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In dieser Predigtserie „Der Ersehnte“ beleuchtet Christopher Kramp die zweite Versuchung Jesu in der Wüste. Er erklärt, wie der Teufel dabei biblische Verse verdreht und aus dem Kontext reißt, um Jesus zu Fall zu bringen. Die Predigt betont die Wichtigkeit, die Bibel als Ganzes zu verstehen und sich nicht von manipulativen Auslegungen verführen zu lassen, sei es in der Wüste des Lebens oder mitten in der Gemeinde.

In dieser Predigt wird die zweite Versuchung Jesu in der Wüste detailliert beleuchtet. Christopher Kramp erklärt, wie der Teufel versucht, Jesus mit verdrehten Bibelstellen und anmaßenden Interpretationen zu Fall zu bringen. Die Predigt betont die Wichtigkeit, die gesamte Bibel zu verstehen und sich nicht von einzelnen Versen zu falschen Schlussfolgerungen verleiten zu lassen, um so auch in herausfordernden Situationen, selbst im Umfeld der Gemeinde, standhaft zu bleiben.


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Serie: Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus

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Transkript

[0:30] Hallo und herzlich willkommen zu unserer Serie "Der Ersehnte". Schön, dass ihr da seid. Schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt. Wir freuen uns, dass unser Livestream wieder funktioniert und ihr auch jetzt wieder ganz live dabei sein könnt auf joelmedia.de. Und nach längerer Pause wollen wir weitermachen in unserem Studium des Lebens von Jesus. Und wir sind ja noch gerade mitten in den Versuchungen in der Wüste. Wir haben das letzte Mal, als wir uns hier gemeinsam getroffen haben, über die erste Versuchung gesprochen und wollen heute dort weitermachen. Ich kann euch versprechen, es wird ziemlich spannend werden. Und bevor wir anfangen, möchten wir, wie wir es gewohnt sind, zum Gebet, wo es möglich ist, niederknien.

[1:13] Lieber Vater im Himmel, wir danken dir für diesen Tag und die Gelegenheit, aus deinem Wort etwas zu lernen. Wir danken dir für die Möglichkeit, dass du durch deinen Heiligen Geist zu uns sprechen möchtest. Wir möchten dich bitten, dass du alle Störende fernhältst und dass wir wirklich wichtige Dinge lernen, kostbare Lektionen aus deinem Wort ziehen können, damit wir vorbereitet sind auf die Attacken, die der Satan auch auf uns fährt. Und wir möchten dich bitten, dass dein Wort uns klar und deutlich zeigt, wie wir Überwinder sein können. Im Namen Jesu. Amen.

[1:49] Wir haben gesprochen über die Versuchungen. Könnt ihr euch noch erinnern, in welchen Kapiteln der Evangelien diese Versuchungen beschrieben werden? Was sind die drei Kapitel, wo wir zweieinhalb, eigentlich mehr, darüber etwas finden? Matthäus, genau, wir haben Matthäus Kapitel 4 und wir hatten Lukas, also Matthäus 4 Vers 1 bis 11, genau. Und dann hatten wir Markus, der hat aber nicht so viel, der hat nur ein Vers, das waren nur drei Verse, genau. Weiß jemand aus dem Kopf? Das war Markus 1 Vers 12 und 13, nur zwei Verse, um genau zu sein, 12 und 13. Und dann hatten wir Lukas, Lukas Kapitel 4 und das war Vers 1 bis 13. Aber wir haben festgestellt, also Markus gibt nur einen kurzen, er erwähnt das nur kurz, ohne ins Detail zu gehen. Matthäus und Lukas sind die beiden, die recht ausführlich die drei Versuchungen darstellen, wobei einer von beiden nur chronologisch ist. Wer von beiden das war? Lukas ist sonst immer chronologisch, aber an der Stelle haben wir festgestellt, dass Matthäus die richtige Reihenfolge der Versuchung hat. Und da kommen wir heute dann jetzt auch noch gleich darauf zu sprechen.

[3:28] Also wie erinnert euch, Jesus war in die Wüste gegangen, er war 40 Tage schon vom Satan versucht worden, und zwar durch Dinge, die auf ihn eingestürmt sind, an Gedanken und auch an Furcht und verschiedenen Dingen. Und dann nach 40 Tagen, als er 40 Tage lang gefastet hatte, war er wirklich an einem Punkt, wo er körperlich sehr, sehr schwach war. Und dann erscheint dieser Engel, der behauptet, vom Himmel gesandt zu sein, und angeblich jetzt das Fasten beenden möchte und sagt, wenn du Gottes Sohn bist, diesen Zweifel seht und ihn dazu bringen möchte, einfach seine eigene Kraft zu benutzen, ohne von Gott abhängig zu sein. Und Jesus antwortet dann natürlich mit den berühmten Worten: "Denn es steht geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das aus dem Mund Gottes hervorkommt." Ganz genau aus Mose, nicht wahr? 5. Mose.

[4:22] An der Stelle wollen wir jetzt weitermachen und uns über die zweite Versuchung Gedanken machen. Ich weiß nicht, wie es euch geht. Die erste Versuchung, über die wird ganz oft geredet, über die dritte sowieso, aber die zweite Versuchung ist immer so ein bisschen im Hintergrund. Ja, über die erste Versuchung wird viel gesprochen, weil man sieht dort die deutlichen Parallelen oder den Kontrast zum Paradies, nicht wahr? Das Paradies und die Wüste, das Essen auf beiden Seiten. Die dritte Versuchung ist deswegen so sehr im Fokus, weil es dort um die Anbetung geht. Man deutlich sieht, was eigentlich der Kern des großen Kampfes ist. Aber die zweite Versuchung, über die habe ich noch nicht so viele Predigten gehört. Auf den ersten Blick fragt man sich, was war jetzt die Versuchung daran? Also wenn man auf einem hohen Gebäude steht, dann hat man doch jetzt nicht unbedingt den Drang, sich runterzuwerfen, oder? Wir wollen also heute uns mal Gedanken machen, was eigentlich wirklich hinter dieser zweiten Versuchung steckt. Und dazu wollen wir den Text lesen in Matthäus Kapitel 4 und dort Vers 5. Wir wollen uns wieder an Matthäus halten, weil wir, wie wir gesagt haben, Matthäus hier die chronologische Reihenfolge hat.

[5:31] Das erste Wort, was Matthäus sagt, Matthäus 4 Vers 5, ist welches? Was ist das erste Wort? Darauf. Und das ist dieses Zeichen, dass jetzt das chronologische weitergeht. "Darauf nimmt ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellt ihn auf die Zinne des Tempels." Eigentlich war ja nur die erste Versuchung in der Wüste. Das vergisst man manchmal so ein bisschen. Die zweite Versuchung findet nicht in der Wüste statt, sondern, wie es hier heißt, in der heiligen Stadt. Welche Stadt in der Bibel ist dann die heilige Stadt? Jerusalem. Ganz genau. Dann kann man auch einen Bibeltext noch anführen hierzu. Könnt ihr, wenn ihr wollt, das noch aufschlagen. Jesaja 52 Vers 1. Da sehen wir das ganz deutlich, dass Jerusalem die heilige Stadt ist. Jesaja 52 Vers 1: "Wache auf, wache auf. Ziehe deine Stärke an, ziehe deine Ehrenkleide an, Jerusalem, du heilige Stadt." Ja, dort wird Jerusalem explizit die heilige Stadt genannt.

[6:54] Also der Teufel nimmt den Jesus mit nach Jerusalem. Jetzt, was ist über Jerusalem? Was wisst ihr über Jerusalem? Da war der Tempel, der kommt jetzt gleich auch vorne. Er nimmt ihn explizit zu dem Tempel. Genau, es war ein Ort, wo alle Juden zu bestimmten Zeiten kamen. Das Passah zum Beispiel, wo also das religiöse und auch das politische Zentrum von ganz Israel war. Jerusalem war die Stadt überhaupt, die heilige Stadt, wie sie heißt hier. Und es heißt, er stellt ihn auf die Zinne des Tempels. Und auch das ist ja in der Bibel nicht ohne Bedeutung. Wenn der Satan einzig und allein vorgehabt hat, Jesus quasi damit zu prüfen, irgendwo sich runterzuwerfen, dann hätte er wahrscheinlich in der Wüste von Judäa genügend Gelegenheit gehabt. Ich weiß nicht, ob ihr so die Bilder von der Wüste Judäa im Kopf habt. Wenn man über die Rollen vom Toten Meer, die Schriftrollen spricht, diese Qumran-Rollen, könnt ihr euch erinnern? Da gibt es auch mal diese Höhlen. Da sieht man diese hohen Berge und dann die Höhlen da drinnen. Das ist die Wüste Judäa. Die Wüste Judäa ist nicht wie die Sahara, wo alles flach ist, sondern die Wüste Judäa, das sind zum Teil Berge und große Schluchten. Da gibt es zum Teil 600 Meter hohe Berge. Also wenn der Satan einfach nur ihn irgendwo an eine Klippe stellen wollte, hätte er ruhig in der Wüste bleiben können. Aus irgendeinem Grund war es nicht genug, einfach nur ihn irgendwo hinzustellen, wo es runtergeht, sondern er hat ihn aus einem bestimmten Grund nach Jerusalem zum Tempel gebracht.

[8:48] An was würde jeder gläubige Jude denken, wenn er die Worte Jerusalem und Tempel hört? Was ist sofort damit verbunden für einen gläubigen, an die Bibel glaubenden Juden? Der Ort der Anbetung? Ja, ganz genau. Gut, dass die Juden, also auf jeden Fall, aus Sicht der Juden würde man sagen, zumindest auf den Messias erstmal. Ja, genau. Also auf den kommenden Messias. Die Opfer, genau, die dort eine Rolle spielten. Der Tempel war der Ort, wo das Wort Gottes gepredigt wurde, oder das war im Prinzip die Gemeinde. Das war der Ort, das war die höchste Symbolisierung, das höchste Symbol für Gemeinde Gottes. In der Wüste war er ganz allein, aber jetzt kommt er hier, bringt ihn der Satan zum Tempel, nicht nur nach Jerusalem, sondern zum Tempel und er stellt ihn sogar auf die Zinne des Tempels.

[9:55] Jetzt, was muss man sich unter einer Zinne vorstellen? Was ist diese Zinne des Tempels? Der höchste Punkt, ja. Das griechische Wort heißt eigentlich, wörtlich übersetzt, "Flügelchen" und meint wahrscheinlich einen Flügel, also im Sinne von einem Gebäudeflügel. Der Tempel hatte ja verschiedene Abteilungen, der herodianische Tempel hatte auch Mauern und Anbauten und da gibt es einen Flügel, den Südflügel, oder gab es natürlich, den gibt es ja nicht mehr. Gab es einen Südflügel, der war direkt über dem Kidrontal und da ging es dann 130 Meter nach unten. Und manche vermuten, dass er ihn dorthin gestellt hat, weil der Tempel hatte jetzt ja kein Turm oder sowas, wie jetzt eine Moschee, sondern es war ja oben eigentlich überall flach und er vermutlich stand ja so auf einem dieser Gebäudeflügel, die ziemlich weit nach unten gingen. Und manchmal hat man ja die Idee, vielleicht kennt ihr das so aus eurer Vorstellungskraft, dass Jesus oben auf dem Tempel steht und unten sind die ganzen Menschen, aber das war definitiv nicht der Fall. Dort, wo er runter geschaut hat, waren unten keine Menschen. Ellen White sagt später mal, wenn Jesus gesprungen wäre, hätte niemand gesehen außer Gott und dem Satan. Also das war nicht unbedingt jetzt vor dem belebtesten Platz des Tempels. Aber trotzdem ist diese Symbolik vom Tempel nicht unbedeutend. Man kann nicht nur in der Wüste versucht werden, man kann auch mitten auf dem Tempel versucht werden. Es gibt Versuchungen, die sind quasi in der Wüste unseres Lebens, wenn es uns ganz schlecht geht, wenn wir alleine sind, wenn uns alles fehlt. Da gibt es Versuchungen, aber manchmal gibt es auch Versuchungen mitten in der Gemeinde, wenn man quasi eine erhöhte Position hat. Und das kommen wir jetzt gleich noch ein bisschen ausführlicher drauf.

[11:54] Interessant ist auch, und da habe ich mir ordentliche Gedanken darüber gemacht, Jesus ist offensichtlich mit dem Satan mitgegangen an der Stelle. Der Satan hat ihn ja dorthin gebracht. Und trotzdem hat er nicht auf ihn gehört, wie wir jetzt gleich sehen werden. In Vers 6 heißt es: "Und spricht zu ihm, also der Teufel spricht zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürze dich hinab! Denn es steht geschrieben: Er wird seinen Engeln deinen Befehl geben, und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht etwa an einen Stein stößt."

[12:23] Jetzt dieses "Wenn du Gottes Sohn bist", was fällt euch dazu ein? Diese Worte, die wir gerade in Vers 6 gelesen haben, "Wenn du Gottes Sohn bist". Ja, genau, Gott hatte bei der Taufe gesagt: "Du bist mein geliebter Sohn." Okay, danke schön. Was fällt euch noch ein? Ganz genau, er zieht das in Zweifel, er zieht das in Frage, mit Bedacht. Genau. Genau, die Schlange damals im Garten Eden hatte dieselbe Strategie: "Sollte Gott gesagt haben?" Ja, fällt noch was ein? Haben wir diesen Satz schon mal gehört? "Wenn du Gottes Sohn bist." Schon mal gehört? In der näheren Umgebung hier? Ja, in der ersten Versuchung hatte der Satan genau dieselben Worte verwendet: "Wenn du Gottes Sohn bist."

[13:31] Das heißt, und das ist jetzt eine wichtige Lehre: Der Satan kommt zu Jesus in der Wüste und sagt: "Wenn du Gottes Sohn bist", dann kommt Jesus mit der Bibel, also im Kopf und zitiert die Bibel und besiegt den Satan. Er überwindet quasi diese Versuchung und man könnte ja denken, wenn man diese Versuchung überwunden hat, dann ist man Sieger und sie kommt nie wieder. Aber dieselbe Versuchung, die er schon einmal überwunden hat, kommt noch mal wieder. Vielleicht kennt ihr das auch, dass manchmal ist man Sieger bei einer Versuchung und denkt, man hat sie jetzt ein für alle Mal besiegt und sie wird nie wiederkommen. Aber der Satan probiert manche Dinge ganz oft aus und zwar immer wieder, weil er weiß aus Erfahrung, dass diese Dinge ganz gut Erfolg gehabt haben. Bei der Eva hat es ja auch funktioniert. Also der Satan bringt unter anderen Umständen, an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit, unter anderen Umständen wieder dieselbe Versuchung. Fast im Wort also identisch: "Wenn du Gottes Sohn bist."

[14:26] Trotzdem ist seine Begründung jetzt noch ein bisschen anders. Beim ersten Mal hat er ja quasi die Schwäche, die Schwachheit Jesu ausgenutzt, den immensen Hunger. Und ich meine, der ist immer noch da, aber jetzt ist die Begründung eine andere. Und die ist ziemlich interessant. Was ist seine Begründung, mit der er jetzt Jesus hier versucht? Er sagt: "Wenn du Gottes Sohn bist, so stürze dich hinab, denn es steht geschrieben."

[14:57] Warum sagt er das? Warum sagt er: "Denn es steht geschrieben?" Jesus hat vorher gesagt, genau mit diesen Worten: "Denn es steht geschrieben" und hat damit den Satan besiegt. Also was Satan macht ist, er sagt: "Okay, ich greife dich jetzt mit deinen eigenen Waffen an." Oder anders ausgedrückt: Jesus war in der Wüste, er hatte immer noch diese, er war 40 Tage lang hungrig. Dann kommt der Satan, stellt sich als ein Engel Gottes dar und sagt zu ihm: "Wenn du Gottes Sohn bist, dann beweist es durch irgendwelche Taten." Jesus sagt aber: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, weil Gott hatte schon gesagt, du bist Gottes Sohn." Das heißt, was Jesus sagt, ist: "Ich muss es nicht noch mal durch meine Taten beweisen, weil Gott hat es schon gesagt und ich lebe aus dem Wort Gottes, weil Gott hat gesagt vor ungefähr 40 Tagen bei der Taufe: 'Du bist mein geliebter Sohn' und aus diesem Wort lebe ich. Es ist so, ich brauche keinen zweiten Beweis." Das ist übrigens ein wichtiger Punkt, den wir manchmal vergessen, weil wir manchmal, Gott sagt uns was und dann wollen wir noch ein Beweis dafür und noch ein Beweis und noch ein Beweis. Jesus sagt: "Das reicht mir."

[16:20] Nicht vergessen, der Satan zu diesem Zeitpunkt hatte immer noch eigentlich die Maske eines guten Engels auf. Er vertritt immer noch quasi scheinbar die Position eines Engels, der vom Himmel kommt und jetzt macht er folgendes und das ist sehr interessant. Er sagt, Jesus, ich gebe es mit eigenen Worten wieder: "Jesus, das war nur ein Test, du hast den bestanden, du glaubst wirklich an die Bibel. Komm, lass uns an den Ort gehen, wo die Bibel gelehrt wird. Wir lassen jetzt die Wüste hinter uns und wir gehen jetzt zur Gemeinde, dort wo das Wort Gottes ist und weil du ja so sehr an das Wort Gottes glaubst, Jesus, schau mal diesen Vers an hier. Hier steht doch in der Bibel und jetzt zitiert er: 'Er wird seinen Engeln deinen Befehl geben, und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht etwa an einen Stein stößt.' Glaubst du das, Jesus? Glaubst du das wirklich? Weil wenn du wirklich aus jedem Wort lebst, dann musst du doch auch aus diesem Wort leben. Und wenn du das glaubst, dann kannst du dich doch runterschmeißen, dann wird dir nichts passieren, oder?"

[17:30] Das heißt, die Versuchung bestand gar nicht darin, dass Jesus jetzt an dem Abgrund stand und sagt: "Soll ich runterspringen, soll ich nicht runterspringen?", weil kein Mensch, wenn er in seinem normalen Verstand ist, hat den inneren Drang runterzuspringen. Die Versuchung war eine ganz andere. Die Versuchung war: Jesus hatte in der ersten Versuchung gesagt: "Ich lebe aus jedem Wort", und jetzt kommt Satan und sagt: "Okay, wenn du aus jedem Wort lebst, dann musst du auch aus dem leben. Jetzt beweist, dass du aus jedem Wort lebst. Beweist du, bist du dir wirklich sicher, dass du aus jedem Wort lebst? Weil wenn du wirklich an jedes Wort Gottes glaubst, warum nicht anders?" Übrigens, das gibt es heute ganz oft. Menschen sagen, benutzen die Bibel für falsche Dinge und sagen, dass sie damit besonders gläubig sind. Ein typisches Beispiel ist zum Beispiel, Menschen sagen: "Ich darf um, die Bibel sagt doch, wenn ihr im Glauben bittet, dann werdet ihr es empfangen, oder? Wer glaubt, der empfängt. Wer bittet, der empfängt. Also wenn ich jetzt um meinen Ferrari bitte, dann muss ich ihn doch bekommen, oder? Das steht doch in der Bibel. Ich muss doch aus jedem Wort leben." Oder, es ist jetzt vor kurzem, vor wenigen Tagen, habe ich das gelesen, in Amerika ist ein Christ an einem Schlangenbiss gestorben. Es gibt in Amerika, gibt es einige evangelikale Gemeinden, die nehmen die Bibel so wörtlich. Ihr wisst ja, in Markus heißt es: "Wenn ihr auf Schlangen tretet, dann wird es euch nicht schaden." Sie nehmen das nicht als eine Verheißung im Falle der Gefahr, sondern als Befehl, dass man in der Gemeinde mit Schlangen hantieren muss, um seinen Glauben zu beweisen. Und dann gibt es solche, das heißt Snake-Handling, also mit Schlangen umgehen. Da gibt es Gemeinden, da kommst du in Gottesdienst und da werden Schlangen ausgeteilt und jeder, der echten Glauben hat, beweist jetzt seinen Glauben, dass er diese gefährlichen, giftigen Klapperschlangen dort fasst. Und es kommt immer wieder vor, dass Leute gebissen werden. Und dann ist natürlich der Punkt, der hat wahrscheinlich oft genug geglaubt. Und das ist genau dieser Gedanke: "Denn es steht doch geschrieben, oder?"

[19:21] Jetzt wollen wir das mal genauer analysieren, weil das ist nämlich eine Versuchung, die eine bestimmte Gruppe von Menschen anspricht. Die erste Versuchung tendiert zu den liberalen Tendenzen eines Menschen. Da gibt es manchmal so, da wollen wir unseren Lüsten, unserem Fleisch nachgeben. Aber diese Versuchung spricht eher das Fanatische in uns an, wo wir einfach dem Wort blind glauben oder das, was wir für das Wort halten.

[19:49] Jetzt lasst uns mal anschauen, was war denn jetzt eigentlich das Problem? Er hat doch die Bibel zitiert, oder? Er hat das mit einem Zweifel verbunden. Er hat etwas weggelassen. Lasst eure Finger, Matthäus, und geht mit mir zu Psalm. Weiß jemand, aus welchem Psalm er zitiert? Genau, Psalm 91. Interessanterweise aus dem Psalm, der eigentlich von der Plagenzeit spricht. Und davon spricht, wie man beschützt sein kann in der Plagenzeit, beschützt vor den Plagen. Psalm 91. Und wir lesen Psalm 91 und dort Vers 11 und 12. Und vergleicht mal gut, was hier jetzt das Gleiche ist und was unterschiedlich ist. Psalm 91 Vers 11 und 12: "Denn er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen. Auf den Händen werden sie dich tragen, damit du deinen Fuß nicht etwa an einen Stein stößt."

[21:21] Was ist unterschiedlich? Gibt es einen Unterschied? Wenn ihr das genau vergleicht, Wort für Wort, Zeile für Zeile. Okay, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen. In Psalm 91 steht: "Denn er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen." Während bei Matthäus nur steht, in dem Zitat von Satan: "Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben", und dann geht es gleich mit Vers 12 weiter: "Auf den Händen werden sie dich tragen." Seht ihr das? Also bei Matthäus sehen wir, dass der Satan nicht gesagt hat, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.

[22:11] Okay, jetzt lasst eure Finger Psalm und geht mit mir zu Lukas. Lukas hat noch ein etwas ausführlicheres Zitat vom Satan. Vergleichen wir das in Lukas 4 und dort Vers 10 und 11. Lukas 4 Vers 10 und 11, und da werden wir sehen, er hat doch noch etwas mehr gesagt und was er weggelassen hat, ist nur ganz wenig. Schaut mal in Lukas 4 Vers 10 und 11: "Denn es steht geschrieben: Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben, dass sie dich behüten, und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt."

[22:53] Also was fehlt jetzt hier nur noch? Genau, er hat alles zitiert bis auf "auf allen deinen Wegen" und "auf deinen Wegen". Könnt ihr das sehen? Das einzige, was er aus dem Psalmtext weggelassen hat, ist diese Phrase "auf allen deinen Wegen". Und das ist jetzt interessant, weil diese zweite Versuchung hat ganz viel damit zu tun, wie wir die Bibel auslegen. Eigentlich ist diese zweite Versuchung eine Hermeneutik-Schlacht, ein Kampf um die richtige Auslegung der Bibel. Der Satan zitiert eine Bibel fast vollständig und lässt nur drei oder vier Worte weg.

[23:33] Jetzt, was machen diese drei oder vier Worte "auf allen deinen Wegen"? Was haben die für eine Bedeutung in diesem Kontext? Also was passiert, wenn man die weglässt? Ja, genau, danke schön. "Auf allen deinen Wegen" macht ja deutlich, dass es eine allgemeine Aussage für das Leben ist. Das bezieht sich ja nicht nur darauf, wenn ich auf einem Weg gehe, sondern auch, wenn ich zu Hause unter der Dusche bin, wenn ich im Bett bin. Überall will mich Gott behüten. Überall will Gott mich behüten. In der Plagenzeit, egal wo wir sind, wenn wir Gott folgen, werden wir überall behütet sein, auf allen unseren Wegen. Das meint ja nicht, dass ich, wenn ich jetzt auf dem Feld stehe, dass ich nicht mehr behütet bin, sondern diese Worte machen ja ganz deutlich, es geht allgemein um das Leben.

[24:36] Wenn ich die aber weglasse und jetzt nur so lese, wie sie Satan zitiert, dann klingt das eher so wie: "Wenn du irgendwo oben stehst und runterfällst, werden dich Engel aufheben." Ja, "Denn er wird seinen Engeln Befehl geben, deinetwegen, er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben, dass sie dich behüten und auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt." Das heißt, plötzlich sieht der Vers so aus, als ob es darum geht, dass wenn ich irgendwo oben stehe und runterfalle, ich mir nicht den Fuß stoße. Das heißt, der Vers wird quasi, ich würde mal sagen, oder der Abschnitt wird damit plötzlich überbuchstäblich. In Psalm 91 geht es ja nicht darum, dass ich, wenn ich irgendwo in einer Klippe stehe und ich runterspringe, dass ich nicht unten aufkomme. Es geht darum, dass ich auf allen meinen Wegen in meinem Leben bei Gott beschützt werde. Aber wenn man das wegnimmt, wird das plötzlich so eng, das wird so eingeengt. Da fehlt jetzt was, was es eigentlich ausgewogen macht. Das ist so ähnlich wie mit den Schlangen sozusagen. Wenn man da ein bisschen was wegnimmt, dann sieht es fast so aus, als müsste ich Schlangen anfassen. Oder mit dem: "Wenn ihr bittet, so werdet ihr empfangen." Es wird dann plötzlich so eng, so eingeengt, so überbuchstäblich, was die Bibel gar nicht eigentlich vorgab hat. Und das ist eigentlich sehr interessant, weil das wird oft mit der Bibel gemacht. Man lässt ein bisschen was weg und verzerrt damit eigentlich das, was die Bibel sagen will.

[26:10] Der nächste Punkt ist: Schaut mal, was in Psalm 91 im nächsten Vers eigentlich steht. In Psalm 91, im nächsten Vers, in Vers 13 heißt es: "Auf den Löwen und die Otter wirst du den Fuß setzen, wirst den Junglöwen und den Drachen zertreten." Warum hat wohl Satan diesen Vers nicht auch noch mit zitiert? Ja, alles drei sind ja auch Symbole für den Satan, oder? Löwe, der Satan geht umher, wie ein Teufel geht umher, wie ein brüllender Löwe, Schlange, Drache, alles Symbole für den Satan. Im Kontext von Psalm 91 geht es ja darum, dass in der Trübsalzeit, in der Plagenzeit, der Satan uns nichts anhaben kann. Wir werden beschützt sein, wenn wir auf allen unseren Wegen mit Gott gehen.

[27:13] Der Satan lässt also all das weg, was in seinen Kram nicht passt. Wisst ihr, was das bedeutet? Der Satan wird uns niemals mit der Bibel versuchen, sondern nur mit Auszügen aus der Bibel. Der Satan kann die Bibel nicht für seine Zwecke verwenden, er kann nur ausgewählte Passagen verwenden. Wenn man die ganze Bibel zurate zieht, erklärt sie immer, was eigentlich gemeint ist. Wir brauchen also keine Angst haben, dass wir sagen, jetzt reicht nicht mal die Bibel. Die Bibel reicht vollkommen aus. Wenn der Satan die ganze Bibel benutzen würde, könnte er uns nicht versuchen. Er kann uns nur versuchen, wenn er Dinge weglässt und verzerrt. Und alles, was ein gläubiger Mensch tun muss, ist letztendlich einfach dem ganzen Wort zu glauben. Deswegen sagt er jedes aus, jedem Wort. Wir glauben als Protestanten nicht nur an Sola Scriptura, das heißt übersetzt nur die Bibel, wir glauben auch an Tota Scriptura und das heißt die ganze Schrift, nicht nur zwei, dreiviertel Verse oder so.

[28:14] Und ihr seht jetzt plötzlich, warum diese zweite Versuchung so besonders interessant ist, weil sie richtet sich an Menschen, die die Bibel kennen. Das ist eine Versuchung am Tempel in Jerusalem, nicht irgendwo in der Wüste, wo man alleine ist, sondern bei der Gemeinde. Vielleicht sogar auf einer erhöhten Position, wenn man das jetzt übertragen möchte. Man kann auch mit der Bibel in der Hand, wenn man die Bibel nicht wirklich ernst nimmt, sondern sie einfach für eigene Zwecke missbraucht, schwer Schiffbruch erleiden.

[28:59] Und übrigens, der Satan ist ganz schön verlogen. Schaut mal mit mir in Hiob 1, Vers 10. Hiob 1, Vers 10. Und also ich glaube, dass die Engel sich daran erinnert haben und als Jesus dort auf dem Tempel steht und die Engel dann die Worte von Satan hören, ich glaube, sie werden ganz schön böse mit ihm gewesen sein. Schaut mal, was der Hiob in Hiob 1, Vers 10 sagt. Da heißt es: "Hast du nicht ihn und sein Haus und alles, was er hat, ringsum eingehegt? Das Werk seiner Hände hast du gesegnet und seine Herden breiten sich im Land aus." Der Satan beschwert sich hier bei Gott wegen dem Hiob. Wo beschwert er sich? Ja, weil es ihm so gut geht. Warum geht es ihm so gut? Was sagt er? Was ist der Grund? Was ist der Grund? Weil Gott ihn so beschützt. Er hat ihn eingehegt. Das heißt, der Satan sagt damals: "Gott, du bist ungerecht, wenn du die Menschen so besonders beschützt." Er beschwert sich darüber, dass Gott Menschen beschützt. Und jetzt, mehr als 1.500 Jahre später, benutzt er genau diesen Schutz Gottes. Gott wird seinen Engel senden, um dich zu beschützen, verdreht die Bedeutung und verwendet diesen Schutz, um Jesus zu Fall zu bringen. Könnt ihr das sehen? Also wirklich hinterlässt. Das gleiche, was er vorher kritisiert hat, verwendet er jetzt für seine eigenen Zwecke, aber hinterlässt sich, um Jesus zu Fall zu bringen. Und daran sieht man, wie ungerecht der Satan eigentlich ist und wie unaufrichtig. Er ist total unaufrichtig. Er behauptet immer Dinge nur so, wie sie in seinen Kram passen.

[30:52] Und übrigens, warum sagt der Satan: "Stürze dich hinab?" Warum hat er ihn nicht einfach hinabgestürzt? Genau. Hätte er ihn hinabgestürzt, was wäre passiert? Dann wäre nämlich das Wort wahr geworden, dann wären die Engel wirklich gekommen und hätten ihn aufgefangen. Weil Gott natürlich ihn beschützt hätte vor einer äußerlichen Kraftentwicklung. Ist ja auch keine Sünde gewesen, weil Jesus mit seinen 40 Tagen Fasten hätte körperlich vielleicht dem Satan nichts entgegensetzen können. Aber Satan wusste, das wäre keine Sünde, sondern Sünde ist es nur, wenn wir selbst einwilligen. Das heißt, der Satan kann uns zur Sünde niemals zwingen. Er kann uns nur verlocken. Er kann sogar Bibelverse anführen, um uns dazu zu bringen. Aber er kann uns nicht zu Fall, also er kann uns nicht fällen, sozusagen.

[31:57] Jetzt schauen wir uns die Antwort von Jesus an. Die ist wirklich interessant. Schaut mal, Matthäus 4, Vers 7. Man würde ja fast erwarten, dass er jetzt anfängt und sagt: "Du hast den Bibelfers falsch zitiert. Du hast diese drei Worte weggelassen, den nächsten Vers hättest du noch zitieren sollen." Aber all das macht Jesus nicht mal. Schaut mal, Matthäus 4, Vers 7. Dort heißt es: Matthäus 4, Vers 7: "Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht geschrieben: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen."

[32:28] Also, was ist die Strategie von Jesus? Was ist seine Strategie in diesem Kampf? Er wird ja angegriffen vom Satan, der jetzt ihn vermeintlich mit Jesu eigener Waffe bekämpft. Nicht wahr? "Es steht geschrieben." Er versucht die Liebe als Ganzes zu nehmen. Das heißt, die Strategie ist sehr simpel. Was er sagt mit anderen Worten ist: "Satan, deine Interpretation kann nicht richtig sein, weil es gibt mindestens einen anderen Vers, ganz woanders, der widerspricht deiner Interpretation." Das heißt, er muss gar nicht genau auslegen können, was Psalm 91 bedeutet und wo jetzt das Wort fehlt und so weiter, obwohl er das natürlich hätte tun können. Aber er zeigt damit: Es reicht schon aus, wenn man einen anderen Vers kennt, der dem widerspricht. Und das ist eine gute Nachricht. Man muss kein Bibelwissenschaftler sein, um bis ins Letzte genau zu prüfen, welches Wort da wirklich stand. Wenn man einen anderen Vers kennt, der die Wahrheit unterstützt, reicht das schon aus.

[33:44] Jesus wusste, diese Lehre, die der Satan oder dieser vermeintliche Engel ihm sagt, kann nicht richtig sein, weil es gibt einen anderen Vers, der dem widerspricht. Das heißt, mit anderen Worten, manchmal gibt es ja so Leute, die sagen: "Oh, aber hier dieser Vers, der könnte doch, der gibt ja so schwierige Verse. Wenn man die alleine anschaut, könnte man denken, vielleicht sind die Toten doch lebendig." Ja, da kommt der Samuel wieder hervor zum Beispiel. Da kann man jetzt lange debattieren und diskutieren und so weiter. Aber wenn man einen anderen Vers kennt, der deutlich die Wahrheit sagt, reicht das schon aus, um die Wahrheit zu kennen. Und das kann man beim Sabbat so sehen, das kann man bei der Gottheit Jesu sehen, bei vielen Sachen ist das ein ganz simples Prinzip.

[34:27] Und dahinter steckt eine Grundannahme, die ist euch wahrscheinlich, da renne ich bei euch wahrscheinlich offene Türen ein, aber sie ist trotzdem sehr wichtig. Nämlich, dass die Bibel als Ganzes inspiriert ist. Wenn die Bibel nicht als Ganzes inspiriert wäre, hätte Jesus diese Versuchung nicht gewonnen. Denkt mal darüber nach, es gibt heute viele Christen, die sagen: "Naja, manches in der Bibel ist inspiriert und manches nicht." Habt ihr vielleicht schon mal gehört, ja, da gibt es so Leute, die sagen: "Das Wort Gottes ist, also die Bibel enthält das Wort Gottes, aber sie ist nicht das Wort Gottes." Ja, da gibt es Inspiriertes und Inspiriertes. Wenn das wahr wäre, hätte Jesu Strategie gar keine Wirkung. Weil woher will man dann wissen, ob den Vers, den er gerade zitiert, auch zu dem Thema spricht und auch inspiriert ist. Jesu Sieg ist nur dann ein Sieg, wenn alles in der Bibel zueinander passt und alles gleich inspiriert ist. Ansonsten ist seine Strategie sinnlos. Und deswegen ist es total entscheidend, dass wir wirklich glauben, dass die ganze Bibel, Altes und Neues Testament, alles gemeinsam zusammenkommt. Und so hat der Teufel dann keine Chance mit seinen Verdrehungen. Manchmal ist man wirklich herausgefordert von dem, was so Irrlehre alles produziert. Aber Jesu Methode war simpel: einfach die gesamte Bibel anerkennen und alles hinzunehmen und dann hat der Satan keine Chance.

[35:48] Jetzt, woher hat Jesus zitiert? Aus welchem Buch kommt dieser Satz? "Du sollst den Herrn, deinen Gott nicht versuchen." 5. Mose, ganz genau. Wiederum 5. Mose. Schaut mal mit mir in 5. Mose Kapitel 6. 5. Mose 6 und dort Vers 16. 5. Mose 6 und dort Vers 16. 5. Mose 6 Vers 16.

[36:28] Und hier ist interessant, in welchem Kontext das steht, also was eigentlich dahintersteckt in diesem Wort. 5. Mose 6 Vers 16: "Ihr sollt den Herrn, euren Gott nicht versuchen, wie ihr ihn bei Massa versucht habt." Das heißt, dieses Gebot: "Du sollst den Herrn, deinen Gott nicht versuchen", hat einen Zusammenhang. Da geht es um eine ganz konkrete Geschichte, die Geschichte von Massa. Was ist denn die Geschichte von Massa? Was ist denn da passiert? Das bittere Wasser fast, ja. Ja, das war dann an demselben Ort 38 Jahre später, das stimmt, aber das erste Mal, das war nicht, wo das bittere Wasser war, das war Mara, sondern es war an dem Ort, wo es kein Wasser gab und zwar am Anfang der Wüstenwanderung. Schaut mal in 2. Mose 17. Kurz davor, in 2. Mose 15, war das mit dem bitteren Wasser und dann in 2. Mose 17 kommt Massa und Meriba und sie sind da dann am Ende der Wüstenwanderung noch mal dort angekommen, wo Mose dann diesen Fehler gemacht hat, das stimmt. Aber an der Stelle, auf die bezieht sich jetzt eigentlich hier. 2. Mose 17, das ist diese Geschichte mit dem Wasser aus dem Felsen. Ja, ihr wisst, die Israeliten waren mal wieder am Murren, ihre Lieblingsbeschäftigung, sich beschwert und Mose bittet zu Gott und sagt: "Sie steinigen mich bald, weil die wollen Wasser haben" und dann hat Gott gesagt: "Nimm deinen Stab, schlage auf einen Felsen und Wasser wird herauskommen." Und genau das ist passiert.

[38:07] Und jetzt schaut mal, was in Vers 7 steht. In 2. Mose 17, Vers 7, da gab man dem Ort den Namen Massa und Meriba, wegen der Herausforderung der Kinder Israels und weil sie den Herrn versucht und jetzt kommt die Erklärung, was das bedeutet, den Herrn versuchen und gesagt hatten: "Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht?" Das heißt, Gott versuchen bedeutet ja nicht, dass das Gott so versuchte, wie wir versucht werden. Wenn wir versucht werden, dann bedeutet das, dass wir jetzt vielleicht die Möglichkeit haben, etwas Falsches zu tun oder es halt nicht zu tun, aber Gott kann in dem Sinn nicht versucht werden. Jakobus sagt ganz deutlich, Jakobus 1: "Gott kann nicht versucht werden." Das heißt, wenn die Bibel sagt, dass Gott versucht worden ist, dann meint es das hier: Die Israeliten haben diese provokative Frage gestellt: "Ist Gott mit uns oder nicht?"

[39:08] Frage: Hatten die Israeliten schon irgendwelche Anzeichen dafür, dass Gott mit ihnen war, ja oder nein? Welche hatten sie schon? Woher konnten sie wissen, dass Gott mit ihnen ist? Die zehn Plagen, was noch? Das Rote Meer, der Gang durch die Wüste, sie hatten schon bitteres Wasser in trinkbares Wasser verändert bekommen, sie hatten gesehen, wie Brot vom Himmel fällt, das Manna, jeden Tag aufs Neue, ja und sie hatten, während sie dort sprachen, die sichtbare Gegenwart Gottes in der Wolken- und Feuersäule vor sich und trotzdem haben sie gefragt: "Ist Gott bei uns oder nicht? Ist er mit uns oder nicht?" Und dahinter steckt eine Grundeinstellung, die wir leider zu oft auch haben. Wir haben das Wort Gottes gehört, wir haben uns dazu bekannt, wir haben Erfahrung mit Gott gemacht, dann kommen wir in eine Schwierigkeit und dann wollen wir, dass Gott erstmal beweist, dass er wirklich da ist. Ja, wir wollen von ihm ein Zeichen, dass er wirklich noch bei uns ist. Wir haben plötzlich das Gefühl: "Ist Gott überhaupt bei uns?" Ja, und diese Versuchung, ob Gott überhaupt bei ihnen ist, das ist diese Versuchung.

[40:20] Als Jesus also, was der Satan also wollte vom Jesus, war folgendes: Nachdem Jesus gesagt hat: "Ich lebe aus jedem Wort", hat Satan gesagt: "Okay, was ist mit dem Wort hier?" Also er hat das natürlich ein bisschen, wie wir gesehen haben, ein bisschen verzerrt. "Wenn du das wirklich glaubst, dann müsstest du ja auch dich fallen lassen können. Teste mal, ob Gott das wirklich so meint. Teste mal, ob Gottes Wort, teste es mal aus. Ja, bist du sicher, bist du sicher, dass du aus jedem Wort leben kannst? Weil wenn das hier so steht, dann müsste man das doch auch so machen können."

[41:06] Es gibt ja so Leute, die quasi ihren Glauben beweisen wollen, mit biblischen Argumenten vielleicht sogar. Das typische Beispiel mit diesem Schlangen zum Beispiel. Es gab mal in der Adventbewegung eine Frau, vielleicht könnt ihr euch daran erinnern, im Adventgeschichtsseminar, das war so diese Zeit von dem Fanatismus, da gab es eine Frau, die war der Meinung, sie kann wie Petrus auf dem Wasser gehen, weil da stand ja, dass Jesus gesagt hatte, nicht wahr, "Komm zu mir." Und dann wollte sie auf das Wasser rennen und man hat sie nur mit Mühe und Not daran gehindert, sonst wäre sie ertrunken. Und das ist so dieser, man könnte fast sagen, dieser fanatische Geist, der sich selbst erhöhen will eigentlich, um damit zu zeigen oder Gott herauszufordern.

[41:51] Ellen White hat das mal so letztendlich formuliert: Wir sollten unsere Bitten zu Gott bringen, nicht damit er beweist, dass er da ist, sondern weil wir schon wissen, dass er da ist. Wenn ich bete und sage: "Gott, du hast ja gesagt, und jetzt möchte ich mal sehen, ob du es auch wirklich machst", dann ist das eigentlich nicht mehr Glaube, dann ist das eigentlich Anmaßung. Eine Anmaßung. Wenn ich zu ihm komme und hoffe, dass er es mal beweist, dass er mich liebt, dann ist das kein Glaube, sondern Glaube bittet Gott, weil ich weiß, dass er mich liebt, weil ich davon überzeugt bin, dass er mich liebt und weil ich überzeugt bin, dass er sein Wort einhalten wird, auch wenn ich nicht immer gleich sehe, wie das so funktionieren wird. Aber wir bringen unsere Bitten nicht, damit Gott beweist, dass er da ist, sondern weil wir glauben, dass er da ist.

[42:51] Es gibt einen großen Unterschied zwischen Glaube und Anmaßung. Glaube benutzt Gottes Verheißungen und die Frucht ist Gehorsam. Anmaßung benutzt auch Gottes Verheißungen, aber auf eine falsche Art und Weise. Zum Beispiel hat die Eva ihr Wissen von Gottes Liebe und Güte und Treue missbraucht und hat sich eingeredet: "Naja, es wird schon nicht so schlimm sein. Ich kann essen und Gott wird es doch nicht wirklich ernst machen, weil er ist so lieb, er ist so gut, er hat uns doch versprochen, dass wir uns vermehren werden und dass wir vielleicht mal in den Himmel kommen." Das hat er alles verheißen. Anmaßung benutzt die Verheißung Gottes, die selbe Verheißung und benutzt sie als eine Entschuldigung für die Sünde. Und die Frage ist, wie gehen wir mit den Verheißungen Gottes um? Wie gehen wir mit dem Wort Gottes um? Nehmen wir es als etwas, das uns zum Gehorsam führt oder etwas, das unsere Sünde entschuldigt?

[43:44] Ellen White sagt übrigens auch, Anmaßung ist das Gegenstück Satans zum Glauben. Das ist quasi seine Form von Glauben. Es gibt manche Menschen, denen kann er mit weltlichen Gelüsten und mit fleischlicher Begierde nicht viel anhaben. Die sind so gläubig, so religiös von ihrem Denken, so religiöse Menschen, dass weltliche Dinge für sie vielleicht gar nicht so die Attraktion sind. Aber oft schafft es sie dann in einen Fanatismus zu bringen, wo sie einfach anmaßend sind und mit Gottes Wort anmaßend umgehen.

[44:27] Nun, interessanterweise hat auch das nichts gebracht. Jesus hat ihn mit einem klaren "Es steht geschrieben" wieder entzaubert. Und was jetzt spannend ist, wenn wir das nächste Mal in der nächsten Folge darauf eingehen, jetzt an dieser Stelle lässt der Satan alle Hüllen fallen. Er zieht alle Handschuhe aus, alle Masken ab. Vorher hat er immer noch gesagt, ich bin der Engel. Und wie wir dann sehen werden, in der dritten Versuchung sagt er dann ganz deutlich: "Schau her, okay, das war zweimal versucht, es hat nicht geklappt. Pass auf, Jesus, ich bin der Satan. Und jetzt reden wir Tacheles und jetzt werde ich alles auf eine Karte setzen und jetzt ist deine Chance." Aber wie das sein wird, wenn wir das nächste Mal dann anschauen, das zeigt allerdings, dass eigentlich schon nach zwei Versuchungen der Satan in seiner versteckten Verführung demaskiert war. Er musste jetzt alles auf eine Karte setzen, es war offen. Mit diesen beiden Versuchungen hat Jesus schon gezeigt, wie man den Satan, wenn er verführerisch kommt, quasi von innen heraus, wie man ihn besiegen kann. Durch einen einfachen, simplen Glauben, der sagt: "Es steht geschrieben."

[45:30] Übrigens, der Satan hat die Bibel nicht dabei gehabt und Jesus auch nicht. Satan konnte die Bibelverse auswendig, allerdings nicht so gut, wie wir gesehen haben. Er hat sie bewusst natürlich auch gefälscht. Jesus kannte die Bibel auch auswendig. Ich glaube, wir sollten wieder dazu kommen, wie Bibelverse auswendig zu lernen, vielleicht auch größere Abschnitte auswendig zu lernen. Ganz genau. Wir werden übrigens dazu jetzt in anderthalb Wochen in der Gemeinde ein Projekt vorstellen, da könnte ich mich schon darauf freuen, wo wir als ganze Gemeinde anfangen werden, Bibelverse auswendig zu lernen. Aber ich verrate noch nicht zu viel.

[46:06] Für heute, lasst uns vornehmen, dass wir wirklich der Bibel als Ganzes vertrauen, dass wir uns nicht dazu hinreißen lassen, irgendwelche sensationellen, übertriebenen, fanatischen Interpretationen anzunehmen, die so mit zweieinhalb Versen begründet werden, sondern wirklich so wie Jesus die Bibel als Ganzes nehmen. Denn man kann nicht nur in der Wüste verführt werden, man kann auch im Tempel verführt werden. Und das bedeutet für uns als Gemeindeglieder, dass wir wissen, der Satan macht vor dem Tempel nicht halt. Der Satan kann auch mitten auf dem Tempel stehen. Und was wichtig ist, dass wir die Bibel wirklich kennen und ihr glauben. Wollen wir uns das vornehmen? Dann lasst uns noch gemeinsam wieder knien für ein Abschlussgebet.

[46:54] Lieber Vater im Himmel, wir danken dir für dein Wort. Wir danken dir, dass wir sehen konnten, dass so wie Jesus auch wir Überwinder sein können, über anmaßende Gedanken, über Theorien, die eigentlich dein Wort verzerren, wenn wir einfach simpel der ganzen Bibel glauben. Wenn wir sie so gut kennen, dass wir auch auf verführerische Ideen eine gute biblische Antwort haben. Und wir danken dir, dass du jedem Einzelnen uns die Gelegenheit gibst, dein Wort besser kennenzulernen. Dass du niemanden von uns auf die Probe stellst über unser Vermögen hinaus. Und wir danken dir, dass wir wissen dürfen, dass du tatsächlich, wenn wir auf deinen Wegen gehen, egal wo wir dann sind, dass du deinen Engeln Befehl geben wirst, dass sie uns wirklich behüten werden und wirklich uns davor bewahren werden, dass wir uns stoßen, dass wir über Stolpersteine stolpern. Dass du uns in der Trübsalszeit bewahren wirst. Gib, dass wir wirklich mit einem ausgewogenen Herzen und mit Umsicht diese Zeit hineingehen, ohne jetzt schon in Fanatismus zu verfallen. Im Namen Jesu beten wir dies. Amen.

[48:11] Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!


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