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Manuskript zur Sendung >>> Römer Teil 11

In dieser Folge der Cannstatt Study Hour wird der Römerbrief von Christopher Kramp fortgesetzt. Der Fokus liegt auf Römer 12, Vers 18 bis Kapitel 14, Vers 16. Es werden praktische Anweisungen für das christliche Leben gegeben, darunter die Haltung gegenüber Feinden, die Unterordnung unter staatliche Autoritäten und die Bedeutung der Liebe als Erfüllung des Gesetzes. Weiterhin wird auf die Annahme von Gläubigen mit unterschiedlichem Glaubensverständnis und die Vermeidung von Streitigkeiten über Gewissensfragen eingegangen.


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Serie: Cannstatt Study Hour 2017 Q4: Der Römerbrief (Reformations-Spezial)

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Transkript

[0:00] Hallo und herzlich willkommen zur Cannstatt Study Hour hier auf www.joelmedia.tv.de. Herzlich willkommen gilt auch allen Zuschauern von Amazing Discoveries zur 11. Folge unseres Reformation-Spezials zum Römerbrief. Wir wollen diesen gewichtigen Brief des Paulus gemeinsam Vers für Vers lesen und biblisch analysieren und kommentieren.

[0:43] Wir haben im letzten Mal den großen Abschnitt der Evangeliumsdarstellung, diesen ganzen theologischen Abschnitt eigentlich beendet mit den letzten Versen aus Römer 11, wo Paulus zeigt, wie durch das Evangelium ganz Israel im geistlichen Sinne gerettet wird. Alle, die an Jesus glauben und um Herzlichkeit bekommen, gehören zu Israel. Und dann ist Paulus in diesem Ausruf ausgebrochen: „O, Tiefe und Reichtum der Weisheit und Erkenntnis Gottes!“ Und dann ist er übergegangen zu den praktischen Schlussfolgerungen.

[1:16] Wie soll der Gläubige, der dieses Evangelium, das er von Kapitel 1 bis 11 erklärt hat, wie soll der Gläubige leben? Und die vernünftige Antwort zu Paulus in Römer 12 in den ersten Versen ist, dass das ganze Leben ein lebendiges, geistliches, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer ist. Das hat praktische Konsequenzen, dass man sich nicht mehr über den anderen erhebt, weil man sich bewusst ist, dass in der Gemeinde verschiedene Gaben sind, die alle von Gott kommen. Da hat Paulus eine ganze Reihe von praktischen Lektionen aufgeschrieben, die in ihrer Kürze so einfach zu verstehen sind, dass niemand irregehen muss. Und an der Stelle wollen wir jetzt in Römer 12 weitermachen.

[1:54] Bevor wir das aber tun, wollen wir mit einem Gebet starten. Lieber Vater im Himmel, wir danken dir von ganzem Herzen für den Römerbrief und für die Gelegenheit, jetzt wieder Interessantes lernen zu dürfen aus deinem Wort. Wir möchten dich bitten, dass du mit deinem Heiligen Geist gegenwärtig bist, dass du uns in alle Wahrheit führst, uns vor Irrtum bewahrst und dass du uns die Weisheit schenkst, die wir brauchen, um das dann nicht nur zu verstehen, sondern umzusetzen in unseren Alltag. All das bitten wir im kostbaren und teuren Namen Jesu, unseres Erlösers und Hohenpriesters. Amen.

[2:27] Römer 12 und dort Vers 18. Psalm 34, Vers 15. So sagt es Psalm 120, Vers 7. Vers 19. Christen sollen sich nicht rächen, sondern sie sollen Gott die gerechte Beurteilung und angemessene Bestrafung überlassen. Sein Zorn zeigt sich im Gericht. Davon haben wir schon in Kapitel 1 und 2 einiges gehört. Und der Gläubige soll dieses Gericht nicht durch Selbstjustiz vorwegnehmen. Dieser Gedanke wird dann später gleich nochmal im Laufe dieses Studiums auftauchen.

[3:55] Paulus zitiert hier aus dem 5. Buch Mose, Kapitel 32, Vers 35. Dort der Kontext ist auch sehr interessant. Da geht es um das archivarische Verzeichnis aller Sünden im Himmel, in dem Vers 34. Und auch um das Gericht, das für das Volk Gottes stattfindet. Also ein Kontext, der eigentlich auch auf das Untersuchungsgericht hinweist. Und dieses Zitat verwendet Paulus auch in Hebräer 10, Vers 30. Im Grunde genommen setzt er hier den Gedanken aus Vers 14 und 17 von Römer 12 fort, wo ja schon gesagt worden ist, dass man die Verfolger, die Feinde segnen soll und ihnen nicht fluchen soll.

[4:32] Also im Bewusstsein, dass Gott gerecht richten wird, kann man auch den Feind lieben, ihm vergeben und Gutes tun. Interessanterweise ist in der Bibel, in 3. Mose 19, das Verbot der Selbstrache direkt in einem Vers verknüpft mit dem Gebot der Nächstenliebe. Ein biblisches Beispiel ist die Abigail, die den David davon abgehalten hat, sich selbst zu rächen. Wir sollen uns nicht freuen, wenn der Feind fällt. Also nicht nur sich nicht rächen, sondern auch innerlich nicht Rachegefühle empfinden.

[5:01] Und Gott ist der Gott der Rache und er ist ein Richter der Erde. Diese Idee, „gebt Raum der Rache“, soll also bedeuten, dass wir uns nicht durch Selbstjustiz, durch voreiliges Handeln der Rache Gottes in den Weg stellen. Weil nämlich durch unser eigenes unvollkommenes Handeln dann das Bild von Gott und seinen Charakter verzerrt wird. Wenn Gott recht, wenn er Gericht hält, dann wird er das so tun, dass alle Menschen das am Ende auch anerkennen werden.

[5:29] Vers 20, noch ein Zitat. „Wenn nun dein Feind Hunger hat, so gib ihm zu essen. Wenn er Durst hat, dann gib ihm zu trinken.“ Wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Also dieser Gedanke ist dem Paulus sehr wichtig. Von allen Themen hier in Römer 12 ist die Feindesliebe besonders wichtig. Er stellt sie markant heraus als ein Kennzeichen des christlichen Lebens.

[5:58] Hier zitiert er jetzt, wie gesagt, Sprüche 25, Vers 21 und 22. Dieses Thema der Feindesliebe hat der Jesus auch in der Bergpredigt Matthäus 5 aufgegriffen. Und Paulus hat von der Feindesliebe Gottes gesprochen in Römer 5 und dort Vers 8 und 10, als er davon gesprochen hat, dass Jesus am Kreuz von uns gestorben ist, als wir noch Feinde waren, als wir noch Sünder waren. Und wenn wir jetzt mit Gott leben, wenn wir seinen Geist in unserem Herzen haben, dann werden auch wir die Feinde lieben.

[6:27] 2. Mose 23, selbst dem Esel des Feindes sollen wir aufhelfen. Und man sieht als praktische Illustration dieses Prinzips hier, dass Saul zweimal positiv darauf reagiert hat, als David ihn eben aufgrund seiner Feindesliebe nicht umgebracht hat. Dieses Bild von den feurigen Kohlen ist ganz interessant. In Hohelied 8, Vers 6 spricht es von der Feuerglut der Liebe. Und in der englischen King James Version wird diese Feuerglut als „coals of fire“, als feurige Kohlen beschrieben. Möglicherweise ist da ein Zusammenhang, dass hier also durch die Feindesliebe sozusagen diese Liebe auch etwas Brennendes hat, das im Gewissen des Feindes dann seine Wirkung tut.

[7:11] Vers 21, dieser ganze Abschnitt, kurze Anweisung, wird abgeschlossen durch diesen Aufruf: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse durch das Gute.“ Wir haben nur zwei Möglichkeiten, entweder überwunden werden oder überwinden. Diese beiden Optionen stehen dem Christen zur Verfügung. Der Gläubige ist auch nach seiner Bekehrung dem Bösen ausgesetzt. Und noch einmal wird hier diese Idee betont, dass wir das Böse, dem wir begegnen, mit Gutem entgegengehen.

[7:43] Das Gute, so hat ja schon Paulus in Römer 7, Vers 12 gesagt, das ist natürlich Gott, sein Geist und sein Wort, sein Gesetz, das gut und gerecht und heilig ist. Wir sollen, so sagt Petrus in Kapitel 3, Vers 9, seinem ersten Brief, auf Böses mit Gutem reagieren, weil wir wissen, dass wir berufen sind, Segen zu erben.

[8:03] Mit diesem Gedanken, dass wir also das Böse überwinden sollen durch Gutes, durch unsere Verbindung mit Gott und durch den Geist, der in uns wirkt, und durch das Halten des guten Gebotes, durch die Kraft Jesu, schließt jetzt also diese Sektion kurze Anweisungen und Paulus geht jetzt auf einen neuen Gedanken, ein neues Thema, ein neuer Gedankenabschnitt in Kapitel 13, Vers 1.

[8:28] In Kapitel 12 hat er sich vor allem der Frage gewidmet, was betrifft den Christen, seinem praktischen Glaubensleben, seinem praktischen Gemeindeleben. Jetzt soll es darum gehen, den Christen in seiner Stellung in der Gesellschaft, im Staat zu verordnen. Wie soll der Christ sich im Staat verhalten? Wir lesen in Vers 1.

[9:02] Nun, das bedeutet natürlich nicht, dass jede staatliche Ordnung in dem, was sie tut, Gottes Willen tut. Aber die staatliche Ordnung ist von Gott eingesetzt. Das grundlegende Prinzip lässt sich im Buch Daniel sehr schön zeigen, anhand des Königreichs Babylon. Dort wird in Daniel 2 dem König Nebukadnezar gesagt, dass er von Gott das Königreich empfangen hat, um ein Segen zu sein für die Menschen, suche in Daniel 4.

[9:31] Nun kommt es aber vor, dass der Nebukadnezar Gesetze erlässt, die gegen Gottes Gebot sind. So namentlich Daniel 3, das goldene Standbild, das angebetet werden soll unter Androhung der Todesstrafe. Und dieses Gebot der Obrigkeit wird von den Gläubigen, den drei Freunden Daniels, nicht umgesetzt. Sie beachten es nicht, sie müssen es ablehnen, weil es gegen Gottes Gebot verstößt.

[9:52] Als dann aber derselbe König, derselben Geschichte, eine Gefährte weiter, die durch Jesus geretteten drei Freunde Daniels aus dem Feuerofen ruft, dann folgen sie wiederum dem Gebot des Königs, auch wenn sie vielleicht noch etwas länger mit Jesus im Feuer gewesen wären. Sie kommen der Forderung des Königs nach, jeder Forderung, die nicht dem Wort Gottes, seinem Gesetz entgegensteht.

[10:15] Das zeigt diese Balance bei diesem biblischen Thema. In der Bibel ist die Auflehnung gegen den Richter und auch den Priester in 5. Mose 17 sogar todeswürdig. Gottesfurcht führt zu gegenseitiger Unterordnung, und Unterordnung hat auch etwas auf unser Leben im Staat damit zu tun. Titus 3 Vers 1, wir sollen den Regierenden uns unterordnen und ihnen gehorsam sein. Verführer sind es, die die Herrschergewalt verachten.

[10:42] 2. Petrus 3 Vers 10, Gott setzt die Könige ein und wieder ab. Wie schon gesagt in Daniel 2, und er hat als Höchster die Macht über das Königtum der Menschen. Daniel 4 Vers 29, auch die Macht von Pontius Pilatus, sagt Jesus, war ihm von Gott gegeben und Jesus ist der König aller Könige.

[11:00] Vers 2, Paulus sieht daraus jetzt die logische Schlussfolgerung. Wer sich also gegen die Obrigkeit auflehnt, der widersetzt sich der Ordnung Gottes. Die sich aber widersetzen, ziehen sich selbst der Verurteilung zu. Im christlichen Leben ist kein Platz für politisch motivierte Rebellion und Sezession und Auflehnung.

[11:18] Natürlich gibt es die gerade schon beschriebene Ausnahme, wenn die Staatsmacht gegen Gottes Gesetz handelt, dann kann natürlich die Nichtbefolgung der staatlichen Gesetze keine Widerstand gegen Gott sein, sondern es eine Treue zu Gott. Das heißt, in diesem Prinzip ist bereits die Ausnahme eigentlich enthalten.

[11:37] Interessanterweise sagt auch 1. Petrus 2 Vers 13, 14, dass diese Unterordnung nicht nur die oberste politische Instanz betrifft, sondern alle verschiedenen darunter liegenden Strukturen ganz genauso. Denn die Herrscher sind nicht wegen guter Werke zu fürchten, sondern wegen Böse. Wenn du dich also vor der Obrigkeit nicht fürchten willst, so tu das Gute, dann wirst du das Lob von ihr empfangen.

[12:01] In der Regel hat derjenige, der einfach Gutes tut, keine Repressalien vom Staat zu fürchten, sondern man kommt in der Regel mit dem Gesetz des Landes in Konflikt, wenn man ein Krimineller ist, wenn man Böses tut, wenn man die Gesetze bricht. Und so sagt schon Sprüche 14, 35, ein König hat Wohlgefallen an einem verständigen Knecht.

[12:21] Nun, diese Regel gilt nicht immer, es kommt auch vor in Zeiten der Verfolgung, dass der Gläubige, der Gutes tut, aufgrund des Guten, das er tut, verfolgt wird und leidet. Doch so sagt uns 1. Petrus 3 Vers 13, 14, auch das ist dann ein Segen und muss uns nicht beunruhigen und ist kein Anlass dann gegen die verfolgende Macht politisch mit Rebellion und Revolution zu Felde zu ziehen.

[12:47] Vers 4, „Denn sie ist Gottes Dienerin, zu deinem Besten. Tust du aber Böses, so fürchte dich, denn sie trägt das Schwert nicht umsonst. Gottes Dienerin ist sie, eine Rächerin zum Zorngericht an dem, der das Böse tut.“

[13:02] Der Staat ist sozusagen ein Gefäß zur Ehre, da ja die meisten Staatsbeamten selbst nicht einen biblischen Glauben haben, wie er jetzt in Römer Kapitel 1 bis 8 beschrieben wird, oder 1 bis 11. Aber auch das Wirken des Staates dient denen, die Gott lieben, zum Besten. Gott hat dem Staat eine Rolle zugedacht, nämlich die zwischenmenschlichen Beziehungen zu schützen und die Bosheiten, die auf der zwischenmenschlichen Ebene geschehen, zu rächen und damit die Gesellschaft auch vor der Verrohung zu schützen.

[13:35] Deswegen hat der Staat das Schwert. Und hier bezieht sich der Paulus offensichtlich auf ein ganz konkretes juristisches Konstrukt des römischen Rechtes. Da gab es das Ius Gladii, das Schwertrecht. Jeder Verwalter einer römischen Provinz hatte das von Rom delegierte juristische Recht, die Todesstrafe zu vollstrecken.

[14:01] Wir haben ja gerade in Kapitel 12, Vers 19 gelesen, dass Gott der Rächer ist, aber hier sehen wir, dass Gott teilweise seine Autorität auch delegiert. So sieht man das zum Beispiel auch in Hesekiel 25, 14. Und in dem Fall delegierte er einen Teil seiner Autorität auch zur Rache an den Staat.

[14:18] Vers 5. Darum ist es notwendig, sich unterzuordnen, nicht allein um des Zornsgerichts, sondern auch um des Gewissens willen. Paulus sagt, allein schon diese Tatsache der Funktion des Staates leitet eine Unterordnung ab, die notwendig ist. Aber das eigene Gewissen ist ein ebenso wichtiger Grund.

[14:39] Wir sehen bei David, als er dem Saul ein Stück vom Gewand abschnitt, dass ihm danach Gewissensbisse kamen. Und der Paulus sagt uns, dass er sich bemüht, allen Menschen gegenüber, nicht nur den Gläubigen, sowohl Gott als auch allen Menschen gegenüber, ein reines Gewissen zu haben. Apostelgeschichte 24, Vers 16.

[14:57] Aus diesen Überlegungen leitet Paulus jetzt weitere praktische Konsequenzen für den Christen ab. Vers 6. Deshalb zahlt er ja auch Steuern, denn sie sind Gottesdiener, die eben dazu ständig tätig sind. Der Christ soll Steuern zahlen. Ganz egal, ob uns das gefällt oder nicht, denn die Steuern werden unter anderem dazu verwendet, dass böse Menschen entsprechend bestraft werden und es weitestgehende Frieden und Sicherheit gibt, was dem Gläubigen zugutekommt, nicht nur in seinem persönlichen Leben, sondern auch in der Gelegenheit, das Evangelium zu verbreiten.

[15:31] Also im Griechischen ist diese Steuerzahlung eine zu erfüllende Verpflichtung, nicht eine Option. Übrigens waren es gerade die Feinde des Volkes Israel, die in Esra 4 behaupten, dass die Juden keine Steuern zahlen wollen. Jesus hat das Recht des Kaisers, Steuern zu erheben, deutlich bestätigt, weil das Geld vom Kaiser auch kommt und sein Gesicht trägt. Und man hat Jesus beschuldigt, das war eine der Anschuldigungen an ihn, dass er das Volk vom Steuernzahlen abhalten würde.

[16:05] Vers 7. „So geht nun jedermann, was ihr schuldig seid: Steuern, dem die Steuer; Zoll, dem der Zoll; Furcht, dem die Furcht; Ehre, dem die Ehre gebührt.“ Heißt also auf Deutsch, der Gläubige soll seine zivilrechtlichen Pflichten ernst nehmen und Steuern, Zoll etc. bezahlen, sowie die einzelnen Behörden als auch die Würdenträger achten.

[16:24] Hier ist das grundlegende Prinzip der Achtung und des Respekts vor Höhergestellten oder wichtigen Personen angeführt, das wir in der Bibel immer wieder finden. Wir sollen die Eltern fürchten, wir sollen alte Menschen ehren, wir sollen Gemeindeleiter ehren, wir sollen Gott fürchten, den König, die Sklaven sollten den Herren gehorchen. Was ein interessanter Punkt ist, weil Gott natürlich sich die Sklaverei an sich nicht gewünscht hat und auch eigentlich wollte, dass sie abgeschafft wird. Aber es war eben nicht die Aufgabe der Sklaven, durch rebellische Auflehnung die Sklaverei zu beseitigen.

[17:00] Vers 8. Paulus leitet jetzt über zum eigentlichen Kernthema des christlichen Lebens, nämlich der Liebe. „Seid niemand etwas schuldig, außer dass ihr einander liebt. Denn wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt.“ Wer liebt, ist in Harmonie mit dem Gesetz Gottes. Und damit wird deutlich, dass das Evangelium nicht das Gesetz Gottes abgeschafft hat oder ändert, sondern zur praktischen Erfüllung des Gesetzes im Alltag führt.

[17:31] „Seid niemand etwas schuldig“, einige biblische Ideen dazu. 5. Mose 24. Wir sollen den verdienten Lohn dem Arbeiter nicht zurückhalten, keine Wohltat hinausschieben, die wir tun sollten, wenn es unserer Macht steht. Sprüche 3. Das ganze Gesetz basiert auf der Idee, dass wir andere so behandeln, wie wir selbst behandelt werden möchten. Das ist die Erfüllung des königlichen Gesetzes, wenn wir das Gebot der Nächstenliebe erfüllen. Liebe ist das Band der Vollkommenheit, sagt Kolosser 3, Vers 14. Das Ziel des Gebots, 1. Timotheus 1, Vers 5, ist die Liebe aus reinem Herzen.

[18:06] Paulus zählt jetzt, und das ist offensichtlich jetzt hier wirklich bei den 10 Geboten, denn er zählt jetzt einige exemplarisch auf, in Vers 9 aus 2. Mose 20. „Denn die Gebote: Du sollst nicht Ehe brechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsches Zeugnis ablegen, du sollst nicht begehren.“ Und welches andere Gebot es noch gibt, werden zusammengefasst in diesem Wort, nämlich: „Du sollst deine Nächsten lieben wie dich selbst.“

[18:28] In dieser Sektion, in der Paulus jetzt über die Pflichten des Christen angesichts, oder die praktische Umsetzung des Evangeliums angesichts dieser Weisheiten Gottes, dieses Evangeliums, darüber spricht, ist das Gesetz immer noch relevant. Nicht abgeschafft, die 10 Gebote sind immer noch hier ganz klar das, was die Pflicht des Gläubigen darstellt. Nicht alle werden aufgezählt, aber die Tatsache, dass sie alle zusammengefasst werden, macht deutlich, dass sie nicht einzeln voneinander getrennt werden können. Sie sind in ihrer Gesamtheit ist die Essenz, die Liebe, denn Gott ist Liebe.

[19:10] Auch Jesus hat einige dieser Gebote aufgezählt, in Matthäus 19, Vers 18, und damit deutlich gemacht, dass sie noch immer gelten und entscheidend sind, wenn wir ewiges Leben haben wollen. Paulus hat ja vorher schon über die 10 Gebote gesprochen im Kontext der Sündenerkennung. Das heißt, die schriftliche Offenbarung der 10 Gebote, wenn ich sie lese, zeigt mir, ich bin ein Sünder. Die Erfahrung des Evangeliums vergibt meine Sünde, erfüllt mich mit der Liebe Gottes durch den Heiligen Geist, und diese Liebe zeigt sich jetzt im Halten der Gebote. Das ist der große Zusammenhang jetzt im Römerbrief. Es geht ja um den Glaubensgehorsam, also das große Ziel dessen, was der Paulus mit diesem Brief vorhat.

[19:49] Interessant ist hier, dass hier der Schwerpunkt natürlich auf den Geboten der zweiten Tafel liegt, auf den Geboten, die das Zwischenmenschliche betreffen. Das passt zu dem Gesamtzusammenhang hier in Kapitel 12 von 13. Deswegen wird auch nur 3. Mose 19, Vers 18 zitiert, das Gebot der Nächstenliebe, wiewohl Jesus ja an anderer Stelle dann dieses Gebot mit dem Gebot der Gottesliebe, „Du sollst den Herrn Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt“ aus 5. Mose 6 zusammennimmt.

[20:17] Vers 10, hier kommt das Ganze zu einem theologischen Höhepunkt. „Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses.“ So ist nun die Liebe die Erfüllung des Gesetzes. Das Wesen der Liebe ist es, dem Anderen nichts Böses zuzufügen. Und in diesem Sinne ist das Gesetz Gottes Ausdruck seiner Liebe. Und jeder, der christliche Liebe hat, wird per Definition das Gesetz erfüllen.

[20:45] Das Wesen der Liebe wird in 1. Römer 13 beschrieben. Und Jesus sagt, dass diese Liebe Gottes das Kernanliegen nicht nur der 10 Gebote, sondern eigentlich der gesamten Bibel ist. Und damit natürlich auch das Kernanliegen des Römerbriefes. Diese Liebe, die Gott zu uns hat, die er uns zeigt, indem Jesus für uns gestorben ist, uns frei vergibt, wenn wir ihm glauben. Und diese Liebe Gottes soll sich jetzt in unserem Leben praktisch zeigen.

[21:10] Vers 11. Und umso wichtiger ist es, dass man das lebt, was vorher beschrieben steht. Also was Paulus hier sagt ist, dass der Zweck der Prophetie, der Zweck der Zeichen der Zeit, diese Botschaft der sich nähernden Wiederkunft, der Zweck all dessen ist es, dass das christliche Leben, die Erfüllung des Gesetzes durch die Liebe, dass das tatsächlich im praktischen Leben Realität wird.

[22:08] Und wie wir gleich sehen werden, geht Paulus hier auch auf ein Zitat aus, oder auf einen Vers basiert er hier seine Überlegung, der in Jesaja 21 steht, auf den wir gleich noch kommen werden, wo der Wächter gefragt wird: „Wann ist die Nacht vorbei?“ Jesus hat die Schriftgelehrten getadelt, weil sie die Zeichen der Zeit nicht verstanden haben. Und 1. Thessalonicher 5 sagt uns, dass viele vom Kommen Jesu überrascht sein werden. Deswegen sollen wir vom Schlaf aufwachen.

[22:37] Das erinnert uns an Matthäus 25, wo die 10 Jungfrauen eingeschlafen sind. Jona war so fest im Schlaf, dass er selbst den Untergang seines Schiffes verschlafen hätte, wenn er nicht aufgeweckt worden wäre. Die Jünger haben die Zeit der Vorbereitung in Gethsemane verschlafen. Jesus sagt, wir sollen wachen, um nicht überrascht zu werden, Markus 13. Und wenn wir aufwachen, wird Gott uns Licht geben, Epheser 5 Vers 14. Wir sollen nicht schlafen wie die anderen, 1. Thessalonicher 5 Vers 6, sondern nüchtern sein.

[23:06] Die Errettung ist näher. Angesichts der Zeichen der Zeit sollen wir uns erheben, sagt Jesus in Lukas 21 Vers 28. Und in Erwartung der Wiederkunft sollen wir unbefleckt und tadellos leben. Also hier ist wieder der Zusammenhang zwischen der Erwartung der Wiederkunft und dem Leben des Gehorsams, dem Gesetz gegenüber, aufgrund des Heiligen Geistes, der die Liebe Gottes in unser Herz hineinbringt und der uns befähigt, durch die Kraft Gottes, mit Gott in Harmonie zu leben und die Taten des Fleisches zu töten.

[23:41] Vers 12. „Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber ist nahe. So lasst uns nun ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.“ Hier bezieht sich Paulus, so muss man sagen, tatsächlich auf Jesaja 21 Vers 11 und 12, wo wie gesagt der Wächter gefragt wird: „Wächter, wie lange ist es noch Nacht? Wann kommt der Tag?“ Und Paulus nimmt dieses Bild und sagt, die Nacht ist weit vorgerückt. Der größte Teil der Nacht ist vorbei. Jesus kommt bald. Der Tag ist nahe.

[24:13] Und das muss praktische Konsequenzen haben im Leben des Gläubigen. Er muss eine Entscheidung vollziehen. Die Werke der Finsternis müssen abgelegt werden. In der Nähe der Wiederkunft Jesu kann man nicht so weiterleben wie bisher. Hesekiel 18 Vers 31, 32. Die Treulosigkeiten müssen weggeworfen werden. Wir brauchen einen neuen Geist, ein neues Herz, denn Gott möchte nicht, dass wir sterben.

[24:33] Epheser 4 Vers 22. Der alte Mensch muss abgelegt werden, der verdorben ist durch die betrügerische Begierde. Kolosser 3, 8 und 9. Den alten Menschen mit seinen Taten sollen wir ablegen. Allen Schmutz sollen wir ablegen, Jakobus 1, 21. Alle Restbosheit. Wir sollen das Wort Gottes aufnehmen, das rettende Kraft. Also eine Waffe des Lichts. Wer Böses tut, der hasst das Licht. Wir sollen keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis haben. Und gläubige Menschen sind Kinder des Lichts und nicht der Nacht. Gott ist Licht und in ihm ist keine Finsternis, so sagt es 1. Johannes 1. Und wer in der Finsternis wandelt, kann ich gleichzeitig ernsthaft behaupten, dass er Gemeinschaft mit Gott hat. Denn wer im Licht wandelt, der wird durch das Blut Jesu von aller Sünde gereinigt.

[25:15] Das ist also immer noch sozusagen auch im Kontext dieser Idee, dass die Liebe Gottes in unserem Herzen so sehr präsent sein kann, dass wir mit dem Gesetz Gottes in Harmonie sind. Die Waffen des Lichts erinnern uns natürlich sofort an die Waffenrüstung Gottes in Epheser 6 Vers 11 bis 18. Und auch die Waffen der Gerechtigkeit, von denen Paulus im 2. Korinther 6 Vers 7 spricht.

[25:36] Vers 13. Das Leben des Gläubigen soll sich also jetzt schon in der Atmosphäre des Himmels befinden. Jesus kommt bald, bringt uns in den Himmel, bald ist es Tag, aber wir sollen jetzt schon leben wie am Tag, als wären wir von der Atmosphäre des Himmels umgeben. Und das hat Konsequenzen auf das Essen, auf das Trinken, auf unsere Sexualität, auf die Freizeitgestaltung, auf unsere zwischenmenschlichen Beziehungen, auf unsere eigene Einstellung.

[26:10] Wer im Geist wandelt, wird die Werke des Fleisches nicht erfüllen. Galater 5 Vers 16. Wir sind aufgerufen, so zu wandeln, wie Jesus gewandelt ist. 1. Johannes 2 Vers 6. Wir wollen würdig der Berufung wandeln und würdig des Herrn. Nicht mehr wie die Heiden in ihrem nichtigen Sinn. In Liebe sollen wir wandeln, als Kinder des Lichts sollen wir wandeln, in Sorgfalt sollen wir wandeln, so sagt es Paulus jeweils im Epheserbrief. Und das Ganze auch gegenüber den Ungläubigen.

[26:34] Schlemmerien und Trinkgelagen, da hat Jesus etwas dazu gesagt. Der böse Knecht isst und trinkt mit den Betrunkenen. Zur Zeit Noahs war das eines der Hauptprobleme. Diese Dinge beschweren das Herz und verhindern die Vorbereitung auf die Wiederkunft. Lukas 21. Sie verhindern den Eingang ins Reich Gottes. Statt mit dem Wein sollen wir mit dem Heiligen Geist erfüllt sein. Und die fleischlichen Lüste kämpfen ja gegen die Seele. Unzucht, Ausschweifung, auch diese Dinge verhindern den Eingang in das Reich Gottes. Das sind Werke des Fleisches, Galater 5. Sie sollen unter den Heiligen nicht einmal erwähnt werden, Epheser 5, Vers 3. Sollen Kolosser 3, Vers 5 abgetötet werden und wären, wenn sie weiter stattfinden, mit der Heiligung nicht vereinbar. So macht es Paulus deutlich in 1. Thessalonicher 4, Vers 3 und 5.

[27:16] Streit und Neid, Galater 5, Vers 15. Streit ist zerstörerisch, gehört zu den Werken des Fleisches. Und statt zu streiten, sollen wir den anderen höher achten als uns selbst, Philippi 2, Vers 3.

[27:28] Vers 14. „Sondern zieht den Herrn Jesus Christus an und pflegt das Fleisch nicht bis zur Erregung von Begierden.“ Wir sollen Christus anziehen, das heißt praktisch, wir sollen seinen Charakter reflektieren. Der soll sich in seinem täglichen Leben zeigen. Paulus warnt uns davor, das Fleisch zu pflegen, weil dadurch Begierden erregt werden. Wir sind ja nach Römer 8, Vers 12 und 13 nicht mehr verpflichtet, nach dem Fleisch zu leben, sondern können durch den Geist, der das Gesetz unser Herz schreibt, die Taten des Fleisches töten.

[27:58] Durch die Taufe haben wir Christus angezogen, der neue Mensch wird in Gerechtigkeit und Heiligkeit erneuert. Immer wieder neu. So sagt es Kolosser 4, Vers 24. Wir werden verwandelt in das Ebenbild des Schöpfers. Wir sollen den Charakter Jesu anziehen. Kolosser 3, Vers 10 bis 12. Und das Fleisch deswegen nicht pflegen, weil es gegen den Geist kämpft. Deswegen hat der Christ sein Fleisch gekreuzigt. Galater 5, Vers 24.

[28:21] Nun beginnt ein neuer Gedankenabschnitt in Kapitel 14, Vers 1. „Nehmt den Schwachen im Glauben an, ohne über Gewissensfragen zu streiten.“ Diejenigen, die schwach im Glauben sind, sollen also angenommen werden von den anderen Gläubigen und ein Urteil über ihre Gedankengänge soll unterbleiben. Die erste Frage ist, wer ist eigentlich schwach im Glauben? Das wird uns sehr helfen, dieses ansonsten durchaus missverständliche Kapitel richtig zu verstehen.

[28:46] Römer 4, Vers 19 hat ja schon über die Schwachheit im Glauben gesprochen. Abraham war nicht schwach im Glauben, weil er nicht auf die Umstände geachtet hat, die man als Hindernis hätte sehen können für die Erfüllung göttlicher Verheißung. Also wer schwach im Glauben ist, der schaut auf die Umstände und ist sich nicht so ganz sicher, ob Gott wirklich das tun kann, was er gesagt hat, weil halt diese ganzen Umstände sind.

[29:08] In der Hinsicht ist auch Matthäus 14, Vers 31 interessant, wo Petrus auf die Wellen achtet und dann als Kleingläubiger anfängt zu zweifeln, weil er angesichts der Umstände die rettende Kraft Gottes aus den Augen verliert. Der konkrete Anlass hier scheint der zu sein, wenn man 1. Korinther 8, Vers 7 und die folgenden Verse dort in Betracht zieht.

[29:22] Einige Gläubige aßen offensichtlich kein Fleisch, nicht aus Gesundheitsgründen, sondern weil sie Angst hatten, dass dieses Fleisch den heidnischen Gottheiten vollgeopfert worden sein könnte, was durchaus öfter vorkam. Und sie hatten jetzt in ihrem Gewissen die Idee, dass wenn dieses Fleisch bei einer Götzenopferzeremonie anwesend war, dass dadurch das Fleisch irgendwie vielleicht okkult belastet sein könnte und dass man durch das Essen irgendwie befleckt sein könnte.

[30:01] Und es geht hier also um Gewissensfragen. Das Wort „Gewissensfragen“ meint eigentlich hier so ein Durchdenken, gedankliche Selbstgespräche. Und Paulus sagt, wir sollen darüber nicht streiten. Eigentlich steht dort wörtlich, man soll nicht durch das eigene Unterscheidungsvermögen, das vielleicht reifer ist, die objektiv unnötigen Gedankenspiele des Glaubensschwachen als unreif einfach verurteilen.

[30:27] Vers 2. „Einer glaubt, alles essen zu dürfen, aber wer aber schwach ist, der isst Gemüse.“ Nun, es geht hier eben nicht um die Frage des vegetarischen Essens, sondern es geht darum, dass einige, die im Glauben schon reif waren, gesagt haben: Naja, das Fleisch wird nicht okkult belastet dadurch, dass es anwesend war bei einem Ritual. Die sogenannten Götter gibt es ohnehin nicht. Aber die Glaubensschwachen, die lassen sich davon irritieren und weil sie wissen, dass es diese Rituale gibt, weil sie wissen, dass das Fleisch war dort in der Nähe einer Zeus-Statue zum Beispiel, sind sie so sehr irritiert, dass sie aus Gewissensgründen lieber auf das Fleisch verzichten.

[31:06] Und nicht aus Gesundheitsgründen, sondern aus Gewissensgründen. Und deswegen als Alternative ihnen im Wesentlichen dann einfach nur noch Gemüse bleibt. Das ist also eine Frage, mit der wir heute auch zu kämpfen haben, wenn nicht in dieser Hinsicht, sondern im Prinzip ähnliche Fragen, die heute immer wieder diskutiert werden, wären zum Beispiel: Darf man einen Weihnachtsbaum aufstellen? Oder darf man sich Geräte kaufen, deren Hersteller irgendwie in okkulte Dinge verwickelt sind? Und diese Liste kann man beliebig erweitern.

[31:35] Und jeder, der ein bisschen in der Gemeinde sich umhält, weiß, diese Dinge können echte Fragen sein, echten Streit hervorrufen. Und Paulus wusste das, das war schon damals so, wenn auch die konkreten Anlässe sich geändert haben. Er hat zum Beispiel in 1. Korinther 10, Vers 25 empfohlen, keine extra Nachforschung anzustellen, ob bestimmtes Fleisch in den Götzen geweiht worden ist. Vielleicht ein interessanter Punkt, weil das bedeuten würde, dass wir als Christen nicht unbedingt in alle Ecken nachschauen sollen, ob irgendwo irgendwas Okkultes von irgendjemandem damit zusammenhängt. Vielleicht. Man kann das definitiv wohl übertreiben in dieser Hinsicht.

[32:08] Gemüse selbst an sich ist nichts Verkehrtes. Wir wissen aus der Bibel, das war Gottes Ideal für die Nahrung im Paradies. Und auch Daniel und seine Freunde wurden nicht schwächer, sondern klüger, schöner und stärker durch ihre pflanzliche Ernährung.

[32:22] Vers 3. „Wer isst, verachte den nicht, der nicht isst. Und wer nicht isst, richte den nicht, der isst. Denn Gott hat ihn angenommen.“ Aufgrund dieser Frage soll niemand den anderen verachten oder richten, ganz egal, welche Position man in diesen Gewissensfragen einnimmt. Gott ändert sich nicht. Und deswegen kann es hier nicht um diese ganzen Frage um die Speisegebote von 3. Mose 11 gehen, denn die gelten immer noch. Ihrer Verzehr wäre Gott ein Gräuel und man würde nicht bei Gott angenommen sein, wenn man die Dinge isst, die Gott verbietet.

[32:54] Hier geht es also um Dinge, die Gott eigentlich erlaubt hat, von denen man aber jetzt durch eigene Gedanken der Meinung ist, dass sie vielleicht doch unrein sein könnten, aufgrund der Umstände und der Dinge, die man sieht. Interessanterweise sagt Lukas 18, Vers 9, dass Selbsterhebung und Selbstgerechtigkeit verbunden ist mit Verachtung anderer. Wer andere richtet, der wird selbst gerichtet. Und da gibt es natürlich einige Beispiele in der Bibel. Und selbst Petrus musste erstaunt feststellen, dass die eigenen Kriterien, die er aufgestellt hatte, für wer ein Gläubiger ist und wer nicht, bei Gott keine Rolle spielten. Sondern, dass diese traditionellen Kriterien, wenn sie nicht aus dem Wort Gottes kamen, für Gott keine Bedeutung hatten.

[33:37] Vers 4, „Wer bist du, dass du den Hausknecht eines anderen richtest? Er steht oder fällt seinem eigenen Herrn. Er wird aber aufrecht gehalten werden, denn Gott vermag ihn aufrecht zu halten.“ Paulus erläutert nun den Grund, warum man den Bruder nicht richten soll. Er ist der Diener eines anderen Herrn, nämlich der Diener Gottes. Und der trägt Verantwortung für Gott, für den anderen. Gott trägt Verantwortung für ihn und der Bruder muss dem Herrn Rechenschaft ablegen.

[34:07] Eigentlich heißt es im Griechischen, du, wer bist du? Also die Betonung liegt auf dem du. Wer bist du eigentlich, dass du ihn jetzt richtest? Und den Fleischessenden als abgefallen betrachtest, nur weil du denkst, da lege eine okkulte Verbindung vor. Gott wird uns richten, wir sollen ihm nicht zuvorkommen. Gott vermag uns aufrecht zu halten, er gibt dem Müden Kraft. Jesus lebt immer, kann für uns eintreten. Gott ist in der Lage, uns vor dem Straucheln zu bewahren. Gott ist eine Zuflucht, unter uns sind ewige Arme.

[34:40] Weiteres Beispiel in Vers 5. Dieser Vers ist nicht ganz einfach. Es geht auf jeden Fall nicht um das vierte Gebot. Das wird aus dem Kontext sehr deutlich. Sondern es scheint darum zu gehen, dass einige Christen nach wie vor jüdische Feste eine gewisse Bedeutung zugemessen haben. Das wird aus Galater 4 Vers 10 deutlich. Auch in der Apostelgeschichte sieht man das hier und dort. Kolosser 2 Vers 16 und 17 scheint sogar anzudeuten, dass es deswegen Spannungen in der Gemeinde gab.

[35:17] Die Starken wussten, Jesus ist am Kreuz gestorben, deswegen haben die Feste keine Bedeutung. Und diese Tage, wenn sie dann kommen, sind genauso wie alle anderen Tage völlig egal. Die im Glauben Schwachen glaubten auch, dass Jesus für sie gestorben ist, aber hatten immer noch den Eindruck, naja, vielleicht ist dieser Tag noch wichtig. Sie beurteilten den Tag als etwas höher als die anderen. Das heißt also nicht, dass die Gläubigen, die im Glauben Schwachen waren, jetzt alle Rituale der Juden noch machten und unbedingt Opfer brachten. Aber sie haben diesen Tag irgendwie höher eingeschätzt.

[35:45] Und Paulus macht jetzt sein fundamentales Prinzip deutlich. Er sagt, solche Gewissensangelegenheiten können nicht durch Mehrheitsentscheidung oder Autorität bestimmt werden, sondern jeder Einzelne hat ein Gewissen. Und das darf nicht gebrochen werden, jeder sei seiner Meinung gewiss. Gleichzeitig gilt, und das ist jetzt sehr wichtig, dass das eigene Gewissen nicht der Maßstab ist für Anderes. Zwar für einen selbst wichtig, aber nicht, kann nicht als Maßstab für Andere gemacht werden, denn Gott ist übrigens größer als unser Herz.

[36:10] Vers 6. „Wer auf den Tag achtet, der achtet darauf für den Herrn. Und wer nicht auf den Tag achtet, der achtet nicht darauf für den Herrn. Wer isst, der isst für den Herrn, denn er dankt Gott. Und wer nicht isst, der enthält sich der Speise für den Herrn und dankt Gott auch.“ Der wichtige Punkt hier ist, dass jeder der Gläubigen in solchen Gewissensfragen versucht, Gott treu zu sein. Das Handeln mag zwar gegensätzlich sein, aber in beiden Fällen ist die, je nachdem ob man isst oder nicht isst, ist die aufrichtige Überzeugung da, so und für Gott zu leben. Und das sollte man achten, denn ob wir essen oder trinken oder was auch immer wir tun, wir sollten das ja zur Ehre Gottes tun.

[36:47] Und wer jetzt mit Gewalt etwas durchdrücken will in dieser Hinsicht, eine religiöse Meinung, da sagt uns 1. Timotheus 4, Vers 3, dass es ein Kennzeichen des Abfalls sein wird, der Lehre der Dämonen. Kann man ja dann nochmal dort nachlesen.

[36:59] Vers 7. Theologische Begründung kommt jetzt in Vers 7 und Vers 8. „Keiner von uns lebt sich selbst und keiner stirbt sich selbst, denn leben wir, so leben wir dem Herrn und sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir nun leben oder sterben, wir gehören dem Herrn.“

[37:13] Das heißt, jeder Mensch ist eigentlich Eigentum Gottes. Er lebt nicht für sich selbst. Unser Körper gehört uns nicht, so sagt Paulus in 1. Korinther 6, Vers 19, 20. Gottes Ziel ist es, dass die Menschen nicht mehr für sich selbst leben. Der Gläubige lebt nicht mehr selbst. Paulus sagt: „Ich bin mit Christus gekreuzigt, nun lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir.“ Und in jeder Lebenslage sollen wir mit Gott leben.

[37:39] Vers 8. „Denn leben wir, so leben wir dem Herrn und sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir nun leben oder sterben, wir gehören dem Herrn.“ Es geht hier also primär darum, dass jeder Gläubige Gott angehört und sekundär lässt sich daraus natürlich auch ableiten, wer für den Herrn lebt, der wird auch für seine Mitmenschen leben und es kann keinen Egoismus im Leben eines wahrhaft Gläubigen geben.

[38:05] Vers 9. „Denn dazu ist Christus auch gestorben und auferstanden und wieder lebendig geworden, dass er sowohl über Tote als auch über Lebende Herr sei.“

[38:14] Der vorige Gedanke wird jetzt mit dem eigentlichen Evangelium verknüpft, das in den Kapiteln vorher erklärt worden ist. Jesus ist gestorben und auferstanden und deswegen ist er Herr. Er hat die ultimative Autorität und wenn er sie hat, dann brauche ich nicht Richter über meinen Bruder und über meine Schwester sein. Weil Jesus die Sünden der Menschen getragen hat, sind die Menschen ihm als Anteil gegeben. So sagt es Jesaja 53, Vers 10-12. Ihm ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. Matthäus 28. Ihm ist das Gericht übertragen worden. Johannes 5, Vers 22-23. Er ist Herr über alle und deswegen Richter über Lebende und Toten.

[38:51] Das ist jetzt der entscheidende Punkt hier. Apostelgeschichte 10, Vers 36 und 42. Weil Jesus für alle gestorben und alle auferstanden ist, ist er Herr über alle. Ihm gehören alle und er wird alle richten. Er wird die Lebendigen und die Toten richten. 2. Timotheus 4, Vers 1.

[39:07] Und daraus ergibt sich folgende praktische Schlussfolgerung, die im Grunde genommen Vers 3 und 4 wiederholt, aber jetzt intensiviert. „Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder du, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden ja alle vor dem Richterstuhl des Christus erscheinen.“ Angesichts des Untersuchungsgerichtes macht es keinen Sinn, andere Gläubige zu verachten oder zu verurteilen, denn Jesus wird ohnehin gerecht über sie richten.

[39:32] Wir sollten also, wenn wir wirklich an das Gericht glauben, nicht den einen als abgefallen richten oder den anderen als engstirnig verachten, sondern diese Lehre vom Gericht, die Paulus den Römer 2, Vers 16 aufgeführt hat, diese Lehre sollten wir praktisch umsetzen. Verachtung ist satanisch, zeigt es sich bei der Verurteilung Jesu. Wir alle kommen in das Gericht, Prediger 12, Vers 14 und es wird nur zwei Gruppen von Menschen geben, so sagt es Jesus deutlich, Matthäus 25. Gott hat einen Zeitpunkt festgelegt, Apostelgeschichte 17, in dem das Gericht beginnt. Wir glauben als Adventbewegung, dass diese Zeit 1844 begonnen hat. Deswegen haben wir die Botschaft der drei Engel: „Die Stunde seines Gerichts ist gekommen.“ Und wir sollen nichts voreilig verurteilen, sondern das Gericht wird alles zur rechten Zeit tun.

[40:23] Alle unsere Taten werden vor dem Richterstuhl Christi offenbar. Und Paulus belegt das jetzt auch wie gewohnt durch ein alttestamentliches Zitat, diesmal aus Jesaja 45, Vers 23. „Denn es steht geschrieben: ‚So wahr ich lebe, spricht der Herr, mir soll sich jedes Knie beugen und jede Zunge wird Gott bekennen.‘“ Im Kontext geht es da um die Errettung und um die Rechtfertigung von Israel. Also genau um die Themen, die eigentlich Paulus auch in den Kapiteln vorher so umkreist hat und durchdacht hat.

[40:52] Und die Tatsache des Gerichtes, dass alle Knie sich vor Gott beugen werden, wird verbirgt mit einem Schwur, so wie das Gott auch schon beim Evangelium gemacht hat, bei den Verheißungen an Abraham. Paulus hat dann dieselbe Idee auch in Philipper 2, Vers 10 nochmal aufgegriffen.

[41:08] Vers 12, „So wird also jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben.“ Weil wir also wissen, dass Gott jeden Einzelnen zur Rechenschaft ziehen wird, müssen wir nicht die Bürde haben, andere zu verurteilen, nur weil wir in Gewissensfragen anderer Meinungen sind. Man sollte mit der Tatsache des Gerichtes vor Augen leben, so sagt das Prediger 11, Vers 19. Wir müssen über jedes Wort Rechenschaft ablegen, Matthäus 12, 36. Und Galater 6, Vers 5 sagt, jeder wird für sich selbst genug zu tragen haben und es gibt keinen Grund, sich mit anderen zu vergleichen und dadurch besser zu fühlen.

[41:39] Vers 13, „Darum, jetzt geht es um die praktische Anwendung, darum lasst uns nicht mehr einander richten. Sondern das richtet viel mehr, dass dem Bruder weder ein Anstoß noch ein Ärgernis in den Weg gestellt wird.“ Was wir also praktisch tun können, ist, dass wir gerade solche Anstoßsteine verhindern, dass wir gerade versuchen, dem Schwachen kein Anstoß zu sein. Dem Blinden soll kein Stein in den Weg gelegt werden, 3. Mose 19. Die Steine sollen aus dem Weg geräumt werden, Jesaja 57, Vers 14. Und wehe dem, sagt Jesus, der Anstoß gibt, sollen weder den Juden noch den Griechen noch den Gläubigen ein Anstoß sein, so sagt es Paulus in 1. Korinther 10, Vers 32, einfach in nichts, so in 2. Korinther 6, Vers 3.

[42:19] Paulus sagt natürlich, dass er weiß, dass eigentlich die, die stark im Glauben sind, Recht haben. Vers 14, „Ich weiß und bin überzeugt in dem Herrn Jesus, dass nichts an und für sich unrein ist, sondern es ist nur für den unrein, der etwas für unrein hält.“ Hier ist es vielleicht wichtig zu betonen, dass das Wort „unrein“ hier nur halb gut übersetzt ist. Das Wort heißt eigentlich „gewöhnlich“ oder „gemein“ und ist das Gegenteil zu heilig. Es geht hier nicht um die Unreinheit, die zum Beispiel in 2. Korinther 6, Vers 17 erwähnt wird, die auch im Neuen Testament noch gilt, sondern man sieht auch in Apostelgeschichte 10, dass diese Begriffe „gemein“ und „unrein“ nebeneinander gehören, aber eben doch zwei verschiedene Dinge meinen.

[42:57] Zum Beispiel in Markus 7, Vers 12 sind die ungewaschenen Hände gemein, denn sie verunreinigen das ansonsten eigentlich gut zu essende Essen nach jüdischem Brauch. Und jetzt gab es also Leute, die schwach waren im Glauben, die gesagt haben: Das Essen an sich könnte man zwar essen, aber weil es mit ungewaschenen Händen zubereitet worden ist, haben wir Gewissensbisse und sind uns nicht ganz so klar. Und Paulus sagt, naja, das liegt im Auge des Betrachters. Das ist an sich, ist das Essen rein, trotz der vielleicht ungewaschenen Hände oder trotz der Zeus-Statue, die neben dem reinen Fleisch war. Aber im Auge des Betrachters mag das jetzt trotzdem eine Unreinheit bewirken. Sie ist zwar eingebildet, aber trotzdem eine Realität für den, der schwach im Glauben ist.

[43:41] Und deswegen sagt er in Vers 15. Das ist also die andere Seite der Medaille. Paulus sagt also, rein theologisch ist die Sache klar. Das dürfte eigentlich kein Problem sein, das Stück Fleisch ist nicht okkult belastet, weil es dort vor der Zeus-Statue lag. Trotzdem wird der Schwache im Glauben es so sehen. Und wenn ich das weiß und jetzt billigend in Kauf nehme, dass mein Bruder dadurch angestoßen wird und es trotzdem esse, dann breche ich das Prinzip der Liebe und damit das Gesetz. Denn Römer 13, Vers 10 sagt ja, dass die Liebe die Erfüllung des Gesetzes ist. Denn die Liebe möchte nicht, dass dem Bruder etwas Schlechtes widerfährt. Ich möchte nicht, dass der Bruder traurig ist, dass er betrübt wird, dass er irritiert wird.

[44:35] Er sagt, Paulus sagt in 1. Korinther 8, Vers 12, „Also nicht nur das Wissen allein, sondern die Liebe erbaut die Gemeinde.“ Jemand kann also theologisch richtig liegen und trotzdem sündigen. Ohne die Liebe ist nämlich alles umsonst. Und die Freiheit soll zum liebevollen Dienst untereinander verwendet werden.

[45:00] Und so kommt Paulus jetzt zu der Schlussfolgerung in Vers 16. „So soll nun euer Bestes nicht verlästert werden.“ Eigentlich steht wörtlich einfach „euer Gutes“. Und die Idee ist wohl offensichtlich die, dass das, was eigentlich gut ist, der starke Glaube, das theologische Wissen, was ja nicht schlecht, sondern gut ist, vielleicht meint er sogar das ganze Evangelium, das soll nicht verlästert werden dadurch, dass wir das, was gut ist, unseren starken Glauben, unser Wissen so einsetzen, dass es einem anderen schädigt, weil wir nicht nachdenken und unweise damit umgehen.

[45:30] Unser Verhalten soll nämlich so sein, dass es in den Augen aller Menschen gut ist und nicht nur in unseren eigenen. Und allen Anschein des Bösen sollen wir vermeiden. In diesem Sinne ermutigt uns also Paulus nicht nur selbst richtig zu sein, sondern auch darauf zu achten, wie unser Verhalten bei anderen ankommt, wie es wirkt und ob wir auch dem anderen ein Segen sind.

[45:54] Und damit ist er ganz bei dem Thema dieser Liebe Gottes, die er jetzt hier praktisch anwendet auf das Gemeindeleben. In der nächsten Woche werden wir an der Stelle weitermachen und schauen, was es weiter so an praktischen Ratschlägen gibt für das Leben des Gläubigen. Und ich denke, schon heute haben wir etliches gesehen und studiert und erkannt, was uns auch in unserer Gemeinderealität immer wieder im Prinzip begegnet, wo wir durch den Paulus jetzt vielleicht eine klare, ausgewogene und biblisch fundierte Position einnehmen können und vor allem eine Gelegenheit sehen können, diese Liebe, die Gott für mich gehabt hat, auch für den anderen auszuüben. In diesem Sinne wünschen wir euch Gottes Segen. Wir freuen uns, wenn ihr nächste Woche wieder einschaltet. Und bis dahin viel Freude im Studium seines Wortes. Amen.


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