Veröffentlicht am
587 Klicks

Podcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts

Der Ersehnte

„Der Ersehnte“ wird das Leben und Wirken von Jesus Christus detailliert und chronologisch beleuchten. Die verschiedenen Evangeliumsberichte werden in ein harmonisches Ganzes zusammengefügt und die vielen alttestamentlichen Wurzeln und Bezüge aufgezeigt. Über allem steht der Wunsch, unseren Herrn und Erlöser in Seinem alltäglichen Leben besser kennen zu lernen. Diese Aufnahmen sind einer Videoserie auf https://www.joelmedia.de/serien/der-ersehnte/ entnommen.

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


In dieser Predigt aus der Serie „Der Ersehnte“ beleuchtet Christopher Kramp die dramatische Reaktion auf Jesu Rede im 6. Kapitel des Johannesevangeliums. Er erklärt, warum die Worte Jesu, insbesondere die Ich-Bin-Worte, für viele zu hart waren und zum Weggehen veranlassten. Die Predigt thematisiert die Bedeutung des Glaubens, der nicht auf sichtbaren Beweisen basiert, und die Notwendigkeit, täglich aus Gottes Wort zu leben, um geistlich genährt zu werden und Krisen standzuhalten.


Weitere Aufnahmen

Serie: Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus

  • 0:0
  • 0:0
  • 0:0

Transkript

[0:00] Hallo und herzlich willkommen zu unserem Seminar „Der Ersehnte“. Schön, dass ihr da seid und dass ihr jetzt live wieder eingeschaltet habt auf www.joelmedia.de oder später das Video anschaut.

[0:29] Wir haben heute eine besonders wichtige Folge, einen der dramatischsten Momente im Leben von Jesus, vielleicht einen seiner traurigsten Tage bis dahin in seinem Leben. Und das alles wegen einer Predigt, die wir so toll finden, dass wir sie heute als Grußkarte und Ermutigung schicken. Und trotzdem hat sie zu dem geführt, was Ellen White im Leben Jesu als die Krise in Galiläa beschreibt. Und mit dieser Reaktion auf seine Predigt in Johannes 6 wollen wir uns heute beschäftigen. Wir wollen natürlich noch einmal mit einem Gebet starten und wem es möglich ist, den lade ich ein, mit mir niederzuknien.

[1:08] Lieber Vater im Himmel, die Worte, die wir jetzt lesen werden, die sind sehr ernst und sie zeigen uns, dass es nicht ausreicht, einfach nur in einem Gebäude zu sein, in einer Predigt zu sitzen, vor einem Computer zu sitzen, eine Predigt zu hören, sondern dass es einzig und allein darauf ankommt, mit dir persönlich verbunden zu sein, dich einen Freund nennen zu können, weil wir erlebt haben, dass du gut zu uns bist, weil wir dir vertrauen. Und Herr, so möchten wir dich bitten von ganzem Herzen, dass du durch diese Worte zu uns sprichst, dass wir uns selbst fragen, ob wir dich kennen als unseren Schöpfer und Freund und Erlöser und dass du unsere Herzen aufrührst und zu dir ziehst. Das bitten wir im Namen Jesu, der jetzt für uns eintritt. Amen.

[2:15] Schlagt mit mir auf, Johannes Kapitel 6. Wir haben in den letzten Wochen Stück für Stück uns durch diese Predigt hindurchgearbeitet, in der Jesus zum ersten Mal diese berühmten Ich-Bin-Worte verwendet. Er sagt nämlich hier: „Ich bin das Brot des Lebens.“ Der Kontext, das haben wir jetzt lang und breit angeschaut, nur ganz kurz zur Wiederholung: Am Tag zuvor hatte er eines seiner größten Wunder getan, nämlich 5000 Männer plus Frauen plus Kinder gespeist aus fünf Broten und zwei Fischen. Die Menschen waren so begeistert, am nächsten Morgen wollten sie noch mehr haben, aber Jesus war schon weg. Er war in Kapernaum, er war in der Nacht über den See gegangen, diese berühmte Geschichte mit Petrus. Dann als sie ankommen, hören sie von all dem und er ist mitten in der Synagoge in Kapernaum und es gibt dann einen Dialog und das führt dann zu einer Predigt von Jesus, in dem er deutlich macht, als sie ihn fragen: „Na ja, du hast uns jetzt einmal Brot gegeben, aber Mose, der hat uns wie viel Jahre lang Manna regnen lassen? 40 Jahre lang. Also da kannst du noch mehr Wunder tun, oder?“ Und Jesus sagt: „Es kommt nicht auf dieses Manna an. Ihr seid alle in der Wüste, die sind gestorben, nachdem sie das Manna gegessen haben. Es gibt ein Brot, das ewiges Leben bringt, das vom Himmel herab gekommen ist.“ Und sie sagen noch: „Okay, wenn es so ein Brot gibt, das ewiges Leben gibt, das wollen wir haben.“ Und dann kommt der große Moment: Jesus sagt: „Ich bin das Brot, ich bin vom Himmel gekommen, ich bin derjenige, der den Willen des Vaters ausführt, ihr müsst mich haben.“ Und dann fangen sie an zu murren und sagen: „Wir kennen dich doch, wir kennen doch deine Eltern, wir kennen doch deine Geschwister. Bist du wirklich vom Himmel gekommen?“ Jesus geht auf ihre Bedenken ein und erklärt es immer und immer wieder. Wir haben gesehen, wie er fast Vers für Vers immer wieder dieselben Gedanken anders ausdrückt und sagt: „Gott zieht euch zu mir, Gott lehrt euch durch die Schrift und jeder, der gelehrt ist, der kommt zu mir, ihr braucht mich, ihr braucht mein Leben.“ Und dann setzt er noch einen drauf und sagt: „Ihr braucht, dass ich für euch sterbe, ihr braucht mein Fleisch, ihr braucht mein Blut.“ Und bringt das dann auf die Spitze, wenn er sagt: „Ihr müsst mein Fleisch essen, mein Blut trinken.“ Und die Juden sind außer sich, weil sie denken, das meint er ganz buchstäblich. Und er fordert uns zum Kannibalismus auf oder so. Und Jesus sieht, dass jetzt diejenigen, die nicht geistlich denken, Anstoß erregen werden oder Anstoß daran nehmen werden. Aber er geht keinen Zentimeter davon ab, weil er deutlich machen möchte: Ich bin nicht gekommen, um eure Ambitionen zu füttern.

[5:03] Wisst ihr noch, bevor wir jetzt einsteigen, was hatten denn die Menschen vor, als er sie alle gespeist hatte am Abend zuvor? Was war denn ihre Idee? Sie wollten ihn zum König machen, sie wollten ihre eigenen persönlichen und politischen Ambitionen mit Jesus verbinden. Und Jesus wollte deutlich machen: Ich bin nicht eure Wunschmaschine, wo man Gebete reinsteckt und das bekommt, was man haben möchte. Ich bin gekommen, um euch zu retten, ich gebe alles für euch, aber ihr müsst euch von euren Ambitionen, euren persönlichen, privaten Ideen trennen. Ihr müsst mir folgen. Und deswegen haben wir gesehen, wie er zusammengefasst hat, er hat gesagt: „Ich bin das Brot des Lebens“, sagt er mehrmals. „Ihr braucht mich und ohne mich könnt ihr kein ewiges Leben haben, aber wer mir glaubt, den werde ich auferwecken am Jüngsten Tag“, hat er immer und immer wieder gesagt.

[5:52] Jetzt schauen wir, was die Reaktion ist. Wir haben schon gesehen, die Ungläubigen, die haben sich geweigert, das anzunehmen. Sie haben gesagt, das ist ganz buchstäblich genommen. Aber dieser Unglaube färbt jetzt auch ab auf die Jünger. Wer mag mal Vers 60 lesen?

[6:14] Johannes 6, Vers 60.

[6:26] Genau, schon mal erlebt, dass man aus der Predigt geht und sagt: „Oh, das war eine harte Predigt.“ Im Griechischen steht es sogar in der Reihenfolge: „Hart ist diese Predigt“, also als allererstes: „Hart ist diese Predigt. Wer kann sie hören?“ Wir hatten ja schon gesehen, in Vers 41, 42, da hatten die Juden gemurrt. Und ist nicht interessant, dass erst die Ungläubigen murren und dann auch die, die eigentlich an Jesus glauben, anfangen, an Jesus Fehler zu finden? Da sieht man, wie sehr Unzufriedenheit sich überträgt. Unzufriedenheit ist wie ein Virus. Es überträgt sich von dem Nächsten und wenn wir mit denen viel Gemeinschaft haben, die unzufrieden sind, dann fangen wir vielleicht auch selbst irgendwann unseren Halt in Jesus zu verlieren. Deswegen gibt es eine Abstandsregel zur Unzufriedenheit: Abstand halten von Unzufriedenen. Ihnen zwar das Evangelium bringen, aber ansonsten ein bisschen Abstand halten. Unzufriedenheit und Murren und Zweifel sind wie ein Sauerteig.

[8:03] Ja, das ist interessant. Ja, das vergisst man eigentlich, das haben sie auch nicht vergessen. Aber wisst ihr, das ist ein Punkt: Auch die Juden wussten, dass das Wort Gottes wie ein Hammer ist, oder? Wann verwendet man das gerne, das Wort Gottes, als ein Hammer? Wann ist man nur allzu bereit zu sagen: „Das Wort Gottes ist scharf und lebendig und es trennt von der Sünde?“ Immer dann, wenn man die Sünde bei den anderen sieht. Ihr werdet feststellen, dass Gläubige aller Art immer dann besonders deutlich predigen, wenn es um Dinge geht, die sie nicht betreffen. Immer dann, wenn ich die Fehler anderer sehe, das habe ich so oft beobachtet, dann sind Menschen sehr deutlich. Wenn es aber um die eigenen Fehler geht, wenn plötzlich das Wort Gottes sich dreht und der Finger auf die eigene Wunde gelegt wird, dann ist man oft mal gar nicht mehr so deutlich und möchte etwas milder behandelt werden. Lasst uns das im Hinterkopf bewahren, wenn wir manchmal den Eindruck haben, wir müssen bei den Sünden anderer sehr deutliche Worte finden. Wir sollten lieber deutliche Worte mit unseren eigenen Sünden finden und etwas milder mit den Sünden von anderen umgehen. Nicht das Wort, um Kompromisse zu reden, aber ihr wisst, was ich meine.

[9:21] Und Jesus hatte hier, wenn ihr mal die Predigt euch mal Revue passieren lasst, hat er sie attackiert? Hat Jesus in dieser Rede irgendwie ihnen Dinge vorgeworfen? Er hat gesagt: „Ich gebe mein Leben für eure Erlösung.“ Das war eigentlich das pure Evangelium. Es war das Evangelium, das sie als so hart empfunden haben. Das wahre, ausgewogene, unveränderte Evangelium war ihnen zu hart, weil sie gemerkt haben: Man kann nicht das Evangelium haben und gleichzeitig noch ein bisschen so das weltliche Denken. Das passt nicht zusammen.

[9:57] Ganz genau, diese Exklusivität. Wenn ich sage: „Jesus inspiriert mich“, werden wahrscheinlich alle mir zujubeln. Wenn ich sage: „Jesus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben“, wenn ich sage: „Wir sind eine christliche Gemeinde und wir wollen auch etwas für die Gesellschaft tun“, wunderbar. Wenn ich sage: „Hier ist es die Gemeinde Gottes.“ Es ist diese Exklusivität, die deutlich macht: Jesus sagt ja, ihr müsst euch ganz auf mich einstellen, ihr braucht mich vollständig.

[10:41] Jetzt, kennt ihr jemanden, der auch sagt: „Das ist ein harter Mann.“ Ich wusste, du bist ein harter Mann. In dem Gleichnis. Wer sagt das? Matthäus 25. Genau, da gibt es die Talente. Der eine hat fünf Talente, der andere zwei Talente und einer hat ein Talent und der mit fünf verdoppelt, der mit zwei verdoppelt und der mit einem, der versteckt ist. Und bei der Szene, als ihm dann als Rechenschaft geben soll, sagt er: „Na ja, ich habe damit jetzt nicht groß gehandelt, denn ich wusste, du bist ein harter Mann.“ Und da zeigt sich so eine Einstellung gegenüber Gott. Nämlich die Einstellung: Ich glaube, dass du existierst, ich glaube, dass du die Wahrheit hast, aber ich habe ein bisschen Angst vor dir. Ich will bloß nichts verkehrt machen. Diese Menschen, die hier sagen: „Das ist eine harte Rede“, die glauben, dass Jesus existiert, die waren auch Jünger Jesu, aber sie haben nicht richtig sehen wollen, dass Jesus hier nur das Beste für sie will.

[11:54] Nun, was macht Jesus? Ihr wisst ja, er hat ja schon Johannes dem Täufer gesagt: „Glückselig ist, der nicht an mir Anstoß nimmt.“ Ja, ist eine gefährliche Sache, wenn wir uns an Jesus selbst anstoßen. Schauen wir mal, was Jesus macht in Vers 61. Wer mag mal lesen, Vers 61?

[12:14] Genau, ärgert euch das. Das Wort „ärgern“, das ist ganz toll, das griechische, das könnt ihr wahrscheinlich sofort übersetzen, auch wenn ihr nie Griechisch gemacht habt. Skandaliso, Skandal. Ist das ein Skandal für euch, was ich sage? Ist das ein Ärgernis für euch?

[12:47] Nun, woher wusste Jesus, was seine Jünger so geheim untereinander besprechen? Woher wusste er das? Er kannte sie, ja. Das ist ein Thema, das im Johannesevangelium ständig vorkommt. Jesus weiß, was in den Menschen ist. Er kennt sie genau. In Johannes 2 steht, er wusste genau, was im Menschen ist. Ja, Johannes 3 sagt er dem Nikodemus auf den Kopf zu, was ein Problem ist. In Johannes 4 sagt er der Frau exakt, wie viele Männer sie gehabt hat. Immer und immer wieder finden wir, dass er in Johannes ganz deutlich macht: Ich weiß, was ihr denkt. Und damit macht er eigentlich nur deutlich: Er ist Gott.

[13:28] Sofort, gehen wir ganz kurz in Hebräer 4 und dort Vers 13 und das ist, glaube ich, ganz wichtig, weil manchmal hadern wir mit Gott. Manchmal lesen wir Texte vielleicht oder Verheißungen und sagen: „Das ist aber hart. Wie kann das hier die Bibel schreiben? Wie kann Ellen White so einen scheinbar harten Ratschlag geben oder so?“ Wir sollten uns bewusst machen, dass Gott alles weiß. Auch wenn vielleicht niemand sonst in der Gemeinde unser Hadern mit Gott sieht, aber Gott sieht das. In Hebräer 4 Vers 13 steht: „Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern alles ist enthüllt und aufgedeckt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft zu geben haben.“ Statt irgendwie im Geheimen mit Gott zu hadern, können wir direkt zu ihm gehen und sagen: „Schau, so geht es mir damit.“ Wir können unsere Sorgen, Nöte, Probleme ihm ja sagen, wir können ihn ja fragen, aber wir können es nicht vor ihm verstecken.

[14:20] Ärgert euch das? Da kommen wir noch zu. Genau. Es sind Jünger. Es sind Jünger. Wir wissen, dass Jesus hatte sehr viel mehr Jünger als die Zwölf, denn auch die Zwölfer Apostel waren aus den Jüngern ausgewählt. Es war eine größere Anzahl von Jüngern. Zwölf von ihnen waren nur Apostel.

[14:55] Schauen wir mal weiter in Vers 62, Johannes 6, Vers 62. Wer mag das lesen?

[15:04] Genau, was fällt euch an dem Satz auf? Erstmal so ganz ohne tiefe theologische Durchleuchtung. Was fällt euch an dem Satz auf? Wenn ihr den so einfach lest, fällt euch da was auf? „Der Sohn des Menschen.“

[15:30] Gleich kommen wir dazu, genau. „Der Sohn des Menschen.“ Ich meine auch eher so was reinsprachliches. Er stellt eine Frage. Seht ihr auch, der Satz ist eigentlich nur so zur Hälfte fertig, oder?

[15:47] „Wie nun, wenn ihr den Sohn des Menschen dorthin auffahren seht, wo er zuvor war.“ Wenn, wenn, wenn ich einen Wenn-Satz mache, dann muss ich auch einen Wenn-Dann, ja, dann wird er das und das sein, oder? Aber das ist quasi so eine offene Frage. Das ist so, man hat so fast den Eindruck, als ob jedes eine Frage stellt. Also wenn das und das ist und die Jünger sollen quasi im Kopf weiterdenken, dann... Also man könnte sich vielleicht einfach die Frage so erweitern: „Wenn, wenn ihr den Sohn des Menschen auffahren seht, wird euch das dann noch mehr ärgern, oder so?“ Ja, das ist eigentlich so die Idee.

[16:22] Damit sieht man, Jesus will sie zum Nachdenken bekommen. Er gibt ihnen nicht alles nur vor, er stellt ihnen so Fragen, die zum Nachdenken anregen. Er möchte, dass sie über sich selbst nachdenken.

[16:33] Jetzt kommen wir mal auf diesen Sohn des Menschen. Warum spricht er davon, dass der Sohn des Menschen auffahren wird, wie es hier steht? Okay, also es wird eine Himmelfahrt geben. Das ist jetzt übrigens hier einer der, das hat er noch gar nicht so oft öffentlich gesagt, ja, bis dahin. Er hat hier jetzt deutlich gemacht: „Ich werde vor euch sterben, ja, mein Fleisch, mein Blut.“ Aber er sagt auch: „Ich werde auffahren.“ Gibt also hier den Hinweis, dass der Tod nicht das Letzte sein wird. Die Auferstehung Jesu wird zur Himmelfahrt führen. Aber warum sagt er jetzt, wir müssen ja den Jüngern zugutehalten, die wussten noch nichts von der Himmelfahrt Jesu. Die kannten nur das Alte Testament und die hören jetzt: Er sagt, der Menschensohn wird auffahren. Woran wird dann ein Jude gedacht haben, wenn er hört: „Der Menschensohn wird auffahren“?

[17:26] Elija, der ist auch zum Himmel aufgefahren, ja. Welcher Bibelstelle wird jedem Juden sofort in den Kopf gekommen sein bei dem Gedanken, dass der Menschensohn, der Sohn des Menschen auffahren wird in den Himmel? Und da im Himmel irgendwie ist, gibt es eine Stelle, die jedem Juden sofort in den Kopf kommen könnte, die ihr wahrscheinlich auch gut kennt, wo ihr vielleicht nicht daran denkt. Wo in der Bibel im Alten Testament finden wir den Sohn des Menschen, wie er dort im Himmel plötzlich erscheint, weil er mit den Wolken des Himmels dorthin gebracht worden ist?

[18:02] Der Sohn des Menschen auf den Wolken des Himmels. Daniel, welches Daniel Kapitel zeigt uns den Sohn des Menschen, wie er auf den Wolken des Himmels zum Alten an Tagen kommt? Daniel 7. Und da geht es, was passiert mit dem Sohn des Menschen, was bekommt er dort? Die Krone und das Königtum, die Ehre, er wird Weltherrscher. Das ist ja die große Linie von Daniel 7. Babylon, Medopersien, Griechenland, Rom, Papsttum, aber dann kommt ein Mensch, der wird die Welt beherrschen bis in alle Ewigkeit, der Weltherrscher. Auf den warten sie, auf den warten die Juden, auf diesen König, der die ganze Welt beherrschen wird. Und sie ahnen nicht, dass es dieser Jesus ist, der durch seinen Tod und seine Auferstehung das bewirkt.

[18:57] Also das ist eine ganz bewusste Parallele. Er sagt: „Ich bin dieser Sohn des Menschen, ich bin der, auf den ihr wartet, nur ihr ärgert euch.“ Man könnte Jesus auch so verstehen: Er sagt: „Ihr ärgert euch, weil ich sage, ich bin vom Himmel gekommen. Dabei hofft ihr doch selbst, dass der Menschensohn irgendwann im Himmel ist, denn der Menschensohn, der Messias, auf den sie warten, der empfängt ja sein Königreich von wem? Von Gott, dem Vater.“ Daniel hat gesagt, dieser Menschensohn wird im Himmel von Gott, dem Vater, persönlich im Gericht das Königreich bekommen. Man könnte sich denken: Jesus fragt: „Warum beschwert ihr euch, wenn ich sage, ich bin vom Himmel gekommen? Wenn der Messias in den Himmel geht, ist es dann so unwahrscheinlich, dass er vom Himmel kommt?“

[19:49] Schaut mal in Johannes 3, da sagt er nämlich genau das zu Nikodemus. Das wird jetzt auch ein bisschen verständlicher dadurch. In Johannes 3 und dort Vers 13, da sagt er: „Wer mag mal lesen, Johannes 3 Vers 13?“

[20:14] Also Jesus sagt mit anderen Worten: Er hat ja gesagt, also hier ist der Himmel, ich bin vom Himmel herab gekommen, der Sohn des Menschen, das Brot des Lebens. Ich bin vom Himmel gekommen, um euch zu erretten. Und sie sagen: „Wie kannst du das sagen? Wie kannst du das sagen, dass du vom Himmel gekommen bist? Das ist ja unvorstellbar, exklusiv.“ Aber schaut mal, ihr alle wisst doch, dass der Sohn des Menschen in den Himmel kommen muss, weil in Daniel 7 wird er zum König gekrönt und zwar im Himmel. Was ist denn jetzt daran so dramatisch, so falsch, wenn er auch vom Himmel kommt?

[20:52] Er sagt: „Niemand ist in den Himmel aufgestiegen, als der, der vom Himmel herab gestiegen ist.“ Jesus kommt vom Himmel herab, um die Menschen zu retten, wo sie sind, um sie dann durch seine Erlösung wieder in den Himmel zu bringen. Damit macht er deutlich: Wenn ihr jetzt gegen mich murrt und mich ablehnt, dann lehnt ihr denjenigen ab, auf den ihr eigentlich wartet. Das ist ganz interessant.

[21:16] Jetzt gehen wir noch einen Schritt weiter, Johannes 6, Vers 63. Wer mag den mal lesen? Johannes 3, Vers 63.

[21:22] Ganz genau, das ist ein ganz interessanter Vers und den können wir ganz viele Bibelstellen dazu zitieren. „Der Geist macht lebendig.“ Wo zum ersten Mal sehen wir in der Bibel, dass der Geist lebendig macht? Erste Mose 2, Vers 7. Da schafft Gott den Menschen aus der Erde und der Geist, der hineingehaucht wird, macht aus diesem Körper eine lebendige Seele.

[22:06] Kennt ihr noch andere Bibelstellen, die deutlich machen, der Geist macht lebendig, auch wenn ihr vielleicht nicht wisst, wo die stehen, aber so aus dem Kopf, wo es von dem Geist spricht, der lebendig macht? Hesekiel, ja, wo der Geist Gottes kommt über die toten Gebeine und dann sie erst aufstehen, also erst zusammenrücken, dann kommt der Geist noch mal und dann stehen sie da als eine Armee. Ganz genau, Hesekiel 37 ist das. Noch Stellen, die sagen, der Geist macht lebendig? Vielleicht kennt ihr, wie Paulus sagt, dass das Gesetz des Geistes des Lebens mich freigemacht hat von dem Gesetz des Todes und der Sünde. Oder in 2. Korinther 3, Vers 6, wo es heißt: „Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig.“ Interessant, oder?

[22:51] Als die Israeliten oder die Juden hier einfach nur den Buchstaben gesehen haben, Fleisch und Blut, ganz ohne den Heiligen Geist an sich wirken zu lassen, hat das sie noch von Jesus weggebracht. Aber wenn man den Geist wirken lässt, wenn man sich fragt: „Was will denn Jesus mir sagen?“, dann macht das lebendig. Man kann also die Bibel lesen und man kommt von Jesus weiter weg. Das passiert ganz oft, wenn Theologieprofessoren irgendwo in den großen Kirchen die Bibel lesen, die lesen die Buchstaben, aber sie wollen sich nicht etwas sagen lassen vom Heiligen Geist. Jesus macht ganz deutlich: Es kommt auf den Geist an, der durch die Worte wirkt.

[23:37] Er hatte schon dem Nikodemus gesagt: „Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch, aber was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist.“ Das Tolle ist, wenn ich jetzt merke, in meinem Leben mir fehlt gerade der Heilige Geist, wie viele Meter muss ich laufen, um ihn zu finden? Wie lange muss ich beten, damit er endlich sagt: „Okay, der Heilige Geist ist ja allgegenwärtig.“ Selbst in der Finsternis des ersten Schöpfungstages war der Geist da. Der Geist ist immer nur ein Gebet entfernt, immer nur ein Blick zu Gott. Gottes Geist ist immer da und wenn ich möchte, kann Gottes Geist zu mir sprechen durch sein Wort.

[24:26] Und dann sagt er, das ist ganz toll, er sagt: „Die Worte, die ich zu euch rede, sind Geist und sind Leben.“ Jetzt müssen wir uns wieder erinnern, wo im Alten Testament hatten die Israeliten diese Idee schon mal gehört, dass Worte lebendig sind? Er sagte: „Diese Worte sind Leben.“ Gibt es irgendwo eine Stelle, wo die Worte Gottes oder Worte überhaupt als lebendig beschrieben werden?

[24:51] Schauen wir mal in 5. Mose, und zwar in 5. Mose 32. Da geht es um die Worte des Gesetzes. 5. Mose 32 und dort ab Vers 47. Also als Mose hier ganz am Ende dieses Buches über das Gesetz spricht, sagt er in Vers 47: „Denn es ist kein leeres Wort für euch, sondern es ist euer Leben.“ Man könnte sagen, es ist das Wort des Lebens, oder? Diese Worte, die Mose hier aufschreibt, sind Leben. Aber sind es Moses Worte? Von wem kommen diese Worte? Es sind Gottes Worte, oder? Die Israeliten wussten also, Gottes Wort ist Leben.

[25:43] Nur noch ein, zwei andere Stellen dazu. Schaut mal zum Beispiel in Psalm 119. Die Psalmen haben diese Idee ganz oft, könnte man viele hier zitieren, auf Zeitgründen lassen wir das. Psalm 119 und dort Vers 50. Psalm 119 Vers 50, dort heißt es: „Du, das ist mein Trost in meinem Elend, dass dein Wort, was macht dein Wort? Bei mir steht, dass dein Wort mich belebt.“ Also im Alten Testament finden wir immer die Idee: Wenn Gott spricht, seien es Gesetze, Verheißungen, Psalmen. Wenn Gott spricht, dann ist das Leben. Aber jetzt sagt Jesus: „Die Worte, die ich zu euch rede, sind was? Geist und Leben.“

[26:30] Was sagt er mit anderen Worten? Was ist die logische Konsequenz? Er ist Gott, denn im ganzen Alten Testament gibt es nur einen, der lebendige Worte spricht, die Leben bringen, nämlich Gott. Es ist Gottes Wort, das Leben bringt. Indem er sagt: „Ich rede zu euch, Worte, die Leben sind“, sagt er und wieder exklusiven Anspruch, nicht wahr? Ich bin wirklich Gott, ich bin der, der vom Himmel gekommen ist.

[26:56] Nun, wir wissen später, sagt Paulus: „Der Glaube kommt aus dem Hören des Wortes Gottes.“ Paulus sagt in Hebräer: „Das Wort Gottes ist lebendig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert.“ Petrus sagt später: „Wir sind durch das lebendige Wort Gottes wiedergeboren.“ Also Jesus bestätigt seine Gottheit.

[27:31] Und Ellen White hat einige sehr wichtige Sachen diesbezüglich zu sagen. Sie sagt: „So wie unser körperliches Leben dadurch erhalten wird, was müssen wir tun, um körperlich zu leben? Essen.“ So ist unser geistliches Leben durch das Wort Gottes erhalten. „Jede Seele muss selbst Leben aus dem Wort Gottes ziehen.“

[27:57] So toll solche Seminare sind und Predigten und so weiter. Jeder von uns, auch die, die live zuschauen, jeder von uns muss selbst Leben ziehen aus dem Wort Gottes. Wir müssen selbst für uns essen und Nahrung bekommen, Nährstoffe sozusagen. Wir müssen das Wort für uns selbst oder so wie wir selbst essen und selbst ernährt werden, müssen wir das Wort Gottes selbst empfangen. Wir können es nicht nur durch das Denken eines anderen empfangen.

[28:20] Wir sollten sorgfältig die Bibel studieren und Gott um die Hilfe des Heiligen Geistes bitten, dass wir sein Wort verstehen können. Und dann sagt sie, was ganz praktisch ist. Also in all den Bibelstudienmethoden, die ich gelernt und gelehrt und gehört habe und was man alles angeblich für Techniken braucht, ist das das Einzige, was wirklich immer funktioniert. Sie sagt: „Wir sollten einen Vers nehmen und das Denken darauf konzentrieren, den Gedanken zu verstehen, den Gott in diesen Vers für uns gelegt hat.“ Glaubt ihr, das könnt ihr tun? Braucht man kein Griechisch, kein Hebräisch, keine Archäologie, ich weiß nicht was. Einen Vers und Gott bitten: „Hilf mir, zeig mir, was du mir sagen möchtest.“ Statt kapitelweise irgendwie zu lesen und nichts zu verstehen, sagt sie: „Ein Vers würde schon reichen.“ Vielleicht kommst du niemals durch die ganzen Bibeln durch, aber wenn wir jeden Tag nur einen Vers richtig verstehen würden und umsetzen würden, unser geistliches Leben würde durch die Decke gehen. Ein Vers.

[29:33] Und dann sagt sie: „Wir sollten über diesen Gedanken nachdenken, bis er unser eigener wird und so wir wissen, was der Herr sagt.“ Das bedeutet, dass also manchmal reden wir, wir sollen die Bibel studieren, wir sollen aus Gottes Wort leben, aber machen wir das wirklich? Nehmen wir uns einen Vers und denken wir so lange über den Vers nach, bis es unser Gedanke wird, weil dann ernähren wir uns geistlich buchstäblich von der Bibel.

[29:50] Es reicht nicht aus zu wissen, was da ungefähr drin steht. Es reicht nicht aus zu sagen: „Ich glaube alles, was da drin steht.“ Es gibt viele Menschen, die Israeliten haben alles geglaubt, was im Alltäglichen entstand. Hätte man sie gefragt, die Jünger, hätte man sie gefragt: „Glaubst du an die Schöpfung?“ Ja. „Glaubst du an den Sabbat?“ Ja. „Glaubst du an die zehn Gebote?“ Ja, ja, ja. Haben alles geglaubt, aber sie haben sich nicht von Gott belehren lassen. Hätten sie das getan, wären sie zu Jesus gekommen.

[30:30] Ja, absolut. Sie sagt noch was ganz Tolles. Sie sagt: „In seinen Verheißungen und seinen Warnungen meint Jesus, wen? Mich.“ Also wenn ich jetzt lese, wenn ich die Warnung, er meint immer mich. „Gott liebte die Welt so sehr, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit ich, wenn ich an ihn glaube, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.“ Die Erfahrungen, die in Gottes Wort beschrieben sind, sollen meine Erfahrungen werden. Das Gebet und die Verheißung, die Satzung und die Warnung sind meine, gehören mir. Lest die Bibel so, als ob sie nur für euch geschrieben worden ist, für niemand sonst. Denn so ernst meint Gott mich und dich.

[31:25] Und ich glaube, das machen wir manchmal nicht. Wir lesen manchmal die Bibel einfach nur so, als das Buch, in dem halt so die Wahrheit drinsteht, damit ich jetzt weiß, was richtig ist. Aber wir lesen sie vielleicht nicht immer oder nicht oft genug, als die tatsächliche Stimme Gottes zu mir. Und das ist aber genau das, wovon Jesus die ganze Zeit geredet und was den Unterschied jetzt macht in Johannes 6.

[31:49] Und dann sagt sie: „Wenn der Glaube so die Prinzipien der Wahrheit empfängt und assimiliert, dann werden sie Teil von unserem Wesen und eine Motivationskraft für das Leben.“ Das Wort Gottes, das so in die Seele empfangen wird, verändert sie, formt die Gedanken, bis sie unsere Gedanken und bewirkt dann die Veränderung des Charakters und so weiter.

[32:19] Dann sagt sie noch hier: „Wenn wir uns vom Wort Gottes ernähren, finden wir, dass es Geist und Leben ist.“ Das Wort zerstört, das ist ganz toll, das Wort Gottes zerstört alle irdische, natürliche Natur und bringt neues Leben in Christus. Das habt ihr schon mal erlebt, dass wenn ihr die Bibel lest, ihr euch irgendwie anders fühlt, dass wenn ihr richtig mit dem Wort beschäftigt, plötzlich neue Gedanken habt, neue Perspektiven habt. Und das ist genau das, was sie beschreibt.

[32:40] Und dann sagt sie hier: „Man wird eine neue Kreatur, durch die, durch das, durch seine Gnade wird das Bild Gottes im Jünger wiederhergestellt, reproduziert.“ Liebe nimmt den Platz von Hass und das Herz wird immer mehr nach der göttlichen Ähnlichkeit oder empfängt die göttliche Ähnlichkeit. Das ist es, was es bedeutet, aus jedem Wort zu leben, das aus dem Mund Gottes hervorgeht.

[33:06] Mit anderen Worten, da geht es nicht nur darum, die Wahrheit zu kennen, es geht darum, tatsächlich täglich aus dem Wort zu leben. Und jetzt macht Jesus ganz deutlich in Johannes 6, Vers 64. Schaut mal in Vers 64, wer mag das lesen? Johannes 6, Vers 64.

[33:36] Es ist interessant, Jesus wusste von vornherein, wer nur mit in der Menge ist, wer laut Halleluja ruft, aber im Herzen sich nicht nach Gott sehnt. Er kennt die wahren Gläubigen inmitten der Schar seiner Nachfolger. Und wisst ihr, was das bedeutet? Das bedeutet, dass Glaube nichts mit sichtbaren Beweisen zu tun hat, denn die Leute, die er hier meint, die haben Jesus sichtbar gesehen, oder? Die konnten ihn sogar anfassen, die haben sogar die Wunder alle gesehen und hatten trotzdem kein Glauben. Glaube basiert nicht auf dem, was ich sehe, denn ich kann es sehen und trotzdem nicht glauben. Der Luzifer hat die Herrlichkeit Gottes und seine Liebe und das Gesetz gesehen und trotzdem nicht geglaubt irgendwann. Der Glaube ist etwas anderes als das, was ich sehe.

[34:25] Der Glaube ist, ich vertraue darauf, dass Gott, was er hier sagt, für mich meint und es gut meint und ich danach leben kann, auch wenn ich nicht alles verstehe.

[34:38] Nun, Jesus weiß alles, haben wir schon gesehen. Die Bibel sagt, 2. Timotheus 2, Vers 19, dass das feste Fundament hat dieses Siegel: „Gott, der Herr, kennt die Seinen.“ Er kennt uns.

[34:51] Und interessant, ja, der Johannes, der kommentiert, da sehen wir auch, es geht auch um die Zwölf, denn Judas war einer von den Zwölf und selbst im engsten Kreis von Jesus gab es dieses Prinzip von Leuten, die nur äußerlich dabei waren. Das war nicht nur ein Problem von denen, die so mehr in der Peripherie waren, das war mitten im Kreis war einer, der es gar nicht wirklich ganz ehrlich meint oder ganz aufrichtig sich für Jesus und seine geistliche Botschaft interessierte.

[35:25] Schauen wir mal weiter in Vers 65. Genau, da bezieht er sich natürlich auf seine Predigt, die er gehalten hat, haben wir mehrmals gesehen. Ja, schaut noch mal in Vers 37 zum Beispiel, wo er sagt: „Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“

[35:52] Wie viele Menschen zieht der Vater? Was haben wir gesagt? Wie viele Menschen zieht der Vater? Alle. Also ich muss mir nicht die Gedanken machen, vielleicht will der Vater mich gar nicht bei Jesus haben. Nein, er zieht alle. Aber man kann nur ein Jünger Jesu sein, wenn man diesem Ziehen Gottes nachgibt. Wenn ich einfach ohne Bekehrung und ohne mich für Gott zu interessieren, einfach Jesus nachfolge, weil ich gesund werden will oder weil ich ein Haus haben möchte oder weil ich irgendeinen sonstigen Vorteil haben möchte, dann wird das scheitern. Und es gibt immer wieder seit all den Jahrtausenden Menschen, die sich Gottes Volk anschließen aus irdischen Motiven, einfach nur, weil es da zu essen gibt oder weil man halt jemanden heiraten möchte oder weil man irgendwie finanziellen Vorteil davon hat oder ich weiß nicht was. Judas hat den finanziellen Vorteil gesucht. Aber Jesus macht deutlich: Man kann kein Jünger sein, wenn man nicht von Gott gezogen wird.

[36:47] Und wir haben gelernt, erinnert euch, wie zieht Gott? Was hatte Jesus in der Predigt gesagt, wie zieht er uns? Könnt ihr euch erinnern? In Vers 44 und 45, wo er sagt, der Vater zieht und dann in Vers 45 gibt er ein Bibelfers. Er zieht uns wie? Er zieht uns ja nicht buchstäblich, wie zieht er uns? Was sagt er in Vers 45?

[37:06] Genau, in Vers 44 und Vers 45, es steht geschrieben in den Propheten: „Sie werden alle von Gott gelehrt.“ Gott zieht uns, wie? Indem er uns lehrt. Die Lehre der Bibel ist dazu da, dass Gott uns zieht. Und wenn wir uns wirklich belehren lassen von Gott, dann kommen wir auch zu Jesus. Wenn wir einfach nur so mitlaufen und nicht selbst uns belehren lassen wollen, dann sind wir keine echten Jünger Jesu. Aber wenn wir uns belehren lassen, wenn wir lernen wollen, dürfen wir wissen, auch wenn wir vielleicht noch nicht alles so umgesetzt haben, wie wir uns das wünschen, auch wenn wir vielleicht verzweifelt sind, wenn wir einen Wunsch haben, von Gott zu lernen, dann sind wir echte, reale Jünger. Dann kann uns Satan nicht aus seiner Hand reißen.

[38:07] Genau und Ellen White sagt: „Man kann widerstreben, aber wer nicht widerstrebt, wird automatisch gezogen.“ Wer nicht widerstrebt, wird automatisch gezogen. Manchmal denken wir vielleicht: „Oh, ich bin nicht schnell genug, ja.“ Aber wenn ich merke, dass Gott mich zieht, darf ich wissen, Gott führt mich. Wenn ich mich Schritt für Schritt immer näher zu Jesus bewege, wenn ich mich ziehen lasse und nicht dagegen ankämpfe, dann dürfen wir glauben, dass wir Kinder Gottes sind, weil er uns zieht.

[38:40] Nun Johannes 6, Vers 66, jetzt kommt der große Moment der Krise. Johannes 6, Vers 66.

[38:50] Genau, das ist die große Krise. Plötzlich sind von den vielen Menschen, die ihm nachgefolgt sind, fast keiner mehr übrig. Das Stadion wird leer gepredigt. Jesus predigt und die Leute hauen ab. Übrigens im Griechischen heißt es sehr interessant: Sie gingen weg von Jesus zu den, wörtlich, zu den zurückgelassenen Dingen. Im Griechischen wird eigentlich deutlich, dass sie zu den Dingen wieder zurückgekehrt sind, die sie für Jesus mal verlassen hatten. Sie kehren wieder zurück zu dem, was eigentlich schon hinter ihnen war. Sie drehen um und gehen quasi wieder in ihr altes Leben zurück.

[39:32] Ellen White sagt später: „Sie sind nie wieder zu Jesus zurückgekommen.“ Demas, wir haben auch Phygellus, Hermogenes, das gibt es auch in der Christenheit. Immer wieder Leute, die plötzlich in die Welt rennen und das sehen wir in unserer eigenen Zeit immer wieder, dass plötzlich Menschen gehen. Jesus hatte deutlich gemacht, es konnte keinen Kompromiss geben.

[39:57] Und es gibt einen Vers, der eigentlich das hier sehr schön deutlich illustriert, was passiert. Schaut mal in Hebräer 10, Hebräer 10, Vers 38. Hebräer 10, Vers 38.

[40:19] Hebräer 10, Vers 38. Da heißt es: „Der Gerechte aber wird aus Glauben leben, doch wenn der Feige zurückweicht, so wird meine Seele kein Wohlgefallen an ihm haben.“

[40:38] Der große Unterschied: Was ist Glaube? Glaube bedeutet Vertrauen auf was? Auf das Wort Gottes. Glaube bedeutet aus dem Wort Gottes leben. Ihr wisst, der Gerechte wird aus seinem Glauben leben, der Mensch lebt aus jedem Wort, das aus dem Mund Gottes hervorgeht. Hier ist das Wort Gottes und die einen halten fest, wie wir gleich sehen werden, und die anderen weichen zurück. Und Gott kann nur an denen Gefallen haben, die sich belehren lassen wollen, die etwas ändern wollen in ihrem Leben, selbst wenn das gegen ihre eigenen Ambitionen geht, die wirklich sich führen lassen, ziehen lassen, an denen kann er Gefallen haben, die haben echten Glauben.

[41:15] Ellen White sagt: „Jesus hat genau gewusst, was passiert.“ Er wusste ganz genau, dass diese Predigt diese Wirkung haben wird, aber Jesus hatte kein Interesse daran, einfach nur ganz viele Nachfolger zu haben, um damit zu zeigen: „Schaut mal, mein Facebook Account hat so und so viele Freunde.“ Jesus wusste, es ist besser, dass nur die ihm folgen, die es wirklich ernst meinen.

[41:40] Und es gibt einen sehr interessanten Grund, über den man nicht selbst oft nachdenkt. Sie sagt: „Wenn Jesus das nicht gemacht hätte, wäre diese ganze Gruppe noch ein Jahr weiter mit ihm gelaufen.“ Wir sind ja ein Jahr jetzt vor der Kreuzigung und bei der Kreuzigung wären die auf jeden Fall von ihm weggegangen und die Enttäuschung der Jünger bei der Kreuzigung würde so stark sein, dass wenn dann so viele andere ihn in dem Moment verlassen würden, dann würden sie vielleicht auch die Apostel mitreißen. Und Jesus lässt diese Krise zu, damit die Apostel dann quasi gestärkt werden für die noch kommende Krise.

[42:18] Wir würden vielleicht denken: Warum hat Jesus diese Wahrheit so deutlich gesagt? Warum sagen wir auch in den Evangelisationen die Wahrheit so deutlich? Warum müssen wir die ganze Wahrheit predigen, auch wenn wir wissen, dass deswegen Leute irgendwann fernbleiben? Weil Gott es nicht möchte, dass die Gemeinde nur voller Menschen sind, die es gar nicht ganz ernst meinen. Die Wahrheit führt immer dazu, dass es weniger werden, aber das liegt eben an der Sünde.

[42:46] Jetzt kommt eine ganz wirklich herzreißende Szene in Johannes 6, Vers 67. Es sind fast alle weg und man sieht dann noch ein paar Menschen um Jesus stehen, nämlich seine allerengsten Freunde, die Apostel. Und da heißt es in Vers 67: „Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr auch weggehen?“ Zugegebenermaßen im Deutschen klingt das ein bisschen so: „Wollt ihr auch gehen?“ Aber es ist eigentlich gar nicht so. Das Griechische hat eigentlich wörtlich: „Ihr werdet doch nicht auch gehen, oder?“ Im Griechischen ist eigentlich die Frage so gestellt, dass man ein Nein erwartet, aber eben halt sich auch nicht sicher ist.

[43:23] Jesus stellt die Frage: „Wollt ihr auch gehen?“ Er stellt die Frage: „Ihr wollt doch nicht auch gehen, oder?“ Mit der Hoffnung sozusagen, mit dem inneren Wunsch, dass sie bleiben, aber mit der Freiheit, dass sie gehen können. Das ist ganz wichtig. Jesus ist es nicht egal, er sagt nicht: „Lasst mich alle, wollt ihr auch gehen?“ Jesus wünscht sich, dass sie bleiben, aber er sagt ihnen: „Ihr könnt entscheiden, ich kann euch nicht festhalten.“

[44:08] Das ist ganz erste Sache und jetzt, wer antwortet natürlich wie immer? Petrus. Vers 68, da antwortet ihm Simon Petrus: „Herr, zu wem sollen wir gehen?“ Petrus wollte nicht wieder zu den Fischen zurück. Die meisten anderen, wie gesagt, die sind wieder zu ihren alten Lebensumständen zurück, aber Petrus sagt: „Wir haben alles aufgegeben. Wo sollen wir hin? Sollen wir zu den Pharisäern, die sich ständig nur um die Schüsseln und die Becher streiten? Zu den Sadduzeern, die alles anzweifeln? Zu den Zeloten und dann nur noch Messerattentate machen? Zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens.“ Das ist ja genau das, was Jesus mit der Predigt sagen wollte. Petrus hat die Predigt verstanden und er hält fest.

[45:00] Übrigens dann, Vers 69, „Und wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Christus bist, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Übrigens nur ganz nebenbei, manche Übersetzungen sagen hier nur „der Heilige Gottes“ oder so, aber die Schlachter sagt, das ist Textus Receptus, dass du der Christus bist, der Sohn des lebendigen Gottes. Das wird Petrus später nochmal sagen, oder? Wenn er gefragt wird von Jesus bei Cäsarea, aber hier sagt er das schon mal. Er sagt: „Wir haben das erkannt.“

[45:26] Seit wann haben die Jünger erkannt, dass Jesus der Christus ist? Wo haben sie zum ersten Mal gesagt: „Das ist der Messias?“ Wann kommt zum ersten Mal ein Jünger und sagt: „Ich glaube, Jesus ist der Messias?“ Ganz am Anfang, als Andreas nach einem Tag mit Jesus, gleich am Anfang, kommt er zu Petrus, zu Simon und sagt: „Du, ich glaube, wir haben den Messias gefunden.“ Johannes 1. Und wann sagt zum ersten Mal jemand: „Du bist der Sohn Gottes?“ Auch gleiches Kapitel, paar Verse später, es ist Nathanael. Nathanael kommt dann und sagt, als Jesus mit ihm redet und sagt: „Du warst unter dem Feigenbaum“, sagt Nathanael: „Du bist wahrhaftig der Sohn des lebendigen Gottes, du bist der König Israels.“ Das heißt, von Anfang an ist das ihre Überzeugung. Sie wissen oder sie sind überzeugt, er ist der Messias, er ist der lebendige, der Sohn des lebendigen Gottes.

[46:21] Was es bedeutet ist, sie halten in dieser Krise an dem fest, was sie durch Erfahrung wissen. Was wird uns in der Gemeinde halten, wenn die Mehrheit uns verlässt? Was hält uns in der Gemeinde, wenn plötzlich alle sich gegen Jesus wenden, wenn die ganze Gesellschaft sich gegen Gottes Gesetz wendet? Was hält uns dann? Nicht nur theoretisches Wissen, die Vergangenheit geführt hat, die Erfahrung, die wir mit ihm gemacht haben, von der ersten Stunde an, die tragen uns dadurch. Der Petrus wird nicht geahnt haben an dem Tag, als er Jesus zum ersten Mal traf, dass diese Erfahrung schon ein Fundament sein wird, aber das war es.

[46:58] Schauen wir gleich am Ende, Vers 70 noch, aber Jesus hat an diesem Tag sehr deutlich gesprochen. Man könnte ja denken, dass er jetzt sagt: „Okay, wunderbar, wie dann später in Cäsarea, wo er sagt: „Das hat Gott offenbart.“ Aber er sagt jetzt noch etwas. Er sagt in Vers 70: „Jesus antwortete ihnen: Habe ich nicht euch zwölf erwählt? Und doch ist einer von euch ein Teufel.“

[47:21] Er hat alle zwölf formal ordiniert, hat alle zwölf erwählt, aber wir wissen, der Judas wurde erwählt, weil die anderen ihn dabei haben wollen. Und es ist interessant. Übrigens nebenbei gesagt, wo in Johannes wird etwas über die Wahl der zwölf Apostel gesagt? Johannes? Fangfrage? Nirgendwo. Johannes setzt das einfach voraus, weil es in Matthäus, Markus, Lukas berichtet wird. Das ist ein ganz toller Beweis, nochmal zu sehen, dass Johannes später geschrieben ist. Wenn man nur das Johannesevangelium lesen wüsste, wüsste man gar nicht, wer die zwölf sind, aber Johannes ist später geschrieben, setzt voraus, dass man Matthäus, Markus, Lukas kennt.

[48:18] „Einer von euch ist der Teufel.“ Teufel ist griechisch und heißt Diabolos und das heißt wörtlich, der Durcheinanderwerfer, der Verleumder, der alles durcheinander bringt. Das ist Dia, durch, das Dir, das guckt man ja durch und Bolos ist von Ballo, von werfen, der alles durcheinander wirft, der die Wahrheit verändert. Er sagt: „Einer von euch mitten im engsten Kreis bringt alles durcheinander.“ Aber Jesus hat ihn nicht identifiziert, er hat nicht gesagt: „Du bist es.“

[48:48] Sondern warum sagt Jesus das dann hier, wenn es ihm nicht darum geht, den Judas hier bloßzustellen, warum sagt er das? Warum sagt: „Einer von euch ist jetzt gerade gar nicht wirklich mein Jünger?“ Warum sagt er das? Einfach nur, um den Petrus nochmal zu sagen, ja, ja, also ist es schlimmer, als du denkst. Was könnte Jesus bewogen haben, diesen Satz zu sagen? Er will Judas retten. Er sagt: „Einer von euch ist gerade eigentlich ein Teufel, der steht auf der anderen Seite.“ Jesus weiß, es ist noch ein Jahr bis zur Kreuzigung und er weiß, welche Rolle Judas spielen wird. Er will ihn retten. Wenn Judas zugehört hätte, wenn Judas geglaubt hätte, dann wären diese Worte für ihn Worte buchstäblich des ewigen Lebens geworden.

[49:46] Wie oft geschieht es, dass wir Warnungen hören? Der Judas hat ja gemerkt, dass er gemeint ist, oder? Wie oft passiert es, dass wir Warnungen hören und wir wissen, Gott spricht zu mir, aber keiner merkt, dass ich eigentlich gemeint bin und wir sagen: „Naja, vielleicht später, irgendwann mal.“ Aber hier, wenn Gott mich warnt, dann deswegen, weil er weiß, welche Fehler ich später machen werde, vielleicht erst in einem Jahr. Wir können es uns nicht erlauben, eine Warnung, die Gott zu uns spricht, einfach in den Wind zu schlagen.

[50:13] Ja, vielleicht waren sie auch alle etwas erschrocken und haben vielleicht überlegt, ob sie selbst sind. Vers 71, damit enden wir heute. Das ist jetzt Johannes, der das später dann kommentiert. „Er redete aber von Judas Simons Sohn, dem Iskariot, wörtlich dem Mann von Kariot, das ist ein Dorf in Judäa, denn dieser sollte ihn verraten, er, der einer von den Zwölfen war.“

[50:53] Da macht Johannes mal diesen Punkt. Das Problem des Unglaubens war bis in die engsten Kreise. Ihr Lieben, nichts, keine Kirchenmitgliedschaft, kein Amt, keine Würde, irgendwelche Positionen kann garantieren, dass wir ein Kind Gottes sind. Das Einzige, was garantiert und das wirklich garantiert, dass wir ein Kind Gottes sind, ist, dass wir jeden Tag aus seinem Wort leben, dass wir ihm vertrauen, weil er es gesagt hat. Nicht unseren Gefühlen, sondern dem, was dieses Wort sagt, denn dieses Wort, das ist das Zeugnis von so vielen Menschen, ist unser Leben. Ich kann das selbst bezeugen, dieses Wort hat mein Leben gerettet und rettet es jeden Tag aufs Neue, wenn ich mich mit diesem Wort verbinde, wenn ich mich mit Jesus verbinde.

[51:40] Ich möchte euch von Herzen einladen, lasst uns keinen Tag vergehen lassen, ohne dass wir aus dem Wort Gottes wenigstens einen Vers durchdacht haben und verstanden haben, dass wir uns geistlich ernähren, damit, wenn die großen Krisen kommen und die kommen, dass wir stehenbleiben und dass wir sagen können: „Wohin sollen wir sonst gehen? Hier bei Jesus haben wir Worte des ewigen Lebens.“ Wovon wir noch beten, lasst uns niederklingeln.

[52:13] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass du durch dein Wort zu uns sprichst und dass jeder von uns verstehen kann, was du uns sagen möchtest. Denn was du uns sagen möchtest, ist nicht hochtheologisch und nicht sehr kompliziert, sondern sehr einfach und doch sehr umfassend. Du möchtest unser Freund sein und du möchtest, dass wir ewig leben und du möchtest, dass wir die Sünde überwinden können durch deine Gnade und durch deine Kraft, die uns in Fülle zur Verfügung steht. Und deswegen brauchst du unseren Glauben, dass wir dir das glauben, dass wir dir vertrauen, dass du das wirklich ernst meinst und dass du es wirklich für uns meinst und dass du es gut mit uns meinst. Herr, diesen Glauben brauchen wir und du hast versprochen, dass du uns diesen Glauben sogar schenken möchtest, dass du ihn stärken kannst und vermehren kannst. Herr, wir wollen jeden Tag aus deinem Wort leben und immer mehr die Erfahrung machen, wie sehr dein Wort durch alle Krisen trägt. Herr, wenn alle dich verlassen, wollen wir bei dir bleiben, weil du so viel für uns getan hast, aus Dankbarkeit. Hab Dank, dass du uns lieb hast. Im Namen Jesu. Amen.


Lizenz

Copyright ©2020 Joel Media Ministry e.V.
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.