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In dieser Predigt wird die Begegnung Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen aus Johannes 4 beleuchtet. Christopher Kramp erklärt, wie Jesus einfühlsam und taktvoll auf die Frau zugeht, ihr tiefstes Bedürfnis nach Erfüllung anspricht und die Bedeutung des „lebendigen Wassers“ erklärt. Die Predigt beleuchtet auch die theologische Debatte zwischen Samaritern und Juden und wie Jesus diese überwindet, um die wahre Anbetung im Geist und in der Wahrheit zu offenbaren.


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Serie: Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus

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Transkript

[0:30] Hallo und herzlich willkommen zu unserem Seminar "Der Ersehnte". Schön, dass ihr da seid. Schön, dass ihr eingeschaltet habt auf www.joelmedia.de zur zweiten Folge der Geschichte von der Frau am Jakobsbrunnen. Wir haben vor zwei Wochen angefangen, uns da hinein zu vertiefen in Johannes 4 und wollen heute die nächsten Verse von Vers 14 bis 23 anschauen. Und bevor wir beginnen, wollen wir nach guter Gewohnheit niederknien für ein Anfangsgebet.

[0:58] Lieber Vater im Himmel, hab Dank, dass wir heute zu dir kommen können. Hab Dank, dass wir dein Wort haben und dass du heute zu uns sprechen möchtest. Ich möchte dich bitten, dass deine Worte uns tief im Herzen berühren, dass wir uns selbst in der Geschichte wiederfinden können und sehen können, was du für uns heute vorbereitet hast, was du uns heute sagen möchtest. Bitte hilf uns, von Jesus zu lernen, dass die Dinge, die wir über ihn lesen werden, dass sie uns zum Vorbild werden und dass wir auch so handeln, wie er gehandelt hat. Schenkt uns seinen Geist. All das bitten wir in seinem kostbaren und teuren Namen. Amen.

[1:52] Johannes, Kapitel 4. Wir haben uns ja das letzte Mal den Beginn dieser Geschichte angeschaut und festgestellt, dass Jesus eine äußerst brillante Art hatte, eine äußerst schöne Art hatte, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Erinnert euch daran, wie er sich ganz bewusst klein gemacht hat und diese Frau um einen Gefallen gebeten hat und dann dieses Gespräch so entwickelt hat, wie Jesus von Anfang an ihre Probleme kannte, aber mit einer ganz feinen Symbolik, mit diesem Wasser und dem Trinken ihr tiefstes Bedürfnis angesprochen hat, nämlich nach einer Erfüllung, die dauerhaft ist, die nicht immer hoch und runter und hoch und runter geht. Und wir hatten in Vers 13 aufgehört und wir wollen in Vers 14 weitermachen. Wir lesen vielleicht noch mal Vers 13, um da hineinzukommen. Jesus hatte gesagt: "Jesus antwortete und sprach zu ihr: Jeden, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten. Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle von Wasser werden, das bis ins ewige Leben quillt."

[3:27] Nun, warum sagt Jesus, dass er dieses Wasser geben wird, von dem man in Ewigkeit nicht dürsten wird? Heißt das, dass man einmal trinken muss und dann ist man für immer satt und man muss nie wieder zu ihm kommen? Hat er das gemeint? Was meint er mit diesem: "Mann, du wirst nie wieder in Ewigkeit dürsten"? Was will er uns damit sagen? Ja, das Wasser gibt Leben, ist ja auch das Wasser des Lebens, der Heilige Geist. Was soll diese Formulierung sagen? "Du wirst nicht dürsten." Ja, er ist das Lebenswasser, das stimmt absolut, er ist das Lebenswasser, der Heilige Geist ist das Lebenswasser, aber was bedeutet es, dass man nicht mehr dürsten wird? Genau, die Idee ist sozusagen, dass wenn ich Jesus habe, brauche ich keine andere Quelle. Die Idee ist nicht, dass ich nur einmal trinken muss und dann ist es gut für immer, sondern es ist die einzige Quelle, die ich brauche. Ich muss da nicht mehr zu anderen Quellen gehen. Jesus bezieht sich eigentlich auch auf einen alttestamentlichen Text. Schaut mal in Jesaja 49. Jesaja 49 und dort Vers 10. Jesaja 49 und dort Vers 10. Das heißt, es war eigentlich auch wiederum nur eine Wiederholung dessen, was im Alten Testament stand. Wenn es hier heißt in Jesaja 49 Vers 10: "Sie werden weder hungern noch dürsten. Keine trügerische Wasserspiegelung noch Sonne wird sie blenden, denn ihr Erbarmer wird sie führen und zu den Wasserquellen leiten."

[5:39] Weder hungern noch dürsten. Kennt ihr einen ähnlichen Vers im Neuen Testament, wo das so ähnlich gesagt wird, dass Jesus sie leiten wird und sie nicht mehr hungern und dürsten werden? Der so quasi die Parallelstelle hier zu Jesaja ist? Genau, Offenbarung. Und wo genau? Offenbarung 7. Schaut mal da. Offenbarung 7 und dort Vers 17. Offenbarung 7, Vers 16 und 17. "Und sie werden nicht mehr hungern und nicht mehr dürsten, auch wird sie die Sonne nicht treffen, noch irgendeine Hitze, denn das Lamm, das inmitten des Thrones ist, wird sie weiden und sie leiten zu lebendigen Wasserquellen und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen." Also hier haben wir Jesus ganz am Ende, der sagt, wenn ihr bei mir seid im Reich der Himmel, werdet ihr nicht mehr hungern, nicht mehr dürsten. Alles das, was ein Mensch begehrt, wird dort erfüllt werden und Jesus bietet das dieser Frau dort an diesem Brunnen an und sagt, wenn du von mir trinkst sozusagen, dann wirst du das Glück deines Lebens haben.

[7:07] Interessant ist, wir haben ja, kommen wir gleich dazu, gehen wir mal zu Johannes 4 zurück. Johannes 4 und genau, schauen wir noch mal in Vers 14. "Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle des Wasserwerdens, das bis ins ewige Leben quillt." Also Jesus sagt nicht nur, ich kenne die Quelle, er sagt auch, wenn du davon trinkst, wirst du auch eine Quelle werden. Jetzt haben wir gerade am Sabbat in der Betrachtung über einen Text gesprochen, wo das Wasser des Lebens seinen Ursprung hat. Könnt ihr euch daran erinnern? Wir haben in der Betrachtung eine Passage gehabt, wo der Ursprung, die Quelle des Wassers des Lebens genau beschrieben wird. Wo ist diese Quelle? Beim Thron Gottes und zwar im Heiligtum. Jetzt schlagen wir das ganz kurz auf. Lasst euren Finger hier in Hesekiel. Welche Stelle war das? Hesekiel 47. Und dort in Vers 12, da heißt es: "Aber an diesem Strom auf beiden Seiten seines Ufers werden allerlei Bäume wachsen, von denen man isst, deren Wasser nicht verwelken und deren Früchte nicht aufhören werden. Alle Monate werden sie neue Früchte bringen, denn ihr Wasser fließt aus dem Heiligtum. Und ihre Früchte dienen als Speise und ihre Blätter als Heilmittel." Und ihr habt dieses Bild vor Augen, das Wasser kommt aus dem Heiligtum heraus und fließt als ein kleiner Plätscher in der Bach und wird dann immer tiefer, je weiter man geht.

[8:50] Frage: Wenn die Quelle des Wassers des Lebens im Heiligtum ist, was bedeutet es, wenn Jesus sagt, wenn du von diesem Wasser trinkst, wirst du selbst zu einer Quelle des Lebens werden? Ja, man muss in das Heiligtum hineingehen.

[9:13] Also nochmal, wir sollen zu einer Quelle des lebendigen Wassers werden. Hesekiel 47 sagt, dass dieses lebendige Wasser, das alles wieder gesund macht, aus dem Heiligtum kommt. Was ist dann die logische Schlussfolgerung? Wenn wir zu einer Quelle des Wassers werden sollen, dann sind wir auch ein Heiligtum. Also behaltet das im Hinterkopf, ohne dass er das jetzt ausspricht, sagt er eigentlich zwischen den Zeilen, wenn du mir nachfolgst, liebe Frau, wirst du zu einem Heiligtum, zu einem Heiligtum, zu einem Tempel des Heiligen Geistes. Übrigens, wofür steht dieses Wasser? Für die Reinigung, ja, noch ein bisschen genauer, von den Sünden. Kennt ihr eine Bibelstelle, die das sagt, dass das Wasser diese Quelle von Sünden reinigt? Eine Quelle, da gibt es einen interessanten Text. Schaut mal mit mir in Sacharja, der ist nicht so bekannt, aber den könnt ihr euch mal merken oder aufschreiben. Sacharja 13, Vers 1, das ist ein ganz toller Vers. Ja, Sacharja 13, Vers 1, Sacharja 13, Vers 1, da heißt es: "An jenem Tag wird für das Haus David und für die Einwohner von Jerusalem ein Quell eröffnet sein." Ein Quell wofür? Oder wogegen?

[11:23] Genau, gegen Sünde und gegen Unreinheit. Die Bibel macht mehrere Aussagen darüber, dass dort so eine Quelle sein wird, die gegen Sünde ist, gegen Unreinheit. Ein Wasser, das reinigt. Das heißt, Jesus bietet ihr nicht einfach nur das Wasser des Lebens an im Sinne von, dann kannst du länger leben, sondern er bietet ihr dieses Wasser an, das die Qualität hat, sie von der Sünde zu reinigen. Das ist interessant, dass das Einzige, was wirklich alle unsere Bedürfnisse stillt, uns auch von der Sünde reinigt. Viele andere Dinge, die wir in unserem Leben tun, die erwecken den Eindruck, dass wir damit unsere Bedürfnisse stillen können, aber wir werden immer tiefer in die Sünde hineingezogen. Aber das, was uns von der Sünde reinigt, erfüllt auch alle unsere Bedürfnisse. Wir müssen also uns nicht entscheiden zwischen, soll ich ein reines Leben führen oder sollen meine Bedürfnisse gestillt werden. Ganz oft in unserem christlichen Leben haben wir diesen scheinbaren Spagat, dass wir sagen, naja, ich möchte ein reines Leben leben, aber ich möchte auch, dass meine Bedürfnisse gestillt werden. Und Jesus macht deutlich, wenn du von diesem Wasser trinkst, das deine Sünden reinwäscht, willst du gar nichts anderes mehr. Die echte Erfahrung, dass mir die Sünden vergeben sind, wird dazu führen, dass ich die Welt gar nicht mehr will. Du wirst gar nicht mehr dürsten.

[12:53] Das heißt, wisst ihr, was das bedeutet? Immer dann, wenn wir eigentlich nach der Welt dürsten, dann haben wir irgendwo die reinigende Kraft des Evangeliums entweder nicht erfahren oder vergessen oder uns ist sie gerade nicht so klar. Jetzt zurück zu Johannes 4. Also Jesus macht hier schon einen ganz wichtigen Punkt, behaltet das im Hinterkopf mit dem Heiligtum. Da kommen wir gleich nochmal darauf zurück.

[13:17] Johannes 4 und dort Vers 15. Jetzt ist die Frau offensichtlich interessiert. Schaut mal, was sie sagt in Vers 15. "Die Frau spricht zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich nicht dürste und nicht hierher kommen muss, um zu schöpfen." Also, was hat sie auf jeden Fall verstanden? Sie hat verstanden, dass sie es braucht. Was hat sie noch verstanden? Dass man dieses Wasser von Jesus bekommt. Was hat sie noch verstanden? Ja, das hat sie zum Teil verstanden. Sie hat verstanden, dass es von Jesus kommt. Sie hat verstanden, dass sie ein Bedürfnis hat. Und sie hat noch verstanden, dass ihr Bedürfnis gestillt wird, wenn sie das macht. Was hat sie noch erkannt? Eine Sache, das ist fast so offensichtlich. Sie hat verstanden, dass es sich nicht um das Wasser vom Jakobsbrunnen handelt, weil sie sagt, damit ich nicht mehr hierher komme. Trotzdem, genau, haben wir gerade gesagt, ganz genau, das lebendige Wasser. Sie hat also echtes Interesse, aber es gibt ein Problem. Warum sagt Jesus nicht einfach: "Wunderbar, ich will dein Erlöser sein, du kannst dieses Wasser des Lebens haben, geh hin in Frieden"? Wir kennen die Geschichte, das Wasser des Lebens, wie wir gerade gesagt haben, reinigt von Sünden, aber diese reinigende Kraft entfaltet sich nur, wenn ich überhaupt meine Sünde auch bekenne.

[14:55] Schaut mal, was Jakobus sagt. Lasst mal euren Finger hier drin. Geht mit mir zu Jakobus 4. Jakobus 4 und dort Vers 3. Jakobus 4 und dort Vers 3. Jakobus 4 Vers 3, das ist ein interessanter Vers in diesem Zusammenhang. "Ihr bittet und bekommt es nicht, weil ihr in böser Absicht bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden." Wenn diese Frau nicht ihr Problem zu Jesus bekannt hätte, sich dessen bewusst geworden wäre, dass es ein Problem ist, dann wäre das Wasser des Lebens in ihrem Leben vergeudet gewesen. Das heißt, das Geschenk Gottes kann nur dann seine volle Wirkung entfalten, wenn wir auch bereit sind, die Sünden weg reinigen zu lassen. Ansonsten ist es eine Vergeudung, ansonsten könnte Gott ja über alle Menschen das ewige Leben gießen. Also weiß Jesus, um dieser Frau für immer zu helfen, muss dieses Problem angesprochen werden.

[16:07] Jetzt lernen wir wieder von Jesus' delikater Gesprächsführung. Das ist ja nicht so einfach. Habt ihr schon mal jemandem versucht, deutlich zu machen, dass er in einer Sünde gefangen ist? Das kommt ja manchmal vor. Man muss einem Menschen deutlich machen, dass sie sündigen gerade und manch einer macht das gar nicht, weil er Angst hat, irgendwie richtend zu sein. Manch einer macht das mit Vorliebe, weil das so viel Freude macht vielleicht. Aber Jesus hat sich nicht darum gerissen, ihr das jetzt alles vorzustellen. Schaut mal, wie Jesus ihre Sünde anspricht. Vers 16. "Jesus spricht zu ihr: Geh hin, rufe deinen Mann und komm her." Das ist interessant. Warum sagt Jesus genau das und nichts anderes? Warum sagt er: "Geh hin, rufe deinen Mann und komm her"?

[17:00] Da kommen wir noch hin, da kommen wir noch hin. Bleiben wir erstmal bei dem Vers, nur bei dem Vers. Hat Jesus gewusst, dass sie gerade keinen Mann hat? Ja oder nein? Okay, also halten wir fest, wir wissen aus dem Johannes-Evangelium an mehreren Stellen, Jesus kannte immer die Vergangenheit oder die Umstände der Menschen. Welche Beispiele fallen euch ganz konkret schnell ein, wo wir das gesehen haben, dass Jesus auch die Geheimnisse der Menschen kennt oder wo er Dinge weiß, die er als Mensch alleine nicht wissen kann? Hier im Johannes-Evangelium haben wir das mehrmals schon gesehen. "Ich habe dich gesehen unter dem Feigenbaum." Simon kommt zu ihm und er sagt: "Du bist Simon, der Sohn von Jona." Woher weißt du das? "Und du wirst Kephas heißen." Ich kenne sogar seine Zukunft. Wir hatten gesehen in Johannes 2, dass Jesus sich den Menschen nicht offenbarte, weil er wusste, was in dem Menschen ist. Nikodemus kommt zu ihm und will ein Gespräch anfangen und Jesus sieht sofort, was sein Problem ist. Also, warum? Also, wir wissen, er kannte die Situation, wird ja gleich deutlich. Warum sagt er dann: "Geh hin und rufe deinen Mann", wenn er weiß, sie hat keinen? Warum macht er das? Wir wollen ja von ihm lernen. Er führt sie zum Bekenntnis, aber er hätte auch sagen können: "Hast du einen Mann?"

[19:02] Er hätte auch machen können, oder? Er hat aber nicht gefragt, er hat nicht gesagt: "Hast du eigentlich einen Mann?" Das hätten wir wahrscheinlich gemacht, oder? Wir hätten wahrscheinlich gesagt, wenn wir angenommen, wir wüssten von ihren Umständen. Fragt euch mal selbst, was hättet ihr gesagt? Hättet ihr gesagt: "Geh hin und rufe deinen Mann?" Wahrscheinlich nicht. Was lernen wir hier von Jesus? Er denkt voraus. Ja, wie voraus? Ja, er vermutet das Beste, selbst bei besserem Wissen. Er behandelt sie erst einmal so, als ob sie verheiratet ist. Jesus macht deutlich, ich vermute nur das Beste von dir und das ist etwas, was man von Jesus lernen kann. Wenn wir mit Sündern Umgang haben, wenn wir jemandem reden, der gerade in Sünde lebt, in Sünde gefangen ist, wie schwer fällt es uns das Beste vom anderen zu vermuten? Wir denken uns aus, dass er das bestimmt deswegen macht, weil er irgendetwas Schlechtes tun will, dies und jenes. Jesus hat das Beste vermittelt und das, obwohl er sogar das Gegenteil wusste. Das ist so ähnlich, wie als Gott zum Adam kommt und sagt: "Hast du etwa von der Frucht gegessen? Hast du etwa von dem Baum gegessen?" Jesus geht immer von dem Bestmöglichen aus und die Frage, die wir uns stellen müssen, ist, wenn wir über andere Menschen nachdenken, in der Gemeinde, außerhalb der Gemeinde, gehen wir davon aus, dass der andere bestmöglichste Intention hat. Wenn wir sehen, dass ein Bruder, eine Schwester, eine Gemeinde etwas macht, was uns nicht gefällt, gehen wir davon aus, dass sie die bestmögliche Intention hat. Wenn jemand in der Leitung der Gemeinde was macht, gehen wir davon aus, dass sie die bestmögliche Intention haben. Das hat offensichtlich sie gewonnen. Ja, ist auch eine Prüfung. Das kommt ja jetzt.

[21:26] Was macht sie? Also halten wir fest, Jesus behandelt sie so, als ob kein Problem vorliegt. Jesus behandelt sie so, als ob erstmal kein Problem vorliegt. Er hat so viel Taktgefühl und so viel Weisheit, aber er weiß, dass er damit das Gespräch jetzt in diese Richtung lenken kann. Sehr deutlich, ja, aber mit ganz viel Taktgefühl.

[21:45] Jetzt Vers 17. Was sagt sie? "Die Frau antwortet und sprach: Ich habe keinen Mann." Ist das die Wahrheit, ja oder nein? Ist das die Wahrheit, ja oder nein? Ja, es ist erstmal die Wahrheit. Sie ist nicht verheiratet, ja.

[22:18] Also halten wir fest, sie sagt die Wahrheit, aber sie verschweigt das Entscheidende. Wie oft machen wir das, dass auch wir in der Gemeinde oder im Privatleben durchaus die Wahrheit sagen, aber manches weglassen, von dem wir wissen, dass, wenn wir das auch sagen würden, würde unsere ganze Geschichte nicht ganz so glorios dastehen. Wir lassen gerne was weg, damit wir möglichst rein dastehen. Das Problem ist nur, wenn wir das Wasser des Lebens haben wollen, das uns reinigen soll, dann wird es eine Vergeudung sein, wenn wir uns gar nicht als unrein darstellen. Und das hat damit zu tun, dass wir ehrlich zu uns und zu Jesus sein müssen.

[23:03] Und jetzt ist es interessant, was Jesus sagt. Schaut einmal, was Jesus sagt. "Jesus spricht zu ihr: Du hast recht gesagt, ich habe keinen Mann." Wir kennen gleich den nächsten Vers, wir wissen, dass er gleich die Wahrheit sagt, aber er sagt zu ihr nicht: "Warum lügst du mich an?" Obwohl er weiß, dass sie etwas Wesentliches verschwiegen hat, lobt er sie doch für den Teil, für den er sie loben kann. Er sucht selbst in der Situation noch etwas Lobenswertes und sagt: "Hey, das, was du gesagt hast, das stimmt wirklich, du hast recht." Und wenn es hier heißt: "Du hast recht geredet", ist das nicht irgendwie satirisch oder zynisch? Das gleiche Wort, "du hast recht geredet", schaut mal, es kommt in Matthäus 15 vor, im Griechischen. Matthäus 15, Vers 7, nur mal ganz kurz, dasselbe Wort, "kalos". Matthäus 15, Vers 7, da sagt er nämlich: "Ihr Heuchler, treffend hat Jesaja von euch geweissagt, wenn er spricht." Also Jesus sagt, der Jesaja, was er gesagt hat, das stimmt hundertprozentig. Treffend hat er gesagt. Jetzt verwendet er dasselbe Wort und sagt: "Du hast recht gesagt." Es trifft zu, was du sagst. Jesus geht von dem Besten aus und lobt sie für das, wofür er sie loben kann.

[24:35] Das sind ganz entscheidende Geheimnisse, weil wir viel öfter die Sünden anderer Menschen erkennen, als dass wir sie dann wirklich auch zu Jesus führen. Es ist relativ einfach zu sehen, wo ein Mensch falsch liegt. Es ist eine ganz andere Sache, den Menschen so zu behandeln, dass wir ihn für Jesus gewinnen können. Und viel zu oft werden nur die Sünden bloßgelegt, um einen Menschen zu gewinnen. Jesus hatte von Anfang an das Ziel, sie zu gewinnen. Dazu mussten auch die Sünden bloßgelegt werden, aber wie ein Chirurg hat er erst die Situation so gemacht, dass es möglichst wenig Schmerzen sind und möglichst wenig Schnitte sein müssen.

[25:14] Ganz genau. Du hast einen entscheidenden Punkt gesagt, mit Liebe. Und ich denke, das lohnt sich wirklich. Versetzt euch in die Lage, ihr wisst, da verschweigt euch jemand Entscheidendes. Und dann trotzdem zuerst zu überlegen, was kann ich eigentlich loben? Was ist eigentlich positiv? Das war Jesus. Und jetzt kommt der entscheidende Punkt, das ist sehr wichtig. Jesus war nicht nur höflich, er war auch wahrhaftig. Die Höflichkeit von Jesus hat ihn nicht daran gehindert, doch auch den Finger auf die Wunde zu legen. Diese Balance ist entscheidend. Er ist sehr freundlich, sehr höflich, sehr taktvoll und dann aber auch sehr wahrhaftig.

[26:11] Nächster Vers, Vers 18. "Denn fünf Männer hast du gehabt und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann." Und jetzt schaut mal, was er sagt. "Da hast du die Wahrheit gesprochen." Das heißt, er fängt mit was Positives an, bringt dann die Wahrheit und dann kommt was Positives obendrauf. Wie nennt man das? In der Gesprächsführung nennt man das Sandwich-Taktik. Sagst du was Positives, sagst du dann, was du sagen musst und sagst noch was Positives obendrauf. Weil dann hat man das Gefühl, man wird nicht angegriffen, man wird gelobt. Dann hört man das, was man hören muss, wird man noch mal gelobt. Also wirklich ganz, ganz vorsichtig fast, aber trotzdem war das natürlich ein sehr deutlicher Punkt, weil Jesus sagt nicht nur: "Ich habe da komische Sachen über dich gehört." Er sagt: "Ich weiß genau was, ich weiß deine ganze Lebensgeschichte." Und Ellen White sagt, in dem Moment hat sie angefangen zu zittern. In dem Moment hat sie angefangen, über das Endgericht nachzudenken, weil plötzlich jemand, es war so, als ob jemand in ihrem Lebensbuch einfach blättert. Hier, das kenne ich auch und das und das und was ist hiermit? Als ob ihr ganzes Leben offenbar ist. Und das ist, was uns bewusst werden muss, wenn wir zu Jesus kommen, dann können wir vor Jesus nichts verstecken. Selbst wenn wir wollen, er kennt es sowieso und er wird uns zum richtigen Zeitpunkt mit der Nase drauf stupsen. Schau mal hier und wenn es die Jahre zurückliegt, schau mal hier. Du hast fünf Männer gehabt, in dem Fall. Und der fünfte ist nicht dein Mann.

[27:42] Also, was macht die Frau, als Jesus ihr das jetzt deutlich macht, dass hier ein Problem ist? Das ist total interessant. Wie reagiert sie? Schauen wir mal, Johannes 4 und dort Vers 19. "Die Frau spricht zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist." Vers 20. "Unsere Väter haben auf diesem Berg angebetet und ihr sagt, in Jerusalem sei der Ort, wo man anbeten soll." Was macht sie?

[28:20] Genau, sie lenkt ab. Und wie kann man am besten ablenken? Man bringt eine theologische Streitfrage vor. Lass uns mal diskutieren. Ihr sagt so, wir sagen so, jetzt lass uns mal die Argumente vorbringen. Und jetzt lasst uns ganz kurz nachdenken, bevor wir dann ins Detail gehen. Was macht Jesus, als er das merkt? Zwingt er sie zurück zum Gespräch und sagt: "Stopp, aus, nein, du hast meine Frage noch nicht beantwortet." Jesus geht darauf ein. Jesus lässt sie sogar das Gespräch führen, obwohl das jetzt natürlich ein Umweg sein wird, weil sie jetzt wieder abweicht. Jesus sagt nicht: "Moment mal, Moment mal, jetzt nicht ablenken", was wir so gern machen würden, oder? In der Situation, wenn wir jetzt an dem entscheidenden Punkt sind, jemand lenkt ab, dann würden wir fast alle sagen: "Moment mal, ich weiß, was du sagen willst, aber lass uns jetzt an diesem Punkt bleiben." Jesus ist wirklich ein Musterbeispiel an Taktgefühl.

[29:19] Warum? Wenn wir diesen Satz hier lesen, auf den ersten Blick sieht es aus wie reines Ablenkungsmanöver. Trotzdem ist hier etwas enthalten, was Jesus wahrscheinlich bemerkt hat, was wir nicht gleich sofort bemerken. Schaut mir nochmal Vers 19 an. Sie sagt ja: "Ich sehe, dass du ein Prophet bist." Warum ist dieser Satz bemerkenswert?

[29:56] Jesus hat eine besondere Rolle für sie. Sie will jetzt etwas wissen. Es ist total bemerkenswert, dass sie sagt: "Ich erkenne, dass du ein Prophet bist." Woran hat sie das erkannt, dass Jesus ein Prophet ist?

[30:11] Okay, andere Frage. Wenn jemand sagt, er ist ein Prophet, was würden wir normalerweise assoziieren mit der Aufgabe eines Propheten? Visionen und Zukunft voraussagen, oder? Aber Jesus gibt hier keine Vision und er sagt auch nicht die Zukunft voraus, sondern er sagt einfach nur: "Du hast die Sünde in deinem Leben." Das Erkennungsmerkmal eines Propheten ist also nicht nur, wenn jemand die Zukunft kennt, sondern wenn jemand geheime Sünden aufdeckt. Das ist ein interessanter Punkt, weil kennt ihr noch einen anderen Propheten, der auch etliche Visionen gehabt hat, aber der vor allem auch sehr viel private Sünden aufgedeckt hat? Jemand, der ganz, ganz, ganz, ganz, ganz, ganz viel private Briefe geschrieben hat und gesagt hat: "Zeugnisse hoch und runter, lauter private Briefe. Ich habe gesehen, was du in der Nacht getan hast. Ich habe gesehen, wie du deine Frau behandelst. Ich habe gesehen das und jenes." Das ist ein Zeichen eines Propheten. Nicht nur, dass man sagt: "Oh, in fünf Jahren wird das passieren oder dann wird das passieren." Also das nur so am Rande hier, weil das für das Verständnis von Propheten wichtig ist.

[31:33] Aber noch was. Was war nochmal ihre Nationalität? Eine Samariterin. Was haben die Samariter geglaubt? Was haben die, das haben wir gelernt. An was haben die geglaubt von der Bibel? Die ersten fünf Bücher Mose und was haben sie abgelehnt? Alle anderen Propheten. Sie haben gesagt, nach Mose kommt kein Prophet mehr. Alle anderen Propheten sind Irrlehrer. Jetzt lasst das mal in euren Kopf sinken. Wenn diese Samariterin sagt: "Du bist ein Prophet", ist das was ganz anderes, als wenn eine Jüdin gesagt hätte: "Du bist ein Prophet." Weil die Jüdin haben an ganz viele Propheten geglaubt. An Elia und Jesaja und Jeremia. Für einen Juden war das ganz normal, dass Gott immer wieder Propheten sendet. Aber Samariter haben geglaubt, dass seit 1500 Jahren kein Prophet mehr existiert hat. Das heißt, für sie war das eine außergewöhnliche Aussage.

[32:35] Ja, obwohl sie ablenkt, hat sie trotzdem schon ein ziemlich starkes Glaubensbekenntnis gemacht. "Ich sehe, dass du ein Prophet bist." Das ist eigentlich schon fast Verleugnung ihres Glaubens, denn nach ihrem Glauben dürfte sie Jesus niemals als einen Propheten bezeichnen. Und ich denke, Jesus hat das erkannt und hat deswegen sie gewähren lassen.

[33:03] Jetzt kommen wir mal zu diesem, übrigens vielleicht ganz kurz noch zum Thema theologische Streitfragen. Ich glaube, dass die allermeisten theologischen Streitfragen, die es gibt, die auch manchmal in den Gemeinden so grassieren, genau wie hier ihren Ursprung haben. Man diskutiert über theologische Spitzfindigkeiten, um die eigene Sünde zu bedecken. Jesus kommt zu nahe und man lenkt dann ab, indem man jetzt über eine Streitfrage diskutiert. Die Streitfrage hier war eine ganz unglaublich interessante, nämlich Vers 20. "Unsere Väter haben auf diesem Berg angebetet und ihr sagt, in Jerusalem sei der Ort, wo man anbeten soll."

[33:42] Jetzt, also was ist dieser Berg? Von welchem Berg redet sie hier? Dieser Berg. Das muss ja ein Berg sein in der Nähe, oder? Wo fand diese Situation noch mal statt hier? In Samarien, das ist ein großes Gebiet, nicht wahr? Also wo genau? An dem Brunnen, genau. Und wo war der? Der war in der Nähe von Sichem, dort wo die beiden Berge Garizim und Ebal waren. Diese beiden berühmten Berge, dort wo Abraham zum ersten Mal sein Zelt aufgeschlagen hatte, dort wo das Volk Israel den Segen und Fluch ausgesprochen hat, nicht wahr? Der Fluch auf dem Ebal, der Segen auf dem Garizim, ja, als sie dann nach Kanaan hineingegangen sind. Garizim war der Berg des Segens in 5. Mose und Joshua. Und jetzt sagt sie, und der Berg Garizim, als sie da gesprochen haben an dem Brunnen, der Berg Garizim ist da um die Ecke quasi. Sie sagt: "Schau mal, wir glauben, dass das, der Berg Garizim, dass das der richtige Ort ist, weil dort hat doch Mose den Segen hingelegt. Und ihr sagt in Jerusalem, schau mal, Jerusalem ist erst wann zum Ort des Heiligtums geworden? Zur Zeit von David, das ist wie viel nach Mose? Pimp mal Daumen, wie viele Jahre sind zwischen Mose und David? Ne, 3000 ist zu viel. 500, ungefähr 500. 500 Jahre. Das heißt, sie sagt: "Schau mal, unser Berg ist 500 Jahre älter. Das ist eine neue Einführung da. Jerusalem, das ist ja viel später entstanden."

[35:31] Übrigens, Samariter im Hebräischen kann auch bedeuten die Bewahrer. Deswegen haben sie gesagt, wir bleiben bei den fünf Büchern Mose. Alles andere ist später dazugekommen. Wir bleiben bei dem Original. Wir denken immer, die Samariter waren so ganz abgefallen. Ich glaube, wir hätten echte Probleme mit den Samaritern in Diskussion zu treten. Die waren nicht so dumm, wie wir denken. Wie sind denn auf die Idee gekommen, dass der Berg Garizim der richtige Berg ist? Die Geschichte ist, ihr wisst ja, wie sind die Samariter nochmal entstanden? Ganz kurz. Als das Nordreich von den Assyrern gefangen genommen worden ist, wurden Heiden dort angesiedelt. Die haben sich mit den übrigen Israeliten vermischt. Es entstand ein Mischvolk. Jetzt kommt eine entscheidende Geschichte und ihr könnt ja nachlesen in der Bibel. Als dann einige Zeit später Jerusalem zerstört worden ist, Juda nach Babylon ins Exil geht und nach 70 Jahren wieder zurückkehrt, wird in Jerusalem der Tempel aufgebaut. Die Samariter möchten helfen. Und was sagen Esra und Nehemia? "Ihr seid nicht reinrassige Juden. Ihr seid ein Mischvolk. Der Tempel ist für das Volk Gottes." Dürfen nicht mitmachen. Daraufhin sagen sie: "Okay, wenn ihr nicht wollt, machen wir unser eigenes Ding." Und sie beginnen eine Anbetung auf dem Berg Garizim. Das ist jetzt sehr interessant. Offensichtlich waren einige Juden mit dabei, die sie unterwiesen haben. Sie haben die fünf Bücher Mose gehabt und sie haben sogar in ihrer Übersetzung kleine, anders übersetzte Passagen. Zum Beispiel, das ist total interessant. Schaut mal in 5. Mose 12. Übrigens, wusstet ihr, dass die Samariter bis heute auf dem Berg Garizim ihre Anbetung haben? Es gibt bis heute einen Hohepriester der Samariter. Ich habe gegoogelt. Der heißt heute Abed El Ben Asher Ben Mazliach. Das ist der offizielle Hohepriester der Samariter. Bis heute sind die auf dem Berg Garizim. Interessant.

[38:03] 5. Mose 12, Vers 5. "Sondern an dem Ort, den der Herr euer Gott aus allen euren Stämmen erwählen wird, um seinen Namen dorthin zu setzen, damit er dort wohne, da sollt ihr ihn suchen und dahin sollt ihr kommen." Welchen Ort hat Gott erwählt, als sie ins Land Israel kamen? Kommt, helft mir. Welchen Ort hat Gott erwählt, als die Israeliten nach Kanaan hineinkamen? Welchen Ort hat Gott erwählt zuerst? Welchen Ort hat er erwählt für das Heiligtum? Wo stand die Stiftshütte im Alten Testament? Wo Eli Priester war zur Zeit von Samuel? Wo stand die Stiftshütte? In Silo, genau, absolut in Silo. Und dann später, zur Zeit von David, war der Tempel wo? Zur Zeit von David und Salomo war der Tempel dann wo? Also zur Zeit von Salomo in Jerusalem.

[39:17] In der samaritanischen Übersetzung steht nicht "den Ort, den der Herr erwählen wird", sondern "der Ort, den der Herr erwählt hat". Wenn also die Samariter gelesen haben, haben sie gesagt: "Schaut mal hier, in unserer Bibel steht der Ort, den der Herr erwählt hat. Welchen Ort hat er erwählt?" Dann haben sie gesagt, dass auf dem Berg Garizim Abraham seinen Sohn geopfert hat. Sie haben gesagt, das ist der Berg und deswegen ist das der Berg, den Gott erwählt hat. Und der Eli, haben sie gesagt, die hatten eine richtige Verschwörungstheorie. Die haben gesagt, der Eli ist abgefallen und hat dann ein zweites Heiligtum gebaut in Silo. Und ihr Juden, ihr folgt dem falschen Priester nach, dem Eli. Und wir haben noch das Original. Denn schau, zur Zeit von Mose, Garizim, da war der Segen. Das war ihre Überlegung. Das ist ganz interessant, weil wenn man das jetzt debattieren will, ist gar nicht so einfach.

[40:15] Und naja, man könnte also jetzt lang und breit diskutieren über die Frage der Propheten, über die Übersetzung, was ist jetzt die richtige grammatische Form. Jesus hätte stundenlang mit ihr diskutieren können und es wäre ziemlich spannend geworden. Ich sage das deswegen, weil wir ganz oft auch mit solchen seltsamen Theorien konfrontiert werden, die zum Teil gar nicht so schlecht begründet sind. Ja, wo dann mit irgendwelchen Übersetzungen und irgendwelchen Verschwörungstheorien dann irgendwie gesagt wird: "Aber eigentlich ist es so gewesen." Ja, und das ist eigentlich, das ist falsch so. Aber was macht Jesus?

[40:56] Schaut mit mir in Johannes 4. In Johannes 4 und dort Vers 21. Wie antwortet Jesus auf dieses Streitangebot? "Ihr sagt, wir müssen nach Jerusalem, aber nach unserer Bibel ist es Berg Garizim." Was sagt Jesus? Vers 21. "Jesus spricht zu ihr: Frau, glaube mir, es kommt die Stunde, wo ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet."

[41:34] Also, anstatt sich an eine kleine Diskussion zu verfangen, sagt er: "Pass mal auf, ob du es glaubst oder nicht. Garizim, Jerusalem, alles zweitrangig. Es geht um etwas viel Wichtiges." Was hat er ihr vorher gesagt? In Vers 14: "Das Wasser, das wird wo in einer Quelle werden? Das Wasser wird in dir. Du wirst selbst ein Heiligtum sein." Wenn du selbst ein Heiligtum bist, wirst du dich nicht mehr darüber streiten, ob der Tempel in Garizim sein muss oder ob der Tempel in Jerusalem ist, weil du bist ja selbst ein Tempel des Heiligen Geistes. Dann weißt du, dass man Gott nicht auf einen Berg beschränken kann. Diese ganze Frage ist ja eigentlich beschränkt, denn es bedeutet ja, ist jetzt Gott entweder in Garizim oder in Jerusalem. Es vermittelt solche theologischen Streitfragen begrenzen Gott in unserem Denken. Sie machen Gott klein. Es geht nur noch um Rechthaberei. Meine Übersetzung, deine Übersetzung, aber hier und da und weißt du nicht. Dabei übersieht man die Größe Gottes. Gott hat im Alten Testament immer wieder gesagt, dass man gar keinen Platz finden kann für ihn. Welches Haus wollt ihr mir bauen, sagt Gott. Ich erfülle den Himmel. Gott kann nicht begrenzt werden.

[42:58] Also Jesus bricht dieses Argumentationsschema durch. Die Frau hat bestimmt früher mal mit Juden gesprochen. Die Juden haben immer gesagt: "Nein, nein, nein, nein, du musst hier, schau mal, guck mal hier, Samuel und Eli und David und die sagen, na, das glauben wir nicht. Das sind eure Propheten. Wir glauben nur an die Bibel, erste bis fünfte Mose. Eure anderen Propheten wollen wir nicht." Und er geht hin und her, hin und her und Jesus sagt: "Pass auf, hör mal zu, es geht um etwas ganz anderes. Es geht um die Anbetung Gottes und Gott ist nicht lokal begrenzt."

[43:27] Also wieder könnte etwas von Jesus lernen, statt immer auf derselben Spur zu laufen argumentativ, hilft es manchmal einfach, eine ganz neue Perspektive einzunehmen, um einen Menschen zu gewinnen. Aber, und das ist jetzt interessant, Vers 22, wiederum ist die Freundlichkeit Jesu nicht dazu da, die Wahrheit auszublenden. Er ist zuerst nett und freundlich und sagt: "Schau mal her, die Frage ist eigentlich ein bisschen beschränkt, weil darum geht es gar nicht." Aber trotzdem macht er deutlich, wer am Ende recht hat.

[44:05] Schaut mal in Vers 22. "Ihr betet an, was ihr nicht kennt. Wir beten an, was wir kennen, denn das Heil kommt aus den Juden." Bei aller Freundlichkeit und bei allem Taktgefühl macht Jesus doch deutlich, was die Wahrheit ist. Nämlich Gott hat Jerusalem erwählt, nicht Garizim.

[44:39] Frage: Hätte Jesus, konnte die Frau diesen Satz von Jesus mit ihrer eigenen Bibel bestätigen, ja oder nein? Ja, wenn Jesus sagt: "Das Heil kommt aus den Juden", das klingt ja fast ein bisschen arrogant, oder? Also auf den ersten Blick, wenn Jesus sagt: "Naja, ihr betet an, was ihr nicht kennt, aber das Heil kommt aus den Juden." Ist das ein Satz, den die Samariterin allein aus den fünf Büchern Mose nachvollziehen konnte? Oder bräuchte man dazu Maleachi oder Jesaja, irgendwas von dem, was die Samariter nicht anerkannt haben?

[45:10] Ja, also die Frage ist ja, wie kann man mit den fünf Büchern Mose beweisen, dass das Heil aus den Juden kommt und nicht aus den Samaritern? Also ihr müsst euch ja in die Lage von Jesus versetzen. Er muss ja etwas sagen, was auch mit ihrer Bibel zu belegen ist. Ansonsten macht es ja keinen Sinn. Wo in fünf Büchern Mose gibt es eine Stelle, wo deutlich wird, dass das Heil aus den Juden kommt? Nee, vielleicht auch, aber Jakob ist schon mal ein guter Hinweis. Jakob, Jakob, Jakob, Jakob, Jakob, was hat Jakob gesagt? Versetzen wir uns mal in die Lage von Jesus, wie Jesus gedacht hat. Er muss ja irgendwas sagen, die Wahrheit so formulieren, dass auch sie das nachvollziehen kann.

[46:18] Das Heil kommt aus den Juden. Genau, aber welche genaue Verheißung? Schaut mal in 1. Mose 49. 1. Mose 49. Schaut, die Samariter waren ja zumindest zum Teil genetisch ja noch Abkömmlinge von dem Nordreich. Da floss noch ein bisschen Blut von Dan und Asser und Sebulon und Naphtali in denen drin. Aber Jesus sagt, das Heil kommt nicht aus Naphtali, das Heil kommt nicht aus Sebulon, das Heil kommt nicht aus Asser, das Heil kommt aus Juda. Warum? 1. Mose 49, Vers 10.

[47:07] 1. Mose 49, Vers 10. "Es wird das Zepter nicht von Juda weichen, noch der Herrscherstab von seinen Füßen, bis der Schilo kommt, und ihm werden die Völker gehorsam sein." Jesus sagt mit anderen Worten: "Du weißt ganz genau, der Herrscher über die ganze Welt, der Messias, der Schilo kommt aus Juda." Das steht sogar in deiner Bibel. Das ist die Brillanz von Jesus. Er geht nicht auf die Streitfrage ein und sagt: "Gott ist so viel größer, aber übrigens, in deiner eigenen Bibel steht doch, dass das Heil aus den Juden kommt, das weißt du doch selbst." Mal abgesehen, natürlich kommt er in der Bibel vor, Jerusalem auch, aber du weißt doch selbst, dass die Bibel sagt, das Heil kommt aus den Juden. Dann macht das doch auch Sinn, dass Jerusalem der Ort ist, oder? Also Jesus war wirklich ein guter Bibelarbeiter. Er hat gewusst, wie man die Dinge formuliert, dass auch sie das nachvollziehen konnte, nicht einfach nur irgendwas gesagt. Er hat nicht Jesaja zitiert oder Jeremia, weil das hätte sie nicht anerkannt. Er hat etwas zitiert, was aus den fünf Büchern Mose kam und das zeigt mir, wie taktvoll er gewesen ist.

[48:16] Nochmal zurück zu Johannes 4, sind gleich am Ende. Übrigens, ist es nicht interessant, was Jesus hier sagt am Anfang von Johannes 4, Vers 22, wenn er sagt: "Ihr betet an, was ihr nicht kennt." Ist das eine negative Aussage oder eine positive Aussage?

[48:38] Ja, natürlich, sie kennt es ja nicht. Also, was hätten die, also versuch das mal, kann man das auch positiv sehen, diese Aussage? Also erst einmal, beten sie Gott an, ja oder nein? Sie beten, aber sie kennen ihn nicht. Ihnen fehlt die richtige Erkenntnis, aber er sagt nicht, alles, was er tut, ist verkehrt. Er sagt: "Ihr betet an, aber ihr kennt ihn nicht." Und dann stelle ich euch die Frage: Wenn ich etwas nicht weiß, wie sehr hält Gott mich dann schuldig? Sagt Gott nicht, dass Gott die Zeit der Unwissenheit übersieht? Ein normaler Jude hätte gesagt: "Ihr seid abgefallen, ihr seid total daneben." Jesus sagt: "Euch fehlt einfach ein bisschen Erkenntnis." Jesus hält die samaritische Religion viel positiver, er schätzt sie viel positiver ein als die Juden und das ist auch interessant. Er sagt: "Ihr seid schon auf dem Weg."

[49:48] Kennt ihr noch jemand, der so ganz ähnlich dann später argumentiert hat, der auch gesagt hat: "Ihr betet einen Gott an, den ihr gar nicht kennt?" Paulus, nicht wahr? Die all diese Götzen anbeten und er sagt nicht: "Was seid ihr alles für Götzen anbetet?" Er sagt: "Oh, ich merke, ihr seid sehr gläubige Menschen." Er findet etwas Positives und sagt: "Schaut mal hier, diesen Gott, den unbekannten Gott, den ihr anbetet, den verkündige ich euch." Also da sieht man, wie Paulus von Jesus gelernt hat, das hat Jesus ihm hier quasi vorgemacht und das können wir natürlich auch lernen und praktizieren.

[50:22] Vers 23 und jetzt kommt der entscheidende Punkt. "Aber die Stunde kommt und ist schon da, wo die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden, denn der Vater sucht solche Anbeter." Warum sagt er: "Die Stunde kommt und sie ist schon da"? Er ist gekommen. Er sagt: "Jetzt ist die Zeit da." Ja, ganz genau. Also, was Jesus macht, ist sehr interessant. Er sagt: "Ihr wisst nicht, was ihr tut." Die wissen, was sie tun, aber das ist nicht das, was Gott sucht. Die Juden haben zwar recht, aber sie beten nicht Gott an, wie er es möchte. Sie haben zwar den richtigen Ort, sind das richtige Volk, haben die richtige ganze Bibel mit allen Propheten, aber Gott sucht etwas anderes. Gott sucht wahre Anbetung und da sollten wir jetzt ganz hellhörig werden, weil wir vielleicht auch manchmal diese Idee haben, wir haben alle Propheten, wir haben die Bibel, wir haben Ellen, die anderen haben es nicht und wir sind das Volk der Endzeit und vielleicht sagt Jesus auch über uns: "Ja, also nicht wahr, diese Kirche, die betet an, aber sie weiß gar nicht genau, wie und was, ihr fehlt die Kenntnis und schon mal die Adventisten, die haben die richtige Kenntnis, aber Gott sucht eigentlich richtige Anbetung. Anbetung im Geist und in der Wahrheit."

[52:19] Jesus ist sehr wohl in der Lage zu unterscheiden, was rechtgläubig ist und was nicht, aber macht auch deutlich, dass alle Rechtgläubigkeit nicht das ist, was Gott sucht alleine, ja, nicht, dass Gott das egal ist, aber er sucht etwas anderes. Er sucht eine Anbetung im Geist und Wahrheit. Schaut mal in Jesaja 1, Jesaja 1 und dort ab Vers 10. "Hört das Wort des Herrn, ihr Fürsten von Sodom, nehmt zu Ohren das Gesetz unseres Volkes, ihr Leute von Gomorra. Was soll mir die Menge eurer Schlachtopfer, spricht der Herr. Ich bin der Brandopfer von Widdern und des Fettes der Mastkälber überdrüssig; am Blut der Jungstiere, Lämmer und Böcke habe ich kein Gefallen. Vers 13: Bringt nicht mehr vergebliche Speisopfer; Räucherwerk ist mir ein Gräuel; Neumond und Sabbat, Versammlung halten, ertrage ich nicht. Vers 14: Eure Neumonde und Festzeiten hasst meine Seele, sie sind mir zur Last geworden, ich bin es müde, sie zu ertragen."

[53:28] Also, womit hat Gott ein Problem? Sind Schlachtopfer falsch? Sind Schlachtopfer falsch? Ja oder nein? Nein, sind Jungstiere falsch? Lämmer falsch? Böcke? Alles richtig, Räucherwerk, Speisopfer, Sabbat, Neumond, alles richtige Dinge und Gott kann den Gottesdienst nicht ertragen. Warum? Vers 15: "Und wenn ihr eure Hände ausbreitet, verhülle ich meine Augen vor euch, und wenn ihr noch so viel betet, höre ich doch nicht; eure Hände sind voll Blut."

[54:02] Was Jesus sagt, mit anderen Worten ist: "Schau mal, liebe Frau, ihr habt eine falsche Theorie, euch fehlt über die Hälfte der Bibel, die Juden haben die richtige Bibel, aber ganz ehrlich, Gott sucht was ganz anderes, er sucht Bekehrung." Und damit hat die Frau verstanden, er will sie nicht einfach zu einer Jüdin machen, er will nicht einfach ihre Nationalität ändern oder ihre Kultur ändern, er will sie zu Gott bringen. Und indem er offensichtlich zeigt, dass nicht die Juden das Ideal der Welt sind, merkt sie: Okay, Gott ist anders als der Gott, den sie in den Juden sieht, denn in den Juden sieht sie nur Hass und Verachtung. Und das macht dann letztendlich ihr Herz auf und wie wir dann beim nächsten Mal sehen werden, dass sie ihn annimmt als Messias und als König. Gott verlangt echte Anbetung. Es war nicht allein die Schuld der Samariter, die größere Schuld lag bei den Juden, die Gott so falsch dargestellt hatten, ging am richtigen Tag zum richtigen Ort und waren doch ein Hindernis für die anderen Nationen, Gott richtig anzubeten. Und Jesus hat uns hier gezeigt, wie man einen solchen Menschen, der so viel Schlechtes erlebt hat mit dem wahren Volk Gottes, wie man ihn trotzdem gewinnen kann. Und das ist eine ganz, ganz enorme Situation, weil wie viele Menschen haben vielleicht Kontakt mit Gottes Volk gehabt und sind enttäuscht worden, so sehr, dass sie nichts mehr von der Wahrheit wissen wollen. Und da ist dieses Kapitel von ganz, ganz großer Bedeutung.

[55:34] Jesus hatte den Tempel gereinigt und deutlich gemacht: "Schau mal, so wie die Juden anbeten, das ist nicht die Wahrheit. Gott sucht Anbeter in Wahrheit und im Geist." Der Heilige Geist, das Wasser des Lebens. Und schaut, ist es nicht interessant, dass Gott diese Menschen sucht?

[55:55] Schaut mal, wir gehen zum letzten Vers, Jesaja 66 und dort Vers 1 und 2. Jesaja 66, Vers 1 und 2, das bringt eigentlich alles zusammen, was Jesus hier in diesem Gespräch mit ihr gesagt hat. Jesaja 66, Vers 1 und 2: "So spricht der Herr: Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel für meine Füße. Was für ein Haus wollt ihr mir denn bauen? Oder wo ist der Ort, an dem ich ruhen soll? Das ist ja die Frage. Garizim, Jerusalem, noch ein Ort. Vers 2: Denn dies alles hat meine Hand gemacht und so ist dies alles geworden, spricht der Herr. Ich will aber den ansehen, danach suche ich sozusagen, der demütig und zerbrochenen Geistes ist und er zittert vor meinem Wort."

[56:40] Diese Frau war ein Kandidat für den Himmel, weil sie hat gezittert, als sie vor dem Wort Gottes stand. Und wir, die wir die Wahrheit kennen, sollten auch vor Gottes Wort zittern, nicht nur die Wahrheit über Gottes Wort kennen, sondern vor Gottes Wort zittern, gedemütigten Geistes sein und ihn anbeten in Wahrheit und im Geist. Amen. Lass uns auch gemeinsam beten.

[57:28] Lieber Vater im Himmel, hab Dank, dass wir diese Geschichte in der Bibel haben, die uns zeigt, wie wir mit Menschen umgehen können, die verwirrt sind durch falsche Theorien und die enttäuscht sind und frustriert sind durch die Kälte des Volkes Gottes. Hab Dank, dass wir sehen können, wie du, Herr Jesus, dass du so viel Taktgefühl gehabt hast und wie du diese Frau gewinnen konntest für das ewige Leben. Wir möchten dich bitten, dass wir auch diesen Geist in uns haben, dass wir auch so reden und handeln, wie du geredet und gehandelt hast und dass wir Weisheit haben, Menschen so anzusprechen, dass sie das Evangelium verstehen können und lieben können. Wir möchten dich darum bitten, von ganzem und tiefem Herzen. Amen.

[58:28] Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!


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