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Manuskript zur Sendung >>> CSH_Manuskript_2019 4th (Special) Nr 5

In dieser Folge der Cannstatt Study Hour wird der Abschluss des Buches Esra behandelt. Christopher Kramp beleuchtet die Ereignisse nach Esras Ankunft in Jerusalem und die damit verbundene geistliche Erweckung und Reformation. Der Vortrag konzentriert sich auf Esras Reaktion auf die Vermischung des Volkes Israel mit den umliegenden Nationen und sein tiefgreifendes Gebet des Sündenbekenntnisses. Es wird gezeigt, wie dieses Gebet zu einer umfassenden Reform führte, die Sünde beim Namen nannte und das Volk zur Umkehr aufrief. Die Lektionen aus Esras Zeit dienen als Vorbild für heutige Gemeinden, um mit Missständen umzugehen.


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Serie: Cannstatt Study Hour - Spezial 2019 Q4: Esra & Nehemia

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Transkript

[0:00] Hallo und herzlich willkommen zur Cannstatt Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Ein herzliches Willkommen gilt auch allen Zuschauern auf Amazing Discoveries zu einer weiteren Folge unserer Spezialserie der Cannstatt Study Hour über die beiden Bücher Esra und Nehemia. Unser Vers-für-Vers-Studium des Buches Esra ist mit dieser Folge dann abgeschlossen. Wir wollen heute den letzten Teil dieses Buches besprechen und dann in der nächsten Woche im nächsten Studium zum Buch Nehemia übergehen. Heute soll es darum gehen, von Esra 8, Vers 31 bis zum Ende des Buches zu sehen, was passiert ist nach der Ankunft von Esra.

[1:02] Wir haben ja gesehen, wie im ersten Jahr des Kyros ein Befehl ausging, Jerusalem oder besser gesagt den Tempel vor allem wieder aufzubauen. Wir haben gesehen, wie unter Serubbabel und Joschua, dem Hohenpriester, damals mehr als 40.000 Israeliten, eine kleine Minderheit eigentlich nur des Volkes Gottes, die Gelegenheit wahrgenommen hat und unter großen Entbehrungen zurückgekehrt ist und dann mit viel Verzögerung und Schwierigkeiten im Jahre 515 durch die Ermutigung und Führung durch die Propheten Gottes, Sacharja und Haggai, den Tempel wieder aufgebaut hat. Wir hatten gesehen, dass es auf und ab ging mit den verschiedenen Königen, den Intrigen und dem Wirken Gottes, der immer dafür gesorgt hat, dass es doch weitergegangen ist. Wir haben dann gesehen in der letzten Folge, dass Jahrzehnte später unter dem König Artaxerxes sich erneut eine Gelegenheit auftat, mit einer größeren Gruppe von Israeliten nach Jerusalem zu kommen, denn die Stadt war immer noch nicht aufgebaut. Es hatte zwar schon erste einzelne Arbeiten an den Mauern gegeben, aber im Grunde genommen war die Stadt noch unbefestigt und im siebten Jahr des Artaxerxes erging der Befehl an Esra, den Priester und Schriftgelehrten, dass er jetzt den Willen Gottes bezüglich Jerusalems, so wie es in den heiligen Schriften aufgeschrieben war, das heißt bei den Propheten, umsetzen dürfte. Es gab allerlei Geschenke vom König und dem Thronrat für Jerusalem und den Tempel insbesondere. Wir haben gesehen, wie dann im Frühjahr 457, im Laufe des siebten Jahres des Artaxerxes, so wie es nach jüdischer Rechnung zu datieren ist, dieser Zug nach Jerusalem begann und im Sommer 457 v. Chr. in Jerusalem ankam. Dort in Esra 8, Vers 30 haben wir aufgehört und wollen jetzt gleich weitermachen.

[3:12] Bevor wir das tun und in das Wort Gottes hineinschauen, möchten wir gemeinsam um die Führung des Heiligen Geistes beten und ich lade dich, lieber Freund, liebe Freundin, dazu ganz herzlich ein. Lieber Vater im Himmel, wir danken dir für das Buch Esra und für die vielen Lektionen, die wir lernen können, für das Werk Gottes, für den Aufbau und die Vollendung des Werkes. Wir möchten dich bitten von ganzem Herzen, dass du mit deinem Heiligen Geist zu uns sprichst, dass die Worte ihre Kraft entfalten, die du hineingelegt hast und dass wir erkennen, welche Entscheidungen wir persönlich heute aufgrund dieses Studiums fällen müssen. Sprich du zu uns und zieh uns durch Jesus immer näher zu dir. Das bitten wir in seinem kostbaren Namen. Amen.

[3:52] Esra 8 und dort Vers 31. So brachen wir vom Fluss Ahava auf am zwölften Tag des ersten Monats, um nach Jerusalem zu ziehen, und die Hand unseres Gottes war über uns. Diese ganz typische Formulierung, die bei Esra immer wieder zu finden ist. Wir haben ja beim letzten Mal schon darauf hingewiesen. Und die Hand unseres Gottes war über uns und er errettete uns vor der Hand des Feindes und des Wegelagerers. Wenn also am zwölften Tag es losging, dann waren die ersten elf Tage für Fasten, Beten und Vorbereitung gewidmet oder diese elf Tage diesem Fasten und dem Beten gewidmet worden. Wir hatten ja in Esra 7, Vers 9 gesehen, dass der Hinaufzug am ersten Tag des ersten Monats begann. Esra hat sich also offensichtlich viel Zeit genommen für die geistliche Vorbereitung dieser wichtigen Mission und entsprechend war die Gebetserhöhung angesichts der vielen Unwegbarkeiten und der vielen kriegerischen Nomaden auf dem Weg von Ost nach West am Rande der arabischen Wüste entlang. War das ein echtes Wunder, was sie hier erlebt haben. Etwas, was natürlich auch den König und die Hohen im Perserreich beeindrucken sollte, dass tatsächlich dieser Gott sich um sein Volk kümmert und es keine militärische Absicherung gebraucht hat.

[5:34] Vers 32. Und wir kamen nach Jerusalem und ruhten dort drei Tage lang aus. Wir wissen aus Esra 7, Vers 9, dass es am ersten Tag des fünften Monats war, also ungefähr knapp vier Monate, Verzeihung, war die Reise lang. Und es gibt eine kurze Ruhepause und auch das ist interessant, so wichtig und entscheidend der Aufbau und die Arbeit auch gewesen ist. Esra wusste auch, das Werk kann nur abgeschlossen werden und weitergeführt werden, wenn es auch angemessene Ruhepausen gibt. Auch Jesus hat das gewusst, in Markus Kapitel 6 und dort Vers 31 hat er seine Jünger aufgefordert. Es heißt hier: „Und er sprach zu ihnen: Kommt ihr allein abseits an einen einsamen Ort und ruht ein wenig.“ Jesus selbst hat gewusst, wie wichtig es ist, dass man bei aller Arbeit für Gott auch Ruhepausen hat. Und so hat das auch Esra hier mit dieser Gruppe nach der anstrengenden Reise praktiziert. Und auch wir sollten darauf achten, dass wir genügend Ruhe haben, um auch die nötige Kraft und die nötige Energie dann für das Werk Gottes aufbringen zu können.

[6:45] Vers 33 und 34. Aber am vierten Tag wurde das Silber und das Gold und die Geräte im Haus unseres Gottes abgewogen, in die Hand Meremots, des Sohnes Uris, des Priesters, übergeben. Mit ihm war auch Eleasar, der Sohn des Pinehas, und mit ihnen Josabad, der Sohn Jesuas, und Nodaja, der Sohn Benajas, die Leviten. Vers 34: „Alles nach Anzahl und Gewicht, und das ganze Gewicht wurde damals aufgeschrieben.“ Die zwölf Priester, von denen wir Ende der letzten Folge gehört hatten, denen die Schätze anvertraut worden waren, lieferten jetzt alles ab. Es wurde schriftlich nachgeprüft. Das zeigt uns, wie wichtig auch die Transparenz im Werk Gottes ist, auch gerade, wenn es um finanzielle und große finanzielle Angelegenheiten geht. Die Priester sollten entlastet werden. Es sollte deutlich gemacht werden, dass sie sich nicht selbst bereichert hatten. Sie sollten vor späterer Verleumdung geschützt werden. Und dahinter steckt dieses Prinzip, das in 2. Korinther 8 von Paulus in Vers 21 formuliert worden ist, das auch für uns heute noch genauso gültig ist. 2. Korinther 8, Vers 21: „Und weil wir auf das bedacht sind, was recht ist, nicht nur vor dem Herrn, sondern auch vor den Menschen.“ Die Mitarbeiter Gottes sollen darauf achten, dass sie auch vor anderen Menschen als gerecht und transparent und vertrauenswürdig gelten.

[8:16] Vers 35. Und die Kinder der Wegführung, die aus der Gefangenschaft gekommen waren, brachten dem Gott Israels Brandopfer dar. Zwölf Jungstiere für ganz Israel, 96 Widder, 77 Lämmer, sowie zwölf Böcke zum Sündopfer. Alles als Brandopfer für den Herrn. Wenn man das noch mal vergleicht mit den Zahlen, die in Esra 6, Vers 17 für die Einweihung des Tempels genannt werden, Jahrzehnte zuvor, stellt man noch einmal fest, dass diese Gruppe unter Esra bedeutsam kleiner gewesen ist, als die Gruppe, die sich zur Zeit von Haggai und Sacharja in Jerusalem befunden hat. Mit anderen Worten, diese Verstärkung von Esra oder mit Esra war zahlenmäßig eher kleiner und war nur ein Bruchteil dessen von der Größe des Volkes, das sich schon in Jerusalem befand. Die Zahlen zum Vergleich sind hier im Sendemanuskript auch noch einmal angegeben. Und wieder ist hier für ganz Israel diese Formulierung verwendet worden. Das heißt, auch hier wird wiederum deutlich, wie wir es schon vorher im Buch Esra gesehen haben, dass diese Rückkehrer, diese Übrigen, der Überrest, sich als die Repräsentanten des gesamten Zwölfstämme Israels betrachtet haben und auch die inspirierten Schreiber das so gesehen haben. Hier wird die Linie fortgeführt von Israel als Ganzes. Das ist durchaus wichtig zu beachten.

[9:52] Vers 36. Und sie übergaben die Befehle des Königs den Satrapen des Königs und den Statthaltern jenseits des Stromes. Da unterstützten diese das Volk und das Haus Gottes. Genau das war ja von Artaxerxes in seinem siebten Kapitel, in seinem Edikt angeordnet worden. Satrapen, das kommt vom griechischen Satrapes. Das sind die Schützer der Herrschaft, so das altpersische oder zum Teil auch medische Original. Wir wissen schon von Darius dem Meder in Daniel 6, Vers 2, dass er Provinzstatthalter, Satrapen eingesetzt hat. Wir wissen aus der Zeit von Darius dem Ersten, durch Keilschrift belegt, dass es diese Satrapie Syrien gab, zu denen vermutlich auch Jerusalem und Judäa gezählt haben. Möglicherweise war das auch unter Artaxerxes immer noch die bestehende Verwaltungsstruktur. Allerdings kann sich das ja auch im Laufe der Jahrzehnte leicht geändert haben.

[10:50] Ellen White sagt in „Propheten und Könige“ Folgendes: Gott hat es so gefügt, dass die mit Esra zurückgekehrten besondere Zeiten des Suchens nach Gott erlebt hatten. Die Erfahrungen, durch die sie auf ihrer Reise von Babylon von keiner menschlichen Macht geschützt zu ihm gegangen waren, hatten ihnen wertvolle geistliche Lehren vermittelt. Viele waren im Glauben erstarkt. Als sie sich nun unter die entmutigten und gleichgültigen Eniosel mischten, wirkte sich ihr Einfluss mächtig in der wenig später eingeleiteten Reform aus. Was hier geistlich passiert war, war: Wir hatten eine relativ große Gruppe der Übrigen, die schon seit Jahrzehnten dort in Jerusalem und in Judäa gelebt haben, die aber entmutigt waren, die etwas gleichgültig waren. Der Tempel war gebaut, aber seit Jahrzehnten war es nicht groß weitergegangen mit dem Aufbau der Stadt. Man hatte das Projekt Aufbau Jerusalem so ein bisschen aus den Augen verloren. Jetzt kam diese vergleichsweise kleine Gruppe unter Esra, der Führung dieses mächtigen Schriftgelehrten nach Jerusalem und erzählte von den wunderbaren Erfahrungen von der Führung Gottes, wie sehr dort am persischen Königshof Gott eingegriffen hatte, was für eine wunderbare Gelegenheit sich ergeben hatte und welche Erfahrungen sie auf dem Weg gemacht haben. Diese begeisterten Erweckten sind jetzt die Instrumente, um die größere, etwas gleichgültige Gemeinde in Jerusalem zu erwecken. Da hat man schon ein bisschen das Gefühl, wie auch in unserer Zeit Erweckung entstehen kann, wenn Menschen etwas von Gott erlebt haben und diese Erfahrung hineinbringen in die vielleicht gleichgültige und entmutigte Gemeinde. Dann entsteht große Erweckung. Das ist wichtig, dass die, die persönlich schon mit Gott Erfahrung gemacht haben und die Vorzeichen, die Zeichen der Zeit, die Vorzeichen Gottes gesehen haben, dass die sich der Gemeinde zuwenden und die Gemeinde motivieren, statt einfach nur für sich zu bleiben. Wir sehen also hier auch die Bedeutung, die der Zug von Esra und seinen Mitziehenden für das Gesamtvolk der Übrigen in Jerusalem gehabt hat. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir uns bewusst machen: Wenn ich Erfahrung mit Gott gemacht habe, wenn ich erlebt habe, dass er eingegriffen hat, dann ist es eine Aufgabe, die ich habe, dass ich dort, wo vielleicht entmutigte, gleichgültige Mitglieder des Volkes Gottes sind, dass ich dort diese Erfahrungen hinbringe, um die Erweckung sich ausbreiten zu lassen.

[13:21] Es geht weiter in Kapitel 9, Vers 1. Als nun dies alles ausgerichtet war, traten die Obersten zu mir und sprachen: „Das Volk Israel und die Priester und Leviten haben sich nicht abgesondert gehalten von den Völkern der Länder bezüglich ihrer Gräuel, nämlich von den Kanaanitern, Hethitern, Perisiter, Jebusitern, Ammonitern, Moabiten, Ägyptern und Amoriten.“ In Esra 6, in Vers 21 und 22 hatten wir noch gelesen, dass die Juden sich von den Heiden abgesondert hatten, als der Tempel gebaut worden war unter der Führung von Jeschua und von Serubbabel und Haggai und Sacharja. Nun aber, Jahrzehnte später, waren faule Kompromisse eingegangen worden und das Volk war also wieder etwas abgefallen. Sie sollten ja besonders sein. Gott hatte deutlich gemacht, den Israeliten schon zur Zeit von Mose, dass seine Gegenwart sie zu einem besonderen, zu einem heiligen Volk gemacht hatte und dieses Prinzip gilt auch heute noch. In 2. Korinther 6 und dort Vers 14 bis 18 finden wir dieses Prinzip, das Serubbabel und Joschua in Esra 3 noch sehr gut verstanden hatten, in Esra 4 noch sehr gut verstanden hatten und angewandt hatten. Das heißt es nämlich ab Vers 14: „Zieht nicht in einem fremden Joch mit Ungläubigen, denn was haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit miteinander zu schaffen? Und was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Wie stimmt Christus mit Belial überein, oder was hat der Gläubige gemeinsam mit den Ungläubigen? Wie stimmt der Tempel Gottes mit Götzenbildern überein? Denn ihr seid ein Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott gesagt hat: ‚Ich will in ihnen wohnen und unter ihnen wandeln, und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.‘ Darum geht hinaus von ihnen und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt nichts Unreines an, und ich will euch aufnehmen, und ich will euch ein Vater sein, und ihr sollt mir Söhne sein, spricht der Herr, der Allmächtige.“ Das ist ein Prinzip, das galt nicht nur zur Zeit von Esra oder zur Zeit von Mose, sondern auch heute noch: keine dauerhafte Verbindung mit den Ungläubigen.

[15:26] Die Liste der Völker, die in Vers 1 genannt wird, ist relativ typisch. Wir kennen sie aus verschiedenen Listen auch in den Mose-Büchern. Es fehlen hier die Hewiter und auch die manchmal erwähnten Girgasiter. Interessant ist, dass noch die Ammoniter, Moabiter und Ägypter dazukommen, die in den einschlägigen Mose-Listen eigentlich so nicht auftauchen, weil ja Ammon und Moab damals nicht erobert werden sollten und die Ägypter ohnehin ja im Rücken des wandernden Israels waren. Interessant ist auch, dass hier die Edomiter nicht erwähnt werden. Das vielleicht nur so am Rande.

[16:05] Vers 2. Was war passiert? „Denn sie haben von deren Töchtern Frauen für sich und ihre Söhne genommen, und so hat sich der Heilige Same mit den Völkern der Länder vermischt, und die Hand der Obersten und Vorsteher ist in dieser Missetat die erste gewesen.“ Nun, das war eindeutig verboten worden in 5. Mose Kapitel 7 ab Vers 1. Da heißt es: „Wenn der Herr, dein Gott, dich in das Land bringt, in das du kommen wirst, um es in Besitz zu nehmen, und wenn er vor dir her viele Völker vertilgt, die Hethiter, die Girgasiter, die Ammoniter, die Kanaaniter, die Perisiter, die Hewiter und die Jebusiter, sieben Völker, die größer und stärker sind als du, und wenn sie der Herr, dein Gott, vor dir dahin gibt, dass du sie schlägst, sollst du unbedingt an ihnen den Bann vollstrecken. Du sollst keinen Bund mit ihnen machen und ihnen keine Gnade erweisen, und du sollst dich mit ihnen nicht verschlägern. Du sollst deine Töchter nicht ihren Söhnen zur Frau geben, noch ihre Töchter für deine Söhne nehmen, denn sie würden deine Söhne von mir abwendig machen, dass sie anderen Göttern dienen, und dann wird der Zorn des Herrn über euch entbrennen und euch bald vertilgen.“ Also das Wort Gottes war eindeutig und es war natürlich über die Jahrhunderte immer und immer wieder missachtet worden, aber die Israeliten waren ja gerade deswegen 70 Jahre im Exil gewesen und jetzt begingen sie den Fehler schon wieder.

[17:38] Diese Ursache für Abfall geht zurück bis in die Zeiten vor der Sintflut. Wir wissen aus 1. Mose 6, dass es zu der Verderbtheit auf der Erde kam, weil tatsächlich die Gläubigen sich mit den Ungläubigen durch Ehe vermischten. In 1. Mose 6, Vers 1 heißt es: „Und es geschah, als sich die Menschen zu mehren begannen auf der Erde und ihnen Töchter geboren wurden, da sahen die Gottessöhne – also nach Römer 8 diejenigen, die vom Heiligen Geist geleitet sind – dass die Töchter der Menschen schön waren. Also durch Kontrast diejenigen, die nicht vom Heiligen Geist geleitet sind, hier. Und sie nahmen sich von allen jene zu Frauen, die ihnen gefielen.“ Da sprach der Herr: „Mein Geist soll nicht für immer mit dem Menschen rechten, denn er ist Fleisch. So sollen seine Tage 120 Jahre betragen.“ Und dann kommt dann nach 120 Jahren die Sintflut.

[18:21] Die Israeliten sollten hier zur Zeit von Esra und auch Jahrzehnte vorher ein heiliges Volk sein. Das macht 2. Mose 19 ja ganz deutlich. Ein besonderes Eigentum, ein Königreich von Priestern, ein Licht für die Heiden. Aber dazu musste das Licht selbst deutlich hell und klar scheinen und konnte nicht durch heidnische Lehren getrübt sein. Dazu lesen wir in „Für die Gemeinde geschrieben“, Band 2: Die Aufforderung Gottes: „Zieht nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen“, bezieht sich keineswegs nur auf Ehen von Christen mit nichtgläubigen Partnern. Sie umfasst alle Zusammenschlüsse, in denen sich Menschen so stark aneinanderbinden, dass es ohne weitgehende Angleichung im Denken und Handeln nicht abgeht. Gott hatte Israel damals ausdrücklich befohlen, sich von Götzenanbetern fernzuhalten. Die Israeliten sollten keine heidnischen Partner heiraten und sich auch sonst jeder Verbindung mit Heiden enthalten. Es geht also nicht nur um die Ehe, sondern um jede dauerhafte Verbindung, die es notwendig macht, dass das Denken und Handeln geändert werden muss, um in dieser Bindung zu bleiben. Und das wirft dann auch Fragen auf in Bezug auf die ökumenische Bewegung und das Engagement in ihr. Nach der Bibel ist das nicht vertretbar.

[19:36] Vers 3. Esra hört von diesen katastrophalen Missständen, die von der Leitung des Volkes auch noch besonders initiiert worden sind. Und die Leiter waren die Ersten, oder die, die da vorne weggegangen sind in diesem Abfall. Esras Reaktion finden wir in Vers 3: „Als ich nun dies hörte, zerriss ich mein Hemd und mein Obergewand und raufte mir das Haar und den Bart und saß bestürzt da.“ Dieses Kleiderzerreißen ist eine Geste der tiefen Trauer. Wir finden sie bei Hiob, wir finden sie bei Josua, wir finden sie bei Hiskia. Immer wieder.

[20:17] Vers 4. „Und alle, die die Worte des Gottes Israels fürchteten, wegen der Übertretung derer, die aus der Wegführung gekommen waren, versammelten sich zu mir, und ich saß bestürzt da bis zum Abendopfer.“ Da versammeln sich jetzt die Übrigen unter den Übrigen. Das wird manchmal so ein bisschen mit Augenzwinkern gesagt: die Übrigen von den Übrigen. Aber hier im Fall der Zeit von Esra gab es Übrige unter den Übrigen. Es gab das Volk der Übrigen in Israel, in Judäa, in Jerusalem. Aber es gab unter ihnen eine Gruppe von denen, die tatsächlich wirklich am Wort Gottes festhielten und traurig waren über den größeren Abfall oder den Abfall in der größeren Gruppe des Volkes. Und wir wissen, dass Gott auf denjenigen sieht, der vor seinem Wort zittert. So sagt es Jesaja 66, Vers 2. Hesekiel 9, Vers 4 macht uns deutlich, dass die Versiegelung für diejenigen Menschen ist, die traurig sind über die Sünden im Volk. Es heißt hier: „Und der Herr sprach zu ihm: Geh mitten durch die Stadt, mitten durch Jerusalem, und mache ein Zeichen auf die Stirn der Leute, die seufzen und jammern über all die Gräuel, die in ihrer Mitte verübt werden.“

[21:36] Psalm 119, Vers 136 hat diese so zu Herzen gehende Formulierung: Psalm 119, Vers 136: „Tränenströme fließen aus meinen Augen, weil man dein Gesetz nicht befolgt.“ Lieber Freund, liebe Freundin, hast du schon einmal geweint darüber, was im Volk Gottes alles so vor sich geht? Es ist eine Sache, sich darüber aufzuregen und zu schimpfen und zu meckern. Hast du geweint vor Trauer über den Abfall, den du hier und dort gesehen hast?

[22:14] Vers 5. „Und um das Abendopfer stand ich auf von meiner Demütigung, mit der ich mein Hemd und mein Obergewand zerrissen hatte. Und ich fiel auf meine Knie und breitete meine Hände aus zu dem Herrn, meinem Gott.“ Wir haben einige Bibelverse hier für diese Gebetshaltung, für das Knien, auf das Händeaustrecken, aufgezählt. Ganz interessant, das vielleicht mal auch dann zu studieren. Ellen White gibt dazu uns folgenden Ratschlag: „Sowohl öffentlich als auch in der Hausandacht ist es unser Vorrecht, unsere Knie vor dem Herrn zu beugen, wenn wir ihm unsere Gebete darbringen.“ Es lohnt sich darüber nachzudenken, vielleicht auch öfter beim Gebet niederzuknien, dieses Vorrecht in Anspruch zu nehmen. Und Esra betet hier beim Heiligtum, denn wir wissen, dass das Abendopfer beim Heiligtum dargebracht worden ist. Da haben wir hier die Zitate von Ellen White aus „Patriarchen und Propheten“ im Sendemanuskript. Also der Esra begibt sich zum Heiligtum und betet dort, wie wir gleich auch noch später sehen werden.

[23:28] Nun, was genau betet er? Vers 6. „Und ich sprach: Mein Gott, ich schäme und scheue mich, mein Angesicht aufzuheben zu dir, mein Gott, denn unsere Missetaten sind über unsere Häupter gewachsen und unsere Schuld ist so groß, dass sie bis an den Himmel reicht.“ Das erinnert uns an eine ähnliche Formulierung im Buch Daniel. Der sagt fast genau dasselbe in Daniel 9, dem berühmten Gebet, das er dort im ersten Jahr des Darius, des Meders, formuliert.

[23:50] In Vers 7 und 8 heißt es: „Du, Herr, bist im Recht. Uns aber treibt es heute die Schamröte ins Gesicht, wie es jetzt zu Tage liegt, den Männern von Juda und den Bürgern von Jerusalem und dem ganzen Israel, seien sie nah oder fern in allen Ländern, wohin du sie vertrieben hast, wegen ihrer Untreue, die sie gegen dich verübt haben. Uns hier treibt es die Schamröte ins Gesicht, unseren Königen, unseren Fürsten und unseren Vätern, weil wir gegen dich gesündigt haben.“ Der Esra scheint, da werden wir gleich noch mehr Hinweise darauf bekommen, das Gebet von Daniel, das ja schon Jahrzehnte alt ist, so ein bisschen im Hinterkopf zu haben bei seinem eigenen Gebet, auch wenn er eigene Worte formuliert und verwendet, ist ja doch so eine gewisse Ähnlichkeit spürbar.

[24:45] Es heißt bei Ellen White, dass Esra den wahren Geist des Gebetes hatte. Er hatte seine Anliegen vor Gott präsentiert, als sie so schrecklich angesichts des großen Lichtes und der großen Vorrechte gesündigt hatten. Seine Sprache ist die wahre Demütigung der Seele, eine Zerknirschung, die mit Gott im Gebet ringt und überwindet. Nur das Gebet des Demütigen erreicht die Ohren des Herrn Zebaoth.

[25:33] Vers 7. „Seit den Tagen unserer Väter bis zu diesem Tag sind wir in großer Schuld, und um unserer Missetaten willen sind wir, unsere Könige und unsere Priester, in die Hand der Könige der Länder übergeben worden, dem Schwert der Gefangenschaft, dem Raub und der sichtbaren Schmach, wie es heute der Fall ist.“ Auch das hatte Daniel in Daniel 9 gebetet und war sich bewusst, dass das seit einiger Zeit schon so gelaufen war. In Vers 5 und 6 heißt es: „Wir haben gesündigt und haben Unrecht getan und gesetzlos gehandelt. Wir haben uns aufgelehnt und sind von deinen Geboten und deinen Rechtsordnungen abgewichen. Wir haben auch nicht auf deine Knechte, die Propheten, gehört, die in deinem Namen zu unseren Königen und unseren Vätern, unseren Fürsten und unseren Vätern und zu dem ganzen Volk des Landes geredet haben.“

[26:12] Das Sündenbekenntnis ist ein entscheidender Faktor in der dann entstehenden Erweckung und Reformation. Haggai hatte übrigens die Rückkehrer aufgefordert, nicht so zu sein wie die Väter. Das kann man sehr schön nachlesen in Haggai 1, Jahrzehnte vorher, als der Tempel gebaut worden war. Haggai 1, Vers 4 und 5: „Seid nicht wie eure Väter, denen die früheren Propheten verkündigt und gesagt haben: ‚So spricht der Herr der Heerscharen: Kehrt doch um von euren bösen Wegen und von euren schlimmen Taten!‘ Sie hörten aber nicht und achteten nicht auf mich, spricht der Herr.“ Haggai, der Geist Gottes, hatte schon vorher gesehen, dass das wieder so kommen würde und wollte das Volk Israel davor bewahren. Auch zur Zeit von Jesus finden wir immer wieder diese Idee, dass die gegenwärtige Generation das weitergetrieben hat, was schon die Vorväter Falsches getan hatten. Und es bezieht sich natürlich hier auf die Wegführung unter den Assyrern und unter den Babyloniern, für die wir ja schon einige Referenzen gegeben haben. Auch hier wieder einige Bibelverse noch im Sendemanuskript.

[27:22] Vers 8. „Nun aber ist uns für einen kleinen Augenblick Gnade von dem Herrn, unserem Gott, zuteil geworden, indem er uns einen Überrest von Entkommenen übrig ließ und uns an seiner heiligen Stätte einen Zeltpflock gab, womit unser Gott unsere Augen erleuchtete und uns ein wenig aufleben ließ in unserer Knechtschaft.“ Dieser Begriff vom Überrest bezieht sich ja auf die Zurückgekehrten aus dem Exil. Das sind diejenigen nach Römer 11, Vers 5 und 6, die die Gnade Gottes in Anspruch genommen haben. Nach Römer 9, Vers 7 und 7, diejenigen, die die Rettung in Anspruch genommen haben. Und Gott hat also hier eine Tür geöffnet für die Übrigen, dass sie weiter das Volk Gottes sein können und ein Licht sein können in der Welt. Dieser Pflock ist ein Bild für einen sicheren Halt. Ein Pflock hält ein Zelt, sodass es nicht wegweht. Und der Pflock kommt von Gott, so sagt uns Sacharja 10, Vers 3 und 4. Die heilige Stätte ist natürlich Jerusalem und insbesondere der Tempelberg, wo der wiederaufgebaute Tempel steht.

[28:28] Dieses Bild von den erleuchteten Augen ist eigentlich auch sehr interessant. Es steht nämlich eigentlich für Erfrischung und Stärkung. Das kann man zum Beispiel bei Jonathan sehen, der sich durch Honig erfrischt hat, gestärkt hat, obwohl es heißt, dass die Augen erleuchtet worden sind. Und das Ganze ändert natürlich ein bisschen auch an die Neuheit der männlichen Idee, dass Gott uns erleuchtete Augen der Erkenntnis schenken möchte. Das Aufleben ist hier wörtlich eigentlich eine Lebensbewahrung, eine Lebensrettung. Gott hat das beinahe zugrunde gegangene Israel, das nur noch so ein kümmerlicher Haufen geistlich gesehen im babylonischen Exil war, am Leben erhalten. Er hat die Idee des Volkes Gottes hindurchgerettet ins Exil und hat jetzt wieder große Privilegien, große Gelegenheiten geschenkt.

[29:25] Und so geht es jetzt weiter in Vers 9. „Denn Knechte sind wir.“ Es ist interessant, dass trotz des Endes des babylonischen Exils Esra sehr deutlich macht, dass sie immer noch unter der Herrschaft der medopersischen Könige stehen. Eine eigene politische Souveränität wie zur Zeit von David oder Salomo gibt es schon lange nicht mehr. „Knechte sind wir, doch hat uns unser Gott in unserer Knechtschaft nicht verlassen, sondern hat uns die Gunst der Könige von Persien zugewandt, dass sie uns ein Aufleben schenken, um das Haus unseres Gottes aufzubauen und seine Trümmer wiederherzustellen, und dass sie uns eine Mauer gaben in Juda und Jerusalem.“

[30:04] Jetzt dieser Vers ist sehr wichtig. Zunächst einmal wird deutlich: Gott gedenkt an seinen Bund. Psalm 106 scheint auf dieselbe Situation anzuspielen, wenn es heißt in Vers 45 und 46: „Und er gedachte an seinen Bund mit ihnen und empfand Mitleid nach seiner großen Gnade und er ließ sie Barmherzigkeit finden bei allen, die sie gefangen hielten.“ Gottes Bund, Gottes Gnade bewirkt, dass diejenigen, die sie gefangen hielten, also die Perser, ihnen jetzt die Tür öffnen, um Jerusalem wieder aufzubauen. Der Aufbau des Tempels, den haben wir ja gesehen in den folgenden Kapiteln, auch die Könige der Perser, die erwähnt sind, sind natürlich offensichtlich Kyros, Darius und Artaxerxes.

[30:57] Entscheidend an diesem Vers ist hier am Ende Vers 9: „und dass sie uns eine Mauer gaben in Juda und Jerusalem.“ Denn offensichtlich ist jetzt zu diesem Zeitpunkt es offiziell erlaubt, die Mauer aufzubauen. Sowohl der Erlass des Kyros als auch der Erlass von Darius, der den Kyros-Erlass bestätigt hat, haben das nicht so explizit erlaubt. Es kann nur der Befehl von Artaxerxes gewesen sein, der so verstanden worden ist, dass jetzt die notwendige rechtliche Grundlage absolut abgesichert ist, dass der Wiederaufbau vollständig vonstatten gehen kann. Und deswegen ist dieser dritte Erlass, der dieses Gesamtpaket an Edikten vervollständigt, der Anfangszeitpunkt für die 490 Jahre aus Daniel 9. Das haben wir uns ja angeschaut und damit auch für die 2300 Jahre aus Daniel 8, Vers 14, das Jahr 457, genau genommen der Spätsommer/Herbst diesen Jahres vom Erlass des Befehls zum Wiederaufbau Jerusalems. Das ist genau dieser Befehl.

[32:00] In Esra 7 und hier in Esra 9 sehen wir, dass tatsächlich Artaxerxes' Befehl aus dem siebten Jahr seiner Regierung so verstanden worden ist, dass jetzt die Könige von Persien die Erlaubnis gegeben haben, offiziell die Mauer wieder aufzubauen.

[32:16] Vers 10. „Und nun, unser Gott, was sollen wir sagen nach alledem? Denn wir haben deine Gebote verlassen.“ Das ist der Ausdruck eines wirklich ungefilterten, unverstellten Schuldeingeständnisses. Was Gott sucht, ist echte Reue, die sich nicht scheut, Sünde beim Namen zu nennen und auch nicht versucht, Ausreden zu finden, sondern die offen und ehrlich sich der Tatsache stellt, dass man versagt hat. Und das ist wichtig, denn auch wir möchten Erweckung und Reformation in unserem Leben immer wieder erleben, auch in unseren Gemeinden. Aber es wird nicht geschehen, wenn wir nicht auch offen und ehrlich unser persönliches Versagen, unsere Zu-Kurz-Kommen, unsere Sünden, unsere Rebellion, unser ständiges Fallen in einer bestimmten Sache Gott gegenüber ganz klar und deutlich bekennen.

[33:07] Vers 11. „Die Gebote verlassen, die du uns durch deine Knechte, die Propheten, befohlen hast, indem du sprachst: ‚Das Land, in das ihr kommt, um es einzunehmen, ist ein unreines Land wegen der Unreinheit der Völker des Landes, wegen ihrer Gräuel und ihrer Verunreinigung, womit sie es von einem Ende bis zum anderen erfüllt haben.‘“ Jetzt geht es also konkret um die Missstände, die in Esra 9, Vers 1 schon angesprochen worden sind. Esra gibt hier offensichtlich kein wörtliches Zitat irgendeiner bekannten Stelle des Alten Testaments. Es sind eher verschiedene Aspekte aus Mose-Zitaten, aus 3. Mose, 5. Mose, die hier gemeinsam paraphrasiert werden. So auch jetzt im nächsten Vers.

[33:44] Vers 12. „So sollt ihr nun eure Töchter nicht ihren Söhnen zur Frau geben.“ Da klingt sehr deutlich 5. Mose 7 an. „Und ihre Töchter nicht für eure Söhne zur Frau nehmen. Und ihr sollt ewig nicht ihren Frieden und ihr Wohlergehen suchen, damit ihr erstarkt und das Gut des Landes esst, ohne es auf eure Kinder vererbt, auf ewige Zeiten.“ Interessant ist diese Formulierung mit dem Frieden und Wohlergehen nicht suchen, denn die findet sich auch in den Büchern Mose, allerdings nicht auf die Kanaaniter, sondern auf die Moabiter und Ammoniter, die ja jetzt hier in Esra 9 auch in der Liste erwähnt werden. 5. Mose 23, Vers 5 bis 7, Vers 4: „Kein Ammoniter oder Moabiter soll in die Gemeinde des Herrn kommen. Auch die zehnte Generation ihrer Nachkommen soll nicht in die Gemeinde des Herrn kommen auf ewig, weil sie euch nicht mit Brot und Wasser entgegengekommen auf dem Weg, als ihr aus Ägypten gezogen seid, und dazu Bileam, den Sohn Beors aus Petor und Aram-Naharaim, gegen euch in Lohn genommen haben, damit er dich verfluche. Aber der Herr, dein Gott, wollte nicht auf Bileam hören, sondern der Herr, dein Gott, verwandelt für dich den Fluch in Segen, denn der Herr, dein Gott, hat dich lieb. Vers 7: Du sollst ihren Frieden und ihr Bestes oder ihr Wohl nicht suchen, alle deine Tage ewiglich.“ Also der Esra, der zitiert bestimmte Aspekte aus den Texten bezüglich der Kanaaniter und dann im gleichen Atemzug auch hier diese paraphrasierte Stelle aus 5. Mose 23, weil es dort um die Moabiter und die Ammoniter geht. Und im Gesamtzusammenhang wird also deutlich, dass er hier bezogen auf die konkrete Situation, denn die Israeliten zu seiner Zeit Ehen eingegangen sind mit den Jebusitern und Kanaanitern und Ammonitern und eben auch den Moabitern und Ammonitern, dass er jetzt aus all diesen Texten eine Zusammenfassung macht, so ähnlich wie wir das im Prinzip auch machen, wenn wir zu einem biblischen Thema eine Ausarbeitung machen und verschiedene Texte dann zusammennehmen und eine Gesamtübersicht erstellen. So macht das Esra auch. Er war ja ein wirklich großer Gesetzesgelehrter.

[35:48] Vers 13. „Und nach alledem, was über uns gekommen ist, wegen unserer bösen Taten und unserer großen Schuld, und doch hast du, weil du unser Gott bist, uns mehr verschont, als unsere Missetaten verdient, und hast uns so viele Entkommene geschenkt.“ Mehr geschont, als wir es verdient hätten. Da erinnern wir uns so ein bisschen vielleicht auch an Psalm 103, die bekannten Worte, die auch uns persönlich immer wieder so viel geben und Hoffnung schenken können. Psalm 103, Vers 10, da heißt es über Gott: „Er hat nicht mit uns gehandelt nach unseren Sünden und uns nicht vergolten nach unseren Missetaten.“ Das ist ein wichtiger Gedanke, dass Gott nicht einfach nur ganz gerecht ohne jegliche Gnade und Liebe abrechnet, sondern dieses väterliche Herz, das hier zum Ausdruck kommt, von dem wusste Esra auch und das zeigt sich auch gleich später in den Aussagen der Inspiration über sein Verhalten während der Reformation, dass er dieses väterliche Herz nicht nur erkannt hat, sondern so sehr angeschaut hat, dass er selbst in dieses Bild verwandelt worden ist.

[37:04] Vers 14. „Sollten wir da wiederum deine Gebote brechen und uns mit diesen Gräuelvölkern verschwägern, würdest du nicht über uns zürnen bis zu unserer Vertilgung, sodass uns kein Überrest und keine Entkommenen mehr blieben?“ Es ist ein wichtiger Gedanke, dass man die Gnade Gottes auch kaputt machen kann, indem man einfach immer wieder dieselben Sünden tut. Wenn Gott mir also vergibt, sollte ich diese Gnade annehmen, indem ich die Sünde eben dann nicht weiter tue durch Gottes Kraft. Jesus hat auch dieses Prinzip deutlich gelehrt in Johannes 5 und dort Vers 14, da sagt er dem Geheilten: „Danach findet ihn Jesus im Tempel und spricht zu ihm: Siehe, du bist gesund geworden; sündige hinfort nicht mehr, damit dir nicht etwas Schlimmeres widerfahre.“ Wir können mit der Gnade Gottes in unserem Leben nicht einfach spielen. Liebe Freund, liebe Freundin, sei dir bewusst, wenn Gott dir eine Sünde vergeben hat, ist es dein Vorrecht durch seine Kraft, diese Sünde auch zu lassen. Wer in Sünde verharrt und nicht sie aufgeben möchte, kann irgendwann nicht mehr gerettet werden. Das ist letztendlich auch die Idee in diesem Vers.

[38:18] Vers 15. „O Herr, du Gott Israels, du bist gerecht, denn wir sind übrig geblieben und entkommen, wie es heute der Fall ist. Siehe, wir sind vor deinem Angesicht in unseren Schulden, denn darum können wir nicht vor dir bestehen.“ Dieser Gedanke, du bist gerecht, gibt es auch in Daniel 9. Das zeigen wir hier nur kurz, um deutlich zu machen, wie sehr Esra sich in seinem Gebet an dem Gebet Daniels orientiert. Das wird sehr wichtig werden, noch dann auch in der nächsten Zukunft im weiteren Studium hier in dieser Serie. In Daniel 9,14 hatte Daniel gebetet: „Darum hat auch der Herr darüber gewacht, das Unheil über uns zu bringen, denn der Herr, unser Gott, ist gerecht in all seinen Werken, die er getan hat, da wir nicht auf seine Stimme gehört haben.“ Esra orientiert sich offensichtlich an dem Gebet von Daniel und Daniels Gebet ist damals direkt beantwortet worden. Daniel hatte sich auf die Bibel bezogen, Daniel hatte mit tiefer Herzenserforschung, mit Demütigung gebetet, aber auch mit einer Dringlichkeit und einer Vertrautheit mit Gott und dieses Gebet wurde sofort erhört damals durch den Engel Gabriel, der dann kam.

[39:36] Interessant ist die Formulierung hier in Vers 15: „wir sind in unseren Schulden.“ „Siehe, wir sind vor deinem Angesicht in unseren Schulden.“ Da gibt es eine ähnliche Formulierung in 1. Korinther 15, Vers 17, wo Paulus davon spricht, dass jemand in seinen Sünden ist. Der Herr sagt nämlich in 1. Korinther 15 und dort Vers 17: „Ist aber Christus nicht auferweckt worden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden.“ In der Sünde zu sein ist dann sozusagen der Zustand von jemandem, der einen nichtigen Glauben hat. Der glaubt zwar Wahrheiten des Evangeliums, aber er ist noch in seinen Sünden und deswegen nützt ihm sein Glaube nichts. Das ist ein vergeblicher Glaube, den Paulus dort in 1. Korinther 15 skizziert oder zeigt, dass es so etwas geben kann, wenn man bestimmte Wahrheiten nicht annimmt und das bedeutet in gewisser Weise, dass es für die Übrigen hier in Jerusalem dasselbe galt. Sie glaubten an die Schriften der Propheten, sie glaubten an den Heiligtumsdienst, aber ihr Glaube war doch im Grunde genommen eigentlich nichtig, weil sie festhielten an dieser Sünde. Wenn man gleichzeitig sich zu Gott bekennt und seine klaren Anweisungen missachtet, vielleicht sogar wiederholt, dann ist der Glaube im Grunde genommen nichtig.

[41:24] Und so betet er mit tiefer Überzeugung, mit tiefem Kummer und er kann es gar nicht fassen, dass das Volk Israel schon wieder dieselbe Sache tut. Vielleicht fragen sich manchmal auch Engel, warum wir in unserem Leben immer und immer wieder in bestimmte Sünden fallen, warum wir vielleicht auch als Volk Gottes immer und immer wieder dieselben Fehler machen, aber es gibt Hoffnung, denn auch in der Zeit Esras gab es einen Wendepunkt. Das war dieses Gebet von Esra.

[42:11] Es heißt hier in Esra 10, Vers 1: „Während nun Esra so betete, so ähnlich wie Daniel in Daniel 9 und sein Bekenntnis ablegte, weinend und hingestreckt vor dem Haus Gottes, versammelte sich zu ihm aus Israel eine sehr große Versammlung von Männern, Frauen und Kindern, denn das Volk weinte sehr.“ Bei Daniel kommt ein Engel als Gebetserhöhung, bei Esra kommt das Volk Gottes als Gebetserhöhung, es kommt zur Reue im Volk. Esras Gebet wird beantwortet. Liebe Freunde, unsere Gebete werden vielleicht unterschiedlich beantwortet, mal kommt ein Engel, mal entsteht eine Erweckung, aber das Gebet wird beantwortet. Die Bibel sagt uns, dass wenn wir unsere Sünden bekennen, Bibel sagt in 1. Johannes 1, Vers 9: „Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.“ Daniel kannte diese Erfahrung als eher nach schwerer Sünde. Seine Sünde bekannte, konnte er die Erfahrung machen in Vers 5: „Da bekannte ich dir meine Sünde und verbarg meine Schuld nicht. Ich sprach: ‚Ich will dem Herrn meine Übertretung bekennen‘, da vergabst du mir meine Sündenschuld.“ Er hatte zum Tempel gebetet und Gott hatte erhört. Genau das hatte Gott in 1. Könige 8, Vers 3 in dem Gebet von Salomo ja auch letztlich verheißen. Das war ja die Idee, dass wenn zum Tempel gebetet wird und zwar nicht einfach nur geografisch, sondern auch geistlich zur Wohnstätte Gottes, zu seinem Thron, dann wird Gott vergeben.

[43:52] Diese Idee, dass jetzt das Volk sich versammelt, das ist so ein Echo auch auf das, was in Joel steht, dass das Volk versammelt werden soll, dass sie gemeinsam beten sollen, ihre Herzen zerreißen sollen, nicht ihre Kleider in Joel 2 und dann wird Gott eingreifen. Er wird den Regen senden, den Spätregen, den Heiligen Geist, den Frühregen und den Spätregen. Und dieses Weinen des Volkes endet vielleicht ein bisschen auch an die Passage in Richter 2, wo der Engel des Herrn selbst damals erschienen ist, ziemlich am Anfang der Richterzeit, das Volk getadelt hat wegen des Abfalls und das Volk dort sehr weinte.

[44:56] Also ganz interessant, welche Rolle hier der Schahaja spielt. Es gibt Hoffnung, denn Gott ist gnädig und barmherzig. So hat er sich in 2. Mose 34, Vers 6 und 7 offenbart. Er hatte nicht nur Gebote gegeben, er hatte deutlich gemacht, dass er Sünde vergeben kann.

[45:22] Vers 34, Kapitel 34, Vers 6 und 7: „Und der Herr ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: ‚Der Herr, der Herr, der starke Gott, der barmherzig und gnädig ist, langsam zum Zorn und von großer Gnade und Treue, Tausenden Gnade bewahrt und Schuld, Übertretung und Sünde vergibt, aber keineswegs ungestraft lässt, sondern die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern und Kindeskindern bis in das dritte und vierte Glied.‘“ In Jesaja 55, Vers 6 und 7 hatte Gott die Israeliten eingeladen, umzukehren von ihren bösen Gedanken, von ihren bösen Wegen, denn Gottes Gnade ist ausreichend da für jeden.

[45:55] Vers 3. „Lasst uns nun einen Bund schließen mit unserem Gott, dass wir alle Frauen, die von ihnen geboren sind, hinaustun nach dem Ratschluss des Herrn und derer, die das Gebot unseres Gottes fürchten, und es soll nach dem Gesetz gehandelt werden.“ Immer wieder finden wir in der Geschichte Israels, dass das Volk einen Bund mit Gott geschlossen hat, wenn es zu einer echten Erweckung und Reformation kam. Unter Jojada und vor allem auch unter Josia werden solche Bündnisse, öffentliche Bündnisse beschrieben. Es sollte nach dem Gesetz gehandelt werden. In Jesaja 8, Vers 20, da heißt es: „Zum Gesetz und zum Zeugnis! Wenn sie nicht so sprechen, gibt es für sie kein Morgenrot.“

[46:57] Ellen White beschreibt etwas über den Charakter Esras: Esras Beweggründe waren edel und heilig. Bei allem, was er tat, drängte ihn eine tiefe Liebe zu den Menschen. Das Mitleid und Zartgefühl, das er denen gegenüber zeigte, die vorsätzlich oder unwissend gesündigt hatten, sollte all denen, die Reformen durchführen wollen, ein anschauliches Beispiel sein. Die Diener Gottes müssen unerschütterlich wie ein Fels sein, wo echte Grundsätze es erfordern. Gleichzeitig aber müssen sie auch Mitgefühl und Geduld zeigen. Und heute braucht es mehr denn je Männer, die so wie Esra sind, die im Grundsatz unverrückbar sind, aber im Umgang mit den Sündern voller Liebe und Geduld und Sympathie sind.

[47:42] Vers 4. „Steh auf, denn du musst handeln in dieser Sache. Wir wollen dir beistehen. Führe es mutig aus.“ Esra war ja aufgrund des Erlasses von Artaxerxes beauftragt, auch zivilrechtlich sich solchen Angelegenheiten zu widmen. Und Hebräer 10, Vers 24 sagt uns: „Wir sollen uns gegenseitig zu guten Werken anspornen, auch zu Werken der Reformation in unseren Gemeinden.“

[48:05] Vers 5. „Da stand Esra auf und nahm einen Eid von den Obersten der Priester, der Leviten und ganz Israel, dass sie nach diesem Wort handeln wollten, und sie schworen.“ Die Obersten, die Leitung wird auf dieses Werk der Reformation eingeschworen.

[48:14] Vers 6. „Und Esra stand auf von dem Platz vor dem Haus Gottes und ging in die Kammer Johanan's, des Sohnes Eliaschibs. Er ging dort hinein und aß kein Brot und trank kein Wasser, denn er trug Leid wegen des Treuebruchs derer, die weggeführt gewesen waren.“ Eliaschib ist dann später zur Zeit von Nehemia der Hohepriester und auch Johanan kommt dort vor. Dieses „kein Brot und kein Wasser“ erinnert sehr stark von der Formulierung an Mose nach der Episode mit dem goldenen Kalb. Und es zeigt auch, wie Esra diesen ganzen Missstand bewertet hat. Auch Daniel hat ja in seinem Gebet oder im Zuge seines Gebetes gefastet.

[48:48] Vers 7. „Und man ließ den Juden und Jerusalem an alle Kinder der Wegführung einen Ruf ergehen, dass sie sich nach Jerusalem versammeln sollten.“ Da haben wir diesen Ruf, so wie in Joel 2. Das ganze Volk soll zusammenkommen in Jerusalem. Und ähnlich war es auch zur Zeit von Hiskia gewesen. Auch dort ging eine Botschaft, damals durch ganz Israel, auch in die ehemaligen Nordgebiete, um sich einzufinden zu dem Passahfest, das Hiskia veranstaltete.

[49:16] Vers 8. „Wer aber binnen drei Tagen gemäß dem Rat der Obersten und Ältesten nicht kommen würde, dessen ganze Habe sollte mit dem Bann belegt und er selbst aus der Gemeinde der Weggeführten ausgeschlossen werden.“ Also das wurde mit allerhöchster Dringlichkeit behandelt und das war ja durch den Befehl des Artaxerxes ausdrücklich auch so gedeckt, wie Esra 7, Vers 26 zeigt.

[49:37] Vers 9. „Da versammelten sich alle Männer von Juda und Benjamin in Jerusalem auf den dritten Tag, das war der 20. Tag des 9. Monats. Das ganze Volk saß auf dem Platz vor dem Haus Gottes, zitternd um der Sache willen und wegen des strömenden Regens.“ Der 9. Monat, das ist der Kislev und das ist November/Dezember. Und das war besonders kalt und regnerisch in dieser Gegend zu dieser Zeit. Das ist übrigens mehr als vier Monate nach der Ankunft von Esra und seiner Gruppe. Also es ging auch nicht über Nacht diese ganze Angelegenheit, sondern hat eine gewisse Zeit gebraucht, bis man mal diesen Schluss gefasst hatte und überhaupt auch sich dieses Problems angenommen hatte.

[50:21] Vers 10. „Und Esra, der Priester, stand auf und sprach zu ihnen: Ihr habt eine Treulosigkeit begangen und habt fremde Frauen heimgeführt, womit ihr die Schuld Israels noch größer gemacht habt.“

[50:41] Vers 11. „So legt nun dem Herrn, dem Gott eurer Väter, ein Bekenntnis ab und tut, was ihm wohlgefällig ist, und sondert euch ab von den Völkern des Landes und von den fremden Frauen.“ Die Erweckung und Reformation hier hat einen sehr einfachen Schlüssel: echtes Sündenbekenntnis, das die Sünde beim Namen nennt und dann lässt. Das war Esras Programm und das soll doch unser Programm für Erweckung und Reformation sein. Mit Liebe und Taktgefühl Sünde beim Namen nennen und Menschen dazu ermutigen, die Sünde zu lassen. Denn die Bibel sagt in Sprüche 28 und dort Vers 13: „Wer seine Schuld verheimlicht, dem wird es nicht gelingen. Wer sie aber bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen.“ Gott kann jede Sünde vergeben, aber sie muss bekannt sein. Wir müssen bereit sein, uns zu verändern und durch die Herzenserneuerung können wir dann Gottes guten Willen tun. Hebräer 13, Vers 21 sagt uns in diesem wunderschönen Vers von Paulus: „Er rüste euch völlig aus zu jedem guten Werk, damit ihr seinen Willen tut, indem er in euch das wirkt, was vor ihm wohlgefällig ist durch Jesus Christus. Ihm sei die Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“ Durch Jesus können wir das tun, was Gott wohlgefällig ist.

[52:13] Vers 12. „Da antwortete die ganze Gemeinde und sprach mit lauter Stimme: ‚Es soll geschehen, wie du uns gesagt hast.‘“

[52:21] Vers 13. „Aber das Volk ist zahlreich und es ist Regenzeit, so dass man nicht hier draußen stehen kann, und es ist auch nicht ein Werk von einem oder zwei Tagen, denn wir haben in dieser Sache viel gesündigt.“ Das Problem ist so groß, es kann nicht schnell behoben werden. Die Umstände sind auch gerade nicht gerade förderlich. Es regnet, das Volk sitzt und steht zitternd, bibbernd im Regen und das ist keine Sache von ein paar Stunden. Und weil die Umstände und die Schwere der Sünde eine schnelle Lösung unmöglich machen, braucht die Reformation in der Gemeinde Zeit. Auch das müssen wir lernen aus dem Buch Esra. Missstände im Volk Gottes werden nicht von einem Tag auf den anderen behoben. Es braucht mitunter Zeit aufgrund der Umstände und auch aufgrund der Tatsache, weil manche Missstände eben sich sehr tief eingegraben haben in die Gemeinde.

[53:07] Nun, das Volk macht einen guten Vorschlag. Vers 14: „Lasst doch unsere Obersten für die ganze Gemeinde einstehen und alle aus unseren Städten, die fremde Frauen heimgeführt haben, sollen zu ihnen zu bestimmten Zeiten kommen und mit ihnen die Ältesten jeder Stadt und deren Richter, bis der glühende Zorn unseres Gottes, der auf uns ist, solange diese Sache weit von uns abgewandt wird.“ Es soll eine systematische, schrittweise Aufarbeitung geben und interessanterweise gibt es gegen diesen Vorschlag Gegenstimmen.

[53:32] Vers 15. „Nur Jonathan, der Sohn Asachels, und Jaaseja, der Sohn Tigwas, standen dagegen auf, und Mischollam und Sabbtai, der Levit, unterstützten sie.“

[53:44] Vers 16. „Und die Kinder der Wegführung machten es so.“ Also wie der Vorschlag Vers 14 gewesen war. „Der Priester Esra sonderte sich Männer aus, die Familienhäupter ihrer Stammhäuser, und diese alle mit Namen bezeichnet, die setzten sich am ersten Tag des 10. Monats zusammen zur Untersuchung der Angelegenheit.“ Der Vorschlag geht voran und zwar trotz Gegenstimmen mit einer Mehrheitsentscheidung. Manchmal gibt es ja die Idee, dass Mehrheitsentscheidungen nicht das Wirken des Heiligen Geistes sind, aber hier haben wir eine klare Mehrheitsentscheidung mit ein paar Gegenstimmen, die doch das Wirken des Geistes gewesen ist und zur Reformation dem Volk beigetragen hat. Der 10. Monat ist der Monat Tebet, das ist dann Dezember/Januar, also man setzt sich bald zusammen und untersucht die Angelegenheit, denn das Gesetz Gottes in den Büchern Mose verlangt ausdrücklich die grundsätzlich genaueste Erforschung des Sachverhaltes. Das wird da deutlich gemacht. Man kann nicht einfach nur aufgrund von Hörensagen Menschen verurteilen.

[54:35] Vers 17. „Und sie erledigen die ganze Angelegenheit der Männer, die fremde Frauen heimgeführt hatten, bis zum ersten Tag des ersten Monats“, also bis ins Frühjahr hinein, bis März/April, das ist der erste Monat Nisan. Es dauerte also volle drei Monate, all die unrechtmäßigen Verbindungen aufzulösen, weil es so viele Fälle gab. Das heißt, wie wir schon gesehen haben, es braucht ein bisschen Zeit, aber das ist auch sehr wichtig. Das gesamte Volk war von diesem Missstand befreit nach drei Monaten. Es brauchte nicht 30 Jahre. Man hat also sehr zügig das Ganze untersucht, schon zum nächsten Passahfest, was ja dann am 14. Nisan, zwei Wochen später, dann begonnen hatte, war die Sache komplett erledigt.

[55:18] Was war also das Geheimnis der Erweckung und Reformation? Esra betete von ganzem Herzen, mit tiefer Überzeugung, mit dem Wort Gottes in der Hand und er hat dieses Gebet von Daniel auch als Echo im Hinterkopf gehabt. Dann gibt es eine Gebetserhöhung, das Volk kommt teilweise schon zusammen. Alle, die auch das so ähnlich gesehen haben und sie schlagen eine Erweckung und Reformation vor. Die Leitung wird mit einbezogen, sie sollen sich darum kümmern. Es wird die Sünde klar beim Namen genannt und mit christlichem Taktgefühl werden die Sünder überführt und zur Umkehr gebracht. Das Ganze geht systematisch und schrittweise voran. Es wird nichts überstürzt, sondern es wird genau untersucht. Man will auch niemandem etwas Falsches unterstellen oder über das Ziel hinausschießen und das Ganze wird aber zügig durchgeführt. Von drei Monaten ist dieser Missstand im Volk Gottes behoben. Was für ein wunderbares Vorbild, eine quasi Blaupause auch für unsere Zeit mit Missständen im Volk Gottes umzugehen. Mögen wir den Geist von Esra haben, so Missstände im Volk Gottes anzusprechen.

[56:32] Vers 18. Das Buch endet jetzt mit einer Liste der Schuldigen. Wir haben ja schon zwei Listen von Erweckten gehabt. Hier endet es mit einer Liste derjenigen, die diese Missstände über das Volk gebracht hatten. Und es wurden unter den Söhnen der Priester, die fremde Frauen heimgeführt hatten, gefunden: Von den Söhnen Jeschuas, des Sohnes Jotsedaks, und seinen Brüdern: Maaseja, Elieser, Jareb und Gedalja. Da werden die Namen aufgeschrieben. Für die Priester galten ja ohnehin besondere Ehestandards, die man nachlesen kann in den Büchern Mose, auch bei Hesekiel. Interessant ist, der Jeschua, der Sohn Jotsedaks, war ja der Hohepriester zur Zeit von Serubbabel. Das ist der Hohepriester, der in Esra mehrmals erwähnt wird, den wir in Haggai kennen und vor allem in Sacharja 3 ab Vers 1. Er war ein Mann Gottes, der mit Visionen gestärkt worden ist und ein Gott Großes getan hatte, wie uns Sacharja 3 zeigt. Und trotzdem waren seine Nachkommen auch hier am Abfall beteiligt.

[57:44] Vers 19. „Die gaben ihre Hand darauf, dass sie ihre Frauen ausstoßen und, weil sie schuldig geworden waren, einen Widder für ihre Schuld opfern würden.“ Den Widder als Schuldopfer finden wir in 3. Mose 5 und auch Vers 15. Und jetzt kommen hier weitere Namen.

[57:56] Vers 20. Von den Söhnen Imers: Hanani und Sebaja. Von den Söhnen Harims: Maaseja, Elia, Schemaja, Jachiel und Usija. Von den Söhnen Paschurs: Eljoenai, Maaseja, Jischmael, Netanael, Josabad und Elieser. Von den Leviten: Josabad, Simei, Kelia (das ist Kelita, ein schönes Beispiel für einen Mann mit abweichender Namensgebung), Petachja, Juda und Elieser. Interessant ist wieder die Reihenfolge. Dann hier Vers 24: Von den Sängern: Eljasib. Von den Torhütern: Schalumm, Telem und Uri. Dieselbe Reihenfolge: Priester, Leviten, Sänger und Tempeldiener, wie auch schon in den anderen Listen.

[58:25] Vers 25. Ab hier kommen jetzt die anderen Israeliten. Und von Israel: Von den Söhnen des Parosch: Ramja, Jisija, Malkija, Miamin, Elieser, Malkija und Benaja. Von den Söhnen Elams: Matanja, Sacharja, Jachiel, Abdi, Jeremot und Elia. Von den Söhnen Satus: Eljoenai, Eljasib, Matanja, Jeremot, Sabat und Asisa. Von den Söhnen Bebais: Johanan, Hananja, Sebai, Adlai. Von den Söhnen Bani: Mischullam, Maloch, Adaja, Jasub, Scheal und Jeremot. Von den Söhnen Par-Moabs: Adna, Kelal, Benaja, Maaseja, Matanja, Bezaleel, Benuj und Manasse. Von den Söhnen Harims: Elieser, Jischija, Malkija, Schemaja, Simon, Benjamin, Maloch, Schemaja. Von den Söhnen Haschums: Mattenai, Mattatta, Sabat, Elifelet, Jeremia, Jeremai, Manasse, Simei. Von den Söhnen Bani: Machnadai, Aram und Uel, Benaja, Bedja, Keluhu, Bania, Meremot, Eljasib, Matanja, Mattenai, Jassai, Bani, Benuj, Simei, Schlemja, Nathan, Adaja, Machnadbai, Sazai, Sarai, Asariel, Schlemja, Schemaja, Schalumm, Amja, Josef. Von den Söhnen Nebus: Joel, Mattitja, Sabat, Sibnai, Jadau, Joel, Benaja. Viele von diesen Sippen kennen wir schon aus Esra 2, entsprechend auch aus Esra 7. Und da schließt sich noch einmal so der Bogen.

[59:54] Dieses Buch endet mit der Zusammenfassung in Vers 44: „Diese alle hatten fremde Frauen genommen, und unter diesen Frauen waren etliche, die Kinder geboren hatten.“ Das Buch endet mit einer Beschreibung, einer tiefgreifenden Reform und insbesondere mit der konkreten Benennung von Sünde und Sünder. Wir ahnen aber irgendwie, diese Sache ist noch nicht zu Ende. Die Stadt ist noch nicht aufgebaut. Das Buch endet so ein bisschen in der Luft sozusagen, und das ist der Grund, warum direkt danach sich dann Nehemia anschließt. Wir werden das dann ab der nächsten Woche studieren, wie das Buch Nehemia jetzt den roten Faden aufnimmt und diese Geschichte weitererzählt, die hier jetzt angestoßen worden ist durch das Kommen von Esra und durch seine Reformation, die durch diese Erweckung entstanden ist.

[1:00:48] Wir wollen uns heute am Ende dieses Buches fragen: Angesichts der Dinge, die wir hier am Ende gelesen haben, gibt es Dinge in deinem und in meinem Leben, die gegen Gottes ausdrückliches Gebot verstoßen? Sind dir Dinge bewusst, von denen du weißt: Gott hat es gesagt, und ich habe schon mehrfach dagegen gesündigt, und Gott hat mir Gnade gegeben, aber ich bin wieder zurückgefallen. Ich tue es schon wieder. Bist du bereit, diese Sache zu bekennen und zu lassen? Bist du bereit, Teil einer tiefgreifenden Erweckung und Reformation im Volk Gottes zu werden? Gott segne dich in deiner Entscheidung und gebe dir seinen Heiligen Geist, damit er dich von Sünden überführt und sein Gesetz in dein Herz schreiben kann. Möge Gott uns alle mit seinem Geist erfüllen. Gott segne dich im Studium seines Wortes und wir sehen uns hier in der nächsten Woche und dann wollen wir uns dem Buch Nehemia widmen. Gottes Segen euch. Amen.


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