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In dieser Predigt lädt Christopher Kramp dazu ein, den Sabbat als einen Moment des Innehaltens zu nutzen, um Gottes Wirken im eigenen Alltag bewusst wahrzunehmen. Anhand eines persönlichen Umzugs verdeutlicht er, wie Gottes Licht unsere Perspektive auf das Vertraute verändern kann und warum eine lebendige Beziehung zu Gott weit mehr als bloße Überzeugung bedeutet.


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Serie: Predigten

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Transkript

[0:09] Gnade und Wahrheit. Hast du Gottes Gnade in deinem Leben erlebt? Oder bist du nur davon überzeugt, dass das hier wahr sein muss, weil du kein Gegenargument gefunden hast? Das macht einen Unterschied.

[0:43] Gesegneten Sabbat. Wenn ich in meiner bisherigen Heimatgemeinde Stuttgart-Wangen gesagt habe: „Gesegneten Sabbat“, dann haben alle im Chor zurückgerufen. Und ich gebe euch noch eine zweite Chance: Gesegneten Sabbat.

[1:01] Gesegneten Sabbat. Ich habe mir schon gedacht, das klingt wahrscheinlich ganz wunderbar. Ich wünsche euch auch von Herzen einen gesegneten Sabbat. Der Sabbat ist ja ein Tag, an dem wir uns daran erinnern, was Gott getan hat. Er selbst hat sich den Sabbat genommen, um daran zu denken, was er die sechs Tage zuvor geschaffen hatte.

[1:28] Und ich glaube, dass auch wir uns den Sabbat nehmen sollten, nicht nur um daran zu denken, was Gott vor plus-minus 6000 Jahren in den sechs Tagen geschaffen hat, sondern was Gott auch in den vergangenen sechs Tagen in unserem Leben geschaffen hat. Hat Gott in den vergangenen sechs Tagen in deinem Leben gewirkt?

[1:56] Bea, Titus und ich haben einiges erlebt in den vergangenen sechs Tagen, wofür wir sehr dankbar sind. Er hat uns sehr gut geführt. Wir sind jetzt schlussendlich endgültig gesiedelt. Ihr merkt schon, ich muss jetzt das Österreichische lernen, nicht? „W“ ist ja eh klar.

[2:17] Was mir aufgefallen ist diese Woche: Man kann alle seine Möbel, die man so hat, in eine neue Wohnung mitnehmen. Und obwohl es dasselbe Sofa ist, derselbe Tisch, dasselbe Bücherregal mit denselben Büchern, hat man trotzdem den Eindruck, man ist irgendwo ganz woanders. Ist euch auch schon so gegangen, wenn ihr umgezogen seid? Man hat den Eindruck, man ist an einem völlig neuen Ort. Dieselben Gegenstände wirken plötzlich anders. Der Raum ist anders, das Licht ist anders, die Aufteilung ist anders. Dasselbe sieht plötzlich ganz neu aus.

[3:06] Und ich glaube, so geht es uns auch, wenn Gottes Licht auf unser Leben scheint. Wenn wir die Bibel mit einem offenen Herzen lesen, dann können Texte, die uns gut bekannt sind, die wir eigentlich meinen zu kennen, plötzlich in einem ganz neuen Licht erscheinen. Dann ist das plötzlich etwas ganz Neues für uns. Das wünsche ich mir für die kommenden Minuten. Wir werden keine völlig unbekannten Bibeltexte lesen. Ich wünsche mir, dass wir alle in der Gegenwart Gottes diese Texte neu verstehen, neu lesen und plötzlich merken, dass Gott uns etwas Persönliches zu sagen hat.

[3:58] Das Thema meiner Predigt besteht heute in einem lateinischen Satz. Meine Frau sagt, ich habe einen Fimmel für tote Sprachen. Und sie sagt immer: „Je toter, desto besser.“ Und obwohl ich mir bewusst bin, dass hier in Bogenhofen vor allem das alte Hebräische und das Bibelgriechische hoch im Kurs stehen, möchte ich heute über einen lateinischen Satz predigen. Er geht so: „Opus Propaganda per Orbem Lucis procedat celerius.“ Ich bin mal gespannt, wer von euch diesen Satz kennt. Wer von euch hat den schon mal gehört? Ein paar. Ja, ich freue mich. Ich sage ihn noch mal, vielleicht fallen noch mehr plötzlich die Schuppen von den Augen: „Opus Propaganda per Orbem Lucis procedat celerius.“

[4:54] Diesen Satz kennt ihr alle. Er ist das Motto von Bogenhofen. Dieses Siegel habt ihr wahrscheinlich schon oft gesehen, aber wahrscheinlich euch nicht so sehr die Mühe gemacht, die ganzen Buchstaben zu identifizieren, die dort stehen. „Opus“ – das kennen alle Musiker. Das ist das Werk. Ja, jeder, der mit klassischer Musik zu tun hat, der kennt das Opus, das Werk. „Propaganda“ – Propaganda hat heute einen negativen Touch, aber das ist eigentlich damals, vor vielen Jahrhunderten, eigentlich nichts weiter als die Verkündigung, das Propagieren von etwas gewesen. Also das Werk der Verkündigung. Und dann „Lucis“ – da steht so ein bisschen gesperrt „Lucis“, das ist das Licht. „Lux, lucis“ – das Werk der Verkündigung, der Propagierung des Lichtes. Und zwar wo? „Per Orbem“, durch den Erdkreis hindurch. Ihr kennt vielleicht den Papst, der „Urbi et Orbi“, nicht wahr? Der Stadt und dem Erdkreis. Da kommt dieses „Orbis“ her. Durch den Erdkreis. Und dann „procedat“ – das Prozedere, das Voranschreiten, damit das Werk der Verkündigung des Lichtes durch den Erdkreis hindurch voranschreite. Und zwar wie? „Celerius“. Und „celerius“ ist der Komparativ, das ist die Steigerungsform von „celer“, von schnell. Soll bedeuten: schneller. Auf dass das Werk der Verkündigung des Lichtes durch den Erdkreis hindurch schneller vonstattengehe.

[6:32] Ich muss sagen, das ist ein wirklich tolles Motto, aber heute möchte ich natürlich nicht wirklich über diesen lateinischen Satz predigen. Ich bin sozusagen, was die Predigt betrifft, mit meinem Latein schon am Ende. Wir wollen uns heute die Bibel anschauen und uns die Frage stellen: Was ist das Werk der Verkündigung des Lichts und wie kommt dieses Licht durch den ganzen Erdkreis bis in die letzten Winkel der Erde? Und vor allem auch: Wie kann das „celerius“, schneller, geschehen? Und ich wünsche mir, dass Gott heute zu mir und zu dir spricht und dass Texte, die wir gut kennen, in einem neuen Licht erscheinen. Und damit Gottes Geist uns führen kann, möchte ich ihn gerne noch einmal einladen, dass er zu uns persönlich spricht. Und wenn es dir möglich ist, dann lade ich dich ein, dass du auch jetzt, auch wenn du live zuschaust, wo du bist, mit mir niederkniest, dass wir, bevor wir die Bibel aufschlagen, noch ein Anfangsgebet sprechen.

[7:57] Lieber Vater im Himmel, wir knien jetzt vor dir als solche, die schwach sind und leer sind, Staub, als solche, die geistlich arm sind, weil wir uns danach sehnen, dass du uns heute ein Stück näher an deine Brust ziehst, weil wir nicht zufrieden sein wollen mit dem, was wir sind und haben. Herr, ich möchte dich bitten, dass du in den kommenden Minuten in besonderer Weise zu unseren Herzen sprichst, während wir hier versammelt sind. Singen im Himmel Seraphim und Kerubim: „Heilig, heilig, heilig. Die ganze Erde ist erfüllt mit der Herrlichkeit des Herrn.“ Schenk uns heute diese Erfahrung von Jesaja, der in den Gottesdienstraum kam, um etwas von der Herrlichkeit deines Thrones zu erleben. Wenn wir das sehen, dann werden wir mit ihm ausrufen: „Wehe mir!“ Aber wir kennen die Geschichte und wissen, dass du, der du ihm damals mit der Kohle vom Altar die Bestätigung gegeben hast, dass du ihn liebst und dass du seine Sünden genommen hast und ihn befähigst, das Licht weiterzutragen, dass du dasselbe für jeden heute tun wirst, ganz egal, wer er ist, was unsere Geschichte ist, was wir in den letzten sechs Tagen erlebt haben. Herr, du hast versprochen, dass dein Wort nicht leer zurückkehrt, sondern dass du es ausführst, wozu du es gesandt hast. Herr, du hast versprochen, dass du bei uns sein möchtest, und wir sind mehr als zwei oder drei, die versammelt sind hier. So sprich du jetzt durch dein Wort zu uns und hab Dank dafür im Namen Jesu Christi, der jetzt für uns eintritt. Amen.

[10:07] Schlagt mit mir auf: Offenbarung Kapitel 18, Vers 1. Offenbarung 18, Vers 1. Das letzte Buch der Bibel, das fünftletzte Kapitel, der erste Vers, einer der großartigsten Verse, nicht nur der Offenbarung, sondern der ganzen Bibel. Offenbarung 18, Vers 1. Seid ihr da? Wunderbar. Offenbarung 18, Vers 1: „Und nach diesem sah ich einen Engel aus dem Himmel herabsteigen. Der hatte große Vollmacht, und die Erde wurde erleuchtet von seiner Herrlichkeit. Und er rief kraftvoll mit lauter Stimme und sprach: Gefallen, gefallen ist Babylon, die große, und ist eine Behausung der Dämonen geworden und ein Gefängnis aller unreinen Geister und ein Gefängnis aller unreinen und verhassten Vögel“ und so weiter.

[11:01] Ein vierter Engel. Und die Szene, die hier beschrieben wird, die hat es in dieser Form in der Offenbarung noch nicht gegeben. Die Offenbarung ist ja nicht arm an beeindruckenden Szenen. In der Offenbarung gibt es viele Bilder, die unser Denken gefangen nehmen und wo wir beeindruckt sind. Aber so etwas hat es in der ganzen Bibel noch nicht gegeben: Die gesamte Erde erfüllt mit der Herrlichkeit Gottes. Wer ist dieser Engel und was genau tut er? Wir alle kennen die drei Engel aus der berühmten dreifachen Engelsbotschaft in Offenbarung 14, Vers 6 bis 12 oder 13 oder 14, je nachdem, wie man das zählt. Wir alle kennen diese drei Engel, die ein ewiges Evangelium zu predigen haben. Und wir sagen zurecht, dass diese Botschaft unsere Botschaft ist, dass wir dieses ewige Evangelium allen Nationen, Völkern, Stämmen und Sprachen predigen möchten.

[12:05] Wozu also dieser vierte Engel? Bringt er noch eine neue Botschaft, etwas, was die ersten drei übersehen hatten? Gibt es noch etwas, was wir zusätzlich lernen müssen? Eine extra Theorie, ein paar extra Glaubenspunkte? Wenn ihr den vierten Engel studiert und diese Verse euch anschaut, dann stellt ihr fest: Er predigt eigentlich nichts Neues. Man kann sagen, er gibt vielleicht noch ein paar neuere Details zu dem Fall von Babylon, der ja ohnehin ein Prozess ist, aber er gibt nichts Neues. Er wiederholt im Wesentlichen die zweite Engelsbotschaft und dadurch impliziert er auch die erste und die dritte.

[12:44] Manchen Bibelstudenten ist es aufgefallen, dass die zweite Engelsbotschaft, wo es auch schon hieß „Gefallen, gefallen ist Babylon“, in der dreifachen Engelsbotschaft nicht mit lauter Stimme gepredigt worden ist. Oder kennt ihr das? Vom ersten Engel heißt es, er sprach mit lauter Stimme, und vom dritten Engel hieß es, er sprach mit lauter Stimme, und vom zweiten Engel hieß es, er sprach. Und so hat man zurecht darauf hingewiesen, dass dieser vierte Engel den zweiten verstärkt. Er ruft mit lauter Stimme. Aber ist das alles? Ist der vierte Engel nur Gottes Versuch, die Lautstärke unserer Verkündigung ein bisschen lauter zu machen, an einem Lautstärkeregler zu drehen und zu sagen: „Die zweite Engelsbotschaft, die ist noch nicht so richtig laut gewesen. Die müssen wir ein bisschen lauter drehen“? Schaut doch mal in den Vers. Es heißt ja in Vers 2: „Er rief kraftvoll mit lauter Stimme.“ Das war bisher von keinem Engel gesagt. Da ist also noch mehr Kraft in der Botschaft dieses Engels, obwohl sie keine neue theologische Erkenntnis sozusagen bringt.

[13:59] Aber noch mehr. Ist euch aufgefallen, was in Vers 1 steht? Dort steht: „Er hatte große Vollmacht.“ Von welchem der drei Engel in Offenbarung 14 steht, dass er große Vollmacht hatte? Erster, zweiter oder dritter? Von keinem. Also nicht nur bringt er eine zusätzliche Kraft, er bringt auch eine zusätzliche oder überhaupt erst einmal eine Vollmacht. Ich weiß nicht, woran ihr denkt, wenn ihr an Vollmacht denkt. Ich denke dabei ganz unwillkürlich an Jesus. Heißt es nicht von Jesus, dass er mit Vollmacht gepredigt hat? Ihr alle kennt das in Matthäus 7. Da heißt es am Ende der Bergpredigt, dass die Leute ziemlich erstaunt waren. Dort heißt es in Vers 28: „Und es geschah, als Jesus diese Worte beendet hatte, erstaunte die Volksmenge über seine Lehre, denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hatte, und nicht wie die Schriftgelehrten.“ Wir werden im Laufe dieser Predigt noch mal kurz darauf zurückkommen, worin diese Vollmacht von Jesus bestand. Aber eines steht fest: Die Predigten von Jesus waren anders als die Predigten, die man normalerweise Sabbat für Sabbat in der Synagoge hören konnte. Die Leute waren ja Predigten gewohnt, die gingen ja regelmäßig in den Gottesdienst, und trotzdem war diese Predigt von Jesus anders.

[15:32] Der vierte Engel predigt wie Jesus. Das heißt, ich glaube, wenn der vierte Engel sich manifestiert, dann werden Leute wie du und ich, die Woche für Woche in den Gottesdienst gehen und Predigten hören, sagen: „So etwas haben wir noch nie gehört. Etwas Neues.“ Dabei hatte ja Jesus nicht wirklich Dinge gesagt, die es vorher nie gegeben hätte. Vollmacht. Und dann gibt es noch etwas, was in Offenbarung 18, Vers 1 steht: mit großer Kraft, mit Vollmacht, und es heißt hier: „Und die Erde wurde erleuchtet von seiner Herrlichkeit.“ Auch das gibt es in Offenbarung 14 nicht. Dort wird die Wahrheit gepredigt, wie sie in Jesus ist, aber da leuchtet noch nichts. „Die Erde wurde erleuchtet von seiner Herrlichkeit.“

[16:45] Das ist keine neue Idee hier. Diese Idee zieht sich durch die ganze Bibel wie ein roter Faden. Wir können sie zurückverfolgen bis in die Bücher Mose, bis in das vierte Buch Mose, wo Gott zum ersten Mal versprochen hatte, dass die Erde erfüllt sein wird mit seiner Herrlichkeit. Wisst ihr, bei welcher Geschichte das gewesen ist? Schaut mit mir in 4. Mose, Kapitel 14. Es ist eigentlich eine traurige Geschichte. In 4. Mose 14, und dort ab Vers 20, in Kadesch-Barnea, direkt an der Grenze zum Gelobten Land, im zweiten Jahr der Wüstenwanderung, als Gott das Volk bereits hineinbringen wollte, als Gott bereit war, aber das Volk nicht, und rebelliert hat. Bevor Gott – oder lesen wir erst mal den Vers. Es heißt ja Vers 20, 4. Mose 14, Vers 20: „Da sprach der Herr: Ich habe vergeben nach deinem Wort.“ Ihr wisst, Mose hat für das Volk gebetet. Und jetzt kommt’s, Vers 21: „Aber so wahr ich lebe und die ganze Erde mit der Herrlichkeit des Herrn erfüllt werden soll.“ Und dann geht’s gleich weiter. Wir lesen gleich weiter. Wie nennt man das, wenn jemand sagt: „So wahr ich lebe“? Sein Schwur. Oder Gott schwört. Gott schwört manchmal in der Bibel. Und der Paulus sagt uns im Hebräerbrief, dass wenn Gott schwört, dann liegt das nicht daran, dass er sonst manchmal die Unwahrheit sagt, sondern obwohl er sowieso immer die Wahrheit sagt und obwohl wir uns schon auf sein Wort verlassen könnten, schwört er, damit wir, die wir wissen, was ein Schwur bedeutet, eine extra Gewissheit haben: Das wird eintreffen.

[18:57] Gott hat nicht nebenbei gesagt: „Übrigens, Fußnote, falls es euch interessiert: Es wird wahrscheinlich mal dazu kommen, dass die Erde erfüllt wird mit der Herrlichkeit Gottes.“ Nein, Gott schwor: „Die Erde soll erfüllt werden mit der Herrlichkeit Gottes.“ Ich weiß nicht, woran ihr denkt, wenn ihr an die Herrlichkeit Gottes denkt. Irgendein undurchdringlicher Lichtglanz, der die Augen blendet und man die Augen zumacht? Was meint die Erde? Was meint die Bibel eigentlich ganz konkret mit der Herrlichkeit Gottes, die die Erde erleuchten soll? Interessanterweise finden wir den Schlüssel dazu schon hier in dieser Geschichte. Ja, er steckt im nächsten Vers. Schaut mal mit mir, was Gott sagt in Vers 22: „Keiner der Männer, die meine Herrlichkeit und meine Zeichen gesehen haben, die ich in Ägypten und in der Wüste getan habe und die mich nun schon zehnmal versucht haben und meiner Stimme nicht gehorcht haben.“ Und ihr wisst, wie es dann weitergeht: Sie sollen dann in der Wüste sterben, sie sollen das Land nicht sehen, das wird noch 38 1/2 Jahre lang weitergehen. Aber den Punkt, den ich machen möchte, ist der Anfang des Verses. Gott sagt: „Keiner der Männer, die meine Herrlichkeit und meine Zeichen gesehen haben.“ Also halten wir fest: Gott sagt in Vers 21: „Ich schwöre, meine Herrlichkeit soll die ganze Erde erfüllen.“ Und in Vers 22 sagt er: „Die Israeliten, die meine Herrlichkeit gesehen haben.“

[20:31] Was ist also die Herrlichkeit, von der Gott sich schon in Kadesch-Barnea wünschte, dass sie die ganze Erde erfüllt? Es war die Herrlichkeit, die die Israeliten schon gesehen hatten. Was hatten sie denn gesehen in Ägypten? Was hatten sie erlebt am Roten Meer? Was hatten sie mit Gott erfahren in der Wüste? Es war seine Gnade, es war seine Liebe, es war seine erlösende Kraft. Oder das, was sie mit Gott erlebt haben, die Erfahrung, die sie gemacht haben, als sie nicht weiterwussten, als sie dachten: „Wir werden für immer in Ägypten bleiben“, wie Gott sie rausgeführt hat mit einem starken Arm und durch große Gerichte, wie die Bibel sagt. Als sie am Roten Meer dachten, es geht nicht vorwärts, es geht nicht rückwärts, es geht nicht nach links, es geht nicht nach rechts, als Gott einen Weg machte mitten durch das Meer. Das war seine Herrlichkeit. Als sie in der Wüste nicht wussten, was sie essen sollten oder trinken sollten, als Feinde sie angriffen und Gott jedes Mal für sie gesorgt hat. Das war die Herrlichkeit Gottes. Seine Werke, seine Taten, seine Erlösung, die sie erlebt haben. Und Gott sagt in Vers 21: „Ich wünsche mir, ich schwöre, diese Herrlichkeit soll die ganze Erde erleuchten.“

[22:00] Die Israeliten in Kadesch-Barnea standen mit all den Erfahrungen, die sie gemacht hatten – hatte Gott sich gewünscht, als der Bericht kommt und sagt: „Oh, die Riesen sind groß und mächtig und die Städte so hoch bis zum Himmel und das werden wir nie.“ Als diese Berichte kamen, hätte er sich gewünscht, dass sie gesagt hätten: „Ach, lass die Riesen groß genug sein, dass die Mauern bis in den dritten Himmel gehen. Wir haben erlebt, wie sich das Rote Meer geteilt hat. Wir haben erlebt, wie die Ägypter alle gestorben sind. Wir haben erlebt, wie Wachteln vom Himmel kamen. Wir wissen, Gott kann uns helfen.“ Wenn sie das gesagt hätten und ausgelebt hätten, hätte dann nicht angefangen, die Herrlichkeit Gottes ein ganzes weiteres Stück der Erde zu erleuchten?

[22:49] In 2. Mose 19, ein knappes Jahr zuvor, sehen wir, was Gott vorhatte mit seinem Volk. In 2. Mose 19, er hatte sie gerade durch die Wüste zum Berg Sinai geführt. In Vers 4 dort lesen wir: „Ihr habt gesehen, was ich an den Ägyptern getan habe und wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und euch zu mir gebracht habe.“ Die Erlösung in Ägypten, die Führung durch die Wüste. „Wenn ihr nun wirklich meiner Stimme Gehör schenken und gehorchen werdet und meinen Bund bewahrt, so sollt ihr vor allen Völkern mein besonderes Eigentum sein. Jetzt kommt’s: Denn die ganze Erde gehört mir. Ihr aber sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein.“ Gott sagt mit anderen Worten: „Alle Völker gehören mir. Mir gehören die Babylonier, die Ägypter, die Amalekiter, die Jebusiter, die Hiviter, die Moabiter, die Edomiter, die Amoriter – alle, die gehören mir alle. Aber niemand von denen ist mein besonderes Eigentum.“ Was machte die Israeliten besonders im Vergleich zu den Amalekitern, Moabitern, Edomitern, Babyloniern, Hetitern, wie sie alle hießen? Was machte sie besonders? Sie hatten die Macht Gottes, seine erlösende Kraft erlebt. Sie hatten erlebt, dass Gott tatsächlich aus der Gefangenschaft freimacht. Sie hatten erlebt, dass Gott wirklich einen Weg durch das Wasser machen kann. Sie hatten erlebt, dass Gott wirklich salziges Wasser wieder genießbar machen kann. Sie hatten erlebt, dass Gott lebt und dass er gut ist. Und dann sagt er: „Und weil ihr ein besonderes Volk seid, sollt ihr Priester sein, königliche Priester.“ Was macht denn ein Priester?

[24:36] Es gab natürlich im Volk Israel auch tatsächliche Priester. Was sollte ein Bild sein für das, was jeder Israelit sein sollte? Was macht ein Priester? Ein Priester steht zwischen Gott und den Menschen, und der Priester bringt die Menschen zu Gott und erzählt den Menschen von Gott. Er kommt quasi von Gott mit der Botschaft Gottes, erklärt den Menschen, die noch nicht so nahe an Gott sind wie er, erklärt den Menschen, wie Gott ist, und führt die Menschen wieder zu Gott. Die Israeliten sollten ihre Erfahrungen mit der ganzen Welt teilen. Sie waren nicht besonders, weil sie eine besondere Genetik hatten, eine besondere DNA oder weil sie eine besondere Geschichte hatten. Sie waren besonders aufgrund der Erfahrung, die Gott in ihrem Leben bewirkt hatte. Ein königliches Volk, ein Priestertum. Sie sollten das weitergeben. Dieser Auftrag ist nie zurückgenommen worden. Schaut mit mir in 1. Petrus 2, Vers 9. Gott wünscht sich noch immer Menschen, die ein besonderes Volk von ihm sind.

[25:49] 1. Petrus 2, Vers 9: „Ihr aber“ – und Paulus – Petrus, Verzeihung, Petrus spricht hier natürlich zu den Christen des Neuen Testamentes – „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums, damit ihr die Tugenden dessen verkündet, der euch aus der Finsternis berufen hat zu seinem wunderbaren Licht.“

[26:24] Hast du in deinem Leben Gottes erlösende Kraft erlebt? Oder ist die Botschaft von der Erlösung etwas, was du in der Bibelstunde gelernt hast, auswendig gelernt hast und jetzt weitergeben willst? Hast du die Kraft Gottes, die Gnade Gottes, als du nicht weiterkonntest, als du gefallen warst, als du im Gefängnis der Sünde saßt, hast du die Kraft erlebt? Dann kennst du schon die Herrlichkeit Gottes. Dann hast du schon das erlebt, was alle anderen noch erleben sollen, damit wir die Tugenden – das Wort „Tugenden“ ist ein bisschen altes Deutsch, oder? Das klingt so ein bisschen verstaubt. Die „Arete“, das ist eigentlich die Bestform. Also, wenn ihr so viel Sport macht und irgendwann so richtig gut seid, dann habt ihr eure Bestform erreicht. Ja, wenn ihr für eine Prüfung lernt und ihr habt so alles im Kopf, dann habt ihr eure Bestform erreicht. Wir sollen den Menschen erzählen, worin Gott der Beste ist, was er am besten kann. Und das ist eine ganze Menge, nicht wahr? Seine Kraft, seine Liebe, seine Güte. Ihr Lieben, für mich sind das keine leeren Worte. Ich habe in meinem Leben die Güte, die Freundlichkeit, die Kraft Gottes erlebt. Ich weiß, dass das nicht nur eine klug erdachte Fabel ist, nicht nur etwas, was keinen Widerspruch hat und deswegen erstmal geglaubt werden sollte, sondern es ist eine Kraft, die mein Leben verändert hat. Und diese Herrlichkeit wünscht sich Gott, dass sie die ganze Welt erfährt.

[28:22] In Titus 2 sagt auch Paulus, dass wir ein besonderes Volk sind, weil wir erlebt haben, was Gott an uns getan hat. In Titus Kapitel 2 und dort Vers 14, eine ganz berühmte Stelle, die auch in der Adventbewegung eine große Bedeutung gehabt hat. Ihr wisst vielleicht, Miller hat seine Vortragsreihen mit Titus 2, Vers 11 und folgende begonnen. Titus 2, Vers 14: „Der sich selbst“ – das geht über Jesus – „der sich selbst für uns hingegeben hat, um uns von aller Gesetzlosigkeit zu erlösen und für sich selbst ein Volk zum besonderen Eigentum zu reinigen, das eifrig ist, gute Werke zu tun.“ Wir sind ein besonderes Volk. Wir sind besonders, weil Gott uns erlöst hat. Wir sind besonders, weil er uns gereinigt hat, und wir sollen gute Werke tun. Kennt ihr noch eine Bibelstelle, wo wir aufgefordert werden, gute Werke zu tun, wo das irgendwie verknüpft wird mit dem Licht? Kennt ihr eine Bibelstelle, wo gute Werke verknüpft werden mit dem Licht? Jesus selbst sagt das in der Bergpredigt in Matthäus Kapitel 5, und auch das kennt ihr wahrscheinlich ganz gut, in Matthäus Kapitel 5 und dort Vers 16: „So soll euer Licht leuchten vor den Menschen, vor den Leuten, dass sie eure“ – was sehen? – „eure guten Werke.“ Und jetzt kommt was ganz Entscheidendes: „...damit sie wen preisen? Euren Vater im Himmel.“

[30:05] Das müssen irgendwie andere gute Werke sein als die, die man normalerweise kennt. Denn wenn man normalerweise so die guten Werke tut, wer wird dann gepriesen? Oh, man selbst, oder? Deswegen werden auch in der Welt viele gute Werke getan. Deswegen gibt es Spendengalas, wo Leute Millionen spenden. Deswegen tun Celebrities sich damit postieren, dass sie anderen helfen, weil sie dafür Lob bekommen. Das kann nicht gemeint sein. Also halten wir fest: Wir sind ein besonderes Volk. Wir sind aus der Finsternis in das Licht berufen, um dieses Licht weiterzugeben. Und das hat irgendwie mit guten Werken zu tun. Das sagt Paulus zu Titus, das sagt Jesus in der Bergpredigt. Er sagt sogar in Vers 14, dass dieses Licht der guten Werke die ganze Erde erleuchten soll. Er sagt in Vers 14: „Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf dem Berg liegt, kann nicht verborgen sein.“ Was sind das für Werke? Und warum werden wir nicht dafür gepriesen?

[31:16] Die Antwort findet sich in Epheser Kapitel 2. Wir müssen jetzt gut mitdenken in Epheser Kapitel 2 und dort Vers 10. Nachdem Paulus dort erneut davon gesprochen hat, was Gott für uns getan hat in der Erlösung durch das Kreuz, dass wir durch den Glauben annehmen können, seine Gnade, sagt er in Vers 10: „Denn wir sind seine Schöpfung, erschaffen in Christus Jesus zu – was? – zu guten Werken. Jetzt kommt’s: zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir in ihnen wandeln sollen.“ Wisst ihr, was die unfruchtbarste Diskussion in der Adventgemeinde seit 100 Jahren ist? Die fruchtloseste Diskussion in der Adventgemeinde und wahrscheinlich auch in der weiteren Christenheit ist die Diskussion: „Werke oder keine Werke? Brauchen wir Werke oder brauchen wir keine Werke?“ Ich frage euch, warum das fruchtlos ist: Versucht jetzt mal für eine Minute kein Werk zu tun. Geht gar nicht. Selbst wenn man nichts macht, ist das irgendwie noch eine Art, wie Ausruhen, Meditieren, Nachdenken, Stillsitzen. Man tut immer etwas. Die Frage ist eigentlich nicht: „Werke oder keine Werke?“ Die Frage in der Bibel ist: „Meine Werke oder Gottes Werke?“

[32:52] Meine Werke oder Gottes Werke. Und ich glaube, wir haben manchmal das Evangelium nicht ganz hundertprozentig verstanden, denn wir glauben ganz oft, ob bewusst oder unbewusst, dass Jesus am Kreuz für uns gestorben ist, dass er auferstanden ist, dass er uns erlöst hat, dass das Gottes Werk ist, und nachdem wir erlöst sind, versuchen wir jetzt – als Folge, natürlich nicht als Bedingung für die Erlösung, aber versuchen wir jetzt durch gute Werke irgendwie diesen Weg der Heiligung weiterzugehen, und deswegen scheitern du und ich immer wieder. Die Herrlichkeit Gottes erfüllt nicht die Erde, wenn wir davon erzählen, was Gott alles in der Vergangenheit für uns getan hat und wie wir jetzt versuchen, ein besseres Leben zu leben. Die Herrlichkeit Gottes erfüllt die Erde, wenn wir, weil Gott in der Vergangenheit für mich gewirkt hat, weil ich so viel mit ihm erlebt habe, ich heute und morgen ihn wirken lasse. Menschen merken, ob jemand ein gutes Werk tut oder ob Gott durch ihn wirkt. Menschen merken, ob ein Mensch einfach freundlich ist oder ob sich die Freundlichkeit Jesu in seinem Wesen offenbart. Und wenn diese Freundlichkeit, diese guten Werke, die nicht wir machen, sondern die Gott schon bereitet hat, in unserem Leben sichtbar werden, dann leuchtet es.

[34:41] Dasselbe gute Werk, einem anderen zu helfen, macht einen Unterschied, ob ich es selbst tue oder ob Jesus es tut. Ist euch schon mal aufgefallen, dass derselbe Gegenstand ganz anders aussieht, wenn er vom Licht angeleuchtet wird? Wenn ihr hier über Bogenhofen über den Campus lauft und ihr seht den kleinen Teich da, und es ist Regen und es ist wolkig, es ist grau, dann sieht er halt grau aus, oder? Wenn die Sonne drauf scheint, ist der kleine Teich, mit denselben Algen und denselben Fischen, plötzlich ganz anders erleuchtet und glitzert. Die Gegenwart Jesu in unserem Leben macht dieselbe Freundlichkeit, dasselbe gute Werk, dieselbe Handlung plötzlich zu etwas völlig anderem.

[35:43] Nicht meine Werke, sondern Gottes Werke. Wie war das noch mit der Vollmacht von Jesus? Lass uns kurz darauf zurückkommen. Warum hat Jesus mit Vollmacht gepredigt? Schaut mal mit mir zu Jesaja 50. Das ist eine ganz tolle Stelle. Jesaja 50 ab Vers 4. Wenn ihr den ganzen Kontext lest, werdet ihr in Jesaja 50 feststellen, dort geht es um den Knecht des Herrn. Dort geht es um den Messias, der auch angespuckt wird, der verachtet wird. Es geht hier prophetisch mindestens auch um Jesus. Und schaut mal, was seine Erfahrung war in Vers 4. Dort heißt es in Jesaja 50, Vers 4: „Gott, der Herr, hat mir die Zunge eines Jüngers gegeben, damit ich den Müden mit einem Wort zu erquicken wisse. Er weckt morgen für morgen, ja, er weckt mir das Ohr, damit ich höre wie Jünger hören.“ Ich habe eine Frage an euch: Was ist ein Jünger? Das ist so ein Wort, das gibt’s nur in der Kirche. Ja, das gibt’s natürlich ansonsten nur als Komparativ: „Ich bin jünger als du.“ Ja, aber ansonsten... Was ist ein Jünger? Helft mir. Was ist ein Jünger? Ein Schüler. Das müsstet ihr gut wissen. Ihr seid ja alle – wir sind alle Schüler, oder? Egal, ob wir in die Volksschule gehen, in die Mittelschule, in das ORG, ob wir Predigerschüler sind, Sprachschüler oder ob wir Schüler in der Schule des Lebens sind. Wir sind alle Schüler. Also das Ohr eines Jüngers, das ist uns ja ganz vertraut, oder? Was aber ist die Zunge eines Schülers? Steht doch da, oder? „Gott, der Herr, hat mir die Zunge eines Jüngers gegeben, eines Schülers gegeben.“

[37:25] Wisst ihr, was Jesus gemacht hat? Ich frage es anders: Wisst ihr, warum Jesus der größte Lehrer aller Zeiten war und diese Vollmacht hatte? Weil Jesus der größte Schüler aller Zeiten war. Und ich verrate euch einen Tipp, liebe Schüler: Eure besten Lehrer sind die besten Lehrer, weil ihr die besten Schüler seid. Jesus kam nicht zur Bergpredigt, um zu sagen: „Ich sage euch jetzt einmal, was ich mir überlegt habe.“ Das hätte er machen können. Er war Gott. Jesus hat die ganze Nacht hindurch gebetet, natürlich auch für seine Jünger, aber Jesus hat morgen für morgen gebetet und mit Gott gesprochen und gehört: „Gott, lieber Vater, was soll ich heute sagen?“ Das, was wir bewundern in den Antworten Jesu, wenn er mit der Frau am Samariterbrunnen redet, wenn er mit dem Nikodemus redet, was wir bewundern in seiner Bergpredigt, das ist nicht einfach die Genialität von Jesus, das ist seine Demut, das zu sagen, was ihm der Vater gesagt hat. Und Jesus, der selbst Gott gewesen ist, der aus seinem Eigenen heraus ohne den Vater vieles Beeindruckendes hätte sagen können, er hat nicht eine Predigt gehalten, bei der er nicht wusste, dass das das ist, was der Vater ihm gesagt hat. Und wir reden so gern unser eigenes Zeug daher, nicht wahr? Was wir denken, was wir empfinden, was wir fühlen und glauben, das ist uns besonders wichtig. Aber die Vollmacht des vierten Engels besteht darin, dass wir Schüler werden und morgen für morgen einfach hören: „Gott, was möchtest du, dass ich sage?“ Weil dann kann Gott wirken. Dann ist es sein Licht, das durch uns hindurchwirkt.

[39:31] Und Gottes Licht bewirkt nicht, dass unsere Persönlichkeit ausgelöscht wird. Im Gegenteil, keine Person der Bibel ist, was ihren Charakter und ihre Persönlichkeit betrifft, so präsent wie Jesus. Oder wenn wir uns ganz Gott übergeben, dass er wirken kann, dann zerstört er nicht unsere Individualität. Nein, er fördert sie erst richtig, denn dann kommt sie so zur Geltung, wie Gott sie gemacht hat und wie er sie geschaffen hat. Und deswegen sagt die Bibel in Apostelgeschichte 10, dass Jesus Kraft hatte in Vers 38, weil Gott mit ihm war. Er hat nicht einfach nur von Gott gelernt und ist dann auf eigene Faust losgelaufen, sondern in seinem Alltag hat er mit Gott zusammengearbeitet. Er hat ihn wirken lassen. Und deswegen sagt er auch über uns in Johannes 3, Vers 21: „Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zum Licht, damit seine Werke offenbar werden, dass sie in Gott getan sind.“

[40:39] Woran liegt es, dass unser Licht noch nicht so leuchtet, dass es durch den ganzen Erdkreis hindurchleuchtet? Liegt es daran, weil wir die dreifache Engelsbotschaft nicht verstanden haben, weil uns noch prophetische Daten fehlen, weil wir noch nicht theologisch alles genau verstanden haben? Brauchen wir eine neue Wahrheit? Brauchen wir eine neue Form für die Wahrheit? Oder brauchen wir vielleicht einfach die Gegenwart Jesu in meinem Alltag, so dass das, was schon wahr ist, leuchten kann, damit das, was nicht verändert werden muss, aber bisher nur begrenzt Auswirkung gehabt hat, endlich die Erde erreicht, weil es angeleuchtet ist von Gottes Charakter durch sein Wirken? Das war schon immer Gottes Wunsch. Hesekiel 36, den kennt ihr bestimmt auch ganz gut. Hesekiel 36 gehört zu diesen wunderbaren Abschnitten im Alten Testament, wo es um die Wiederherstellung Israels geht. Das habe ich persönlich für mich sehr schätzen gelernt. Hesekiel 36 und dort in Vers 26 und 27. Gott sagt in Hesekiel 36, Vers 26 und 27: „Und ich will euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres legen. Ich will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ja, ich will meinen Geist in euer Inneres legen und werde bewirken, dass ihr in meinen Satzungen wandelt und meine Rechtsbestimmungen befolgt und tut.“

[42:16] Weißt du, dass Gott nicht von dir verlangt, seine Gesetze zu halten, nachdem er dich erlöst hat, sondern dass er sich wünscht, dass du dein Herz ganz aufmachst, sodass er in dir seine Gebote halten kann? Es macht einen großen Unterschied, ob wir denken: „Ich bin durch Gnade erlöst, und das bleibt auch so, aber hinterher muss ich mich doch ein bisschen anstrengen, so aus eigener Kraft doch zeigen, dass ich es jetzt ein bisschen besser kann“, oder ob das, was wir bei der Erlösung erlebt haben, auch jetzt unseren Alltag trägt, ob er weiter wirken darf.

[43:10] In Jesaja 60, da haben wir so einen Aufruf, dass wir Licht werden sollen. Schon im Alten Testament, Jesaja 60 und dort Vers 1 und 2: „Mache dich auf, werde Licht.“ Aber woher kommt das Licht? „Denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir.“ Ist euch aufgefallen, dass in Offenbarung 18 nicht steht: „Die Erde wurde erleuchtet von der Herrlichkeit Gottes“? Obwohl das ja der Wunsch ist, oder? Gott hat seit 4. Mose 14 gesagt: „So wahr ich lebe und die Erde mit der Herrlichkeit Gottes erfüllt werden soll.“ In Offenbarung 18 steht: „Die Erde wurde erfüllt mit seiner Herrlichkeit.“ Das ist die Herrlichkeit des Engels, aber das ist nicht die Herrlichkeit, die der Engel selbst produziert hat, die er mit Aktivismus, mit Anstrengung aus sich selbst rausgepresst hat. Dieser Engel ist ein Engel, der sich hat durchfluten lassen, der sich hat anleuchten lassen, der weitergibt, was er von Gott gelernt hat, der Gott in sich wirken lässt.

[44:15] Ihr alle wisst, in Johannes 1, da heißt es: „Wir sahen seine Herrlichkeit... voller Gnade und Wahrheit.“ Hast du Gottes Gnade in deinem Leben erlebt? Oder bist du nur davon überzeugt, dass das hier wahr sein muss, weil du kein Gegenargument gefunden hast? Das macht einen Unterschied.

[44:49] In Johannes 8 und dort Vers 12 sagt Jesus auch das bekannte Wort. Johannes 8, Vers 12: „Nun redete Jesus wieder zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern er wird das Licht des Lebens haben.“ Die dreifache Engelsbotschaft wird zum hellen Licht, wenn Jesus in ihr ist. Wisst ihr, die dreifache Engelsbotschaft, also 1844, bleibt wahr, ganz egal, ob ich mit Jesus lebe oder nicht. Ich kann das siebte Jahr von Artaxerxes berechnen. Ich kann die Jahre ausrechnen. Ich kann das Hebräische analysieren. Ich kann das alles – richtig, alles wichtig. Bleibt alles wahr. Es wird relativ wenig Wirkung haben, es sei denn, ich verstehe 1844 durch Jesus und mit Jesus. Der Sabbat bleibt der wahre Ruhetag. Auch wenn ich Jesus nicht im Leben habe, ich kann sogar anderen weitergeben. Aber wenn ich Jesus liebe und Tag für Tag mit ihm gehe, dann fängt der Sabbat an zu leuchten. Dann fängt die Botschaft von der Endzeit an zu leuchten. Dann fängt das Heiligtum an zu leuchten. Dann fängt sogar die Botschaft vom Zehnten an zu leuchten. Dann gibt es gar keine Botschaft der Bibel, die nicht anfängt zu leuchten, weil Jesus das Licht der Welt ist. Und wie komme ich dahin? Ganz einfach: Folge ihm. Er sagt: „Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern er wird das Licht des Lebens haben.“

[46:24] Ich habe lange Zeit Vers 11, den Vers davor, falsch verstanden. Vers 11 gehört zu den Versen, wo die erste Hälfte zu unseren Lieblingsversen gehört und die zweite Hälfte... da kürzen wir. Jesus vergibt der Ehebrecherin und dann sagt er: „Geh hin und sündige nicht mehr.“ Und ich habe immer so – ich weiß nicht, wie es euch geht, aber das klingt immer so: „Geh hin.“ Ja, Jesus ist bei ihr, da ist es schön, da ist es gut, da ist die Vergebung, da ist die Gnade, da ist die Liebe. Und dann klingt das im Deutschen so wie: „Geh hin. Ja, so, und jetzt steh auf.“ Implizit so denken wir vielleicht manchmal: „Geh hin, geh weg von Jesus und leb jetzt ein bisschen besser. Versuch dich jetzt mal besser anzustrengen. So, ich gebe dir eine zweite Chance.“ Aber ich glaube, Vers 12 zeigt, dass das falsch ist. Wenn Jesus sagt: „Geh hin“, meinte er nie: „Du bist jetzt hier, jetzt geh und versuch es noch mal besser.“ Er meinte: „Geh und folge mir nach“, weil wenn du mir nachfolgst, dann kann ich das, was ich jetzt gerade für dich getan habe – dir die Sünde vergeben –, das heißt, ich kann die Sünde in deinem Leben besiegen. Das kann ich dann auch im Alltag immer wieder tun, sodass du sie nicht mehr tun musst.

[47:47] Der Paulus sagt, wir leben mit Jesus. Und er sagt das nicht einfach so im Sinne von: „Na ja, ich lebe und Jesus ist halt irgendwie da.“ Er sagt im Epheserbrief, wir sind mitversetzt in den Himmel. Mal ganz ehrlich, fühlt ihr euch so, als ob ihr schon im Himmel lebt? Denn Paulus sagt, wir sind mit im Glauben, natürlich mitversetzt mit ihm in den Himmel. Und wenn man das ein bisschen nachschlägt – also wir müssen jetzt nicht alle Texte nachschlagen –, dann wird deutlich: Er sagt, wir sind mitversetzt, weil wir mit ihm mit auferstanden sind. Fragt man sich: „Ja, wie mit auferstanden?“ Dann sagt er weiter im Kolosser: „Wir sind mit ihm mit auferstanden, weil wir mit ihm mitbegraben sind.“ Und dann sagt er in Galater 2, Vers 20: „Wir sind mit ihm gestorben.“ Lass mich ganz kurz darüber sprechen, weil ich glaube, dass hier die eigentliche Wurzel für alle meine und alle deine Sorgen im Glaubensleben sind. Wenn wir nicht mit Jesus gestorben sind, dann sind wir auch nicht mit ihm auferweckt. Und dann kennen wir vielleicht nicht wirklich diese Kraft, die unser Leben zum Leuchten bringt. Paulus sagt: „Ich bin mit Christus gekreuzigt und nun lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir. Und was ich jetzt lebe, das lebe ich im Glauben. Was ich jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes.“

[49:27] Frage: Was würdet ihr sagen, ist der wichtigste Bibelvers, wenn es um die Erlösung geht? Was ist der wichtigste Vers, den man überhaupt sagen kann, studieren kann? Was würdet ihr sagen, wenn man wissen will, wie man ewiges Leben bekommt? Hm, jemand eine Idee? Der wichtigste Bibelvers über die Erlösung? Johannes 3, Vers 16. Wunderbar. Lass uns ihn kurz aufschlagen für den Fall, dass wir ihn nicht mehr auswendig kennen, was sehr unwahrscheinlich ist. Aber selbst dann sollten wir immer mal wieder neu ihn lesen. Johannes 3 und dort Vers 16: „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“

[50:17] Ich habe noch eine Frage an euch, jetzt zum Mitmachen. Okay. Wer von euch... andere Frage, erste Frage: Wie viel Bedingungen gibt es in diesem Vers für die Erlösung? Wie viel Bedingungen könnt ihr sehen? Keine. Ich sehe eine, mindestens. Glauben – ist das eine Bedingung? Sieht jemand noch mehr Bedingungen außer Glauben? Okay, jetzt kommt die Mitmachfrage. Okay, ihr müsst wirklich mitmachen. Würdet ihr sagen, allein der Glaube und absolut nichts anderes ist vonnöten, um gerettet zu werden? Das heißt, jeder, der glaubt, ist gerettet und hat ewiges Leben. Oder würdet ihr sagen: „Ja, der Glaube ist das Wichtigste, das Entscheidende, aber letztendlich muss da noch was dazukommen.“ Wir machen Abstimmung: Wer sagt erstens: „Allein der Glaube und das ist alles, was man braucht“? Wer sagt, das ist meine Überzeugung? Okay. Wer sagt: „Der Glaube ist entscheidend, aber da muss noch was dazukommen“? Wunderbar. Wer sagt: „Ich bin verwirrt“? Wisst ihr, was beeindruckend ist? Also in jeder Gemeinde, wo ich das Thema gepredigt habe, ist die Gemeinde fifty-fifty gespalten, in jeder Jugendgruppe. Halten wir fest, noch mal zum Recap: Das ist der einfachste Vers der Bibel mit der wichtigsten Botschaft, und hier kurz vor der Wiederkunft sind wir uns nicht ganz sicher, was er bedeutet. Und das ist eigentlich genau symptomatisch.

[51:47] Also schlagen wir die Bibel noch mal auf und lesen ihn ganz genau. Okay, wir lesen ganz genau: „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt...“ – den Komma, ja, also nichts weiter, Punkt, kein Punkt, Punkt, Punkt, sondern „...nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ Die Sache ist ganz eindeutig, und trotzdem weiß ich, warum viele von euch sich gemeldet haben bei der zweiten Frage, weil wir natürlich auch wissen: Es gibt einen Glauben, der nicht rettet. Oder die Dämonen glauben. Ich war natürlich... ich habe euch natürlich ein bisschen in die Enge getrieben, ich weiß. Die Dämonen glauben auch. Was glauben sie denn? Was glauben denn die Dämonen? Glauben die Dämonen, dass Gott existiert? Glauben die Dämonen, dass Jesus am Kreuz gestorben ist? Glauben die Dämonen, dass der Sabbat der richtige Tag ist? Kein Dämon hält den Sonntag. Glauben die Dämonen, dass Gott die Welt in sechs Tagen geschaffen hat? Keine Evolutionisten unter den Dämonen. Glauben die Dämonen, dass die Toten tot sind? Dass Schweinefleisch ungesund ist? Dass 1844 das Gericht begann? Dass Ellen White eine Prophetin war? Man könnte ja fast Adventisten aus ihnen machen.

[52:57] Ich mache den Punkt bewusst: Wenn unser Glaube darauf basiert, dass wir sagen: „Das glaube ich, das glaube ich, das glaube ich, das glaube ich“, und habe kein Gegenargument, keinen Widerspruch, dann ist es kein Wunder, dass uns manchmal so ein bisschen die Gewissheit fehlt: „Bin ich jetzt errettet?“ Und lass mich ganz, ganz ehrlich sein: Ich habe jetzt diesen Gedanken immer wieder in Predigten in vielen Gemeinden gehalten, vielen Jugendgruppen. Meine Schlussfolgerung ist: Viele von uns wissen nicht ganz genau, ob, wenn Jesus heute wiederkommen würde, wir heute ewiges Leben hätten. Und Heilsgewissheit entsteht nicht dadurch, dass ich euch jetzt sage: „Habt ein bisschen mehr Heilsgewissheit.“ Dürft ihr ruhig haben. Heilsgewissheit entsteht doch dadurch, dass ich meines Heils gewiss bin. Und das kommt ja nicht von jemand anderem. Denn wenn ihr nur eures Heils gewiss seid, weil ich es euch sage – ihr könnt schon eures Heils gewiss sein –, dann basiert es nur auf meiner Aussage.

[54:04] Lesen wir den Vers Johannes 3, Vers 16 noch mal. Lesen wir noch mal. Dort steht: „Denn so hat Gott die Welt geliebt.“ Was meint er? In manchen Übersetzungen steht „so sehr“, aber das ist eigentlich nicht wirklich das Griechische gemeint. Im Griechischen meint es: „Denn so, auf diese Weise hat Gott die Welt geliebt.“ Wenn er also sagt: „Denn so, auf diese Weise“, dann muss man sich doch die Frage stellen: Ja, auf welche Weise? Worauf bezieht sich „so“? Oder hat jemand eine Idee? Worauf könnte sich dieses „so“ beziehen? Dieses „so“... die Hingebung, seinen Sohn gab. Ja, ich habe persönlich den Eindruck, es bezieht sich auf die Verse davor, denn dort steht: „Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ Das ist das Gleiche wie in Vers 16, oder? „Denn so hat Gott die Welt geliebt.“ Mit anderen Worten, er sagt: „So wie damals in 4. Mose, so hat Gott die Welt geliebt.“ Und wir müssen uns kurz erinnern, ganz kurz, wie das war in 4. Mose 14. Ihr kennt die Geschichte, oder? Die Israeliten sind auf dem Weg durch die Wüste und sie... mal wieder, sie vergessen mal wieder die Herrlichkeit Gottes, und die Schlangen kommen. Was machen die Schlangen? Schlangen beißen, sind giftig, tödlich. Und was macht Mose dann? Im Auftrag Gottes macht er eine Schlange aus Bronze. Und was mussten die Israeliten tun, nachdem sie gebissen worden waren? Was mussten die tun? Hinschauen. War das einfach oder schwer?

[55:45] Schauen ist einfach, oder? Das kann jedes Kind. Wenn man Augen im Kopf hat und man nicht gerade blind ist, ist Schauen einfach. Jeder kann schauen. Aber denkt noch mal nach: Stellt euch vor, jetzt in diesem Moment kommen hier 1000 giftige Kobras in den Raum. So, die sind jetzt unter euren Stühlen und überall. Ja, und die beißen euch und die schlängeln sich um euch. Und ich sage zu euch: „Bleibt ruhig, bleibt ruhig, schaut einfach hier auf diese Bibel. Euch wird nichts passieren.“ Wäre das einfach oder schwer? Es wäre immer noch einfach zu schauen, oder? Aber was ist schwer? Schwer ist es, wegzuschauen. Oder vielleicht wärt ihr so wie ich: Ich würde wahrscheinlich hier sitzen, aber nicht einfach sitzen bleiben, oder ich würde versuchen aufzustehen oder mich zu retten, vielleicht ein paar Schlangen auszutreten. Ihr Lieben, jeder, der versucht hat, die Schlangen auszutreten, ist gestorben. Jeder, der versucht hat, sich auf sein Zelt zu retten, auf einen Mast, ist gestorben. Aber die, die weggeschaut haben von den Schlangen auf die Schlange, sind gerettet worden.

[57:04] Habt ihr euch jemals gefragt, warum das eine Schlange war? Warum kein Lamm? Das wäre doch schön gewesen, oder? Ein bronzenes Lamm. Was hätte man da für schöne Predigten machen können, oder? Aber Gott wusste, was seine Bedeutung ist. Es ist wunderbar. Aber es war eine Schlange. Für die Israeliten war das sonnenklar: Die Schlangen waren ihre Probleme und die waren quicklebendig und die bissen sie und sie vergifteten sie und sie waren tödlich. Aber in dem Moment, wo sie wegschauten von den lebendigen Schlangen an ihren Füßen und dorthin schauten, sahen sie im Glauben, dass diese Probleme dort tot waren. Diese Schlangen waren dort im Glauben tot. Denn als Jesus am Kreuz hing, hat er ja alle meine Sünden, alles, was ich jemals falsch gemacht habe, am Kreuz getragen, sodass, wenn ich wegschaue von meinen Problemen und von meinen Sünden und hinschaue auf Jesus, kann ich sehen, dass dort meine Sünden schon tot sind. Dort meine Anfechtung, meine Versuchung, alles, was mich bedrängt, die Probleme, alles – dort hängt dort schon. Waren die Schlangen danach weg, als man einmal geschaut hat? Die waren noch da, aber sie bissen nicht mehr.

[58:37] Paulus sagt: „Ich bin mit Christus gekreuzigt und nun lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir. Und was ich jetzt im Fleisch lebe...“ – ich bin immer noch derselbe. Ich bin nicht plötzlich ein heiliger Mensch, der nur noch Heiliges tun kann. Ich bin immer noch derselbe. Ich habe immer noch dasselbe sündige Fleisch, immer noch dieselben Versuchungen. Die Schlangen sind noch immer da. Aber was ich jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes. Ich gehe durch den Alltag und glaube, dass das, was er am Kreuz getan hat, er heute für mich tut und morgen für mich tut durch das himmlische Heiligtum, dass es heute angewendet wird. Dann bin ich mit Christus gekreuzigt und auferstanden, und dann wirkt er in mir, und dann sind plötzlich dieselben Dinge, die man tut, angeleuchtet von der Herrlichkeit, der Gnade Gottes, des Evangeliums.

[59:38] Paulus sagt in 2. Korinther 4 – wir kommen gleich zum Ende – 2. Korinther 4 und dort Vers 6: „Denn Gott, der dem Licht gebot, aus der Finsternis hervorzuleuchten, er hat es auch in unseren Herzen Licht werden lassen, damit wir erleuchtet werden mit der Kenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi.“ Und dann sagt er: „Wir haben diesen Schatz in irdenen Gefäßen.“ Wir bleiben schwache Menschen, wir bleiben irdische Gefäße. Aber die Herrlichkeit besteht darin, dass Gott in uns wirkt, Gott durch uns spricht, Gott unser Leben verändert. Alle Ehre gebührt ihm. Und wenn wir so Tag für Tag leben – ich habe mir angewöhnt in den letzten Monaten zu beten: „Herr, wenn ich morgen aufwache, erinnere mich heute daran, dass auch heute mein alter Mensch dort am Kreuz hängt mit dir. Erinnere mich heute daran, dass wenn der Zorn hochkommt oder die Ungeduld oder wenn ein unreiner Gedanke kommt, erinnere mich daran, dass diese Sachen schon mit dir am Kreuz hängen.“ Denn man kann nicht gleichzeitig daran denken, dass das mit Jesus am Kreuz hängt und gleichzeitig diese Sünde tun. Und dann fällt es auch dem Ego schwer, sich selbst zu erheben, wenn man daran denkt, dass ich mit Jesus dort hänge am Kreuz. Und dann beginnt die dreifache Engelsbotschaft zu leuchten. Dann ist es nicht nur eine Aneinanderreihung von 28 Glaubenspunkten, die wahr ist, sondern eine Erfahrung, eine Kraft. Paulus sagt: „Das Evangelium ist eine Kraft.“

[1:01:33] Fehlt uns noch ein Wort, ein letztes Wort: „Celerius“. Schneller, schneller. Eine der größten Diskussionen, die es so gibt in unserer Gemeinde, ist: „Kann man das Evangelium beschleunigen?“ Ich möchte die Sache ganz einfach beantworten: Kann man Licht beschleunigen? Ja oder nein? Kann man Licht schneller machen? Die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum ist eine der ganz entscheidenden Naturkonstanten. Man kann Licht nicht schneller machen. Kann man Licht ein bisschen aufhalten? Kann es gebrochen werden, abgelenkt werden, absorbiert werden? Kann man Gottes Werk schneller machen? Kann man Gott beschleunigen? Ja oder nein? Kann man Gott irgendwie rechts überholen? Kann man schneller sein als er? Nein, das kann man nicht. Aller Aktivismus, alles „Wir können es noch besser als Gott“, ist völlig unbiblisch und hat nichts unter uns zu suchen.

[1:02:42] Aber hatte Gott vor, dass die Israeliten 40 Jahre durch die Wüste gehen? Hatte er es vorhergesehen? Ja oder nein? Er hat es gewusst, aber nicht alles, was Gott weiß, hat er geplant. Hatte er es vorgesehen? Nein, das hat er nicht. Für Gott hätten zwei Jahre genügt. Wenn Israeliten gesagt hätten im ersten Jahr, nach zwei Monaten am Sinai: „Wir sind schon fertig, wir gehen jetzt“, lass die Wolkensäule und die Feuersäule dann ein bisschen bleiben, wir gehen mal Gott voraus. Hätte das funktioniert? Nein, das hätte nicht funktioniert. Man kann nicht schneller sein als Gott. Gott hat sein Tempo. Aber es ist möglich, Gottes Wirken in mir und in uns so ein Stück weit aufzuhalten. Ich glaube, das ist möglich. Ich glaube, dass auch die Bibel das sehr deutlich beschreibt, nicht nur in der Geschichte von der Wüstenwanderung. Ich glaube, das ist auch die Adventgeschichte. Ich glaube, das ist, was Ellen White meint, wenn sie sagt, dass Jesus schon mehrmals hätte wiederkommen können. Nicht, dass wir Gott hätten überraschen können, so im Sinne von: „Ich sag: Schon fertig!“ Nein, nein, nein, nein, nein.

[1:03:48] Seid ihr mal mit kleinen Kindern spazieren gegangen, wenn die schon laufen können? Wenn ihr mit kleinen Kindern spazieren geht, können die Kinder euch beschleunigen? Also können die machen, dass ihr noch schneller lauft? Nein, ihr seid immer schneller als die Kinder, oder? Aber trotzdem hängt die Ankunft zu Hause so ein bisschen davon ab, ob die Kinder halt schön hinter euch herlaufen oder ständig abbiegen. Oder man kommt schon am Ende an. Ja, das ist nicht so, dass man nie ankommt, aber Gott geht mit uns. Und meine These heute ist: Je mehr Gott wirken kann, je mehr Hindernisse wir sozusagen dem Licht aus dem Weg räumen, damit das Licht in seiner Lichtgeschwindigkeit durch uns gehen kann, desto schneller wird die Welt erreicht. Jesus sagt: „Wenn dieses Evangelium vom Reich gepredigt wird in der ganzen Welt, dann wird er wiederkommen.“ Wir haben gesagt: „Blas die Posaune, Jesus kommt bald“, seit 1993 Jahren, ganz genau. Wartet Jesus darauf, dass die Botschaft die ganze Welt erreicht. Und er hat vorhergesehen, dass es länger dauern wird. Und er hat vorhergesehen und hat Zeitprophezeiungen gegeben, die nicht vorher hätten ablaufen können. Das ist ganz klar. Aber die Frage heute Morgen ist: Kannst du, kann ich, können wir etwas dazu beitragen, dass das Licht sich etwas schneller verbreitet, indem wir im Licht leben und nicht nur vom Licht reden? Indem wir nicht nur die dreifache Engelsbotschaft präsentieren, sondern zum Leuchten bringen? Indem es nicht mehr um uns geht, sondern um Jesus?

[1:05:40] Ich möchte schließen mit Jesaja 58 und dort Vers 6 bis 8: „Ist das nicht das Fasten, an dem ich Gefallen habe, dass ihr ungerechte Fesseln losmacht, dass ihr die Knoten des Joches löst, dass ihr die Unterdrückten freilasst und jegliches Joch zerbrecht? Besteht es nicht darin, dass du dem Hungrigen dein Brot brichst und Arme, Verfolgte in dein Haus führst, dass, wenn du einen Entblößten siehst, du ihn bekleidest und dich deinem eigenen Fleisch nicht entziehst?“ Frage: Wenn ihr so einen Menschen sehen würdet, an wen würdet ihr sofort denken? Würdet ihr nicht auch sofort an Jesus denken? Wenn jemand sowas macht... Ich bin in der Gemeinde aufgewachsen. Ich habe alles gelernt, was es zu lernen gab. Ich war auch immer überzeugt, dass die Adventgemeinde wahr ist. Und ich habe viel von Jesus gehört, aber ich weiß noch, wie es war, als ich zum ersten Mal, als ich so ein Jugendlicher war, in meiner Jugendgruppe einen älteren Jugendlichen gefunden habe, bei dem, obwohl er nicht perfekt war, ich zum ersten Mal so von alleine den Eindruck hatte, dass das, was ich bei Jesus lese, was mir in der Kindertaufschule über Jesus gesagt wird, was in den Predigten über Jesus gesagt wird, was ich überall über Jesus gehört habe, wo ich das zum ersten Mal so relativ deutlich und klar auch sehen kann. Ich glaube, deswegen bin ich heute noch in der Adventgemeinde: Menschen gesehen, wo das, was ich über Jesus las und was ich in seinem Leben sehen konnte, das hat ziemlich gut gematcht. Ja, hat auch seine Fehler gehabt, keine Frage, aber das hat ziemlich gut gematcht. Und ich glaube, solche Menschen braucht’s mehr. Menschen, die anderen zeigen: „Es funktioniert. Jesus ist wirklich gut. Er vergibt wirklich. Er schenkt wirklich Freude und er verändert und er hat Kraft und er führt“, sodass, wenn sie das sehen, sie Gott preisen. Möchtest du heute so ein Mensch sein? Möchtest du heute dein Leben Jesus erneut ganz geben? Möchtest du heute sagen: „Ich möchte heute mit Jesus gekreuzigt sein, dass nicht mehr ich lebe, sondern Christus in mir“? Wer von euch hat diesen Wunsch und sagt: „Das ist mein Wunsch heute Morgen“? Amen.

[1:08:19] Ja, das wichtigste Motiv, das mich antreibt, ist, dass ich gebraucht werde. Es ist tatsächlich so: Wenn ich in die Gemeinde schaue und ich sehe, was da alles an Möglichkeiten da ist und wie viele Geschwister da sind und manche wissen, was sie tun wollen, manche wissen es nicht, es ist immer dieses eine Wort, das mir durch den Kopf geht: „Eine Herde und kein Hirte“ oder „Viel weißes Feld und keine Arbeiter, die die Ernte einbringen.“ Ich habe immer das Gefühl, die Tatsache, dass mir bewusst wird, da müssen Dinge getan werden, die unbedingt getan werden müssen, das ist es, was mich antreibt. Und ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich in irgendeiner Form zur Ruhe setzen könnte, zu einem beschaulichen Lebensabend oder so irgendwas. Ich habe immer das Gefühl, da gibt’s Dinge, die müssen getan werden. Das Erste, was mir da immer einfällt, sind die Kinder, sind die Jugendlichen. Die Kinder und Jugendlichen sind für mich ein ständiger Appell, für sie einzutreten, für sie da zu sein und ihnen den Weg zum Reich Gottes zu weisen. Denn wie sollen sie es denn lernen, wenn sie es von uns nicht lernen? Und das andere, was mich bewegt, sind die Familien, die Gemeinden. Und hier im Bogenhofen natürlich für mich ganz klar: Sind das die Schüler, sind das die Studenten und deren Nöte. Und überall fühle ich den Appell. Ich brauche kein Bibelwort. Ich muss mir nicht von jemand sagen lassen, was ich denn tun soll, denn der Appell sind die jungen Leute und alle die, die mich brauchen. Und da denke ich mir: Wie könnte ich was anderes tun, als eben für sie da zu sein? Und ich denke, diesen Blick könntest du auch bekommen. Du könntest dir auch irgendwann mal sagen lassen vom Heiligen Geist und dem lieben Gott, ohne dass er dir eine Vision schickt. Einfach nur aufgrund der Not, die du siehst: „Die brauchen mich.“ Und das könnte deinem Leben einen riesen Unterschied machen. Überleg’s, Gott braucht dich.


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