In dieser Folge von „Der Ersehnte“ wird der zweite Teil von Johannes 10 abgeschlossen, wobei Christopher Kramp Jesus‘ Verteidigung seiner Einheit mit dem Vater durch seine Werke beleuchtet. Es wird betont, dass wahrer Glaube auf dem Wirken Gottes und der Erfüllung biblischer Prophetie basiert, nicht auf bloßer Theorie oder Zeichen. Die Episode verfolgt auch Jesus‘ Rückzug nach Peräa, wo die Menschen seine Worte und Taten als Bestätigung der Prophezeiungen Johannes des Täufers erkannten.
Der Ersehnte: 238. „was Johannes von diesem gesagt hat“
Christopher Kramp · Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus ·Themen: Bibel, Bibelstudium, JesusPodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Der Ersehnte
„Der Ersehnte“ wird das Leben und Wirken von Jesus Christus detailliert und chronologisch beleuchten. Die verschiedenen Evangeliumsberichte werden in ein harmonisches Ganzes zusammengefügt und die vielen alttestamentlichen Wurzeln und Bezüge aufgezeigt. Über allem steht der Wunsch, unseren Herrn und Erlöser in Seinem alltäglichen Leben besser kennen zu lernen. Diese Aufnahmen sind einer Videoserie auf https://www.joelmedia.de/serien/der-ersehnte/ entnommen.
Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:
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Serie: Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus
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Transkript
[0:33] Hallo und herzlich willkommen zu unserem Seminar „Der Ersehnte“. Schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt auf www.julmedia.de zu einer weiteren Folge unserer Serie über das Leben und Wirken unseres Freundes und Erlösers Jesus Christus. Wir wollen heute die in den letzten Folgen angefangene Geschichte aus Johannes 10, aus dem zweiten Teil von Johannes 10, beenden, in den letzten Versen, Vers 38 bis 40. Bevor wir das tun, möchten wir mit einem Gebet starten, dass Gott mit seinem Heiligen Geist unser Denken führen kann, unser Studium segnet. Und dazu möchte ich dich ganz herzlich einladen, wenn es dir möglich ist, dass wir gemeinsam niederknien.
[1:25] Lieber Vater im Himmel, möchte dir danke sagen, dass wir zu dir kommen können, dass du uns Kraft und Weisheit schenkst. Möchten dich bitten, dass du uns den Glauben schenkst, den wir brauchen, um dein Wort jetzt so zu verstehen, wie du es gemeint hast, dass wir etwas für unseren persönlichen Glauben mitnehmen dürfen, dass du alles Störende fernhältst und dass wir uns darauf konzentrieren können, was deine Stimme uns sagt. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen.
[2:01] Johannes Kapitel 10 und dort Vers 38. Wir haben gesehen, wie Jesus ein Gespräch gehabt hat mit den Obersten der Juden, die unbedingt wissen wollten von ihm, ob er der Christus sei. Jesus hatte ihnen gesagt, dass er es eigentlich schon längst deutlich gemacht hatte, aber dass ihnen der Glaube fehle und dass sie nicht seine Schafe sind, denn die hören seine Stimme und kennen ihn und folgen ihm. Und niemand kann aus der Hand Jesu reißen beziehungsweise aus der Hand des Vaters, wie Vers 28 und 29 es sagen. Und dann hat Jesus diese berühmten Worte gesagt in Vers 30: „Ich und der Vater sind eins.“ Daraufhin wollten die Obersten der Juden ihn steinigen. Und wir haben das letzte Mal über die Worte nachgedacht, die Jesus als Verteidigung anbringt aus Psalm 82. Wir werden das heute hier nicht wiederholen, aber man kann in der letzten Aufnahme das ja dann ausführlich noch mal sich anschauen. Es endet in Vers 37 mit einer Bitte von Jesus, die jetzt in Vers 38 weitergeführt wird.
[3:21] In Vers 37 sagt er: „Wenn ich nicht die Werke meines Vaters tue, so glaubt mir nicht.“ Vers 38 sagt er: „Tue ich sie aber, so glaubt doch den Werken, wenn ihr auch mir nicht glaubt, damit ihr erkennt und glaubt, dass der Vater in mir ist und ich in ihm.“ So wie schon ganz am Anfang dieser Begebenheit in Vers 25, verweist Jesus auf die Werke, die Gott der Vater in seinem Leben tut. Wir haben das in Vers 25 gesehen, wo Jesus gesagt hat: „Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, und ihr glaubt nicht. Die Werke, die ich tue im Namen meines Vaters, diese geben Zeugnis von mir.“ Und dann in Vers 37 jetzt: „Wenn ich nicht die Werke meines Vaters tue, so glaubt mir nicht.“ Vers 38: „Tue ich sie aber, so glaubt doch den Werken, wenn ihr auch mir nicht glaubt.“
[4:28] Jesus versucht, eine Brücke zu den Obersten zu bauen. Sie haben offensichtlich persönliche Vorurteile gegen ihn, und er sagt jetzt: „Wenn ihr auch mir nicht glaubt, glaubt doch den Werken. Ihr könnt ja sehen, was ich tue, und ihr könnt das im Licht der Bibel prüfen und feststellen, ob die Dinge, die ich tue, ob meine Werke mit der Bibel übereinstimmen, ob meine Werke von Gott sind oder nicht. Auch wenn ihr meinen eigenen Worten nicht glauben wollt, prüft doch, was ich tue.“ Das ist sein Argument. Er sagt: „Wenn das, was ich tue, nicht von Gott ist, dann glaubt mir nichts.“
[5:10] Jesus verlangte von den Obersten nicht, dass sie einfach ihn beim Wort nahmen, denn er wusste, dass sie kein – also auf einer menschlichen Ebene – kein besonderes Vertrauen zu ihm hatten. Aber er konnte von ihnen erwarten, dass sie aufrichtig das, was er getan hat, im Licht der Bibel prüfen. Das konnte er erwarten. Und diesen Maßstab gibt er ihnen jetzt und sagt: „Nehmt diesen Maßstab und prüft mein Leben anhand dessen, was Gott im Alten Testament (in Klammern: durch mich) gesagt hat.“
[5:51] Jesus verlangt niemals, dass wir eine Theorie glauben, wenn da nicht die Kraft Gottes sich zeigt. Wenn da nicht Gott am Wirken ist, dann müssen wir es auch nicht glauben. Jesus sagt: „Wenn ich die Werke des Vaters nicht tue, dann glaubt mir nichts. Wenn das, was ich sage, nur eine Theorie ist, die man auswendig lernen kann, dann glaubt mir nicht.“ Der Grund, warum sie glauben sollten, ist, dass Jesus das tat, was die Bibel sagte, dass Jesus mit seinem Leben den Vater offenbarte, dass man sehen konnte, erleben konnte, dass die Worte von Jesus wahr sind. Es ist die Kraft des Evangeliums, die uns überzeugen soll, Jesus zu vertrauen.
[7:04] Jesus verlangt, dass sie einfach auf sein Wort hin jetzt glauben, dass er und der Vater eins sind. Aber er wusste, dass wenn sie seine Werke betrachten, dann könnten sie aufrichtig sehen, dass es die Werke des Vaters sind, die in seinem Leben sich zeigen. Dieses Argument hat Jesus immer wieder angebracht. In Johannes 5 Vers 36 haben wir das auch schon an anderer Stelle hier uns angeschaut. Da sagt er damals im Gerichtsverhör vor dem Sanhedrin, als er vor den Obersten Rat gebracht wurde und auch dort die Anschuldigung im Raum stand, er würde sich zu Gott machen, da hat er in Vers 36 gesagt: „Ich aber habe ein Zeugnis, das größer ist als das des Johannes; denn die Werke, die mir der Vater gab, dass ich sie vollbringe, eben die Werke, die ich tue, geben Zeugnis von mir, dass der Vater mich gesandt hat.“ Die Werke geben Zeugnis.
[8:12] Und Jesus sagt den Obersten – und ich glaube, er sagt es auch uns: Wenn wir das Verhältnis von Jesus zu seinem Vater verstehen wollen, dann reicht es nicht, theoretische Aussagen zu studieren. Wir müssen die Kraft Gottes im Evangelium entdecken. Wir müssen sehen, was Jesus tut, denn seine Werke beweisen, wer er ist. Jesus wünscht sich hier, dass die Pharisäer erkennen, dass er und der Vater eine enge Einheit bilden. Er hatte in Vers 30 gesagt: „Ich und der Vater sind eins.“ Er wünscht sich, dass sie glauben. Er sagt: „Tue ich sie aber, so glaubt doch den Werken, wenn ihr auch mir nicht glaubt, damit ihr erkennt und glaubt, dass der Vater in mir ist und ich in ihm.“ Wahre Erkenntnis und wahrer Glaube gehen Hand in Hand. Wer das Leben von Jesus betrachtet, wer sein Wirken in der Bibel und auch im eigenen Leben studiert, der kann Gott kennen und ihm glauben.
[9:36] Heute gibt es viele Diskussionen darüber, wie das genaue Verhältnis zwischen Jesus und dem Vater ist. Vielleicht geht es uns manchmal so wie Pilatus: Wir sind einfach nur neugierig und wollen einfach nur genaue Informationen haben, ohne Auswirkung für unser Leben. Pilatus, der sich abgewandt hat, hatte von Jesus – nachdem er die wichtige Frage gestellt hatte: „Was ist Wahrheit?“ – in Johannes 19 dann diese Frage an Jesus gerichtet, als er hörte von den Obersten Juden, dass Jesus sich zum Sohn Gottes gemacht habe, was ja auch die Anklage jetzt hier in Johannes 10 ist. Als er diese Worte hörte, heißt es in Johannes 19 Vers 8: „Da fürchtete er sich noch mehr.“ Wir werden ja später mal diese Geschichte ausführlich anschauen, aber schauen wir auf diesen Punkt hier in Vers 9: „Und er ging wieder in das Prätorium hinein und sprach zu Jesus: Woher bist du?“ Er wollte zwar die Erlösung nicht annehmen, er wollte das Reich der Wahrheit nicht annehmen, das Jesus ihm anbot. Er wollte kein Untergebener in diesem Reich Gottes sein. Aber ihn hat es interessiert, woher Jesus kam, was seine genaue Herkunft betraf. Aber Jesus, so heißt es in Vers 9, gab ihm keine Antwort.
[11:01] Pilatus wollte eine theoretische Information über die Natur und das Wesen und die Existenz/Präexistenz Jesu, aber er bekam keine Antwort, weil er sich für die Kraft der Wahrheit nicht interessierte. In derselben Weise werden wir keine Antwort auf manche Fragen bekommen, wenn wir uns nur für Theorien interessieren und nicht für die Praxis, nicht für das, was Jesus tatsächlich tut. Er sagt: „Wenn ich die Werke tue, so glaubt doch den Werken, wenn ihr auch mir nicht glaubt, damit ihr erkennt und glaubt, dass der Vater in mir ist und ich in ihm.“
[11:46] Wie kommen wir zu dem richtigen Verständnis von dem Verhältnis von Jesus zu seinem Vater, und wie können wir das dann auch wirklich rettend glauben? Indem wir glauben, dass Jesus für uns wirkt, indem wir die Werke Gottes, die Werke Jesu, in der Bibel und in unserem Leben betrachten und im Glauben in Anspruch nehmen, dass Gott für mich wirkt. Lieber Freund, liebe Freundin, betrachtest du das Wirken Jesu in deinem Leben? Kann es sein, dass es dir auch so geht wie mir manchmal, dass wir zu selten darüber nachdenken, was Jesus konkret in meinem Leben tut? Ich bin so dankbar, dass er jetzt in diesem Moment für mich wirkt, und du darfst auch dankbar sein. Und wenn wir über dieses Wirken nachdenken, dann erlangen wir echte Erkenntnis und echten Glauben.
[12:46] Vers 39, Johannes 10 Vers 39: „Da suchten sie ihn wiederum zu ergreifen; doch er entging ihren Händen.“ Schon wieder ein Versuch, Jesus umzubringen. Ganz besonders bezieht sich Johannes hier offensichtlich auf Johannes 7. Einige wenige Monate zuvor, beim Laubhüttenfest, war es ja schon so weit gewesen, dass die Obersten ihn umbringen wollten. Johannes 7 Vers 30: „Wir haben damals gelesen: Da suchten sie ihn zu ergreifen; aber niemand legte Hand an ihn, denn seine Stunde war noch nicht gekommen.“ Und wir wissen, jetzt hier in Johannes 10, ist seine Stunde noch immer nicht gekommen. Wir sind zur Zeit des Hanukka-Festes in Johannes 10 am Ende. Wir sind noch nicht beim Passah, das sind noch einige wenige Monate. Johannes 7 Vers 44: „Und etliche von ihnen wollten ihn ergreifen; doch legte niemand Hand an ihn.“
[13:44] Dieses Wort „ergreifen“ kommt jetzt in Johannes 10 wieder vor, weil schon in Johannes 7 er mehrfach ergriffen werden sollte, festgenommen werden sollte. Heißt es jetzt hier in Johannes 10 Vers 39: „Da suchten sie ihn wiederum zu ergreifen.“ Wir hatten dieses „wiederum“ ja schon in Vers 31, wo wir gelesen haben: „Da hoben die Juden wiederum Steine auf, um ihn zu steinigen“, was ebenfalls ein Rückbezug war auf eine ganz ähnliche Stelle in Johannes 8 Vers 59, wo es hieß: „Da hoben sie Steine auf, um sie auf ihn zu werfen.“ Jesus hatte gesagt: „Ehe Abraham war, bin ich.“ Jesus aber verbarg sich und ging zum Tempel hinaus mitten durch sie hindurch und entkam.
[14:29] So, Jesus war bereits im Zusammenhang mit dem Laubhüttenfest beinahe gesteinigt worden. Man wollte ihn ergreifen. Jetzt in Johannes 10 wiederholt sich das alles. Wiederum tragen sie Steine herbei, wiederum wollen sie ihn ergreifen. Der Punkt, den Johannes machen möchte, ist, dass sich jetzt diese Dinge hier wiederholen. Es zeigt sich, dass sozusagen all die Worte von Jesu, all seine verschiedenen Versuche, einen Weg zum Herzen der Obersten zu finden, keine Frucht tragen. Sie verhärten sich, und sie zeigen immer wieder dieselbe Reaktion: Sie wollen ihn umbringen.
[15:05] Es gibt ein interessantes – ja, man könnte es fast ein Wortspiel nennen – hier in Vers 39, denn es heißt ja: „Er entging ihren Händen.“ Wörtlich könnte man übersetzen: „Er ging aus ihren Händen heraus.“ Sozusagen so, als ob sie ihn quasi jetzt, bildlich gesprochen, in der Hand hatten, aber ihn nicht festhalten konnten. Und das ist natürlich interessant, weil diese Formulierung „aus ihren Händen“ erinnert uns an eine Formulierung, die wir zuvor in Kapitel 10 gelesen haben, zum Beispiel in Vers 28. Jesus sagt in Vers 27: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir nach. Und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden in Ewigkeit nicht verloren gehen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“ Da haben wir also in Vers 28 dieses „aus meiner Hand“. Und dann in Vers 29: „Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alle, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters reißen.“ Da haben wir „aus der Hand meines Vaters“. Und diese Formulierung „aus der Hand“ – zweimal sagt Jesus: „Niemand wird euch aus meiner Hand reißen können, niemand kann euch aus der Hand des Vaters reißen.“ Und jetzt heißt es hier in Vers 39: „Er ging aus ihren Händen heraus.“
[16:49] Niemand kann uns aus der Hand Jesu reißen, aber die Pharisäer können Jesus nicht in ihrer Hand festhalten. Wenn wir in der Hand von Jesus sind, dann sind wir sicher. Aber Jesus ist stärker als die Pharisäer; sie können ihn nicht festhalten. Er entging ihren Händen.
[17:20] Und in Vers 40 heißt es dann: „Und er zog wieder jenseits des Jordan an den Ort, wo Johannes zuerst getauft hatte, und blieb dort.“ Jesus geht jetzt also wieder nach Peräa. Wir hatten schon vor einigen Folgen darüber gesprochen, dass Jesus jetzt in diesen letzten Monaten vor dem Ende den Dienst in Peräa angetreten hat, eine Gegend jenseits des Jordan im Ostjordanland, der Gegend vom heutigen Jordanien. Wir hatten in Matthäus 19 gesehen, und dort Vers 1 und 2. Markus gibt es eine Parallelstelle dazu. In Matthäus 19 Vers 1 und 2 dort heißt es: „Und es geschah, als Jesus diese Worte beendet hatte, verließ er Galiläa und kam in das Gebiet von Judäa jenseits des Jordan.“
[18:19] Wenn wir uns noch ein bisschen weiter zurückerinnern, dann wissen wir, dass Jesus sich eigentlich auf dieser großen Abschiedstour befindet, einer großen Rundtour, die in Galiläa begann, die jetzt vor allem ihn durch Peräa auch führt, noch einmal überall anzukündigen, dass er auf dem Weg ist nach Jerusalem. Er hatte zwischenzeitlich jetzt schon Abstecher gemacht, war nach Jerusalem gekommen, war dort offensichtlich auf dem Weg an Jericho vorbeigekommen. Wir haben die Geschichte gesehen, die er dort erzählt, auch im Zusammenhang mit dem Mann, der von Jerusalem nach Jericho herabging. Und ist dann in Jerusalem gewesen für dieses Hanukka-Fest, aber dann geht er jetzt wieder zurück und bleibt in Peräa. Wir werden in den nächsten Wochen und Monaten noch eine Reihe von Geschichten erfahren, die jetzt hier in diesem Dienst von Peräa sich ereignen, in den letzten Monaten vor der Kreuzigung. Johannes 10 verweist uns darauf: Es ist das letzte Mal, dass Jesus hier in Jerusalem gewesen ist, bevor er dann zum Passahfest, kurz vor dem Passahfest des Jahres 31, dort triumphal einzieht. Das werden wir dann ja in einiger Zeit studieren.
[19:42] Jesus verlässt Jerusalem, und er geht zurück nach Peräa, in das Ostjordanland. Es heißt hier in Johannes Kapitel 10: „Und er zog wieder jenseits des Jordan an den Ort, wo Johannes zuerst getauft hatte, und blieb dort.“ Dieser Ort, an dem Johannes zuerst getauft hatte, den kennen wir aus Johannes 1 Vers 28. Lange ist es her, dass wir diese Stelle hier in diesem Seminar studiert haben. In Johannes 1 und dort Vers 28 wird uns sogar der genaue Ort genannt. Dort heißt es in Vers 28: „Dies geschah in Betabara jenseits des Jordan, wo Johannes taufte.“ In diese Gegend bei Betabara ist Jesus jetzt zurückgekehrt. Nun, wer verschiedene Übersetzungen hat, wird hier verschiedene Ortsnamen lesen. In der Elberfelder wird von Bethanien gesprochen. Das muss allerdings, wenn das richtig sein soll, ein anderes Bethanien sein als das, was man aus den anderen Evangelien sonst kennt in der Nähe von Jerusalem, sondern eines, das im Ostjordanland liegt. Es gibt ohnehin verschiedene Manuskriptvarianten. Neben Betabara gibt es auch Bet-Araba, so im Textus Receptus, und wie gesagt, dieses Bethanien. Leider gibt es noch keine archäologischen Entdeckungen diesbezüglich, so dass man jetzt hier eine Festlegung treffen könnte. Es gibt einen Ort Bet-Barara in Richter 7 Vers 24, und auch bei Ellen White taucht die Bezeichnung Bet-Barara auf. Auf jeden Fall dürfte es wohl in der Nähe von Jericho gewesen sein, auf der anderen Seite, in der Nähe dort, wo Israel den Jordan überquert hat. Also gar nicht so weit weg von Jerusalem, sozusagen. Es macht also Sinn, dass Jesus, wenn er von Jerusalem hinabsteigt, an Jericho – also, wenn man sich sozusagen die Topografie anschaut, von Jerusalem herab sozusagen, dann ins Tal nach Jericho – hier Jerusalem ist auf dem Hügel, im Bergland Juda, dann hinab, und dann ist hier der Fluss, sozusagen der Jordan, und hier auf der anderen Seite irgendwo ist dann dieses Betabara. Und von dort wird er dann sicherlich weitergezogen sein, um noch andere Gegenden in Peräa zu durchziehen und dort zu predigen, wie wir dann in den nächsten Wochen noch sehen werden.
[22:32] Was ist dort passiert im Ostjordanland, als Jesus hier vom Hanukka-Fest zurückkommt? Es heißt in Vers 41, Johannes 10 Vers 41: „Und viele kamen zu ihm und sprachen: Johannes hat zwar kein Zeichen getan, aber alles, was Johannes von diesem gesagt hat, ist wahr.“ Jesus bekommt hier noch einmal ganz großen Zulauf. Es heißt, viele kamen zu ihm, und was sie sagen, ist interessant: Sie beziehen sich auf Johannes den Täufer, der, wie wir gerade in Johannes 1 Vers 28 gelesen haben, ja gerade hier am Anfang getauft hat. Hier war die Gegend, wo auch Jesus offensichtlich getauft worden ist. Hier war das frühe Wirken von Johannes dem Täufer gewesen, und Menschen konnten sich an das erinnern, was Johannes der Täufer gepredigt hat. Es war ja noch gar nicht so lange her gewesen.
[23:33] Jesus erntet jetzt die Früchte des Wirkens von Johannes dem Täufer. Sie hatten seine Botschaften gehört und sehen jetzt mit ihren eigenen Augen, dass alles das, was Johannes der Täufer über Jesus gesagt hat, tatsächlich wahr war. Sie sehen die Erfüllung seiner Prophezeiung. Solche Wellen der Begeisterung, solche Wellen des Zulaufs, hat es ja immer wieder im Leben von Jesus gegeben. Ganz besonders erinnern wir uns an Matthäus 4 Vers 23 bis 25, wo in Galiläa für eine Zeit lang ganz, ganz viele Menschen ihm nachgefolgt sind, bis es dann zur großen Krise kam. Aber auch hier in Peräa finden wir dasselbe: Seine Worte und seine Taten bewirken, dass Menschen an ihn glauben.
[24:21] Interessant ist die Formulierung in Vers 41: „Johannes hat zwar kein Zeichen getan.“ Offensichtlich sind Wunderzeichen keine Bedingung für die Echtheit eines Propheten. Wir wissen, dass Johannes ein Prophet war, sogar in besonderer Weise, über die Maßen. Es heißt nämlich in Lukas 7 und dort Vers 28, da hat Jesus gesagt: „Denn ich sage euch: Unter denen, die von Frauen geboren sind, gibt es keinen größeren Propheten als Johannes den Täufer; doch der Kleinste im Reich Gottes ist größer als er.“ Johannes ist also ein besonders bedeutender Prophet gewesen und hat trotzdem kein einziges Wunder getan. Also ist für die Frage, ob ein Mensch Prophet oder Prophetin ist, nicht entscheidend, ob er irgendwelche Wunderzeichen getan hat oder nicht. Das ist ein wichtiger Punkt: Wenn es darum geht, wahre Propheten zu erkennen, dann dürfen wir hier aus diesem Bibeltext in Johannes 10 entnehmen, dass Wunderzeichen kein sicheres Erkennungsmerkmal eines Propheten sind. Es gibt Propheten, die nie ein Wunder getan haben, und Johannes ist hier das vielleicht beste Beispiel dafür.
[25:44] „Johannes hat zwar kein Zeichen getan“, sagen sie, „aber alles, was Johannes von diesem gesagt hat, ist wahr.“ Der Glaube dieser Menschen gründet sich also nicht auf Zeichen, sondern auf der Predigt des Wortes Gottes. Die Erfüllung der Prophetie vor ihren Augen reicht ihnen schon aus. Sie brauchen nicht einmal Zeichen. Damit sind wir wieder bei dem Thema, das in Johannes so oft auch angesprochen worden ist, dass Jesus sich wünschte und heute noch wünscht, dass unser Glaube auf der Erfüllung der biblischen Prophetie basiert, auf dem Wort Gottes. Was waren die Dinge?
[26:28] Gottes. Was waren die Dinge, die Johannes der Täufer über Jesus gesagt hat? Matthäus 3 und dort in Vers 11 und 12.
[26:45] Johannes der Täufer hat über Jesus gesagt: „Ich taufe euch mit Wasser zur Buße. Der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, sodass ich nicht würdig bin, ihm die Schuhe zu tragen. Der wird euch mit Heiligem Geist und Feuer taufen.“ Johannes hatte gesagt, dass Jesus mächtiger ist als er, stärker ist und so würdig, dass Johannes ihm nicht einmal die Schuhe tragen könnte, oder wie es an anderer Stelle mal gesagt hat, ihm die Schuhriemen lösen könnte. Er hatte gesagt, dass Jesus mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen wird.
[27:17] Aber das ist nicht das Einzige, was er gesagt hatte. Wenn wir ins Johannesevangelium zurückgehen, finden wir in Johannes 1 Vers 29 folgende Aussage:
[27:24] „Am folgenden Tag sieht Johannes Jesus auf sich zukommen und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“
[27:35] Wir halten im Hinterkopf: Diese Menschen hier im Ostjordanland sagen: „Alles das, was Johannes damals hier gesagt hat über Jesus, all das sehen wir jetzt ist wahr.“ Und Johannes hatte unter anderem gesagt: „Er ist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.“ Fraglos werden die Menschen das nicht bis ins Letzte, in die letzte Tiefe, verstanden haben. Johannes selbst hatte es nicht völlig durchdrungen, was er dort gesagt hatte. Aber eins ist sicher: Diese Menschen glauben diesen Aussagen und aufgrund dieser Aussagen werden sie zu Jesus geführt.
[28:16] Weiter in Johannes 1 Vers 33: Und Johannes sagt hier: „Ich kannte ihn nicht, aber der mich sandte mit Wasser zu taufen, der sprach zu mir: Der, auf den du den Geist herabsteigen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit Heiligem Geist tauft.“
[28:30] Wiederum sehen wir, dass Johannes bezeugte: Jesus tauft mit dem Heiligen Geist. Er selbst, erfüllt mit dem Heiligen Geist bei der Taufe, hatte Johannes gesehen, wie der Heilige Geist in körperlicher Gestalt auf ihn herabgekommen war.
[28:53] In Johannes 3 und dort in Vers 29 heißt es: „Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam. Der Freund des Bräutigams aber, der da steht und ihn hört, ist hocherfreut über die Stimme des Bräutigams. Diese meine Freude ist nun erfüllt.“
[29:15] Johannes hatte gesagt: Jesus ist der Bräutigam. Alle sollen zu ihm kommen, nicht zu Johannes, sondern zu ihm. Und das, was Johannes sich damals gewünscht hat, das erfüllt sich jetzt erneut. Das war ja damals schon in Johannes 3 so gewesen, dass immer mehr Menschen von Johannes zu Jesus gegangen waren. Die Jünger von Johannes hatten sich darüber beschwert, aber Johannes hatte gesagt: „Nein, nein, genau das ist ja der Sinn. Ich bin dazu da, dass alle zum Bräutigam gehen, zu Jesus.“
[29:44] Johannes 3 Vers 31: „Der von oben kommt, ist über allen. Wer von der Erde ist, der ist von der Erde und redet von der Erde. Der aus dem Himmel kommt, ist über allen.“ Er betont mehrfach: Jesus ist über allen.
[29:56] Das sind sehr gewaltige Aussagen, die Johannes gemacht hat, als er noch lebte, als er öffentlich wirkte in seinen Predigten dort am Jordan.
[30:07] Noch seine Aussage in Johannes 3 Vers 35: „Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben.“
[30:14] Jesus ist von Gott geliebt und hat alles von ihm erhalten.
[30:18] Und dann sagt Johannes 3 Vers 36: „Wer an den Sohn glaubt, der hat ewiges Leben. Wer aber dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.“
[30:31] Johannes sagt also eine ganze Reihe von Dingen über Jesus: dass er das Lamm Gottes ist, dass er die Sünden der Welt hinwegnimmt, dass er mit dem Heiligen Geist tauft, dass er der Bräutigam ist, dass er der Sohn Gottes ist.
[30:47] Johannes 1 Vers 34 sagt vielleicht das noch dazu: In Vers 34 heißt es: „Und ich habe es gesehen und bezeuge, dass dieser der Sohn Gottes ist.“ Dass er über allen ist und dass er von Gott geliebt ist, alles von ihm erhalten hat und dass Jesus ewiges Leben gibt, sodass, wer an ihn glaubt, ewiges Leben hat.
[31:07] Das sind also die Aussagen, die wir aus der Bibel, die wir in der Bibel sehen, die Johannes der Täufer über Jesus gemacht hat. Das sind die Aussagen, die wir also im Hinterkopf haben müssen, wenn wir jetzt in Johannes 10 lesen, dass Menschen im Ostjordanland zu Jesus kommen und sagen, wie es hier in Johannes 10 Vers 41 steht:
[31:28] „Und viele kamen zu ihm und sprachen: Johannes hat zwar kein Zeichen getan, aber alles, was Johannes von diesem gesagt hat, ist wahr.“
[31:42] Es sind genau diese Aussagen, die sie als wahr annehmen, auch wenn sie vielleicht bis in die Tiefe nicht immer verstanden haben, was das alles bedeutet. Aber sie haben gesehen, dass Jesus die Erfüllung dieser Aussagen ist.
[31:59] Lieber Freund, liebe Freundin, wir können Jesus vertrauen und Jesus folgen, auch wenn wir nicht alle biblischen Aussagen bis in ihre letzte Tiefe begreifen und verstehen. Aber wenn wir verstehen, dass die Bibel von Jesus spricht und dass er unser Erlöser ist, dann können wir ihm glauben und werden durch den Heiligen Geist von Wahrheit zu Wahrheit immer tiefer geführt.
[32:23] Es heißt nämlich in Vers 42, was für ein wunderbarer Schluss dieses so dramatischen Kapitels: In Johannes 10 Vers 42 heißt es: „Und es glaubten dort viele an ihn.“
[32:37] Was für ein Kontrast zu den Obersten und den Pharisäern! Die hatten zwar eindeutige Zeichen gesehen. Wir erinnern uns an Nikodemus, der schon in Johannes 3 Vers 2 das ja zusammengefasst hat und gesagt hat: „Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, der von Gott gekommen ist; denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn, dass Gott mit ihm ist.“ Sie hatten diese eindeutigen Zeichen gesehen und trotzdem wollten die allermeisten Pharisäer nicht an ihn glauben.
[33:07] Wie Jesus in Johannes 10 deutlich gesagt hat in Vers 25: „Ich habe es euch gesagt, und ihr glaubt nicht. Die Werke, die ich tue im Namen meines Vaters, diese geben Zeugnis von mir.“ Vers 26: „Aber ihr glaubt nicht, ihr seid nicht von meinen Schafen, wie ich euch gesagt habe.“
[33:24] Aber jetzt im Ostjordangebiet, in Perea, das sind Menschen, die haben auf Johannes den Täufer gehört und sie folgen jetzt Jesus nach. Sie gehören zu den Schafen, sie hören die Stimme Jesu und sie glauben an ihn.
[33:43] Die Pharisäer, die wollen Jesus töten, aber hier im Ostjordangebiet folgen die Menschen Jesus nach.
[33:52] Jesus hätte verzweifelt sein können, hätte sich eine Depression bekommen können angesichts der Tatsache, dass ein eigenes Volk, ihn, gerade was die Leitung betraf, ihn so sehr ablehnte. Nicht nur, dass sie ihm nicht zuhörten, sondern sie ihn mundtot machen wollten, ihn buchstäblich töten wollten. Er hätte auf die negativen Seiten sehen können und sehen können, dass er hier abgelehnt wird. Aber Jesus hat weiter gewirkt. Wenn nicht in Jerusalem, dann gab es eben woanders Menschen, die vorbereitet waren, die durch das Wirken von Johannes dem Täufer bereits auf den rechten Weg gebracht worden waren und die jetzt an ihn glaubten.
[34:31] Es gab zu allen Zeiten im Dienst von Jesus Menschen, die an ihn geglaubt haben. Mal waren es viele, wie in Galiläa für bestimmte Monate, mal waren es wenige, wie zur Zeit am Kreuz. Aber es gab immer Menschen, die Jesus als ihren Erlöser angenommen haben. Es wird auch zu allen Zeiten Menschen geben, die Jesus glauben. Es gab durch die Kirchengeschichte mal viele, mal wenige, aber zu allen Zeiten gab es Menschen, die an Jesus geglaubt haben.
[35:07] Wenn in Jerusalem zum wiederholten Male Jesus getötet werden soll, gibt es in Perea Menschen, die an ihn glauben. Vielleicht bist du verzweifelt, weil in deiner Heimat, in deiner Gegend, deiner Familie, irgendwo, wo du gerade aktiv bist, Menschen nicht an Jesus glauben wollen und Widerstand leisten und vielleicht sogar dich deswegen bedrohen.
[35:30] Dann suche dein Perea, den Ort, wo Menschen an Jesus glauben, wo du ihn weiter bezeugen kannst, wo Menschen schon vorbereitet worden sind, wo du Früchte ernten kannst, weil andere bereits gesät haben.
[35:44] Es gibt überall Menschen, die an Jesus glauben. Das ist eine positive Nachricht für uns heute, dass egal wie viel Widerstand wir vielleicht auch manchmal erdulden, es gibt immer wahren Glauben.
[36:02] Und die Frage heute ist: Gehören wir zu denen, die an Jesus glauben? Gehören wir zu denen, die die Prophezeiung nehmen, mit Jesus vergleichen und sagen: „Das ist der Messias, ich möchte mein Leben ihm anvertrauen“? Haben wir das Leben von Jesus mit den Schriften der Propheten verglichen und gesagt: „Alles, was die Propheten gesagt haben über ihn, das ist wahr“?
[36:31] Wollen wir uns ein Beispiel nehmen an den Menschen im Ostjordanland, den Menschen in Perea, auf die Stimme der Propheten hören und das Leben von Jesus studieren, so wie das hier in diesem Seminar machen? Lasst uns das Leben von Jesus studieren, damit wir in den Werken, die er tut, sehen, dass Gott mit ihm und durch ihn gewirkt hat. Ist dein Wunsch: „Ich möchte mir vornehmen, Jesus von ganzem Herzen zu glauben“?
[37:00] Lasst uns noch gemeinsam beten zum Abschluss. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir danke sagen, dass du mit deinem Heiligen Geist an unserem Herzen wirkst. Danke, dass du uns geholfen hast, danke, dass du uns segnest und danke, dass wir glauben dürfen und dass wir die Prophetie haben und die Evangelien und sehen können, wie das prophetische Wort sich erfüllt hat im Leben von Jesus. Herr, schenk uns, dass wir heute sehen dürfen, wie du in unserem Leben wirkst, sie aufgrund deiner Werke Glauben und in diesem Glauben wachsen, Erkenntnis und Glauben zunehmen. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen.
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