer, wie ich das Falsche gehe, denn die Beschneidung ist äußerlich. Deswegen mussten auch im alten Testament schon die Menschen im Herzen beschnitten werden, wenn sie den richtigen Weg wählen wollten. Sie haben ihn gesehen durch den Charakter Gottes, aber sie konnten ihn nicht umsetzen, wenn sie nicht beschnitten waren im Herzen.

[33:43] Und wir gehen wieder in Galater zurück und wir lesen die nächsten Verse, Galater 2, Vers 6 bis 10. „Von denen aber, die etwas gelten, was sie früher waren, ist mir gleich. Gott achtet das Ansehen der Person nicht. In mir haben diese Angesehenen nicht zweiter auferlegt, sondern im Gegenteil, als sie sahen, dass ich mit dem Evangelium an die Unbeschnittenen betraut bin, gleich wie Petrus mit dem an die Beschneidung. Denn der, welcher in Petrus kräftig wirkte zum Aposteldienst unter der Beschneidung, der wirkte auch in mir kräftig für die Heiden. Und als sie die Gnade erkannten, die mir gegeben ist, reichen Jakobus und Kephas und Johannes, die als Säulen gelten, mir und Barnabas die Hand der Gemeinschaft, damit wir unter den Heiden, sie aber unter der Beschneidung wirkten. Nur sollten wir an die Armen gedenken, und ich habe mich auch eifrig bemüht, dies zu tun.“

[34:52] Nun, obwohl die Apostel damals auf verschiedenen Gebieten wirkten und arbeiteten, auch auf verschiedene Weise arbeiteten, waren sie doch alle zusammen Nachfolger Christi. Sowohl Petrus als auch Johannes und Jakobus in der Mission der Juden, als auch Paulus und Barnabas in der Mission der Heiden. Völlig andere Arbeitsfelder, völlig andere Arbeitsweisen. Und trotzdem waren sie alle Nachfolger Christi, haben sich gegenseitig respektiert. Sie haben die Bemühungen des anderen gesehen und haben sie gelobt. Sie haben füreinander gebetet, sie haben einander unterstützt.

[35:31] Nun, leider sehen wir heute oft, dass in den Gemeinden deshalb zu Streitigkeiten kommt, weil man sich in das Werk des anderen einmischt oder sein eigenes Werk für wichtiger hält. Nun, der Geist gibt aber jedem das, was er tragen kann. Das ein Werk und das andere Werk. Der eine wird geheiligt in dem Werk, das er tut, und der andere wird geheiligt in dem Werk, das er tut. Und beide zusammen arbeiten für Christus in seinem Weinberg. Der eine sollte den anderen sich dazu überreden oder ihn zwingen, das Werk zu ändern, die Art und Weise zu ändern. Wenn es lauter ist und Früchte trägt, gute Früchte bringt, dann lass denjenigen arbeiten. Verbietet nicht den Menschen mit Büchertischen auf der Straße zu stehen, nur weil ihr vielleicht schlechte Erfahrungen gemacht habt und das irgendwie nicht wirklich konntet. Wenn die Leute in Ehrlichkeit und Einfachheit und Liebe in ihrem Bereich arbeiten, lasst sie arbeiten. Betet für sie, unterstützt sie. Und glaubt nicht, dass wir keine Fehler haben, wenn wir arbeiten. Jeder Evangelist hat Fehler. Jeder, der am Büchertisch steht, hat Fehler. Jeder, der musiziert, hat Fehler. Aber drückt nicht auf die Fehler des anderen, sondern versucht, sie zu motivieren, heilige und gute Wege zu gehen. Unterstützt sie in Liebe. Das Werk, das Gott uns aufgegeben hat, ist zu wertvoll, als dass wir es in Streitigkeiten opfern.

[36:58] Ich denke dabei immer gerne an unsere Pioniere zurück. Sie waren nicht in allem eins untereinander und sie haben sich trotzdem respektiert in dem Werk, das zu tun war.

[37:10] Nun, was machen wir aber, wenn innerhalb des Werkes, innerhalb eines Zweiges, das Evangelium verändert oder verdreht wird? Sollten wir dann das in Liebe ertragen und sagen: „Naja, arbeite du weiter, ich arbeite hier weiter, ob das nun so ist, das Evangelium und ich so, Hauptsache wir sind in Liebe zusammen.“ Ist das der richtige Weg, wenn wir sehen, dass das Evangelium falsch dargestellt wird?

[37:38] Nun, genau das passiert hier in den nächsten Versen in Galater 2, 11 bis 13. Wir lesen: „Als aber Petrus nach Antiochia kam, widerstand ich ihm ins Angesicht, denn er war im Unrecht. Bevor nämlich etliche von Jakobus kamen, aß er mit den Heiden. Als sie aber kamen, zog er sich zurück und sonderte sich ab, weil er die aus der Beschneidung fürchtete. Und auch die übrigen Juden heuchelten mit ihm, sodass selbst Barnabas von ihrer Heuchelei mit fortgerissen wurde.“

[38:11] Eine Begebenheit in Antiochia geschah, bei der Petrus, der vorher zusammen mit den Heiden gegessen hatte und sich mit den Heiden an einen Tisch setzte, als er hörte, dass Jakobus oder einige Juden von Jakobus kamen, also aus Jerusalem, hatte sich abgesondert in Antiochia von diesen Heiden und hat sich sozusagen separiert, so wie das damals so war, man aß an einem anderen Tisch. Also die Heiden dort, die Juden dort. Man hatte sich abgesondert voreinander. Und Petrus machte das mit und Paulus bekam das mit, was dort passierte.

[38:49] Und es war bestimmt nicht immer leicht für den armen Petrus, wenn ich an diese Situation denke. Da kommen nun Juden, vielleicht sogar gelehrte Juden aus Jerusalem, besuchen die Gemeinschaft in Antiochia und, wie es für Juden üblich war damals, sondern sich ab. Und es sind vielleicht hochgelehrte Juden, die da sitzen und da steht nun der Petrus. Und der muss mit seiner Einfachheit, die er hatte, ohne diese große Schulbildung, muss in aller Einfachheit und Ehrlichkeit Gründe geben, warum er zusammen mit den Heiden ist. Ich könnte mir vorstellen, dass es unangenehm war, dass er vielleicht sogar Angst vor dieser Konfrontation hatte. Und dass er aus Angst den Weg gewählt hat des geringsten Widerstandes. Na, ich sonder mich da mal ab. Das ist vielleicht nicht ganz richtig, aber immer noch besser, als jetzt hier für Unfrieden und irgendwie sowas zu sorgen. Es ist vielleicht schöner, machen wir halt Gruppen und so und trennen uns ein bisschen, als dass hier einer gegen den anderen gleich aufsteht und es gleich laut wird.

[39:47] Nun, war das richtig? Petrus wusste ja bereits, dass es nicht richtig ist, die Heiden auszuschließen von der Gemeinschaft der Heiligen. Er hatte ja selbst bekannt, nach der Bekehrung des Kornelius, dass es von Gott gegeben war und er sie genauso angenommen hatte, wie auch die Juden. Es gab keinen Unterschied mehr. Das wusste Petrus. Und deswegen war sein Verhalten auch so verkehrt.

[40:18] Kennen wir diese Situation? Wie reagieren wir, wenn uns alte Freunde, Familie, Verwandte, Kollegen auf unseren Glauben ansprechen? Verhalten wir uns dann so wie in der Gemeinde? Oder verhalten wir uns aus Angst anders? Werden auch wir dann zu Heuchlern, die zwar in der Gemeinde ihren Glauben bekennen und ihn auch so leben, aber außerhalb der Gemeinde, wenn andere Leute zugegen sind, weil wir Angst haben vor der Konfrontation, uns nicht mehr so verhalten, wie wir es von Christus gelernt haben? Und also ein bisschen weltlich werden, damit die anderen das vielleicht leichter tragen können? Paulus nennt es Heuchler. Und es ist interessant, denn wahrscheinlich war hier der Auslöser Angst. Angst vor einer Konfrontation.

[41:12] Nun, was sagt die Bibel? 1. Johannes 4, Vers 18: „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. Denn die Furcht hat mit Strafe zu tun. Wer sich nun fürchtet, ist nicht vollkommen geworden in der Liebe.“ Furcht ist nicht in der Liebe. Also, in welcher Liebe denn? Nun, zum Beispiel in der Nächstenliebe oder in der Liebe zur Wahrheit. Furcht ist nicht in der Liebe.

[42:01] Wir lesen uns mal die nächsten Verse durch von Johannes 19 bis 21: „Wir lieben ihn, weil er uns zuerst geliebt hat. Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott und hasst doch seinen Bruder, so ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann der Gott lieben, den er nicht sieht? Und dieses Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, auch seinen Bruder lieben soll.“

[42:21] Nun, Johannes beschreibt hier, dass die Nächstenliebe auf die Liebe zu Gott zurückgeht. Also wir sollen einander lieben. Wer keine Nächstenliebe hat, der hat Gott nicht, der kennt Gott nicht.

[42:43] Nun, wie wird also nun Paulus auf Petrus reagieren, der ja augenscheinlich, nach Paulus seiner Aussage, ein Heuchler ist? Also, wie wird Paulus auf diese Heuchelei des Petrus reagieren? Also, was wird der Paulus jetzt sagen?

[43:01] Petrus, augenscheinlich ein Heuchler, aber er soll seinem Bruder eine Liebe begegnen. Wenn er diese Liebe nicht hat, gehört er nicht zu Christus. Nun, wir wissen, dass Paulus zu Christus gehörte. Wie wird er also reagieren?

[43:14] Schauen wir mal, Galater 2, Vers 14: „Als ich aber sah, dass sie nicht richtig wandelten nach der Wahrheit des Evangeliums, sprach ich zu Petrus vor allem: Wenn du, der du ein Jude bist, heidnisch lebst und nicht jüdisch, was zwingst du die Heiden jüdisch zu leben?“

[43:42] Das klingt wie eine harte Rede, aber ich meine, Paulus stellt den Petrus wirklich zur Rede. Aber er hilft dem Petrus wieder auf den richtigen Weg zurück. Und dieser Eingriff, den Paulus hier macht, stellt sowohl für Petrus als auch für die Gemeinde ein Segen dar. Nun, bedenkt aber, wie Paulus das gemacht hat. Paulus hat, um die Wahrheit nicht zu verletzen, denn die Wahrheit muss Wahrheit bleiben, das Evangelium muss Evangelium bleiben, Christus muss Christus bleiben. Um das nicht zu gefährden, steht er nun auf und richtet ein Wort an Petrus. Aber bedenkt dabei, dass Paulus später von sich selbst sagt, er ist der geringste der Apostel. Also er ordnet sich dem Petrus unter. Er hält also sehr, sehr viel auf diesen Petrus, auch wenn Petrus hier augenscheinlich einen Fehler macht und als Heuchler gebrandmarkt werden kann. Paulus belehrt Petrus zu seinem Heil und zum Heil der Gemeinde.

[44:45] Nun, wenn du deinen Bruder lehrst, fühlst du dich dann auch so wie Paulus, geringer als er? Wenn du ein Lehrer sein willst, dann sei ein Lehrer so wie Christus. Zuallererst ein Diener. Diene mit dem, was du tust, mit der Ermahnung oder mit der Lehre deinem Nächsten. Diene damit nicht dir selbst. Diene deinem Nächsten und der Gemeinde.

[45:18] Manchmal neigen wir dazu, uns selbst zu dienen. Was meine ich damit? Dass, wenn ich was Richtiges weiß und ich sehe, dass in der Gemeinde was Falsches gemacht wird, dass ich es dann nur anprange, um mich selbst hochzuheben, um mich selbst auf eine hohe Stufe zu stellen. Zu sagen: „Ich habe Recht, ich kann das beweisen mit der Bibel, ich kann das beweisen mit Ellen White. Ich habe Recht. Was bin ich für ein guter Christ? Ich mache es richtig und der macht es falsch.“ Wenn das die Intention dahinter ist, dann sag lieber nichts. Denn selbst wenn du richtig siehst und richtig bist mit dem, würdest du damit das Herz seines Bruders verhärten. Dann warte lieber auf jemanden, der es besser sagen kann.

[46:02] Gesagt werden muss es. Wenn falsche Lehre dort ist, muss sie auf den Tisch gebracht werden. Es muss gezeigt werden, dass es falsch ist. Aber sag es in Liebe. Wir dürfen keine falsche Lehre, falsche Theologie in unserer Gemeinde dulden. Aber wir dürfen uns nicht dazu erheben, auf andere zu zeigen und andere zu degradieren. Denn wir verhärten das Herz von ihnen, wenn wir so mit ihnen umgehen. Und mit einem verhärteten Herz kann es passieren, dass sie aus der Gnade fallen, dass sie das Evangelium nicht mehr annehmen. Und wenn wir uns erheben, gehen wir daran auch kaputt und unser Herz verhärtet sich auch ein Stück.

[46:50] Vielleicht kennen wir das manchmal in der Adventgemeinde auch, dass da zwei Gruppen sind innerhalb einer Gemeinde und die machen beide treue Arbeit. Ich denke da zum Beispiel an Gruppen, die ganz treu ihre Arbeit vielleicht bei Wind und Wetter draußen in den Einkaufsstraßen machen, so die Menschen gehen von Haus zu Haus oder an Büchertischen stehen. Gruppen in den Gemeinden, die aber gegeneinander sind, weil der eine diese Methode anwendet und der andere diese Methode. Und sie voreinander sagen: „Das ist falsch, so darfst du nicht handeln“ oder irgendwie was gegeneinander haben. Und sie haben so hart in der Vergangenheit gegeneinander geschossen, dass da keine Versöhnung mehr möglich ist, scheinbar.

[47:36] Nun, wenn beide Seiten diese Versöhnung nicht wollen, wie sollen ihre Herzen dann weich werden? Wenn beide Seiten sich versuchen, wirklich voreinander zu distanzieren und sagen: „Ich will mit dem nichts mehr zu tun haben, der ist ein Sünder und der macht alles falsch“, wie kann ich dann geheiligt werden? Wenn wir jemanden was Falsches machen sehen, sollen wir ihn ermahnen, aber in aller Liebe. Wenn wir das ohne Liebe tun, verhärten wir ihn, richten Schaden bei ihm an, richten Schaden bei uns an und richten Schaden in der Gemeinde an.

[48:08] Das Erkennungszeichen der Gemeinde Jesu Christi ist Liebe und Wahrheit. Dass beides zusammenkommen muss. Oftmals wird es auch andersrum ausgespielt. Da ist falsche Lehre in der Gemeinde und um die Gemeinschaft nicht zu gefährden, wird die falsche Lehre geduldet. Das ist genauso schlimm. Denn falsche Lehre in der Gemeinde, ich sehe also, dass da was Falsches unterrichtet wird. Und wenn ich dagegen nicht in Liebe aufstehe, sorge ich dafür, dass es wuchert in der Gemeinde und wie ein Sauerteig den ganzen Teig durchsetzt. Und damit gefährde ich meine Geschwister und die gesamte Gemeinde und mich. Ich muss also nach dem richtigen Weg der Bibel dagegen aufstehen, aber in Liebe.

[49:03] Ich muss mich selbst also als geringer achten als den anderen. Wie oft korrigieren wir Leute und fühlen uns dabei größer und besser und heiliger. Ich glaube nicht, dass Paulus so einer war. Paulus wusste viel, er war ein Pharisäer. Er kannte so viel und er sagt von sich selbst: „Ich bin ein Geringer, ich bin der Kleinste aller Apostel.“ Aus dieser Position heraus kann er die Geschwister richtigen und ihnen helfen. Und diese Position müssen wir alle lernen in der Gemeinde. Keiner soll versuchen, größer zu sein als der andere. Wer der Größte sein will unter uns, der soll aller Diener und Knecht sein. Und das müssen wir beherzigen. Lasst uns zur Wahrheit stehen, überall, wo wir sind in den Gemeinden. Aber lasst uns es nur in Liebe tun, den anderen zu berichtigen. Und so kann unsere Gemeinde wieder zusammenwachsen. So kann die Wahrheit wieder hervorkommen. So können wir wieder leuchten als Gemeinden. Lasst uns das umsetzen. Amen.

[50:03] Wir wollen gemeinsam noch beten. Unser lieber Vater im Himmel, sind wir so dankbar dafür, dass wir gemeinsam studieren dürfen und dass wir gemeinsam auch sehen dürfen, was damals in den Gemeinden los war. Und Herr, Geschichte wiederholt sich, und noch heute haben wir Konflikte und Probleme in den Gemeinden. Bitte hilf uns, dass wir, wo wir falsche Theologien sehen, dass wir sie ansprechen können, ganz offen. Aber bitte gib uns ein Herz voller Liebe, dass wir uns nicht überheben, dass keine Entzweiung entsteht und die Gemeinde, der Leib Christi, gespalten wird. Bitte lasst uns in unserem Bruder, egal ob er die richtige oder die falsche Theologie unserer Meinung nach hat, immer noch ein wertvolles Kind von Gott sehen. Lieber Vater, bitte verändere unsere Herzen, dass da Liebe drin ist. Denn das soll das Erkennungszeichen sein, deiner Gemeinde nach außen hin. Wir danken dir dafür. Im Namen Jesu. Amen.

[50:58] Und ich möchte euch einladen, auch nächste Woche wieder dabei zu sein. Ich freue mich schon darauf, nächste Woche gemeinsam mit euch studieren zu können und euch Gottes Segen für die Sabbat-Lektion, wenn ihr euch in Kreisen trefft und über dieses spannende Thema sprecht. Bis zum nächsten Mal.


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