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Der Ersehnte

„Der Ersehnte“ wird das Leben und Wirken von Jesus Christus detailliert und chronologisch beleuchten. Die verschiedenen Evangeliumsberichte werden in ein harmonisches Ganzes zusammengefügt und die vielen alttestamentlichen Wurzeln und Bezüge aufgezeigt. Über allem steht der Wunsch, unseren Herrn und Erlöser in Seinem alltäglichen Leben besser kennen zu lernen. Diese Aufnahmen sind einer Videoserie auf https://www.joelmedia.de/serien/der-ersehnte/ entnommen.

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


In dieser Predigt geht Christopher Kramp auf die Bedeutung der Vergebung und des Gebens ein, wie sie in der Bergpredigt Jesu gelehrt werden. Er beleuchtet, wie das Prinzip des Gebens und Empfangens universell gilt und wie ein großzügiges Herz zu göttlichem Segen führt. Weiterhin thematisiert er die Gefahr, andere zu richten, während man eigene Fehler übersieht, und betont die Notwendigkeit der Demut und Selbstprüfung, um anderen wirklich helfen zu können.

In dieser Predigt aus der Serie „Der Ersehnte“ thematisiert Christopher Kramp das biblische Prinzip des Richtens und Vergebens, basierend auf den Lehren Jesu in Lukas 6 und Matthäus 6. Er erklärt, wie das Prinzip des Gebens und Empfangens im Leben Jesu verankert ist und wie wichtig es ist, sich auf das Geben zu konzentrieren. Weiterhin wird die Gefahr blinder Leiter beleuchtet, die ihr eigenes Wissen über die wahre Bekehrung stellen, und die Bedeutung von Demut und Selbsterniedrigung im christlichen Leben hervorgehoben.


Weitere Aufnahmen

Serie: Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus

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Transkript

[0:30] Hallo und herzlich willkommen zu unserem Seminar "Der Ersehnte". Schön, dass ihr eingeschaltet habt auf joelmedia.de und schön, dass ihr da seid. Wir haben das letzte Mal gesprochen über das Richten. Vielleicht könnt ihr euch daran noch erinnern: "Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet." Wir wollen heute dort weitermachen und wir wollen heute sehen, dass es im Lukasevangelium, wo die Bergpredigt verkürzt wiederholt wird oder auch dargestellt wird, dieser Abschnitt etwas ausführlicher dargestellt ist als in Matthäus. Schlagt mit mir auf in Lukas 6. Bevor wir das lesen, lasst uns natürlich noch beten und dazu kurz niederklingeln.

[1:09] Lieber Vater im Himmel, danke für die Gelegenheit, dass wir uns unter dein Wort stellen können. Dein Wort hat heilende Kraft, dein Wort hat überzeugende Kraft. Wir möchten dich bitten, dass dein Wort uns heute ermutigt, dass es uns tröstet, stärkt, dass es uns trifft und dass es uns heilt. Wir danken dir von ganzem Herzen, dass dein Wort zu uns sprechen wird. Gib, dass wir uns gut verstehen durch deinen Heiligen Geist und sei du bei uns im Namen Jesu. Amen.

[1:43] In Lukas 6 und dort Vers 37 ist, wie gesagt, die Parallele zu Matthäus 7. Und wie wir sehen werden, hat es dort einige interessante Elemente noch, die in Matthäus nicht vorkommen. Ab Vers 37. Der Anfang ist relativ bekannt in Lukas 6 und dort ab Vers 37, da heißt es: "Und richtet nicht, so werdet ihr nicht gerichtet. Verurteilt nicht, so werdet ihr nicht verurteilt." Das ist auch so wie in Matthäus, nicht wahr? Aber während Matthäus nur das Negative sagt, nämlich "richtet nicht, so werdet ihr nicht gerichtet" und "verurteilt nicht, so werdet ihr nicht verurteilt", hat jetzt Lukas noch eine positive Variante davon. Er sagt nämlich: "Sprecht los, so werdet ihr losgesprochen werden." Hat jemand von euch noch eine andere Übersetzung außer "lossprechen"? Freisprechen. Also "lossprechen", "freisprechen", "vergeben".

[2:43] Also das eine ist, dass es heißt, wenn wir richten, dann werden wir gerichtet. Das ist quasi die negative Formulierung des Prinzips. Wenn ich richte, werde ich auch gerichtet werden. Wenn ich verurteile, werde ich verurteilt werden. Wenn ich aber vergebe, wird mir vergeben. Das ist dieses Prinzip auf den umgekehrt, und zwar positiv formuliert. Ich muss also nicht nur durch das Leben gehen und denken: "Ich darf nicht richten, ich darf nicht richten, ich darf nicht richten." Ich kann es sozusagen auch anders formulieren und zwar: "Ich vergebe." Nicht richten ist passiv. Ich muss mich dafür hüten, diesen Richtgeist in mir irgendwie ausleben zu lassen. Ich muss ihn irgendwie unterdrücken, aber das ist etwas Aktives. Die Vergebung, die ich erfahren habe, die gebe ich gerne weiter, und so wird auch die Vergebung Gott mir immer weiter geben.

[3:43] Kennt ihr in der Bergpredigt irgendwo anders ein Prinzip, wo sowas ähnliches gilt für diejenigen, die nett zu anderen sind, die lossprechen, die vergeben, die liebevoll sind, dass ihnen auch Liebe entgegenkommt sozusagen? Genau. "Selig sind, die herzensgütig sind, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen." Das ist im Prinzip genau dasselbe Prinzip. Also ihr seht wieder, Jesus hier auch bestimmte Dinge immer wiederholt, weil sie so wichtig sind und weil sie uns, obwohl wir sie theoretisch sofort bestätigen, praktisch nochmal schwerfallen. Vergeben, etwas Aktives, "lossprechen". Also das bedeutet in anderen Worten: Ich sage, du hast keine Schuld. Ich spreche dich los, ich spreche dich frei.

[4:30] Nun gehen wir mal in Matthäus 6, Vers 14 und 15. Auch dort in der Bergpredigt hatten wir dieses Prinzip. Matthäus 6, Vers 14 und 15. Dort heißt es: "Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird auch euer himmlischer Vater euch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen ihre Verfehlungen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben." Also das impliziert, wir werden erleben, dass Menschen sich an uns verfehlen. Man kann der tollste Christ sein, auch wenn man selbst keine Fehler macht. Andere machen Fehler, andere tun Böses, andere verfehlen sich an mir, und jetzt ist es meine Aufgabe, gerne aktiv dem anderen zu vergeben. Die Bergpredigt ruft uns immer wieder auf, in Matthäus 5, in Matthäus 6 und jetzt hier auch in Lukas 6, immer wieder auf, aktiv auf den anderen zuzugehen und aktiv zu sagen: "Hey, ich vergebe dir. Ich möchte nicht, dass du dich weiter schuldig fühlst. Ich spreche dich los."

[5:32] In Lukas 6, gehen wir zurück zu Lukas 6, geht es jetzt direkt so weiter, nicht nur in Bezug auf die Vergebung, sondern allgemein. Da heißt es jetzt in Vers 38: "Lukas 6, Vers 38: So wird euch gegeben werden, ein gutes, vollgedrücktes und gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß schütteln; denn mit demselben Maß, mit dem ihr anderen zumesst, wird euch wieder zugemessen werden." Also geht es nicht nur um die Vergebung, sondern allgemein um das Prinzip des Gebens. Warum ist Geben so wichtig, egal ob das materiell oder geistlich oder wie auch immer? Warum ist Geben so wichtig? Genau, Geben ist das Gesetz des Lebens, das Gesetz des Universums. Gott gibt seinen Sohn. Ja, genau, wenn wir vergeben, geht es uns auch leichter. Aber bleiben wir beim Geben. Gott gibt, ohne dass er dabei denkt, was bekomme ich zurück. Er gibt seinen Sonnenschein und seinen Regen nicht nur denen, die ihn dann auch wieder anbieten. Gott gibt, und die Bergpredigt lehrt uns, dass wir, die wir eigentlich erst einmal natürlicherweise aufgrund der Sünde gewohnt sind zu empfangen – wir empfangen Entschuldigung, wir empfangen eine Erklärung, wir wollen, dass uns jemand das erklärt, wir wollen, dass sich jemand entschuldigt, wir wollen, dass uns jemand Recht gibt – wir sollen geben.

[7:18] Ganz genau. Also es hat Gott alles in unsere ursprüngliche Natur hineingeschrieben, die verdorben worden ist. Wie Ellen White das so schön ausdrückt im "Leben Jesu", habe ich heute im Outdoor gehört, wo sie sagt im ersten Kapitel: "Es gibt nichts in dieser Welt, was nicht gibt, außer das sündenkranke Herz des Menschen. Das ist anders, das will haben, haben, haben, haben, haben, haben, ob gute oder schlechte Dinge haben." Aber ansonsten ist die Natur eigentlich auf Geben angelegt. Selbst noch unter dem Pflug der Sünde sieht man, wie alles dem anderen dient. Und das war, dass dieses Prinzip: Wer gibt, der wird gesegnet.

[8:10] Schaut mal mit mir in 5. Mose, wie viel wird man hier gesegnet? Also wenn man gibt, was bekommt man dann? Was für ein Maß? Genau. Also man stellt sich vor, da hat man so irgendwie so einen Sack oder so mit Getreide und da ist ein gutes Maß und dann drückt man das noch richtig rein und dann schüttelt man das noch und dann ist es immer noch überfließend. Das ist dieses Bild von: Man kann nicht mehr rein tun. Also wenn man es nicht drückt und nur überfließend ist, könnte man ja sagen, naja, vielleicht war da unten noch irgendwo ein Loch oder so. Aber dieses Bild von gedrückt, geschüttelt, wo ja alles noch mal so wegfliegt und dann überfließend, sagt: Mehr geht nicht. Gott gibt, also Gott gibt so viel, dass er am Ende sagen muss: "Ich wüsste nicht, wie ich noch mehr geben kann."

[8:59] Da haben wir nicht immer den Eindruck, oder? Wir haben nicht immer den Eindruck, dass Gott uns so viel gibt. Aber er tut das, weil wir nicht immer die offenen Augen haben für seine Segnung und viele Dinge, die er uns gibt, für selbstverständlich erachten. Aber wenn wir mit geistlichen Augen sehen könnten, würden wir sehen, dass Gott uns so viel gibt, wie wir überhaupt nur vertragen können. Er kann uns manchmal nicht mehr geben, weil wir es dann noch gar nicht nutzen könnten. Das würde nur sinnlos vergeudet werden. Ganz genau.

[9:52] Ja, ganz genau. Also der Blick eigentlich auf das Positive, der Blick auf den Segen. Schaut mal mit mir an 5. Mose 15. Wir suchen dieses Prinzip noch ein bisschen im Alten Testament. 5. Mose 15 und dort Vers 10. Und hier wird dieses Geben noch ein bisschen genauer definiert, weil geben ist nicht gleich geben, wenn ihr versteht, was ich meine.

[10:27] In 5. Mose 15, Vers 10, sondern du sollst ihm wie geben? Willig geben. Und dein Herz soll nicht verdrießlich sein. Das gibt es ja auch, dass man gibt, weil man denkt, es ist eine religiöse Pflicht. 5. Mose 15, Vers 10. Das gibt es ja auch, dass man aus religiöser Pflicht vielleicht gibt oder denkt: "Meine Güte, was ich mir davon alles hätte kaufen können. Hätte es nicht ein 20% sein können, warum muss es ein Zehntel sein?" Nein, sondern willig und nicht verdrießlich, denn dafür wird der Herr, dein Gott, dich segnen, wann? In allem deinem Tun und in allem, was du unternimmst. Das ist doch eine Verheißung, oder? Dass Gott einen in allen Unternehmungen segnet, dass man also sagt: "Egal was ich tue, Gott segne mich." Warum? Weil ich gerne gebe und mit einem fröhlichen Herzen. Der Korinther sagt: "Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb." Das heißt übrigens nicht, dass einen unfröhlichen Geber Gott nicht lieb hat, aber das bedeutet nur, dass der echte Segen sich für uns nur dann erleben lässt, wenn wir gerne geben.

[11:38] Schaut mal mit mir in Sprüche 3, Vers 9 und 10. Eine ganz bekannte Passage. Sprüche 3, Vers 9 und 10. Dort heißt es: "Ehre den Herrn mit deinem Besitz und mit den Erstlingen all deines Einkommens." Also was soll man geben? Nach dem Text, in dem Text, was sollen wir geben? Gaben. Ja? Erstlinge. Was sind die Erstlinge? Was sind die Erstlinge? Das, was erster ist. Mit anderen Worten: Wenn ich ernte und das Erste, was ich ernte, gehört erst mal Gott. Also Gott an die erste Stelle setzen. "Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes, und es wird euch alles andere hinzugefügt werden." Das ist so die Idee, dass ich nicht nur gebe, nachdem ich schon alle anderen Kosten bestritten habe und sage: "Ach, da bleibt noch was übrig, da kann ich auch noch für die Gemeinde spenden." Ja, sondern das sagt ja was über die Priorität aus, dass ich sage: "Ich will auf jeden Fall vermeiden, dass es zu wenig ist, was ich gebe für Gott." Also will ich zuerst geben und alles andere kommt danach.

[12:50] Was ist die Verheißung? "So werden sich deine Scheunen mit Überfluss füllen und deine Keltern vom Most überlaufen." Also hier wieder die Idee: mehr als man fassen kann. Scheunen sind überfüllt, die Kelter läuft vom Traubensaft über, das Maß fließt über, obwohl das gedrückt und geschüttelt ist. Gott, wie sagt Maleachi, was wird er tun? Er wird die Fenster des Himmels öffnen, nicht wahr, und uns segnen. Und dann ist vielleicht die Frage: "Hey, vielleicht könnte er uns noch mehr segnen, als wir es bisher erlebt haben." Vielleicht sind wir schon gesegnet, aber noch nicht überfließend, vielleicht sind wir noch nicht zum Vollmaß gesegnet, was vielleicht daran liegt, dass wir doch manchmal mehr gerne auf das Nehmen achten, als auf das Geben.

[13:27] Nein, nicht nur. Also Segen ist in der Bibel ja breit gefasst, aber grundsätzlich gilt das natürlich auch, dass der, wenn Gott segnet, er geistlich, aber er segnet auch so, dass es dem Gerechten in der Regel auf lange Zeit an nichts Lebensnotwendigem mangelt.

[14:14] Also was du hast natürlich vollkommen recht, das bedeutet nicht, dass wenn ich jetzt fleißig gebe, ich deswegen enorme Reichtümer anhäufe. Aber der Segen ist bei Gott nicht nur geistlich, also nicht nur, dass ich materiell gebe und irgendwie geistlich gesegnet werde, sondern Gott kümmert sich auch um seine Getreuen. Das kann auch mal bedeuten, dass man sich am Bach Kirith verstecken muss und Gott segnet, indem er die Raben sendet. Ist auch ein Segen, oder? Das kann auch mal bedeuten, dass man durch die Wüste läuft und halt dann, dass das Öl nicht aus der Flasche kommt, sondern aus dem Felsen oder das Wasser. Ja, das ist auch Segen. Es gibt verschiedene Arten, wie Gott segnet. Und es kann auch mal bedeuten, dass der Hiob für ein paar Monate wirklich durch Gottes Geist, durch die schlimmste Katastrophe durchgetragen wird und dann später er wieder auch materiell gesegnet wird. Aber der Segen ist sehr breit gefächert, aber das ist sehr wichtig, dass du es betonst. Es ist nicht nur der materielle Segen.

[15:19] Schauen wir in 2. Korinther 9, Vers 6. Auch das 2. Korinther 9 und dort Vers 6, da haben wir diese Proportion noch mal, die ganz wichtig ist zu sehen. 2. Korinther 9, Vers 6. "Das aber bedenkt: Wer kärglich sät, der wird auch kärglich ernten, und wer im Segen sät, der wird auch im Segen ernten." Wer ihm Segen gibt, wer gerne andere segnet, wird auch gesegnet werden. Ja, wer sich mit dem anderen, andere zu segnen, etwas zurückhält und sagt: "Ja, wollen wir nicht übertreiben", der wird auch keine besonders übertriebenen Segen erhalten. Und das ist, glaube ich, ein Prinzip, das man immer wieder sehen kann: Je mehr wir uns für andere einsetzen, desto glücklicher werden wir. Das gilt übrigens sogar für das Überwinden von Sünde. Ellen White sagt: "Derjenige, der anderen hilft, Sünde zu überwinden, wird selbst zum Überwinder." Ja, und da kann man sich jetzt vorstellen, wenn ich ganz schwache Bemühungen bei anderen mache, habe ich vielleicht gar nicht so viel davon, aber wenn ich anderen viel helfe und wirklich für sie da bin, dann werde ich auch selbst sehr viel stärker in dieser Hinsicht gesegnet.

[16:24] Nun, jetzt zurück zu Lukas und was jetzt interessant ist: Während ja Matthäus weitaus ausführlicher ist in der Bergpredigt und Lukas eigentlich nur ein paar Sachen erwähnt, gibt es doch zwei Verse in der Bergpredigt, die nur bei Lukas vorkommen und nicht bei Matthäus. Matthäus hat diese Gedanken dann später mal bei späteren Predigten, weil Jesus hatte ja auch wie jeder andere Prediger manche Sachen immer wieder erwähnt. Ihr habt das ja auch schon mal gehört, dass manche Prediger bestimmte Gedanken immer wieder bringen. Also der Kornelius bringt bestimmte Gedanken immer wieder, oder der Nikolaus bringt bestimmte Gedanken wieder, oder der Olaf bringt bestimmte Gedanken wieder. So Dinge, die einem besonders auch wichtig sind, die man studiert hat und kommen in verschiedenen Predigten immer wieder vor. Und so auch bei Jesus. Und diese Dinge, die jetzt in Lukas 6, Vers 39 und 40 kommen, die kommen später in Matthäus und anderen Predigten wieder vor, aber Matthäus erwähnt sie nicht in der Bergpredigt. Aber ich glaube, es ist trotzdem interessant, sie hiermit zu beachten, weil sie dann auch mal eine neue Perspektive bringen auf das, was jetzt gleich dann folgen wird.

[17:23] Also wir haben vorhin gelesen, ich war das mit dem Geben, mit demselben Maß, mit dem ihr anderen zumesst, wird euch wieder zugemessen werden. Das ist dieses Prinzip. Und jetzt kommt Vers 39. "Er sagt ihnen aber ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einen Blinden führen? Werden nicht beide in die Grube fallen?" Jetzt geht hier eigentlich auch so ein bisschen ein neuer Gedanke los. Was ist das für eine Art von Frage, die ihr hier stellt? Wie könnte man diese Frage als so, also was für ein Fragetyp ist das? Das ist eine rhetorische Frage, oder? Was ist die offensichtliche Antwort? Nein, natürlich nicht.

[17:56] Im Alten Testament gibt es mehrmals Stellen darüber, wie das Volk irregeleitet wird durch falsche Führer. Schaut mal in Jesaja 9. Jesaja 9 und dort Vers 15. Es geht nicht um Leute, die andere führen, wenn die Blinden die Blinden führen. Wir wollen erst mal auf die auf die Führer schauen. Leute, die sich den Anspruch haben oder auch dieses Amt haben, andere zu leiten. Sprüche Jesaja 9, Vers 15: "Die Führer dieses Volkes sind Verführer geworden, und die von ihnen Geführten sind verloren." Das ist eine sehr starke Aussage, wenn er sagt, die die Führer des Volkes sind Verführer geworden. Also sie führen nicht, sondern sie verführen. Was heißt mit anderen Worten? Sie führen in die falsche Richtung. Interessant ist, wie Jesaja diese falschen Führer woanders benennt. Schaut mal in Jesaja 56. Jesaja 56 und dort Vers 10.

[19:07] Also halten wir fest an der Sache: Es ist nicht so, dass die Führer blind sind und das Volk sieht. Dann würde ja das Volk nicht verführt werden. Alle haben dasselbe Problem. Also die Bibel sagt ja nicht, dass die Führer schlimmer sind als das Volk. Das sagt die Bibel nicht. Sie sagt nur, weil die Führer so sind wie das Volk, deswegen gehen alle zugrunde. Was also impliziert: Selbst wenn das Volk blind ist, müssten die Führer wenigstens sehend sein. Aber das ist nicht der Fall. Jedenfalls hier in Jesaja nicht. Schaut man in Jesaja 56 und dort Vers 10: "Seine Wächter sind was? Sie sind blind. Sie wissen alle wie viel? Nichts. Stumme Hunde sind sie, die nicht bellen können." Ein Bild, das mir persönlich nicht so gefällt, aber das sehr aussagekräftig ist. Warum soll ein Hund bellen? Wann bellt ein Hund? Zum Warnen, genau. Also wenn man da irgendwie so ein Grundstück ist und da ist ein Hund und man ist ein Fremder, man steigt über den Zaun und der bellt nicht. Wozu braucht man den Hund? Das ist kein Hund. Das ist eine Deko. Der Hund soll bellen, wenn Warnung ist. Und wenn die Führer Hunde sind, die nicht bellen, dann heißt das, dass sie, wenn sie Gefahr kommen sehen, einfach nichts unternehmen. Da kommt ein Irrlehrer und sie machen nichts. Da kommt irgendwie ein Problem in die Gemeinde und sie unternehmen einfach nichts. Stumme Hunde, die nicht bellen können. Sie liegen wie? Träumen da, schlafen gern.

[21:09] Ganz genau. Jetzt ist die Frage: Wie kommen dann einige Blinde, alle sind blind, alle Beteiligten sind blind in diesem Bild. Wie kommen dann einige darauf, den anderen zu sagen: "Hey, hier geht's lang"? Das sind ja nicht alle. Einige sind alle gleich blind, aber einige sagen: "Ich kenne den Weg", und die anderen sagen: "Okay, wir folgen dir." Und die Frage müssen wir uns stellen: Warum gibt es einige Blinde, die sich zutrauen, andere Blinde zu führen?

[21:29] Schaut mal mit mir in Römer 2. Übrigens, an wen hat denn Jesus die Bergpredigt gehalten? Mal sehen, ob ihr euch erinnern könnt, da haben wir vor einem Dreivierteljahr gelernt. An wen hat Jesus die Bergpredigt gehalten? Vor allem an seine Jünger. Ich meine, das ganze Volk war ja anwesend, aber es ging vor allem an seine Jünger, weil er hatte, erinnert ihr euch, dass er sie, was hat er in der Nacht zuvor gemacht? Was hat er in der Nacht zuvor gemacht, bevor die Bergpredigt gefasst und gebetet hat? Und was hat er morgen dann gemacht? Er hat zwölf Apostel ordiniert aus den ganzen Jüngern. Es waren ja mehr Jünger, aber er hat zwölf Apostel ordiniert. Und das heißt, das ist die erste Predigt, die sie hören in dem Bewusstsein: "Wir sind jetzt auch bald Leiter." Als Apostel hast du ja ein Leitungsamt. Und natürlich, das Volk als Ganzes, manche sitzen einfach da und hören zu, aber als Jesus davon spricht, von den Blinden, blinden Leitern, haben seine Apostel bestimmt sehr deutlich zugehört. Jesus sagt ihnen ja auch: "Ihr seid das Licht der Welt, ihr seid das Salz der Erde." Er hat ihnen ja immer wieder auch Sachen gesagt, die speziell auf die Jünger zutrafen. Und jetzt geht es hier um dieses Leiten. Sie sollen Leiter sein, aber sie sollen etwas vermeiden. Sie sollen nämlich keine blinden, blinden Leiter sein. Nicht jeder, der gerne leitet, sieht. Und es gibt Leute, die denken, dass sie leiten können, aber sie führen die anderen nur ins Verderben.

[22:48] Warum? Schaut mal in Römer 2 und dort Vers 19. Römer 2, Vers 19. Da heißt es in Vers 19: "Und du traust dir zu, ein Leiter der Blinden zu sein, ein Licht derer, die in Finsternis sind, ein Erzieher der Unverständigen, ein Lehrer der Unmündigen, der den Inbegriff der Erkenntnis und der Wahrheit im Gesetz hat." An wen spricht der Paulus hier? Wen hat er im Blick? Vers 17 macht ganz deutlich: "Siehe, du nennst dich einen Juden und verlässt dich auf das Gesetz und rühmst dich Gottes." Also warum, wer traut sich zu, Leiter der Blinden zu sein hier?

[23:35] Genau. Warum trauen sich die Juden zu, die anderen Blinden zu leiten? Genau, weil sie die Wahrheit kennen, weil sie die Wahrheit kennen. Das heißt, was der Text sagt, ist: Hier gibt es Menschen, die kennen die Wahrheit, die haben die Bibel gelesen, größtenteils vielleicht sogar verstanden, leben in vielen Punkten vermeintlich erstmal nach der Bibel. Sie kennen die Wahrheit, sie wissen das alles und denken, weil ich es weiß, kann ich andere führen. Und an diesem Punkt sind unglaublich viele Menschen in den Jahrhunderten der Kirchengeschichte gescheitert, weil sie geglaubt haben: Mein Wissen qualifiziert mich als Lehrer. Das ist übrigens der Trick, auf den alle Irrlehrer reinfallen, weil die sehr viel wissen aus der Bibel. Die meisten Irrlehrer, die es gibt, die haben ein großes Wissen, haben viele interessante Fakten und viel Wahrheit auch, die sie verbreiten. Ein interessantes Beispiel aus der Reformationsgeschichte ist der Thomas Müntzer. Habt ihr von Thomas Müntzer gehört? Der unbedingt auch Reformator sein wollte. Das ist ganz interessant. Der Luther, der wollte gar nicht Reformator sein. Der wurde so richtig reingeschubst. Der wollte eigentlich nur in Wittenberg sitzen und Galater auslegen und seine Studenten unterrichten. Der wollte nicht Reformator werden, aber die Ereignisse haben ihn förmlich da reingezogen. Aber der Thomas Müntzer hat gesagt: "Hey, mit dem alles, was ich weiß, ich muss die Welt reformieren." Und das ging dann ganz schön schlimm aus. Wenn ihr das wisst, Bauernkrieg und dann tausende Tote und schlimmer Fanatismus.

[25:09] Zu viele trauen sich, zu andere zu leiten. Jakobus sagt: "Werdet nicht in großer Zahl Lehrer." Das mal gelesen? Das bedeutet nicht, dass wir nicht das Evangelium verbreiten sollen. Die Aufgabe haben alle. Aber wenn ich denke, aufgrund dessen, was ich weiß, kann ich anderen sagen: "Folgt mir nach, ich führe euch, ich leite euch." Braucht es leider, braucht es Führer, braucht es Leute, die den Weg zeigen, die braucht es. Aber es ist ein Irrtum, wenn ich glaube, weil ich das alles weiß, müsste ich das auch können. Und genau davor warnt Jesus. Er warnt davor, vor diesen blinden Führern.

[25:51] Nun, übrigens, das Wort für führen im Griechischen hat zwei Ideen. Einmal, dass das Leiten, also lokal jemanden von A nach B leiten, aber auch das Lehren. Und das bringt dann schon diese Idee von theologisch jemanden unterrichten mit sich. Ja, das ist der nächste Punkt jetzt. Sie haben die Wahrheit, aber sie sind trotzdem blind. Jetzt alle, die am Michelsberg waren, die dürften das nicht schwer fallen. Was bedeutet es, blind zu sein? Das ist der unbekehrte Laodizäa-Zustand. Deswegen ist das Problem von Laodizäa. Sie denken: "Ich bin reich, ich habe die ganze Wahrheit, ich bin ein guter Adventist", aber sie handeln nicht als Christen. Das heißt, was den echten Führer, den sehenden Führer von dem blinden Führer unterscheidet, ist nicht das Wissen, sondern die Bekehrung, die sich in dem alltäglichen Leben im Charakter zeigt, in der Art und Weise, wie man mit anderen umgeht. Daran erkennt man den Lehrer. Daran erkennt man denjenigen, den Gott möglicherweise zum Führen berufen hat.

[27:03] Nun, gehen wir mal weiter in Lukas 6. Wir müssen uns ein bisschen sputen, aber in Lukas 6 und dort Vers 40. Es ist immer noch so ein bisschen diese Idee, jetzt den Jüngern beizubringen, wie sie zu leiten haben. Lukas 6, Vers 40 ist auch ein sehr interessantes Prinzip. "Der Jünger ist nicht über seinem Meister. Jeder aber, der vollendet ist, wird so sein wie sein Meister." Okay, erste Frage: Wer ist also der Maßstab für jeden Menschen? Einfache Frage. Jesus ist der Maßstab. Also wenn wir einen Maßstab haben, Jesus ist der Maßstab. Wie nennt die Bibel es, wenn wir so sind wie Jesus, wenn wir diesen Maßstab erreicht haben? Wie nennt die Bibel das hier? "Jeder aber, der vollendet ist." Also wenn ich diesen Stand erreicht habe, oder wenn ich so bin wie Jesus, dann bin ich vollendet. Ja, vollendet. Es gibt heute Leute, die sagen, man ist nicht vollendet, aber die Bibel sagt, wer vollendet ist, ist so wie der Meister.

[28:14] Jetzt ist aber eine wichtige Frage: Wenn das der Maßstab ist, wo befindet sich der nicht Vollendete? Hier oder hier? Wenn das der Maßstab ist, wo befindet sich der noch nicht Vollendete? Hier oder hier? Klar unten, oder? Würden wir denken. Aber schaut den Vers nochmal an. Wovor warnt Jesus? "Der Jünger ist nicht..." Warum sagt er das? Das stimmt schon, aber wenn Jesus zu seinen Jüngern sagt: "Hört, ihr könnt nicht über mir sein", was ist dann wohl die Gefahr? Die sind alle noch hier. Die sind alle hier. Das Problem des unvollendeten Christen ist nicht, dass er den Maßstab noch nicht erreicht hat, jetzt gut zu hören, sondern dass er noch nicht sich weit genug erniedrigt hat. Wir haben immer genau das andere Bild. Wir haben immer den Maßstab, wir haben immer die Idee beim Maßstab Jesu, dass der Charakter, der ist da oben, nicht wahr? Und wir sind hier unten und wir müssen uns anstrengen, dass wir irgendwann mal da hinkommen. Aber das Bild ist ganz anders. Das Problem ist nicht, dass wir es noch nicht erreicht haben, das Problem ist, dass wir noch viel zu weit oben sind und noch gar nicht genug uns am Kreuz erniedrigt haben.

[29:41] Er sagt nicht: "Der Jünger ist nicht unter dem Meister, ihr seid noch nicht weit genug, ihr müsst euch anstrengen." Er sagt: "Ihr seid wahrscheinlich noch ein bisschen zu stolz." Denn wisst ihr, was er gesagt hat? Was ist der höchste Platz, den es gibt auf der Erde? Der höchste Ort auf der Erde? Der höchste Ort auf der Erde ist an den Füßen des Kreuzes. Man kann nicht höher sein als da. Und in anderen Worten, die Vollendung, der Prozess der Vollendung ist nicht sozusagen ein, in dem Bild sozusagen nicht ein immer noch besser werden, sondern ein immer mehr demütiger werden, so wie Jesus. Weil Jesus, was hat Jesus gemacht, wenn er angegriffen wurde? Geschwiegen, hat es sich, hat es erduldet. Und das ist eine natürliche Reaktion hier, dass wir ein bisschen versuchen, uns selbst zu verteidigen, dass wir für unser Recht einstehen. Und das ist das Problem, dass wir alle haben, jeder Einzelne von uns. Wenn ich angegriffen werde, dann ist meine natürliche Reaktion: "Ich muss erst mal sicherstellen, dass ich, dass es anders gewesen ist." Niemand ist so, bei niemandem war sozusagen die eigentliche, wie soll ich das sagen, niemand hat so ungerecht gelitten wie Jesus. Und doch hat er seinen Mund nicht aufgemacht, wie das Lamm, das zur Schlachtbank gegangen ist. Und Jesus sagt: "Wenn ihr meine Jünger seid und ihr den Weg der Vollendung geht, wenn ihr Leiter sein wollt, müsst ihr lernen, euch zu erniedrigen."

[31:30] Und das ist natürlich anstrengend. Das war genau das, was die Juden nicht wollten. Die blinden, blinden Leiter, die kannten die ganze Bibel und wollten allen zeigen, wie toll sie sind. "Wir sind schon weiter als ihr, wir sind schon höher, wir sind im Ideal schon etwas weiter, weil wir geben ja schon Almosen." Weil die Jünger natürlich dieses Bild von Führen immer hatten. Die haben mehr erreicht, die konnten besser, die konnten die Bibel besser, die waren heiliger, die haben das und Jesus und solches. Und daran erkennt man aber nicht das Führen. Das Leiden, das ein Vorbild sein, erkennt man daran, dass man so wie Jesus ist und sich nicht überhebt.

[32:14] Ja, genau. Was macht Paulus? Paulus hat zum Beispiel darauf bestanden, dass er öffentlich entlassen wird. Das war immer im Sinne des Evangeliums, damit alle, die gesehen haben, gefangen genommen wird, auch gesehen, wie Gott ihn gerettet hat zum Beispiel. Paulus hat niemals, also Jesus hat niemals aus eigener Kraft sich verteidigt, sondern wenn er auch jemandem entgegengetreten ist, hat er manchmal auch deutliche Worte gefunden. Er hat aber immer nicht aus Selbstverteidigung, sondern zur Ehre Gottes. Und das ist ein großer Unterschied. Vieles von dem, was wir manchmal als starke Worte geben, ist nicht zur Ehre Gottes, sondern zur reinen Selbstverteidigung, zur Selbsterhöhung.

[33:06] Ja, aber man konnte mit Jesus an der Stelle beim Kreuz relativ viel machen. Und das ist letztendlich das Ideal. Denn das ist das, was die drei Freunde von Hiob gesagt haben: "Gott kann uns retten. Und wenn er uns nicht rettet, ist es auch okay. Aber wir vertrauen auch, dass Gott uns rettet. Gott ist unsere Vorhut, er ist unsere Nachhut und Gott kümmert sich um meinen Ruf." Das ist eigentlich das Ideal. Und nun dürfen wir alle wahrscheinlich bekennen, dass wir noch nicht alle auf hier unten sind, oder? Dass das in unserem Leben sich immer mal wieder hier so... Deswegen sind wir noch auf dem Weg der Heiligung, auf der Vollendung. Aber die Vollendung führt letztendlich dazu: Ich bin mit Christus gekreuzigt. Und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir. Ich bin nicht mehr höher als der Meister. Und übrigens, der Meister ist sehr verachtet gewesen. Wir haben ihn nicht geachtet, er sah nicht so aus, man hat ihn verlacht und so weiter. Und das gefällt uns natürlich nicht, weil wir wollen Anerkennung, wir wollen Recht haben, wir wollen beliebt sein.

[34:19] Nun, das heißt übrigens nicht, dass man nur ganz vorsichtig, nicht, dass man sozusagen die Verachtung sucht. Ja, dass man sich jetzt so benimmt, dass alle einen verachten. Aber es bedeutet sozusagen, dass wenn man jetzt die Wahl hat zwischen ich verteidige mich selbst und versuche mein Recht durchzudrücken und ich leide zugunsten des Evangeliums und zugunsten der Wahrheit, dann entscheide ich mich zu leiden.

[34:41] Was siehst du bei dem Splitter im Auge deines Bruders und den Balken in deinem eigenen Auge, bemerkst du nicht? Kennt ihr Geschichten der Bibel, wo jemand die Sünde eines anderen ziemlich genau benennen konnte und seine eigene viel größere Sünde nicht erkannt hat? Genau, also der David begeht Ehebruch, vielleicht sogar Vergewaltigung, das ist ein bisschen unklar, aber auf jeden Fall auch noch Mord und also furchtbare Sünde. Und jetzt kommt der Nathan und erzählt eine Geschichte mit einer virtuellen Sünde, die es gar nicht gegeben hat. Und der David sieht den Splitter in diesem virtuellen Mann, den es gar nicht gibt, diesen Gleichnismann, der sieht den Splitter sofort und entdeckt diesen Balken nicht. Das ist ein klassisches Beispiel.

[35:42] Ja, ganz genau, ja, ganz genau, wo er geschrieben hat, ja, ja, wolltest du es auch sagen? Ja, es gibt noch einen interessanten Fall, ich weiß nicht, ob wir die Zeit haben, die Verse jetzt können wir nicht lesen, aber es könnte man zu Hause nachlesen in 2. Mose 20, da gibt es diesen Heermeister, da gibt es Joab von David, einer der Generäle und da gibt es dann den Amasa und der Amasa ist jetzt neuer Heermeister und der Joab tötet aus eigenem Antrieb den Amasa, verfolgt dann den Scheba und lässt den hinrichten wegen Rebellion gegen David. Zweite Samuel 20, Entschuldigung, zweite Samuel 20, ja, ja, danke, sehr gut aufgepasst, zweite Samuel 20. Das heißt, da ist auch so ein Fall, wo jemand sagt: "Hey, der Scheba ist ein Rebell gegen meinen König David" und dann wird sein Kopf abgeschlagen, wird über die Mauer geworfen, aber er selbst, der den Rebellen klar identifiziert, hat gegen seinen eigenen König, dessen Heermeister umgebracht. Ja, das ist so ein Beispiel. Dahinter steckt dieses Prinzip von Jeremia 17, Vers 9.

[36:48] Das Herz, ah, das lesen wir, komm. Jeremia 17, Vers 9. Jeremia 17, Vers 9 und dort Vers 9, da heißt es: "Überaus trügerisch ist das Herz und bösartig, wer kann es ergründen?" Mit anderen Worten, das Herz, unsere eigenen Gedanken betrügen uns und sie betrügen uns eigentlich immer so, dass sie uns besser darstellen, als wir sind.

[37:15] Ja, genau. Haben wir beim letzten Mal schon gelesen, ganz genau, wo er sagt, dass wenn wir andere richten, verdammen wir uns selbst, weil wir dasselbe auch schon getan haben. Hier in Jeremia wird deutlich: Wir betrügen uns. Wie betrügen wir uns? Wir betrügen uns immer wieder dadurch, dass wir uns selbst besser sehen, als wir sind und dadurch die Probleme des anderen sehr viel schärfer sehen, als unsere eigenen Probleme. Ja, also unsere eigene Beurteilung von uns selbst ist eigentlich immer zu positiv und deswegen sagt ja Jesus die Laodizäer Botschaft: "Du denkst, du bist reich, aber du bist es nicht." Ja, das heißt, wir können, wenn wir auf uns selbst vertrauen, gar nicht einen richtigen Zustand von uns erkennen.

[38:09] Nun, gehen wir zurück zu Lukas 6. Wir lesen noch ein Vers und dann noch ein Vers noch in Lukas 6 und dort Vers 42. "Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Bruder, halt, ich will den Splitter herausziehen, der in deinem Auge ist, während du doch den Balken in deinem Auge nicht siehst? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge und dann wirst du klar sehen, um den Splitter herauszuziehen, der im Auge deines Bruders ist."

[38:31] Was ist interessant an Splitter und Balken? Haben die was gemeinsam? Sie sind beide aus demselben Material, nur ist das eine sehr viel größer als das andere. Das heißt, was hier deutlich wird, ist: Wir haben eigentlich dasselbe Problem, nur dein Problem ist kleiner als meins. Nur, dass wir das einmal andersherum sehen, dass wir die kleinen Probleme der anderen sehen und meinen jetzt ihnen helfen zu müssen und sogar sehr freundlich. Das ist hier, was ihr, also das griechische meint eine betonte Höflichkeit, sowas wie: "Erlaube mir doch, dir zu helfen." Ja, also das fühlt sich ja vielleicht so ganz gut an, wenn man in eine Gemeinde geht und hat ein Problem mit dem, ein Problem mit der Erziehung oder ein Problem mit seiner Gesundheit oder ein Problem mit dem. "Darf ich dir helfen? Ich würde dir gerne helfen." Und jetzt ist Jesus gegen das Helfen. Ist Jesus dagegen, den anderen zu leiten? Ja oder nein? Nein, er sagt, leite, zieh ihm den Splitter raus. Aber wann? Wann darfst du ihm den Splitter rausziehen? Wenn dein Balken weg ist, weil nur mit einem klaren Auge kannst du dem anderen wirklich helfen. Und es gibt zu viel Versuche, anderen zu helfen, wenn man selbst noch gar nicht die Hilfe von Jesus angenommen hat. Und das geht meistens in die totale Katastrophe. Und deswegen, die Missanwendung des Verses ist: Naja, ich habe einen Balken, deswegen kann ich nichts machen. Ja, das geschieht auch, das ist so quasi auch so die liberale Idee, naja, wir haben alle irgendwie einen Balken, also laufen wir alle mit Balken und haben so ein Brett vorm Kopf. Ja, und das ist nicht, sondern Jesus will nur sagen: Wenn du blind bist, sieh zu, dass du erst sehend bist, kaufe du dir die Augensalbe und dann kannst du die anderen Blinden auch zur Augensalbe führen.

[40:08] Und deswegen, ihr kennt vielleicht in Apostelgeschichte 8 die Geschichte, ich lese das jetzt nicht, aber von Simon Magus, oder? Kennt ihr die? Der Simon Magus, der wollte auch gerne Hand auflegen können, der wollte gerne den Heiligen Geist spenden können, hat sogar Geld dafür gegeben. Der wollte, mit anderen Worten, der wollte auch gerne Apostel sein. Der war relativ frisch bekehrt, war frisch getauft und wollte gleich was tun, war begeistert. Und was sagte Petrus zu ihm? "Dein Herz ist nicht bekehrt und du kannst nicht teilhaben." Erst wenn du dich bekehrst, kannst du so eine Aufgabe übernehmen.

[40:40] Jetzt schaut man in Psalm 50, da gibt es, wir wollen noch zwei Verse miteinander vergleichen und dann sind wir fast am Ende. In Psalm 50 und Psalm 51, da gibt es zwei interessante Abschnitte, die nebeneinander stehen, obwohl man das manchmal gar nicht so bemerkt. In Psalm 50 haben wir einen Abschnitt, schaut mal, in Psalm 50 ab Vers 16. Da heißt es: "Zu dem Gottlosen aber spricht Gott: Was zählst du meine Satzungen auf und nimmst meinen Bund in deinen Mund, da du doch Zucht hasst und meine Worte verwirrst?" Also hier spricht es von einem Gottlosen, der was macht? Was macht der Gottlose? Der predigt, der predigt über den Bund, der predigt über den neuen Bund, der predigt über die Satzung, der predigt über die Gebote. Vers 16, also der zählt die Satzungen auf, der predigt über die Bibel und aber er hasst, er hasst die Zucht Gottes. Also das ist jemand, der liebt es, anderen von der Bibel zu erzählen, aber wenn Gott sagt: "Hör auf mit dieser Lebensstilpraxis", dann sagt er: "Nö, will ich nicht."

[41:45] So und jetzt in Vers 18: "Siehst du einen Dieb, so freundest du dich an, und mit Ehebrechern hast du Gemeinschaft. Deinen Mund lässt du Böses reden und deine Zunge knüpft Betrug. Du sitzt da und redest gegen deinen Bruder, den Sohn deiner Mutter verleumdest du. Das hast du getan, und ich habe geschwiegen, da meintest du, ich sei gleich wie du; aber ich will dich zurechtweisen und es dir vor Augen stellen." Also hier gibt es jemand, der predigt anderen und lästert gleichzeitig. Er zählt die Satzungen auf und hat Gemeinschaft mit Ehebrechern oder mit Dieben oder er bricht die zehn Gebote und dann sagt Jesus, sagt Gott hier: "Ich habe dich nicht gleich dafür gestraft, deswegen hast du gedacht, es sei in Ordnung, aber denke nur nicht, weil es eine Zeit lang so gut ging und keiner was gemerkt hat, dass nicht das Gericht kommen wird, über sie nicht die langen Mut Gottes sich zur Buße leitet."

[42:41] Und jetzt schaut mal im Gegensatz dazu in Psalm 51. Also Psalm 50, der Gottlose, der über das Gesetz Gottes redet und Gott sagt: "Hey, was machst du da? Warum redest du über mein Gesetz, wenn du es nicht hältst?" Psalm 51 und ihr wisst, wer Psalm 51 geschrieben hat, das war David nach Bathseba, das war nachdem er gesehen hat, nachdem Nathan ihm den Balken gezeigt hat: "Du bist der Mann, hier ist der Balken" und er hat den Balken aus seinem Auge gezogen mit Gottes Hilfe und dann schaut man Vers 11: "Verbirg dein Angesicht vor meinen Sünden und tilge alle meine Missetaten. Erschaffe mir, o Gott, ein reines Herz und gib mir von neuem einen festen Geist in meinem Innern." Hier seht ihr gerade, wie quasi der Balken entfernt wird, seht ihr das? "Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir. Gib mir bitte die Freude in deinem Heil und stärke mich mit einem willigen Geist." Und was kommt jetzt? "Ich will die Abtrünnigen deine Wege lehren, dass sich die Sünder zu dir bekehren." Nachdem der Balken weg ist, kann er anderen helfen, den Splitter zu entfernen. Er hat selbst erlebt, wie Gott ihm vergibt, er hat gesehen, wie der Heilige Geist das Gesetz in sein Herz schreibt und jetzt kann er Sündern wirklich helfen. Es mangelt nicht an Leuten, die das Wort Gottes kennen, es mangelt an bekehrten Leuten, die das Wort Gottes kennen. Das ist die ganze Grundannahme von Laodizäa.

[43:59] Und letzter Vers in 2. Petrus 1 und dort Vers 9, woher kommt diese Blindheit in unserem Leben, woher dieser Balken oder Splitter, je nachdem. 2. Petrus 1, Vers 9, da heißt es: "Wem dagegen diese Dinge fehlen, die alle vorbeschrieben sind, der Glaube, die Tugend, die Erkenntnis, die Selbstbeherrschung und so weiter, dieses standhafte Ausharren, die Liebe, die Bruderliebe, wem dagegen diese Dinge fehlen, der ist blind und kurzsichtig und hat die Reinigung von seinen früheren Sünden vergessen." Also wodurch entsteht diese Blindheit? Sie entsteht dadurch, dass ich vergessen habe, dass ich am Kreuz sein muss. Wenn ich vom Kreuz weglaufe, weil ich denke, jetzt habe ich ja schon eine ganze Menge erreicht, jetzt kann ich mal wieder ein bisschen aus eigener Kraft leben, dann fängt er an, der Balken zu wachsen. Dann weiß ich zwar immer noch genauso viel in der Bibel, aber ich kann den anderen nicht mehr helfen, weil ich nicht mehr weiß, wie es war, als Jesus mir vergeben hat, weil ich nicht mehr ein Bewusstsein dafür habe, was für ein schlimmer Sünder ich bin. Und dann lässt es sich ganz schnell recht haben. Dann ist es nicht mehr Gerechtigkeit, sondern Rechthaberei.

[45:19] Da gibt es auch Ellen White Aussagen, die in die Richtung gehen, ganz genau. Also halten wir fest: Was ist dann unsere Aufgabe? Unsere Aufgabe ist, dass wir täglich am Kreuz sind und sicherstellen, dass wir kein Brett vorm Kopf haben, also keinen Balken im Auge. Weil nur, wenn wir täglich mit dem Heiligen Geist erfüllt sind, wenn wir uns täglich wieder neu erden, wenn wir uns täglich bewusst machen: "Ich bin nichts Besonderes, ich bin nur da, wo mein Meister ist, ich folge meinem Meister Schritt für Schritt", dann werden wir die Liebe haben und das Taktgefühl und, sage ich mal, die Fähigkeit, einem anderen wirklich zu operieren.

[46:15] Wollt ihr von jemandem operiert werden, der einen Balken im Auge hat? Das führt nur zu größeren Komplikationen. Und viel von dem, was manchmal geschieht, passiert dadurch, dass andere wohlmeinend jemandem helfen wollen, aber selbst gar nicht erlebt haben, was es bedeutet, frei zu sein. Und dann wird es nur noch schlimmer. Wir wollen uns erinnern, was Jesus für uns getan hat. Und wenn wir wissen, wie Jesus mit uns umgegangen ist, dann werden wir auch die richtigen Worte finden zur richtigen Zeit, die dem anderen helfen zu sehen. Denn darum geht es. Es geht darum, dass der andere sehen kann. Und wir lassen uns daran festhalten, dass wir Tag für Tag zu Jesus kommen.

[46:57] Wollen wir noch beten zusammen? Lieber Vater im Himmel, du weißt, wie oft wir mehr gewusst haben, als wir umgesetzt haben, wie oft wir stolz waren auf unser Wissen und wie oft doch die Balken gewachsen sind in unserem Auge. Herr, vergib uns, wenn wir nach den Fehlern von anderen Ausschau gehalten haben. Schenk du uns die Gesinnung Jesu, die bereit ist, auch Unrecht zu erleiden und durch ein friedfertiges und sanftes Gemüt ein Beispiel zu sein für die Kraft deines Wortes. Wir möchten dich um Vergebung bitten, dass wir alle, die wir hier vor dir knien und sitzen und stehen, dass wir alle schon so oft uns über dich erhoben haben. Auch uns, dass das vielleicht gar nicht bewusst gewesen ist. Aber unser Stolz hat uns einmal hingeführt. Herr, wir möchten lernen, täglich am Kreuz zu bleiben. Wir möchten lernen, in dieser Vollendung zu wachsen, bis wir ganz vollendet sind. Nicht indem wir Großes erreicht haben, sondern endlich diese Demut und Sanftmut mit dem Herzen haben, die Jesus gehabt hat. Und wir danken dir, dass wir wissen dürfen, dass du uns dann gebrauchen kannst, um noch viele Splitter zu ziehen und vielen Menschen zu helfen, dass sie sehen können. Und dass du uns für große Aufgaben vorbereiten möchtest. Gib, dass wir wie David unsere Schuld bekennen, so wie es angemessen ist. Und auf deine Gnade vertrauen, dass du uns heilen kannst und ausbilden kannst für die Aufgaben, die du von uns hast. All das bitten wir im Namen Jesu. Amen.

[48:52] Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!


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