In dieser Predigt wird die Geschichte der blutflüssigen Frau und der Tochter des Jairus aus den Evangelien beleuchtet. Christopher Kramp erklärt die Bedeutung des Blutflusses im jüdischen Gesetz und die verzweifelte Suche der Frau nach Heilung bei Ärzten, die ihr nicht helfen konnten. Er betont, wie wichtig der Glaube ist, der selbst die kleinste Berührung mit Jesus in eine Quelle der Heilung verwandelt. Die Predigt zeigt, dass Jesus sich Zeit für jeden Einzelnen nimmt, auch wenn die Umstände drängend sind, und dass sein Wort und seine Berührung mehr bewirken können als alle menschlichen Bemühungen.
Der Ersehnte: 127. „Seit zwölf Jahren den Blutfluss“
Christopher Kramp · Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus ·Themen: Bibel, Bibelstudium, JesusPodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Der Ersehnte
„Der Ersehnte“ wird das Leben und Wirken von Jesus Christus detailliert und chronologisch beleuchten. Die verschiedenen Evangeliumsberichte werden in ein harmonisches Ganzes zusammengefügt und die vielen alttestamentlichen Wurzeln und Bezüge aufgezeigt. Über allem steht der Wunsch, unseren Herrn und Erlöser in Seinem alltäglichen Leben besser kennen zu lernen. Diese Aufnahmen sind einer Videoserie auf https://www.joelmedia.de/serien/der-ersehnte/ entnommen.
Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:
Weitere Aufnahmen
Serie: Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus
-
0:0
-
0:0
-
0:0
Transkript
[5:00] Als Jesus im Schiff wieder ans jenseitige Ufer hinüber gefahren war, versammelte sich eine große Volksmenge bei ihm, und er war am See. Also er hat sich erstmal am See aufgehalten. Was hat er da wohl gemacht? Was wird er gemacht haben, wenn da eine große Volksmenge ist, die alle auf ihn gewartet haben? Er hat gepredigt und geheilt. Genau, was er immer gemacht hat.
[5:28] Und in beiden Berichten, in Markus und in Lukas, lesen wir jetzt gleich die Geschichte, die wir heute studieren wollen. Nämlich, dass jetzt als nächstes ein Oberster kommt, ein Oberster der Synagoge. Aber nur das so als zeitliche Einordnung. Also er kommt jetzt wieder an. Er ist jetzt wieder am See. Und wir lesen dann, dass da jetzt ein Vorsteher kommt.
[5:59] Aber Matthäus, der sonst nicht so ausführlich die Geschichte berichtet, gibt uns noch ein wesentliches Detail. Und damit haben wir dann die komplette Wiederholung beendet. Nämlich in Matthäus Kapitel 9 und dort Vers 18, da wird auch das Kommen dieses Vorstehers der Synagoge berichtet. Allerdings im Zusammenhang mit den beiden Geschichten, die wir am Ende vor der Sommerpause studiert haben. In Vers 18, Matthäus 9, Vers 18 heißt es: „Und als er dies mit ihnen redete, siehe, da kam ein Vorsteher und so weiter und so fort.“ Das heißt, der Vorsteher und die Geschichte, die wir heute anschauen wollen, die passiert genau genommen, nachdem Jesus dies geredet hat.
[6:48] Und was hat er hier geredet vorher in Matthäus 9? Wenn ihr die Verse vorher anschaut, was sind die Dinge, die er gerade gesagt hat? Also das war nicht mehr am See, sondern da ist jetzt noch was dazwischen passiert. Nämlich, das waren die letzten beiden Folgen vor der Sommerpause. Jesus hatte eine Frage gestellt bekommen. Nämlich in Vers 14 bis 17. Was war die Frage? Die Frage nach dem Fasten. Genau, da kamen die Jünger des Johannes. Könnt ihr euch erinnern? Die Jünger des Johannes kamen und fragten: „Warum fastet ihr nicht?“ Und wisst ihr noch, wo sie ihn getroffen haben? Bei welcher Gelegenheit? Das ist die Verse vorher. Vers 13, 12, 11, 10. Wo war Jesus? Direkt jetzt nach dem See. Wo haben sie ihn getroffen mit der Frage? Wo hat er sich aufgehalten? In Vers 10, 11, 12, 13. Auch da kommen die Pharisäer und fragen. Beim Essen, genau. Und er war beim Fest. Und wisst ihr noch, wer dieses Fest organisiert hat? Das Fest von Levi Matthäus. Könnt ihr euch erinnern? Der Levi Matthäus, der macht dieses Fest, lädt alle Zöllner und Sünder ein und Jesus isst mit ihnen. Und dann kommen erst die Pharisäer und fragen: „Wieso isst du mit den Zöllnern und den Sündern?“ Und Jesus erklärt es ihnen anhand der Bibel, dass er dafür gekommen ist. Nicht die Starken brauchen einen Arzt, sondern die Kranken. Und dann kommen die Jünger des Johannes und sagen: „Warum fastest du nicht?“ Und er sagt: „Naja, schau mal.“ Also durch die Blume gesagt: „Ich faste, ihr fastet nicht. Ja, ihr esst nicht, aber ich mache das wahre Fasten aus Jesaja. Ich löse die Fesseln der Gebundenen.“
[8:26] Und als er das redet, als er zurückgekommen ist, am See gewesen ist, hat gelehrt, geheilt, hat dann das Festmal bei Levi Matthäus gehabt. Und während er dort redet und während er gerade dieses Gleichnis gibt von dem Wein und den Schläuchen und so weiter, kommt jetzt der Vorsteher und trifft ihn bei dem Fest. Also haltet es im Hinterkopf. Der Vorsteher trifft ihn bei dem Fest. Jesus ist gerade dabei, den Pharisäern zu erklären, warum man sich mit Sündern abgeben sollte. Und er ist dabei, den Jüngern des Johannes zu erklären, was wahres Fasten ist. Und wahres Fasten, haben wir gelernt, ist, wenn ich mich für andere hingebe, auf das Eigene vielleicht verzichte, damit anderen es gut geht. Und auch die Geschichte, die wir jetzt anschauen wollen von dem Vorsteher, der jetzt gleich kommen wird, die hat eigentlich was damit zu tun, dass Jesus dieses wahre Fasten illustriert. Was nämlich daran besteht, für andere da zu sein und ihnen zu helfen, ein Licht zu sein und ihnen zu helfen.
[9:27] Jetzt schauen wir uns mal die Geschichte genauer an und wir fangen mal in Markus an. Weil Markus ist in diesen Geschichten oft der ausführlichste, so wie auch schon bei den Besessenen. Markus 5 und dort Vers 22. Vielleicht kann das mal jemand von euch vorlesen mit Mikro. In Markus 5 und dort Vers 22.
[9:47] „Da kam einer von den Vorstehern der Synagoge mit Namen Jairus. Und als er Jesus sah, fiel er ihm zu Füßen.“ Genau, danke, bis dahin erstmal. Also da kommt jetzt so ein Vorsteher der Synagoge. Also wie könnte man ihn noch bezeichnen? Zu welcher Gruppe gehörte er, wenn er ein so ein Leiter, ein Synagogenleiter war? Ein Rabbi oder? Ein Rabbi, ein Pharisäer. Also einer von denen, die normalerweise mit Jesus nicht viel am Hut haben wollten. Und dieser heißt Jairus. Kennt ihr einen alttestamentlichen Namen, der so ähnlich klingt wie Jairus im Hebräischen? Da habt ihr vielleicht mal was von Jair gehört. Das war einer der Fürsten im Volk Israel, der das ganze Land Baschan erobert hat. Da spricht es immer von den Dörfern Jair im alten Testament. Und Jair heißt eigentlich übersetzt der Erleuchter, also derjenige, der anderen Licht bringt. Ganz interessant. Also hier kommt jetzt so quasi der Gemeindeleiter der örtlichen Synagoge und der kommt jetzt und sagt mit diesem interessanten Namen Jairus und wirft sich vor ihm nieder.
[11:19] Wann war das letzte Mal, dass wir gesehen haben, dass sich jemand vor Jesus niederwirft? Wenn ihr sozusagen im Kontext der letzten Geschichte noch mal überlegt. Wann war das letzte Mal, dass sich jemand vor Jesus niedergeworfen hat? Jesus war ja gerade gewesen auf der anderen Seite des Ufers. Die Besessenen haben sich auch vor ihm niederwerfen. Ganz interessant. Für die Jünger muss es ganz interessant gewesen sein. Erst werfen sich die Besessenen vor Jesus nieder und werden geheilt. Und jetzt kommt einer dieser Pharisäer, einer der Höchsten da lokal und er wirft sich vor Jesus nieder. Wir kennen vielleicht noch die Geschichte, wie Petrus sich vor Jesus niederwirft. Also er möchte wirklich, dass Jesus ihm hilft.
[12:01] Das Interessante ist, Ellen White sagt, wisst ihr, was die Jünger gedacht haben, als sie sehen, dass Jesus ihm hilft? Was die Jünger gesagt haben? Ellen White sagt, die Jünger, obwohl sie so viele verschiedene Wunder gesehen haben, sie waren überrascht, dass Jesus einem Pharisäer helfen würde. Sie waren erstaunt. Die hatten ja gerade erlebt, wie die ganzen Pharisäer kommen und sich beschweren: „Warum esst ihr mit den Zöllnern und den Sündern?“ Und Jesus hat ihnen geklärt, die Sünder brauchen Hilfe, nicht die Starken. Und vielleicht haben die Jünger dann so gedacht: „Naja, also dann ist unsere Aufgabe vielleicht nur für die Sünder, aber nicht für die Rabbis, nicht für die Pharisäer.“ Jetzt kommt ein Pharisäer, wirft sich zu den Füßen Jesu und die Jünger sind erstaunt. Jesus hilft ihm. Sie hatten vielleicht schon angefangen, so ein kleines Feindbild aufzubauen gegen die Pharisäer, aber Jesus wollte ihm helfen.
[12:53] Interessant ist auch, wenn man das mit Vergleichen, Lukas 8 und dort Vers 41, da haben wir den Parallelbericht, wir werden ein bisschen springen zwischen Markus 5 und Lukas 8, also könnt ihr so ein bisschen eure Bänder oder Finger da drin lassen. In Lukas 8 und dort Vers 41, da heißt es: „Und siehe, es kam ein Mann namens Jairus, der war ein Oberster der Synagoge, und er warf sich Jesus zu Füßen.“ Und da wird jetzt noch mehr gesagt: „und bat ihn, in sein Haus zu kommen.“
[13:31] Jetzt frage an euch: Kennt ihr eine andere Geschichte aus dem Leben Jesu, wo jemand zu Jesus kommt und ihn bittet: „Komm in mein Haus, um jemand anderem zu helfen?“ Ja, da sagt Jesus: „Ich will in dein Haus kommen.“ Der römische Hauptmann, in welcher Stadt war der römische Hauptmann? Der Hauptmann von Kapernaum, und der Hauptmann lässt zu Jesus senden und sagt: „Komm zu mir, komm in mein Haus.“ Aber kommt Jesus in sein Haus am Ende? Nein, sondern auf dem halben Weg sendet der Hauptmann nochmal und sagt: „Übrigens, sprich nur ein Wort.“
[14:25] Kennt ihr noch eine Geschichte, wo jemand zu Jesus kommt und sagt: „Komm bitte in mein Haus, jemand braucht dort Hilfe.“ Das hätte sich auch schon ereignet. Schaut mal, lasst euren Finger hier in Johannes 4, also deutlich vorher in Johannes 4 und dort Vers 46. Johannes 4 Vers 46: „Jesus kam nun wieder nach Cana in Galiläa, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte, und da gab es einen königlichen Beamten, dessen Sohn lag krank in Kapernaum. Als dieser hörte, dass Jesus aus Judäa nach Galiläa gekommen war, ging er zu ihm und bat ihn, er möchte herabkommen und seinen Sohn gesund machen, denn er lag im Sterben.“
[15:09] Also wir haben jetzt einen königlichen Beamten, der lebt in Kapernaum und hört von Jesus und geht zu Jesus und sagt: „Bitte, bitte, bitte, komm in mein Haus und heile meinen Sohn.“ Dann haben wir einen römischen Hauptmann, der lebt in Kapernaum, der kommt zu Jesus und lässt Jesus senden und sagt: „Bitte, bitte, bitte, komm in mein Haus und heile meinen Knecht.“ Und jetzt haben wir hier einen Synagogen-Vorsteher. Und der Text sagt nicht genau, in welcher Stadt es ist, aber die Wahrscheinlichkeit ist nicht so gering, dass das hier Kapernaum ist, denn das ist der Ort, an dem Jesus fast die ganze Zeit gewesen ist. Also möglicherweise haben wir drei Geschichten von drei großen Leuten, einem königlichen Beamten, einem römischen Hauptmann und einem Synagogen-Vorsteher, die alle in Kapernaum wohnen und die alle zu Jesus kommen und die alle sagen: „Bitte, komm in mein Haus und heile meinen Sohn, meine Tochter, meinen Sklaven.“
[16:04] Und bei dem römischen Hauptmann, also bei dem königlichen Beamten Johannes 4, ist Jesus überhaupt losgegangen. In Johannes 4 ist Jesus geblieben, wo er war. Wie hat er den Sohn geheilt? Allein durch sein Wort. In Johannes 4 hat Jesus sich nicht vom Fleck bewegt. Bei dem römischen Hauptmann ist er gegangen, aber auf der Hälfte des Weges hat der Hauptmann gesagt: „Du brauchst nicht, sprich nur ein Wort.“ Und bei dem hier? Wird Jesus gehen oder nicht gehen? Jesus geht und er kommt sogar an und heilt die dann im Haus.
[16:43] Also drei Geschichten, vermutlich alle drei in Kapernaum oder um Kapernaum herum, drei verschiedene Würdenträger, ein Synagogenvorsteher, also theologisch, ein königlicher Beamter und ein römischer Hauptmann. Und in allen drei Fällen ist es quasi unterschiedlich. Jesus bleibt, bleibt wo er ist, heilt durch sein Wort. Er geht auf dem halben Weg, heilt durch sein Wort. Und man würde ja denken, und die anderen beiden Geschichten sind schon passiert, man würde ja denken, Jesus kann einfach dem Synagogenvorsteher sagen: „Hey, weißt du was, ich mache das einfach durch mein Wort.“ Aber er geht und er geht den ganzen Weg, denn offensichtlich weiß er, dass es in dem Fall wichtig ist, den Weg zu gehen. Ihr wisst schon warum, oder? Denn auf dem Weg trifft er gleich noch jemand anders. Das ist sehr interessant, da kann man mal sehen, wie unterschiedlich Jesus in verschiedenen Situationen reagiert hat, weil, wie wir gleich noch sehen werden, er da einen Plan hatte.
[17:34] Lukas 8 zurück, Lukas 8 und dort Vers 42. Was sagt dieser Hauptmann, oder die Verzeihung, dieser Synagogenvorsteher vielmehr gesagt, Lukas 8 Vers 42: „Denn er hatte eine einzige Tochter von etwa zwölf Jahren, und diese lag im Sterben.“
[18:05] Als er aber hinging, bedrängte ihn die Volksmenge. Eine einzige Tochter. Ihr kennt wahrscheinlich schon die Geschichte, oder? Ihr wisst, wie es ausgeht, oder? Was passiert mit der Tochter später? Machen wir mal ein bisschen, verraten wir das Ende schon. Was passiert mit der Tochter? Erst, wird sie sterben, ja oder nein? Die Tochter des Jairus, die stirbt. Was passiert später mit ihr? Sie wird wieder auferweckt. Das ist die einzige Tochter. Bis dahin hatte Jesus mindestens schon eine andere Person auferweckt. Wisst ihr noch, welche Person das war? Das war in Lukas 7. Da gab es die erste Totenauferweckung, die Jesus jemals gemacht hat. Wen hat er da auferweckt, damals in Lukas 7? Das war die Tabitha, die kommt später in der Apostelgeschichte. Wen hat er hier in Lukas 7 auferweckt, in Vers 11 von 12? Da kommt er nach Nain und da heißt es: „Wie er sich dem Stadttor näherte, siehe, da wurde ein Toter herausgetragen, der einzige Sohn seiner Mutter, der Jüngling von Nain.“
[19:17] Also das sind die ersten beiden Geschichten über Totenauferstehung, die wir haben im Neuen Testament, sind einmal Jesus weckt den einzigen Sohn einer Mutter auf und einmal die einzige Tochter eines Vorstehers. Ganz interessant, ja. Also ich weiß nicht, ob das einen tiefen Sinn hat, aber es ist ganz interessant. Die einzige Tochter, der einzige Sohn, die einzige Tochter. Der Schmerz war ganz besonders groß und sie war, halte das im Hinterkopf, sie war zwölf Jahre alt ungefähr.
[19:48] Jetzt gehen wir noch ganz kurz zu Markus nochmal, Markus 5 und schauen, was er denn genau gesagt hat. Dieser Synagogenvorsteher, der war ja ein studierter Theologe, hoher Reputation und der wirft sich vor diesem Wanderprediger, diesem unstudierten Wanderprediger nieder und sagt: „Hilf mir.“ In Vers 23, in Markus 5, Vers 23 heißt es: „Und er bat ihn sehr.“ Es heißt nicht nur er bat ihn, er bat ihn sehr und sprach: „Mein, und wie geht es weiter? Mein Töchterlein.“
[20:16] Er sagt nicht einmal meine Tochter, er sagt mein Töchterlein. Was kommt denn darüber? Dass sie jung war, genau und? Er mag sie, ja, es ist so, es ist mein Töchterlein. Er sagt nicht meine Tochter, mein Töchterlein. Ganz viel Liebe, väterliche Liebe, die da rauskommt. Ja, mein Töchterlein liegt in den letzten Zügen. Könnt ihr euch das vorstellen? Er hat eine einzige Tochter und die ist kurz im Sterben und es ist für ihn auch eine Tragödie, dass er möglicherweise ihren Tod nicht mehr mitbekommt, weil er jetzt Jesus suchen muss. Er weiß, er hat nicht mehr viel Zeit. Die Zeit tickt. Er sagt: „Meine, mein Töchterlein liegt in den letzten Zügen. Komm doch und lege ihr die Hände auf, damit sie gesund wird und am Leben bleibt.“
[21:01] Übrigens, im Griechischen ist das richtig stockend. Das ist nicht so schön ausformuliert wie im Deutschen. Das ist mehr so: „Mein Töchterlein liegt im Sterben, dass du kommst.“ Ja, also er sagt nicht mal, ich wünsche mir, dass du kommst, sondern so, dass du kommst. Er kann die Sätze kaum richtig im Griechischen aussprechen und er wünscht sich, dass Jesus die Hände auflegt, denn wir lesen immer wieder in den Evangelien, dass Jesus geheilt hat durch Hände auflegen. Das heißt: „Er legte ihnen die Hände auf und heilte sie alle von ihren Gebrechen.“ Das wünscht er sich auch.
[21:29] Jetzt schauen wir Vers 24. Was macht Jesus? Wer mag mal lesen? Vers 24, Markus 5, Vers 24: „Und er ging mit ihm, und es folgte ihm eine große Menge nach, und sie bedrängten ihn.“ Genau, Jesus macht sich auf den Weg, wie wir schon gesagt haben. Er sagt: „Ich helfe dir.“ Und die Jünger wundern sich, er hilft dem Rabbi, diesem hochmütigen, wie Ellen White, diesem hochmütigen Pharisäer und er nimmt die Jünger mit. Das wird aus Matthäus deutlich, aber brauchen wir jetzt nicht lesen. Seine Jünger begleiten ihn, aber das Problem ist, alle anderen kommen auch mit und die Menge bedrängt ihn und das hat welche Auswirkungen auf das Schritttempo? Langsam. Und wem hat das am allermeisten gewurmt? Jairus. Der weiß, die Uhr tickt und jeder will was von Jesus.
[22:27] Vielleicht habt ihr das schon mal erlebt, dass ihr jemanden ganz schnell irgendwo haben wolltet und tausend Leute sind um ihn herum und jeder fragt ihn und überall sagt er noch ein nettes Wort und legt auch seine Hand auf und macht dies und jenes und der Jairus denkt: „Meine Güte, meine Güte. Ja, ist ja gut, aber bei mir ist es am dringendsten, oder?“ Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr denkt: „Bei mir ist es am allerdringendsten und alle anderen können noch mal warten?“
[22:46] Ellen White sagt, das Haus von dem Obersten war gar nicht weit entfernt, aber sie kamen nur langsam voran, weil die Menge halt von allen Seiten drückte und drängte. Der Vater war so ungeduldig wegen der Verzögerung. Aber Jesus, sagt sie interessanterweise, Jesus hat so viel Mitleid mit den Menschen gehabt. Er hat immer wieder angehalten und hat noch Leidende geheilt und hat, manchmal waren auch einfach nur Traurige da. Er hat einfach dann den Traurigen Mut zugesprochen. Und der Jairus hat wahrscheinlich gedacht: „Jesus, das kannst du doch in einer Stunde auch noch machen. Warum sagst du denen jetzt nette Worte, wenn mein Kind im Sterben liegt?“ Manchmal versteht man das nicht immer gleich so. Diese Verzögerung, auch wenn wir manchmal beten und eine dringende Gebetserhöhung brauchen, weil wir denken, jetzt ist es kurz vor knapp, oder? Und dann sieht es so aus, als ob sich Jesus um alle möglichen Leute kümmert und nicht so dringend um unser Anliegen. Aber Jesus hat einen Grund, denn diese Geschichte ist nicht nur die Geschichte von der Tochter der Jairus, sondern, ganz interessant, es ist eigentlich eine Geschichte von zwei Personen, von zwei Frauen.
[23:56] Und jetzt kommt die zweite Frau. Die eine Frau, die Tochter, die Jairus, die liegt da halbtot im Bett und wir werden sie noch nicht sehen. Aber jetzt in Vers 25 kommt eine zweite Hauptperson ins Spiel. Nämlich, wer mag das mal lesen? Vers 25.
[24:07] „Und da war eine Frau, die hatte den Blutfluss seit zwölf Jahren.“ Genau, da kommt jetzt diese blutflüssige Frau. Und sowohl Markus als auch Lukas sagen uns explizit, sie hat den Blutfluss für wie lange? Zwölf Jahre. Zwölf Jahre haben wir schon mal gelernt, nämlich, oder gelesen, wo? Die Tochter zwölf Jahre. Die Tochter zwölf, die lebt seit zwölf Jahren. Diese Frau hat seit zwölf Jahren den Blutfluss. Da soll einmal das Leben einer Zwölftjährigen gerettet werden. Hier soll ein zwölf Jahre altes Problem beseitigt werden. Ganz interessant.
[24:53] Jetzt, was bedeutet das, wenn sie Blutfluss hat? Schauen wir mal in das alte Testament, in 3. Mose 15. Dort finden wir unter diesen ganzen Gesetzen, die meistens gar nicht so viel studiert werden, aber sehr interessant sind, in 3. Mose 15 auch die Verordnung über die Unreinheiten bei Männern und Frauen. Und dort gibt es ein paar Dinge zum Blutfluss. Vers 19, 3. Mose 15, Vers 19: „Wenn eine Frau Ausfluss hat, und zwar den Blutfluss ihres Fleisches, so soll sie sieben Tage lang in ihrer Unreinheit verbleiben, und jeder, der sie, was ist das nächste Wort, jeder, der sie anrührt, wird was sein? Unrein bis zum Abend.“
[25:37] Halten wir mal ganz grundsätzlich fest: Blutfluss macht im jüdischen Zeremonialgesetz kultisch unrein. Alles, was diese Frau berührt, wird unrein. Nach kultischem Zeremonialgesetz.
[25:55] Vers 20: „Und alles, worauf sie in ihrer Unreinheit liegt, wird unrein. Auch alles, worauf sie sitzt, wird unrein.“ Also betrifft das nur Menschen und auch Kleidungsstücke und Textilien und Gegenstände. Alles, womit sie in Kontakt kommt, wird unrein. Das ist ganz interessant, das im Nachhinein im Hinterkopf zu behalten.
[26:15] Das gilt nicht nur für die monatliche Blutung, sondern wenn ihr jetzt mal weiterschaut, in Vers 25, da heißt es: „Wenn aber eine Frau ihren Blutfluss eine lange Zeit hat, außerhalb der Zeit ihrer Unreinheit oder über die Zeit ihrer Unreinheit hinaus, so wird sie unrein sein während der ganzen Dauer ihres Ausflusses. Wie in den Tagen ihrer Unreinheit soll sie auch dann unrein sein.“ Dann wird das Gleiche beschrieben: „Jedes Lager, worauf sie während der ganzen Zeit ihres Ausflusses liegt, soll sein wie das Lager ihrer Unreinheit. Auch alles, worauf sie sitzt, wird unrein sein, ebenso wie zur Zeit ihrer Unreinheit.“
[26:51] Mit anderen Worten, wenn eine Frau über ihre monatliche Periode hinaus Blutfluss hat, Blutung hat, dann ist sie, solange sie blutet, unrein. Wie lange blutet diese Frau? Seit zwölf Jahren. Diese Frau war seit zwölf Jahren unrein und alles, was sie berührt hat und alles, womit sie in Kontakt gekommen ist, wurde unrein.
[27:15] Und dann interessanterweise steht in Vers 28: „Wird sie aber rein von ihrem Ausfluss, so soll sie sieben Tage zählen, danach soll sie rein sein.“ Das war so ernst, das heißt, wenn es aufgehört hat, man noch sieben Tage extra warten musste, bis man sagen konnte, man ist rein. Und dann muss ein Opfer gebracht werden, Vers 29, 30. Und dann steht Vers 31: „So sollt ihr die Kinder Israels von ihrer Unreinheit absondern, damit sie nicht wegen ihrer Unreinheit sterben, wenn sie meine Wohnung verunreinigen, die in ihrer Mitte ist.“
[27:52] Die Idee ist sehr ernst, das war jetzt keine Kleinigkeit, wo man sagen könnte, das ist vollkommen egal, sondern durch diese Unreinheit konnte das Heiligtum verunreinigt werden. Und Gott wollte, das hat natürlich auch hygienische Gründe, aber es sollte auch geistliche Dinge verdeutlichen. Und diese Frau war also dauerhaft unrein.
[28:14] Hier ist nicht das kleine, zarte Töchterlein des wichtigsten Mannes der Stadt, um das man sich natürlich gerne kümmert, weil sie ist klein, zart, niedlich und außerdem ist er der wichtigste Mann im Ort, sondern hier ist eine Frau, die seit zwölf Jahren unrein ist. Also in gewisser Weise, es gibt eine Parallele zwischen den beiden, aber auch einen starken Kontrast. Und Jesus ist genauso willig, wie er ist, diesem Töchterlein zu helfen, so willig ist er dieser unreinen Frau zu helfen. Er macht keinen Unterschied. Er sagt nicht: „Lass mich mal in Ruhe, ich habe jetzt etwas Wichtiges zu tun.“ Er ist für alle da.
[28:56] Aber diese Geschichte nimmt eine ganz interessante Wendung. Schauen wir mal in Lukas 8. In Lukas 8 und dort Vers 43. Uns wird nämlich noch mehr gesagt über diese Frau. Es heißt nämlich in Lukas 8 Vers 43: „Und eine Frau, die seit zwölf Jahren den Blutfluss hatte und wie viel an die Ärzte gewandt hatte.“
[29:17] All ihr Gut an die Ärzte gewandt hatte, aber von keinem geheilt werden konnte. Mit anderen Worten, die Frau wollte, also was kann man schlussfolgern, wenn sie alles investiert hat, um geheilt zu werden? Sie wollte gesund werden. Sie wollte wirklich gesund werden. Das war ihr nicht egal. Sie hat alles versucht, was Menschenmöglich war. Sie hat alle Ärzte ausprobiert, hat alles, was sie hatte, gegeben und es war nicht gut genug.
[29:52] Ein interessantes Bild auch für die Erlösung. Wir können versuchen, von der Sünde frei zu werden und wir können buchstäblich alles geben, was wir haben und alle menschlichen Gurus aufsuchen mit all ihren Philosophien und all ihren Theorien und es wird nicht besser werden. Man wird nicht geheilt werden.
[30:16] Schaut mal, lasst mir einen Finger hier drin, in Psalm 108 und dort Vers 13. Psalm 108 Vers 13 sagt:
[30:29] „Schaffe uns Hilfe in der Drangsal, Menschenhilfe ist ja nichtig.“ Genau, wenn es um echte Hilfe geht, die unser Leben verändern soll, ist Menschenhilfe nichtig.
[30:45] Kennt ihr jemanden im Alten Testament, der auch krank geworden ist, von dem es explizit heißt, er hat nicht Gott gesucht, sondern die Ärzte? Da gibt es einen König, der hatte eine Fußkrankheit. Das war der König Asa. Der König Asa wurde am Ende seines Lebens krank und da heißt es dann in Chroniken: „Er suchte nicht den Herrn, sondern die Ärzte, und das hat ihm gar nichts geholfen.“
[31:10] Und naja, auch Markus berichtet von dieser blutflüssigen Frau, dass sie bei den Ärzten war, aber Markus berichtet das Ganze noch etwas interessanter. Schaut mal in Markus 5, Vers 26. Also diese Frau hat alles ausgegeben für die Ärzte und Lukas sagt, es hat ihr nicht geholfen. Aber Markus geht noch einen Schritt weiter, er setzt noch einen drauf. Schaut mal in Vers 26, er sagt:
[31:38] „Und sie hatte was?“ „Sie hatte viel erlitten von vielen Ärzten.“ Nicht nur hat es ihr nicht geholfen, es hat ihr noch Schmerzen gemacht. Es hat ihr gut aufgewendet, ohne dass es ihr geholfen hätte. Es war vielmehr noch schlimmer geworden.
[31:55] Jetzt könnt ihr euch denken, warum Lukas das nicht so ausführlich sagt. Also Markus sagt, es ist noch schlimmer geworden durch die Ärzte. Die Ärzte haben ihr noch wehgetan und Lukas sagt nur: „Naja, es hat nicht geholfen.“ Warum hat Lukas das so ein bisschen abgerundet? Lukas ist Arzt, nicht wahr? Und er will jetzt seine Mitärzte nicht allzu schlecht machen. Aber Markus legt den Finger auf die Wunden und sagt, diese Ärzte zumindest hier, die waren eine Katastrophe.
[32:19] Und das liest man so und denkt: „Naja, okay, was wird das schon gewesen sein?“ Man weiß heute, was die jüdischen Ärzte bei Blutfluss verschrieben haben. Das ist ganz interessant. Also stellt euch vor, diese Frau kommt jetzt zu so einem Arzt und wir wissen das von einem gewissen Rabbi Jochanan, der sagt ganz genau: „Wenn das und das ist, dann mach das und mach das.“ Und die erste Medizin war, da hieß es: „Nimm Gummiharz aus Alexandra, Alaun, das ist so ein Doppelsalz, ein bisschen mit Aluminium, das wurde eigentlich als Flammschutzmittel und als Deo verwandt. Nimm das und Färberdistel, das war so Färbstoff, und tu es in gleichen Teilen in Wein und dann trink das.“
[33:09] Und wenn das nicht funktioniert, kommt das zweite Rezept, nämlich: „Nimm persische Zwiebeln und koche sie in Wein und wenn du sie trinkst, muss der Arzt sagen: Steh auf von deinem Blutfluss.“ Und wenn das nicht funktioniert, ist die dritte Medizin: „Setze die Frau, die am Blutfluss leidet, an eine Kreuzung mit einem Becher Wein in der Hand und dann muss jemand von hinten sich heimlich anschleichen und sie erschrecken und sagen: Steh auf von deinem Blutfluss.“ Also die Leute haben gedacht, dass man dadurch irgendwie geheilt wird.
[33:41] Und wenn das nicht funktioniert, dann war die Variante: „Nimm Kreuzkümmel, Krokus und Bockshornklee, koche das und trinke das und wieder mit der Aufforderung: Steh auf von deiner Unreinheit, von deinem Blutfluss.“ Und wenn das immer noch nicht funktioniert, dann sollte man sieben Gräben ausgraben und in diesen Gräben junge Weinstockzweige verbrennen und die Frau soll dann mit einem Glas Wein, irgendwie war der immer dabei, dann sich über diese Gräben hocken, wo unten drunter ihr so ein Weinstock verbrennt und dann über den nächsten und dafür sollte wieder gesagt werden: „Steh auf von deinem Blutfluss.“
[34:13] Also ihr seht schon, das war ziemliche Quacksalberei. Und es ist vielleicht auch ganz gut zu wissen, weil wenn man das liest, denkt man, dass hier die Bibel gegen alle Medizin aller Zeiten spricht. Die Bibel spricht hier gegen so eine Art von Medizin. Manche Leute denken, man darf nie und unter keinen Umständen zum Arzt gehen, aber die Bibel spricht hier gegen so einen Unsinn.
[34:33] Aber das kann man sich vorstellen, das kostet alles Geld, sind teure Stoffe zum Teil vielleicht, manches davon ist sogar regelrecht schädlich, tut vielleicht auch weh, wenn da irgendwie unter einem was brennt und da soll da irgendwie, also ziemlich krass und die Frau hat trotzdem alles geglaubt, sie hat alles gemacht, sie hat alles gegeben und es hat nicht funktioniert, es hat weh getan und es wurde noch schlimmer.
[35:00] Was interessant ist, dass diese Frau jetzt nicht erst auf die Idee kam, sondern, und deswegen habe ich das hier noch mal wiederholt, Ellen White sagt, sie hatte all ihr Gut auf die Ärzte und Arzneien verwendet und sie wurde dann als unheilbar bezeichnet. Irgendwann hat man gesagt: „So nach weiß nicht wie lange, aber dir kann man nicht helfen, du bist unheilbar.“ Auch wieder interessant, wenn man jetzt so daran denkt in Bezug auf die Sünde, das ist das Bild für die Sünde, der Blutfluss, dass wenn man versucht aus eigener Kraft das zu lösen, hilft es nur nichts, sondern es wird noch schlimmer. Wenn man aus eigener Kraft versucht das zu lösen, mit menschlichen Mitteln, es wird schlimmer, es tut wahnsinnig weh im Herzen und irgendwann hat man das Gefühl, man ist unheilbar.
[35:48] Und jetzt sagt sie: „Aber ihre Hoffnung wurde wieder zum Leben erweckt, als sie davon hörte, welche Heilungen Jesus durchgeführt hatte. Sie fühlte, dass sie, wenn sie nur zu ihm gehen könnte, war sie sich sicher, würde sie geheilt werden.“ In Schwachheit und mit Leiden kam sie zum See, wo er lehrte. Also mit anderen Worten, jetzt als Jesus von diesen ganzen, von den Gadarenern zurückkommt, wo die Schweine dann in die See gesprungen sind, als er zurückkommt und am See ist und dort lehrt und heilt, da ist sie schon dabei. Sie hat gehört, Jesus kommt zurück, Jesus ist da und sie steht dort und versucht zu ihm durchzudringen und Ellen White sagt, sie wollte durch die Menge durch, aber sie hat es nicht geschafft. Und dann sagt sie, sie ist ihm später zum Haus von Levi Matthäus gefolgt, aber auch da war sie nicht in der Lage, ihn zu erreichen.
[36:56] Also sie ist schon seit einiger Zeit unterwegs, sie sagt: „Ah, Jesus ist da und dann geht sie dahin und dann kommt sie nicht hin und dann geht Jesus zum Haus, zum Fest und ist dort mit den ganzen Zöllnern und Sündern und sie will da irgendwie hin, aber sie kommt da nicht rein.“ Und jetzt kommt da der Vorsteher und führt Jesus weg und sie sagt schon, Ellen White sagt, sie hatte angefangen zu verzweifeln, als plötzlich Jesus, der jetzt seinen Weg so nimmt, in ihrer Nähe vorbeigeht. Und man hat so fast den Eindruck, die Bibel sagt es nicht explizit, man hat fast so den Eindruck, der Jesus, der beim Hauptmann, den Knecht des Hauptmanns mit seinem Wort heilen konnte und der den Sohn des königlichen Beamten durch sein Wort geheilt hat, dass dieser Jesus in diesem Fall deswegen gegangen ist, um eben diese Frau zu treffen, die von alleine nicht zu ihm kommen konnte.
[37:50] Also hier haben wir eine Frau, die hat alles versucht, was sie konnte und es hat nichts funktioniert, es wurde immer schlimmer und als sie von Jesus hörte, wollte sie zu Jesus kommen, konnte es aber nicht einmal alleine und Jesus stellt sich ihr jetzt quasi in den Weg. Er weiß ganz genau, dass in dieser großen, großen Masse eine Frau ist, die leidet seit zwölf Jahren und er weiß ganz genau, die schafft es nicht zu mir durch, die Leute lassen sie nicht durch. Also gehe ich jetzt mit dem Rabbi, weil das bringt mich in ihre Nähe.
[38:29] Vers 27: „Als sie nun von Jesus hörte, kam sie unter dem Volk von hinten heran und rührte sein Gewand.“ Das ist auch interessant, ja. Jesus ist nicht einfach auf sie zugekommen und gesagt: „Ich weiß genau, was dein Problem ist“, sondern er hat sich nur in ihre Nähe begeben, so dass sie jetzt die Möglichkeit hatte, ihn möglicherweise zu erreichen. Sie kommt von hinten heran und jetzt denkt daran, sie ist ja eigentlich was? Sie ist was? Aufgrund ihres Blutflusses ist sie unrein. Jetzt riskiert sie ja natürlich, erkannt zu werden, denn wenn sie durch die Masse zu Jesus vordringt, was macht sie? Sie berührt lauter Leute, die alle nach Zeremonialgesetz unrein werden. Aber sie dringt durch und sie hofft, quasi nicht gesehen zu werden, weil das auch gefährlich ist für sie sozusagen.
[39:21] Und sie kommt von hinten, schleicht sich sozusagen an und in Vers 28 steht sogar, was sie sich gesagt hat. Vers 28: „Denn sie sagte sich: Was hat sie sich gesagt?“
[39:35] „Wenn ich nur sein Gewand anrühre, so werde ich geheilt.“ Vielleicht hat sie sich nicht mal getraut, ihn persönlich anzurühren. Nur sein Gewand. Und im Griechischen ist es so, dass es nicht einfach eine Idee ist, die sie kurz hatte, sondern während sie sich durchkämpft, hat sie sich das ständig gesagt. „So, wenn ich ihn nur anrühre, wenn ich ihn nur anrühre.“ Sie hat sich durch eine Person durchgekämpft, zur nächsten. „Wenn ich ihn nur anrühre, dann werde ich geheilt. Wenn ich ihn nur anrühre, werde ich geheilt.“ Sie hat es ständig gesagt, wie so eine Selbstmotivation.
[40:01] „Ich muss ihn einfach anrühren.“ Und dann sagt Ellen White, als er vorüberging, hat sie sich vorgestreckt. Ja, ich habe mal eine Predigt übersetzt von Philip Seismore, der hat diese Geschichte illustriert, indem er sich auf den Boden geschmissen hat. Das werde ich jetzt nicht nachmachen. Aber sie hat sich quasi ausgestreckt und dann sagt Ellen White, sie hat es gerade so geschafft, so gerade seine Quasten zu berühren, wie wir gleich sehen werden. Sie hat kaum richtig was zu fassen gekriegt. So ein bisschen hat sie berührt. Also man würde fast denken, dass das Kleid kaum ein bisschen sich bewegt hat. Sie hat gerade so ein bisschen berührt. Aber Ellen White sagt, in dieser Berührung war der Glaube ihres ganzen Lebens konzentriert. Alles, was sie jemals geglaubt hat, alles, was sie in ihrem ganzen Leben zu glauben in der Lage war, war in diese eine Berührung konzentriert. Und obwohl sie ihn kaum berührt hat, war das genug.
[41:10] Und das ist so interessant. Wenn wir erlöst werden wollen, müssen wir nicht viel von Jesus berühren, müssen ihn nicht voll umfassen. Aber wenn wir auch nur ein bisschen berühren, aber unseren ganzen Glauben hineinlegen, das ist, wo die Kraft ist. In dieser einen Berührung, weil der Glaube ihres ganzen Lebens konzentriert.
[41:40] Wie schon gesagt, was hat sie eigentlich genau berührt? In Lukas 8, Vers 44 heißt es, Lukas 8 und dort Vers 44, da heißt es: „Er trat von hinten dazu und rührte den Saum seines Gewandes an. Und auf der Stelle, auf der Stelle kam ihr Blutfluss zum Stehen.“ Das war eine spektakuläre Geschichte. Sie hat alles versucht, jahrelang alles Geld investiert, alles gemacht und jetzt berührt sie gerade so den Saum seines Gewandes und sie ist geheilt.
[42:21] Vielleicht habt ihr auch die Anmerkung, dass dieser Saum, das sind die sogenannten Quasten. Woher kommen diese Quasten? Alle Juden sollten am Rand ihrer Gewänder so Quasten tragen. Und die waren nicht einfach nur zur Dekoration da, sondern die hatten eine Bedeutung. Wisst ihr, was für eine Bedeutung die hatten, diese Quasten? Ist ganz interessant. Ja, ganz genau. Schaut mal in 4. Mose, die Gebote Gottes. In 4. Mose 15 und dort Vers 37 bis 41, die sogenannten Gedenkquasten. 4. Mose 15, Vers 37 bis 41.
[43:06] Da heißt es: „Und der Herr redete zu Mose und sprach: Rede zu den Kindern Israels und sage ihnen, dass sie eine Quaste an die Zipfel ihrer Obergewänder machen, in ihren künftigen Geschlechtern, und eine Schnur von blauem Purpur an der Quaste des Zipfels befestigen. Und die Quaste soll euch dazu dienen, dass ihr bei ihrem Anblick an alle Gebote des Herrn denkt und sie befolgt, dass ihr nicht den Trieben eures Herzens nachgeht und euren Augen, denen ihr nachruht, sondern dass ihr an alle meine Gebote gedenkt und sie tut und eurem Gott heilig seid. Ich bin der Herr, bin euer Gott, der ich euch aus dem Land Ägypten, ich der Herr bin euer Gott, der ich euch aus dem Land Ägypten geführt habe, um euer Gott zu sein, ich der Herr, euer Gott.“
[44:51] Die Kraft für die Heilung war ja natürlich nicht buchstäblich in diesen Quasten, oder? Die Quasten sind nicht magisch, aber die Quasten waren ein Symbol für das Gesetz Gottes und damit für die Autorität Gottes, für Christus, der Erlöser und Gesetzgeber. Und eine minimale Berührung mit dem Wort Gottes, symbolisch sozusagen, hatte die Kraft, die alle menschliche Bemühungen nicht hatte. Eine Berührung mit dem Wort Gottes im Glauben hat das Problem sofort zum Stillstand gebracht. Was heißt, das Wort Gottes, das durch diese Quasten symbolisiert wird, ist in der Lage mehr für uns zu tun, als alle Menschen es je vermögen.
[44:55] Aber was war der Unterschied zwischen ihrer Berührung und all den anderen? Das ist jetzt genau das Thema, denn in Markus 5 wird deutlich, dass die Geschichte nicht zu Ende ist. In Markus Kapitel 5 heißt es jetzt, ab Vers 29. Also Vers 29, da heißt es: „Und sogleich vertrocknete der Quell.“ Das ist das Lieblingswort von Markus, ihr wisst, ich war sogleich. „Und sogleich vertrocknete der Quell ihres Blutes, und sie merkte es am Leib, dass sie von der Plage geheilt war, sie war sofort rein.“
[45:30] Übrigens, wenn Jesus heilt, ganz oft, das wird oft betont, dass er sofort, der Lahme springt auf und der Blinde kann sehen und diese blutflüssige Frau ist sofort rein. Vers 30. „Jesus aber, der in sich selbst erkannt hatte, dass eine Kraft von ihm ausgegangen war, wandte sich sogleich inmitten der Menge um und sprach: Wer hat mein Gewand angerührt?“ Es wird ganz deutlich, dass hier echte Kraft am Wirken war. Was sagt Paulus über das Evangelium in Römer 1? Er sagt, es ist die Kraft Gottes und wir sehen in dieser Geschichte die Illustration des Evangeliums, wenn ein Mensch wirklich zu Jesus will, mit aller Intention und all seinen Glauben auf diese eine Sache konzentriert, dann ist schon die leiseste Berührung mit dem Wort Gottes, mit Jesus, genügend Kraft, um die Probleme zu lösen, die zwölf Jahre lang nicht gelöst werden konnte.
[46:26] Im Griechischen heißt es, sie merkte, sie ist geheilt, sie ist geheilt. Vers 31. „Da sprachen seine Jünger: Du siehst, wie das Volk dich drängt und sprichst: Wer hat mich angerührt?“ Ich würde behaupten, es waren noch sehr viele Menschen mehr, die seine Quasten berührt haben. Die Quasten, durch die Jesus ging, die wurden von allen Seiten bedrängt und nicht nur seine Quasten, sein ganzer Körper, alle waren an ihm dran.
[47:09] Schaut mal, das bedeutet, da waren ganz viele Menschen in der direkten Nähe von Jesus und haben doch keine heilende Kraft verspürt. Wie oft sind wir vielleicht in der direkten Nähe Jesu, haben eine Bibel vor unseren Augen und spüren doch nicht die heilende Kraft, sitzen im Gottesdienst, während gepredigt wird und spüren die heilende Kraft nicht, weil wir einfach so da sitzen, so ein bisschen gleichgültig, singen vielleicht sogar Lieder, die die Kraft des Evangeliums besingen und wir sind so gleichgültig, dass wir nicht viel davon haben. Das entscheidende ist also nicht, dass wir in der Nähe Jesu sind, das entscheidende ist, dass wir in der Nähe Jesu sind und Glauben haben, dass wir glauben.
[47:55] Wie Ellen White sagt, der ganze Glaube ihres Lebens war in diese eine Berührung konzentriert und das war das Geheimnis. Schaut mal in Lukas 8, da wird das auch ausgedrückt, der gleiche Fakt in Lukas 8, Vers 45. Das ist sogar interessant, als Jesus hier fragt: „Wer hat mich angerührt?“ Da wollen sie es nicht mal gewesen sein. In Lukas 8, Vers 45: „Und Jesus fragte: Wer hat mich angerührt? Als es nun alle bestritten.“ „Nein, nein, ich nicht, ich nicht, ich habe dich nicht angerührt.“ Die wollen gar nicht geheilt werden. Nein, nein, ich bin es nicht gewesen. Nein, ich nicht. „Als nun alle bestritten, sprach Petrus, wie auch sonst, der war der Erste und die mit ihm waren: Meister, die Volksmenge drückt und drängt dich und du sprichst: Wer hat mich angerührt?“
[48:36] Im Griechischen ist das zweite Wort, das Wort, das man verwendet, um Weintrauben zu zerquetschen. Man kann sagen, du wirst völlig zerquetscht, zerdrückt von dieser Volksmenge und da sagst du: „Jemand hat mich berührt.“ Alle haben dich berührt, oder? Aber Jesus merkt es, ob jemand einfach nur so gleichgültig Jesus viel berührt oder ob er im Glauben wenigstens ein bisschen berührt. Jesus merkt es, ob jemand gleichgültig kapitelweise Bibel liest oder ob jemand im Glauben einen einzigen Vers in Anspruch nimmt. Jesus merkt es, den Unterschied, ob jemand von einer Predigt zur nächsten rennt, von einer Konferenz zur nächsten und überall einfach nur Freunde treffen möchte oder ob jemand vielleicht erst zur zweiten Stunde kommt, aber den einen Vers, der gesagt wird, im Glauben annimmt und sich dadurch verändern lässt. Für Jesus macht das einen Unterschied, die Berührung des Glaubens.
[49:39] Vers 46. „Jesus aber sprach: Es hat mich jemand angerührt, denn ich habe erkannt, wie eine Kraft von mir ausging.“ Es gibt viele Berührungen mit Jesus, die keine Kraft in sich hat, weil sie ohne Glauben ist. Es gibt viel Bibellesen ohne Kraft, viel Beten ohne Kraft, viel Lieder singen, vielleicht gibt es sogar viel Mission ohne Kraft, weil sie einfach nur Routine ist, aber nicht im Glauben geschieht. Aber hier war eine Frau, die wollte, dass ihr geholfen wird und sie hat geglaubt, dass sie helfen kann und sie hat alles dafür investiert und sie wurde sofort belohnt. Was wir brauchen, ist Glaube. Glaube löst Probleme und zwar auf eine Art und Weise, wie kein Mensch sie lösen kann.
[50:27] Der letzte Vers war heute in Markus 5 und nächstes Mal werden wir uns dann den Rest der Geschichte anschauen. In Markus 5 und dort Vers 32. Markus 5 und dort Vers 32.
[50:46] Da heißt es: „Und er sah sich um, nach der, die das getan hatte.“ Dürft ihr nicht vergessen, er ist gerade auf dem Weg eigentlich sozusagen als Notfallmediziner. Da liegt jemand im Sterben und der Vater, der Jairus, der kann es gar nicht schnell genug haben und Jesus bleibt stehen, bedrückt von einer ganzen Menge und sagt: „Jemand hat mich angerührt, ich muss ihn finden.“ Der Jairus ist wahrscheinlich verrückt geworden. „Alle rühren dich an, komm.“ Aber für Jesus war es so wichtig, wie Ellen White sagt, er wollte unbedingt ihr noch Worte des Trostes geben. Worte, die eine Quelle der Freude sein würden. Worte, die ein Segen auch für seine Nachfolger sein würden bis ans Ende der Zeit. Er wollte sich Zeit nehmen, weil Jesus wusste natürlich auch, selbst wenn das Mädchen stirbt, das ist gar kein Problem für ihn.
[51:52] Und das heißt auch, dass wenn wir Probleme haben, es gibt immer noch größere Probleme in dieser Welt. Es gibt immer noch dringendere Probleme als unsere Probleme, aber Jesus nimmt sich Zeit für unsere Probleme. Er hat Zeit für uns und wenn wir im Glauben ihn berühren und wenn wir nur ein bisschen berühren konnten, dann nimmt er sich Zeit, dann stoppt er und schaut nach uns. Er hat buchstäblich, im Griechischen heißt es, er hat sich umgeschaut. Nicht einmal nur kurz, wer war das, sondern er hat durch die Menge geschaut, wer war das, wer war das, wo bist du? Also er hat natürlich gewusst, wo sie ist, aber er wollte deutlich machen: „Wo bist du? Ich gehe hier nicht weg, eh nicht alle wissen, was du für ein Glauben gehabt hast.“ Er hat nach dir gesucht.
[52:36] Jesus sucht buchstäblich nach Menschen, die echten Glauben haben und die alles, was sie haben, in diese Berührung mit Jesus hineinlegen und darauf hoffen und vertrauen, dass die Begegnung mit Jesus ihr Leben verändert, denn alle, die das hoffen und glauben und vertrauen darauf, die werden erleben, die eine erste kleine Berührung mit Jesus verändert das Leben dauerhaft. Was immer unser Problem gewesen ist, Jesus löst das Problem. Amen. Wollen wir noch gemeinsam beten?
[53:09] Lieber Vater im Himmel, danke für diese Geschichte und danke, dass wir wissen dürfen, dass auch wir im Glauben zu Jesus kommen können und dass die Berührung des Glaubens eine Kraft in unserem Leben entwickelt, die die nicht kennen, die nur ganz oberflächlich und gleichgültig sich mit dem beschäftigen. Herr, schenke uns diesen Glauben, den diese Frau gehabt hat, nachdem sie alles versucht hat und nichts geholfen hat, sie doch geglaubt hat, dass du, Herr Jesus, ihr Retter bist und du bist tatsächlich der Arzt, der Arzt, dem wir vertrauen können, auch wenn alle anderen Ärzte uns im Stich lassen. Du hast gesagt, dass du unser Arzt bist und zwar nicht nur für unsere körperlichen Krankheiten, sondern ganz besonders für die Krankheit der Sünder und wir danken dir, dass egal mit welchen Problemen wir zu kämpfen haben, auch wenn es über viele viele Jahre geht, die Berührung mit dir das Problem löst und das bitten wir im Namen Jesu. Amen.
Lizenz
Copyright ©2019 Joel Media Ministry e.V.Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.