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Manuskript zur Sendung >>> Römer Teil 6

In dieser Cannstatt Study Hour-Episode taucht Christopher Kramp tief in Römer 7:7 – 8:14 ein. Er beleuchtet die komplexe Beziehung zwischen Gesetz, Sünde und dem menschlichen Willen und erklärt, wie das Gesetz zwar die Sünde offenbart, aber nicht die Kraft zur Überwindung bietet. Die Ausführungen zeigen auf, wie die Macht der Sünde im Fleisch liegt und wie nur durch den Heiligen Geist wahre Freiheit und ein Leben gemäß Gottes Willen möglich wird.


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Serie: Cannstatt Study Hour 2017 Q4: Der Römerbrief (Reformations-Spezial)

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Transkript

[0:00] Hallo und herzlich willkommen zur Cannstatt Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Herzliches Willkommen auch allen Zuschauern auf Amazing Discoveries zu unserer CSH-Spezialserie zur Reformation über den Römerbrief. Wir wollen den Brief des Paulus an die Römer Vers zu Vers lesen und biblisch kommentieren, um wirklich den Gedankengang des Apostels verstehen zu können, wie diese Kraft des Evangeliums, die er so systematisch beschreibt, auch für unser Leben eine Realität wird.

[0:57] Wir haben uns das letzte Mal angeschaut, wie Paulus darüber gesprochen hat, dass das Problem der Sünde und die Lösung des Evangeliums seit Adam und in der Verheißung auf Jesus Christus hin, seit Beginn der Menschheit schon existent ist und dass das Gesetz am Sinai nur dazu kam, um das Problem der Sünde noch klarer als solches zu identifizieren. Wir haben dann gesehen, wer die Frage aufgreift, ob man als Gerechtfertigter weiter in der Sünde leben soll, dass wenn man nicht unter dem Gesetz ist, man jetzt frei ist zu sündigen und er hat das sehr klar und entschieden verneint. Anhand der Taufe hat Paulus gezeigt, dass wir mit Christus gekreuzigt sind und damit der Sünde abgestorben sind. Er hat das dann auch illustriert, anfangs von Kapitel 7 mit einer Ehe, die der Mensch mit seiner alten, verdorbenen Natur eingegangen ist. Und nur wenn der alte Mensch stirbt, ist man frei, eine neue Beziehung zu Jesus einzugehen. An der Stelle wollen wir heute weitermachen und einige hochinteressante Abschnitte gemeinsam studieren. Und dazu wollen wir den Heiligen Geist einladen, dass er unsere Gedanken führt und leitet. Und wir wollen gemeinsam deswegen beten.

[2:20] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir den Römerbrief haben, ihn studieren können und darin viel Licht und Weisheit und deine Güte, deinen Charakter entdecken können. Wir möchten dich bitten, dass du uns jetzt deine Weisheit schenkst, dass wir dein Wort so verstehen, wie du es gemeint hast, dass es ein Licht auf unserem Weg ist und dass wir den Weg zum ewigen Leben sicher finden können durch das, was der Paulus hier im Römerbrief schreibt. Schenk uns deinen Heiligen Geist, bewahre uns vor Irrtümern und hilf uns, dich so zu erkennen, wie du wirklich bist. Im Namen Jesu. Amen.

[2:57] Römer 7 und dort Vers 7. Was wollen wir nun sagen? Wieder bringt der Paulus, wie er es ja schon öfter jetzt getan hat, so einen möglichen Einwand vor, um ihn dann zu entkräften. Ist das Gesetz Sünde? Nachdem er ja in Kapitel 6 Vers 2 gesagt hatte, dass wir der Sünde gestorben sind und in Kapitel 7 Vers 4, dass wir dem Gesetz getötet worden sind und er auch in Kapitel 7 Vers 5 gesagt hat, dass die Sünde durch das Gesetz ist, hätte man ja fast schlussfolgern können, dass das Gesetz selbst Sünde ist. Paulus verneint das entschieden, denn wie er an anderer Stelle schon deutlich gemacht hat, zeigt das Gesetz lediglich die Sünde auf und definiert Sünde als Sünde. Schon in Römer 3 Vers 20 hatte er diesen Punkt klar deutlich gemacht. Jetzt in Römer 7 geht er noch einen Schritt weiter. Er macht nämlich deutlich, dass man ohne das Gesetz überhaupt gar nicht die Sünde definieren kann. Er sagt nämlich: "Aber ich hätte die Sünde nicht erkannt, außer durch das Gesetz, denn von der Begierde hätte ich nichts gewusst, wenn das Gesetz nicht gesagt hätte: Du sollst nicht begehren." Also während er in Römer 3 Vers 20 sagte, durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde, also eine Intensivierung des vormals genannten Gedankens. Interessanterweise bezieht sich Paulus jetzt hier auf die 10 Gebote und grenzt damit sozusagen jetzt auch diesen Gedanken des Gesetzes etwas mehr ein, wie wir gleich noch sehen werden. Er zitiert interessanterweise das letzte der 10 Gebote aus 2. Mose 20 Vers 17, das in gewisser Weise auch so die Grundlage darstellt. Wer das übertritt, wird irgendwann auch alle anderen übertreten. Zu dieser Begierde kann man einiges sagen. 1. Mose 3 Vers 6 zeigt uns, dass die Begierde Teil der ersten Sünde war. Eva hatte diese Frucht begehrt. Sie ist das grundlegende Prinzip aller Sünde. Jesaja 14 spricht über die Begierde des Luzifers, sich an Gottes Stelle zu setzen. Joshua 7 Vers 21, Achan hatte dieses babylonische Kleid begehrt. Die Begierde war Grundlage der Sünde von David in Bezug auf Batseba. Die Begierde Ahabs auf den Weinberg Nabots. Jesus sagt, dass die Begierde im Herzen beginnt und er warnt vor Habsucht.

[5:41] In Vers 8 beschreibt jetzt Paulus die Reaktion der Sünde auf das Gesetz. Er sagt: "Da nahm aber die Sünde einen Anlass durch das Gebot und bewirkte in mir jede Begierde, denn ohne das Gesetz ist die Sünde tot." Was er zeigt ist, dass die intellektuelle Kenntnis des Gesetzes die Sünde nicht stoppt. Das, was man als Sünde identifiziert, wird weiterhin praktiziert. Er hat ja schon in Römer 4 Vers 15 gesagt, dass das Gesetz Zorn bewirkt. Das Verhalten des Menschen wird nicht geändert, nur sein Wissen über das Fehlverhalten wird größer und damit auch seine Schuld. Das ist ja das, was wir in Römer 5 Vers 20 auch gesehen haben. Das Gesetz zeigt genauer den Willen Gottes und macht damit das Maß der Sünde voll. Die Sünde kommt ja von der eigenen Begierde, so sagt es Jakobus 1 Vers 14 und 15. Interessant ist jetzt, dass Paulus zum ersten Mal hier das Wort Gebot verwendet, dass er nur in diesem Abschnitt zwischen Vers 7 bis 13 nennt und dann nochmal kurz in Kapitel 13. Und jedes Mal bezieht sich Gebot auf die 10 Gebote. Er spricht jetzt also über das, was wir normalerweise als das Gesetz Gottes bezeichnen, die 10 Gebote. Dieses Wort Anlass ist interessant. Es bedeutet nämlich, dass das Gesetz der Rebellion überhaupt eine Angriffsfläche ist. Wenn es kein positives Gesetz geben würde, hätte die Rebellion nichts, das sie rebellieren könnte. Nur weil es ein Gesetz gibt, ist Rebellion Rebellion.

[7:16] Vers 9. "Ich aber lebte, als ich noch ohne Gesetz war, als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf und ich starb." Paulus beschreibt jetzt seine eigene Erfahrung. Er sagt, es gab eine Zeit, da er ohne Gesetz war. Und da Paulus ein Pharisäer war, der das Gesetz technisch kannte, die Buchstaben, auswendig sogar, muss es hier wirklich um die geistliche Dimension des Gesetzes, des Gebotes gehen. Mit anderen Worten, als Paulus ohne die Erkenntnis des wahren Willens Gottes war, das Willen Gottes war, saß ich als ein guter Mensch. Er lebte, wie er sagte, als er noch ohne Gesetz war. Als dann die Forderungen des Gesetzes ihm deutlich wurden, erst dann stellte sich das Gefühl ein, dass er verurteilungswürdig ist. Solange er den wahren Charakter des Gesetzes Gottes nicht erkannte, hatte er nicht erkannt, dass er verurteilt ist. Philipper 3, Vers 6, da sagt er Paulus, dass er sich als Pharisäer für tadellos hielt. Der selbstgerechte Pharisäer aus Lukas 18, Vers 11, ist da ein gutes Beispiel. Jesus sagt ja selbst, dass die pharisäischen Traditionen den eigentlichen Sinn des Gesetzes Gottes sogar eher verdunkelt haben. Dieses Wort, als aber das Gebot kam, bedeutet also, dass er sich jetzt irgendwann des Gesetzes Gottes in seiner wahren Bedeutung, in dem wirklichen Wesen Gottes erst richtig bewusst wurde. Und dann erkannte er: Ich bin des Todes, ich bin verurteilt, ich starb.

[8:58] Vers 10. "Und eben dieses Gebot, das zum Leben gegeben war, erwies sich für mich als todbringend." Das ist das Paradox des Gesetzes im Leben eines Sünders. Das Gesetz ist ja gegeben worden, um das Leben zu schützen und zu bewahren. Wenn ein Sünder mit dem Gesetz konfrontiert wird, offenbart dieses Gesetz ihm lediglich, dass er sterben muss. Die griechische Sprache drückt hier echte Tragik und Erstaunen aus. Man könnte also sagen, das Gesetz regelt und schützt das Leben, kann aber nicht lebendig machen. Nur wenn schon Leben da ist, ist das Gesetz für das Leben. Aber wenn der Mensch in Sünde ist, kann das Gesetz das nicht ändern. Deswegen sagt die Bibel in 3. Mose 18, Vers 5, dass wer die Satzungen Gottes tut, der wird durch sie leben. So auch in Ezekiel 20 an verschiedener Stelle.

[9:53] Vers 11. "Denn die Sünde nahm einen Anlass durch das Gebot, haben wir denselben Gedanken wie in Vers 8 und 9 nochmal, und verführte mich und tötete mich durch dasselbe." Erst die Existenz des Gesetzes gibt dem Gedanken der Gesetzesfeindschaft eine Angriffsfläche. Und die Sünde war es, die den Paulus verführt hat und die, als er sie getan hat, ihn als verurteilt vor dem Gesetz stehen ließ. Jeremiah 17, Vers 9 sagt, unser Herz betrügt uns, unser Einfluss, unser Stolz verführen uns. Jeremiah 49, Vers 16, die betrügerische Sünde verstockt. Hebräer 3, Vers 13. Das kann auch in einem äußerlich frommen Leben geschehen. Jakobus 1, Vers 26.

[10:45] Und dann kommt dieser klassische Vers, der oft zitiert wird in Römer 7, Vers 12. "So ist nun das Gesetz heilig und das Gebot ist heilig, gerecht und gut." Es wird deutlich, dass der Paulus durchaus diese Unterscheidung vornimmt zwischen Gesetz, was eigentlich hier im Römerbrief für die gesamte schriftliche Offenbarung Gottes, das Alte Testament gilt, und dann das Gebot, das im Römerbrief eindeutig den 10 Geboten zugeordnet ist. Beides, sowohl das Alte Testament im Ganzen, die Bibel sozusagen aus seiner Sicht, als auch die 10 Gebote, das Gesetz, das Gebot selbst sind gut, heilig und ohne Tadel. Und damit bestätigt er, Kapitel 3, Vers 31, das Evangelium hebt das Gesetz nicht auf, sondern bestätigt es. Gott hatte selbst dem Volk Israel gesagt, dass es keine Nation gibt, die solch gute, außergewöhnlich gute und einzigartige Gebote hatten wie das Volk Israel. In Himmeljah 9, Vers 13, Gott hat dem Volk Israel am Sinai gute, wahrhaftige Satzungen und Gebote gegeben. Die Psalmen beschreiben öfter in poetischer Sprache die Schönheit und Richtigkeit der Gebote Gottes, die allesamt Wahrheit sind. Und Paulus sagt in 1. Timotheus 1, Vers 8, dass das Gesetz gut ist, wenn es gesetzmäßig angewendet wird.

[12:01] Jetzt kommt wieder ein für Paulus so typischer Einwand, den er entkräften möchte. Vers 13. "Hat nun das Gute mir den Tod gebracht? Das sei ferne! Sondern die Sünde hat, damit sie als Sünde offenbar werde, durch das Gute meinen Tod bewirkt, damit die Sünde überaus sündig würde, durch das Gebot." Im Grunde genommen ist das nochmal eine gute Zusammenfassung des gesamten Abschnitts ab Vers 7 und bestätigt das, was Römer 5, Vers 20 für die Heilsgeschichte gesagt hat, jetzt auch auf der persönlichen Ebene. Das Gesetz kommt dazu in mein Leben, damit ich den ohnehin schon sündigen Zustand endlich als Sünde identifiziere. Das gute Gesetz bringt nicht selbst den Tod, sondern es dokumentiert nur, es offenbart nur den bereits vorhandenen Zustand der Rebellion und der Sünde. Die Sünde kann endlich als das erkannt werden, was sie wirklich ist. Galater 3, Vers 21, das Gesetz Gottes ist nicht gegen die Verheißungen. Und Jakobus 1, Vers 13 bis 15 sagt, dass wir nicht durch Gott versucht werden und deswegen auch nicht durch sein Wort oder durch sein Gesetz, sondern durch unsere eigene Begierde, die wir allerdings als eigene Begierde nur durch das Gesetz Gottes identifizieren können. Und wenn es hier heißt, überaus sündig würde, dann heißt es wörtlich bis zum Exzess, über die Maßen. Paulus sagt, durch das Gesetz wird uns deutlich, wie überaus gefährlich und böse und abgrundtief erschreckend die Sünde eigentlich wirklich ist.

[13:33] Vers 14. "Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist, ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft." Paulus nimmt jetzt einen Kontrast hier und zwar zwischen dem Gesetz und dem Sünder. Das Gesetz ist geistlich, damit spielt er nochmal auf Vers 12 an, aber er selbst, der Mensch ist Sklave der Sünde. Und das ist deswegen eine Begründung für Vers 13. Weil Vers 14 gilt, kommt Vers 13. Durch das Gesetz werde ich verurteilt, weil ich ein Sklave der Sünde bin.

[14:13] Jetzt kommt ein Abschnitt, der sehr, sehr interessant ist. Das Gesetz wird hier in Vers 14 offensichtlich jetzt nicht mehr als bloße Buchstabenerscheinung beschrieben, sondern als eine echte geistliche Angelegenheit, so wie Jesus sie auch in Matthäus 5 beschrieben hat, dass das Herz durchdringt. Was bedeutet fleischlich? Fleischlich bedeutet, im Fleisch zu leben, wie es Römer 7, Vers 5 erklärt hat. Wenn die Lüste, die in unserer sündigen Natur sind, das Sagen haben und die Sünde bewirken, sodass wir auf den Tod hin geführt werden. Und dieses Wort ist ein starker Ausdruck und steht im Gegensatz zur Geistlichkeit des Gesetzes. In Jesaja 6 lesen wir, wie Jesaja in der Gegenwart Gottes seine Unwürdigkeit erkannt hat. Petrus hat seine Sündhaftigkeit erkannt in Lukas 5, Vers 8, angesichts dessen, was Jesus getan hat. Erste Korinther 3, Vers 3 definiert, dass fleischlich sein bedeutet, so zu leben, wie es normale Menschen ohne Gott normalerweise tun. Also das, was ein Mensch tut, wenn Gottes Geist ihn nicht leitet. Das ist jetzt sehr wichtig. Und Galater 5, Vers 17 sagt uns, dass der Geist, der Heilige Geist und das Fleisch miteinander kämpfen. Wir werden dazu jetzt einiges zu sagen haben und da noch näher drauf eingehen im Laufe der nächsten Verse. Wenn Paulus sagt, dass er hier unter die Sünde verkauft ist, meint er, dass er Sklave der Sünde ist. Jesaja 50, Vers 1 und Jesus sagt deutlich, wer die Sünde tut, ist ein Knecht der Sünde.

[15:52] Paulus beschreibt jetzt ein sehr reales Problem. Ein Mensch kann sich nämlich unter Umständen, zum Beispiel durch die Erfahrung der Vergebung durch Gott, in dem Zustand befinden, dass er das Gesetz Gottes als richtig anerkennt, dass er sich auch wünscht, nach Gottes Maßstab zu leben und trotzdem in seinem Leben beständig weiter sündigt und gegen dieses Gesetz rebelliert. Und diesen Zustand beschreibt er jetzt in den nächsten Versen.

[16:25] Vers 15. "Denn was ich vollbringe, billige ich nicht, denn ich tue nicht, was ich will, sondern was ich hasse, das übe ich aus." Hier ist also jemand bereits zur Erkenntnis gekommen, dass sein altes, sündiges Leben so nicht richtig ist. Er versteht, dass es einen besseren Weg gäbe und er will ihn auch, was hier übersetzt eigentlich heißen müsste: was ich mir wünsche. Das ist so eine Willensbekundung. Das Böse zu hassen ist ja eine unglaublich gute Sache. Das ist die Furcht Gottes, so wird es in Sprüche 8, Vers 13 definiert.

[17:01] Und Vers 16 erklärt diesen Zustand weiter. "Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so stimme ich dem Gesetz zu, dass es gut ist." In diesem Zustand bezeugt man also die Heiligkeit und die Güte des Gesetzes Gottes. Die Übertretung kommt allerdings noch immer vor. Man kann die eigenen Taten nicht gut heißen. Stimme ich dem Gesetz zu, heißt wörtlich, ich spreche gemeinsam mit dem Gesetz. In diesem Zustand, sagt der Paulus, hat der Mensch dieselbe Meinung wie das Gesetz bezüglich der Sünde. Aber obwohl er eine negative Meinung von der Sünde hat, geschieht sie noch immer. Und hiermit scheint Paulus sehr realitätsnah und auch sehr seelsorgerlich zu beschreiben, worin die Erfahrung des alten Bundes besteht. Wo man ein intellektuelles Wissen über Gott hat, so wie es ja die Juden gehabt haben. Die die Zehn Gebote lesen konnten, die wussten, was Gottes Plan ist, die auch sehen konnten, dass es ein guter Plan ist, die sich auch oft gewünscht haben, diesen Plan umzusetzen. Eine Bewunderung für die Wahrhaftigkeit und Richtigkeit des Gesetzes. Aber das Herz ist noch immer unverändert und steht unter der Herrschaft der Sünde.

[18:27] Vers 17. "Jetzt aber vollbringe nicht mehr ich dasselbe, sondern die Sünde, die in mir wohnt." Dieser Wunsch nach Übereinstimmung mit dem Gesetz Gottes geht so weit, dass Paulus sich existenziell hier von der immer noch verübten Sünde distanziert, als gehöre sie nicht zu ihm. Paulus beschreibt, wie er sich mit Überzeugung für das Gesetz entschieden hat. Doch die Begierden und Leidenschaften seines sündigen Fleisches sind so stark, dass sie noch immer die Herrschaft haben, was ja eigentlich nach dem, was wir in Römer 6 gelesen haben und auch 7 Vers 4 und 5 nicht sein sollte nach der Rechtfertigung. Und damit zeigt der Paulus eindrücklich, dass der menschliche Wunsch, selbst wenn er mit der geistlichen Natur des Gesetzes vertraut ist, nicht ausreicht, um gegen die verehrten und erworbenen Neigungen der Sünde in uns zu bestehen.

[19:18] Vers 18. Paulus bringt jetzt die Aussagen vorher auf den Punkt. Selbst nach der Rechtfertigung, bei der wir ja Gott und seinen Willen kennenlernen, bleibt das Fleisch dasselbe. Die Neigungen, die verdorbene Natur wird nicht einfach ausgelöscht und ohne fremde Hilfe wird auch der Mensch, dem vergeben worden ist, immer weiter sündigen und Sünde produzieren, denn in seinem Fleisch sowohl vor als auch nach der Rechtfertigung ist nichts Gutes. Der Mensch kann zwar jetzt den Wunsch nach Veränderung aufbringen, aber die Kraft fehlt ihm. Nach der Sintflut war das sündige Fleisch unverändert. Aus einem Unreinen kann nichts Reines kommen. Hiob 14. Und die Sünde hat seit unserer Zeugung einen Einfluss auf uns. Und so sagt es David in Jesaja in Psalm 51. Wir alle sind unrein. Jesaja 64. Das Böse kommt aus dem Herzen, das wir ja nicht ergründen können. Jeremias 17, Vers 9. Und Paulus spricht hier von dem Fleisch, wo ja die Herrschaft der Sünde ist, nach Römer 7, Vers 5. Und das ist das, was wir vererbt bekommen nach Johannes 3, Vers 6. Die Werke des Fleisches zählt Paulus in Galater 5, Vers 19 bis 21 auf.

[20:48] Er sagt: "Das Wollen ist bei mir vorhanden." Interessant ist, dass er später in Philipper 2, Vers 13 sagt, dass der Mensch durch Gottes Kraft nicht nur das Wollen, sondern auch das Vollbringen ermöglicht bekommt. Gottes Kraft kann beides, das Wollen und auch das Vollbringen ermöglichen. Aber dieser zweite, so entscheidende Aspekt, der fehlt noch in diesem Zustand, der von Paulus hier erfahren wird. Das Evangelium ist hier in diesem Zustand eine wunderbare Theorie, die man sich für das Leben wünscht. Aber die Kraft Gottes, Römer 1, Vers 16, die ist noch nicht da. Das Leben ist noch nicht wirklich verändert und von der Sünde befreit.

[21:26] Vers 19. "Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will. Das verübe ich." Paulus betont jetzt denselben Punkt noch einmal und will also deutlich machen, wie wichtig es ihm ist.

[21:38] Vers 20. "Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so vollbringe ich nicht mehr ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt." Interessant ist, dass in dem gesamten Abschnitt der Paulus um ein Wort kreist, und das ist "ich". Ich, ich. "Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so vollbringe ich nicht mehr ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will. Das verübe ich." Paulus beschreibt hier keinen Egoismus, aber einen Blick auf das eigene Problem und nicht auf den, der die Lösung bringt. Mit anderen Worten sagt er das, was Ellen White einmal so schön ausgedrückt hat: Wenn ich auf mich selbst schaue, weiß ich nicht, wie ich gerettet werden könnte. Ellen White sagt dann allerdings auch: Wenn ich auf Jesus schaue, weiß ich nicht, wie ich verloren gehen könnte. Und genau dieser zweite Aspekt wird jetzt gleich noch deutlich werden. Beim Paulus.

[22:30] Vers 21. "Ich finde also das Gesetz vor, wonach mir, der ich das Gute tun will, das Böse anhängt." Paulus beschreibt jetzt eine wichtige Schlussfolgerung. Der Mensch, der die Gerechtigkeit und Heiligkeit des Gesetzes Gottes anerkannt hat, also nicht mehr gegen Gott rebellieren will, ist weiterhin von seinem sündigen Fleisch, das heißt von dem Bösen, betroffen. Weder die Rechtfertigung, noch der Glaube an Jesus, noch die Taufe können die Tendenz zum Bösen einfach auslöschen. Sie ist immer noch da, selbst nach der Erfahrung der Vergebung. Und das ist kein Einzelfall, sondern so allgemeingültig in jedem Fall, dass Paulus sagt, das ist ein Gesetz. Die Sünde soll zwar nicht mehr in uns herrschen, in Römer 6, Vers 12, aber die Begierden sind noch da. Aber Paulus hat ja gesagt, man soll ihnen nicht mehr gehorchen.

[23:21] Die Frage ist jetzt also, wie kann denn das geschehen, wenn dieses sündige Fleisch noch da ist? Die Verfehlungen sind ja so tief in uns drin, sagt Psalm 19, Vers 13, dass wir sie nicht einmal richtig erkennen.

[23:33] Vers 22. Paulus beschreibt jetzt noch einmal genau denselben Zusammenhang wie in den Versen vorher. "Denn ich habe Lust an dem Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen." Im Grunde genommen kann man sagen, dass in Vers 14 bis 17 ein Gedankengang beschrieben wird, dann in Vers 18 bis 20 derselbe noch einmal wiederholt wird und dann in Vers 21 bis 23 derselbe Gedankengang noch einmal wiederholt wird. Also was Paulus hier beschreibt über den inneren Menschen, diese Lust am Gesetz ist dasselbe wie wenn er sagt in Vers 14, dass das Gesetz geistlich ist. Das gleiche wie in Vers 15 das Wollen und das Wünschen auch von Vers 18. Diese Lust am Gesetz heißt wörtlich, ich freue mich mit dem Gesetz und die Psalmen sind voll von Texten, die das beschreiben. Der innere Mensch, der ist diese Gesinnung, das, was wir uns vornehmen, unser Wille, unser Wollen. Der innere Mensch, sagt 2. Korinther 4, Vers 6, wird ja jeden Tag erneuert. Der hat mit dem Geist zu tun, mit dem Herzen, der verborgene Menschen des Herzens. So heißt es bei 1. Petrus 3, Vers 4. Also auf der Willensebene des Menschen in dieser alten Bund-Erfahrung möchte man bereits Gott folgen.

[24:47] Aber Vers 23. "Paulus sagt: Ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das gegen das Gesetz meiner Gesinnung streitet und mich gefangen nimmt, unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist." Er beschreibt jetzt die Realität des sündigen Fleisches, das gegen den guten Willen kämpft und stets siegt, wenn der Wille keine Hilfe von außen bekommt, sodass tatsächlich von einer Sklaverei der Sünde gesprochen werden kann, wie er ja schon in Vers 14 gesagt hat. In diesem Zustand bin ich unter die Sünde verkauft. Das ist das, was es heißt, im Fleisch zu leben. Und das ist nach Römer 7, Vers 5 etwas, das zum Tod führt. Dieser Kampf zwischen Geist und Fleisch wird auch beschrieben in Galater 5, Vers 17. Das Fleisch kämpft gegen die Seele. 1. Petrus 2, Vers 11. Deswegen sagt Paulus auch, wir müssen den guten Kampf des Glaubens kämpfen. Wir haben noch nicht bis aufs Blut gegen die Sünde widerstanden. So Hebräer 12, Vers 4. Und das Fleisch führt auch zu Streit untereinander. Das heißt nach Römer 6, Vers 13 und Vers 19 ist es Gottes Wille, dass das sündige Fleisch, die verdorbene Natur, nicht herrschen soll, sondern Gottes Gerechtigkeit tatsächlich auch getan wird. Aber der Wille allein scheint nicht zu reichen, denn das sündige Fleisch ist immer noch da. Und wenn der Wille allein nur Gottes Gesetz tun will, passiert trotzdem ständig die Sünde. Der Mensch wird gefangen. Er wird, wie es wörtlich heißt, als Kriegsgefangener gemacht. Und damit Sklave der Sünde. Was das bedeutet ist, offensichtlich reicht die einmalige Vergebung Gottes nicht aus, um die verdorbene Natur auszulöschen. Es bräuchte eine konstante Hilfe oder Kraft, die dem Menschen beisteht, damit dieser Kampf wirklich gegen die Sünde, gegen das Gesetz der Sünde, irgendwie dann gewonnen werden kann.

[26:50] Paulus ruft jetzt aus in Vers 24. "Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von diesem Todesleib?" Was für ein berühmter Vers, ein tiefemotioneller Ausruf. Paulus steckt all die Verzweiflung, die jahrtausendelang Menschen im Kampf mit der Sünde gehabt haben, hinein. Er weiß, in diesem Zustand brauche ich Erlösung. Dieses Wort "elend" bezeichnet eigentlich im ursprünglichen Griechisch eine Erschöpfung nach langer, anstrengender Arbeit. Der Mensch, der Gottes Gesetz tun will, der schon weiß, was richtig ist, aber keine Kraft hat es zu tun, der hat sich angestrengt und angestrengt und angestrengt und sieht, dass er ständig das Falsche tut, ständig zu kurz kommt, ständig sündigt, ständig in der Sünde gefangen ist und er ruft aus: Wer kann mich erlösen? Elend. Dieses Wort kommt im Griechischen an der Bibel nur noch an einer anderen Stelle vor, in Offenbarung 3, Vers 17, wo Laodizea genau mit diesem Wort beschrieben wird. Allerdings, leider, wird dort gesagt, dass Laodizea diesen Zustand nicht einmal als dramatisch, als schlimm oder als erlösungsbedürftig empfindet, sondern glaubt, dass das die Norm ist. Könnte es dann nur Zufall sein, dass so oft auch in Laodizea die Erfahrung von Römer 7 hier als die normale christliche Erfahrung bezeichnet wird, die so sein muss. Laodizea glaubt, wenn das so ist, wie hier beschrieben, dann ist alles in bester Ordnung. Die Herrschaft des sündigen Fleisches über das Gesetz Gottes, anders ausgedrückt, die Herrschaft des sündigen Fleisches über die vom Geist Gottes überzeugte Gesinnung wird als normal empfunden und nicht als Problem. Aber Römer 6, Vers 6, hat er gesagt, der Leib der Sünde soll ja mitgekreuzigt werden. Übrigens, dieser Zustand, wo man die eigene Verlorenheit erkennt und trotzdem Gefallenheit an den Geboten Gottes findet, wird mehrmals in Psalm 119 beschrieben und den kann man in dem Sendemanuskript nachlesen.

[28:54] Die Frage ist nicht, was wird mich erlösen, sondern die Frage ist, wer wird mich erlösen. Paulus ruft nach einem persönlichen Erlöser, nicht nur nach einem Prinzip.

[29:03] Vers 25. Und hier bringt er jetzt die Lösung. "Nun danke, ich danke Gott durch Jesus Christus unseren Herrn." Schon in Römer 6, Vers 17 hat er Gott gedankt für die Erfahrung der Erlösung, die die Christen in Rom gemacht haben. Immer wieder ruft uns die Bibel auf, Gott zu danken für die Befreiung, die er schenkt. Jesus kam ja, Matthäus 1, Vers 21, um uns von der Sünde zu erlösen, nicht mit der Sünde oder in der Sünde. 1. Korinther 15, Vers 57, Gott sei Dank, der uns den Sieg gibt durch Jesus Christus. Und wir sollen 2. Korinther 9, Vers 15, Gott danken für sein unaussprechliches Geschenk. Wir sollen uns an Jesus freuen und kein Vertrauen auf das Fleisch haben, Philipper 3, Vers 3.

[29:44] Die zweite Hälfte des Satzes gehört ganz eng zusammen zu 8, Vers 1. Die Kapiteleinteilung, die diese beiden Sätze auseinandergerissen hat, ist wirklich zu bedauern. Wenn man das zusammenliest, wird das sehr deutlich. In 25b heißt es: "So diene ich selbst, nur mit der Gesinnung dem Gesetz Gottes, mit dem Fleisch aber dem Gesetz der Sünde." Paulus fasst hier noch einmal das zusammen, was er in Vers 14 bis 24 beschrieben hat. Er sagt, aus mir selbst heraus, wenn ich nur auf mich schaue, wenn der Mensch ohne Gott für sich genommen wird, dann kann er zwar wollen, dass er dem Gesetz Gottes untertan ist, er kann nach der Gesinnung dem Gesetz Gottes anhängen, wird aber im Fleisch von dem Gesetz der Sünde regiert und wird deswegen im Kampf dieser beiden ohne Christus immer zu dem Resultat kommen, was gerade in Vers 14 bis 24 beschrieben worden ist. Wörtlich heißt es: Ich diene aus mir auf mich selbst gestellt. Wenn ich auf mich selbst gestellt bin, dann ist das so. Mein Wille will das Gesetz Gottes, aber mein Fleisch will die Sünde und ich tue immer das, was ich nicht will. Aber, und das ist jetzt der Kontrast, der dazugehört, in Kapitel 8, Vers 1: "So gibt es jetzt keine Verdammnis mehr für die, welche in Christus Jesus sind, die nicht gemäß dem Fleisch wandeln, sondern gemäß dem Geist." Also in 25b, wenn ich auf mich alleine gestellt bin, will ich das Gesetz Gottes tun, aber ich diene dem Fleisch, dem Gesetz der Sünde mit meinem Fleisch. Aber wenn ich nicht auf mich selbst gestellt bin, sondern in Christus bin, nicht mehr auf mich selbst schaue, sondern auf Jesus schaue, dann habe ich nicht mehr das Resultat von Römer 7, sondern das Resultat von Römer 8. Dann gibt es keine Verdammnis mehr, dann gibt es eine fortgesetzte Rechtfertigung. Es wird einfach keine Verurteilung ausgesprochen. Der Mensch lebt dann nicht mehr im Fleisch, das zwar noch vorhanden ist, aber er wandelt jetzt nicht mehr gemäß dessen, was das Fleisch möchte, sondern er wandelt mit Hilfe des Geistes, der als Hilfe ihm gegeben ist. Wir müssen in Christus bleiben, ohne ihn können wir nichts tun. Johannes 15, Vers 4. Erst unsere Gerechtigkeit, Erlösung, Heiligung, Weisheit. In Christus sind wir eine neue Schöpfung, alles ist neu. 2. Korinther 5, Vers 17. Die Gerechtigkeit, die er uns schenkt, macht uns unverklagbar, unverurteilbar, sozusagen. Wer glaubt, wird nicht verdammt. Johannes 3, Vers 18.

[32:23] Gemäß dem Geist heißt also, dass wir nach Galater 5, Vers 16 nicht mehr die Lust des Fleisches erfüllen. Das Fleisch ist zwar noch da, aber es wird jetzt unterdrückt. Es regiert nicht mehr, man ist nicht mehr unter die Sünde verkauft, sondern man ist jetzt durch den Heiligen Geist geführt. Damit erklärt jetzt der Paulus, wie das, was er in Römer 6 theoretisch erklärt hat, dass wir der Sünde nicht mehr dienen sollen, wie das jetzt praktisch passieren kann. Man könnte also so sagen, in Römer 6 sagt er, wir sollen der Sünde nicht mehr dienen, in Römer 7 zeigt er, dass aber das sündige Fleisch immer noch präsent ist, selbst dann, wenn ich Vergebung erlebt habe, wenn ich getauft worden bin, es ist immer noch da und wenn ich auf mich allein gestellt werde, werde ich immer das Gute wollen, das Schlechte tun, aber wenn der Heilige Geist in meinem Leben ist, dann ist der Punkt gekommen, wie Römer 6 tatsächlich realisiert werden kann. Das wird jetzt in den nächsten Versen deutlich.

[33:16] Vers 2. "Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich freigemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes." So gesetzmäßig wie das sündige Fleisch immer regiert, so agiert auch gesetzmäßig der Geist Gottes, der uns wiederbelebt und uns ewiges Leben anbietet, wo er wirkt, sind Menschen frei vom Gesetz der Sünde und vom Gesetz des Todes. Denn wenn Jesus frei macht, macht er wirklich frei und die Wahrheit macht uns frei. Johannes 8. Der Geist macht lebendig. Johannes 6, Vers 63. Wo Gottes Geist ist, da ist Freiheit. 2. Korinther 3, Vers 17. Wir werden von der Sünde befreit. Römer 6, Vers 18 und 22.

[33:54] Vers 3 und 4. Paulus erklärt jetzt noch einmal, was das Evangelium in dieser Hinsicht wirklich bewirkt. Vers 3. "Denn was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch kraftlos war, da fehlte die Kraft des Evangeliums, das schwache Fleisch kann das Gesetz einfach nicht erfüllen." Das tat Gott, indem er seinen Sohn sandte, in der gleichen Gestalt wie das Fleisch der Sünde und um der Sünde willen und die Sünde im Fleisch verurteilte. Jesus kam und identifizierte sich mit der Sünde. Johannes 3, Vers 14 bis 17 zeigt, Gott sandte seinen Sohn und der wird in dem Bild in der Wüste sogar als eher eine Schlange dargestellt, um zu zeigen, dass er wirklich unseren Platz einnahm, sich mit der Sünde identifizierte. Er wurde unter die Verbrecher gerechnet. Er wurde für uns zur Sünde gemacht. Er ist für uns zum Fluch geworden. Er wurde für uns unter das Gesetz getan, damit er uns erlösen kann. Und in all dem zeigt Gott seine Liebe, weil er die Initiative ergriffen hat, weil wir schwach waren aufgrund des Fleisches, wurde Gott aktiv. Er sandte seinen Sohn, der sich mit unserer schwachen, verdorbenen, kraftlosen Natur identifizierte, ohne dabei selbst aktiv in irgendeiner Weise der Sünde anzuhängen, sei es auf der gedanklichen, willentlichen, wörtlichen, täglichen Ebene. Und er hat dadurch die Sünde verurteilt. Nach Römer 6, Vers 6 bewirkt die Kreuzigung die Außerwirksamsetzung der Sünde. Jesus hat also sich mit meiner Sünde, mit meinem sündigen Fleisch identifiziert und hat das, was ich erleben müsste, aufgrund meiner Sünde, bereits erlebt. Er hat die gerechte Verurteilung für die im Fleisch getanen Sünden bereits abgeholt. Und damit ist das Fleisch rechtskräftig verurteilt. Deswegen müssen wir nicht mehr verurteilt werden, wenn wir im Geist leben und nicht mehr im Fleisch. Er hat unsere Sünden ans Kreuz getragen.

[36:01] Warum? Der Grund ist ganz offensichtlich Vers 4. "Damit die vom Gesetz geforderte Gerechtigkeit in uns erfüllt würde, die wir nicht gemäß dem Fleisch wandeln, sondern gemäß dem Geist." Das Ziel ist, dass die Gerechtigkeit Gottes, wie sie im Gesetz beschrieben wird, in uns erfüllt wird durch den Geist. Das ist also der Glaubensgehorsam, den Römer 1, Vers 5 schon als Ziel des Evangeliums genannt hatte. Die Frucht des Geistes ist völlige Übereinstimmung mit dem Gesetz, weil ja das Fleisch gekreuzigt wird. Die Gemeinde Gottes soll rein und fleckenlos sein. Durch Jesus können wir heilig, tadellos, unverklagbar sein. Kolosser 1, Vers 22. Gott kann uns bewahren und uns unstrefflich machen. Judas 1, Vers 24.

[36:45] Paulus erklärt jetzt noch einige Dinge dazu in den folgenden Versen.

[36:49] Vers 5. "Denn diejenigen, die gemäß der Wesensart des Fleisches sind, trachten nach dem, was dem Fleisch entspricht. Diejenigen aber, die gemäß der Wesensart des Geistes sind, trachten nach dem, was dem Geist entspricht." Es gibt zwei Möglichkeiten, nach denen wir leben können. Man kann das hier schon illustrieren in Markus 8, Vers 33, als Petrus Jesus aufhalten will. Da prallt die Wesensart des Fleisches, das fleischlich denkt, mit der Wesensart des Geistes aufeinander. Und man sieht sehr deutlich, wohin das führt. Wer fleischlich denkt, begreift das Geistliche nicht. So 1. Korinther 2, Vers 14. Denn beide haben unterschiedliche, ja entgegengesetzte Ziele.

[37:25] Vers 6. "Denn das Trachten des Fleisches ist Tod, das Trachten des Geistes aber Leben und Frieden." Das Fleisch kann uns nämlich nur Tod anbieten, wie wir in Römer 6, Vers 21, 23 und 7, Vers 5 gelernt haben. Vom Fleisch ernten wir nur Verderben. Die Begierde führt letztlich immer zum Tod. Jakobus 1, Vers 14. Leben und Frieden sind aber das, was Gott uns schenkt. So ja schon in Römer 5, wo wir Frieden mit Gott haben, weil er uns ewiges Leben anbietet. Jesus sagt in Johannes 14, Vers 6: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben." Er gibt uns wahren Frieden. Johannes 14, Vers 27.

[38:01] Was ist das Geheimnis des Fleisches?

[38:03] Vers 7. "Weil nämlich das Trachten des Fleisches Feindschaft gegen Gott ist, denn es unterwirft sich dem Gesetz Gottes nicht und kann es auch nicht." Beim Fleisch geht es eigentlich wirklich um die Feindschaft gegen Gott. Das ist das Prinzip, das der Satan im Himmel erfand. Wir kennen die Geschichte vom großen Kampf, das kann man nochmal nachlesen auf Markus 12, Hesekiel 28, Jesaja 14. Das führte unweigerlich zur Rebellion gegen Gottes Gesetz, weil nämlich das Gesetz Gottes das genaue Abbild des Charakters Gottes ist. Feindschaft gegen Gott führt ohne Zweifel zur Rebellion gegen das Gesetz. Und diese fleischliche Gesinnung hatte der Paulus in Römer 1 schon ausführlich beschrieben. Die Welt hasst Jesus. Als Sünder sind wir Feinde aufgrund unseres gottlosen Tun. Und wer ein Freund der Welt ist, ist ein Feind Gottes. Es unterwirft sich dem Gesetz nicht. Das heißt, die Gerechtigkeit des Gesetzes kann in uns niemals erfüllt werden, solange wir nach dem Fleisch leben und ohne den Heiligen Geist. Das heißt, die Bekämpfung des Fleisches durch den Heiligen Geist bestätigt das Gesetz, wie er schon Römer 3, Vers 31 gesagt hat. Durch den neuen Bund kommt das Gesetz Gottes ja in unser Herz.

[39:13] Vers 8. "Und die im Fleisch sind, können Gott nicht gefallen." Jesus sagt dem Nikodemus ganz deutlich: Wenn du nicht wiedergeboren bist aus Wasser und Geist, kannst du das Reich Gottes nicht sehen. Und Jesus war derjenige, von dem Gott sagte, dass er sein Wohlgefallen hat. Und wenn wir also vor Gott wohlgefällig sein sollen, müssen wir in Jesus sein. Dann wird der Gehorsam durch den Glauben, 2. Korinther 3, Vers 20, vor Gott wohlgefällig sein. Und ohne Glauben ist es unmöglich, ihm wohl zu gefallen. Deswegen muss die Gerechtigkeit, die durch den Heiligen Geist vermittelt wird, aus Glauben sein.

[39:54] Jetzt in Vers 9 kommt der Paulus zum Hauptgedanken wieder zurück. "Ihr aber seid nicht im Fleisch, sondern im Geist. Wenn wirklich Gottes Geist in euch wohnt, wer aber den Geist des Christus nicht hat, der ist nicht sein." Wenn der Heilige Geist wirklich in uns wohnt und wir nicht nur über ihn reden, dann sind wir nicht mehr im Fleisch. Das Fleisch ist zwar noch präsent, aber es regiert jetzt nicht mehr. Und dann ist Römer 7 nicht mehr die Realität unseres Lebens. Diese Verheißung ist schon in Hesekiel 11 und Hesekiel 36 gegeben worden, wo der Heilige Geist unser Herz verändern wird und bewirken wird, dass wir gehorsam sind und Gottes Gesetz tun können. Und wer aus dem Geist geboren ist, ist geistlich. Johannes 3, Vers 6. Jesus sagt, dass Gott uns den Heiligen Geist gerne geben wird. Lukas 11, Vers 13. Gottes Geist möchte in uns wohnen. 1. Korinther 3, Vers 16. Wir sind ein Tempel des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist wohnt in uns. 2. Timotheus 1, Vers 4. Und durch den Heiligen Geist wissen wir, dass Jesus in uns bleibt, wenn wir seine Gebote halten. 1. Johannes 3, Vers 24.

[40:50] Vers 10. "Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen." Das ist die Schlussfolgerung. Wenn Christus in uns ist durch den Heiligen Geist, regiert nicht mehr der sündige Leib, sondern dann regiert der Geist. Wir sollen prüfen, sagt Paulus. 2. Korinther 13, Vers 5. Ob Christus wirklich in uns ist. Und wenn er in unserem Herzen ist, so sind wir in der Liebe gegründet. Epheser 3, Vers 17. Das große Geheimnis des Evangeliums, Kolosser 1, Vers 27, ist Christus in euch, in uns. Die Hoffnung der Herrlichkeit. Und damit wird jetzt gezeigt, wie das, was Paulus vorher in Kapitel 5 und auch 6 theoretisch, theologisch beschrieben hat, jetzt praktisch in unserem Leben eine Realität wird, wie wir diesen deprimierenden Kreislauf von "ich möchte Gott gefallen und ich sündige ständig und ich falle ständig", wie das durchbrochen werden kann durch die Kraft des Heiligen Geistes.

[41:54] Vers 11. "Wenn aber der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird derselbe, der Christus aus den Toten auferweckt hat, durch seinen Geist, der in euch wohnt." Der Heilige Geist war beteiligt an der Auferstehung Jesu. Und das soll zeigen, was für eine Kraft beim Heiligen Geist vorhanden ist. Das Evangelium bringt ja die Kraft Gottes. Wir sollen nicht nur das Evangelium gut finden. Wir sollen nicht nur denken, ja, so müsste man leben. Wir sollen nicht nur aus eigener Kraft versuchen, so zu leben. Wir sollen die Kraftquelle Gottes anzapfen, den Heiligen Geist, der uns gegeben ist, damit wir ein Leben im Geist auch wirklich erleben.

[42:32] Die sterblichen Leiber waren in Römer 6, Vers 12 schon angesprochen. Und da hieß es, dass die Sünde nicht über diese sterblichen Leiber herrschen sollen. Und an der Stelle macht Paulus jetzt eine machtvolle, wirklich ermutigende Schlussfolgerung. Nachdem er all das im zweiten Teil von Kapitel 7 und 8 jetzt dargestellt hat. Nachdem man in Römer 7 gesehen hat, dass der Mensch ohne Hilfe, selbst wenn er das Gute will, immer scheitert und immer fällt, bedeutet das, dass er in dieser Situation, die vielleicht für Laodizea der Normalfall ist und gar nicht mehr als Problem empfunden wird, aber dass er in dieser Situation echte Hilfe bekommt, Erlösung, durch Jesus Christus, der seinen Heiligen Geist sendet, damit das, was Jesus am Kreuz getan hat, nicht nur einmalige Vergebung ist, sondern die Kraft, ein Leben zu leben in der Gerechtigkeit des Gesetzes, wie es das Gesetz fordert.

[43:27] In Vers 12 heißt es hier: "So sind wir also, ihr Brüder, dem Fleisch nicht verpflichtet, gemäß dem Fleisch zu leben." Wir sind nicht mehr unter die Sünde verkauft. Wir sind nicht mehr dem Fleisch hörig. Entgegen der landläufigen, theologischen Meinung sagt Paulus, der Mensch muss nicht im Fleisch leben. Ja, das Fleisch ist noch existent. Das sündige Fleisch werden wir nicht loswerden, in dem Sinne, dass es uns nicht mehr verführt. Es ist immer noch da, aber wir sind nicht mehr verpflichtet, es regieren zu lassen. Wir sind frei und nicht versklavt. Römer 7 ist nicht das unausweichliche Schicksal der Gläubigen. Und damit ist jetzt der gesamte Gedankengang von Römer 6, dass wir in der Sünde nicht mehr leben sollen, wo Paulus sagte: Wenn wir in der Sünde gestorben sind, wie sollen wir noch in ihr verharren? Das ist jetzt eindrucksvoll bestätigt, dass das möglich ist und wie das möglich ist.

[44:21] Vers 13. "Denn wenn ihr gemäß dem Fleisch lebt, so müsst ihr sterben. Wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Leibes tötet, so werdet ihr leben." Paulus präsentiert den Römern und uns eine Wahl. Entweder wir leben nach dem Fleisch, obwohl wir das Wort Gottes kennengelernt haben und auch einen menschlichen Wunsch haben, das Gesetz Gottes zu befolgen. Aber wenn wir weiter nach unserem eigenen menschlichen Denken und Handeln leben, dann werden wir den Tod als Lohn ernten. Wenn wir die Werke des Fleisches in unserem Leben produzieren, werden wir nicht gerettet werden können. Denn dann wird die Sünde immer weiter regieren und Römer 7 wird ein Leben lang die bittere Realität sein. Oder aber wir entscheiden uns durch den Glauben an Jesus, den Heiligen Geist in unserem Herzen zu haben, der uns befähigt. Denn das Evangelium ist ja eine Kraft, die bisherigen Taten des Fleisches zu töten, sodass sie nicht mehr getan werden. Dann werden sie dem ewigen Tod nicht anheimfallen, denn sie sind der Gerechtfertigte, die nicht verdammt werden. Sie werden ewiges Leben haben, wenn sie sich dafür entscheiden.

[45:35] Paulus fasst hiermit nochmal einiges zusammen, denn wir haben ja gelernt, vom Fleisch erntet man nur Verderben. Das Leben im Geist, so sagt er hier, ist also kein Spaziergang, keine Selbstverständlichkeit, nicht eine einmalige Entscheidung, die uns in eine Box tut, aus der wir so schnell nicht wieder rauskommen. Nein, das Leben im Geist ist ein Kampf, das Fleisch muss täglich besiegt werden. Paulus wusste von diesem intensiven Kampf. In 1. Korinther 9, Vers 27 sagt er: "Ich knechte meinen Leib." Die Taten des Fleisches müssen gekreuzigt werden, Galater 5, Vers 24. Titus 2, Vers 12, wir müssen die Weltlichkeit und die Begierden verleugnen. 1. Petrus 2, Vers 11, wir sollen uns von den fleischlichen Lüsten fernhalten.

[46:15] Es scheint so zu sein, dass Gott genau das meinte, als er dem Kain sagt, in 1. Mose 4, Vers 17, dass die Sünde lauert, aber er über sie herrschen sollte. Die sündigen Gedanken sollten nicht ihn beherrschen, er sollte über sie herrschen. Aber er entschied sich nicht, nach dem Geist zu leben, das Geschenk des Evangeliums anzunehmen. Im Glauben an den kommenden Messias, diese bösen Gedanken, die da in ihm waren, die ihn versuchten, die zu besiegen und zu töten. Er entschied sich, sich von ihnen regieren zu lassen. Er entschied sich gegen das Angebot der Gnade und dafür, seinen eigenen Willen zu haben. Und die Konsequenz kennen wir alle, erntete Verderben. Durch den Geist, sagt Petrus in 1. Petrus 1, Vers 22, können wir der Wahrheit gehorchen. Durch den Geist können wir die Taten des Fleisches, die Werke des Fleisches, wie sie in Galater 5 beschrieben werden, wir können sie töten.

[47:13] Vers 14, letzter Vers für heute. "Denn alle, die durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes." Was für ein wunderschöner Vers. Paulus definiert, wer in Gottes Augen ein Gotteskind ist. Nicht diejenigen, die ein Buch in der Hand haben, wo Gottes Worte drinstehen. Nicht diejenigen, die Eltern haben, die mal Gottes Kinder waren. Nicht diejenigen, die zur richtigen Gruppe dazugehören, sondern diejenigen, die durch den Heiligen Geist geleitet werden. Das ist das Kriterium, was ja schon in Kapitel 8, Vers 9 deutlich gemacht worden war, dass wer den Geist nicht hat, nicht zu Christus gehört. Und das Resultat davon wird sein, wenn wir zum Heiligen Geist leiten lassen, dass die Frucht des Geistes selbstverständlich sichtbar wird und heranreift, wie sie in Galater 5, Vers 22 oder auch in Epheser 5, Vers 9 beschrieben wird. Durch den Glauben an Jesus sind wir Kinder Gottes, Galater 3, Vers 26. Und dass wir uns so nennen dürfen, ist ein unglaublicher Liebesbeweis des Charakters Gottes, 1. Johannes 3, Vers 1. Offenbarung 21, Vers 7.

[48:17] Wer überwindet, der wird Gottes Kind sein. Das heißt, das Überwinden geschieht dadurch nicht, dass wir uns selbst anstrengen, dass wir selbst auf unsere Probleme schauen, dass wir auf uns blicken, uns verzweifeln und uns anstrengen. Nein, es geschieht dadurch, dass wir auf Jesus schauen und durch den Heiligen Geist, durch das, was Gottes Kraft in uns tut, die Werke des Fleisches töten können. Das ist die Überwindung.

[48:41] Lieber Freund, liebe Freundin, es ist an uns, eine Entscheidung zu fällen, ob wir weiter im Fleisch leben wollen oder ob wir im Geist leben wollen, ob wir auf uns schauen wollen und dann verzweifeln, weil wir nicht sehen können, wie wir gerettet werden, oder ob wir auf Jesus schauen und triumphieren und jubeln, weil wir nicht sehen, wie wir verloren gehen können. Lieber Freund, liebe Freundin, entscheide dich für Jesus. Glaube ihm, nimm das Geschenk seines Heiligen Geistes an und erlebe, wie er dir nicht nur das Wollen, sondern auch das Vollbringen schenken kann. Gott segne dich von ganzem Herzen. Wir sehen uns nächste Woche wieder an dieser Stelle, um dann weiter zu schauen, wie der Paulus diesen Gedanken weiterführt. Bis dahin wünschen wir euch Gottes Segen und viel Freude im Studium seines Wortes. Amen.
[49:37] Copyright WDR 2021


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