[0:30] Hallo und herzlich willkommen zu unserem Seminar "Der Ersehnte". Schön, dass ihr da seid. Schön, dass ihr live eingeschaltet habt auf www.joelmedia.tv zu Folge Nummer 53. Wir haben letzte Woche begonnen, uns mit dem Dienst von Jesus in Galiläa zu beschäftigen und haben letztes Mal geschaut, was war die Botschaft, die er verkündigt hat, das Evangelium vom Reich.
[0:57] Heute wollen wir mit der ersten Geschichte beginnen, die jetzt damit zusammenhängt. Und bevor wir das tun, wollen wir, wie es unsere Gewohnheit ist, gemeinsam beten und dazu knien wir nieder, wo es möglich ist. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen für diesen Tag und dass wir jetzt zu dir kommen können. Wir möchten dir danken, dass wir aus deinem Wort lesen können. Wir möchten dich bitten, dass du die Kraft des Evangeliums in uns entfaltest durch den Heiligen Geist, durch die Worte, die wir lesen werden. Wir möchten dich bitten, dass wir von dir lernen und dass das Evangelium, das Jesus gepredigt hat, auch zu einer Kraft in unserem Leben wird. Bitte halte du alles Störende fern und schenke uns gute Konzentration und ein Verständnis für deine Wahrheit. Im Namen Jesu, Amen.
[1:47] Wir wollen heute eine Geschichte anschauen, zumindest den ersten Teil, die ziemlich am Anfang dieses Dienstes in Galiläa stand. Jesus kam jetzt in seine Heimatgegend nach Galiläa, er zog dorthin, um dort jetzt seinen Dienst zu tun. Und was meint ihr, welche Stadt stand vermutlich relativ hoch oben in seiner Prioritätenliste von den Städten, die er besuchen wollte? Nazareth, seine Heimatstadt. Und wir wollen heute die Geschichte anschauen, wie er dort gleich zu Beginn dieser Galiläaphase in Nazareth aufgenommen worden ist. Wir studieren heute Lukas Kapitel 4. Lukas Kapitel 4 und dort ab Vers 16. Lukas Kapitel 4 und dort Vers 16.
[2:59] Und er kam nach Nazareth, wo er erzogen worden war und ging nach seiner Gewohnheit am Sabbattag in die Synagoge und stand auf, um vorzulesen. Wir haben das letzte Mal aufgehört in Lukas 4 Vers 15, wo wir gesehen haben, dass Jesus umhergegangen ist von Synagoge zu Synagoge und gelehrt hat. An welchen Tagen kamen denn die Gläubigen damals in die Synagoge zusammen? Wisst ihr das? Am Sabbat auf jeden Fall. Noch an anderen Tagen? Vielleicht am Freitag, ja? Noch an anderen Tagen? Es gab jeden Tag dort die Möglichkeit, am Gottesdienst teilzunehmen. Es gab sogar zwei Tage unter der Woche, die waren besonders wichtig. Das war der Montag und der Donnerstag, weil da immer Markttag in Jerusalem gewesen ist. Da hat man richtig große Synagogenfeierlichkeiten immer gehabt. Aber es gab für jeden Tag die Gelegenheit, in die Synagoge zu gehen. Aber es gab eine Bedingung, damit ein Gottesdienst in der Synagoge stattfinden konnte. Das war, es mussten mindestens zehn Personen anwesend sein. Ganz interessant. Naja, also es war nichts Außergewöhnliches, in die Synagoge zu gehen. Man ging fast jeden Tag dorthin, wenn man die Möglichkeit hatte. Aber am Sabbat war der Gottesdienst ganz besonders. Der Sabbat begann natürlich schon am Freitagabend. Weiß jemand, wie die Juden den Freitagabend zelebriert haben? Was sie da gemacht haben? Weil offensichtlich hat der Jesus hier nach seiner Gewohnheit gehandelt. Ja, das war also jetzt nichts Außergewöhnliches. Da war so ein gewisses Muster, was es immer wieder gab. Was haben die Juden am Freitagabend gemacht? Woher wusste man, dass jetzt der Sabbat anbricht? Weiß jemand von euch? Ja, der Sonnenuntergang hat das angezeigt. Aber für den Fall, dass man das nicht mitbekommen hat, gab es immer einen Priester, den Synagogenvorsteher, der dann auf dem Dach seines Hauses dreimal einen doppelten Schofahornklang abgesetzt hat, sodass jeder wusste, jetzt ist Sabbat. Also können wir uns vorstellen, der Jesus kommt nach Nazareth und dann am Freitagabend, dann wird dieses Schofahorn mehrmals geblasen. Nach dem dritten Mal hat dann der Synagogenvorsteher es beiseite gelegt, weil jetzt der Sabbat angefangen hat und man durfte auch keinen Schofahorn ertragen am Sabbat. Naja, jedenfalls war es seine Gewohnheit, am Sabbat in die Synagoge zu gehen.
[5:32] Interessanterweise ist das etwas, was wir auch von anderen Bibelschreibern oder Bibelpersonen lesen. Schaut mal mit mir ganz kurz in der Apostelgeschichte. Apostelgeschichte 17 und dort Vers 2. Da heißt es vom Paulus: "Paulus aber ging nach seiner Gewohnheit zu ihnen hinein und redete an drei Sabbaten mit ihnen aufgrund der Schriften." Also Jesus hatte die Gewohnheit, am Sabbat in den Gottesdienst zu gehen und auch Paulus hatte die Gewohnheit, am Sabbat in die Synagoge zu gehen. In der Bibel haben die Menschen nicht nur den Sabbat gehalten, sie haben auch Gottesdienst gefeiert. Wir sehen also, das Sabbatgebot beinhaltet nicht nur das Nicht-Arbeiten, es beinhaltet auch, wenn es die Möglichkeit gegeben ist, zum Gottesdienst zu gehen. Jesus hat nicht nur den Sabbat gehalten, er ist nach seiner Gewohnheit aktiv zum Gottesdienst gegangen. Manchmal hat man so die Idee, naja Hauptsache ich arbeite nicht und ich liege zu Hause und mache was ich was. Gottesdienst, wenn ich mich jetzt gar nicht keine Lust habe, ist nicht so wichtig. Aber Jesus ging nach seiner Gewohnheit in den Gottesdienst.
[6:45] Was meint ihr, kannten die Leute ihn dort in Nazareth? Mehr als gut. Die haben ihn gesehen, wie er als kleines Kind da durch die Synagoge, ja nicht getobtes, aber anständig gegangen. Sie haben ihn aufwachsen sehen, jetzt war er die letzte Zeit nicht mehr so häufig da gewesen. Die letzten zwei Jahre, anderthalb Jahre war er mehr unterwegs als zu Hause gewesen und viele haben sich wahrscheinlich gefreut, dass er gekommen ist. Und jetzt heißt es hier in diesem Vers, er kam nach Nazareth, wo er erzogen worden war und ging nach seiner Gewohnheit am Sabbattag in die Synagoge und stand auf, um vorzulesen. Also ich habe diesen Vers schon oft gelesen und ich sage euch mal, wie ich mir das früher mal vorgestellt habe. Ich habe früher gedacht, naja der Jesus kommt in den Gottesdienst und dann sitzen die alle, sitzt er irgendwo und irgendwann steht er auf und sagt, ich würde gerne was vorlesen. Da kommt jemand, holt eine Rolle und sagt, naja lies mal vor, dann liest er was vor und setzt sich wieder hin. Habt ihr euch auch sowas vorgestellt? Als ich das jetzt studiert habe, habe ich herausgefunden, es war ganz, ganz anders.
[8:00] Dazu müssen wir aber erst einmal verstehen, wie ein Gottesdienstablauf in der jüdischen Synagoge eigentlich so gewesen ist. Wir diskutieren ja auch in der Gemeinde oft über den Gottesdienstablauf, wie viele Lieder, wie viele Gebete, wie lange die Bekanntmachung, dies und jenes. Da kann man sich herrlich darüber philosophieren, wie der Gottesdienstablauf sein muss. Und auch die Juden hatten in der Synagoge einen bestimmten Gottesdienstablauf. Habt ihr euch schon mal was davon gehört oder könnt euch vorstellen, was da so in diesem Gottesdienst passiert ist? Welche Elemente hat es da wohl gegeben? Es hat bestimmt Lobgesang gegeben, natürlich, Psalmen wurden gesungen. Noch eine Idee? Gebetet wurde.
[9:01] Also der klassische Synagogen-Gottesdienst aus der Zeit, das kennt man aus den rabbinischen Schriften, war ungefähr so. Man hatte zunächst einmal eine, wie soll man sagen, eine liturgische Einleitung. Also darunter fällt Loblieder, Gebete, Gesang, all sowas. Da gab es zum Teil festgeschriebene Gebete, da gab es natürlich das Glaubensbekenntnis. Wisst ihr, was das Glaubensbekenntnis im alten Israel gewesen ist? Höre Israel aus 5. Mose 6, Vers 4. "Der Herr ist der Gott, der einige Gott." Diese Verse dort, 5. Mose 6, Vers 4, das ist das Glaubensbekenntnis. Also man ist gekommen, man hat Gott gelobt, man hat gedankt, man hat Gott gepriesen, man hat das Glaubensbekenntnis gesagt.
[9:49] Und dann kam das Lesen aus dem Gesetz. Es gab dort in der Synagoge eine Art Lade, fast wie eine Bundeslade, so ein Schrein, in dem die Gesetzesrollen waren, 5. Mose. Und dann gab es einen Diener, es gab natürlich einen Synagogenvorsteher, quasi einen Gemeindeleiter, und dann gab es einen Diener, der hat dann sozusagen aus diesem Schrein dann eine Gesetzesrolle genommen. Und man hat dann jemandem aus der Gemeinde gebeten, daraus vorzulesen. Die Person musste dann aufstehen. Jetzt war das an jedem Tag so, am Sabbat war das besonders, denn am Sabbat mussten sieben Leute aus dem Gesetz vorlesen. Also auch an diesem Sabbat war das so gewesen. Jesus kam also dann in Gottesdienst. Machen wir erstmal die Theorie. Also da gab es dann die Lesung des Gesetzes, und am Sabbat war das siebenmal. An manchen Festtagen war es sechsmal, an manchen Festtagen war es fünf- oder viermal, je nachdem, wie wichtig der Tag war. Aber der Sabbat war der wichtigste Tag, deswegen wurde dort siebenmal aus dem Gesetz gelesen. Und jede Lesung musste mindestens drei Verse sein. Und es ist gut möglich, dass es so richtig so quasi wie Bibellesepläne gab, dass man halt dann immer wusste, wo es dann weitergeht oder wie auch immer. Aber dazu wurde nichts kommentiert, gar nichts.
[11:22] Danach bat man eine andere Person, einen Text zu lesen, und zwar aus den Propheten. Lesung aus Propheten. Das heißt, da gab es eine ganze Reihe von Prophetenrollen wie Micha, Jesaja, Jeremia, Ezekiel. Und eine Person sollte jetzt von einer Rolle etwas vorlesen. Auch diese Person war vorher dazu benannt worden, die musste dann aufstehen, die wurde dann aufgerufen. Und jetzt kommt der Clou. An diese Lesung aus den Propheten schloss sich direkt so eine Art Predigt an. Also, wenn wir das jetzt übertragen würden, nehmen wir mal an, der Gabriel ist unser Synagogenvorsteher und im Gottesdienst. Nehmen wir an, es kommt ein Gast, ein Prediger aus fernen Landen oder auch aus nicht ganz so fernen, aber der nicht regelmäßig hier ist, dann würde man dem sozusagen immer den Vortritt lassen. Man würde ihm gern etwas sagen lassen. Und dann würde man also vorher sieben andere Leute benennen aus der Gemeinde, die dann sieben Texte aus dem Gesetz lesen und danach diesen Gast, Prediger, bitten, einen Text aus den Propheten zu lesen. Und direkt danach, ohne weitere Unterbrechung, ohne Gebet und so weiter, direkt im Anschluss danach, sollte er dann vor allem eine Predigt überhalten.
[13:06] Interessanterweise war die Lesung im Stehen auszuführen. Also, man bat dann die Person, steh bitte auf. Man hat dann die Rolle bekommen, hat im Stehen den Text gelesen, aber Predigten wurden immer im Sitzen gehalten. Dann hat man, da gab es einen Stuhl und hat dann der Lesende quasi sich auf den Stuhl gesetzt als Lehrer und hat angefangen zu predigen. Es war sogar üblich, dass der Prediger, das war ja Hebräisch, was die Leute gar nicht mehr verstanden, denn die Leute sprachen damals Aramäisch. Es gab immer einen Übersetzer. Der Übersetzer war dazu zuständig, dass der Prediger, wenn er Hebräisch dann erklärt hat, dann stand er daneben und hat dann auf Aramäisch gesprochen. Es war auch üblich, dass viele der alten Prediger, der alten Rabbiner, die haben auch gar nicht laut gesprochen. Das war unter ihrer Würde. Die haben dann vor sich hin geflüstert und der Übersetzer hat dann immer laut gesprochen. Daher kommt übrigens die Praxis, dass oftmals im Neuen Testament die Bibeltexte nicht wörtlich aus dem Alten Testament zitiert werden, sondern quasi wiedergegeben werden, so als ob sie übersetzt werden. Das war damals ganz üblich, dass man den Text dann noch mal so paraphrasiert hat oder im Aramäischen wiedergegeben hat.
[14:26] Also wenn man das im Hinterkopf hat, dann liest sich der Text plötzlich ein bisschen anders. Könnt ihr euch vorstellen, an welcher Stelle Jesus aufgestanden ist oder an welchen Teil dieses Gottesdienstes er übernommen hat? Die Lesung der Propheten. Das heißt mit anderen Worten, sehr wahrscheinlich war es so gewesen, Jesus kam am Sabbatmorgen über die Schwelle der Synagoge und irgendjemand hat gesagt, oh Jesus ist wieder da. Also die haben damals nicht Jesus gesagt, die haben wahrscheinlich Joshua gesagt. Joshua, das war sein Name, wie er aramäisch, hebräisch ausgesprochen wurde. Joshua ist wieder da, Joshua ist wieder da. Lange nicht gesehen. Wie war es denn in Judäa? Und dann hat einer gesagt zum Synagogenvorsteher wahrscheinlich, schau mal, der Joshua ist da, den sollten wir was erzählen lassen. Wir haben gehört, der hat in anderen Synagogen gepredigt. Das ist bestimmt interessant. Damals gab es einen richtigen, würde ich sagen, einen Predigtzirkus, aber die Leute liebten Predigten. Also man hielt die Predigt für das Größte und Wichtigste überhaupt, fast wichtiger als die Opfer. Und es war übrigens sogar rabbinische Vorschrift, dass man zum Gottesdienst schnell gehen musste, aber vom Gottesdienst langsam. Und es galt sogar die Idee, wenn ein guter Prediger da ist, sollte man sich besonders schnell hinbegeben. Jedenfalls Predigten waren sehr wichtig und so hat man jetzt den Jesus gebeten, hey, du bist jetzt seit langem wieder da, hättest du nicht ein Wort an uns? Es hat sich also Jesus dann hingesetzt, es wurde gesungen, es wurde gebetet, vielleicht hat er auch ein Gebet übernommen, wissen wir nicht, könnte sein. Und dann sind sieben Leute aufgestanden, haben aus dem Gesetz gelesen und dann hat man gesagt, okay Jesus, jetzt bist du dran. Und er sollte jetzt aus dem Propheten Jesaja einen Predigtext finden und danach predigen. Es war also nicht so, dass er einfach willkürlich aufgestanden ist, eine Textlesung gemacht hat und dann irgendwie, sondern er war als Sprecher auserwählt. Und das macht die ganze Sache ziemlich interessant.
[16:34] Naja, schauen wir nochmal in Lukas 4, Vers 17. Er stand also auf, nicht weil er sozusagen sagen wollte, hey, ich habe auch was zu sagen, sondern weil er gefragt worden ist. Das zeigt auch was Interessantes, weil Jesus hat sich nicht vorgedrängt, sondern er hat dann die Gelegenheit, die sich bot, genutzt. Es wurde ihm die Buchrolle des Propheten Jesaja gegeben und als er die Buchrolle aufgerollt hatte, jetzt das ist noch interessant, das Wort, das hier steht, "aufrollen", kommt nur an dieser einen Stelle vor. Das ist nämlich ein Wort, das kommt eigentlich aus der Medizin. Ratet mal, wie das da hingekommen ist. Das ist, wenn man eigentlich den Körper so aufmacht. Wie ist das wohl da reingekommen, das Wort? Nicht so schwer. Wer hat das Evangelium geschrieben? Lukas, ja Lukas war Mediziner, der hat so gerne medizinische Begriffe verwendet. Naja, aber jedenfalls, er nimmt jetzt das Buch und er findet die Stelle. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten, entweder einfach gemacht, naja, so wie wir das heute machen. Wir haben am Sabbat gehört, das ist nicht so gut und das ist auch bei der Rolle gar nicht so einfach, sondern er hat diese Jesaja-Rolle aufgemacht und hat einen Text gesucht. Ihr wisst, damals gab es keine Kapitel-Einteilung und keine Vers-Einteilung und Jesaja ist nicht gerade kurz. Es hat wie viele Kapitel? 66, längstes Prophetenbuch überhaupt. Also das war eine große Rolle. Er wusste ganz genau, wonach er suchte, nämlich nach einem Text, Vers 18.
[18:15] "Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, den Armen vor Botschaft zu verkünden. Er hat mich gesandt zu heilen, die zerbrochenen Herzen sind, Gefangenenbefreiung zu verkünden und den Blinden, dass sie wieder sehen werden, Zerschlagene in Freiheit zu setzen." Wir haben letzte Woche schon mal darüber gesprochen. Es ist kein Zufall, dass er diesen Vers wählt. Kurz nochmal Wiederholung, woher kommt der Vers? Jesaja 61 und wir haben letztes Mal schon gesagt, dass das eigentlich quasi sein Predigtprogramm war. Das war quasi sein Kerntext für ihn. Warum? Gehen wir den Vers ganz kurz mal durch. "Der Geist des Herrn ist auf mir", bezieht sich auf Jesus, der Heilige Geist bei seiner bei der Taufe. Dann, "weil er mich gesalbt hat", bedeutet er ist der Messias, er ist der Gesalbte. Und dann "den Armen vor Botschaft zu verkündigen" heißt, das Evangelium zu predigen, vom Reich. "Er hat mich gesandt zu heilen, die zerbrochenen Herzen sind, Gefangenenbefreiung zu verkünden und so weiter und so fort." Da wird dann genau beschrieben, was diese gute Botschaft ist, von der wir das letzte Mal gesehen haben. Das war die Botschaft, die Jesus immer gepredigt hat, das Evangelium vom Reich.
[20:03] Also mit anderen Worten, er wird eingeladen, in seiner Heimatgemeinde eine Predigt zu halten und er hat ganz Jesaja vor sich und er sucht genau den einen Vers aus, der exakt prophetisch zu dieser Zeit spricht. Das finde ich interessant, weil wir letztes Mal auch gesagt haben, dass dieser Vers in Jesaja 61 ein Pendant sozusagen hat. Die Botschaft, das Evangelium von Jesus, das er verkündigt hat, hat quasi ein Gegenstück in unserer Zeit. Nämlich, was das Gegenstück in unserer Zeit, wenn wir heute gefragt werden, was ist das Kernstück eurer Botschaft, würden wir vielleicht nicht sagen Jesaja 61, sondern wir würden sagen, Offenbarung 14. Das ist also das Gleiche, als wenn Jesus heute in eine Kirche eingeladen werden würde. Man würde ihm sagen, oh du bist ein berühmter Wanderprediger, was hast uns heute zu sagen? Dann würde er, wenn er heute leben würde, er würde sich die Rolle des Propheten Johannes geben lassen, die Offenbarung würde suchen, bis er den Vers gefunden hat und dann würde er sagen, "Ich will das Evangelium verkünden, fürchte Gott und gebe ihm die Ehre", dreifache Engelsbotschaft.
[21:18] Also Jesus hat ganz bewusst Texte ausgesucht, die gegenwärtige Wahrheit waren und die direkt zur prophetischen Realität gepasst haben. Er hätte auch irgendeinen anderen Text nehmen können. Jesaja ist voller Bibeltexte, die einfach auch Trost geben, so allgemein von Gott sprechen. Aber er hat bewusst einen Text genommen, der brisant auf ihn und seine prophetische Mission hingewiesen hat und das zeigt uns, dass Jesus nicht bereit war, die gegenwärtige Wahrheit beiseite zu schieben, um einfach nur was Nettes zu sagen. Das ist ein sehr wichtiger Gedanke.
[21:58] Übrigens vielleicht noch eine Kleinigkeit, dieser Vers ist ja in verschiedener Hinsicht interessant, zum Beispiel dieses, dass Jesus heilen möchte, aber das Heilen ist hier gar nicht so sehr das physikalische Heilen, das körperliche Heilen, sondern es ist ja vor allem auch das geistliche Heilen, die zerbrochenen Herzen sind. Und dann, wenn es heißt, "die Gefangenenbefreiung zu verkünden", steht im Griechischen eigentlich das Wort für Kriegsgefangene, Leute, die im Krieg gefangen genommen worden sind, was wiederum interessant ist, weil wir uns im großen Kampf befinden mit dem Satan und seine Gefangene geworden sind.
[22:43] Jetzt, er zitiert noch Vers 19, noch ein Vers weiter aus Jesaja 61, um zu verkündigen, "das angenehme Jahr des Herrn". Und jetzt ist die Frage, was ist damit gemeint mit diesem angenehmen Jahr des Herrn? Heißt das, dass Jesus ein Jahr arbeiten würde? Das haben übrigens einige Kirchenväter gedacht, die haben den Vers genommen und haben gesagt, hier steht es, ein Jahr. Jesus hat nur ein Jahr gewirkt, deswegen haben die das noch nie verstanden mit den dreieinhalb Jahren. Also es bedeutet nicht ein buchstäbliches Jahr, aber was bedeutet es dann? Das Jubeljahr.
[23:26] Kannst du noch mehr zum Jubeljahr sagen? Was hat es denn mit dem Jubeljahr auf sich? Ja, schauen wir mal in dritte Mose, das ist tatsächlich der eigentliche Hintergrund hierfür. Dritte Mose 25 und dort ab Vers 8.
[23:51] Also dritte Mose 25, ab Vers 8, das Heiljahr oder Jubeljahr oder Jubeljahr, je nach Übersetzung. Und du sollst dir sieben Sabbatjahre abzählen, nämlich sieben mal sieben Jahre, sodass dir die Zeit der sieben Sabbatjahre 49 Jahre beträgt. Da sollst du Hörnerschall ertönen lassen im siebten Monat, am zehnten Tag des siebten Monats. Am Tag der Versöhnung sollt ihr ein Schofarhorn durch dein ganzes Land erschallen lassen und ihr sollt das 50. Jahr heiligen und sollt im Land eine Freilassung ausrufen für alle, die darin wohnen. Es ist das Heiljahr oder auch das Jahr des Hörnerschalls, in dem jeder bei euch wieder zu seinem Eigentum kommen und zu seiner Familie zurückkehren soll. Denn das 50. Jahr soll ein Heiljahr für euch sein. Ihr sollt nichts sehen, auch seinen Nachwuchs nicht ernten, auch seine unbeschütteten Weinstöcke nicht lesen, denn ein Heiljahr ist es. Es soll euch heilig sein, vom Feld weg dürft ihr essen, was es trägt. In diesem Heiljahr soll jedermann wieder zu seinem Eigentum kommen.
[25:06] Also egal, wie sehr man sich verschuldet hatte, im Jubeljahr wurde das Ganze wieder aufgelöst. Man war wieder frei, man wurde frei von Schuld, zumindest in dem ökonomischen Sinne, was dann ein Sinnbild war für das Evangelium. Jetzt interessanterweise habt ihr herausgekriegt, warum das Heiljahr heißt. Ja, Jubeljahr und anzusetzen Jubeljahr, aber eigentlich steht da Jubeljahr oder Heiljahr. Was ist denn damit gemeint? Genau, es geht nämlich eigentlich um den Klang des Hornes. Das Jahr, dieses besondere Fest, dieses Heiljahr, dieses Jubeljahr ist benannt tatsächlich nach dem Schofarhorn-Klang. Ihr wisst ja, Schofarhörner sind ganz besonders toll, eignen sich auch gut als Logos. Das Schofarhorn ist ein Symbol dafür, dass ein Tier gestorben ist. Ein Schofarhorn ist ein Symbol dafür, und das ist jetzt sehr entscheidend, für einen lauten Ruf. Das heißt, das Jahr, das sogenannte Jubeljahr, wie es meistens im Deutschen bekannt ist, kam eigentlich von dem Hörnerschall. Es hat quasi durchs ganze Land gehallt, das Heiljahr.
[26:45] Und jetzt ist daran, warum ist das so wichtig, dass das Jubeljahr charakterisiert wird durch lauten Hörnerklang. Das alles hören, genau, aber jetzt im Kontext von Lukas 4. Jesus sagt mit anderen Worten, wenn das Jubeljahr verkündet wird durch Hörnerschall, und ich bin derjenige, der es verkündet, ich bin quasi das Horn, das es verkündet. Also es ist genauso, wie das Jubeljahr laut verkündet werden musste, so hat Jesus diese Botschaft vom Evangelium laut verkündet. Ein lauter Ruf. Und das ist übrigens dasselbe, was dann wieder am Ende der Zeit passiert, wenn das Evangelium mit einem lauten Ruf um die Welt gepredigt wird. Also das Jubeljahr, die Tatsache, dass dort die Gefangenen befreit wurden, dass man dort seine verschuldeten Sachen wieder zurückbekommen hat, sein Eigentum wieder erlangt hat, war natürlich Hinweis darauf, dass man von den Sünden befreit wird durch Jesus. Aber die Tatsache, dass dort so laut gerufen wurde, war ein Hinblick darauf, dass Jesus so klar und deutlich das verkündigen würde. Und das war also mit anderen Worten, die Erfüllung ist quasi doppelt. Jesus zeigt auf Jesaja 61 und sagt jetzt gleich, das hat sich erfüllt, aber indem er das tut, erfüllt er auch den Hörnerschall. Er erfüllt den Typus von einem lauten Ruf. Er sagt, schaut mal, ich bin quasi dieses Horn, ich predige euch das.
[28:36] Nun zurück zu Lukas 4. Etwas ist noch interessant. Und zwar müssen wir noch mal den Vers genau lesen und dann mit Jesaja vergleichen. Schaut mal in Lukas 4 und dort Versen 18 und 19. "Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, den armen Frohbotschaft zu verkünden. Er hat mich gesandt, zu heilen, die zerbrochenen Herzen sind. Gefangenenbefreiung zu verkünden und den Blinden, dass sie wieder sehen werden, Zerschlagene in Freiheit zu setzen, um zu verkündigen, das angenehme Jahr des Herrn." Jetzt guckt mal in Jesaja 61 und schaut mal, ob es da etwas gibt, was dort anders ist. Jesaja 61, Vers 1 und 2.
[29:32] Gibt es da irgendwas, was euch auffällt, wenn ihr die Verse vergleicht, was dort anders ist? Lukas 4, 18 und 19 und Jesaja 61, Vers 1 und 2. Die Öffnung des Kerkers den Gebundenen. Ja, das ist etwas frei quasi wiedergegeben, zerschlagene in Freiheit zu setzen. Das stimmt, ja. Genau, Jesus hört mitten in Vers 2 auf, denn Vers 2 würde ja weitergehen, "um zu verkündigen, das angenehme Jahr des Herrn und den Tag der Rache unseres Gottes und um zu trösten alle Trauernden, um den Trauernden und so weiter und so fort." Warum hört Jesus da mitten im Vers auf? Jesus wusste etwas, was die Juden damals nicht so genau gesehen haben und ich wundere mich selbst, ob wir das gesehen hätten, oder, wenn wir in der Zeit gelebt hätten, dass obwohl die beiden Dinge direkt nebeneinander in einem Vers stehen, sie doch viele Jahrtausende auseinander liegen. Das angenehme Jahr, die Erlösung und der Tag der Rache, beides in der Prophetie angedeutet, beides vorher gesagt, sogar nebeneinander gestellt, aber doch getrennt durch viel Zeit. Das ist so ähnlich wie in Johannes 5, wo Jesus sagt, die einen werden auferstehen zum Leben, die anderen zum Gericht und doch sind tausend Jahre dazwischen. Und das ist manchmal wichtig beim Bibelstudium, dass Dinge, die nebeneinander genannt werden, nicht alle zum gleichen Zeitpunkt stattfinden.
[31:32] Jesus hat also sehr genau die Bibel gekannt. Er kannte nicht nur das gesamte Jesaja-Evangelium und wusste, wo er dort den Vers findet, der zur Situation passt. Er wusste auch ganz genau, was in Jesaja 61 von seiner Zeit spricht und was zukünftig ist. Also wir sehen hier, Jesus war wirklich ein sehr präziser Bibelkenner. Es ist nämlich so, dass nicht alles in der Bibel immer von unserer Zeit spricht. Obwohl alles für uns wichtig ist und wir von allem etwas lernen können, spricht nicht alles von unserer Zeit. Ihr kennt vielleicht die Leute, die glauben, die ganze Offenbarung spricht vom 21. Jahrhundert oder von unserer Generation. Alles in der Offenbarung muss irgendwas mit uns zu tun haben. Nein, vieles in der Offenbarung hat nichts mit uns zu tun, zeitlich gesehen, obwohl wir was davon lernen können. Und das ist etwas, was wir hier bei Jesus auch sehen. Er konnte unterscheiden zwischen dem Tag der Rache und dem angenehmen Jahr. Übrigens nur so nebenbei, die kommen auch in Jesaja 63 Vers 4 nochmal vor, wo Jesus sagt, "Ich hatte mir einen Tag der Rache vorgenommen, das Jahr meiner Erlösten war gekommen." Also das zieht sich durch Jesaja so, diese ganze Sache.
[32:45] Also zurück zu Lukas. Lukas 4. Und auch das ist interessant, dass Jesus hier, obwohl er wusste, dass es einen Tag der Rache gibt, dass das jetzt nichts zum Thema gemacht hat. Weil er wusste, seine Zuhörer werden schon genügend Mühe damit haben anzuerkennen, dass er der Messias ist. Sie werden genügend Schwierigkeiten damit haben, zu verstehen, was das wirkliche Jubiläum ist, dass das Befreiung von den Sünden und die Befreiung von den Römern bedeutet. Wenn er ihnen jetzt noch was von den sieben letzten Plagen erzählt, dann kriegen die einen totalen Schock. Auch das ist wichtig, wenn man über gegenwärtige Wahrheit predigt. Jesus hat sich die wichtigste Wahrheit herausgesucht, aber dann hat er auch nur das gepredigt, was die Leute gerade aufnehmen konnten. Er hat sie nicht mit allem überfordert, alles auf einmal so nach dem Motto, hier steht es ja, Tag der Rache. Lukas 4.
[33:42] Also er zitiert diese anderthalb Verse, was relativ wenig war für so eine Prophetenlesung und dann heißt es in Lukas 4, Vers 20. Und er rollte die Buchrolle zusammen, ja übrigens auch wieder ein medizinischer Begriff, wenn man was festbindet, und gab sie dem Diener wieder, der tut sie jetzt wieder in den Schrein und dann heißt es und setzte sich. Und da habe ich, wie ich vorhin gesagt habe, da habe ich immer gedacht, naja er stand auf, hat was vorgelesen, hat sich wieder hingesetzt auf seinen Platz. Aber das ist falsch. Wenn man den Synagogendienst versteht, heißt das, er ist aufgestanden, hat den Predigtext gelesen und dann hat er sich auf den Predigtstuhl gesetzt. Und deswegen sagt dann der Text, und alle Augen waren auf ihn gerichtet, weil er jetzt quasi sich gesetzt hat.
[34:34] Übrigens, mir ist das vorher nicht so aufgefallen, aber schaut mal, nur ein paar Beispiele. Jesus hat fast immer im Sitzen gelehrt. Schaut mal, Lukas 5, Vers 3. Lukas 5, Vers 3. Da stieg er in eines der Schiffe, das Simon gehörte und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Ihr kennt die Situation, tausende von Menschen am Strand. Er kommt in das Schiff und jetzt schaut nur, wie es weitergeht. "Und er setzte sich und lehrte die Volksmenge vom Schiff aus." Man würde doch denken, naja, da wäre es doch besser, wenn man stehen würde, wenn da tausende Leute stehen. Aber er setzte sich in das Boot und lehrte. Ob die auf dem Boden saßen, das kann ich dir jetzt gar nicht so genau sagen. Also ich weiß nur, dass die Männer saßen unten und die Frauen gab es so eine Galerie, die Frauen waren oben. Das war getrennt, obwohl es auch Rabbiner gab, die gesagt haben, viele Leute kommen deswegen in die Synagoge, weil sie dann endlich mal die Frauen sehen dürfen. Aber ob die da auf dem Boden gesessen haben, ich glaube, die hatten keine Sitzmöglichkeiten. Es gab auf jeden Fall, also was ich weiß, es gab für die Angesehenen und die Rabbiner sozusagen, gab es vorne Ehrensitze, in den ersten Reihen. Und ob die weiter hinten dann die Sitze beschaffen waren. Aber ich glaube, es gab schon eine Art Sitze für alle, würde ich vermuten. Ja, müssen wir nochmal genau nachschauen. Aber noch ein paar andere Textstellen, die zeigen, dass das jetzt kein Zufall ist mit dem Setzen.
[36:08] Matthäus 5, Vers 1 und 2, Bergpredigt. Tausende Menschen auf dem ganzen Berg abhangen und da heißt es hier, "Als er aber die Volksmenge sah, stieg er auf den Berg und als er sich setzte, traten seine Jünger zu ihm und er tat seinen Mund auf, zu einer Rede, lehrte sie und sprach." Er lehrte vom Boot aus im Sitzen, er lehrt die Bergpredigt vom Sitzen aus. Matthäus 13, die berühmte Predigt am See, es gibt ja die Bergpredigt, dann gibt es die Seepredigt und da heißt es hier in Matthäus 13, und dort Vers 1 und 2, "An jedem Tag aber ging Jesus aus dem Haus hinaus und setzte sich auf den See, setzte sich an den See, nicht auf den See, setzte sich an den See und er versammelte sich eine große Volksmenge zu ihm, sodass er in das Schiff stieg und sich setzte und alles Volk stand am Ufer." Oder noch ein letztes Beispiel, Johannes 8, und dort Vers 2, Johannes 8, Vers 2, "und früh am Morgen kam er wieder in den Tempel und alles Volk kam zu ihm und er setzte sich." Also übrigens, das heißt, die ganze Geschichte mit der Frau der Ehebrecher wird immer falsch gemalt. Als die hingeworfen wird, saß Jesus. Ja, man sieht das immer, Jesus steht und lehrt und da kommen die Pharisäer und werfen die hin. Er saß. Wenn Jesus gelehrt hat, egal ob auf einem Boot oder auf einem Berg oder im Tempel, er hat gesessen. Ich habe mich eigentlich gefragt, warum wir beim Predigen stehen. Das ist eigentlich interessant, ja. Also das scheint wirklich damals sozusagen gewesen sein, dass man zur Schriftlesung stand, aber dann zum Predigen sich hingesetzt hat. Ja, und dann stand da jemand und hat dann übersetzt, aber der Lehrer saß. Ich weiß nicht, ob das mehr Würde vermittelt hat, aber naja, er setzte sich.
[38:04] Also es ist nicht so, wie man vielleicht denken könnte, er hat sich wieder auf seinen Platz gesetzt und haben sich alle umgedreht. Ja, was ist denn mit dir? Nein, er saß im Zentrum und sollte jetzt die Predigt halten. Und mit diesem Gedanken lesen wir den nächsten Vers, Lukas 4, Vers 21.
[38:20] Übrigens, wenn es heißt hier in Lukas 4, Vers 20, dass alle Augen in der Synagoge auf ihn gerichtet waren, steht im Griechischen, das war eine feste kontinuierliche Aufmerksamkeit. Ja, die waren durch nichts abgelenkt und ich kann euch sagen, es ist relativ leicht für eine Gottesdienstversammlung abgelenkt zu sein. Ich habe schon genügend gesehen von vorne und da kann ein Fenster aufgehen, da kann ein Kind rechts quäken, da kann jemand von hinten reinkommen und man sieht mal 30, 40 Prozent der Köpfe gehen und man weiß genau, was man jetzt sagt, er reicht die Hälfte nicht, weil sie gar nicht aufpassen. Aber hier sagt das Griechische, sie waren quasi wie gebannt auf ihn. Da konnten die Kinder quäken, was sie wollten. Die wollten jetzt alle wissen, was sagt dieser Jesus zu diesem Vers? Denn das, was das von dem Messias sprach, das war ohne Frage der Gesalbte.
[39:16] Und dann sagt er ziemlich einfach und direkt heraus, Vers 21, "er aber fing an, ihnen zu sagen: Heute ist diese Schrift erfüllt vor euren Ohren." Wir lesen das heute und denken, ja klar, natürlich war das erfüllt, er war der Messias. Aber wenn ihr euch einmal hineinversetzt in die Situation dieser Nazarener, die Jahr ein, Jahr aus, Sabbat für Sabbat in den Gottesdienst gehen, jetzt kommt Jesus, der ist schon berühmt, nicht wahr? Alle Welt spricht von ihm und er kommt, soll predigen und er wählt sich einen der brisantesten Texte aus. Alle reden davon, dass bald der Messias kommt. Wer ist der Messias? Ist Johannes der Täufer der Messias oder ist es nicht? Und er wählt sich diesen Text aus und alle wollen wissen, wer ist es? Ist es Johannes der Täufer, ist es jemand anders? Und er sagt, ich bin es. Das war eine absolute Bombe.
[40:18] Jesus hatte vorher schon an wenigen Stellen offenbart, dass er der Messias ist. Könnt ihr euch erinnern? Wem hat er gesagt, ich bin der Messias? Die Frau im Jakobsbrunnen, der Samariterin, die hatte gesagt, ich weiß, dass der Messias kommt, der wird uns alles beibringen und Jesus sagte, ich bin es, der mit dir redet. In anderen Worten, heute ist diese Schrift erfüllt in deinen Ohren. Und was war die Reaktion? Die ganze Stadt hat sich bekehrt. Und ihr kennt wahrscheinlich schon die Geschichte. Jetzt kommt er in seine eigene Heimatstadt, wagt dasselbe zu sagen und das Resultat ist ziemlich genau das Gegenteil. Er hatte auch übrigens kurz zuvor, wenige Momente, also wenige Tage, Wochen zuvor im Sanhedrin das relativ deutlich gemacht, dass er der Messias ist, als er gesagt hat, die Schrift zeugt von mir. Und die haben ihn abgelehnt. Er hat jetzt also Ablehnung von den Führern seines Volkes. Jetzt ist die Frage, wie gehen die Menschen seiner Heimatstadt mit ihm um?
[41:15] Und zunächst lesen wir in Vers 22. "Und alle gaben ihm Zeugnis und wunderten sich über die Worte der Gnade, die aus seinem Mund kamen." Also eins ist sicher, Jesus muss außergewöhnlich gepredigt haben. In einer Zeit, in der Predigen fast ein Volkssport war, wo man sich gefragt hat, wer predigt heute in der Synagoge? Und dann rannte man hin, waren die Leute außer sich vor Verwunderung über diese Predigt. Wahrscheinlich hat er noch mehr gesagt, als nur den einen Satz, gehe ich mal davon aus. Und das Ganze war übrigens eine Erfüllung der Prophetie. Schaut mal in Psalm 45, ein messianischer Psalm, Psalm 45, Vers 3.
[42:19] Also, dass es ein messianischer Psalm ist, das sieht man an Vers 7. Da heißt es nämlich, "Dein Thron, oh Gott, bleibt immer und ewig. Das Zepter deines Reiches, ein Zepter des Rechts", das ist in Hebräer 1, Vers 8 zitiert, wo es heißt, dass Gott, der Vater, das über Jesus sagt. Also es ist ein messianischer Psalm. Schaut mal in Vers 3. "Du bist schöner als die Menschenkinder. Gnade ist ausgegossen über deine Lippen. Darum hat Gott dich gesegnet auf ewig." Eine Prophezeiung der Bibel war, dass der Messias besonders gnadenvolle Worte sprechen würde. Nicht nur die Wahrheit, sondern auf eine besondere Art und Weise.
[43:00] Und auch das können wir von Jesus lernen. Er hat nicht nur sich entschieden, die gegenwärtigste Wahrheit zu predigen, er hat sich auch entschieden, das sehr, wie soll man sagen, mit Gnade zu formulieren. Er war losgedroschen. Die Art und Weise, wie er gesprochen hat, die hat seine Zuhörer wirklich in den Bann gezogen. Und ich glaube, das ist etwas, was auch wir lernen können. Schaut mal mit mir in Sprüche 10, Vers 32. Sprüche 10, Vers 32.
[43:36] Übrigens, wenn ihr das sucht, gibt es eine andere Stelle in der Bibel, wo es auch heißt, dass die Leute sich verwundert haben über das, was Jesus gesagt hat, über seine Weisheit. Ja, das stimmt. Es gibt andere Stellen, wo es heißt, dass man sich gewundert hat, wie er so sprechen kann. Die Botschafter. Niemals hat jemand gesprochen, wie er gesprochen hat. Als er schon mit zwölf im Tempel saß und Fragen gestellt hat, wo in Jesaja 53 eigentlich die Römer, und niemand darauf antworten konnte, da waren sie auch alle erstaunt. Er hat nicht einfach gesagt, ihr seid falsch, sondern einfach so intelligente, kluge Fragen gestellt. Und ja, Sprüche 10, Vers 32.
[44:44] Also jemand, der gerecht ist, der die Gerechtigkeit Gottes im Herzen trägt, der wird mit Gnade sprechen. Nicht einfach nur knallharte Wahrheit, sondern immer mit Gnade. Das ist das, was wir von Jesus lernen können. Und vielleicht zum Schluss jetzt noch. Letzter Vers, Titus 2, Vers 8. Da wird uns gesagt, dass auch wir das tun sollen. Titus, Kapitel 2, Vers 8.
[45:27] Da spricht es von der gesunden und tadellosen Rede, damit der Gegner beschämt wird, weil er nichts Schlechtes über uns sagen kann. Das ist so wichtig. Wir müssen das so deutlich betonen. Jesus hat die Wahrheit gesagt und hat sich nicht gescheut, die wichtigste prophetische Wahrheit auf den Tisch zu legen und gesagt, so ist es. Aber auf eine Art und Weise, dass seine Gegner nichts wirklich finden konnten an der Formulierung, an dem Ton. Nicht arrogant, nicht abwerfend, nicht aggressiv, sondern immer voll Gnade. Und darin muss er uns immer unser Vorbild sein, weil die Botschaft, die wir haben, ist intensiv. Erste, zweite, dritte Engelsbotschaft ist alles kraftvoller Stoff, sozusagen. Umso mehr brauchen wir den Geist von Jesus, dass wir so das verkündigen können, dass man auch über uns sagen kann, dass die Leute sich verwundern über die Gnade auf unseren Lippen.
[46:29] Nächste Woche schauen wir dann die Reaktion der Nazarener an. Den fiel plötzlich ein, dass sie ihn doch kannten. Ist dieser nicht der Sohn von Josef? Und das Ganze nimmt dann eine dramatische Wendung, aber dazu dann nächste Woche mehr. Für heute lasst uns lernen, Jesus bekam eine Gelegenheit zu predigen und er nutzte sie vorbildlich. Wenn wir eine Gelegenheit bekommen, im Gottesdienst mitzuwirken, sei es durch eine Textlesung, durch ein Gebet, durch ein Gesang, durch Salt, lasst es uns immer als eine Gelegenheit sehen, möglichst viel Gutes zu bewirken, möglichst viel Segen zu erzeugen, möglichst die gegenwärtige Wahrheit in den Vordergrund zu stellen und immer mit Gnade. Ich war mit gnadenvollen Worten. Lasst uns noch gemeinsam beten und diesen Teil für heute abschließen.
[47:21] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir dein Wort studieren können, dass wir sehen können, wie Jesus im Gottesdienst es geschafft hat, die gesamte Aufmerksamkeit aller seiner Zuhörer auf die gegenwärtige prophetische Wahrheit zu lenken. Lieber Vater, wir möchten davon lernen. Wir möchten lernen, so zu sprechen wie Jesus, so zu denken wie Jesus, so zu planen wie Jesus und Gelegenheiten, die du uns schenkst, in welcher Form auch immer, so zu nutzen, wie Jesus sie genutzt hat. Schenk du uns seine Weisheit und sei du bei uns im Namen Jesu. Amen.