[0:30] Hallo und herzlich willkommen zu unserem Seminar "Der Ersehnte". Schön, dass ihr heute Abend da seid. Schön, dass ihr eingeschaltet habt auf joelmedia.tv.de. Folge 73. Wir sind mitten in der Bergpredigt und jetzt geht es ans Eingemachte. Jesus ist ja dabei zu zeigen, worum es wirklich bei den Zehn Geboten geht. Wir haben das lang und breit erklärt. In der letzten Folge haben wir gesehen, dass er deutlich gemacht hat, dass vom Gebot kein Strich, kein Buchstabe abgetan wird, sondern dass alles erfüllt wird. Wir haben darüber gesprochen, was es bedeutet, das Gesetz zu erfüllen, und wir wollen uns heute die nächsten Verse anschauen und wollen mit einem Gebet starten. Dazu lade ich euch ein, niederzuknien.
[1:23] Lieber Vater im Himmel, wir danken dir, dass wir in deinem Wort die Kraft und die Hoffnung und den Trost finden, den wir brauchen für unser Leben. Wenn wir jetzt diese wenigen Verse anschauen, die Jesus damals auf dem Berg gepredigt hat, bitten wir dich, dass sie ihre volle Kraft entfalten und uns dein Wesen zeigen und uns begeistern für dein Wort, begeistern für die Nachfolge Jesu und uns dazu führen, ganz dir und niemals uns zu vertrauen. Im Namen Jesu, Amen.
[2:04] Matthäus 5 ab Vers 21. Jesus hatte in Vers 20 etwas Außergewöhnliches gesagt. Könnt ihr euch daran erinnern, was er in Vers 20 gesagt hat? Vielleicht können wir das kurz nochmal mit eigenen Worten wiedergeben, weil das ist eigentlich so die Überleitung zu dem, was jetzt kommt. Was hatte Jesus in Vers 20 mit euren eigenen Worten formuliert gesagt? In Vers 20.
[2:37] Genau, er hat gesagt: Ihr glaubt, die Pharisäer sind die Heiligsten, weil sie das Gesetz genau einhalten. Ihr glaubt, die Schriftgelehrten sind die Größten und die Besten und die werden ins Gottesreich kommen. Ich sage euch, ihr müsst noch viel gerechter sein und noch viel genauer das Gesetz Gottes einhalten als die Pharisäer. Und das ist eigentlich der Hintergrund für seine jetzige Ausführung. Jetzt beginnt er nämlich anhand von Beispielen zu zeigen, dass tatsächlich nach Gottes Ansicht die Gerechtigkeit der Pharisäer noch überhaupt gar nicht ausreicht. Ihr Verständnis vom Gesetz ist nicht zu tief, sondern zu oberflächlich. Und was jetzt kommt in mehreren Beispielen soll eigentlich Vers 20 illustrieren. Jesus will jetzt die Gerechtigkeit darstellen, von der die Pharisäer noch gar nichts wissen, obwohl man die Pharisäer schon für besonders gesetzestreu hält. Schauen wir mal in Vers 21. Jesus wählt eines der zehn Gebote aus, um seinen Punkt deutlich zu machen. Welches Gebot wählt er aus? Welches Gebot wählt er in Vers 21 aus? Das ist das Gebot Nummer? Das ist das sechste Gebot, genau.
[3:55] Vers 21: "Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten. Wer aber tötet, der wird dem Gericht verfallen sein." Es geht ja darum, um die Zehn Gebote. Wir haben gelernt, Jesus steht auf dem Berg, um die Zehn Gebote zu illustrieren. Er hat sie auch auf dem Berg Sinai gegeben. Und die Pharisäer hatten den Eindruck, die Lehre Jesu nimmt die Zehn Gebote unwichtig. Und Jesus sagt: Nein, ich erkläre euch jetzt die Zehn Gebote. Glaubt ihr, die Zehn Gebote sind wichtig? Sind enorm wichtig. Und deswegen ist die Auslegung Jesu der Zehn Gebote eines der wichtigsten Dinge, die man überhaupt in der Bibel finden kann.
[4:48] "Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten." Seit wann gibt es das Verbot, dass Menschen andere umbringen, nicht umbringen dürfen? Seit Anfang, oder? Schon bei Abel und Kain war es eine Sünde für Kain, den Abel umzubringen. Schauen wir noch in 1. Mose 9, Vers 5 und 6. Das ist direkt nach der Sintflut. Und schaut mal, was dort steht. 1. Mose 9, Vers 5 und 6: "Jedoch euer eigenes Blut will ich fordern. Von der Hand aller Tiere will ich es fordern. Und von der Hand des Menschen, von der Hand seines Bruders will ich das Leben des Menschen fordern. Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll auch durch Menschen vergossen werden. Denn im Bild Gottes hat er den Menschen gemacht." Also lange vor dem Sinai hat Gott eindeutig das Töten verboten. Also, übrigens, wie oft kommen die Zehn Gebote der Bibel vor? Dem Wortlaut nach? Zweimal. Einmal in 2. Mose 20 und einmal in 5. Mose, Kapitel 5. Genau. Jedes Mal wird das natürlich dort auch erwähnt. Und so haben die Pharisäer und die Schriftgelehrten und alle Juden gelesen: Du sollst nicht töten und waren darauf bedacht, niemanden umzubringen.
[6:10] Schaut nochmal zurück in Matthäus 5, Vers 21. Die Frage war, was soll man tun mit jemandem, der getötet hat? Also, wenn man jetzt in einer kleinen Stadt lebt, wie Nazareth oder Hebron oder Bethlehem oder so, und jemand hat einen anderen umgebracht. Was sollte getan werden? Schaut mal in Vers 21. Was war die Praxis? Was hat man mit demjenigen gemacht? Diese Zufluchtsorte waren für alle Totschläger. Es gibt in der Bibel einen Unterschied zwischen dem Mörder und dem Totschläger. Was ist der Unterschied? Genau. Wer mit Absicht jemanden umbringt, der konnte auch von einer Zufluchtsstadt nicht mehr gerettet werden. Aber für die, die unabsichtlich, ja, beim Holzhacken oder so, wenn sich die Axt löst und jemand stirbt, konnte man so eine Zufluchtsstadt finden. Aber was sollte mit dem getan werden, der tatsächlich als Mörder auftritt und jemand anderes umbringt? Er wird dem Gericht verfallen sein. Und das ist hier an der Stelle jetzt sehr interessant. Die Juden hatten die Praxis, dass Kriminelle von einem örtlichen Gericht untersucht wurden. Da gab es so Gerichte, die bestanden aus 23 Personen. Also, wenn es in dem Dorf einen Mordfall gab, der Mörder wurde geschnappt, dann kam er in das örtliche Gericht. Da gab es 23 Richter und wenn die zum Schluss kamen, der Mörder ist schuldig, dann wurde er mit dem Tode bestraft, entweder durch Erhängen oder durch Köpfen. Die durften nicht die Strafe der Steinigung aussprechen. Das war nur dem Hohen Rat vorbehalten.
[8:06] Schauen wir mit mir in 2. Mose 21. Gott hatte klare und deutliche Anweisungen gegeben: Ein Mörder soll getötet werden. 2. Mose 21, Vers 12 bis 14: "Wer einen Menschen schlägt, dass er stirbt, der soll unbedingt sterben. Hat er ihm aber nicht nachgestellt, sondern hat Gott es seiner Hand geschehen lassen, so will ich dir einen Ort bestimmen, wohin er fliehen soll." Das ist die Zufluchtsstätte. Vers 14: "Wenn aber jemand gegen seinen Nächsten vorsätzlich handelt, so dass er ihn vorsätzlich umbringt, sogar von meinem Altar sollst du ihn wegholen, damit er stirbt." Ich kenne eine Geschichte im Alten Testament, wo jemand vom Altar Gottes weggeholt worden ist, weil er als vorsätzlicher Mörder dann getötet werden sollte. Der Bruder? Der Feldherr, der Joab. Der hatte sowohl Abner als auch Amasa auf seinem Gewissen, die er völlig grundlos umgebracht hatte, und bei dem fand das dann so statt.
[9:21] Also, Jesus sagt, das ist der Status Quo. Ihr kennt das alte Gebot: Du sollst nicht töten. Steht in 2. Mose, steht in 5. Mose. Und was ihr macht, wenn jemand getötet hat: Er wird bestraft. Es gibt ein Gericht, das beurteilt das.
[9:31] Vers 22: "Ich aber sage euch." Jetzt, viele Leute sagen, Jesus zitiert das Alte Testament, um es jetzt auf den Kopf zu stellen, oder? "Ihr habt gehört, ich aber sage euch." So als ob Jesus jetzt einen Kontrast bringt. Könnt ihr mir sagen, warum sagt Jesus: "Das ist gesagt worden, ich aber sage euch" mit welcher Autorität konnte er sagen: "Ich sage euch jetzt folgendes zu den Zehn Geboten"? Er war derjenige, der die Zehn Gebote überhaupt gegeben hatte. Noch ein Grund, warum er mit dieser Autorität sagen konnte: "Ich sage euch."
[10:14] Schaut mal mit mir in 5. Mose. 5. Mose 18, das ist eigentlich die Erfüllung einer ganz spezifischen Prophetie. Schaut mal in 5. Mose 18 und dort ab Vers 15. Eine der bekanntesten messianischen Prophezeiungen, die die Juden so vor sich hatten, die immer wieder auch im Neuen Testament, auch dann in Apostelgeschichte zitiert wird. 5. Mose 18, ab Vers 15: "Einen Propheten wie mich wird dir der Herr, dein Gott, erwecken. Aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern. Auf ihn sollst du hören." Vers 16: "Ganz so, wie du es von dem Herrn, deinem Gott, am Horeb erbeten hast, am Tag der Versammlung, in dem du sprachst: Ich will von nun an die Stimme des Herrn, meines Gottes, nicht mehr hören und das große Feuer nicht mehr sehen, damit ich nicht sterbe."
[11:10] Jetzt Achtung: Horeb ist welcher Berg? Sinai. Was haben sie am Sinai bekommen, als es donnerte und blitzte? Die Zehn Gebote. Was hat das Volk gesagt? Wir wollen nicht mehr hören, weil schon das, was sie hörten, schon der Wortlaut: "Du sollst nicht töten" war für sie: Wer kann da noch leben? Aber Gott macht hier deutlich: Ich wollte euch noch mehr sagen. Seht ihr das? Er sagt, da ihr ja zu dem Zeitpunkt mich nicht mehr hören wolltet und ich gesagt habe: Okay, so viel erst mal bis hierhin, mehr vertragt ihr nicht, werde ich euch jemand anderen senden, der dann meine Worte weiter sagen wird. Die Idee ist also, dass Gott schon im Alten Testament sagt: Ich hätte euch noch mehr zu sagen gehabt zum Gesetz, aber ihr wolltet ja nicht hören, deswegen haben wir erst mal den alten Bund gemacht. Aber wisst, da kommt jemand, der genau zu dem Gesetz Gottes, das am Sinai gegeben worden ist, noch mehr zu sagen hat. Und wenn der kommt, dann solltet ihr was machen? Hören. Und hören muss man tun, wenn der andere spricht. "Ich aber sage euch."
[12:22] Und dann in Vers 18: "Ich will ihnen einen Propheten wie du es bist, aus der Mitte ihrer Brüder erwecken und meine Worte in seinen Mund legen, der soll alles zu ihnen reden, was ich ihm gebieten werde. Und es wird geschehen, Vers 19: Wer auf meine Worte nicht hören will, die er in meinem Namen reden wird, von dem will ich es fordern." Mit anderen Worten, dieser kommende Prophet, der hat die gleiche Autorität, wie es hier am Sinai geschehen ist. Er soll das Gesetz Gottes in Anführungsstrichen weiterführen oder das noch sagen, was Gott auch gerne schon am Sinai gesagt hätte, wozu er aber nicht mehr kam. Jesus gibt an der Bergpredigt nicht eine neue Sicht, sondern er vervollständigt nur das, was schon immer galt, aber was Gott am Sinai nicht mehr alles sagen konnte, weil die Israeliten schon gesagt hatten: Zu viel, zu viel, zu viel.
[13:14] Das ist, wie wenn man eine Bibelstunde geben möchte und man hat 30 Bibelfersen vorbereitet und schon nach sechs Bibelfersen sagt der andere: Das überfordert mich total, da muss ich erstmal eine Woche drüber nachdenken. Und wenn man dann eine Woche später kommt und die anderen 23 Bibelfersen nimmt oder 24, dann hatte man die von vornherein geplant, aber sie waren am Anfang zu viel, weil die Person es noch nicht aufnehmen konnte. Also, was Jesus sagt, ist nicht eine neue Ergänzung, sondern das, was Gott schon immer vorgesehen hatte und was auch im Neuen, im Alten Testament schon stand.
[13:49] Schaut mal in 3. Mose 19, nur dass wir das ganz deutlich sehen. 3. Mose 19. Ihr wisst ja, Jesus sagt: "Ich aber sage euch" und dann spricht er über die Gedanken und Worte, statt über die Faustschläge. Schaut mal in 3. Mose 19, 3. Mose 19, Vers 17 und 18. 3. Mose 19, Vers 17 und 18: "Dort sagt Gott: Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, sondern du sollst deinen Nächsten ernstlich zurechtweisen, dass du nicht deine Dinge schuld tragen musst. Du sollst nicht Rache üben, noch Groll behalten gegen die Kinder deines Volkes, sondern du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst, spricht der Herr. Ich bin der Herr." Wenn also Jesus jetzt kommt und sagt: "Ich aber sage euch, du sollst nicht gegen deinen Bruder ohne Ursache zürnen", hat er etwas Neues gesagt? Ja oder nein? Nichts Neues.
[14:46] Also, wir sehen dasselbe wie bei den Seligpreisungen. Jesus sagt eigentlich nur das, was im Alten Testament schon angelegt ist, nur was die Pharisäer nicht so richtig gesehen haben. Also, mir ist das ganz wichtig, weil dieser Gedanke, auch in christlichen, manchmal sogar in adventistischen Kreisen rumspukt, dass Jesus irgendwie hier so quasi so eine Veränderung vornimmt. Überhaupt gar nicht.
[15:10] Vers 22: "Ich aber sage euch: Jeder, der seinen Bruder ohne Ursache zürnt, wird dem Gericht verfallen sein." Schon an der Stelle ist eigentlich eine enorme Sensation. Er sagt, nicht derjenige, der einen anderen umbringt, kommt in das örtliche Gericht mit 23 Richtern, sondern wer schon zürnt. Frage: Kennt ihr Geschichten in der Bibel, wo jemand ohne Ursache dem anderen gezürnt hat? Sammeln wir mal. Geschichten in der Bibel, wo jemand dem anderen ohne Ursache gezürnt hat. Kain hat dem Abel gezürnt. Was war die Folge? Er hat ihn später umgebracht. Okay. Andere Geschichte, die sich einfällt, wo jemand ohne Ursache dem anderen zürnt. Saul zürnte wem? Dem David ohne Ursache, weil die Cheerleader, also die Frauen, die nach dem Sieg da gesungen haben, ihn mehr gelobt haben als den Saul. Was hat der Saul am liebsten mit David dann gemacht? Er wollte ihn mehrmals töten. Ist ihm zwar nicht gelungen, aber die Intention war eindeutig da. Der Speer steckte in der Wand. Andere Geschichten, wo jemand einem anderen ohne Ursache gezürnt hat. Die Brüder von Josef zürnten mehr oder weniger ohne Ursache. Vielleicht war er mit 17 noch ein bisschen, wie soll man sagen, aber eigentlich war es ohne Ursache. Und was wollten sie mit ihm machen? Sie wollten ihn umbringen und haben ihn dann nur verkauft, was eigentlich fast noch dramatischer war. Okay, andere Geschichten. Mose, wem hat er gezürnt oder wem wurde er gezürnt? Das Volk hatte Mose gezürnt ohne Ursache, oder? Und was sagt Mose einmal? "Es fehlt nicht viel und sie steinigen mich." Okay, kennt ihr noch Geschichten? Ja, das Volk zürnt dem Kaleb und dem Josua und wollen ihn umbringen. Kennt ihr die Geschichte von Haman und Mordechai? Haman zürnt dem Mordechai und will ihn umbringen. Ahab zürnt dem Naboth ohne Ursache, will ihn umbringen.
[17:33] Die Idee ist, der Zorn führt, wenn er nur lange genug im Herzen bewegt wird, fast immer zu einer tatsächlichen bösen Tat. Ja, wir können also sehen, wenn Menschen in der Bibel als Mörder auftreten, dann deswegen, weil sie vorher diesen Groll gehegt haben. Das ist etwas, das man im Alten Testament schon sehr deutlich sieht. Jesus sagt also, wenn du deinem Bruder ohne Ursache zürnst, dann bist du eigentlich de facto schon ein Mörder im Ansatz.
[18:01] Schaut mal in 1. Johannes 3, Vers 15. Und was Jesus hier macht, ist sehr deutlich. Er zeigt, was für ein Geist hinter den Buchstaben sind. Die Buchstaben sagen: Du sollst nicht töten. Aber der Geist dahinter sagt, das ist eine geistliche Sache und jede unbegründete Aversion gegen meinen Bruder ist aus demselben Geist, nämlich dem Geist Satans.
[18:34] 1. Johannes 3, Vers 15: "Jeder, der seinen Bruder hasst, ist ein was? Ein Mörder." Johannes, der ja da am Kreuz saß neben Jesus, der hat das verstanden. "Jeder, der seinen Bruder hasst, ist ein Mörder." Und Bruder bezieht sich ja auch auf die Geschwister einer Gemeinde. "Und ihr wisst, dass kein Mörder ewiges Leben bleibend in sich hat." Das heißt, jemand, der ohne Ursache seinem Bruder, seiner Schwester zornig gegenüber ist, sie beneidet, sie ihr zürnt, der kann nicht gleichzeitig darauf vertrauen, dass er das ewige Leben hat. Das ist ein sehr wichtiger Punkt.
[19:20] Wenn wir schon in 1. Johannes 3 sind, schaut mal in Vers 10. "Daran sind die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels offenbar. Jeder, der nicht Gerechtigkeit übt, ist nicht aus Gott. Ebenso, wer seinen Bruder nicht liebt." Oder 1. Johannes 2, Vers 9. Johannes schreibt eine ganze Menge darüber. 1. Johannes 2, Vers 9: "Wer sagt, dass er im Licht ist und doch seinen Bruder hasst, der ist noch immer in der Finsternis."
[19:45] Die Pharisäer, die hatten das. Die haben gesagt: Wir sind im Licht, weil wir haben die Zehn Gebote. Wir wissen, du sollst nicht töten. Und sie haben Jesus gehasst. Sie haben Johannes den Teufel gehasst. Sie haben viele andere Menschen gehasst. Sie haben die Römer gehasst. Sie haben die Zöllner gehasst. Sie haben die Sadduzäer gehasst und sie haben die liberalen Pharisäer gehasst. Sie haben alle möglichen Leute gehasst in verschiedenen Stufen. Und sie dachten, sie sind im Licht, aber sie sind in der Finsternis. Könnte das vielleicht auch ein Grund sein, warum Laodizea Laodizea ist? Weil sie die Bibel kennt und trotzdem zwischenmenschlich einander beneidet, hasst, zornig ist aufeinander ohne Ursache.
[20:26] Ellen White sagt, der Rachegedanke ist der Same, aus dem die Pflanze Mord kommt. Es gibt auch den heiligen Zorn. Gott ist auch zornig und Gott, das ist nicht der Zorn hier. Hier ist ein Zorn ohne Ursache. Kennt ihr jemand, der ohne Ursache, der absolut nie eine Ursache gegeben hat und trotzdem ständig angefeindet wurde? Jesus. Der ganze große Kampf basiert darauf, dass der Satan auf Gott zornig ist, ohne Ursache. Ohne Ursache.
[21:05] Jetzt schauen wir mal zurück in Matthäus 5. Also Jesus sagt, schon wenn du zornig bist, ohne Ursache, also in dieser Haltung des Satan, die einfach rebellisch ist, im Herzen bist du schon auf dem Level, wo du dachtest, dass ein Mörder ist. Ich weiß nicht, wir würden vielleicht denken, wir sind doch gute Christen, weil wir haben jemanden umgebracht. Aber wenn wir jemals, jetzt schaut mal, das ist ein wichtiger Punkt, wenn wir jemals ohne Ursache ärgerlich auf jemanden waren, sind wir in Gottes Augen auf dem Level, wo in menschlichen Augen Mörder sind. Das ist, was Jesus sagt.
[21:51] Aber Jesus sagt, es geht noch weiter. Das Gericht ist nicht die letzte Stufe. Schaut mal in Matthäus 5 und dort Vers 21, 22 nochmal. Er sagt: "Wer aber zu seinem Bruder sagt: Raker, der wird dem Hohen Rat verfallen sein." Das Wort "Raker" heißt übersetzt, weiß das jemand? Ja, es kommt danach noch. Es heißt erstmal, wörtlich heißt es "leer" und es wird beschrieben für Leute, die nutzlos sind, die wertlos sind, die also so abwerten im Sinne von: Du bist eh nichts wert.
[22:23] Und Ellen White schreibt darüber: Sie sagt, warum ist es so böse, einem Menschen zu sagen, dass er nutzlos ist? Jesus ist für ihn gestorben und damit hat Gott jedem Menschen enormen Wert gegeben. Abgesehen davon, dass sie überhaupt schon von Gott geschaffen sind, im Bild Gottes. Aber Jesus hat einen Preis für jeden Menschen bezahlt. Wenn ich einem Menschen sage: Du bist nutzlos, du bist wertlos, dann ist das eigentlich ein Angriff auf Jesus. Und in diesem Fall, wenn es also nicht im Herzen bleibt, sondern sich sogar noch ausdrückt in so Worten, die so quasi Verachtung ausdrücken. Das muss ja nicht genau das Wort sein, "Raker", weil das Wort "Raker" hat wahrscheinlich niemand von uns jemals seinem Bruder oder Schwester in den Kopf geworfen. Aber im Sinne, dass man jemanden so verachtet, dann sagt Jesus, dann gehörst du nicht vor das Gericht mit den 23 Leuten in deinem Stadtteil, sondern wohin gehörst du dann? Schaut mal in den Text, "der wird dem Hohen Rat verfallen sein."
[23:25] Der Hohe Rat ist jetzt was für eine Gerichtsinstanz gewesen? Der Hohe Rat ist ganz im Alten Testament ganz eindeutig der Sanhedrin. Das ist der oberste Gerichtshof der Juden. 70 Mitglieder, alle verheiratet, alle mit Kindern, weil diese dann besonders warmherzig sein würden, so dachte man. Sie waren die einzigen, die die Todesstrafe durch Steinigung festlegen konnten, weswegen Stephanus durch den Sanhedrin durch Steinigung gestorben ist, weil das eine besonders schmerzhafte Form des Todes ist, anders als ein Hängen oder so. Das heißt, was Jesus sagt ist, in menschlichen, also ich bringe das mal auf unsere Ebene, in unsere Zeit. Ein Mensch in unserer Zeit, der ein Mörder ist, der gehört vor das, was weiß ich, Oberlandesgericht, wird da verurteilt. Ich weiß nicht, was das angemessene Gericht ist, aber so, kommen vor die Strafkammer, wird verurteilt. Jesus sagt, wenn du zornig bist auf jemanden, wenn du schlechte Gedanken über jemanden hast, gehörst du in Gottes Augen vor diese Strafkammer, bist wie ein Mörder. Wenn du aber das sogar mit Worten ausdrückst, deine Verachtung, gehörst du vor das Bundes, was heißt das, Bundesstrafgericht, vor dem Bundesgerichtshof, vor die oberste Instanz. Du bist jetzt schlimmer als ein gewöhnlicher Mörder in menschlichen Augen, weil du böse Gedanken ausgedrückt hast.
[24:57] Und das Ganze geht noch weiter. In Vers 22 sagt er: "Wer aber sagt: Du Narr, der wird dem höllischen Feuer verfallen sein." "Du Narr" heißt so viel wie in der Bibel. Schauen wir ganz kurz in Psalm 14 Vers 1, was die Bibel über Narren sagt oder Toren. Psalm 14 Vers 1, da heißt es, und jetzt wird es wirklich krass: Psalm 14 Vers 1: "Der Narr spricht in seinem Herzen: Es gibt kein Gott." Das heißt, wenn ich zu jemandem sage: Du Narr, sage ich, du bist ein Gottloser. Ich spreche dir den Glauben ab, du bist vom Glauben abgefallen. Ellen White sagt, dieser Begriff wurde verwendet für Abgefallene. Jetzt lasst euch das auf der Zunge zergehen: Wenn ich zu einem anderen Menschen sage: Du bist ja eh abgefallen, du bist ja gottlos, sagt Jesus, dass dieses Wort mich des höllischen Feuers, mich für das höllische Feuer qualifiziert. Und was das bewirken sollte, ist sehr klar. Da sollten wir alle weiche Knie kriegen. Deswegen sagt Jesus das, weil wir alle uns schon viel zu oft dieser Sünden schuldig gemacht haben.
[26:42] Jesus macht das so, er sagt also: Ihr denkt, wenn ein Mörder jemanden umbringt, dann kommt er vor das Gericht, vor die Strafkammer, wird weggesperrt. Ich sage euch, das wäre für jeden schon notwendig, der schlechte Gedanken hat. Wenn ihr sie mit Worten ausdrückt, kommt ihr vor das Bundesgerichtshof. Aber wenn diese Worte sogar sehr heftig sind, wenn ihr anderen den Glauben absprecht, dann bleibt nur das höllische Feuer, das Gericht Gottes. Könnt ihr jetzt verstehen, warum er vorher sagte: Wenn eure Gerechtigkeit nicht die der Pharisäer weit übertrifft? Weil die Pharisäer, deren Gerechtigkeit bestand darin: Wir töten niemanden. Jesus sagt, diese Gerechtigkeit, die Gerechtigkeit Gottes geht viel tiefer.
[27:29] Übrigens, das höllische Feuer, wörtlich heißt es das, die Hölle des Feuers. Das griechische Wort ist Gehenna. Das ist vielleicht interessant, kurz anzuschauen. Und das kommt von dem hebräischen Gehinnom. Und das Tal Hinnom, das findet man im Alten Testament, das war wo? Weiß jemand von euch, wo das Tal Hinnom war? Das heißt, wörtlich heißt das Tal Hinnom. Weiß jemand von euch, wo das Tal Hinnom war? Nie gehört? Das war neben Jerusalem. Jerusalem auf dem Berg, da gibt es ein Tal und in diesem Tal Hinnom haben die bösen Könige was gemacht? Die haben die Kinder durchs Feuer gehen lassen. Da wurden in diesem Tal Hinnom, also Manasse und so, die sind dann außerhalb der Stadt gewesen, haben da Feuer gemacht. Das war so ein enges Tal. Da kam der Rauch und das Feuer und da haben die Kinder geschrien. Einiges sind da verbrannt und deswegen, das war ein schrecklicher Ort, wo Menschen verbrannt sind. Übrigens, brannten die für alle Ewigkeit dort? Ganz wichtig, die sind verbrannt außerhalb der Stadt durch Feuer. Deswegen nennt man den Ort Tal Hinnom. Gehinnom wird auf griechisch Gehenna. Gibt es in der Offenbarung auch ein Feuer, das außerhalb von Jerusalem brennt? Am Ende der tausend Jahre, da heißt es nämlich, das Feuer vom Himmel herabkommt und die Ungläubigen verzehrt, die nämlich sich wo befinden? Außerhalb der Stadt, Jerusalem. Das ist der Grund, warum das Tal Hinnom zu einem Typus wird für das Höllenfeuer, das ja nicht unter dem Erdkern ist, sondern vom Himmel herabkommt, um die Menschen außerhalb der Stadt zu verbrennen. Also Jesus sagt, wer zu einem anderen sagt: Du Gottlose, der hat sich damit für das Feuer von Offenbarung 20 qualifiziert.
[29:35] Warum sagt Jesus das so radikal? Aus einem einfachen Grund, weil unser Verständnis von Gerechtigkeit völlig abgestumpft ist, völlig abgestumpft. Wir behandeln Mörder so, wie man eigentlich Menschen, wie Gott Menschen behandeln würde, die schlechte Gedanken haben. Wisst ihr, was der eigentliche Grund ist? Wenn man das alles liest, wie fühlt man sich dann? Wenn man das wirklich an sich ran lässt, wenn man Jesus wirklich das glaubt, wie fühlt man sich dann? Jetzt ganz ehrlich. Man fühlt sich geistlich arm, oder? Das hat Jesus am Anfang der Bergpredigt, "selig sind die geistlich Armen." Jesus will deutlich machen: Schaut mal, ihr braucht ja keine Angst, deswegen fängt er ja nicht mit den Zehn Geboten an, er fängt mit dem Erlösungsplan an. Er sagt: "Selig sind die geistlich Armen" und dann zeigt er, wie man die Erlösung erlangen kann, bis man die Gerechtigkeit hat durch die Gnade Gottes. Und dann sagt er aber: Schaut mal, falls ihr euch nicht geistlich arm fühlt, kann ich euch helfen. So ist Gottes Maßstab und er zeigt, was die Zehn Gebote wirklich bedeuten. Und jeder, der Jesus glaubt, fängt an zu sagen: Oh oh, also ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wenn ich das lese, denke ich, ich bin wirklich geistlich arm. Ohne Jesus kann man diesen Maßstab nicht erreichen, oder?
[31:09] Das heißt, die Zehn Gebote erfüllen jetzt genau die Funktion, die sie eigentlich haben sollen, sie führen uns zu Jesus und das ist so wunderbar, wie diese Bergpredigt jetzt so aufgebaut ist. Übrigens, hat Jesus jemals ein schlechtes Wort gesprochen? Und als Jesus den Satan traf, den Satan höchst persönlich am Grab von Mose, hat er nicht wenigstens da einmal so richtig zugelangt verbal? Wenn Jesus selbst mit dem Satan noch höflich umging, gibt es für einen Christen keinen Grund, jemals unhöflich zu sein. Denn wir sind dem Satan noch gar nicht begegnet, würde ich wagen. Vielleicht ein paar Dämonen, ohne es zu wissen, aber dem Satan sind wir noch nicht begegnet und Jesus ist dem Satan noch höflich entgegengetreten.
[31:52] Schau mal, Vers 21, Matthäus 5, Vers 23: "Wenn du nun deine Gabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat." Jetzt, ich habe mich mal gefragt, was hat das genau mit dem anderen zu tun? Aber der Punkt ist ein sehr simpler. In Vers 21 und 22 zeigt Jesus, dass Liebe nicht darin besteht, schlechte Gedanken zu haben. Also, wir sollen nicht schlecht denken, nicht schlecht reden und natürlich auch nicht schlecht handeln. Aber Liebe ist nicht nur das Nicht-Vorhandensein von Bösem. Also, die Liebe Gottes, die in seinem Gesetz rüberkommt, besteht nicht nur daran, dass ich sage: Ich habe nicht geschlagen, ich habe nichts Böses gesagt, ich habe nichts Böses gedacht, sondern die Liebe ist etwas Aktives, etwas Positives, etwas das auf den anderen zugeht. Es reicht also nicht einmal, dass ich sage: Ich habe das nicht gesagt und nicht getan und nicht gemacht, ich bin rein, sondern die Liebe ist etwas Aktives. Deswegen zeigt er, dass der Maßstab bezüglich Gedanken und Worte und Taten, aber die Liebe selbst ist sogar so weit, dass sie auf den anderen zugeht. Jetzt kommt es in Vers 23 und 24.
[33:16] Er zeigt offensichtlich, dass die Versöhnung wichtiger ist als der Opferdienst. Ihr kennt vielleicht auch 1. Samuel 15 Vers 22, wo Gott sagt: "Gehorsam ist besser als Schlachtopfer." Oder auch Hosea 6 Vers 6. Können wir das mal lesen vielleicht? Es gibt mehrere Beispiele im Alten Testament. Hosea 6 und dort Vers 6. Da sagt Gott hier: "Denn an, woran habe ich wohlgefallen?" An Hosea 6 Vers 6. Hat jemand das? Hosea 6 Vers 6: "Denn an Liebe, an Herzlichkeit habe ich wohlgefallen und nicht am Opfer, an der Gotteserkenntnis mehr als an Brandopfern."
[34:14] Schaut, warum hat eigentlich ein Mensch damals Opfer gebracht? Warum sahen Menschen gesagt: Ich bringe ein Opfer für Gott? Was sollte das Opfer ausdrücken? Es sollte ausdrücken, dass der Messias für sie sterben würde, oder? Es war ein Ausdruck des Glaubens an die Vergebung durch Gott und deswegen ist es so absurd, wenn jemand sagt: Ich möchte ausdrücken, dass Gott mir vergibt. Ich möchte ausdrücken, dass da ein Messias für mich sterben wird, aber ich werde mich noch nicht mit meinem Nächsten versöhnen. Ich sage, wenn du wirklich glaubst, wenn du wirklich glaubst, dass der Messias für dich stirbt, dann zeig das auch und versöhne dich erst mit deinem Nächsten, weil wenn du unversöhnlich deinen Glauben ausdrückst an den Messias, dann ist das eine Farce. Das ist ein Schauspiel, hat nichts mit dem zu tun, was Jesus eigentlich möchte. Versöhnung ist wichtiger als korrekter Opferdienst.
[35:18] Wisst ihr, was das heißt? Könnt ihr euch daran erinnern? Was war die siebte Seligpreisung? Wisst ihr noch? Wir haben das ja so lang und breit auseinander studiert. Was war die siebte Seligpreisung? Die vorletzte. "Selig sind die, die Friedensstifter, die Frieden aktiv bringen."
[35:42] Also, Jesus illustriert ja auch, was bedeutet es, dann aktiv für Frieden zu sorgen. Nicht einfach nur zu warten, dass der andere zu mir kommt, sondern den Frieden zu initiieren. Schaut mal in Römer 12, Vers 17 und 18. Römer 12, Vers 17 und 18. Auch ein wichtiger Vers. Römer 12, Vers 17 und 18: "Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Seid auf das bedacht, was in den Augen aller Menschen gut ist. Ist es möglich, so viel an euch liegt, so haltet mit allen Menschen Frieden." Haben wir bei der siebten Seligpreisung auch gesehen. Wir wissen, das wird nicht passieren, dass es nur Frieden gibt, weil der Feind ist immer noch da. Aber so viel an uns liegt, sollten wir Frieden mit allen im Auge haben.
[36:36] Und wenn wir, um das mal praktisch zu machen, hier im Gottesdienst davon singen, dass Jesus uns liebt, dass er für uns am Kreuz gestorben ist. Wir bringen heute keine Opfer mehr, aber wir singen von dem Opfer. Wir geben sogar vielleicht Geld für die Mission, also ein finanzielles Opfer. Und wir haben einen Zorn auf jemand anderen oder wir wissen, dass ein anderer Zorn auf uns hat, aber uns das egal, dann ist das eine Farce.
[37:04] Und Jesus beschreibt hier also, das ist alles im sechsten Gebot drin: "Du sollst nicht töten." Ja, da stehen nur vier Worte, aber was es eigentlich beinhaltet, sind unsere Gedanken, unsere Worte und sogar unsere Bereitschaft zum Frieden.
[37:27] Schaut mal in 1. Korinther 11, Vers 28. Ich denke, mit dem Hintergrund versteht man jetzt besser, was der Paulus hier beim Abendmahl meint. Vers 28: "Der Mensch prüfe aber sich selbst und so soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken." Das Abendmahl erinnert an was? An das Opfer Jesu. Es schaut zurück, so wie die Opfer nach vorne geschaut haben. Und Paulus sagt eigentlich dasselbe wie Jesus. Jesus sagt: "Bevor du einen Opfer bringst, prüfe." Was sollte nach Jesus der Mensch prüfen? Sollte er prüfen: Bin ich heilig genug? Was sollte er prüfen? Er sollte prüfen, ob er mit anderen im Konflikt ist. Und das ist genau das, was wir vor dem Abendmahl tun sollten.
[38:22] Wir sollten uns prüfen. Niemand muss zum Abendmahl gehen und sagen: Bin ich würdig genug für das Abendmahl? Ich bin doch so ein schlimmer Sünder, kann Gott mir überhaupt vergeben? Das ist nicht, was gemeint ist. Gott vergibt jedem Sünder, aber wenn ich weiß, ich bin im Konflikt mit jemandem, egal ob es meine Schuld ist oder die eines anderen, und es ist mir egal, ich will keinen Frieden stiften, dann sagt er: Dann sorge erst für Frieden, damit du dann ausdrücken kannst, dass du an das Opfer Jesu glaubst, weil ansonsten ist das eine Farce.
[38:52] Matthäus 5, Vers 25: "Sei deinem Widersacher bald geneigt, während du noch mit ihm auf dem Weg bist, damit der Widersacher dich nicht etwa dem Richter ausliefert und der Richter dich dem Gerichtsdiener übergibt und du ins Gefängnis geworfen wirst." Vers 26: "Wahrlich, ich sage dir, du wirst von dort nicht herauskommen, bis du den letzten Groschen bezahlt hast." Das ist ein interessanter Vers. Jesus bringt hier ein wichtiges Prinzip raus. Was ist ein Widersacher? Man hat mit jemandem einen Streit. Unabhängig davon, wer die Schuld ist, gibt es zwei Möglichkeiten, die ich habe. Ich kann entweder sagen: Ich versuche die Sache so schnell wie möglich zu regeln und Frieden zu machen, oder ich sage: Ich lasse es eskalieren. Mal schauen, wer stärker ist. Mal schauen, wer vor Gericht gewinnt.
[39:51] Und jetzt sagt Jesus folgendes: Solange noch Gelegenheit ist, bevor die Sache zu spät ist, versuche Frieden zu machen, weil wenn irgendwann die Zeit des Friedensmachens vorbei ist, kommt das Urteil und dann ist es ohne Gnade. Dann wirst du den Preis bezahlen müssen bis zum letzten Groschen. Und das ist interessanterweise dasselbe auch mit Gott. Denn Gott und der Sünder sind Widersacher. Und zwar sagt Gott ganz deutlich, dass wenn wir in der Sünde sind, sind wir seine Feinde. Jesus starb für seine Feinde, für die Sünder. Und schaut man in Jesaja 55, da gibt es genau dieses gleiche Prinzip, das wir bei Gott klar verstehen, aber zwischenmenschlich oft nicht anwenden.
[40:47] Jesaja 55, Vers 6 und 7.
[41:17] Solange noch nicht das Gericht das Urteil gesprochen hat, versöhne dich mit deinem Widersacher. Nämlich Gott. Widersacher in dem Sinne nicht, weil Gott uns böse gesinnt ist, sondern weil wir Gott böse gesinnt sind. Gott sagt, dass er doch Frieden mache mit mir. Am Kreuz macht Gott Frieden. Er ist der Friedefürst. Und wenn wir bereit sind zu ihm zu kommen, können wir Frieden mit ihm haben. Römer 5, Vers 1 sagt: "Da wir nun gerechtfertigt sind, haben wir Frieden mit Gott." Aber dieses Angebot des Friedens ist nicht ewig, sondern nur solange das Gerichtsurteil noch nicht gesprochen ist. Weil wenn das Gerichtsurteil gesprochen ist und man keinen Frieden gemacht hat, dann muss man die Strafe bis zum Ende bezahlen. Man muss ins Gefängnis gehen und muss bezahlen bis zum letzten Groschen. Man muss den Glutwein trinken bis zum letzten Tropfen.
[42:12] Und in der Analogie ist der Glutwein dann der ewige Tod. Die Plagen und der ewige Tod. Deswegen sagt die Bibel: "Heute, da ihr seine Stimme hört." Und dieses Prinzip, das wir im Evangelium ganz klar verstehen, dass heute, solange Gnadenzeit ist, solange bevor es zu spät ist, sollten wir uns an Gott wenden. Jesus sagt, das gleiche Prinzip gilt auch zwischenmenschlich. Denn die Beziehung zwischen Mensch und Gott wird gespiegelt in der Beziehung zwischen Mensch und Mensch. Wir sollen Gott lieben von ganzem Herzen, aber unseren Nächsten wie uns selbst. Das heißt, Jesus sagt, diese beiden Gebote sind vergleichbar. Das heißt, wie wir zu Gott kommen und um Frieden mit ihm beten, so sollen wir auch, weil wir Vergebung empfangen haben, auch uns einsetzen für den Frieden untereinander.
[43:03] Natürlich gibt es den Unterschied. Der andere ist nicht Gott, der andere ist nicht unfehlbar und heilig und sündlos wie Gott, aber so von der Einstellung. Das Grundprinzip ist dasselbe. Und wenn wir denken: Hauptsache, ich mache meinen Frieden mit Gott und die Mitmenschen sind mir egal, sollen sie doch denken, was sie wollen. Was habe ich damit zu tun? Dann haben wir vielleicht nie richtig Frieden mit Gott gemacht.
[43:28] Das ist eine enorm interessante Sache und ich glaube, da sollte man mehr darüber nachdenken.
[43:35] Ja, ganz genau.
[43:37] Ganz genau. Wir sollen nicht lange warten. Das ist das gleiche, "Heute seine Stimme hört", wie in der Feser steht. Lasst die Sonne nicht untergehen unter eurem Zorn, sondern wenn es ein Problem gibt, dann soll man es gleich lösen, weil je länger es dauert, desto mehr verhärtet man sich. Und irgendwann ist es auch zwischenmenschlich so, es kann sein, da gibt es irgendwann einen Punkt, da ist kein Friede mehr zu erreichen.
[44:08] Und jetzt schaut mal in Jakobus 2 Vers 13.
[44:27] "Denn das Gericht wird unbarmherzig ergehen über den, der keine Barmherzigkeit geübt hat. Die Barmherzigkeit aber triumphiert über das Gericht." Das ist die Idee. Wenn mein Widersacher, wenn ich ihm auf dem Weg noch entgegenkomme und sage: Pass auf, hey, lass uns Frieden machen, lass uns irgendwie einen Weg finden, wir wollen doch im Frieden zusammenleben, dann wird die Barmherzigkeit über das Gericht triumphieren.
[44:50] Wenn ich das aber nicht mache, wenn ich eigentlich die Chance verstreichen lasse und es mir egal ist, dann kommt es, um mit der Sprache der Bergpredigt zu sprechen, dann kommt es zum Gericht, dann kommt es zum Urteil, dann komme ich ins Gefängnis und dann gibt es keine Gnade mehr. Dann muss ich alles bezahlen bis zum letzten Groschen. Und so auch im Geistlichen, so auch mit Gott.
[45:10] Das heißt, was Jesus hier zeigt, er zeigt ganz neue Dimensionen hinter diesen vier Worten: "Du sollst nicht töten." Die Pharisäer haben gelesen: "Du sollst nicht töten", alles klar, wir dürfen nicht mehr umbringen, strengen wir uns an. Aber Jesus sagt: Nein, nein, nein, das geht los schon in deinen Gedanken und es geht weiter mit deinen Worten. Und wenn du andere verachtest, wenn du ihnen den Glauben absprichst, wenn du sie als abgefallen, als gottlos bezeichnest, dann bleibt für dich nur das Feuer der Hölle.
[45:44] Und das sollte eine Sache bei uns bewirken, es sollte bewirken, dass wir sehen: Wer kann gerettet werden außer durch Jesus? Nach dem Maßstab der Pharisäer könnten wir sagen: Hey, ich habe mich umgebracht, dann komme ich ja nicht mal hier ins örtliche Gericht. Aber Jesus sagt: Okay, du wärst schon fällig für das örtliche Gericht nur durch das, was du gedacht hast, geschweige denn, was du gesagt hast. Jesus hat ja über den eigentlichen Mord nicht mal gesprochen.
[46:08] Er sagt noch: "Du hast dich für das höllische Feuer schon qualifiziert, bevor du überhaupt jemanden nur angefasst hast, geschweige denn umgebracht hast." Und das bewirkt, dass wir, wenn wir die Zehn Gebote so verstehen, wie Jesus sie gemeint hat, wie Gott sie eigentlich schon am Sinai hätte erklären wollen. Aber das war ja schon, dass du sollst dich töten, war schon zu viel für dieses Relikt. Wer kann jetzt gerettet werden?
[46:32] Er wollte noch viel mehr sagen. Jetzt sagt Jesus: "Ich sage euch, was ich wirklich gemeint habe damit ist, es geht bis in die Gedanken. Und selbst wenn du alle Gedanken rein hast, ist es nicht einfach nur eine klinisch korrekte Sache, sondern es ist ein aktives Prinzip der Liebe, dass du nicht einfach nur das Böse meidest." Mit anderen Worten, Frieden ist nicht nur die Abwesenheit von Krieg, sondern es ist etwas Positives, etwas was aktiv wirkt.
[46:59] Etwas, dass selbst wenn der andere dir was Böses will, du immer für den Frieden bist, dass du notfalls sogar lieber zum Gottesdienst später kommst. Hauptsache, du hast wirklich dich nach allem Besten, was du kannst, mit jemandem versöhnt. Das sind also religiöse Zeremonien, die nicht so wichtig sind für dich, wie ein echtes liebevolles Miteinander mit deinem Nächsten.
[47:24] Ganz genau, das hängt miteinander zusammen, nicht wahr?
[47:31] Und in diesem Sinne, ganz genau. Das werden wahrscheinlich die Jüngeren auch gedacht haben, wenn es so ist: Wer kann errettet werden? Und plötzlich merkt man: Ohne Jesus ist es unmöglich. Unmöglich. Bei Gott ist alles möglich. Nach menschlichem Maßstab kann man das nicht erfüllen. Aber das ist ja genau der Grund, warum Jesus das sagt, damit wir endlich verstehen, dass wir ohne ihn nicht gerettet werden können und wir nicht auf uns selbst vertrauen.
[48:00] Das nächste Mal schauen wir uns dann ein weiteres Beispiel an. Jesus nimmt sich noch ein zweites Gebot vor und beleuchtet auch das. Und er hätte es wahrscheinlich mit allen 10 machen können, aber er wählt ein paar aus, um den Punkt zu illustrieren, der für alle 10 gilt. Das ist eine geistliche Wahrheit, die uns zeigen soll: Ohne ihn sind wir wirklich arm. Wir brauchen Jesus und er wird uns diese Liebe schenken, die bereit ist, dass wir mit unserem Widersacher uns schnell versöhnen.
[48:28] Wollen wir noch gemeinsam ein Gebet sprechen, damit abschließen?
[48:31] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir diese so kostbaren Worte studieren konnten, die uns gezeigt haben, wie kaum etwas anderes, wie geistlich arm wir ohne dich sind. Denn was wir lesen und was sich dort auch eigentlich nur angedeutet ist, aber schon stark genug ist, zeigt, dass niemand von uns nur die geringste Chance hätte, wenn er sich auf sein altes Leben, seine eigenen Werke, auf unsere Kraft berufen müsste. Aber wir haben dich. Du hast verheißen, dass du uns das alles vergibst, dass du uns eine neue Gerechtigkeit schenkst, die nicht nur unsere Taten, sondern unsere Worte, unsere Gedanken verändert. So sehr, dass wir nicht nur das Böse meiden, sondern aktiv das Gute suchen und wollen. Herr, wir danken dir von ganzem Herzen für diese Bergpredigt, dass sie uns Schritt für Schritt dein Wesen offenbart und deinen Charakter, dein Gesetz erklärt. Wir möchten dich bitten, dass wir wirklich hören und gehorchen, dass wir das umsetzen, dass wir deinen Heiligen Geist in unserem Leben wirken lassen. Dafür danken wir dir von ganzem Herzen. Amen.