Veröffentlicht am
1.237 Klicks

In dieser Predigt wird die biblische Geschichte von Jesus im Tempel mit zwölf Jahren beleuchtet. Christopher Kramp erklärt die Bedeutung des Passafestes und die religiösen Pflichten der Israeliten. Er beleuchtet, wie Jesus in diesem Alter seine Identität und Mission als Sohn Gottes erkannte und wie er mit Weisheit und Taktgefühl die religiösen Lehrer herausforderte. Die Lektionen über Gehorsam, Unterordnung und das tiefe Verständnis der Schrift werden hervorgehoben.


Weitere Aufnahmen

Serie: Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus

  • 0:0
  • 0:0
  • 0:0

Transkript

[0:30] Einen wunderschönen guten Abend. Hallo und herzlich willkommen zu unserem Seminar "Der Ersehnte". Heute mit etwas anderer Hintergrundausstattung. Diese Bänke dienen dem Pfadfindergottesdienst, den wir jetzt am Samstag haben werden. Nur das zur Erklärung, nicht, dass ihr euch wundert, was diese Bierbänke hier im Gottesdienstraum zu suchen haben. Die haben hier ihren Sinn für den kommenden Gottesdienst.

[0:53] Wir wollen heute mit dem nächsten Thema fortfahren in unserem Studium des Lebens Jesu. Wir wollen heute die interessante Geschichte in Lukas 2 anschauen, als Jesus zwölf Jahre alt gewesen ist und uns damit beschäftigen. Wir haben das letzte Mal damit aufgehört, dass Josef und Maria mit dem kleinen Baby Jesus nach Nazareth gezogen sind, weil Judäa ein zu gefährlicher Ort war. Ihr erinnert euch, Herodes der Große war zwar gestorben, aber sein Sohn Archelaus sollte über Judäa regieren. Und so zogen sie nach Galiläa in den Norden, wo Herodes Antipas, ein etwas milderer König, regierte. Und dann macht die Bibel einen Zeitsprung von etwa zwölf Jahren.

[1:45] An dieser Stelle wollen wir jetzt einhaken und ich möchte euch einladen, wo es möglich ist, dass wir gemeinsam niederknien für ein Anfangsgebet. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir danke sagen, dass wir dein Wort lesen dürfen, dass wir darüber nachdenken können. Wir möchten dich bitten, dass du uns die Weisheit schenkst, es so zu verstehen, wie wir es wirklich für unser Leben brauchen, dass wir gute Lektionen aus deinem Wort herausnehmen dürfen für unseren Alltag und dass wir das umsetzen, was wir gelesen haben. Bitte schenke uns die Gnade, dass wir aus deinem Wort leben dürfen, so wie du es verheißen hast und dass die Gegenwart Jesu uns ein ganz besonderes Geschenk ist, dass du uns machen möchtest. In seinem Namen beten wir. Amen.

[2:35] Lukas Kapitel 2 und dort Vers 41. Wer das letzte Mal damit aufgehört hat in Vers 40, dass die Bibel sagt, dass Jesus wuchs, er nahm zu an Weisheit und Gnade, er wurde stark im Geist, erfüllt mit Weisheit und Gottes Gnade war auf ihm. Und jetzt sehen wir in Lukas 2 Vers 41 die nächste Geschichte. Es heißt hier in Lukas 2 Vers 41: "Und seine Eltern, Maria und Josef natürlich, reisten jährlich am Passafest nach Jerusalem."

[3:12] Also zunächst einmal wollen wir uns die Frage stellen, was war eigentlich dieses Passafest? Was war dieses Passafest? Woher kam das? Dieses Passa, ja? Genau, das war das Fest, das daran erinnern sollte, dass Gott damals bei der Befreiung der Israeliten aus Ägypten, dass er verschonend an den israelitischen Häusern vorübergegangen ist. Dieses Vorübergehen kommt in dem Wort Passa zum Ausdruck. Genau, und warum ist Gott an den, an welchen Häusern ist Gott verschonend vorbeigegangen? Genau, wo das Blut an den Türpfosten gestrichen war, dort ist er verschonend vorbeigegangen. Und dieses Fest sollte eine ewige Erinnerung sein an die befreiende Kraft Gottes.

[4:18] Jetzt, an welchem Tag genau war dieser Auszug aus Ägypten? Wann war das Passafest? Genau, am 14. des ersten Monats. Der hieß dann später Nisan, zur Zeit Daniels. Zur Zeit Moses hieß der Monat Abib, wurde dann später Nisan. Also egal, ob er jetzt sagt 14. Nisan oder 14. Abib, spielt keine Rolle. Es war der 14. Tag des ersten Monats und zum Passa gehörte dann noch eine ganze Woche Feierlichkeiten, die wir gleich sehen werden.

[4:55] Und wie oft sollten eigentlich die Israeliten zu dem Ort kommen, den Gott ausgewählt hat im Jahr? Wie viele jährliche Feste gab es, wo die Israeliten explizit an einen bestimmten Ort gehen mussten, z.B. nach Jerusalem? Wie viel gab es davon? Drei, ganz genau. Können wir mal nachlesen in 2. Mose 34, 2. Mose 34 und dort Vers 23. 2. Mose 34 und dort Vers 23.

[5:44] Das heißt, "alles, was männlich ist bei dir, soll dreimal im Jahr erscheinen vor dem Herrscher, dem Herrn Gott." Es gab drei Feste, die konnte man nicht zu Hause feiern. Da sollte man eigentlich zu dem Ort gehen, den Gott ausgewählt hatte. Können wir nachlesen in 5. Mose. 5. Mose 12 und dort ab Vers 5. 5. Mose 12 und dort ab Vers 5. Dort heißt es: "sondern an dem Ort, den der Herr euer Gott aus allen euren Stämmen erwähnen wird, um seinen Namen dorthin zu setzen, damit er dort wohne, da sollt ihr ihn suchen und dahin sollt du kommen."

[6:38] Also Gott hat sich einen Ort ausgewählt und die Israeliten konnten nicht sagen: "Auch heute feiern wir das Passa in Hebron" oder "Dieses Jahr haben wir Lust, es mal im Süden zu feiern. Wir gehen mal nach Elat, da ans Meer, da kann man schön Urlaub machen." Nein, sie mussten an den Ort gehen, den Gott ausgewählt hat. Damit wollte Gott deutlich machen: Bei der Anbetung geht es um Gottes Anweisungen, nicht um unsere Wünsche.

[7:08] So sehr. Vers 11: "Und so soll es sein an dem Ort, den der Herr euer Gott erwählt, um seinen Namen dort wohnen zu lassen." Ja, die Stadt, mit der sein Name ausgerufen ist, wie später bei Daniel heißt. "Dorthin sollt ihr alles bringen, was ich euch gebiete: eure Brandopfer, eure Schlachtopfer, euer Zehnten und das Hebopfer von eurer Hand und alle eure auserlesen und Gelübde, die ihr dem Herrn geloben werdet."

[7:28] Das ist eigentlich interessant. Die Israeliten sollten ihre Opfer und alles, was sie essen wollten, sie sollten ja zu diesem Fest essen, sollten sie nach an diesen Ort bringen und jetzt dort essen. Warum hätten sie nicht gleich zu Hause bleiben können und einfach an das Passa denken können und dann zu Hause essen? Warum mussten sie das Essen mitnehmen, an diesen Ort gehen und dort an diesem Ort jetzt essen? Ist der Ort irgendwie heiliger gewesen? Also kann man nicht Gott auch genauso gut zu Hause dienen?

[7:57] Also mit anderen Worten, war das Essen irgendwie, was war der Grund, warum Gott sagt: Dreimal im Jahr? Es gab ja insgesamt sieben Feste, es gab ja verschiedene Feste und bei manchen Festen konnte man noch zu Hause bleiben. Bei drei Festen musste man nach Jerusalem. Und der Grund war ganz einfach der: Man musste an den Ort, den Gott erwählt hat, weil dort das Heiligtum war. Gott wollte, dass die Israeliten mindestens dreimal im Jahr selbst beim Heiligtum sind. Warum? Weil beim Heiligtum waren die Priester und die Priester waren die Lehrer des Volkes. Gott wollte sicherstellen, dass in regelmäßigen Abschnitten jeder Israelit immer wieder sich der Lehre des Wortes Gottes unterwirft, weil ansonsten, wenn man immer zu Hause bleibt und einfach nur so für sich selbst liest, da könnte man ja dann vielleicht irgendwie auch mal auf komische Ideen kommen. Und so sollten sie immer wieder sich von den Lehrern Israels auch belehren lassen, sie sollten sich unter das Wort Gottes stellen.

[9:13] Jetzt gab es ganz besondere Anweisungen, vor allem für das Passa. Schauen wir mal in 5. Mose 16. 5. Mose 16 und dort ab Vers 1. Das ist das Gebot zum Passafest. Ja, das war das, woran sich jetzt auch Josef und Maria gehalten haben. Dort heißt es in Vers 1: "Halte den Monat Abib und feiere dem Herrn deinem Gott das Passa. Denn im Monat Abib hat dich der Herr dein Gott bei Nacht aus Ägypten herausgeführt. Und du sollst dem Herrn deinem Gott als Passa Schafe und Rinder opfern an dem Ort, den der Herr erwählen wird, um seinen Namen dort wohnen zu lassen. Du darfst nichts Gesäuertes dazu essen. Du sollst sieben Tage lang ungesäuertes Brot des Elends dazu essen, denn du bist in eiliger Flucht aus dem Land Ägypten gezogen. Darum sollst du dein Leben lang an den Tag deines Auszugs aus dem Land Ägypten gedenken und es soll sieben Tage lang kein Sauerteig gesehen werden in deinem ganzen Gebiet und so weiter und so fort." Und Vers 8: "Sechs Tage sollst du Ungesäuertes essen und am siebten Tage ist eine Festversammlung für den Herrn deinen Gott, da sollst du kein Werk tun." Heißt also, am 14. war das Passa und am 15. begann für sieben Tage bis um den 22. das Fest der Ungesäuerten Brote. Josef und Maria gingen also nicht nach Jerusalem, um einen einzelnen Tag zu halten, sondern eine ganze Woche.

[11:00] Und das ist interessant. Mussten Israeliten schon immer nach Jerusalem gehen? War das von Anfang an Jerusalem der ausgewählte Platz? Ja oder nein? Eine Frage, wahrscheinlich nicht, oder? Jerusalem wurde erst erobert von David. Vorher war das ja gar keine israelitische Stadt. Es war ja vorher Jebus. Bevor David regierte, wo sind die Israeliten dorthin gegangen, wenn nicht nach Jerusalem, weil da gab es noch keinen Tempel? Ja, sie gingen alle. Schauen wir mal gemeinsam eine bekannte Geschichte. 1. Samuel 1 und dort Vers 3.

[11:43] Da gibt es einen bekannten Mann, nämlich Elkanah, der hatte zwei Frauen, nämlich die eine hieß Penina und die andere hieß Hannah. Und da heißt es, Vers 3: "Dieser ging nun Jahr für Jahr hinaus aus seiner Stadt, um den Herrn der Herrscharen anzubieten, um ihn zu opfern, wo?" In Rama? Vers 3: "Dieser Mann nun ging Jahr für Jahr hinaus aus seiner Stadt, um den Herrn der Herrscharen anzubieten und ihn zu opfern in Silo." Das Heiligtum stand für einen langen Zeitraum in Silo und erst später wurde es dann durch den Bau des Tempels nach Jerusalem verlagert. Das ist doch die berühmte Geschichte, wo die Hannah und die Penina und der Elkanah Jahr für Jahr nach Silo gehen, um dort das Passa zu feiern. Und ihr kennt die Geschichte nicht, was macht die Hannah? Sie weint und dann gelobte dem Herrn und dann kommt sie ja später das Kind, den Samuel. Das ist ganz interessant, weil wir schon festgestellt haben in unserem Seminar, dass das Gebet der Hannah ganz ähnlich ist zu dem Gebet von wem? Von Maria. Und die Hannah kommt jährlich nach Silo und wird irgendwann ihren Sohn an das Heiligtum abgeben. Und jetzt lesen wir eine Geschichte gleich von der Maria, die nach Jerusalem kommt, auch zum Passa und auch jetzt gleich eine Geschichte mit ihrem Sohn und dem Heiligtum und stellt fest, dass der eigentlich mehr zum Heiligtum gehört als zu ihr. Also die Geschichte mit Hannah und Samuel und Maria und Jesus ist ganz eng verknüpft durch diese Idee, dass sie jedes Jahr zu diesem Ort gegangen sind.

[13:40] Jetzt gehen wir zurück zu Lukas 2 und wollen sehen, dass ein bisschen Landgewinn hier. Lukas 2 und dort Vers 42. Lukas 2 und dort Vers 42.

[14:02] Lukas 2 Vers 42. Da heißt es: "Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie nach dem Brauch des Festes hinauf nach Jerusalem." Jesus war zwölf Jahre alt. Im Denken der Juden war das zwölfte Lebensjahr die Trennung zwischen Kindheit und Jugend. Ab diesem Zeitpunkt hat man jetzt spezielle religiöse Unterweisung bekommen. Ab diesem Zeitpunkt durfte man an den Feierlichkeiten teilnehmen. Es war also quasi sowas, was heutzutage als Jugendweihe bezeichnet wird, also der Schritt, wo man jetzt in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen wird sozusagen mit zwölf Jahren. Interessanterweise, die Bibel wusste schon damals, dass man viel früher eine Identität für sich selbst in Anspruch nimmt, als es heute oft so vermutet wird. Übrigens, ab dem Zeitpunkt, ab dem zwölften Lebensjahr wurden die Kinder Israels auch die Söhne des Gesetzes genannt und die Söhne Gottes, weil sie zu Gott gehörten. Die Söhne Gottes, die Söhne des Gesetzes. Also Jesus wurde jetzt Sohn Gottes genannt, nicht, weil er der Sohn Gottes war, sondern weil er zwölf Jahre alt war. Ganz interessant.

[15:20] Und welches Jahr ist das gewesen? Wir können es nicht ganz hundertprozentig sagen, weil wir nicht genau wissen, in welchem Jahr Jesus geboren worden ist. Wahrscheinlich ist er geboren, wie wir gesagt haben, im Herbst des Jahres 5 vor Christus oder 5, 6 vielleicht. Also, wenn wir davon ausgehen, dass er vielleicht im Jahre 5 vor Christus geboren worden ist, im Herbst vielleicht oder so, dann könnten wir sagen, dass eventuell, dass das Jahre 9 nach Christus war. Vielleicht auch das Jahre 8, also auf jeden Fall nicht mehr als 9, vielleicht auch 7, 8 oder 9 nach Christus ungefähr diese Zeit.

[15:54] Das war eine ganz interessante Zeit. Das Römische Reich war zu dieser Zeit ein bisschen in Aufruhr geraten, vor allem deswegen, weil dem Kaiser Augustus alle seine Thronfolge abhanden gingen, sind alle gestorben. Und dann musste er wohl oder übel einen Thronfolger adoptieren, den Tiberius, der dann später auch in Daniel 11 eine Rolle spielt. Und es gab Aufstände in Pannonien. Das ist, weiß jemand, wo Pannonien gewesen ist? Das ist heutige Jugoslawien. Da hat man sich gegen die Römer erhoben und in Nordafrika. Und die Germanen waren auch ganz, ganz wild. Da gab es einen Feldzug gegen die germanischen Markomannen und man hat versucht, sich zu besiegen. Und auch in Judäa gab es Veränderungen. Ich habe das letztes Mal schon erwähnt. Im Jahre 6 nach Christus ist der Archelaus, dieser böse Nachfolger von Herodes dem Großen, an den Kaiserstuhl gerufen worden, nach Rom. Man hat ihn der Verbrechen überführt. Man hat ihn abgesetzt, hat ihn nach Gallien verbannt und Judäa wurde jetzt eine römische Provinz. Statt einen anderen König einzusetzen, haben die Römer gesagt: "Wir haben genug von diesen ganzen Aufständen in Judäa. Wir setzen da jetzt einen römischen Stadthalter ein, der wird mit römischer Härte die Juden unter Kontrolle halten." Und Koponius wurde der erste Stadthalter in Judäa. Also als Jesus zum ersten Mal nach Jerusalem reiste, da gab es schon keinen König mehr in Judäa. Es gab nur noch römische Stadthalter.

[17:36] Und ob ihn das jetzt so sehr interessiert hat, weiß ich nicht. Vielleicht schon. Dieser Hinzug nach Jerusalem muss etwas Beeindruckendes gewesen sein. Schaut mal in den Psalmen. Einige Psalmen sind ja richtig diesen Zügen nach Jerusalem, diesen Wallfahrten gewidmet. Schaut mal, Psalm 42 zum Beispiel.

[17:55] Psalm 42 und dort Vers 5: "Daran will ich denken und meine Seele in mir ausschütten, wie ich dahin zog im Gedränge, mit ihnen feierlich der Hinschritt zum Haus Gottes, unter lautem Jubel und Lobgesang in der feiernden Menge." Das ist ein Psalmist, der beschreibt, dass wenn er ganz traurig ist und depressiv und die Sorgen ihn auffressen, erinnert er sich daran, wie er mit all dem Jubel zum Tempel gegangen ist. Das muss etwas sehr Erbauendes gewesen sein, dass selbst, wenn die Menschen dann zu Hause waren und in einer Krise waren, haben sie sich daran erinnert, wie es war, als sie mit der großen Masse nach Jerusalem gezogen sind.

[18:58] Noch ein Beispiel. Schaut mal mit mir in Psalm 122. Psalm 122, das ist tatsächlich eines dieser Wallfahrtslieder. Die wurden gesungen auf dem Weg. Also stellt euch vor, tausende von Menschen sind auf den Straßen unterwegs. Die kamen von allen Herren Ländern, weil die Juden waren zum Teil jetzt zerstreut. Da gab es Juden in Kleinasien und Juden in Babylon und Juden in Ägypten und Juden sonst wo. Die kamen von überall jetzt mit, aus ihren verschiedenen Sprachen zum Teil. Und zu der Zeit, weiß jemand, welche Jahreszeit das in unserem Kalender ist, der Abib, der Nisan? Ist das Sommer, Herbst, Winter, Frühling? Das ist Frühling. Das heißt, man muss sich vorstellen, das war früher, überall haben die Blumen geblüht. Das war eine ganz, also ganz schöne Atmosphäre. Und die Leute sind dort zu Fuß gegangen. Die Alten und die Frauen wurden auf Ochsen und auf Eseln transportiert. Und die Menschen haben gesungen. Lieder wie dieses zum Beispiel.

[20:01] In Vers 1 heißt es: "Ich freue mich an denen, die zu mir sagen: Lasst uns zum Haus des Herrn gehen. Nun stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem. Jerusalem, du bist gebaut als eine festgefügte Stadt, wohin die Stämme hinaufziehen. Die Stämme des Herrn, ein Zeugnis für Israel, um zu preisen den Namen des Herrn." Stell dir vor, wie das tausende Menschen so im Wechselgesang gesungen haben. Und dann sind sie so an Orten vorbeigekommen und die Väter haben ihren Kindern erzählt: "Hier ist der Ort, wo Jakob das erlebt hat, und hier ist der Ort, wo Abraham ein Altar gebaut hat. Und schau mal hier, da war die Schlacht damals zur Zeit der Könige und das und jenes." Das war eine ganz, ganz tolle Zeit. Und für Jesus, der das zum ersten Mal erlebt hat, muss das überwältigend gewesen sein. Er kannte die Geschichten aus der Bibel, er kannte die Psalmen, er wusste, welche Bedeutung Jerusalem hat. Und jetzt sollte er es zum ersten Mal mit eigenen Augen bewusst sehen. Er hat es ja als Baby gesehen, aber er hat es nicht mitbekommen.

[20:54] Und gehen wir zurück zu Lukas 2. Jesus war also wirklich, wirklich interessiert. Lukas 2 und dort Vers 43.

[21:24] Es heißt hier: "Und als sie die Tage vollendet hatten und wieder heimkehrten, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem und Josef und seine Mutter wussten es nicht." Jetzt, diese Tage vollendet waren. Welche Tage waren das nochmal? Wie viele Tage ging das Fest? Sieben Tage, also von 14 bis zum 22, also mit dem 14 zusammen sogar acht Tage. Dieses Fest, als es zu Ende war, jetzt kann man sich vorstellen, das war wie eine Konferenz, wie ein großes Camp Meeting sozusagen. Da kommen sie alle und man freut sich, dass man mal wieder die Freunde aus Anatolien sieht und die Bekannten aus Babylon. Und wie geht es euch? Und dann hat man mit dem noch einen Schwatz zu halten. Und Jesus wusste wohl, er kannte die menschlichen Herzen und er wusste, dass nach diesem Fest mit all seinen geistlichen Höhepunkten, die Leute dann in dem Trubel, was alles wir schnell vergessen würden, schon auf dem Heimweg würden sie wahrscheinlich wieder viele Sachen erzählen. Und er wollte wohl gerne seine Eltern für sich haben auf dem Rückweg. Er ist erst mal zurückgeblieben.

[22:43] Und Josef und Maria verlieren den Kontakt zu Jesus, ohne es zu merken. Ihr Lieben, das ist eine ganz, ganz wichtige Geschichte in der Bibel. Zwei Menschen, die sind gerade bei einer religiösen Veranstaltung gewesen, die waren am richtigen Ort, die haben das Richtige getan. Man kann ihnen keinen Vorwurf machen, sie haben keine Sünde begangen, sie haben kein Gebot übertreten oder so, aber sie haben den Kontakt zu Jesus verloren. Warum? Weil sie so beschäftigt waren mit, was der Cousin hier erzählt und was hier ist nicht wahr und Klatsch und Tratsch hier und erzähl hier und das ist nicht spannend da. Und sie waren gerade auf einer religiösen Veranstaltung gewesen und haben den Segen der Gegenwart Jesu unmerklich verloren. Wie oft passiert es, dass wir im Gottesdienst sind und im Gottesdienst ergriffen sind und wenn wir dann zu Hause sind, haben wir schon wieder fast alles vergessen, weil wir zwischenzeitlich eine Stunde nur profanes Zeug geredet haben mit irgendjemandem. Wir sind vielleicht bei einer Konferenz gewesen, sind so begeistert, aber kaum sind wir zu Hause angekommen, haben wir auf der Autofahrt schon sowieso viel Nebensächliches geredet, dass wir es schlicht und einfach vergessen, dass der Effekt so kurz anhaltend ist und dann wundern wir uns immer und dann sagen wir: "Ah, das ist wie eine Achterbahnfahrt, nicht wahr, geht auf und ab." Aber es liegt daran, dass wir so schnell alles wieder weg erzählen mit unserem so persönlichen Zeugs, was wir so alles für wichtig erachten. Sie haben Jesus aus den Augen verloren.

[24:33] Jetzt interessant ist, schaut mal Vers 44, da sie aber meinten, er wäre bei den Reisegefährten, zogen sie eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Bekannten und unter den Verwandten. Also mit anderen Worten, die haben schon irgendwann dann gemerkt, er ist ja gar nicht da, aber sie haben gesagt: "Naja, er wird schon wiederkommen." Sie waren also auf dem Weg, haben festgestellt, Jesus ist gerade nicht bei mir, aber naja, wenn ich einfach weitergehe, dann wird er bestimmt wiederkommen. Wie oft geschieht es, dass wir merken in unserem persönlichen Leben: "Moment mal, eigentlich habe ich jetzt gar keine ganz so feste Beziehung zu Jesus." Naja, wird schon wieder, ich gehe mal weiter, es kommt schon wieder, das wird sich von selbst ergeben. Und mit jedem Schritt, den sie gehen, entfernen sie sich weiter von Jesus. Was wäre die Entscheidung gewesen? Sie hätten sofort umdrehen müssen, aber sie haben gedacht: "Naja, das wird schon wieder." Aber Jesus zu finden, ist kein Selbstläufer. Sie gehen weiter in die falsche Richtung, sie suchen am falschen Ort. Sie wissen, dass Jesus fehlt, aber sie suchen ihn am falschen Ort und gehen immer weiter auf dem falschen Weg. Das ist eine interessante Parallele für unser Leben oft. Manchmal merken wir, dass Jesus uns fehlt, aber wir machen uns nicht die allergrößten Gedanken und suchen am falschen Ort nach Jesus und gehen weiter auf dem falschen Weg. Und natürlich, jeder Schritt auf dem falschen Weg hat natürlich die die Findung von Jesus verlangsamt, weil sie ja jeden Schritt zurückgehen mussten.

[26:15] Dann, als sie abends merken, er ist immer noch nicht da, dann haben sie plötzlich Angst bekommen, denn Jesus alleine in Jerusalem. Sie wussten ja noch, ich meine, das ist zwar zwölf Jahre her, aber sowas vergisst man nie, dass das eigene Kind umgebracht werden sollte oder, dass der König das Kind umbringen wollte. Jetzt ist er da alleine und die Römer sind jetzt auch keine Schafe, also keine Lämmer. Die werden auch vielleicht Böses vorhaben. Und plötzlich kriegen sie panische Angst, aber sie sind so weit gelaufen, sie müssen erst wieder zurück.

[26:54] Und Vers 45 sagt uns: "Und weil sie ihn nicht fanden, kehrten sie wieder nach Jerusalem zurück und suchten ihn." Und dann heißt es: "Und es geschah nach drei Tagen." Wie lange hat es gedauert, um Jesus zu verlieren? Wie lange hat es für sie gedauert, sich von Jesus zu entfernen? Das ging ganz schnell, oder? Sie waren den ganzen Weg ja von Jesus getrennt. Es war nur ein Moment der Unaufmerksamkeit und sie hatten Jesus aus den Augen verloren, aber es hat sie drei Tage gedauert, ihn wiederzufinden. Drei Tage. Das heißt, der erste Tag, das war der Tag, wo sie in die falsche Richtung gelaufen sind, bis zum Abend. Am zweiten Tag mussten sie den ganzen Weg, die ganze Tagesreise wieder zurücklaufen. Und dann am dritten Tag haben sie ihn in Jerusalem gefunden.

[27:54] Jetzt ist es interessant, nach drei Tagen oder anders ausgesprochen, am dritten Tag finden sie Jesus im Tempel wieder. Woran erinnert euch das, dieses am dritten Tag, nach drei Tagen? Jesus würde doch ein paar Jahre später ebenso in Jerusalem verloren gehen, oder? Auch zu welcher Jahreszeit? Zum Passafest, oder? In ein paar Jahren würde Jesus ebenfalls zum Passafest kommen und seine Mutter würde ihn dort wieder verlieren, aber diesmal nicht im Tempel, sondern sie würde ihn aus dem Land der Lebendigen verlieren. Und das wäre eine noch herbere Enttäuschung als das. Und wann würde sie ihn wiederfinden? Nach drei Tagen. Das heißt, diese Geschichte ist nicht einfach nur eine interessante Geschichte, die uns lernen sollte, dass wir auf unsere Kinder aufpassen sollen, sondern sie hat bereits im Kern so eine Art Typus auf das Kreuz. Und deswegen hat Lukas sie auch ausgewählt. Es war ja nicht umsonst am Passa, das Passa, das er auf das Kreuz hinweisen sollte, am dritten Tag.

[29:17] Naja, sie finden ihn jetzt im Tempel sitzen mitten unter den Lehrern. Ich glaube, Josef und Maria, die haben sich bestimmt gefreut, dass er endlich mal sich zu Füßen der Rabbiner setzt, weil eigentlich war Jesus jemand, der sich von den Rabbis keine Tradition hat oktroyieren lassen. Er hat sich streng an die Bibel gehalten, aber menschliche Traditionen haben ihn gar nicht tangiert. Das hat er nicht eingehalten. Und es wird berichtet, dass Maria und Josef immer gesagt haben: "Jetzt geh doch in die rabbinischen Schulen, da kannst du was lernen." Und er ist nie gegangen. Er wollte von den Rabbis nicht verdorben werden. Und sie haben sich wahrscheinlich gehofft, dass wenn sie nach Jerusalem gehen, dass sie da vielleicht einen berühmten Rabbi finden, den Jesus akzeptieren würde.

[30:11] Und was Jesus natürlich fasziniert hat, war nicht so sehr die Rabbis, sondern was hat ihn fasziniert eigentlich, als er dort mit zwölf Jahren zum ersten Mal da war? Jesus, der die Prophezeiungen kannte, dem ist an dieser Woche, wahrscheinlich im Jahre neun oder so, da ist ihm gedämmert, das Dilemma, die dort geschlachtet werden, dass das sein Leben darstellt. Ellen White sagt, in dieser Woche hat er sich zurückgezogen, weil er hat ein großes Problem studiert. In seinem jugendlichen Kopf von zwölf Jahren hat er das zusammengebracht, was all die Lehrer, all die Rabbis Israels nicht zusammenbrachten, nämlich der kommende Messias wird leiden und nicht die Römer vertreiben, das würde er gar nicht tun. Er wird leiden für die Menschen. Er hat Jesaja 53 verstanden, er hat den Opferdienst verstanden, er hat das alles kombiniert, was er sah, was er wusste und er mit seinem Leben verknüpft und plötzlich fiel vieles ihm wie Schuppen von den Augen. Ich bin derjenige, der für die Menschheit sterben soll.

[31:33] Und als er das verstanden hat, das ist interessant, als er das verstanden hat, war sein erster Wunsch, es anderen mitzuteilen. Jesus hat von dem Zeitpunkt an, wo er die Botschaft Gottes für sich selbst verstanden hat, sich gewünscht, anderen es weiterzugeben. Nun, er war zwölf Jahre alt, hatte keine Schule besucht, hatte keinen Doktorgrad in irgendwas und da waren diese großen Rabbis, die berühmten, mit ihren Schulen, mit ihren Nachfolgern, wie sollte er ihnen jetzt beibringen, was er herausgefunden hatte. Und da finden wir eine so wunderbare Formulierung hier.

[32:10] Es heißt, er saß mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie befragte. Jesus ist so ein Beispiel für Taktgefühl. Wenn Jesus da mit seinen zwölf Jahren reingekommen wäre und hätte gesagt: "Hört mal zu, ihr habt keine Ahnung, ihr legt das alles falsch aus, ich werde euch jetzt sagen, wie es ist." Was hätten sie gesagt? "Zurück nach Galiläa, du ungebildeter junger Mann." Also hat er sich hingesetzt, er hat sich hingesetzt und hat zugehört, hat zugehört, sich all den Unsinn angehört, den die Rabbis erzählen und hat Fragen gestellt. Er hat nicht gesagt: "Das ist falsch", er hat nur gefragt.

[32:57] Also stellen wir vor, wenn die Rabbis erzählt haben und wie wir wissen, wird bald der Messias kommen. Daniel sagt, bald kommt der Messias und er wird die Römer vertreiben und dann werden wir ein Königtum haben und so weiter und so fort. Und alle in der Schule haben gesagt: "Ja, wunderbar" und im Tempel haben sie gerufen: "Ja, das soll so kommen." Und dann stellen wir vor, wie Jesus seinen Arm hebt und sagt: "Entschuldigung, was genau meint eigentlich Jesaja 53, wenn es heißt, er hat unsere Sünden getragen, er wurde für uns geschlagen?" Der Rabbi dann wahrscheinlich hat sich so ein bisschen gewunden und gesagt: "Aber das hat ja mit Daniel 9 nichts zu tun." Und dann hat dann Jesus vielleicht die Hand gehoben: "Was genau meint es in Daniel 9, dass der Fürst ausgerottet werden wird, wie es da heißt in Vers 26 nach den Wochen." Und was bedeutet es, dass die Schlange zertreten wird, aber dass sie gleichzeitig in die Ferse? Was bedeutet das?

[34:01] Und mit seinen Fragen, mit seinen höflichen Fragen hat er Wahrheiten gepredigt. Also nicht dumme Fragen gefragt, sondern er hat Fragen gestellt, von denen er wusste, dass die Zuhörer jetzt plötzlich das Evangelium besser verstehen konnten. Und es heißt da in Vers 47: "Es erstaunten aber alle, die ihn hörten, über sein Verständnis und seine Antworten." Ja, die haben sich gefragt: "Ja, Moment mal, wo hat er das denn her? So wie er die ganzen Bibeltexte verknüpft, das hat er in keiner rabbinischen Schule gelernt. Ja, das ist ganz anders als alles, was dargestellt worden ist."

[34:37] Das Geheimnis, das Jesus hatte, schon mit zwölf Jahren, findet sich im Psalm 119. Schaut man, Psalm 119. Alle haben sich verwundert über sein Verständnis, über seine Bibelkenntnis. Aber Jesus kannte ein Prinzip im Psalm 119, Vers 99, das eben in Lukas 2 vielleicht seine brillanteste Erfüllung gefunden hat. Also Lukas 2 ist die Erfüllung dieses Verses. Psalm 119, Vers 99: "Ich bin verständiger geworden als was? Als alle meine Lehrer." Warum? "Denn über deine Zeugnisse sinne ich nach." Die Bibel verheißt, dass wer über die Bibel nachdenkt, verständiger wird als alle seine Lehrer. Jesus war es gewohnt, über die Bibel nachzudenken. Wenn er draußen in der Natur war, hat er biblische Texte mit der Naturbeobachtung verknüpft. Er hat die Bibel im Kopf gehabt, hat darüber nachgedacht, hat sie studiert, umgesetzt und er war klüger als alle Doktoren, die übrigens Hebräisch konnten, das war ja quasi schon fast wie Muttersprache. Und seine Fragen haben deutlich gemacht, er war klüger als sie, aber nicht einfach intellektuell klüger, er hatte die biblische Botschaft verstanden.

[36:11] Übrigens, in Johannes 7 heißt es, dass das in seinem Leben mehrmals passiert ist. In Johannes 7 und dort Vers 15 lesen wir. Johannes 7 Vers 15: "Und die Juden verwunderten sich und sprachen: Woher kennt dieser die Schriften? Er hat doch nicht studiert, er hat keinen Bachelor, keinen Master, er hat nichts, hat keinen Zertifikat. Woher kennt er die Bibel?" Oh, ich wünschte mir, ich wünschte mir, dass alle Geschwister die Bibel studieren würden, dass man von jedem Einzelnen unserer Brüder und Schwestern in Deutschland sagen könnte: "Woher kennt er denn eigentlich die Bibel so gut?" Er hat doch nicht studiert, hat er auch nicht, braucht er auch nicht, weil ich bin verständiger als alle meine Lehrer, denn über deine Zeugnisse sinne ich nach.

[37:10] Dabei kommt es nicht darauf an, dass ich so viel wie möglich lese, sondern das, was ich weiß, immer wieder in Gedanken bewege. Das ist der entscheidende Prozess, weil dann Gott mir eine Wahrheit nach der anderen offenbart, weil der Heilige Geist sprechen kann, wenn ich über sein Gesetz nachdenke. Ja, und die Rabbis, die waren mehr damit beschäftigt, was hat denn der Rabbi X gesagt, was hat der Rabbi vor 10 Jahren gesagt und der vor 50 Jahren und sie wollten alles wissen, was es zu wissen gibt und haben dabei die eine Quelle vergessen, die entscheidend ist. Sie haben einfach alles Nebensächliche gewusst, aber nicht mehr das Entscheidende. Und die Herausforderung für uns auch ist, dass wir immer das Entscheidende nachdenken.

[37:53] Jesus hat sich nicht damit beschwert, Dissertationen von irgendwelchen Rabbis zu lesen. Er hat nicht versucht nachzuvollziehen, welcher Rabbi mit wem diskutiert hat, über welchen Streitpunkt. Nein, er hat gesagt: "Das war vollkommen egal, ich lese die Bibel selbst und denke darüber nach." Und schon mit zwölf Jahren hat er die Rabbis in den Schatten gestellt, im wahrsten Sinne des Wortes, obwohl eigentlich muss man es anders sagen, er hat sie ins Licht gestellt, buchstäblich. Ellen White sagt übrigens sogar, wenn seine Worte, die er dort gesprochen hätte, als Fragen formuliert, wenn man die ernst, also wenn man die nicht nur beachtet hätte, sondern auch umgesetzt hätte, es hätte eine Reformation der Religion in Judäa gegeben. Also quasi das wäre so etwas wie in der Reformation bei Martin Luther geworden. Das Volk hätte, wenn sie das ernst genommen hätten, gesagt haben: "Okay, diese Fragen sind nicht nur unglaublich interessant, sondern er meint ja wirklich mich." Es hätte das religiöse System Judas revolutioniert, also reformiert vielmehr und das Volk wäre viel mehr vorbereitet gewesen, wenn er dann 18 Jahre später seinen Dienst begonnen hätte.

[39:04] Aber was wir hier lernen ist, die Menschen dort im Tempel waren alle erstaunt, sie waren begeistert, sie waren: "Oh wow, guck mal, ein junger Mann, der das alles kann und das ist ja interessant und ich war so ein Wunderkind, ja." So haben wir vielleicht applaudiert, aber sie haben die Botschaft nicht umgesetzt. Und manchmal sind wir begeistert von der Botschaft und sagen: "Oh wow, ich habe noch nie so was Außergewöhnliches gehört." Spannend. Machen wir die Bibel zu und leben genauso wie vorher und dann hätten wir genau dasselbe Problem. Gott möchte nicht, dass wir alle paar Tage uns mit völlig neuen, interessanten Ideen beschäftigen, oh wow, ist das spannend. Gott möchte, dass wir diese Dinge umsetzen. Dazu hat er sie gegeben.

[39:44] Und naja, zurück zu Lukas 2. In Lukas 2 und dort Vers 48. Und als sie ihn sahen, waren sie bestürzt. Josef und Maria kommen in den Tempel, sehen ihn dort und hören diese Fragen, Fragen und die Rabbis dort verlegen machen und sind bestürzt. Und seine Mutter sprach zu ihm: "Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht."

[40:31] Hier haben wir die erste große Krise im Leben des Ersehnten. Warum? Maria macht etwas, wenn sie darüber nachgedacht hätte, was sie getan hat, hätte sie es wohl nicht getan. Ich meine, sie war natürlich aufgeregt, sie hatte Angst um Jesus natürlich, aber sie wusste ja im Herzen, es war ihre Schuld, weil sie muss auf den zwölfjährigen Jesus aufpassen. Das hat sie nicht getan und jetzt hat sie ihn gesucht und als sie kommt, sagt sie nicht: "Es tut mir leid, wir haben dich vergessen, verzeih", sondern sie versucht die Schuld von sich auf ihn zu lenken. Das kennen wir von Adam und Eva: "Die Frau, die du gemacht hast." Aber das ist fatal, denn was sie tut, ist, sie beschuldigt Jesus, einen Fehler gemacht zu haben. Sie beschuldigt Jesus sogar, also wenn du die Worte genau liest, dann klingt es ja fast so, als ob er sich wissentlich rebellisch widersetzt hat. "Was hast du uns getan?" Jetzt, wenn das wahr gewesen wäre, das wäre ein ziemlicher Angriff auf seinen messianischen Anspruch gewesen, denn als Messias musste er sündlos sein. Ein ziemlich, ziemlich subtiler Angriff, ohne dass er es wollte. Aber wenn dort Leute noch genauer zugehört hätten, hätten die gesagt, weil Jesus hat ja später mal sagen können: "Wer von euch überführt mich an der Sünde?" Wenn dort Leute genauer zugehört hätten, hätte jemand sagen können: "Deine Mutter hat früher gesagt, dass du rebellisch gewesen bist." Das heißt, diese aufbrausenden Worte, diese unbedachten Worte der Maria waren eine echte Gefahr für Jesus. Und das zeigt uns auch manchmal, wie sehr wir Unrecht tun können, nur weil wir vielleicht von unserem eigenen Versagen ablenken wollen und vielleicht irgendwie das von uns ablenken oder auf jemand anderen schieben und dann könnte großes Unheil entstehen.

[42:33] Naja, aber Jesus hat sich nicht davon provozieren lassen, sondern schaut mal, was er sagt in Vers 49. Er sprach zu ihnen: "Weshalb habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?" Was hat die Maria vorher gesagt? "Dein Vater und ich haben dich gesucht." Und Jesus sagt: "Mein Vater hat mich gar nicht gesucht, mein Vater weiß, dass ich hier bin. Josef hat mich gesucht, aber Josef ist nicht mein Vater. Gott im Himmel ist mein Vater und du, Maria, weißt es eigentlich." Das, was Maria wusste, was er vielleicht, also ich kann mir vorstellen, dass Jesus mit sechs und sieben und acht Jahren in seiner kindlichen Natur den Josef Papa genannt hat, Vater genannt hat, ja, weil er war legal der Vater, er war also juristisch gesehen der Vater, weil er hat sich um das Kind gekümmert, aber biologisch war er nicht der Vater. Und Jesus erkennt hier mit zwölf Jahren, als er seine Identität erkennt, weiß er auch, wer sein wahrer Vater ist.

[43:44] Übrigens, Jesus, der sündlose Jesus musste mit zwölf Jahren von Nazareth nach Jerusalem reisen, um im Heiligtum seine wahre Identität und seine wahre Mission zu finden. Wenn du wissen willst, was dein, was Gottes Plan für dein Leben ist, dann finden wir diesen Plan im Heiligtum. Wenn wir wissen wollen, wozu Gott uns geschaffen hat, was unsere Aufgabe ist, was unsere Mission ist, dann schau ins Heiligtum. Jesus kam zum Heiligtum und hat im Heiligtum seine Identität gefunden und als er seine Identität gefunden hatte, als er seine wahre Beziehung zu Gott gefunden hat, dann war er auch in der Lage, notfalls von seinen Eltern sich zu distanzieren. Für ihn war jetzt deutlich: Gott ist mir wichtiger als die Eltern. Er hat seine Eltern geliebt, werden wir gleich sehen, aber er hat die richtige Priorität gesetzt.

[44:53] Übrigens, in diesen Worten ist auch ein kleiner, stiller Tadel enthalten, denn als er sagt: "Wusstest du nicht, wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?" Sagt er: "Schaut, ich habe eine Aufgabe und ich muss doch meine Aufgabe erfüllen, oder? Ich muss doch meine Aufgabe erfüllen." Ohne dass das anspricht konkret, aber schwingt dort mit: "Ihr hattet auch eine Aufgabe, nämlich mich zu behüten, und ihr habt eure Aufgabe nicht erfüllt. Ihr hättet auf mich aufpassen sollen, ihr habt eure Aufgabe nicht erfüllt, aber schaut, ich habe eine Aufgabe und ich erfülle meine Aufgabe." Also da kann man von Jesus lernen. Ich meine, wir hätten vielleicht, also als ich zwölf war oder als wir, hätten gesagt: "Mama, Papa, ihr hättet auf mich aufpassen müssen, es war eure Aufgabe, wie kannst du nur, wie kannst du jetzt noch über mich schimpfen?" Aber Jesus hat nicht so reagiert. Jesus hat so taktvoll wie möglich, so liebevoll ihnen zu verstehen gegeben, durch die Blume, durch eine duftende Blume: "Ihr habt nicht auf mich aufgepasst, ihr habt nicht eure Aufgabe erfüllt", indem er sagt: "Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, wusstet ihr nicht, dass ich meine Aufgabe erfüllen muss?" Also man kann von Jesus unglaublich viel in Bezug auf Höflichkeit, auf Taktgefühl lernen.

[46:07] Schauen wir mal gemeinsam in Vers 50. "Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte." Wisst ihr, in dem Moment, wo Jesus seine Mission begriff, an demselben Tag begann diese lange, tragische Geschichte von Menschen, die nicht verstanden haben. Er hatte gerade erst verstanden, was seine Mission war, da ging es schon los, dass Menschen ihn nicht mehr verstanden haben. Und das sollte sein Leben lang so weiter durchziehen. Ihr könnt es lesen, immer wieder heißt es von den Jüngern: "Sie verstanden nicht, was er sagt, es war ihnen zu geheimnisvoll, sie haben es nicht begriffen." Er hat manchmal ihnen direkt ins Angesicht gesagt: "Ich werde sterben, ich werde gekreuzigt werden, ich werde das und das und das und das." Das heißt, sie verstanden es nicht, es war ihnen zu wunderbar, sie konnten es nicht begreifen. Jesus musste lernen, dass wenn er Gott folgt, er Unverständnis von Menschen, sogar von Menschen, die ihm nahe sind, ja, ertragen muss. Und wenn das sogar dem sündlosen Jesus so ging, wie viel mehr ist uns? Dass Menschen uns nicht verstehen, wenn wir uns für Gott entscheiden, wenn wir Gott folgen.

[47:21] "Sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte." Und dann kommt ein interessanter Vers, Vers 51. "Und er ging mit ihnen hinab und dann heißt es explizit und kam nach Nazareth und ordnete sich ihnen unter." Das ist doch interessant, oder? Stellt euch vor, wann hat man das erlebt, dass ein pubertierender Junge, der zudem als einziger pubertierender Junge jemals immer recht hatte, in jedem Fall, sich immer untergeordnet hat. Das ist doch erstaunlich, oder? Das ist wirklich erstaunlich.

[48:11] In einem Alter, wo Jungs und Mädchen wahrscheinlich auch gerne auch mal rebellieren und sagen: "Nein Mama, Papa, ich habe jetzt meine eigene Meinung." Er ordnete sich unter, obwohl er gerade festgestellt hatte, dass er der Sohn Gottes ist. Was würden andere machen mit dem Wissen, dass sie Gottes Sohn sind, dass sie Göttlichkeit in sich haben, wenn sie zwölf Jahre alt sind? Überleg mal, stell dir vor, du wüsstest, ich habe Göttlichkeit in mir. Man kann sich ja draußen umschauen, so die 13, 14-Jährigen, die Halbstarken, was würden die nicht alles damit machen, wenn sie Göttlichkeit in sich hätten. Jesus hat sich untergeordnet, nicht erst mit 30, als er getauft wurde, sondern er hat sich schon mit zwölf Jahren untergeordnet, unter seine Eltern, die ihn gerade angegriffen haben und zwar zu Unrecht.

[49:06] Und da kann man eine ganze Menge lernen. Das ist nämlich das Prinzip von "Ehre Vater und Mutter". Gilt auch dann, wenn Vater und Mutter im Unrecht sind. Das überträgt sich auch auf den Staat. Das ist der Grund, warum wir der Obrigkeit untertan sein sollen, auch wenn die Obrigkeit nicht in allem Recht hat, was sie tut. Wir sollen nur der Obrigkeit nicht untertan sein, wenn sie von uns etwas fordert, was gegen Gottes Gebot ist. Und das hat Jesus auch gemacht. Wenn Maria und Josef von ihm etwas gefordert haben, was der Bibel widerspricht, dann hat er mit größter Freundlichkeit und liebevoller Stimme nein gesagt, deutlich nein. Keine Kompromisse mit dem rabbinischen, dem Unsinn, den die Rabbiner gelehrt haben, aber wann immer es sein Gewissen vereinbaren konnte, ordnete er sich unter.

[49:49] Schaut mal mit mir gemeinsam Epheser 5, Vers 21. Gleich am Ende angelangt. Epheser 5, Vers 21. Heißt es, Epheser 5, Vers 21: "Ordnet euch einander unter in der Furcht Gottes." Das ist etwas, was auch wir lernen müssen, uns einander unterzuordnen, auch wenn der andere mal im Unrecht ist. Jesus hat ja allen Grund gesagt: "Ich bin jetzt erstmal skeptisch, was euch betrifft. Ihr habt mich gerade erst verlassen, ihr habt mich vergessen." Das ist kein schönes Gefühl, wenn man vergessen wird, oder? Wenn die weggehen und den fällt erst so nach ein paar Stunden auf, dass man weg ist. Da kriegen wir eigentlich den Trauma, ihr lebt davon. Aber Jesus hat sich untergeordnet.

[50:47] Und es kann sein, dass auch in der Gemeinde unter und zwischen Menschen, ich meine, Leute uns wehtun, uns vergessen, uns nicht mal irgendwas antun und wir denken: "Ordnet euch einander unter." Und Jesus ist mit zwölf Jahren nicht nur den Rabbis, sondern seinen Eltern und allen in Nazareth ein großes Vorbild gewesen.

[51:08] Und dann muss man sich überlegen, er, der jetzt mit zwölf Jahren wusste, dass er Gottes Sohn ist und dass er für die ganze Menschheit das Opfer bringen soll. Er ging zurück nach Nazareth und lebte in den nächsten 18 Jahren ein unbekannter, freundlicher Zimmermann. Und niemand außer Maria wusste, dass bei ihm was ganz, ganz tief, geheim anwesend war, was der Menschheit zum Segen werden sollte. 18 Jahre von diesem Zeitpunkt an verschwindet er buchstäblich wieder in der Versenkung und es gibt keine Berichte von ihm in der Bibel. Es ist nur diese eine Geschichte, wo er kurz auftaucht im Tempel und man einen Einblick bekommt, wie er war als Kind und Jugendlicher und dann ist er wieder verschwunden, so unscheinbar. Erinnert euch an das Schössling, das kleine unscheinbare Pflänzchen. Aber er wuchs und nächstes Mal wollen wir dann anschauen, in welcher Zeit er groß geworden ist und wie seine Umstände gewesen sind.

[52:26] Und jetzt wollen wir noch gemeinsam ein Abschlussgebet haben. Lasst uns niederknien, wenn möglich.

[52:42] Lieber Vater im Himmel, wir danken dir von ganzem Herzen, dass wir im Leben von Jesus so viele praktische Lektionen lernen können, die uns helfen, unser Leben zu gestalten. Wir möchten dich bitten, dass, je mehr wir auf Jesus schauen, auf die Art und Weise, wie er mit Menschen umgegangen ist und wie er sich verhalten hat, dass wir immer mehr verwandelt werden in sein Ebenbild, dass wir ihn immer mehr widerspiegeln und reflektieren. Wir möchten dich um Vergebung bitten, wo wir anders gehandelt haben, als Jesus es uns vorgelebt hat. Wir möchten dich bitten, dass du uns diese Höflichkeit, dieses Taktgefühl und auch diese Unterordnung schenkst und den unbedingten Willen, dein Wort so zu verstehen, wie du es gemeint hast. Im Namen Jesu beten wir dies. Amen.

[53:43] Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!


Lizenz

Copyright ©2015 Joel Media Ministry e.V.
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.