[0:00] Hallo und herzlich willkommen zur Cannstatt Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Herzlich willkommen auch allen Zuschauern auf Amazing Discoveries. Schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt zu unserer neuen Folge der Cannstatt Study Hour. Wir werden die nächsten drei Monate uns intensiv mit dem Evangelium nach Lukas beschäftigen. Und da gibt es viel Gelegenheit, das Leben von Jesus, seine Worte, seine Taten intensiv zu beleuchten. Und ich denke, durch das Anschauen werden wir auch verwandelt werden. Es wird uns persönlich sehr gut tun, einmal wieder direkt in das Leben unseres Herrn und Meisters hineinzuschauen. Heute wollen wir uns die ersten beiden Kapitel des Lukas-Evangeliums zu Gemüte führen. Es sind zwei Kapitel, die viel Stoff enthalten, die nirgendwo sonst in den Evangelien berichtet werden, die sogenannten Sondergut von Lukas sind. Wir bereiten uns damit vor auf das Bibelgespräch am 4. April. Und das Thema heute ist das Kommen Jesu. Lasst uns gemeinsam beten, bevor wir mit dem Thema beginnen. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir jetzt dein Wort aufschlagen können, dass wir darin lesen können und dass du mit deinem Heiligen Geist uns helfen möchtest, es richtig zu verstehen. Bitte gib, dass wir die richtigen Schlussfolgerungen ziehen, dass wir zum Herzen angesprochen werden und dass wir in unserem Charakter dir immer ähnlicher werden durch das, was wir anschauen. Im Namen Jesu beten wir dies. Amen.
[1:55] Lukas hat, wie alle drei anderen Evangelisten, eine ganz besondere Perspektive auf das Leben von Jesus. Während Matthäus derjenige ist, der besonders das Leben Jesu aus der Sicht eines jüdischen Menschen beschreibt, mit großen Parallelen immer zum Alten Testament, und Markus sehr kurz gehalten und sehr prägnant, Jesus als den Mann der Tat den Römern zeigen wollte, hat Lukas eine ganz eigene Einleitung. Die ersten vier Verse in Lukas 1 offenbaren, was sein Ziel gewesen ist: „Nachdem vieles unternommen haben, schreibt er einen Bericht über die Tatsachen abzufassen, die unter uns völlig erwiesen sind, wie sie uns diejenigen überliefert haben, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen sind, so schien es auch mir gut, der ich allem von Anfang an genau nachgegangen bin, dir der Reihe nach zu beschreiben, vortrefflichster Theophilus, damit du die Gewissheit der Dinge erkennst, in denen du unterrichtet worden bist.“
[3:01] Das Lukas-Evangelium richtet sich also an eine Einzelperson. Während die anderen drei, Matthäus, Markus und auch Johannes, eher eine breite Leserschaft vor Augen hatten, ist Lukas sehr, sehr individuell. Das Evangelium gilt nicht nur der breiten Masse, es gilt auch jeder einzelnen Person. Theophilus heißt übersetzt „der Freund Gottes“. Und wenn man einen Brief schreibt, einen persönlichen Brief, dann hat man eine andere Perspektive und einen anderen Hintergrund auch mit dem, was man dort beschreibt.
[3:37] Lukas selbst war Arzt, so sagt es uns der Kolosserbrief. Können wir nachlesen in Kolosser 4 und dort Vers 14, wo Paulus sagt: „Es grüßt euch Lukas, der geliebte Arzt und Demas.“ Lukas war Arzt, jemand, der in hohem Ansehen und in Apostelstand. Er war wahrscheinlich ein Heidenchrist. Der Kontext von Kolosser 4 legt das nahe. Eusebius, der Kirchenvater, sagt, dass Lukas aus Antiochia kam. Und Fakt ist, dass Lukas den Paulus auf einigen seiner Missionsreisen begleitet hat, bis zu dem Punkt, dass er ihm nach Rom gefolgt ist. Und Paulus schreibt dann im 2. Timotheusbrief, das übrigens dann auch ein sehr interessanter Hinweis auf den Charakter des Lukas ist, im 2. Timotheus 4, Vers 11, dort sagt er: „Nur Lukas ist bei mir.“ Als er von allen anderen verlassen wurde, der Paulus, da war Lukas derjenige, der treu zu ihm stand und ihn auch in der schwersten Stunde nicht verließ. Mit anderen Worten, wir können sagen, Lukas war wirklich ein treuer Begleiter, ein treuer Mitarbeiter, ein medizinischer Missionar, der eben nicht nur das Lukas-Evangelium schrieb, sondern auch die Apostelgeschichte. Und dort vor allem auch ein Schwerpunkt auf die Missionsreisen von Paulus legte, nicht zuletzt, weil er selbst dort dabei gewesen war und jene miterlebt hatte. Das Lukas-Evangelium ist also in gewisser Weise der erste Teil eines größeren Werkes.
[5:21] Lukas war als Arzt auch relativ gut gebildet, hatte eine gute Bildung genossen. Das sieht man auch an seinem Griechisch. Das Griechische von Lukas ist das Beste, das es gibt im ganzen Neuen Testament. Nur der Hebräerbrief von Paulus schlägt das noch an Qualität. Insbesondere die ersten vier Verse hier gelten so als ziemlich hochstehendes, klassisches Griechisch.
[5:47] Was noch interessant an Lukas ist, dass er keine prophetische Eingabe gehabt hat, als er das Evangelium schrieb. Weder war er ein Augenzeuge, noch hat er in Visionen gesehen, was passiert ist, sondern er sagt ja selbst, er hat Augenzeugenberichte genommen, hat sie genau studiert, geprüft und dann unter Leitung des Heiligen Geistes das ausgewählt, was seiner Meinung nach besonders wichtig war. Und man nennt das auch das lukanische Modell der Inspiration. Jemand, der vom Heiligen Geist nicht inspiriert wird, indem er einen Traum, eine Vision oder ein Gesicht bekommt, sondern indem der Heilige Geist ihn bei seiner historischen Recherche unterstützt und leitet und ihn vor Fehlern in der Schlussfolgerung bewahrt.
[6:35] Es ist übrigens Lukas, der wie kaum ein anderer, wir werden das heute schon sehen, das Wirken des Heiligen Geistes betont. Nicht nur in Apostelgeschichte, die manchmal auch das Wirken des Heiligen Geistes genannt wird, sondern hier auch schon in Lukas, denn wir sehen, wie schon in den ersten beiden Kapiteln, die viel noch vom Duft des Alten Testamentes atmen, der Heilige Geist einer der Hauptakteure ist. Dazu gleich.
[6:59] Lukas beginnt sein Evangelium mit einigen der frühesten Geschichten, die überhaupt aus dieser Zeit überliefert sind, nämlich mit der Ankündigung der Geburt von Johannes dem Täufer, der der Vorläufer von Jesus gewesen ist. In Vers 5 bis 25 lesen wir diese erste Geschichte hier. Wir werden nicht alle Verse jetzt lesen, aus Zeitgründen nur ein paar Schlüsselverse herausgreifen. Es heißt in Vers 5 und 6: „In den Tagen des Herodes des Königs von Judäa – und hier sieht man übrigens schon den historischen Anspruch von Lukas, der immer wieder auch Herrschernamen anführt, um so eine zeitliche Einordnung vornehmen zu können – lebt ein Priester mit Namen Zacharias aus der Abteilung Abias, und seine Frau war von den Töchtern Aarons und ihr Name war Elisabeth. Sie waren aber beide gerecht vor Gott und wandelten untadelig in allen Geboten und Rechtsbestimmungen des Herrn.“ Die Sprache hier ist natürlich bei allem hochstehenden Griechisch auch wieder sehr an das Alte Testament gebunden. Man merkt, dass er das Alte Testament sehr deutlich studiert hat. Und es heißt dann hier weiter: „Und sie hatten kein Kind, weil Elisabeth unfruchtbar war, und beide waren in fortgeschrittenem Alter.“ Nicht nur ist die Formulierungsweise sehr stark vom Alten Testament abhängig, die Geschichte selbst hat viele Elemente, die uns unwillkürlich an das Alte Testament erinnern. Zum Beispiel hier die Tatsache, dass ein treuer Mann mit seiner treuen Frau kein Kind haben kann und beide bereits recht alt sind. Jeder, der auch nur ein bisschen mal in der Bibel gelesen hat, dem wird jetzt die Geschichte von Abram und Sarai einfallen, die offensichtlich natürlich auch dem Lukas gut bekannt war.
[8:47] Als Priester war er ein Lehrer des Gesetzes. Weiter wird uns berichtet, wie er als Priester irgendwann auch mal dran gewesen ist, den Dienst dort im Tempel zu verrichten, wie das Los auf ihn fiel, dass er dort in den Tempel gehen sollte, um zu räuchern. Und das heißt in Vers 10: „Und die ganze Menge des Volkes betete draußen zur Stunde des Räucherns.“ Das übrigens nebenbei gesagt, ein interessanter Vers, einer der wenigen Verse in der Bibel, die sehr deutlich den Räucheraltar, das Werk des Räucherns im Heiligtum mit dem Gebet verbinden, wie wir es zum Beispiel auch in den Psalmen haben.
[9:20] Weitere Elemente, die an das Alte Testament erinnern, sind zum Beispiel dann das Erscheinen des Engels. Der Engel selbst sagt von sich, dass er Gabriel ist. In Vers 19 steht das dann später: „Der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht.“ Das war eine deutliche und unmissverständliche Reminiszenz an das Buch Daniel. Denn im ganzen Alten Testament kommt der Name Gabriel nur zweimal vor, in Daniel 8 und in Daniel 9 und damit in der Prophezeiung, die unter anderem das Kommen des Messias vorhersagt.
[10:00] Als der Engel dort am Altar steht, auf der rechten Seite, eine Seite, die Gunst und Zuversicht ausdrücken soll, da erschrickt Zacharias. Auch das ist ein Element, das man aus dem Alten Testament sehr gut kennt, dass die Offenbarung Gottes oder eines Engels Schrecken und Furcht auslöst. Und in den Worten des Engels ist viel, was uns ebenfalls an das Alte Testament erinnern könnte. Zum Beispiel die Formulierung in Vers 15: „dass der Sohn, der geboren werden soll, groß sein vor dem Herrn sein würde, Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken und mit Heiligem Geist wird erfüllt werden, schon von Mutterleib an.“ Das erinnert an den Bund, den die Naziräer eingegangen sind, die Geschichte von Simson zum Beispiel. Oder auch in Vers 17: „Und er wird vor dem Herrn gehen im Geist und in der Kraft Elias, um die Herzen der Väter umzuwenden zu den Kindern und die Ungehorsamen zur Gesinnung der Gerechten, um dem Herrn ein zugerüstetes Volk zu bereiten.“ An dieser Stelle kommt einem die Prophezeiung von Maleachi in den Sinn, der das Kommen des Elias vorhergesagt hatte, ganz am Ende des Alten Testamentes.
[11:12] Aber von allen alttestamentlichen Anspielungen in dieser Geschichte ist die von Abraham die stärkste, nicht zuletzt, weil der Engel folgendes sagt in Vers 13: „Zacharias, fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein Gebet ist erhört worden, und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Johannes geben.“ Diese Formulierung „und du sollst ihm den Namen ... geben“ kommt direkt aus 1. Mose 17, wo Gott dem Abraham erscheint, der, wie wir gesagt haben, genau dasselbe Problem hatte, und ihm dann sagt in Vers 19: „Da sprach Gott: Nein, sondern Sarah, deine Frau, soll dir einen Sohn gebären, den sollst du – in dem Fall Isaak – nennen.“
[12:04] Das heißt, als der Zacharias dort in dem Tempel ist, mit seiner Lebensgeschichte, die er kennt und all diese Dinge sieht und all diese offensichtlichen Anspielungen versteht, dann weiß er: Das, was ich aus der Bibel kenne, ist plötzlich in mein Leben getreten. Ich bin in derselben Situation und offensichtlich könnte ich dasselbe erleben wie Abraham. Wie oft passiert es uns, dass wir manchmal lesen, dass das, was Abraham oder Daniel oder Josef oder auch Paulus dort beschreiben, dass das ganz genau unsere Situation ist. Und wie oft geht es uns, wie dem Zacharias, dass wir uns trotzdem fragen: Ja, kann das auch in meinem Leben passieren? Er glaubt nicht, dass das, was bei Abraham möglich war und bei vielen anderen – es gibt ja nicht nur eine Geschichte, wo Unfruchtbarkeit eine Rolle gespielt hat – er glaubt nicht, dass das noch in seiner Zeit immer noch genau so passieren könnte.
[13:00] Und, so sagt die Geschichte, wird er stumm und kommt dann aus dem Tempel und kann sich nicht verständigen mit dem Volk. Übrigens hier eine ganz interessante Stelle, es heißt Vers 21: „Das Volk wartet auf Zacharias und sie verwunderten sich, dass er so lange im Tempel blieb. Als er aber herauskam, konnte er nicht zu ihnen reden, und sie merkten, dass er im Tempel eine Erscheinung gesehen hatte, und er winkte ihnen und blieb stumm.“ Das Volk hatte gewartet und als er dann herauskam, so können wir uns vorstellen, war es sichtbar gewesen, dass er eine Erscheinung gehabt hat. Als Mose damals Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen hat, da leuchtete sein Gesicht. Wahrscheinlich, so gehe ich davon aus, hat auch das Angesicht von Zacharias geleuchtet. Es war sichtbar, dass die Herrlichkeit Gottes sich ihm in einer gewissen Art und Weise offenbart hat.
[13:49] Und das ist so interessant, weil das Volk hatte ja auf den Priestersegen gewartet. Diesen priesterlichen Segen, der in 4. Mose 6 aufgeschrieben ist. Der Segen, der geht nämlich so, in 4. Mose 6, Vers 24: „So solltet ihr die Kinder Israels segnen, sprecht zu ihnen: Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.“ An diesem Tag konnten die Israeliten den Segen nicht hören, aber sie konnten ihn sehen. Die Worte: „Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir“ waren buchstäblich erfüllt worden.
[14:31] Und so geht Zacharias zurück nach Hause und tatsächlich, seine Frau wird schwanger. Lukas ist ein sehr interessanter Schreiber. Die Art und Weise, wie er die Geschichten nebeneinander stellt, offenbart, dass er einen größeren Plan gehabt hat. Direkt im Anschluss an diese Geschichte stellt er die Geschichte von der Ankündigung einer anderen Geburt. Vers 26 bis 38 beschreiben die Ankündigung der Geburt von Jesus.
[15:06] Und wenn man diese beiden Geschichten miteinander vergleicht, dann stellt man interessante Dinge fest. Zunächst einmal gibt es viele Parallelen. In beiden Fällen wird eine Geburt angekündigt. In beiden Fällen ist es jener Engel Gabriel, der im Alten Testament schon so selten auftaucht und hier gleich zweimal hintereinander. Und im Alten Testament, da taucht er zweimal hintereinander auf, um zu zeigen, dass die beiden Kapitel, Daniel 8 und Daniel 9, eng zusammenhängen. Und auch hier scheint es einen Zusammenhang zu geben zwischen beiden Geschichten. In beiden Geschichten wird der Name des zu gebärenden Kindes konkret angegeben und zwar mit derselben Formel. In Vers 31 sagt er zu Maria: „Und siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären und du sollst ihm den Namen Jesus geben.“ In beiden Fällen erschrecken die Angesprochenen vom Engel und schrecken zurück. Beide überfällt Furcht.
[16:03] Aber doch gibt es auch erstaunliche Kontraste zwischen diesen beiden Geschichten. Auf der einen Seite haben wir den alten Mann Zacharias, auf der anderen Seite die junge Frau Maria. Der eine ist Priester und damit in der wahrscheinlich höchsten Position, die man in der Gesellschaftsschicht überhaupt haben kann. Die andere ist eine noch nicht einmal verheiratete Frau und damit in der gesellschaftlichen Struktur der damaligen Zeit ziemlich weit unten. Die eine Geschichte findet statt in Jerusalem, der heiligen Stadt und zwar im Tempel. Die andere Geschichte findet statt in Nazareth, nicht einmal in Judäa, sondern in Galiläa, das so eine Mischgegend war, jüdisch und doch auch heidnisch, in einer Stadt, die schon damals sprichwörtlich war für ihre Gottlosigkeit. Sagt nicht der Nathanael in Johannes 1: „Was kann aus Nazareth Gutes kommen?“ Man kann sich kaum einen größeren Gegensatz vorstellen zwischen Jerusalem und Nazareth, zwischen einem Priester im Tempel und einer unverheirateten jungen Frau irgendwo in der Wohnung.
[17:13] Aber das ist nicht der einzige Kontrast. In beiden Fällen wird eine wundersame Geburt angekündigt, eine Geburt, die so nicht mit rechten Dingen zugeht. Der Unterschied ist, dass in der ersten Geschichte eine Wundergeburt angekündigt wird, die in dieser Form schon mehrmals im Alten Testament stattgefunden hat. Sowohl bei Abraham als auch bei Isaak, bei Jakob und in verschiedenen anderen Fällen sind Frauen, die unfruchtbar gewesen sind, durch das Eingreifen Gottes doch noch fruchtbar geworden, selbst dann, wenn sie über das Alter des Kindergebärens lange hinaus waren, wie im Fall von Sarah. Das heißt, das Wunder, das der Gabriel dem Zacharias ankündigt, ist ein Wunder, an das er glauben hätte können, allein schon, weil in der Bibel praktische Beispiele dafür zur Verfügung standen.
[18:08] Auf der anderen Seite ist das Wunder, das Gabriel der Maria ankündigt, ein Wunder, das es so noch nie gegeben hat. Eine Frau soll schwanger werden, ohne Einwirkung eines Mannes überhaupt. Und das krasse an der Geschichte ist, dass wir hier einen Priester haben im Tempel in Jerusalem, einen Lehrer des Gesetzes, der durch die ganzen Umstände der Geschichte ständig an das Alte Testament erinnert wird und an die Verheißungen Gottes und der an ein Wunder nicht glaubt, das schon mehrmals in der Bibel vorgekommen ist. Und dort eine junge Frau, unbedeutend, unbekannt, in der gottlosen Stadt Nazareth, die etwas viel Unglaubliches gesagt bekommt und es glaubt.
[19:00] Die Maria sagt in Vers 38: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort.“ Gott hatte durch den Engel ihr sagen lassen: „Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.“ Das war eine interessante Geschichte, die uns einiges, einiges lehren kann. Kann es sein, dass wir manchmal die Bibel gut kennen und trotzdem weniger Glauben haben als Menschen, die einfach vertrauensvoll auf Gott das annehmen, was auch immer er ihnen sagt?
[19:27] Übrigens, so ganz nebenbei gesagt, in Vers 35 lesen wir: „Und der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden.“ Nun, hier haben wir eine ziemlich unpersönliche Formulierung für Jesus. Er heißt nicht „der Heilige“, sondern „das Heilige“. Das ist sehr interessant, weil es zeigt uns, dass auch Personen wie Jesus in der Bibel mit unpersönlichen Formulierungen beschrieben werden können, ohne dass damit die Persönlichkeit Jesu in Frage gestellt werden würde. Das ist in der Debatte um den Heiligen Geist immer auch vielleicht eine wichtige Sache hier zu betonen. Der Heilige Geist ist zwar eine Kraft, aber natürlich auch eine Person.
[20:25] Der Engel sagt übrigens auch, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist, aufgrund oder insbesondere aufgrund dieser Menschwerdung. Das heißt, darum wird das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. In einem ganz besonderen, spezifischen, umfassenden Sinn ist Jesus Gottes Sohn geworden, als er Mensch wurde.
[20:48] Die Geschichte geht weiter. In Versen 39 bis 45 sehen wir die Geschichte, wie jetzt diese beiden Handlungsstränge, die der Lukas so aufgemacht hat, diese beiden Erzählstränge, die schon so viel miteinander zu tun hatten, jetzt sich treffen in dem Besuch von Maria und Elisabeth. Beide Frauen, die auf außergewöhnliche, wundersame Weise durch Gottes Eingreifen schwanger geworden waren, sie treffen sich. Es heißt in Vers 39: „Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und reiste rasch in das Bergland, in eine Stadt Judäa, und sie kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. Und es geschah, als Elisabeth den Gruß der Maria hörte, da hüpfte das Kind in ihrem Leib, und Elisabeth wurde mit Heiligem Geist erfüllt.“
[21:38] Nun, die Frage ist, warum hat das Kind, das zu dem Zeitpunkt ja ungefähr sechs Monate alt war, im Leib der Elisabeth gehüpft? Einfach nur, weil es sich gefreut hat, dass die Maria da ist? Oder können wir nicht daraus schließen, dass durch Gottes Eingreifen hier ein Zeichen gesetzt wurde, dass Maria zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr alleine unterwegs war? Das heißt, irgendwo zwischen Vers 38 und Vers 41 ist dieses Größte aller Wunder geschehen, dass wir es so gar nicht in Worte fassen können. Die Bibel sagt nicht genau wie und wann, aber irgendwann im Laufe dieser Zeit hier ist Maria tatsächlich schwanger geworden.
[22:31] Und Elisabeth, deren Name übrigens heißt „Gott oder mein Gott eines Eidschwurs“, also da geht es auch um, was Gott seine Versprechen hält. Sie sagt dann in Vers 42: „Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Und woher wird mir das zuteil, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ Ob sie die volle Bedeutung dieser Worte verstanden hat, ist nicht ganz sicher. Das ist ja oft, selbst im Neuen Testament, dass Menschen Dinge ausgerufen haben und selbst nicht bis ins Letzte verstanden haben, was sie gesagt haben. Erinnert seid ihr zum Beispiel an Johannes den Täufer, der rief: „Siehe, das Lamm Gottes!“ Aber durch den Heiligen Geist wird deutlich, dass das Heilige, was dort im Bauch von Maria gerade begann heranzuwachsen, dass derjenige, der dort in ihrem Bauch war, derselbe war, der der Herr über Himmel und Erde, über das Universum ist.
[23:41] Das war eine unglaubliche Geschichte. Unfassbar. Und doch beschreibt Lukas mit der Genauigkeit eines Historikers, dass es so gewesen ist.
[23:52] Maria beginnt dann einen Lobpreis. Wir lesen Vers 47 und folgende Verse. „Und mein Geist freut sich über den Herrn.“ Vers 46 schon. „Meine Seele erhebt den Herrn und mein Geist freut sich über Gott, meinen Retter, dass er angesehen hat die Niedrigkeit seiner Magd. Denn siehe, von nun an werden mich glücklich preisen alle Geschlechter. Denn große Dinge hat der Mächtige an mir getan, und heilig ist sein Name. Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht über die, welche ihn fürchten. Er tut Mächtiges mit seinem Arm. Er zerstreut, die hochmütig sind, in der Gesinnung ihres Herzens. Er stößt die Mächtigen von ihrem Thron und erhöht die Niedrigen. Hungrige sättigt er mit Gütern, und Reiche schickt er leer fort. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an, um an seine Barmherzigkeit zu gedenken, wie er es unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seinem Samen, auf ewig.“
[24:49] Auch die Maria, und wir werden sie noch in anderen Stellen hier, hat immer Bezug genommen auf das, was seit Abraham Gott den Menschen, insbesondere dem Volk Israel, verheißen hatte. Dieser Lobpreis, den die Maria hier singt, hat sehr große Parallelen zu einem anderen Lied, das eine Frau gesungen hat, unter ganz ähnlichen Umständen. Erinnert sei hier an Hannah in 1. Samuel, Kapitel 2.
[25:17] In 1. Samuel, Kapitel 2, da singt die Hannah, Vers 1: „Mein Herz freut sich in dem Herrn, mein Horn ist erhöht durch den Herrn, mein Mund hat sich weit aufgetan über meine Feinde, denn ich freue mich in deinem Heil. Niemand ist heilig wie der Herr, ja, er ist keiner außer dir, und es ist kein Fels wie unser Gott. Redet nicht viel von hohem Ding, vermessenes gehe nicht aus eurem Mund, denn der Herr ist ein Gott, der alles weiß, und von ihm werden die Taten gewogen.“ Und dann heißt es hier, Vers 5: „Die Satten haben sich um – Vers 4 – der Bogen des Starken ist zerbrochen, aber die Schwachen haben sich mit Kraft umgürtet.“ Wie die Maria, singt auch sie davon, dass Gott den Schwachen hilft und die Starken demütigt.
[26:02] Ist das nicht auch so ein bisschen schon in den ersten beiden Geschichten von Zacharias, dem großen Lehrer und der armen Maria deutlich geworden? Es ist letztendlich der Charakter Gottes im großen Kampf, dass in Schwachheit die Stärke liegt, in der Demut. Vers 8: „Er erhebt den Geringen aus dem Staub, aus dem Kot erhöht er den Armen, damit er sie sitzen lasse unter den Fürsten und sie den Thron der Herrlichkeit erben lasse.“ Und so weiter und so fort. Und dann in Vers 10: „Die Widersacher des Herrn werden zerschmettert werden, er wird über sie donnern im Himmel. Der Herr wird die Enden der Erde richten und wird seinem König Macht verleihen, um das Horn seines Gesalbten erhöhen.“ Die Hannah hatte schon in prophetischer Vorausschau auf den Messias gewartet. Und wie wir gesehen haben, hat Maria dann viele Jahrhunderte später ganz ähnliche Gedanken, wenn auch nicht dieselben Worte, aber ganz ähnliche Gedanken aufgegriffen in ihrem Lobgesang.
[27:12] Man kann das Lukas-Evangelium erst wirklich richtig verstehen, wenn man diese alttestamentlichen Passagen so ein bisschen im Hinterkopf hat. Lukas ist unter anderem auch der Bericht davon, dass Dinge, die vor hunderten von Jahren gesagt worden sind, immer noch im persönlichen Leben zutreffend sind. Dass die alte biblische Geschichte auch meine Geschichte werden kann, wenn ich Gottes Wort annehme.
[27:46] Ab Vers 57 lesen wir dann, wie Elisabeth ihren Sohn gebiert. Das heißt: „Für Elisabeth aber füllte sich die Zeit, da sie gebären sollte, und sie gebar einen Sohn. Ihren Nachbarn und Verwandten hörten, dass der Herr seine Barmherzigkeit an ihr groß gemacht hatte, und sie freuten sich mit ihr.“ Wir werden in diesen beiden Kapiteln zwei Geburten erleben. Und die erste ist dadurch gekennzeichnet, dass alle Nachbarn, alle Verwandten dabei sind, dass sie es hören, dass sie sich freuen, dass sie zusammenkommen, wie wir später auch gleich sehen werden, nach acht Tagen, dass dort eine große Versammlung ist, als Johannes geboren wird. Das sind alle dabei und alle freuen sich.
[28:22] Acht Tage später soll er beschnitten werden und bei der Beschneidung bekommt er seinen Namen. Und hier gibt es nochmal so ein kleines spannendes Moment. Wird sich das wirklich erfüllen, was der Engel gesagt hatte? Vers 59: „Und es geschah am achten Tag, dass sie kamen, um das Kind zu beschneiden, und sie nannten es nach dem Namen seines Vaters Zacharias.“ Manchmal passiert es, dass aufgrund von Traditionen – das ist ja, was hier die Motivation dahinter war – dass aufgrund von Traditionen Gottes Wille aufgehalten werden kann, verhindert werden kann, zumindest temporär. Seine Mutter aber erwiderte, Vers 60: „Und sprach: Nein, sondern er soll Johannes heißen.“ Und sie sagten zu ihr: „Es ist doch niemand in deiner Verwandtschaft, der diesen Namen trägt.“ Und so hat man ihr nicht wirklich geglaubt und dann den Vater gerufen, und der forderte ein Täfelchen und schrieb dort die Worte herauf auf Vers 63: „Johannes ist sein Name.“ Und sie verwunderten sich alle.
[29:31] Und dann finde ich interessant, wie steht in Vers 64: „Sofort aber wurde sein Mund geöffnet und seine Zunge wurde gelöst.“ Sofort, als er aktiv für das einstand, was Gott durch den Engel ihm gesagt hatte, war die Stummheit beendet. Die Stummheit kam, weil er Gottes klarem Wort nicht geglaubt hatte. Und das, obwohl er all die biblischen Geschichten im Hinterkopf hatte. Als er aber sich aktiv einsetzte dafür, dass Gottes Wort auch tatsächlich durchgesetzt wird, da wurde seine Zunge gelöst. Könnte es sein, dass auch wir manchmal das Gefühl haben, dass wir nicht wirklich wissen, was wir sagen sollen, dass unsere Zunge zu schwer ist und wir uns wünschen, dass unsere Zunge gelöst wird? Dann ist es eine gute Methode, sich dafür einzusetzen, was Gottes Wort sagt, dann wird Gott einem auch die richtigen Worte geben.
[29:29] Sofort wurde seine Zunge gelöst. Und dieses Ereignis führt dazu, dass in dem gesamten Bergland, so heißt es in Vers 65, so ein religiöses Interesse erweckt wurde. Es heißt in Vers 65 und 66: „Es kam Furcht über alle ihre Nachbarn, und im ganzen Bergland von Judäa wurden alle diese Dinge besprochen, und alle, die es hörten, nahmen es sich zu Herzen und sprachen: Was wird wohl aus diesem Kind werden? Und die Hand des Herrn war mit ihm.“ Also sechs Monate, bevor Jesus in Bethlehem geboren worden ist – übrigens Bethlehem lag im Bergland von Judäa – sechs Monate, bevor er in Bethlehem geboren worden ist, war in allen umgehenden Städten und Dörfern und in Bethlehem selbst ein großes Interesse an religiösen Dingen, ein großes Interesse. Könnte es sein, dass hier Prophezeiungen sich erfüllen? Könnte es sein, dass dieses Kind hier ein besonderes Kind ist? Das heißt, sechs Monate, bevor Jesus geboren worden ist, hatte durch Gottes Eingreifen die Bevölkerung eigentlich die Gelegenheit, sich wirklich vorzubereiten auf das Kommen des Messias. Gott hatte nicht nur Jahrhunderte und Jahrtausende alte Prophezeiungen gegeben, wenige Wochen, wenige Monate vorher, hatte er den Weg allein schon durch die Geburt von Johannes bereitet, um die Geburt von Jesus anzukündigen. Johannes war nicht nur mit seinem Leben ein Vorläufer Jesu, er war schon durch seine Geburt ein Vorläufer Jesu.
[32:00] Diese beiden Biografien von Johannes und von Jesus starten fast gleichzeitig im Lukas-Evangelium und laufen so parallel zueinander. Zuerst wird Johannes angekündigt, dann wird Jesus angekündigt, dann wird Johannes geboren, dann wird er beschnitten, er bekommt seinen Namen und dann wird Jesus geboren, er wird beschnitten und bekommt seinen Namen.
[32:22] Bevor wir das lesen, müssen wir unbedingt noch einen Blick hineinwerfen in den Lobpreis des Zacharias. Das ist nämlich ein sehr, sehr interessanter Abschnitt. Es heißt in Vers 67: „Und sein Vater Zacharias wurde mit Heiligem Geist erfüllt.“ Schon wieder. Eine Person, die vom Heiligen Geist erfüllt wird. Lukas 1 und 2 ist voller Menschen, also voller Geschichten mit Engeln und Menschen, die vom Heiligen Geist erfüllt sind. Und er sagte und sprach. Das heißt, wir haben hier eine prophetische Aussage, die der Zacharias tätigt.
[32:58] Hier haben wir ein Beispiel für Heimsuchung in seiner positiven Seite. Heimsuchung klingt für uns immer negativ, aber Heimsuchung ist eigentlich etwas Positives. Es bedeutet, dass Gott sein Volk zu Hause aufsucht, dass er es besucht. So hatte bereits Josef am Ende von 1. Mose, kurz vor seinem Tode, gesagt in 1. Mose Kapitel 50 und dort Vers 25: „Josef nahm einen Eid von den Söhnen Israels und sprach: Gewisslich wird euch Gott heimsuchen, und ihr sollt dann meine Gebeine von hier hinauf bringen.“ Die Erlösung aus Ägypten war eine Heimsuchung. Jetzt sagt Zacharias: Gott hat sein Volk besucht. Aber nicht nur durch einen Boten wie Mose, sondern er ist selbst Mensch geworden. Die höchste Form, die ein Besuch Gottes bei den Menschen überhaupt annehmen konnte.
[34:01] Und dieser Besuch bedeutet Erlösung. Vers 69: „Er hat uns aufgerichtet, ein Horn des Heils.“ Ein Horn nach biblischer Denkweise, nach biblischer Prophetie, zum Beispiel in Daniel 7, ist ein Königreich. Das Horn des Heils ist also das Reich, das Königreich des Heils. Nicht umsonst hat Jesus immer gesprochen von dem Reich Gottes. Das Reich Gottes soll aufgerichtet werden in dem Haus seines Knechtes David. Denn David war der König, dessen Sohn, der Sohn Davids, sollte ja der Messias-König werden. Wie er es verheißen hat, durch den Mund seiner heiligen Propheten, die von Alters her waren, wiederum wie Maria, knüpft auch er all diese Gegebenheiten an das Alte Testament, an die Prophezeiung dessen, was es war.
[34:49] Kein Wunder also, dass ganz am Ende von Lukas, im letzten Kapitel, Lukas derjenige ist, der einzige übrigens, der berichtet, wie Jesus zwei Jüngern die Ereignisse von Golgatha anhand des Alten Testamentes erklärt. Lukas 24, Vers 27, für die, die nachlesen wollen.
[35:08] Und dann kommt Vers 71: „Und das war der Vers, der vielleicht am meisten für Missverständnisse hätte sorgen können, im Denken auch schon der Leute damals: Errettung von unseren Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen.“ Die Bibel war klar, wenn der Messias kommt, würde er das Volk retten. Die Frage nur war: Wer ist das Volk? Und noch größer die Frage: Wer ist der Feind, von dem das Volk gerettet werden muss? Damals glaubten fast alle, selbst diejenigen, die sich wirklich ehrlich mit der Bibel auseinandersetzten, dass die Feinde die Römer sind. Kaum jemand sah, dass es nicht die Römer waren, von denen sie Befreiung brauchten, sondern die Sünde. Dass Satan und die Sünde die Feinde sind, von denen wir errettet werden müssen.
[35:56] Vers 72: „Um Barmherzigkeit zu erweisen an unseren Vätern und zu gedenken an seinen Heiligen Bund.“ Der Bund sollte nicht geändert werden, er sollte befestigt werden, er sollte stark gemacht werden, so wie Daniel 9, Vers 27 es sagt. Der Eid, den er mit unserem Vater Abraham geschworen hat, das war ja nicht der alte Bund, sondern der neue Bund, so sagt es uns Galater Kapitel 3, können wir kurz nachlesen.
[36:28] In Galater Kapitel 3 und dort Vers 16: „Nun aber sind die Verheißungen dem Abraham und seinem Samen zugesprochen worden. Es heißt nicht ‚und den Samen‘ als von vielen, sondern als von einem und ‚deinem Samen‘. Und dieser ist Christus, Vers 17.“ „Das aber sage ich: Ein von Gott auf Christus hin zuvor bestätigtes Testament wird durch das 430 Jahre danach entstandene Gesetz nicht ungültig gemacht, sondern sodass die Verheißung aufgehoben würde.“ Mit anderen Worten, der Bund, den Gott mit Abraham gemacht hatte, von all das her, war schon der neue Bund, der auf Christus hinwies, wenn auch nur vorausschauend. Und dieser Bund sollte bestätigt werden, er sollte umgesetzt werden.
[37:12] Vers 74: „Dass wir, erlöst aus der Hand unserer Feinde, ihm dienten ohne Furcht.“ Erlösung führt immer zum Dienst. Vers 75: „In Heiligkeit und Gerechtigkeit vor ihm alle Tage unseres Lebens.“ Gottes Ziel ist es, dass ein erlöster Mensch Heiligkeit und Gerechtigkeit tatsächlich wirklich in seinem Leben hat.
[37:32] Und dann kommt noch eine Verse, die prophetisch auf das Amt von Johannes dem Täufer hinweist. Und wir müssen aus Zeitgründen weitermachen. In Vers 80 lesen wir dann noch, dass Johannes wuchs und dass er vom Heiligen Geist erfüllt war. Auch er, wie heißt es hier, wurde stark im Geist.
[37:52] Und nachdem also der Fokus jetzt gerade auf Johannes gewesen ist, kommt jetzt all das Gleiche nochmal parallel im Leben von Jesus. Auch hier gibt es eine Geburt, auch hier gibt es eine Beschneidung, auch hier gibt es ein Wachstum des Kindes. Aber was für ein Unterschied. In Lukas 2, Vers 1-7, der berühmten Weihnachtsgeschichte, da finden wir nicht die vielen Verwandten, die vielen Freunde, die sich alle zusammen einfinden zu Hause. Johannes wurde zu Hause in seinem Haus geboren, wo seine Eltern lebten. Jesus wurde an einem Ort geboren, zu dem die Eltern erst hinreisen mussten. Johannes wurde inmitten seiner ganzen Verwandtschaft geboren. Jesus ganz allein in einem Stall. Wiederum sehen wir die Parallelen und wir sehen die Kontraste.
[38:55] Übrigens, auch hier zeigt sich, wie sehr Lukas ein Geschichtsdenker ist, der Kaiser Augustus und den Statthalter in Syrien, Quirinius, erwähnt und verschiedene andere Details, die uns deutlich machen, er war ein Zeitgenosse, er wusste, wovon er sprach.
[39:16] Und dann in Vers 8-20 die berühmte Geschichte von den Engeln und den Hirten. Wir haben gerade gesehen, dass sechs Monate vorher im ganzen Land oder allen Menschen diese Erregung war: Was wird sein mit diesem Kind, diesem Johannes? Sechs Monate später war alles so weit abgestorben und in Vergessenheit geraten, dass der ganze Himmel beim Absuchen der Bevölkerung im Bergland Judäa nur diese Hirten fand, die überhaupt bereit waren, diese Botschaft aufzunehmen. Innerhalb sechs Monaten war alles wieder vergessen. Nur diese Hirten hören die Nachricht.
[39:59] Das heißt hier interessanterweise, als dann der Engel kam und sie umleuchtete, versehen, und der Engel sprach zu ihnen: „Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkündige euch eine große Freude.“ Wörtlich steht hier: „Ich evangelisiere euch.“ Ein Evangelium, die ihr dem ganzen Volk widerfahren soll. Die Botschaft ist nicht nur für euch, sie ist für das ganze Volk, aber das ganze Volk ist gar nicht bereit, es aufzunehmen. Deswegen gebe ich die Botschaft euch mit der Aufgabe, es anderen weiterzugeben.
[40:24] Ist es nicht interessant, dass beim ersten Kommen Jesu es einige Hirten gab, die ein Evangelium, die eine Engelsbotschaft als Evangelium dem ganzen Volk verkündigen sollten. Und es ist nicht interessant, dass kurz vor dem zweiten Kommen Jesu ebenfalls eine dreifache Engelsbotschaft als Evangelium der ganzen Welt verkündigt werden soll.
[40:48] Die Hirten hatten zwei Aufgaben. Sie sollten erst selbst zu Jesus kommen, die Botschaft selbst verifizieren, selbst bestätigen, in ihrem eigenen Leben, mit eigenen Augen sehen, dass das wirklich stimmt. Und dann sollten sie überall hingehen, um das zu verkündigen. Und genau das ist unsere Aufgabe. Wir bekommen diese dreifache Engelsbotschaft von der baldigen Wiederkunft Jesu. Unsere Aufgabe ist es, selbst zu Jesus zu finden, selbst eine Erfahrung dieser Botschaft zu haben und dann in die Welt hinaus zu gehen.
[41:22] Vers 17 lesen wir: „Nachdem sie es aber gesehen hatten, machten sie überall das Wort bekannt, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, verwunderten sich über das, was ihnen von den Hirten gesagt wurde.“ Vers 19: „Maria behielt all diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“ Und auch hier haben wir in Lobgesang, die Hirten kehrten wieder um und priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, alles, was ihnen gesagt worden war.
[41:45] Wir haben also den Lobgesang der Elisabeth. Wir haben den Lobgesang der Maria. Wir haben den Lobgesang von Zacharias. Wir haben den Lobgesang der Hirten. Wir haben den Lobgesang der Engel, vorher schon gehabt. Und tatsächlich haben wir auch noch den Lobgesang des Simeon und den Lobgesang der Hannah. Sieben Parteien sozusagen, die Gott loben. Der Heilige Geist, Engel, Lobpreis, das ist der Stoff, aus dem Lukas 1 und 2 ist. Es ist eine ganz, ganz spannend zusammengebaute Geschichte.
[42:20] Apropos Simeon und Hannah. Nachdem Jesus geboren worden ist, so wie auch bei Johannes, acht Tage später wird er beschnitten. Acht Tage danach wird ihm der Name, also nach seiner Geburt, acht Tage danach bei der Beschneidung wird ihm der Name Jesus gegeben. Und so erfüllt sich genau das, was der Gabriel zu Zacharias gesagt hat und was er zu Maria gesagt hat.
[42:41] Und dann kommt noch ein neues Element hinein. Dieser ganze Geschichtenkomplex begann ja im Tempel und endet jetzt auch im Tempel mit zwei Tempelgeschichten. Zweimal wird Jesus jetzt in den Tempel gemacht. Einmal als Baby mit einigen Wochen und dann als Jüngling mit zwölf Jahren. Sehr interessant.
[43:03] In Vers 25 bis 38, da sehen wir diese Geschichte, wie er zum ersten Mal zum Tempel gebracht wird. Und zwei Menschen finden ihn dort. Simeon und Hannah. Beide hatten jahrelang auf den Messias gewartet und finden ihn im Tempel. Interessanterweise, dann zwölf Jahre später, finden ihn Josef und Maria nach tagelanger, nicht jahrelanger, tagelanger Suche wiederum im Tempel. Jesus wird im Tempel gefunden. In der ersten Geschichte von Simeon und Hannah, in der zweiten von Josef und Maria.
[43:53] Und auch hier sehen wir wieder das Wirken des Heiligen Geistes. In Vers 26 heißt es von Simeon: „Er hatte vom Heiligen Geist die Zusage empfangen, dass er den Tod nicht sehen werde, bevor er den Gesalbten, also den Messias des Herrn, gesehen habe, der in Daniel 9 angekündigt worden ist.“ Und er kam auf Antrieb des Geistes, Vers 27. Also der Heilige Geist spricht, der Heilige Geist erfüllt, der Heilige Geist drängt zum Lobpreis, der Heilige Geist treibt Menschen an, der Heilige Geist gibt Prophezeiung. Er treibt den Simeon in den Tempel, und als er die Eltern des Kindes, Jesus, hineinbrachten, um für ihn zu tun, was der Brauch des Gesetzes verlangte, dann nahm er es auf seine Arme, lobte Gott und sprach: „Nun Herr, entlässt du deinen Knecht in Frieden nach deinem Wort, denn meine Augen haben dein Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht zur Offenbarung für die Heiden und zur Verherrlichung deines Volkes Israel.“
[44:45] Das Licht, das hatte schon Zacharias so gesehen, vielleicht können wir ganz kurz zurückgehen. Lukas 1, Vers 79, wo er sagt: „Um denen zu scheinen, die in Finsternis und Todesschatten sitzen.“ Und das war eine Formulierung, die im Alten Testament bei Jesaja verwendet wird für das Gebiet der Heiden, für die Welt. Aber schon Zacharias wusste, dass das eben nicht nur für die anderen ist, sondern auch für sie, als er sagte: „Um unsere Füße auf den Weg des Friedens zu richten.“ Jesus kam für sein Volk, aber er kam für die ganze Welt. Und Menschen, die vom Heiligen Geist erfüllt waren, merkten, dass auch sie, das Volk Israel, genauso verloren sind wie der Rest und sie alle das Licht des Himmels brauchten.
[45:31] Und Simeon gibt dann diese Prophezeiung an Maria. Vers 34: „Siehe, diese ist gesetzt zum Fallen und zum Aufstehen viel an Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird.“ Er zeigt deutlich an, dass ein Konflikt geben wird, dass wenn Jesus kommt, dann singen zwar die Engel im Himmel, aber auf der Erde wird es einen Konflikt geben. Aber auch dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen, damit aus vielen Herzen die Gedanken offenbart werden.
[46:00] Und dann kommt die Hannah, ebenfalls eine Prophetin, die vom Heiligen Geist inspiriert ist, die ebenfalls Gott preist und zu allen redet, die gute Botschaft verkündigt, die auf die Erlösung gewartet haben.
[46:17] Danach wird berichtet, wie Maria und Josef mit dem kleinen Jesus zurück nach Nazareth gehen und wie Jesus dort wuchs und wie es hier heißt: „wurde stark im Geist.“ Und dann, Vers 41 bis 52, die letzte Geschichte diesem ganzen Komplex, bringt uns zurück zum Tempel. Jesus ist erneut im Tempel. Beim ersten Mal, da wurde er dargestellt, da wurde er dem Herrn geweiht und oft durch prophetische Vorhersage wurde deutlich, was seine Mission ist. Aber Jesus war zu klein damals, um das zu verstehen. In der zweiten Geschichte kommt er in einem Alter zum ersten Mal wieder zum Tempel, in dem er begreifen kann. Und als er beim Passahfest dort mit zwölf Jahren all die Opfer sieht, die geschehen und ihm die Erinnerung von Jesaja 53 im Hinterkopf aufleuchtet, da erkennt er zum ersten Mal, wer er ist und warum er gekommen ist.
[47:23] Als Maria und Josef, die ihn aus den Augen verloren haben, ihn wiederfinden nach tagelanger Suche, da sagt er zu ihnen auf die Frage, Vers 48: „Kind, warum hast du uns das getan? Sie, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht.“ Da sagt er zu ihnen: „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?“ Mit anderen Worten, nicht Josef, nicht du bist mein Vater, sondern Gott ist mein Vater. So wie der Engel gesagt hatte, das Heilige, das geboren werden würde, würde Sohn Gottes genannt werden. So wie die Elisabeth ausgerufen hatte, dass Maria die Mutter ihres Herrn sei. So wie Zacharias gesagt hatte, dass Gott sie besucht hat. So wie die Engel gesungen hatten, dass Christus der Retter geboren worden ist. So wie Simeon prophetisch ausgerufen hatte, dass das Licht zur Offenbarung für die Heiden und zur Verherrlichung des Volkes Israel, dass es da sei. So hat Jesus am Ende dieser ganzen Geschichte es selbst im Heiligtum entdeckt. Jesus musste es selbst erkennen und er erkannte seine Identität und seine Aufgabe dort im Tempel.
[48:59] Dort, als er im Tempel all das sah, was das Alte Testament beschrieb und die Lehre des Alten Testamentes verglichen mit dem, was er sah, erkannte er, wie das biblische Wort mit seinem Leben übereinstimmte. Und damit schließt sich der Bogen ganz an den Anfang dieser ganzen Geschichte von Kapitel 1 und 2. Denn dort hatten wir den Priester Zacharias, der im Tempel stand und all die Dinge sah, den Engel Gabriel und die Tatsache, dass er keine Kinder bekommen konnte und die Worte, die der Gabriel sprach und all diese Dinge. Und er genau wusste, dass das, was er sah und was er erlebte, mit der Bibel komplett übereinstimmte und er trotzdem nicht glaubte. Jesus ist das genaue Gegenbeispiel. Er war im Tempel, er sah die Dinge, er verglich es mit seinem Leben und machte die notwendigen Schlussfolgerungen. Er erkannte seine Rolle im Tempel.
[50:06] Die Geschichte beginnt im Tempel und sie endet im Tempel. Und auch meine und deine Geschichte beginnt und endet im Tempel. Es ist im Heiligtum, wenn wir das Heiligtum studieren, dass wir unsere eigene Identität erkennen. Die Aufgabe, die Gott für unser Leben hat, die können wir nur im Heiligtum erkennen. Und wenn es selbst für Jesus notwendig war, von Nazareth nach Jerusalem zu reisen, dann müssen auch wir etwas unternehmen. Dann müssen auch wir suchen und forschen im Heiligtum, um zu erkennen, was Gott für unser Leben plant. Und das Heiligtum ist unser großes Ziel. Nicht das irdische, das schon seit langer Zeit nicht mehr existiert, sondern das himmlische. Das zu diesem Zeitpunkt gereinigt und gerechtfertigt wird, wo wir einmal gemeinsam mit Jesus sein werden.
[51:07] Liebe Freunde, liebe Freundinnen, es gibt so viel mehr, was man sagen könnte zu diesen Kapiteln und diesen Geschichten hier. Die sind gut bekannt und trotzdem gibt es so viele Dinge, die man noch weiter studieren müsste. Aber eins ist deutlich geworden. Der Lukas, der schreibt nicht einfach Geschichte an Geschichte, so wie ein Gute-Nacht-Buch. Nein, er sorgt ganz sorgfältig, schreibt diese Geschichten so auf, dass wir durch das Vergleichen der Geschichten, Parallelen und Kontraste finden, dass wir den großen Bogen sehen, um eine rote Linie zu sehen, die unser Leben betrifft. Und der Hauptpunkt heute ist einfach der: Jesus erkannte seine Identität im Heiligtum. Erkennst du deine Identität? Willst du die Engelsbotschaft annehmen, die dir gesagt ist, um sie überall hin zu verbreiten, so wie es die Hirten gemacht haben, so wie es die Hannah gemacht hat, so wie es der Simeon gemacht hat? Diese gute Nachricht wirst du im Heiligtum finden. Gott segne dich in deiner Suche nach der Identität, die Gott für dich hat und darin, dass Gott dir auch die Kraft schenken wird, diese Aufgabe zu bewältigen.
[52:16] In den nächsten Wochen werden wir ausführlicher mit dem Leben, den Lehren und den Gleichnissen und den Wundern von Jesus uns beschäftigen und werden sehen, welche besondere Perspektive Lukas auf all das hat. Lasst uns gemeinsam mit einem Gebet schließen. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir über dein Wort nachdenken konnten und wir möchten dir danken, dass wir in diesem Wort sehen konnten, dass jeder Einzelne von uns einen Plan von dir hat, einen Plan, den du schon lange dir ausgedacht hast für unser Leben und dass, wenn wir die Bibel studieren, das Heiligtum, die Prophezeiung, dann können wir erkennen, wie die Prophezeiung und unser Leben in Einklang kommen. Bitte hilf uns, so wie Jesus, das anzunehmen, was du uns zeigst und nicht zu zweifeln wie Zacharias, sondern unsere Identität und unsere Botschaft direkt von dir zu nehmen. Im Namen Jesu beten wir dies. Amen.
[53:17] Gottes Segen für euch und nächste Woche sehen wir uns wieder, mit den nächsten Abschnitten aus dem Lukasevangelium. Bis dahin wünsche ich Gottes Segen, wie gesagt, und viel Freude im Studium seines Wortes.