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Manuskript zur Sendung >>> CSH_Manuskript_2019 4th (Special) Nr 9

In dieser Folge von Esra & Nehemia wird der Fokus auf Nehemia Kapitel 7, Vers 5 bis Kapitel 8, Vers 8 gelegt. Es wird die detaillierte Aufzählung der Rückkehrer aus dem babylonischen Exil untersucht und die Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten mit der Liste in Esra Kapitel 2 beleuchtet. Ein zentrales Thema ist die Bedeutung der genauen Auslegung und Verkündigung des Wortes Gottes, wie sie im Buch Nehemia eindrücklich dargestellt wird. Die Lektionen aus diesem Abschnitt betonen die Wichtigkeit des gemeinsamen Studiums der Schrift und die Rolle von Leitern wie Esra und Nehemia bei der Wiederherstellung des Volkes Gottes.


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Serie: Cannstatt Study Hour - Spezial 2019 Q4: Esra & Nehemia

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Transkript

[0:00] Hallo und herzlich willkommen zur Cannstatt Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Ein herzliches Willkommen gilt auch allen Zuschauern auf Amazing Discoveries. Zur nächsten Folge unserer Spezialserie über die Bücher Esra und Nehemia, in denen wir Vers für Vers diese so wichtigen und für unsere Zeit so aktuellen Bücher unter die Lupe nehmen, studieren, den historischen Hintergrund auch anschauen, um zu sehen, was Gott uns heute sagen möchte, die wir das Werk in unserer Zeit vollenden wollen.

[0:54] Wir haben gesehen, wie im Buch Esra drei Edikte dem Volk Israel die Gelegenheit gegeben hatten, Gottes Plan des Wiederaufbaus für Jerusalem umzusetzen. Der Edikt von Kyros dem Großen, Darius dem Großen und dann Artaxerxes im Jahre 457 v. Chr. Wir haben gesehen, wie im Zuge dieser Erlasse zunächst einmal der Tempel vollständig aufgebaut worden ist, nach längerer Zeit unter Mitwirkung von Haggai und Sacharja, unter Serubbabel und Joschua und wie dann im siebten Jahr des Artaxerxes unter Esra eine weitere große Welle nach Jerusalem zurückkehrte, wie es dort zu einer Reformation kam. Und dann haben wir im Buch Nehemia gesehen, wie im 20. Jahr des Artaxerxes Nehemia die Erlaubnis bekommt, seine Position dort am Persischen Hof aufzugeben, um die Stadt Jerusalem endgültig wieder aufzubauen. Das Werk war immer noch nicht vollendet worden und nachdem er sich alles gründlich angeschaut hat, hat er gegen den immer massiver werdenden Widerstand der umgebenden Völker die Mauer mit Gottes Hilfe und den vereinten Kräften des Volkes in nur 52 Tagen aufgebaut. Wenn wir in der letzten Folge angeschaut, am 21. September 444 war die Mauer vollendet.

[2:16] Das Buch Nehemia ist aber noch zur Hälfte, ist aber erst zur Hälfte studiert. Wir haben noch einige Kapitel, wir haben noch fünf Folgen und die Frage ist jetzt, was gibt es noch zu studieren, wenn die Mauer vollendet ist? Und es gibt einiges, was wir jetzt noch sehen wollen. Das Buch Nehemia endet nicht mit der Vollendung dieser Aufgabe, es gibt noch mehr zu entdecken und da wollen wir heute weitermachen mit einem vielleicht durchaus auch ungewöhnlichen oder zumindest etwas nicht so oft studierten Abschnitt aus dem Buch Nehemia, der uns auch ein wenig herausfordern wird, wie wir gleich sehen werden. Aber wenn wir dort Geduld mitbringen, dann werden wir auch wirklich Spannendes entdecken können.

[2:53] Und bevor wir da genau hineintauchen, wollen wir mit einem Gebet Gott einladen, unsere Gedanken zu führen. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen für das Buch Nehemia und die viele Freude, die wir schon gehabt haben im Studium von Esra Nehemia und dass wir so viele praktische Lektionen lernen können für unsere Zeit und für die Vollendung des Werkes. Wir möchten dich bitten, dass du auch heute bei diesem Thema, das durchaus nicht das Einfachste ist, diesem Buch von Nehemia, dass du uns führst, dass du uns richtige Gedanken schenkst, dass du uns in alle Wahrheit führst, dass wir Vertrauen zu deinem Wort bekommen und dass unser Vertrauen gefestigt wird und dass wir Dinge lernen, die uns helfen, dir nachzufolgen im Alltag. Und dieses Werk, das du uns gegeben hast zu vollenden, das bitten wir im Namen Jesu. Amen.

[3:43] Wir beginnen heute in Nehemia 7, Vers 5 und werden dann bis Kapitel 8, Vers 8 gehen. Kapitel 7, Vers 5. Da gab mir mein Gott ins Herz, die Vornehmsten und die Vorsteher und das Volk zu versammeln, um sie nach ihren Geschlechtern aufzuzeichnen. Und ich fand das Buch mit dem Geschlechtsregister derer, die zuerst heraufgezogen waren und fand darin geschrieben.

[4:10] Es ist Nehemia, der hier spricht und er sagt, dass sein Gott, das ist eine ganz typische Ausdrucksweise von Nehemia, die wir schon in Kapitel 5, Vers 19 und Kapitel 6, Vers 14 gesehen haben, dass Gott ihm etwas ins Herz gegeben hat. Diese Ausdrucksweise kennen wir aus dem Buch Esra. Dort hatte Esra über Artaxerxes gesagt, in Esra 7, Vers 27: „Gelobt sei der Herr, der Gott unserer Väter, der dies dem König ins Herz gegeben hat, um das Haus des Herrn in Jerusalem zu verherrlichen.“ Da ging es darum, dass obwohl der Tempel schon gebaut war, Gott dem Artaxerxes diese Idee eingegeben hatte, den Tempel noch zu verherrlichen. Und auch hier sehen wir, dass Gott offensichtlich noch etwas vorhat. Die Mauer ist zwar gebaut, wir haben es ja letztes Mal gesehen, noch gibt es vieles zu bauen innerhalb der Stadt, aber Gott hat etwas vor und das hat mit Geschlechtsregistern zu tun.

[5:07] Gott ist offensichtlich nicht gegen die statistische Erhebung der Anzahl der Mitglieder des Volkes Gottes. Es gibt ja manchmal so hin und wieder Stimmen, die sagen, dass man Gottes Volk gar nicht zählen sollte. Man nimmt dort Bezug auf die Geschichte der Volkszählung Davids, die ja mit einem Gericht Gottes endet. Aber wenn man das genau dort studiert, im Kontext der Geschichte Davids, stellt man fest, dass es die unlauteren Motive waren, die David angetrieben haben, die das Gericht Gottes dann nach sich zogen und auch die Sünden des Volkes. Hier haben wir ein gutes Beispiel dafür, dass Gott selbst es initiiert, dass das Volk aufgeschrieben wird. Eine statistische Erhebung gibt und das zeigt uns auch, wir sammeln ja immer so Leiterschaftslektionen, dass es durchaus richtig und angemessen ist, in einem angemessenen Umfang auch statistische Aufzeichnungen zu führen über das Volk Gottes.

[6:00] Und Nehemia tut das nicht einfach so aus dem Bauch heraus, sondern er möchte ganz bewusst anschließen an die bereits bestehenden Register. Und so heißt es ja hier, dass er das Buch mit dem Geschlechtsregister fand, die zuerst darauf gezogen waren. Er bezieht sich hier auf die allererste Auswanderungswelle unter Joschua und Serubbabel, die 91 Jahre vorher stattfand und die wir ja bereits studiert haben in Esra 1 und 2. Und dort in Esra 2 findet sich genau diese Liste, die jetzt hier zum Tragen kommt, die er jetzt hier noch einmal wiederentdeckt und auf die er sich jetzt offensichtlich auch beziehen möchte. Nehemia nimmt also ganz bewusst Bezug auf das, was vor Generationen zuvor die Pioniere dieses Werkes getan haben. Und diese Idee, die behalten wir im Hinterkopf, denn die wird jetzt noch gleich ganz wichtig.

[7:04] Und wir finden jetzt in den nächsten Versen von Nehemia, dass die Liste aus Esra 2 im Wesentlichen kopiert wird. Es heißt hier in Vers 6: „Dies sind die Söhne der Provinz Juda, die heraufgezogen sind aus der Gefangenschaft der Weggeführten, die Nebukadnezar, der König von Babel weggeführt hatte und die wieder nach Jerusalem und Juda zurückkehrten, jeder in seine Stadt.“ Und wenn man das mit Esra 2 und dort Vers 1 vergleicht, stellt man fest, es ist ein wortwörtliches Zitat. Der ganze Rest von Esra 7, also die fast noch über 60 Verse, die jetzt folgen, sind eigentlich eine Kopie von Esra 2.

[7:43] Und da könnte man denken, naja, okay, dann kann man ja gleich zu Kapitel 8 gehen. Aber so leicht ist es nicht, denn obwohl es ganz offensichtlich eine direkte Kopie ist, ist das Kapitel problematisch. Und das hat damit zu tun, dass wenn man genau liest, was wir jetzt tun, nicht alle Angaben immer gleich identisch sind, sondern dass es sogar einen ganzen Teil erheblicher Abweichungen gibt. Und die wollen wir zunächst einmal hier dokumentieren und dann uns Gedanken machen, was dem zugrunde liegt. Also wir lesen jetzt gemeinsam Nehemia 7 und schauen dann immer sozusagen, was identisch ist mit Esra 2, den jeweiligen entsprechenden Versen und wo es Abweichungen gibt.

[8:24] In Vers 7 heißt es: „Die mit Serubbabel, Joschua, Nehemia, Asarja, Raamja, Nahamani, Mordechai, Bilschan, Mispar, Begwai, Nehum und Baana gekommen sind.“ Dies ist die Zahl der Männer des Volkes Israel. Wir haben im Sendemanuskript auch alle abweichenden Schreibungen festgehalten. Zum Beispiel heißt Asarja in Esra Seraja, Raamja heißt in Esra Re, Elaja, Mispar heißt Misba, Nehum heißt Rehum. Da gibt es also Varianten in der Schreibung, die zum Teil einfach nur simple Orthografie-Varianten sind und auch in den Manuskripten dann unterschiedlich anzutreffen sind. Interessant ist aber, dass hier eine Person noch erwähnt wird, nämlich Nahamani, der in Esra nicht vorkommt. Und da haben wir schon den ersten Hinweis darauf, dass es also bei diesen beiden Listen nicht einfach nur um eine Kopie mit ein paar Rechtschreibvarianten geht, sondern dass hier auch etwas noch ergänzt wird und dass diese beiden Listen sozusagen ein bisschen auch additiv, zusammenhängend gelesen werden müssen. Denn nach Nehemia 7, und das haben wir schon damals im Studium von Esra 2 vermerkt, waren es zwölf Leiter, die hier erwähnt waren und in Esra waren es ja nur elf. Und das passt eigentlich sehr gut zu dieser Idee der Zwölfzahl im Volk Israel, die ja immer wieder eine Rolle spielt.

[9:44] Vers 8. Das ist identisch, genauso wie Vers 9. Hier fehlen 123 Personen, in Esra sind es 775. Hier sind sechs Personen mehr vermerkt. Das ist identisch. Hier fehlen 100, die in Esra vermerkt sind. Das ist identisch. Hier sind sechs mehr als in Esra. Das sind fünf mehr als in Esra. Vers 17. Hier sind tatsächlich 1100 Menschen mehr verzeichnet als im entsprechenden Vers in Esra. Das ist einer mehr als die 666 in Esra. Elf mehr auch in 19. Das entspricht den 2056 in Esra. Vers 20. Das sind auch noch mal 201 Personen mehr als in Esra, wo 454 aufgezählt sind. Der nächste Vers ist identisch.

[11:27] Ab hier beginnt auch die Reihenfolge der Aufzählungen nicht immer ganz identisch zu sein. Hier bezieht man sich auf Esra 2, Vers 19. Die Zahl ist ebenfalls um 105 Personen größer als in Esra. Vers 23. Das ist einer mehr als in Esra. Sehr viele dieser Zahlen sind nicht identisch mit dem, was in Esra geschrieben steht. Es geht weiter in Vers 24. Hier haben wir nur eine andere Schreibung. In Esra handelt es sich um Jorah. Offensichtlich haben oftmals in der Bibel Personen verschiedene Namen. Das finden wir mit Israel und Jakob und an vielen anderen Stellen. Levi, Matthäus im Neuen Testament ist da ein Beispiel. Gibion, 25. Die Söhne Gibions sind 95. Der heißt Giba in Esra. Vers 26. Die werden in Esra auf zwei Verse verteilt und getrennt aufgeführt und ergeben dort zusammen nur 179, sodass also auch hier 9 Personen mehr erwähnt werden. Die nächsten beiden Verse sind identisch mit Esra. Dort heißt es nämlich die Männer von Anatot, 128. Die Männer von Beth-Asmavet, 42.

[12:52] Vers 29. Auch hier nur die Schreibung von Kirjat-Jearim anders. Die Männer von Rama und Geba, 621. Ist identisch genauso wie auf Vers 31. Die Männer von Mikmas, 122. Und dann aber die Männer von Bethel und Ai, 123. Hier fehlen 100 Personen. Identisch wieder in Vers 33 die Männer des anderen Nebo, 52. Dann wird ein Vers aus Esra hier komplett ausgelassen, nämlich Esra 2, Vers 30. Die Söhne von Makbetsch, 156. Die fehlen hier. Dann die nächsten Verse sind alles Originalzitate. Die Söhne des anderen Elam, 1254. Die Söhne Harims, 320. Die Söhne Jerichos, 345. Die Söhne Lod, Hadid und Ono, 721. Hier wieder vier weniger. In Vers 38 die Söhne Senas, 3930. Hier werden 300 zusätzlich erwähnt. Dann bis Vers 42 wieder Originalzitate.

[13:58] Die Söhne von den Priestern, die Söhne Jedajas vom Haus Jeschuas waren 973. Die Söhne Immers, 1052. Die Söhne Paschurs, 1247. Die Söhne Harims, 1017. Also bei den Priestern hier haben wir identische Zahlen. 43 von den Leviten, die Söhne Jeschuas von Kadmiel und den Söhnen Hodevas waren 74. Hier nur eine andere Schreibweise. Vers 44 von den Sängern, die Söhne Asafs waren 148. Hier werden 20 mehr erwähnt. Vers 45 von den Torwächtern, die Söhne Schallems, die Söhne Asaf, die Söhne Talmons, die Söhne Akkus, die Söhne Hatias, die Söhne Schobai waren 138. Hier fehlt eine.

[14:38] Der nächste Vers ist identisch von den Tempeldienern. Die Söhne Zihas, die Söhne Hasufas, die Söhne Tabbaots. Dann haben wir die Söhne deskeros, die Söhne Sias, der in Esra Siha heißt. Und die Söhne Padons, die Söhne Lebanas, die Söhne Hagabas, die Söhne Salmeis. Und hier werden jetzt sowohl die Söhne Akkus als auch die Söhne Hagabs aus Esra 2, 45 und 46 ausgelassen. Dadurch verschiebt sich ein bisschen die Aufzählung in der Versreihenfolge.

[15:08] Dann haben wir Vers 49, die Söhne Hanans, die Söhne Gidals, die Söhne Gahas, die Söhne Rejas, die Söhne Nekodas, die Söhne Gassams, die Söhne Ussas, die Söhne Paseas. Und dann Vers 52, die Söhne Besais, die Söhne der Meuniter, die Söhne der Nephusiter. Da fehlen hier die Söhne Asnas aus Esra 2, Vers 50. Vers 53 ist dann identisch, die Söhne Bagbux, die Söhne Hakufas, die Söhne Hachus. In Vers 54 nur die Schreibung von Baslit, der dort Baslut in Esra heißt anders. Die Söhne Baslit, die Söhne Mehidas, die Söhne Harsas, die Söhne Barkos, die Söhne Sisera, die Söhne Tama.

[15:46] Das ist wiederum identisch, genau wie Vers 56, die Söhne Neziachs, die Söhne Hatifas. Dann hat 57 die Söhne der Knechte Salomos, die Söhne Sothai, die Söhne Soferet, die Söhne Perida, der heißt Peruda in Esra. Dann wieder identisch, 58 die Söhne Jaalas, die Söhne Darkon, die Söhne Giddels, die Söhne Schefatia, die Söhne Hattil, die Söhne Pokeret-Sebaim. Die Söhne Amon, der in Esra Ami heißt. 60 identisch, die Zahl aller Tempeldiener. Und Söhne der Knechte Salomos betrug 392. Und dann heißt es, und diese zogen auch mit herauf aus Tel-Melach, Tel-Harsa, Kerub-Adon, das ist Adon in Esra und Immer. Konnten aber das Haus ihrer Väter und ihre Abstammung nicht nachweisen, ob sie aus Israel seien.

[16:35] Dann Vers 62, die Söhne Delaja, die Söhne Tobia, die Söhne Nekoda, 642. Hier fehlen noch einmal 10 gegenüber dem Bericht in Esra. Dann haben wir in Vers 63 von den Priestern, die Söhne Hobaja, die Söhne des Hakos, die Söhne Barzillai, der eine Frau von den Töchtern Barzillais des Gileaditers genommen hatte und nach deren Namen genannt worden war. Hobaja wird Habaja in Esra geschrieben.

[17:02] Die nächsten Verse sind dann weiter identisch. Diese suchten ihr Geschlechtsregister und als sie es nicht fanden, wurden sie als unrein vom Priestertum ausgeschlossen. Und der Stadthalter sagte ihnen, dass sie nicht vom Hochheiligen essen dürften, bis ein Priester für die Urim und die Tumim aufstände. Die Einzelheiten, die hier historisch stehen, haben wir im Studium von Esra 2 schon ausführlich behandelt. Was bringt uns jetzt zu Vers 66, der auch identisch ist? Die Gesamtzahl der ganzen Gemeinde betrug 42.360.

[17:30] Jetzt stellt sich vielleicht die Frage, warum diese penible Aufzählung der ganzen Unterschiede? Nun zunächst einmal fällt auf, es handelt sich, mal abgesehen von den verschiedenen Schreibweisen und den Namensvarianten, die man im Wesentlichen einfach als orthografische Varianten abtun kann oder vermerken kann, oder halt auch in manchen Fällen, dass eine Person wohl offensichtlich zwei Namen hatte, was auch nicht ungewöhnlich ist. Es handelt sich doch um sehr viele statistische Abweichungen. Die Zahlen sind mindestens so gefühlt bei der Hälfte der Personen oft anders. Und manchmal um ein, zwei, drei, eine kleine Anzahl, manchmal bis zu tausend und mehr Unterschied. Und das stellt die Frage, was hier los ist.

[18:16] Das ist natürlich schon Bibellesern immer wieder aufgefallen. In der Tat ist der Vergleich zwischen Esra 2 und Nehemia 7 eine der klassischen Beispiele für Kritiker der Bibel. Im Internet findet man da ganz viele entsprechende Angriffe auf die Bibel, wo immer wieder auf Esra 2 und Nehemia 7 verwiesen wird, weil hier ganz offensichtlich eine Kopie eines Textes auf einen Text zurückverwiesen wird. Man kann nicht behaupten, dass es sich um zwei verschiedene Vorgänge handelt, sondern Esra sagt ja selbst ganz deutlich, dass er hier die Aufzeichnung von Esra gefunden hat. Und es handelt sich nicht um eine oder zwei Abweichungen, sondern um regelmäßige Abweichungen, die immer wieder vorauftreten.

[18:57] Und die Frage ist jetzt, warum ist das so und ist das jetzt ein Problem für die Glaubwürdigkeit der Bibel? Nun, man kann natürlich einfach sagen, naja, so ein paar Zahlen machen jetzt den Kohl nicht fett und wir glauben trotzdem an die Bibel und wir beschäftigen uns da nicht mit weiter und ignorieren das, was oft leider auch der Fall ist. Man ignoriert das und tut so, als wäre es gar nicht da. Aber dann kommt man auch nicht wirklich weiter, dann bleiben die Anfragen im Raum stehen. Man kann sie zwar als unwichtig abtun, aber sie sind dann doch ein bisschen wie Sauerteig und manch einer hat schon seinen Glauben an die Bibel verloren, wegen solchen vermeintlichen kleinen Differenzen. Und so sollten wir uns dem nochmal kurz ein bisschen genauer widmen.

[19:36] Wir haben das jetzt sehr chronologisch und sehr gründlich aufgeschlüsselt, wo die ganzen Unterschiede sind. Und im Sendemanuskript habt ihr dann auch entsprechend die genauen Differenzen immer nochmal verzeichnet. Halten wir mal grundsätzlich ein paar Beobachtungen fest, die uns hier helfen, vielleicht das genauer zu betrachten.

[19:54] Zunächst einmal ist es so, dass wenn man in Nehemia einfach mal jetzt alle Zahlen zusammen zählt, hier in Nehemia 7, das heißt von Vers 8 bis 62, alle erwähnten Zahlen, die man hier findet, einfach addiert, kommt man interessanterweise auf die Zahl 31.089 und nicht auf 42.360. Was also naheliegt, dass diese Liste nicht vollständig ist. Denn auch Nehemia und die Menschen seiner Zeit konnten addieren, das war jetzt nicht so schwer, man konnte durch simple Addition der Zahlen herausfinden, dass die Gesamtzahl, die angegeben wird, nicht dem entspricht, was hier einfach an Zahlen gegeben ist. Es gibt offensichtlich mehr Leute, als hier in der Liste verzeichnet sind.

[20:41] Und wir hatten das selbe Phänomen ja schon in Esra 1 ganz am Anfang mal diskutiert, als dort in Esra 1 Vers 11 die Gesamtzahl aller Geräte der goldenen und silbernen mit 5400 angegeben wird, obwohl die Zahlen vorher in Vers 9 das in der Addition nicht ganz ergeben. Da fehlt also noch ein bisschen was. Da werden also bestimmte Einzel-Elemente aufgezählt und dann wird eine Gesamtzahl gegeben, aber die Gesamtzahl ist größer als die Addition der Einzel-Elemente, was deutlich macht, die Liste ist nicht erschöpfend. Das gilt nicht nur für Nehemia, sondern auch für Esra.

[21:17] Wenn man dasselbe für Esra 2 durchführt, für die parallele Liste, findet man die Addition aller Zahlen und entdeckt, dass es dort nur 29.818 sind. Also wir müssen schlussfolgern, dass beide Listen so wie sie sind, selbst wenn man sie nicht miteinander vergleicht, offensichtlich nicht als absolut vollständig angesehen werden können.

[21:42] Und das bringt uns natürlich dann zu der Idee, die beiden Listen miteinander zu kombinieren. Das kann man dann ganz einfach machen. Man kann einfach schauen, das ist dann sozusagen ein Selbstläufer, welche Personen werden in Nehemia zusätzlich erwähnt, die in Esra nicht erwähnt werden. Das ist ein Zusatz von insgesamt 1.765. Und wenn man die dann hinzuaddiert zu den 29.818 von Esra 2, erhält man 31.583. Und genau dasselbe passiert, wenn man natürlich dann Nehemia 7 anschaut, welche dort fehlen gegenüber Esra. Also wenn man alle, die in Esra mehr erwähnt werden, addiert, das sind 494. Und die dann zu den 31.089 aus Nehemia 7 hinzuaddiert, kommt natürlich auch 31.583 heraus.

[22:30] Heißt also, wenn man alle Gezählten von Esra und Nehemia zusammennimmt, hat man, oder kann man dann beide Listen zusammennehmen, und das ergibt sich dann ganz ohne Widerspruch, eine Anzahl von gezählten Personen von 31.583. Und sowohl Esra als auch Nehemia erwähnen bestimmte Personen jeweils nicht, oder jeweils dann nur einzeln. Und dann hat man immer noch ungefähr über 10.000 Personen, die gar nicht hier offiziell aufgeführt werden, die aber mitgezählt, in der Gesamtzahl mitgezählt worden waren. Was also sagt, dass wir hier keinen Widerspruch annehmen müssen, sondern dass diese beiden Listen schon von ihrer Struktur her, die innerhalb des Textes besteht, als nicht vollständig gelten. Und dass wenn man sie zusammennimmt, wir dann ein harmonisches Bild haben. Und dass sozusagen diese Listen sich ergänzen und nicht widersprechen. Und genau so löst sich dann auch dieser vermeintliche Widerspruch.

[23:39] Wir können dieses Prinzip dann auch weiterführen für die jetzt folgenden Verse, wo wir ebenfalls Abweichungen gegenüber Esra 2 haben, auch wenn wir dort nicht mehr ganz so viele Informationen haben, die uns genaue Rechnungen ermöglichen. In Vers 67 heißt es: „Ohne ihre Knechte und ihre Mägde, deren Zahl betrug 7.337. Und dazu hatten sie noch 245 Sänger und Sängerinnen.“ Hier werden also 45 noch mehr erwähnt, als im entsprechenden Vers in Esra. Identisch sind die nächsten Verse, sie hatten 736 Pferde und 245 Maultiere, an Kamelen 435 und 6720 Esel.

[24:20] Die nächsten drei Verse sind dann eine etwas veränderte Fassung von Esra 2, in mancher Hinsicht gekürzt, als auch in mancher Hinsicht erweitert. Das schauen wir uns kurz an. Und ein Teil der Familienhäupter gab Beiträge zum Werk. Der Stadthalter gab für den Schatz an Gold 1.000 Talente, 50 Sprengschalen, 35 Priestergewänder und einige von den Familienhäuptern gaben für den Schatz des Werkes an Gold 20.000 Talente und an Silber 2.200 Minen. Und das übrige Volk gab an Gold 20.000 Talente und an Silber 2.000 Minen und 67 Priestergewänder.

[25:01] Ausgelassen ist hier die Bemerkung, dass man zum Haus des Herrn nach Jerusalem kam. Das steht in Esra sehr deutlich. Dafür sind diese freiwilligen Gaben, die dort in Esra nur allgemein erwähnt werden, hier spezifischer aufgezeichnet. Wir haben explizit den Stadthalter erwähnt. Das ist natürlich Serubbabel, wie wir schon aus unserem Esra-Studium wissen. Die Sprengschalen wurden in Esra gar nicht erwähnt. Auch das Gold ist aufgeteilt. In Esra hatten wir nur 61.000 Talente. Hier sind es jetzt 1.000 Talente für den Stadthalter, 20.000 Talente für die Häupter und 20.000 Talente für das Volk. Offensichtlich sind hier nicht alle Talente erwähnt, denn Esra sagt ja, dass es noch mehr waren, ohne dass wir genau rekonstruieren können, wo dieses mehr noch hergekommen ist, ob das zeitlich dann sich entsprechend noch aufgeteilt hat.

[25:45] Beim Silber ist es ähnlich, dass die Summe der Minen, die hier von den Häuptern und vom Volk erbracht wird, nicht ganz übereinstimmt mit den 5.000 Minen in Esra. Aber auch hier können wir davon ausgehen, dass die Berichte ergänzt werden sollen und nicht gegeneinander ausgespielt werden sollen. Genauso auch mit den Priestergewändern, wo hier schon 530 vom Stadthalter genannt werden plus den 67 des Volkes. In Esra wurden nur 100 aufgezeichnet. Aber wie das auch schon mit den Schalen in Esra 1 war und auch mit den Personen hier vorher in Esra 7 und Esra 2 sollen diese Listen offensichtlich additiv zusammengerechnet werden.

[26:23] Vers 73 ist jetzt ein wörtliches Zitat aus Esra 2, Vers 70. Und die Priester und die Leviten und die Torhüter und die Sänger und die aus dem Volk und die Tempeldiener und alle Israeliten ließen sich in ihren Städten nieder. Wir haben also hier eigentlich nichts weiter als eine weitere Variante, so muss man es vielleicht sagen, einer Liste, die aus der Zeit von Serubbabel, aus dem Jahr 535, stammte, die in ihren Details abwich von der Liste, die in Esra aufgeschrieben ist. Aber das muss auch den Verfassern von Nehemia und Esra, also von Nehemia ja aufgegangen sein, dass diese Listen von einer abgewichen sind. Es lässt sich keinem nicht erkennen, dass man irgendwie versucht hat, das zu glätten, sondern die stehen nebeneinander, weil man wusste, dass sowieso beide Listen nicht das vollständige ergeben, sondern dann zusammen gedacht werden müssen.

[27:13] Aber jetzt kommt eigentlich der entscheidende Punkt und der, auf den es auch heute ganz besonders ankommen soll. Es heißt nämlich in Esra 3, dann als Folge dieser Liste von Esra 2 in Kapitel 3, Vers 1: „Als aber der siebte Monat nahte und die Kinder Israels nun in ihren Städten waren, da versammelte sich das Volk wie ein Mann in Jerusalem.“ Und dann heißt es Vers 2.

[27:50] Also das haben wir damals ausführlich angeschaut, in unserer zweiten Folge über Esra. Nach dieser Liste wird gesagt, dass das Volk in ihre Städte geht und dann im siebten Monat kommen sie alle zusammen und wir lernen später aus Vers 6, dass es am ersten Tag des siebten Monats schon war. Da fingen sie an, dem Herrn Brandopfer darzubringen, obwohl der Grund für den Tempel des Herrn noch nicht gelegt war. Als allererstes wird der Opferdienst wieder eingeführt. Sie kommen am ersten siebten zusammen, am ersten Tag des Monats Tischri, im Herbst, und zwar wie ein Mann und wollen jetzt Opfer bringen. Der Altar wird gebaut und das Ganze geschieht nach dem Gesetz Mose. Das ist also, wie es mit der Liste von Esra 2 weitergeht.

[28:37] Und das offensichtlich ist dem Schreiber von Nehemia bekannt, denn Nehemia geht jetzt wie folgt, das ist ziemlich spektakulär, weiter. In Nehemia 8, Vers 1 heißt es: „Und als der siebte Monat nahte und die Kinder Israels in ihren Städten waren, das ist wörtlich das, was in Esra 3, Vers 1 steht, da versammelte sich das ganze Volk wie ein Mann.“ Auch das ist noch wörtlich Esra 3. Aber jetzt kommt es auf den Platz vor dem Wassertor. Und sie sprachen zu Esra, dem Schriftgelehrten, dass er das Buch des Gesetzes Mose holen sollte, das der Herr Israel geboten hat.

[29:15] Das ist ein ganz spektakulärer Vers. Wenn man jetzt hier liest und liest und liest und liest und Kapitel 7, dann weiß man, dass das alles eigentlich ja, trotz aller Abweichungen mit den Zahlen, eine Kopie von Esra 2. Und die wird bis zum Ende durchgeführt. Und dann geht es immer weiter, als würde einfach Esra zitiert werden. Esra 3, Vers 1 wird wörtlich zitiert bis zu einem bestimmten Punkt, wo mitten im Satz man plötzlich merkt, man ist nicht mehr in der Zeit von Esra, nicht in der Zeit von Serubbabel und Joschua, man ist jetzt in der Zeit von Nehemia, mehr als 90 Jahre später.

[29:46] Genau dasselbe passiert und zwar so genau so, dass sogar identische Formulierungen verwendet werden, sodass man eigentlich den Eindruck hat, man ist quasi in die Zeit der Pioniere zurückversetzt. Und das hat natürlich einen Grund. Nehemia möchte deutlich machen, dass was jetzt in Nehemia 8 passiert, ist so sehr identisch vom Geist her mit dem, was die allerersten Pioniere unter Serubbabel und Joschua gemacht haben, dass er durch die literarische Anordnung den Eindruck erweckt, als würde das quasi direkt aus dem Buch Esra herauskommen. Natürlich ist das jetzt eine neue Geschichte, denn das Wassertor, das war ja zur Zeit von Serubbabel und Joschua überhaupt gar nicht gebaut, geschweige denn überhaupt der Tempel oder so. Aber da sieht man sozusagen, wie sehr er jetzt quasi diese Vergangenheit in die Realität holt oder vielmehr das jetzige Geschehen seiner Zeit rückanbindet an den Beginn des Werkes.

[30:49] Am Anfang des Aufbaus, noch bevor der erste Fundamentstein gelegt worden ist, versammelt sich das Volk am 1.7. wie ein Mann, um nach dem Gesetz Mose die Opfer zu bringen. Und jetzt, nachdem die Mauer, also erst der Tempel natürlich, und dann die Mauer vollendet ist, nachdem sozusagen dieser ganze Befehl Gottes, der in verschiedenen Edikten von Kyros und Darius und Artaxerxes möglich gemacht worden ist, nachdem das vollendet ist, versammelt sich wieder das Volk am 1., wie wir gleich sehen werden, am 7. Monat wie ein Mann, um das Gesetz Mose zu hören. Man sieht hier also einen gigantischen Schluss, einen Zirkelschluss, einen Kreis, der sich schließt. Und das ist natürlich sehr interessant.

[31:35] In beiden Berichten wird die Einheit betonen, was Nehemia sagen möchte, die Nehemia-Generation, die das Werk vollendet, macht noch einmal dieselbe Erfahrung wie die Erfahrung der Pioniere, die erste Generation, die damals aus Babylon als erste Welle herauskam. Wer das Werk vollenden will, muss die Erfahrung derer kennen und nachvollziehen, die das Werk begonnen haben.

[32:02] Das Wassertor war im Osten von Jerusalem. Das kann man auf der Karte im Sendemanuskript dann nochmal sehen. Und Esra, den kennen wir natürlich aus dem Buch Esra, aus Esra 7-10, der Priester und Schriftgelehrte, der von Artaxerxes den dritten Befehl erhielt, der dann 457 v. Chr. den kompletten Wiederaufbau Jerusalems legal beginnen konnte, auch wenn es dann noch zwölf Jahre dauerte, bis Nehemia kam und das Ganze dann wirklich gründlich fortschritt machte. Esra hatte die große Reformation durchgeführt, damals bezüglich der Mischehen, und er war jetzt zwölf Jahre später immer noch der geschätzte Experte für das Wort Gottes.

[32:39] Das Gesetz sollte wieder in den Mittelpunkt gerückt werden. Und das erinnert uns natürlich an das berühmte Wort von Jesaja. Jesaja 8, Vers 20, wo es heißt: „Zum Gesetz und zum Zeugnis, wenn sie nicht so sprechen, gibt es für sie kein Morgenrot.“ Die Vollendung der Mauer ging einher mit einer neuerlichen Hinwendung zum Wort Gottes.

[33:04] Es heißt weiterhin Esra 8, und dort Vers 2: „Und Esra, der Priester, brachte das Gesetz vor die Gemeinde, vor die Männer und Frauen und alle, die Verständnis hatten, um zuzuhören am ersten Tag des siebten Monats.“ Die Priester hatten ja die Aufgabe, die Gesetzestexte zu bewahren. Das findet sich in 5. Mose 17, Vers 18, auch 31, Vers 9. Die Priester sollten ja als Boten Gottes Auskunft über das Gesetz geben, so sagte später auch Maleachi, Kapitel 2, Vers 7. Und Gott hatte vorgesehen, das wird sehr deutlich, in 5. Mose 31, Vers 11-13, dass das Gesetz immer wieder dem versammelten Volk am Ort des Heiligtums vorgelesen werden sollte. Dort in 5. Mose 31 wird die Regel gegeben, alle sieben Jahre zum Laubhüttenfest, was ja am siebten Monat ist, was hier auch gleich eine Rolle spielen wird, nicht im Jahr 8, das wird aber nächste Woche unser Thema sein.

[34:02] Auch haben wir schon hin und wieder darauf hingewiesen, dass auch unter anderen Königen zuvor, vor dem babylonischen Exil, die Unterweisung des Volkes zu Zeiten der Erweckung ganz besonders betont worden ist. Joschafat ist da ein gutes Beispiel, in 2. Chronik 17, Vers 9, der Fürsten und Leviten und Priester aussandte, um das Volk zu lehren und zu belehren über die Bücher Mose. Und interessant ist hier natürlich, dass alle, die Männer und Frauen, alle die Verständnis hatten, also das gesamte Volk zusammengerufen wird, so hatte das Mose auch angeordnet.

[34:37] Der erste Tag ist natürlich das Posaunenfest. Das ist sehr interessant, weil man immer so ein bisschen sich die Frage stellt im Studium der Feste, bei einigen ist das ziemlich deutlich, aber das Posaunenfest ist ja manchmal nicht ganz so klar, was ist eigentlich so der Inhalt, der Zweck des Posaunenfestes, da werden die Posaunen geblasen. Aber hier sieht man unter anderem sehr schön, wie sehr die Verkündigung des Wortes Gottes einen wesentlichen Inhalt des Posaunenfestes ausgemacht hat. Und das hilft uns dann so ein bisschen auch, wenn man typologisch die Feste dann auf die Heilsgeschichte anwendet. Das ist ja uns recht vertraut mit dem Passafest, auf die Kreuzigung Jesu und dann Pfingsten, mit der Ausgießung des Heiligen Geistes und dem großen Versöhnungstag 1844. Dann würde dem großen Versöhnungstag kurz zuvor eine besondere Verkündung des Wortes Gottes vorausgehen und das passt ganz gut auch zur Millerbewegung, ohne dass wir das hier weiter ausführen können und vertiefen und studieren können.

[35:41] Es war ja am Posaunenfest 535, dass die allerersten Rückkehrer die ersten Opfer wiedergebracht haben. Das erste, das muss man sich vorstellen, das erste Opfer auf israelitischem Boden, das offiziell wiedergegeben worden war, das war am 1.7. des Jahres, also dem 1. Tischri, des Jahres 535 vor Christus und jetzt 91 Jahre später. Am 1. Tischri wird dieses Gesetz vorgelesen innerhalb der wieder aufgebauten Mauern. Das muss ein ganz außergewöhnlicher Moment gewesen sein, den man sich kaum so richtig vorstellen kann. Hier hatte das Volk ganz offensichtlich den Eindruck, dass ein Meilenstein in der Geschichte des Volkes Israel erreicht worden war und man wollte sich neu orientieren, neu zurückwenden an das Gesetz Gottes und ihm nach all dem, was Gott ja zu sie getan hatte, wieder folgen.

[36:34] Es heißt ja hier in Vers 3: „Und er las daraus vor auf dem Platz, der vor dem Wassertor ist, vom hellen Morgen bis zum Mittag, also einen halben Tag, vor den Männern und Frauen und allen, die es verstehen konnten und die Ohren des ganzen Volkes waren auf das Buch des Gesetzes gerichtet.“ Und da haben wir diese Idee, dass die Ohren gerichtet sind und das erinnert uns natürlich an das, was im Gesetz Mose, vor allem in 5. Mose, immer wieder vom Volk gefordert wird. Dort heißt es in 5. Mose 4, Vers 1: „Und nun Israel, höre auf die Satzungen, auf die Rechtsbestimmungen, die ich euch zu tun lehre, damit ihr lebt und hineinkommt und das Land in Besitz nehmt, das euch der Herr, der Gott eurer Väter gibt.“ Oder Kapitel 5, Vers 1: „Und Mose berief ganz Israel und sprach zu ihnen: Höre, Israel, die Satzungen und Rechtsbestimmungen, die ich euch heute vor euren Ohren rede, lernt und bewahrt sie, um sie zu tun.“ Und dann Kapitel 6, Vers 3 und 4: „So höre nun, Israel, und achte darauf, sie zu tun, damit es dir gut geht und ihr sehr gemehrt werdet, so wie es der Herr, der Gott deiner Väter verheißen hat, in einem Land, in dem Milch und Honig fließt.“ Vers 4, das berühmte Glaubensbekenntnis Israels: „Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein. Und dann heißt es, du sollst den Herrn, deinen Gott lieben, mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit deiner ganzen Kraft. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du oft im Herzen tragen.“

[37:54] Es hat den Einschein, dass die Israeliten, die das Werk des Mauerbaus vollendet hatten, jetzt auch von ganzem Herzen sich Gott zuwenden wollten. Und dass hier eine tatsächliche Reformation erneut möglich war. Wir hatten ja gesehen in der letzten Folge, dass es durchaus auch Kräfte im Volke Gottes gab, die mit den Feinden sympathisierten, die da die Gefahr nicht sahen oder nicht sehen wollten. Oder vielleicht sogar auch, oder in manchen Fällen, die sogar buchstäblich verschworen hatten gegen ihn. Aber jetzt sehen wir hier das ganze Volk, wie es sich dem Wort Gottes widmet. Und das wird seinen Effekt haben. Das werden wir dann das nächste Mal sehen.

[38:35] Vers 4, Esra aber, der Schriftgelehrte, stand auf einer hölzernen Kanzel. Das ist eigentlich im Hebräischen einfach ein Turm, ein hölzerner Turm, die man zu diesem Zweck errichtet hatte. Und neben ihm standen Mattitja, Schema, Anaja, Uria, Hilkia und Maaseja zu seiner rechten und zu seiner linken, Pedaja, Mischaël, Malkija, Haschum, Haschbana, Sacharja und Mesullam. 13 Männer, neben Esra.

[39:01] Aber ganz besonders interessant, Nehemia steht nicht im Mittelpunkt. Man hätte ja erwarten können, dass nach all den Dingen, die unter Nehemia jetzt so schnell vorangegangen waren, durch all den Einsatz, den er gebracht hat, die militärische Verantwortung, die er übernommen hat und den Mut, den er angesichts der Verschwörung gegen ihn bewiesen hat, dass er jetzt hier auch eine prominente Rolle spielt. Aber er wird gar nicht erwähnt. Weder als derjenige, der hier diesen Gottesdienst leitet, noch als jemand, der mithilft. Er bleibt im Hintergrund.

[39:31] Und das zeigt uns auch so ein bisschen die Einstellung von Nehemia, der nicht alles leiten musste. Und wir lernen von ihm, dass man nicht überall eine leitende Position haben muss, sondern auch andere Leiter in ihren speziellen Gebieten, wie zum Beispiel hier den Schriftgelehrten, Esra zum Zug kommen lassen sollte. Gott hat keinen Gefallen, wenn eine Person alles kontrolliert. Und ja, es brauchte den Nehemia, denn Esra war seit zwölf Jahren schon da, aber die Mauern waren noch nicht gebaut worden. Es brauchte jemanden, der einfach das organisatorische Talent hatte, die Überzeugungskraft hatte, die rhetorische Fähigkeit zu motivieren und vor allem das Rückgrat angesichts politischen Drucks standhaft zu sein. Es brauchte diesen Nehemia, der ein Laie war, was das Wort Gottes ja betraf, zumindest was die Ausbildung anging. Aber als es jetzt um die Verkündigung und Auslegung des Gesetzes Gottes ging, kam wieder Esra zum Zug. Und wir sehen hier, wie die beiden zusammenarbeiten und nicht gegeneinander.

[40:30] Auch das ist ein ganz wesentliches Prinzip, das wir lernen wollen für unsere Zeit und die Vollendung des Werkes. Vielleicht hätte Esra vielleicht eingeschnappt sein können, sagen können, ja jetzt kommst du hier so schnell, nicht wahr? Aber die beiden haben offensichtlich zusammen, Hand in Hand gearbeitet. Jeder mit den Gaben und Fähigkeiten, die er von Gott bekommen hat. Und davon sollen und wollen wir lernen.

[40:55] Vers 5. Und Esra öffnete das Buch vor den Augen des ganzen Volkes, denn er stand höher als das ganze Volk. Und als er es öffnete, stand das ganze Volk auch auf. Also wir haben hier nicht nur die Ohren, sondern auch die Augen, die betont werden. Man sieht also, das Volk ist wirklich begierig nach dem Wort Gottes. Und dieses Aufstehen ist hier offensichtlich eine Geste des Respektes. Und das ist also ganz interessant, auch für uns Gottesdienste. Das Aufstehen zeugt von Respekt über dem Wort Gottes. Sogar der muribitische König Eglon ist aufgestanden, als der Richter Ehud kam und ihm gesagt hat, dass Gott eine Botschaft an ihn hat. Und das ist durchaus eine gute Gewohnheit, die man vielleicht auch im Gottesdienst einführen kann, wenn man es noch nicht gemacht hat. Hier und dort vielleicht auch mal durch Aufstehen, zum Beispiel zu Beginn des Predigtgottesdienstes oder so, diesen Respekt dem Wort Gottes gegenüber und damit Gott natürlich zu zeigen.

[41:51] Vers 6. Und Esra pries den Herrn, den großen Gott, und das ganze Volk antwortete mit aufgehobenen Händen Amen, Amen. Und sie verneigten sich und beteten den Herrn an, das Angesicht zur Erde gewandt. Amen war schon in Nehemia 5, Nehemia 5 bei der Beseitigung der Missstände als Bestätigung gebraucht worden. Und auch dort wurde Gott gelobt.

[42:14] Interessant ist ja hier, dass Esra mit dem Lob Gottes beginnt. Er pries den Herrn. Auch wir sollten zuallererst immer Gott danken für das, was er in unserem Leben getan hat. Hast du heute schon Gott gedankt für Dinge, die er für dich getan hat? Dann nimm dir Zeit und tu das. Wir sollten jeden Tag darüber nachdenken, was Gott alles Gutes für uns tut. Und ihn loben und ihn preisen.

[42:38] Für die aufgehobenen Hände haben wir einige Belegstellen hier, vor allem aus den Psalmen, die das deutlich machen, dass das eine biblische Haltung des Gebetes ist. In 1. Timotheus 2, Vers 8 wird das ja auch nochmal dann von Paulus aufgegriffen. Interessant ist allerdings auch in dem Zusammenhang Klagelieder 3, Vers 41, wo deutlich wird, dass es nicht nur um das physiologische Aufheben von Händen geht, sondern vielmehr auch um das Herz. Dort heißt es in Klagelieder 3, Vers 41: „Lasst uns unsere Herzen samt den Händen zu Gott im Himmel erheben.“

[43:11] Und auch für das Niederbeugen haben wir entsprechende Belegstellen hier im Sendemanuskript von Eliezer und auch vom Volk Israel in Ägypten. Und dann Josaphat, vor allem unser Volk, in 2. Chronik 20, Vers 18, eine ganz ähnliche Situation und auch bei der Erweckung zur Zeit von Hiskia in 2. Chronik 29, Vers 30. Und das mit dem Angesicht zur Erde zu beten, auch das ist ja etwas, das wir in der Bibel immer wieder finden. Sogar in der Offenbarung finden wir diese Idee dieser Gebetshaltung in Offenbarung 7 und dort Vers 11 heißt es: „Und alle Engel standen rings um den Thron und um die Ältesten und die vier lebendigen Wesen und fielen vor dem Thron auf ihr Angesicht und beteten Gott an.“ Wenn das die Engel im Himmel so machen, dann ist das auch für Menschen hier auf der Erde ganz angemessen als Gebetshaltung.

[44:06] Und dann haben wir noch Vers 7 in Esra, Verzeihung, in Nehemia 8, Vers 7 und heißt es: „Und Joschua, Bani, Scherebja, Jamin, Akkub, Schabbetai, Hodija, Maaseja, Kelita, Asarja, Josabad, Hanan, Pelaaja, die Leviten erklärten dem Volk das Gesetz und wären das Volk an seinem Platz.“ Die Leviten sind auch damit beauftragt, das Gesetz Gottes auszulegen. Das findet sich in 5. Mose 33 und dort Vers 10. Dort lesen wir in 5. Mose 33, Vers 10: „Sie werden Jakob, über die Leviten, sie werden Jakob deine Rechtsbestimmung lehren und Israel dein Gesetz. Sie werden Räucherwerk vor dein Angesicht bringen und ganz Opfer auf dein Altar.“ Auch zur Zeit von Joschafat waren Leviten mit unterwegs neben den Priestern, den Fürsten, die das Gesetz Gottes dem Volk erklärt haben.

[45:00] Und dann haben wir Vers 8: „Und sie lasen aus dem Buch des Gesetzes Gottes deutlich vor und erklärten den Sinn, so dass man das Gelesene verstand.“ Was für ein wichtiger Vers. Hier wird deutlich vorgelesen und in dem Zusammenhang haben wir auch ein Ellen White-Zitat hier, das sehr wichtig ist, das ich mir selbst immer wieder auch besser vor Augen führen sollte. Das Sprachvermögen ist eine Gabe, die sorgfältig ausgebildet werden sollte. Von allen Gaben, die wir von Gott empfangen haben, kann keine zu einem größeren Segen werden als gerade diese. Mit der Stimme können wir überzeugen und überreden. Mit ihr bringen wir Gott Gebete und Lobpreisungen dar. Mit ihr erzählen wir anderen von der Liebe des Erlösers. Wie wichtig ist es also, sie so auszubilden, dass sie die höchste Wirkung zum Guten ausübt. Die Ausbildung und der richtige Gebrauch der Stimme werden sehr vernachlässigt, sogar von Personen, die einsichtsvoll und für Christum tätig sind. Viele sprechen entweder so leise oder so schnell, dass sie nicht leicht verstanden werden können. Einige haben eine schwere, undeutliche Aussprache. Andere sprechen in scharfen, schrillen Tönen, die den Hörern unangenehm sind. Schriftstellen, Lieder, Berichte und andere Notizen, die in öffentlichen Versammlungen vorgelesen werden, werden oft so gelesen, dass sie nicht verstanden werden können und oft so, dass die ganze Kraft und Nachdrücklichkeit derselben verloren gehen. Dies ist ein Übel, dem abgeholfen werden kann und sollte.

[46:20] Die Bibel gibt uns eine Anweisung betreffend dieses Punktes. Von den Leviten, die in den Tagen Esras die Heiligen Schriften dem Volke vorlasen, wird gesagt: „Und sie lasen im Gesetzbuch Gottes klar und verständlich, dass man verstand, was gelesen war.“ Und entsprechend können wir uns alle, ich eingeschlossen, uns daran ein Beispiel nehmen und uns überlegen, wie wir noch deutlicher und klarer auch die Bibel sprechen und auslegen, wenn wir dazu die Gelegenheit haben.

[46:49] Aber sie haben hier nicht nur gesprochen, sie haben das Gelesene erklärt. Sie haben es deutlich gemacht. Sie haben sozusagen eine Auslegung auch vorgenommen. Es war ja schon immer Gottes Ziel, dass die Worte Gottes leicht verständlich sein sollen. Ein Buch für alle Menschen mit unterschiedlichsten Bildungshintergründen ist die Bibel. In Habakuk 2, Dortfest 2, haben wir diese Idee ganz deutlich ausgedrückt. In Habakuk 2, Dortfest 2, dort heißt es: „Da antwortete mir der Herr und sprach: Schreibe die Offenbarung nieder und grabe sie in Tafeln ein, damit man sie geläufig lesen kann.“ Das heißt, es soll erst mal klar werden, was wird überhaupt gesagt.

[47:32] Und dann haben die Leviten sicherlich auch den tieferen geistlichen Sinn des Gesetzes Gottes erklärt. Denn die fünf Bücher Mose sind voller tiefer geistlicher Schätze. Und wir wissen, dass Jesus selbst so gepredigt hat. In der Bergpredigt finden wir ganz wunderbare Beispiele davon. In Matthäus 5 zum Beispiel, Vers 21 und 22: „Ihr habt gehört, dass du den Alten gesagt hast: Du sollst nicht töten. Wer aber tötet, dem wird dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch, jetzt kommt es zu einer Erklärung des Sinnes dieses Gebotes. Jeder, der seinem Bruder ohne Ursache zürnt, wird dem Gericht verfallen sein. Wer aber zu seinem Bruder sagt Raka, der wird dem hohen Rat verfallen sein. Wer aber sagt Dummkopf, der wird dem höllischen Feuer verfallen sein.“ Also als Jesus über die zehn Gebote gepredigt hat, hat er nicht einfach nur deutlich gesprochen, er hat den Sinnen angegeben. Er hat gezeigt, was alles dahinter steckt, welche Prinzipien diese Worte vermitteln wollen. Und entsprechend dürfen wir uns das so ähnlich vielleicht auch bei den Leviten vorstellen, dass sie den Sinn erklärt haben.

[48:32] Und das zeigt uns, wie wichtig es auch heute ist, dass wir die Bibel wirklich in einem Sinn erklären, der Gott wohlgefällig ist. Dass wir nicht einfach nur die Bibel lesen, sondern uns Gedanken machen, was sie wirklich bedeutet und dann auch anderen diese Erklärung weitergeben. Und die muss Christozentrisch sein. Hier ist es halt selbst so, das Wort Gottes ist ausgelegt in Lukas 24. Vers 27 haben wir die berühmten Worte. Dort heißt es: „Und er, das ist Jesus, begann bei Mose und bei allen Propheten und legte ihnen allen Schriften aus, was sich auf ihn bezieht.“ Und die Wirkung war gewaltig. Wir lesen später in Vers 32: „Und sie sprachen, das sind die beiden Emmausjünger, zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Weg und als er uns die Schriften öffnete.“ Als wenn das Wort Gottes verstanden wird, was Gott wirklich sagen will. Ich denke, wir alle haben diese Erfahrung schon gemacht und machen sie hoffentlich ganz oft. Dann beginnt unser Herz zu brennen.

[49:31] Genauso war es auch an jenem ersten Tischri im Jahre 444, als das Volk zusammenkam, so wie die Pioniere des Werkes unter Serubbabel und Joschua, jetzt unter Esra und Nehemia, die dasselbe taten wie damals, die sich wieder unter das Wort Gottes stellen wollten, nachdem das ganze Werk jetzt vollendet war. Und die Wirkung dieser Predigt, dieser Auslegung, die wir das nächste Mal studieren, da passiert noch etwas ganz, ganz Gewaltiges. Das aber dann das nächste Mal.

[50:03] Für heute wollen wir uns diese Frage stellen, hast auch du ein Verlangen nach dem Wort Gottes? Es war das Volk, das von Esra verlangt hat, dass er das Wort Gottes predigt und auslegt. Wünschst du dir, dass Menschen dir das Wort Gottes näher bringen, dass du es selbst auch studieren kannst? Hast du Verlangen nach einem tieferen Verständnis der Heiligen Schrift? Und bist du auch bereit, wenn du dein tieferes Verständnis erlangt hast, es anderen zu erklären, damit auch sie den Sinn der Worte Gottes verstehen können? Gott segne dich in deiner Entscheidung. Und nächstes Mal werden wir uns hier dann wiedersehen. Bis dahin wünschen wir euch Gottes Segen und viel Freude im Studium seines Wortes. Amen.


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