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Der Ersehnte

„Der Ersehnte“ wird das Leben und Wirken von Jesus Christus detailliert und chronologisch beleuchten. Die verschiedenen Evangeliumsberichte werden in ein harmonisches Ganzes zusammengefügt und die vielen alttestamentlichen Wurzeln und Bezüge aufgezeigt. Über allem steht der Wunsch, unseren Herrn und Erlöser in Seinem alltäglichen Leben besser kennen zu lernen. Diese Aufnahmen sind einer Videoserie auf https://www.joelmedia.de/serien/der-ersehnte/ entnommen.

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


In dieser Folge von „Der Ersehnte“ beleuchtet Christopher Kramp die Begegnung Jesu mit einem Pharisäer aus Lukas 11. Der Pharisäer ist verwundert über Jesu mangelnde rituelle Handwaschung, woraufhin Jesus die Heuchelei der äußeren Reinheit gegenüber der inneren Bosheit anprangert. Die Episode betont die biblische Lehre, dass wahre Reinheit im Herzen beginnt und nicht in menschlichen Traditionen liegt, und zieht Parallelen zu alttestamentlichen Texten und dem Beispiel des Judas.


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Serie: Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus

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Transkript

[0:33] Hallo und herzlich willkommen zu unserem Seminar "Der Ersehnte". Nach der Sommerpause sind wir wieder zurück nach längerer Zeit und wollen wieder fortsetzen mit unserem Studium über das Leben und das Wirken und den Charakter unseres wunderbaren Erlösers Jesus Christus.

[0:54] Wir sind gerade in Lukas 11, hatten mit Vers 36 aufgehört und wollen uns jetzt der nächsten Begebenheit zuwenden, die uns in den nächsten drei Folgen vermutlich beschäftigen wird.

[1:12] Und bevor wir damit beginnen, möchten wir natürlich Gott einladen, dass er unser Studium, was er schon seit vielen Jahren immer wieder getan hat, wirklich segnet, dass wir Wahrheit verstehen, wie Jesus sie gemeint hat. Und wenn es dir möglich ist, dann lade ich dich dazu ein, dass wir dazu hintreten.

[1:37] Lieber Vater im Himmel, danke, dass wir in deinem Wort erfahren können, wie Jesus gewesen ist und immer noch ist, wie er gesprochen hat, was er gesagt hat, was ihm wichtig war, was er über dich alles gelehrt hat.

[1:54] Danke Herr, dass mit jeder einzelnen Seite, mit jeder Geschichte, mit jedem Vers über Jesus wir neue Aspekte, neue Facetten entdecken können und dass wir durch all das berührt und geheilt werden.

[2:11] Danke, dass Jesus unser Erlöser ist und danke, dass wir so viel über ihn erfahren dürfen. Und Herr, wenn wir jetzt diese Verse lesen, dann lass es nicht einfach nur eine intellektuelle Übung sein, sondern sprich du zu unseren Herzen, sprich du zu mir und zu jedem von uns.

[2:40] Offenbare dich uns, dass wir durch das Anschauen verändert werden, dass wir auch getroffen werden durch die Worte und eine Entscheidung fällen, die einmal bis in die Ewigkeit zielt.

[2:53] Herr, wir möchten dich bitten, dass du jetzt zu uns sprichst im Namen Jesu. Amen.

[3:10] In Lukas Kapitel 11 beginnen wir in Vers 37 mit einer Begebenheit, die vor allem eine längere Rede von Jesus beinhaltet, die sehr bemerkenswert ist.

[3:25] Wir sind ja immer noch in den Wochen vor der Kreuzigung.

[3:35] Jesus hat in diesen letzten Wochen noch einen sehr intensiven Dienst östlich des Jordan im sogenannten Perea durchgeführt und hat dort auch viele Dinge wiederholt, oft anders zusammengesetzt, die auch schon in Galiläa in seinem Jahr dort von Frühjahr 29 bis Frühjahr 30 gepredigt hatte.

[4:07] Wir haben ja gerade erst in Vers 33 bis 36 solche Worte gelesen, die teilweise schon auch früher von ihm in anderen Kontexten gesagt worden waren.

[4:16] Wir haben gelernt, dass Jesus nicht immer nur Neues gesagt hat, sondern auch Dinge immer wieder wiederholt hat.

[4:27] Und als er gerade dabei ist, über das zu reden, was wir in Vers 33 bis 36 gesehen haben, nämlich dass Gott das Licht des Evangeliums in uns anzündet und zwar mit dem klaren Ziel, damit viele es sehen können, wie er schon in Matthäus 5 Vers 14 und 16 gesagt hat, dass wir das Licht der Welt sind.

[4:51] Natürlich ist Jesus das Licht der Welt (Johannes 8 Vers 12), aber er zündet das Licht des Evangeliums in uns an. 2 Korinther 4, Vers 6 sagt er dann dasselbe, dass wir erleuchtet werden mit der Kenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi, dass Gott, der dem Licht gebot, aus der Finsternis hervor zu leuchten, er auch in unseren Herzen Licht hat werden lassen.

[5:10] Wir haben dort gelesen in Vers 33 bis 36, dass wir dann leuchten, wenn wir einfach sind. Das Wort "lauter" bedeutet einfach, aufrichtig, simpel.

[5:20] Wenn wir ohne doppelten Boden sind, wenn wir aufrichtig sind, wenn wir nicht zwei verschiedene Spiele spielen, den einen das erzählen, den anderen so vorleben, wir leuchten, wenn wir einfach gerade aufrichtig sind.

[5:35] Und wir haben gelernt, dass unsere Augen der Schlüssel sind. Worauf wir schauen, entscheidet, ob wir leuchten oder nicht.

[5:46] Denn wenn wir tatsächlich unsere Augen auf die Herrlichkeit Gottes richten, dann werden wir leuchten.

[5:53] So wie Mose, der mit Gott sprach von Angesicht zu Angesicht, wie ein Freund mit einem Freund sprach, der sich für Gott interessierte und besser verstehen wollte, wie Gott ist, der leuchtete in dem Fall sogar dann physikalisch sichtbar.

[6:10] Dort, wohin wir schauen, das entscheidet, ob wir leuchten oder nicht.

[6:13] Wenn wir uns zwar theoretisch zum Evangelium bekennen, aber ganz woanders hinschauen, dann ist unser Leib finster, wie es hier steht.

[6:27] Und Gottes Ziel ist, das haben wir in Vers 36 gesehen, dass wir ganz durch und durch leuchten und ohne Finsternis sind.

[6:37] Wir haben gesehen, dass wir dann wie mit einem Strahl erleuchtet sind. Das Licht kommt nie von uns selbst. Das war der große Denkfehler von Luzifer.

[6:48] Das Licht kommt nicht von uns. Wir werden erleuchtet. Es kommt von Gott. Jesaja 60, Vers 1 sagt: "Siehe, mache dich auf, werde Licht, denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit des Herrn."

[7:01] Das ist es, wie wir gesehen haben. An anderer Stelle, Gottes Gemeinde wird leuchten, wenn sie auf Jesus schaut, einfach ohne doppelten Boden und sich anleuchten lässt.

[7:20] Und als Jesus all das sagt und erklärt und lehrt, lesen wir in Vers 37.

[7:34] Es sieht so aus, als sei er quasi bei diesem Reden über das Leuchten und das Licht und die Einfachheit des Auges sozusagen unterbrochen worden, abgeholt worden, angesprochen worden zumindestens.

[7:49] Vers 37. Und während er redete – das ist vielleicht auch ganz hilfreich im Hinterkopf zu behalten für das, was jetzt kommt, zu wissen, was er gerade gesagt hat, wo auch seine Gedanken gerade gewesen sind – und während er redete, bat ihn ein gewisser Pharisäer, der Name wird nicht genannt, bat ihn ein gewisser Pharisäer, bei ihm zu Mittag zu essen. Verzeihung, bei ihm Mittag zu essen. Und er ging hinein und setzte sich zu Tisch.

[8:26] Das Wort "Mittag" hier ist vielleicht ein bisschen irreführend.

[8:30] Im Grunde genommen ist es eigentlich eine Art Frühstück, dieses *Ariston* im Griechischen, aber da die Griechen oder da in der damaligen Zeit und im Einfluss auch des Hellenismus das Frühstück sowieso eher so am späten Vormittag, gegen Mittag eingenommen wurde, ist die Übersetzung nicht völlig falsch.

[8:54] In der Regel hatte man zwei Mahlzeiten. Die erste, das Frühstück so am späten Vormittag, das war eher so die leichtere Mahlzeit und dann so gegen Abend das Abendmahl, die Hauptmahlzeit.

[9:12] Das ist vielleicht ganz anders, als wir das kennen und vielleicht ist uns das, wie wir es kennen, auch lieber, aber so war das damals.

[9:23] Dieses Wort *Ariston* gibt es auch als Verb, also frühstücken. Und so finden wir es auch in Johannes 21.

[9:30] Dieses Wort und das abgeleitete Verb kommt vor. Meistens geht es um ein Mahl, geht dann eher um so ein Mahl zur Hauptmahlzeit dann gegen Abend.

[9:40] Johannes 21, Vers 12. Jesus spricht zu ihnen: "Kommt zum Frühstück." Ist dasselbe Wort wie hier in Lukas 11 und dann in Vers 15: "Als sie nun gefrühstückt hatten..."

[10:00] Letztlich spielt es natürlich keine entscheidende Rolle, ob es das Frühstück oder das Abendbrot war, aber es ist vielleicht interessant zu wissen.

[10:07] Es war wohl noch am Vormittag. Jesus hatte gelehrt, ein Pharisäer kommt und sagt: "Komm, lass uns dieses *Ariston*, diese Mahlzeit gemeinsam einnehmen."

[10:21] Er lädt ihn ein und Jesus nimmt die Einladung an.

[10:26] Halten wir das fest. Wenn es ja heißt, er setzte sich, dann glaube ich, ahnen wir schon, dass es sich hier nicht um einen Stuhl gehandelt hat, sondern das Griechische meint, er lagerte sich.

[10:36] Das wird oft verwendet, wenn Jesus die 5000 oder die 4000 speist, heißt es, er ließ das Volk sich lagern. Die haben sich dann ins Gras gesetzt, hingelegt.

[10:53] Jesus lagerte sich zu Tisch. Damals hat man ja mehr gelegen als gesessen, aber das ist sozusagen nur der Rahmen für diese Begebenheit, für dieses, wenn ich das mit modernen Worten sagen darf, dieses Brunch beim Pharisäer.

[11:16] Denn wir lesen in Vers 38, dass der Pharisäer über etwas stolpert, sozusagen.

[11:22] Der Pharisäer aber verwunderte sich, als er sah, dass er sich vor dem Mittagsmahl, also diesem *Ariston*, nicht gewaschen hatte.

[11:35] Und wer schon länger hier in dieser Serie dabei ist, der wird sich erinnern: "Moment mal, das hatten wir schon."

[11:43] Matthäus Kapitel 15, Vers 2 und 3.

[11:49] Damals nicht direkt gegen Jesus gerichtet, sondern vielmehr gegen seine Jünger.

[11:54] Wir lesen ab Vers 1, Matthäus 15. Da kamen die Schriftgelehrten und Pharisäer von Jerusalem zu Jesus und sprachen: "Warum übertreten deine Jünger die Überlieferung der Alten, denn sie waschen ihre Hände nicht, wenn sie Brot essen?"

[12:11] Natürlich war das auch eine implizite Anklage an Jesus, denn er war ja ihr Lehrer.

[12:15] Man könnte vielleicht den Subtext so formulieren: "Warum lehrst du deine Jünger nicht korrekt? Weißt du nicht, was man ihnen beibringen sollte? Weißt du nicht, welche Traditionen ein Rabbi weitergeben soll, welche Tradition du ihnen lehren sollst?"

[12:33] Jesus hatte damals geantwortet mit diesen bemerkenswerten Worten in Vers 3. Er antwortete und sprach zu ihnen: "Und warum übertretet ihr das Gebot Gottes um eurer Überlieferung willen?" und hat dann ein Beispiel gegeben.

[12:45] Der Parallelbericht, Verzeihung, der Parallelbericht bei Markus ist noch ausführlicher.

[12:51] Dort heißt es ab Vers 1: "Und es versammelten sich bei ihm die Pharisäer und etliche Schriftgelehrte, die von Jerusalem gekommen waren. Und als sie einige seiner Jünger mit unreinen, das heißt mit ungewaschenen Händen Brot essen sahen, tadelten sie es.

[13:05] Denn die Pharisäer und alle Juden essen nicht, wenn sie sich nicht zuvor gründlich die Hände gewaschen haben.

[13:10] Wir erinnern uns daran, wie wir uns damals das ausführlich studiert haben, wie es darum geht, nicht einfach nur, dass man die Hände wäscht, sondern dass man sich so richtig reibt, so richtig fest und so richtig schrubbt, so richtig rein ist, weil sie die Überlieferung der Alten halten.

[13:29] Vers 4. Und wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, ohne sich gewaschen zu haben.

[13:33] Also das war jetzt nicht nur so ein "könnte man auch mal machen", sondern es war eine richtig klare Tradition.

[13:39] Sie essen nicht, ohne sich gewaschen zu haben. Und noch vieles andere haben sie zu halten angenommen, nämlich Waschungen von Bechern und Krügen und ehernem Geschirr und Polstern.

[13:50] Und dann kommt die Frage, die wir schon in Matthäus gelesen haben: "Warum wandeln deine Jünger nicht nach der Überlieferung?"

[13:54] Interessant ist, dass die Pharisäer es schon getadelt hatten und dann Jesus damit konfrontieren.

[14:07] Damals hatte noch keiner direkt Jesus selbst diesbezüglich angegriffen.

[14:13] Aber jetzt hier in Lukas 11 geht es nicht um die Jünger. Wir wissen nicht einmal genau, ob die Jünger dabei sind, möglicherweise, aber der Pharisäer verwundert sich, dass Jesus sich nicht, wir nehmen an, die Hände entsprechend gewaschen hatte.

[14:30] Nach der Vorstellung des Pharisäers kann Jesus jetzt gar nicht essen, aber er scheint es zu tun.

[14:42] Tradition, auch seien sie noch so menschlich, können eine enorm starke, enorm starke Kraft haben.

[15:06] Aber er kann nicht verstehen, wie dieser Rabbi Jesus, obwohl doch alle sich die Hände waschen, das nicht getan hat.

[15:23] Die Antwort von Jesus ist bemerkenswert.

[15:26] Vers 39: "Da sprach der Herr zu ihm."

[15:36] Ist eine längere Rede, die über viele Verse geht.

[15:42] Es lohnt sich, Stück für Stück diese Rede ein bisschen genauer anzuschauen.

[15:51] "Nun, ihr Pharisäer, ihr reinigt das Äußere des Bechers und der Schüssel. Euer Inneres aber ist voll Raub und Bosheit."

[16:03] Wir werden sehen, dass einige dieser Elemente, die Jesus hier in dieser Rede sagt, später noch einmal aufgegriffen werden von ihm in Matthäus Kapitel 23.

[16:13] Aber dazu werden wir dann noch kommen.

[16:30] Die Pharisäer hatten einen ganz starken Drang, äußerlich rein zu sein, aber innerlich waren sie voller Bosheit.

[16:45] Man könnte also sagen, oder Jesus vergleicht den Pharisäer und damit letztlich den Menschen selbst.

[16:51] Er sagt, ihr seid wie ein Gefäß.

[16:57] Ja, so ein Gefäß. Ja, wie auch immer das jetzt aussehen mag.

[17:09] Und worum ihr euch so unglaublich kümmert, ist, dass das alles außen ganz glitzert und glänzt und rein ist und dass man nichts sieht und alles ganz blitzeblank poliert ist.

[17:19] Aber innen drin, innen drin ist alles voller Bosheit.

[17:31] Diese Idee, dass jemand äußerlich ganz toll erscheint, aber moralisch innendrin ganz kaputt ist, ist eine Idee, die wir schon, wie so ziemlich alles, was wir bei Jesus bisher entdeckt haben, auch schon im Alten Testament finden.

[17:43] Sprüche Kapitel 26 und dort Vers 25 heißt es über den Verleumder: "Wenn er schöne Worte macht, so traue ihm nicht, denn es sind sieben Greuel in seinem Herzen."

[17:56] Und natürlich ist die Sieben hier auch eine Metapher für vollständig. Sein Herz ist vollständig voller Greuel.

[18:02] Er macht schöne Worte. Innen drin ist alles eine Katastrophe. So ist ein Verleumder. Traue ihm nicht, sagt die Bibel.

[18:15] Wenn Jesus sagt, ihr kümmert euch um das Äußere, aber innen drin seid ihr voller Bosheit, dann sagt er letztlich, dass jemand, der so ist, nicht vertrauenswürdig ist.

[18:27] Die Menschen hatten ein implizites Vertrauen in die Pharisäer, weil das waren die Gelehrten, die kannten sich aus, die kannten alle die verschiedenen Vorschriften, aber in Wirklichkeit waren sie gar nicht vertrauenswürdig.

[18:42] Kann es heute auch noch passieren, dass Menschen von außen so glatt, so fein, so schön aussehen und wir ihnen implizites Vertrauen geben, obwohl sie das gar nicht verdient haben?

[19:00] Sprüche 30 und dort Vers 12.

[19:06] "Ein Geschlecht, das rein ist in seinen eigenen Augen." Es geht hier um Menschen, die ihre eigenen Eltern verfluchen und nicht segnen.

[19:13] "Ein Geschlecht, das rein ist in seinen eigenen Augen und doch von seinem Kot nicht gewaschen ist."

[19:21] Man kann fast gar nicht anders, als fast automatisch an Laodizea zu denken, das nicht sieht, wie es wirklich um sie steht.

[19:34] Menschen, die sich selbst rein halten und doch nicht gewaschen sind.

[19:40] Ein Gefäß, das auf den ersten Blick, ja, die Pharisäer glauben, es sei ein reines Gefäß, aber bemerken gar nicht, dass innen drin alles voller Dreck ist.

[19:48] Wer möchte denn aus einem Becher trinken, der zwar äußerlich blitzeblank geputzt ist, so dass man quasi sein Spiegelbild darin erkennen kann, aber innen drin ist alles voller Dreck? Wer möchte denn davon essen oder trinken?

[20:14] Immer wieder haben die Propheten dieses Thema angesprochen. "Beschneidet euch."

[20:17] Verzeihung, Jeremia 4, Vers 14.

[20:23] "Wasche dein Herz rein von deiner Bosheit, oh Jerusalem, damit du gerettet wirst. Wie lange sollen deine heillosen Pläne in deinem Herzen bleiben?"

[20:33] Wenn das Herz böse ist, ist man nicht gerettet.

[20:35] Jesus versucht diesem Pharisäer, Jesus möchte dem Pharisäer nicht wehtun. Er ist ja eingeladen dort.

[20:43] Aber Jesus sieht, dass dieser Pharisäer, der sich so verwundert, warum Jesus diese Tradition nicht einhält, dass der verloren ist.

[20:54] Und was gibt es Schlimmeres als ein Mensch, der verloren ist und nicht mal weiß, dass er verloren ist, stattdessen andere kritisiert?

[21:07] Jesus möchte ihm deutlich machen, du musst gewaschen werden innerlich.

[21:13] Es war nicht das erste Mal, dass Jesus so mit Pharisäern gesprochen hat.

[21:17] Matthäus 12, Vers 33.

[21:26] Matthäus 12 ab Vers 33. Dort sagt Jesus hier, als es damals diesen Disput gab mit den Pharisäern, die behauptet hatten, Jesus würde angeblich die Dämonen durch den Beelzebul austreiben und er dann von der Sünde gegen den Heiligen Geist gesprochen hat.

[21:42] Da sagt er hier in Vers 33: "Entweder pflanzt einen guten Baum, so wird die Frucht gut, oder pflanzt einen schlechten Baum, so wird die Frucht schlecht. Denn an der Frucht erkennt man den Baum."

[21:54] "Schlangenbrut! Wie könnt ihr Gutes reden, da ihr böse seid? Denn wovon das Herz voll ist, davon redet der Mund."

[22:01] "Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz des Herzens das Gute hervor. Und der böse Mensch bringt aus seinem bösen Schatz Böses hervor."

[22:10] Jesus sagt mit anderen Worten, diese äußere Fassade könnt ihr gar nicht lange aufrechterhalten, denn am Ende wird sich immer die Frucht zeigen, auch bei den Pharisäern, die lange Zeit eine Aura der Makellosigkeit um sich gehalten haben, aber im Licht des Evangeliums für alle dann als schlimme Übertreter des Gesetzes Gottes offenbar wurden.

[22:50] Jesus hat ein großes, großes Anliegen, dass wir uns nicht mit Äußerlichkeiten zufrieden geben und dabei die innere Herzensreligion vernachlässigen und ignorieren.

[23:11] Matthäus 15 und dort Vers 19 und 20 hatte Jesus dasselbe gesagt.

[23:16] "Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugnisse, Lästerungen. Das ist, was den Menschen verunreinigt, aber mit ungewaschenen Händen essen, das verunreinigt den Menschen nicht."

[23:30] Jesus hatte bereits über dieses Thema deutlich gesprochen.

[23:37] Kein Mensch ist vor Gott unrein, weil doch ein bisschen Dreck an seinen Fingern ist und vielleicht ein Stück Sand in seinen Mund kommt, weil es irgendwie auf das Brot fällt.

[23:48] Dadurch wird ein Mensch vor Gott nicht unrein. Er wird unrein durch die bösen Gedanken, durch die unreinen Gedanken, durch die Falschheit, die Unaufrichtigkeit. Das macht ihn unrein.

[24:07] Eine Religion, die nicht auf Jesus basiert, versucht vor allem irgendwie das Verhalten zu korrigieren und irgendeine Art von äußerlicher Reinheit herbeizuführen.

[24:23] Nicht, dass wir uns falsch verstehen, es ist nichts verkehrt daran, die Hände zu waschen und es ist durchaus auch empfehlenswert als ein generelles Prinzip.

[24:33] Aber mein Stand vor Gott hat mit meinem Herzen zu tun und nicht mit dem Einhalten einer äußeren menschlichen Tradition.

[24:43] Und es kann passieren, dass wir auch manchmal gut gemeinte Ratschläge auf den Podest eines göttlichen Gebotes stellen und anderen Lasten aufbinden, während unser eigenes Herz ungereinigt ist.

[25:08] Judas war ein Jünger, der von außen ganz wunderbar aussah.

[25:17] Seine Mitjünger, die so viel Zeit mit ihm verbrachten, sahen nicht einmal, was in ihm drin ist.

[25:23] Er sah von außen aus wie ein gut geputztes Gefäß, glänzend.

[25:31] Bei Ellen White gibt es diese Aussage, wenn Judas ein, zwei Wochen vorher gestorben wäre, wäre er in die Geschichte eingegangen als ein guter Jünger Jesu.

[25:39] So hätten es Menschen wahrgenommen.

[25:51] Das war nur der äußere Schein, denn das innere Herz war voller Raub und Bosheit.

[25:56] Er war ja ein Dieb, hat sich zum Teil an der gemeinsamen Kasse bedient.

[26:04] Und so lesen wir in Johannes 12 Vers 6, wie er gute Worte gibt, die an sich auch nicht zu verurteilen sind.

[26:09] Es heißt hier in Vers 5: "Warum hat man dieses Salböl nicht für 300 Denare verkauft und es den Armen gegeben?"

[26:16] Das klingt erstmal sehr toll. Hier ist jemand, der versucht, dass das Geld nicht verschwendet wird, sondern dass es für die Armen eingesetzt wird.

[26:27] Das klingt ganz toll, aber Jesus hat es durchschaut, denn erstens war das keine Verschwendung, was die Maria hier tat.

[26:33] Ein Ausdruck ihrer tiefen Liebe, weil sie verstanden hat, was Jesus alles für sie tut.

[26:43] Denn die Liebe Gottes ist noch viel verschwenderischer in einem guten Sinne als das, was Maria getan hat.

[26:51] Jesus ist für alle Menschen gestorben, obwohl die meisten es niemals annehmen werden.

[26:54] Er hätte es trotzdem für alle ermöglicht, obwohl er wusste, dass viele sich das nicht nehmen werden, also nicht diesen Vorteil, nicht dieses Angebot annehmen werden, hat es trotzdem für alle bezahlt.

[27:11] Erst später hat Johannes, inspiriert vom Heiligen Geist, verstanden, was den Judas wirklich angetrieben hat.

[27:20] In Vers 6 lesen wir als Kommentar, inspirierter Kommentar zu den Worten in Vers 5:

[27:25] "Das sagte er aber nicht, weil er sich um die Armen kümmerte, sondern weil er ein Dieb war und den Beutel hatte und trug, was eingelegt wurde."

[27:33] Von außen war es ein gereinigtes Gefäß. Innen drin war es voller Raub und Bosheit.

[27:45] Jakobus, der Bruder von Jesus – also nicht der leibliche, sondern letztlich ja sozusagen der Stiefbruder Jesu – in Jakobus 4.

[28:01] Verzeihung, Jakobus 4 und dort Vers 8.

[28:04] Lesen wir. Vers 7 sagt er so: "Unterwerft euch nun Gott, widersteht dem Teufel, so flieht er von euch. Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch. Reinigt die Hände, ihr Sünder, und heiligt eure Herzen, die ihr geteilten Herzens seid."

[28:22] Die Pharisäer redeten viel von Gott, die waren aber weit weg von ihm.

[28:29] Es ist möglich, theologisch klug zu reden und trotzdem meilenweit von Gott entfernt zu sein.

[28:33] Jakobus sagt uns: "Naht euch zu Gott." So naht er sich zu euch. "Reinigt die Hände, Verzeihung, heiligt eure Herzen."

[28:48] Das, was die Pharisäer hatten, diese äußerliche Form ohne einen innewohnenden Erlöser, das kann man nur in der Distanz zu Gott aufrechterhalten.

[29:05] Es gibt eine interessante direkte Parallele zu den Worten Jesu im Buch Hesekiel.

[29:13] Der Prophet Hesekiel sieht, was in Israel seiner Zeit los ist.

[29:16] In Hesekiel 22 und dort Vers 23 lesen wir: "Und das Wort des Herrn erging an mich folgendermaßen."

[29:24] "Menschensohn, sprich zu ihr: Du bist ein Land, das nicht gereinigt ist." Gemeint ist das Land Juda.

[29:29] dein Land." Gemeint ist das Land Juda, also Israel, also Juda. Du bist ein Land, das nicht gereinigt worden ist, das keinen Regenguss empfangen hat am Tag des Zorns. Nicht gereinigt, unsauber sozusagen, unrein. Seine Propheten haben sich in ihm miteinander verschworen. Die Propheten geben ja vor, Gottes Stimme zu kennen, Gottes Wort weiterzugeben. Die Propheten beginnen ihre Botschaften oft mit den Worten: "So spricht der Herr." Aber da gab es viele Propheten, einige zumindestens zur Zeit von Hesekiel, die sich miteinander verschworen haben. Das heißt hier gleich einen brüllenden Löwen, der den Raub zerreißt, verschlingen sie Seelen, reißen Reichtum und Gut an sich und machen viele Witwen darin. Da waren Propheten, die vorgaben, für Gott zu sprechen, die in Wirklichkeit voller Raub waren, innerlich voller Bosheit.

[30:21] Und ein Pharisäer zur Zeit von Jesus hätte wahrscheinlich gesagt, ja, das waren diese bösen Propheten damals zur Zeit, als man noch Baal angebetet hat und andere Götzen. Das war ja vor dem Exil. Sowas machen wir nicht mehr. Aber die Beschreibung von Jesus über die Pharisäer entspricht im Prinzip genau dem, was diese falschen Propheten hier zur Zeit vor dem babylonischen Exil gemacht haben.

[30:44] Ungereinigt, äußerlich für Gott anscheinend sprechend, aber innerlich voller Raub und Bosheit. Genauso weiter in Vers: Seine Fürsten, die darin wohnen, sind wie Wölfe, die den Raub zerreißen. Sie vergießen Blut, verderben Seelen, um unrechtmäßigen Gewinn zu machen.

[31:08] Doch heute gibt es Menschen, die Religion als einen Deckmantel benutzen, um einfach Geld zu machen. Sie halten vielleicht eine Bibel in die Kamera und reden fromme Worte, aber eigentlich haben sie es nur aufs Geld abgesehen.

[31:31] Sie fordern die Leute auf: Spendet, spendet, spendet, damit ihr mehr Segen von Gott bekommt. Je mehr ihr mir spendet, desto mehr wird Gott euch segnen. Und sie selbst fliegen dann in großen Flugzeugen, haben riesige Villen und die Menschen werden immer ärmer. Und das alles angeblich im Namen Gottes.

[31:55] Es gibt Menschen, die verdienen Geld damit, für Gottes Gemeinde zu schimpfen und nur zu kritisieren, weil mit jedem skandalträchtigen Video die Klickzahlen immer höher werden und das Geld dann fließt.

[32:17] Und es sieht so aus, als ob sie es ganz ehrlich meinen und einen ganz biblisch-konservativen Lebensstil hochhalten oder so. Und es ist nicht an mir und an uns Menschen, zu richten und ihnen Dinge zu unterstellen, aber die Tatsache ist, dass die Bibel warnt vor Menschen, die äußerlich rein erscheinen, aber innerlich voller Raub sind und es nur auf die materiellen Güter der Gläubigen abgesehen haben. Das ist nicht nur ein Phänomen von Hesekiel, es war ein Phänomen zur Zeit Jesu und ich behaupte, es ist ein Phänomen auch heute noch.

[33:04] Matthäus Kapitel 7 und dort Vers 15. Jesus warnt uns ausdrücklich. Er sagt: "Hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind." Und mit reißende Wölfe wird gemeint, dass der Wolf ein Schaf zerreißt. Das ist natürlich letztlich die Bedeutung. Das griechische Wort heißt eigentlich räuberische Wölfe.

[33:30] Erinnern wir uns daran. Jesus sagt: "Ihr Pharisäer seid voller Raub." Der Wolf raubt Schafe, obwohl er wie ein Schaf aussieht in diesem Bild. Im Grunde genommen sagt Jesus zu dem Pharisäer: Ihr Pharisäer seid wie diese falschen Propheten. Ihr seht aus wie Schafe, aber ihr seid reißende Wölfe. Ihr presst das Geld aus den Armen heraus, bereichert euch und gebt dem Ganzen noch einen frommen Mantel.

[34:28] Jesus hat die Einladung angenommen, um mit ihm Frühstück zu essen. Er hat nicht gesagt: "Die haben nichts zu tun." Es war ja so ein Pharisäer, der ihn eingeladen hat. Und Jesus geht hin, nicht um den Pharisäer in seinem Tun zu bestärken, aber um ihn liebevoll auf den richtigen Weg zu bringen.

[34:56] Vielleicht sollten wir weniger über die falschen Propheten schimpfen. Vielleicht sollten wir den einen oder anderen versuchen zu retten, so wie Jesus das getan hat.

[35:10] Wenn man die Worte von Jesus liest, dann klingen sie vielleicht so, wie sie schwarz auf weiß gedrückt sind, ein wenig hart. Was wir heute leider nicht mehr haben, ist die Audiospur sozusagen. Ja, die gab's ja auch, die wurde ja aufgenommen, aber der Tonfall macht ja die Musik.

[35:31] Und es wird gesagt im Buch *Steps to Christ*, Seite 12 (*Schritte zu Jesus*, *Der bessere Weg*, *Der Weg zu Christus* – es gibt viele deutsche Übersetzungen): Jesus hat nicht ein Wort der Wahrheit unterdrückt, aber er hat es immer in Liebe ausgesprochen.

[35:51] Wir fallen immer in zwei Extreme. Entweder wir unterdrücken die Wahrheit und sagen lieber gar nichts, um bloß nicht aufzufallen und ein bisschen mitzuschwimmen, oder wir sagen die Wahrheit, damit alle merken, dass wir die Wahrheit haben und auch alle noch möglichst bloßstellen.

[36:06] Jesus war weder so noch so. Jesus hat nicht ein Wort der Wahrheit unterdrückt, aber er sprach es immer in Liebe aus. Immer übte er das größte Taktgefühl und mitdenkende, freundliche Aufmerksamkeit in seiner Beziehung zu Menschen.

[36:38] Wir dürfen uns hier nicht Jesus vorstellen, einfach mal jetzt vom Leder zieht und einfach mal so auf den Tisch haut, jetzt geht's ja nicht. Wir müssen uns Jesus hier vorstellen als jemand, der mit unfassbar hohem Taktgefühl und mit freundlicher Aufmerksamkeit mit diesem Pharisäer interagiert.

[37:00] Er war niemals so rau. Niemals hat er unnötig ein hartes Wort gesprochen. Er hat niemals unnötig einer sensiblen Seele Schmerzen bereitet. Ist das nicht interessant?

[37:23] Er hat menschliche Schwäche nicht kritisiert. Er sprach die Wahrheit. Jetzt sagt er es noch einmal, aber immer in Liebe. Er verurteilte Heuchelei, Unglaube und Sünde.

[37:40] Aber jetzt kommt's: Aber Tränen waren in seiner Stimme, als er seine vernichtenden, niederschmetternden – es sind schon ziemlich starke Worte – diese heftigen Tadelworte aussprach. Niederschmettern, vernichten im Sinne, dass der Inhalt zeigt, wie schlimm es um die Person steht. Aber er hat es mit Tränen in seiner Stimme gesagt, denn er wollte, dass dieser Pharisäer gerettet wird.

[38:24] Sind wir auch so? Ich glaube, wenn wir kritisieren, sollten wir nur so kritisieren, wie Jesus kritisiert hat. Nur so. Nur so ist es etwas Gutes.

[38:47] Wenn wir bereit sind, für den anderen zu sterben wie Jesus, dann können wir ihm auch so helfen.

[39:00] Vers 40. Jesus spricht weiter: "Ihr Toren, hat nicht der, welcher das Äußere schuf, auch das Innere gemacht?" Das Wort "Tor" hier einfach unverständig. Er sagt: "Ja, denkt euch nicht nach, überlegt euch nicht, denkt euch das nicht durch, denn Gott ist doch der Schöpfer von beidem." Er hat das Äußere gemacht, den Körper, ja, das, ja, und ihr legt großen Wert darauf, dass der Körper sauber ist. Aber wenn ihr so großen Wert darauf legt, dass der Körper sauber ist, das Äußere, warum legt ihr nicht Wert darauf, dass das Innere sauber ist? Denn wenn ihr sagt, man kann nicht vor Gott treten, weil hier außen ist doch was unrein, wie könnt ihr dann mit unreinen Gedanken vor ihm treten? Denkt ihr nicht nach? Seid ihr ohne Verstand?

[39:44] Das ist diese berühmte Formulierung, die wir auch an anderer Stelle dann finden: ohne Einsicht, ohne Augen. Augen, die sehen, aber wenn man Augen hat, aber nicht sieht.

[39:56] Lieber Freund, liebe Freundin, Gott hat uns nicht nur äußerlich gemacht. Er hat nicht nur unseren Körper gemacht. Und natürlich müssen wir für unseren Körper sorgen und es ist wichtig, sich zu waschen, ist keine Frage. Aber er hat auch unser Herz gebildet.

[41:00] müssen für unser Herz genauso sorgen wie auch für unsere äußere körperliche Gesundheit. Und Jesus versucht das dem Pharisäer deutlich zu machen. Der glaubt, man kann nicht vor Gott bestehen, wenn man ein bisschen Dreck an den Fingern hat, aber Jesus sagt: "Schau mal euer Herz an. Glaubt ihr denn wirklich, dass Gott damit zufrieden ist, wenn euer Äußeres sauber ist und das Innere nicht?"

[41:25] Wenn Gott unser Schöpfer ist, dann hat er alles gemacht. Dann müssen wir auch innerlich vor ihm rein sein. Ist eine wichtige Schlussfolgerung auch für Offenbarung 14, Vers 6 und 7. Das ewige Evangelium, das uns auffordert, Gott als den Schöpfer anzuerkennen und anzubeten. Im Kontext hier von Lukas 11 bedeutet das, dass wir auch innerlich rein sein müssen.

[41:49] Und dann kommt Lukas 11, Vers 40. Der Satz, Verzeihung, Vers 41, der Satz klingt ein bisschen merkwürdig in der Schlachter-Übersetzung. Dort heißt es: "Gebt nur von dem, was darin ist, Almosen, siehe, so ist euch alles rein." Das kommt auf die Betonung an. Ich finde Elberfelder und Zürcher bringen es ein bisschen besser raus: "Gebt jedoch als Almosen, was darin ist, und siehe, alles ist euch rein." Oder die Zürcher: "Gebt lieber, was in den Schüsseln drin ist, als Almosen, dann ist euch alles rein."

[42:16] Jesus bleibt also offensichtlich bei diesem Bild von den Pharisäern als Gefäß. Er sagt, anstatt stolz darauf zu sein, dass ihr äußerlich blitzt und blank und das alles so blitzeblank ist und so toll glänzt, gebt doch lieber vom Inhalt. Gebt doch von innen, lasst die Menschen doch gesegnet werden. Gebt doch Almosen, gebt doch von eurem Inneren für die Menschen. Dann ist euch alles rein. Denn wenn ihr nur äußerlich rein seid, aber innerlich raubt und nicht gebt, dann ist das nicht gut. Gebt lieber von dem, was innen ist, statt den Menschen zu zeigen, wie toll euer Gefäß geputzt ist, gebt ihm doch lieber von dem Inhalt zu essen.

[43:06] Die Bibel fordert uns auch an vielen Stellen – wir haben die Zeit nicht, sie alle zu lesen – dass wir freigiebig sein sollen. Nehmen wir nur ein Beispiel, stellvertretend für viele andere: Sprüche 14, Vers 31.

[43:31] Wer den Schwachen unterdrückt, der lästert seinen Schöpfer. Wer ihn aber ehren will, der erbarmt sich über den Armen. Haben wir auch dieses Bild vom Schöpfer? Ja, wenn wir glauben, dass Gott uns geschaffen hat, dann müssen wir auch innerlich für andere da sein, dann ehren wir unseren Schöpfer. Das ist dieser Gedanke, den Jesus gesagt hat: Gott hat das Äußere und das Innere gemacht. Und wenn wir das Innere so benutzen, dass es Gott nicht gefällt, dann entehren wir unseren Schöpfer, der das Innere gemacht hat, unser Herz, unsere Gedanken, unseren Geist.

[44:17] Und so ruft Jesus jetzt hier ein Wehe aus in Lukas 11 und dort Vers 42: "Aber wehe euch Pharisäern, dass ihr die Minze und die Raute und alles Gemüse verzehntet und das Recht und die Liebe Gottes umgeht. Dieses sollte man tun und jenes nicht lassen."

[44:50] Die Pharisäer waren im Zehntengeben sehr exakt. Von jeder Gartenpflanze haben sie den Zehnten gegeben und das war auch gut so. Was sie aber nicht getan haben: Mit Recht ist hier die Rechtsprechung gemeint. Offensichtlich geht es darum, dass sie sich nicht darum gekümmert haben, Armen, Witwen, Waisen, die ihre Hilfe gebraucht haben, zu helfen und für deren Recht einzutreten.

[45:26] Und die Liebe Gottes, die kannten sie auch nicht. Jesus hatte das schon dem Sanhedrin gesagt, etliche Zeit vorher in Johannes 5, Vers 42: "Aber bei euch habe ich erkannt, dass ihr die Liebe Gottes nicht in euch habt."

[45:41] Das waren die obersten religiösen Führer, die Spezialisten für die Tora, die konnten wahrscheinlich alle auswendig sagen: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele." Aber es war nur ein Lippenbekenntnis. Es war nur eine Theorie, die sie mit viel Streitschriften und Streitgesprächen verteidigen konnten, aber in ihrem Leben gar nicht hatten.

[46:14] Lieber Freund, liebe Freundin, wenn wir als Menschen äußerlich korrekt religiös sind, aber uns nicht für die Liebe Gottes interessieren und dafür, für andere Menschen da zu sein, dann sind wir auf dem Weg ins Verderben. Jesus sagt: "Wehe, wehe!"

[46:34] Und nicht nur damals, auch in unserer heutigen Gesellschaft ist ein äußerliches religiöses Gewand etwas, wo man sagt: "Wow, der ist besonders heilig, schau mal, was er alles tut." Aber Jesus sieht durch die Fassaden hindurch.

[46:47] Was Jesus hier verlangt, ist ja nichts Neues. Liebe und Gerechtigkeit sollte schon immer das Leben eines Gläubigen kennzeichnen. 5. Mose 10 und dort Vers 12 und 13: "Und nun, Israel, was fordert der Herr, dein Gott, von dir? als nur – mit anderen Worten, schau mal, es ist doch gar nicht viel, was ich möchte – als nur, dass du den Herrn, deinen Gott, fürchtest, dass du in allen seinen Wegen wandelst und ihn liebst und dem Herrn, deinen Gott, dienst mit deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele, indem du die Gebote des Herrn und seine Satzungen hältst, die ich dir heute gebiete zum Besten für dich selbst."

[47:25] Liebe und Gerechtigkeit sollte das Entscheidende sein, was im Leben eines Menschen, der Gott folgt, sichtbar wird. Keine Frage, die Pharisäer kannten den Text, sie konnten ihn wahrscheinlich rückwärts auf Hebräisch, aber sie hatten ihn nicht im Leben. Alles, was sie hatten, war eine äußerlich korrekte Form.

[47:47] Immer wieder kommt dieser Gedanke vor. Samuel sagt – Verzeihung – sagt Saul: Gehorsam ist besser als äußerliche Opfer. Gott hat nicht so viel Gefallen daran, wenn wir mit großem Pomp ein Opfer bringen, aber gleichzeitig gegen ihn sündigen.

[48:04] Jeremia wird das ganz deutlich. Jeremia 7: Die Menschen kommen zum Herrn, "der Tempel des Herrn, der Tempel des Herrn ist hier" und halten an ihrer Sünde fest und glauben sogar, dass sie gerettet sind dadurch. Und Gott hält durch Jeremia den Spiegel vor und sagt: "Wenn ihr euch nicht ändert, wird es mit diesem Tempel genauso gehen wie mit Silo. Er wird vernichtet werden."

[48:30] Jesus sieht dasselbe bei den Pharisäern. Ich glaube, dieses Phänomen ist heute genauso verbreitet. Und du und ich, wir müssen uns die Frage stellen: Ist unser Herz rein oder halten wir nur eine schöne Fassade aufrecht?

[48:53] Und wenn wir nur eine schöne Fassade aufrechterhalten, aber unser Herz ist eigentlich voller Bosheit und Unreinheit und Gottlosigkeit und Raub, dann, lieber Freund, darfst du heute wissen, dass Jesus trotzdem zu dir nach Hause kommt.

[49:05] Nicht um dich daran zu bestärken, aber weil er ein Interesse an dir hat. Wenn du ein falscher Prophet bist, hat Gott ein Interesse an dir. Wenn du ein Pharisäer bist, hat Gott ein Interesse an dir. Und wenn du noch ein so großer Heuchler bist, Gott hat trotzdem ein Interesse an dir.

[49:26] Jesus hat bei diesem Pharisäer Frühstück gegessen, hat gebruncht, sozusagen, wie wir heute sagen würden, neudeutsch, um diesen Pharisäer zu sich zu ziehen, um ihm zu zeigen: Schau mal, nicht darum geht es, es geht darum,

[50:02] In Lukas 11, Vers 42 hat Jesus nicht das Zehntengeben aufgehoben. Wenn er sagt, dass sie Minze und Raute und alles Gemüse verzehnten, will er damit nicht sagen, dass das in sich extrem wäre. Das will er nicht sagen. Er sagt nämlich explizit: "Wehe euch Pharisäern, dass ihr die Minze und die Raute und alles Gemüse verzehntet und das Recht und die Liebe Gottes umgeht. Dieses sollte man tun und jenes nicht lassen."

[50:37] Der Zehnte sollte tatsächlich nach der Bibel von allem Gewächs gegeben werden. 3. Mose 27. Jesus wollte hier keine Karikatur machen. Er wollte nicht die Pharisäer irgendwie komisch dastehen lassen, dass sie jetzt die Raute und die Minze verzehnten. 3. Mose 27, Vers 30.

[50:56] "Alle Zehnten des Landes, sowohl von der Saat des Landes als auch von den Früchten der Bäume, gehören dem Herrn. Sie sind dem Herrn heilig." Die Pharisäer hatten in diesem Punkt recht.

[51:06] Und manchmal geschieht es, dass Menschen, weil sie sozusagen das Pharisäertum verabscheuen, auf die andere Seite überschwingen und dann Gottes klare Anweisung einfach als unwichtig erachten. Aber Jesus sagt nicht: "Lass das eine, Hauptsache mach das andere." Er sagt: "Mach das eine und das andere nur auf dem Fundament der Liebe Gottes und einer echten Gerechtigkeit, die Gottes Gerechtigkeit ist."

[51:37] Macht das Zehntengeben dann auch wirklich geistlich Sinn? Dann hat es seine echte Rolle, dann hat es seinen Platz, dann wird es angeleuchtet vom Evangelium. Dann ist es nicht nur eine Tradition, eine Pflicht, muss ich sagen, nicht nur eine Pflicht, die man abhakt, sondern eine Freude, weil man mit Gott zusammenarbeitet und ihm zurückgibt von dem, was er ihm geschenkt hat.

[52:02] "Wehe euch, Pharisäern, dass ihr die Minze und die Raute und alles Gemüse verzehntet und das Recht und die Liebe Gottes umgeht. Dieses sollte man tun und jenes nicht lassen." Die Bibel ist ganz deutlich. Maleachi 3, Vers 8: Zehnten nicht zu geben ist keine Option.

[52:23] Wer den Zehnten einfach nicht gibt und zurückbehält, der beraubt Gott. Maleachi 3, Vers 8: "Darf ein Mensch Gott berauben, wie ihr mich beraubt? Aber ihr fragt: Worin haben wir dich beraubt? In den Zehnten und den Abgaben."

[52:41] Dann heißt es in Vers 10: "Bringt den Zehnten ganz in das Vorratshaus, damit Speise in meinem Haus sei. Und prüft mich doch dadurch, spricht der Herr der Heerscharen, ob ich euch nicht die Fenster des Himmels öffnen und euch Segen überreicher Fülle herabschütten werde."

[52:58] Wir sollen den Zehnten geben, aber wir sollen den geben als Menschen, die Gott lieben und für den Nächsten da sind. Wir sollen den Zehnten geben mit echter Bekehrung und echter Heiligung, weil der Zehnte ohne Bekehrung und Heiligung nur als äußere Tat bei gleichzeitiger innerer Sünde und Rebellion ist wertlos bezüglich der Erlösung.

[53:19] Aber der Zehnte, gegeben von einem Menschen, der Gott von Herzen liebt und für seinen Nächsten da ist, dann ist der Zehnte ein mächtiges Zeugnis für Gottes Gnade und Güte und Segen und ein großer Segen für uns.

[53:40] Wir werden in der nächsten Folge hier weiter studieren und diese Rede weiter analysieren. Schon jetzt sehen wir, sie spricht direkt zu uns. Und ich möchte in meinem Leben Gott täglich bitten, dass er mir hilft, dass ich durch seine Kraft ein reines Herz haben kann. Du auch? Dann lass uns gemeinsam noch dafür beten.

[54:11] Lieber Vater im Himmel, du weißt, wie oft wir auf die Äußerlichkeiten achten und gleichzeitig das innere Seelenleben vernachlässigen. Und Herr, deine Worte sind Lichtstrahlen von deinem Thron, um das alles aufzudecken, zu durchleuchten und uns zu zeigen, wo wir Veränderung brauchen. Und auch wenn das Licht vielleicht grell in unser Herz scheint und uns zeigt, wo die dunklen Ecken sind, dann nicht, weil du uns verderben willst, sondern weil du uns lieb hast. So wie die klaren und deutlichen Worte von Jesus mit Tränen in der Stimme gesagt worden sind, weil du diesen Pharisäer nicht einfach sich selbst überlassen wolltest. Herr, so danken wir dir, dass selbst wenn wir schlimme Heuchler sind, dass du dich zu uns setzt und uns versuchst zu zeigen durch deine Kraft, dass wir eine innere Reinigung brauchen. Und Herr, wir wissen, dass du uns das nicht nur sagst, sondern dass du uns diese innere Reinigung anbietest, wenn wir unsere Sünden bekennen, du treu und gerecht bist, uns die Sünden vergibst und uns reinigst von aller Ungerechtigkeit. Herr, das wollen wir in Anspruch nehmen und danken dir dafür, dass du so bist, so ein wunderbarer Erlöser. Amen.


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