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In dieser Predigt wird die biblische Geschichte von Jesus und Nikodemus aus Johannes 3 neu beleuchtet. Christopher Kramp erklärt, dass die tiefere Bedeutung dieser Begegnung erst verständlich wird, wenn man die vorangehenden Verse in Johannes 2 betrachtet, die zwei grundlegend unterschiedliche Arten von Glauben darstellen: den Glauben, der auf Zeichen basiert, und den Glauben, der auf dem Wort Gottes gründet. Die Predigt betont die Wichtigkeit, dass unser Glaube auf dem unvergänglichen Wort Gottes aufgebaut sein muss und nicht nur auf sichtbaren Wundern oder Emotionen. Es wird die Notwendigkeit der Wiedergeburt aus Wasser und Geist erklärt, die uns befähigt, das Reich Gottes zu sehen und hineinzugehen.


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Serie: Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus

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Transkript

[0:30] Hallo und herzlich willkommen zu unserem Seminar "Der Ersehnte". Wir entschuldigen uns für die Verspätung und werden nächste Woche wieder pünktlich senden. Und wir freuen uns, dass ihr eingeschaltet habt auf www.joelmedia.de. Und alle, die ihr heute hier seid, schön, dass ihr gekommen seid zu einem Thema, das wirklich zu den absolut wichtigsten Themen im ganzen Neuen Testament gehört. Wir wollen heute anfangen, uns mit Johannes 3 zu beschäftigen. Und bevor wir beginnen, möchte ich euch einladen, wo es möglich ist, dass wir niederknien für ein Anfangsgebet.

[1:05] Lieber Vater im Himmel, wir danken dir so sehr für diesen Tag, für all das Schöne, was du uns geschenkt hast und dass wir jetzt Zeit nehmen dürfen, dein Wort zu studieren. Bitte hilf uns, es so zu verstehen, wie du gemeint hast, dass wir in den Worten, die zu Nikodemus gesprochen worden sind, auch Worte entdecken, die zu uns gesprochen werden. Dass wir die Botschaft dieser Worte wirklich in unser Herz aufnehmen und anwenden. Sei du bei uns, halte alle Stören entfernt und gib, dass wir uns gut konzentrieren können. Im Namen Jesu beten wir dies. Amen.

[1:42] Also, wir wollen uns heute an die Geschichte mit Nikodemus heranwagen, aber wir wollen sie nicht dort anfangen, wo sie normalerweise angefangen wird. Wo beginnen die meisten Predigten über Nikodemus? Mit welchem Vers? In welchem Kapitel führen wir die Geschichte von Nikodemus? Johannes 3. Und welchem Vers fängt man normalerweise an? Vers 1, genau. Aber, wie wir heute feststellen werden, manches, was an dieser Geschichte etwas merkwürdig ist, erklärt sich von selbst, wenn man nicht in Vers 1 anfängt, sondern ein bisschen früher. Denn die Geschichte beginnt eigentlich schon drei Verse früher in den letzten Versen von Kapitel 2. Die werden meistens weggelassen, weil man denkt, Kapitel 2 und 3 sind unterschiedliche Dinge. Aber ihr wisst ja, die Kapiteleinteilung gab es damals gar nicht. Die ist nur geschaffen, damit man die Bibelverse findet. Und diese letzten Verse von Kapitel 2, die sind sehr wichtig.

[3:03] Das letzte Mal sind wir bis Vers 21 gekommen. Könnt ihr euch erinnern? Wir haben gesprochen über die Reinigung des Tempels. Und wir haben bis Vers 21 gesprochen. Eigentlich müssten wir Vers 22 auslassen, weil Vers 22 erst drei Jahre später stattfand. Da kommen wir dann in drei Jahren wieder zurück, wenn wir dann so weit sind. Da heißt es nämlich: "Als er nun aus den Toten auferstanden war, dachten seine Jünger daran, dass er ihnen dies gesagt hatte. Und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte." Trotzdem ist dieser Vers nicht ganz unwichtig. Der ist im Prinzip wie so eine Klammer eingeschoben, um den nächsten Vers, mit dem wir jetzt anfangen wollen, zu verdeutlichen. Schaut mal, was dort steht in Vers 23: "Als er aber am Passafest in Jerusalem war, glaubten viele an seinen Namen, weil sie seine Zeichen sahen, die er tat."

[3:58] Also das nächste Mal können wir feststellen, das Passafest war ja nicht nur ein Tag, sondern wie lange ging das Fest, das hier beschrieben wird? Eine Woche. Und es hieß eigentlich noch genauer gesagt, es war das Fest der, das Laubhüttenfest war ein halbes Jahr später, im siebten Monat, genau. Das war auch relativ lang, aber es war das Fest der ungesäuerten Brote, weil die Israeliten haben Ägypten verlassen mit ungesäuerten Broten, weil sie ja auf der Flucht waren. Und so war dann am achten Tag nochmal eine Festversammlung. Und während dieser Woche hat Jesus offensichtlich viele Wunder getan. Er kam also zum Passafest, hat wahrscheinlich ziemlich am Anfang den Tempel dort gereinigt. Wir haben das alles studiert, wie sie weggelaufen sind und wie er dann dort Verordnung gesorgt hat. Und er hat offensichtlich während dieser Tage viele Wunder getan. Und die Bibel sagt, viele Menschen glaubten an seinen Namen.

[5:05] Frage: Ist der Vers eine gute oder nicht so gute Nachricht? Das ist eine positive Bemerkung von Johannes oder eine nicht so positive Bemerkung? Genau, ich merke vielleicht schon, die Frage ist ein bisschen komisch. Es sieht doch ganz wunderbar aus. Die Leute glauben an seinen Namen. Eigentlich was Positives, oder?

[5:39] Lesen wir Vers 22 und 23 nacheinander. "Als er nun aus den Toten auferstanden war, dachten seine Jünger daran, dass er ihnen dies gesagt hatte. Und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte." "Als er aber am Passafest in Jerusalem war, drei Jahre zuvor, glaubten viele an seinen Namen, weil sie seine Zeichen sahen, die er tat." In Vers 22 und 23, wir werden das gleich sehen in den nächsten Versen, werden zwei Arten von Glauben beschrieben. In Vers 22 wird der Glaube beschrieben, der auf dem Wort Gottes gründet, auf erfüllter Prophezeiung. Und dieser Glaube, der hat sich erst gezeigt, als die Jünger dann nach der Auferstehung gesehen haben, wie sich alles erfüllt hat. Der Kontrast dazu ist ein Glaube, den die Menschen hatten, als sie gesehen haben, Jesus tut Wunder. Sie haben an die Person geglaubt, dass Jesus eine wichtige Person ist. Sie haben an seinen Namen geglaubt, aber wir werden gleich sehen, das war noch nicht das Ende dessen, was Gott eigentlich vorhatte. Ihr Glaube basierte auf Zeichen.

[7:05] Jetzt, Jesus hat die Zeichen ja nicht umsonst getan. Jesus hat die Zeichen, das war ja eine gute Sache, dass er Zeichen tat. Aber all seine Zeichen, das haben wir schon gesehen bei der Umwandlung des Wassers in Wein, all seine Zeichen hinweisen auf die Erlösung. Auch die Reinigung des Tempels sollte hinweisen auf das, was er im Herzen tut. Die Menschen glaubten einfach, weil er Zeichen tat. Jetzt schauen wir mal weiter, um zu sehen, wie das tatsächlich hier eine Rolle spielt.

[7:30] In Vers 24 heißt es: "Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle kannte." Vers 25: "Und weil er es nicht nötig hatte, dass jemand von den Menschen Zeugnis gab, denn er wusste selbst, was im Menschen war." Also Jesus sagt hier an dieser Stelle nicht: "Wunderbar, alle haben mich angenommen, die Mission ist vollendet, das Werk getan, die Leute glauben alle an mich, so wie ich mir das wünsche." Irgendwie ist die ganze Sache noch nicht ganz so, wie sie sein soll. Das hat auch damit zu tun mit einem Wort, das im Deutschen an der Stelle etwas schwierig zu übersetzen ist. Und zwar in meiner Schlachter-Übersetzung steht: "Er vertraute sich ihnen nicht an." Habt ihr vielleicht auch eine andere Übersetzung noch, die was anderes sagt? Elberfelder sagt dasselbe. Das Wort "Vertrauen" an der Stelle ist sehr interessant. Weiß jemand von euch, was das Wort "Vertrauen" im Griechischen ist, zufällig? Glauben, genau richtig. Das ist das griechische Wort *pisteuo*, meint glauben oder vertrauen. Das Kuriose ist, hier steht also in Vers 24, dasselbe Wort wie in Vers 22 und 23. Also in Vers 22 steht, die Jünger glaubten nach der Auferstehung wegen dem Wort Gottes. In Vers 23 steht, die Menge zur Zeit des anfänglichen Dienstes von Jesus, dort beim Passafest, sie glaubten wegen der Zeichen. Und dann Vers 24 sagt, das ist ein bisschen schwer zu übersetzen, Jesus glaubte nicht an sie, sondern man könnte sagen, er hatte keinen Glauben in ihren Glauben. Er vertraute dem nicht, er traute dem nicht.

[9:41] Ja, weil Glauben, Vertrauen ist dieselbe Sache. Also Vers 22, Parenthese, später haben die Jünger das richtig verstanden, sie hatten echten Glauben. Vers 23, dagegen zu der Zeit haben die Leute nur geglaubt, weil sie die Wunder gesehen haben und Jesus vertraute auf diese Art von Glauben nicht. Das heißt, der Kontext zeigt, obwohl Vers 23 erstmal toll klingt, die Leute glauben an seinen Namen, Jesus wusste, es braucht mehr als eine spontane Begeisterung, weil ein Wunder entstanden ist.

[10:15] Ganz genau. Auch das Werk des Heiligen Geistes, es geht mehr auch um das Innere als um das Äußere. Das heißt, er wusste, was in dem Menschen ist. Ja, Erika? Genau, er sagt das in Matthäus 16, sagt er das, nicht wahr, den Pharisäern: "Eine ehebrecherische Generation verlangt ein Zeichen." Sie wollen nur Zeichen, aber sie wollen keine Herzensänderung. Und hier, in diesen Versen, die ganz selten gelesen werden, weil sie scheinbar nicht mehr zur Tempelreinigung gehören und irgendwie in unserem Kopf auch nicht wirklich zu Nikodemus gehören, wird ein ganz entscheidender Unterschied gemacht zwischen dem Glauben, den Gott sich wünscht, und dem Glauben, den die Menschen damals hatten. Die haben gesagt: "Wunderbar, der Messias ist gekommen, Jesus ist da, fantastisch." Aber Jesus vertraute sich ihnen nicht an, er hatte kein Vertrauen in diese Art von Glauben. Auf diesen Glauben konnte man nicht bauen.

[11:17] Und das Interessante ist, woher wissen wir, dass Jesus tatsächlich wusste, was im Menschen ist? Habt ihr das gelesen? Er sagt ja in Vers 25 hier: "Denn er wusste selbst, was im Menschen war." Haben wir das schon im Laufe der Geschichten Beweise gesehen, dass Jesus wusste, was im Menschen ist? Bei Nathanael zum Beispiel, als er gesagt hat: "Siehe, wahrhaftig ein Israelit, in dem kein Falsch ist." Er hatte schon mehrmals auch bei Simon deutlich gemacht: "Ich kenne dein Leben." Er war nicht einfach nur ein Wunderheiler, nicht einfach nur jemand, der tolle Dinge sagt, sondern jemand, das hat er bei der Tempelreinigung deutlich gemacht, der die inneren Dinge des Lebens, der Gedanken sehen konnte. Und er war überhaupt nicht begeistert, wenn Leute gesagt haben: "Oh, schau mal, der hat ein Wunder getan, das ist unser neuer König." Darauf hat Jesus keinen Wert gelegt. Er wusste, was im Menschen ist.

[12:23] Übrigens, diese Idee, dass Gott alle unsere Gedanken kennt, gibt es die irgendwo schon im Alten Testament? Wo? Nehmen wir mal ein, zwei Stellen, wo in der Bibel deutlich wird, im Alten Testament, dass Gott jede Gedanke kennt, dass er genau weiß, was im Herzen vor sich geht. Ja? Psalm? Was steht da? Ganz genau. Hattet ihr noch eine Idee? Das ist ein gutes Beispiel, wo man da noch sagen könnte: "Okay, Gott kennt das, was ich tue." Nicht mal, ob ich ein Lied erlege oder mich aufstelle. Ja, also Gott wusste schon, dass der Kain dabei war, eine Sünde zu begehen. Ganz genau, sehr gutes Beispiel.

[13:26] Absolut. Schaut mal mit mir in ein Beispiel noch, in 1. Samuel 16, das ist vielleicht auch ein ganz bekanntes, berühmtes Beispiel. 1. Samuel 16 und dort Vers 7. Das kennt ihr wahrscheinlich. 1. Samuel 16, Vers 7: "Aber der Herr sprach zu Samuel: Schaue nicht auf sein Aussehen, noch auf seinen hohen Wuchs, denn ich habe ihn verworfen. Denn der Herr sieht nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Denn der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an." Schaut, das ist eine interessante Stelle. Wenn dann später heißt, Jesus wusste, was im Menschen ist, dann heißt das, Jesus war der Herr. Er war derselbe Herr, der hier JHWH genannt wird. Das ist wieder ein Beweis dafür, dass Jesus wirklich Gott war auf der Erde. Er wusste, was die Menschen denken. Das wird nicht in allen Evangelien immer so deutlich, aber Johannes macht das explizit, weil Johannes möchte unter anderem sehr deutlich klar machen: Jesus war Gott. "Im Anfang war das Wort, das Wort war bei Gott und das Wort war Gott." Er wusste, was im Menschen war.

[14:58] Jetzt, eines der interessantesten Dinge in diesem Zusammenhang ist, dass bei allen heidnischen Religionen es niemals einen Gott gab, der alle Gedanken lesen konnte. Das war unbekannt. Es gab zwar Götter, die konnten große Dinge tun, die konnten Welten erschaffen, die konnten sich gegenseitig erschlagen, die konnten Wunder tun, aber die Heiden hatten nie die Idee, dass irgendeiner ihrer Götter alle Gedanken lesen konnte. Das ist interessant, weil diese Idee war ursprünglich mal bei Gott sehr deutlich ausgedrückt worden. Mit anderen Worten, sie haben zunächst einmal die Idee vergessen, dass Gott sie ständig sieht und ihre Gedanken kennt, und so sind sie überhaupt erst ins Heidentum gekommen, oder? Weil wenn ich immer darüber nachdenke, dass Gott meine Gedanken kennt, dann ist es viel schwieriger, gegen Gott zu rebellieren, oder? Wenn ich das irgendwie ausblende, wenn ich so denke, dass Gott gar nicht zuschaut, dann ist es viel einfacher, so seine Sünde vor sich zu tun. Und das ist eine interessante Sache, weil hier offensichtlich ein großer Unterschied zwischen der biblischen Religion und der Religion der Heiden deutlich wird.

[16:07] Jetzt nochmal zurück zu Johannes und dann weiter. Und vielleicht ahnt ihr schon, warum diese drei Verse so wichtig sind für Johannes 3. Jesus wusste, was im Menschen ist. Habt ihr euch jemals gefragt bei den Predigten, die ihr gehört habt? Habt ihr schon eine Predigt von Johannes 3 gehört? Ich habe schon zig Predigten von Johannes 3 gehört. Ich habe mich immer gefragt: Der Nikodemus kommt zu Jesus, stellt eine Frage und Jesus geht gar nicht auf die Frage ein, geht gar nicht auf das, was er sagt und sagt sofort, was sein Problem ist. Das klingt so ein bisschen fast unvorbereitet, so plötzlich. Aber wenn man die Verse vorher gelesen hat, dann bereitet der Johannes das eigentlich sehr schön vor. Er zeigt, dort gab es Menschen, die haben an Jesus geglaubt und trotzdem war in ihrem Herzen etwas ganz falsch und Jesus kannte ihr Herz.

[16:58] Jetzt schaut mal in Johannes 2 und dort Vers 25: "Weil er es nicht nötig hatte, dass jemand von den Menschen Zeugnis gab, denn er wusste selbst, was im Menschen war." Welches Wort ist hier das entscheidende Wort? Was ist das Schlüsselwort in dem Vers? Er wusste, okay. Was ist noch ein anderes wichtiges Wort? Zeugnis, okay. Noch ein wichtiges Wort. Nötig, okay. Ein Wort, das so wichtig ist, dass es zweimal erwähnt wird. Im Mensch, genau. Warum ist das so wichtig? Er sagt zweimal: "Er hatte nicht nötig, dass der Mensch Zeugnis von sich gibt, denn er wusste, was im Menschen ist." Er sagt nicht einfach nur von den Juden oder von denen, sondern "im Menschen" allgemein. Warum ist das wichtig? Genau. Wie geht die Geschichte weiter? Was sagt der nächste Vers? "Es war ein Mensch." Ja, wenn man die Verse vorher nicht gelesen hat, denkt man sich: Warum heißt es, es war ein Mensch? Man hätte doch gleich sagen können: Da kam ein Oberster der Juden, sein Name war Nikodemus. Doch Johannes sagt: "Es war aber ein Mensch." Kapitel 3, Vers 1: "Unter den Pharisäern namens Nikodemus." Er sagt also, wenn er das zusammen nimmt, er sagt: "Er hatte nicht nötig, dass ein Mensch von sich Zeugnis gibt, denn er wusste, was im Menschen war. Und übrigens, da gab es einen Menschen." Und jetzt kommt quasi das Beispiel zu der These.

[18:49] Mit anderen Worten, die Geschichte von Johannes 3, die jetzt kommt, ist nur eine Beispielgeschichte für die Verse, die wir vorher gelesen haben. In den Versen wird die Zusammenfassung gegeben: Jesus wünschte sich Glauben, der auf das Wort Gottes basiert. Die Menschen hatten aber nur Glauben, der auf Zeichen basiert. Und weil er darauf nicht bauen konnte, kein Vertrauen haben konnte in einen Glauben, der nur auf Zeichen basiert, hat er von den Menschen kein Zeugnis angenommen, denn er wusste, was im Herzen der Menschen ist. Und als Illustration erzählt er jetzt die Geschichte von einem Menschen. Sein Name war Nikodemus.

[19:24] Jetzt bin ich mal gespannt. Das könnt ihr auch ohne Griechischkenntnisse. Was heißt Nikodemus übersetzt? Das kriegen wir zusammen hin. Also ich gebe euch einen Tipp: Nikodemus ist die lateinische Form von Nikodemos. So heißt er griechisch: Nikodemos. Also, was könnte "Niko" heißen? Sieg, genau. Vielleicht kennt ihr die Sportmarke Nike. Nike war die Göttin des Sieges. Sieg oder siegreich. Und das wissen wir alle. "Demos", das Volk. Demografie, nicht Demografie, Demokratie, Entschuldigung, Demokratie, die Herrschaft des Volkes. Also Nikodemos heißt entweder "Sieger über das Volk" oder "Siegreich im Volk". Interessanter Name, wenn man dann bedenkt, dass er ein Oberster der Juden war. Man könnte übersetzen: ein Führer, ein Magistrat, ein Herrscher. Er war, so sagt uns auch Ellen White, ein Mitglied des Sanhedrin, des obersten Rates. Diejenigen, die ja Johannes so explizit unter die Lupe genommen haben, gefragt haben: "Was machst du da? Wer bist du? Warum tust du das?" Diejenigen, die Jesus insbesondere auch mit der Tempelreinigung angesprochen hat, die verantwortlich waren für die Missstände.

[20:49] Es war ein Mensch unter den Pharisäern namens Nikodemos, ein Mitglied des Sanhedrin. Es heißt in Vers 2: "Der kam bei Nacht zu Jesus und sprach zu ihm." Fangen wir an: Wieso kommt der gute Mann in der Nacht? Hat er schlecht geschlafen? Ja, die anderen haben geschlafen und warum war ihm das so wichtig, dass die anderen geschlafen haben? Er hat sich versteckt. Da gab es einen Menschen, der war so berühmt, dass seine Berühmtheit ein Hindernis war, zu Jesus zu kommen. Andere Menschen waren ein Hindernis. Kennt ihr noch jemanden im Alten Testament, der auch etwas Wichtiges für Gott getan hat und sich nicht getraut hat, es tagsüber zu machen? Aus Angst vor den Menschen hat er es stattdessen in der Nacht getan. Testen wir wieder unsere Bibelkenntnis. Ganz interessant, eine Person des Alten Testaments, die etwas, was sie für Gott tun sollte, explizit in der Nacht gemacht hat und nicht am Tag, weil sie Angst hatte vor den Menschen, die das sehen könnten. Gideon, ganz genau. Was für eine Geschichte ist das?

[22:07] Ja, schaut mal mit mir in Richter 6. Richter 6, Vers 27: "Da nahm Gideon zehn Männer von seinen Knechten und machte es so, wie der Herr es ihm gesagt hatte." Gott hatte gesagt: "Zerstöre die Bilder des Baals in deiner Familie." Lauter Götzenbilder. Gott hatte gesagt: "Zerstöre sie", und er tat es. Aber jetzt hör zu: "Weil er sich aber vor dem Haus seines Vaters und vor den Leuten der Stadt fürchtete, dies bei Tag zu tun, tat er es bei Nacht." Steht explizit dasselbe. Er tat es bei Nacht, weil er Angst hatte vor den Menschen. Jetzt mach mal, lese mir die Geschichte von Nikodemus und denk: "Meine Güte, was für ein Feigling." Gideon hat das auch gemacht und aus dem ist auch was geworden. Also, es war vielleicht nicht die allermutigste Sache, bei Nacht zu Jesus zu kommen, aber lieber bei Nacht zu Jesus kommen, als gar nicht zu Jesus kommen, oder? Von daher, wenn jemand das jetzt sieht und sich noch nie getraut hat, zu uns zu kommen, Gott segne dich. Ja, wann kommt der Zeitpunkt, da kommst du auch noch zu uns. Aber der Punkt ist, manchmal sind Menschen erst mal nur bereit, vielleicht aus der sicheren Distanz oder ungesehen, sich mit Jesus zu beschäftigen. Nikodemus war so einer. Er kam bei Nacht zu Jesus.

[24:00] Jetzt schaut mal, wie er ihn anredet. Das ist interessant. Der kam bei Nacht zu Jesus und sprach zu ihm: Was sind die nächsten Worte? "Rabbi." Weiß jemand noch von euch, was "Rabbi" übersetzt heißt? Das stimmt, aber weiß jemand von euch, was es wörtlich heißt? "Rabb" war das Wort für "groß". Und "Rabbi" heißt "mein Großer". Du bist ein Großer für mich. Das war die Anrede eines Schülers an seinen Lehrer, der gesagt hat: "Ich will von dir lernen, weil du bist groß. Du bist groß an Weisheit, groß an Wissen, du bist mein Großer. Ich bin ein Kleiner." Das war die Idee. Man stellt sich in einer Beziehung zu dieser Person. Du bist mein großer Rabbi. Und die Juden haben das oft übertrieben, indem sie die Rabbis dann auf eine Position gehoben haben, wo das gar nicht hätte sein sollen. Aber das ist interessant. Das erste Wort, das dieser, das Mitglied der Generalkonferenz der Juden an diesen Zimmermann ohne Grundschulabschluss richtet, ist: "Ich möchte dein Lehrer sein." Entschuldigung, "dein Schüler sein. Du bist mein Lehrer, du bist mein Großer."

[25:08] Bei Johannes dem Täufer hat der Sanhedrin noch ganz anders sich verhalten. Er hat gesagt: "Was machst du da? Wer hat dich beauftragt?" Das heißt, dass ein Mitglied des Sanhedrin so etwas sagt, das kommt nicht von ungefähr. Da ist schon wirklich eine ganze Menge passiert bei ihm. "Rabbi." Und jetzt sagt er etwas Interessantes. Er sagt: "Nicht ich weiß, sondern was sagt er als nächstes? "Wir wissen." Er ist also kein Einzelfall. Er ist nur der Einzige, der sich traut, zu Jesus zu kommen. Er weiß offensichtlich von anderen, auch im Sanhedrin oder in der Führungsschicht der Juden, die offensichtlich zu einem gewissen Grad überzeugt waren, dass Jesus was Besonderes war. Denn er sagt: "Wir wissen, dass du ein Lehrer bist, der von Gott gekommen ist."

[25:55] Jetzt achtet auf die Begründung. Was ist eine Begründung? "Denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn, dass Gott mit ihm ist." Könnt ihr sehen, warum die Geschichte eine Illustration von Vers 22, Vers 23 ist? Es ist genau diese Art von Glauben, von der bereits vorher stand: Jesus hat kein Vertrauen daran. Und deswegen sagt er gleich im nächsten Satz die Sachen, die er sagt. Nikodemus ist ein Musterbeispiel für diesen oberflächlichen Glauben. Er war total überzeugt. Er sagt: "Wir glauben, dass du von Gott gesandt bist." Übrigens, interessanterweise, das kann man im Deutschen nicht so wiedergeben, die Reihenfolge der Worte im Griechischen ist eigentlich so: "Wir wissen, dass von Gott du gesandt bist als Lehrer." Also die Betonung ist nicht: "Wir wissen, dass du ein Lehrer bist, der von Gott gesandt ist", sondern: "Wir wissen, dass du von Gott gesandt bist als Lehrer." Das heißt, die Zeichen waren genügend, um den größten Lehrer Israels davon zu überzeugen, dass Jesus eine göttliche Sendung hatte, dass es mehr als die allermeisten Menschen heute annehmen würden. Das Problem war nur, das war nicht ausreichend fürs ewige Leben. Es war ein Glaube, wo wir vielleicht sagen: "Wow, gut." Aber Jesus wusste, auf diesen Glauben kann man noch nicht bauen.

[27:24] Das ist eine wichtige Geschichte für uns, weil wir auch oft in der Gefahr stehen, unseren Glauben auf Zeichen und irgendwelchen sichtbaren Dingen zu bauen. Wir sagen vielleicht: "Herr, wenn es wirklich dein Wille ist, dann mach das, morgen regnet es." Oder: "Wenn du mich immer noch lieb hast, dann lass mich jetzt beim Bibelaufschlagen ein Vers finden, der das sagt." Das passiert ganz oft, dass man sich von irgendwelchen Zeichen, "Gott hat mir gesagt, ich habe um das Zeichen gebeten, das Zeichen ist eingetroffen" oder "Gott hat mir gesagt, ich habe ein Zeichen gebeten, es ist nicht eingetroffen, deswegen ist es bestimmt nicht Gottes Wille." Das ist sehr gefährlich. Wenn ihr um ein Zeichen betet, dann betet um ein Zeichen, das so außergewöhnlich ist, dass es kein Zufall sein kann. So wie Gideon. Aber Gottes Wunsch ist, dass wir die Zeichen als das verstehen, dass sie sind: Einfach nur Hinweise zu dem eigentlichen Glauben, auf den unser Lebensfundament basiert sein muss, nämlich auf dem Wort Gottes.

[28:31] Also, er sagt ganz deutlich: "Wir glauben wegen den Zeichen, die du tust und die wir gesehen haben." Jetzt schaut mal übrigens, schau bei mir in Apostelgeschichte 10 und dort Vers 38. 10 Vers 38, Apostelgeschichte 10 Vers 38: "Wie Gott Jesus von Nazareth mit heiligem Geist und Kraft gesalbt hat und wie dieser umherzog und Gutes tat und alle heilte, die vom Teufel überwältigt waren, denn Gott war mit ihm." Nicodemus sagt: "Du bist von Gott gesandt als ein Lehrer, denn die Zeichen, die du tust, kann niemand tun, es sei denn Gott ist mit ihm." Also Nicodemus bestätigt das, was die Bibel sagt. Er bestätigt mit seiner Beobachtung: "Du bist wirklich ein von Gott gesandter Lehrer, ein Prophet, Gott ist mit dir, du bist von Gott gesandt."

[29:46] Das Problem war, dass das nicht gereicht und es wird auch in unserem Leben nicht reichen, wenn wir einfach davon ausgehen, dass Jesus ein von Gott gesandter Lehrer war, der große Zeichen und Wunder getan hat. Jesus wusste, was in seinem Herzen vorgeht und weil Jesus es nicht nötig hatte, dass ein Mensch Zeugnis gibt, dass ein Mensch ihn jetzt beiräuchert und sagt: "Wir wissen, dass du ein..." Weil Jesus wusste, was Nikodemus vor sich geht, deswegen sagt er jetzt in Vers 3.

[30:16] Schauen wir mal in Johannes 3, Vers 3, jene berühmten Worte. Johannes 3, Vers 3: "Und er sagt dort, Jesus antwortete und sprach zu ihm..." Ja, bevor er das sagt, noch davor: "Wahrlich, wahrlich." Weiß jemand noch von euch, was "wahrlich, wahrlich" heißt? Amen, Amen. Könnt ihr euch erinnern? Festes Fundament, was ich jetzt sage, da kannst du doppelt drauf bauen. Wo hatte Jesus bisher einmal schon gesagt: "Wahrlich, wahrlich"? In Johannes haben wir schon einmal gesehen, das ist das zweite Mal, dass Jesus hier sagt: "Wahrlich, wahrlich", dass es zumindest aufgeschrieben ist. Wo hatten wir schon mal diese Worte "wahrlich, wahrlich" gesehen? Im Kapitel, nicht so weit weg.

[31:15] Ich helfe euch, es war in Kapitel 1, Vers 51. Jesus sagt zu Nathanael: "Wahrlich, wahrlich" oder er sagt zu allen: "Ich sage euch, künftig werdet ihr den Himmel offen sehen und die Engel Gottes auf und niedersteigen auf den Sohn des Menschen." Der klettert in die Himmelsleiter, er sagt: "Ich bin die Verbindung zwischen Himmel und Erde." "Wahrlich, wahrlich." Jetzt sagt er wieder so eine fundamentale Aussage: "Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen."

[31:48] Jetzt interessanterweise, dieses "von Neuem geboren" könnte auch übersetzt werden: "von oben geboren werden." Es ist beides möglich vom Griechischen: von oben geboren oder von Neuem geboren werden. Warum muss ein Mensch noch mal geboren werden? Er ist doch schon da. Wir kennen die Worte recht gut und wir wissen, er muss wieder geboren werden, aber warum muss ein Mensch noch mal geboren werden? Er muss eine neue Schöpfung sein, okay. Das Herz muss erneuert werden, okay.

[32:32] Fangen wir mal so an: Wodurch wird denn der Mensch, der neue Mensch geboren? Wodurch wird er geboren? Ja, genau. Schaut mal mit mir in Jakobus 1, wir schauen mal ein paar Bibeltexte an. Jakobus 1 und dort Vers 18. Jakobus 1, Vers 18: "Das heißt es: Nach seinem Willen hat er uns gezeugt." Also, wer hat uns gezeugt? Gott. Er hat uns gezeugt, wodurch? Durch das Wort der Wahrheit, damit wir gleichsam Erstlinge seiner Geschöpfe sein. Das heißt, wodurch werden wir gezeugt? Durch das Wort der Wahrheit, weil er das will. Durch das Wort der Wahrheit.

[33:39] Worauf basierte der Glaube von Nikodemus? Auf Zeichen. Er sagte: "Wir glauben, dass du so und so bist, weil wir haben deine Zeichen gesehen." Jesus sagt: "Du musst von Neuem geboren werden." Man wird wodurch neu geboren? Durch das Wort Gottes. Vers 22 hat er gesagt: Es gibt den Glauben auf dem Wort Gottes. Vers 23 hat er gesagt: Es gibt den Glauben auf den Zeichen. Die Jünger verstanden irgendwann mal, dass man auf Gott aufgrund des Wortes Gottes glauben muss und nicht aufgrund der Zeichen. Das heißt, Jesus wollte hier in der Geschichte von Nikodemus ihn von Vers 23 zu Vers 22 bringen. Also Nikodemus sagt: "Ich glaube an dich, weil du Zeichen getan hast." Und Jesus sagt: "Du musst von Neuem geboren werden. Du brauchst das Wort Gottes." Und zwar nicht im Sinne von: "Du musst noch mehr Bibel lesen", weil der kannte die Bibel auswendig, der Nikodemus, der war Sanhedrin-Mitglied, aber du kennst die Kraft des Wortes Gottes nicht. Und durch diese Kraft des Wortes Gottes bist du wiedergeboren. Dein Glaube muss von Vers 23 zu Vers 22 wechseln, von Zeichenglauben zu einem Glauben, der im Wort Gottes gegründet ist.

[34:44] Jetzt noch ein Beispiel. Schaut mal in 1. Petrus, 1. Petrus 1 und dort Vers 23 bis 25. Gleicher Gedanke. Und hier wird es noch deutlicher, hier wird es richtig explizit. Petrus sagt: 1. Petrus 1, Vers 23 bis 25: "Denn ihr seid wiedergeboren." Das ist genau diese Idee. "Ich war von Neuem gezeugt. Nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen." Also er sagt, es gibt zwei Samen, es gibt den vergänglichen Samen, es gibt den unvergänglichen. Also vergänglich und unvergänglich. Und er sagt, der unvergängliche Samen ist was? Durch das, nicht nur das Wort, sondern durch das lebendige Wort Gottes. Also nicht einfach nur das tote Wort, das sagt: "So ist es gewesen", sondern das lebendige Wort, da ist Leben im Wort. So wie Mose sagt: "Das Wort ist kein leeres Wort, sondern das Wort ist euer Leben." So wie Johannes 1, Vers 4 sagt: "In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen." Durch das lebendige Wort Gottes, das in Ewigkeit bleibt. Das heißt, deswegen ist es unvergänglich, weil das Wort Gottes bleibt immer. Es ist unvergänglich.

[36:06] Jetzt schau mir den nächsten Vers an. Was sagt der nächste Vers? Vers 24: "Denn alles Fleisch ist wie was? Wie Gras und alle Herrlichkeit des Menschen wie die Blume des Grases. Das Gras ist verdorrt und seine Blume abgefallen, aber das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit." Er sagt, die Herrlichkeit des Menschen ist was? Sie ist vergänglich. Der menschliche Same ist vergänglich, aber das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit. Deswegen ist es der unvergängliche Same.

[36:40] Und hier ist jetzt das fundamentale Missverständnis der Juden. Die Juden hatten immer geglaubt, dass wenn es um den Samen Abrahams geht, es um den Samen des Menschen Abrahams geht und dass deswegen eine genetische Abstammung vom Menschen Abraham wichtig wäre für die Erlösung. Das wäre aber vergänglicher Same, denn der Same von Abraham war tatsächlich vergänglich und Abraham selbst war vergänglich. Auf Abraham kann niemand sein Glauben bauen. Er ist nicht nur ein Mensch, er ist nur Fleisch. Wenn die Bibel von dem Samen Abraham spricht, dann meint sie nicht der Same, der auf Abraham basiert, sondern der Same, den auch Abraham hatte, nämlich den Glauben an das Wort Gottes. Der Same, der eigentlich zum ersten Mal beschrieben wird als der Same der Frau. Wo kommt diese Idee vor? Der Same der Frau? Genau, 1. Mose 3, Vers 15. Da gibt es nämlich den Samen der Frau und den Samen der Schlange. Und dann in der nächsten Geschichte wird deutlich: Kain und Abel, Kains Same des Teufels. Abel ist Same der Frau, die Gläubigen, die an das Wort Gottes glauben und die, die das Wort Gottes beiseite tun. Und die Juden hatten diesen Gedanken nie verstanden. Sie haben bei dem Samen immer an einen menschlichen Samen gedacht. Deswegen, das war so tief drin, dass selbst die Jünger nach dem Kreuz immer noch gedacht haben, die Juden sind irgendwie besser als die Heiden. Da sieht man, wie tief ein einzelnes Missverständnis von einem Grundkonzept einem die ganze Theologie aus der Bahn werfen kann.

[38:19] Und deswegen sagt Jesus diesem Lehrer Israels von vornherein: "Du musst von Neuem geboren werden. Deine Abstammung von Abraham nützt dir nichts. Du bist durch deine Geburt bist du nicht errettet, auch wenn du Israelit bist und wenn du dein Geschlechtsregister bis zu Abraham selbst zurückverfolgen kannst, nützt nichts. Du brauchst diese Geburt auf basierend auf dem vergänglichen Wort Gottes. Dein Glaube an Zeichen nützt nichts. Du brauchst einen Glauben, der an das Wort Gottes sich hält."

[38:55] Übrigens, die Bibel macht einige außergewöhnliche Aussagen über Wiedergeborene. Schaut mal 1. Johannes 2, Vers 9. 1. Johannes, Kapitel 2, Vers 29. Das sind so ein paar Verse, die werden irgendwie immer so selten zitiert. Jetzt werdet ihr auch sehen, warum. 1. Johannes 2, Vers 29: "Wenn ihr wisst, dass er gerecht ist, so erkennt auch, dass jeder, der die Gerechtigkeit tut, aus ihm geboren ist." Jemand, der wiedergeboren ist, wird nicht nur von Gerechtigkeit reden, er wird nicht nur von Gerechtigkeit singen, er wird nicht nur Traktate über Gerechtigkeit geben, er wird gerecht handeln. Ein wiedergeborener Mensch handelt gerecht. Nun, kann ein wiedergeborener Mensch auch einen Fehler machen? Natürlich, er kann auch fallen, er kann auch wieder aufstehen, keine Frage. Aber die Grundidee ist: Ein wiedergeborener Mensch wird Gerechtigkeit ausüben. Das, was ein ungerechter Mensch, ein unwiedergeborener, nie tun kann.

[40:03] Jetzt schauen wir noch ein Vers an. 1. Johannes 3, Vers 9: "1. Johannes 3, Vers 9." Der gleiche Gedanke nur andersherum formuliert. "Jeder, der aus Gott geboren ist, tut..." Ich lese es in eurer Bibel: "...er tut nicht Sünde, denn sein Same bleibt in ihm." Was ist der Same? Das Wort Gottes. Kennt ihr im Alten Testament einen Vers, der auch diese Idee hat, dass das Wort Gottes uns vom Sündigen abhält? "Ich bewahre dein Wort in meinem Herzen, damit ich nicht gegen dich sündige." Er sündigt nicht, denn sein Same bleibt in ihm. Dieser unvergängliche Same ist das Wort Gottes. Es ist fruchtbar, es kann Frucht bringen. Es heißt weiter: "Denn sein Same bleibt in ihm und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist."

[41:12] Schaut mal in 1. Johannes 5, Vers 1. Noch ein interessanter Vers. "Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, der ist aus Gott geboren und wer den liebt, der ihn geboren hat, der liebt auch den, der aus ihm geboren ist." Langer Vers, der deutlich macht: Wenn du wiedergeboren bist, liebst du auch andere Wiedergeborene. Das kann nicht sein, dass du wiedergeboren bist und noch jemand anderes wiedergeboren ist und ihr hasst euch. Das gibt es nicht. Und wenn das doch Hass ist, dann ist vielleicht unser Glaube noch nicht immer genau so auf dem Wort Gottes basiert, manchmal nur vielleicht auf Zeichen, die wir erlebt haben. Dass wir vielleicht mal begeistert waren von Jesus und was Tolles erlebt haben und sagten: "Das wird schon stimmen." Aber der Glaube muss tiefer gehen. Er muss auf das Wort Gottes sich gründen und zwar richtig fest verankert sein, weil nur dann ist die Kraft in unserem Leben, dass wir diese Dinge hier tun können.

[42:14] Noch ein Beispiel, letzter Vers in diesem Zusammenhang. 1. Johannes 5, Vers 18: "1. Johannes 5, Vers 18." "Wir wissen, dass jeder, der aus Gott geboren ist, nicht sündigt." Jetzt alle Theologen unter euch werden vielleicht schon darauf warten. Ja, es stimmt, das Griechische sagt an der Stelle eine kontinuierliche Form. Das heißt, der Vers sagt nicht, dass wenn ich wiedergeboren werde, ich nie wieder sündigen kann. Das meint der Vers nicht. Aber der Vers meint: Ein Mensch, der wiedergeboren ist, wird nicht einfach ständig in der Sünde weiterleben. Es mag sein, dass er fällt. Ja, es mag sein, dass er wieder und er kann auch wieder aufstehen und er wird auch wieder aufstehen mit Gottes Hilfe, aber er wird nicht in dieser gewohnheitsmäßigen Rebellion leben. Und Gottes Wort schenkt ihm letztlich den Sieg über alle Sünde. Das ist die Idee. Und darauf kommt es an. Das ist dieser Same, der in unserem Herzen Frucht bringen soll. Deswegen heißt es auch die Frucht des Geistes. Übrigens, wer hat jetzt das Wort Gottes inspiriert? Der Heilige Geist.

[43:30] Jetzt gehen wir zurück zu Johannes. Johannes 3. Der Vers ist ja durchaus auch nicht ironisch, aber hat durchaus eine interessante Note. Weil worauf hatte der Nikodemus gewartet, samt allen Juden, von den obersten bis zu den untersten? Worauf haben die gewartet? Auf den Messias, weil, konkreter, auf den König, den kommenden König. Und wenn der König kommt, dann würde er ein neues Königreich errichten. Und jetzt sagt Jesus was Schockierendes. Er sagt: Schaut mal, was er sagt in Vers 3. "Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht mal sehen." Nicht, er sagt später in Vers 5, er kann da nicht hineingehen, aber er sagt in Vers 3: "Du kannst es nicht mal sehen." Geschweige denn hineingehen. Jemand, der nicht wiedergeboren ist, versteht das Reich Gottes gar nicht. Er kann es gar nicht sehen, selbst wenn es gegenwärtig ist. Jesus war ja das fleischgewordene Reich Gottes.

[44:31] Was ist eigentlich das Reich Gottes? Nur so ganz kurz gefragt. Das Reich Gottes ist... gibt einen Bibelfers, was ist das Reich Gottes? Haben wir schon öfter mal hier. Es ist klein wie ein Senfkorn und wächst dann wie ein Baum, aber was ist es? Genau, Römer 14 Vers 17 sagt: "Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist." Aber ohne Wiedergeburt sieht man das gar nicht. Da kann es Gerechtigkeit geben im Leben eines anderen Menschen, man sieht sie gar nicht. Da kann es Freude im Heiligen Geist geben, man ist völlig blind dafür, weil man nur auf Zeichen und Emotionen basiert ist, aber nicht auf dem bleibenden Wort Gottes.

[45:25] Weil Zeichen, die Sache ist die, Zeichen kommen und gehen. Man bleibt vielleicht eine Erinnerung daran, aber Zeichen haben oft, man ist begeistert, man hat eine Emotion und das vergeht wieder. Das Wort Gottes ist das einzige, was dem Glaubensleben Stabilität und Halt verleiht. Und deswegen muss jeder Gläubige in seiner Erfahrung auf das Wort Gottes gegründet sein.

[45:49] Zurück zu Nikodemus, der hört das natürlich nicht gerne, dass er als der Führer vielleicht nicht mal das Reich Gottes sieht, geschweige denn hineinkommt. Er dachte schon, er ist schon längst drin. Jetzt schaut mal, was er sagt in Vers 4: "Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Er kann doch nicht zum zweiten Mal in den Schoß seiner Mutter eingehen und geboren werden." Das erklärt sich fast von selbst. Was geht denn Nikodemus vor? Kennt ihr den Bibelfers, der das beschreibt, was hier vor sich geht? Okay, ich zeige euch mal einen Bibelfers, der das beschreibt.

[46:25] 1. Korinther, genau. Schaut mal, 1. Korinther 2, Vers 14: "1. Korinther 2, Vers 14." "Der natürliche Mensch aber nimmt es nicht an, was vom Geist Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt werden muss." Für den Nikodemus waren die Worte von Jesus total unsinnig. Klein kann ich mich gar nicht machen, dass ich da wieder reinpasse. Lächerlich. Eigentlich war es natürlich lächerlich, was er gesagt hat, war total lächerlich, aber das zeigt, dass ein Mensch, der nicht auf dem Wort Gottes, auf dem lebendigen Wort Gottes sein Glauben hat, Jesus gar nicht richtig verstehen kann. Wenn man nur aus äußerer Begeisterung Jesus nachfolgt, kann man seine Worte nicht richtig verstehen. Paulus sagt an anderer Stelle: "Die Predigt vom Kreuz ist eine Torheit denen, die nicht glauben."

[47:24] Zurück zu Jesus, kommen wir zum Schluss für heute. Letzter Vers, Vers 5, Johannes 3, Vers 5: "Jesus antwortete: Ohne jetzt in die Anatomie der Gebärmutter zu gehen, ohne irgendwer überhaupt das nur an..." Er hat das wieder vollkommen ignoriert. Zweimal ignoriert er, was Jesus, was Nikodemus sagt. Erst will Nikodemus ihm schmeicheln und ignoriert es einfach und sagt: "Das brauchst du." Und dann will Nikodemus mit einer sarkastischen, kritischen Frage ihn lächerlich machen und er sagt: "Egal, das brauchst du." Er hat sich nicht mal provozieren lassen, weder schmeicheln lassen, noch provozieren lassen. Sein Blick war einfach: "Das brauchst du, Nikodemus, denn er wusste, was im Menschen ist." Da kann man was von Jesus lernen. Wir sollen uns weder schmeicheln lassen, noch aus der Ruhe bringen lassen durch Kritik oder durch Sarkasmus oder durch Provokation, sondern immer im Augenblick halten, was braucht der Mensch eigentlich, was braucht er, was ist seine geistliche Not.

[48:27] Und da sagte er in Vers 5: "Wahrlich, wahrlich." Gleich nochmal, um es deutlich zu machen. Übrigens, wer ist denn eigentlich? Andere Frage: Wie stellt Jesus sich vor der Gemeinde Laodicea? Wisst ihr das zufällig aus dem Kopf? Sonst könnt ihr gut nachschauen in Offenbarung 3, Vers 14. Er sagt mehrere Attribute über sich, mit der er sich der Gemeinde Laodicea vorstellt. Er selbst, wie er sich selbst nennt. Er sagt zum Beispiel, dass er der Ursprung der Schöpfung Gottes ist. Er sagt auch, dass er der treue und wahrhaftige Zeuge ist und er sagt, dass er der, das Amen ist. Er sagt: "Ich bin das Amen selbst." Wenn er also sagt: "Amen, Amen", sagt er: "Was ich jetzt sage, verbürge ich mit meiner Existenz. Das sind nicht einfach Worte, sondern das bin ich. Amen, Amen, weil ich bin, kannst du dir sicher sein, dass das so ist, was ich jetzt sage." Und er sagt: "Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, so kann er nicht in das Reich Gottes hineingehen." Also erst das Reich Gottes nicht sehen, dann hineingehen.

[49:40] Übrigens, Wasser und Geist, woran erinnert euch das? Der Nikodemus war ja ein gebildeter Mann. Woran hat er gedacht? Wasser und Geist? Wasser und Geist? Woran hat er gedacht? Wo kommt zum ersten Mal Wasser und Geist vor? Bei der Taufe kam das auch vor, das stimmt. Ja, sogar sehr deutlich. Ja, genau. Johannes hatte gesagt: "Ich taufe euch mit Wasser, aber Jesus wird euch mit dem Heiligen Geist taufen." Wo kommt Wasser und Geist zum ersten Mal vor? Bei der Schöpfung. Die Erde war wüst und leer und Finsternis lag auf der Tiefe und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. Schöpfung. Mit anderen Worten, was Jesus sagt: "Du musst neu geschaffen werden, aus Wasser und Geist."

[50:30] Interessanterweise gibt es noch zwei andere Prophezeiungen, die Wasser und Geist verwenden, im Alten Testament. Schaut mal, Jesaja 44 und das dürften Passagen sein, die dem Nikodemus nicht unbekannt waren. Jesaja 44 und dort Vers 3 und 4. Jetzt schaut mal, wie schön das ist und wie das eigentlich noch die Aussagen von Jesus unterstützt hier. Jesaja 44, Vers 3 und 4: "So spricht der Herr", sagt es hier. Vers 3: "Denn ich werde Wasser auf das Durstige gießen und Ströme auf das Dürre. Ich werde meinen Geist auf deinen Samen ausgießen und meinen Segen auf deine Sprösslinge." Gott sagt: "Ich werde Wasser und Geist auf dich ausgießen." Was wird passieren? "Und sie sollen hervorsprossen zwischen dem Gras, die Weiden und den Wasserwächen. Die werden sagen: Ich gehöre dem Herrn und jener wird sich nach dem Namen Jakobs nennen. Ein anderer wird sich mit seiner Hand dem Herrn verschreiben und sich den Ehrennamen Israel geben." Wenn Menschen durch Wasser und Geist geboren werden, werden sie echte Israeliten. Dann verdienen sie den Ehrennamen Israel. Hier war der Lehrer Israels, aber er war noch nicht durch Wasser und Geist geboren. Er war noch gar kein echter Israelit, denn erst wenn sie vom Wasser und vom Geist belebt sind, sagt der Text, dann werden sie sich den Namen Israel wirklich geben.

[51:56] Noch ein Text, noch eine Prophezeiung, Hesekiel 36 und dort Vers 25 bis 27, die sind relativ bekannt. Hesekiel 36, Vers 25 bis 27: "Und ich will reines Wasser über euch sprengen und ihr werdet rein sein von aller eurer Unreinheit und von allen euren Götzen will ich euch reinigen und ich will euch was geben? Ein neues Herz." David sagt: "Erschaffe mir ein neues Herz, ein reines Herz." Es ist Erschöpfung. "Ich will euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres legen." Wieder Wasser und Geist. "Ich will Wasser auf euch sprengen, ich will einen Geist in euch legen, ich will das steinene Herz aus eurem Herz wegnehmen und euch ein fleischendes Herz geben. Ja, ich will meinen Geist in euer Inneres legen und werde bewirken, dass sie in meinen Satzungen wandeln und meine Rechtsbestimmungen befolgt und tut."

[53:02] Was Jesus letztlich sagt ist: "Du bist der Lehrer Israels, du lernst anderen die Gebote, aber ich möchte, dass du sie selbst hältst. Ich möchte, dass du wirklich gerecht handelst, dass du nicht nur von der Gerechtigkeit sprichst und ständig weitersündigst. Ich möchte, dass du wiedergeboren bist, dass du wirklich mit Wasser und Geist erlebst, dass Gott in dir diesen Gehorsam bewirken kann." Und dann kam natürlich die bittere Pille für Nikodemus. Wer hat mit Wasser getauft? Ein ungebildeter Prophet in Kamelhaar. Und wer hat mit Geist getauft? Ein ungebildeter Zimmermann aus Galiläa. Das, wonach er sich durchaus gesehnt hatte, kam so auf so eine scheinbar unattraktive Art und Weise und das war sein Kampf. Er hat wahrscheinlich gespürt, dass Jesus die Wahrheit sagt, aber dass es ausgerechnet durch diesen Kanal kommen sollte, durch Johannes und durch Jesus.

[54:01] Wir werden das nächste Mal sehen, wie das Gespräch weitergeht und wie Nikodemus versucht, das zu verstehen. Ellen White sagt uns, dieses Gespräch ist die tiefste Predigt, die Jesus vor seinem Kreuztod gehalten hat. Es lohnt sich, das Vers für Vers richtig zu verdauen. Heute stellen wir fest schon mal: Die Predigt an Nikodemus ist eigentlich nur zu verstehen, wenn man Vers 22 und 23 aus dem folgenden Kapitel verstanden hat. Es geht um zwei Arten von Glauben. Nikodemus hatte den Glauben, der auf Zeichen basiert, der aber kein Fundament hat. Jesus wollte ihn zu dem Glauben durch das Wort Gottes bringen, durch den unvergänglichen Samen. Und was er sich von uns wünscht, heute und jeden Tag ist, dass wir diese Wiedergeburt täglich erleben, dass wir jeden Tag mit diesem Samen des Wortes Gottes leben und nicht nur einfach auf ein paar Erfahrungen zurückblicken, sondern wirklich aus der Kraft des Wortes mit Jesus leben. Denn dann werden wir das Reich Gottes sehen und hineingehen, durch Wasser und Geist wiedergeboren.

[55:09] Auch noch gemeinsam beten? Lieber Vater im Himmel, hat Dank für diese klaren, deutlichen und eigentlich gar nicht so schwer zu verstehenden Verse in der Bibel, die doch so stark an die Substanz gehen, wenn wir wirklich darüber nachdenken, was das im Alltag bedeutet. Ich bin mir sicher, dass jeder Einzelne von uns in irgendeinem Bereich seines Lebens diese Worte immer wieder hören muss, die Jesus auch an Nikodemus gerichtet hat. Ich möchte dich bitten von ganzem Herzen, dass du uns diese Erfahrung schenkst, die wir in Jesaja und Hesekiel gelesen haben, von dem Wasser und dem Geist, die du verheißen hast, gereinigt zu werden und befähigt zu werden, dein Wort zu halten durch deine Kraft. Wir möchten dich bitten, dass du uns diese Erfahrung schenkst, Tag für Tag aufs Neue, dass wir, wenn wir diese Erfahrung schon kennen, in ihr bleiben und dass wir anderen davon erzählen. Wir möchten dich bitten, dass unser Glaube durch deine Kraft wirklich auf dem festen Fundament des Wortes Gottes gegründet ist. All das bitten wir im kostbaren und teuren Namen Jesu. Amen.


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