In dieser Predigt wird die biblische Geschichte von Jesus und seinen Jüngern, die am Sabbat Ähren abstreifen, eingehend beleuchtet. Es wird erklärt, warum dies kein Diebstahl war und wie die Pharisäer dies als Sabbatverletzung interpretierten. Die Auslegung betont, dass der Sabbat dem Menschen dient und Gottes Werk im Mittelpunkt stehen soll, nicht menschliche Regeln.
Der Ersehnte: 64. „Am Sabbat durch die Kornfelder“
Christopher Kramp · Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus ·Themen: Bibel, Bibelstudium, JesusWeitere Aufnahmen
Serie: Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus
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Transkript
[0:30] Hallo und herzlich willkommen zu unserem Seminar „Der Ersehnte“. Nach einigen Wochen Pause sind wir wieder live zurück. Schön, dass ihr da seid und schön, dass ihr live eingeschaltet habt auf joelmedia.tv.de zur nächsten Folge unserer Serie über das Leben von Jesus. Heute haben wir eine Geschichte, die uns als Adventisten vielleicht auch besonders viel zu sagen hat. Heute geht es um den Sabbat. Jesus und der Sabbat – eine Geschichte, die uns auch etwas darüber lehrt, wie Gott eigentlich seine Gebote so meint. Und bevor wir damit beginnen, wollen wir niederknien zu einem Anfangsgebet und dazu lade ich euch ganz herzlich ein.
[1:12] Lieber Vater im Himmel, wir danken dir für diesen Tag. Wir danken dir, dass wir jetzt zu dir kommen können. Wir danken dir, dass du durch deinen Heiligen Geist zu uns sprechen möchtest. Wir brauchen dein Wort, wir brauchen deinen Heiligen Geist, um es zu verstehen. Wir möchten dich bitten, dass du uns wirklich erfüllst mit deinem Heiligen Geist und dass dein Wort zu einer Kraftquelle für unseren Alltag wird. Wir möchten dich bitten, dass du alle Störenden entfernen hältst und dass wir in deinem Wort das finden, was du heute ganz besonders für uns vorgesehen hast. Und wir danken dir, dass du verheißen hast, dass wir aus deinem Wort leben können und durch den Glauben an dich und an dein Wort gerettet sein können. Und wir danken dir dafür von ganzem Herzen. Amen.
[2:18] Die Geschichte, die wir heute anschauen wollen, befindet sich in Markus 2 und dort ab Vers 23. Und wir haben dann auch Parallelberichte: Vers 23 bis 28, parallel dazu Lukas 6, Vers 1 bis 5. Da werden wir dann ab und zu hin und her springen und Matthäus 12, Vers 1 bis 8. Bei Matthäus ist das Ganze sogar noch ein bisschen ausführlicher, wie wir sehen werden. Aber fangen wir mal in Markus an. Eine Geschichte, die wir, denke ich, alle schon mal gelesen haben, die aber trotzdem, vor allem wenn man auch Matthäus dazu nimmt, nicht ganz so einfach ist, zumindest auch einige interessante Fragen aufwirft.
[3:15] In Markus 2 und dort Vers 23 heißt es: „Und es begab sich, dass er am Sabbat durch die Kornfelder ging und seine Jünger fingen an, auf dem Weg die Ähren abzustreifen.“ Ihr kennt die Geschichte, er war da irgendwo zur Predigt, hat dann einen Weg machen müssen. Sie gehen durchs Feld und die Jünger sind offensichtlich hungrig und fangen an zu sagen: „Naja, hier hat es überall was zu essen, warum sollen wir nicht einfach das nehmen?“ Fangen an, einfach sich vom Feld die Ähren zu nehmen. Erste Frage an euch: Ist das nicht Diebstahl? Später wird ja die Frage diskutiert, ob das am Sabbat erlaubt ist, aber nach deutschen Gesetzen würde man doch sagen: „Hey, Moment mal, das eigentliche Problem ist, die nehmen sich Dinge, die ihnen gar nicht gehören.“ Was würdet ihr sagen, war das Diebstahl? Oder war das okay? Kein Diebstahl? Das kann man ja mal ausprobieren, wenn man auf der Wanderung an den Obstwiesen vorbeigeht und im Beisein der Leute sich das Obst nimmt. Nicht alle würden das gut finden, vielleicht, oder?
[4:22] Also zumindest in Deutschland wäre das vielleicht eine diffizile Sache, aber damals gab es sogar eine ganz spezielle Anordnung diesbezüglich. Schaut mal mit mir in 5. Mose und dort Vers 23. 5. Mose 23, da heißt es in Vers 25 und 26. 5. Mose 23, Vers 25 und 26: „Wenn du in den Weinberg deines Nächsten gehst, so darfst du Trauben essen, so viel du willst, bis du satt bist, aber du sollst nichts in dein Gefäß tun. Und dann Vers 26: „Wenn du durch das Getreidefeld deines Nächsten gehst, so darfst du mit der Hand Ähren abstreifen, aber die Sichel sollst du nicht über das Getreidefeld deines Nächsten schwingen.“ Also, was ist das Prinzip hier, was damals geltendes Gesetz war? Genau, für den persönlichen direkten Bedarf jetzt im Moment, aber nicht sozusagen, um wirklich jetzt zu ernten und da Vorteil von zu ziehen.
[5:33] Okay, also die Jünger haben nicht gestohlen, sie haben nicht das Gebot Gottes übertreten, aber das war ja auch gar nicht das, was die Pharisäer ihnen dann später vorgeworfen haben. Schaut mal in Lukas 6, Vers 1. Lukas 6, Vers 1, was war dann jetzt das Problem? Da heißt es in Lukas 6, Vers 1: „Es geschah aber, dass er am zweiten Sabbat nach dem ersten durch die Kornfelder ging.“ Übrigens, diese Formulierung, „der zweite Sabbat nach dem ersten“, die ist sehr merkwürdig, die wird auch verschiedentlich übersetzt und in vielen Handschriften kommt er gar nicht vor. Keiner weiß so genau, was das bedeutet. Das griechische Wort heißt eigentlich „der zweiterste“, ja und da gibt es verschiedene Theorien, aber das lassen wir mal beiseite, weil das unklar ist.
[6:26] Und seine Jünger streiften Ähren ab, zerrieben sie mit den Händen und aßen sie. Also aus Sicht eines Juden, eines Pharisäers, der vielleicht die ganzen Sondergesetze gut im Blick hatte, waren das jetzt mehrere Aktionen. Erstmal haben sie die Ähren abgestreift und dann haben sie auch noch sie zerrieben. Das waren zwei verschiedene, voneinander unterscheidbare Arbeiten. Das kann man übrigens im Talmud auch so nachlesen. Vom Text her war es eigentlich so, dass sie, also vom Griechischen sagt es, sie haben das also fortwährend gemacht. Also sie sind also durch das Feld gegangen und haben halt so sich was genommen. Zwei verschiedene Arbeiten.
[7:20] Was sagen die Pharisäer? Schaut mal in Markus 2 und dort Vers 24. Erst haben sie geerntet, dann haben sie gemalt. Markus 2 Vers 24, da sprachen die Pharisäer zu ihm: „Sieh doch, warum tun sie am Sabbat, was nicht erlaubt ist?“ Was meint ihr, warum haben die Pharisäer direkt zu Jesus gesprochen, der zumindest scheint das jetzt so der Fall zu sein, das gar nicht gemacht hat? Genau, sie wollten etwas an ihm finden und fanden etwas bei seinen Anhängern, um das dann quasi ihm anhängen zu können. Das ist eine beliebte Taktik des Satans immer wieder, wenn man nichts gegen jemanden findet, finde etwas bei den Leuten, die denjenigen gut finden und dann kann man sozusagen diesen Schatten auch noch auf den, den man eigentlich angreifen will, rüberziehen.
[8:28] Okay, sie werfen Jesus erneut die Übertretung des Gesetzes vor. Das hatten wir schon mehrmals, oder? Wir hatten das bei der Heilung des Mannes am Teich Bethesda, wir hatten das bei der Heilung des Gelähmten. Immer wieder versuchen sie den Punkt zu machen: Jesus übertritt die Gesetze, übertritt die Gebote. Es gibt einen interessanten Vers im Hebräerbrief, in Hebräer 12 Vers 3. Der bezieht sich zwar in Hebräer 12 Vers 3 spezifisch auf die Kreuzigung, aber im Grunde genommen das Prinzip gilt eigentlich weiter. Schaut mal Hebräer 12 Vers 3. Da heißt es: „Achtet doch auf ihn, der solchen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht müde werdet und den Mut verliert.“ Das Wort Widerspruch hier kann auch heißen Anfeindung. Also Jesus ist in seinem Leben oft angefeindet worden, es ist ihm oft widersprochen worden.
[9:41] Jetzt, warum ermahnt uns der Paulus hier, dass wir uns diese Geschichten vor Augen halten sollen, wie Sünder Jesus angefeindet haben? Ist ja jetzt eigentlich nicht so erquicklich, man liest mehr so, man liest lieber von Heilungen, oder? Man liest lieber von Leuten, die Jesus angenommen haben, aber der Text sagt: „Achtet auf ihn, der solchen Widerspruch von den Sündern erduldet hat.“ Warum meint ihr, warum ist das wichtig, euch diese Geschichten anzuschauen, wo Jesus Widerspruch bekommen hat? Ganz genau, das ist das, was hier steht, damit ihr nicht müde werdet. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt, aber es kann schon sein, dass man im christlichen Leben ab und zu mal müde wird, dass man den Mut verliert, vielleicht auch, weil man zu Unrecht angegriffen wird. Das ist eine Erfahrung, die man als Christ durchaus macht, dass man von anderen Mitchristen – das ist ja das Schlimmste – manchmal auch von Nichtchristen, aber vielleicht sogar von eigenen Geschwistern angegriffen wird, ohne dass man was getan hat. Und man weiß vielleicht sogar, dass die, die einen angreifen, in Wirklichkeit mindestens ungeistlich sind, wenn nicht sogar richtig schlimm, ja, Sünde.
[11:08] Jesus war sogar sündlos und ist von Sündern angefeindet worden und er hätte zu jedem Zeitpunkt sagen können: „Was wollt ihr eigentlich? Kehrt erstmal vor eurer Tür, lasst mich in Ruhe.“ Aber die Art und Weise, wie er mit ihnen umgeht, ist für uns ein Beispiel. Diese Geduld, von der du gesprochen hast, diese Geschichten sind unter anderem da, dass wir lernen auch geduldig zu sein, weil wir auch solche Angriffe erleben. Also ein Grund mehr, sich diese Geschichte anzuschauen.
[11:40] Hatten denn die Pharisäer recht? War denn am Sabbat Arbeit verboten? Schauen wir mal, in welche Textstellen würdet ihr anführen, wenn es heißt, dass am Sabbat Arbeit verboten war? 2. Mose 20, 10 Gebote. Okay, schauen wir kurz nach. 2. Mose 20 und dort Vers 8 und 9: „Gedenke an den Sabbattag und heilige ihn. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebten Tag ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes, da sollst du kein Werk tun.“
[12:30] Ist der Satz so zu verstehen, dass man am Sabbat sich einfach einfriert und gar nichts tut? Der Satz an sich, Vers 10, da sollst du kein Werk tun, könnte man ja fast noch so interpretieren, aber durch den Vers vorher wird deutlich, um welche Art von Werke es geht. Welche Art von Werke sind in Vers 10 gemeint, auch wenn da steht „kein Werk“? Ja, das wäre schon eine richtige Interpretation, aber einfach aus dem Text heraus, welche Art von Werke? Genau, deine Werke. Er sagt: „Sechs Tage sollst du tun und deine Werke tun.“ Das ist, glaube ich, eine Schlüsselformulierung. Sechs Tage hast du Zeit, deine Werke zu tun, aber am siebten Tag sollst du ruhen.
[13:23] Schauen wir uns noch einen Text an und zwar in 2. Mose 31 und es zeigt, dass das jetzt kein Kavaliersdelikt war, den Sabbat zu brechen. 2. Mose 31 und dort Vers 15: „Sechs Tage soll man arbeiten, aber am siebten Tag ist der Sabbat völliger Ruhe. Heiligt dem Herrn. Jeder, der am Sabbattag eine Arbeit verrichtet, der soll unbedingt sterben.“
[13:53] Wenn wir die Geschichte lesen, haben wir vielleicht so ein bisschen im Hinterkopf diese ständigen Sabbatdiskussionen, vielleicht auch in unserer Gemeinde, wo man die Frage stellt: Darf man jetzt am Sabbat mit einem Ball in der Hand spielen oder darf man das nicht? Darf man am Sabbat baden gehen oder darf man nicht? Ja, da gibt es Diskussionen über verschiedene Dinge. Darf man das, darf man das nicht? Darf man Fahrrad fahren, darf man kein Fahrrad fahren? Soll man gute Sachen den ganzen Sabbat anhaben? Es gibt so viele Sabbatdiskussionen und dann sagen die einen das und die anderen sagen das und vielleicht hat man seine bestimmte Überzeugung und der andere macht das halt nicht und dann denkt man: „Naja, der bricht den Sabbat.“ Aber trotzdem würde ja niemand von uns in so einer Diskussion vermuten, weil du jetzt am Sabbat, sagen wir mal, schwimmen gegangen bist, bist du des Todes. Das wäre jetzt nicht unbedingt so die Argumentationsebene, aber das war das Verständnis der Pharisäer. Für sie war das eine Sache auf Leben und Tod. Den Sabbat zu brechen bedeutete, eine Todsünde zu begehen sozusagen und indem sie jetzt sagen: „Deine Jünger brechen den Sabbat und du lässt es zumindest zu“, ist also schon wirklich eine schwerwiegende Anklage.
[15:04] Was ist der Schlüssel? Schauen wir mal in Jesaja 58 und dort Vers 13, genau einer der wichtigsten Sabbatverse, so auch im Alten Testament. Ihr kennt das wahrscheinlich ganz gut. Jesaja 58 Vers 13, da heißt es: „Wenn du am Sabbat deinen Fuß zurückhältst, dass du nicht an meinem heiligen Tag das tust, was dir gefällt, weil du den Sabbat deine Lust nennst und den heiligen Tag des Herrn ehrenwert, wenn du ihn ehrst, sodass du nicht deine Gänge erledigst und nicht dein Geschäft treibst, noch nichtige Worte redest.“
[15:48] Also fassen wir mal zusammen, was sagt uns dieser Vers über praktische Sabbathaltung. Es gibt mehrere Prinzipien hier, die wir entnehmen können. Was könnt ihr in diesem Vers sehen? Also nicht einfach so in den Trott gehen, wie man normalerweise geht. Was noch? Also keine Geschäfte. Das ist ein wichtiger Schlüssel, oder? Das ist so interessant. Schaut mal in Vers 13, wie es heißt, dass du nicht an meinem heiligen Tag das tust, was dir gefällt und dann heißt es: „wenn du den Sabbat deine Lust nennst.“ Wenn man den ersten Teilsatz liest, würde man denken: „Okay, ich darf nicht das tun, was mir gefällt, aber ich soll etwas tun, woran ich Lust habe.“ Das zeigt also, dass es nicht darum geht, zum Beispiel jetzt keine Freude zu haben, sondern es geht um eine bestimmte Richtung.
[16:55] Es geht, wenn ihr den Vers genau anschaut, noch nicht einmal darum, keine Gänge zu machen, sondern es geht darum, nicht deine Gänge zu machen, nicht dein Geschäft zu treiben, nicht deine Arbeit zu tun. Das ist eigentlich der Schlüssel jetzt gleich in die ganze Geschichte, denn es gibt eigentlich keine Stellen der Bibel, die explizit sagt, dass man gar keinen Gang machen darf. Das wäre das, was Jesus dann gleich sagen wird. Das heißt, die Pharisäer haben zwar diesen Text durchaus gekannt, aber man kann eigentlich argumentieren, dass sie sie gar nicht wirklich gründlich verstanden haben. Alles, was sie gesehen haben, war dieses Verbot: „Wir werden des Todes, den Tod sterben oder wir müssten den Tod sterben, wenn wir den Sabbat brechen.“ Und aus Angst davor haben sie noch extra Regeln aufgestellt, um unter keinen Umständen Gott zu missfallen.
[17:53] Aber dahinter steckt eigentlich ein falsches Bild von Gott. Dahinter steckt die Idee, dass Gott willkürlich ein Gebot aufstellt und sagt: „Das darfst du nicht.“ Okay, ich muss verhindern, dass ich das nicht mache, weil wenn ich nicht nachdenke, mache ich es vielleicht aus Versehen und dann bin ich des Todes. Aber darum geht es gar nicht, wie wir jetzt sehen werden.
[18:13] Zurück zu Lukas, Lukas 6, Vers 2. Selbe Frage, aber diesmal an jemand anders gerichtet. Lukas 6, Vers 2, da sagten etliche von den Pharisäern zu ihnen – das waren also nicht nur ein oder zwei, etliche von den Pharisäern zu ihnen – „Warum tut ihr, was am Sabbat nicht zu tun erlaubt ist?“ Zu wem haben die Pharisäer bei Markus gesprochen? Bei Markus haben sie zu Jesus gesprochen, aber hier sprechen sie zu den Jüngern. Also interessanterweise, wenn wir die Evangelisten zusammen nehmen, gab es also mehrere Gespräche. Die Pharisäer haben Jesus angesprochen und sie haben auch die Jünger angesprochen. Jetzt ist es vielleicht nicht so genau zu rekonstruieren, wen sie zuerst angesprochen haben. Ja, wie bei Kindern, die erst zur Mama gehen und dann nicht die Antwort bekommen, die sie hören wollen, aber jedenfalls haben sie auf allen Ebenen versucht, hier Unfrieden zu stiften, ihre Sache anzubringen.
[19:09] Die Frage wird beantwortet, schaut mal hier in Vers 3, und Jesus antwortete ihnen. Bei Markus heißt es auch, dass Jesus antwortet, aber hier ist es noch interessanter, weil hier wird jetzt deutlich, dass die Pharisäer ja auch zu den Jüngern sprechen und trotzdem Jesus antwortet. Jesus antwortete ihnen und sprach: „Habt ihr nicht einmal gelesen?“ Allein diese paar Worte waren eigentlich eine Bombe. Warum? Warum ist das allein schon eine spektakuläre Antwort?
[19:54] Ja, er spricht ja zu den Pharisäern und die Pharisäer sind bekannt für gründliches Bibelwissen und er stellt ihnen eine Frage, so als ob sie einen Abschnitt in der Bibel noch nie gelesen hätten. Was das heißt, Jesus provoziert hier nicht einfach im Sinne von: „Ich ärgere dich mal.“ Was Jesus, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, sagt, ist: „Ihr könnt einen Text tausendmal gelesen haben und so leben, als ob ihr ihn noch nie gelesen hättet.“ Die kannten ja die Geschichte, die jetzt kommt, die hätten wahrscheinlich selbst erzählen können, hätten nur ein Stichwort sagen müssen, die hätten die Verse in der richtigen Reihenfolge zitiert, aber ihr Leben hat den Eindruck erweckt, als ob sie die Geschichte noch nie gelesen haben.
[20:57] Jetzt stelle ich mir die Frage: Wie viele Stellen in der Bibel gibt es, die ich kenne, die ich vielleicht sogar zitiere, aber wo mein Leben den Eindruck erweckt vor Jesus, als ob ich die Stelle noch nie gelesen hätte? Interessante Frage, oder? Es ist ja Jesus, der hier spricht: „Habt ihr nicht einmal gelesen?“ Er guckt sie an, er betrachtet ihr Verhalten, er sagt: „So wie ihr sprecht und so wie ihr handelt, muss ich zu dem Schluss kommen, obwohl es ja besser weiß, dass ihr die Stelle noch nie gelesen habt.“
[21:30] „Habt ihr die noch nie gelesen? Habt ihr nicht einmal gelesen?“ Danke, das ist eine gute Beobachtung. Ich bin mir sicher, dass einige der Jünger vielleicht auch von alleine einige Antworten parat gehabt hätten, wie der Petrus. Die hätten vielleicht gesagt: „Lass mich doch in Ruhe, sei nicht so gesetzlich“, so würden wir antworten. „Kehr doch vor deine eigene Tür, jeder hat seine eigene Wahrheit vielleicht und dies oder jenes.“ Aber Jesus beantwortet diese Frage mit einem Verweis auf die Bibel: „Habt ihr nicht einmal gelesen?“
[22:13] Und jetzt zitiert er diese Geschichte: „Habt ihr nicht einmal gelesen, was David tat, als er und seine Gefährten hungrig waren?“ Jetzt schauen wir mal die Geschichte an. 1. Samuel 21, eigentlich eine ganz interessante Geschichte, wenn man den Zusammenhang auch anschaut. 1. Samuel 21, Vers 4 bis 7. Ihr kennt vielleicht den Zusammenhang, David wird von Saul immer wieder verfolgt, Saul möchte ihn umbringen und dann entschließt er sich zu fliehen und er kommt zu den Priestern von Nob und David begeht sogar einen schrecklichen Fehler. Ihr kennt vielleicht die Geschichte, er sagt den Priestern nicht, dass er flieht, sondern er behauptet, im Auftrag Sauls unterwegs zu sein, das kostet später allen Priestern das Leben.
[23:18] Vers 4: „Und nun, was hast du zur Hand? Gib mir fünf Brote oder was du, was sonst vorhanden ist.“ Der Priester antwortete David und sprach: „Ich habe kein gewöhnliches Brot zur Verfügung, sondern nur heiliges Brot, wenn die Leute sich nur der Frauen enthalten haben.“ Da antwortete David dem Priester und sprach: „Die Frauen waren uns schon gestern und vorgestern versagt, als ich auszog, auch waren die Leiber der Leute rein, obwohl dies ein gewöhnlicher Auftrag ist.“ Da sagt er es noch einmal, obwohl er wirklich auf der Flucht ist: „Um wie viel mehr rein werden sie heute am Leib sein?“ Da gab ihm der Priester heiliges Brot, denn es war kein anderes da, außer den Schaubroten, die man von dem Angesicht des Herrn hinweggetan hatte, um warmes Brot aufzulegen an dem Tag, da man sie wegnahm.
[24:02] Interessante Geschichte. Warum hat der Priester dem David dieses Brot gegeben? Oder anders gefragt: Warum war das eigentlich so problematisch, dieses Brot zu bekommen für David? Warum es so problematisch war, dieses Brot zu bekommen? Warum war das, warum ist das keine gewöhnliche Geschichte? Warum ist das so außergewöhnlich, dass David die Schaubrote bekommt?
[24:35] Ja, also das Brot wurde alle sieben Tage ausgewechselt, immer zum Sabbat, aber wenn ich die Geschichte richtig verstehe, war das warme Brot, das frische Brot wieder hingelegt worden und was es jetzt ging, war das ausgewechselte Brot, das schon da lag, also das schon seine Zeit als Schaubrot hinter sich hatte, die sieben Tage, jetzt war es quasi zur freien Verfügung. Für wen? Wer durfte dieses Schaubrot essen? Der Priester. Das war eigentlich den Priestern vorbehalten, das konnte nicht irgendjemand essen und trotzdem bekommt der David, der ja nun wirklich nicht aus dem Stamm Levi kommt, sondern aus dem Stamm, aus welchem Stamm kommt David? Der Löwe aus dem Stamm Juda, genau, aus Juda.
[25:50] Warum darf David diese Brote essen, obwohl er kein Priester ist? Und Jesus benutzt ja diese Geschichte als die Illustration für sein Verhalten und auch als Illustration für das Verhalten der Jünger. Warum darf der David Schaubrote essen, von denen die Bibel sagt, sie eigentlich nur den Priestern gehören? Ja, ja, schon mal bei Markus, da wird es recht deutlich in Markus 2, in Markus 2 und dort Vers 25.
[26:29] Markus 2 Vers 25, was heißt es? „Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er Mangel litt und er und seine Gefährten Hunger hatten?“ Also da ging es nicht darum, dass der David sagte: „Oh, ich hätte mal gerne ein bisschen was von dem Schaubrot, das würde mir so gut tun.“ Der David war eigentlich in einer verzweifelten Lage. Was war seine Situation? Er war auf der Flucht. Wer war David eigentlich in der Situation? Was war sein Status, seine Position?
[27:25] Er war noch nicht wirklich König, er war Gesalbter, er war der gesalbte zukünftige König. Also es war nicht vorgesehen, dass er jetzt an Hunger stirbt, das war sozusagen nicht Teil des Planes Gottes. Es war mit Gottes Plan vereinbar, dass er flieht. Es war übrigens nicht mit Gottes Plan vereinbar, dass er darüber lügt. Das ist jetzt eine ganz interessante Geschichte, weil hier quasi zwei Ebenen übereinander liegen. Das ist einmal die Ebene, da ist dieser arme gesalbte David, der flieht und sein Leben rennt, um später mal König sein zu können und Gott beschützt ihn dabei, obwohl er gleichzeitig eine Sünde begeht und behauptet, dass er gar nicht flieht, was dann dazu führt, dass später die Priester umkommen, was ihn dann später sehr geräumt hat. Und trotzdem ist es richtig für ihn in der Situation, dieses Brot zu essen.
[28:28] Offensichtlich zählt bei Gott die Umsetzung seines Willens. Mit anderen Worten, es gibt Ausnahmesituationen oder Extremsituationen, in denen die, ich habe es noch nicht so richtig formuliert. Lass uns noch einen Text lesen, bevor ich das, ich will es nicht falsch sagen. Das ist ein heißes Eisen, weil man könnte diese Stellen auch missinterpretieren, oder? Man könnte damit sehr leicht eine Situationsethik begründen, nach dem Motto: „Naja, ich hatte halt Not, dann mache ich das, was verboten ist.“ Es ist also eine ganz, ganz diffizile Geschichte, warum der David das durfte, ohne dass Gott sozusagen eingegriffen hat und gesagt hat: „Oh, wie kannst du noch.“
[29:38] Schauen wir uns vielleicht noch mal in 3. Mose, in 3. Mose 24. Und dort Vers fünf bis neun, da haben wir dieses Gebot über die Schaubrote. Da heißt es: „Und du sollst Feinmehl nehmen und davon zwölf Kuchen backen. Ein Kuchen soll aus Zehntel Efa bestehen. Du sollst in zwei Schichten von je sechs Stücken auf den reinen Tisch legen vor dem Herrn. Du sollst auf jede Schicht reinen Weihrauch legen und er soll für das Brot sein, als der Teil, der zum Gedenken bestimmt ist. Ein Feueropfer für den Herrn. Sabbat für Sabbat soll er sie beständig vor dem Herrn aufschichten, als Gabe von den Kindern Israels. Das ist ein ewiger Bund und es soll Aaron und seinen Söhnen gehören. Die sollen es essen an heiliger Stätte, denn als ein hochheiliges von den Feueropfern des Herrn soll es ihm gehören, als eine ewige Gebühr.“
[30:49] Jetzt schauen wir uns den Text genauer an und da sehen wir am Ende eigentlich die Prinzipien, auf die es jetzt wirklich ankommt. Wem gehört das Schaubrot? Es gehört den Priestern, aber es gehört den Priestern eigentlich nur in zweiter Instanz. Wem gehört das Schaubrot eigentlich wirklich? Es ist Gottes, oder? Es ist Gottes Eigentum und warum dürfen es die Priester essen? Weil Gott es ihnen gibt. Es ist also Gottes Eigentum. Der Priester an sich hat kein Recht in sich selbst auf irgendwas, sondern ist ja der Priester Gottes.
[31:42] Interessanterweise wird das Schaubrotbrot immer am Sabbat aufgeschichtet. Das ist auch eine interessante Verbindung zum Thema Sabbat. Jeden Sabbat soll dieses Brot aufgeschichtet werden. Wofür war denn der Sabbat gedacht? Jetzt kommen wir die Ecke noch ein Stück weiter. Wofür war der Sabbat gedacht?
[31:55] Es geht ja hier dann auch um den Sabbat. Der Sabbat war für den Menschen gedacht. Das ist dann am Ende sozusagen die Schlussessenz dessen, was Jesus sagen will. Genau. Was war die Idee hinter dem Sabbat? Erinnerung an was? An die schöpferische Kraft Gottes. Wie wir vorhin bei Jesaja gesehen haben, es geht bei dem Sabbat nicht darum, nichts zu tun. Es geht bei dem Sabbat darauf zu achten, was Gott tut. Den ganzen Fokus auf die Werke Gottes richten und nicht auf meine eigenen Werke. Das heißt, die Schaubrote hatten auch die Funktion, daran zu erinnern, was Gott tut.
[32:52] Alles, was Gott gebietet, hat immer den Zweck, dass Gottes Wille geschieht. Das klingt jetzt erst mal selbsterklärend, aber es gibt viele Menschen, die benutzen Gottes Gebote gegen Gottes Willen. Siehe Pharisäer. Man kann ein Gebot Gottes neben dem Wort-Sinn nach oder dem Buchstaben-Sinn nach aus dem Kontext lösen und gegen Gottes Willen benutzen. Das ist dann meistens so eine Art von Fanatismus oder Extremismus. Aber es geht bei Gottes Geboten immer darum, dass Gottes Wille geschieht und Gott wollte, dass David überlebt. Deswegen war es selbstverständlich vollkommen okay für David, dieses Brot zu essen. Es geht ja nicht um das Brot, es geht ja um Gott.
[33:46] Und das bringt uns zu einer wichtigen Schlussfolgerung, die jetzt in den nächsten Versen deutlich wird. Schaut mal in Matthäus Kapitel 12 und dort wird das jetzt noch weiter ausgeführt. Jesus sagt noch ein, nur in Matthäus, nicht in Markus und Lukas, aber in Matthäus gibt Jesus noch zwei weitere Beispiele, die diesen Punkt jetzt unterstützen. Vers 5: „Oder habt ihr nicht im Gesetz gelesen, dass am Sabbat die Priester im Tempel den Sabbat entweihen und doch ohne Schuld sind?“
[34:28] Jetzt, wie entweihen die Priester am Sabbat den Sabbat? Ja, sie bringen die Brote rein, sie tragen die Brote raus. Die Menschen dürfen keine Brote von außerhalb der Stadt in die Stadt tragen, aber der Priester darf dieselbe Anzahl von Broten oder vielleicht sogar noch mehr in das Heiligtum tragen und wieder heraustragen. Man könnte sagen, das ist ja ungerecht, aber das ist es nicht. Es geht nicht darum. Gott hat nie einen moralischen Wert darin gesehen, Brote zu tragen oder Brote nicht zu tragen. Versteht ihr? Das hat keinen moralischen Wert, etwas zu tragen oder nicht zu tragen, sondern es geht um ein Ziel und das Ziel ist: Am Sabbat geht es um Gott. Das heißt, alles das, was am Sabbat mit Gott zu tun hat, was Gottes Werk fördert, ist selbstverständlich im Sinne des Sabbats, weil es ist ja Gottes Werk. Was am Sabbat verboten ist, ist mein eigenes Werk, meine eigenen Gänge, mein eigener Wille sozusagen.
[35:42] Schaut man Vers 6: „Ich sage euch aber, hier ist einer, der größer ist als der Tempel.“ Das ist übrigens eine interessante Aussage. In Matthäus 12 kommt das dreimal vor: Er sagt, er ist größer als der Tempel, er sagt, er ist größer als Jona und er sagt, er ist größer als Salomo. Tempel, Priester, Jona, Prophet, Salomo, König – das ist diese dreifache Idee des Dreifachgesalbten, der Priester, der König, der Prophet. Das hat Matthäus ganz offensichtlich zusammengetan, aber das ist ein anderes Thema. Jesus sagt: „Hier ist einer, der größer ist als der Tempel.“
[36:31] Wo hat Jesus schon zuvor sich mit dem Tempel gleichgesetzt? Gibt es schon mal eine Stelle, wo Jesus sagt: „Ihr redet vom Tempel, aber hey, ich bin der Tempel.“ Genau, wo ist die Stelle? Nee, die hatten wir schon, schon ein bisschen her. Also, die ist in einem anderen Evangelium, die ist in Johannes 2, das war, als Jesus damals zum ersten Mal zum Passah kam und den Tempel gereinigt hat und die ihn gefragt haben: „In welcher Autorität tust du das?“ Und dann hat Jesus geantwortet in Vers 19, Johannes 2, Vers 19: „Brecht diesen Tempel ab und in drei Tagen will ich ihn aufrichten.“ Und in Vers 21: „Er redete von dem Tempel seines Leibes.“
[37:47] Was Jesus mit anderen Worten sagt ist: Alles das, was im Tempeltum geschieht, hat alles seinen Bezug in mir. Und dahinter steckt eine ganz wichtige Idee, die wir oft theoretisch begreifen, aber praktisch dann doch nicht richtig durchdringen. Lass mich die mal so illustrieren. Was meint ihr, welches ist das wichtigste, stell mal eine theologische Frage, welches ist das wichtigste theologische Konzept im Alten Testament? Von allen Dingen, die im Alten Testament so aufgebaut werden und erzählt werden. Was ist so, vielleicht auch aus unserer adventistischen Sicht, so das wichtigste, was im Alten Testament über Gott erklärt wird? Heiligtumsdienst, oder? Würden wir alle vielleicht zustimmen, im Heiligtumsdienst sind all die verschiedenen Lehren, werden erklärt und das ganze System und heute gibt es viele adventistische Theologen, die sogar sagen, dass am Ende unsere ganze Theologie um das Heiligtum herum gebaut ist und mit gutem Recht.
[38:44] Jetzt zweite Frage: Was ist das vielleicht wichtigste Buch des Alten Testaments, das Jesus am meisten zitiert und wo die wichtigsten, grundlegendsten Dinge des ganzen Alten Testaments drinstehen? Moses, welches Buch von Moses? Was ist Jesus' Lieblingsbuch gewesen? Fünfte Mose. Wie oft kommt das Heiligtum in Fünfte Mose vor, wie viele Heiligtumsgesetze? Wie oft das Heiligtum, wie viele Opfergesetze, wie viel in Fünfte Mose, was würdet ihr schätzen? Hälfte des Textes, 20 Prozent, 40 Prozent, 30 Prozent. Wie viel Prozent der Kapitel in Fünfte Mose sprechen von dem Heiligtumsdienst?
[39:24] Hier kommt die erstaunliche Antwort: Kein einziges. In Fünfte Mose geht es gar nicht um das Heiligtum, obwohl vorher in Zweite Mose und in Dritte Mose und in Vierte Mose überall Heiligtum und Opfergesetze, aber in Fünfte Mose, wo alles zusammengefasst wird, gibt es keine Opfergesetze mehr und dies und jenes mehr. Es geht nur noch um Gott selbst und seine Liebe und trage die Gebote im Herzen. Mit anderen Worten, Fünfte Mose dringt noch eine Ebene tiefer als das Heiligtum. Das Heiligtum ist eine Veranschaulichung, aber nicht die Sache selbst.
[40:11] Und ich glaube, dass wir manchmal den gleichen Fehler machen können wie auch die Pharisäer, dass wir bei den richtigen Geboten und den richtigen Formeln stehen bleiben und nicht mehr den Sinn hinter der Sache sehen, den Sinn hinter dem Heiligtum, den Sinn hinter dem Sabbat, den Sinn hinter der Lehre von der Wiederkunft, den Sinn hinter 1844. Dann verteidigt man ein Datum, man verteidigt ein Konzept, man kann das vielleicht hebräisch begründen, aber der Sinn dahinter geht verloren. Und vielleicht ist das manchmal auch der Grund, dass es so viele Streitigkeiten gibt, weil die einen vertreten dann noch ein Konzept, ohne richtig zu wissen, was es in ihrem Leben bewirkt und die anderen sagen: „Naja, wenn es nichts bewirkt, dann kann ich es über Bord werfen.“ Die einen nennt man dann konservativ, die anderen liberal. Die Pharisäer waren streng konservativ, oder? Sie wollten den Sabbat retten, aber hatten den Sabbat aus den Augen verloren, um was es wirklich ging.
[41:19] Schaut mal in Matthäus 12, da geht es dann noch weiter in Vers 7: „Wenn ihr aber wüsstet, das ist wieder so, nicht wahr? Wenn ihr aber wüsstet, was das heißt: ‚Ich will Barmherzigkeit und nicht Opfer‘, so lasst euch diesen Vers mal auf der Zunge zergehen und hört ihn mal als Pharisäer, die eine Meisterschaft darin gemacht haben, genau zu wissen, welches Opfer zu welcher Sünde an welchem Tag und die genau alles richtig eingehalten haben.“ Gott sagt im Alten Testament: „Ich will keine Opfer.“ Moment mal, widerspricht sich Gott? Warum sagt Gott ständig Opfer dann und Opfer dies und Opfer so viel und dann 14 Stiere hier und sieben Stiere da und zwei Toteltauben hier, wenn er eigentlich keine Opfer will?
[42:23] Also die Opfer sollen auf Jesus hinweisen. Es ist wichtig, zu begreifen, da kommt jemand. Ja, das ist schon eine richtige Richtung. Also das Neueste ist, man spricht auch von diesen geistlichen Opfern, die wir bringen sollen, mit Lob und mit Dank und mit guten Werken. Das ist schon vollkommen richtig.
[43:39] Ja, Gehorsam ist besser als Opfer. Ja, ganz genau. Offensichtlich ist Opfer nicht der höchste Wert für Gott. Gott hat keine Freude an Opfern. Nochmal, Gott hat keine Freude an Opfern. Das sagt es im Alten Testament ständig. Jetzt kommt noch was. Gott hatte keine Freude am Tod von Jesus. Wir stellen manchmal das so dar, als ob das quasi Gottes größte Seligkeit gewesen ist. Es war für ihn ein Kampf. Ich lese ja gerade momentan viel zu Martin Luther und er beschreibt, wie er als junger Mönch gelernt hatte, da gibt es so einen lateinischen Text, da spricht es von der seligen Schuld, durch die ein so wunderbarer Erlöser verdient wird. Da hat man also den Leuten gelehrt, wir sind so dankbar für die Sünde, weil dadurch konnte Jesus am Kreuz sterben. Das war also völlig auf den Kopf gestellt.
[44:49] Das ist so ein bisschen manchmal heute noch latent vorhanden. Wenn man mit Menschen über die Frage spricht, ob man Sünde überwinden kann, dann gibt es manchmal Menschen, die sagen: „Wenn man Sünde überwinden würde, dann bräuchten wir Jesus nicht mehr.“ So quasi fast unausgesprochen gilt dann: Wir müssen ja sündigen, damit Jesus weiter unser Erlöser sein kann und das ist großer Unfug. Erstmal brauchen wir Jesus sowieso für jeden Atemzug, den wir tun. Zweitens brauchen wir Jesus sowieso bis ans Ende unseres Lebens, weil wir schon längst Sünder gewesen sind. Drittens brauchen wir Jesus, weil wir auch in jedem Zustand unseres Lebens immer irrige Menschen sind, immer Fehler machen und immer und so weiter. Aber Gott liebt nicht die Opfer der Opfer wegen, sondern Gott ist Liebe und weil er Liebe ist, hat er dann das Opfer gegeben.
[45:52] Und um den Menschen zu illustrieren, eigentlich was für eine tiefgreifende Sache das ist, hat er angeordnet, immer wieder Opfer zu bringen, damit sie das vor Augen haben, damit sie darüber nachdenken. Aber der Mensch ist so ein Gewohnheitstier, er nimmt die Opfer und denkt, in Wirklichkeit ist das so eine Art Reinwaschung für die Sünde. Ich habe gesündigt, kein Problem, hier ein Opfer, wunderbar, sinnlos. Wieder gesündigt, kein Problem, wie ein Opfer, zack, man verliert den eigentlichen Sinn aus den Augen.
[46:18] Ganz genau, es geht ihm nicht um die korrekte Einhaltung von Formen, es geht ihm um ein Herz voller Liebe. Und was er dann bei den Jüngern sagt, den den Pharisäern sagt: „Schaut, ihr kämpft für das Gesetz Gottes, aber wisst ihr was, das Gesetz Gottes ist Liebe.“ Und kein Mensch, der Liebe hat, sieht einen Menschen sündigen und beschuldigt ihn vor einem anderen. Denn statt sozusagen ihm zu helfen und sagen: „Hey, lass uns mal“, statt ihm sozusagen auf sie zuzugehen, zu verstehen, warum sie das tun, haben sie ihn angeklagt oder sie angeklagt vor Jesus und damit eigentlich die Eigenschaften Satans gezeigt.
[47:08] Ganz genau, schaut man Matthäus 12, Vers 7, da sagt er: „Wenn ihr aber wüsstet, was das heißt: ‚Ich will Barmherzigkeit und nicht Opfer‘, so hättet ihr nicht die Unschuldigen verurteilt.“ Kennt ihr noch eine Geschichte in der Bibel, wo Gott darüber spricht, dass jemand einen anderen unschuldig verurteilt, wo jemand eigentlich keine Schuld hat, aber von seinen Mitmenschen verurteilt wird? Jesus, okay, aber außerhalb von Jesus gibt es noch jemand, der in seiner, in der Geschichte in der Bibel unschuldig ist und von seinen Mitmenschen verurteilt wird und als Sünder dargestellt wird. Ja, wo sie gesagt haben, dass er entweder gesündigt hat, seine Eltern, aber es gibt eine Geschichte, wo ein Mensch unschuldig ist und da kommen andere und sagen: „Du bist schuldig, du hast das Gesetz übertreten.“ Hiob, oder? Hiob wird verurteilt, obwohl er unschuldig ist.
[48:28] Und jetzt Frage: Wie bewertet Gott die drei Freunde, die den Hiob verurteilen, obwohl er unschuldig ist? Kann man nachlesen in Hiob 42, das ist keine Kleinigkeit. Also die Pharisäer kommen und wollen den Jüngern etwas anhängen, was eigentlich ziemlich schwerwiegend ist und Jesus dreht sich um und sagt: „Schaut mal, ihr habt gerade Unschuldige verurteilt, ihr behauptet sie während des Todes, de facto begeht ihr gerade etwas, was nach Gottes Ansicht, wenn nicht ich euer Fürsprecher wäre, euch zum Tod führen würde.“ Siehe Hiob, da sagt Gott ganz deutlich: „Hiob bete für sie.“
[49:06] Das Interessante ist also, dass Menschen, die aus vermeintlichem Eifer für Gottes Wort andere unfreundlich anklagen und verklagen und überhart kritisieren, in Wirklichkeit genau das tun, was sie bei den anderen bemängeln. Und dann kommt Markus 2, Vers 26, der berühmte Vers. Markus 2, Vers 27 und 28.
[49:42] Und er sprach zu ihnen: „Der Sabbat wurde um des Menschen willen geschaffen, nicht der Mensch um des Sabbatswillen.“ Man könnte genauso sagen: Der Heiligtumsdienst ist um des Erlösungsplans willen geschaffen, nicht der Erlösungsplan um des Heiligtumswillen, zum Beispiel. Oder so, könnte man viele Beispiele nehmen, wo wir oft vergessen, was eigentlich der Sinn der Sache ist und was das Mittel ist. Der Sabbat, vorsichtig formulieren, aber der Sabbat ist eigentlich ein Mittel zum Zweck. Ein wichtiges Mittel zum Zweck, aber es ist ein Mittel zum Zweck. Nämlich, der Sabbat ist für den Menschen gemacht.
[50:30] Jetzt, was soll der Mensch am Sabbat dann lernen? Was ist dann die Essenz des Sabbats? Und ich glaube, diese Frage hilft dann in vielen, vielen praktischen Sabbat-Diskussionen. Was ist die Essenz des Sabbats? Was soll der Mensch am Sabbat lernen? Wer Gott ist, was Gott ist, er soll lernen, Gott ist der Schöpfer, richtig? Er soll lernen, dass Gottes Werke, dass Gott kreative, schöpferische Kraft hat. Er soll lernen, dass Gott der Schöpfer ist. Die Bibel sagt, dass er uns geschaffen hat und wir sind die Schöpfe, wir sind die Schafe seiner Herde. Das heißt, Gott hat mehr Macht als wir. Gott hat mehr Kraft als wir. Wenn er der Schöpfer ist und wenige Schöpfe, dann sind wir von ihm abhängig.
[51:31] Das ist ein ganz simpler Gedanke, aber der erklärt jetzt eigentlich fast alle Texte. Wenn wir von ihm abhängig sind, warum gebietet uns Gott dann einen Tag in der Woche kein eigenes Werk zu tun? Ganz genau, so simpel wie das ist. Der Sabbat erinnert uns einmal die Woche: Ich bin abhängig von Gott. Und deswegen, sag Gott, um dir das praktisch bewusst zu sein, weil wir Menschen halt so schwer von Begriff sind, um dir das praktisch vor Augen zu halten, tue nicht deine eigenen Werke, sondern nimm dir Zeit, über Gottes Werke nachzudenken.
[52:17] Und das ist jetzt der Schlüssel in die gesamte Geschichte, denn der Sabbat ist dazu da, über Gottes Werke nachzudenken. Und Gottes Werk ist nicht nur Schöpfung vor 6000 Jahren. Gottes Werk ist auch Predigt am Sabbat. Gottes Werk ist immer dann, wenn Gott aktiv wird, durch jedes Gebet, durch jedes geistliche Lied, durch jede geistliche Unterhaltung, durch jede Predigt, durch jedes Bibelgespräch, durch alles, was Gottes Wirken fördert. Das kann bedeuten, dass man Gänge macht, das kann bedeuten, dass man sogar Dinge anhebt, hochhebt, trägt, arbeitet.
[52:54] Der Schlüssel, ob etwas am Sabbat erlaubt ist oder nicht erlaubt ist, hängt im Wesentlichen damit zusammen, ob es Gottes Werk ist oder mein Werk ist. Ganz genau, ganz genau. Diese beiden Ideen, die Bibel hat ja nichts gegen eigene Werke in dem Sinne, dass man auch seine eigene Arbeit hat. Und das soll ja auch die restlichen sechs Tage miteinander verbunden sein, das soll ja auch nicht getrennt sein, das ist also ganz richtig. Aber es soll einen Tag in der Woche geben, wo eindeutig ohne Kompromisse nur Gottes Werk im Zentrum steht, als Erinnerung dafür, dass auch sonst unter der Woche Gottes Werk in unserem Leben die Hauptrolle spielt. Das ist die Idee des Sabbats.
[54:00] Das heißt, ein Bibelarbeiter wie die Jünger, der nach vielen Stunden Gottesdienst am Verhungern ist und auf dem Weg zur nächsten Predigt ist, darf natürlich gerne etwas tun, was man ansonsten als Arbeit bezeichnen würde. Und dann, wenn man das verstanden hat, dann löst sich auch diese ständige: „Okay, das darf man, das darf man nicht, das darf man, das darf man nicht, man darf noch so lange das tun, aber ab der Uhrzeit dann nicht mehr.“ Dieses ständige Denken in Einzelfällen, das löst sich dann auf, wenn man das Prinzip verstanden hat. Und ja, es mag sein, dass wir mit unterschiedlicher Erkenntnisstand das Prinzip nicht immer alle gleich anwenden oder verstehen, weil wir unterschiedliche Menschen sind, unterschiedlich geprägt sind, nicht immer gleich perfekt alles verstehen. Aber es ist wichtig, dass wir dieses Prinzip verstehen. Am Sabbat geht es um Gottes Werk.
[54:54] Zum Schluss Vers 28: „Also ist der Sohn des Menschen Herr auch über den Sabbat.“ Und den kennen wir, weil wir damit sagen: „Naja, der Tag des Herrn ist der Sabbat.“ Das ist so der klassische Vers in der Evangelisation, wo man sagt: „Der Tag des Herrn ist der Sabbat.“ Aber als Jesus den Vers sagt, da schwang noch was ganz anderes mit, wenn er sagt: „Also ist der Sohn des Menschen Herr auch über den Sabbat.“ Frage: Woran haben wohl die Pharisäer gedacht, als sie hörten „Sohn des Menschen“? Frage stelle ich immer wieder gerne. Woran haben die gedacht?
[55:34] Die haben an Daniel 7 gedacht, der Sohn des Menschen, dieser kommende König. Und was wird diesen Menschensohn gesagt? Er ist der Messias, er ist der König, ihm wird alles Königtum und alle Macht und alle Gewalt über alle Völker gegeben. Und jetzt sagt Jesus: „Und der Menschensohn ist nicht nur Herr über die Völker und die Könige und dies und jenes, er ist auch Herr über den Sabbat.“ Das ist übrigens ganz interessant, weil wenn man das mal zu Ende denkt, wann wird denn der Menschensohn gekrönt zum Herrscher? Kurz vor seiner Wiederkunft. Und wenn der Menschensohn Herr des Sabbats ist und er Herr über den Sabbat ist, dann bezieht sich Menschensohn – die meisten Sonntagskristen würden ja denken, naja, das bezieht sich ja irgendwie auf die Zeit vor dem Kreuz, oder? Aber die Formulierung Menschensohn weist auf Daniel 7, das weist auf das himmlische Gericht, das weist auf 1844 und danach. Jesus wird Herr sein über die ganze Welt und er ist Herr über den Sabbat.
[56:41] Eigentlich ist der Vers eine sehr schöne Möglichkeit zu zeigen, dass der Sabbat lange nach dem Kreuz seine Bedeutung haben muss, weil Jesus als Menschensohn, als der König, hier war er ja auf der Erde zwar schon Menschensohn, aber noch nicht der Menschensohn als König, er war noch nicht der regierende König des Universums, de facto. Aber wenn er das sein wird, ist er auch Herr über den Sabbat.
[57:01] Man kann den Sabbat nicht brechen, wenn man für Jesus arbeitet. Man kann ihn vielleicht brechen, wenn man halbherzig für Jesus arbeitet, wenn man mit der anderen Hälfte des Herzens für sich arbeitet, aber wenn man von ganzem Herzen für Jesus arbeitet, kann man den Sabbat gar nicht brechen, weil der Sabbat ja zu Jesus führt. Und das zeigt, worum es eigentlich geht. Es geht nicht darum, Angst zu haben: „Habe ich das Gebot übertreten, habe ich es nicht übertreten?“, wie die Pharisäer. Es geht darum, Jesus zu folgen und wer Jesus folgt von ganzem Herzen und von ganzem Gemüt, wird das Gesetz halten. Das ist quasi diese Idee. Der muss sich nicht Gedanken machen: „War das jetzt richtig, war das falsch, war das richtig, war das falsch.“ So wie Luther, der fast irre geworden ist daran, der wird wissen: Wenn ich Jesus folge, Jesus führt mich ja nicht irre. Jesus führt mich nicht zum Ungehorsam.
[57:58] Gute Lieben, spannende Geschichte, die uns nach wie vor zeigt, wir müssen wirklich Jesus folgen und anstatt uns Gedanken zu machen, wie die Pharisäer, sollten wir leben wie die Jünger. Einfach Jesus folgen und dann dürfen wir sehen, dass wir von Jesus – das ist eigentlich ein schönes Bild, was er hier gebaut hat. Er sagt, die Unschuldigen, die waren ja nicht sündlos in dem Moment, oder? Also die waren unschuldig in der Sache und wenn wir Jesus folgen, dann wird Jesus uns verteidigen. Er wird für uns eintreten, auch gegen die, die uns anklagen, sei es hier auf dieser Erde oder im himmlischen Heiligtum. Und in dem Sinne würde ich vorstellen, lasst uns noch gemeinsam beten, diesen Teil abschließen.
[59:04] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir dein Wort lesen konnten, dass wir diese Geschichte über den Sabbat studieren konnten und sehen konnten, dass es oft Dinge gibt, in denen wir vielleicht der richtigen Form und der richtigen Tradition folgen und den Sinn dahinter, den du eigentlich dir gedacht hast, aus den Augen verloren haben. Herr, wie oft kommt es vor, dass wir viele Texte lesen und doch so leben, als ob wir sie noch nie gelesen hätten. So möchten wir dich bitten, dass wir diese Erfahrung machen, dass wir das, was wir lesen, wirklich verstehen und wirklich umsetzen in unserem Leben, dass wir nicht einfach nur Opfer der Form halber bringen, sondern die echten geistlichen Opfer, von denen Jesus hier gesprochen hat, dass wir echte Barmherzigkeit in unserem Herzen haben, dass wir erfüllt sind von deiner Liebe, von deinem Heiligen Geist. Darum bitten wir dich von ganzem Herzen. Amen.
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