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In dieser Predigt von Christopher Kramp wird die biblische Erzählung von der Verkündigung an Maria (Lukas 1,26-38) detailliert beleuchtet. Der Sprecher vergleicht die Umstände der Verkündigung an Maria mit der an Zacharias und hebt die tiefgreifenden Kontraste und Parallelen hervor. Dabei werden die Bedeutung von Orten wie Nazareth und Galiläa, die Namen Maria und Josef sowie die theologische Tiefe der Botschaft des Engels Gabriel erörtert. Die Predigt betont die Bedeutung des Glaubens angesichts scheinbar unmöglicher Situationen und zeigt auf, wie die Geschichte Marias auch für uns heute eine Ermutigung sein kann.


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Serie: Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus

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Transkript

[5:00] Nazareth, jetzt, wenn man die beiden miteinander vergleicht, Jerusalem und Nazareth, was fällt einem auf? Oder was wisst ihr über die beiden Städte im Vergleich zueinander? Nazareth war so ziemlich die schlimmste Stadt, die es gab. Ja, woher wissen wir das? Wo Jesus den Nathanael trifft und der Nathanael vorher fragt: „Was kann aus Nazareth Gutes kommen?“ Johannes 1, Vers 46. Also ein schlimmer Ort. Ja, und Jerusalem dagegen, der heilige Ort, ja, der Ort, an dem Gott seinen Namen hat hingelegt, so sagt die Bibel.

[5:57] Nun, wie groß war Nazareth? Weiß das jemand von euch, schätzungsweise, größer oder kleiner als Wangen? 15.000? Es waren 500. Ein kleines Bergdorf, also ungefähr ein Sechzehntel von Wangen, wenn ihr so wollt. Jerusalem, die Hauptstadt, größte Stadt von Palästina, größte Stadt von Judäa. Wenn da das Passerfest war, waren mehrere Millionen Menschen in der Stadt. Das war ein kleiner Ort.

[6:38] Nun, Nazareth lag in welcher Gegend? In Galiläa. Jetzt, was wisst ihr über Galiläa? Übrigens, wo, in welcher Provinz lag Jerusalem? In Judäa. Jetzt, was wisst ihr über Galiläa? Das ist so ein Nord-, also so westlich, so am See Genezareth. Ganz genau. Was war das so für eine Gegend? Galiläa, kommt es später im Evangelium ja ständig vor. Jesus war ja größtenteils seines Dienstes in Galiläa gewesen, ja. Aber was war das für eine Gegend? Woher kommt der Name Galiläa? Da gab es Capernaum, da gab es Nazareth, da gab es Bethsaida, da gab es verschiedene berühmte Städte. Ja, da gab es so Handelsstraßen. Das stimmt.

[8:03] Schaut mal mit mir in Jesaja, in Jesaja Kapitel 8. Der Begriff Galiläa ist eigentlich abgeleitet aus dem Alten Testament. In Jesaja Kapitel 8 und dort Vers 23. Jesaja Kapitel 8 und dort Vers 23. Dort heißt es: „Doch bleibt nicht im Dunkel das Land, das bedrängt ist. Wie er in der ersten Zeit das Land Sebulon und das Land Naphtali gering machte, so wird er in der letzten Zeit den Weg am See, das ist der See Genezareth, damals Kinneret genannt, zu Ehren bringen jenseits des Jordan, das Gebiet der Heiden.“ Steht da auch bei euch: „Das Gebiet der Heiden?“ Ja, dieses Wort, das Gebiet der Heiden ist im Hebräischen Gelil Hagoyim. Und da kommt Galiläa her. Das heißt wörtlich „besetzt der Kreis“. Also Galiläa heißt wörtlich eigentlich „der Kreis“ und war ein Gebiet, das frühzeitig mit Heiden besetzt war. Ja, wenn ihr euch die Stämme anschaut, die da genannt sind, welche Stämme sind dort genannt? Naphtali und Sebulon. Und das waren Stämme, die relativ frühzeitig in die assyrische Gefangenschaft gekommen sind. Da sind dann andere heidnische Nationen haben sich dort angesiedelt, sind angesiedelt worden und so kam es zu einer Vermischung zwischen Israeliten und Heiden. Ganz ähnlich wie bei den Samaritern. Und während Judäa größtenteils allein aus Israeliten bestand, war Galiläa vielmehr durchmischt von Heiden und Juden, der Kreis der Heiden.

[9:59] Und deswegen heißt es dann auch im Vers 1, im nächsten Vers, schaut mal Jesaja 9 Vers 1: „Das Volk, das in der Finsternis wandelt, hat ein großes Licht gesehen. Über den Bewohnern des Landes der Todesschatten ist ein Licht aufgeleuchtet.“ Also dieses Land, dieser Flecken Galiläa, galt schon im Alten Testament als dunkel, da war nicht viel Licht da, geistlich gesehen. Und die Prophezeiung sagt, aber ausgerechnet in Galiläa würde ein Licht aufleuchten. Und der Engel kommt jetzt also nicht nur nach Nazareth gegenüber Jerusalem, er kommt nach Galiläa im Gegensatz zu Judäa. Also erste Geschichte Judäa, zweite Geschichte Galiläa. Erste Geschichte Jerusalem, zweite Geschichte Nazareth. Erste Geschichte der große heilige Ort, zweite Geschichte das kleine, abgelegene und völlig verabscheute Bergdorf. Also größer kann man den Kontrast eigentlich nicht machen, oder?

[11:00] Jetzt ist es nicht interessant, dass Jesus für sein eigenes Erdenleben eine der kleinsten, unbedeutendsten Städte gewählt hat, die es überhaupt noch gab, aber dann für seinen Tod, der so schmählich gewesen ist, hat er die berühmteste Stadt ausgewählt. Hätten wir die Wahl gehabt, wir hätten es wahrscheinlich andersherum gemacht, oder? Unser Leben in der größten Stadt und denn, wenn wir wissen, dass es uns einen schmachvollen Tod bereiten wird, das vielleicht dann irgendwo abgelegen, wo es keiner mitbekommt, oder? Aber das, was angenehm war, das Leben, das war dort, wo es wenig mitbekommen hat. Und das, was so schmachvoll war, das hat er ganz öffentlich in der größten Stadt erlebt. Ganz interessanter Gedanke.

[11:44] Jetzt kommen wir zurück zu Lukas. Lukas 1 und dort Vers 27. Lukas 1 und dort Vers 27. Zu wem wird der Engel Gabriel gesandt? Zu Maria. Aber zuerst heißt es noch anders. Ihr Name wird dann später genannt in dem Vers. Zu einer Jungfrau. Zu wem wurde Gabriel in der ersten Geschichte gesandt? Zu einem alten, verheirateten Mann, oder? Also hier haben wir einen alten, verheirateten Mann. Dort haben wir eine junge, unverheiratete Frau. Also mit anderen Worten, was ich euch deutlich machen möchte: Wenn jemand gefragt hätte damals, was ist das genaue Gegenteil von einem alten, verheirateten Mann in Jerusalem, in Judäa, hätte man gesagt, das genaue Gegenteil ist eine junge, unverheiratete Frau in Nazareth, in Galiläa. Es ist in jedem Detail das Gegenteil. Und das macht der Lukas. Die Bibel zeigt uns diese beiden Geschichten natürlich mit Absicht nebeneinander, wie wir gleich sehen werden. Es gibt viele Parallelen. In beiden Fällen kommt der Engel Gabriel. In beiden hat er eine ähnliche Botschaft. Aber die Umstände sind genau entgegengesetzt. Und wir werden gleich sehen, warum.

[13:23] Also sie ist verlobt und damit noch nicht verheiratet. Aber verlobt bedeutet was? Oder wisst ihr, was das bedeutet hat damals? Diese Verlobung in biblischen Zeiten. Was war damit verbunden? Oder was war das für eine Idee? Sie haben sich versprochen. Ja, es war wie eine Art Vertrag schon. Wir werden heiraten. Und ich denke, das hat Gott auch ganz bewusst so schon vorher initiiert, dass die Maria zumindest in gewissen Weisen auch einen gewissen Schutz gehabt hat. Ja, sie war schon mit jemandem verlobt.

[13:58] Kommen wir gleich dazu. Mit wem war sie verlobt? Mit Josef. Weiß jemand von euch, was Josef übersetzt heißt? Nur so nebenbei. Ist nicht so wichtig, aber Josef heißt übersetzt: „Erfüge hinzu.“ Also Josef. Erfüge hinzu. Und weiß jemand, was Maria übersetzt? Das ist noch viel spannender. Also erst mal, welches hebräische Wort heißt eigentlich Maria? Wie ist der Name auf Hebräisch? Mariam oder Miriam. Miriam, die Schwester von Mose, hatte denselben Namen. Das ist nur die griechische Variante Maria. Und was heißt Maria übersetzt? Weiß das jemand? Maria. Ein oft gewählter Name auch für Kinder, nicht wahr? Wegen dieser Frau. Aber der Name selbst ist gar nicht so schön. Also manch übersetzen ihn mit „Bitterkeit“ oder „Betrübnis“. Aber ganz buchstäblich heißt er eigentlich „Rebellion“ oder „rebellisch“. Ja, also bei Zacharias und Elisabeth, das sind so wunderschöne Namen, nicht wahr? Elisabeth, „der Gott eines Eidschwurs“ und Zacharias, „der Herr, Gott gedenkt“, nicht wahr? Jahwe gedenkt, der Herr gedenkt. Aber der Name Maria heißt Rebellion, rebellisch, Betrübnis. Und auch das wiederum ein Gegensatz, ein Kontrast. Versucht euch mal zu überlegen, warum das hier in der Bibel so nebeneinander gestellt ist.

[15:38] Also er kommt zu dieser Frau und sie kommt aus welchem Geschlecht? Oder auch ihr Verlobter kommt aus welchem Geschlecht? Aus dem Haus Davids. In der ersten Geschichte hatten wir das Haus, aus welchem Haus kamen die da? Aus dem Haus von Aaron, nicht wahr? Und damit waren sie Leviten. Und sie kommen aus dem Stamm, aus dem Haus Davids und sind damit Juden, also aus dem Stamm Juda, nicht wahr?

[16:15] Nun, jetzt schauen wir mal, was der Engel zu ihr sagt. Vers 28. „Und der Engel kam zu ihr herein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadigte! Der Herr ist mit dir, du Gesegnete unter den Frauen.“ Jetzt stellt euch vor, ihr seid die Maria gewesen. Was hat die wohl bei diesen Worten gedacht? Da kommt ein Engel, ich meine, das ist ja schon spektakulär genug, aber der sagt: „Sei gegrüßt, du Begnadigte, du Gesegnete, also der Herr ist mit dir, du Gesegnete unter den Frauen.“ Das sind ja drei große Sachen.

[16:51] Also fangen wir mal an mit „Begnadigte“. Warum sagt er, du Begnadigte? Ja, wie wir gleich sehen werden, wird sie den Erlöser gebären. Dieses Wort, das hier für „begnadigt“ steht, kommt nur noch selten vor im Neuen Testament. Und einmal kommt es vor in Epheser 1, Vers 9. Lasst mal euren Finger hier drin und geht mal mit mir zu Epheser 1, Vers 9. Dann werden wir sehen, worin diese Begnadigung bestand. Es war ja nicht so, dass sie ein schweres Verbrechen begangen hatte und jetzt begnadigt wurde. In dem Sinne gibt es ja auch das Wort „begnadigt“, dass man sagt: „Du bist begnadigt, du musst nicht ins Gefängnis oder so.“ Aber das war ja nicht der Fall hier. Epheser 1, Vers 6 sagt uns: „Zum Lob der Herrlichkeit seiner Gnade, mit der er uns begnadigt hat. In wem? In dem Geliebten.“ Und wer ist der Geliebte an der Stelle hier? Jesus. Das heißt, was damit ausgedrückt wird, es ist eine Gnade, die mit der Beziehung zu Jesus zusammenhängt. Begnadigt in dem Geliebten. Also die Begnadigung von Maria hing damit zusammen, dass sie in einer besonderen Art und Weise mit Jesus Christus verbunden sein sollte. Begnadigt in dem Geliebten.

[18:26] Und übrigens, als der Engel sagt: „Der Herr ist mit dir.“ Kennt ihr andere Personen im Alten Testament, die solche Worte gehört haben? „Der Herr ist mit dir.“ Ist ja eigentlich eine relativ bekannte Formulierung, oder? Gott ist mit dir. Ja, das haben die Propheten oft gesagt. „Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir.“ Dankeschön. Der Name Immanuel selbst vom Erlöser heißt Gott mit uns. Und an welcher Stelle im Alten Testament wird denn dieser Name vorhergesagt? In Jesaja Kapitel. Wo kommt diese Vorhersage? Jesaja 7. Geht mal schnell dahin. Ihr werdet was Spannendes sehen. Jesaja 7 und dort Vers 14. Jesaja 7 Vers 14. Die Bibel sagt: „Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben.“ Und was wird das Zeichen sein? „Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und sie wird einen Sohn gebären und man wird ihm den Namen Immanuel geben.“ Was heißt übersetzt? Gott mit uns. Und hier kommt der Engel zu der Jungfrau und sagt: „Du Begnadigte, der Herr ist mit dir.“

[19:59] Übrigens, eine andere Person, die das gehört hat im Alten Testament, das war der Gideon. Ja, da kommt auch ein Engel zu ihm und sagt: „Der Herr ist mit dir, du mächtiger Kämpfer.“ Und dann sagt der Gideon: „Was ich? Ich, unbedeutender Mann hier, jüngstes Kind meines Vaters. Ich war völlig unbedeutend.“ So ähnlich hat es sich auch gefühlt. Und es heißt gleich später, als sie den Engel gesehen hat, hat sie überlegt: „Was ist das für ein Gruß?“ Ja, sie hat sofort gemerkt, sie war ja eine Bibelstudentin. Sie hat sofort gemerkt, diese Worte sind wieder solche Anspielungen ans Alte Testament. Ja, das heißt ja dann in Lukas, wenn ihr zurückgeht zu Lukas 1, da sagt sie ja dann oder da heißt es in den Vers 29: „Als sie ihn aber sah, erschrak sie über sein Wort und dachte darüber nach, was das für ein Gruß sei.“ Mit anderen Worten, Zacharias war nur erschrocken, als er den Engel sieht. Ja, aber sie ist erst richtig erschrocken, als sie hört, was er sagt. Weil diese Worte sind so außergewöhnlich. „Du Gesegnete unter allen Frauen, du Begnadigte, der Herr ist mit dir.“ Und sie hat gesagt: „Moment mal, bin ich auch so ein Gideon?“

[21:19] Übrigens, wisst ihr, da bin ich gespannt, wer das weiß, kann sich den Titel „großer Bibelkenner“ geben. Kennt ihr eine Frau im Alten Testament, die auch die Gesegnete unter den Frauen genannt wurde? Es gibt im Alten Testament eine Frau, die wird wörtlich auch genannt: „die Gesegnete unter den Frauen.“ Hat jemand eine Vermutung? Sarah? Gesegnet war sie. Schreibt mal ganz kurz auf, das ist ziemlich interessant. Im Richterbuch, in Richter Kapitel 5, Richter 5 Vers 24. Richter 5 Vers 24. Da heißt es: „Gesegnet sei wer?“ In Richter 5 Vers 24: „Gesegnet sei Jael vor allen Frauen.“ Kennt ihr die Geschichte von Jael? Das war die Zeit, als der Sisera das Volk Israel zur Richterzeit bekämpft hat. Da war die Zeit von Deborah. Und die Deborah sagt zum Barak: „Ich verfolge ihn.“ Und der Barak ist aber nicht so, wie soll man sagen, ein bisschen feige, genau. Der lässt mehr die Deborah das machen. Und so kommt es am Ende so heraus, dass den entscheidenden Schlag gegen Sisera nicht der Barak durchführt, sondern die Jael, die ihn in ihr Zelt hereinführt, ihm noch was zu trinken gibt. Und als er dann schläft, mit einem Pflock, ihm die Schläfe durchhaut, bis in den Boden, genau. Und da sagt die Bibel, das war die Gesegnete unter den Frauen. Und also Maria kannte die Geschichte. Und jetzt kommt der Engel und sagt: „Fürchte dich nicht, der Herr ist mit dir, Gideon, Gideon, Gideon, du Gesegnete unter den Frauen. Jael, Jael, Jael.“ Das sind die, das muss die erste Assoziation von ihr gewesen sein. Und deswegen heißt es dann im nächsten Vers, sie wunderte sich, was das für ein Gruß ist. Sie hat sich gefragt: „Was hat Gott mit mir vor? Was will der Engel mir sagen?“ Naja, wir kennen heute das Alte Testament nicht mehr so gut. Uns ist das gar nicht so aufgefallen, ich war auf den ersten Blick. Aber das hat eine Rolle gespielt.

[23:50] Nun, also Vers 29, Lukas 1, Vers 29. Es heißt: „Sie erschrak über sein Wort und dachte darüber nach, was das für ein Gruß sei.“ Also Zacharias war erschrocken, sie war erschrocken. Ja, ganz gleiche Geschichte, aber doch ein bisschen anders.

[24:02] Vers 30. Jetzt kommt der Engel und erklärt ihr, was er gemeint hat. Vers 30. „Der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast Gnade bei Gott gefunden und sieh, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären und du sollst ihm den Namen Jesus geben.“ Bis dahin haben wir irgendwo schon mal so was Ähnliches gelesen wie diese beiden Verse? Ja, so ähnlich bei Simson. Also wir haben: „Fürchte dich nicht“, dann einen Namen, dann eine Begründung, dann eine Ankündigung einer Geburt und die genaue Vorgabe des Namens. Wo haben wir das genau in der gleichen Reihenfolge schon mal gelesen? Bei der Ankündigung von Johannes. Geht mal nur ein bisschen zurück zu Vers 13, Kapitel 1. Da heißt es: „Aber der Engel sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein Gebet ist erhört worden und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären und du sollst ihm den Namen Johannes geben.“ Also beides Mal heißt es: „Fürchte dich nicht.“ Einmal heißt es: „Fürchte dich nicht, Zacharias.“ Einmal heißt es: „Fürchte dich nicht, Maria.“ Jedes Mal gibt es eine Begründung: „Denn dein Gebet ist erhört worden, denn du hast Gnade gefunden bei Gott.“ Beides Mal heißt es, dass jemand schwanger wird: „Denn deine Frau wird schwanger werden, du wirst schwanger werden.“ Und beides Mal heißt es, dass der Name vorgegeben wird: „Und du sollst ihm den Namen Johannes geben“ und „du sollst ihm den Namen Jesus geben.“

[26:02] Also mit anderen Worten, der Gabriel bringt quasi zweimal dieselbe Botschaft. Er tauscht nun die Namen aus. Statt Zacharias, Maria. Statt Johannes, Jesus. Es ist dieselbe Botschaft in völlig unterschiedlichen Umständen. Das ist die Idee. Ganz enge Parallelen, ganz große Kontraste.

[26:27] Nun, „fürchte dich nicht“. Das haben wir letztes Mal schon beim Zacharias angeschaut. Eine Idee, die ständig in der Bibel vorkommt. „Fürchte dich nicht, fürchte dich nicht“ und so weiter. Sieben haben wir schon gelesen. Also spätestens jetzt muss es der Maria aufgegangen sein. Also irgendetwas ist hier besonders.

[26:51] Weiß jemand von euch, das wisst ihr bestimmt, was Jesus als Name bedeutet? „Der Herr ist Rettung.“ Genau. Heißt eigentlich im Hebräischen Jehoshua. Da kommt unser Joshua her. Da gibt es einmal die Form Joshua. Das ist Hosea. Das ist Retter. Und dann Jehoshua, Jesus. Der Herr ist Retter. Und warum wurde Jesus so genannt? Ganz genau. Matthäus 1, Vers 21 sagt: „Denn er wird sein Volk erretten von den Sünden.“ Das war jetzt der Maria vielleicht an dem Moment noch nicht vollkommen klar. Aber Jesus wird ihr als Name hier vorgegeben.

[27:55] Nun, gehen wir mal weiter zu Vers 32. In Lukas 1 und dort Vers 32. Da heißt es: „Und siehe, Verzeihung, dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden.“ Was hatte denn der Gabriel zu Zacharias gesagt über den Johannes? Wisst ihr das noch? Dass er ein Vorläufer wird. Und geht mal zu Vers 15. Also, je mehr wir diese beiden Geschichten vergleichen, das ist interessant. Die hängen so eng zusammen. „Er wird auch groß sein.“ Seht ihr das? Also über Johannes heißt es: „Er wird groß sein vor dem Herrn.“ Und über Jesus heißt es: „Er wird groß sein.“ Wieder gleiche Worte, ähnlicher Gedanke. Aber ist Jesus genauso groß wie Johannes? Viel größer, oder?

[28:58] Schaut mal in Lukas 3. Lukas 3, Vers 16. Da sagt nämlich der Johannes das später sehr deutlich. Ja, er ist zwar groß in den Augen Gottes, aber Jesus ist unendlich viel größer. Da antwortete Johannes allen und sprach: „Ich taufe euch mit Wasser. Es kommt aber einer, der ist stärker als ich, ja, größer als ich.“

[29:18] Naja, er wird groß sein und er wird genannt: „Sohn des Höchsten.“ Wer ist der Höchste in der Bibel? Gott. Er wird „Sohn des Höchsten“, „Sohn Gottes“ genannt werden. Und es heißt hier: „Und Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.“ Wie viele Väter hat er denn jetzt? Wenn er „Sohn des Höchsten“ genannt wird, ja, interessant. Ich weiß, er ist Sohn des Höchsten, aber er hat auch den Vater David. Er ist der Sohn Davids. Und wie wir gesehen haben damals bei Matthäus, er ist auch der Sohn Abrahams und so weiter und so fort.

[30:12] Was heißt denn das, dass er den Thron Davids bekommen wird? Hat jemand eine Idee? Genau, also wir haben damals schon bei der Einleitung in Matthäus festgestellt, dass David hatte eine Vorhersage bekommen von Gott durch den Propheten Nathan, dass einer seiner Nachkommen den Thron auf ewig befestigen würde, oder? Und es gibt viele Prophezeiungen im Alten Testament, die wir angeschaut haben über den Thron Davids und der, dass der Messias aus dem Haus Davids kommen würde. Aber eines ist besonders interessant.

[30:58] Schaut mal nochmal zurück zu Jesaja 9. Das war ja die Prophezeiung, die Galiläa erwähnt hat, wie wir gerade gesehen haben. In Jesaja Kapitel 9, da haben wir gerade gelesen: „Das Volk, das in der Finsternis sitzt.“ In Kapitel 8 Vers 23, dieses der Kreis der Heiden, dort am See Genezareth. Und schaut mal ein bisschen weiter, dort heißt es in Vers 5 und 6: „Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter.“ Was ist ein anderes Wort für Herrschaft? Regierung, Königtum. „Die Herrschaft ruht auf seiner Schulter und man nennt seinen Namen: Wunderbarer Ratgeber, starker Gott, ewiger Vater, Friedefürst. Die Mehrung der Herrschaft und der Friede kein Ende haben auf dem Thron Davids und über seinem Königreich, dass er es gründe und festige mit Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit.“

[32:10] Nun, könnt ihr sehen, wie spektakulär das ist? Da gibt es eine Prophezeiung im Alten Testament, die spricht von Galiläa. Ansonsten kommt Galiläa nicht oft vor im Alten Testament. Eine Prophezeiung in Jesaja 8 und 9, die spricht von diesem dunklen Land, diesem Kreis der Heiden, da wo früher Sebulon und Naphtali gewesen sind, wo sich keiner mehr so richtig darum kümmert. Und das Volk, das im Finstern sitzt, wird ein großes Licht sehen. Und dort ist die Prophezeiung: „Denn ein Kind ist uns geboren und die Herrschaft wird auf seiner Schulter ruhen.“ Und dann sagt Lukas, Gabriel kommt nach Galiläa zu einer Jungfrau und sagt: „Dein Kind wird auf dem Thron Davids sitzen.“ Wenn ihr in Galiläa gelebt hättet, was wäre wohl eure Lieblingsprophezeiung gewesen aus dem ganzen Alten Testament? Die, oder? Also, wenn man in Jerusalem gelebt hat, da gab es viele Prophezeiungen, die von Jerusalem gesprochen haben. Aber wenn man so am Rande der Peripherie wohnt, nicht wahr? Wenn man so in Nazareth gewohnt hat, da ist man wahrscheinlich jeden Sabbat im Gottesdienst da gesessen und gesagt: „Hey, also meine Lieblingsprophezeiung ist die hier, da kommt mein Land vor. Ja, meine Gegend, da spricht von mir, von unserer Gegend.“ Das steht ja nicht ganz 100 Prozent, aber das sieht so aus, als ob der Messias vielleicht in Galiläa kommt und nicht in Jerusalem. Ja, denn hier im Land der Finsternis, da ist doch das große Licht und da ist das Kind geboren. Und jetzt kommt der Engel und sagt: „Schau mal her, du wirst ein Kind geboren, nicht wahr? Du bist aus Nazareth und dein Kind wird auf dem Thron David sitzen.“ Also für die Maria muss das ganz gewaltig gewesen sein.

[33:53] Jetzt noch mal zurück zu Lukas und ich möchte noch eine Frage stellen zu Lukas 1 und dort Vers 33. Es heißt: „Und er wird regieren über das Haus Jakobs in Ewigkeit und sein Reich wird kein Ende haben.“ Gebt mir mal eine andere Formulierung für das Haus Jakobs. Die Stämme Israels, oder? Jakob ist gleich Israel. Es gibt ja immer wieder Diskussionen unter Christen, wie das mit dem Israel zu verstehen ist, oder? Wer ist Israel? Was ist Israel? Symbolisch, geistlich, buchstäblich? Helft mir mal. Nach diesem Vers, der Vers allein reicht eigentlich aus. Wer ist Israel? Das stimmt. Die Gemeinde? Genau, alle, die Jesus als ihren König haben. Denn Jesus ist der König über das Haus Jakob. Ist Israel? Israel sind die Untertanen in seinem Königreich. Also jeder, der im Reich Gottes lebt, unter Jesus, mit Jesus als seinem König, der ist Israel. Deswegen sagt die Bibel in Galater 3, Vers 29: „Wenn ihr Christus angehört, so seid ihr Abrahams Same.“ Deswegen spricht der Paulus in Römer 10 von dem „Israel Gottes“. Und viele, viele, viele andere Stellen. Der Thron Gottes. Paulus in Römer: „Nicht alle sind Israel, die von Israel sind.“ Nicht alle, die von Abraham ethnisch abstammen, sind echte Israeliten, sondern Christus ist der König Israels. Das war im Alten Testament. Die Israeliten waren deswegen Israel, weil Jesus ihr König war und sie durch die Wüste geführt hat, in ihrem Tempel der König war. Und das Christentum ist Israel oder alle wahren Gläubigen sind Israel, wenn Jesus ihr König ist.

[35:57] Nun, zweite Frage. Hat sich dieser Vers 33 schon erfüllt, ja oder nein? Wir machen eine Abstimmung. Wer ist für ja? Nicht umschauen, was die anderen sagen. Wer ist für nein? Wer ist für, ich weiß nicht? Okay, einige von euch sind nicht mal, sind so unsicher, dass sie nicht mal wissen, ob sie nicht wissen.

[36:22] Schaut mal mit mir in Daniel 2, Vers 44. Ja, da stand am Kreuz, er war der König der Juden, ganz genau. Schaut mal in Daniel 2, Vers 44. Bekannte Passage. Daniel 2, Vers 44. Dort heißt es: „Aber in den Tagen jener Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das in Ewigkeit nicht untergehen wird und sein Reich wird keinem anderen Volk überlassen werden. Es wird alle jene Königreiche zermalmen und ein Ende machen, es selbst aber wird in Ewigkeit bestehen.“ Was sagte Gabriel zu Maria? „Er wird regieren und sein Reich wird kein Ende haben.“ Das heißt, er verwendet dieselbe Idee, die hier in Daniel 2 besprochen wird oder die auch in Daniel 7 dann verheißen wird, von dem kommenden Reich Gottes. Wann wird dieses Reich der Herrlichkeit aufgerichtet werden? Wann wird dieses Reich Gottes, das hier in Daniel 2 beschrieben wird, wann wird das Realität? Wenn Jesus zum zweiten Mal wiederkommt, in den Tagen dieser Könige heißt es dort, ganz am Ende des Standbildes.

[37:56] Es stimmt, dass Jesus Königreich mehrere Aspekte hat. Es gibt den geistlichen Aspekt, das Reich der Gnade, mit dem Gnadenthron. Dann gibt es das Reich der Herrlichkeit mit dem Thron der Herrlichkeit und das eine ist die Vorstufe zum anderen. Ohne Reich der Gnade keine Reich der Herrlichkeit. Aber letztendlich ist in letzter Instanz das Reich Gottes, von dem Lukas hier spricht und von dem der Engel Gabriel spricht, das Reich Gottes, das noch in der Zukunft liegt. Christus wird der König sein für alle Ewigkeit auf dem Thron Davids auf dieser Erde. Und deswegen ist Lukas 1 also durchaus nicht nur eine erbauliche Geschichte, wo wir zurückschauen und sagen: „Naja, der Engel hat gesprochen, es hat sich erfüllt.“ Wir sind immer noch quasi in der Prophezeiung des Engels. Es ist noch nicht ans Ende gelangt. Wir warten noch darauf, dass Jesus vollständig den Thron Davids übernimmt. Das heißt an anderer Stelle in der Offenbarung, dass in der siebten Posaune die Reiche der Welt ihm gegeben werden. In Offenbarung 7, in Daniel 7 im Untersuchungsgericht wird ihm das Königtum verliehen. Und dann kommt er als König der Könige bei der Wiederkunft. Ja, ganz genau.

[39:17] Und damit seht ihr, dass auch im Neuen Testament, nicht nur im Alten, das Erste Kommen und das Zweite Kommen eng verknüpft sind. Obwohl es zeitlich weit auseinanderliegt und die Juden das zeitlich miteinander verbunden haben, müssen wir es zumindest gedanklich immer zusammen sehen. Das Erste Kommen oder das Zweite oder das Zweite oder das Erste machen keinen Sinn. Der Engel kommt ja, um zu sagen, Jesus wird jetzt geboren werden, erstes Ankommen. Aber gleichzeitig weist er schon mit seiner Sprache auf die Wiederkunft hin. Darauf, dass er auf dem Thron Davids sitzen wird und über ganz Israel regieren wird, in einem Reich, das kein Ende haben wird. Und das ist für uns wichtig, weil wir leben jetzt in dieser Zeit vor der zweiten Wiederkunft. Also vor der Wiederkunft. Und deswegen ist Lukas 1 auch so interessant für uns. Ganz genau. Ganz genau.

[40:22] Es ist ein Teil, den Jesus macht, ein Teil, den wir zu tun haben. Schauen wir zurück zu Lukas 1. Also glaubt ihr, die Maria hat verstanden, dass das hier außergewöhnliche Worte sind? Also sie hat verstanden, das sind die Prophezeiungen, auf die er anspielt, die auf den Messias hinweisen. Sie hat wahrscheinlich nicht genau verstanden, was die Aufgabe des Messias ist. Wahrscheinlich, ich gehe davon aus, dass auch Maria wirklich geglaubt hat, wenn der Messias kommt, vertreibt er die Römer. Und das war wahrscheinlich für sie schon eine große Sache genug. Aber Gottes Plan war natürlich viel, viel größer.

[40:55] Jetzt Lukas 1 und dort Vers 35. Was hat Zacharias gemacht, nachdem der Engel ihm alles erklärt hat? Was hat er als erstes danach gesagt? Er hat gezweifelt und welche Worte hat er verwendet? Was waren seine genauen Worte? Genau: „Woran soll ich das erkennen?“ Mit anderen Worten: „Gib mir ein Zeichen.“ Jetzt sagt die Maria: „Woran soll ich das erkennen?“ Nicht wirklich. Sie stellt zwar auch eine Frage. Beide stellen eine Frage. Beide sind sich nicht ganz sicher. Aber Zacharias will ein Zeichen wissen. Aber was will sie wissen? Ja, sie fragt: „Wie soll das gehen?“ Wie soll das praktisch funktionieren?

[41:52] Also Zacharias hat echt einen Unglauben, weil mit all den Zeichen vor ihm in der Bibel, in seinem Kopf, sagt er: „Woran soll ich das erkennen?“ Er sagt nicht: „Wie soll das gehen?“ Er sagt: „Woran soll ich das erkennen? Gib mir irgendein Zeichen, dass es wirklich so ist.“ Aber sie möchte einfach informatorisch wissen, wie soll das funktionieren? Denn in der ersten Geschichte ging es um ein oft gesehenes Wunder. Ein Wunder, ja, aber das hat es schon oft gegeben. Sarah, Rebekka, Rahel, Hannah, die Frau von Manoach. Oft gewesen. Großes Wunder, aber schon oft da gewesen. Hier geht es um ein Wunder, das hat es noch nie gegeben. Kein Mensch, wahrscheinlich kein Engel konnte sich vorstellen, wie das funktionieren soll. Und das macht den Unterschied aus. Der eine fragt mit tausend Beweisen vor seinem Kopf: „Wie soll das gehen?“ Und sie fragt einfach die selbstverständliche Frage: „Wie soll das gehen?“

[42:56] Also, wie soll es gehen? Die Erklärung des Engels folgt auf dem Fuße. Vers 35. „Und der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden.“

[43:17] Diese Worte sind wirklich tiefsinnig und ich glaube, bis ins Letzte können wir sie gar nicht verstehen. Ellen G. White sagt uns, dass die Menschwerdung Jesu zu den unerklärlichsten Geheimnissen gehört überhaupt. Man kann vieles begreifen, man kann verstehen, dass Jesus von der Genetik und von der Vererbung Marias mit beeinflusst war. Man kann verstehen, dass er von Gottes Geist beeinflusst war und deswegen das Heilige genannt wurde und nicht einfach so war, nur wie die Menschen. Aber wie genau und wann und das ist heiliger Boden. Da sollten wir nicht zu sehr spekulieren. Aber der Punkt ist der: Warum heißt es, „der heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten?“ Habt ihr eine Idee, was dieses Wort „überschatten“ deutlich machen soll? Ja, Psalmenschutz, der im Schatten des Allmächtigen. Ja, genau.

[44:18] Das ist ganz genau. Gibt verschiedene Verse. Schlagt mal noch einen auf mit mir, Lukas 8. Lukas 9. Lukas 9 und dort Vers 34. Lukas 9 Vers 34, das ist ganz, ganz interessant hier. Das heißt es, dass das gleiche Wort, das hier verwendet wird von Lukas. Lukas 9 Vers 34: „Während er bei dies redete, kam eine was? Eine, eine was? Eine, eine, eine Wolke und überschattete sie.“ Und wer ist in der Wolke drinnen hier in Lukas 9? Der Vater. „Dies ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.“ Also hier haben wir das Bild von einer Wolke, in der Gott ist und sie überschattet Personen, ja. Eine Wolke, in der Gott ist. Woran erinnert euch das? Als Jesus am Kreuz starb und der Vater sich in eine Wolke gehüllt hat, ja. Die Wolkensäule in der Wüste. Und da gibt es eine ganz interessante Geschichte, nämlich als das Heiligtum, das Zelt aufgebaut wurde und als alles fertig war, was ist dann passiert? Dann kam die Wolke mit der Herrlichkeit Gottes, mit Gott selbst und die Wolke hat dann buchstäblich das Heiligtum überschattet. Und dann war Gottes Gegenwart im Zelt. Von außen war es immer noch das Zelt, aber innen drin war Gott. Es heißt in Johannes 1: „Das Wort wurde Fleisch und wir sahen seine Herrlichkeit. Er wohnte unter uns, er zeltete unter uns.“ Mit anderen Worten, es sieht so aus, als ob diese Geschichten im Alten Testament, wenn die Menschen ein Heiligtum bauen, eine Stiftshütte, einen Tempel und dann kommt Gottes Wolke, Gottes Gegenwart und füllt den Tempel, ja. Wo sich also das Menschliche mit dem Göttlichen so symbolisch verbindet, dass das eine symbolische Darstellung war, wie Gott es schaffen würde, dass Mensch und Gott eins werden, dass der Heilige Geist die Maria überschatten würde.

[46:54] Ja, ganz genau. Schauen wir nochmal, gehen wir zum Ende, zu Lukas 1 nochmal zurück. Also, diese Stelle ist wirklich gewaltig. Vielleicht, wenn ihr mal darauf gestoßen seid, dass es hier heißt: „Kraft des Höchsten wird dich überschatten.“ Dieser Vers ist immer so ein Lieblingsvers von Leuten, die sagen, der Heilige Geist ist nur eine Kraft. Die sagen: „Schau her, hier spricht es vom Heiligen Geist und dann wird er eine Kraft genannt. Das ist doch so unpersönlich.“ Ja. Wenn ihr das mal hört, schlagt einfach vor, den Vers weiterzulesen, denn wie wird Jesus in diesem Vers noch genannt? Wie wird er genannt? Wie wird Jesus in diesem Vers noch genannt? „Sohn Gottes“ und? Nicht der Heilige, sondern „das Heilige“. Das ist im Griechischen genauso wie im Deutschen sächlich, unpersönlich. Also, Jesus wird das Heilige genannt. Müssen wir deswegen Schlussfolgern, dass Jesus keine Person ist? Nein, ja. Also, das ist durchaus möglich in der Bibel, dass Personen auch mit sächlichen, unpersönlichen Bildern und Beschreibungen beschrieben werden. Das nur als Hinweis noch zum Thema Kraft und Heiliger Geist.

[48:19] Übrigens, Jesus wurde tatsächlich durch die Menschwerdung in einem ganz neuen Sinn Gottes Sohn. Er war Gottes Sohn in einem bestimmten Sinn schon seit langer Zeit vorher, aber durch diese Menschwerdung wurde er in einem ganz neuen Sinn Gottes Sohn. Deswegen heißt es auch: „Deshalb wird oder darum wird das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden.“

[48:50] Vers 36. Lukas 1, Vers 36. „Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, hat auch einen Sohn empfangen in ihrem Alter und ist jetzt im sechsten Monat, sie, die vorher unfruchtbar genannt wurde.“ Und jetzt sieht man wieder, wie diese beiden Geschichten zusammenhängen. Stellt euch vor, die Elisabeth und der Zacharias wären am Ende völlig ungläubig geworden und hätten das nicht angenommen. Dann hätte dem Gabriel ein gutes Argument gefehlt, um der Maria zu sagen: „Hey, du, das ist möglich.“ Also unterschätzen wir das nicht. Wenn wir Gott glauben und Gottes Wort für uns in Anspruch nehmen, dann werden wir selbst zu einem Argument, das andere überzeugen kann. Weil Elisabeth so gläubig gewesen ist und schwanger geworden ist, kann der Gabriel sich jetzt auf sie beziehen und der Maria Mut machen und sagen: „Schau mal, was deiner Verwandten passiert ist.“ Da sieht man, wie jedes einzelne Glaubensleben miteinander verwoben ist. Je nachdem, ob wir im Glauben handeln oder nicht, sind wir entweder Argumente für die Wahrheit oder eben nicht. Elisabeth war ein Argument für Gottes Treue und das gefällt mir. Das ist eine sehr, sehr, sehr wichtige Sache.

[50:15] Vers 37, ganz am Ende, fast am Ende, ist dann die ganze Kernidee des Verses, oder? „Denn bei Gott sind wie viele Dinge unmöglich?“ Gar nichts. Kein Ding ist unmöglich. Wenn ihr euch das aufschreiben wollt, wir können nicht alle Verse hier lesen, aber es gibt ein paar wichtige Verse, zum Beispiel 1. Mose 18, Vers 14, oder auch 1. Mose 18, Vers 14, oder auch Jeremia 32, Vers 17 und 27. Das sind auch Verse, wo Gott sagt: „Gibt es irgendetwas, was ich nicht könnte?“ Der Zacharias, der hat schon gezweifelt bei Dingen, die Gott schon früher gemacht hat. Aber das Spannende ist: Trotz all dieser vielen negativen Umstände zweifelt Maria nicht. Sie fragt nur: „Wie soll es eigentlich funktionieren?“ Das habe ich ja noch nie gehört. Aber als der Engel ihr das erklärt, das Unaussprechliche, dass Gott und sie kooperieren würden auf eine Art und Weise, die weder sie noch wir richtig verstehen, dann sagt sie in Vers 38: „Maria aber sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn.“ Das ist die weibliche Form von „Siehe, ich bin der Knecht des Herrn.“ „Knecht des Herrn“ gibt es relativ oft im Alten Testament, im Neuen Testament. Sie sagt: „Ich bin die Magd des Herrn.“ Sie kann nicht sagen: „Ich bin Knecht des Herrn“, weil sie Frau ist, aber es ist der gleiche Gedanke. Und dann sagt sie: „Mir geschehe nach deinem Wort.“

[52:00] Wisst ihr noch, was die Definition von Glaube ist? Wahrer Glaube ist Leben aus jedem Wort. Das ist rettender, wahrer Glaube, den die Maria hier an den Tag legt. Sie vertraut dem Wort Gottes, auch wenn es so unvorstellbar ist, dass noch nie jemand in 4000 Jahren Menschheitsgeschichte sowas gehört hat. Sie vertraut. Während der Zacharias bei Dingen, die man schon oft gehört hat, die schwarz auf weiß in der Bibel stehen, gesagt hat: „Ich weiß nicht so genau.“ Und damit werden diese beiden Geschichten zu einem Kontrast von zwei Gruppen von Menschen. Dass die eine Gruppe, die sind wie Zacharias, die haben alle Privilegien, leben in der berühmtesten Stadt, in der größten Stadt, in der heiligen Stadt, in der Hauptstadt. Er ist verheiratet, er ist alt, er ist weise, er ist ein Lehrer des Gesetzes, ein Priester, hat alles vor Augen und glaubt auch nicht so richtig. Und dann ist diese junge Frau, hat wahrscheinlich keinen großen Schulabschluss gemacht. Sie kennt die Bibel, aber mehr auch nicht. Irgendwo in so einem vergessenen Bergdorf, das für seine Perversion berüchtigt ist, in diesem dunklen, heidnischen Gebiet Galiläa. Und sie glaubt es einfach, weil es Gott gesagt hat.

[53:25] Frage: Könnt ihr euch vorstellen, was der Lukas damit bezweckt hat, als er diese beiden Geschichten direkt nebeneinander gelegt hat? Was war wohl sein Hintergedanke? Ja, um zu sagen, wir müssen Gott vertrauen.

[53:50] Versucht euch in die Lage des Lukas hineinzusetzen. Der wählt die beiden Geschichten ja bewusst aus. Markus, Matthäus, Johannes, die haben alle die Geschichten nicht, aber er wählt die beiden Geschichten aus und stellt sie nebeneinander und sagt: „Lieber Leser, bevor du das weitere liest, lies diese beiden Geschichten.“ Warum wohl? Hat jemand eine Idee? Zur Stärkung des Glaubens. Ihr wisst ja, der Lukas schreibt an den Theophilus und sagt: „Damit du die Gewissheit erkennst, damit du wirklich fest gegründet bist.“ Wer war denn nochmal der Adressatenkreis des Lukas? Wollen ja nicht vergessen, was wir schon gelernt haben. An wen hat er sich dann gewandt? An alle, also insbesondere auch an die Heiden. Nicht wie Matthäus nur für die Juden, sondern auch für die Griechen.

[54:45] Frage: Wenn ihr ein Buch schreibt für griechischsprachige Leute, würdet ihr nicht auch übereinstimmen, dass man versucht, Geschichten auszuwählen, die ihnen Mut machen? Jetzt, wenn ich ein Grieche wäre, ein Heide, mit welcher der beiden Personen könnte ich mich wohl besser identifizieren? Mit Zacharias oder mit Maria? Also denk mal nach. Angenommen, ich bin ein Leser der Bibel, aber ich komme irgendwo aus Griechenland, aus Rom, aus Libyen. Und ich lese dort von dem Priester des Gesetzes, der heißt „der Herr gedenkt“, der kennt die Bibel auswendig. Er ist in Jerusalem und so weiter. Und dann lese ich von einer jungen Frau, die heißt „Rebellion“. Ist keine Gesetzeslehrerin, wohnt irgendwo inmitten der Heiden. Würdet ihr nicht auch sagen, dass die Griechen gesagt haben: „Uns geht es so ähnlich wie der Maria. Wir leben auch irgendwo in dunklen Ecken der Erde, geistlich dunklen Ecken der Erde wie in Galiläa. Und wir hören Dinge in der Bibel, die wir noch nie zuvor gehört haben.“ Also ich glaube, der Lukas hat im Hinterkopf gehabt, mit dem Zacharias symbolisch das jüdische Volk zu beschreiben, die alles wussten aus der Bibel und trotzdem so schwach waren im Glauben. Während die Heiden, die so wenig wussten, Dinge, die sie noch nie vorher gehört haben, angenommen haben, so wie der römische Hauptmann und andere. Jesus ihnen dann gesagt hat: „Dein Glaube ist groß.“

[56:38] Also die Geschichte und die Geschichte hängen eng zusammen. Derselbe Engel, selbe Botschaft, zum Teil fast wortwörtlich dieselbe Botschaft und doch so großer Unterschied. So viel Vorteil, so viel Nachteil. Und das Kuriose ist, er glaubt nicht, sie glaubt. Das bedeutet, egal wie toll unsere Umstände sind, wir können trotzdem ungehorsam sein. Und egal wie unvorteilhaft unsere Umstände sind, wir können doch glauben.

[57:08] Kennt ihr in der Bibel noch eine andere Geschichte oder zwei Geschichten, die deutlich machen, dass egal wie gut es einem geht, man kann trotzdem sündigen und egal wie schlecht es einem geht, man kann trotzdem gehorsam sein? David? Nathan? Ja? Hiob? Also, wer war jemals als Mensch in der günstigsten Situation, Gott gehorsam zu sein? Adam! Im Paradies, oder? Was hat er gemacht? Er hat gesündigt. Wer war jemals in der ungünstigsten Situation, gehorsam zu sein? Jesus, und zwar wo? In der Wüste. 40 Tage nicht gegessen, so gut wie tot. Und dann kommt nicht irgendein Dämon, sondern der größte aller gefallenen Engel und verführt ihn buchstäblich. Aber er ist gehorsam. Im Paradies gefallen, in der Wüste gehorsam gewesen. Das zeigt genau dieselbe Geschichte. Am Ende hängt es nicht an den Umständen. Und das möchte Lukas seinem griechischen Leserkreis deutlich machen. Egal wie viel ihr wisst von der Bibel, egal wie lange eure Geschlechtsregister sind, wenn ihr Glauben habt, wie diese rebellische, also ihr Name, Jungfrau, dann kann Gott Gewaltiges durch euch tun. Und diese Lektion dürfen wir lernen auch, dass wenn wir glauben, wie Maria: „Ich bin der Knecht des Herrn, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach dem Wort Gottes“, dann ist nichts unmöglich. Paulus sagt: „Ich vermag alles durch den, der mich stark macht.“

[59:00] Wollen wir heute auch sagen: „Wer von euch möchte sagen: Ich bin die Magd des Herrn, ich bin der Knecht des Herrn, mir geschehe nach seinem Wort?“ Dann lasst uns noch gemeinsam beten und dazu niederknien. Lieber Vater im Himmel, wir danken dir so sehr für das, was wir lesen durften und lernen durften aus deinem Wort und so viele verschiedene Gedanken, die du dort hineingelegt hast und die zeigen, wie bewusst die Schreiber der Bibel auch diese Geschichten aufgeschrieben haben, um uns auf geistliche Wahrheiten zu stoßen. Bitte schenkt uns immer diesen Blick für die Details in der Bibel und auch trotzdem auch den Blick für das große Ganze, damit wir sehen, was du uns sagen möchtest. Und wir möchten unser Leben dir in die Hände legen, wir möchten dich bitten, dass du das an uns erfüllst, was dein Wort sagt, dass wir zu Knechten und Mägden für dich werden und dass die Aufgaben, die du uns gibst und wenn sie noch so unfassbar groß sind, dass wir wissen dürfen: Bei dir ist kein Ding unmöglich. Dafür danken wir dir von ganzem Herzen. Amen.


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