In dieser Episode von „Der Ersehnte“ beleuchtet Christopher Kramp die Geschichte von Maria und Martha aus Lukas 10. Er erörtert die Identität Marias, ihre Vergangenheit als „große Sünderin“ und wie Jesus sie wiederherstellte. Der Sprecher betont die Bedeutung, zu Jesu Füßen zu sitzen und seinem Wort zuzuhören, und lädt dazu ein, Jesus als Lehrer und Freund zu begegnen.
Der Ersehnte: 234. „Martha, Martha“
Christopher Kramp · Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus ·Themen: Bibel, Bibelstudium, JesusPodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Der Ersehnte
„Der Ersehnte“ wird das Leben und Wirken von Jesus Christus detailliert und chronologisch beleuchten. Die verschiedenen Evangeliumsberichte werden in ein harmonisches Ganzes zusammengefügt und die vielen alttestamentlichen Wurzeln und Bezüge aufgezeigt. Über allem steht der Wunsch, unseren Herrn und Erlöser in Seinem alltäglichen Leben besser kennen zu lernen. Diese Aufnahmen sind einer Videoserie auf https://www.joelmedia.de/serien/der-ersehnte/ entnommen.
Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:
Weitere Aufnahmen
Serie: Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus
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Transkript
[0:33] Hallo und herzlich willkommen zu unserem Seminar „Der Ersehnte“ hier auf www.joelmedia.de. Schön, dass ihr wieder dabei seid, dass ihr eingeschaltet habt. Wir wollen gemeinsam weiter das Leben unseres Erlösers Jesus Christus studieren. Wir wollen eine neue Geschichte uns anschauen, eine bekannte Geschichte und eine, die unglaublich viel uns zu sagen hat für unser praktisches Leben, für unseren Alltag, für unseren Glauben an Jesus Christus.
[1:03] Bevor wir beginnen mit dieser Geschichte, die auch in gewisser Weise für sich alleine steht innerhalb der Sequenz der Geschichten, die wir anschauen, wollen wir natürlich Gott einladen, dass er unser Studium segnet, dass er in unserer Mitte ist, so wie er das versprochen hat, und dass wir sein Wort so verstehen, wie er es für uns persönlich gedacht hat. Und wenn es Dir möglich ist, dann lade ich Dich ein, dazu auch niederzuknien.
[1:37] Lieber Vater im Himmel, wir möchten Dir danke sagen, dass Du uns die Evangelien gegeben hast, in denen wir so viele interessante Perspektiven, Blickwinkel auf Jesus bekommen, wo wir sehen können, wie er wirklich ist und dadurch auch, wie Du, lieber Vater im Himmel, wie Du bist. Denn Jesus hat in allem, was er gesagt und getan hat, Dich widergespiegelt und Dich dargestellt. Und Herr, wir möchten Dich bitten, dass Du jetzt unser Lehrer bist. Wir möchten Dich bitten, dass wir Dein Wort richtig verstehen, dass es zu uns persönlich spricht, dass es zu mir spricht und zu jedem, der dieses Video sieht, und dass wir lernen, all unsere Sorgen auf Dich zu legen, auf Dich zu werfen und die Zeit mit Dir zur absoluten Priorität in unserem Leben zu machen. Bitten wir alles im Namen Jesu. Amen.
[2:38] Die Geschichte, die wir heute anschauen, findet sich in Lukas Kapitel 10, in den letzten Versen dort, die letzten fünf Verse, Vers 38 bis 42. Wir haben die letzten beiden Folgen uns mit der Geschichte beschäftigt, als Jesus einem Juristen auf dessen Frage erklärt hat, worauf es tatsächlich bei der Erlösung, bei dem ewigen Leben ankommt. Dessen richtige Antwort, dass man Gott von ganzem Herzen und von ganzer Seele und von ganzer Kraft und mit ganzem Denken lieben soll und den Nächsten wie einen selbst.
[3:28] Das hat Jesus dann zur Ausführung, oder er hat gezeigt, wie man das tatsächlich auch auslebt. Besser gesagt, die Geschichte vom barmherzigen Samariter, die Jesus erzählt hat, illustriert, wie ein Mensch tatsächlich lebt, der Gott von ganzem Herzen liebt und seinen Nächsten wie sich selbst. Und wir haben gesehen, dass ausgerechnet dieser Samariter, dessen nationale Zugehörigkeit der Jurist nicht einmal mehr am Ende noch ausdrücken wollte, dass ausgerechnet er das Wesen Gottes in dieser Geschichte besonders klar und deutlich illustriert hat.
[4:07] Wir wollen heute weitergehen. In Vers 38 beginnt nun eine kleinere, neue Geschichte. Wir lesen in Lukas 10, Vers 38: „Es begab sich aber, als sie weiterreisten, dass er in ein gewisses Dorf kam, und eine Frau namens Martha nahm ihn auf in ihr Haus.“
[4:31] Jesus ist weiter auf seiner öffentlichen Rundtour unterwegs. Wir hatten ihn ja in Perea auf der anderen Seite des Jordan, im Ostjordan-Gebiet, gesehen. Das Dorf, in das er hier jetzt kommt, das kennen wir mit Namen, denn wir wissen aus Johannes 11, Vers 1, wo Lazarus, Maria und Martha, um die es ja hier jetzt auch geht, gewohnt haben. Nämlich in Johannes 11, Vers 1 heißt es: „Es war aber einer krank, Lazarus von Betanien, aus dem Dorf der Maria und ihrer Schwester Martha.“ Das Dorf, in dem wir uns also jetzt befinden, ist das Dorf Betanien.
[5:13] Und das ist interessanterweise nicht mehr in Perea. Das ist schon wieder diesseits des Jordan, im Hügelland von Judäa, ganz nah bei Jerusalem. Und das ist natürlich sehr interessant. Und die nächste Geschichte, die wir dann nach dieser anschauen werden, führt uns dann wieder noch einmal in die Stadt Jerusalem hinein. Das werden wir dann aber das nächste Mal sehen.
[5:45] Interessant ist auch, dass Betanien in der Nähe der Strecke liegt, die von Jericho nach Jerusalem hinaufgeht. Also genau die Wegstrecke, die auch gerade das Thema gewesen ist bei der Unterhaltung von Jesus mit dem Juristen. Die Geschichte vom barmherzigen Samariter spielt ja auf dieser Wegstrecke. Der halbtotgeschlagene Mann war ja unterwegs von Jerusalem nach Jericho. Und offensichtlich ist Jesus – oder wir können davon ausgehen, das werden wir gleich sehen auch noch, warum – dass Jesus schon, als er die Geschichte vom Gleichnis, also nicht vom Gleichnis, die Geschichte vom barmherzigen Samariter erzählt hat, dass er dort in der Gegend gewesen und auch das ein Grund war, warum die Menschen diese Geschichte gut kannten, weil sie sich dort örtlich, lokal zugetragen hatte. Wir sind also jetzt hier in Betanien, in der Nähe von Jerusalem.
[6:45] Und tatsächlich heißt es hier im „Leben Jesu, der Sieg der Liebe“: „Der Heiland und seine Jünger hatten gerade den ehrlichen Weg von Jericho zu Fuß unternommen.“ Also wir sind tatsächlich – das ist also tatsächlich der Kontext hier, der topografische Kontext für diese Geschichte. Und das führt uns dazu zu sagen, dass wahrscheinlich tatsächlich diese Geschichte vom barmherzigen Samariter von Jesus erzählt worden ist, weil er sich dort gerade auch in der Nähe aufgehalten hatte. Jericho war ja direkt in der Nähe vom Jordan gelegen. Er ist also irgendwie dort über den Jordan gekommen, nachdem er eine Zeit lang im Ostjordan-Gebiet gewesen ist und hat sich jetzt hier Richtung Jerusalem auf den Weg gemacht.
[7:38] Uns wird hier auch gesagt, dass das das erste Mal war, dass Christus Betanien besucht hat.
[7:48] Nun, wenn wir uns den Namen der Frau anschauen, um die es hier geht, die Martha, dann ist das ganz interessant. Denn Martha ist ein aramäischer Name und das weist auf die Tatsache, die wir schon oft auch besprochen und uns angeschaut haben, dass in der Zeit von Jesus wohl offensichtlich die Muttersprache der meisten dort aramäisch gewesen ist, beziehungsweise mindestens das Aramäische einen ganz starken Einfluss dort gehabt hat. Wörtlich übersetzt – und das ist auch interessant für unsere Geschichte – heißt der Name Martha „die Herrin“. Mit dem „a“ hinten, das ist der Artikel „die Herrin“.
[8:34] Und interessant ist ja hier an dieser Stelle, dass der Text ausdrücklich sagt, dass es ihr Haus gewesen ist. Wir wissen später aus Johannes 11, dass ja dort auch Lazarus gewohnt hat, aber es ist das Haus von Martha. Offenbar, so scheint es, ist sie diejenige, die dem Haus vorsteht. Sie hat also eine gewisse Verantwortung dort, eine gewisse leitende Position im Haushalt, wenn man so möchte. Es ist auch die Martha, die Jesus in ihr Haus einlädt. Sie ist verantwortlich dafür, dass Jesus dort übernachten kann. Und das ist ganz interessant, weil man, wenn man die Geschichte oberflächlich kennt, hat man so ein bisschen diese Stereotypen vor Augen: die Maria, zu der wir gleich kommen werden, und dann die Martha, die einfach nur in der Küche so ein bisschen aktiv ist. Aber die Martha ist eigentlich diejenige, die insgesamt auch nach außen hin sozial sehr aktiv ist, die eine führende Rolle hat und die die Initiative ergreift und Jesus einlädt.
[9:46] Vers 39: „Nicht nur Martha wohnt dort, sondern sie hat auch eine Schwester, und diese hatte eine Schwester, welche Maria hieß, die setzte sich zu Jesu Füßen und hörte seinem Wort zu.“
[10:02] Maria ist natürlich die griechische Variante von Miriam, und das ist natürlich schon ein hebräischer Name, der interessanterweise im Hebräischen mit dem Wort „rebellisch“ zusammenhängt, was allerdings jetzt an dieser Stelle keine tiefere Bedeutung haben muss. Miriam ist ja schon seit der Zeit Moses ein beliebter Name, und wir finden in dem Neuen Testament viele Frauen, einige Frauen mit dem Namen Maria. Also das ist wohl damals auch eine Art Modename gewesen, ist ja bis heute noch ein sehr beliebter Name.
[10:37] Nun, interessant ist, dass hier diese Miriam, also Maria von Betanien, wie man sie nennen könnte, schon seit Jahrhunderten eigentlich fast durch die gesamte Christenheit gleichgesetzt worden ist mit einer anderen Maria, die wir schon an anderer Stelle mal kennengelernt haben und die dann im Verlauf der weiteren Evangeliumsgeschichte noch ganz prominent hervortreten wird, nämlich mit der sogenannten Maria Magdalena.
[11:19] Nun, wenn man sich allein den biblischen Befund anschaut, dann kann man diese Gleichsetzung für wahrscheinlich halten. Man kann keinen, soweit wie ich das sehen kann, keinen biblischen Vers produzieren, der diese Identifikation zweifellos belegt.
[11:39] Aber wir dürfen auch hier festhalten, dass auch Ellen White Maria von Betanien, die Schwester von Martha und von Lazarus, tatsächlich auch in ihrem Hauptwerk, dem „Leben Jesu, der Sieg der Liebe“, diese Maria mit Maria Magdalena gleichsetzt. Die größte Schwierigkeit bei dieser Gleichsetzung ist oft gesagt worden, dass halt Magdalena sich ja von dem Ortsnamen Magdala herleitet, ein Ortsname am See Genezareth. Und das natürlich irgendwie scheint ein Widerspruch zu stehen zu Betanien. Dann die Frage ist jetzt: Ist sie von Betanien oder ist sie von Magdala?
[12:25] Möglicherweise hat das damit zu tun, dass die Maria Magdalena eine Vergangenheit hatte, die – und das zeigt die Bibel ganz deutlich – nicht gut gewesen ist, und dass Jesus sie dort in Galiläa am See Genezareth kennengelernt hat, ihr dort auch geholfen hat mit all den Problemen, die sie hatte. Wir lernen später im Markus-Evangelium, dass sie von sieben Dämonen befreit worden ist.
[12:56] Ellen White kommentiert es und sagt, dass siebenmal Jesus sie von Dämonen befreit hat. Das heißt, hier an dieser Stelle: „Maria war als eine große Sünderin angesehen worden, aber Christus kannte ihre Umstände, die Umstände, die ihr Leben geformt hatten. Er hätte jeden Hoffnungsschimmer auslöschen können in ihrer Seele, aber das hat er nicht getan. Er war es gewesen, der sie aus der Verzweiflung und dem Ruin rausgehoben hat. Siebenmal hatte sie seinen Tadel gegenüber den Dämonen gehört, die ihr Herz und ihr Denken kontrolliert hatten.“ Also siebenmal hat sie gehört, wie Jesus Dämonen aus ihr ausgetrieben hat. „Sie hatte seine starken Rufe zum Vater für sie gehört, hat gehört, wie Jesus wirklich mit Intensität für sie gebetet hatte. Sie wusste, wie abstoßend die Sünde für seine ungetrübte Reinheit ist, und in seiner Kraft hatte sie überwunden.“
[14:10] Wir werden noch mehr über sie erfahren im Laufe der nächsten Wochen und Monate, wenn wir die Evangeliumsgeschichte hier weiter studieren. Was sie weiter sagt, ist: „Als menschliche Augen in ihr nur hoffnungslos sahen, hat Christus in Maria Fähigkeiten für das Gute gesehen. Er sah die besseren Züge ihres Charakters. Der Plan der Erlösung hat die Menschheit mit großen Möglichkeiten bestückt, und in Maria sollten diese Möglichkeiten realisiert werden. Durch seine Gnade wurde sie eine Teilhaberin der göttlichen Natur. Diejenige, die gefallen war und deren Denken eine Behausung der Dämonen gewesen ist, wurde sehr nahe zu Jesus gebracht in Gemeinschaft und im Dienst. Es war Maria, also genau diese Maria, die zu seinen Füßen saß und von ihm lernte.“
[15:27] Und dann geht das so weiter, und dann macht Ellen White einen sehr interessanten und für uns ganz wichtigen Kommentar, eine persönliche Anwendung für uns, die sagt nämlich: „Jesus kennt die Umstände einer jeden Seele. Du magst sagen: Ich bin sündig, sehr sündig. Das mag sein, aber je schlimmer du bist, desto mehr brauchst du Jesus. Er wird niemanden wegschicken, der zerbrochenen Herzens ist. Er sagt niemandem alles, was er offenbaren könnte, was er weiß, sondern er bittet jede zitternde Seele, Mut zu fassen. Kostenlos, umsonst wird er allen vergeben, die zu ihm kommen, um Vergebung und Wiederherstellung zu erhalten.“ Das habe ich in meinem Leben erlebt, und ich glaube, dass du das vielleicht auch schon erlebt hast, und wenn nicht, Du es genauso erleben kannst. Jesus vergibt gerne.
[16:40] Nun zurück zu Lukas Kapitel 10. Es heißt hier in Vers 39: „Und diese hatte eine Schwester, welche Maria hieß, die setzte sich zu Jesu Füßen und hörte seinem Wort zu.“
[17:03] Sagt das Griechische hier: „die auch zu den Füßen Jesu saß“. Und wenn man sich die Frage stellt, was dieses „auch“ hier bedeutet, dann ist es durchaus vorstellbar, jedenfalls wenn man den Kontext sich anschaut – wir werden natürlich davon ausgehen dürfen, dass hier noch mehrere Menschen dabei gewesen sind, also namentlich vor allem die Jünger und vielleicht auch andere Freunde und Nachbarn oder so –, aber da vorher direkt die Martha erwähnt ist, ist es nicht unvorstellbar, dass auch grundsätzlich erst einmal Martha auch gerne zu den Füßen von Jesus saß. Also die Idee, dass Martha das nie getan hätte, ist jetzt aus der Bibel gar nicht so sehr begründbar. Es sieht eher so aus, dass grundsätzlich sie auch genauso wie Maria gerne zu den Füßen von Jesus saß.
[17:56] Aber dazu gleich noch mehr. Diese Menschen hier, Martha und Maria und dann auch Lazarus, ihr Bruder, hatten eine besondere Beziehung zu Jesus. In Johannes 11, Vers 5 heißt es: „Jesus aber liebte Martha und ihre Schwester und Lazarus.“ Mit anderen Worten, Jesus liebt natürlich alle Menschen und ist für alle Menschen gestorben. Trotzdem hatte er auch als Mensch auf der Erde besondere Freunde, Menschen, mit denen er gerne Zeit verbrachte, die ihn gut verstanden, die ihm gerne ihr Heim öffneten, wo er sich auch ein bisschen ausruhen konnte, wo er unter Freunden war.
[18:32] Das waren Freunde von Jesus, und der redet hier mit seinen Freunden. Es heißt: „Der Erlöser segnete alle, die seine Hilfe suchten. Er liebt die gesamte menschliche Familie, aber zu einigen hat er eine ganz besondere, zartfühlende Verbindung. Sein Herz war ganz besonders dieser Familie in Betanien mit starker Neigung zugetan.“ Und das sehen wir hier: Sie hören ihm gerne zu, sie sitzen dort und lauschen, was er zu sagen hat.
[19:09] Ellen White sagt: „Sie hatte hier Ruhe gefunden.“ Der Erlöser hatte ja kein eigenes Heim, hatte kein eigenes Zuhause. Er war immer abhängig von der Gastfreundschaft seiner Freunde und Jünger. Und oft, wenn er müde war und sich nach menschlicher Gemeinschaft sehnte, war er froh, wenn er entfliehen konnte zu diesem friedlichen Heim, weg von der Eifersucht und den Vorurteilen der zornigen Pharisäer. Jesus hatte ein sehr anstrengendes Leben als Prediger, als Wanderprediger, und er war dankbar, wenn er mal so in so einem Haus von Freunden zur Ruhe kommen konnte. Hier fand er ein ganz aufrichtiges Willkommen und reine, heilige Freundschaft. Mögen auch unsere Herzen ein Ort sein, wo Jesus sich wohlfühlt und wo er echte, reine, aufrichtige und heilige Freundschaft findet. Ist nicht Dein Wunsch auch, dass wir solche Freunde für Jesus sein können? Jesus liebt alle Menschen, aber können wir Freunde für Jesus sein?
[20:34] Hier konnte er mit Einfachheit und vollkommener Freiheit sprechen, weil er wusste, dass seine Worte verstanden und wertgeschätzt wurden.
[20:48] Er hat oft in der Natur dann in Gleichnissen gesprochen, hat oft das Problem, dass die Leute nicht richtig zugehört haben oder es nicht richtig verstanden haben, besser gesagt. Aber hier konnte er einfach geistliche Instruktionen weitergeben, weil er wusste: Meine Freunde verstehen mich viel besser. Unser Erlöser schätzte ein ruhiges Heim und interessierte Zuhörer. Und ich glaube, da hat sich nichts dran geändert. Jesus schätzt interessierte Zuhörer, die die Bibel aufschlagen und gerne zuhören, was Jesus zu sagen hat.
[21:28] Er sehnte sich nach menschlichem Zartgefühl, Höflichkeit und Zuneigung. Denjenigen, die die himmlische Instruktion annahmen, denen war er bereit, immer mehr zu geben, und sie waren dadurch sehr gesegnet.
[21:57] Warum saß Maria zu den Füßen von Jesus? Die Idee kommt schon aus dem Alten Testament, in 5. Mose 33 und dort in Vers 2 und 3. 5. Mose 33, Vers 2 und 3: Als Mose am Ende seines Lebens den prophetischen Segen über die zwölf Stämme Israels ausspricht, mit die letzten Worte, die überhaupt von ihm aufgezeichnet sind, da heißt es hier in Vers 2 von 5. Mose 33: „Und er sprach: Der Herr kam vom Sinai und er leuchtete ihnen auf von Seir her. Leuchtend erschien er vom Bergland Paran und kam von Heiligen Zehntausenden her. Aus seiner Rechten ging ein feuriges Gesetz für sie. Ja, er liebt das Volk. Alle seine Heiligen sind in deiner Hand, und sie lagern zu deinen Füßen. Ein jeder empfängt von deinen Worten.“
[23:04] Als Gott auf dem Berg Sinai die Zehn Gebote sprach mit Feuer, das vom Himmel kam, die Israeliten das hörten, hat Mose das jetzt fast 40 Jahre später in poetischer Form ausgedrückt, indem er sagt, das Volk lagerte zu deinen Füßen. „Sie lagern zu deinen Füßen, ein jeder empfängt von deinen Worten.“ Gott war schon im Alten Testament der Lehrer, dem man zuhören konnte, zuhören sollte, wenn man ewiges Leben haben wollte. Und wir wissen aus der Bibel, dass derjenige, der hier die Zehn Gebote gab, der das Volk Israel durch die Wüste führte und der mit Mose direkt kommunizierte von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mensch mit seinem Freund redet, dass das der Sohn Gottes war, Jesus Christus, bevor er Mensch geworden war.
[24:05] Maria hat also das, was Mose schon damals hier empfohlen hatte: Wenn Gott spricht, dann wollen wir zuhören. Wenn Gott spricht, dann wollen wir zu seinen Füßen sitzen. Es gibt keinen besseren Lehrer, das habe ich in meinem Leben erlebt, keinen besseren Lehrer als Jesus.
[24:28] Wie oft lohnt es sich, zu den Füßen zu sitzen? In Sprüche Kapitel 8 und dort Vers 34, Sprüche 8 und dort Vers 34 heißt es: „Wohl dem Menschen, gesegnet ist der Mensch, der auf mich hört“, spricht hier die göttliche Weisheit, auch sie ein Bild für Jesus, „wohl dem Menschen, der auf mich hört, indem er täglich an meiner Pforte wacht und die Pfosten meiner Türen hütet.“ Täglich können wir auf die Weisheit Gottes hören, täglich können wir erfahren, was Gott uns sagen möchte.
[25:17] Als Christus seine wunderbaren Lektionen gab, nicht in Gleichnissen verhüllt wie bei der großen Menge, sondern ganz direkt, da saß Maria zu seinen Füßen, eine andächtige und hingegebene Zuhörerin. Lieber Freund, liebe Freundin, ich möchte Dich fragen: Wenn wir die Bibel aufschlagen, sitzen wir dann auch zu den Füßen Jesu oder sitzen wir zu Gericht? Sitzen wir da, um zu kritisieren und um zu sagen: Das gefällt mir, das gefällt mir nicht? Oder schlagen wir die Bibel auf, um zu den Füßen von Jesus zu sitzen und zu hören, was er mir und Dir zu sagen hat? Wollen wir nicht neu lernen, als Schüler zu Jesus zu kommen? Ist nicht das Wort „Jünger“ nichts anderes als eine andere Bezeichnung für einen Schüler? Wollen wir nicht Schüler und Schülerinnen sein von Jesus, sitzen und hören, was er zu sagen hat?
[26:20] Wie schon erwähnt, aufgrund des Griechischen kann man durchaus davon ausgehen, dass auch Martha dieser Idee nicht abgeneigt, dass auch sie gerne zu Jesu Füßen saß. Aber in dieser Situation schien etwas noch wichtiger zu sein, als zu den Füßen von Jesus zu sitzen. Für Martha war es keine Frage, ob man nur das eine oder nur das andere tut. Natürlich wollte auch Martha gerne zu den Füßen von Jesus sitzen. Sie hatte ihn ja eingeladen, sie stand dem Haus vor. Aber es gab etwas im Denken von Martha, das zeitweise jetzt wichtiger wurde als das Zuhören zu den Füßen von Jesus.
[27:06] Zuhören zu den Füßen von Jesus. In Lukas 10, Vers 40 lesen wir: Martha aber machte sich viel zu schaffen mit der Bedienung.
[27:21] Das Wort „perispao“ – das kann sowohl bedeuten: abgezogen werden, abgelenkt werden. Das passt zu dieser Idee, dass ja eigentlich auch Jesus zuhören wollte, aber dann abgelenkt worden ist, abgezogen worden ist. Und wie oft passiert es in unserem Leben, dass der Alltag mit seinen Schwierigkeiten, mit seinen Sorgen, mit seinen Herausforderungen, mit den To-Do-Listen, die wir haben, dass er uns ablenkt und wir dann keine Zeit für Jesus haben, dass wir abgezogen werden von unserer Andachtszeit.
[27:53] Und dann gibt dieses Wort, oder hat dieses Wort, noch eine Bedeutungsnuance, die auch sehr interessant ist. „Perispao“ kann auch bedeuten: ganz und gar in Anspruch genommen werden, völlig beschäftigt sein, sogar stark überlastet werden oder überlastet sein. Und ist das nicht ein Thema, das uns heute so oft betrifft, dass wir nahe am Burnout sind oder mitten hineinstürzen, weil wir so viel zu tun haben und so viel vielleicht auch aufhalsen, dass wir vor lauter Arbeit, vor lauter Aufgaben kein Land mehr sehen, dass wir unterzugehen drohen in all dem, was uns im Alltag so auffressen möchte, zeitlich und emotional.
[28:38] Martha bürdet sich zu viel auf. Sie will es ja gut machen, sie möchte, dass Jesus sich wohlfühlt. Sie tut das ja nicht gegen Jesus, sondern für Jesus. Sie arbeitet für Jesus, und zwar so viel, dass sie keine Zeit mehr hat, von Jesus zu lernen.
[28:59] Martha war keine Atheistin, die kein Interesse an Jesus hatte. Martha war kein Weltmensch, der einfach nur dem Gewinn nachgeht und deswegen keine Lust auf Jesus hatte. Martha war jemand, die so sehr sich mit dem Dienst – Diakonia, ja, im Griechischen, der Diakonie – so sehr im Dienst für das Werk Gottes, für Jesus, so verausgabte, dass sie jetzt keine Zeit hatte, Jesu Worten zuzuhören.
[29:33] Und sie kommt zu Jesus, und es heißt hier in Vers 40: „Und sie trat zu und sprach: Herr, jetzt kommt eine interessante Frage: Kümmerst du dich nicht darum, dass mich meine Schwester allein dienen lässt? Sage ihr doch, dass sie mir hilft!“
[29:55] Für Martha war die Sache klar: Sie tut das Richtige, sie tut das, was getan werden muss, und sie wird alleine gelassen. Sie bekommt nicht die Hilfe, die sie verdient hat. Und ich denke, wann immer Menschen in so ein Burnout kommen, wann immer Menschen überlastet sind, wann immer Menschen an ihr Limit kommen, dann ist dieses Gefühl oft ganz präsent: „Ich bekomme nicht die Hilfe, die ich eigentlich bräuchte. Andere tun nicht ihre Aufgabe. Ich muss noch für andere mit einspringen. Herr, warum lässt du das zu?“ Ich glaube, viele von uns, wenn nicht alle, können sich mit diesem Gefühl von der Martha identifizieren: „Der sollte mir auch helfen. Wenn der sich anstrengen würde, hätte ich weniger. Sie lässt mich alleine.“
[30:36] Aber interessant ist, wie schon gesagt, diese Frage: „Herr, kümmerst du dich nicht darum? Kümmerst du dich nicht?“ Diese Frage hatte Jesus schon einmal gehört, und zwar wörtlich im Griechischen genauso: „Kümmerst du dich nicht?“ In Markus Kapitel 4 und dort Vers 38. Dort war es nicht Martha, dort waren es die Jünger von Jesus gewesen, die in Markus 4, Vers 38 folgendes sagen: „Und er war hinten auf dem Schiff und schlief auf einem Kissen.“ Es ist gerade die Situation: Jesus ist mit seinen Jüngern im Boot. Der Sturm droht das gesamte Boot sinken zu lassen. Das Wasser ist schon im Schiff. Es heißt hier: „Und er schlief auf einem Kissen, und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Achtung, jetzt kommt's: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir umkommen?“
[31:32] Zweimal ist Jesus gefragt worden: „Kümmert es dich nicht?“ Einmal, als die Jünger in Todesangst sind und denken, sie werden gleich von den Wellen übermannt werden, sie werden gleich versinken und buchstäblich sterben. Und einmal von einer Jüngerin sozusagen, einer Nachfolgerin Jesu, die das Gefühl hat, auch dass sie ertrinkt, zwar nicht in den kalten Wellen des dunklen See Genezareth, sondern in der Arbeit für Jesus, die mitunter ganz schön stürmisch sein kann. Sie hatte das Gefühl auch schon, dass ihr Boot zu sinken beginnt, dass sie gefüllt ist, dass sie am Limit ist, dass sie jetzt nicht mehr weiter kann. „Kümmert es dich nicht?“
[32:17] Vielleicht haben wir selten einen echten Sturm auf der See erlebt, aber das, was die Martha erlebt hat, das können wir, glaube ich, alle nachvollziehen. Vielleicht hatten wir noch nie die Gefahr, tatsächlich zu ertrinken, aber in Arbeit und in Sorgen und in Herausforderungen zu ertrinken, diese Gefahr, diese gefühlte Gefahr, die kennen wir alle.
[32:59] Sie sagt hier: „Sage ihr doch, dass sie mir hilft!“ Dieses Wort für „helfen“ kommt noch einmal vor im Neuen Testament in Römer 8, Vers 26. Interessanterweise in Römer 8, und dort Vers 26, dort heißt es: „Ebenso kommt aber auch der Geist unseren Schwachheiten zu Hilfe.“ Der Heilige Geist, der uns hilft. Martha wünscht sich Hilfe. Das griechische Wort heißt wörtlich: sich einer Sache gemeinsam annehmen, mithelfen, beistehen. Sie fühlt sich alleine gelassen. Sie braucht nicht jemand, der die Arbeit für sie macht. Sie möchte gern, dass jemand mit anpackt, mit ihr zusammenarbeitet. Und ich glaube, wir alle können die Martha gut verstehen. Es fühlt sich nicht gut an, wenn man das Gefühl hat, mit der Arbeit alleine gelassen zu sein. „Sag ihr doch, dass sie mit anpackt, beisteht.“
[34:15] Und es wird gesagt: Martha hatte einen Drang, war so gelegen, so angelegen, für das Wohlergehen der Gäste zu sorgen, dass sie in diesem Anliegen die Höflichkeit vergaß, die ihrem Gast eigentlich zukam.
[34:40] Es kann schon passieren, dass wir eigentlich das Gute wollen, aber es aus eigener Kraft tun und dann gar nicht mehr so reagieren, wie Gott es sich eigentlich wünscht. Man kann mit besten Motiven und mit besten Zielen unhöflich sein. Martha war das. Sie wollte ja für Jesus sorgen, sie wollte doch die Arbeit tun, und sie fühlte sich auch ungerecht behandelt. Und trotzdem war die Art und Weise, wie sie jetzt mit Jesus hier redet, unhöflich.
[35:17] Aber ich finde es so interessant, so bemerkenswert, wie Jesus antwortet. Er antwortete ihr nämlich mit milden und geduldigen Worten. Ja, es kann passieren, dass wir auch in der Arbeit für die Gemeinde, der Arbeit für andere so uns verausgaben, dass wir das Gefühl haben, alleine gelassen zu werden, und dass wir vielleicht sogar ein wenig Gott anklagen, warum er das so zulässt. Wenn dir das schon passiert ist – mir ist das passiert – dann vergiss nicht, wie Jesus geantwortet hat: mit milden und geduldigen Worten. Jesus kehrt uns nicht einfach den Rücken, nur weil wir uns zu sehr aufgeregt haben. Jesus lässt uns nicht im Stich, nur weil wir ihn für einen Moment aus den Augen verloren haben und nur unsere Arbeit gesehen haben. Jesus antwortet der Martha mit milden und geduldigen Worten, und das sind seine Worte:
[36:24] „Martha, Martha!“ Zweimal nennt er sie, und in der Tatsache, dass er sie zweimal nennt, steckt eine interessante, eine interessante Sache. „Martha, Martha!“ Das ist eines von zehn Vorkommen in der gesamten Bibel, wo Gott einen Menschen oder eine Stadt zweimal nennt. Zum ersten Mal hier im Neuen Testament, aber schon im Alten Testament finden wir einige berühmte Geschichten: Abraham, Abraham zum Beispiel in 1. Mose 22, als Abraham seinen Sohn Isaak auf den Altar legt. Wir denken auch an Jakob, Jakob in 1. Mose 46. Die Geschichte ist weniger bekannt, als Jakob mit seinem ganzen Haushalt nach Ägypten zieht und Gott ihm dann auf dem Weg erscheint und ihm Mut macht, dorthin zu gehen. Wir denken natürlich an die berühmte Geschichte am brennenden Dornbusch: „Mose, Mose!“, als Gott sich offenbart und ihm seine Aufgabe gibt. Wir denken an „Samuel, Samuel!“, die berühmte Geschichte in 1. Samuel 3, als der kleine Samuel von Gott zum Propheten berufen wird, der dann für Jahrzehnte das Volk Israel lenken würde. Wir sehen, diese Geschichten haben alle eine besondere Bedeutung. Es sind Wegmarken, Meilensteine in der Erlösungsgeschichte, in der Geschichte der Heilsgeschichte, besondere Momente, die jedes Kind damals auch kannte.
[38:11] Und dann gibt es noch die vielleicht uns nicht ganz so bekannte Stelle in Jesaja, wo es heißt: „Ariel, Ariel!“ Ein Name für Jerusalem. „Ariel, Ariel!“ Die Geschichte dahinter ist aber sehr, sehr bedeutsam, denn es geht hier in Jesaja – ich glaube, es ist Jesaja 30. Schau kurz nach, nichts Falsches sagen. Jesaja 29, Verzeihung. Ja, Jesaja 29: „Ariel, Ariel!“ Da geht es nämlich um die Ankündigung der Belagerung durch Sanherib, durch den König der Assyrer. Eine Geschichte, die dann für das gesamte Alte Testament bis hinein in die Offenbarung noch eine überwältigende Bedeutung hat. Dass Gott also, wenn Gott also zweimal ruft – und vielleicht kennt jemand von euch auch unsere Serie, die wir vor vielen, vielen Jahren mal aufgenommen haben auf J-Media, die kann man vielleicht dazu sich mal anschauen – wenn Gott zweimal ruft, gehen wir durch alle zehn Geschichten durch. Wenn Gott also zweimal ruft, dann hat das immer eine besondere Bedeutung, eine, die heilsgeschichtlich ist. Wenn wir später im Neuen Testament da noch weitere Beispiele ansehen, dann sehen wir sie: „Simon, Simon!“, als Jesus zu Petrus spricht und ihn auf die große Katastrophe vorbereitet, seines, seiner Verleugnung. Wir sehen dort „Jerusalem, Jerusalem!“, noch einmal dieselbe Stadt, diesmal tatsächlich als Jerusalem ausgesprochen, diese berührenden Worte von Jesus, als er die endgültige Zerstörung von Jerusalem vorhersieht. Und wir denken an „Saul, Saul!“, als auf dem Weg nach Damaskus Jesus erkennt und sich bekehrt und so dem vielleicht bedeutendsten Verkündiger des Evangeliums in der gesamten neutestamentlichen im ersten Jahrhundert wird. Wir denken an die vielleicht wichtigste Stelle, als Gott in menschlichem Fleisch zu seinem Vater, zu Gott ruft: „Eli, Eli, mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ am Kreuz.
[40:34] Und in dieser Gruppe von bedeutungsschwangeren, wichtigen, heilsgeschichtlichen Ereignissen, in denen Gott zweimal ruft, steht auch der Ruf: „Martha, Martha!“ Scheinbar geht es hier nur um einen, um einen Haushaltsstreit. Die eine Schwester hat mehr in der Küche zu tun, die andere hilft nicht so viel. So scheint es eine Kleinigkeit, eine Bagatelle, würden wir sagen, in der Heilsgeschichte. Aber Jesus hebt diese Geschichte dadurch auf eine Ebene mit der Geschichte von Abraham und Isaak, mit der Geschichte von Moses Berufung, von Jakobs Weg nach Ägypten, mit der Geschichte von Simon und der Geschichte von Paulus. Martha, lieber Freund, liebe Freundin, unser Alltag ist für Jesus genauso wichtig wie die großen Entscheidungen der Männer und Frauen der Geschichte, wie die großen Wegmarken, die sie durch Entscheidung eingegangen sind, die sie betreten haben. Das, was wir im Alltag mit Jesus erleben, hat aus Gottes Sicht genau denselben Stellenwert wie die berühmten Geschichten, die wir in der Bibel lesen.
[41:51] Was sagt Jesus zu ihr? Wenn wir diese Worte lesen, dann muss uns bewusst sein, welche Bedeutung Jesus ihnen hier gibt und wie wichtig sie ihm sind. Er sagt nicht einfach „Mara“, er sagt: „Martha, Martha!“ Lukas 10 heißt es: „Martha, Martha, Vers 41: Du machst dir Sorge und Unruhe um vieles.“ Sorgen können das Wort Gottes kaputt machen, selbst nachdem es schon in unser Herz hineingekommen ist. In Lukas 8 und dort Vers 14, da lernen wir in dem Gleichnis, dass Jesus ja am See damals den Menschen nahgelegt hat, dass „was aber unter die Dornen fiel, das sind die, welche es gehört haben, aber sie gehen hin und werden von Sorgen und Reichtum und Vergnügung des Lebens erstickt und bringen die Frucht nicht zur Reife.“ Jesus warnt damit Martha auch: „Wenn du mich eingeladen hast in dein Haus, auch wenn du eigentlich gerne auch zu meinen Füßen sitzt, aber dich dann so kaputt arbeitest, dass du keine Zeit mehr hast, zu meinen Füßen zu sitzen, dann werden die Worte, die du schon gehört hast, die Worte, die schon in dein Herz gekommen sind, durch die Sorgen, die du dir machst, wieder überwuchert werden.“ Lieber Freund, liebe Freundin, wir können es uns nicht leisten, dass Gottes Wort, das in unser Herz gekommen ist, nach und nach durch Sorgen überwuchert wird.
[43:22] Die Unruhe, die dadurch kommt, spricht Jesus auch an in Lukas 10, Vers 41: „Martha, Martha, du machst dir Sorge und Unruhe um vieles.“ Jesus war gekommen, dass wir Ruhe haben. Wenn wir Unruhe haben, dann gibt es nur einen Ort, wo dieses Problem gelöst werden kann. Jesus sagt in Matthäus 11, und auch das haben wir uns ja schon angeschaut, Vers 28: „Kommt her zu mir, Matthäus 11, Vers 28: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken.“ Wörtlich: „Ich will euch zur Ruhe bringen. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.“ Die Lösung ist nicht, dass andere uns noch mehr helfen, obwohl das auch hilfreich sein kann, aber das ist nicht die Lösung für unsere Unruhe. Denn egal wie viel die Maria der Martha geholfen hätte, das hätte nicht ihre Unruhe beseitigt. Wir denken, das Problem liegt außerhalb von uns. Wenn andere besser für uns sorgen würden, wenn andere uns helfen würden, wenn andere ihre Pflicht tun würden, dann würde es uns besser gehen. Die Wahrheit ist, auch wenn andere all das tun würden, was wir uns wünschen, wir würden trotzdem noch unruhig sein, denn die Unruhe wird nicht beseitigt dadurch, dass andere mehr arbeiten. Sie wird nur allein und ausschließlich durch Jesus beseitigt.
[44:52] Und deswegen müssen wir Zeit finden für Jesus, müssen die Teller und die Tassen, den Laptop und die Bücher, was immer unsere Beschäftigung ist, beiseitelegen und zu den Füßen Jesu sitzen, wo allein es echte Ruhe gibt und wo das Wort wachsen kann und dann nicht von den Dornen der Sorgen überwuchert wird.
[45:29] Aber noch etwas können wir lernen, und das hat Martha gut gemacht: Sie hatte ein Problem, sie konnte es alleine nicht lösen. Aber zumindest – und das ist das, was wir immer tun können – war sie zu Jesus gekommen. Sie hatte ihre Sorgen, ihre Gedanken Jesus offengelegt. Ihre Gedanken waren zwar falsch, aber indem sie zu Jesus kam, konnte Jesus sie korrigieren. Lieber Freund, liebe Freundin, vielleicht fühlst du so oder anders, egal, was in deinem Leben gerade vor sich geht, wenn du zu Jesus kommst und alle deine Gedanken, deine Bewertung der Situation ihm zeigst und gibst, dann kann er dich mit milden und geduldigen Worten auch korrigieren. Wir können alle unsere Sorgen zu Jesus bringen. Philipper 4 und dort Vers 6: „Sorgt euch um nichts, sondern in allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kund werden.“ Das ist unser Vorrecht.
[46:24] Ja, in dieser Welt gibt es viele Sorgen, und ich kenne sie auch. Manchmal hat man den Eindruck, es ist einfach zu viel. Und gerade dann, wenn es zu viel wird, gerade dann brauchen wir am meisten die Zeit mit Jesus.
[46:40] Jesus wiederholt hier gegenüber der Martha und allen, die anwesend sind, das, was er schon in Matthäus Kapitel 6 in der Bergpredigt ausführlich erklärt hat. Wir können nicht alle Verse lesen, ihr könnt es noch mal zu Hause nachlesen oder auch nachstudieren ab Vers 25, als Jesus sagte: „Darum sage ich euch, sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr und was ihr trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist nicht das Leben mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung?“ Dann verweist er auf die Vögel, auf die Lilien des Feldes und sagt: „Gott kümmert sich um sie. Wird er nicht das viel, wird er das nicht viel mehr euch tun, ihr Kleingläubigen?“, fragt er. Und dann sagt er Vers 31: „Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen oder was werden wir trinken oder womit werden wir uns kleiden? Denn nach all diesen Dingen trachten die Heiden. Aber euer himmlischer Vater weiß, dass ihr dies alles benötigt.“ Lieber Freund, liebe Freundin, Gott kennt meine und deine Bedürfnisse.
[47:38] Vers 33: „Trachtet viel mehr zuerst.“ Eine Frage der Priorität. „Trachtet viel mehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch dies alles hinzugefügt werden. Darum sollt ihr euch nicht Sorgen um den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Jedem Tag genügt seine eigene Plage.“ „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes.“ Und das ist genau die Priorität, die Jesus hier jetzt in Lukas 10 anspricht.
[48:09] Ich glaube, ich habe das an verschiedener Stelle schon erwähnt, wiederhol es an der Stelle gerne: Das Wort „Priorität“ gab es für Jahrhunderte lang nur im Singular, nur die Priorität. Erst im 20. Jahrhundert sind wir auf die Idee verfallen, Prioritäten zu setzen, den Plural dafür zu erfinden. Aber Priorität ist die wichtigste Sache, und es gibt nicht wichtigste Sachen, es gibt nur die wichtigste Sache. Es gibt zwar wichtige Sachen und wichtigere Sachen, aber es gibt nur die wichtigste Sache. Und Jesus sagt uns, sagt mir und dir heute, was die wichtigste Sache ist. Es gibt nur eine Priorität. Lukas 10, Vers 42: „Eines aber ist not. Maria aber hat das gute Teil erwählt, das soll nicht von ihr genommen werden.“ Von Jesus lernen ist die beste Entscheidung, die wir fällen können.
[49:09] Maria hat ihr Denken mit den kostbaren Worten, die von den Lippen des Erlösers fielen, gefüllt. Worte, die kostbarer waren für sie als alle kostbaren Juwelen der Erde. Sind dir Gottes Worte kostbar?
[49:29] Schon das Alte Testament kennt diese Idee der Priorität, dass es eine Sache gibt, die alles andere überragt. Jesus hat auch hier nichts Neues erfunden. Psalm 27, Vers 4: „Eines erbitte ich von dem Herrn, nach diesem will ich trachten.“ Mit anderen Worten: „Das ist meine Priorität, dass ich bleiben darf im Haus des Herrn mein ganzes Leben lang, um die Lieblichkeit des Herrn zu schauen und ihn zu suchen in seinem Tempel.“ Der Psalmist, es ist David, sagt: „Das ist meine Priorität, bei Gott zu sein, im Tempel zu sein, Gottes Herrlichkeit anzuschauen, von ihm zu lernen. Denn im Tempel, da wird das Gesetz erklärt. Im Tempel dort wird der Erlösungsplan illustriert. Sich zu beschäftigen mit Gott und Seinem Wort, mit dem Erlöser und dem Erlösungsplan. Das sagt David, das ist meine Priorität, das, das eine, wonach ich trachte.“ Maria hatte genau das in ihrem Herzen. Das war das Wichtigste.
[50:27] Die Summe der Lehre, sagt Salomo in Prediger 12, Vers 13: „Fürchte Gott und gib ihm die und halte seine Gebote.“
[50:39] Was nützt es, wenn wir alle unsere Aufgaben erledigt haben, wenn wir alle To-Do-Listen abgehakt haben, wenn wir alle Projekte vollendet haben, wenn wir alles Geld verdient haben, das zu verdienen gab, und unseren Kindern alles ermöglicht haben, was ihnen zu ermöglichen war, und wir am Ende verloren gehen? Markus 8, Vers 36: Jesus sagt: „Denn was wird es einem Menschen helfen, wenn er die ganze Welt gewinnt und sein Leben verliert?“ Das Wichtigste, das Wichtigste in deinem und meinem Leben ist die Frage: Werde ich ewiges Leben haben? Werde ich einmal für Ewigkeit bei Gott sein?
[51:25] Maria hatte das gute Teil erwählt. Sie hat eine Entscheidung getroffen. Sie hat sich bewusst dafür entschieden, Zeit mit Jesus zu verbringen.
[51:38] 5. Mose steht Mose vor dem Volk und sagt: „Wählt ihr heute das Gute und das Leben, das Böse und den Tod.“ Josua
[51:45] und das Leben, das Böse und den Tod. Josua sagt in Josua 24, Vers 15, dass er sagt: „Ich und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen.“ Psalm 119 und dort Vers 30: „Den Weg der Treue habe ich erwählt und deine Bestimmung vor mich hingestellt.“ Vers 173: „Es deine Hand komme mir zu Hilfe, denn ich habe deine Befehle erwählt.“
[52:27] Lieber Freund, liebe Freundin, entscheidest du dich heute Morgen, jeden Tag aufs Neue, am besten gleich am Morgen, dafür, Gottes Wort zu lesen, Zeit zu nehmen mit Jesus? Es ist eine Entscheidung, die wir fällen müssen, eine Entscheidung, zu der wir stehen müssen, die wir jeden Tag neu treffen müssen. Ich erinnere mich, als ich auf der Bibelschule war, da wurden wir unterrichtet auch über verschiedene Dinge, und es ging auch um die Morgenandacht. Und unser Lehrer hatte eine PowerPoint-Folie, auf der ein Mann mit einer Kalaschnikow in Militärkleidung stand. Und der hat uns gesagt – ein Zitat sogar –: „Bewache sorgfältig deine Andachtszeit. Denk an den Mann mit der Kalaschnikow! Bewache deine Andachtszeit! Es gibt nichts, das so wichtig ist, dass deswegen die Andacht an diesem Tag ausfallen sollte.“
[53:20] Nichts. Die Zeit mit Gottes Wort muss die Priorität in unserem Leben sein. Alles andere kommt danach. Sie hat das gute Teil erwählt. Was ist das gute Teil? Psalm 16, Vers 5 und 6. Dort heißt es: „Der Herr ist mein Erbteil und das Teil meines Bechers; du sicherst mir mein Los. Messschnüre sind mir in einer lieblichen Gegend gefallen; ja, mir wurde ein schönes Erbe zuteil.“ Da steckt die Idee, dass das Land ja damals das Erbe für die Israeliten verteilt wurde, ähm, und und jeder bekam so ein Stück Land. Hier ist die Idee: Wer Gott zu seinem Erbteil hat, der hat ein schönes Erbe.
[54:04] Maria hat Jesus erwählt. Das war ihr das Wichtigste, und das soll nicht von ihr genommen werden, sagt Jesus. Wir haben schon in Johannes 4 gesehen bei der Frau am Jakobsbrunnen: Wer Jesu Worte annimmt und glaubt, der hat, wie Jesus sagt – es heißt hier Vers 14: „Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle von Wasser werden, das bis ins ewige Leben quillt.“ Es wird in ihm sein. Man kann es nicht von ihm nehmen. Lieber Freund, liebe Freundin, wenn du dir Zeit für Jesus nimmst, wenn du betest und die Bibel liest und sagst: „Herr, ich möchte von dir lernen, ich möchte deinen Füßen sitzen!“, dann wirst du Dinge von Gott erfahren, die dir niemand nehmen kann, und die werden wie eine Quelle sein, die sprudelt, so wie es bei der Frau damals hier auch eine Quelle war. Man kann es dann gar nicht für sich alleine behalten.
[55:03] Wenn du jeden Tag Zeit mit Jesus verbringst, dann kann man Jesus dir nicht wegnehmen. Jesus sagt: „Niemand kann die Schafe aus seiner Hand reißen, die bei ihm sind.“ Das eine, das Martha brauchte, war ein ruhiger und andächtiger Geist, ein größeres Verlangen danach, das zu wissen, was das zukünftige, unsterbliche Leben betrifft, und die Gnadengaben, die für einen geistlichen Fortschritt wichtig sind, sich dafür zu interessieren. Sie brauchte weniger Sorgen für die Dinge, die vergänglich sind, und mehr für die Dinge, die für immer bleiben werden. Es geht nicht darum, gleichgültig zu sein. Die Frage ist: Wo ist unser größtes Interesse? Was hat unsere größte Aufmerksamkeit? Was hat unsere Priorität?
[56:07] Jesus möchte seinen Kindern lehren, dass sie jede Gelegenheit ergreifen und nutzen, um das Wissen zu gewinnen, die Erkenntnis zu gewinnen, die sie weise zur Erlösung macht. Mit anderen Worten: Jesus möchte, dass du weißt, wann immer es eine Gelegenheit für dich gibt, das Evangelium besser zu verstehen, Gottes Wort besser zu verstehen, wann immer es eine Gelegenheit gibt, mit ihm Zeit zu verbringen – nutze sie. Und jetzt kommt ein interessanter letzter Abschnitt: Die Sache von Christus, das Werk Gottes, mit anderen Worten, braucht sorgfältige, energetische Arbeit, also Leute, die die Energie haben, die etwas schaffen. Es gibt ein weites Feld für die Marthas mit ihrem Eifer in aktiver religiöser Arbeit. Jesus wollte nicht sagen: „Nur das eine und nicht das andere.“ Vergessen wir nicht: Martha wollte ja auch nicht nur Haushalt machen und gar nicht bei Jesus sitzen. Sie saß ja auch wohl bei Jesus, aber der Haushalt war ihr noch wichtiger als das Sitzen bei Jesus. Und Jesus sagt nicht: „Nur bei mir sitzen und keinen Haushalt machen!“ Jesus verschiebt nur die Priorität, so dass sie wieder im Lot ist.
[57:27] Jesus freut sich über den Dienst, er freut sich über Arbeit für andere. Und die Martha kann mit ihren Fähigkeiten viel bewirken. Aber sie soll – und jetzt steht hier –: Die Marthas sollen zuerst mit Maria zu den Füßen Jesu sitzen. Der Fleiß und die Schnelligkeit und die Energie sollen durch die Gnade Christi geheiligt sein. Dann wird das Leben eine unbesiegbare Kraft für das Gute sein. Martha sollte nicht aufhören zu arbeiten, sie sollte ihre Arbeit heiligen, indem sie zuerst zu den Füßen Jesu sitzt, weil dann würde sie arbeiten ohne unzufrieden zu sein. Dann würde sie arbeiten und würde nicht ständig denken, was andere ihr jetzt Schlechtes angetan haben, dass sie alleine ist. Wenn sie zuerst zu den Füßen Jesu sitzt und weiß: „Gott ist bei mir!“, dann kann sie auch alle Aufgaben in einem anderen Geist ausführen. Lieber Freund, liebe Freundin, Gott möchte nicht, dass wir den ganzen Tag nur die Bibel lesen und nichts anderes mehr tun, aber er möchte, dass das Bibellesen und das Beten, das Nachdenken über ihn, die Priorität hat, sodass alles andere, was wir machen, was notwendig ist und was richtig ist und was wichtig ist, sogar im Werk Gottes, dass alles andere geheiligt ist durch unsere Begegnung mit Jesus, die zuerst stattfand.
[58:53] Lieber Freund, liebe Freundin, möchtest du dir heute vornehmen, keinen Tag mehr zu verbringen ohne Zeit mit Jesus zu verbringen? Möchtest du dir vornehmen, den Tag gar nicht erst zu starten, ohne dass du zuerst Zeit mit Jesus verbracht hast, zu seinen Füßen zu lesen, zu sitzen? Schlag die Bibel auf und sage: „Herr, hier bin ich. Ich möchte dein Schüler, deine Schülerin sein. Rede zu mir, sprich zu mir, zeig mir, wie du denkst, bring mein Herz zur Ruhe, heilige alle die anderen Fähigkeiten, die ich hab, damit ich sie dann später, wenn der Tag all seine Herausforderungen hat, dass ich sie in deinem Sinne und in deinem Geist einsetze.“ Lieber Freund, liebe Freundin, ist das dein Wunsch? Dann lass uns gemeinsam noch ein Gebet schließen. Lass uns dazu beten.
[59:44] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass du durch dein Wort zu uns gesprochen hast. Und Herr, du kennst, wie oft ich – du weißt, wie oft ich eine Martha bin und wie viele von uns so oft wie Martha denken und wie Martha handeln. Herr, wir wollen heute von Maria lernen, die Zeit mit dir zu schätzen und die Zeit mit dir zur tatsächlichen Priorität in unserem Leben zu haben, damit alles andere, was wir tun, alle anderen Gaben, die wir zu deiner Ehre einsetzen wollen, auch geheiligt sind durch Zeit mit dir. Herr, das bitten wir, dass du uns morgen daran erinnerst.
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