[5:00] Und ganz interessant, dass also nicht nur was die Kindheit, sondern auch die Jugend von Jesus betrifft,
[5:06] die Bibel sich in großes Schweigen hüllt und ihn sozusagen in Kind sein lässt und in Jugendlicher
[5:14] sein lässt. So ein bisschen auch ist dahinter die Idee verborgen, dass Kinder und Jugendliche auch
[5:20] zunächst einmal Geborgenheit brauchen. Nun, es heißt so, er nahm zu an Weisheit und an Alter.
[5:31] Das ist ja nicht zum ersten Mal erwähnt im Evangelium. Wo fanden wir eine ganz ähnliche
[5:37] Formulierung in diesem Evangelium? Haben wir das schon mal gesehen, diese Formulierung? Das Kind
[5:46] nahm zu an Weisheit und Alter und Gnade bei Gott und den Menschen. Findet ihr einen anderen Vers im
[5:52] selben Kapitel, der was ganz Ähnliches sagt, so nicht allzu lange her, da wir das gelesen haben?
[6:06] Wer findet den Vers, wo was ganz Ähnliches über ihn gesagt wird? Vers 40, genau. Also wir haben in
[6:14] Vers 40, da heißt es nämlich: "Das Kind aber wuchs und wurde stark im Geist, erfüllt mit Weisheit, und
[6:22] Gottes Gnade war auf ihm." Und dann haben wir Vers 52, und da wird wesentlich dasselbe gesagt, und
[6:29] dazwischen ist diese Episode im Tempel. Im Grunde genommen ist das wie so ein Einschub, um zu sagen,
[6:35] von seiner Geburt bis dann zu seiner Taufe haben wir diese ein und dieselbe Geschichte. Er nahm zu
[6:42] und er nahm zu und er nahm zu, und zwar an Gnade und Weisheit und an Alter, und er wurde stärker und
[6:48] größer. Sein Leben als Kind und Jugendlicher war ein Leben der Zunahme. Das ging nicht bergab.
[6:56] Oftmals ist es ja so, wenn wir uns unsere eigene Kindheit erinnern oder unsere eigene Jugend,
[7:01] das ist mal so eine Achterbahnfahrt gewesen, auf und ab, und manchmal ging es deutlich mehr ab als
[7:07] auf. Aber bei Jesus ging es in all den Jahren, ob er 3, 5, 7, 13, 19, 24 war, es ging immer bergauf.
[7:16] Immer bergauf. Und das erinnert mich an eine Verheißung, die in 5. Mose steht. Schaut mal in
[7:23] 5. Mose, 28, 5. Mose, 28 und dort, Moment, 5. Mose, 28 und dort wäre es 13.
[7:53] "Und der Herr wird dich zum Haupt setzen und nicht zum Schwanz, und es wird mit dir immer nur
[7:59] aufwärts gehen und nicht abwärts." Unter welcher Bedingung? "Wenn du den Geboten des Herrn, deines
[8:11] Gottes gehorchst, die ich dir heute gebiete, dass du sie bewahrst und tust." Also die Bibel sagt,
[8:18] wenn wir Gottes Geboten gehorchen, dann wird unser Leben immer nur aufwärts gehen. Und das
[8:25] Leben von Jesus ging immer nur aufwärts. Er nahm zu und er nahm zu und er nahm zu.
[8:29] Schlussfolgerung? Schlussfolgerung: Jesus gehorchte den Geboten. Nicht wahr? Jesus lebte als Kind und
[8:42] Jugendlicher ein Leben des völligen Gehorsams. Von wem wird was ganz Ähnliches gesagt in der
[8:51] Bibel? Ganz ähnliche Aussage, dass er zunahm im Geist und in der Weisheit. Johannes der Täufer.
[9:00] Und wo? Wo wird das von Johannes dem Täufer gesagt? Schaut mal, selbes Evangelium, Lukas 1,
[9:12] Vers 80. Also der Lukas, der vergleicht immer, der stellt immer den Johannes und den Jesus schön
[9:17] nebeneinander. Da gibt es ganz viele Parallelen, haben wir schon viele herausgearbeitet. In Lukas
[9:22] 1, Vers 80, da heißt es genauso: "Das Kind aber wuchs und wurde stark im Geist, und er war in der
[9:29] Wüste bis zum Tag seines Auftretens vor Israel." Haben sich Jesus und Johannes eigentlich vorher
[9:36] mal getroffen? Nein. Vorher. Also hier haben wir zwei Menschen, Jesus in Nazareth und Johannes,
[9:48] der später der Täufer genannt wird, die beide unabhängig voneinander eine sehr interessante
[9:52] Entwicklung durchmachen. Jesus ist natürlich noch interessanter als Johannes, weil Johannes am Ende
[9:56] doch nur auch ein Mensch war und natürlich auch ein Sünder, aber Jesus tatsächlich sogar der
[10:00] Sündlose war. Aber von beiden wird etwas ganz Ähnliches berichtet: Sie wuchsen im Geist und
[10:05] wurden stark. Interessanterweise gibt es auch im Alten Testament eine Person, von der etwas ganz
[10:13] Ähnliches gesagt wird. Ich weiß nicht, wer von euch die kennt. Im Alten Testament, wo auch ähnlich
[10:20] gesagt wird von einem Kind, dass es im Geist wuchs, sozusagen. Samuel, ganz genau. Schaut mal in 1.
[10:27] Samuel 2, Vers 26. 1. Samuel 2 und dort Vers 26. Das ist jetzt hier ein Vers, der sehr deutlich auf
[10:42] den Vers zurückweist, den wir gerade studiert haben. Lukas 2, Vers 52. 1. Samuel 2 und dort
[10:53] Vers 26. Dort heißt es: "Aber der Knabe Samuel nahm immer mehr zu an, an Alter und an Gunst. Und jetzt
[11:06] schaut mal, wie es weitergeht. Wie geht der Satz zu Ende? Sowohl bei dem Herrn als auch bei den
[11:13] Menschen." Seht ihr, dass das eine tolle Parallele ist zu Lukas? Da hatten wir genau in Lukas 2
[11:19] genau dasselbe. In Lukas 2 hatten wir gelesen: "Er nahm zu an Weisheit und Alter und Gnade bei
[11:30] Gott und den Menschen." Also die Formulierung, die Lukas hier in Vers 52 über den heranwachsenden
[11:37] Jesus wählt, ist dieselbe Formulierung, die im Alten Testament sich auf Samuel bezieht.
[11:43] Interessant, dass Samuel als Kind und als Jugendlicher ein Typus war auf Jesus. Sehr,
[11:53] sehr interessant. Jetzt schauen wir uns mal ein paar andere Texte an, die uns erklären,
[12:01] wie das möglich ist, dass er bei Gott und den Menschen an Gnade zunahm. Schaut mal mit mir in
[12:09] Sprüche 3 und dort Vers 3 und 4. Sprüche 3 und dort Vers 3 und 4. Sprüche 3, Vers 3 und 4.
[12:40] Da heißt es: "Mein Sohn, mein Sohn, das stimmt. Sprüche 3, Vers 3 und 4.
[12:46] Gnade und Wahrheit werden dich nicht verlassen. Binde sie um deinen Hals, schreibe sie auf die
[12:55] Tafel deines Herzens. So wirst du Gunst und Wohlgefallen erlangen, Achtung, in den Augen
[13:03] Gottes und der Menschen." Also wir haben ja diese Formulierung: "Gunst gewinnen in den Augen Gottes
[13:10] und der Menschen." Wir haben das bei Jesus, wir haben das bei Samuel, und jetzt lesen wir hier
[13:14] in den Sprüchen, was die Bedingung dafür ist. Wann geschieht das? Was führt dazu,
[13:23] dass man Gunst gewinnt bei Gott und den Menschen? Genau, wenn das Gesetz im Herzen ist,
[13:36] auf der Tafel des Herzens, wenn das Wort Gottes tatsächlich eingraviert ist in das Denken. Wie
[13:45] nennt man denn das, wenn das Gesetz Gottes im Herzen ist? Was ist denn der theologische Begriff
[13:49] dafür oder der biblische Begriff? Das Gesetz im Herzen zu haben. Bekehrung, ja, also Bekehrung ist
[13:58] der erste Schritt dahin. Man hat bei der Bekehrung ja nicht gleich sofort das ganze Gesetz im Herzen,
[14:02] aber Gehorsam, ja, das stimmt, aber es gibt viele Menschen, die haben auch einen äußerlichen
[14:07] Gehorsam, ohne dass es im Herzen ist. Liebe ist sehr richtig, also Liebe hat mit Herz und Gesetz
[14:13] zu tun, ganz wunderbar, aber es gibt einen ganz besonderen Begriff aus zwei Worten zusammengesetzt.
[14:18] Das ist kein alter Begriff, sondern das ist ein, der neue Bund, genau, denn das ist der neue Bund.
[14:24] Nicht wahr, dass ich mein Gesetz in ihre Herzen schreiben möchte und ihren Sinn schreiben möchte.
[14:28] Das heißt, Jesus lebte im neuen Bund, logisch. Das heißt, Jesus hat den neuen, der neue Bund ist
[14:37] nicht erst entstanden, als Jesus gestorben ist oder als er das Abendmahl eingesetzt hat oder als
[14:42] er auferstanden ist, nein, er lebte schon längst im neuen Bund, weil ihr wisst ja, alter neuer Bund
[14:46] ist nicht altes neues Testament, sondern der alte Bund ist, was nochmal? Das stimmt, das stimmt schon,
[14:57] also der neue Bund ist das Gesetz im Herzen. Was ist der alte Bund? Auf Steintafeln. Ist der alte
[15:04] Bund schlecht? Der alte Bund ist gut, er ist noch nicht gut genug, das ist das Problem, denn die zehn
[15:11] Gebote sind ja nicht schlecht auf Steintafeln, oder? Ist ganz wunderbar, nur das Problem, das Gesetz
[15:16] auf Steintafeln nützt mir nichts, es sei denn, es kommt auch in mein Herz. Genau. Und die meisten
[15:24] Israeliten waren mit dem alten Bund zufrieden. Gesetz auf Steintafeln, ein Hohepriester, der
[15:29] für uns vermittelt und die Schlachtopfer und die Sündopfer für ihre Sünden. Aber im neuen Bund,
[15:34] das Gesetz im Herzen, wir haben direkten Zugang zu Gott und Jesus unser Mittler. Ganz genau.
[15:46] Ganz genau, das Gesetz im Herzen. Und die Bibel sagt uns, wenn wir das erleben, dann werden wir
[15:53] Gunst gewinnen, nicht nur bei Gott, sondern auch bei den Menschen. Manchmal ist es ja so, dass wir es
[15:59] für eine ganz große christliche Tugend halten, wenn wir mit allen Feind sind, wenn wir so verfolgt
[16:05] wie möglich sind. Ja, aber in der Bibel wird ganz deutlich, ein gläubiger Mensch wird auch Gunst haben
[16:11] bei den Menschen. Er wird auch Feinde haben, er wird auch verfolgt werden, er wird auch Anfechtung
[16:16] haben. Aber Menschen, die generell offen sind, die das Evangelium nicht wissentlich ablehnen,
[16:22] werden immer Hochachtung haben vor einem gläubigen Menschen. Wir lesen das bei Hiob, wir sehen das
[16:27] bei Daniel zum Beispiel und bei vielen anderen und bei Jesus auch. Ganz genau. Schaut mal in Römer,
[16:42] Römer 14, Römer 14, Vers 18. Römer 14, Vers 18, da wird das gleiche Thema jetzt aus der
[17:09] neutestamentlichen Perspektive aufgegriffen. "Wer darin Christus dient, der ist Gott wohlgefällig
[17:18] und auch von den Menschen geschätzt." Selbe Idee wie in Sprüche, oder? Jetzt, es heißt, was ist die Bedingung?
[17:26] Nach dem Vers? Christus dient, aber worin? Was sagt der Vers? Was ist die Bedingung? Wer darin Christus dient,
[17:46] wer darin Christus dient. Welche Frage muss man stellen, wenn dort steht: "Wer darin Christus dient"?
[17:53] Der ist vor Gott wohlgefällig und auch von den Menschen geschätzt. Welche Frage muss man stellen,
[18:00] wenn der Satz beginnt, oder der Vers beginnt mit: "Wer darin Christus dient"? In was? Worin? Genau.
[18:09] Und wo ist die Antwort? In welchem Vers finden wir wohl die Antwort? Davor. Was sagt Vers 17? "Denn das,
[18:18] wie geht es weiter? Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern was? Gerechtigkeit, Friede und
[18:30] Freude im Heiligen Geist." Das heißt, es geht also um das Reich Gottes und das Reich Gottes ist nicht
[18:40] Essen und Trinken. Warum ist das Reich Gottes nicht Essen und Trinken? Wird doch schön, oder? Erlösung
[18:46] durch Soja. Warum ist das Reich Gottes nicht Essen und Trinken? Warum kann Essen und Trinken
[18:54] nicht das Reich Gottes definieren? Naja, hoffentlich ja nicht mehr. Nein, Quatsch. Also, hat Gott bestimmte
[19:15] Maßstäbe fürs Essen und Trinken, ja oder nein? Ja. Also, warum definiert das nicht das Reich Gottes?
[19:20] Es gibt doch bestimmte Maßstäbe. Zum Beispiel gibt es biblische Maßstäbe, was wir essen und was wir
[19:26] nicht essen sollten. Und dann gibt es zusätzliche Ratschläge, inspirierte Ratschläge, was noch
[19:29] besser für uns wäre. Warum kann all das nicht das Reich Gottes definieren? Ja, ganz genau. Es
[19:42] erlöst uns nicht. Niemand. Es gibt ganz viele Menschen, denkt scharf nach, es gibt ganz viele
[19:48] Menschen, die halten all das und haben vom Reich Gottes gar keine Ahnung. Viele Menschen sind vegan,
[19:56] enthalten sich all der Dinge, die die Bibel sagt, man sollte sich enthalten vielleicht sogar. Und
[20:01] man kann also ganz, ganz vollständig den biblischen Gesundheitsmaßstäben entsprechen und vom Reich
[20:08] Gottes entfernt sein, wie die Sonne vom Mond. Das heißt, Essen und Trinken können das Reich
[20:14] Gottes nicht definieren. Also, nach diesem Vers, was ist jetzt das Reich Gottes? Welche drei Elemente
[20:20] gehören dazu? Gerechtigkeit, nicht, ja, das stimmt alles, aber bitte was im Vers steht? Gerechtigkeit,
[20:27] Friede und Freude im Heiligen Geist. Und dann heißt es: "Wer darin Christus dient", also wer in
[20:45] Gerechtigkeit dient, wer in Frieden dient und wer in Freude im Heiligen Geist dient, der ist was?
[20:52] Der ist Gott wohlgefällig und bei den Menschen geschätzt. Und da wir genau das bei Jesus finden,
[21:01] stellen wir fest, dass Jesus als jugendlicher und junger Mann offensichtlich in Gerechtigkeit
[21:08] gedient haben muss. Er muss im Frieden gedient haben und er muss mit Freude gedient haben. Also
[21:15] nicht, wie mancher, der sagt, na ja, meine Eltern haben es mir gesagt, jetzt muss ich das tun, und
[21:20] er hat es mit Freude gemacht und zwar eine Freude, die vom Heiligen Geist kam. Mit anderen Worten,
[21:25] wenn Jesus dann später in seinem Dienst immer vom Reich Gottes gesprochen hat, hat er doch gemacht,
[21:33] oder? Er hat immer gesagt, das Reich Gottes ist gleich einem Senfkorn, ist gleich einem Sauerteig,
[21:37] ist gleich zehn Jungfrauen. Wenn er vom Reich Gottes mit 30 gesprochen hat, dann hat er von
[21:43] etwas gepredigt, was er vorher 18 Jahre lang praktiziert hat. Er hat nicht einfach nur die
[21:49] Bibel gelesen und gesagt: "Oh, das Reich Gottes ist ja anders, als die Theologen es sagen, ich predige
[21:53] mal darüber." Er hat es 18 Jahre lang erfolgreich praktiziert und dann hat er darüber gesprochen. Und
[22:03] das war einer der Gründe, warum seine Predigt so überzeugend war, weil er wusste, wovon er sprach.
[22:08] Er hat nicht einfach nur was weitergegeben, was er selbst irgendwie aufgeschnappt hat. Er hat das
[22:14] Reich Gottes in seinem Leben praktiziert. Er sprach aus Erfahrung. 18 Jahre Reichgottes-Erfahrung.
[22:22] Seit dem Moment, wo er erst mal verstanden hat, was seine Mission ist, hat er gedient. Stellt
[22:28] euch vor, er hat mit zwölf Jahren erkannt, dass er der Messias ist, auf den alle warten. Dann hat
[22:33] er 18 Jahre lang gedient. Welchen Beruf hat er ergriffen? Zimmermann. Jetzt sagt uns die Bibel
[22:43] nicht explizit, warum er ausgerechnet diesen Beruf ergriffen hat, aber könnt ihr euch vorstellen, wie
[22:48] Jesus als Zimmermann gearbeitet hat? Wie stellt ihr euch das vor? Was wird ihn so gekennzeichnet haben?
[22:53] Qualität. Also bei ihm hat jeder Stuhl, weiß nicht, ob es damals schon Stühle gab oder Tische oder was auch immer,
[23:01] was immer er hergestellt hat, es hat alles gepasst. Jesus war in seinem Dienst für die Menschen,
[23:11] in seinem Dienst im Alltag, genauso fehlerfrei, irrtumslos, sündlos, genauso, wie soll ich sagen,
[23:20] akkurat, wie dann später auch als Prediger und als Mensch in seinem Leben.
[23:41] Also der Punkt, den ich machen möchte, ist der: Jesus hat all diese Dinge schon ausgelebt, lange
[23:47] bevor er im Vollzeitdienst für Gott war. Jesus musste nicht erst Prediger sein, um ein gläubiges
[23:56] Leben zu leben. Man kann als normales Gemeindeglied, das war ja Jesus, er war einfach ein ganz normales
[24:04] Gemeindeglied, hatte keine große Aufgabe, war kein Gemeindeleiter, hat einfach nur seine Arbeit
[24:08] gemacht und ist am Samstag in die Gemeinde gegangen. Als ganz normales Gemeindeglied, ohne besondere
[24:14] Funktion, ohne besonderes Wahlamt, ohne irgendwas, kann man das Beste für Gott geben und dementsprechend
[24:24] ein echtes Licht sein. Er war zwar nicht weltbekannt zu dem Zeitpunkt, aber alle, die ihn kannten,
[24:29] die haben ihn geschätzt. Er nahm zu an Gnade bei Gott und den Menschen, sein einfaches, demütiges,
[24:36] gottgeweihtes Leben, das Ausleben des Reiches Gottes im Alltag, mitten in der Finsternis von
[24:42] Nazareth, diesem kleinen, bösen Dorf, hat dazu geführt, dass das Licht schon mal anfing zu
[24:48] leuchten, mitten im finsteren Galiläa. Nun, jetzt ist es ja so, dass, obwohl wir vom Leben Jesus nicht
[24:57] viel wissen, wir doch ein bisschen wissen, was in diesen 18 Jahren so drumherum geschah. Und ich
[25:03] dachte mir, es wäre doch interessant, mal kurz zusammenzufassen, was der junge Jesus in der
[25:07] Zeitung gelesen hätte, wenn es eine Zeitung gegeben hätte, was so das Gespräch war in all diesen Jahren,
[25:14] was ist so um ihn herum passiert. Wir haben ihn ja zurückgelassen im Jahre 9, als er ungefähr 12
[25:22] Jahre alt war, ungefähr im Jahre 9. Weiß jemand, was noch im Jahre 9 Berühmtes passiert ist? Ein
[25:28] ganz, ganz, ganz, ganz berühmtes Ereignis, damit hat man früher im Geschichtsunterricht mal angefangen.
[25:32] Nein, nein, nein, gar nichts mit der Bibel zu tun, Weltgeschichte im Jahre 9. Herodes war schon
[25:41] vorgestorben, 4 vor Christus. Eine ganz berühmte Schlacht, die uns Deutsche auch, genau, die Schlacht
[25:48] im Teutoburger Wald. Schon mal gehört? Ja, was ist denn da passiert? Die Schlacht im Teutoburger Wald,
[25:58] das war, als die Germanen, als die Germanen sich erfolgreich zur Wehr gesetzt haben gegen die
[26:07] Römer. Die Römer hatten ja bis dahin alles erobert, was nicht niet- und nagelfest war, und hier
[26:11] haben sie ihre größte militärische Niederlage erhalten. Drei Legionen, 20.000 Soldaten sind von
[26:19] den Germanen niedergemacht worden, unter dem Befehl von Varus. Da gibt es den berühmten Ausspruch
[26:24] vom Kaiser: "Varus, gib mir die Legionen wieder!" Das war natürlich ein ziemlicher Schlag für die Römer,
[26:31] und im gleichen Jahr gab es einen neuen Statthalter in Judäa. Nach Koponius kam jetzt Markus, so hieß
[26:45] er, Markus Ambivulus. Markus Ambivulus. Das war der zweite Statthalter in Judäa. Und interessant ist,
[26:57] man hat Münzen von ihm gefunden, und normalerweise hat man auf den Münzen eines Herrschers immer was
[27:03] drauf, das Bild. Und von ihm findet man keine Münzen mit Bildern, sondern nur so mit allgemeinen
[27:11] Symbolen, so Datteln und Feigen und ich weiß nicht was. Und man interpretiert das so, dass er
[27:16] wahrscheinlich sehr sensibel gewesen ist den Juden gegenüber, weil manche Juden das zweite
[27:21] Gebot so interpretiert haben, dass man keine Bildnisse machen darf. Und er wollte keinen Aufstand
[27:25] erregen und hat also versucht, sich anzupassen an die jüdische Kultur. Also eigentlich ein ganz
[27:29] freundlicher Statthalter. Es gab auch keinerlei Aufstände in seiner Zeit, und es blieb relativ
[27:34] ruhig. Und naja, das Ganze ging dann bis ins Jahre 12, und dort ist er dann abgelöst worden und zwar
[27:44] von Annius Rufus. Das war der dritte Statthalter in Judäa. Annius Rufus. Zu dem Zeitpunkt muss Jesus so
[27:57] um die 15 Jahre alt gewesen sein. Ich denke, das wird er schon mal gehört haben: neuer Statthalter
[28:02] in Judäa. Er selbst lebt ja nicht in Judäa, sondern in Galiläa. Und Galiläa war nicht jüdische
[28:07] Provinz, nicht römische Provinz, sondern war halt unter römischer Hoheit, aber da gab es immer noch
[28:13] den König, diesen Herodes Antipas. Und naja, das war auch die Zeit, wo der Tiberius an Macht gewann.
[28:25] Tiberius sollte bald römischer Kaiser werden, und er war mittlerweile Feldherr, auch in Germanien
[28:33] gewesen, und er bekam jetzt schon Regierungsämter übertragen, ist dann auch im Triumph in Rom
[28:40] eingezogen. Und dann im Jahre 14, als Jesus 17 Jahre alt war, da ist Kaiser Augustus gestorben.
[28:53] Das muss Jesus mitbekommen haben. Wenn der Kaiser stirbt, das geht bis in die letzten Winkel der
[29:05] damals bekannten Welt, und die war relativ groß. Die Römer hatten zu diesem Zeitpunkt sogar erste
[29:10] diplomatische Kontakte nach Südindien, also haben sich wirklich in der Welt bekannt gemacht. Und
[29:18] Tiberius wird Kaiser, und es gibt weitere Feldzüge in nach Germanien, aber das hat nicht so wirklich
[29:25] Erfolg. Und es passiert etwas Interessantes in Israel, und zwar im Jahre 15, da muss Jesus um die 18 Jahre
[29:36] alt gewesen sein, da wird der Hohepriester Hannas abgesetzt. Der kommt später auch in den
[29:44] Evangelien vor. Es ist der, der dann bei der Gefangennahme Jesu als allererster ihn verhört.
[29:51] Johannes wird er beschrieben, der Hohepriester Hannas, und der war damals schon mal Hohepriester
[29:56] und ist dann abgesetzt worden. Und an seiner Stelle kam ein gewisser Ismael Ben-Fabi.
[30:11] Ismael Ben-Fabi wurde neuer Hohepriester. Damals war das so, das Hohepriesteramt war
[30:21] wie so eine politische Angelegenheit. Da gab es dann verschiedene Fraktionen, verschiedene
[30:26] Priesterfamilien, die haben dann darum gestritten, wer dann von ihren Nachfolgern Hohepriester
[30:31] werden konnte. Und der eine König hat dann die Familie unterstützt und der Gouverneur hat die
[30:35] Familie unterstützt. Da gab es so richtige Ränkespiele. Und der Ismael Ben-Fabi, der galt
[30:42] als der schönste Mann von ganz Judäa. Allerdings war er auch derjenige, der am meisten dem Luxus
[30:49] sich hingegeben hat. Da hat man einen Hohepriester gehabt, der seine ganze Zeit verschwendet
[30:53] hat in Schwelgerei und Luxus, und das gab natürlich einen Skandal. Also könnt ihr euch vorstellen,
[30:59] als Jesus so um die 18 Jahre alt war, da war der Generalkonferenzpräsident Judas, sozusagen das
[31:07] Oberhaupt der Kirche, also jemand, der sich einfach nur dem Luxus und der Schwelgerei hingibt und das
[31:18] ganz offen. Also fast so ein Playboy, aber üble Missstände in der Kirche. Das ist ganz interessant,
[31:29] auch wenn man das mal im Hinterkopf behält. Jesus hätte vielleicht sagen können, mit 18,
[31:32] denn mit 18 Jahren ist man so im Alter, wo man denkt, jetzt kann ich selbst entscheiden,
[31:37] ich bin nicht groß genug, jetzt fange ich mal was an. Und er wusste, was seine Aufgabe ist,
[31:42] er wusste auch, wie korrupt die Kirche ist, der er angehört. Und er hätte ja durchaus sagen können:
[31:48] "Ich warte jetzt mal nicht länger, ich starte schon mal was." Oder? Aber er wusste, ich muss noch ein
[31:54] bisschen warten, noch weitere zwölf Jahre und zusehen, obwohl das alles so in negative Tendenzen
[32:02] geht. Fand ich ganz interessant. Der Hannas hatte übrigens fünf Söhne und auch noch einen
[32:10] Schwiegersohn, auf den kommen wir gleich. Und es gibt manche Bibelausleger, das ist nur eine
[32:15] Spekulation, die vermuten, ihr kennt doch in Lukas 16 dieses Gleichnis von dem reichen Mann
[32:20] und dem armen Lazarus. Und der reiche Mann hat auch fünf Söhne. Und da vermutet man, dass der Hannas
[32:30] da so ein bisschen Pate gestanden hat, der alles verschwendet hat, der Hohepriester. Übrigens,
[32:34] aus welcher Sekte kamen die ganzen Hohepriester? Die Juden hatten ja verschiedene Religionsparteien,
[32:43] können wir vielleicht besser sagen. Aus welcher Gruppe kamen die meisten Hohepriester? Die
[32:48] kamen fast alle von den Sadduzäern. Von den Sadduzäern. Jetzt, wer waren die Sadduzäer?
[32:55] Also, wen gab es noch? Es gab die Sadduzäer und es gab die Pharisäer und es gab die Zeloten,
[33:04] sehr gut. Und es gab die Pharisäer, Sadduzäer, Zeloten, dann gab es noch die Essener und dann
[33:13] gab es noch die Therapeuten. Schon mal von denen gehört? Okay, also zunächst mal die Sadduzäer.
[33:18] Die Sadduzäer waren so die, das waren die besonders Gebildeten, die hatten besonders viel
[33:24] auch von diesem hellenistischen griechischen Geist. Sie haben bestimmte biblische Lehren
[33:30] abgelehnt. Wir würden also sagen, das waren quasi die Liberalen, die sich der Welt anpassen. Das
[33:35] waren so die, die mit Rom am ehesten vielleicht noch versucht haben anzubandeln, die mit griechischer
[33:42] Philosophie sich auch beschäftigt haben und die so manche Sachen nicht mehr ernst genommen haben.
[33:46] Die haben nicht an Auferstehung geglaubt, sie haben nicht an Engel geglaubt und vor allem haben
[33:51] sie nur die ersten fünf Bücher Mose als verbindlich anerkannt. Das andere haben sie so gesagt, naja,
[33:55] das ist nicht ganz so inspiriert. In manchen Hinsichten, naja, also die haben verschiedene
[34:03] Lehren hinterlassen, aber die Sadduzäer waren jedenfalls, die haben vieles abgelehnt und waren
[34:07] eher so politisch eingestellt und hatten meistens das Hohepriesteramt inne. Ganz interessant.
[34:14] Jetzt, wer waren die Pharisäer? Die haben natürlich das geglaubt, was die Sadduzäer nicht mehr geglaubt
[34:23] haben, aber was war an denen besonders? Ja, also das waren eher so die Konservativen, würde man
[34:30] sagen, in gewisser Weise. Das waren die, die wollten alles bewahren, aber nicht nur die Bibel,
[34:34] sondern auch noch die Interpretation über die Bibel von den vorhergehenden Generationen. Die
[34:40] Tradition der Ältesten und so waren sie ganz fleißig darin zu sammeln, was hat Rabbi X und
[34:45] Rabbi Y gesagt und was hat er gesagt und das muss alles auswendig gelernt werden und haben tausende
[34:51] Extrargeln und Sonderregeln erfunden. Und sie nannten sich also die Heiligen, die Abgesonderten,
[34:56] ja, die Pharisäer. Damals, heute ist es ja verkehrt.
[35:00] Ein Schimpfwort, also es ist ja "pharisäisch". Aber damals war das etwas ganz, ganz Angesehenes,
[35:05] wenn jemand ein Pharisäer war. Die haben dann sich ganz öffentlich gezeigt als die besonders
[35:10] Heiligen, die Almosen geben. Wer waren die Zeloten? Und nicht vergessen, das sind alles
[35:18] Gruppen, die Jesus kannte, die es auch in seiner Synagoge gegeben hat, hier oder mehr. Und wenn
[35:25] er in Jerusalem kam, jedes Jahr hat er immer wieder Kontakt gehabt mit den Sadduzäern, mit
[35:29] den Pharisäern und mit den Zeloten. Wer waren die Zeloten? Ja, die Zeloten, also die Sadduzäer
[35:38] waren eher so die Liberalen, die Pharisäer so die Konservativen und die Zeloten, das waren die
[35:45] Politischen. Die wollten nicht einfach nur mit Beten und Bibel lesen, die Römer vertreiben,
[35:50] sondern die haben gedacht, wir müssen mal ganz handfeste Argumente bringen, nämlich mit Waffen.
[35:54] Die Zeloten waren so eine Art Widerstandsbewegung, die haben gesagt, Religion ist nur dann gut,
[36:00] wenn auch in der politischen Revolte sich das zeigt. Also die haben Aufstand gefördert,
[36:06] das waren quasi so etwas wie Terroristen. Da gab es einen militanten Arm, die hatten so einen,
[36:12] wie heute auch Parteien haben, die etwas noch weiter rechts sind, weiter links sind,
[36:17] so einen rechten Parteiflügel und einen linken Parteiflügel. Die besonders Militanten oder
[36:22] den Zeloten, das waren die sogenannten Sikarier. Und die hießen Sikarier, das kommt von dem
[36:28] griechischen Wort Dolch. Das waren die Dolchmänner, dafür bekannt, dass sie immer mal wieder jemanden
[36:35] erdolcht haben. Und das waren also wirklich die Terroristen, das waren die Terroristen des
[36:40] Judentums. Wenn immer da ein römischer Hauptmann, vielleicht unbewacht, des Nachts die Straße gegangen
[36:46] ist, dann konnte man darauf warten, dass irgend so ein Sikarier hinter dem Busch lauerte mit seinem
[36:51] Dolch und dann den Römer erdolcht hat. Und dann hatten sie wieder jemanden ermordet. Das galt so
[36:57] quasi als Befreiung des Volkes, damit endlich der Messias kommen kann. Also wenn Jesus im Tempel mit
[37:05] 18, 19, 20, 21 da mit Leuten diskutiert hat, dann hat er wahrscheinlich mit Leuten diskutiert,
[37:10] die gesagt haben: "Ach, das Buch Daniel, das ist gar nicht so inspiriert, das können wir auch nicht
[37:16] glauben hier." Dann mit Leuten diskutiert, die gesagt haben: "Wir müssen alles halten, ganz genau,
[37:19] und zwar nicht nur, was die Bibel sagt, sondern auch noch, was hier Rabbi X gesagt hat." Und dann
[37:24] hat er wieder mit anderen Leuten Kontakt gehabt, die gesagt haben: "Jesus, wenn du wirklich was für
[37:28] dein Volk tun willst, kauf dir ein Dolch und lass uns jetzt mit Gewalt die Römer vertreiben." Also
[37:35] das waren die Sadduzäer, die Pharisäer, die Zeloten. Und dann gab es die Essener. Die Essener,
[37:43] die waren eine Gruppe, die sich auch für die Heiligkeit eingesetzt hat und zwar so heilig,
[37:49] dass sie gesagt haben: "Israel, Judäa ist so sehr abgefallen, wir können nicht mehr bei ihnen bleiben,
[37:59] wir müssen uns von Judäa distanzieren. Die Gemeinde ist Babylon, sozusagen." Das haben sie gesagt,
[38:06] die Gemeinde ist Babylon, und wir müssen jetzt in unsere eigenen heiligen Höhlen uns verkriechen
[38:13] und dort warten, bis der Messias kommt. Also ich weiß gar nicht, ob Jesus überhaupt so
[38:18] großen Kontakt mit ihnen gehabt hat, weil sie nämlich gar nicht mehr da waren, als Jesus dann
[38:21] groß wurde. Sie saßen dort in Qumran zum Beispiel, beim Toten Meer, in den Höhlen und haben dort ganz
[38:29] still gelebt, haben wohl auch, soweit ich weiß, keine Eheschließung gehabt und naja, jedenfalls
[38:40] haben sie sich sehr für Literatur eingesetzt, haben die ganzen biblischen Schriftrollen
[38:46] abgeschrieben und man konnte also immer wieder von ihnen gute Bücher bekommen. Ich finde das
[38:51] ganz interessant, weil irgendwie gibt es all diese Gruppen heute auch noch. Also so prinzipiell,
[38:56] da gibt es diese Gedankengänge und das war alles das Spektrum, was Jesus vorfand, als er in der
[39:03] Gemeinde aufwuchs. Die Liberalen, die Konservativen, dann der Gewaltbereite, die politisch aktiv waren
[39:09] und dann so ganz Extremisten, die eigentlich von der Gemeinde sich distanziert haben. Und die Szene,
[39:16] die kommen in der Bibel deswegen auch nicht vor, weil sie, wie gesagt, sich distanziert haben.
[39:23] Alle anderen kommen vor, aber die haben sich quasi selbst ins Aus buxiert. Und dann gab es
[39:28] noch die Therapeuten. Das sind vielleicht die Unbekanntesten. Das waren Juden in Ägypten.
[39:36] Die haben jetzt, das waren keine medizinischen Missionare, wie man vielleicht denken könnte.
[39:40] Die Therapeuten, das waren im Prinzip Mystiker. Die haben also, das waren im Prinzip sowas wie
[39:46] jüdische Mönche, die haben alle einzeln gelebt, durften nicht heiraten und haben sehr asketisch
[39:52] gelebt, auf alles Fleisch verzichtet, waren strikter Vegetarier, interessanterweise. Aber
[39:59] bei ihnen, das nahm schon also wirklich extreme Züge an und viele sagen, dass die spätere
[40:05] Mönchsbewegung im frühen Mittelalter zurückgeht auf diese Ideen von den Therapeuten. Die haben
[40:12] also griechische Philosophie dann hineingenommen und naja, ziemlich mystisch war das Ganze. Und
[40:20] es gab eine ganze Bandbreite an Glaubensüberzeugungen. Wenn man dann jetzt noch die nimmt,
[40:25] die gar nicht Juden waren, wie zum Beispiel die Samariter, die auch nur an die fünf Bücher
[40:28] Mose geglaubt haben und dann ihre eigene Tradition und dann natürlich manche Heiden,
[40:33] die Proselyten waren, die dann zum Judentum übergetreten waren. Also es gab zur Zeit von
[40:39] Jesu eine große Unterschiedlichkeit in der Gemeinde, was es alles gab. Es gab nicht die
[40:44] eine jüdische Religionsauffassung. Es war sehr zersplittert. Das ist interessant, weil Jesus
[40:51] hätte in dem Alter ja sich durchaus einer der Gruppen anschließen können. Er hätte sagen können:
[40:54] "Ich werde ein Zelot oder ich werde ein Essener. Ich kann das nicht mehr sehen,
[41:00] diese ganzen Umstände hier mit den Hohepriestern." Oder er hätte sagen können:
[41:03] "Als kommender Messias muss ich mich politisch richtig einfädeln. Ich müsste ein Sadduzäer
[41:08] werden." Er hat sich von all dem zurückgehalten. Sich weder auf die Seite von den einen noch
[41:14] der anderen gestellt, sondern was war seine Position? Er steht geschrieben.
[41:19] Ganz genau, er wollte der Wahrheit, er wollte der Bibel wieder ans Licht verhelfen. Es ist
[41:28] ganz interessant, das so im Hinterkopf zu behalten, wenn wir dann die Evangelien durchgehen.
[41:32] Naja, in dem Zusammenhang im Jahre 15 kommt auch noch ein neuer Statthalter. Sein Name ist
[41:44] Valerius Gratus. Der wird Statthalter von Judäa, Samaria und Idumäa. Kurze Zeit später haben die
[41:59] Römer dann aufgegeben, Germanien zu erobern. Die Germanen waren einfach zu stark für sie und haben
[42:05] dann einfach die Grenze dort am Rhein gelassen. Im Jahre 17, als Jesus ungefähr 20 war, gab es
[42:11] ein großes Erdbeben in Kleinasien. Mehrere Städte sind zerstört worden und der Kaiser Tiberius hat
[42:17] diese ganzen Städte aus seiner Privatkasse wieder aufbauen lassen. Da bekommt man eine Idee, wie reich
[42:23] er war. Er hat also sein Portemonnaie aufgemacht, Geld rausgegeben und dann konnte man Städte wieder
[42:28] aufbauen. Im selben Jahr, im Jahr 17, ist was passiert, was auf jeden Fall auch Jesus beschäftigt
[42:38] haben müsste. Im Jahre 17 hat der Herodes Antipas, der Tetrarch von Galiläa, eine Stadt bauen lassen,
[42:47] und zwar die Stadt Tiberias, 30 Kilometer östlich von Nazareth, in Ehren von, zu welchen Ehren, wen
[42:58] wollte er damit ehren? Den Tiberius. Und er baut diese große, moderne griechische Stadt mit allem,
[43:05] was eine griechisch-römische Stadt braucht, nämlich eine Rennbahn, ein Theater, ein Forum,
[43:10] Paläste, also das ganze Entertainment, die ganze Unterhaltungsindustrie Roms war jetzt auch vor der
[43:19] Tür von Jesus. Interessanterweise ist die Stadt aufgebaut worden auf einem römischen Friedhof,
[43:28] einem jüdischen Friedhof. Das heißt, eigentlich war die Stadt unrein und deswegen haben viele Juden
[43:35] die Stadt erst mal gemieden, weil sie gesagt haben, da darf man nicht rein, weil die ist auf einem
[43:38] Friedhof zum Teil gebaut worden. Und dann im Jahre 18, als Jesus um die 21 war, da gibt es einen neuen
[43:49] Hohepriester, der Valerius Gratus. Er nennt einen gewissen Kaiphas zum Hohepriester. Schon mal was
[43:57] zu dem gehört? Der Kaiphas war ein Schwiegersohn von dem Hannas. Er hatte die Tochter von Hannas
[44:04] geheiratet und deswegen wird später auch Hannas immer noch als Hohepriester erwähnt, weil man
[44:09] konnte Hohepriester im biblischen Sinne ja nur auf Lebenszeit sein. Das heißt, wenn der Hannas
[44:13] abgesetzt worden ist, da kam ein neuer, dann galt der Hannas immer noch als Hohepriester, auch wenn
[44:17] er nicht mehr im Amt war. Deswegen findet man in der Bibel öfter mal die Hohepriester, obwohl es
[44:22] ja biblisch gesehen nur einen gibt. Dann waren es die Abgesetzten und der gerade oft im Amt sich
[44:27] befinde. Und hier, als Jesus 21 ist, wird Kaiphas Hohepriester. Und wie gesagt, es gab immer wieder
[44:38] bei diesen Neubesetzungen des Hohepriesterlichen Amtes starke Auseinandersetzungen. Es wird davon
[44:44] berichtet, dass dort viel Geld geflossen ist. Es gab Bestechungen, es gab zum Teil auch Mord und
[44:50] Totschlag, um dann Rivalen aus dem Weg zu bringen. Und wie gesagt, auf den 21-Jährigen muss das ganz
[44:55] schön stark gewirkt haben. Die ganze Korruption, die ganzen Ränkespiele in der Kirche. Stellt euch
[45:04] vor, ihr seid 21 und ihr wisst, ihr seid der Messias. Ihr seid auf einer Mission, die Gott
[45:09] euch gegeben hat. Und ihr seht all diese Missstände, diese furchtbaren, katastrophalen Missstände in
[45:15] der Kirche. Ich glaube, wir alle hätten wahrscheinlich uns wirklich überlegt, nicht vielleicht schon mal
[45:19] anzufangen, oder? Und doch wusste er, ich muss noch acht, neun Jahre warten, weil er kannte die
[45:30] Prophezei. Die Prophezei zu kennen, hat Jesus davor bewahrt, voreilig sich ins Gefecht zu stürzen. Seine
[45:40] Zeit kam und er würde auch seinen Konflikt mit Kaiphas haben, ohne Frage. Aber zu früh wäre das
[45:46] Ganze schlecht ausgegangen. Er kannte die Prophezei und interessanterweise war es die Prophezei, die ihn
[45:51] davor bewahrt hat, voreilig zu sein. Heute erlebt man es ja manchmal, dass manche Menschen die
[45:57] Prophezei zum Vorwand nehmen für voreilige Schritte. Dass man sagt, das und jenes und jetzt müssen wir ganz schnell und ganz radikal und sofort. Aber die
[46:07] Prophezei hat dazu geführt, dass Jesus trotz aller Missstände ruhig geblieben ist und wusste: Meine
[46:15] Zeit kommt. Das finde ich an dem Punkt sehr wichtig. Und dann im Jahre 19 wird Tiberias die neue Hauptstadt von Galiläa.
[46:26] Die alte Hauptstadt, Sepphoris, war nur acht Kilometer von Nazareth entfernt. Jetzt war also der ganze
[46:36] Hofstaat ein bisschen weiter entfernt von Nazareth. Sepphoris hieß die alte Hauptstadt. Relativ
[46:44] unbekannt heute. Tiberias hat sich ja dann später durchgesetzt. Und dann im Jahre 21, da hat sich der
[46:53] Kaiser Tiberius von Rom verabschiedet. Der hatte keine Lust mehr so richtig auf Rom. War zwar Kaiser noch, aber er
[47:00] wollte sich lieber zur Ruhe setzen als amtierender Kaiser und zwar in Capri. Ich war bei Capri, die Sonne untergegangen.
[47:07] Und als im Jahre 23 sogar sein Sohn gestorben ist, sagt man, hat Tiberius keine Lust mehr aufs
[47:15] Regieren gehabt. Hat sich nur noch dort auf seinem Alterssitz den allerschlimmsten Sünden hingegeben.
[47:22] Hat nur noch Luxus und Schwelgerei und Dinge, die man hier besser nicht öffentlich nennt, getan.
[47:26] Und das war natürlich auch etwas, was dem römischen Reich sehr zu schaffen gemacht hat, dass der Kaiser
[47:31] irgendwie, der sitzt da in seinem Feriendomizil und überlässt das Reich sich selbst.
[47:38] Und hat natürlich auch nicht gerade zur Verbesserung der Lage beigetragen, sich gedient.
[47:46] Naja, und dann interessanterweise, wenn man die Weltgeschichte anschaut, die nächsten Jahre passiert
[47:54] fast nichts von irgendeiner Bedeutung. Fast so, als ob sowohl der Himmel als auch der Gegenspieler
[48:01] den Atem anhalten. Die Prophezei nähert sich dem Ende. Der Messias wird auftreten. Man findet in
[48:07] Jahren 24, 25, 23, man findet kaum irgendwelche nennenswerten Ereignisse, weder in Judäa noch
[48:15] im Rest der Welt. Es ist fast wie so die Ruhe vor dem Sturm. Kein neuer Kaiser. Tiberius, der hat noch
[48:22] lange regiert, halt da in Capri. Und dann im Jahre 26 sind es zwei Dinge, die man auf jeden Fall noch
[48:33] erwähnen sollte. Nämlich eine Sache, die man erwähnen sollte. Es gibt einen neuen Statthalter in Judäa.
[48:44] Und der Valerius Gratus, der verschwindet. Und wisst ihr, wer jetzt gekommen ist? Genau, ein Mann namens Pontius Pilatus.
[48:57] Gerade rechtzeitig sozusagen. Die Prophezei würde sich bald erfüllen. Und zu dem Zeitpunkt war Jesus so um die 29 Jahre.
[49:05] Und da wusste er schon, wahrscheinlich wird das derjenige sein, wenn der nicht gleich wieder abgelöst wird,
[49:11] mit dem ich in Konflikt geraten werde. Denn wenn ich getauft werde, werde ich noch dreieinhalb Jahre haben.
[49:17] Das wusste Jesus. Wahrscheinlich bei dieser Nachricht, dass Pontius Pilatus dort hingesetzt worden ist,
[49:27] hat er vielleicht da schon für ihn gebetet. Naja, damit, dass man als kleiner Überblick über das,
[49:36] was so passiert ist zur Zeit, als Jesus aufwuchs, als er zunahm an Gnade und Weisheit vor den Menschen.
[49:45] Im neuen Jahr werden wir uns dann beginnen, mit dem eigentlichen Dienst von Jesus zu beschäftigen.
[49:55] Also all das, was passiert ist, von der Taufe des Johannes an bis hin, natürlich bis zu seiner Auferstehung.
[50:01] Und wir werden genau an diesem Punkt anknüpfen, wenn dann der öffentliche Dienst von Jesus zeigt,
[50:09] was er an all diesen 18 Jahren gelernt hat. Vergiss nicht, er hat 18 Jahre lang im Reich Gottes gelebt,
[50:15] hat in 18 Jahren lang Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist praktiziert, als Zimmermann.
[50:23] Und ich glaube, egal wo uns Gott hingestellt hat, wenn es der kleinste Ort ist, die demütigste Aufgabe,
[50:31] die unscheinbarste Situation, wir können genauso wie Jesus im Geist wachsen, zunehmen an Gnade und Weisheit.
[50:39] Wir können vor den Menschen und vor Gott wohlgefällig sein. Wir können das Gesetz im Herzen haben und alles, was wir tun.
[50:47] Und sei es, dass wir abwaschen oder unser Zimmer sauber machen oder einen Tisch herstellen wie Jesus.
[50:53] Was immer wir tun, wir können es so tun, dass es zur Ehre Gottes ist, dass gesagt werden kann:
[50:59] "Es war Gott wohlgefällig und vor den Menschen." Und darin ist Jesus ein echtes Vorbild.
[51:06] Wer von uns möchte sagen, wir wollen Jesus in allem, auch in dem unscheinbarsten Detail des Lebens, Gott die Ehre geben?
[51:14] Dann lasst uns doch gemeinsam in die Knie zum Gebet.
[51:27] Lieber Vater im Himmel, hab du herzlichen Dank für dieses eine kleine Wort in Lukas 2, 52,
[51:36] dass Jesus zunahm an Gnade und Weisheit vor den Menschen und vor dir.
[51:41] Hab Dank, dass wir sehen dürfen, dass er in jeder Lebensphase mit dir verbunden gewesen ist.
[51:47] Und dass wir auch in jeder Lebensphase mit dir verbunden sein können.
[51:50] Wir brauchen noch so viel mehr an Gnade und Weisheit und Stärke.
[51:53] Wir möchten dich bitten, dass wenn wir auf dich schauen, dass wir auch zunehmen können,
[51:57] dass unser Leben bergauf geht, dass wir geistlich zunehmen und nicht abnehmen.
[52:01] Dass wir näher zu dir gezogen werden und jeden Tag noch mehr deine Liebe und deinen Charakter offenbaren.
[52:07] Auch in unserem Alltag, wenn es scheinbar niemand mitbekommt.
[52:10] Als Jesus damals dort gedient hat, hat es auch scheinbar so gut wie niemand mitbekommen.
[52:14] Und doch reden wir heute noch davon.
[52:16] So möchten wir dich bitten, dass auch unser Leben so ein Vorbild sein kann für das Reich Gottes in unserem Herzen.
[52:22] Schreib du dein Gesetz in unser Herz und sei du bei uns. Im Namen Jesu. Amen.
[52:37] Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!