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In dieser Predigt wird die Begegnung Jesu mit den ersten Jüngern im Johannesevangelium beleuchtet. Christopher Kramp erklärt, wie Johannes der Täufer auf Jesus hinweist und wie die Jünger Andreas und Johannes daraufhin Jesus nachfolgen. Die Predigt betont die Bedeutung des Zuhörens, des richtigen Moments für Worte und der tiefen Sehnsucht nach einer persönlichen Beziehung zu Jesus. Es wird gezeigt, wie diese ersten Jünger, trotz anfänglichen Unverständnisses, durch ihre Bereitschaft, Jesus kennenzulernen, zu den ersten Missionaren wurden und wie Jesus ihre Identität und Zukunft erkannte.

In dieser Predigt wird die erste Begegnung von Jesus mit seinen Jüngern im Johannesevangelium beleuchtet. Christopher Kramp erklärt, wie die ersten Jünger durch die Botschaft von Johannes dem Täufer zu Jesus geführt wurden und wie ihre eigene Suche nach tieferer Erkenntnis sie dazu brachte, ihm nachzufolgen. Die Predigt betont die Bedeutung von persönlicher Beziehung zu Jesus und wie diese Begegnung zu einer tiefgreifenden Veränderung führt, die auch andere zu ihm bringt.


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Serie: Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus

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Transkript

[0:30] Hallo und herzlich willkommen zu unserer Serie "Der Ersehnte". Schön, dass ihr eingeschaltet habt auf joelmedia.de und schön, dass ihr da seid und dass wir gemeinsam die nächste Folge unseres Studiums des Lebens Jesu gemeinsam betrachten können. Heute wollen wir uns vor allem weiter im Johannes-Evangelium aufhalten, Johannes 1. Wir sind ja mittendrin in den ersten Tagen, nachdem Jesus aus der Wüste wieder hervorkam und jetzt dort von Johannes dem Täufer als der Messias identifiziert worden ist. Letzte Woche haben wir das genau angeschaut und heute wollen wir einen Schritt weiter gehen. Bevor wir beginnen, nach unserer guten Gewohnheit, wollen wir, wo es möglich ist, niederknien für ein Anfangsgebet. Dazu lade ich euch ein.

[1:25] Lieber Vater im Himmel, wir danken dir. Wir danken dir, dass wir zu dir kommen können. Wir danken dir, dass du uns hörst und dass mit all unseren Sorgen und Nöten, mit unseren Gedanken und Problemen, mit unseren Freuden, mit allem, was wir an diesem Tag erlebt haben, wir zu dir kommen können jetzt und dich bitten dürfen, dass du zu uns sprichst, dass du durch dein Wort uns Trost und Hoffnung, Stärkung und Kraft verleihen möchtest, dass wir neue Einsichten bekommen in dein Wesen und dass wir dich noch mehr lieben lernen. Wir möchten dich bitten von ganzem Herzen, dass du mit deinem Heiligen Geist gegenwärtig bist, dass du zu uns sprichst und dass dein Wort uns Klarheit verschafft über die Punkte, die wichtig sind für unser Leben heute. Sei du unser vornehmster Gast, sei du unser Lehrer und halte alle Störende fern. Im Namen Jesu, Amen.

[2:23] Johannes Kapitel 1. Ihr erinnert euch, wir haben gesagt, Johannes Kapitel 1 ist so ein ganz außergewöhnliches Kapitel, wo die Menschwerdung Jesu fast so ein bisschen literarisch dargestellt ist. Das geht los mit "Am Anfang war das Wort". Dann geht das so in fast in Zyklen, so in Kreisbewegung, kommt das immer näher der Erde. Irgendwann trifft dann quasi die Erde, als Johannes der Täufer dort steht und sagt: "Er steht mitten unter euch." Und dann haben wir letzte Woche gesehen, einen Tag darauf, am zweiten Tag dieser Geschichtenreihe, da sieht Johannes der Täufer den Jesus auf sich zukommen und er ruft: "Siehe, das Lamm Gottes!" Wir haben gesehen, wie das so ganz zentral bei dieser Gedanke und wie er dargestellt hat, dass er weiß, dass es der Messias ist, weil Gott ihm gesagt hat, auf wen du den – ja, was war eigentlich das Zeichen nochmal, woran er wusste, dass Jesus der Messias ist? Der Geist Gottes, auf wen du den Geist Gottes herabkommen siehst. Und dann hat er gesagt: "Das ist der, von dem ich gepredigt habe." Und dann haben wir letztes Mal schon angefangen, den dritten Tag uns zu betrachten. Noch einen Tag später, da sagt Johannes noch einmal: "Siehe, das Lamm Gottes." Aber diesmal berichtet uns der Evangelist Johannes nicht nur von dem Johannes dem Täufer und von Jesus, sondern noch von wem noch?

[3:54] In Vers 35 und 36. Da stehen zwei Jünger. Das sind Jünger von Johannes dem Täufer. Zwei Jünger stehen daneben und hören es. Und wir haben gesagt, wer diese beiden Jünger sind. Der eine ist Andreas und der andere ist Johannes, der Evangelist, der davon berichtet, der jetzt selbst ganz unscheinbar, so man merkt es gar nicht richtig, in die Geschichte jetzt mit eintaucht, mit dabei ist. Und an der Stelle wollen wir weitermachen in Vers 37. In Johannes 1 und dort Vers 37 lesen wir: "Und die beiden Jünger hörten ihn reden und folgten Jesus nach." Was für ein einfacher Vers und was für ein gewaltiger Vers. Der Bengel – also nicht das Schimpfwort für einen kleinen Jungen, sondern der große deutsche Theologe, der hier aus Württemberg – der hat gesagt, dieser Vers ist der Beginn der christlichen Kirche. Das waren die ersten beiden Christen, die ersten beiden, die Jesus Christus nachfolgten. Die christliche Kirche begann damit, dass jemand rief: "Siehe, das Lamm Gottes" und zwei Menschen hörten und folgten Jesus nach. So simpel. Sie hörten und folgten Jesus nach.

[5:39] Übrigens, dieses Prinzip lässt sich sehr schön illustrieren. Schaut mal mit mir ein paar Bibeltexte an. Zunächst mal in Römer 10, Vers 17. Die ersten beiden Jünger hat Jesus nicht angeworben. Die sind ihm quasi – ich will nicht sagen zugelaufen. Man sagt ja bei Hunden oder Katzen, die sind ihm zugelaufen. Aber die kamen durch einen Prediger zu Jesus. In Römer 10, Vers 17, da kennt ihr wahrscheinlich diesen Vers, da heißt es: "Demnach kommt der Glaube aus der Predigt oder aus der Verkündigung, und die Verkündigung aber aus dem Wort Gottes, durch das Wort Gottes." Hier war jemand, der predigte das Wort Gottes zur richtigen Zeit, am richtigen Ort und wies auf Jesus, und das führte dazu, dass Menschen Jesus nachfolgen. Dieser Vers ist eigentlich das Idealbild einer Predigt, das Idealbild einer Bibelstunde, das Idealbild eines Gesprächs mit einem Nachbarn. Wann immer wir das Wort Gottes sagen, sollten wir das Ziel haben, dass die Menschen danach Jesus nachfolgen. Johannes der Täufer hatte ein Ziel: Er wollte, dass die Menschen nicht ihm nachfolgen, sondern Jesus.

[6:58] Schaut mal in Sprüche 15. Sprüche 15 und dort Vers 23. Sprüche 15 und dort Vers 23. Sprüche 15 und dort Vers 23. "Es freut einen Mann, wenn sein Mund eine richtige Antwort geben kann, und wie gut ist ein Wort, das zur rechten Zeit gesprochen wird." Die Geschichte, die wir lesen von Johannes und den beiden Jüngern ist genau das: ein gutes Wort zur rechten Zeit. Gerade in dem Moment, wo Jesus an ihnen vorbeiging, hat Johannes gesagt: "Siehe, das Lamm Gottes." Er hat den richtigen Moment abgewartet. Und das ist etwas, was wir lernen müssen in unserem Leben: den richtigen Moment abzuwarten für das richtige Wort zur richtigen Zeit. Manchmal sagen wir die richtigen Worte zur falschen Zeit. Man kann die Wahrheit zu einem falschen Zeitpunkt sagen und dann macht sie mehr Schaden als Gutes. Und man denkt sich: "Ich habe doch die Wahrheit gesagt." Und manchmal sagt man sogar Dinge, die sind gar nicht die Wahrheit oder gar nicht gut. Das ist noch schlimmer. Aber der Punkt ist: ein Wort, das zur rechten Zeit gesprochen ist, und das war so ein Beispiel.

[8:44] Nun, glaubten Johannes und Andreas die Worte wirklich bis ins Letzte verstanden, die der Johannes da gesagt hat? "Siehe, das Lamm Gottes." Haben das richtig begriffen? Bestimmt nicht. Wir wissen das deswegen, weil selbst Johannes der Täufer, der Prediger selbst, das nicht mal ganz richtig verstanden hat. Er hat selbst später im Gefängnis dann gesagt: "Naja, also ich dachte, du bist der Messias. Bist du es jetzt oder nicht?" Er selbst hatte, obwohl er ein besseres und tieferes Verständnis hatte, noch kein vollkommenes Verständnis. Wie viel weniger seine Jünger! Und obwohl sie die Worte nicht ganz begriffen haben, waren sie doch innerlich so sehr bewegt, um zu Jesus zu gehen. Auch das ist ein interessanter Punkt. Das heißt, wir müssen die biblische Botschaft nicht bis ins Letzte immer genau verstehen, um Jesus nachfolgen zu können.

[9:37] Ich gebe euch ein Beispiel. Als ihr zum ersten Mal wirklich den Glauben kennengelernt habt oder dann entdeckt habt für euch selbst, wenn ihr in der Gemeinde aufgewachsen seid, müsst ihr doch zugeben, als ihr zum ersten Mal Jesus lieben gelernt habt, da habt ihr vieles in der Bibel noch nicht so gut verstanden wie heute, oder? Man hört irgendwas von der Dreifachen Engelsbotschaft, man hört irgendwas von der Wiederkunft, und man hat das kaum richtig begriffen. Man kann vielleicht viele Daten gar nicht ausrechnen, man versteht es gar nicht richtig. Aber das ist so eine Kraft in den Worten, die einen zu Jesus zieht. Und das ist ein Beweis dafür, dass das Evangelium mehr ist als einfach nur Theorie und Fakten. Das ist eine Kraft in den Worten, die mich selbst dann rettet, wenn ich die Worte gar nicht bis ins Letzte verstehe. Natürlich, so ein bisschen versteht man schon. Aber Gottes Wortes kann man sie ohnehin nicht bis ins Letzte verstehen.

[10:26] Es war also eine – was war das für eine Botschaft, die die Jünger zu Jesus gebracht hat? Wie würdet ihr die Botschaft beschreiben? Es war eine prophetische Botschaft. Eine prophetische Botschaft. Was könnte man noch sagen? Es war eine prophetische Botschaft, die noch ein Kennzeichen dieser Botschaft, weil wir wollen ja von Johannes dem Täufer lernen, wir wollen ja wissen, was für eine Botschaft bringt Menschen zu Jesus. Genau, es war das Evangelium in der Prophetie. Er hat nicht gesagt, einfach "Das ist euer Erlöser", er hat gesagt: "Das ist das Lamm Gottes." Prophetisch, weil Jesaja 53, typologisch, weil 1. Mose 22, im Heiligtumsdienst verankert, wegen den Opfern. Eine prophetische, typologische, im Heiligtumsdienst verankerte Botschaft von Jesus.

[11:25] Frage: Haben wir auch eine Botschaft? Eine prophetische, typologische, im Heiligtumsdienst verankerte Botschaft von Jesus? Und wenn ja, was wäre das für eine Botschaft? Ja, Matthäus 28, der Missionsbefehl, genau. Haben wir noch eine Idee? Eine prophetische Botschaft von Jesus, die im Heiligtum verankert ist? Okay, ja, wir haben mit Ellen White eine Prophetin, die das Ganze sehr unterstützt. Was wolltest du sagen? Die Dreifache Engelsbotschaft, oder? Die Dreifache Engelsbotschaft ist prophetisch, da geht es um das Mahnzeichen, das Tier und das Bild des Tieres. Da geht es um das Heiligtum, denn "die Stunde seines Gerichts ist gekommen." Da geht es um Typologie: Babylon damals, Babylon heute. Und im Zentrum der Dreifachen Engelsbotschaft ist Jesus. Jesus, der wiederkommende König, Jesus, der Glaube, Jesus, die Gesetze, die Gebote Jesu und so weiter und so fort.

[12:28] Das heißt, so wie damals Johannes der Täufer die Botschaft predigt: "Siehe, das Lamm Gottes" und Menschen, die das kaum richtig erfassen, zu Jesus gezogen werden durch die Kraft der Botschaft, so sollen wir die Dreifache Engelsbotschaft predigen, selbst wenn wir nicht jedes Datum immer sofort ausrechnen können, weil die Menschen durch diese Botschaft, wie durch eine göttliche Kraft gezogen, zu Jesus gebracht werden. Und das, glaube ich, ist ein sehr wichtiger Punkt.

[12:54] Übrigens, wie viele Leute standen da bei Johannes dem Täufer? Was würdet ihr schätzen? Ja, vielleicht tausende, vielleicht hunderte, vielleicht zehntausende, auf jeden Fall eine große Menge. Und alle haben gehört, dass Johannes gepredigt hat: "Siehe, das Lamm Gottes." Und wie viele haben dann tatsächlich einen Schritt gewagt? Zwei. Das waren alles getaufte Leute, interessanterweise. Das waren alles Leute, die Tag ein, Tag aus zu Johannes kamen, weil sie an Prophetie interessiert waren und weil sie die Botschaft Gottes liebten und weil sie mit dem Zustand der Gemeinde unzufrieden waren. Das waren alles Leute, wo wir sagen: "Hey, das wären gute Leute für die Gemeinde." Aber nur zwei von all denen haben den Prediger verlassen, um der Predigt zu folgen. Nur zwei waren so sehr an der Wahrheit interessiert, dass sie sogar den Prediger der Wahrheit verlassen haben, um der Wahrheit zu folgen. Ich glaube, heute haben wir dasselbe Problem, dass ganz viele sich für die Wahrheit interessieren, ganz viele sich für Prophetie und Endzeit und so weiter, das Evangelium interessieren, aber nie weiter gehen als ihr Lieblingsprediger und immer an seinen Lippen kleben oder immer an dem, was ein anderer darüber sagt, aber nicht diesen Schritt wagen, tatsächlich Jesus selbst zu folgen.

[14:33] Na ja, gehen wir weiter in Johannes 1 und dort lesen wir Vers 38. Sie folgen Jesus nach. Ellen White sagt, sie wollten so unbedingt mit ihm reden. Kennt ihr das, wenn ihr unbedingt mit ihm reden wollt und ihr traut euch nicht, ihn anzusprechen? Man hat tausend Fragen, aber die Situation ist irgendwie so, man traut sich nicht zu reden. Sie sagt, sie sind still versunken gewesen: "Könnte das der Messias sein?" Und dann heißt es in Vers 38: "Als aber Jesus sich umwandte..." Also der geht und geht und hinter ihm gehen diese beiden Jünger, die gehen und sie folgen ihm und er dreht sich um und es heißt hier: "Er sah sie an." Und als aber Jesus sich umwandte und sie nachfolgen sah – das Griechische heißt eigentlich: Er schaute sie genau an. Also nicht so: "Oh, was macht ihr denn hier?" Er schaute sie genau an, als ob er sie studiert hat. So, wenn man genau angeschaut wird. Und dann stellt er eine einfache Frage. Was ist seine Frage? "Was sucht ihr?" Das ist doch merkwürdig, oder? Da laufen zwei Menschen ihm hinterher und er fragt: "Was sucht ihr?"

[15:58] Es gibt in der Bibel mehrere Fragen, das sind so existenzielle Fragen. Kennt ihr noch andere existenzielle Fragen in der Bibel? "Wo bist du?" wird der Adam gefragt. Und "Wer bist du?" wird Johannes der Täufer gefragt. Und "Wo ist dein Bruder?" fragt Kain. Oder "Was ist Wahrheit?" wird Jesus gefragt von Pontius Pilatus. Und hier fragt Jesus diese ersten beiden Jünger: "Was suchst du?" Interessant. Was hätte er normalerweise auch fragen können? Was hättet ihr wahrscheinlich gefragt? Warum hat er nicht gefragt: "Wer seid ihr?" Er wusste es. Das kommt dann später in der Geschichte mit Simon deutlich. Er weiß sowieso, wer sie sind. Er hätte auch fragen können: "Wen sucht ihr?" Oder? Er hat nicht gefragt: "Wen sucht ihr?", sondern "Was sucht ihr?" Und warum hat er das gefragt? Was meint ihr? Wollt ihr unhöflich sein? Warum fragt er: "Was sucht ihr?"

[17:01] Er stellt Fragen, dass wir uns selbst reflektieren. Wie oft passiert es, dass wir einfach sagen: "Die Predigt war beeindruckend, die Predigt war aufrüttelnd. Man hat das Gefühl, man muss Jesus folgen. Jesus, ich will dir folgen." Und dann fragt uns Jesus: "Was suchst du eigentlich? Was willst du eigentlich damit erreichen? Willst du mir nachfolgen, weil jemand anders sich dazu gedrängt hat? Willst du mir nachfolgen, weil du vielleicht Angst hast, sonst was zu verpassen? Was ist die Motivation? Was suchst du? Suchst du einfach ein schöneres Leben? Suchst du mehr Freunde in einer Gemeinde, wo du einfach sozusagen einen Club hast, mit dem du dich vergleichen kannst? Was suchst du, wenn du mir nachfolgst?" Ist die Frage.

[17:55] Und jetzt schaut mal, was sie sagen. Sie sagen nicht: "Wir suchen ein ewiges Leben." Sie sagen auch nicht: "Wir suchen ein schönes Haus." Sie sagen auch nicht einmal: "Wir möchten gerne einen Abschluss in Theologie haben." Sondern was sagen sie? Genau: "Rabbi", das heißt übersetzt, "Lehrer, wo wohnst du?" Also, halt mal fest, er fragt: "Was suchst du? Was sucht ihr?" Und was machen sie mit ihrer Gegenfrage deutlich? Woran sind sie interessiert? Ja, also sind sie wirklich an seinem Haus interessiert, wo er wohnt? Sie sind interessiert an ihm. "Wo wohnst du?" Also mit anderen Worten, stellt euch vor, zwei Leute folgen euch. Ja, also nehmen wir mal an, da kommen zwei Leute und ihr fragt: "Was sucht ihr?" Und die sagen dann: "Wo wohnst du?" Wir werden das gleich nach und nach erklären, aber erst mal versuchen, den Grundgedanken zu verstehen. Auf die Frage: "Was suchst du?", antworten sie: "Sie suchen eine Person, sie suchen etwas, was ihn betrifft. Sie haben Interesse an ihm."

[19:30] Jetzt, erste Frage: Warum nennen sie ihn Rabbi? Wir werden das jetzt Stück für Stück besser verstehen. Rabbi, das steht ja, der Johannes macht das ganz oft, er sagt: "Das heißt übersetzt das und das." Der Johannes gibt uns immer gleich die Übersetzung mit. Rabbi heißt Lehrer. Interessanterweise, jetzt Lehrer hat heute, je nachdem, ob man gerne zur Schule gegangen ist oder nicht, eine ambivalente Bedeutung. Das Wort kommt eigentlich vom Hebräischen. Das Hebräische heißt "Rab" und "Rab" heißt einfach groß. Das ist das generelle Wort für groß. Und "i" am Ende heißt einfach, das ist so quasi erste Person, meins, mein Großer, mein Großer. Also die Idee ist nicht einfach: "Du bist ein Lehrer, du weißt was", sondern so ein Gigant. "Du weißt mehr als ich, du bist ein Großer." Es ist natürlich ein Übertragen im Sinne von: "Du hast gewaltiges Wissen, du bist ein Großer, du bist mein Großer."

[20:37] Das sowieso. Damit soll immer deutlich gemacht werden, das Wort Lehrer damals hatte einen viel mehr Respekt, als es heute hat. So was wie Meister. Genau. So was wie, du bist fast so was wie Guru oder so. Jemand, der höher steht als man selbst, zu dem man aufschaut. Ein Lehrer, von dem man etwas lernen möchte. Wenn an einem Rabbi folgte, dann ging man nicht wie heute ein Student in die Universität und sagt: "Naja, jetzt schauen wir mal an, was er zu sagen hat, und wenn es mir nicht gefällt, unterbreche ich ihn und sage: 'Hey, das ist aber falsch, was du sagst.'" Oder noch schlimmer, die Schüler in den Schulen, die Rabatz da machen. Sondern ein Schüler, der damals einem Rabbi, einem Großen folgte, der folgte ihm. Und wenn der Rabbi sich setzte, setzte er sich zu den Füßen und hörte zu. Egal, was er sagt, er schreibt einfach mit. Egal, was er sagt, er schreibt mit, er hört zu. Deswegen gibt es dieses Bild, wo die Maria zu den Füßen von Jesus sitzt. Der Paulus sagt, dass er zu den Füßen von Gamaliel erzogen worden ist. Der Paulus saß nicht in der Klasse, hat ständig gestört, der hat zugehört. Was sagt Gamaliel? Er hat das aufgesogen. Das war diese Einstellung, die sie hatten.

[21:57] Sie haben gesagt: "Wir wollen jetzt dich als unseren Rabbi haben." Johannes den Täufer haben wir schon gehört, finden wir toll, aber wir glauben, dass du noch mehr zu sagen hast als Johannes der Täufer. Johannes der Täufer war der bekannteste Prediger Israels. Jeder kannte den, und das war mit Abstand, mal abgesehen von Jesus, auch der geistlichste. Und trotzdem haben sie gemerkt: Es gibt etwas zu lernen von Jesus direkt. Etwas, was ich nicht einmal lerne, wenn ich immer dem besten Prediger zuhöre.

[22:24] Und jetzt standen die da, irgendwo auf dem Feldweg. Jetzt denkt man scharf nach. Die stehen da irgendwo auf dem Feldweg, irgendwo halb an der Wüste am Jordan. Jesus hat sich umgedreht und sagt: "Sie sagen Rabbi." Damit sagen sie: "Du bist unser Lehrer, wir würden gerne deine Worte hören." Jetzt, wie angenehm ist das, wenn man jetzt gerade zwischen Tür und Angel auf dem Feldweg steht? Nicht so wirklich, oder? Das ist nicht so das Setting, wo man jetzt gerne ein Lehrgespräch hat. Was sie sagen ist: "Wir würden gerne richtig lange von dir lernen. Wir würden uns gerne richtig Zeit nehmen. Wir würden gerne nicht mal nur kurz 15 Minuten eine Abhandlung, was ist das Evangelium, in zehn Minuten schnell erklärt. Wir würden gerne dir richtig viele Fragen stellen. Wir würden gerne richtig dich kennenlernen. Wo wohnst du?"

[23:27] "Wir möchten zu dir nach Hause, weil wir möchten nicht einfach schnell hier eine Erklärung bekommen, das ist das Evangelium, sondern wir möchten Zeit mit dir verbringen. Wir möchten dich kennenlernen, denn wo kann man jemanden besser kennenlernen, als bei ihm zu Hause? Wenn er jemanden richtig kennenlernen wollt, geht zu ihm nach Hause. Wenn der Pastor zu einer neuen Gemeinde kommt und seine Schäfchen kennenlernen möchte, dann besucht er sie zu Hause, weil in der Gemeinde mag alles gut sein. Wenn man nach Hause kommt, dann sieht man, so sieht es zu Hause aus. Richtig kennenlernen."

[24:07] Sie wollten ihn richtig kennenlernen. Ellen White sagt dazu: "Sie wollten eben nicht nur auf dem Weg schnell was hören, sie wollten richtig stundenlang Zeit mit ihm verbringen." Ich frage mich, ob wir nicht was davon lernen können. Wann war das letzte Mal, dass wir uns gefragt haben: "Ich würde gerne so richtig stundenlang Zeit mit Jesus verbringen." Nicht schnell auf dem Weg, noch schnell eine Andachttext lesen. Zeit mit Jesus verbringen.

[24:41] Na ja, schau mal mit mir in Sprüche 8, Vers 34. Da geht es um die Weisheit. Und ihr wisst, die Weisheit im Alten Testament ist ein Symbol für wen? Für Jesus. Erst die Weisheit, und da heißt es über die Weisheit hier in Vers 34: "Wohl dem Menschen, der auf mich hört, indem er täglich an meiner Pforte wacht und die Pfosten meiner Türen hütet." In anderen Worten, glückselig ist der Mensch, der zur Weisheit nach Hause geht, der die Weisheit nicht nur flüchtig mal anspricht, sondern der sich wirklich zur Weisheit begibt. Und da könnte man noch mehr Texte zu anfügen, machen wir jetzt aber nicht und gehen jetzt weiter.

[25:44] Ah, vielleicht ein Text noch, Psalm 27, Vers 4. Und das ist eigentlich eine schöne Beschreibung dessen, was diese beiden Jünger gesucht haben. Diese beiden jungen Fischer, denn das waren sie. Sie waren jung und sie waren Fischer. Und hier schaut man Psalm 27, Vers 4: "Eines erbitte ich von dem Herrn, nach diesem will ich trachten, dass ich bleiben darf im Haus des Herrn mein ganzes Leben lang, um die Lieblichkeit des Herrn zu schauen und ihn zu suchen in seinem Tempel." Im Alten Testament sagt der Psalmist: "Ich möchte gern zu Gott nach Hause." Wo hat Gott damals gewohnt? Im Tempel. Es reicht ihm nicht zu wissen, dass Gott existiert. Es reicht ihm nicht einmal zu wissen, dass Gott ihn rettet. Er möchte bei Gott wohnen. Wir hatten ein ähnliches Bedürfnis. Hat nicht Gott dasselbe Bedürfnis? Heißt es nicht von Gott selbst, dann nach den tausend Jahren: "Dann wohnt Gott bei den Menschen, und er wird bei ihnen wohnen." Jesus kommt ja auf die Erde, um das schon mal vorzubereiten. "Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns." Und sie fragen: "Wo wohnst du?"

[27:21] Dabei geht es nicht darum, in welcher Hütte Jesus gerade da gewohnt hat. Der wird sicherlich in irgendeiner Herberge übernachtet haben, weil der Weg von Nazareth bis zum Jordan mehrere Tage lang sind. Er wird nicht in Nazareth gelebt haben zu der Zeit, sondern irgendwo in der Nähe des Jordan übernachtet haben. Aber die haben sich nicht für die Herberge selbst interessiert. Die haben sich interessiert dafür, dort zu sein, wo Jesus ist. Denn wo Jesus ist, dort ist die Wahrheit. Egal wie die Herberge heißt, egal ob sie weiß oder blau oder grün gestrichen ist. Er ist quasi wie das Heiligtum.

[28:25] Und so wie die Israeliten damals der Psalmist sagt: "Ich möchte gerne im Heiligtum sein, ich möchte Zeit im Heiligtum verbringen", sagen jetzt diese Gläubigen: "Wir möchten gern Zeit mit Jesus verbringen. Wir möchten Zeit mit Jesus verbringen."

[28:35] Gut, gehen wir zurück zu Johannes 1 und schauen mal, wie es weitergeht. Johannes 1 und dort Vers 39. Sie stellen diese Frage: "Wo wohnst du?" Und er spricht zu ihnen: "Was hat er gesagt?" "Kommt und seht." Zwei Aufforderungen: "Kommt und seht." Kennt ihr noch eine andere Einladung von Jesus, wo er auch sagt: "Kommt, kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken." Jesus sagt: "Kommt her, kommt." Er fragt nicht, was sucht ihr im Sinne von einem Türsteher, der sagt: "Du kommst hier nicht rein." Er will nur sicherstellen, dass sie wirklich wissen, was sie suchen, dass sie nicht enttäuscht sind. Er möchte wirklich sicherstellen: Wissen sie, was sie jetzt bekommen können? Und wenn sie sagen: "Ja, wir suchen wirklich, wir suchen Zeit mit dir", dann sagt er: "Kommt, kommt und seht." Einige Manuskripte sagen auch: "Kommt und ihr werdet sehen." Ist eigentlich auch jetzt nicht so ein großer Unterschied.

[29:44] Und es heißt dann, schaut in Vers 39: "Er spricht zu ihnen: Kommt und seht. Sie kamen und sahen." Was haben sie denn da gesehen? Sie blieben den ganzen Tag bei ihm. Sie haben sich nicht die Zimmer angeschaut, seine Herberge, oder? Was haben sie gesehen? Johannes sagt uns ja schon im Kapitel, was sie gesehen haben. Es war der erste Tag, wo er Jesus gesehen hat. Aber schon an diesem Tag, was wir da gesehen haben? Sie haben den Messias gesehen. Den Messias gesehen, genau.

[30:17] Ich denke, sie haben die Anwesenheit seines Geistes gespürt, die Ausstrahlung, die er hatte, seine Gottheit. Ja, was sagt Johannes 1, Vers 14? "Und das Wort wurde Fleisch und wohnte mitten unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, als die eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit." Johannes hat das vom ersten Tag an, hat er das realisiert. Es war noch ein langer Weg zu gehen in der Heiligung. Es hat noch lange gedauert, bis er alles überwunden hatte, was zu überwinden war. Aber er hat vom ersten Tag an gesehen: Hier ist Gnade und hier ist Wahrheit. Und die beiden treffen sich in Jesus. Es ist nicht die Wahrheit da und die Gnade da, sondern hier ist einer, da ist volle Wahrheit und volle Gnade.

[30:57] Ja, genau. Matthäus 25.

[31:24] Ja, ganz genau. Johannes hat gemerkt am ersten Tag schon: Hier bin ich richtig. Die ganze Suche meines Lebens, all den Dingen, die ich ausprobiert habe, hier ist endlich das, was die Lücke stopft in meinem Herzen. Was interessant ist, schaut mal in Vers 39 am Ende. "Es war aber um die zehnte Stunde." Jetzt müssen wir ein bisschen, ein bisschen Mathematik machen. Es ist nicht schwer. Es gibt für diese zehnte Stunde zwei Theorien. Was würdet ihr denken, in moderner Uhrzeit, was ist das für eine Uhrzeit hier? 10 Uhr? Abend? Warum?

[32:35] Also, halten wir fest, es gibt zwei theoretische Möglichkeiten. Es gibt erstmal die jüdische Zählweise. Die jüdische Zählweise ist die Zählweise, die auch im ganzen Nahen Osten, bei den Babyloniern und auch überhaupt im ganzen Ostmittelmeerraum verbreitet war, nämlich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Und dann, schaut mal in, lasst euren Finger drinnen, Johannes 11, Vers 9, da erklärt Jesus das sogar sehr schön. Da sagt er, Johannes 11, Vers 9: "Hat der Tag nicht zwölf Stunden?" Also man hat von Sonnenaufgang, der meistens so bei 6 Uhr war, und den Sonnenuntergang, der so meistens dort bei 18 Uhr ist, hat man dann zwölf Stunden einfach eingeteilt. Demzufolge wäre die zehnte Stunde ungefähr wann? Ja, später Nachmittag schon. Ja, zu unserer Zeichnung 16 Uhr oder so, so Pi mal Daumen. Also ungefähr.

[34:00] Es gab aber auch die römische Zählweise. Und die römische Zählweise geht von Mitternacht bis Mitternacht. Also quasi wie unsere. Wir haben die römische, also das ist die offizielle römische zivile Zählweise. Die haben wir von denen übernommen. Und dann wäre die zehnte Stunde wann? So gegen um 10. Da geht es um Mitternacht los. Also 10 Uhr dann. Ne, 10 Uhr morgens. Die haben 24 Stunden von Mitternacht bis Mitternacht. Also ich verstehe, die meisten gehen davon aus, dass diese Uhrzeitangabe den Moment beschreibt, wo sie Jesus treffen. Das ist jetzt die Frage. Das ist die Frage, wenn wir darüber diskutieren können. Also es gibt die meisten Kommentatoren, die ihr lest, lesen könnt, darüber, die streiten sich jetzt: Haben sie ihn um 10 Uhr getroffen oder um 16 Uhr? Ja, wenn sie um 10 Uhr getroffen haben, dann könnte man ja noch ausgehen, sie waren den ganzen Tag bei ihm. Wenn sie ihn erst um 16 Uhr getroffen haben, dann klingt das ein bisschen komisch, wenn sie den ganzen Tag bei ihm waren.

[35:10] Aber eigentlich muss man davon ausgehen, dass der Johannes tatsächlich diese Zählweise, die jüdische hier verwendet. Einmal, weil auch sonst im Johannesevangelium er meistens das tut. Und selbst die Römer haben oft eher die mesopotamische, die orientalische Zählweise verwendet, als ihre eigene. Es gibt viele antike römische Klassiker, die von der 10. Stunde sprechen, als wäre es 16 Uhr. Also man kann ziemlich gut davon ausgehen, es war um 16 Uhr.

[35:46] Jetzt ist aber die Frage, und da hast du einen guten Gedanken gerade gesagt: Ist das der Zeitpunkt, wo sie ihn getroffen haben, oder ist das der Zeitpunkt, wo ihr langes Gespräch zu Ende ging? Richtig. Rein von der Chronologie sind sie erst bei ihm gewesen und dann ist die 10. Stunde. Die meisten lesen das quasi den letzten Satz nur so als Generalbeschreibung von dem ganzen Geschehen, dass alles sich um die 10. Stunde erfüllt hat. Aber ich denke mit dir auch, dass vermutlich sie haben ihn irgendwann früh am Morgen getroffen, ja, oder was auch immer, und haben den ganzen Tag mit ihm verbracht bis gegen 16 Uhr, weil jetzt geschieht am Ende des Tages noch etwas, was noch in diesen dritten Tag hineingehört.

[36:36] Schaut mal den nächsten Vers. "Noch am selben Tag", also so gegen 16 Uhr, haben sie vielleicht fünf, sechs Stunden mit ihm verbracht, wie auch immer. Hat jemand von den beiden eine ziemlich gute Idee? Schaut mal in Vers 40. "Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer von den beiden, die es von Johannes gehört hatten und ihm nachgefolgt waren." Also hier wird jetzt einer von den beiden identifiziert als Andreas. Wisst ihr übrigens, was Andreas übersetzt heißt? Das ist ganz interessant. Von Mann, genau. Es heißt wörtlich übersetzt: männlich. Andreas war der Männliche. Na ja, wie dem auch sei.

[37:20] Interessant ist, schaut mal, wie das hier steht: "Andreas, der Bruder des Simon Petrus." Nehmt mal an, ihr würdet nur das Evangelium in der Hand haben und nichts anderes. Was sagt euch diese Formulierung? Johannes, der Bruder des Andreas, der Bruder des Simon Petrus. Nein, das meine ich nicht. Also rein sozusagen von der Erklärung. Genau, das ist der Punkt. Der wird hier so eingeführt, der Simon Petrus, als ob ihn jeder kennt. Jetzt, wenn das das früheste Evangelium wäre, hätte man das wahrscheinlich nicht so geschrieben, oder? Angenommen, Johannes wäre der Erste gewesen, der ein Evangelium schreibt, dann hätte er gewartet bis zu dem Moment, wo Simon auftaucht, dann hätte er erklärt, wer Simon ist. Aber so wie er das schreibt, wird deutlich: Seine Leser kannten Simon Petrus schon ganz gut. Ja, so quasi: "Ich erzähle euch jetzt von Andreas, und das ist der Bruder von dem, den ihr schon kennt." Ja, das ist einer der Hinweise darauf, dass Johannes wirklich schon quasi ein bisschen Vorwissen voraussetzt von den anderen Evangelien.

[38:40] Okay, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer von den beiden, die es von Johannes gehört hatten. Und Vers 41: "Dieser findet zuerst seinen Bruder Simon und spricht zu ihm: Was hat er gesagt?" "Wir haben den Messias gefunden." Jetzt, was ist die praktische Lektion aus diesem Vers? Was ist die praktische Anwendung von diesem Vers?

[39:03] Er ist zuerst zur Familie gegangen. Er hat die Mission begann im nächsten Verwandtenkreis bei seinem Bruder. Okay, was noch? Ja, er war überzeugt. Er sagt nicht: "Könnte sein." Er sagt: "Wir haben ihn gefunden, wonach wir alle gesucht haben. Wir haben ja Johannes den Täufer immer gehört, er hat gesagt: 'Der Messias kommt, der Messias kommt', und wir haben ihn gefunden. Wir wissen, wer er ist." Okay, also ihr hört die Begeisterung daher. Was ist noch die praktische Lektion?

[39:37] Die vielleicht wichtigste Lektion hat er noch gar nicht gesagt. Es ist der erste Tag der christlichen Kirche. Die christliche Kirche besteht aus zwei Leuten. Er hat gleich Missionen gemacht. Am ersten Tag der christlichen Kirche finden wir bereits den ersten Bekehrten durch Mission. Jeder Mensch, der zu Jesus kommt, der Jesus wirklich trifft, wird nicht eine Nacht schlafen, bevor er nicht einem anderen Menschen davon erzählt hat. Die kommen zu Jesus, und noch am selben Tag. Es ist nicht so, dass Jesus sagt: "Jetzt kommt erstmal zu mir. Wir machen erstmal drei Wochen lang Aufbautraining in Grundlagentheologie und dann machen wir ein Seminar, wie gebe ich Bibelstunden, und dann noch ein Seminar über das, dann besucht er eine Missionsschule und dann könnte er Missionen machen." In dem Moment, wo sie Jünger waren, waren sie Missionare. Andreas war am ersten Tag, und ich meine, der hat nicht viel von Jesus gewusst. Wie viel kann man an einem Tag lernen? Wenn man mit dem Wissen von einem Tag ein Missionar sein kann, dann können wir alle Missionare sein, oder?

[41:12] Vielleicht ein bisschen. Aber die Frage könnte man stellen: Wie viel kannten sie vom Alten Testament wirklich? Ja, das stimmt. Sie kannten wahrscheinlich viele Bibelstellen, aber wir werden ja später sehen, und das weißt du ja auch, dass vieles von dem alttestamentlichen Grundgedanken ihnen völlig fremd waren. Die Grundidee, dass das Evangelium – ja, fremd. Die Grundidee, dass das Heidentum bekehrt werden soll, war ihnen fremd. Also natürlich, sie kannten die Bibelstellen, aber sie kannten – ich denke, viele Menschen kennen heute bestimmt ziemlich viel aus der Bibel, so grundsätzlich an Geschichten vielleicht oder Worten oder so, wie die damals. Aber der Punkt ist der, das ist einfach der einfache Punkt: Die Begegnung mit Jesus macht so ein bisschen an. Und wir sehen gleich, wir werden das nächste Woche sehen, die sagen zum Teil theologisch falsche Sachen. Der Philippus sagt dann, wenn wir nächste Woche ausführlich anschauen, der sagt, dass Jesus von Josef geboren worden ist, also Josef der Vater von Jesus ist. Theologisch falsch. Also der Punkt ist tatsächlich der, sie hatten nicht ausreichend viel Wissen, sondern sie hatten eine Begegnung mit Jesus.

[42:45] Genau. Wie oft kommt das Wort "Messias" in der Bibel vor? Schätzt mal, gib mal eine Schätzung ab. Messias. 100? 500? 300? Zweimal. Zweimal. Nur hier und die Frau am Jakobsborn. Ansonsten steht immer "Christus". Immer "Christus". Oder im Alten Testament ist halt natürlich gesagt, das Wort "Maschach", das hebräische Wort, kommt natürlich im Alten Testament sehr oft vor. Aber so im Deutschen, wo das quasi dann ins Griechische übertragen wird, nur hier. Ansonsten immer "Christus", "Christus". Also Matthäus, Markus, Lukas sagen nie "Messias", immer nur "Christus". Aber das fand ich nur interessant, weil ich dachte, als ich das jetzt heute gelesen habe, dachte ich auch: Nur so wenig. Aber der Punkt ist ja viel, viel wichtiger. Was heißt Messias?

[43:49] Als er sagt, jetzt komme ich auf das zurück, was du gesagt hast, was als er gesagt hat: "Wir haben den Messias gefunden." Welche Bibelstellen wird er da im Kopf gehabt haben? Nennen wir mal ein paar, wo im Alten Testament von dem Gesalbten die Rede ist. Ach so, ja, genau. 2. Mose 40, wo die Priester gesalbt werden. Ja, ja, okay. Wo gibt es Stellen, wo von dem? Jesaja spricht, Jesaja 61, Vers 1 braucht ihr nicht aufschlagen, kennt ihr: "Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, um das Evangelium zu verkündigen." Okay, welche Stellen noch sprechen von dem Gesalbten? Daniel, wo? Daniel 9, genau, da vergehen sieben Wochen und 62 Wochen bis zu einem Gesalbten, einem Fürsten. Dann Psalm 2, wo es heißt: "Was toben die Heiden und denken sich aus gegen den Herrn und seinen Gesalbten?" Da kommt der König dann ins Spiel, haben wir auch schon angeschaut. Also die kannten schon ein paar Bibelstellen, denen jetzt hier bewusst geworden sind.

[45:00] Und dann schaut mal, was passiert in Vers 42, und das finde ich so schön, das ist so ein schöner Vers, so einfach. "Und er führte ihn zu Jesus." Ist das nicht toll? "Und er führte ihn zu Jesus." Er hat Jesus, er hat selbst eine Predigt gehört, hat Jesus getroffen, hat Zeit mit Jesus verbracht, ist begeistert von Jesus. Er sucht den Nächsten, den er finden kann, seinen Bruder und sagt: "Hey, wir haben ihn getroffen, wir haben ihn gefunden, den Messias", und er führte ihn zu Jesus.

[45:35] Andreas kommt nicht so oft vor in den Evangelien, oder? Nicht so oft wie Johannes und Petrus und Jakobus vielleicht. Aber wenn der Andreas vorkommt, werdet ihr noch sehen in den Jahren, wo wir das jetzt weiter studieren, bis zur Wiederkunft. Jedes Mal, wenn der Andreas vorkommt, besonders im Johannesevangelium, bringt er eine Person zu Jesus. Er bringt seinen Bruder Simon zu Jesus. Und dann bei der Speisung der 5000 ist er es, der den kleinen Jungen mit den fünf Broten und zwei Fischen zu Jesus bringt. Und als kurz vor der Kreuzigung, ein paar Tage vorher, die Griechen in Jerusalem auftreten und sagen: "Wir möchten gerne Jesus sehen", da ist es der Andreas, der sie mit Philippus zu Jesus bringt. Der Andreas hatte eine einfache Angewohnheit: Wenn die Leute ihn was gefragt haben, hat er sie einfach zu Jesus gebracht. Er brachte sie einfach zu Jesus.

[46:31] Wir lesen von Andreas nicht, dass er wie Petrus gepredigt hat und 3000 Menschen haben sich bekehrt. Vielleicht hat er das später auch gemacht, falls er irgendwo dann im Ausland gewesen ist. Aber wo wir ihn jetzt sehen in den Evangelien, hat er eine einfache Angewohnheit: Er bringt den Nächsten, den er finden kann, zu Jesus. Und damit ist er, glaube ich, ein sehr gutes Vorbild für jeden von uns, weil das kann wirklich jeder. Wir können unseren Freund, Kinder, Fremde zu Jesus bringen.

[47:02] Der erste Tag der Gemeinde war einer der schönsten in der Geschichte der christlichen Kirche. Es waren nur zwei Gemeindeglieder, und da gab es noch wenig Streit. Und der eine hat schon angefangen, über sein Johannesevangelium nachzudenken, und der andere war beteiligt in der Mission und Gemeindewachstum 50 Prozent am ersten Tag. Ein Dritter kommt dazu. Es gab noch ein bisschen was zu klären, aber das ist doch wunderbar, wie das losgeht.

[47:26] Vers 42: "Und er führte ihn zu Jesus. Jesus aber sah ihn an." Ellen White beschreibt das so schön. Sie sagt, er hat ihn angeschaut, und er hat sein ganzes Leben, seinen ganzen Charakter gelesen. Seine impulsive Art, sein sympathisches, liebevolles Herz, sein Selbstvertrauen. "Ich kann alles und ich mache das schon." Sein Eifer, seine Ambition. Er hat gesehen, wie er fallen wird. Er hat gesehen, wie er sich bekehren wird, wie er dann für Christus ein Missionar sein wird und wie er den Märtyrertod sterben wird. Er hat alles gesehen. Und dann sagt er: "Du bist Simon, Sohn des Jona. Du wirst Kephas heißen."

[48:14] Das heißt, Jesus sagt ihm: "Ich weiß, wer du bist, und ich weiß, was aus dir werden wird. Ich kenne deinen Zustand, ich kenne deine Identität und ich kenne auch deine Zukunft." Der Jona, der Simon hat noch nicht mal Zeit gehabt, was zu sagen. Das ist ihm später nicht so oft vorgekommen. Dann hat er immer gleich was auf den Lippen gehabt. Aber er kommt zu diesem neuen Lehrer, und er sagt: "Ich weiß, wer du bist, und ich weiß, was aus dir werden wird." Und das ist das Schöne an Jesus. Wenn wir zu Jesus kommen, wir brauchen nicht erst eine formelle Einleitung machen, wir müssen uns erst vorstellen, wer wir sind, wir müssen ihn nicht erst überzeugen. So wie wir zu Jesus kommen, wird er uns deutlich machen: "Ich weiß, wer du bist, und ich weiß, was aus dir werden wird." Er kennt nicht nur unsere Vergangenheit, er kennt nicht nur unseren Vater und unsere Mutter, er kennt auch unsere Zukunft.

[49:13] Und die Zukunft von Simon war natürlich ziemlich spektakulär. Er sagt: "Du bist Simon." Was heißt Simon? Welches hebräische Name ist so ähnlich wie Simon? Simon ist die griechische Variante von Simeon. Simeon hebräisch, Simon griechisch. Und Simeon, weiß jemand von euch, warum die Lea ihren zweiten Sohn Simeon nannte? Den ersten nannte sie Ruben, ein Sohn. Nicht angesehen, sondern er hört. Und deswegen nannte sie ihn Simeon: hören. Simeon heißt hören.

[49:52] Und dann sagt Jesus: "Du wirst Kephas heißen." Kephas ist Aramäisch. Ja, genau. Also man muss ein bisschen genauer noch sagen. Kephas Aramäisch, das gleiche wie Petrus oder Petros dann griechisch. Und das heißt wörtlich Stein. Es gibt im Griechischen einen Unterschied zwischen einem Stein, den man werfen kann, und einem Felsen, den man jetzt nicht so werfen kann. Das wird später mal ganz wichtig in Matthäus 16, wo Jesus sagt: "Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen." Daran sind 1500 Jahre Christenheit kaputt gegangen, weil die katholische Kirche meinte, Petrus ist der Felsen. Aber das Wort Petrus, Kephas, heißt Stein. Ein Stein, den man werfen kann. So im Altgriechischen bei vielen Autoren, auch Homer und so, kann man diese Unterscheidung deutlich sehen. Ein Stein, den man werfen kann, so ein kleiner Stein. Aber der Fels ist jemand anders. Und das Bekenntnis zu Christus, genau. Das werden wir dann bei Matthäus 16 mal sehen. Nur, dass ihr gleich mal wisst. Ja, es heißt Fels, aber es heißt eigentlich genauer Stein, ein kleiner Stein. Ein kleiner Stein. Genau.

[51:06] So viel dazu. Hat sich das erfüllt? Ist Simon später Petrus genannt worden und Kephas genannt worden? Absolut. Jesus kennt wirklich die Vergangenheit, er kennt die Zukunft und er kennt unsere Identität. Und ich glaube, das ist etwas, was wir wirklich mitnehmen können, wenn wir Jesus nachfolgen. Er weiß, wer wir sind, und er hat alle Kraft, unser Leben zu verändern.

[51:35] Nächstes Mal werden wir weiterschauen, was dann am nächsten Tag passiert. Da kommen noch mehr Jünger zu Jesus. Aber wir können einige Dinge wirklich lernen, wie Andreas Menschen einfach zu Jesus bringen und so wie Andreas und Johannes nicht einfach nur anderen zuhören, sondern dann sagen: "Es war so interessant, was ich gehört habe, ich möchte jetzt selbst Zeit mit Jesus verbringen." Zum Beispiel in der Morgenandacht, in der Abendandacht, ich möchte selbst Zeit mit Jesus verbringen, an seinen Füßen sitzen und lernen von ihm, lesen, was er mir zu sagen hat. Das wird unsere Herzen verändern. Amen.

[52:11] Dann lasst uns doch gemeinsam niederknien und beten. Lieber Vater im Himmel, hab herzlichen Dank für die Freude und den Segen, den wir leben dürfen, wenn wir dein Wort lesen. Es sind so einfache Verse und auch so kraftvolle Verse, die zeigen, dass du jeden gebrauchen kannst und dass es in deinem Reich nicht auf viel Wissen und viel Erfahrung und viel Können ankommt, sondern auf die Bereitschaft, viel von dir zu lernen. Lass uns sein wie Johannes und Andreas, diese ersten beiden Mitglieder der christlichen Kirche, die nicht Ruhm und Ehre und ein langes Leben gesucht haben, sondern Zeit mit dir. Lass das unsere erste Priorität sein, Tag für Tag Zeit mit dir zu haben, egal wo du uns hinstellst. Und hilf uns, dass wir so natürlich wie Andreas, einfach die, die um uns herum sind, zu dir führen können. All das bitten wir im kostbaren und teuren Namen Jesu. Amen.


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