[0:00] Herzlich willkommen zur Cannstatt Study Hour Nummer 9. Wir beschäftigen uns heute mit der zweiten Missionsreise von Paulus. Bevor wir das tun, wollen wir Gottes Geist einladen, dass er uns Weisheit gibt. Lieber Gott, wir danken dir für die Bibel, die uns so viele wichtige Dinge lehrt. Herr, wir wollen betrachten, wie du deinen Diener Paulus geführt hast in der Heidenmission und wollen dich bitten, dass du uns Weisheit schenkst, das zu verstehen. In deinem Namen. Amen.
[0:56] Die zweite Missionsreise finden wir in Apostelgeschichte Kapitel 16, 17 und im ersten Teil von Kapitel 18. Es gibt dazu eine Vorgeschichte, die natürlich die erste Missionsreise ist, die es wert ist, gelesen zu werden, bevor man die zweite liest. Den Grund, warum Paulus auf die zweite Missionsreise geht, finden wir in Apostelgeschichte 15, Vers 36. Da heißt es: "Nach etlichen Tagen aber sprach Paulus zu Barnabas: Lass uns wieder umkehren und in all den Städten, in denen wir das Wort des Herrn verkündigt haben, nach unseren Brüdern sehen, wie es um sie steht." Paulus war, und das werden wir heute in der Cannstatt Study Hour auch noch öfter sehen, ein Missionar und Prediger, der sich sehr um die Gemeinden gekümmert und gesorgt hat. Er wollte, fast nachdem er gerade zu Hause war, wieder von der ersten Missionsreise umkehren und nochmal die Gemeinden besuchen, die so frisch vom Evangelium erfahren hatten.
[2:03] Dann passierte aber etwas, was die beiden wahrscheinlich nicht so geplant haben. Das lesen wir in Apostelgeschichte 16, Vers 37 bis 41. Barnabas aber riet dazu, den Johannes, der Markus genannt wird, mitzunehmen. Paulus jedoch hielt es für richtig, dass der, welcher in Pamphylien von ihnen weggegangen und nicht mit ihnen zu dem Werk gekommen war, nicht mitgenommen werden sollte. Deshalb entstand eine heftige Auseinandersetzung, sodass sie sich voneinander trennten. Barnabas nahm Markus zu sich und fuhr mit dem Schiff nach Zypern. Paulus aber wählte sich Silas und zog aus, von den Brüdern der Gnade Gottes anbefohlen. Und er durchzog Syrien und Kilizien und stärkte die Gemeinden.
[3:04] Dieser Streit, der dort zwischen den beiden Gottesmännern entsteht, aufgrund der Auseinandersetzung, die sich um Markus drehte, ist eine, die sich in der ersten Missionsreise schon angekündigt hat. Denn Markus war der Cousin von Barnabas. Und Barnabas wollte ihn einarbeiten in den Predigtdienst, wollte ihn mitnehmen, wollte ihm etwas beibringen, wollte ihn zu einem richtigen Missionar heranbilden. Aber auf der ersten Missionsreise hatte dieser Markus aus Angst und Furcht, was ihm da begegnet ist, nämlich Verfolgung und Steinigungen, war er so verängstigt, dass er abgereist ist wieder nach Hause. Und Paulus hielt ihn nicht mehr für einen geeigneten Mitarbeiter, denn er wollte einen Mitarbeiter, auf den er sich verlassen kann und der auch solche Dinge aushalten kann. Barnabas aber war ein echter Lehrer. Und er hatte ja auch dem Paulus die ganzen Dinge beigebracht und den Paulus an die Hand genommen für eine ganz schön lange Weile und war eigentlich so sein Doktorvater, würde man heute sagen, oder der, der ihm alles beigebracht hat. Aber die beiden trennen sich und gehen in verschiedene Richtungen, jeder mit seinen Mitarbeitern.
[4:28] Im Wirken der Apostel lesen wir: Paulus war nicht geneigt, die Schwäche des Markus zu entschuldigen, der aus dem Werk Gottes ausgeschieden war, um der Sicherheit und Bequemlichkeit daheim willen. Ein Mann mit so wenig Ausdauer, so betonte Paulus, sei ungeeignet für einen Dienst, der Geduld, Selbstverleugnung, Tapferkeit, Hingabe, Glauben, Opferfreudigkeit und, wenn es darauf ankommt, selbst das Leben fordere.
[4:57] Gehen wir weiter in Apostelgeschichte 16 und dort ab Vers 1 lesen wir Folgendes: Er kam aber nach Derbe und Lystra. Und siehe, dort war ein Jünger namens Timotheus, der Sohn einer gläubigen jüdischen Frau, aber eines griechischen Vaters. Der hatte ein gutes Zeugnis von den Brüdern in Lystra und Iconium. Diesen wollte Paulus mit sich ziehen lassen, und er nahm ihn und ließ ihn beschneiden um der Juden willen, die in jener Gegend waren, denn sie wussten alle, dass sein Vater Grieche war. Als sie aber die Städte durchzogen, übergaben sie ihnen zur Bevölkerung die von den Aposteln und den Ältesten in Jerusalem gefassten Beschlüsse. So wurden nun die Gemeinden im Glauben gestärkt und nahmen an Zahl täglich zu. Als sie aber Phrygien und das Gebiet Galatiens durchzogen, wurde ihnen vom Heiligen Geist gewehrt, das Wort in der Provinz Asien zu verkünden. Als sie nach Mysien kamen, versuchten sie, nach Bithynien zu reisen, und der Geist ließ es ihnen nicht zu. Da reisten sie an Mysien vorbei und kamen hinab nach Troas. Und in der Nacht erschien dem Paulus ein Gesicht. Ein mazedonischer Mann stand vor ihm, bat ihn und sprach: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns. Als er aber dieses Gesicht gesehen hatte, waren wir sogleich bestrebt, nach Mazedonien zu ziehen, indem wir daraus schlossen, dass uns der Herr berufen hatte, ihnen das Evangelium zu verkündigen.
[6:36] Nochmal zurück zu diesem Anfang von diesem Abschnitt. Warum beginnt Paulus seine zweite Missionsreise in Lystra und Iconium? Es waren ja die Städte, in denen Paulus ganz stark verfolgt wurde. Er wurde sogar gesteinigt, lesen wir in Apostelgeschichte 14, Vers 19, um uns das nochmal in Erinnerung zu rufen: "Es kamen aber aus Antiochia und Iconium Juden herbei, die überredeten die Volksmenge und steinigten Paulus und schleiften ihn vor die Stadt hinaus, in der Meinung, er sei gestorben." Paulus kehrte um, mutig und unerschrocken, weil er wissen wollte, ob die Gläubigen, die ganz frisch zum Evangelium gefunden hatten, dort diese Bewährungsprobe überstanden hatten. Paulus war ein Missionar und Prediger, der mit unglaublich großer Sorgfalt und Fürsorge für jede einzelne Gemeinde arbeitete, die er selber gegründet hatte.
[7:34] Im Wirken der Apostel lesen wir: Der Apostel fühlte sich in hohem Maße verantwortlich für alle, die sich durch seine Arbeit bekehrt hatten. Er bangte um das Ergebnis seines Predigtdienstes und fühlte, dass sein eigenes Heil gefährdet wäre, wenn er seine Pflicht nicht erfüllte und die Gemeinde nicht mit ihm am Werk der Seelenrettung zusammenarbeitete. Das war Paulus ganz wichtig. Es war ihm eine wirkliche Bürde auf seinem Herzen, dort für die frischen Gemeinden zu sorgen.
[8:09] In Lystra hatte sich der junge Timotheus bekehrt, und diesen nahm Paulus nun an seiner Seite mit als Mitarbeiter. Wer war eigentlich dieser Timotheus, von dem wir einige Verse in der Bibel haben und wir wollen ein paar davon anschauen? Wir haben gerade etwas gelesen, nämlich in Kapitel 16, Verse 1 bis 3. Dort sehen wir, dass er Sohn einer jüdischen Frau und eines griechischen Vaters war. Wir lesen auch, dass er ein gutes Zeugnis hatte, also einen guten Ruf. Und wir lesen auch, dass Paulus ihn beschneiden ließ.
[8:48] Im Wirken der Apostel lesen wir über diesen Timotheus: Er war von Herzen mit Paulus verbunden und wünschte sehnlichst, dem Apostel bei seiner Arbeit zur Seite stehen zu können, sobald sich die Gelegenheit dazu bot. Paulus erkannte in Timotheus einen Mann, der das Predigtamt als heiligen Dienst zu würdigen wusste, der vor Leiden und Verfolgung nicht zurückschreckte und der auch willens war, sich belehren zu lassen. Ein echter Schüler an Paulus' Seite, den er ausbilden konnte.
[9:24] Der Paulus erkundigte sich bei den Geschwistern in Lystra, was sie über den Timotheus dachten. Das lesen wir in Kapitel 16, Vers 2. Weiter heißt es im Wirken der Apostel: Im Elternhaus umgab ihn, also Timotheus, eine gesunde, nüchterne Frömmigkeit. Der Glaube seiner Mutter und seiner Großmutter an die Heilsverheißungen erinnerte ihn stets daran, welcher Segen auf dem Befolgen des göttlichen Willens ruht. Gottes Wort war die Richtschnur, nach der die beiden gottesfürchtigen Frauen Timotheus erzogen hatten. Die von ihnen vermittelte geistliche Kraft der Lehren hatte ihn in seinem Wirken rein erhalten und vor den verderblichen Einflüssen seiner Umgebung bewahrt. So hatten seine Erzieherinnen daheim mit Gott zusammengearbeitet, um Timotheus darauf vorzubereiten, Verantwortung zu tragen.
[10:21] Paulus erkannte, dass Timotheus treu, beharrlich und aufrichtig war, und er wählte ihn zu seinen Mitarbeitern und Reisegenossen. Die beiden Frauen, die Timotheus in seiner Kindheit unterrichtet hatten, sahen sich jetzt dadurch belohnt, den Sohn ihrer Fürsorge in enger Gemeinschaft mit dem großen Apostel wissen zu dürfen. Timotheus war zwar noch jung, aber als er von Gott zum Lehramt berufen wurde, aber seine Grundsätze waren durch die frühzeitige Erziehung so gefestigt, dass er durchaus Paulus als Mitarbeiter zur Seite stehen konnte. Trotz seiner Jugend trug er die ihm auferlegte Verantwortung in christlicher Demut.
[11:10] Wir lesen in Apostelgeschichte 16, Vers 3, dass Paulus den Timotheus beschneiden ließ. Nun müssen wir uns die Frage stellen, warum er das getan hat. Denn in den Kapiteln davor lesen wir von dem Apostelkonzil in Jerusalem, dass genau dieses abgeschafft werden sollte für die hinzugekommenen Heiden. Und da lesen wir Folgendes: Als Vorsichtsmaßnahme empfahl Paulus dem Timotheus, sich beschneiden zu lassen. Nicht, weil Gott es forderte, sondern um den Judenchristen jeden Vorwand zu nehmen, den sie gegen den Predigtdienst des Timotheus hätten erheben können. Also Paulus wollte hier klug vorgehen und wollte, dass Timotheus keine Vorurteile von den Juden empfängt, weil sie waren ja auf der Reise in den Städten und gingen immer zuerst in die Synagogen. Und wenn die Juden herausgekriegt hätten, dass ein Unbeschnittener ihn predigt, hätten sie ihn schon gar nicht akzeptiert. Und um dieser Sache hat Paulus es ihm geraten.
[12:18] In Vers 4 lesen wir, dass sie genau aus diesem Grund durch die Städte reisten, zum Beispiel Lystra und Iconium, die sie vorher gegründet hatten, um diese Beschlüsse des Apostelkonzils bekannt zu machen. Davon lesen wir in Apostelgeschichte 15, Verse 28 und 29, was diese sind: "Es hat nämlich dem Heiligen Geist und uns gefallen, euch keine weitere Last aufzuerlegen, außer diesen notwendigen Dingen, dass ihr euch enthaltet von Götzenopfern und von Blut und vom Erstickten und von Unzucht. Wenn ihr euch davor bewahrt, so handelt ihr recht. Lebt wohl."
[13:03] Wir lesen in Vers 6, wir gehen wieder zurück ins Kapitel 16, Vers 6: "Als sie aber Phrygien und das Gebiet Galatiens durchzogen, wurde ihnen vom Heiligen Geist gewährt, das Wort in der Provinz Asien zu verkünden." Paulus war nicht einfach nur auf der Durchreise, sondern wenn er in den Städten war, hat er auch oft gepredigt. Und es klingt so ein bisschen so, als hätte er Galatien einfach nur durchreist. Aber nein, wir lesen im Wirken der Apostel, was wirklich dort geschah: Die Galater waren dem Götzendienst ergeben. Doch als die Apostel ihnen predigten, nahmen sie voller Freude die Botschaft an, die ihnen Freiheit von der Knechtschaft der Sünde verhieß. Also Paulus hat den Galatern das Evangelium gepredigt. Und wir haben ja auch nachher den Galaterbrief im Neuen Testament. Der Zeuge dessen ist, Paulus stellte das Kreuz und die Gerechtigkeit aus dem Glauben in den Mittelpunkt bei den Galatern. Die Evangeliumsverkündigung kennzeichnete die Wirksamkeit des Apostels während seines Dienstes unter den Nichtjuden.
[14:18] Lesen wir weiter im Vers 7 bis Vers 10: "Als sie nach Mysien kamen, versuchten sie, nach Bithynien zu reisen, und der Geist ließ es ihnen nicht zu. Da reisten sie an Mysien vorbei und kamen hinab nach Troas. Und dann hat Paulus dieses Gesicht von Gott und diesen mazedonischen Mann." Und es muss schon eine interessante Erfahrung gewesen sein für Paulus, dass er in die eine Richtung reist, in die andere Richtung reist und immer es irgendwie nicht passen will und die Türen sich nicht auftun. Und schlussendlich gibt Gott ihm eine Vision und zeigt ihm ganz genau, wo er ihn haben möchte.
[15:04] Der Geist Gottes hat diese Dinge auch bei anderen Missionaren gemacht. Das lesen wir auch in der Apostelgeschichte, zum Beispiel in Kapitel 8, Vers 29: "Da sprach der Geist zu Philippus: Tritt hinzu und halte dich zu diesem Wagen." Hier spricht der Geist Gottes zu Philippus, der den äthiopischen Kämmerer das Evangelium bringt. Oder auch Apostelgeschichte 11, Vers 12 heißt es: "Und der Geist sprach zu mir, ich solle ohne Bedenken mit ihm ziehen. Es kamen aber auch diese sechs Brüder mit mir, und wir gingen in das Haus des Mannes hinein." Die Geschichte von Petrus, der sehr schwierig nur zu begreifen schien, dass auch die Heiden das Evangelium hören sollten. Und der Geist Gottes hat es ihm ebenfalls mit einem Gesicht mitgeteilt, dass die Heidenmission jetzt mehr als an der Zeit ist.
[16:06] Einen der Verse, der über der ganzen Lektion steht, den Merkvers sozusagen, den finden wir in Kapitel 18, Vers 9 und Vers 10. "Und der Herr sprach durch ein Gesicht in der Nacht zu Paulus: Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht. Denn ich bin mit dir und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden, denn ich habe ein großes Volk in dieser Stadt." Wir kommen auf den Vers am Ende dieser Cannstatt Study auch nochmals zurück, weil das sich natürlich vor allem auf Korinth bezieht. Aber es zeigt, wie Gott seinen Diener leitet, wie der Heilige Geist ihm genau sagt: Da möchte ich dich haben, da möchte ich dich noch nicht haben, das ist noch nicht reif, diese Stadt. Und einen Vers möchte ich in diesem Zusammenhang noch lesen, das ist Apostelgeschichte 23, dort der Vers 11: "Aber in der folgenden Nacht trat der Herr zu ihm und sprach: Sei getrost, Paulus, denn wie du in Jerusalem von mir Zeugnis abgelegt hast, so sollst du auch in Rom Zeugnis ablegen." Der Geist Gottes bringt Paulus bis nach Rom.
[17:25] Wir gehen zurück zu Kapitel 16 und wir begeben uns in die nächste Stadt, nämlich nach Philippi. Paulus ist dem Rat Gottes natürlich gefolgt und hat sich mit Timotheus und Silas aufgemacht nach Mazedonien, und dort sind sie in Philippi angekommen. Wir lesen mal Apostelgeschichte 16, Vers 11.
[17:17] "Wir setzten uns und redeten zu den Frauen, die zusammengekommen waren. Und eine gottesfürchtige Frau namens Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu. Und der Herr tat ihr das Herz auf, sodass sie aufmerksam achtgab auf das, was von Paulus geredet wurde. Als sie aber getauft worden war und auch ihr Haus, bat sie und sprach: Wenn ihr davon überzeugt seid, dass ich an den Herrn gläubig bin, so kommt in mein Haus und bleibt dort. Und sie nötigte uns."
[18:51] Philippi war nicht nur damals eine besondere Stadt und wie wir gelesen haben, eine der bedeutendsten von Mazedonien. Die UNESCO hat Philippi 2016 zum Weltkulturerbe erklärt. Warum? Wegen ihrer Bedeutung als römische Stadt und als älteste christliche Gemeindegründung Europas. Ein kleiner Hinweis am Rande. Aus Mangel an einer Synagoge in Philippi treffen sich Paulus und seine Mitarbeiter und einige Frauen an einem Fluss, wo man zu beten pflegte am Sabbat. Hier treffen Paulus und seine Mitarbeiter auf Lydia, die eine Purpurhändlerin ist. Und Lydia ist so ein Paradebeispiel für Gastfreundschaft. Und wir möchten ein paar Momente verweilen bei diesen Gedanken, was Gastfreundschaft eigentlich bedeutet. Dafür schauen wir in Römer 12 und dort Vers 13 und lesen: "Das hat Lydia getan. Sie hat die Männer zu sich genommen und hat sie bei sich aufgenommen."
[20:11] Wir lesen in Galater 6, Vers 10. Und ein letzter Vers, den finden wir in 3. Johannes, Vers 8: "Wenn wir Männer Gottes aufnehmen, die vielleicht Missionare sind, die Prediger sind, die da sind, um das Evangelium zu verbreiten, dann sagt die Bibel, sind wir Mitarbeiter der Wahrheit, wenn wir sie in unserem Haus beherbergen." Was für ein schöner Gedanke.
[20:55] Wir lesen weiter, was nach dieser Geschichte passiert in Apostelgeschichte. Das ist nämlich eine etwas unerfreulichere, ab Vers 16.
[21:31] "Und sie sprach zu dem Geist: Ich gebiete dir, in dem Namen Jesu Christi von ihr auszufahren. Und er fuhr aus in derselben Stunde. Als aber die Herren sahen, dass die Hoffnung auf ihren Gewinn geschwunden war, ergriffen sie Paulus und Silas und schleppten sie auf den Marktplatz vor die Obersten der Stadt. Und sie führten sie zu den Hauptleuten und sprachen: Die Männer, die Juden sind, bringen unsere Stadt in Unruhe und verkündigen Gebräuche, welche anzunehmen oder auszuüben uns nicht erlaubt ist, da wir Römer sind. Und die Volksmenge stand ebenfalls gegen sie auf, und die Hauptleute rissen ihnen die Kleider ab und befahlen, sie mit Ruten zu schlagen."
[22:20] Diese Frau, diese mit dem Wahrsagegeist belästigte Paulus und die, die mit ihm waren. Warum war diese Frau so eine große Gefahr für die Verkündigung des Evangeliums und für die Arbeit der Apostel? Wir lesen im Wirken der Apostel, dass diese Frau ein besonderes Werkzeug Satans war. Ihr Einfluss hatte dazu beigetragen, den Götzendienst in der Stadt zu fördern. Sie lenkte die Gedanken der Leute mit ihrem Geschrei von den Lehren der Apostel ab und brachte das Evangelium in Verruf. Diese Frau hatte zweifelsohne einen bösen Geist, so lesen wir. Doch Paulus wurde irgendwann unwillig, drehte sich um und befahl, dem Geist auszufahren. Aber wir lesen im Wirken der Apostel noch mehr Dinge, was dann passierte: Sie wurde nicht nur von dem bösen Geist einfach befreit, sondern sie kam wieder zu vollem, klarem Verstand. Und daraufhin entschloss sich diese Frau, eine Nachfolgerin Christi zu werden. Wie interessant.
[23:33] Paulus und Silas, so haben wir im zweiten Teil des Abschnitts gelesen, werden von den Obersten angeklagt und der Pöbel rottet sich zusammen, um sie zu verspotten. Und sie werden auf dem Marktplatz entblößt und alle stürmen auf sie und sie werden mit Ruten geschlagen. Wenn wir die Apostelgeschichte lesen und vor allem die beiden Missionsreisen zusammengenommen, dann ist das wie ein Déjà-vu, was wir erleben. Immer werden Paulus und seine Mitarbeiter gedemütigt in der Öffentlichkeit. Der Pöbel rottet sich zusammen. Sie werden beschimpft, belästigt, gesteinigt, fast zu Tode gesteinigt.
[24:17] Wir wollen ein bisschen zurückschauen, was Paulus eigentlich in der Vergangenheit schon alles passiert ist auf den Missionsreisen. In Iconium lesen wir in der Apostelgeschichte 14, Vers 6 von Verfolgung, von Misshandlung und Steinigung. In Lystra lesen wir von der Steinigung, die fast zu seinem Tode geführt hat. Und Paulus war sich an dem Moment ganz sicher, dass er das nicht überleben wird. Gott hatte einen anderen Plan, zum Glück. In Philippi findet Verfolgung statt und öffentliche Entblößung und Gefängnis.
[24:51] Ich glaube, man sollte sich einen Moment Ruhe nehmen und nachdenken. Wenn wir in dieser Situation gewesen wären, mit diesen ganzen Negativereignissen, mit dieser Verfolgung, wo es einem wirklich ans Leben geht, an den Körper, und dann große Schmerzen, hätten wir nicht auch die Rückreise vielleicht angetreten, so wie es Johannes Markus getan hatte, der so verängstigt war von den Dingen, die ihm passiert waren? Paulus war ein wirklich mutiger Mann, ein großer Mann, der das alles ertragen hat, weil er wusste: Jesus hat es auch getan. Jesus hat noch viel schlimmere Dinge erlitten. Und Paulus rühmte sich dieser Leiden, die er für Christus leiden durfte.
[25:43] Wir lesen auch in der Apostelgeschichte 16 von den Widrigkeiten in Vers 23 und 24. Da heißt es: "Und nachdem sie ihnen viele Schläge gegeben hatten, warfen sie sie ins Gefängnis und geboten dem Kerkermeister, sie sicher zu verwahren. Dieser warf sie auf solche Befehle hin ins innere Gefängnis und schloss ihre Füße in den Stock."
[26:10] Wir schauen mal über die Apostelgeschichte hinaus in ein paar andere Bücher und hier in 2. Timotheus 2, Vers 3 und Vers 10. 2. Timotheus 2, Verse 3 und 10: "Du nun erdulde die Widrigkeiten als ein guter Streiter Jesu Christi." Das schreibt Paulus an seinen Mitarbeiter Timotheus einige Zeit später. In Vers 10 heißt es: "Darum ertrage ich alles standhaft um der Auserwählten willen, damit auch sie die Errettung erlangen, die in Christus Jesus ist mit ewiger Herrlichkeit." Man mag sich fragen, warum Paulus das alles ausgehalten hat, diese ganzen schlimmen Dinge. Aber hier lesen wir, und er sagt es hier selber, um der Auserwählten willen. Er hatte so eine große Bürde für Menschen, die verloren sind, und für sie hat er das ertragen.
[27:05] 2. Korinther 4 lesen wir ähnliche Worte von ihm. 2. Korinther 4, Verse 8 bis 10: "Wir werden überall bedrängt, aber nicht erdrückt. Wir kommen in Verlegenheit, aber nicht in Verzweiflung. Wir werden verfolgt, aber nicht verlassen. Wir werden niedergeworfen, aber wir kommen nicht um. Wir tragen allezeit das Sterben des Herrn Jesus am Leib umher, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib offenbar wird." Ein Abschnitt, der in Zeiten der Bedrängnis großen Trost spenden kann und der es wert ist, im Herzen zu tragen.
[27:51] Wir gehen weiter und lesen im Wirken der Apostel einen Satz, der mich unglaublich erschüttert hat im positiven Sinne, aber der sehr beeindruckend ist. Da heißt es über eben diese Situation, als sie im Gefängnis sitzen: "In dieser Lage, in die man die Apostel gebracht hatte, erlitten sie außerordentliche Schmerzen. Doch sie murrten nicht." Es ist eigentlich unfassbar, wie jemand, der verfolgt wurde, der ausgepeitscht wurde, der unglaubliche Wunden am Körper hat, jetzt ins dunkelste Gefängnis gesteckt wird, das wahrscheinlich alles andere als sauber und ordentlich war, dann noch die Füße in den Stock geschlossen bekommt, wie er kein Wort des Unmuts über die Lippen bringt. Dieser Satz: "Doch sie murrten nicht." Ich finde ihn unglaublich tief und sehr wert, drüber nachzudenken, was das eigentlich bedeutet hat.
[29:02] Apostelgeschichte 25 steht, was sie eigentlich stattdessen taten, statt zu murren: "Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott mit Gesang, und die Gefangenen hörten ihnen zu." Also in diesem Zustand haben sie einfach gebetet und gesungen. Und das lesen wir nicht nur von diesen Gottesmännern, das lesen wir auch von den Märtyrern, die im Kolosseum zu Tode gekommen sind, von den Märtyrern, die in der Reformation auf dem Scheiterhaufen gelandet sind, dass sie genau das getan haben.
[29:45] Und Gott hat aber hier noch etwas mehr vor mit Paulus und seinen Mitarbeitern. Und so geschieht ein Wunder. Vers 26: "Da entstand plötzlich ein großes Erdbeben, sodass die Grundfesten des Gefängnisses erschüttert wurden. Und sogleich öffneten sich alle Türen und die Fesseln aller wurden gelöst."
[30:09] Im Wirken der Apostel heißt es: Mit Erstaunen hörten die anderen Gefangenen das Beten und Singen aus dem innersten Teil des Gefängnisses. Sie waren gewöhnt, von dort nur Schreien, Stöhnen, Flüche und Verwünschungen, das die nächtliche Stille durchbrach. Aber noch nie hatten sie vernommen, dass aus jenen düsteren Zellen Gebete und Lobgesänge aufstiegen. Wächter und Gefangene fragten sich verwundert, wer diese Leute seien, die trotz Kälte, Hunger und Misshandlungen frohen Mutes sein konnten. Sie waren mit ihrem Verhalten ein unglaubliches Zeugnis für die Menschen dort.
[30:56] Es heißt weiter: Der ganze Himmel nahm Anteil an dem Ergehen der Männer, die um Christi willen leiden mussten. Engel wurden zu dem Gefängnis gesandt und unter ihren Tritten erbebte die Erde. Dieser Satz hat mich an Jericho erinnert. Das Erdbeben waren keine Platten, die aufeinander gestoßen sind, keine unterirdischen Dinge, die passiert sind, sondern Engel, die so starke Tritte hatten, dass die Erde gebebt hat und dass sie auf Gefängnistüren aufgesprungen sind. Eine unglaublich ermutigende Sache, was Gott für mag. Gott braucht keine tektonischen Platten, um Erdbeben hervorzurufen. Er braucht nur seine Engel.
[31:44] Welchen Beitrag leisteten eigentlich Paulus und seine Mitarbeiter mit diesem Verhalten, was sie an den Tag legten, zum Erfolg ihrer Mission? Wir lesen weiter in Vers 27 im Kapitel 16: "Da erwachte der Kerkermeister aus dem Schlaf. Und als er die Türen des Gefängnisses geöffnet sah, zog er sein Schwert und wollte sich töten, weil er meinte, die Gefangenen seien geflohen. Aber Paulus rief mit lauter Stimme und sprach: Tu dir kein Leid an, denn wir sind alle hier. Da forderte er ein Licht, sprang hinein und fiel zittern vor Paulus und Silas nieder. Und er führte sie hinaus und sprach: Ihr Herren, was muss ich tun, dass ich gerettet werde? Sie aber sprachen: Glaube an den Herrn Jesus Christus, so wirst du gerettet werden, du und dein Haus. Und sie sagten ihm das Wort des Herrn und allen, die in seinem Haus waren. Und er nahm sie zu sich in jener Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen. Und er ließ sich auf der Stelle taufen, er und all die Seinen. Und er führte sie in sein Haus, setzte ihnen ein Mahl vor und freute sich, dass er mit seinem ganzen Haus an Gott gläubig geworden war."
[33:04] Als ich diese Geschichte gelesen habe, musste ich unweigerlich an eine andere denken, nämlich an die Bekehrung des Hauptmanns am Kreuz. Wir wollen einen kurzen Moment bei dem Gedanken verweilen, welche Gemeinsamkeiten diese beiden Geschichten und diese beiden Männer haben, der Kerkermeister und der Hauptmann am Kreuz. Denn wir lesen zuerst in Lukas 23, Vers 47 Folgendes: "Als aber der Hauptmann sah, was geschehen war, pries er Gott und sprach: Wahrlich, dieser Mensch war gerecht." Und im Parallelbericht in Matthäus 27, in dem Vers 54 steht: "Als aber der Hauptmann und die, welche mit ihm Jesus bewachten, das Erdbeben sahen und was da geschah, fürchteten sie sich sehr und sprachen: Wahrlich, dieser war Gottes Sohn."
[34:14] Wir lesen in beiden Geschichten von Erdbeben. Wir haben in beiden Geschichten die Dunkelheit. Hier beim Kerkermeister war es Nacht und das Gefängnis, das innerste Gefängnis war düster, lesen wir. Bei Jesu Kreuzigung hat die Sonne sich verfinstert, das war dunkel. Beide Männer waren zum Bewachen von Gottesmännern abgestellt. Und sie bewachten beide zu Unrecht Verurteilte. Beide Male wurden auch andere Gefangene befreit. In der Geschichte von Paulus waren es die Mitgefangenen im Gefängnis und am Kreuz war es der Schächer, der auch befreit wurde, in einer anderen Art, nicht körperlich, aber im geistlichen Sinne. Und er hat die Zusicherung bekommen, dass er das ewige Leben hat.
[35:10] Wir lesen in der Apostelgeschichte 16 weiter von ihrer Freilassung. Denn Paulus und Silas und Timotheus sind nicht einfach geflohen, sondern sie hatten ja noch etwas zu tun. Sie mussten den Kerkermeister taufen und sie hatten da bestimmt noch ein paar gute Gespräche. Aber auch danach sind sie nicht einfach weggelaufen. Und das hatte ganz bestimmte Gründe. Sie wollten nämlich öffentlich wiederhergestellt werden. Sie waren öffentlich verurteilt worden von den Obersten. Und sie beriefen sich aber auf eine ganz bestimmte Sache. Nämlich lesen wir im Wirken der Apostel: Die Apostel waren römische Bürger. Und es war gesetzeswidrig, einen Römer zu geißeln, wenn er nicht gerade ein schwerwiegendes Verbrechen begangen hatte. Ohne vorschriftsgemäßes Verhör durfte auch kein Römer seiner Freiheit beraubt werden. Paulus und Silas aber waren in aller Öffentlichkeit ins Gefängnis geworfen worden. Deshalb weigerten sie sich jetzt heimlich und ohne gebührende Erklärung seitens der Staats-Oberen entlassen zu werden. Also sie wollten Gesetz und Recht walten lassen als römische Bürger. Und ganz offiziell und öffentlich auch sichtbar für das Volk von den Obersten hören, dass sie unschuldig waren. Und das geschah dann auch.
[36:40] Wir gehen weiter. Wir sind in Apostelgeschichte 17 und begeben uns wieder in eine neue Stadt. Wir fahren mit Paulus und Silas nach Thessalonich. Wir lesen mal den Vers, Kapitel 17, Vers 1 bis Vers 9.
[37:03] "Sie reisten aber durch Amphipolis und Apollonia und kamen nach Thessalonich, wo eine Synagoge der Juden war. Paulus aber ging nach seiner Gewohnheit zu ihnen hinein und redete an drei Sabbaten mit ihnen aufgrund der Schriften, indem er erläuterte und darlegte, dass der Christus leiden und aus den Toten auferstehen musste und sprach: Dieser Jesus, den ich euch verkündige, ist der Christus. Und etliche von ihnen wurden überzeugt und schlossen sich Paulus und Silas an. Auch eine große Menge der gottesfürchtigen Griechen sowie nicht wenige der vornehmsten Frauen. Aber die Juden, die sich weigerten zu glauben, wurden voll Neid und gewannen etliche boshafte Leute vom Straßenpöbel, erregten einen Auflauf und brachten die Stadt in Aufruhr. Und sie drangen auf das Haus Jasons ein und suchten sie, um sie vor die Volksmenge zu führen. Als sie sie aber nicht fanden, schleppten sie den Jason und etliche Bürger vor die Obersten der Stadt und schrien: Diese Leute, die die ganze Welt in Aufruhr versetzen, sind jetzt auch hier! Jason hat sie aufgenommen. Und doch handeln sie alle gegen die Verordnungen des Kaisers, indem sie sagen, ein anderer sei König, nämlich Jesus. Sie brachten aber die Menge und die Stadtobersten, welche dies hörten, in Aufregung, sodass sie Jason und die übrigen nur gegen Bürgschaft freiließen."
[38:30] Sie kamen also hier nach Thessalonich und haben ganze drei Sabbate verbracht in der Synagoge, um die Schriften auszulegen und den Juden das Evangelium zu bringen. Paulus' Gewohnheit war es immer gewesen, zuerst zur Synagoge zu gehen. Wir hatten nur in Philippi davon gelesen, aus Ermangelung der Synagoge, dass er sich am Fluss getroffen hat, und auch in der ersten Missionsreise gab es eine Stadt, in die er geflüchtet ist, wo es keine Synagoge gab. Aber sonst war das immer seine Gewohnheit. Und was er den Juden gepredigt hatte, war im Prinzip das Leben Jesu, Jesu Leiden, Jesu Tod und die Auferstehung. Das war der Kern seiner Botschaft. Und hier in Thessalonich bekehren sich etliche und eine große Menge von gottesfürchtigen Griechen und wir lesen von den vornehmen Frauen. Aber die Juden, und das zieht sich wie ein roter Faden durch die Missionsreisen und ist immer wie ein Déjà-vu, weigerten sich zu glauben, wurden neidisch, wiegelten den Pöbel auf und haben einen Aufruhr in der Stadt gemacht. Das ist fast immer wie ein Pattern, wie ein Muster, das immer wiederkehrt. Aber sie finden sie nicht und daher klagen sie Jason an, der sie beherbergt hatte.
[39:58] Wir müssen uns die Frage stellen, warum sich die Juden eigentlich so dagegen gewehrt haben. Was war das Problem, was sie mit dem Evangelium hatten? Was war das Problem, das sie mit Paulus hatten und mit der Botschaft, die mit ihm kam? Es war der religiöse Neid, aber das war nicht der einzige Grund ihrer Ablehnung. Wir lesen im Wirken der Apostel Folgendes: "Die Juden, die nicht glaubten, wurden voll Neid. Sie standen damals bei der römischen Obrigkeit nicht in Gunst, denn vor nicht langer Zeit hatten sie in Rom einen Aufruhr angezettelt. Man sah mit Argwohn auf sie und hatte ihre Freiheit bis zu einem gewissen Grad eingeschränkt. Nun aber schienen sich ihnen eine Gelegenheit zu bieten, die Gunst der Römer zurückzugewinnen und zugleich Schmach auf die Apostel und die zum Christentum bekehrten zu bringen." Also sehr opportunistische Gründe, die die Juden hier haben. Sie wollten die Gunst der römischen Obrigkeiten gewinnen und haben dafür ihre Brüder an den Pranger geliefert und verkauft. Eine sehr unaufrichtige Haltung.
[41:11] Im 2. Korinther 3, Vers 16 lesen wir, was Paulus über die Haltung dieser Juden schreibt. 2. Korinther 3, Vers 16 heißt es: "Sobald es sich aber zum Herrn bekehrt, wird die Decke weggenommen." Dieser kurze Vers beschreibt, was das Problem war. Nämlich, dass die Juden ein, wir würden sagen, ein Brett vor dem Kopf hatten. Hier sagt er, eine Decke vor den Augen. Sie wollten nicht das Evangelium sehen. Sie wollten Jesus nicht als den gekreuzigten Heiland sehen. Sie wollten es ablehnen. Und diese Decke hat sich einfach nicht von ihren Augen hinweggezogen. Da heißt es weiter in Vers 17: "Der Herr aber ist der Geist. Und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit." Das haben viele Juden leider nicht erlebt. Diese Freiheit, die Jesus schenken kann.
[42:11] Wir gehen weiter in Apostelgeschichte, denn wir haben noch einiges vor uns. Und es ist ganz schön viel Stoff, den wir hier immer auf den Missionsreisen bewältigen müssen. Zweieinhalb Kapitel dieses Mal. Und so gehen wir weiter in Kapitel 17, Vers 10.
[42:27] "Die Brüder aber schickten sogleich während der Nacht Paulus und Silas nach Beröa, wo sie sich nach ihrer Ankunft in die Synagoge der Juden begaben. Diese aber waren edler gesinnt als die in Thessalonich und nahmen das Wort mit aller Bereitwilligkeit auf. Und jetzt kommt der berühmte Satz über die Beröa: Und sie forschten täglich in der Schrift, ob es sich so verhalte. Es wurden deshalb viele von ihnen gläubig, auch nicht wenige der angesehenen griechischen Frauen und Männer. Als aber die Juden von Thessalonich erfuhren, dass auch in Beröa das Wort Gottes von Paulus verkündigt wurde, kamen sie auch dorthin und stachelten die Volksmenge auf. Daraufhin sandten die Brüder den Paulus sogleich fort, damit er bis zum Meer hinziehe. Silas und Timotheus aber blieben dort zurück. Die nun, welche den Paulus geleitet hatten, brachten ihn bis nach Athen. Und nachdem sie den Auftrag an Silas und Timotheus empfangen hatten, dass sie so schnell wie möglich zu ihm kommen sollten, zogen sie fort."
[43:28] Paulus und Silas verlassen Thessalonich bei Nacht. Sie gehen in die Synagoge von Beröa. Und dort finden sie ganz anders geartete Juden vor, nämlich solche mit einer edlen Gesinnung, einem aufrichtigen Geist gegenüber dem Evangelium, die nicht voreingenommen sind. Eine neue Situation, die sich ihnen hier bietet und wahrscheinlich auch ein echter Balsam für die beiden Apostel. Gottes Wort fällt hier auf fruchtbaren Boden, wie wir in Vers 11 und 12 lesen.
[44:00] Im Wirken der Apostel heißt es dazu: Täglich lasen sie in den Schriften. Und wenn sie dabei Schriftstelle mit Schriftstelle verglichen, standen ihnen Engel Gottes zur Seite, erleuchteten ihr Verständnis und machten ihre Herzen empfänglich. Wir lesen, dass angesehene Männer und Frauen zum Glauben kamen. Und wir lesen jedoch auch, dass die Thessalonicher davon Wind gekriegt hatten und nun nach Beröa stürmten, um die Apostel weiter zu verfolgen. Und auch das ist schon wieder ein Déjà-vu, was wir nämlich aus der ersten Missionsreise kennen. Dasselbe war schon in Lystra passiert. Das lesen wir noch mal kurz in Apostelgeschichte 14, Vers 19: "Es kamen aber aus Antiochia und Iconium Juden herbei, die überredeten die Volksmenge in Lystra und steinigten Paulus und schleiften ihn vor die Stadt hinaus, in der Meinung, er sei gestorben."
[45:03] Also der gute Boden, den Paulus und Silas hier vorgefunden haben, der wird gleich wieder versucht zu vernichten von den Thessalonichern. Da, wo das Licht auf fruchtbaren Boden fällt, da ist der Satan oft nicht weit. Und leider war das hier der Fall. Und die Brüder müssen den Paulus hier in Sicherheit bringen. Und sie bringen ihn nicht einfach irgendwo hin, sondern sie bringen ihn ziemlich weit weg. Und es empfiehlt sich, diese Missionsreisen immer auch auf dieser Karte zu verfolgen, die hinten meistens in den Bibeln drin ist, dass man sich auch die Entfernungen bewusst wird, die Paulus und seine Mitarbeiter da eigentlich zurückgelegt haben. Und Athen war nun eine ganze Strecke entfernt von Mazedonien.
[45:57] Paulus folgt hier mit seiner Flucht eigentlich einem Rat von Jesus. Der steht in Matthäus 10, Vers 23 im ersten Teil: "Wenn sie euch aber in einer Stadt verfolgen, so flieht in eine andere." Ein Rat, der in dieser Situation wahrscheinlich lebensrettend war für Paulus.
[46:19] Sein Dienst, Paulus' Dienst, war gekennzeichnet von Verfolgung. Früher war er selber der Verfolger. Nun war er auf seinen Missionsreisen oftmals der Flüchtling. Wir lesen mal in Apostelgeschichte 9, Verse 25 und 30: "Dann nahmen ihn die Jünger bei Nacht und ließen ihn in einem Korb über die Mauer hinab. Als das aber die Brüder erfuhren, brachten sie ihn nach Cäsarea und schickten ihn nach Tarsus." Das war kurz nach seiner Bekehrung. Und Paulus musste schon auf die Flucht. In Apostelgeschichte 13, Vers 50 lesen wir ebenfalls von so einer Begebenheit. Da heißt es: "Aber die Juden reizten die gottesfürchtigen Frauen und die Angesehenen und die Vornehmsten der Stadt auf, und sie erregten eine Verfolgung gegen Paulus und Barnabas und vertrieben sie aus ihrem Gebiet." Ein letzter Vers in Vers 6, Kapitel 14: "Da bemerkten sie es und entflohen in die Städte Lykaoniens, Lystra und Derbe und in die umliegende Gegend."
[47:34] Man hatte den Eindruck, die Apostel waren eigentlich ständig auf der Flucht. Es ist ein Wunder, wie sie trotz aller dieser Widrigkeiten das Evangelium verkündigt haben, Gemeinden gegründet haben. Irgendwie halb unbeschadet davon kam jedes Mal. Es ist eigentlich ein großer Beweis von Gottes Schutz für diese Männer.
[48:00] Paulus landete in Athen, lesen wir in Apostelgeschichte 17. Und das ist der Inhalt von dem Rest dieses Kapitels. Und ich werde nicht jeden Vers lesen, weil uns einfach die Zeit fehlt. Ihr dürft das dann zu Hause tun. Wir werden uns ein paar herauspicken, ein paar Verse. Vers 16: "Während aber Paulus in Athen auf sie wartete, ergrimmte sein Geist in ihm, da er die Stadt so voller Götzenbilder sah."
[48:34] Paulus war allein in Athen. Und als er das sah, war er wahrscheinlich sehr erschlagen von dem Prunk und von den Götzenbildern. Und er wurde verärgert. Athen war damals der Mittelpunkt des Heidentums. Das ist vielleicht eine ganz interessante Sache zu wissen. Es war eigentlich, könnte man sagen, eine große Freilichtkunstgalerie war Athen damals. Überall standen Gedenktafeln, Altäre, Bildwerke, ganz besondere Architektur, Standwerke und vieles, vieles mehr. Und wenn wir heute in so Städte wie Athen oder auch Rom gehen und das als Touristen besuchen und dann die paar rudimentären Dinge von damals, die paar Säulen und die Dinge, die noch stehen, sehen, dann ist das ein ganz schwacher Eindruck von dem, wie es ursprünglich ausgesehen hat. Denn das war wahrscheinlich ein Vielfaches dessen, was heute noch erhalten ist. Und so war Paulus erschlagen von diesem ganzen Götzendienst, der in Athen auf ihn einprasselte. Und trotzdem war Paulus erfüllt mit heiligem Eifer für diese heidnischen Götzendiener. Er unterhielt sich in den Synagogen, ging natürlich wieder in die Synagogen am Sabbat und unterhielt sich aber auch auf den Marktplätzen mit Juden und mit Gläubigen und mit Menschen, die ihm gern zuhörten.
[50:04] Im Wirken der Apostel heißt es: Seine vordringlichste Aufgabe in Athen aber war, die Heilsbotschaft denen zu bringen, die keine klare Vorstellung von Gott und seiner Heilsabsicht mit der gefallenen Menschheit hatten. Und trotzdem fühlte er sich in Athen sehr einsam. Auch wenn er mit vielen Leuten sprach und das Evangelium predigte, er fühlte sich einsam. Er brauchte seine Unterstützer, aber sie waren leider noch auf der Reise. Timotheus und Silas waren noch nicht da. Weiter heißt es: In dieser großen Stadt, in der Gott nicht verehrt wurde, bedrückte Paulus das Gefühl der Einsamkeit.
[50:43] Die Philosophen, mit denen Paulus auf den Marktplätzen sprach, das lesen wir im Vers 18, diskutierten sehr angeregt mit dem Apostel. Und wir lesen, dass sie und alle anderen, die mit ihm in Berührung kamen, sehr bald erkannten, dass er über einen größeren Wissensschatz verfügte als sie selbst. Den Gelehrten nötigte seine Verstandeskraft Achtung ab, während seine eindrucksvolle, logische Beweisführung und die Macht seiner Rede die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer fesselte. Unerschrocken trat der Apostel seinen Widersachern auf ihrem eigenen Boden entgegen. Logik stritt mit Logik, Philosophie mit Philosophie, Schlagfertigkeit mit Schlagfertigkeit. Seine heidnischen Gegner machten ihn auf das Schicksal des Sokrates aufmerksam, der zu Tode verurteilt worden war, weil er fremde Götter verkündigt hatte. Sie rieten Paulus, sein Leben nicht in gleicher Weise zu gefährden.
[51:53] Ein ganz interessanter Zusammenhang, der hier geschildert wird. Die Philosophen stritten mit Paulus und er war ein sehr wortgewandter, sehr gebildeter Mann. Und sie mussten schnell anerkennen, dass er oftmals klüger war als sie. Sie machten ihn jedoch auf diesen Sokrates aufmerksam. Und die Philosophen holten ihn an einen Ort, der damals ganz bekannt war dafür, dass man dort über religiöse Angelegenheiten diskutierte. Das war nämlich der Areopag. Und das lesen wir mal in Apostelgeschichte 17, Vers 21.
[52:33] Nein, lesen wir Vers 20 und dann einige Verse 19: "Und sie ergriffen ihn und führten ihn zum Areopag und sprachen: Können wir erfahren, was das für eine neue Lehre ist, die von dir vorgetragen wird? Denn du bringst etwas Fremdartiges vor unsere Ohren. Deshalb wollen wir erfahren, was diese Dinge bedeuten sollen. Alle Athener nämlich und auch die dort lebenden Fremden vertrieben sich mit nichts anderem so gern die Zeit, als damit, etwas Neues zu sagen und zu hören." Also etwas sensationslüsterne Athener.
[53:07] Vers 22: "Da stellte sich Paulus in die Mitte des Areopags und sprach: Ich sehe, dass ihr in allem sehr auf die Verehrung von Gottheiten bedacht seid." So fing er seine Rede an. Und der Areopag, den kann man auch heute noch besichtigen, ist ein nordwestlich der Akropolis gelegener 115 Meter hoher Felsen mitten in der Stadt Athen. In der Antike hat hier der oberste Rat getagt, der auch namensgleich war, nämlich auch Areopag genannt wurde. Und dieser Rat, der älteste Rat, war die älteste Körperschaft der Stadt und gleichzeitig auch das oberste Gericht. Und wie wir gelesen haben, die Athener waren immer neugierig, etwas Neues zu hören. Und damit die Philosophen dem Paulus ganz in Ruhe zuhören konnten, haben sie ihn auf diesem Areopag geführt und haben gesagt: Jetzt erklär uns noch mal ganz in Ruhe, was du da eigentlich glaubst.
[54:06] Wir lesen im Wirken der Apostel: Auf diesem Marktplatz wurden häufig religiöse Angelegenheiten sorgfältig von Männern erörtert, die als höchste Richter für alle Fragen der Moral und des bürgerlichen Lebens zuständig waren. Paulus war hier ungestörter als bei dem Tumult auf dem Marktplatz und um ihn herum scharrten sich Dichter, Künstler und Philosophen.
[54:29] Wir lesen mal Vers 23, 22 hatten wir schon: "Denn als ich umherging und eure Heiligtümer besichtigte, fand ich auch einen Altar, auf dem geschrieben stand: Dem unbekannten Gott. Nun verkünde ich euch den, welchen ihr verehrt, ohne ihn zu kennen." Paulus versucht hier in seiner Rede an diese gelehrten Männer Gemeinsamkeiten herzustellen, so ein bisschen Socializing, so ein bisschen erstmal alle auf die gleiche Ebene bringen und versucht Verbindlichkeiten einfach herzustellen.
[55:07] Wir lesen im Wirken der Apostel: Die Verständigsten seiner Zuhörer waren verwundert, als sie seine Beweisführung vernahmen. Er zeigte sich vertraut mit ihren Kunstwerken, ihrer Literatur und ihrer Religion. Und wenn wir jetzt diese Predigt lesen, die er dann fortführt bis fast zum Ende des Kapitels, dann highlightet er ganz besondere Punkte, die er eigentlich immer hervorbringt in so heidnischen Städten. Er redet ganz vor allem über den Schöpfergott, Gott, der die Erde und den Himmel gemacht hat. Er redet davon, dass Gott Herr über Zeit und Raum ist. Er redet über seine Allgegenwärtigkeit. Er spricht auch über die Gleichheit der Menschen. Das war damals alles andere als Konsens, also alles andere als das, was die Menschen glaubten. Es gab nämlich Kastendenken und verschiedene Klassen, in denen die Gesellschaft eingeteilt war. Er redet davon, dass die Menschen an dem Geschlecht Gottes, an dem göttlichen Geschlecht, heilhaftig werden können. Er sprach natürlich von Buße und von der Auferstehung Jesu. Also ein ganzer Rundumschlag, den die Philosophen dort auf dem Areopag von ihm hörten.
[56:30] Wir lesen im Wirken der Apostel: Paulus versuchte, die Gedanken seiner göttendienerischen Zuhörer über die Schranken ihrer falschen Religion hinauszuheben und ihnen eine wahre Vorstellung von jener Gottheit zu vermitteln, die sie bislang den unbekannten Gott genannt hatten. Er hatte dort einen unglaublich guten Punkt erkannt, um dort anzuknüpfen mit seiner Rede. Und immer wieder nahm Paulus Bezug auf die Philosophen der Griechen. Das lesen wir in Vers 25, 28 und auch Vers 29.
[57:07] Aber so ist es mit dem Wort Gottes. Es spaltet auch die Menschen. Und nicht alle waren davon angetan und nicht alle befürworteten das, was Paulus ihnen sagte. Wir lesen mal Vers 32: "Als sie aber von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen. Die anderen aber sprachen: Wir wollen dich darüber nochmals hören." Und so ging Paulus aus ihrer Mitte hinweg. Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig unter ihn, auch Dionysius, der ein Mitglied des Areopags war, und eine Frau namens Damaris und andere mit ihnen.
[57:46] Das war die Zeit von Paulus in Athen. Wir können uns die Frage stellen, warum es eigentlich so schwer war, die Herzen der Athener mit dem Evangelium zu erreichen. Man kann diese Frage auch verallgemeinern. Warum ist es so schwer, Leute mit dem Evangelium zu erreichen, die eigene Philosophien haben, die sehr stark im Götzendienst verankert sind, denen es gut geht, die im Wohlstand leben? Wie kann man diese Menschen erreichen? Und da habe ich zwei Abschnitte aus dem Wirken der Apostel.
[58:20] "So endete die Arbeit des Apostels in Athen, dem Mittelpunkt heidnischer Gelehrsamkeit. Denn die Athener hielten beharrlich an ihrem Götzendienst fest und wandten sich von dem Licht wahren Gottglaubens ab. Wenn ein Volk ganz mit dem, was es erreicht hat, zufrieden ist, kann nicht mehr viel von ihm erwartet werden. Zwar rühmten sich die Athener ihrer Gelehrsamkeit und Bildung, dennoch wurden sie ständig verderbter und begnügten sich mit den fragwürdigen Kulturen des Götzendienstes. Keine Chance für das Evangelium, so tief waren sie darin gefangen und verstrickt in diesem Götzendienst. Keine beredten Worte, keine noch so kräftigen Beweisgründe, um ihr Vermögen den Sünder zu bekehren. Allein die Kraft Gottes kann die Wahrheit dem Herzen nahe bringen. Wer sich beharrlich von dieser Kraft abwendet, kann von ihr nicht erreicht werden. Sie achteten ihre Weisheit höher als die Weisheit, die von oben kommt."
[59:23] Und dennoch blieb Paulus Wirken in Athen nicht erfolglos, wie wir in Vers 34 gelesen haben. Wir kommen nachher am Ende, gleich am Ende, wir sind fast am Ende, noch einmal kurz auf diese Rede von Paulus zurück und was er in der Retrospektive selbst darüber dachte. Wir beschreiten das nächste Kapitel und somit auch die letzte Station dieser Missionsreise, nämlich Korinth. Und ich muss wieder aus Zeitmangel euch ans Herz legen, dass ihr diesen Abschnitt vorher lest, bevor ihr mir zuhört.
[1:00:01] Korinth war damals eine der führendsten Handelsstädte. Es gab dort Römer, es gab dort Griechen und Juden und viele Reisende aus aller Welt, eben weil es eine Handelsstadt war. Und Paulus, so lesen wir in Vers 2, zog bei Aquila und Priscilla ein. Die waren ebenfalls Zeltmacher, so wie Paulus auch. Und Paulus hat ein bisschen auch dort gearbeitet. Ganz normal ist er seinem Handwerk nachgegangen. Und diese beiden wurden später engste Mitarbeiter von Paulus und enge Vertraute und Freunde.
[1:00:35] Was fand Paulus in Korinth vor? Wir lesen, die Stadt war fast ausnahmslos dem Götzendienst ergeben. Venus war die Lieblingsgöttin und mit ihrer Verehrung waren zahlreiche verderbliche Riten und Sitten verknüpft. Wegen ihrer sittlichen Verderbtheit waren die Korinther selbst unter den Heiden verrufen. Ihr Denken und Tun schien auf nichts anderes als auf Vergnügungen und Lustbarkeiten des Augenblicks gerichtet zu sein. Wenn man das so liest, könnte man fast denken, Korinth war das Las Vegas der Antike, sozusagen. Alles, was mit Lust und Vergnügung zu tun hatte, konnte man dort bekommen.
[1:01:18] Paulus wollte, und so hat er es sich vorgenommen, in Korinth anders vorgehen als in Athen. Er wollte daraus lernen, denn er war nicht zufrieden mit dem kleinen Erfolg, den er in Athen hatte. Wir lesen, als er über die Zeit nachdachte, die er dort in Athen verbracht hatte und sich bewusst wurde, wie wenig Frucht seine Arbeit in Athen gezeigt hatte, entschloss er sich, einen anderen Weg einzuschlagen, um die Aufmerksamkeit der sorglosen und gleichgültigen Menschen zu fesseln. Er nahm sich vor, alle gelehrten Beweisführungen und Erörterungen zu vermeiden und unter den Korinthern nichts anderes zu wissen als Jesus Christus, den Gekreuzigten.
[1:02:02] Wir lesen, dass Paulus in Vers 4 jeden Sabbat Unterredungen in der Synagoge hatte, mit den Juden dort vor Ort. Er hat dort Jesus gepredigt, er hat das Evangelium verkündigt. Und kurze Zeit später kommen Timotheus und Silas zurück oder kommen dann an in Korinth und die Ankunft dieser beiden gibt dem Paulus so richtig Kraft. Er fühlt sich so richtig bestätigt, das Evangelium und Jesus in seiner vollen Gänze zu predigen und das hat er auch getan. Seine Worte waren von heiligem Ernst getragen und seine Zuhörer mussten erkennen, dass er den Gekreuzigten und Auferstandenen Heiland von ganzem Herzen liebte. Sie sahen, dass sein ganzes Denken sich auf Christus bezog und dass sein Leben völlig in dem seines Herrn aufging. Seine Worte waren so eindrücklich, dass davon nur die unberührt blieben, die von bitterem Hass gegen das Christentum erfüllt worden waren.
[1:03:08] Ich hätte gerne mal Paulus' Predigten gehört, ihr wahrscheinlich auch. Es muss ein Mann gewesen sein, der einen richtig mitgezogen hat in seinen Ansprachen, in seinen logischen Beweisführungen durch die Bibel. Und in der Bibel finden wir diese Predigt natürlich extrahiert, sozusagen als Sirup. Aber wenn man das in der ganzen Gänze hätte hören können, ich glaube, es wäre sehr bereichernd gewesen, so eine ganze lange Predigt von Paulus zu hören.
[1:03:39] Und trotzdem erhebt sich auch in Korinth Widerstand der Juden und Paulus hat, so lesen wir in Vers 6, nun wirklich ist mit seiner Geduld am Ende. Wir lesen im letzten Teil von Vers 6: "Euer Blutschuld auf eurem Haupt", sagt er zu den Juden. Und er sagt: "Ich bin rein davon. Von nun an gehe ich zu den Heiden." Paulus zieht daraufhin bei Justus ein. Und dieser Justus, der lebt direkt neben der Synagoge. Und dadurch kam es zustande, dass Paulus auch mit Krispus, der der Synagogenvorsteher dieser Synagoge war, in engerem Kontakt war. Und dieser wurde vom Evangelium überzeugt. Aber nicht nur er, sondern auch seine ganze Familie und auch eine nicht geringe Anzahl von Korinthern. Das war sicherlich wieder ein divine appointment, eine Sache, die Gott so geführt hat, dass er gerade bei diesem Justus unterkam.
[1:04:48] Wir lesen im Wirken der Apostel: Der Hass, den die Juden den Aposteln gegenüber schon immer empfunden hatten, wurde jetzt noch stärker, eben weil dieser Krispus sich bekehrt hatte. Auch die Bekehrung und Taufe des Krispus konnte diese hartnäckigen Widersacher nicht überzeugen, sondern er bitterte sie nur umso mehr. Obwohl Paulus einen gewissen Erfolg hatte, wurde er doch durch die Botschaft, die er in dieser verderbten Stadt sah und hörte, beinahe entmutigt. Paulus zweifelte daran, ob es weise sei, zu versuchen, unter diesen Menschen eine Gemeinde aufzubauen. Und Paulus plante ernstlich, Korinth zu verlassen. Aber dann kriegt er eine Botschaft von Gott. Und die lesen wir noch mal in Vers 9 und Vers 10.
[1:05:51] Ja, Gott sagt Paulus: Du bleibst schön hier und ich habe da ganz viele Menschen, die noch abgeerntet werden müssen, sozusagen, die das Evangelium hören werden und sich bekehren werden. Und Paulus blieb am Ende sogar anderthalb, eineinhalb Jahre in Korinth und lehrte. Auch vor allem lehrte er eins zu eins. Nicht immer nur vor großen Versammlungen, sondern er bemühte sich um ganz einzelne Menschen.
[1:06:21] Das Wirken des Apostels in Korinth blieb nicht ohne Frucht. Viele wandten sich dem Götzenkult ab, um dem lebendigen Gott zu dienen. Eine große Gemeinde scharte sich um das Banner Christi. Sogar aus dem tiefsten Heidentum wurden einige gerettet. Und so zudenkt Melander Gnade Gottes und der Kraft des Blutes Christi, das von der Sünde reinigt. Ja, dieses alles stachelte die Juden leider noch mehr an.
[1:06:50] Aber wir lesen eine ganz interessante Geschichte und die möchte ich zum Schluss noch mit euch anschauen. Nämlich von Gallio, oder Gallio wird er auch genannt. Ab Vers 12 in Kapitel 18.
[1:07:04] "Als aber Gallio Stadthalter von Achaja war, traten die Juden einmütig gegen Paulus auf und führten ihn vor den Richterstuhl und sprachen: Dieser überredet die Leute zu einem gesetzeswidrigen Gottesdienst. Als aber Paulus den Mund öffnen wollte, sprach Gallio zu den Juden: Wenn es sich nun um ein Verbrechen oder um eine böse Schändlichkeit handeln würde, ihr Juden, so hätte ich euch vernünftigerweise zugelassen. Wenn es aber eine Streitfrage über eine Lehre und über Namen oder über eure Gesetze sind, so seht ihr selbst danach. Denn darüber will ich nicht Richter sein. Und er wies sie vom Richterstuhl hinweg."
[1:07:51] Eine ganz, ganz interessante Geschichte und ein interessanter Mann, der sich so verhält. Und wieder gibt es hier Parallelen, zum Beispiel zu Pontius Pilatus, der sich ganz anders verhalten hat. Wir lesen, dass Gallio 51 nach Christus Stadthalter wurde und dass die Juden ihm diesen Gallio vorführten, damit er darüber richtet, was mit Paulus zu tun sei. Aber er weist es von sich, weil er keine religiösen Fragen richten will.
[1:08:25] Und wir lesen im Wirken der Apostel: Gallio aber, ein rechtschaffender Mann, weigerte sich, Handlanger der eifersüchtigen, renkgeschmiedeten Juden zu sein. Angewidert von ihrer Scheinheiligkeit und Selbstgerechtigkeit ging er auf ihre Anklage nicht ein. Die Juden waren sehr verblüfft und noch mehr verärgert und haben sich zurückgezogen. Sie waren wirklich sehr bedient von dem Verhalten dieses Stadthalters, was sie nicht erwartet hatten.
[1:09:01] Es heißt weiter: Die Entschiedenheit des Landvogts Gallio öffnete auch dem lärmenden Pöbel, der die Juden unterstützt hatte, die Augen. Zum ersten Mal, und das ist ganz interessant, seitdem Paulus in Europa wirkte, stellte sich die Volksmenge auf seine Seite. So errang das Christentum einen bemerkenswerten Sieg. Dieser Gallio, der vielleicht nicht das Evangelium annahm, aber ein so aufrichtiges Herz hatte, das Gott ihn benutzte, diese Sache zu klären, das führte dazu, dass das Evangelium und Korinth viel Frucht trug.
[1:09:41] Paulus auf seinen Missionsreisen war, wie wir schon gesagt haben, ein verfolgter Mann, eine Persona non grata oftmals in vielen Städten. Aber unter allem Schlechten, was ihm widerfahren ist, müssen wir doch den Schluss ziehen, dass sein Mut, seine Unerschrockenheit, seine Sorgfalt und sein sorgenvolles Herz für die Gemeinde alles überwiegt, was ihm passiert ist. Ein unglaublicher Mann, den man sich zum Vorbild nehmen kann in vielen Dingen.
[1:10:18] Und ich möchte zum Ende dieser CSH einen Vers stellen, der das eigentlich sehr gut zusammenfasst. Einen meiner Lieblingsverse aus den Psalmen, Psalm 56 und dort Vers 12 beschreibt eigentlich das, was Paulus war: "Auf Gott vertraue ich und fürchte mich nicht. Was kann ein Mensch mir antun?"
[1:10:46] Wir wollen bitten. Lieber Gott, nicht nur Paulus hast du mit großen und vielen Wundern beschützt auf seinen Reisen, sondern auch die Diener durch alle Zeitalter hinweg hast du mit deinen Engeln umgeben, um das Evangelium fruchtbar in die Welt zu bringen. Herr, lass uns auch so unerschrocken sein wie Paulus. Lass uns so mutig sein und immer wissen, dass egal wo wir dein Wort predigen, dass Engel uns behüten und du deine Augen auf denen hast, die das tun. Herr, ich danke dir dafür. In deinem Namen. Amen. Bis zum nächsten Mal bei der Cannstatt Study Hour.