Veröffentlicht am
907 Klicks

In dieser Predigt aus der Serie „Der Ersehnte“ beschäftigt sich Christopher Kramp mit dem Kapitel Johannes 5. Er beleuchtet die Bedeutung des Passafestes, die geografische und historische Einordnung des Teichs Bethesda und die tiefere Bedeutung der Frage Jesu an den Kranken: „Willst du gesund werden?“. Die Ausführungen gehen auf die Problematik des Verses 4 ein und beleuchten, wie Jesus durch seinen Glauben und sein Wort Heilung schenkt, die über die körperliche Genesung hinausgeht.

In dieser Predigt aus der Serie „Der Ersehnte“ betrachtet Christopher Kramp das biblische Ereignis der Heilung eines Mannes, der 38 Jahre lang krank war. Er beleuchtet die Bedeutung des Passafestes, die Symbolik des Teichs Bethesda und die tiefgründige Frage Jesu: „Willst du gesund werden?“. Die Ausführungen gehen auf die Natur von Glauben und göttlicher Kraft ein und zeigen, wie Jesus nicht nur körperliche, sondern auch geistliche Heilung schenkt.


Weitere Aufnahmen

Serie: Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus

  • 0:0
  • 0:0
  • 0:0

Transkript

[0:30] Hallo und herzlich willkommen zu unserem Seminar "Der Ersehnte". Schön, dass ihr da seid. Schön, dass ihr jetzt live eingeschaltet habt auf www.joelmedia.de oder euch später die Aufnahme anschaut. Wir haben heute Folge 45 in unserer Betrachtung des Lebens von Jesus und wir wollen heute uns mit Johannes 5 anfangen zu beschäftigen, einem großen und wichtigen Kapitel im Evangelium des Johannes. Und bevor wir beginnen, wollen wir, wo es möglich ist, niederknien für ein Anfangsgebet. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir Danke sagen für die Gelegenheit, heute Abend zu dir zu kommen und für die Gelegenheit, in deinem Wort zu lesen. Und wenn wir diese Geschichte in Johannes 5 heute betrachten, möchten wir dich bitten, dass die Kraft des Evangeliums, die Schönheit deines Charakters ganz besonders deutlich wird. Schenk uns Freude beim Studieren deines Wortes und sprichst du zu unserem Herzen. Im Namen Jesu, Amen. Johannes, Kapitel 5, ihr seid eingeladen, eure Bibeln aufzuschlagen. Wir wollen Vers für Vers durchgehen, zumindest mal den ersten Teil. Wir werden natürlich alles heute nicht schaffen, wenn wir die nächsten Wochen mit dem Kapitel verbringen. Wir haben das letzte Mal Johannes 4 zu Ende gebracht, hat uns ja auch einige Wochen gedauert, dort dieses lange Kapitel hindurch zu gehen. Und wir kommen jetzt zu Johannes, Kapitel 5 und dort ab Vers 1.

[2:19] Johannes, Kapitel 5 und dort ab Vers 1. Das heißt hier: "Danach war ein Fest der Juden und Jesus zog hinauf nach Jerusalem." Also, wir haben ein neues Ereignis und wir haben einen neuen Zeitpunkt. Die Geschichte, die wir jetzt anschauen, findet statt zur Zeit eines Festes. Wie viele Feste gab es bei den Juden? Wie viele Feste haben sie gehabt? Es gab sieben Feste des Herrn, die in 3. Mose 23 beschrieben werden. Da kamen noch ein paar nicht-biblische dazu, wie zum Beispiel das Chanukka-Fest, Tempelweihe. Aber zumindest bei drei Festen war es vorgeschrieben, dass jeder gläubige Mann zumindest nach Jerusalem oder zum Heiligtum kommen sollte. Schauen wir mit mir in 5. Mose 16 und dort Vers 16. 5. Mose 16 und dort Vers 16. Bei drei Festen sollten die gläubigen erwachsenen Männer immer zum Heiligtum, zum Tempel kommen. 5. Mose 16, Vers 16: "Dreimal im Jahr soll alles männliche Volk bei dir vor dem Herrn, deinem Gott, erscheinen an dem Ort, den er wählen wird. Und zwar am Fest der ungesäuerten Brote und am Fest der Wochen und am Fest der Laubhütten. Aber niemand soll mit leeren Händen vor dem Herrn erscheinen." Also, es gab drei Feste: das Fest der ungesäerten Brote, also Passa und dann die Tage danach, dann das Fest der Wochen und das Fest der Laubhütten. Eines dieser drei Feste muss es gewesen sein, als Jesus hier nach Jerusalem kommt. Was meint ihr, welches Fest ist es gewesen, das hier in Johannes 5 beschrieben wird? Was würdet ihr sagen? Das Fest der ungesäerten Brote. Gute Idee. Warum? Sehr gute Idee. Das wäre dann quasi das Passa auch.

[4:44] Frage: Wann war das, wenn wir zurückdenken die letzten Wochen in Johannes, wo hatten wir das letzte Mal eine Zeitangabe gehabt, wo wir gesehen haben, wann Jesus gerade gewirkt hat? Wo war das letzte Mal im Johannes-Evangelium sowas wie eine Zeitangabe gewesen? Wenn ihr zurückschaut, das haben wir vor einigen Wochen besprochen. Und zwar, wenn ihr zurückschaut in Johannes 4 und Vers 35 sagt ihr nicht: "Es sind noch vier Monate, dann kommt die Ernte." Wir haben damals daraus gerechnet, dass Jesus mit der Samariterin ungefähr am Jahresende, so dem heutigen Dezember, Anfang Januar gesprochen hat. Vier Monate bis zur Ernte. Die Ernte begann damals im Frühjahr, denn das Passa, da kommt zwei Tage später dann das Fest der Erstlingsfrucht, wo die Ernte beginnt. Das heißt, Johannes 4 war Ende 28, im Jahre Ende 28 nach unserer Zeit. Und das nächste Fest, das jetzt kommen würde, war das Passafest. Denn die Feste des Herbstes, also das Laubhüttenfest, waren ja alles schon vorher gewesen. Das heißt, es muss sich also um das Passafest handeln. Das bedeutet, Johannes 5 ist jetzt ein Jahr später nach Johannes 2. In Johannes 2 war das Passa gewesen, ihr erinnert euch. Jesus war zum Tempel gekommen und dort hat er im Tempel den Tempel gereinigt, hat all die Verkäufer und die Wechsler hinausgeworfen. In Johannes 5 haben wir wieder ein Passa. Das heißt, in diesen wenigen Kapiteln ist ein Jahr vergangen. Und wie wir schon öfter angesprochen haben, es wird nur relativ wenig berichtet. Einige entscheidende Geschichten, die Nicodemus und die Frau am Jakobsbrunnen. Aber größtenteils hat er getauft in Judäa und jetzt ist ein Jahr vergangen.

[7:03] Das heißt, seit seiner Taufe sind jetzt schon wie viele Jahre vergangen oder wie viel Zeit? Seit seiner Taufe. Wenn das das erste Passa war und das wird das zweite Passa, das ist nicht so schwer, weil es ja getauft worden. Im Jahre 27, wann? Im Februar, März, April. Die Jahreszeit ist ja getauft worden. Kommt, ihr wisst es. Im Herbst. Wenn er dreieinhalb Jahre gedient hat, muss er im Herbst getauft worden sein. Und wenn er im Herbst 27 getauft worden ist, dann ist dieses erste Passa, das Passa im Jahre 28 und dieses Passa im Jahre 29. Macht das Sinn? Das heißt, wir sind hier in Johannes 5 bereits anderthalb Jahre nach der Taufe. Es sind schon anderthalb Jahre Dienst vergangen. Er weiß, er hat nur noch zwei Jahre vor sich und er kommt zum zweiten Passa als Messias nach Jerusalem.

[8:15] Jetzt gehen wir weiter in Johannes 5. Es heißt also, er zog hinauf nach Jerusalem, hinauf natürlich, weil Jerusalem im Bergland von Judäa liegt und man da größtenteils bergauf gehen musste. Vers 2: "Es ist aber in Jerusalem beim Schaftor ein Teich, der auf hebräisch Bethesda heißt und der fünf Säulenhallen hatte oder hat." Frage: Habt ihr schon irgendwo mal in der Bibel was von dem Schaftor gelesen, außer in Johannes 5? Das kommt gleich, da kommt gleich der Mann, der da sitzt. Ja, das stimmt. Aber im Alten Testament, ganz unbekannt, gibt es eine Stelle, wo das Schaftor erwähnt wird. Und zwar, schaut man mit mir in Nehemia. Nehemia Kapitel 3, da wird der Aufbau oder der Fertigbau der Mauer beschrieben. Er beschreibt in Nehemia, wer an welchem Mauerabschnitt gearbeitet hat und die Mauer wurde aufgebaut, Schritt für Schritt. Nehemia 3, Vers 1: "Und Eliaschib, der Hohepriester, machte sich auf samt seinen Brüdern, den Priestern, und sie bauten das Schaftor, das heiligten sie, und setzten seine Türflügel ein. Und sie bauten weiter bis zum Turm Meer, den heiligten sie, und bis zum Turm Hananeel." Und dann geht das ganze Kapitel weiter, wer an welchem Abschnitt gebaut hat. Das Schaftor muss ein bedeutsames Tor gewesen sein, denn als Nehemia diese Stadt wieder aufbaut, war es der Hohepriester und seine Familie, die ausgerechnet dieses Tor fertig gebaut haben. Das Schaftor, wenn ihr, weiß nicht, ob ihr so mal auf einer Karte Jerusalem gesehen habt, ich weiß nicht, ob ich das jetzt so zeichnen kann, aber das ist so, wenn hier jetzt irgendwie so der Tempelbezirk war, die alte Stadt Davids, hier war dann später der Ausbau, dann lag das Schaftor hier zwar im Osten von Jerusalem, aber nördlich sozusagen, nördlich vom Tempelbezirk. Man kam, wenn man jetzt von Galiläa oder so kam, war das eines der Tore, durch die man zum Tempel kommen konnte. Schaftor hieß es vermutlich auch deswegen, weil die Schafe für die Opfer durch dieses Tor getrieben worden sind. Also hatte durchaus eine besondere Bewandtnis hier und Jesus kommt jetzt nach Jerusalem. Er, der einmal das Lamm Gottes sein wird oder natürlich schon ist an der Stelle und dort an dem Schaftor befindet sich ein Teich.

[10:51] Wie heißt dieser Teich? Bethesda. Und Bethesda kommt von Aramäisch Beth-Hazada. Beth, wisst ihr wahrscheinlich, was das heißt, oder? Was heißt Beth? Haus, genau. Beth-Lehem, das Haus des Brotes, Beth-Seider, das Haus des Fischfangs. Und Hazada, weißt du, was Hazada heißt? Hazada heißt Gnade oder Barmherzigkeit. Haus der Barmherzigkeit, Haus der Gnade. Wenn ihr in der Elberfelder Bibel oder einige Übersetzungen geben, das Wort nicht als Bethesda, sondern als Beth-Satan. Nur, dass ihr das mal gehört habt, das steht zum Beispiel in der Elberfelder auch als Fußnote. Die Manuskripte sind nicht eindeutig und das würde dann Haus der Olive bedeuten, wie dem auch sei. Nur, dass ihr das mal gehört habt. Und das sind diese fünf Säulenhallen. Jesus kommt dorthin und schaut mal in Vers 3, Johannes 5, Vers 3. Übrigens, das Wort für Kranke im Griechischen ist eigentlich das Wort für Kraftlose. Menschen ohne Kraft, die einfach schwach sind. Natürlich zum Teil auch logisch wegen bestimmter Krankheiten. Und das sind sie alle. Und Jesus kommt und er sieht den Teich, er sieht die Säulenhallen und er sieht eine große Menge an Kranken. Alle möglichen Krankheiten: Blinde, Lahme, Ausgezehrte, wörtlich trockene, ausgetrocknete, ausgedörrte, verzerrte.

[13:02] Aber Jesus, und das ist interessant, das sagt uns das Buch, das Leben Jesu. Jesus hatte sich vorgenommen, niemanden zu heilen an dieser Stelle. Kann jemand von euch schon ahnen, warum? Er hat sie gesehen, er hätte sie gern alle geheilt, aber er hatte sich vorgenommen, an dieser Stelle nicht zu heilen, an diesem besonderen Moment. Es lag an der Zeit, als er sie gesehen hat. Wann hat er sie gesehen? Wer die Geschichte schon ein bisschen kennt, wir kommen später noch drauf. Was für ein Tag war es gewesen? Es war ein Sabbat-Tag gewesen. Schaut mal in Vers 9, Johannes 5, Vers 9: "Und sogleich wurde der Mensch gesund, hob seine Liegematte auf und ging umher. Es war aber Sabbat an jenem Tag." Jesus wusste, dass die Pharisäer und die Sadduzäer alle möglichen Extraregeln aufgestellt hatten und er wollte, wenn er jetzt nach Jerusalem kommt und das Passa dort feiert, er wollte kein Aufsehen erregen, er wollte keine Revolution starten. Und er hatte sich eigentlich vorgenommen, nicht zu heilen, um nicht extra eine Kontroverse zu erzeugen. Halten wir das mal kurz im Hinterkopf.

[14:13] Jetzt kommen wir zu einem interessanten Vers und jetzt braucht ihr gute Nerven. Jetzt wird es ein klein wenig akademisch, aber danach geht es gleich weiter. Johannes 5, Vers 4: "Denn ein Engel stieg zu gewissen Zeiten in den Teich hinab und bewegte das Wasser. Wer nun nach der Bewegung des Wassers zuerst hinein stieg, der wurde gesund, mit welcher Krankheit er auch geplagt war." Habt ihr schon mal über diesen Vers gewundert? Das ist eine interessante Geschichte, oder? Etwas merkwürdige Geschichte. Da kommt ein Engel vom Himmel und rührt das Wasser an und dann verschwindet er wieder und dann rennen all die Kranken los und wer zuerst ins Wasser springt, hat gewonnen. Merkwürdig, oder? Äußerst merkwürdig. Die Sache wird noch merkwürdiger dadurch, wenn man zum Beispiel eine Elberfelder Bibel hat. Hat jemand von euch eine Elberfelder Bibel? Wenn ihr die Elberfelder Bibel habt, dann habt ihr den Vers gar nicht drin, denn dieser Vers fehlt in der Elberfelder Bibel. Und einige, die jetzt vielleicht zu Hause mitlesen, werden das bestätigen können. Das liegt daran, dass dieser Vers in manchen Manuskripten gar nicht existiert, ist gar nicht da.

[15:25] Und jetzt wird es ein bisschen, wie gesagt, ein ganz kleines bisschen kompliziert, aber wir machen es so einfach wie möglich. Es gibt so ungefähr eine Handvoll von Stellen, wo die Manuskripte, ihr wisst ja, dass in den biblischen Manuskripten immer mal wieder Worte ein bisschen unterschiedlich geschrieben werden und hier die Grammatik mal umgestellt, die Worte umgestellt sind. Aber es gibt eine Handvoll von Stellen, wo ganze Verse manchmal nicht da sind oder fehlen oder wie auch immer. Und dieser kuriose Vers 4 befindet sich in vielen alten Manuskripten gar nicht. Allerdings befindet er sich in diesem berühmten Textus Receptus, wo die meisten Übersetzungen herkommen oder die die meisten Manuskripte sind. Und wenn man jetzt, man könnte eine lange Liste machen, der Codex Sinaiticus hat die nicht und der Codex Alexandrinus hat ihn und die Botapapyri haben ihn nicht, aber Tertullian, der Kirchenvater, kennt ihn. Das ist alles akademisch. Das heißt, man könnte hin und her argumentieren, ist der Vers überhaupt ein Bibelfers oder nicht.

[16:28] Das Ganze wird noch dadurch kompliziert, verkompliziert, dass dieser Vers im Griechischen einige Worte enthält, die Johannes sonst nie verwendet. Also so ein bisschen, man könnte fast den Eindruck bekommen, als ob jemand anderes das geschrieben hat. Und es gibt einige Leute, die sagen, naja, es könnte ja sein, dass jemand das eben nachträglich, also der Text war ursprünglich ohne den Vers und hat jemand vielleicht eine Erklärung geschrieben an den Rand. Ihr habt ja heute manchmal auch bei Bibeln so Erklärungen am Rand. Da schreibt man eine Erklärung an den Rand und sagt, na, das könnte vielleicht ein Engel gewesen sein. Und da hat irgendjemand, der dann das Manuskript gehabt hat, nicht verstanden, dass es eine Erklärung ist und hat gedacht, dass da ein Vers vielleicht gefehlt hat, der eingefügt werden soll und hat es mit eingefügt und so kam der Vers in die Bibel. So erklären sich das einige.

[17:11] Weiß jemand von euch, was Ellen White zu diesem Vers schreibt? Das wäre interessant zu wissen. Sie schreibt, und das ist sehr interessant, sie schreibt, dass das Wasser tatsächlich bewegt worden ist und dass es allgemein geglaubt wurde, dass dahinter eine übernatürliche Aktion eines Engels stehen würde. Sie sagt also nicht, dass das so gewesen ist, sie sagt nur, dass man das so geglaubt hat. Und das finde ich interessant, weil das offensichtlich ja die Möglichkeit eröffnet, dass wir diesen Vers vielleicht noch einmal genauer unter die Lupe nehmen sollten. Selbst viele Manuskripte, die den Vers enthalten, haben oft so ein Sternchen dran gemacht, im Sinne von, ist ein bisschen merkwürdig. Jetzt werdet ihr vielleicht Panik bekommen und denken, muss ich jetzt diesen Vers aus der Bibel streichen? Ich würde nicht dazu raten und ich würde stattdessen eine Erklärung euch anbieten, warum ich glaube, dass der Vers trotzdem zur Bibel gehört und inspiriert ist.

[18:20] Es gibt in der Bibel eine Art und Weise, sich auszudrücken, bei der der Schreiber scheinbar so schreibt, als ob es wahr wäre, in Wirklichkeit aber nur die Perspektive und die Wahrnehmung der Menschen damals wiedergibt. In anderen Worten, da passiert etwas und die Leute glauben etwas Bestimmtes über das Ereignis und der Schreiber schreibt so auf, als wäre das auch tatsächlich so gewesen, obwohl er in Wirklichkeit nur ihre Wahrnehmung wiedergibt. Komplizierte Erklärung, einfaches Beispiel. Was ist passiert, als Aaron und Mose den Stab auf den Boden geworfen haben? Was ist passiert? Wurde es eine Schlange. Dann kamen die ägyptischen Magier, haben ihre Stäbe auf den Boden geworfen. Was ist passiert? Was sagt die Bibel? Was steht in der Bibel? In der Bibel steht, sie wurden zu Schlangen. Steht es in der Bibel, ja oder nein? Wurden sie wirklich zu Schlangen? Wurden sie wirklich zu Schlangen, ja oder nein? Waren es echte, wirkliche, lebende Schlangen? Nein, natürlich nicht, denn Satan hat keine Macht, Leben zu geben. Aber alle, die das gesehen haben, dachten, es ist eine Schlange, oder? Und Mose schreibt, und das muss man sozusagen als literarisches Mittel vermutlich verstehen, er schreibt das, was die Leute gesehen haben, eine Schlange, nicht das, was wirklich da war.

[20:04] Zweites Beispiel. Saul kommt zur Witwe von Endor, richtig? Und da steigt etwas hervor aus ihrer Grube. Was sagt die Bibel? Wer ist da hervorgestiegen? Samuel, sagt die Bibel. Samuel steht hervor. War es Samuel, ja oder nein? Ganz sicher nicht, weil wir wissen aus anderen Bibelstellen, Samuel war tot und schlief im Grab. Aber sowohl die Witwe, also diese Hexe da, als auch der Saul, als auch die, die um ihn waren, haben alle geglaubt, dass es Samuel gewesen ist. Und deswegen steht da, Samuel kam. Aber das heißt, dieser Vers beschreibt nicht das, was war, sondern das, was die Leute gedacht haben.

[20:49] Gibt es das auch im Neuen Testament? Fällt euch ein Beispiel ein? Je mehr man darüber nachdenkt, es gibt mehrere Beispiele, die alle so seltsame Texte sind, aber wenn man das einmal verstanden hat, dann merkt man, die Bibel beschreibt nicht die Realität, sie beschreibt die Wahrnehmung der Leute. Kennt ihr noch eine Stelle im Neuen Testament? Bekannte Geschichte. Thomas vielleicht, ja. Vielleicht die bekannteste ist die Männer aus dem Osten. Was haben die gesehen am Himmel? Ein Stern. War das ein echter Stern? Den Stern möchte ich sehen, der direkt vor der, direkt über der Krippe hält, ohne dass die Krippe verbrennt. Das war keine Sonne, es waren was? Engel. Aber die Bibel schreibt Stern, weil die Menschen, die es gesehen haben, dachten, es wäre ein Stern. Also gestrahlt hat.

[21:41] Das heißt, es gibt mehrere Stellen der Bibel, wo man auf den ersten Blick denkt, die Bibel beschreibt hier etwas, was gar nicht stimmt, aber wenn man es genauer liest und alle Parallelstellen dazu nimmt, stellt man fest, ich weiß gar nicht, ob es, ob jemand das schon mal irgendwie als solches benannt hat, als ein literarisches Mittel, aber ich stelle fest, es gibt es, ja. Vielleicht müssen wir doch einen Namen dafür finden. Es gibt dieses literarische Mittel, dass Schreiber der Bibel etwas schreiben, was in Wirklichkeit nur die Wahrnehmung der Menschen gewesen ist und ich vermute, dass das hier auch der Fall ist, dass Johannes auch wusste, dass nicht wirklich ein Engel vom Himmel gekommen ist und das Wasser berührt hat, aber er wusste, dass dort das Wasser berührt worden ist und er wusste, dass alle geglaubt haben, dass ein Engel war und er schreibt das quasi in diesem selben Stil und es könnte dann sein, dass einige Abschreiber der Bibel gedacht haben, das ist aber eine merkwürdige Geschichte, das scheint ja wie eine Legende zu sein, das lassen wir lieber raus und dann fehlt es plötzlich in den Texten. Wir werden es später sehen bei Johannes 8, dass einige Abschreiber wirklich Texte aus der Bibel gelassen haben, weil sie gedacht haben, die passen nicht rein. Also ich würde dafür plädieren, dass es tatsächlich ein Bibeltext ist, man muss sie nur richtig verstehen, nicht als das, was tatsächlich passiert ist, sondern als das, was die Leute geglaubt haben und das passt übrigens perfekt mit Ellen White zusammen.

[22:56] Okay, das war jetzt unser fünf Minuten Exkurs in die Textkritik und vielleicht haben wir da was Neues gelernt, aber wir gehen jetzt weiter zu dem, worum es nämlich eigentlich geht in der Geschichte, nämlich nicht, ob dieser Vers in der Bibel ist oder nicht, sondern Vers 5 und die folgende. Fakt ist, all diese Kranken sehen immer wieder, von Zeit zu Zeit bewegt sich dieses Wasser, jetzt kann man da lange darüber streiten, was das gewesen ist, manche glauben, dass es vielleicht auch eine ganz natürliche Ursache hatte, die warten darauf und es kommt immer wieder zu Tumulten, wenn sich das Wasser bewegt. Jesus sieht diese Menge und hatte sich vorgenommen, niemanden zu heilen wegen des Sabbats, aber dann ändert er seine Meinung.

[23:40] Vers 5: "Es war aber ein Mensch dort, der 38 Jahre in der Krankheit zugebracht hat." Jesus trifft bei all diesen Kranken auf einen besonders extremen Fall. Dieser Mensch war länger krank, als Jesus überhaupt alt war. Der ist schon krank gewesen, der hat schon da gelegen, bevor Jesus geboren worden ist. Als der Engel Maria zu Maria gekommen ist, da hat er schon diese Krankheit gehabt. Übrigens, sagt uns das Leben Jesu, dass dieser Mann größtenteils wegen seiner eigenen sündigen Gewohnheiten so krank geworden ist. Es war kein Schicksal wie beim Hiob, für das er nichts konnte, es war größtenteils seine eigene Schuld und die Leute haben ihn behandelt, so als wäre es das Gericht Gottes, das auf ihm liegt. 38 Jahre lang ohne Hoffnung. Und jetzt schaut man in Vers 6.

[24:51] Als Jesus diesen Darligen sah und erfuhr, dass er schon so lange Zeit in diesem Zustand war, spricht er zu ihm: "Willst du gesund werden?" Hat jemand von euch eine andere Übersetzung außer Schlachter? Luther, was sagt Luther? Also sowohl bei Schlachter als auch bei Luther klingt das so, als würde Jesus vorbeigehen, er ihn sehen und dann sagt ihm jemand: "Du weißt du, Jesus, der liegt hier schon 38 Jahre." Und Jesus sagt: "Oh, wirklich schon 38 Jahre? Na, dann müssen wir das machen." Musste Jesus das erst von einem anderen erfahren, ja oder nein? Nein. Das griechische Wort, die Elberfelder ist am besten, die Elberfelder Übersetzung an der Stelle. Und er wusste, dass er schon so lange da ist. Er hat es nicht erst erfahren von jemand anders, er hat es gewusst. Das griechische Wort ist "ginosko" und das heißt einfach Wissen. Ja, das kann bedeuten, dass ich es weiß, weil jemand anders mir es sagt, oder ich kann es wissen, weil ich es weiß. Und Jesus wusste es einfach.

[26:04] Woher wissen wir, dass Jesus das gewusst haben muss? Außerhalb dieses mal dieser Geschichte im Johannes-Evangelium, wo gibt es eine Stelle, die uns deutlich macht, dass Jesus es gewusst haben muss? Die, die schon öfter da waren, die sollten das jetzt gut wissen. Wir haben zum Beispiel gelesen in Johannes 2 Vers 25, das ist nämlich ein Thema, dass das Johannes-Evangelium wie ein roter Faden durchzieht. Johannes 2 Vers 25: "Weil er es nicht nötig hatte, dass jemand von den Menschen Zeugnis gab, denn er, Jesus, wusste selbst, was den Menschen war." Er wusste es. Das gesamte Johannes-Evangelium ist eine Geschichte nach der anderen, wo Jesus weiß, was andere nicht wissen können. Er sieht einen Menschen zu sich kommen und sagt: "Du bist Simon, Sohn des Jonas", oder Philippus, Nathanael. Als Nathanael kommt, sagt er: "Ich habe dich gesehen." Als der Nicodemus kommt, sagt er: "Wahrlich, wahrlich, ich sage dir." Als die Frau am Brunnen mit ihm sitzt, sagt er: "Du hast recht geredet. Fünf Männer hast du gehabt, einer ist, und der, den du jetzt hast, ist es nicht." Immer wieder im Johannes-Evangelium finden wir die Situation, wo er die Menschen durchschaut. Es ist wie ein roter Faden, denn Johannes schreibt sein Evangelium vor allem, um zu beweisen, dass Jesus Gott ist. Deswegen geht es am Anfang mit: "Im Anfang war das Wort, das Wort war bei Gott, das Wort war Gott." Es geht um die Gottheit Jesu. Und so auch in dieser Geschichte, er weiß, dass dieser Mann krank ist.

[27:36] Schaut mal in Hebräer 4, Vers 13. Hebräer 4, Vers 13. Das ist eigentlich jetzt einer dieser Verse, die das hier schon deutlich macht. Hebräer 4, Vers 13: "Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern alles ist enthüllt und aufgedeckt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft zu geben haben." Er weiß alles. Interessanterweise, wir fangen immer meistens dann bei 14 und 15 an. Es geht eigentlich jetzt um den Hohen Priester hier. Also Gott sieht alles und dann schaut man Vers 15 an. Gleiches Kapitel, Vers 15: "Denn wir haben nicht einen Hohen Priester, der kein Mitleid haben könnte mit was? Mit unseren Schwachheiten." Und wir haben gerade gelernt, das griechische Wort für Krankheiten bedeutet was? Kraftlosigkeit, Schwachheit. Also, wir sehen hier jemanden, der schwach ist und dann sehen wir Jesus, der ihn sieht und ihn kennt und alles weiß. Und jetzt sagt uns Hebräer, wir dienen einem Gott, der alles weiß und er kennt unsere Schwachheiten. Ja, er hat sogar Sympathie mit uns, weil er selbst versucht worden ist. Er leidet mit uns mit, weil er in allem versucht worden ist, in ähnlicher Weise wie wir, doch ohne Sünde.

[29:12] Also, Jesus kommt hier, er ist Gott, er sieht alles, er weiß alles, er kennt die Geschichte dieses Menschen und weiß, warum er hier liegt. Aber er ist auch Mensch, er ist auch Mitleid, er hat Mitleid, er möchte ihn retten. Er kann mit ihm mitfühlen.

[29:36] Jetzt die Frage, die er ihm stellt in Johannes 5, ist eine, ihr wisst ja, in der Bibel gibt es so ganz profunde Fragen. Wo bist du? Wo ist dein Bruder? Was ist Wahrheit? Und so weiter. Ja, und hier ist auch so eine Frage, die so zu diesem Kern... Ja, eine Frage, die diesen Kern fragen wird: "Willst du gesund werden?" Und das Interessante ist, es gibt im Alten Testament auch in einer relativ unbekannten Stelle eine ganz ähnliche Frage. Ich weiß nicht, ob Jesus das bewusst so gewählt hat. Vielleicht. Schaut mal in Jeremia 13. Jeremia 13 und dort Vers 27. Und auch vom Kontext her passt es eigentlich ganz gut. Jeremia 13, Vers 27: "Deine Ehebrüche, dein Viren und deine schändliche Hurei auf den Hügeln und dem Feld habe ich deine Gräuel gesehen." Erinnert euch daran, der Mann war krank, vor allem wegen seiner eigenen Sünden. Und jetzt sagt Jesus oder sagt Gott hier: "Wehe dir, Jerusalem, willst du denn nicht rein werden? Wie lange geht es noch so?" Also auch dieses Element von, das geht schon viel zu lange, in einen langen Zeitraum. "Willst du nicht rein werden?" Die Israeliten, das Volk Israel im Alten Testament hat sich jahrhundertelang mit Sünde beschäftigt und ist immer kraftloser geworden. Und Gott fragt sie: "Wollt ihr nicht rein werden?" Und hier ist dieser Mann, der 38 Jahre lang an seiner Krankheit leidet, die durch eigene Sünde verschuldet worden ist größtenteils. Und Jesus fragt ihn: "Willst du gesund werden? Wie lange willst du noch krank sein? Willst du gesund werden?"

[31:35] Daran sieht man, dass diese Frage eine doppelte, hat eine wie eine Medaille, zwei Seiten. Es geht um die Gesundheit, die körperliche Gesundheit, aber es geht vor allem auch um die geistliche Gesundheit, die Gesundheit des Herzens, die Reinheit des Herzens.

[31:54] Jetzt Ellen White beschreibt das so schön. Sie beschreibt, wie dieser Mann, der schon fast hoffnungslos da in dieser Säulenhalle saß, er hat das schon zig Mal probiert, hat nie funktioniert, alle Hoffnung ist schon aufgegeben. Und er fragt sich, ob er überhaupt noch leben wird, wenn das nächste Mal das Wasser bewegt wird. Und dann beschreibt sie, wie sich plötzlich so ein Gesicht über ihn beugt und ihn so anlächelt und ihn fragt: "Willst du gesund werden?" Jetzt diese Frage, "Willst du gesund werden", das vielleicht in unseren Ohren fast so ein bisschen wie, wünscht dir was? Was wünschst du dir denn zum Geburtstag? Aber im Griechischen ist es nicht so etwas wie, was wünschst du dir, sondern es geht mehr um, man könnte es eigentlich genau übersetzen: "Willst du wirklich ernstlich gesund werden?" Jesus spielt auf die Willenskraft des Mannes an. Nicht im Sinne von, was wünschst du dir, wäre das dein Wunsch, sondern willst du es wirklich? Wir werden gleich sehen, warum das wichtig ist. Es geht um die Willenskraft dieses Mannes.

[32:52] Übrigens, dieses Wunder von Jesus ist in gewisser Weise anders als die meisten anderen Heilungswunder. Hast du dir das mal aufgefallen? In welchem Punkt meint ihr, könnte dieses Wunder von Jesus anders sein als die meisten anderen Heilungswunder? Fällt euch was auf an diesem Wunder, was es besonders macht im Vergleich zu den, ich meine, es gibt ja viele Heilungswunder. Was könnte vielleicht an diesem Heilungswunder besonders sein, außergewöhnlich? Ja, genau, da kommen wir gleich zu. Er sagt, er soll das Bett auf den Druck nehmen, aber es gibt auch noch eine andere Stelle, bei Matthäus 9, wo auch der dann diese Gelähmte durch das Dach getragen wird, da sagt er auch: "Steh auf und nimm dein Bett." Also, es kommt noch mal vor. Ja, was passiert sonst normalerweise? Ja, normalerweise sind es immer die Kranken, die zu Jesus kommen, oder? Oder wenn sie selbst nicht kommen können, werden sie hierhin getragen, nur durchs Dach getragen. "Sohn Davids, erbarme dich meiner." Ja, sie rufen, sie schreien, sie machen auf sich aufmerksam durch andere oder durch sich selbst, aber dieser Mann ist so verloren, er wusste nicht mal, dass Jesus in der Stadt ist und Jesus kommt zu ihm. Jesus beugt sich über ihn und sagt: "Übrigens, ich bin schon hier für den Fall, dass du mich brauchst."

[34:29] Das heißt, wir haben mal diese Idee, dass man von Jesus nur gerettet werden kann, wenn man irgendwie zu Jesus kommt. Und es gibt dieses Element, man muss zu Jesus kommen, ja, aber es gibt auch dieses Element von Jesus schon längst da. Ich muss nicht erst irgendwie zu Jesus rennen, damit er was für mich da tun kann. Schaut mal mit mir ein, zwei Bibelstellen an, um das zu illustrieren. Schaut mal mit mir in 5. Mose 32. Entschuldigung, Jesaja 65, den wollen wir nehmen. Jesaja 65 und dort Vers 1. Das ist dieses Prinzip, das man immer wieder auch dann in der Bibel finden kann und ich denke auch in unserer heutigen Zeit.

[35:09] Jesaja 65, Vers 1: "Gott sagt: Ich bin gesucht worden von denen, die nicht nach mir fragten. Ich bin gefunden worden von denen, die mich nicht suchten. Ich habe gesagt: Hier bin ich, hier bin ich zu einem Volk, über den mein Name nicht ausgerufen war." Gott offenbart sich denen, die gar nicht wussten, dass sie bei ihm Hilfe bekommen können. Und das ist eine gute Nachricht für uns, dass er insbesondere zu denen, die am allerschlimmsten gefallen sind oder am allermeisten leiden, dass er zu ihnen kommt.

[35:45] Und sie beschreibt das so schön, sie sagt er, weil dieser Fall so extrem war, hat er sich entschieden, doch ein Wunder zu tun. Er hätte alle heilen können, aber er wollte nicht einen Tag warten um diesen Menschen. Man hätte auch sagen können, naja, 38 Jahre hat er gelegen, da kommt es auf einen Tag nicht mehr an, oder? So ein Mitleid mit diesem einen Mann.

[36:11] Jetzt, schau mal, was der Mann sagt, als Jesus ihn fragt: "Willst du gesund werden?" Was wäre eine logische, also was wäre eine zu erwartende Antwort auf diese Frage? Ja, technisch könnte man auch nein sagen. Also auf die Frage, willst du gesund werden, kann man eigentlich nur zwei Sachen antworten: entweder ja oder nein oder vielleicht. Aber er sagt weder ja, noch sagt er nein, noch sagt er vielleicht, sondern er sagt eigentlich gar keine Antwort auf die Frage. Er gibt eigentlich mehr den Grund an, warum er Hilfe braucht. Schaut mal in Vers 7.

[36:41] "Kein Mensch ist da", er sagt, "der Kranke antwortet ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt, wenn das Wasser bewegt wird. Während ich aber selbst gehe, steigt ein anderer vor mir hinein." Übrigens, im Griechischen heißt das Wort eigentlich, wo es hier heißt: "der mich in den Teich bringt", heißt wörtlich: "in den Teich werfen". Er wusste schon, wenn ich überhaupt eine Chance haben will, ich bräuchte jemanden, der mich nimmt und dann ganz schnell in den Teich reinwirft. So, wie man so, er sagt, ich habe niemanden, niemand wirft mich.

[37:23] Jetzt dieser Vers, weiß nicht, ob euch das aufgefallen ist, dieser Vers, denkt mal diesen Vers nach, er sagt, es gibt zwei Probleme. Was sind die beiden Probleme, die er hat? Er hat ja zwei Probleme. Was ist das erste Problem? Das sowieso, genau, er kann nicht laufen. Aber was sind die beiden Probleme, die er in diesem Vers beschreibt? Er hat niemanden, der ihm hilft, Problem Nummer eins. Keiner hilft ihm. Was ist Problem Nummer zwei? Er muss, also weil er auf sich alleine gestellt ist, erlebt er, dass andere vor ihm da sind. Mit anderen Worten, das Problem Nummer eins, niemand hilft ihm. Problem Nummer zwei, er selbst schafft es nicht aus eigener Kraft. Aber er ist auf die eigene Kraft angewiesen, weil offensichtlich in dieser kleinen Minigesellschaft das Prinzip gilt: der Stärkste gewinnt. Hier haben wir eine Miniatur von Darwin.

[38:37] In Wirklichkeit beschreibt dieser Vers das Wesen der Regentschaft der Sünde. Dieser Vers beschreibt das Wesen der Herrschaft Satans, denn Satan griff das Gesetz Gottes an, richtig? Was besagt das Gesetz Gottes? Liebe Gott von ganzem Herzen und deinen Nächsten wie dich selbst. Dort, wo Satan regiert, gibt es Nächstenliebe. Niemand hilft dem anderen. Im Reich Gottes weiß ich, dass ein anderer mir hilft, dass er mich liebt wie sich selbst. Aber im Reich Satans gibt es das nicht. Ich habe keine Hilfe. Weil der Satan diese Idee geboren hat: Ich bin wichtiger als die anderen, denkt jeder an sich selbst und muss feststellen, dass er selbst nicht die Kraft hat, das zu tun, was er will. Das heißt, das ganze Elend dieses Verses beschreibt die Konsequenzen der Herrschaft Satans.

[39:38] Je länger man über diese Szene nachdenkt, dass er immer Hilfe sucht und keine findet, weil jeder nur auf den anderen herumtrampelt, das ist die ganze Misere dieser Welt. Es ist eigentlich der Egoismus, der die größte Hürde ist, nicht seine Beine. Weil jeder nur an sich denkt, hat dieser Schlimmste aller Verbrecher keine Chance. In einer Welt, in der jeder an sich selbst denkt, haben die schlimmsten Fälle keine Hoffnung. Da gibt es keine Hoffnung und das weiß er auch. Deswegen ist er so deprimiert. Er hat alle Hoffnungen verloren, weil er weiß, er kennt die Menschen. Er kann sich auf sie nicht verlassen. Sie werden nur auf ihn herumtrampeln. Das ist die Welt, die Darwin versucht hat, den Menschen beizubringen: Überleben des Stärksten. Und wenn man die Geschichte anschaut, ist ein bisschen die Situation dieses Mannes hinein versetzt, dann merkt man, wie dunkel diese Welt ist und wie schrecklich das ist und dass eigentlich niemand, der in seinem Kopf klar denken kann, so etwas wollen möchte.

[40:51] Übrigens, David kannte dieses Gefühl. Schaut mal in Psalm 142 und dort Vers 5. David hat ja auch einige wirklich sehr tiefgehende Erlebnisse gehabt. Er sagt zum Beispiel hier Psalm 142 Vers 5: "Ich schaue zur rechten Seele, da ist keiner, der mich kennt. Jede Zuflucht ist mir abgeschnitten, niemand fragt nach meiner Seele." Das heißt, die Schmerzen, die er gehabt hat, die waren vermutlich nicht mal das größte Problem. Da hat er sich schon daran gewöhnt über all die Jahrzehnte, aber die Tatsache, dass da niemand war, dass er sich auf niemanden verlassen konnte, dass sich niemand für ihn interessiert hat, das war eigentlich das größte Problem.

[41:43] Und es gibt einige schöne Verheißungen zu diesem Thema, weil ich glaube, dass auch wir in solche Situationen kommen, auch wenn wir vielleicht nicht gelähmt an einem Teich sitzen. Situationen, wo wir wissen, es ist größtenteils mein eigenes Verschulden gewesen, aber ich bin jetzt so tief in die Misere abgerutscht. Niemand kümmert sich um mich, niemand denkt an mich und da gibt es schöne Verheißungen, die wir kurz anschauen wollen, zum Beispiel in 5. Mose 32. Schaut mal, 5. Mose 32 und dort Vers 36.

[42:25] 5. Mose 32, Vers 36: "Denn der Herr wird sein Volk richten und er wird sich über seine Knechte erbarmen, wenn er sieht, dass jeder Halt entschwunden ist, der Sklave samt dem Freien dahin ist." Also, wenn Gott sieht, dass wir keine Stütze mehr haben, dass wir keine Stabilität im Leben haben, dann ist Gott immer noch da und er greift ein. Noch ein Vers, Psalm 72. Psalm 72 und dort Vers 12.

[42:57] Psalm 72, Vers 12: "Denn er wird den Armen retten, wenn er um Hilfe schreit und den Elenden, der keinen Helfer hat." Also jedes Mal, wenn wir das Gefühl haben: Niemand hilft mir, niemand versteht mich. Das können ja, ob das körperliche Leiden sind oder mentale Leiden sind, geistliche Leiden, wenn man vielleicht von Schuldgefühlen geplagt ist oder denkt, man ist nicht gut genug oder so. Niemand versteht mich, keiner kann mir helfen, keiner kann mich verstehen. Gott versteht mich. Gott hilft. Gott hat diese Angewohnheit, denen zu helfen, denen sonst keiner helfen will. Ja, das war Spezialist drin. Und das sieht man im Neuen Testament sehr schön.

[43:39] Schaut mal in Römer 5. Römer 5 und dort Vers 6. Römer 5, Vers 6: "Denn Christus ist, als wir noch, was waren, als wir noch?" Ja, das stimmt, das stimmt. Das steht dann in Vers 10, aber in Vers 8 steht das, aber in Vers 6 steht: "Denn Christus ist, als wir noch kraftlos waren." Der Mann war krank, er war kraftlos. Das ist gleich noch ganz wichtig. Er war kraftlos. Die Krankheit hat ihn so kraftlos gemacht, er konnte sich nicht mal aufrichten, selbst mit den Körperzellen, die vielleicht noch gesund waren. Er war kraftlos. "Als wir noch kraftlos waren, ist Christus für uns zur bestimmten Zeit gestorben, zur bestimmten Zeit für Gottlose gestorben." Das heißt, wir alle sind letztendlich mehr oder weniger in der Situation dieses Mannes. Wir sind kraftlos. Bibel sagt sogar, dass wir, ja, dass wir durch die Sünde so krank sind. Ja, die Sünde ist ja auch eine Krankheit. Letztendlich wie diese, wie dieser Mann.

[45:04] Jetzt schaut man mit mir in Vers 8 von Johannes 5. Das sind die berühmten Worte, aber wir müssen sie ein bisschen genauer anschauen, weil es gibt einiges zu lernen. Johannes 5, Vers 8: "Jesus spricht zu ihm." Beachtet, das ist jetzt sehr wichtig, das was jetzt geschieht, hat nichts mit dem Wasser zu tun. Jesus bringt ihn nicht zum Wasser. Er bringt auch nicht Wasser zu ihm. Das Wasser spielt überhaupt keine Rolle, ob es sich bewegt oder nicht. Es ist allein was, was ihn heilt. Was heilt den Mann? Das Wort, das schöpferische Wort, aber der Glaube muss das Wort empfangen. Deswegen hast du natürlich recht. Es ist das Wort und das ist wieder so ähnlich wie in der Geschichte zuvor. Erinnert euch an den königlichen Beamten. Der wollte, dass Jesus zu ihm nach Hause kommt und Jesus sagt: "Geh hin, dein Sohn lebt auf meinen Worten." Immer und immer wieder zeigt uns Johannes, er hat ja mehrere Grundthemen, der Johannes. Er möchte zeigen, dass Jesus Gott ist, dass Jesus alles weiß und er möchte zeigen, dass man an Jesus glauben soll, nicht wegen Zeichen und Wunder, sondern wegen dem Wort Gottes.

[46:04] Und jetzt pass auf. Jesus spricht zu ihm: "Steh auf, nimm deine Liegematte und geh umher." Jetzt möchte ich was fragen. Diese Worte, wenn man sie sozusagen im Deutschunterricht analysieren würde, was für eine Art von Rede ist das hier? "Steh auf, nimm deine Liegematte und geh umher." Ja, sehr direkt und klar. Es ist ein Befehl. Es ist keine Frage, es ist keine Aussage, es ist kein Gedicht, es ist ein Befehl. Ein anderes Wort für Befehl ist was? Einfaches Wort in der Bibel meistens verwendet, eine Anweisung. Es ist ein Gebot.

[47:07] Es sind eigentlich drei Gebote. Habt ihr es gesehen? Es sind drei Gebote. Erstes Gebot: Was ist das erste Gebot? Steh auf. Was ist das zweite Gebot? Nimm deine Liegematte. Drittes Gebot? Geh umher. Jesus gibt ihm drei Gebote. Steh auf, nimm deine Matte, geh umher. Was ist das Problem? Er kann die Gebote nicht halten als Mensch. So wie er ist, kann er aufstehen, kann er seine Liegematte nehmen, kann er umher gehen. Jesus gibt ihm Gebote, von denen er sagen kann: "Ich habe es 38 Jahre lang versucht. Ich habe 38 Jahre lang versucht aufzustehen. Ich habe 38 Jahre lang versucht, die Liegematte zu nehmen. Ich habe 38 Jahre lang versucht zu gehen. Es hat nicht funktioniert, geht nicht." Jesus gibt ihm das Gebot und jetzt ist es interessant, weil ich sage das deswegen, weil wir reden oft über die Gebote Jesu ganz ähnlich. Wir sagen: "Ja, es wäre schön, wenn wir sie halten könnten, aber wir können sie nicht halten, weil ich habe es 38 Jahre lang versucht, hat nicht geklappt. Ich bin zu schwach. Ich bin zu kraftlos. Ich habe keine Kraft, die Gebote Gottes zu halten." Wegen der Sünde, oder?

[48:18] Jetzt und jetzt müssen wir etwas von diesem Mann lernen. Hat Jesus ihm versprochen, dass er ihm göttliche Kraft geben wird, ja oder nein? Nein. Er hat ihm einfach gesagt: "Steh auf." Im Gegensatz zu uns, denn Jesus gibt uns ein Gebot und dann gibt er uns tausende Verheißungen. "Du wirst es schaffen und es wird klappen und ich werde bei dir sein. Ich werde in dir wirken, an dir wirken, durch dich wirken. Ich werde den Heiligen Geist geben. Ich werde meinen Engel bringen. Das, das, das, das." Und wir kommen es immer noch nicht, ja. Aber dieser junge Mann, dieser alte Mann, der war wahrscheinlich schon 60, also mindestens über 50, dieser alte Mann bekommt keine Verheißung, nur ein Gebot. Hast du dir das aufgefallen? Jesus sagt nicht: "Steh auf, denn ich werde dich auf meinen Armen tragen." Er sagt nicht: "Geh umher, denn mein Geist wird dir die Kraft dazu schenken. Ich bin bei dir allezeit." All die Verheißungen, die wir haben und die es uns trotzdem so schwer macht, also trotz denen wir manchmal nicht glauben wollen, dass Jesus uns wirklich hilft, ja, die hat er nicht gehabt, er hat nur den Befehl gehabt und trotzdem hat er einfach geglaubt. Er hat nicht einmal einer Verheißung geglaubt, er hat einem Gebot geglaubt.

[49:33] Und ihr wisst ja, was uns gesagt ist, dass alle Gebote Gottes Befähigung sind. Wenn Gott etwas sagt, dann kann er es auch, oder? Gott sprach: "Es werde Licht", und es wurde Licht. Und jetzt passiert etwas Interessantes. Dieser Mann, der 38 Jahre lang dort gelegen hat, hört diese Worte und er will, dass sie wahr sind. Er sagt nicht: "Könnte sein, gib mal erstmal einen Beweis, kannst du erstmal den gesund machen, dann will ich sehen, ob es sich lohnt, ja, weil wenn es, wenn ich es ja nicht schaffe, ist ja ein Risiko, wenn er jetzt aufsteht und es klappt nicht und er fällt wieder hin, vielleicht stirbt er." Er will keinen Beweis, er drückt keinen Zweifel aus, er will einfach, er will, dass es wahr ist, er glaubt, dass es wahr ist und in dem Moment, dass er glaubt, dass es wahr ist, ist es wahr. Er steht auf, er nimmt seine Liegematte und er geht umher. Und darüber müssen wir wirklich nachdenken.

[50:48] Sie schreibt: "Er wollte gehen und er ging." Die Frage ist eigentlich nicht: Können wir die Gebote Gottes halten? Die Frage ist: Wollen wir die Gebote halten? Deswegen fragt er: "Willst du gesund werden? Willst du rein werden?" Nicht so als wünsch dir mal was, ja, so Weihnachten, Geburtstag jetzt, was möchtest du heute, sondern willst du wirklich eine Änderung? Denn wenn du sie willst, höre, hier ist das Gebot, glaube, dass es stimmt und im Moment, wo man es glaubt, wird es wahr.

[51:37] Diese Geschichte ist eine der interessantesten, die zeigt, wie Jesus geheilt hat. Alle Macht kamen von Jesus, alle Kraft kamen von Jesus, aber es gab etwas, das der Mensch tun muss. Er musste mit Gott kooperieren, er brauchte keine Kraft dazu steuern, keine Intelligenz, keine Weisheit, sondern Wille. Er musste wollen und diese Übergabe des Willens, den eigenen Willen mit dem Willen Jesu verbinden und sagen: "Okay, was du mir sagst, das will ich auch." Das ist die Übergabe. Und der Mann stand und er ging.

[52:18] Und Jesus hat, das ist so entscheidend jetzt, dass wir an anderen Wundern immer wieder sehen werden, Jesus hat ihm nicht nur die Krankheit genommen, sondern hat ihm offensichtlich sofort Kraft gegeben, richtig? Denn wenn jemand 38 Jahre lang im Krankenbett liegt und man seine Krankheit wegnimmt, kann er immer noch nicht laufen, oder? Dann muss er erst mal Reha machen und Therapie und nicht mal Muskeln. Jesus hat nicht nur die Krankheit weggenommen, hat ihm gleich die Muskeln dazu gegeben. Jesus vergibt nicht nur die Sünde, sondern im selben Moment gibt er auch die Kraft, dass wir der Sünde widerstehen können und geradeaus laufen. Ansonsten haben wir immer die Idee, dass Jesus uns vergibt, aber wir können ja eh nicht und dann fallen wir wieder, dann vergibt er uns und dann fallen wir wieder und dann vergibt er uns und dann fallen wir wieder, aber wir müssen verstehen, dass wenn Jesus vergibt, gibt er auch Kraft und wir können dann sein Gebot halten.

[53:15] Ihr seht, eigentlich in dieser Geschichte kann man eigentlich die Heilung, also die Erlösung und die Gebote gar nicht trennen. Das ist fast wie eins, man kann es nicht aufdröseln. Erst wurde er geheilt und dann hat er die Gebote befolgt. Irgendwie ist es wie unauflöslich und so muss es auch sein, denn so ist es im Himmel. Im Himmel ist die Gnade Gottes und die Liebe Gottes, die Gerechtigkeit sind so unauflöslich verbunden, man kann sie gar nicht trennen.

[53:35] Vers 9: "Und sogleich wurde der Mensch gesund, nicht mal eine halbe Minute später, sogleich wurde der Mensch gesund, hob seine Liegematte auf und ging umher." Er hat also genau das gemacht, was Jesus getan hat. Und dann kommt der entscheidende Satz und er leitet uns dann über zu dem, was wir nächstes Mal machen werden. "Es war aber Sabbat an jenem Tag." Wie ein Schatten kommt das jetzt über die Geschichte, obwohl es eigentlich kein Licht sein sollte. Denn derselbe Jesus, der die Welt geschaffen hat mit seinem Wort und an den Sabbat geschaffen hat, als Erinnerung an das, was sein Wort geschaffen hat, der hat gerade wieder Leben geschaffen in diesem Menschen. Eigentlich die schönste Sabbatfeier, aber das haben nicht alle so gesehen. Nächstes Mal schauen wir uns an, was das für diesen gerade geheilten Mann bedeutet hat und was das für Jesus bedeutet hat. Aber heute wollen wir damit schließen, mit diesem Gedanken, dass wenn wir Jesus glauben und einfach davon ausgehen, dass sein Wort wahr ist, wenn wir so leben, als ob sein Wort wahr ist, wird es wahr. Wenn ich das Gebot, die Verheißung, den Bibeltext lese und so lebe, als ob das die Wahrheit ist, dann wird es auch die Wahrheit in meinem Leben.

[54:53] Und dann kann es sein, dass eine Sache, mit der ich 38 Jahre lang zu kämpfen hatte, durch Gottes Gnade besiegt wird. Was sagt ihr dazu? Amen? Wollen wir noch gemeinsam ein Abschlussgebet haben? Lass uns niederknien, wenn es möglich ist.

[55:12] Lieber Vater im Himmel, wir danken dir so sehr für diese Geschichte, die uns zeigt, wie sehr du Menschen liebst, auch wenn sie durch eigenes Verschulden in tiefe Not geraten sind. Wir möchten dich bitten von ganzem Herzen, dass was immer uns plagt in unserem Leben, womit wir vielleicht jahrelang, vielleicht sogar jahrzehntelang gekämpft haben, dass du in demselben Maße in unser Leben hinein sprichst und dass wir dir glauben, dass du die Kraft hast und den Willen hast, die Macht und die Gnade hast, und dieses Problem zu nehmen. Wir danken dir, dass wir durch einfachen Glauben lernen dürfen, dass du alles in uns tun kannst, dass deine Gebote nicht zu schwer sind, dass worüber wir auch darunter leiden, dass du unsere Situation kennst und Mitleid hast, dass du bereit bist, selbst in Konflikt zu geraten, um uns zu helfen, so wie du damals bereit gewesen bist, in einen Konflikt zu geraten, um diesem Mann zu helfen. Ich möchte dich bitten, dass du uns segnest und danke dir dafür, Herr Jesus, von ganzem Herzen. Amen. Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!


Lizenz

Copyright ©2016 Joel Media Ministry e.V.
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.