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Der Ersehnte

„Der Ersehnte“ wird das Leben und Wirken von Jesus Christus detailliert und chronologisch beleuchten. Die verschiedenen Evangeliumsberichte werden in ein harmonisches Ganzes zusammengefügt und die vielen alttestamentlichen Wurzeln und Bezüge aufgezeigt. Über allem steht der Wunsch, unseren Herrn und Erlöser in Seinem alltäglichen Leben besser kennen zu lernen. Diese Aufnahmen sind einer Videoserie auf https://www.joelmedia.de/serien/der-ersehnte/ entnommen.

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


In dieser Predigt aus der Reihe „Der Ersehnte“ von Christopher Kramp geht es um die zentrale Bedeutung der Vergebung im christlichen Glauben. Basierend auf Matthäus 6,12 wird die Aufforderung Jesu, Gott um Vergebung unserer Schulden zu bitten, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben, beleuchtet. Die Predigt erklärt, dass Vergebung sowohl die Beziehung zu Gott als auch zu Mitmenschen betrifft und wie die Erfahrung göttlicher Vergebung uns befähigt, anderen zu vergeben.

In dieser Predigt wird die Bedeutung der Vergebung im Gebet des Vaterunsers beleuchtet, insbesondere der Satz „Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“. Christopher Kramp erklärt, wie Gott gerne vergibt, aber auch die Konsequenzen der Sünde. Er betont, dass Vergebung nicht nur ein juristischer Akt ist, sondern auch eine Reinigung und Veränderung mit sich bringt. Die Wichtigkeit, anderen zu vergeben, um Gottes Vergebung empfangen zu können, wird anhand biblischer Beispiele und Gleichnisse verdeutlicht.


Weitere Aufnahmen

Serie: Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus

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Transkript

[0:30] Hallo und herzlich willkommen zu unserem Seminar "Der Ersehnte". Schön, dass ihr da seid. Schön, dass ihr live zugeschaltet habt auf www.joelmedia.tv. Wir sind noch mittendrin im Vaterunser, für das wir uns viel Zeit genommen haben, es gründlich zu analysieren. Ich glaube, nicht zu Unrecht. Das ist eine der ganz großartigen Stellen der Bibel, weil hier das Evangelium komprimiert zusammengefasst ist. Heute wollen wir da weitermachen. Bevor wir beginnen, möchten wir natürlich noch einmal beten und dazu niederknien, wo es möglich ist.

[1:07] Lieber Vater im Himmel, wir danken dir, dass wir durch das Vaterunser lernen dürfen, wie wir beten können und was du bereit bist, uns alles zu geben, worauf wir uns verlassen dürfen und was wir in Anspruch nehmen können. Wir möchten dich jetzt bitten, dass du uns erneut zeigst, was eigentlich der Inhalt dieses Gebets ist, das so oft gebetet wird, ohne dass man sich groß darüber Gedanken macht. Schenke uns echtes Verständnis für das, was dort wirklich für uns drinsteckt und führe uns durch deinen Heiligen Geist in alle Wahrheit. Im Namen Jesu, Amen.

[1:40] Gut, wir sind in Matthäus Kapitel 6 und wir haben drei Verse schon hinter uns. Ab Vers 9 gelesen: "Unser Vater, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden." Das haben wir ja letztes Mal ausführlich angeschaut, nicht wahr, was das bedeutet, dass Gottes Wille geschieht und zwar auf die gleiche Art und Weise, wie er im Himmel geschieht. Wir die Engel Gott dienen, und das war, glaube ich, recht interessant, was wir da gesehen haben, gefunden haben.

[2:21] Und dann haben wir letztes Mal aufgehört mit: "Gib uns heute unser tägliches Brot." Wir haben festgestellt, dass die ganze erste Hälfte des Vaterunser sich eigentlich darauf konzentriert: Gottes Wille, Gottes Reich, Gottes Name. Und erst nachdem die Hälfte des Gebetes vorbei ist, wechselt der Fokus von Gott auf mich. Das heißt, während unsere Gebete manchmal so tendieren: "Unser Vater, der du bist im Himmel, ich bräuchte das, das, das, das, das, das, das, das, das, das, das, das", ist das Gebet, das Jesus uns hier eigentlich empfiehlt, dass wir Gott darum bitten, dass sein Name geheiligt wird, indem er in uns das tun kann, was seine Namen heilig macht, nämlich das Erlösungswerk, dass sein Reich kommt, dass wir dafür arbeiten, dass wir bereit sind, damit zu wirken, dass er bald wiederkommen kann und dass, ja, genauso wie im Himmel die Engel aus Liebe gehorsam sind, auch wir aus Liebe gehorsam sind.

[3:21] Und dann haben wir festgestellt, dass wir bitten dürfen um unser tägliches Brot, nicht um Reichtümer, sondern wir wollen die Abhängigkeit von Gott spüren und unser tägliches Brot bitten. Und jetzt geht es in Vers 12 um einen wichtigen Punkt, einen der natürlich wichtigsten überhaupt in diesem ganzen Gebet, wenn man sie überhaupt nach Wichtigkeit ordnen kann. Vers 12, Kapitel 6, Vers 12: "Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern."

[3:56] Also hier geht es um das Thema der Vergebung. Wir sollen Gott, wir dürfen Gott, ich würde sagen, wir müssen Gott um Vergebung bitten. Nun, vergibt Gott eigentlich gerne, oder muss man ihn per Gebet erst so ein bisschen überzeugen? Muss man ihn erst mal so ein bisschen per Gebet anwärmen für die Idee, dass er uns vergibt? Oder vergibt er grundsätzlich gerne? Was würdet ihr sagen? Sehr gerne.

[4:22] Schauen wir mal in 2. Mose 34 und dort Vers 7. In 2. Mose 34 und dort Vers 7, dort beschreibt Gott seinen Charakter. 2. Mose 34 und dort Vers 7, da heißt es von Gott: "der Tausenden Gnade bewahrt und Schuld, Übertretung und Sünde vergibt. Aber..." – der Vers geht noch weiter – "...aber keineswegs ungestraft lässt, sondern die Schuld der Väter..."

[5:00] "...der Heimsucht an den Kindern und Kindeskindern bis in das dritte und vierte Glied." Was heißt das, dass Gott uns gerne vergibt, aber die Sünde trotzdem nicht ungestraft lässt? Er sagt, er vergibt uns alle Sünden, alle Schuld und lässt sie trotzdem nicht ungestraft. Dieser Vers sagt uns eine ganz fundamentale Wahrheit über das Evangelium. Warum vergibt Gott gerne und lässt sie doch nicht ungestraft? Ja, genau, wie macht er das praktisch, dass er sich beten kann: "Herr, vergib mir meine Schuld" und er sagt: "Ja, ich vergebe sie dir gerne, aber ich lasse sie nicht ungestraft."

[5:40] Richtig, Gott vergibt die Sünde, indem er sie auf sich selbst transferiert. Gott sagt nicht: "Ich setze die Strafe aus", sondern er transferiert die Strafe vom Sünder auf sich selbst. Er sagt also: "Ich lasse die Sünde nicht ungestraft, aber ich vergebe dir." Das ist also ein wichtiger Punkt.

[6:06] Schauen wir nochmal in 1. Könige 8 und dort Vers 30. 1. Könige 8 und dort Vers 30. Diese Bitte um Vergebung ist nicht neu, natürlich. 1. Könige 8, Vers 30: "So höre doch das Flehen deines Knechtes und deines Volkes Israel, dass sie zu diesem Ort hin beten werden. Ja, höre du es an dem Ort deiner Wohnung im Himmel, und wenn du es hörst, so vergib."

[6:46] Hier wird uns gesagt, dass wenn wir beten, sollen wir in eine bestimmte Richtung beten. In welche Richtung sollen wir beten, damit Gott uns vergibt? Daniel hat gebetet immer nach Jerusalem. Also sollen wir heute noch irgendwie per Kompass schauen, wo ist Jerusalem und dann beim Gebet uns entsprechend hin orientieren? Was ist die Idee? Wohin sollen wir beten? Schon hier war ja nicht die Idee, dass Gott in Jerusalem vergibt, sondern dass er im himmlischen Heiligtum vergibt. Da ist ein Heiligtum im Himmel, ein Wohnort. Ich meine, das Heiligtum, er war damals auch nicht Hohepriester, natürlich. Also er hat vergeben im Glauben daran, dass die alttestamentlichen Menschen geglaubt haben, dass es später mal passieren wird. Aber die Idee ist, dass Vergebung grundsätzlich an Gottes Wohnort im Heiligtum gebunden ist. Wenn wir also um Vergebung beten, dann dürfen wir beten im Bewusstsein, dass dort im Himmel für uns Vergebung möglich ist. Genau. Es ist Psalm 77, Vers 13 oder so: "Dein Weg, o Gott, ist im Heiligtum."

[7:59] Jetzt schauen wir mal in Psalm 32, Vers 1. Wir sind beim Thema: Gott möchte mir die Sünden vergeben. Und Sündenvergebung ist eigentlich ein interessantes, ein sehr schönes Thema. Schaut mal, was der David hier sagt in Psalm 32 und dort Vers 1. Da heißt es nämlich: "Was sind die ersten beiden Worte? Wohl dem." Wohl dem, heißt, wie könnte man das noch übersetzen? Selig, genau. Oder? Ganz einfach. Also in der Bergpredigt heißt es dann immer "glückselig", und das heißt eigentlich nichts weiter als glücklich. Das ist, was das Wort eigentlich in seinem Ursinn bedeutet: glücklich.

[8:34] Glücklich. Psalm 32, Vers 1: "Glücklich ist wohl dem, dessen Übertretung vergeben, dessen Sünde zugedeckt ist." Wenn wir bitten: "Herr, vergib mir meine Schuld", dann bitten wir eigentlich um glücklich sein. Wir bitten darum, froh sein zu können. Man hat aber nicht immer den Eindruck, dass Christen dies besonders ernst meinen und das Vaterunser besonders intensiv beten, dass die dann so glücklich sind, oder? Aber ein Mensch, der wirklich Sündenvergebung erlebt hat, nach Davids eigener Erfahrung, sagt er, ist ein glücklicher Mensch. Ein Mensch, der ständig nur den Eindruck erweckt, dass das christliche Leben ein halber Horror ist, hat vielleicht gar nicht echte Sündenvergebung erlebt, denn der David sagt: "Wohl dem, glücklich ist, dem die Sünden vergeben sind."

[9:41] Hat der David aus eigener Erfahrung gesprochen? Wann hat er diesen Psalm geschrieben? Das war einige Zeit, nachdem er die ganze Zeit mit Batseba gewesen ist, nicht wahr? Und er dann den Psalm 51 geschrieben hat, wo er Gott um Vergebung gebeten hat. Und der Nathan hat ihm ja schon bei seinem ersten Bekenntnis gesagt: "Der Herr hat deine Sünde vergeben." Und dann irgendwann, es ist ganz interessant, schaut mal, wie er das beschreibt, Vers 2: "Wohl dem Menschen, dem der Herr keine Schuld anrechnet." Nicht wahr? Die Sünde wird ja auch als Schuld beschrieben, dass man etwas schuldet. "Herr, vergib uns unsere Schulden." Und in dessen Geist keine Falschheit ist.

[10:25] Jetzt schaut man Vers 3: "Als ich es verschwieg, da verfielen meine Gebeine, durch mein Gestöhne den ganzen Tag." Ich weiß nicht, ob ihr das schon mal erlebt habt, dass man irgendwie was Schlimmes getan hat und man ist damit nicht zu Gott gekommen. Man hat irgendwie versucht, das so zuzudecken. Und vom Menschen kann man das ganz gut zudecken, aber der David sagt: "Ich habe mich elend gefühlt, denn deine Hand lag schwer auf mir Tag und Nacht, sodass mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dünn wird." Er hat sich trocken gefühlt, ausgezehrt, bedrückt.

[11:03] Was hat er dann gemacht? Ganz einfach, schaut in Vers 5: "Da bekannte ich dir meine Sünde und verbarg meine Schuld nicht. Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Übertretung bekennen." Und was war die Antwort? "Da vergabst du meine Sünden Schuld." Er hat die ganze Zeit versucht, das zu verbergen und es ging ihm elend und elend und elend, weil er vielleicht aus Stolz oder ich weiß nicht was, nicht wahr, gedacht hat: "Na ja, das kann ja nicht so schlimm gewesen sein, ja." Und es ging ihm elend und elend. Und in dem Moment, wo er gesagt hat: "Herr, es tut mir leid", er hat seine Sünde bekannt und Gott hat ihn vergeben und er war ein glücklicher Mensch.

[11:59] Ich weiß, wenn du meinst. Hier ist ein interessantes Phänomen, vielleicht lasse ich ganz kurz dazu sagen. Kennt ihr die Pilgerreise von John Bunyan? Da gibt es eine interessante Passage. Dieser Pilger, der Christian, der hat so eine Bürde, die ist ein Symbol für die Schuld, und die trägt er und trägt er und trägt er und sucht einen Platz, einen Ort, wo er jemanden davon befreien kann. Und schließlich kommt er dann auf den wahren Weg, nicht wahr, diesen engen, schmalen Weg und er kommt auf einen Hügel, da steht ein Kreuz und im Moment, wo er auf den Hügel kommt, wo das Kreuz ist, wo Jesus hängt, fällt die Last von seinen Schultern in ein Grab und dann sagt er kurz darauf: "Mir geht es so wie jemandem, der seinen Hut abgenommen hat und immer noch das Gefühl hat, dass der Hut sitzt."

[13:00] Ich habe das Gefühl, dass die Last da ist, obwohl sie gar nicht mehr da ist. Und das ist tatsächlich, es gibt einen Unterschied zwischen der tatsächlichen Schuld, wenn sie unbekannt ist, und dann den psychologischen Nachwirkungen, dass selbst nachdem Gott mir vergeben hat, fühlt man sich manchmal schuldig. Aber vor Gott, und das ist jetzt ein interessanter Punkt, vor Gott ist man dann nicht mehr schuldig. Es gibt einen Unterschied zwischen dem, dass der Heilige Geist wirklich meinem Herzen mir deutlich macht: "Du bist ein Sünder, du musst das vor Gott bringen" und manchmal dem Gefühl, dass auch ein Mensch, der dann das zu Gott gebracht hat, so diese Gefühle dann kommen: "Vielleicht hat Gott mir gar nicht vergeben."

[13:38] Und das ist ein sehr wichtiger Punkt, den du ansprichst. Wir dürfen biblisch gesehen nicht vergessen, Gott hat mir vergeben ab dem Zeitpunkt, wo ich ihm glauben darum bitte, dass ich ihm Glauben annehme, auch wenn ich vielleicht danach das noch nicht gleich fühle. Die Ellen White beschreibt das sehr deutlich. Wir sollen nicht darauf warten, dass wir jetzt Vergebung fühlen, sondern wir sollen so leben, als ob uns Gott vergeben hat, auch wenn ich das nicht fühle, sondern weil er es gesagt hat. Und dann ist das so, und dann kann ich im Glauben leben und nicht durch Gefühl.

[14:09] Übrigens, wie viel Sünden kann Gott denn eigentlich vergeben? Schaut mal in Jesaja 1. Hier wird ein Bild gebraucht, das uns bis vor kurzem vielleicht ganz gut bekannt, weil es ganz gut illustrieren das konnte. Jesaja 1, Vers 18: "Kommt doch, wir wollen miteinander rechten, spricht der Herr. Wenn eure Sünden wie Scharlach sind, ja, blutrot, sollen sie weiß werden wie der Schnee. Wenn sie rot sind wie Karmesin, sollen sie weiß wie Wolle werden."

[14:47] Es ist vollkommen egal, wie tief der Mensch gefallen ist. Und ja, es stimmt, Sünde trennt uns, Sünde verringert unsere Kapazität, uns vorzustellen, was Gott alles kann, aber Sünde trennt uns. Oder? Sünde, auch ein Sünder ist immer in der Lage, zu Gott zu kommen, wie er ist. Es sei denn, er hat so lange Gottes Geist weggepusht, hat sich immer wieder dagegen entschieden, dass sein Herz so hart geworden ist. Aber solange er das nicht getan hat, ist es egal, wie tief er gefallen ist, er kann immer zu Gott kommen und dann wird die Sünde wie weiß wie Schnee.

[15:35] Jetzt das Bild, das ich immer gerne dazu gebrauche, ist sehr simpel. Wie viele rote Flocken schneien so im Winter? Wie viele rote Flocken? Keine. Er vergibt vollkommen, er vergibt vollständig, er vergibt sehr gerne.

[15:50] Und in der Hinsicht, schauen wir mal in Epheser 1, Vers 7. Der Paulus sagt in einem sehr simplen Satz hier, dass das die Erlösung ist. Wenn man Erlösung in einem Satz definieren sollte, könnte man sagen: Erlösung ist, dass Gott mir Sünden vergibt. Und das ist keine Theorie, das ist nicht einfach, naja, er drückt ein Auge zu. Nein, er vergibt mir wirklich und verändert mich vollkommen. Epheser 1, Vers 7: "In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Übertretung..." und jetzt kommt noch ein wichtiger Nachsatz. "...nach dem, wie geht es weiter? Nach dem Reichtum seiner Gnade."

[16:31] Also er sagt, die Erlösung ist definiert als die Vergebung unserer Sünden nach einem gewissen Maßstab und der Maßstab ist, wie viel Gnade hat Gott. Und Gott sagt: Gnade ist Teil meines Wesens. Gnade ist nicht nur etwas, was ich mir mal gekauft habe, um es anzuwenden, sondern Gnade ist Teil meines Wesens. Das heißt, wie viel Gnade gibt es? Unendlich. Und das ist ein wichtiger Punkt. Manche Leute glauben, es gibt nicht unendlich Gnade, sondern weil es ja ein Ende der Gnadenzeit. Aber das Ende der Gnadenzeit kommt nicht deswegen, weil Gott keine Gnade mehr hat, weil Gott irgendwie die Gnade ausgegangen ist, sondern das Ende der Gnadenzeit kommt deswegen, weil irgendwann die Menschen sich so sehr verhärtet haben, dass die noch vorhandene Gnade, die dort im Überfluss vorhanden ist, keinen Weg mehr findet in die Menschen. Deswegen hört Gott auf. Aber Gottes Gnade ist unendlich. Sie ist unerschöpflich.

[17:28] Jetzt schauen wir mal in 1. Johannes 1, Vers 7 bis 9. Das ist eine ganz entscheidende Verse und, glaube ich, sehr wichtige, die man sich gut merken sollte, wenn man sie nicht auswendig gelernt hat. 1. Johannes 1, Vers 7 bis 9: "Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes..." was ist das nächste Wort? "...reinigt uns."

[18:01] Jetzt ein wichtiger Gedanke. Es gibt heutzutage immer wieder diese Idee, dass die Vergebung ein rein juristischer Akt ist. Im Sinne von: Ich bin Sünder, ich komme zu Gott und sage: "Gott, ich bin Sünder, ich möchte nicht mehr Sünder sein, bitte vergib mir." Und Gott sagt: "Okay, juristisch, formal, schaue ich dich nicht mehr als Sünder an." Aber der Mensch bleibt ganz genau, so wie er ist, nur Gott schaut ihn nicht mehr als Sünder an. Das ist aber nicht das, was die Bibel sagt.

[18:32] Die Bibel sagt, es ist zwar wahr, dass Gott uns sofort vergibt, aber sie sagt auch, dass damit eine Reinigung verbunden ist. Er verändert uns, er reinigt uns. Und das ist nicht ein späterer Akt, das ist nicht so: Gott vergibt mir erst mal und irgendwann, nach vielen Jahren, fängt dann irgendwann die Heiligung an. Nein, das Blut Jesu, das mir vergibt, das sozusagen sagt: "Okay, diese Sünde wird auf Jesus übertragen", fängt auch gleichzeitig an, meinen Charakter zu reinigen.

[19:01] Ja, ganz genau. Das Blut Jesu reinigt uns so sehr, dass wir rein sind, wie er. Lesen wir weiter. Es reinigt uns, in 1. Johannes 1, Vers 7, es reinigt uns von wie viel Sünde? Von aller Sünde. Also, schauen wir mal, lassen wir den Gedanken noch mal ganz, ganz wirklich durchdenken. Unser Problem ist ja, dass wir durch Sünde von Gott getrennt werden. Das ganze christliche Leben, die ganze Bibel kennt ein Ziel. Es kennt das Ziel, dass wir von uns und Sünden errettet werden. Und für dieses Ziel gibt es ein Mittel, das vollständig ausreicht. Das ist das Blut Jesu. Denn das Blut Jesu reinigt von aller Sünde. Es ist nicht so, dass das Blut Jesu von den meisten Sünden reinigt und dann haben wir Kraft genug, den Rest selbst zu machen, sondern das Blut Jesu reinigt von aller Sünde.

[20:04] Was müssen wir also tun, damit das passiert? Schauen wir mal auf Vers 8 und 9. "Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, so verführen wir uns selbst und die Wahrheit ist nicht in uns." Wir können uns nicht von der Sünde reinigen, wir können es nicht besser machen, wir können gar nichts in unserem Leben verändern, aber wir können uns selbst daran hindern, gereinigt zu werden. Wodurch? Wenn wir sagen: "Brauche ich nicht, habe ich schon, bin gar nicht so schlimm." Weil nur der, der versteht, dass er Sünder ist, kommt zum Blut Jesu. Nur der, der seine Armut, seine geistliche Armut erkennt, wird sich von Jesus verändern lassen.

[20:39] Und dann steht, wie wir zu ihm kommen können, Vers 9: "Und das ist das, was David erlebt hat. Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, wenn wir sagen: Herr, ich habe das getan." Und da geht es nicht darum, dass man sagt: "Herr, du weißt, ich bin nicht ganz so heilig, wie ich sein müsste." Da geht es konkret darum, die Sünde beim Namen zu benennen, soweit ich das irgendwie noch sagen kann und benennen kann, soweit es mir bewusst ist. Die Sünde bekennen und dann, wie geht es weiter? "So ist er. Er ist treu und gerecht, dass er uns die Sünde vergibt und uns reinigt." Er vergibt und reinigt, seht ihr das? Die Sünde vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.

[21:16] Wenn wir also beten: "Vergibt uns unsere Schulden", ist das nicht einfach nur so ein, naja, ich sündige halt ständig und wenn ich bete, dann komme ich halt trotzdem in den Himmel, sondern die Bitte: "Vergibt uns unsere Sünden", ist gleichzeitig eine Bitte um Reinigung. Denn man kann gar nicht Vergebung bekommen, ohne dass man nicht anfängt, auch diesen Reinigungsprozess zu durchlaufen. Denn das Blut Jesu vergibt und das Blut Jesu fängt an zu reinigen. Und dieser Reinigungsprozess dauert sicherlich eine gewisse Zeit, nicht, weil unser Charakter ist nicht von heute auf morgen verändert, aber das Blut Jesu reinigt.

[21:52] Oh, natürlich, natürlich, absolut. Schau, jetzt lass uns das ein bisschen genauer noch anschauen. Das Blut Jesu kommt ja nicht buchstäblich auf uns, oder? Es ist nicht das buchstäbliche Blut, was uns reinigt, sondern was, wenn die Bibel sagt, das Blut Jesu reinigt uns, was bedeutet das? Das Blut Jesu war ja begrenzt, also jetzt mal ganz rein menschlich gesprochen, ja. Er hat ja auch nicht mehr Liter Blut gehabt als ein anderer, ja, und das war irgendwann vergossen und ein Teil von dem ist vielleicht nie rausgekommen, weil er ja relativ schnell ins Grab gegangen ist. Also, was meint der Schreiber, wenn sie sagen: "Das Blut Jesu reinigt uns"?

[22:31] Die Tatsache, dass er für mich gestorben ist und daran glaube ich und die Gewissheit, dass das mir zugerechnet wird, kommt durch den Heiligen Geist. Denn was tut der Heilige Geist? Der Heilige Geist erinnert mich an meine Sünde und der Heilige Geist tut die Liebe Gottes in mein Herz tun. Woran zeigt sich die Liebe Gottes? Gott beweist aber seine Liebe, dass er, dass Jesus Christus von uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Der Heilige Geist wendet sozusagen das, was Jesus am Kreuz getan hat und was Jesus im himmlischen Heiligtum für mich anwendet. Er zeigt mir das und er gibt mir diese Gewissheit, dass das für mich gilt. Deswegen sagt die Bibel ja: "Gottes Geist gibt unserem Geist Zeugnis, dass wir Gottes Kinder sind."

[23:10] Nun, übrigens, warum wird das? Schauen wir nochmal zurück in Matthäus 6. Wir beten also und vergeben uns unsere Schulden und jetzt geht es aber weiter: "Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern." Das heißt, Jesus zeigt hier, dass die Vergebung, die Gott uns gerne geben möchte, nicht getrennt werden kann von einem anderen Aspekt. Nämlich, was ist der andere Aspekt? Dass wir bereit sind, anderen auch zu vergeben.

[23:48] Jetzt, was kommt zuerst? Müssen wir zuerst vergeben, damit Gott uns vergeben kann? Man könnte beim Lesen vielleicht den Eindruck gewinnen, aber Gott ist immer derjenige, der die Initiative ergreift. Aber trotzdem kann es möglich sein, dass Gott mir vergeben hat, ich aber nicht bereit bin, einem anderen zu vergeben und deswegen am Ende die Vergebung wieder zunichte ist. Ganz genau.

[24:14] Das Gleichnis, welches Gleichnis? Genau. Weiß jemand, wo steht das? Matthäus 18. Schauen wir ganz kurz, wir können nicht vielleicht alles lesen. Interessanterweise geht es in Matthäus 18, da lesen wir mal, Matthäus 18, ab Vers 23: "Matthäus 18, ab Vers 23: Darum gleicht das Reich der Himmel einem König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte. Und als er anfing abzurechnen, wurde einer vor ihm gebracht, der war 10.000 Talente..." was heißt das jetzt im Wort? "...schuldig." Da geht es um Schulden. Sünde ist ja immer auch, dass ich etwas schuldig bin, dass ich Schulden gemacht habe. Und ihr kennt die Geschichte, er erbittet dann den Herrn um Gnade und was macht der Herr? Vergibt ihm.

[25:00] Hat er jetzt echte Vergebung erfahren? Ja oder nein? Ist seine Schuld vergeben? Sie ist vergeben, sie ist vollkommen vergeben. Aber jetzt kommt das Problem. Was hätte das mit ihm machen sollen? Es hätte sein Herz ändern sollen, oder? Ihm ist vergeben worden, aber er hat es nicht zugelassen, dass er auch gereinigt worden ist, wenn ihr versteht, was ich meine, ja. Die Schuld ist ihm genommen worden, aber jetzt trifft er einen anderen, der hat nur, wie viel heißt es hier? 100 Denare Schuld bei ihm und in seinem Umgang mit dem anderen zeigt sich, weil er keine Barmherzigkeit dem anderen gegenüber erweist, zeigt sich, dass er zwar den Nutzen der Vergebung in Anspruch genommen hat, aber nicht die Reinigung haben wollte.

[25:56] Und jetzt kommt ein entscheidender Punkt und der ist, glaube ich, für uns als Adventgemeinde, die wir an ein Untersuchungsgericht glauben, von äußerster Bedeutung, weil viele Christen verstehen das nicht oder viele Christen haben ein Problem. Wenn Gott mir doch vergibt, warum braucht es ein Untersuchungsgericht? Hier sehen wir, dass jemand, dem vergeben worden ist, nicht vorläufig, sondern tatsächlich seine Vergebung wieder verlieren kann, weil seine Taten beweisen, dass er die Vergebung nicht verstanden hat. Es ist also möglich nach dem Gleichnis, dass man Vergebung erfährt, man hat echte Vergebung erlebt, Gott hat einem vergeben, aber die Taten danach beweisen, dass man selbst diese Vergebung nicht wirklich verstanden und umgesetzt hat, nicht angenommen hat, sich nicht hat verändern lassen und dann wird die Vergebung, die einem schon gewährt wurde, wieder zurückgenommen. Sie können im Gleichnis sehr deutlich sehen, er wird für die Sünden bestraft, für die er ursprünglich einmal Vergebung erhalten hat. Und das beweist, warum die Bibel so deutlich sagt, dass unsere Werke eine Rolle spielen im Gericht.

[27:02] Ist dann bei Simon von Bethanien, weil bei ihm ist ja das, einer hat ja viel Schulden vergeben und einer hat wenige Schulden vergeben, hat ja wirklich eine Vergebung, weil ich bin mir nicht sicher, ob er dann schreibt, dass er nicht die Vergebung hatte, aber wie gesagt, ich kann es nicht gerne belauten.

[27:21] Bei Simon von Bethanien hatte er tatsächlich Erfahrungen. Weiß jetzt nicht fast genau, was sie schreibt. Aber was wäre dann die Konsequenz aus deiner Sicht? Also, was steckt hinter der Frage?

[27:34] Ich dachte, dass sie schreibt, er hat sie nicht erfahren, weil er, sozusagen, war auch unverhältnismäßig. Im Gleichnis hat er auch, ihm wurde auch seine Schuld vergeben in dem Gleichnis, aber er möchte es wohl nicht vergeben.

[27:52] Ja, das ist ja der Punkt der Frage. Ich kann zu Gott kommen und beten: "Herr, vergib mir meine Schuld." Und er vergibt gerne. Das ist ja das Ding. Er vergibt gerne. Er sagt nicht: "Na ja, jetzt zeig mir mal, ob du auch würdig bist."

[28:12] Ah, doch, du fängst an, auch dich vor anderen zu entschuldigen. Okay, ich kann dir vergeben. Nein, Gott vergibt gerne. Er vergibt sehr gerne. Nur er nimmt diese Vergebung auch zurück, wenn wir sie nicht umsetzen, also wenn wir uns nicht davon fühlen lassen. Wenn wir sie quasi nur, wie die Israeliten, einfach nur die Lämmer geschlachtet haben, quasi als Bezahlung, dass sie weiter sündigen konnten.

[28:33] Wenn ich anfange, sofort, habe ich gesehen, wenn ich anfange, einfach die Vergebung Gottes so quasi als Bezahlung, als, wie soll ich sagen, ich kann ja weiter sündigen, weil ich kann ja immer gleich Vergebung bekommen, dann habe ich die Vergebung am Ende nicht als Reinigung verstanden, sondern nur, und dann wird es mir am Ende wieder weggenommen.

[28:50] Ich denke aber, dass das eine fehlende Wertschätzung ist. Ganz genau. Wenn ich nicht wertschätze, was ich da für mich geopfert habe, dann warum sollte mir das dann vergeben werden? Und wenn ich das nicht wertschätze, dann brauche ich aus religiöser Konsequenz, denke ich, nicht die Beteiligung, diese Wertschätzung, diese Vergebung heute zu ergeben.

[29:12] Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Es geht um die Wertschätzung. Es geht darum, dass ich bei der Vergebung nicht nur an mich denke und sage: "Ich habe Angst vor der Hölle, oder ich habe Angst, bei den meisten Christen, ich habe Angst, am Ende verloren zu sein und deswegen brauche ich Vergebung, damit ich im Himmel bin." Es geht darum, dass ich die Liebe Gottes feststelle. Und Wertschätzung ist ein wichtiger Aspekt.

[29:42] Ja.

[29:55] Ganz genau. Jetzt lass uns mal die logische Konsequenz daraus ziehen. Die logische Konsequenz daraus ist, dass wir in Gefahr stehen im Untersuchungsgericht, weil wir nicht bereit sind, gerne zu vergeben. Weil wir nicht bereit sind, gerne barmherzig zu sein und auch etwas hinwegzusehen, gerne die Sünden zu bedecken, wenn wir alles aufrechnen und alles versuchen, dass es ans Licht kommt. Dann haben wir vielleicht die Vergebung Gottes gar nicht wirklich richtig verstanden.

[30:34] Ja.

[30:36] Also nicht nur als Pflicht: "Naja, Jesus hat mir vergeben, ich muss dir auch vergeben." Sondern schaut, wenn die Liebe Gottes, erinnert euch an das, was wir vorhin im anderen Seminar gehabt haben, wenn die Liebe Gottes durch den Heiligen Geist in mein Herz kommt, fange ich an, andere Menschen zu lieben, wie Gott sie liebt. Und das verändert wirklich einen Menschen, wenn er wirklich ein echtes Interesse am anderen hat.

[30:59] Schaut mal in Epheser 4, Vers 32. Ja, Epheser 4, Vers 32.

[31:13] Epheser 4, Vers 32. Da heißt es: "Seid aber gegeneinander freundlich und barmherzig und vergebt einander, gleich wie auch Gott euch vergeben hat in Christus."

[31:29] Da seht ihr die Reihenfolge. Gott hat mir vergeben durch Christus und deswegen sollen wir genau so vergeben. Nicht einfach nur, naja, wie Kinder vergeben, dem man sagt: "Entschuldige dich, Entschuldigung." Das ist nicht die Vergebung. Vergebung, wie Gott mir vergeben hat.

[31:43] Und das bedeutet, Gott war bereit, auch denen zu vergeben, die sich nie entschuldigt haben. Die nie auf ihn zugegangen sind. Das ist, glaube ich, ein wichtiger Punkt.

[31:56] Nun, gehen wir noch einen Schritt weiter und schauen mal in Jakobus 2, Vers 13. Der Umkehrschluss natürlich ist, wenn ich keine Barmherzigkeit zeige, kann ich erwarten, dass im Gericht Gott sagt: "Naja, aber ich habe ihn vergeben, das wird schon irgendwie klappen." Jakobus 2, Vers 13 sagt sehr deutlich: "Denn das Gericht wird wie..."

[32:17] Jakobus 2, Vers 13: "...das Gericht geht wie unbarmherzig. Er geht über den, der keine Barmherzigkeit geübt hat. Aber dann steht die Barmherzigkeit, aber triumphiert über das Gericht." Und deswegen sagt der Johannes, das ein Kennzeichen wahrer Gotteskindschaft, das ist, dass man die Brüder, die Geschwister, die Brüder und die Schwestern liebt.

[32:41] Echte Liebe ist das Kennzeichen. Genau, weil nur der, der wirklich liebt, hat die Vergebung wirklich in sein Herz gelassen. Nur er hat angefangen, diese Reinigung zu erleben. Nur er ist ein echtes Kind Gottes. Und wenn wir also beten: "Herr, vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern", beten wir darum, dass Gott uns reinigt und dass wir bereit sind, anderen so gegenüberzustehen, so wie Jesus uns gegenüberstand.

[33:17] Diese Bereitschaft, wir bitten darum: "Herr, gib mir so ein Herz." Nun, ich wollte euch noch kurz was vorlesen, was Ellen White hier in diesem Buch "Gedanken vom Berg der Seligpreisung" sagt. Das ist wirklich interessant, nur ein paar Sätze.

[33:34] Sie sagt, das eine, was wirklich essentiell für uns ist, damit wir die vergebende Liebe Gottes empfangen und weitergeben können, ist, dass wir die Liebe Gottes, die er hat, kennen und glauben. Satan wirkt durch jede mögliche Verführung, die er herbeibringen kann, sodass wir nicht diese Liebe erkennen.

[34:01] Das heißt, wir hören immer: "Liebe Gottes", ja, das sollte ja kein Problem sein. In Wirklichkeit hat der Satan ein Ziel. Er wacht, ne, er wacht, er schläft ja nicht, aber immer wenn wir aufwachen, hat er ein Ziel: Wie schaffe ich es heute, dass der Christopher nicht die Liebe Gottes in seinem Leben erkennt? Weil wenn er die Liebe Gottes nicht erkennt, wie wir heute vorhin gesehen haben, folgt alles andere auf dem Fuße. Deswegen sagt Ellen White, wir sollten uns mit der Liebe Gottes auseinandersetzen.

[34:27] Jetzt sagt sie weiter: "Er wird uns dazu bringen, dass wir denken, dass unsere Fehler und Übertretungen so schlimm sind, dass der Herr unsere Gebete nicht erhören wird und uns nicht segnen wird und uns nicht retten wird." In uns selbst können wir nichts anderes sehen als Schwachheit. Nichts, das uns irgendwie empfiehlt vor Gott. Und Satan sagt uns, dass es sowieso zwecklos ist. Wir können unsere Charakterfehler nicht verändern.

[34:55] Wenn wir versuchen, zu Gott zu kommen, wird der Vater uns nicht retten", flüstert er. "Es bringt ja eh nichts zu beten. Hast du nicht diese böse Sache getan? Hast du nicht gegen Gott gesündigt und dein eigenes Gewissen verletzt?" Jetzt kommt es: "Aber wir können dem Feind sagen, dass das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, uns von aller Sünde reinigt."

[35:13] Wenn wir fühlen, dass wir gesündigt haben und nicht beten können, dann ist die Zeit zu beten. Kennt ihr das? Wenn man sagt: "Okay, jetzt kann ich gerade nicht beten, ich muss erst mal zwei, vielleicht zwei Nächte schlafen, bis ich mich einigermaßen beruhigt habe, dann kann ich, wenn ich mich wieder heiliger fühle, dann bete ich." Sie sagt, gerade dann, wenn ich mich so fühle, dass ich jetzt gerade nicht beten kann, weil ich mich von Gott zu sehr entfernt habe, dann ist die Zeit zum beten. Dann müssen wir beten, weil genau dann brauchen wir Gott am meisten. Ganz genau.

[36:10] So wie Jesus. Jesus ist für alle Menschen gestorben, auch für die, die nicht sich bekehrt haben. Das heißt, ein Mensch, der Gottesliebe in sein Herz lässt, fängt an, jeden Menschen gern zu haben. Das ist ja das, was in der Bergpredigt steht, oder? "Liebt eure Feinde." Das hat hier seinen Ursprung. Liebt eure Feinde hat seinen Ursprung, das Evangelium wirklich zu verstehen.

[36:35] Jetzt schauen wir mal in Vers 13 noch. Gehen wir da kurz rein, auch wenn wir das heute nicht alle schaffen. In Matthäus 6, Vers 13, da kommen wir zu dem Satz, von dem der Papst jetzt vorgeschlagen hat, dass man ihn ändern sollte. Habt ihr das mitbekommen? Nicht mitbekommen? Der nächste Satz nämlich heißt in der Bergpredigt: "Und führe uns nicht in Versuchung." Und Papst Franziskus hat jetzt vor kurzem sich gemeldet und hat gesagt, das ist eine schlechte Übersetzung, man sollte sie ändern. Warum? Weil Gott ja nicht in Versuchung führt, oder?

[37:06] Jetzt bin ich mal gespannt. Was würdet ihr sagen? Ist der Vorschlag von Franziskus gut, hier die Übersetzung zu ändern? Natürlich, weil er der Papst ist. Warum? Also erklärt mir mal, was meint Jesus, wenn er sagt: "Und führe uns nicht in Versuchung?"

[37:44] Okay, aber das heißt ja nicht die Bedeutung von "Und führe uns nicht in Versuchung." Ja, meine Frage ist, was betet der Betende, wenn er sagt: "Führe mich nicht in Versuchung?" Was ist sein Wunsch? Ist es ein Wunsch, die Versuchung zu erleben, oder nicht? Sein Wunsch ist, dass Gott sein Herz bewahrt.

[38:03] Also, was ist das Problem, das die meisten Menschen mit diesem Satz haben, denn der Satz ist nicht ganz so einfach. Was ist das Problem, das die meisten Menschen haben? Warum ist dieser Satz so ein bisschen schwierig? "Vergib uns unsere Schulden" ist relativ klar, aber "und führe uns nicht in Versuchung". Was ist das Problem, was ist das Problem, was die Menschen haben? Versuch es mal zu identifizieren, warum viele ein Problem damit haben. Ja, also...

[38:59] Halten wir fest, das Wort Versuchung kann natürlich verschiedene Dinge bedeuten, oder? Das Wort Versuchung kann auch bedeuten, dass Gott uns prüft. Ja, zum Beispiel heißt es, Gott versuchte den Abraham, aber es war eine Prüfung. Ja, genau. Okay, aber würden wir dann beten: "Herr, führe mich nicht in die Prüfung?" Ist es nicht gut, wenn Gott uns prüft? Okay, also wir wollen doch, dass Gottes Wille geschieht, oder? Das heißt, an der Stelle scheint Versuchung tatsächlich etwas Negatives zu bedeuten. Ansonsten würden wir nicht bitten: "Herr, führe uns nicht dahin." Wenn es einfach nur die Prüfung Gottes meint, dann könnten wir sagen: "Herr, führe mich, nicht wahr, auch in die Versuchung, weil dort wirst du mich ja prüfen, weil die Prüfung Gottes ist ja positiv für mich. Gott führt mich ja nicht in eine Prüfung, die schlecht für mich ist. Es war ja Gottes Wille, dass Abraham das erlebt, was er erlebt hat, oder? Abraham sollte ja nicht beten: 'Herr, führe mich nicht auf den Berg Moria.'"

[39:55] Also, du hattest die Melodie noch? Ja, also erstmal halten wir fest, es ist der Wunsch, dass Gott mich führt. Seht ihr das? "Führe mich", ja, und "führe mich nicht in die Versuchung." Führe mich. Das heißt, ich bete darum, dass ich nicht selbst entscheide, wo es lang geht. Das, was wir erstens beten, ja, wir beten darum, dass Gott uns führt.

[40:25] Und jetzt sage ich euch, was das Problem ist. Das Problem mit diesem Satz ist, dass die meisten Menschen in diesem Satz lesen, dass man irgendwie Gott überreden muss, nicht das Gegenteil zu tun. Also, mit anderen Worten, wenn sie beten: "Und führe mich nicht in Versuchung", denkt das Gehirn: "Eigentlich will er mich in Versuchung führen, aber ich muss ihn bitten: 'Bitte tu es doch nicht, bitte tu es doch nicht.'" Versteht ihr, was ich meine? Das heißt, viele Menschen, und das ist auch der Grund, warum der Papst ein Problem mit dem Satz hat, weil er denkt: "Ja, Gott führt doch nicht in Versuchung, warum sollen wir ihn darum bitten, dass das nicht tut?"

[41:00] In anderen Worten, dahinter steckt eigentlich ein falsches Bild von Gott. Dahinter steckt das Bild von Gott, dass man durch ein Gebet ihn erst von etwas überzeugen muss. Dahinter steckt die Idee: "Nur wenn ich bete: 'Gott, bitte führe mich nicht in Versuchung', nur dann sagt Gott: 'Na okay, ich wollte dich eigentlich in Versuchung führen, aber wenn du betest, mache ich es doch nicht.'" Und das ist ein falsches Bild von Gott.

[41:27] Wir müssen mit unseren Gebeten Gott nicht erst überzeugen, sondern uns. Das ist genauso, wenn wir beten: "Gott, vergib uns unsere Schulden", müssen wir Gott dann erst überzeugen, dass er uns die Schulden vergibt? Nein. Wenn wir sagen: "Vergib uns unsere Schulden", sagen wir eigentlich: "Du möchtest sowieso die Sünde vergeben, das ist dein größter Wunsch, du wartest die ganze Zeit darauf, dass du mir die Sünde vergeben kannst. Hier bin ich, tu es."

[41:58] Wenn wir beten: "Führe mich nicht in Versuchung", beten wir: "Herr, du willst eigentlich die ganze Zeit schon mich führen, und zwar immer dort, wo es nicht schlecht ist. Du willst mich die ganze Zeit gut führen, du willst mich nicht in die Sünde führen. Hier bin ich, tu es." Ich erlaube eigentlich nur Gott, das zu tun, was er die ganze Zeit schon tun will.

[42:16] "Führe mich nicht in Versuchung" ist nicht eine Überredung, damit Gott seine Meinung ändert, sondern nur die Bestätigung dessen, was er sowieso vorhat. Er möchte mich führen und zwar genau so, wie es gut für mich ist. Denn wenn Gott mich führt, führt er mich niemals in die Sünde, oder? Er führt mich niemals dahin, dass ich jetzt über mein Vermögen versucht werde. Er führt mich niemals dahin, dass plötzlich ich zum Satan geführt werde. Das ist sein Wunsch. Und mit diesem Gebet sage ich: "Herr, führe mich."

[42:52] Jetzt könnte man fast darüber nachdenken. Es stimmt zwar, dass der Satan ab und zu zu uns kommt, auch der Satan kam mal zu Jesus. Aber wie ein berühmter Prediger mal gesagt hat: Wenn wir schon dem Satan begegnen müssen, dann soll er zu uns kommen, nicht wir zu ihm. Leider kriechen wir dem Satan meistens zu oft hinterher und ich glaube, jedes Mal, wenn wir uns selbst wieder auf dem Weg finden, dem Satan einer Versuchung hinterhergekrochen zu sein, haben wir letztendlich vorher die Führung Gottes aufgegeben in unserem Leben. Wir haben ihn nicht führen lassen, denn wenn Gott führt, führt er immer richtig.

[43:28] Ganz genau. Gott möchte uns führen, das ist ja der Punkt. Also, wie gesagt, das Hauptproblem, das die meisten Christen mit dem Vers haben, um das nochmal zusammenzufassen, ist, dass sie den Eindruck haben, dass Gott hier etwas Halbgutes vorhat, was man durch das Gebet verhindern müsste. "Führe uns nicht in Versuchung." Aber in Wirklichkeit heißt es genauso, wenn wir beten: "Vergib uns unsere Schulden", berufen wir uns auf etwas, was Gott schon längst gesagt hat. Er hat gesagt: "Ich will dir die Sünden vergeben", also sage ich: "Vergib mir die Sünden." Gott sagt: "Ich will dich nicht irreführen, ich will dich richtig führen, ich will dir den richtigen Weg zeigen", und wir sagen: "Okay, führe mich." Und wie du gesagt hast, nicht in Versuchung, sondern erlöse mich von dem Bösen. Führe mich den richtigen Weg.

[44:18] Und das zeigt uns, wie wir manchmal aufgrund eines falschen Bildes von Gott, eine falsche Vorstellung, wie Gott ist, dann Probleme bekommen beim Lesen der Bibel und falsche Dinge in die Bibel hineinlesen, die Gott eigentlich gar nicht gemeint hat. Und das führt dann dazu, dass der Papst sagt, man muss den Bibeltext ändern. Aber ich, naja, wie auch immer, das ist ein Thema für sich.

[44:46] Noch ein ganz kurzes. Ich gebe euch noch ein anderes Beispiel für so ein Gebet. Schaut mal in Sprüche 30 und dort Vers 8. Sprüche 30, Vers 8 ist ein ganz ähnliches Gebet, auch wenn das Thema ein bisschen anders ist, aber von der Methode oder von dem Prinzip ist dasselbe. Sprüche 30, Vers 8. Schauen wir mal, Sprüche 30, Vers 8: "Falschheit und Lügenwort entferne von mir. Armut und Reichtum gib mir nicht, nähre mich mit dem mir beschiedenen Brot."

[45:23] Wenn wir bitten: "Herr, gib mir keine Armut, Herr, gib mir keinen Reichtum", dann glauben wir auch nicht, dass Gott mir unbedingt Armut geben wollte und ich muss ihn jetzt davon überzeugen, dass das nicht der Fall ist, oder? Wir glauben auch nicht, dass Gott uns mit Reichtum überhäufen wollte, wir müssen jetzt davon abhalten. Wir beten eigentlich nur um das, von dem wir vorher schon wissen, dass es Gottes Wille ist, oder? Und so ist es auch mit diesem Vers.

[46:05] Genau. Wir sehen jetzt in der zweiten Hälfte des Vaterunsers geht es darum, dass wir Gott darum beten, dass das, was wir täglich brauchen, bekommen, unsere Abhängigkeit von ihm, dass wir unsere Sünden, die uns von ihm trennen, vergeben bekommen, dass unser Herz sich verändert, dass wir gerne selbst vergeben und dass wir bereit sind, uns von ihm führen zu lassen, wo immer er uns haben möchte, weil er wird uns immer richtig führen, oder? Das ist das, was er verheißen hat.

[46:37] Jetzt haben wir heute das nicht mehr geschafft, zu Ende zu gehen, aber nächstes Mal werden wir auf jeden Fall dann bis Vers 15 das zu Ende machen. Es bleiben nur noch einige wenige Sätze und dann sind wir mit dem Vaterunser. Aber halten wir fest, es ist so entscheidend für unser tägliches Leben, dass wir uns immer wieder bewusst machen, wie sehr Gott uns liebt und was er für uns getan hat und wie gerne er uns vergibt.

[47:13] Die Tatsache, dass wir uns so oft daran erinnern sollen und dass das so oft in der Bibel steht, das steht ja nicht nur einmal, oder? Das steht fast auf jeder Seite, liegt daran, dass wir vom Satan so sehr attackiert werden, dass genau diese Wahrheit nicht zu erkennen. Wir müssen uns daran erinnern. Wenn wir uns nicht daran erinnern, werden wir anfangen, wieder genauso egoistisch und genauso selbstzentriert und genauso boshaft die anderen zu behandeln und dann nützt uns all unsere ehemalige Erfahrung nichts. Es kommt darauf an, dass wir in der Erfahrung der Vergebung bleiben und dass Gott uns führen darf in jedem einzelnen Schritt.

[47:49] Wollen wir noch gemeinsam niederknien und beten? Lieber Vater im Himmel, danke, dass du uns auch heute in deinem Wort gezeigt hast, was wirklich wichtig für uns ist. In diesen wenigen Sätzen des Vaterunsers steht alles drin, was wir brauchen, was wir wissen müssen, um ein Leben zu leben, das wirklich erfüllt ist und glücklich. Wir haben heute gelesen, wie David bezeugt: "Glücklich ist derjenige, der seine Sünden bekannt hat, ganz persönlich sie dir bekannt hat und erlebt hat, dass du gerne vergibst, dass du uns so anschaust, als hätten wir diese Sünden niemals getan und uns einen völligen Neuanfang schenkst."

[48:36] Herr, gib, dass wir uns beständig daran erinnern, dass das dein Wunsch ist, dein größter Wunsch und dass wir beständig uns von diesem Wissen reinigen lassen, unser Herz verändern lassen, dass wir es wertschätzen, was du getan hast und was du tust durch den Heiligen Geist und dass wir anderen so begegnen, so wie du uns begegnet bist. Möchte ich von ganzem Herzen bitten, dass du jeden einzelnen auf dem Weg führst, den du für uns vorgesehen hast, weil wir wissen, dass du uns niemals in Situationen bringst, die zu schwer für uns sind, dass du uns niemals dahin bringst, wo wir Negatives für unser geistliches Leben erfahren müssen, sondern in all dem, was du uns zeigst und in all dem, wo du uns führst, hast du nur im Sinn, uns zu stärken und uns zum Wachsen zu bringen und dafür danken wir dir von ganzem Herzen. Amen.

[49:37] Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!


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