[0:30] Hallo, herzlich willkommen zu unserer Serie Gott mit uns. Schön, dass Sie wieder eingeschaltet haben zu unserer kleinen Vortragsreihe, in der wir die spannendste und tiefgreifendste Liebesgeschichte aller Zeiten beleuchten wollen. Heute haben wir die dritte Folge und unser Thema heißt Beziehung auf Distanz.
[0:51] Wir haben in den ersten beiden Folgen gesehen, dass Gott den Menschen geschaffen hat, damit er eine Beziehung zu ihm haben kann, einen Bund, den Gott sich wünscht, der darin besteht, dass wir Gottes Liebe in unserem Herzen haben und ihn erkennen in dieser tiefen persönlichen Beziehung. Und wir haben auch gesehen, dass durch die Sünde diese Beziehung in die Brüche geht, in die Brüche gegangen ist, schon damals, ganz am Anfang bei Adam und Eva. Und wir haben auch gesehen, wie immer wieder im Leben von verschiedenen Männern und Frauen in der Bibel wir Gleichnisse sehen können und prinzipiell erkennen können, wie Gott mit uns gehen möchte, wie er diese Beziehung wieder heilen möchte.
[1:28] Heute möchten wir damit beginnen, den Fokus zu legen auf einem besonderen Abschnitt, diesem großen Plan. Einem Abschnitt, in dem diese Liebesgeschichte Gottes eine ganz neue Wendung nimmt. Nämlich, wo er sich nicht nur einzelnen Menschen zuwendet, sondern einem ganzen Volk. Gemeint ist natürlich das Volk Israel. Der größte Teil des Alten Testamentes spricht von dieser Liebesbeziehung zwischen Gott und seinem Volk Israel. Und in dem selben Sinne, wie auch im ersten Buch Mose, das wir bisher bestudiert haben, die Geschichten symbolhaft sind, in dem Sinne, dass wir davon Lektionen lernen dürfen und sie auch auf unser Leben übertragbar sind. So können wir auch aus dieser Beziehung zwischen Gott und Israel eine ganze Menge für uns persönlich lernen.
[2:12] Beginnen wir einmal diesen Abschnitt der Liebesgeschichte ganz am Anfang in 2. Mose 2, Vers 24. Das Volk Israel, zu diesem Zeitpunkt, befindet sich in der Sklaverei. Es wird von den Ägyptern geknechtet, muss Frohnarbeit leisten und schreit buchstäblich zum Himmel. Dort in 2. Mose 2, Vers 24 lesen wir, und Gott erhört ihr Wehklagen und Gott gedachte an seinen Bund mit Abraham, Isaak und Jakob. Dieser eine Bund, dieses Versprechen, ich möchte eins mit euch sein, hat er nie vergessen. Und es kommt immer und immer wieder an sein Denken. Und immer wieder handelt er genau danach.
[2:58] Am Anfang dieser Liebesgeschichte steht ein Feuer. Um genauer zu sein, ein Busch, der brennt. Vielleicht haben Sie schon einmal diesen Ausdruck gehört, ich bin Feuer und Flamme für jemanden. Manchmal nennen wir auch unsere neu gewonnene Freundin, das ist meine neue Flamme. Und das ist nicht so weit weg von der biblischen Idee, denn in Hohelied 8, Vers 6 lesen wir folgendes: Setze mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel an deinen Armen, denn die Liebe ist stark wie der Tod und die Eifersucht unbezwinglich wie das Totenreich. Ihre Glut ist Feuerglut, eine Flamme des Herrn.
[3:46] In der Bibel wird die Liebe ausgedrückt als ein Feuer. Was für ein passendes Symbol, denn jeder von uns, der verliebt ist, weiß, was für ein Feuer da in einem brennt. Und als Gott diese armselige Situation seines Volkes sieht, die Not und die Sklaverei, da ist er Feuer und Flamme für sein Volk, das er retten möchte. Er zeigt sich so dem Mose, der seit 40 Jahren in der Wüste dort in Midian Schafe gehütet hat und den Gott auserwählt als ein Botschafter seiner Liebe. Er zeigt sich ihm, brennend in Dornbusch, und zeigt, ich bin Feuer und Flamme für mein Volk. Ich möchte die Versprechungen, denen ich schon den Vätern, den Patriarchen, Abraham, Isaak und Jakob gegeben habe, ich möchte sie einhalten.
[4:33] In 2. Mose 6, Vers 4 hören wir ihn sagen: Auch habe ich meinen Bund mit ihnen aufgerichtet, dass ich ihnen das Land Kanaan geben will, das Land ihrer Fremdlingschaft, in dem sie Fremdlinge gewesen sind. Und in Vers 5: Und ich habe auch das Seufzen der Kinder Israels gehört, weil die Ägypter sie zu Knechten machen und habe an meinen Bund gedacht.
[4:55] Interessanterweise ist diese Knechtschaft nicht einfach nur ein bemitleidenswerter Zustand, sondern diese Knechtschaft erinnert uns auch an unseren eigenen Zustand der Knechtschaft in der Sünde. Jesus hat selbst gesagt, dass wenn wir Sünde tun, dann sind wir Knechte der Sünde. Wir haben ja schon über Adam gesprochen, der nur eine einzige Sünde beging und nicht mehr von alleine sagen konnte, es tut mir leid. Er war Knecht seiner eigenen Sünde. So brauchen wir also Gottes Intervention, sein Eingreifen, uns herauszuholen aus unserer misslichen Lage. So wie ein Ritter, der ein gefangenes Freund aus der Burg herausholt, so hat Gott sein Volk mit starkem Arm, wie die Bibel sagt, mit zehn gewaltigen Plagen aus der Knechtschaft des Pharao herausgeholt.
[5:51] In Hesekiel 16, und dort ab Vers 4, wird das Ganze in einer ganz besonderen, poetischen Art und Weise beschrieben. Es heißt hier: Mit deiner Geburt, mit der Geburt Israels, verhielt es sich so, an dem Tag, als du geboren wurdest, ist dein Nabel nicht abgeschnitten worden. Du bist noch nicht im Wasser gebadet worden zu deiner Reinigung. Man hat dich nicht mit Salz abgerieben, noch in Windeln gewickelt. Niemand hat mitleidig auf dich geblickt, dass er etwas Derartiges für dich getan oder sich über dich erbarmt hätte, sondern du wurdest auf das Feld hinausgeworfen. So verachtet war dein Leben am Tag deiner Geburt. Da ging ich, Gott, an dir, Israel, vorüber und sah dich in deinem Blut zappeln und sprach zu dir, als du da lagst, in deinem Blut, du sollst leben. Es war damals nicht unüblich, dass neugeborene Babys weggeschmissen worden sind, weil man sich nicht um sie kümmern konnte. Und Gott beschreibt hier, was er für uns tut, die wir uns für die Sünde entschieden haben, für ein Leben, das eigentlich nichts mehr wert ist. Er sagt, du sollst leben. Ja, zu dir in deinem Blut, ich sprach, du sollst leben. Ich lasse dich zu vielen Tausenden werden, wie das Gewächs des Feldes. Das bezieht sich auf das Wachstum des Volkes Israel. Du bist herangewachsen und groß geworden und gelangst es zur schönsten Blüte.
[7:09] Und jetzt schauen wir mal, was für eine Sprache Gott wendet, wenn er von seinem Volk spricht. Er sagt: Deine Brüste wölbten sich und dein Haar wuchs, aber du warst noch nackt und bloß. Als ich nun an dir vorüber ging und dich sah, siehe, da war deine Zeit da, die Zeit der Liebe. Da breitete ich meine Decke über dich und bedeckte deine Blöße. Ich schwor dir auch und machte einen Bund mit dir, spricht Gott, der Herr. Und du wurdest mein.
[7:37] Es folgt Israel, das zurückging auf einige wenige Patriarchen, die verachtet und verschmäht durch Palästina gewandert sind, wurde zu einem großen Volk und Gott sagt, es kam die Zeit der Liebe. Da war Feuer und Flamme für sie. Es kam die Zeit, dass sie herausretten wollte, aus dieser Sklaverei herausretten, letztendlich aus der Sklaverei der Sünde. Und so sehen wir Gott und wir überspringen das so ein wenig und fassen es zusammen, wie Gott mit ausgestrecktem Arm und großen Gerichten dieses Volk herausholt, wie ein mächtiger Held, der zeigt, dass er in der Lage ist, für seine Braut zu sorgen. Und er bringt sie zu sich.
[8:21] Dieses Volk, das über Jahrhunderte kaum richtig ein richtiges Bild von Gott gehabt hat, dem möchte er neu zeigen, wie er wirklich ist. Er möchte diesen Bund mit ihnen feierlich beschließen. Und so bringt er sie an einen geheimen Ort, einen Ort, wo er ganz alleine mit ihnen ist. So wie wir, wenn wir einem Menschen unsere Liebe bekunden möchten, ihn zu einem Date einladen, an einem besonderen Ort. Niemand von uns hat wahrscheinlich seinem Liebsten oder seiner Liebsten die Liebe bekannt, irgendwo mitten in der Einkaufsmeile. Sondern an einem abgeschiedenen Ort, wo wir für uns gewesen sind, wo wir in Ruhe uns ausdrücken konnten. Und so bringt Gott sein Volk an diesen einsamen Ort. Die Wüste. An diesem Berg.
[9:09] In 2. Mose 19, Vers 4-6, da lesen wir folgende interessante Worte. Er sagt zu Mose, dass er dann den Israeliten sagen soll: Ihr habt gesehen, was ich an den Ägyptern getan habe und wie ich euch auf Adlersflügeln getragen und euch zu mir gezogen habe. Er beschreibt es im Vers 4 ganz deutlich, was für eine Heldentat er getan hat und wie er voller Liebe sie auf Adlersflügeln zu sich gebracht hat. Und dann sagt er im Vers 5: Und jetzt Achtung, es ist sehr interessant, wie er das ausdrückt: Wenn ihr nun wirklich meiner Stimme Gehör schenken und gehorchen werdet und meinen Bund bewahrt. Genau da, wo Eva ja gescheitert war, als sie den Bund leichtfertig aufgegeben hatte, weil sie nicht auf Gottes Stimme gehört hat, sondern auf die Stimme eines Anderen. Er sagt: Wenn ihr wirklich meinen Bund bewahrt, so solltet ihr von allen Völkern mein besonderes Eigentum sein. Er sagt: Die ganze Erde gehört mir, ihr aber solltet mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein. Das sind die Worte, die du den Kindern Israels sagen sollst.
[10:15] Ein besonderes Eigentum. So wie es viele Frauen auf der Welt gibt, aber meine Frau ist mein besonderes Eigentum. Es gibt viele Männer, aber ich bin ihr besonderes Eigentum. So wollte Gott sein Volk zu seinem besonderen Eigentum machen. Ja, er hat alle Menschen geschaffen, aber nicht alle erkennen ihn. Ja, er liebt alle Menschen, aber nicht alle lieben ihn zurück. Ein besonderes Eigentum wird man dann, wenn man Gottes Liebe erwidert.
[10:43] Und so möchte er das sein Volk deutlich machen. Ich weiß nicht, ob sie sich zurückerinnern können an diesen Moment, wo sie zum ersten Mal ihrem Paten und ihrer Patin sagen wollten, dass sie verliebt in sie sind. Wahrscheinlich war ihr Herz voll von diesen Gedanken, sie konnte an nichts anderes mehr denken. Und die Liebe hat diesen interessanten Ausspruch in Matthäus 12, Vers 34: Denn wovon das Herz voll ist, davon redet der Mund. Ist es nicht wahr, dass wenn eine Sache unser ganzes Denken in Anspruch nimmt, dann können wir über gar nichts anderes mehr reden. Und als wir frisch verliebt waren, dann konnten wir nichts anderes mehr denken, von nichts anderem mehr reden, als von dieser einen Person.
[11:27] Und jetzt schauen sie Gott an. Der sehnt sich, darauf wartet, am Berg Sinai, wie sein Volk, sein geliebtes Volk zu ihm kommt, zum Bund. Oder ist es jetzt? Und die Bibel sagt, wovon dessen das Herz voll ist, dessen geht der Mund über. Das allererste, was aus uns heraus sprudelt, wenn unser Herz voll ist, ist das, was dort drin ist. Und hier sehen wir Gott, wie er im Feuer entflammt für sein Volk auf den Berg Sinai herabkommt. Und er fängt nicht an und sagt, lasst mich erstmal einige Grundregeln hier euch geben, wie ihr euch hier im Lager zu verhalten habt. Er gibt nicht eine Einführung in das Wesen seines Charakters. Nein, er kommt gleich zum Punkt. Er sprudelt aus seinem Herzen hervor.
[12:19] Ich bin der Herr, denn Gott, der dich aus dem Land Ägypten, aus dem Haus der Knechtschaft herausgeführt habe. Du sollst keine anderen Götter neben dir haben. Es sind die zehn Gebote, die in seinem Herzen sind. Es sind die ersten Worte, die er direkt an sein Volk richtet. Er kann nicht warten. Er sprudelt förmlich aus dem Haus. Wessen das Herz voll ist, dessen geht der Mund über. Es ist nicht interessant zu wissen, dass die zehn Gebote in seinem Herzen sind. Wenn sie den ersten Vortrag gesehen haben, dann wissen sie, die zehn Gebote drücken was aus. Die Liebe Gottes, denn Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes. Gott erklärt seinem Volk die Liebe.
[13:03] Das ist, was der Berg Sinai eigentlich wirklich dargestellt hat. Es war die Liebeserklärung Gottes an sein Volk. Er hat sich förmlich bemüht. Er hat ihm erklärt, worin seine Liebe besteht. Und er spricht nicht einfach allgemein zum Volk Israel. Er sagt nicht: Ihr sollt keine anderen Götter haben. Er sagt: Du und du. Zwei Millionen Israeliten, schätzungsweise, Gott spricht zu jedem Einzelnen. Er sucht den direkten Weg zum Herzen. Er hat nicht Moses sagen lassen, der dann das Ganze hat aufschreiben lassen. Gott hat die zehn Gebote direkt zu den Ohren der Menschen gesprochen. Wohl wissend, dass vom Ohr bis zum Herz es kein weiter Weg mehr ist.
[13:53] Gott wollte diesen Bund, den echten Bund mit seinem Volk eingehen. Er wollte das Gesetz in ihr Herz bringen. Er hat zu ihren Ohren gesprochen, damit es in ihr Denken kommt. Er macht ganz deutlich: Ich hab dich freigemacht. Ich hab dich erlöst. Ich hab dir alles geschenkt. Jetzt kannst du wieder mit mir zusammenleben. Die Bibel sagt uns im 2. und 3. Vers 17: Der Geist ist der Geist und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. Gott schenkt uns diese Freiheit zurück und er möchte, dass wir diese Freiheit schätzen und lieben. Dass wir gerne frei sind, frei von der Sünde.
[14:35] Aber dann passiert etwas Erstaunliches. Das Volk ist gar nicht so begeistert. In Vers 18 lesen wir folgendes. Und es das Volk sprach zu Mose: Rede du mit uns und wir wollen auf dich hören. Aber Gott soll nicht mit uns reden. Sonst müssen wir sterben. Das Volk sagt, es ist ja gut und schön, dass Gott spricht, aber irgendwie haben wir das Gefühl, er kommt uns zu nahe. Das können wir nicht aushalten. Sie empfinden die Worte Gottes als eine lebensbedrohliche Sache.
[15:21] Nun die Bibel sagt, dass eigentlich die Worte Gottes genau das Gegenteil bewirken. In Johannes 1, Vers 4 heißt es über das Wort Gottes: In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Gottes Wort ist ein Wort des Lebens, es bringt Leben. Aber die Menschen, die es hörten, damals am Berg Sinai, hatten das Gefühl, sie müssten sterben. Warum? Weil sie merkten, dass dieses Wort des Lebens, diese Liebe, dieses verzehrende Feuer, weil die Liebe eben ein Feuer ist, eine Sache hinweg nimmt, nämlich die Sünde. Denn Liebe möchte eine Verbindung eingehen, aber Sünde trennt die Verbindung, deswegen tut das Feuer der Liebe die Sünde hinwegnehmen.
[16:09] Und als Gott ihnen so nahe kam und seine Liebe erklärte, da wurde ihnen bewusst, wenn sie diesen Bund mit ihm eingehen, dann werden sie wahrscheinlich, dann werden sie ihre Sünden aufgeben müssen, ihre Lieblingssünden. Und das wollten sie nicht. Und ihnen war bewusst, dass wenn sie eine Sünde festhalten und gleichzeitig Gott so nahe kommen lassen, dann wird das gefährlich. Ja, sie waren froh, dass Gott sie aus der Sklaverei aus Ägypten befreit hat, aber die Sklaverei von der Sünde, die wollten sie noch gerne ein bisschen länger haben.
[16:47] Könnte es sein, dass wir heute oftmals genau denselben Fehler machen, dass wir gerne von den Schwierigkeiten dieses Lebens erlöst werden möchten, dass wir Gott bitten: Herr, hilf mir in meiner Notlage. Aber aus der größten Notlage der Sünde gar nicht rausgeholt werden wollen. Mose versucht dem Volk das zu erklären, was Gott wirklich vorhat. Er sagt in einem ganz fantastischen Vers, in Vers 20: Mose aber sprach zum Volk: Fürchtet euch nicht, denn Gott ist gekommen, um euch zu prüfen und damit die Furcht vor ihm euch vor Augen sei, damit ihr nicht sündigt. Das war das Ziel Gottes. Er wollte, dass die Israeliten lernen, ein Leben ohne Sünde zu leben. Diese Sünde, dass Gott die Sünde aus ihrem Leben hinwegnehmen kann, um wieder echte Gemeinschaft mit ihm zu haben. Und das ist etwas, was nicht im Alten Testament Gottes Ziel ist.
[17:37] Auch im Neuen Testament finden wir genau dieselbe Idee. In 1. Johannes 2, Vers 1 heißt es: Meine Kinder, dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt. Und wie froh bin ich über den zweiten Teil des Verses, wo es heißt: Und wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten. Aber Gottes Ziel ist, dass wir ihn fürchten. Und damit ist nicht die Furcht gemeint, die gegen die Liebe ist, die Angstfurcht, denn Mose sagt ja ganz deutlich: Fürchtet euch nicht, Gott ist gekommen, damit ihr ihn fürchtet.
[18:09] Es gibt in der Bibel zwei Arten von Furcht. Es gibt die Furcht vor Gott, das ist diese Angst, die Ausdruck fehlender Liebe ist, und dann gibt es die Gottesfurcht. Und die wird erklärt in Sprüche 8, Vers 13, da heißt es: Die Furcht des Herrn bedeutet, das Böse zu hassen. In anderen Worten, das ist eigentlich das, was der neue Bund ausmacht, das Böse gar nicht zu wollen. Wer also das Böse hasst, der braucht keine Angst zu haben. Wer Gott ganz an sein Herz einlässt, jede Kammer aufmacht und jede Sünde zum Abschluss freigibt, sozusagen, der braucht keine Angst haben. Aber genau das wollte das Volk nicht haben.
[18:51] Das Volk wollte lieber einen menschlichen Vermittler. Das Volk wollte lieber eine Beziehung auf Distanz. Sie haben gesagt: Mose, du kannst das vielleicht ab. Rede du mit Gott und du redest dann zu uns. Ja, wir möchten eine Beziehung zu Gott, aber wir möchten jemanden dazwischen geschaltet haben. Keine direkte Beziehung. So oft ist es auch in unserem Leben, dass wir vielleicht etwas von Gott wissen wollen, aber nicht zu nah an Gott kommen. Lieber einen Priester zwischen uns haben. Einen Guru, einen Prediger, der uns alles sagt, was wir tun müssen.
[19:23] In der Bibel wird auch das Bund genannt. Aber das ist nicht der wahre Bund, sondern der sogenannte alte Bund. Eine Zwischenstufe sozusagen, wie eine Fernbeziehung. Eine Beziehung auf Distanz. So als würde man seiner Liebsten sagen: Ich liebe dich, ich möchte mit dir Gemeinschaft haben. Und sie sagt: Warte mal halblang, lass uns mal ab und zu schreiben, aber lieber nicht treffen. Aber Gott liebt sein Volk so sehr, dass er selbst auf diese Ebene sich mit ihnen begibt und sagt: Okay. Okay. Dann lass uns erstmal eine Beziehung auf Distanz haben. Aber er möchte ihnen erklären. Er möchte ihnen wenigstens aufschreiben, was er wirklich gemeint hat.
[20:13] Und so gibt er dann in den folgenden Kapiteln eine ganze Reihe von Gesetzen und von Vorschriften, die alle implizieren, was eigentlich er mit den zehn Geboten vorhat. Zum Beispiel eines dieser oft missverstandenen Gesetze ist das sogenannte Sklavengesetz in 2. Mose 21, Vers 1-6. Dort heißt es in Vers 1: Die Rechtsbestimmung, die du ihnen vorlegen sollst. Wenn du einen hebräischen Sklaven kaufst, soll er sechs Jahre lang dienen und im siebten soll er unentgeltlich freigelassen werden. In Vers 5 heißt es dann aber: Wenn aber der Sklave erklärt: Ich liebe meinen Herrn, meine Frau und meine Kinder, ich will nicht freigelassen werden, sollst ihn sein Herr vor Gott bringen und ihn an die Tür oder den Pfosten stellen und er soll ihm seine Ohren mit einem Friem durchbohren, damit er ihm diene vor alle Zeiten.
[20:59] Ich habe mich lange gefragt, was bedeutet das? Bis klar wurde, dass Gott den Israeliten etwas deutlich machen wollte. Wenn man Sklave ist und die Freiheit angeboten bekommt, sollte man die Freiheit annehmen. Nur der, der freiwillig in der Sklaverei bleiben möchte, sollte so ein schändliches Loch ins Ohr bekommen. Ein Zeichen, das jeder sieht, der wollte nicht mal frei werden. Gott wollte durch solche und ähnliche Gesetzmäßigkeiten den Israeliten eine Liebe für die echte Freiheit schenken. Wie dumm ist es doch, wenn man die Freiheit angeboten bekommt und sie nicht annimmt. Gott hatte dem Volk die Freiheit von der Sünde angeboten. Und sie wollten gerne die Freiheit von Ägypten, aber nicht die Freiheit von der Sünde. Noch nicht.
[21:49] Sie wollten erst mal Gott kennenlernen. Und so kommt es zu diesem Abschluss dessen, was die Theologen den alten Bund nennen, der nichts weiter ist als eine Beziehung auf Distanz. Ja, wir bleiben auf Sichtweite, wir wissen, dass es uns gibt und wir wollen schon Gemeinschaft haben, aber Gott kommt uns nicht zu nahe. Wir wollen jemanden dazwischen haben, der dazwischen geschaltet ist. Und interessanterweise in diesem alten Bund war es vor allem das Volk, das Versprechen gegeben hat. In Vers 3 von 2. Mose 24 zum Beispiel heißt es: Und Mose kam und verkündigte dem Volk alle Worte des Herrn und alle Verordnungen. Der Antwort des Volkes einstimmig und schwach: Alle Worte, die der Herr geredet hat, wollen wir tun.
[22:35] In diesem alten Bund war es nicht Gott, der verheißen hat, es war das Volk, das gesagt hat: Wir tun das, wir machen das, wir werden das schon richtig machen. Interessanterweise musste dieser Bund, auch dieser Bund, obwohl er nur ein unvollständiger Bund war, mit Blut bekräftigt und unterzeichnet werden. Wir lesen in Vers 8: Da nahm Mose das Blut und sprengte es auf das Volk und sprach: Seht, das ist das Blut des Bundes, den der Herr mit euch geschlossen hat, aufgrund aller dieser Worte.
[23:05] Aber Gott war damit natürlich nicht zufrieden. Gott hat sich von dem Zeitpunkt an, wo das Volk gesagt hat: Mach mal halblang, hat er sich gewünscht, ihnen zumindest in illustrierter Form deutlich zu machen, was er sich eigentlich gedacht hat. So hat er in den nächsten Kapiteln ihnen das Heiligtum gegeben. Etwas, was wir, was extra Zeit nehmen würde, als ausführlich zu studieren, das rate ich Ihnen mal selbst für sich zu tun. Aber im Heiligtum zeigt Gott den Israeliten Schritt für Schritt, wie sie ihm näher kommen können. Er offenbart, was er eigentlich vorhat, in Zeichen, in Symbolen, in Dingen, die man anfassen kann, die man riechen kann, die man sehen kann. Er versucht ihnen deutlich zu machen, was er eigentlich meint. Denn die Israeliten haben es nicht verstanden.
[23:59] Sie möchten das Gesetz Gottes noch nicht ins Herz bekommen. So schreibt er es auf Steintafeln auf. Dass es zumindest da ist. Dass sie sehen, dass es gültig ist. Dass sie verstehen, dass dieses Gesetz seine Liebeserklärung ist. Es ist eine Liebeserklärung auf Stein. In 2. Mose 31, Vers 18 heißt es: Und als er mit Mose auf dem Berg Sinai zu Ende geredet hatte, gab er ihm die beiden Tafeln des Zeugnisses. Tafeln auf Stein, beschrieben mit dem Finger Gottes.
[24:35] Der alte Bund, den kann man sich so vorstellen. Der alte Bund ist wie die Anleitung zur Waschmaschine. In der Anleitung zur Waschmaschine, der Bedienungsanleitung finde ich alle Dinge exakt beschrieben. Da gibt es keine Fehler in aller Regel. Alles ist genau so beschrieben, wie es in der Realität auch ist. Aber wenn ich meine dreckigen Sachen nach einem Sportnachmittag oder was auch immer auf die Anleitung der Waschmaschine lege, werden sie nicht sauber.
[25:11] Der alte Bund war nur die Theorie, schriftlich von dem, was Gott eigentlich tun wollte. Und es ist gut, dass es die Theorie gibt. Denn durch die Theorie können wir die Realität besser verstehen. Aber wenn es nur bei der Theorie bleibt, bleiben die Sachen schmutzig. Von Anfang an hatte Gott nicht das Ziel, einfach uns nur etwas zu sagen, sondern unsere Kleider wieder reinzumachen. Das Volk Israel wollte zunächst nicht. Und Gott geht einen Schritt zurück und sagt: Ich schreibe es euch auf, was ich wirklich vorhabe, damit ihr durch das Lesen vielleicht trotzdem es versteht. Damit durch das Lesen der Dinge, die ihr schriftlich niedergelegt habt, es vielleicht doch in euer Denken kommt, was ich vorhabe.
[26:03] Könnte es sein, dass so viele Menschen heute, die sich für christlich ausgeben und Christ nennen, genau diese Erfahrung haben, dass sie im Alten Bund leben. Manchmal habe ich die Leute sagen hören: Der Alte Bund ist das Alte Testament und der Neue Bund ist das Neue Testament. Das glaube ich nicht. Ich habe viele Menschen im Alten Testament gefunden, die von ihrer Beziehung zu Gott im Neuen Bund gelebt haben, im Echten, im wahren Bund, mit dem wir noch mehr erfahren werden in den nächsten Folgen. Und ich sehe viele Menschen im Neuen Testament, zum Beispiel die Pharisäer und viele andere, die allein an der Schrift sich festhielten, ohne es selbst zu erleben, die also im Alten Bund gelebt haben.
[26:45] Ja, ich treffe heute so viele Menschen und ich weiß aus meiner eigenen Erfahrung, wie leicht man diesen Irrtum ableiten kann, dass man die Theorie kennt und glaubt, das wäre schon das Evangelium. Dass man glaubt, das wäre schon der Bund mit Gott. So als wenn man glaubt, die Heirat, eine echte Beziehung zu einer Frau besteht in einer Heiratsurkunde. Das ist töricht.
[27:13] Lieber Freund, liebe Freundin, was auch immer Ihre Einstellung ist, seien Sie nicht zufrieden mit einer Beziehung auf Distanz. Wir werden in den nächsten Folgen sehen, wie Gott schon im Alten Testament und dann vor allem auch im Neuen Testament seinem Volk deutlich machen wollte, wie aus einer Beziehung auf Distanz eine enge Beziehung, eine Erkenntnis werden könnte. Darauf freue ich mich, mit Ihnen gemeinsam das weiter zu entfalten und zu studieren, diese Liebesgeschichte Gottes. Für heute wollen wir uns vornehmen, nicht zufrieden zu sein mit der Theorie, nicht zufrieden zu sein mit einer Halbrettung, nicht zufrieden zu sein mit einer Beziehung auf Distanz, sondern uns danach ausstreckend mehr von Gott zu erfahren, näher, noch näher zu ihm zu kommen. Ist es auch Ihr Wunsch? Dann lassen wir uns gemeinsam beten.
[28:09] Lieber Vater im Himmel, wir danken dir so sehr, dass wir aus der Geschichte des Volkes Israel lernen dürfen. Du hast so großartige Dinge für sie getan und doch waren sie so langsam darin zu begreifen, was du eigentlich vorhattest mit ihnen. Und du hast so viele großartige Dinge schon in unserem Leben getan und so selten begreifen wir wirklich, was du in unserem Leben vorhast. So bitten wir dich, dass du uns dieses Verlangen schenkst, dich besser und tiefer kennenzulernen, nicht zufrieden zu sein mit dem, was wir vielleicht schon wissen, sondern nach dieser lebendigen Erfahrung mit dir zu streben. Hab Dank, dass du diese Sehnen, dieses Verlangen uns sogar in unser Herz legst und dass du es vor allem erfüllen kannst. Bitte sei du bei uns nach deiner Verheißung. Wir bitten es im Namen Jesu. Amen.
[28:57] Damit wollen wir uns ganz herzlich verabschieden und sie herzlich einladen zu der nächsten Folge von Gott mit uns. Wenn wir weitere spannende Elemente dieser Liebesgeschichte, die über Jahrtausende die Menschheit in Atem gehalten hat, studieren werden. Seien sie gespannt auf einige interessante Wendungen und interessante Begebenheiten, die ihr Verständnis über Gott völlig neu definieren werden. Ich wünsche mir Gottes Segen und Freude dabei, ihn besser kennenzulernen.
[29:56] Die Sendung ist Teil einer Videovortragsreihe und als DVD-Set erhältlich. Unterstützen Sie die Medienarbeit von Vision TV und die kostenlose Bereitstellung wertvoller Videobeiträge durch den Kauf der DVDs. www.vision-tv.de