[0:30] Unsere Ersehnte. Schön, dass ihr da seid! Schön, dass ihr eingeschaltet habt auf www.joelmedia.de zu einer neuen Folge. Wir werden heute mit einem neuen Abschnitt in unserem Seminar beginnen. Wir haben in den letzten Wochen uns ausführlich beschäftigt mit dem Leben von Johannes dem Täufer, der Taufe und den Versuchungen von Jesus in den letzten drei Folgen. Und wir werden jetzt gleich sehen, wie das Ganze weitergegangen ist und werden einen längeren Abschnitt beginnen, vor allem im Johannesevangelium. Und wie wir es gewohnt sind, möchten wir beginnen mit einem Gebet und ich lade euch ein, wo es möglich ist, dazu niederzuknien.
[1:13] Lieber Vater, danke für dein Wort. Danke für die Gelegenheit, es lesen zu können. Und vor allem danke für deinen Heiligen Geist, der allein es uns aufschließen kann und verständlich machen kann. Wir möchten dich bitten, dass du jetzt unsere Gedanken ganz auf dich richtest, dass wir kostbare Schätze heben können aus deinem Wort, die uns helfen im Alltag den guten Kampf des Glaubens zu kämpfen, die uns stärken und trösten und festigen und die uns bereit machen, die Botschaft, die frohe Botschaft des Evangeliums in alle Welt zu bringen. Bitte sprich du jetzt durch dein Wort zu uns und hab Dank dafür von ganzem Herzen. Amen.
[2:05] Wir haben, wie gesagt, in den letzten drei Folgen die Versuchungen Jesu angeschaut. Jetzt ist es so, dass wenn ihr die Versuchungen Jesu nochmal aufschlagt, zum Beispiel in Matthäus, da wollen wir kurz hier nochmal drauf eingehen, Matthäus Kapitel 4, dann enden die ja in Vers 11. Matthäus 4, Vers 1 bis 11 haben wir die erste, zweite und dritte Versuchung. Wenn man jetzt das Matthäusevangelium liest, würde man vielleicht denken, dass jetzt chronologisch es weitergeht, aber das Matthäusevangelium macht einen gewaltigen Sprung an dieser Stelle. Wenn ihr in Vers 12 lest: "Als aber Jesus hörte, dass Johannes gefangen gesetzt worden war, zog er weg nach Galiläa." Zwischen Vers 11 und Vers 12 liegen mehr als ein ganzes Jahr. Die Gefangennahme von Johannes war, wie wir später in den nächsten Wochen und Monaten sehen werden, erst viel später. Also Matthäus hat eine Lücke von mehr als einem Jahr in seinem Evangelium. Er springt dann gleich in die Zeit, wo Jesus in Galiläa aktiv war. Und Markus und Lukas machen dasselbe, weil offensichtlich der Dienst in Galiläa dann später besonders wichtig ihnen war.
[3:25] Johannes war derjenige, der als allerletzter das Evangelium geschrieben hat. Ihr wisst vielleicht, Johannes schreibt sein Evangelium, als alle anderen Evangelien schon tot sind. Und Johannes berichtet viele Dinge, die Matthäus, Markus und Lukas berichten nicht, weil die halt schon bekannt waren. Johannes schreibt an die zweite Generation der Christen und füllt jetzt eine ganze Reihe von Details aus an Lücken, die in Matthäus, Markus und Lukas noch bestehen. Und so ist es das Johannesevangelium, das das einzige Zeugnis uns gibt von dem, was in diesem Jahr passiert ist, zwischen der Taufe und Versuchung und dann dem Dienst in Galiläa nach der Gefangennahme von Johannes. Und das wird jetzt uns in den nächsten Wochen beschäftigen. Es sind die ersten Kapitel im Johannesevangelium, die diese Lücke füllen. Man spricht dort auch von dem frühen Dienst Jesu. Also, wenn man den Dienst Jesu, diese dreieinhalb Jahre, in verschiedene Abschnitte einteilt, dann ist so dieses erste Jahr nach der Taufe der frühe Dienst. Da werden wir dann einiges dazu zu sagen haben. Wir werden jetzt also erst mal Matthäus, Markus und Lukas ein bisschen zur Seite legen und uns mit Johannes in den nächsten Wochen beschäftigen über diese Zeit nach der Taufe.
[4:48] Jetzt schlag mal mit mir auf Johannes Kapitel 1 und die Geschichte geht eigentlich wirklich los ab Vers 18. Aber das Johannesevangelium hat einen ganz interessanten Anfang. Wir haben ja über den schon gesprochen, als wir hier mal die Serie begonnen haben, vor ungefähr einem Jahr. Da haben wir gesehen, dass Johannes so eine ganz theologische Einleitung hat zu seinem Evangelium: "Im Anfang war das Wort, das Wort war bei Gott und das Wort war Gott." Und wenn man jetzt wirklich so einen Punkt finden möchte, wo ist die Einleitung zu Ende und wo geht die Geschichte los, dann ist das recht schwer. Also bei Lukas zum Beispiel, da gibt es vier Verse Einleitung: "Ich liebe Theophilus, ich will das schreiben, ich habe alles genau angeschaut und so und so weiter." Jetzt geht der Bericht und dann geht es los mit Zacharias. Aber wenn ihr genau dieses erste Kapitel durchschaut, dann seht ihr, das ist so ein bisschen verschwommen.
[5:47] Also nur mal um das mit aus der Vogelperspektive zu sehen: In den ersten fünf Kapiteln, da spricht Johannes von dem ewigen Wort, Gott, der das Wort ist, Jesus Christus, der von Anfang an ist, der alles geschaffen hat und der in die Finsternis hineinleuchtet. Das ist noch relativ abstrakt von den ersten fünf Versen. Und dann in Vers 6, da wird es zum ersten Mal ein bisschen irdisch. Da könnte man fast denken, jetzt geht die Geschichte los. Da heißt es in Vers 6: "Es war ein Mensch von Gott gesandt, sein Name war Johannes." Und dann wird gesagt in Vers 7: "Dieser kam zum Zeugnis, um von dem wahren Licht Zeugnis zu geben." Und dann verliert sich der Johannes wieder in der Beschreibung von diesem wahren Licht. In Vers 9: "Das wahre Licht, welches jeden Menschen erleuchtet." Und dann in Vers 14: "Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns." Da spricht er wieder von dem Wort und dem Wort und ganz theologisch.
[6:58] Und dann in Vers 15 macht er einen zweiten Anlauf und fängt wieder mit Johannes an. Da sagt er wieder: "Johannes legte Zeugnis ab von ihm, rief und sprach: Jetzt kommen sogar Worte von Johannes, historische Worte. Dieser war es, von dem ich sagte: Der nach mir kommt, ist vor mir gewesen, denn er war eher als ich." Und dann fängt er wieder an, so theologisch zu reden: "Und aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade um Gnade." Und dann Vers 18: "Niemand hat Gott je gesehen, der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hat Aufschluss über ihn gegeben." Und dann in Vers 19 fängt er wieder mit Johannes an. In Vers 19 sagt er: "Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden von Jerusalem Priester und Leviten sandten."
[7:38] Wenn man das so grafisch aufmalen würde, dann würde man sagen, Vers 1 bis 5, da hat man nur Jesus als das Wort. Und dann Vers 6 bis 14, da kommt schon mal Johannes und der gibt Zeugnis. Aber dann geht es gleich wieder zu dem Wort, das jetzt etwas genauer beschrieben wird, weil es nämlich Fleisch wird. Und dann in Vers 15 bis 18 kommt wieder Johannes erwähnt, der gibt wieder Zeugnis, diesmal sogar schon mit Worten. Ja, jetzt hört man schon die Worte, die er spricht. Und dann spricht er wieder von Jesus, von dem Theologischen. Und dann in Vers 19, da geht es wieder von Johannes und er gibt wieder Zeugnis. Und diesmal kann man ihn sogar sehen. Ja, jetzt sieht man, weil da kommen jetzt Menschen zu ihm. Jetzt ist man sozusagen wirklich in der Realität angekommen. Ja, das ist so, kann man sich fast so vorstellen, als wenn irgendwie das beginnt oben im Himmel bei Gott. Ja, und dann berichtet schon ein bisschen von Johannes, geht gleich wieder zu Gott und dann zu den Worten von Johannes, ist es wieder bei Gott. Und dann irgendwann ist es angekommen auf der Erde sozusagen. Ja, es ist wie, als ob sich Himmel und Erde berühren in diesem ersten Kapitel. Das werden wir noch später sehen, wenn wir jetzt Woche für Woche das durchschauen. Das ist ganz interessant.
[9:08] Aber jetzt in Vers 19, da kann man wirklich jetzt die Geschichte greifen, weil jetzt sieht man wirklich in Vers 19 den Johannes in Interaktion mit anderen Menschen. Ja, deswegen könnte man am ersten Vers 19 als den Beginn der eigentlichen Geschichte dort sehen. Ja, genau. Jetzt fangen wir mal an, mit diesem Ding im Hintergrund zu lesen, was dort passiert. Vers 19 und folgendes spielen jetzt offensichtlich, das werden wir dann im Laufe der Zeit sehen, nach der Taufe Jesu und nach der Versuchung Jesu.
[9:44] Schauen wir mal in Vers 19. "Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden von Jerusalem Priester und Leviten sandten, um ihn zu fragen: Wer bist du?" Das ist ein interessanter Vers. Es heißt hier, es geht wieder um das Zeugnis Jesu. Wir wissen schon, was das Zeugnis Johannes ist. Es ist nämlich immer das Zeugnis von Jesus. Johannes wird konfrontiert mit einer Delegation. Nun, wer ist diese Delegation? Wer kommt dort zu ihm? Eine auserlesene Schar: Priester und Leviten.
[10:33] Wo im Neuen Testament kennt ihr noch eine Stelle, wo Priester und Leviten kombiniert irgendwo mal auftreten? Da kommen mal die Pharisäer und mal kommen die Sadduzäer und mal kommen die Schriftgelehrten. Gibt es irgendwo noch eine Stelle, wo Priester und Leviten gemeinsam auftreten? Vielleicht bei der Gefangennahme. Ob ihr es glaubt oder nicht, das ist die einzige Stelle im ganzen Neuen Testament, wo Priester und Leviten auftreten, höchst offiziell. Also, wir haben ja schon gesehen, schon lange vor der Taufe Jesu gab es immer mal wieder Pharisäer und Sadduzäer, die zu Jesus gekommen sind. Es ist nicht das erste Mal, dass Pharisäer und Sadduzäer zu Johannes kommen. Aber diesmal kommt eine Delegation von Priestern und Leviten. Das ist etwas anderes. Vorher waren immer mal wieder hohe Theologen bei ihm und haben sich mal in den Vortrag reingesetzt und haben zugehört. Aber jetzt kommt eine Delegation.
[11:47] Jesus erklärt uns, schaut mal, lasst euren Finger drin in Johannes 5 und dort Vers 33. Da kriegen wir einen Hinweis auf das, was an diesem Tag dort bei Johannes passierte. In Johannes 5 und dort Vers 33. Johannes 5 und dort Vers 33. Da sagt Jesus: "Ihr habt zu Johannes gesandt." Im Kapitel 1 stand nur, die Juden in Jerusalem haben die Priester und Leviten gesandt. Aber jetzt sagt Jesus: "Ihr habt zu Johannes gesandt, und er hat der Wahrheit Zeugnis gegeben." Wisst ihr, zu wem Jesus hier in Kapitel 5 spricht? Zu wem er sagt: "Ihr habt zu Johannes gesandt. Ihr wart es, die die Delegation zu Johannes geschickt hat." Zu wem spricht er in Johannes 5? Ja, noch ein bisschen genauer. Vielleicht kennt ihr die Geschichte schon, Johannes 5. Es sind irgendwelche Gelehrte. Genau.
[12:48] In Johannes 5 steht Jesus zum ersten Mal quasi vor Gericht. Er muss sich verantworten wegen seiner Heilung am Sabbat. Er steht im Text jetzt nicht wörtlich drin, aber er steht vor dem Sanhedrin. Der Sanhedrin war das oberste religiöse und zivile Machtinstrument innerhalb Judas, mal abgesehen von den Römern. Wer gehörte zum Sanhedrin? Die Pharisäer waren erstmal wie eine Partei sozusagen, aber es war quasi wie das Parlament. Da waren die wichtigsten Pharisäer, die wichtigsten Sadduzäer, da waren die wichtigsten Priester, die wichtigsten Rabbis, die wichtigsten sonstigen Schriftgelehrten, die wichtigsten zivilen Administratoren und der Präsident des Sanhedrin war der Hohepriester. Das war das oberste Leitungsgremium, das für innerjüdische Fragen zuständig war, sowohl religiös als auch zivil.
[13:58] Wer durfte beim Sanhedrin Mitglied sein? Wer durfte im Sanhedrin Mitglied sein? Nur Männer, die verheiratet sein mussten. Das ist übrigens ein wichtiger Hinweis darauf, dass Paulus ursprünglich mal verheiratet war und sie mussten Kinder haben. Das war eine Bedingung, sagt Ellen White im Leben Jesu. Es mussten Männer sein, die verheiratet sind, die Kinder hatten, weil man davon ausging, dass Männer, die verheiratet sind und Kinder haben, eher auch Verständnis haben können und eher auch menschlich mitfühlend sind, als Männer, die einfach nur alleine leben sozusagen. Es mussten Männer sein, die nicht nur jüdische Religionen gut kannten und jüdische Geschichte, sie mussten auch in allgemeiner Bildung außergewöhnlich gut sein. Sie mussten ein bestimmtes Alter haben, sie durften nicht zu jung sein, sie durften aber auch keine Greise sein. Also ich schätze mal so, ich vermute mal so um die 50 oder so. Immer noch klar im Kopf, aber schon mit viel Lebenserfahrung.
[15:12] Genau, genau, so ungefähr, das könnte ungefähr sein, genau. Und dieser Sanhedrin schickt eine Delegation, bestehend aus Priestern und Leviten, zu Johannes. Das sind also nicht Leute, die kommen jetzt, um zu sagen: "Hey, wir haben davon gehört, wir haben einen Flyer gefunden, wir möchten mal sehen, was du zu sagen hast." Offensichtlich war die Predigt von Johannes dem Täufer so national bewegend gewesen, es gab solch eine Erweckung und Reformation, dass der Sanhedrin wirklich Angst hatte um seinen Einfluss. Ellen White sagt, sie haben schon angefangen, die Kontrolle über das Volk zu verlieren und sie mussten jetzt eine Entscheidung fällen: Sollen wir Johannes den Täufer unterstützen oder sollen wir ihn verwerfen?
[15:58] Der Sanhedrin hatte übrigens auch die selbsternannte Aufgabe, sämtliche Lehrer in Israel zu kontrollieren. Jeder, der ein Prediger war, jeder, der ein Lehrer war, ein Schriftgelehrter, bekam seine Beglaubigung vom Sanhedrin. Und hier war Johannes der Täufer in der Wüste und er hatte noch nicht einmal beim Sanhedrin vorbeigeschaut. Der hat einfach gepredigt und getauft, ohne irgendwen zu fragen. Und zudem war ja noch die Tatsache, dass er selbst aus priesterlichem Geschlecht war. Ihr wisst ja, sein Vater war Zacharias.
[16:28] Ellen White schreibt auch, die Priester erinnerten sich jetzt, als Johannes so bekannt wurde, dass vor 30 Jahren diese außergewöhnlichen Ereignisse beim Tempel passiert waren, als Zacharias im Tempel war und er dann stumm geworden ist. Und das war damals sehr bekannt, das ist wieder in Vergessenheit geraten, weil die jüdische Geschichte war immer so ein riesiger Tumult. Aber jetzt erinnert man sich: Mensch, das war doch dieses Kind, und da scheint also auch eine gewisse Überlegung dahinter gesteckt zu haben. Vielleicht können wir ihn ja unterstützen, ihn für unsere Sache auch gewinnen.
[17:04] Jetzt kommen sie also als Delegation. Man kann sich das vorstellen, der Johannes predigt dort und zitiert die Bibel und Tausende stehen und sitzen um ihn herum und plötzlich hört man die Fanfaren. Und da kommt dieser Zug, Priester und Leviten in Pomp und Luxus, kommt dort angeritten oder angelaufen, was auch immer. Und Ellen White beschreibt das so schön, die Menge teilt sich. Und diese Priester marschieren dort zu Johannes und stellen ihm diese Frage: "Wer bist du?" Sie stellen ihm die einfache und simple Frage nach seiner Identität.
[17:55] Wir haben ja gelernt, dass wir als Adventvolk der antitypische Elia sind, der Elia, der das Kommen des Herrn vorbereitet. Also gibt es jetzt wichtige Lektionen für uns zu lernen, denn auch wir werden oft nach unserer Identität gefragt. Das gehört zu den wichtigsten Fragen der Bibel. Es gibt ja einige solche wichtigen Fragen in der Bibel, zum Beispiel: "Wo bist du?", "Wo ist dein Bruder?", "Was ist Wahrheit?" Oder hier diese Frage: "Wer bist du?" Und diese Frage, "Wer bist du?", gibt natürlich dem Johannes eine wichtige Gelegenheit.
[18:38] Übrigens, was war die Aufgabe von Priestern und Leviten? Wofür waren die eigentlich da? Der ganze Tempeldienst, das war die Aufgabe. Und zur Unterweisung, das waren die eigentlichen Gelehrten, das waren die Theologen, das waren die, die eigentlich aus der Bibel vorlesen sollten. 5. Mose, könnt ihr nachlesen zu Hause, 5. Mose 17, Vers 9 bis 11, da wird gesagt, dass in schwierigen Fällen, wenn man nicht mehr weiß, wie man entscheiden soll, soll man zu dem Priester oder dem Leviten gehen, der würde dann anhand der Bibel wissen, wie man verfahren soll. Und jetzt kommen diese Priester und Leviten zu diesem Laienprediger in der Wüste und fragen: "Wer bist du?"
[19:29] Nun, vielleicht noch eine wichtige Sache, wenn wir lesen hier immer in Johannes von den Juden, das heißt: "Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden von Jerusalem Priester und Leviten sandten." Dann muss man wissen, dass bei Johannes der Begriff "Juden" nicht alle Bewohner von Judäa meint, sondern in der Regel meint der Begriff "Juden" die Führer des jüdischen Volkes. Johannes spricht oft von der Volksmenge und von den Juden. Die Juden und die Volksmenge, die Volksmenge waren auch jüdisch. Man darf das nicht verwechseln, sonst bekommt man das Gefühl, dass Johannes irgendwie antisemitisch wäre oder so. Er war ja selbst Jude. Aber wenn er von den Juden spricht, meint er in der Regel die Führer des Volkes. Das einfach noch als Erklärung dazu.
[20:13] Jetzt, Johannes hat wahrscheinlich schon geahnt, was sie vermutet haben. Ja, denn die nächste Frage oder die nächste Antwort von ihm ist sehr deutlich und er bekannte Vers 20: "und leugnete nicht, sondern bekannte: Ich bin nicht der Christus." Warum hat er das wohl so deutlich gesagt? Ja, also er hat wahrscheinlich vermutet, die glauben alle, er ist der Messias. Denn wir hatten schon Hinweis darauf, wenn er in Lukas zurückgeht, Lukas 3, Lukas 3 Vers 15, da hieß es, da aber das Volk in Erwartung stand und alle in ihren Herzen sich wegen Johannes fragten, ob er vielleicht der Christus sei. Das war diese, er hatte das schon oft abgelehnt und gesagt: "Nein, ich bin es nicht und der nach mir kommt, ist größer als ich und so weiter." Aber diese Stimmung war immer noch da und so fragen sie ihn jetzt quasi offiziell zwischen den Zeilen: "Bist du der Messias? Wer bist du?" Und er sagt ganz emphatisch, es heißt, wenn ihr es gelesen habt in Vers 20: "Er bekannte es, leugnete nicht und bekannte." Also dreimal wird betont, wie ganz explizit er das gesagt hat: "Ich bin nicht der Christus."
[21:43] Im Griechischen ist das "ich" betont, also im Vers 20. Im Griechischen heißt es nicht: "Ich bin nicht der Christus", im Griechischen heißt es: "Ich bin nicht der Christus." Also stellt euch vor, ihr seid die Volksmenge und da kommen jetzt diese Priester und fragen ihn: "Wer bist du?" Und er sagt: "Ich bin nicht der Christus." Die Implikation ist: Ein anderer ist es. Das ist eigentlich sehr interessant, das kommt im Deutschen nicht so schön rüber, aber das ist: "Ich bin es nicht, aber ein anderer."
[22:15] Schaut mal Vers 21. Jetzt fragen sie ihn weiter und sie fragten ihn: "Was denn? Bist du Elia?" Und er sprach: "Ich bin es nicht." "Bist du der Prophet?" Und er antwortete: "Nein." Was fällt euch auf an den Antworten von Johannes? Er gibt ja drei Antworten bisher. Er ist sehr einsilbig und was ist die Tendenz, wenn man die drei Antworten anschaut? Die erste Antwort ist: "Ich bin nicht der Christus." Die zweite: "Ich bin es nicht." Die dritte: "Nein." Es wird immer kürzer. "Ich bin nicht der Christus, ich bin es nicht, nein." Man hat das Gefühl, er wird immer kürzer, kürzer, kürzer.
[23:06] Und das ist interessant, diese beiden Fragen, die sie stellen, sind auch interessant. Sie fragen: "Bist du der Elia?" und "Bist du der Prophet?" Also, worauf spielen sie ab, als sie fragen: "Bist du der Elia?" Warum fragen sie das? Wieso kommen sie auf die Idee, dass er Elia sein soll? Elia sollte kommen. Wo stand es nochmal, diese Prophezeiung, haben wir schon angeschaut? Das ist Maleachi, genau. Maleachi 3, Vers 23, haben wir schon gesehen.
[23:40] Jetzt, die Juden glaubten, dass diese Prophezeiung in Maleachi 3, Vers 23: "Siehe, ich sende den Propheten Elia, ehe der schreckliche Tag kommt." Die Juden glaubten, dass Elia tatsächlich buchstäblich kommen würde, dass er vom Himmel herabfahren würde, wie auch immer, und dann als der buchstäbliche Elia auftreten würde. Und in dem Sinne konnte er natürlich sagen: "Ich bin es nicht." Ja, die Juden haben tatsächlich, das kann man auch in den außerbiblischen jüdischen Quellen nachschauen, die haben wirklich gedacht und erwartet, dass der tatsächliche, buchstäbliche Elia, der zweite König im Himmel gefahren ist, dass der wiederkommt. Die haben das also buchstäblichst ausgelegt. Und er sagt: "Ich bin es nicht." Aber war er der Elia, ja oder nein? Wo sagt Jesus, dass er der Elia ist? Er sagt es, genau. Ein Beispiel ist Matthäus 11.
[24:31] Ja, genau. Also Matthäus 11, also Jesus sagt, dass Johannes eine der Anwendungen von Elia ist und dass es noch einen weiteren Elia geben wird, das stimmt. Aber schaut in Matthäus 11 und dort Vers 13 und 14. Matthäus 11, Vers 13 und 14, da heißt es: "Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweißt bis hin zu Johannes. Und wenn ihr es annehmen wollt, er ist der Elia, der kommen soll." Also Jesus sagt, ja, er ist eigentlich Elia, aber natürlich in einem geistlichen Sinne.
[25:21] Was war denn die geistliche Aufgabe des Elia, die Johannes ausführen sollte? Was war denn seine, in welchem Sinne sollte er denn der geistliche Elia sein? Reformieren, zurück zu den Vätern, genau. Erinnert euch daran, was bei seiner Geburt gesagt worden ist, in Lukas 1. In Lukas 1 und dort Vers 17.
[25:42] Und dieses Nein von Johannes hat einen doppelten Sinn, werden wir gleich sehen. Also schauen wir den Vers 17 an, in Lukas 1. In Lukas 1, Vers 17 heißt es: "Und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft Elias, um die Herzen der Väter umzuwenden zu den Kindern und die Ungehorsamkeit zur Gesinnung der Gerechten, um dem Herrn ein zugerüstetes Volk zu bereiten." Elia hatte die Aufgabe, der geistliche Elia die Aufgabe, das Volk gemeinschaftlich zu Gott zu führen, zur Bekehrung zu führen.
[26:25] Aber Johannes spricht in diesem Moment nicht zu der Volksmenge, die sich bekehren lässt, die tatsächlich sich taufen lässt. Er spricht in diesem Moment zu den Abgesandten des Sanhedrin, zu den Pharisäern und Sadduzäern, denen er auch gesagt hat: "Schlangenbrut", genauso wie der Volksmenge, die sich aber nicht bekehrt haben. Ihr könnt euch daran erinnern, die Volksmenge hört die Worte "Schlangenbrut" und sie bekehren sich und werden getauft. Die Pharisäer und Sadduzäer hören die Worte "Schlangenbrut" und es passiert gar nichts bei ihnen. Und jetzt, wo sie diese offizielle Delegation schicken, sagt er zu ihnen: "Ich bin nicht Elia."
[27:03] Und Ellen White sagt, und das ist sehr interessant, das war nicht nur gemeint im Sinne: "Ich bin nicht der buchstäbliche Elia", sondern es war auf einer tieferen Ebene auch gemeint: "Für euch bin ich nicht einmal der geistliche Elia." Denn die Aufgabe, die ich habe, die Mission kann sich bei euch nicht erfüllen, weil ihr lasst euch nicht bekehren. Er sagt mit anderen Worten, er verstand, dass er der geistliche Elia ist, aber er verstand auch, dass er nur der geistliche Elia ist, wenn er seine Mission erfüllt. Und wenn diese Menschen sich nicht bekehren wollen, dann ist er für sie nicht der geistliche Elia. "Ich bin es nicht."
[27:39] Und sie fragen weiter nach den Propheten. "Bist du der Prophet?" Worauf spielen sie denn da an? Auf welche Prophezeiung? Das waren ausgebildete Theologen, die wussten, was sie fragen. Sie haben erst gefragt: "Bist du derjenige aus Maleachi 3?" Und er sagt: "Ich bin es nicht." Dann fragen sie: "Bist du derjenige aus... Mose?" Wo im Alten Testament wird ein Mose gesagt? In 5. Mose 18, Vers 15. Dort heißt es, da sagt Mose: "Einen Propheten wie mich wird dir der Gott erwecken aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern, auf ihn sollst du hören."
[28:45] Also mit anderen Worten, die Pharisäer und Sadduzäer kommen hier und sagen: "Bist du derjenige aus Maleachi 3?" Nein. Dann fragen sie: "Bist du derjenige aus 5. Mose 18?" Nein. Und vorher haben sie gefragt, schon impliziert: "Bist du der Christus? Bist du derjenige aus Daniel 9?" Nein. Und ihr könnt euch vorstellen, was sie dann jetzt fragen. Sie sagen: "Ja, wer bist du denn? Was machst du denn hier? Das sind die Prophezeiungen, die wir kennen. Das sind die Prophezeiungen, wir warten auf den Messias, wir warten auf den Propheten, wir warten auf Elia, aber du bist es ja alles nicht. Ja, wer bist du denn?"
[29:19] Und jetzt kommt die Antwort. Schaut mit mir, genau, Johannes 1 und dort Vers 22. Also sie fragen: "Wer bist du denn, damit wir denen Antwort geben, die uns gesandt haben? Was sagst du über dich selbst?" Die Frage nach der Identität wird von ihnen definiert: "Was sagst du über dich selbst?" Und jetzt kommt die Antwort. Die Antwort gibt uns zwei Hinweise. Erstens, sie ist prophetisch und zweitens, sie weist eigentlich auf Christus. Denn die Antwort ist: Er sagt: "Ich bin die Stimme eines Rufenden, die ertönt in der Wüste: Ebnet den Weg des Herrn."
[30:03] Als Johannes nach seiner Identität gefragt ist, sagt er: "Ich habe eine prophetische Identität und meine Identität ist einer direkten Beziehung zu Christus. Ohne Christus mache ich gar keinen Sinn." Das finde ich ein schönes Bild für uns. Wenn wir gefragt werden: "Wer bist du denn? Was ist deine Identität?" Wenn wir als Gemeinde gefragt werden: "Was ist unsere Identität als Gemeinde?" Dann sollten wir genau die gleiche Antwort im Prinzip geben. Wir sind eine prophetische Bewegung. Wir haben eine prophetische Identität, die nur Sinn macht als Vorbereitung auf Christus. Ohne Christus, nimmst du Christus aus der Adventbewegung heraus, sie fällt in sich zusammen, macht keinen Sinn. Eine prophetische Identität, die direkt auf Christus weist. Jesaja 40.
[30:45] Also mit anderen Worten, um das zusammenzufassen: Die Priester fragen: "Bist du der aus Daniel 9?" Nein. "Ja, bist du der aus Maleachi 3?" Nein. "Bist du der aus 5. Mose 18?" Nein. "Ja, wer bist du denn?" "Ich bin der aus Jesaja 40", sagt er. "Ich bin die Stimme eines Rufenden." Aber das ist interessant, weil was würdet ihr denken? Was hätten sie jetzt machen sollen? Sie hätten sagen: "Ah ja, da gab es eine Prophezeiung, die haben wir vergessen. Ich war Jesaja 40."
[31:24] Was steht nochmal in Jesaja 40? Was steht nochmal in Jesaja 40? Außerdem, dass Gott kommen wird, oder? Geht mal zurück in Jesaja 40. Jesaja 40, wir haben das ja schon gelesen. Übrigens, dieses Zitat von Johannes ist das erste Detail im Neuen Testament, das von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, von allen vier erwähnt wird. Die Tatsache, dass er sagt: "Ich bin die Stimme eines Rufenden", findet sich in allen vier Evangelien. Das werden wir im Laufe der Zeit sammeln, was von allen vier berichtet wird.
[31:48] Also Jesaja 40. Genau, das ist ein Hinweis. Wir werden mehrere Dinge sehen, wo alle vier das sagen. Das sind Schlüsselelemente im Evangelium. Also 40 Vers 1: "Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott. Redet zum Herzen Jerusalems und ruft ihr zu, dass ihr Frohendienst vollendet, dass ihre Schuld abgetragen ist, denn sie hat von der Hand des Herrn Zweifaches empfangen für alle ihre Sünden." Und dann in Vers 4: "Jedes Tal soll erhöht und jeder Berg und jeder Hügel erniedrigt werden. Was uneben ist, soll gerade werden. Was hügelig ist, zur Ebene." Das ist dieses Vorbereitungswerk, haben wir ausführlich analysiert. Vers 5: "Und die Herrlichkeit des Herrn wird sich offenbaren und alles Fleisch miteinander wird sie sehen, denn der Mund des Herrn hat es geredet." Die Herrlichkeit des Herrn.
[33:09] Wir sind ja im Johannesevangelium. Kurz zuvor schreibt derselbe Johannes, Johannes 1 Vers 14: "Und das Wort wurde Fleisch und wir sahen seine Herrlichkeit." Die Herrlichkeit. Also bei Johannes hat dieses Zitat nochmal einen ganz neuen Aspekt, weil er das einbaut in seine theologische Abhandlung. "Das Wort wurde Fleisch." Johannes, Jesaja 40 spricht ja auch von dem Wort. Schaut mal in Vers 6: "Er spricht eine Stimme: Verkündige!" Er sprach: "Was soll ich verkündigen?" "Alles Fleisch ist wie Gras und so weiter." Vers 8: "Das Gras ist verdorrt, die Blume ist abgefallen, aber das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit." Und dann in Vers 11: "Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte. Die Lämmer wird er in seinem Arm nehmen und im Bausch seines Gewandes." Aber der Schlüsselvers ist in Vers 9: "Steige auf einen hohen Berg, O Zion, die du frohe Botschaft verkündigst. Erhebe deine Stimme mit Macht, O Jerusalem, die du frohe Botschaft verkündigst. Erhebe sie, fürchte dich nicht. Sage den Städten Judas: Seht, da ist euer Gott!"
[34:10] Also als Jesaja zitiert wird von Johannes, sagt er mit anderen Worten: "Ich bin nicht der Messias, ich bin nicht der Elias, ich bin noch nicht der Prophet, aber ich bin derjenige, der den Weg vorbereitet für Gott selbst." Und jetzt hätten die Pharisäer sagen müssen: "Wow, Prophezeiung erfüllt sich." Übrigens ist ganz interessant, Johannes sagt, ich bin die Stimme, aber Jesus ist das Wort. Johannes war nur eine Stimme, die das Wort Gottes gepredigt hat, aber er ist nicht das Wort, er ist nur die Stimme, er ist eine Stimme, aber Jesus war das Wort.
[34:50] Gut, gehen wir zurück zu Johannes und schauen mal jetzt kurz noch weiter, wie das geht hier. Johannes 1, Vers 24. "Die Gesandten gehörten aber zu den Pharisäern." Ihr wisst, wir haben schon gesprochen über die Pharisäer und die Sadduzäer. Die Pharisäer, das waren die besonders Heiligen. Das Wort kommt eigentlich von dem hebräischen "Parash" und das heißt "abgetrennt". Die waren so heilig, dass sie sich abgetrennt haben von den anderen. Kommt mir nicht zu nahe. Pharisäer, das Wort heißt "Parash" eigentlich im Hebräischen, abgetrennt, abgesondert, die Pharisäer.
[35:23] Und dann Vers 25: "Und sie fragten ihn und sprachen zu ihm: Jetzt kommt was Interessantes: Warum taufst du denn, wenn du nicht der Christus bist, noch Elias, noch der Prophet?" Ihre erste Frage war: "Wer bist du?" Ihre nächste große Frage ist jetzt: "Was tust du da? Warum tust du das? Mit anderen Worten: Wer hat es dir erlaubt?" Identität und Autorität sind die großen Schlüsselideen hier in diesem Abschnitt. Wer bist du und wer hat es dir erlaubt? Wir haben dir nie eine Predigerlizenz gegeben. Du hast nie einen Kurs bei uns gemacht. Warum taufst du?
[36:17] Es scheint so zu sein, also wenn man das anschaut hier, scheint es so zu sein, dass sie zugestanden hätten, wenn er ein Prophet wäre, der hier vorhergesagt ist, dann hätte man das auch ohne Predigerlizenz machen dürfen. So nach dem Motto: Gegen einen echten Propheten ist ja nichts einzuwenden. Deswegen fragen sie: "Wer bist du? Bist du ein Prophet? Bist du der Prophet? Ja, bist du der Prophet aus Maleachi 3?" Nein, bin ich nicht. "Bist du der Prophet aus 5. Mose 18?" Nein, bin ich nicht. Also, warum tust du das?
[36:44] Das Problem ist, Johannes hatte gerade gesagt, dass er ein Prophet ist, oder? Er hatte gesagt: "Ich bin nicht der Prophet aus 5. Mose 18, ich bin nicht der Prophet aus Maleachi 3, aber ich bin der Prophet aus Jesaja 40." Und darauf gehen sie gar nicht ein. Das gemerkt? Zwischen den Zeilen? Sie fragen: "Bist du der?" Nein. "Bist du der?" Nein. "Bist du der?" Nein. "Wer bist du dann?" "Ich bin der aus Jesaja 40." Und dann sagen sie: "Ja, warum machst du das denn, wenn du nicht der, der und der bist?" Sie haben es verstanden, sie haben die Antwort gehört, aber sie ignorieren seine Antwort. Sie sind gar nicht drauf eingegangen.
[37:24] Und das zeigt die Unaufrichtigkeit, denn wenn er wirklich der Prophet aus Jesaja 40 ist, dann hat er auch Recht zu taufen, weil er soll ja den Weg bereiten. Sie haben eine Antwort gewollt, dann haben sie sie gehört und dann zeigt sich, dass sie das gar nicht hören wollten. Stattdessen wollen sie einfach nur ihre Autorität aufstellen. Und das ist interessant, weil das gibt es manchmal wieder auch in unserem Leben, dass Menschen uns hinterfragen und dann die richtige biblische Antwort eigentlich gar nicht hören wollen.
[38:04] Das fand ich sehr interessant. Die Autorität des Propheten wird in Frage gestellt. Sie fragten: "Warum taufst du denn, wenn du nicht der bist?" Und Ellen White sagt, in dem Moment, als seine Autorität in Frage gestellt wird, diesem kritischen Moment, wo jetzt sozusagen in Anführungszeichen die Generalkonferenz des Judentums ihre Delegation schickt und sagt: "Du predigst hier und du taufst hier und wir wissen nichts davon und du bist nicht uns untertan, was soll das?" In dem Moment, sagt sie, hat Johannes über die Volksmenge geschaut und während er schaut, fangen seine Augen an zu leuchten, plötzlich fängt sein Herz an zu schlagen und mit einer großen Emotion ruft er dann aus in Vers 6: "Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser; mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt. Dieser ist es, der nach mir kommt, der vor mir gewesen ist, und ich bin nicht würdig, ihm die Schuhriemen zu lösen."
[39:12] Kommt euch der Satz bekannt vor? Den hat er ständig gesagt, oder? Den haben wir in Matthäus 3 gesehen, in Lukas 3, da hat er immer gesagt, als sie gefragt haben: "Bist du der Christus?" hat er gesagt: "Na, na, ich bin nicht der Christus, ich taufe euch mit Wasser und der nach mir kommt, da wird einer kommen, nicht wahr? Und der wird euch dann taufen mit Feuer und mit dem Heiligen Geist, der kommt bald." Ja, und jetzt sagt er zum ersten Mal: "Er ist da, er ist mitten unter euch." Christus ist ganz, ganz empfohlen, sagt: "Ich taufe mit Wasser, mitten unter euch ist einer, den ihr nicht kennt."
[39:49] Und Ellen White sagt, und ich denke, das ist sehr nachvollziehbar, Johannes hatte in dem Moment gehofft, dass Jesus sagt: "Ja, ich bin es, ich bin es, ich bin der Messias", weil das wäre für Johannes ja auch ganz angenehm gewesen, hätte er sagen können: "Ich habe meine Aufgabe erfüllt, jetzt schlagt euch mit ihm rum." Aber das wäre das normalste auf der Welt gewesen, würde man doch denken, jetzt, wenn Johannes sagt: "Der Messias ist da" und der Messias sagt: "Ja, ich bin es hier." Aber Jesus sagt gar nichts. Er ist völlig still. Er beobachtet. Er beobachtet, wie die Führer seines eigenen Volkes den Propheten in die Mangel nehmen und er sagt gar nichts und er tut so, als ob er gar keine bedeutende Figur wäre.
[40:41] Sie sagt, die Pharisäer und Sadduzäer haben sich umgeschaut, wer könnte das denn sein und sie haben nur Fischermänner und Bauern und Zimmermann gesehen. Hier scheint keiner zu sein, vollkommen untergegangen in der Masse. Das ist übrigens nach der Taufe und nach der Versuchung, nachdem er gerade den Teufel besiegt hat. Also, ich glaube, wahrscheinlich jeder andere Mensch hätte doch zumindest irgendwie jetzt so ein bisschen Stolz verspürt und gesagt: "Schau mal, ich habe gerade den Teufel besiegt, ich habe gerade die Sünde von Adam und Eva wieder gut gemacht, ich habe gerade etwas wirklich Weltbewegendes getan." Er sagt nicht eine einzige Sache über sich und das zeigt die unfassbare Demut. Er hat gerade die Gelegenheit vor der Delegation des Sanhedrin zum Messias ausgerufen zu werden und er weist nicht auf sich selbst hin.
[41:51] Also wir werden sehen, das nächste Mal, es bedarf eines direkten Fingerzeigs von Johannes, um ihn als Messias zu identifizieren. Er wird sich nicht selbst aufdrängen und das finde ich sehr, sehr interessant. Als der Konflikt zwischen dem Sanhedrin und Johannes dem Täufer jetzt zu kochen beginnt, ist Jesus bereits da. Sein erster Tag sozusagen im Amt, jetzt nachdem sozusagen die ersten wesentlichen Dinge geklärt sind, das erste was er sieht ist, sein eigenes Volk bekämpft die prophetische Botschaft von Anfang an und naja, sehr interessant.
[42:43] Übrigens, diese Aussage: "Dieser ist es, der nach mir kommt, der vor mir gewesen ist und ich bin nicht würdig, ihm die Schuhriemen zu lösen", ist das zweite Detail, das in Matthäus, Markus, Lukas und Johannes überall erwähnt wird. Diese Aussage von Johannes, auch wenn sie zu verschiedenen Zeiten geschieht. Jesus ist so viel größer als ich, man kann ihn nicht mal mit mir vergleichen. Das heißt, als er gefragt wird nach seiner Identität, er sagt: "Ich habe eine prophetische Identität und sie bezieht sich auf Christus." Als er gefragt wird nach seiner Autorität, da sagt er nicht: "Hey, ich bin Prophet und ich mache hier, was ich denke und jetzt hört mal gut zu, wer seid ihr überhaupt, dass ihr mir das verbietet?" Er sagt: "Christus, schaut mal da, Christus, Christus, Christus, Christus."
[43:25] Ich denke, das ist deswegen ein wichtiges Thema, weil wir auch heute immer wieder solche Konflikte haben können, dass auch innergemeindlich vielleicht der eine oder andere denkt, er muss besondere Kontrolle ausüben und das passiert immer wieder auf allen Ebenen, von der Ortsgemeinde bis sonst wo, dass sich so königliche Macht oder der Versuch nach königlicher Macht einstellt, dass man alles kontrollieren möchte. Dann gibt es manche, die lassen sich einfach kontrollieren und sagen: "Naja, wenn Bruder X mir das verbietet, dann darf ich halt nicht, dann bin ich aber ruhig." Und dann gibt es andere, die sagen: "Wie kannst du mir das verbieten? Wie kannst du nur? Wer bist du überhaupt? Ja, ich mache jetzt erst recht." Aber Johannes, als er in dieser kritischen Situation nach seiner Autorität gefragt ist, da sagt er: "Hey, schaut mal, das ist Jesus." Er lenkt von sich ab, er lenkt eigentlich von der Frage im Prinzip auch ab, weil er sagt: "Das ist vollkommen unwichtig, meine Autorität. Es gibt etwas viel Wichtigeres, schaut mal, Jesus ist mitten unter euch. Schaut weg von mir, ich bin ganz unwichtig, ob ich jetzt tot umfalle oder nicht, das spielt im Halt von keiner Rolle. Jesus ist da, schaut auf Jesus."
[44:27] Ich glaube, davon kann man ganz, ganz viel lernen in Gemeindekonflikten. Wenn man das Gefühl hat, man wird irgendwie ungerechtfertigt behandelt, unrechtmäßig verfolgt oder bedrückt, einfach auf Jesus weisen. Ganz genau. In seiner Identität und seiner Autorität hat er sich auf Christus bezogen. Mit anderen Worten, wir als Adventvolk, die wir uns als zweiter oder dritter Elia verstehen, beziehen unsere Identität prophetisch aus Christus und unsere Autorität aus Christus. Wenn wir nicht mehr auf Christus weisen, haben wir auch keine Autorität. Aber weil wir auf Christus weisen, haben wir Autorität und zwar auf den Christus, auf den wahren Christus, der jetzt wirklich dort ist im Allerheiligsten. Das ist unsere Autorität, nicht irgendwas, was in uns selbst liegt, was wir jetzt selbst verteidigen müssen. Christus ist unsere Autorität, Christus ist unsere Identität und das kann man wirklich aus dieser Geschichte sehr deutlich lernen.
[45:36] Nun, bevor wir zum Schluss kommen, ein letzter Gedanke hier noch. Die Pharisäer haben den Messias nicht erkannt und weil sie den Messias nicht erkannt haben, haben sie auch die Autorität von Johannes nicht anerkannt. Wenn also Menschen die Autorität der Gemeinde anerkennen sollen, müssen sie erst die Autorität Jesu erkennen. Wisst ihr, wer noch irgendwann mal sagt: "Ihr betet jemanden an, den ihr nicht kennt"? Wer sagt das noch im Neuen Testament? "Ihr betet zu jemandem, den ihr nicht kennt." Paulus. Zu wem sagt er das? Zu den Griechen in Athen. Er sagt: "Ich gehe hier durch Athen und ich sehe den Altar zum unbekannten Gott. Ihr betet jemanden an, den ihr nicht kennt."
[46:29] Jetzt haben die Juden zu Gott gebetet, ja oder nein? Klar, sie haben zu ihrem Bundesgott gebetet, zu dem Gott des Alten Testaments, der zu Mose gesprochen hat und zu den Propheten. Wer war denn das? Das war Jesus. Das ist der Punkt, den er macht. Er sagt: "Ihr kennt euren eigenen Gott nicht. Dem Messias, Gott ist mitten unter euch, Gott ist mit euch und ihr kennt ihn nicht." Johannes 1 sagt es ja in Vers 10: "Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, doch die Welt erkannte ihn nicht." Vers 11: "Er kam in sein Eigentum und die Seinen nahmen ihn nicht auf." Sie kannten ihn nicht, weil sie so unterschiedlich waren. Sie wollten Autorität und Macht und Kontrolle, sie wollten bestimmen.
[47:16] Jesus war zufrieden, wenn er einfach ein Jünger von Johannes sein konnte. Das muss man sich mal vorstellen. Der gibt einfach vor, ein Jünger von Johannes zu sein und macht nicht die geringsten Anstalten, auf sich irgendwie hinzuweisen. Das ist der König, den wir dienen. Einer, der ganz zufrieden ist, wenn niemand ihn bemerkt. Und deswegen sagt er ja, wer der Größte unter euch sein soll, sei aller Diener. Die Letzten werden die Ersten sein und hier ist wirklich jemand, der wirklich eigentlich der Erste ist und der so handelt, als ob er der Letzte wäre. Unbedeutend. Das ist der König, den wir dienen.
[48:06] Und ich glaube, wir alle neigen naturgemäß eher zur Haltung des Sanhedrin. Wir wollen ein bisschen kontrollieren. Wir wollen, dass es so läuft, wie wir das möchten. Aber die große Herausforderung in diesem Abschnitt ist, dass wir lernen, von Johannes auf Jesus zu blicken. Nicht so zu sein wie die Pharisäer, sondern so wie Jesus. So wie Jesus zu sein. Das ist der erste Tag, der hier berichtet wird, nachdem Jesus wieder auftritt, Auftritt in Anführungsstrichen, nach der ganzen Wüstenerfahrung. Das Erste, was wir von ihm lernen ist: Er hat überhaupt sich nicht darum gekümmert, dass ihn niemand bemerkt. Deswegen spricht die Bibel so viel davon, dass wir, wenn wir etwas tun für Gott, uns nicht darum Gedanken machen, ob das jemand jetzt mitbekommt. Jesus war damit zufrieden, einfach so der zu sein, der er war, zu Gottes Ehre. Und in dem Sinne kann man einiges von ihm lernen.
[49:04] Letzter Vers noch, Vers 28. "Dies geschah in Bethabara, jenseits des Jordan, wo Johannes taufte." Wenn ihr keine Schlachter habt, dann steht vor euch vielleicht ein anderer Ort: Bethany. Das liegt daran, dass die Manuskripte unterschiedliche Varianten haben. Einige sagen Bethany, einige sagen Bethabara, einige sagen Betaraba. Und man kann keinen von diesen Orten archäologisch finden. Deswegen gibt es etwas Konfusion. Wenn es Bethany wäre, dann wäre es auf jeden Fall nicht das Bethany, was man aus dem Evangelium sonst kennt, von Maria und Lazarus, weil dieser Ort ist am Ostufer des Jordan. Aber es gibt doch einen Hinweis darauf, dass es sich wahrscheinlich um Bethabara handelt.
[49:55] Einmal gibt es einen Bibelforscher in Richter 7, Vers 24, wo es diesen Ort gibt, Bethabara. Diesen Bibelforscher gibt es in Richter 7, Vers 24, wo es einen Ort gibt, Bethabara. Und Ellen White sagt auch, es war in Bethabara. Und zwar war es ein Ort, der in der Nähe war von der Stelle, wo sich der Jordan damals geteilt hatte, in der Nähe von Jericho. Und sie sagt, dass als die Menschen dort hinkamen, haben sie sich dann daran erinnert, wie anderthalb Jahrtausende vorher ihre Vorfahren dort durch den Jordan marschiert sind und Jericho eingenommen haben. Und als Johannes dort in der Nähe gepredigt hat, war das natürlich etwas, was sie daran erinnert hat. Wow, es passiert wieder was, so wie damals.
[50:42] Und naja, nächstes Mal schauen wir uns den nächsten Tag an. Am nächsten Tag kommt Jesus wieder, ganz unauffällig, wieder als Jünger von Johannes. Aber diesmal ist Johannes dann etwas deutlicher. Und wir werden sehen, wie Jesus offenbar wird. Für heute können wir lernen, so zu sein wie Jesus. Zufrieden zu sein, wenn einen keiner bemerkt. Das ist eine ganz tiefe Lektion.
[51:13] Wollen wir noch gemeinsam niederknien und beten? Lieber Vater, hab Dank, dass wir dein Wort lesen konnten. Hab Dank, dass dein Evangelium so interessante Lektionen bereithält, die uns auch für den Alltag wirklich helfen. Die uns auch helfen, wenn wir Konflikte in der Gemeinde oder außerhalb der Gemeinde haben. Gib, dass wir diese Einstellung von Johannes haben, unsere Identität und unsere Autorität allein von dir abzuleiten. Uns nicht auf Streit und Konflikt einzulassen, sondern immer auf dich zu weisen und dein Wort hochzuhalten. Hab Dank für diese Verse, die wir lesen konnten. Und gib, dass wir von Jesus lernen können, zufrieden zu sein mit dem, wo du uns hinstellst. Nicht auf uns selbst hinzuweisen. All das bitten wir in seinem kostbaren und teuren Namen. Amen.