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In dieser Predigt wird die biblische Geschichte von der Berufung des Zöllners Levi (Matthäus) durch Jesus Christus beleuchtet. Christopher Kramp erklärt die gesellschaftliche Stellung und die Rolle der Zöllner im römischen Reich und wie sie von der jüdischen Bevölkerung verachtet wurden. Er zeigt auf, wie Jesus auch in den Ausgestoßenen Potenzial erkannte und sie berief, um ihm nachzufolgen und wichtige Aufgaben in seinem Reich zu übernehmen. Die Lektion betont die umfassende und gründliche Natur der Nachfolge Jesu, unabhängig von Herkunft oder sozialem Status.

In dieser Predigt wird die Berufung des Zöllners Levi (Matthäus) durch Jesus beleuchtet. Christopher Kramp erklärt die gesellschaftliche Stellung und die negativen Konnotationen von Zöllnern im römischen Reich und zeigt auf, wie Jesus trotz der Verachtung, die Levi entgegenschlug, sein Potenzial erkannte. Die Predigt betont die Bedeutung der Nachfolge Jesu, die eine radikale Abkehr vom alten Leben bedeutet, und wie Gott auch aus den geringsten und verachtesten Menschen heraus Großes wirken kann.


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Serie: Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus

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Transkript

[0:30] Hallo und herzlich willkommen zu unserem Seminar "Der Ersehnte". Schön, dass ihr da seid und schön, dass ihr eingeschaltet habt auf joelmedia.de oder wenn ihr diese Aufnahme später anschaut. Wir wollen heute mit einer weiteren Geschichte aus dem Leben Jesu unser Studium der Evangelien fortsetzen. Die Folge 63 haben wir heute und wir werden eine kurze Geschichte anschauen mit nur wenigen Versen und eine trotzdem sehr wichtige. Bevor wir anfangen, wollen wir mit einem Gebet starten und dazu lade ich euch ein, niederzuknien.

[1:04] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dich bitten von ganzem Herzen, dass du jetzt durch dein Wort zu uns sprichst, dass du mit deinem Heiligen Geist anwesend bist und dass die Worte, die wir lesen und die wir studieren werden, dass sie etwas in unserem Herzen bewirken, dass sie uns daran erinnern, wie du uns gerufen hast und dass sie erneut auch in unserem Herzen bewirken, dass wir den Ruf noch deutlicher verstehen als je zuvor. Bitte schenk du uns Weisheit, die du verheißen hast und sei du in unserer Mitte gegenwärtig nach deiner Verheißung im Namen Jesu. Amen.

[1:49] Die Geschichte, die wir anschauen wollen, kommt auch aus dem Markus-Evangelium und folgt dort im Wesentlichen direkt auf die Geschichte vom letzten Mal. Letztes Mal haben wir gesehen, wie Jesus nach seiner längeren Tour durch die Städte, von der nicht alles berichtet ist, wieder nach Kapernaum gekommen war, wie er dort im Haus des Petrus gelehrt hat und wie ein verzweifelt kranker, sündenkranker Mann sich nicht hat davon abschrecken lassen, dass eigentlich kein Platz da war, sondern wie er das Haus des Petrus hat kaputt machen lassen, um direkt zu Jesus zu kommen. Und Jesus hat ihn geheilt von seinen Sünden und um das zu demonstrieren, dann auch noch von seiner Lähmung. Und an dieser Stelle geht es jetzt direkt weiter mit einer kurzen Geschichte, die auch im Markus-Evangelium im längsten Bericht nur zwei Verse hat. In Markus 2, Verse 13 und 14. Parallel dazu gucken wir dann auch zu Matthäus 9, Vers 9 und Lukas 5, Verse 27 und 28.

[3:10] Schauen wir mal in Markus 2 und dort Vers 13. Also immer noch ist diese Geschichte mit dem Gelähmten, der gesund geworden ist, im Hinterkopf. Und da heißt es jetzt: "Da ging er, also Jesus, wieder an den See hinaus und die ganze Menge kam zu ihm und er lehrte sie." Jesus ging wieder zum See und ihr wisst ja, Kapernaum lag direkt am See Genezareth. Was meint ihr, warum hat Jesus so gerne draußen unterrichtet? Er hat es ja oft auch in Synagogen gepredigt, aber immer wieder auch gerne draußen, in der Natur. Warum? Ja, er hat also oft auf die Dinge der Natur Bezug genommen und hat Gleichnisse genommen, mit dem Seemann zum Beispiel, mit Früchten, die wachsen, mit Fischen, weil er wusste, diese Menschen, wenn sie dann diese Dinge wieder sehen, werden sich besser daran erinnern. Außerdem hast du richtig gesagt, in der Natur hat Gott sich verherrlicht. In der Natur sehen wir die Handschrift Gottes in einem gewissen Maße auch in dieser sündigen Welt noch und darauf konnte er Bezug nehmen.

[4:36] Es gibt sogar eine Stelle in der Bibel, in der deutlich wird, dass der Messias öffentlich reden wird auf offenen Plätzen, nicht nur in Synagogen, auch wenn da nicht so sehr von der Natur die Rede ist. Schaut mal in Sprüche, da ist diese Idee, dass Jesus nicht im Geheimen oder in verborgenen Häusern, sondern ganz offen unter freiem Himmel quasi predigen wird. In Sprüche 1 und dort Vers 20, vor allem 20 und 21 gehört auch dazu. Sprüche 1, Verse 20 und 21, da spricht es von der Weisheit. Die Bibel sagt uns in 1. Korinther 1, Vers 30, dass Jesus die Weisheit ist. Da kommt auch Sprüche 8 ganz deutlich raus. "Die Weisheit ruft draußen laut, öffentlich lässt sie ihre Stimme hören und dann heißt es, auf den Plätzen im ärgsten Straßenlärm schreit sie, an den Pforten der Stadttore hält sie ihre Reden." Jesus hat nicht geglaubt, dass Predigen allein auf Gottesdiensträume begrenzt ist. Das ist eine Erkenntnis, die sich in der Kirche dann später erst ganz spät wieder durchgesetzt hat. Der John Wesley und Whitefield, die haben das dann zum ersten Mal wieder gemacht, nachdem man jahrhundertelang nur in Kirchen gepredigt hat, nur im Gottesdienst, haben die angefangen dann wieder draußen zu predigen, auch weil sie verstanden haben, dass eine Predigt nicht auf Gebäude begrenzt ist. Und Jesus hat das natürlich vorgemacht und er hat hier an jeder Gelegenheit gepredigt, in den Häusern, in den Synagogen, auf den Straßen, auf den Marktplätzen, an den Stadttoren. Wir werden gleich sehen, die Geschichte, die hier spielt, die ist eigentlich dann auch mehr am Stadttor und weniger direkt am See. Natürlich in der Natur, am See, an den Berghügeln.

[6:35] Jesus hat jede Gelegenheit genutzt und wir haben gelesen in Markus, eine große Volksmenge folgte ihm. Das scheint so quasi, dass Jesus ständiger Begleiter gewesen sei. Egal wo er gewesen ist, waren dort riesige Mengen bei ihm. Wir hatten das schon in der Geschichte zuvor gesehen, ich war in Markus 2, Vers 2, wo es hieß: "Da versammelten sich sogleich viele, sodass kein Platz mehr war, auch nicht draußen bei der Tür und er verkündigte ihnen das Wort." Das sind also jetzt wahrscheinlich viele von denen, die die Heilung des Gelähmten miterlebt haben, die natürlich jetzt bei jeder Gelegenheit, wo Jesus öffentlich auftritt, dabei sein wollen.

[7:30] In Markus 2, Vers 13, wenn es heißt: "Und die ganze Menge kam zu ihm", da steht im Griechischen der Imperfekt. Ich weiß nicht, wie gut eure Grammatik noch ist, aber der Imperfekt sagt, dass es quasi noch nicht abgeschlossen ist, dass es also quasi immer noch voranschreitet. Es war quasi ein Kommen, immer mehr. Es war also nicht die Idee, Jesus predigt und da kommen auf einmal 3000 Leute und stehen, sondern es kommen und kommen und kommen immer mehr. Die Idee war, die Zuhörerschaft vergrößert sich. Und genauso steht auch das Lehren im Imperfekt. Also während die Leute immer mehr kamen, hat er immer mehr gelehrt. Also quasi das war so im Prozess.

[8:12] Dann heißt es, und das war jetzt natürlich nur der quasi der Hintergrund für den eigentlichen Punkt in Vers 14. "Und als er vorüberging, sah er Levi, den Sohn des Alpheus, an der Zollstätte sitzen. Er sprach zu ihm: Folge mir nach, und er stand auf, folgte ihm." Schon die ganze Geschichte, aber die hat einiges in sich, wenn wir ein bisschen genauer unter die Lupe nehmen. Zunächst einmal halten wir fest, er kommt dort mit dieser riesigen Menschenmenge. Ob er jetzt zum See geht oder vom See wieder weg, ist nicht ganz klar. Ob das jetzt in der Nähe des Sees war oder vielleicht doch eher an den Stadttoren, sagt der Text nicht genau.

[8:56] Aber Fakt ist, er sieht einen Zöllner. Das ist natürlich ein Wort, das kennen wir eigentlich ganz gut aus dem Neuen Testament, wird oft verwendet. Vielleicht sollten wir uns doch mal genauer Gedanken machen, was genau verbirgt sich hinter einem Zöllner? Wer oder was war ein Zöllner? Was habt ihr schon darüber gehört? Was machen Zöllner? Die haben Geld eingetrieben, da ging es um Geld. Aber was genau? Warum durften die das? Keiner gibt gerne Geld ab. Ja, die haben irgendjemandem gedient. Wem denn genau? Wem haben denn diese Zöllner gedient? Die Römer. Und was haben die Römer da gemacht? Die Römer waren Besatzungsmacht. Das römische Imperium hatte sich ausgebreitet, natürlich von Frankreich bis Nordafrika, von Spanien, Portugal bis nach Syrien. Und überall sollten die römischen Gesetze gelten. Und in Rom musste man Steuern bezahlen, weil die Römer waren damit beschäftigt, das ganze Imperium mit Straßen zu durchziehen. Und auch sonst wurde viel Geld ausgegeben für Spiele und für große Bauten. Und das Geld musste woher kommen. Steuern wurden erhoben und dazu gab es Zöllner.

[10:34] Was genau treibt der Zöllner eigentlich dem Wortsinne nach ein? Zoll. Und wo wird Zoll erhoben? An den Grenzen oder zumindest immer da, wo Handel getrieben wird. Also diese Zöllner saßen natürlich auch nicht nur an den Grenzen des römischen Reiches, aber immer dann, wenn man sozusagen von einer Stadt in die nächste kam, von einer Provinz in die nächste, musste man Zoll entrichten.

[11:08] Jetzt, die Römer hatten, das lateinische Wort ist eigentlich Publicanus und darin steckt Public, Public im Englischen. Das heißt eigentlich so viel wie öffentlich. Eigentlich, weil wir haben immer die Idee, die Zöllner, ich weiß nicht, so bin ich groß geworden, so von den Kinderbibeln her, die Zöllner, das waren so schmierige Leute, die so an den Straßenecken saßen, so wie halbe Mafiosi und das Geld sich in die Taschen gesteckt haben. So hat man die Idee, so halb Kriminelle. Aber die Publicanus, das waren eigentlich sehr hoch stehende Beamte, die hatten eigentlich im römischen Reich grundsätzlich nicht nur die Aufgabe Zoll einzutreiben, sie hatten auch die Aufgabe den Bau von Bauwerken zu übersehen. Also, wenn irgendwo eine neue Brücke gebaut wurde, wenn irgendwo ein neues öffentliches Haus gebaut wurde, dann waren das quasi so die Bauleiter. Wenn irgendwo an den Häfen große Güter kamen, ja aus Nordafrika oder sonst wo, dann haben diese Publicanus dafür gesorgt, dass da genau aufgeschrieben wurde, was kam an Gütern rein. Sie haben also den Handel überwacht. Das waren sehr hoch stehende Leute und aufgrund dieser Aufgaben war es unter anderem auch ihre Aufgabe, den Zoll einzutreiben.

[12:34] Zur Zeit des Neuen Testamentes hatte sich das ein bisschen verschoben und ihre Hauptaufgabe war vor allem jetzt nur noch der Zoll. Aber dieser hoch stehende Charakter war nicht verloren gegangen. Das heißt, auch dieser Mann war vermutlich nicht einfach nur dafür zuständig, Geld einzutreiben, sondern wenn es dort größere Bauprojekte gab, war er wahrscheinlich eine der wichtigen Personen. Diese Publicanus waren eigentlich oft auch dafür zuständig, dafür zu sorgen, dass das Militär genügend Geld hatte, genügend versorgt wurde. Also für das römische Reich sehr wichtige Leute, die haben nicht irgendjemand genommen.

[13:20] Trotzdem war es so, dass die Zöllner trotz ihrer wichtigen Aufgabe, ihrer öffentlichen Aufgabe, keinen festen Lohn vom römischen Reich bekamen, sondern sie hatten die Aufgabe, dieses Geld einzutreiben und durften dafür sich den Lohn selbst noch draufschlagen. Ja, sie konnten also nach eigenem Ermessen vermutlich, vielleicht gab es da ein paar Rahmen, Regeln, aber sie konnten wesentlichen nach eigenem Ermessen noch ihren eigenen Lohn quasi draufschlagen, damit sie auch von irgendwas leben.

[13:48] Das Problem war natürlich, die Juden hassten die Römer. Jedes Mal, wenn man eine Steuer bezahlen musste, jedes Mal, wenn man sein Getreide von A nach B geschifft hat, von der Ostseite des Sees Genezareth zur Westseite des Sees Genezareth unter Handel treiben wollte und Zoll bezahlen musste, wusste man, das muss ich nur bezahlen, weil die Römer hier sind. Das heißt, jede Transaktion hat sie an die verhassten Römer erinnert und die Zöllner waren quasi so das Symbol, das sichtbare Symbol der römischen Besatzung.

[14:26] Noch schlimmer war es dann natürlich, wenn ein Jude Zöllner war, denn die Juden waren ja von den Römern unterdrückt und die Zöllner trieben das Geld für die Unterdrückung ein. Wenn also ein Jude für die Römer arbeitete und das Geld eintrieb, dann hat er quasi die Unterdrückung seines eigenen Volkes gefördert. Und deswegen hat man Zöllner in die unterste Schublade der, wie soll man sagen, der Wertschätzung gesteckt.

[14:58] Das sieht man deutlich in Matthäus. Schaut mal, Matthäus 21 und dort Vers 31 und 32. Matthäus 21 und dort Vers 31 und 32. Das ist Jesus hier sogar, der spricht und der quasi die öffentliche Wahrnehmung sich darauf bezieht. Matthäus 21, Verse 31 und 32: "Wer von diesen beiden hat den Willen des Vaters getan?" Sie sprachen zu ihm: "Der Erste." Da spricht Jesus zu ihnen: "Wahrlich, ich sage euch, die Zöllner und die Huren kommen eher in das Reich Gottes als ihr, denn Johannes ist zu euch gekommen mit dem Weg der Gerechtigkeit und ihr habt ihm nicht geglaubt. Die Zöllner und die Huren aber glaubten ihm und obwohl ihr es gesehen habt, reut es euch nicht nachträglich, dass ihr ihm geglaubt hättet."

[15:56] Die Zöllner wurden gemeinhin in einer Kategorie gesehen mit den Huren, mit den Prostituierten. Denn was macht eine Prostituierte? Sie verkauft ihre Ehre gegen Geld, in dem Fall ihren Körper, während die Zöllner letztlich dasselbe quasi machen, nur auf einer geistigen Ehre. Sie verkaufen sozusagen ihre nationale Ehre gegen Geld. Sie arbeiten mit dem Staatsfeind zusammen und deswegen war in dem Denken der Menschen, naja, die einen verkaufen ihren Körper, die Huren, die anderen verkaufen ihr nationales Selbstbewusstsein. Das ist ein und dasselbe. Mit anderen Worten, die Zöllner wurden wirklich moralisch wie Huren betrachtet.

[16:41] Trotzdem muss man sich jetzt vor Augen halten, dass sie keine Schmuddelfinke waren, die irgendwo an der Ecke hielten und irgendwie so kein Kleinkriminelle waren. Sie waren also weniger Mafiosi, sie waren eher mehr so, wie soll man sagen, so wie Wall Street Investoren, so Banker, die das Geld von anderen Leuten verspielen, sich selbst reich machen und sich nicht darum kümmern, dass andere ihren Arbeitsplatz verlieren wegen ihrer Spielerei. Also reich, selbstbewusst und unmoralisch. Und genauso wie Menschen heute so Bankmanager hassen, weil die sich viel Geld einstecken und die Leute pleite gehen lassen, so hat man die Zöllner gehasst. So einer war das. Also der Levi war kein Mafiosi, er war eher so wie ein Wall Street, so ein Großinvestor, so von der gesellschaftlichen Stellung her. Das ist vielleicht ganz interessant im Hinterkopf zu behalten, wenn wir jetzt gleich weitergehen.

[17:50] Übrigens, was meint ihr wohl, was musste ein Zöllner denn so beherrschen, um sein Amt zur Zufriedenheit der Römer auszuüben? Was gehörte wohl zur Berufsqualifikation eines Zöllners? Handeln können, ja. Also er sollte auf jeden Fall nicht, er musste mit den ganzen Handelsleuten ja gut zurechtkommen, musste sich verstehen auf die Prinzipien des Handels und musste auch den Wert der Waren einschätzen können, um auch vernünftigen Zoll erheben zu können. Also musste ein wirtschaftlich begabter Mensch sein. Jemand, der von Wirtschaft keine Ahnung hatte, konnte das nicht machen, das stimmt. Was noch? Er musste die Gesetze kennen, der Römer. Denn wenn er falsche Gesetze anwenden würde, dann würde das sein Job los sein. Er musste also sich mit Gesetzen auskennen, er musste also klug sein. Das allein zeigt schon, dass das keine linken Halunken waren, das waren intelligente Leute. Was noch? Vielleicht damit direkt verbunden, er musste lesen und schreiben können, ganz offensichtlich, weil das war nicht so selbstverständlich in der Zeit. Und er musste Fremdsprachen können, er musste mindestens, also Aramäisch, das ist das gesprochene in der Gegend sprechen und er musste mindestens Griechisch können, denn Griechisch war die Handelssprache im ganzen östlichen Mittelmeerraum. Das heißt, der Levi war ein kluger Kopf. Jemand, der lesen, schreiben, rechnen konnte, muss man auch mit dem Geld nicht, jemand, der sich mit Wirtschaft auskannte, jemand, der Fremdsprachen beherrschte, vielleicht sogar Latein, eventuell mit den Gesetzen, aber vielleicht gab es die auch auf Griechisch, wer weiß. Und er musste also Fremdsprachen, mindestens Griechisch, in Sprache und Schrift beherrschen, musste ja dann auch entsprechende Dokumente unterzeichnen, dass man also nachweisen konnte, dass man den Zoll bezahlt hat.

[19:48] Jetzt kommt noch was dazu. Er war nicht einfach nur Zöllner, er war Zöllner in Kapernaum. Jetzt wird ihr sagen, das ist doch egal. Erinnert euch noch mal, wo lag Kapernaum? Da haben wir schon was drüber gelernt in den letzten Wochen und Monaten. Kapernaum lag wo? Also es gibt zwei Antworten. Die eine ist ganz einfach. Es lag nämlich geografisch gesehen, es lag nicht am Gebirge, sondern am See, am See Genezareth. Das war eine Hafenstadt und beim Wort Hafenstadt, da muss man nicht viel Ahnung haben, da weiß man, Hafenstadt, da kommen Schiffe, die kommen von anderen Orten, die bringen Dinge usw. Der ganze Binnenhandel vom See Genezareth hatte in Kapernaum ein Zentrum.

[20:46] Aber wir haben noch mehr gelernt über Kapernaum. Jesus hatte sich ja Kapernaum zu seiner, soll man sagen, zu seiner Residenzstadt ausgesucht, zu seinem Mittelpunkt. Von Nazareth hatte er seine Heimat nach Kapernaum verlegt, aus einem bestimmten Grund, den wir in Matthäus 4 angeschaut hatten. Vielleicht lesen wir es noch mal kurz zur Erinnerung. Matthäus 4, Verse 13 bis 15. Und wenn wir das noch im Hinterkopf haben, dann wird die Geschichte etwas plastischer. Matthäus 4, Verse 13 bis 15: "Und er verließ Nazareth und kam und ließ sich in Kapernaum nieder, das am See liegt, wie wir gerade gesehen haben, im Gebiet von Sebulon und Naphtali, damit erfüllt würde, was durch den Propheten Jesaja gesagt ist. Er spricht: Das Land Sebulon und das Land Naphtali am Weg des Sees."

[21:35] Könnt ihr euch daran erinnern? Am Weg des Sees, Genesis, Jordan, das Galiläa der Heiden. Der Weg des Sees war nicht einfach nur irgendein Weg. Das war eine, man nannte das die Via Maris. Das war eine der großen Haupthandelsrouten der Römer durch das Römische Reich und die kam von Damaskus, wo weitere Verbindungen bis nach Mesopotamien ging und ging von Damaskus an das Mittelmeer und dann am Mittelmeer entlang runter nach Ägypten. Und diese Fernhandelstraße, wie so eine Fernhandelstraße halt, wo nicht einfach nur ein Bauer mit dem Nächsten seine Hühner ausgetauscht hat oder ein bisschen Getreide, sondern wo Karawanen und Händler aus dem Mittleren Osten kamen und vielleicht sogar Gewürze und große Dinge dann importiert haben in das Römische Reich hinein, die kamen alle auf der Straße auch an Kapernaum vorbei. Das lag quasi mitten an dieser Haupthandelsroute. Jeder, der etwas aus der Gegend von Babylon nach Rom verschiffen wollte, kam da vorbei.

[22:44] Was will ich damit sagen? Da gab es viel hin und her. Viel Geschäft heißt viel Zoll. Viel Zoll bedeutet, viel Gelegenheit mehr drauf zu schlagen. Heißt, da muss man kein Experte sein, der Mann war reich. Er war vermutlich noch etwas reicher als andere Zöllner. Er war vielleicht nicht der reichste Zöllner aller Zeiten, aber von allen Zöllnern, die ohnehin schon gut lebten, hatte er eine besonders lukrative Stelle. Anders als wenn man Zöllner in sagen wir mal Bethlehem oder in Nazareth gewesen wäre, wo jetzt nicht so viel los ist. Er hatte quasi seine Zollstation an einer Goldader.

[23:27] Nun, er hieß Levi. So sagt uns der Text und das zeigt eindeutig, dass er ein Jude war. Was heißt Levi übersetzt? Weiß das jemand von euch? Levi, Levi, Levi. Steht sogar in der Bibel, was es übersetzt heißt. Denn Levi war der wievielte Sohn von Jakob, Ruben, Simeon, Levi. Der dritte Sohn. Schauen wir kurz nach. Da wird nämlich erklärt, was es heißt. 1. Mose 29 und dort Vers 34. 1. Mose 29 und dort Vers 34. Da heißt es: "Und sie wurde wieder schwanger und gebar einen Sohn und sprach: Nun wird mein Mann mir anhänglich sein, denn ich habe ihm drei Söhne geboren. Darum gab man ihm den Namen Levi." Das heißt Anhänglichkeit. Anhänglichkeit, ein schöner Name oder?

[24:43] Doch jetzt gibt es ein Problem. In Markus steht, dass er Levi hieß. Schauen wir mal, was Lukas sagt in Lukas 5. Lukas 5 und dort Vers 27. Lukas 5, Vers 27: "Danach ging er hinaus und sah einen Zöllner namens Levi an der Zollstätte sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach." Also der sagt genau dasselbe. Jetzt schauen wir, was Matthäus sagt. Matthäus 9 und dort Vers 9. Selbe Geschichte, selbe Zeit. Matthäus 9, Vers 9: "Und als Jesus von da weiter ging, sah er einen Menschen an der Zollstätte sitzen, der hieß Levi. Der hieß Matthäus und er sprach zu ihm: Folge mir nach, und er stand auf und folgte ihm nach."

[25:43] Also Lukas sagt, er hieß Levi. Markus sagt, er hieß Levi, aber Matthäus sagt, er hieß Matthäus. Jetzt wer hat mehr recht? Matthäus, der selbst dabei war, der sagt, er hieß Matthäus oder Markus und Lukas, die sagen, er hieß Levi. Er hatte offensichtlich zwei Namen. Das ist nicht so ungewöhnlich. Kennt ihr andere Personen der Bibel, die zwei Namen hatten? Simon Petrus, danke schön. Wer noch? Johannes, Markus, okay danke. Wer noch? Jede Person mit zwei Namen. Jakob und Israel. Ja, also es ist nicht so.

[26:43] Und dann Jesus hat eine ganze Menge von Namen. In biblischen Zeiten war es nicht ungewöhnlich, dass jemand zwei oder mehr Namen hatte. Wir kennen auch einige biblische Könige, die unterschiedlich hießen. Ja, zum Beispiel der Usia, der hat auch Assaya genannt, zum Beispiel, je nachdem König oder Kronig. Da gibt es einige Beispiele. Interessanterweise, der Matthäus sagt von Anfang an, dass er Matthäus hieß. Während Markus und Lukas sagen, er hieß Levi, aber später in ihren Evangelien nennen sie ihn auch Matthäus. Das ist ganz interessant. Schaut mal nur als Beispiel. In Markus 3, also schauen wir, der Markus, der ändert das dann später auch von Levi zu Matthäus, nämlich in Markus 3 und dort Vers 18, also schon ein Kapitel später. In Markus 3 und dort Vers 18, da wird die Aufzählung der Jünger gegeben, der zwölfer Apostel. Und da heißt es: "Andreas, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Jakobus, Sohn des Alpheus, Thaddäus, Simon, den Kananiter." Und da seht ihr also, dass jetzt Markus ihn auch nicht mehr Levi, sondern Matthäus nennt.

[28:01] Ja, das habe ich vergessen noch. Genau, Matthäus heißt, weiß jemand von euch? Matthäus ist eigentlich eine Kurzform von Matathias und Matthias hat auch damit zu tun, Matthias, Matthäus, das heißt derselbe Name. Matathia ist das eigentlich, heißt Geschenk des Herrn, Geschenk von Ja. Das kommt bei Matthäus nicht mehr ganz raus, aber es ist Geschenk des Herrn oder Geschenk Jahwes. Geschenk des Herrn, genau. Und sowohl Markus als auch Lukas nennen ihn später, nachdem er den Ruf angenommen hat, auch Matthäus. Also es sieht wahrscheinlich so aus, wenn man jetzt alles zusammennimmt, dass ähnlich wie bei Simon, der hieß Simon, kam zu Jesus und Jesus sagt dann: "Du wirst Petrus heißen oder Kephas." So hieß der wahrscheinlich auch Levi und hat dann eventuell, obwohl es jetzt nicht so explizit steht, aber mindestens seit seiner Berufung dann eher den Namen Matthäus gehabt. Vielleicht hat er auch beide Namen gleichzeitig gehabt, auch Jakob hat sich später immer noch Jakob genannt, obwohl er Israel hieß, aber Matthäus scheint mehr sein Name zu sein, nach seiner Berufung, ähnlich wie Petrus zu Simon.

[29:12] Interessanterweise wird auch er genannt, der Sohn des Alpheus. Es gibt noch einen anderen Jünger, der auch Sohn des Alpheus hieß, das war ein Jakobus und zwar nicht der Jakobus, der der Bruder von Johannes ist, es gab noch einen zweiten Jakobus, wie ihr vielleicht gerade gelesen habt, in Vers 18 Markus 3, Jakobus, den Sohn des Alpheus. Man weiß aber nicht, ob der Alpheus derselbe Vater von Matthäus und von dem Jakobus war, also ob die vielleicht sogar Brüder waren, was also möglich wäre, dass der Levi Matthäus einen Bruder hatte unter den Aposteln oder ob das ein anderer Alpheus war und die beide nur einen gleichnamigen Vater hatten. Das also ist nicht ganz klar.

[29:56] Schauen wir zurück zu Lukas, Lukas 5, 4. Ach so, eine Sache muss ich noch erzählen über die Zöllner. Schaut mal in Lukas 3, Vers 12. Lukas 3 und dort Vers 12 und 13. Das ist noch zur Zeit von Johannes dem Täufer. Da heißt es hier in Lukas 3, Vers 12: "Es kamen auch Zöllner, um sich taufen zu lassen und sprachen zu ihm: Meister, was sollen wir tun? Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als was euch vorgeschrieben ist."

[30:34] Also mit anderen Worten, die Worte von Johannes dem Täufer legen sehr deutlich nahe, dass die über die Stränge geschlagen haben, dass die viel mehr Geld auf eingetrieben haben, als es richtig war. Und das war also ein wesentliches Problem der Zöllner, die wir jetzt also aus der Bibel sehen konnten.

[30:51] Jetzt weiter zurück zur Geschichte. Lukas 5, Vers 27. Lukas 5 und dort Vers 27. Es heißt da dort: "Danach ging er hinaus und sah einen Zöllner namens Levi." Das Griechische sagt er sah ihn, sondern er betrachtete ihn. Also nicht im Sinne von er ging vorbei und sah jemanden da sitzen, sondern er schaute ihn an, ganz genau.

[31:26] Die Ellen White sagt uns interessanterweise, dass dieser Levi Matthäus schon etliche Predigten von Jesus gehört hatte und in seinem Herzen eigentlich sich schon gewünscht hatte, irgendwie mehr mit Jesus verbunden zu sein. Aber er wusste, wie sehr sein Beruf abgelehnt ist bei den Pharisäern und er machte sich keine Hoffnung, zu Jesus kommen zu können. Interessanterweise eigentlich eine ganz ähnliche Einstellung wie die von dem Aussätzigen, der gedacht hat, alle anderen können zu Jesus, nur ich nicht. Und wie der Gelähmte, der gedacht hat, wer weiß, ob Jesus mich überhaupt annimmt und so auch der Zöllner. Also verschiedene Menschen in verschiedenen Lebenssituationen, alle denken sie, ich bin nicht gut genug für Jesus.

[32:15] Interessant, wie auch jetzt in den Evangelien diese drei Geschichten aufeinander folgen. Der Aussätzige, der dann zu Jesus kommt, der Gelähmte, der zu Jesus kommt und hier dieser Zöllner, der vielleicht von allen die weltlich gesehene beste Position hatte, aber aufgrund seiner inneren Scham sich genauso schlecht fühlt wie die anderen. Er kommt nicht mal zu Jesus, Jesus kommt zu ihm. Jesus schaut sich ihn an und während alle anderen nur denken, warum bleibt Jesus hier stehen, das ist ein Zöllner.

[32:42] Hat Jesus offensichtlich einen Gedanken? Was meint ihr, was hat der Jesus in diesem Zöllner gesehen, als er ihn so betrachtet hat? Das ist der Zachäus. Wir sind bei Matthäus, nicht Zachäus. Zachäus war auch ein Zöllner, also nicht der einzige Zöllner, der Jesus gewonnen hat.

[33:14] Jesus hat gesehen sein Verlangen natürlich. Als der Simon zum ersten Mal zu Jesus kam, da hat Jesus zu ihm gesagt: "Ich weiß, wer du bist, Sohn des Jona und du wirst Kephas heißen. Ich weiß auch, was deine Zukunft ist." Jesus schaut ihn an und er erkennt, er weiß natürlich sofort, was los ist. Das ist nicht schwer zu sehen, ein Zöllner und er kennt ihn, aber er sieht nicht nur seine Vergangenheit, er sieht auch seine Zukunft und in diesem verhassten Zöllner, der eben Griechisch sprechen kann und schreiben kann, sieht er gewaltiges Potenzial.

[34:06] Warum? Er braucht noch jemanden, der später mal alles aufschreibt, was er getan hat. Wer weiß, wie die schriftlichen Kenntnisse seiner anderen Jünger, die waren alle recht jung zum Teil und sehr einfacher Herkunft, wie die gewesen sind, das weiß ich nicht. Vielleicht haben manche auch später erst sich das noch richtig beibringen lassen oder durch den Heiligen Geist gelernt, aber in diesem korrekt, aber sehr genau arbeiteten Levi Matthäus, der genau wusste, wie man Berichte schreibt, der genau wusste, wie man auf verschiedenen Sprachen, Aramäisch und Griechisch schreibt, sah er den möglichen Evangelisten.

[34:35] Von allen vier Evangelisten ist ja Matthäus eigentlich erstmal der, der als Einziger einen Augenzeugenbericht ziemlich gleich am Anfang schreibt. Die anderen beiden, Markus und Lukas, waren keine Augenzeugen, die haben das dann größtenteils gehört und Johannes schreibt, obwohl er Augenzeuge ist, sein Evangelium erst ein halbes Jahrhundert später, als alle anderen schon tot sind. Das heißt, Matthäus war quasi in gewisser Weise, man könnte fast sagen, wie die offizielle Variante erstmal. Und er sieht das in ihm ganz bestimmt schon und hat eine Aufgabe für ihn.

[35:09] Und dann sagt er sehr simple Worte. Wir haben gelesen, er sagte: "Ach übrigens, wenn es heißt, der Levi oder der Matthäus saß an der Zollstätte, muss es eigentlich wörtlich heißen, er saß auf der Zollstätte." Die Zollstätte war nämlich nicht eine kleine Bruchbude, sondern die Zollstätte war eine erhöhte Plattform, auf der man saß. Also mit anderen Worten, man ist da nicht vorbeigegangen und der saß da so irgendwie, wie das oft dargestellt wird mit ein bisschen Geld, sondern da war eine Plattform, wie eine Tribüne, wie ein Podest und auf dem Podest erhöht saß der Zöllner. Vielleicht sogar, ich weiß es nicht, vielleicht sogar beschützt, bewacht, weil es dort vielleicht auch immer wieder auch Proteste gab. Der saß da oben und man hat quasi eher zu ihm aufgeschaut, als zu ihm runtergeschaut.

[36:06] Wenn man also, als Jesus also zu ihm sagte: "Folge mir nach", hat er nicht nur gesagt: "Verlass dein Häuschen", er hat quasi gesagt: "Komm herab, komm herab von deiner hohen Plattform, von deiner besonderen Stellung bei den Römern, von deiner großen gesellschaftlichen Verantwortung, komm herunter, hier quasi da, wo die Leute gehen, folge mir nach."

[36:37] Dieses "Folge mir nach" hat Jesus öfter schon gesagt. An wen hat er das schon zuvor gerichtet, dieses "Folge mir nach"? Wer hatte schon diese Worte gehört von Jesus? Petrus? Philippus hatte das schon ganz, er hatte das schon zu Philippus gesagt, ganz am Anfang, als er die Jünger erst kennengelernt hat, also die ersten Kontakte gemacht hat mit den Jüngern, hat er schon dem Philippus gesagt, das könnt ihr in Johannes 1 lesen, "Folge mir nach." Aber damals war das mehr ein "Folge mir nach", so wie zu auch Petrus, "Komm und sieh", schaust dir mal an. Aber erst vier Personen, der reiche Jüngling, der kommt dann später, wo er dann auch sagt: "Komm und folge mir nach", ganz genau.

[37:23] Ein interessantes Beispiel dann, der reiche Jüngling und der reiche Zöllner Levi Matthäus. Aber bisher hatte Jesus, so sagt uns auch Ellen White, nur vier Vollzeit-Jünger berufen. Er hatte eine ganze Reihe von Jüngern und er hatte ja dann, einige Wochen zuvor haben wir gesehen, am See Genezareth vier Jünger berufen, die ihren Beruf aufgeben sollten, nämlich Petrus, Andreas, Johannes und Jakobus. Die vier, die liefen bisher quasi als die Vollzeit-Mitarbeiter, die anderen waren quasi alles so andere Jünger, die immer noch ihren Beruf hatten und von da zu da mal da waren und ansonsten Interessierte, Freunde, Fans, Anhänger und alle wollten natürlich gerne mit Jesus verbunden sein. Und vielleicht hat sich der eine oder andere auch gehofft, vielleicht werde ich der fünfte im Bunde und jetzt stoppt Jesus und ruft diesen Zöllner als fünftes Mitglied.

[38:26] Das hat Erstaunen ausgelöst, nicht nur bei den Pharisäern, auch bei der Volksmenge, ich vermute auch bei Petrus und Johannes und Jakobus und Andreas. Wir sollen jetzt, die dachten, das ist eine große Ehre, ein Vollzeit-Jünger Jesu zu sein, aber jetzt war einer von ihnen fünf ein Zöllner.

[38:45] "Folge mir nach", für Matthäus gab es das gleiche Kriterium wie für Petrus und die anderen drei, nämlich alles stehen und liegen zu lassen. Petrus und die anderen drei, die ersten vier, waren arm, er war reich. Trotzdem war es für beide schwierig. Die, die arm waren, hätten sagen können, naja, wenn wir das jetzt aufgeben, wir haben Familien, die wir ernähren müssen, welche sie ja wirklich hatten, zum Beispiel Petrus, dann haben sie vielleicht Freunde, die sind abhängig von uns finanziell. Wir brauchen unseren Beruf und trotzdem hat Jesus sie gerufen und sie haben später nie etwas, ihnen hat etwas gemangelt. Bei ihm war die Schwierigkeit eine andere. Bei ihm war das Geld nicht so knapp, dass es ganz notwendig war, dass er es überhaupt hatte. Bei ihm war das Geld im Überfluss vorhanden, der Reichtum, die Verlockung, die Geldliebe. Für beide war es eine Krise, eine andere Krise, aber dieses "Folge mir nach", egal ob wir reich sind oder ob wir arm sind, ob wir viel haben oder wenig haben, ob wir eine hohe Stellung haben oder niedrige Stellung, das "Folge mir nach" ist immer ein Kreuz. Es gibt keine gesellschaftliche Stellung, keine finanzielle Einkommensklasse, in der die Worte "Folge mir nach" ganz einfach sind. Es ist immer eine Herausforderung.

[40:30] Und das ist übrigens auch ganz interessant, dass auch Jesus sie dort, bei denen haben wir damals auch gesagt, sie gerufen hat, als sie besonders viel Fische gefangen hat und sich bewusst davon jetzt distanzieren sollten. Schaut mal in Lukas 5 und dort Vers 28, da steht interessanterweise etwas, was Lukas zwar berichtet, aber Matthäus selbst nicht. Matthäus sagt das nicht, was jetzt kommt.

[40:56] Da steht nämlich: "Und er verließ, wie viel?" In Lukas 5, Vers 28: "Und er verließ, er verließ alles." Matthäus sagt das gar nicht, er sagt nur, er folgte nach. Wahrscheinlich wollte sich Matthäus nicht selbst rühmen: "Ich habe alles verlassen." Interessant, das ist übrigens, das sieht man bei allen Evangelisten, dass die über sich sehr bescheiden schreiben, sich nie in den Vordergrund drücken. Man sieht das später sogar, als der Levi Matthäus ein Fest gibt, ein großes Fest, wo all die Zöllner einlädt, einige Wochen, Monate später. Da berichten die anderen, dass es Levi Matthäus war, der der Gastgeber war. Nur Matthäus sagt, es gab ein Fest, sagt nichts davon, dass er das organisiert hat.

[41:49] Aber Markus und Lukas sagen uns, was Matthäus aus Bescheidenheit verschweigt, dass er alles gelassen hat. Seine Position bei den Römern, sein Geld, seine lukrative Zollstätte mitten an der Straße der Via Maris, ja dieser berühmten Handelsstrecke, ja wie viel andere Zöllner hätten, wer weiß wie viel gegeben, um dort arbeiten zu dürfen. Er hat alles aufgegeben, er verließ alles und dann heißt es so schön im Griechischen, nicht er folgt ihm nach, sondern er begann ihm nachzufolgen, so als ob das erstmal so losgeht, ja das ist etwas, was man lernen muss, was so immer weitergeht und sich intensiviert.

[42:28] Ganz genau, viele Menschen erreicht man eben nicht in einem Kirchengebäude oder in der Synagoge, sondern dort, wo sie sind. Jesus ging zu den Menschen dort, wo sie sind und hat ihre Bedürfnisse dort, in dem Fall am Arbeitsplatz erkannt. Dieser Matthäus ist Jesus am Arbeitsplatz begegnet und Jesus hat ihn gerufen: "Folge mir nach", und er hat alles aufgegeben.

[43:07] Die Nachfolge, egal ob man gerufen wird in den Vollzeitdienst oder nicht, aber Nachfolge Jesu ist immer umfassend, sie ist immer gründlich. Man kann nicht sagen, naja, ich bleibe ein halber Zöllner und werde ein halber Christ. Zur Hälfte gehe ich in die Gemeinde und predige die Wahrheit und lebe das christliche Leben und zur anderen Hälfte tue ich weiter diese Sünden, die eigentlich im Gotteswort verdammt sind. Nachfolge ist immer gründlich, Nachfolge bedeutet immer das alte Leben hinter sich zu lassen, egal wie lukrativ das war und egal wie besonders die Stellung war, die man hatte.

[44:17] Die Geschichte ist nur kurz, aber sie ist trotzdem eindrücklich. Jesus hat diesen Menschen nicht nur einfach die Sünden vergeben, sondern er hat ihn ziemlich direkt gleich mit einer großen Aufgabe auch betraut, weil er ihn kannte und wusste, dass er diesem verabscheuten Zöllner es anvertrauen kann, einmal einen Bericht zu schreiben, der für die nächsten 2000 Jahre ein Standardwerk der Bibel sein wird. Während da Hunderte sonst um ihn herum, die alle scheinbar besser moralisch waren, größere Werke für den Herrn getan haben, die aber dann später in der Krise sich wieder von Jesus getrennt haben.

[44:59] Das heißt also, egal wer wir sind, egal wo wir sind, egal was unsere gesellschaftliche Stellung ist, egal ob wir gehasst sind von den Leuten oder nicht, wenn wir wirklich es uns wünschen Jesus zu folgen und ihm zu dienen, kann er uns nicht nur unsere bisherigen Sünden vergeben, sondern uns sehr eng mit ihm verknüpfen und uns große Aufgaben geben. Ich glaube, ein Evangelium zu schreiben ist eine der größten Aufgaben, die jemals anvertraut worden ist. Ellen White spricht davon, die zwölf Apostel haben die größte Aufgabe bekommen, die jemals Menschen gehabt haben. Und dass einer von ihnen die Aufgabe hatte, das schriftlich niederzulegen, war insbesondere wichtig, weil das, was man schriftlich niederlegt, das wird dann bleiben für alle Zeit.

[45:36] Er musste dann ganz besonders vom Heiligen Geist erfüllt sein und Jesus hat ihn geholt und ihn dann ausgebildet Schritt für Schritt. Er hat nicht gleich am nächsten Tag das Matthäusevangelium geschrieben, aber Jesus hat ihn erkannt. Während damals die Menschen mit Verachtung an ihm vorbeigegangen sind, werden im Himmel Millionen Menschen zu Levi Matthäus kommen und sagen: "Dass du die Bergpredigt aufgeschrieben hast." Er war der Einzige, der das aufgeschrieben hat, nicht die anderen. Markus, Lukas ein bisschen, aber Johannes auch nicht. Dass du die Bergpredigt aufgeschrieben hast und dass du Matthäus 24 aufgeschrieben hast und Matthäus 28 mit dem Missionsbefehl. Deswegen sind wir im Himmel.

[46:24] Aus dem verachteten, verspotteten Zöllner, auf den alle geschaut haben, der ihnen das Geld aus der Tasche gezogen hat, jemand sein, der für Millionen Menschen zu einem Wegweiser zum ewigen Leben geworden ist. Und das ist letztlich das, was Gott mit jedem Einzelnen von uns tun kann. Wenn wir ihm nicht dafür danken und uns ihm von ganzem Herzen zur Verfügung stellen, dann lasst uns auch beten und ihn anknien.

[46:50] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir in dieser kurzen und doch so prägnanten Geschichte sehen können, wie Nachfolge funktioniert. Wir möchten dir danken, dass du, egal aus welcher Schicht wir kommen, egal was unser Einkommen ist, egal ob uns Menschen mögen oder hassen, dass du in uns Qualitäten siehst, die dir Jahrtausende überdauern. Qualitäten, die in die Ewigkeit hineinreichen. Du hast in diesem Zöllner einen Evangelisten gesehen. Einen, der das Evangelium niederschreibt für kommende Generationen. Du hast ihn gerufen, direkt aus seiner Arbeit heraus. So möchten wir dich bitten, dass du uns zeigst, trotz all dem, was wir in der Vergangenheit vielleicht verkehrt gemacht haben, wie wir deine Gaben und Fähigkeiten, die du uns geschenkt hast, so einsetzen können, dass wir zum Segen für andere werden. Das bitten wir im kostbaren und teuren Namen Jesu. Amen.

[48:00] Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!


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