In dieser tiefgründigen Predigt nimmt Christopher Kramp die Zuhörer mit auf eine historische Reise zu den Märtyrern der englischen Reformation, Nicholas Ridley und Hugh Latimer. Er schildert ihre Verfolgung, Inhaftierung und ihren qualvollen Tod in Oxford unter Maria I. Die Predigt beleuchtet die Bedeutung ihres Zeugnisses und hinterfragt, wie Gottes Wunsch nach Leben und Glück mit dem Opfer der Märtyrer in Einklang steht.
J.O.S.U.A. BW Camp Meeting 2024: 7. „bis in den Tod“
Christopher Kramp · J.O.S.U.A. BW Camp Meeting 2024 ·Themen: Bibel, Bibelstudium, Endzeit, Großer Kampf, Offenbarung, Prophetie, Zeichen der ZeitWeitere Aufnahmen
Serie: J.O.S.U.A. BW Camp Meeting 2024
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Transkript
[0:08] Ich war schon mehrmals dran vorbeigelaufen. Das erste Mal, als ich ausgestiegen bin in Gloucester Street am großen Busbahnhof, ich war mit meinem Gepäck unterwegs zu WAM College, und ich bin durch die Straße gelaufen und hatte keine Ahnung, dass dieser Ort dort war.
[0:25] Als am selben Abend mein Freund Matthias Ströck dann mich auch noch, wir uns getroffen haben, ein bisschen Oxford erkundet und die ersten Dinge angeschaut haben, sind wir mehrmals durch die Straße gelaufen und hatten keine Ahnung, dass das der Ort war.
[0:43] Wir haben uns dann so einen Führer gekauft für Oxford und uns einige Stätten angeschaut, und wir haben dann danach gesucht und dann haben wir realisiert: Es ist genau diese Straße, diese große Straße mit Pflastersteinen, links und rechts die großen ehrwürdigen College-Gebäuden, die es dort in Oxford gibt. Und wir dachten, na ja, wenn wir jetzt schon wissen, in dieser Straße – und die Straße ist nicht lang, man braucht fünf Minuten, um sie durchzuschreiten – dann müsste es doch hier irgendwo sein. Wir sind auf und abgelaufen, auf und abgelaufen. Es hat wirklich lange gedauert, und dann haben wir diesen Ort gefunden.
[1:30] Dieses Kreuz mitten auf der Straße, gegenüber von Balliol College, ist ein kleines Kreuz mitten in der Straße. Autos fahren drüber, Postboten fahren da drüber mit ihrem Fahrrad, Passanten gehen da drüber. Ich habe von Passanten gelesen, von Einwohnern, die jahrelang dort hinüberliefen und nicht wussten, was dieses Kreuz bedeuten soll. Manche hielten es für irgend so einen Hinweis, dass da vielleicht ein Hydrant ist, nicht wahr, irgendein Rohr oder was.
[2:01] Aber als Matthias und ich dort waren, wir haben unsere Handys gezückt, wir haben Fotos gemacht, wir haben auch einige Selfies gemacht. Was für die meisten Menschen wie ein völlig belangloses Kreuz aussieht, hatte für uns eine besondere Bedeutung. Wie viele Dinge gibt es im Leben, die für manche völlig unbedeutend sind? Man fährt drüber und weiß gar nicht, was das ist. Aber wir wussten, was das ist.
[2:30] Wir wussten, dieses Kreuz mitten in Oxford markiert genau den Ort, wo Mitte des 16. Jahrhunderts die beiden großen Reformatoren Nicholas Ridley und Hugh Latimer den Märtyrertod gestorben sind.
[2:50] Genau hier war es, als Latimer sterbend diese berühmten Worte sagte: "Be of good comfort, Master Ridley, and play the man! We shall this day light such a candle, by God's grace, in England, as I trust shall never be put out." Auf Deutsch: "Sei guten Mutes, Meister Ridley, und benimm dich wie ein Mann! Wir werden an diesem Tag durch Gottes Gnade eine solche Kerze in England anzünden, die, darauf vertraue ich, niemals ausgelöscht werden wird."
[3:36] Die wichtigste Grundvoraussetzung für eine Predigt ist, dass der Verkündiger erlebt hat, wovon er spricht. Eine der wichtigsten Anforderungen, die wir an eine Verkündigung stellen, ist doch, dass der Prediger weiß, wovon er redet, oder dass er aus Erfahrung spricht und nicht nur am grünen Tisch aus der Theorie. Vielleicht ist das der Grund, warum so selten über Märtyrer gesprochen wird.
[4:14] Für mich und wahrscheinlich auch für euch ist das Thema von den Märtyrern etwas, das irgendwo so in der nebulösen Zukunft liegt, etwas, was uns irgendwie ein bisschen zu hoch erscheint.
[4:32] Heute möchte ich keine Predigt mit einem großen Aufruf halten. Wir werden am Ende nicht den Aufruf machen: "Wer möchte ein Märtyrer sein?" Das wäre sehr unpassend für dieses Thema. Ich habe früher mal gedacht, jede Predigt braucht einen Aufruf.
[4:53] Heute Abend wollen wir hören, zuhören, was die Märtyrer uns zu sagen haben. Denn obwohl sie tot sind, reden sie. Ihr Blut redet zu uns. Ja, das griechische Wort *martyria* sagt ja, dass sie ein Zeugnis gegeben haben, und ein Zeugnis, das hört man am besten an. Heute möchte ich euch einladen auf eine kleine Reise, zuzuhören von den Geschichten von Männern und Frauen, die ihr Leben nicht geliebt haben bis in den Tod.
[5:42] Doch bevor wir damit beginnen, weil es so ein Thema ist, das so tief uns berührt, weil es ein Thema ist, über das wir, glaube ich, mehr nachdenken sollten, und weil es ein Thema ist, das uns bis in die tiefste Existenz herausfordert, möchte ich uns alle einladen, einen Moment stille zu werden, und wenn es uns möglich ist, dass wir gemeinsam niederknien und Gott einladen, unser Studium heute Abend zu segnen. Lasst uns gemeinsam niederknien.
[6:40] Himmlischer Vater, wir möchten Dir von ganzem Herzen Dank sagen für diesen schönen Tag, den wir heute gehabt haben, und für die geistliche Atmosphäre heute Abend hier. Herr, wir wissen, dass Du gegenwärtig bist. Wir wissen, dass Du Dich vorbereitet hast, zu unseren Herzen zu sprechen, und Du hast eine Botschaft für jeden einzelnen von uns. Und Herr, ich bitte Dich, dass die Predigt, die wir jetzt hören, nichts anderes ist als ein Instrument, mit dem Du zu jedem einzelnen in seiner Situation, in seiner Lage, etwas Tröstliches sprichst, etwas Erbauendes sprichst, etwas, was uns auch herausfordert, aus unserem Trott herauszukommen. Und Herr, vor allem anderen möchte ich Dich bitten, dass jeder einzelne heute Abend eine direkte Begegnung mit Dir hat, dass wir nach diesem Vortrag nicht einfach wieder hinausgehen und über alles Mögliche erzählen, sondern dass wir die Worte Deiner Bibel und die Worte der Zeugnisse, die gegeben worden sind durch die Jahrhunderte, in unserem Herzen bewegen und mit hinein in den Sabbat nehmen.
[8:01] Herr, sprich durch Dein Wort zu uns und hab Dank dafür. Du hast versprochen, dass Dein Wort nicht leer zurückkehren wird, sondern ausführen wird, wozu Du es gesandt hast. Und darum bitten wir Dich jetzt im Namen Jesu. Amen.
[8:25] Latimer war ein Reformator in Cambridge. Er war seit 1535 der Bischof von Worcester und einer der führenden Männer der englischen Reformation. Ihr wisst wahrscheinlich, in England kam die Reformation so quasi nachklappend, nachschwappend ist sie nach England gekommen. Die Schriften von Luther und die Schriften von Zwingli fanden durch Leute wie Tyndale Eingang in England, und dann so quasi der nächsten Generation gab es Leute wie ihn oder auch wie Nicholas Ridley, den Bischof von Rochester, die anfingen, den protestantischen Glauben zu predigen.
[9:08] Und unter Heinrich VIII., diesem berühmt-berüchtigten König mit den acht Frauen – vielleicht habt ihr mal von dem gehört, der sich von Rom trennte, vielleicht weniger wegen seinen protestantischen Überzeugungen und mehr, weil er unbedingt eine Scheidung haben wollte – unter ihm gab es die Möglichkeit, den Protestantismus in England zu verbreiten. Und auch unter Edward VI. war das gut möglich. Neben Ridley und Latimer war es vor allem der Erzbischof Thomas Cranmer, der eine große Wirkung hatte auf die Menschen dort in England.
[9:40] Aber Edward VI., der so positiv der Reformation gegenüberstand, starb, und nach einer kurzen Übergangsphase kam Maria I. auf den Thron. Historiker nennen sie auch Bloody Mary. Es war sie, die anfing, England wieder zurück nach Rom zu steuern, und unter ihr wurden Latimer und Ridley und Cranmer 1554 als Häretiker verurteilt.
[10:17] Das Problem, das Mary hatte, war, dass zuvor die Todesstrafe für Häresie abgeschafft worden war. Man hatte die drei führenden Leute verurteilt, konnte sie aber nicht umbringen. Das erste und das zweite Parlament in England wurden aufgelöst, und das dritte Parlament unter Mary, das dann auch die Absolution von Rom erhielt, das sich formal entschuldigte dafür, dass England mit Rom gebrochen hatte, dieses dritte Parlament setzte die alten Gesetze wieder ein. Diese alten Gesetze waren erfunden oder geschrieben worden, um die Anhänger von Wycliffe umzubringen. So alt waren die schon. Und jetzt sollten sie einem neuen Ziel dienen: Sie sollten dafür sorgen, dass die verurteilten Häretiker – neben Latimer und Ridley und Cranmer waren das sehr viele andere, deren Namen wir heute nicht alle aufzählen können und die auch nicht immer namentlich bekannt sind – dass sie umgebracht werden konnten.
[11:20] Die drei führenden Leute waren in diesem Gefängnis hier in Oxford eingekerkert, das Bocardo Prison. Und das Schlimmste für die drei war, dass sie keinen Kontakt zueinander haben konnten. Jeder saß alleine in seiner Zelle. Sie hatten vorher so gut zusammengearbeitet, und jeder, der im Werk Gottes unterwegs ist, weiß: Zusammenarbeit ist ein großer Segen. Wenn man alleine ist, dann ist es sehr viel schwerer, treu zu bleiben. Man stärkt sich gegenseitig. Zwar konnten sie zum Teil Briefe schreiben, die durch Bestechung und durch ein Augenzudrücken der Wächter hinausgeschmuggelt wurden und wieder hineingeschmuggelt wurden, aber sie hatten kaum Kontakt miteinander. Es war keine einfache Zeit.
[12:04] Sie waren neun Monate inhaftiert. Keiner von ihnen wusste, wann er exekutiert werden würde. Sie wussten, irgendwann wird es sein. Irgendwann wurde das Parlament aufgelöst, und sie fragten sich: "Na ja, was ist denn jetzt?" Niemand sagte ihnen, wie es weitergehen würde. Sie warteten geduldig und wussten, irgendwann wird es wahrscheinlich dazu kommen, dass ein Wächter sie ruft.
[12:28] Einer von ihnen, Hugh Latimer. Von ihm sagt Ridley: "He was crazed." Das heißt wohl so viel wie: "Er ist durchgedreht." Einige alte Historiker haben versucht, das ein bisschen zu verniedlichen und zu sagen: "Na ja, war vielleicht körperlich krank." Aber die Hinweise verdichten sich, dass Latimer, der schon sehr alt war, wohl einen echten Nervenzusammenbruch gehabt hat. Er hat auch bei seinen Verhören manchmal ein bisschen merkwürdig sich verhalten.
[13:00] Märtyrer waren nicht die Superhelden, die schon quasi fehlerfrei und problemlos in das Martyrium hineintauchten. Sie hatten echte, massive Probleme von Zeit zu Zeit. Aber eines, das zeichnete den Latimer aus: Er betete selbst in seinem Nervenzusammenbruch. Er betete in seiner Zelle so viel, dass, weil er ein alter Mann war, er alleine nicht mehr von den Knien hochkam.
[13:42] Drei Gebetsanliegen hatte er gehabt. Er hatte gebetet, dass das Evangelium in England wiederhergestellt wird. Sein zweites Anliegen war für die Prinzessin Elisabeth, und wenn ihr die Geschichte kennt, wisst ihr: Elisabeth ist später Königin geworden, und die Reformation hat eine neue Chance bekommen. Er hat dafür gebetet. Und das dritte Anliegen war, dass er Gnade bekommt, bis zum Tod zu seiner Lehre zu stehen und sein Herzblut für diese zu geben.
[14:11] Am Februar 1555 begannen dann die Exekutionen unter Maria I. Die ersten wurden umgebracht, aber noch nicht die drei führenden Leute. Man hoffte noch monatelang, dass, wenn sie erstmal hören, dass all ihre Schüler umgebracht werden, dass sie vielleicht doch noch anfangen, sich das noch mal zu überlegen.
[14:32] Wenn sie widerrufen würden als Führer der reformatorischen Bewegung, dann würden sie viele mitreißen. Das war das Kalkül. Doch sie gaben kein Anzeichen, dass sie irgendwie widerrufen würden. Und so begann am 30. September 1555 um 8 Uhr morgens die letzte Anhörung von Ridley und Latimer. Cranmer war schon zuvor verhört worden, war des Todes schuldig befunden worden, und nun waren Latimer und Ridley dran.
[14:54] Ridley war der erste. Er kam hinein mit einer Kappe auf dem Kopf, so sagen Geschichtsquellen. Und weil er dem Papsttum keinen Respekt zeigen wollte, hat er jedes Mal – man tut ja seine Kappe ab, wenn man in einem geschlossenen Raum ist – jedes Mal, wenn bei der Verteidigung, bei der Anklageschrift das Papsttum oder der Papst, ein Kardinal erwähnt wurde, hat er immer seine Kappe wieder aufgemacht. Und weil in dieser Anklageschrift es ständig um den Papst ging, war das ständig auf und ab und auf und ab und auf und ab.
[15:23] Die waren zum Teil hatten durchaus einen sinnvollen Humor. Also der Latimer hat in seiner Verteidigung dann durchaus auch Sätze gesagt, die das Publikum zum Lachen gebracht haben. Das hat ihnen dann selbst nicht mehr so gefallen, ich weiß, er hat sie dann so ein bisschen dafür getadelt. Aber irgendwann kam ein Beistehender und hat dem Ridley einfach seine Kappe weggenommen.
[15:47] Latimer ist gefragt worden, ob er denn zur katholischen Kirche stehe, und er sagt: "Ja, ich stehe zu einer katholischen Kirche, aber nicht die Kirche, die du katholisch nennst, die, Berichter, die man eher diabolisch nennen sollte. Hat nicht Jesus gesagt, dass seine Gemeinde verfolgt wird? Wie kann dann die Kirche, die seit Jahrhunderten verfolgt und tötet, die Gemeinde Gottes sein? Ist es nicht eher die kleine Gruppe, die ständig verfolgt wird und getötet wird?"
[16:21] Latimer hört seine Verurteilung ruhig an. Er bekommt dann keine weitere Gelegenheit mehr, seine Ablehnung des Papsttums zu begründen. Zumindest ist man so nett, dass, als er verurteilt ist, man die Menge vor der Kathedrale erst einmal weg nach Hause schickt, damit er nicht noch zusätzliche Verletzungen erhält.
[16:40] Nachdem sie verurteilt sind, vergehen 15 weitere Tage. Noch einmal kommt ein Dominikanermönch ins Gefängnis und sagt: "Überlegt's euch doch noch mal! Wollt ihr nicht vielleicht doch noch mal vernünftig werden?"
[16:52] Am 15. Tag werden ihnen zeremoniell die Bischofskleider abgenommen, sie werden degradiert. Und dann am Morgen des 16. Oktober werden sie beide zu ihrer eigenen Überraschung am selben Tag dem Gefängnis genommen. Sie sehen sich auf dem Weg und begrüßen sich und sind erstaunt, dass sie beide am selben Tag verbrannt werden und damit die Möglichkeit haben, noch einmal miteinander zu reden, gegenüber hier von Balliol College aus dem 13. Jahrhundert. Dort auf der Straße, hier irgendwo, da ist der Punkt.
[17:31] Übrigens, in diesem College hatte schon Wycliffe unterrichtet, lange, lange her. Und als sie dort an den Platz kommen, wo der Scheiterhaufen mit den Reisigbündeln schon vorbereitet ist, da haben sie sich auf ihre Knie begeben und haben gebetet. Und dann wurde eine Predigt gehalten. Bei so einer Gelegenheit gab es immer eine Predigt, und ein Bischof hielt eine Predigt, nicht, um sie noch zu ermutigen, nicht, um sie noch irgendwie zu bekehren, sondern hat in der Predigt ihnen deutlich gemacht, dass ihr Opfer umsonst sei, dass sie sterben werden ohne einen Gewinn, weil sie ja einer falschen Lehre anhängen. Er hat den Bibelvers gebraucht von Paulus: "Was nützt es mir, wenn ich meinen Leib hingebe und keine Liebe habe?"
[18:29] Und wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich hinzufügen: Derselbe Latimer, paar Jahre zuvor, ein nicht unähnliches Argument verwendet hatte, als die Anglikaner die Wiedertäufer verurteilt haben. Vielleicht hat er sich daran erinnert. Ihr wisst, dass viele der großen Reformatoren zum Teil ein klares Auge für die Gewissensfreiheit hatten, wenn es um ihre eigene Gewissensfreiheit ging, aber mitunter nicht so tolerant waren für andere Glaubensüberzeugungen, die vielleicht noch ein Stück weitergingen.
[19:11] Als die Predigt vorbei war, haben sie gebeten, ob sie vielleicht noch antworten dürften auf die Predigt. Das wurde ihnen nicht gewährt, es sei denn, sie wollen widerrufen. Und dann war der Zeitpunkt gekommen, die letzten Habseligkeiten abzugeben. Ridley hat noch so die letzten Dinge, die er bei sich hatte, an die umstehende Menge verteilt. Latimer hatte nichts mehr, nur noch sein altes Kleid und seine Kappe. Er sah wohl, so sagen die Beistehenden, etwas lustig aus, so ein bisschen alter, gekrümmter Mann mit so einer komischen Mütze auf. Aber sie sagen, als er die Mütze abgenommen hat und den Mantel abgegeben hat, dann war er in so einem Leinentuch, einem Leichentuch. Da stand er plötzlich ganz aufrecht.
[20:04] Wie ein alter, weiser Vater, so sagen Augenzeugen. Sie wurden dann angekettet, und um ihnen einen schnelleren Tod zu ermöglichen, hat man ihnen Schießpulver um den Hals gebunden. Da standen sie angebunden mit Schießpulver an dem Pfahl, die Reisigbündel bis ganz hoch.
[20:31] Und Latimer sagte: "Be of good comfort, Master Ridley, play the man! We shall this day light such a candle, by God's grace, in England, as I trust shall never be put out."
[20:54] Das Feuer wurde angezündet. Latimer ist ziemlich bald gestorben. Augenzeugen berichten, er habe wohl fast versucht, die Flammen zu umfassen. Er ist ziemlich bald gestorben. Er hat noch gerufen: "Herr, nimm meinen Geist auf!" Ridley ist nicht so schnell gestorben. Das Feuer hat die Reisigbündel nicht gleich angezündet. Das ging sehr langsam. Die Flammen schlugen nicht hoch. Wenn man verbrannt wird, dann stirbt man eigentlich meistens, weil die Flammen hochschlagen und man irgendwann dann sozusagen, wenn es in die Lunge geht, bewusstlos wird. Das war bei ihm nicht der Fall. Es war nicht der Fall. Der brannte da unten so ein bisschen, und sein Schwager hat das gesehen und wollte ihm helfen und hat noch mehr Reisigbündel draufgetan, damit es schneller brennt. Und dadurch ist das Feuer noch mehr ausgegangen. Ein qualvoller Tod. Ein qualvoller Tod.
[21:53] Und sie haben ihn überwunden um des Blutes des Lammes und um des Wortes ihres Zeugnisses willen und haben ihr Leben nicht geliebt bis in den Tod.
[22:11] Und ich möchte heute Abend ein bisschen drüber nachdenken: Was hat es eigentlich mit dem Märtyrertod auf sich? Eins ist ganz sicher: Gott hat kein Gefallen am Tod von Gottlosen, das sagt die Bibel ganz deutlich. Oder wenn er schon keinen Gefallen am Tod von Gottlosen haben kann, gefällt ihm dann der Tod von Gläubigen? Ist das etwa, wo er sagt: "Oh, jetzt hat jemand den Preis hier bezahlt, jetzt hat einmal gezeigt, wie heldenhaft er ist." Hat Gott das Ziel, dass uns das Leben genommen wird?
[22:53] Jesus hat doch gesagt: "Der Dieb kommt nur, um zu stehlen und zu töten und zu verderben. Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es im Überfluss haben." Jesus, halten wir fest heute Abend, auch wenn wir über die Märtyrer sprechen, Jesus möchte, dass wir leben und dass wir nicht nur irgendwie leben. Jesus hat das Leben geschenkt. Er wünscht sich, dass du ein gutes Leben hast. Halten wir das ganz fest, damit wir heute verstehen, worum es geht. Jesus wünscht sich, dass wir ein gutes Leben haben. Er ist dafür gekommen, damit wir das Leben haben.
[23:40] Dieses Leben ist ein Geschenk. In der Apostelgeschichte, da heißt es: "Er lässt sich auch nicht von Menschenhänden bedienen, als ob er etwas benötigen würde, da er doch selbst allen Leben und Odem und alles gibt." Lieber Freund, liebe Freundin, das Leben, das wir so schätzen, ist ein Geschenk von Gott. Und vielleicht ist uns das nicht immer so bewusst, dass unser komplettes Leben, der physiologische Aspekt, der psychologische Aspekt, der soziale Aspekt, unsere Gaben, unsere Talente, die Worte, die Gedanken, unsere Taten, dass alles das nur möglich ist, weil Gott uns Leben schenkt. Ein Geschenk.
[24:31] Einer meiner Lieblingsverse in der Bibel, der steht in Jeremia 32 und dort Vers 41. Dort sagt Gott über sich selbst: "Damit ich mich über sie freuen kann, ihnen wohlzutun, und ich werde sie einpflanzen in dieses Land in Wahrheit mit meinem ganzen Herzen und mit meiner ganzen Seele." Weil Gott dich unbedingt lebendig haben möchte, und zwar nicht nur für 70 Jahre oder 80 Jahre, nicht nur für 969 Jahre, sondern für die Ewigkeit, ist Gott bereit, alles zu geben, was er hat. Könnt ihr das sehen? "Mit meinem ganzen Herzen und mit meiner ganzen Seele." Ich betone das immer wieder: Wir kennen diese Formulierung "mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele" immer davon, dass wir Gott lieben sollen von ganzem Herzen, von ganzer Seele. Aber hier steht, dass Gott mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele dich einpflanzen möchte, mich segnen möchte, uns wiederherstellen möchte.
[25:32] Gott hat eine Priorität, und das ist dein Glück. In Johannes 10 Vers 11 steht, wie weit Gott bereit ist, dafür zu gehen. Ich weiß nicht, wer von euch hat schon mal einen Hirten gesehen? Früher war das ja allgegenwärtig. Heute muss man schon auf die Schwäbische Alb fahren wahrscheinlich oder so, um Schafhirten zu sehen. Aber stellt euch mal für einen Moment vor, ihr seid ein Hirte, ein Hirte in Israel, und ihr habt eine Schafherde, die ist so ein bisschen verteilt über den Hügel, vielleicht noch ein paar Schafe auf dem nächsten Hügel. Und ihr seht, wie vielleicht in 100 Meter Entfernung ein Löwe aus dem Dickicht kommt und der schnappt sich ein Schaf und ist dabei wegzulaufen. Ganz ehrlich, würdest du hinterherlaufen für ein Schaf? Dein eigenes Leben in Gefahr bringen, weil Löwen fressen nicht nur Schafe, sie fressen auch Menschen. Würdest du?
[26:46] Schafe, sie fressen auch Menschen. Würdest du dein eigenes Leben in Gefahr bringen für ein dummes, kurzsichtiges Schaf, von denen noch einige andere in der Herde sind? Kann man ja ersetzen, der nächste Wurf kommt bestimmt.
[27:03] Jesus sagt: Der gute Hirte liebt sein Leben nicht bis in den Tod. Heißt das, dass Jesus sein Leben gehasst hat? Nein, das heißt es nicht, aber es heißt, dass es für Jesus etwas noch Wichtigeres gab als sein eigenes Leben. Der Gedanke ist uns vielleicht fremd, weil uns das so unnatürlich ist, dass es etwas Wichtigeres geben kann als unser eigenes Leben. Oder aber für Jesus gab es etwas Wichtigeres als seine eigene Existenz. Weißt du, wer das ist?
[27:54] Du für Jesus? Bist du wichtiger als seine eigene Existenz? Und wenn ihr mir das nicht glaubt, schaut euch die inspirierten Aussagen an. Jesus sagt: Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Das ist das Wesen echter göttlicher Liebe. Sie sucht nicht das Ihre, sie denkt nicht: Was springt für mich dabei heraus? Was ist dann mein Vorteil davon? Sie rechnet nicht das auf Nutzen-Kosten-Balance. Die göttliche Liebe fragt sich: Was kann ich tun, damit es Christopher gut geht? Das ist die Nummer eins Priorität im Denken Gottes. Was kann ich tun, damit es Christopher gut geht?
[28:47] Und wenn das bedeutet, dass er sein eigenes Leben aufs Spiel setzt, ist Gott bereit, das zu tun. Jesus sagt: Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, damit ich es wieder nehme. Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir aus. Es war seine freie Entscheidung, sein Leben nicht als oberstes zu lieben. Es war seine freie Entscheidung, etwas mehr zu lieben als sein eigenes Leben. Und was für ein Leben war das, das Jesus hier gelassen hat?
[29:33] Ellen White sagt – vielleicht kennt ihr das Zitat so ähnlich aus dem Leben Jesu – ich habe mal ein anderes rausgesucht, um zu zeigen, dass es dieses Zitat in mehreren Varianten gibt, für alle diejenigen, die glauben, dass es im Leben Jesu vielleicht gefälscht sein könnte. Das gibt's mehrmals in verschiedenen Varianten. Hier sagt sie: Von Jesus ist unser Leben abgeleitet. In ihm ist Leben, das original, ursprünglich, unbegrenztes, unabgeleitetes Leben. In uns ist ein Rinnsal von der Quelle des Lebens. In ihm ist die Quelle des Lebens.
[30:12] Wenn Jesus sein Leben nicht geliebt hat bis in den Tod, dann muss ich gestehen, heute hier: Ich kann das gar nicht in Worten erklären, was das alles bedeutet. Ich kann es nicht erklären. Ich kann euch nur sagen: In ihm ist das Leben. Sein Leben hat er nicht von irgendjemandem bekommen, von keinem Menschen, von keinem Engel. Er hat es nicht mal vom Vater bekommen. Es ist original in ihm. Und dieses originale Leben war er bereit einzusetzen, weil du ihm wichtiger bist als seine eigene Existenz.
[31:07] Liebe. Jesus hat gesagt, dass du sein Freund bist. Hat gesagt: Größere Liebe hat niemand als die, dass einer sein Leben lässt für seine Freunde. Und als Jesus sein Leben gegeben hat, ihr wisst das alle, ihr kennt die Bibel, ihr wisst, er hat sein Leben gegeben, als wir noch Feinde waren, oder? Das heißt, obwohl wir noch selbst uns als Feinde ihm gegenüber verhalten, hat er in uns schon den potenziellen Freunden gesehen. Er hat uns behandelt, als ob wir Freunde wären, damit wir Freunde werden können.
[31:38] Hier ist ein Tipp, wenn du Menschen verändern möchtest durch den Heiligen Geist, wenn du es möglich machen möchtest: Behandle sie so, wie sie sein könnten und nicht so, wie sie sind. Wenn Jesus uns so behandeln würde, wie wir sind, würden wir alle verloren gehen. Aber Jesus behandelt uns so, wie wir sein könnten durch ihn. Und Hoffnung erzeugt Hoffnung, und Liebe erzeugt Liebe, und Freundlichkeit erzeugt Freundlichkeit, Freundschaft erzeugt Freundschaft.
[32:11] Ich weiß nicht, wie es dir geht, je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr kann mich das überwältigen. Und ich habe den Wunsch, Jesus zurückzulieben. Wenn wir ihn zurücklieben, was für eine Liebe wird das sein?
[32:26] Als Jesus ankündigte, dass er diesen Tod sterben würde für dich und für mich, hat er auch Folgendes gesagt: Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und seine Mutter, seine Frau und seine Kinder, Brüder und Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein.
[32:51] Sie haben ihr Leben nicht geliebt bis in den Tod, bedeutet nicht, sie haben einigermaßen gut gelebt und 15 Minuten vor dem Märtyrertod haben sie gesagt: Okay, jetzt muss ich wirklich die letzte Stufe erklimmen, jetzt werde ich mein Leben nicht mehr lieben bis zum Tod. Versteht ihr? Jesus sagt, dieses Prinzip, das eigene Leben nicht zu lieben, beginnt wann? Ganz am Anfang.
[33:24] Nun, was meint Jesus, wenn er sagt: Wer Vater nicht hasst, wer Mutter nicht hasst, wer Frau nicht hasst, wer sein Kind meint er, dass wir böse Gefühle gegen sie haben sollten? Ja oder nein? Was meint er? Er meint, dass wir etwas über sie stellen, nämlich Gott. Oder es meint, dass wir Gott mehr lieben als unseren Vater, Gott mehr lieben als unsere Mutter, Gott mehr lieben als unsere Frau, unsere Kinder, unsere Brüder und Schwestern und Achtung: Gott mehr lieben als unser eigenes Leben. Das ist keine finale Runde im christlichen Leben, das ist nicht die Königsdisziplin am Ende. Das ist die Grundvoraussetzung für Jüngerschaft.
[34:07] Da steht's. Aber denk daran, was Jesus sagt, ist: Weil ich bereit war, mein eigenes, originales Leben weniger wertzuschätzen als dich. Wenn du mir nachfolgen möchtest, weil du weißt, dass du ewiges Leben hast, musst du auch bereit sein, dein irdisches, weltliches Leben an die zweite Stelle zu setzen. Mit anderen Worten, was Märtyrer auf dem Scheiterhaufen oder am Schafott oder unter dem Henkerschwert erlebt haben, war nichts weiter als eine Fortführung eines Prinzips, dass wir eigentlich jeden Tag erleben dürfen, dass wir Gott über unser eigenes Leben stellen. Nur dass es eine Extremsituation ist, weil dann das sozusagen mal wirklich bis ins Letzte durchdekliniert wird, wirklich bis zur letzten Konsequenz gefordert wird, aber eigentlich nichts weiter als dieses Prinzip.
[35:09] Satan hat immer behauptet, dass der Mensch dazu nicht bereit sein würde. Schaut, was er sagt im Fall von Hiob: Alles, was der Mensch hat, gibt er hin für sein Leben. Mit anderen Worten, das Leben eines Menschen ist ihm so wichtig, er gibt alles dran. Das war das Argument, nicht wahr? Wenn du erstmal sein Leben antastest, dann wird er schon sagen: Okay, jetzt kommst du in die zweite Reihe. Das war die These von Satan, dass es etwas gibt, was für den Menschen niemals die zweite Liga spielen kann, nämlich sein eigenes Leben.
[35:41] Aber die Wahrheit des Evangeliums zeigt, es gibt Menschen, die haben tatsächlich ihr Leben an die zweite Stelle eingeordnet. Paulus sagt: Mein Leben ist mir auch selbst nicht teuer, wenn es gilt, Achtung, meinen Lauf mit Freuden zu vollenden. Märtyrer waren nicht notwendigerweise verbitterte, verkrümmte, hochheilige Menschen, die irgendwie über dem Erdboden schwebten. Er sagt: Ich möchte meinen Lauf mit Freuden vollenden. Mein Leben ist mir selbst nicht teuer.
[36:17] Kurze Zeit später sagt er das: Ich bin bereit, mich in Jerusalem nicht nur binden zu lassen, sondern auch zu sterben für den Namen des Herrn Jesus. Nun, Paulus musste noch nicht sterben zu dem Zeitpunkt, er hat noch viele Jahre gelebt. Das heißt, jemand kann die Bereitschaft haben, aber Gott hat noch einen Plan für uns.
[36:43] Wie kam Paulus dazu? Warum war er bereit, als er hörte, wie jeder Prophet auf dem Weg nach Jerusalem, jeder Geist der Weissagung, in welcher Gemeinde auch immer ein Prophet da war, haben sie alle gesagt: Du wirst umkommen, wenn du nach Jerusalem gehst. Du wirst gefesselt werden, du wirst gebunden werden ins Gefängnis. Du wirst getötet werden. Jeder Prophet hatte das gesagt. Und Paulus sagt: Interessiert mich nicht. Wenn es so sein soll, ich habe einen Plan, ich habe einen Auftrag von Gott. Und wenn ich mein Leben dafür geben muss, wie kam das? Weil Paulus sowieso sein Leben schon längst in die Hände Gottes gelegt hatte. Er hat gesagt: Ich bin mit Christus gekreuzigt, und nun lebe ich, aber nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir. Was ich aber jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes.
[37:33] Paulus hatte grundsätzlich sein Leben Jesus in die Hand gegeben. Und ich möchte dir heute eine Frage stellen. Niemand von uns wird heute einen Märtyrertod sterben, aber hast du heute wirklich dein Leben, dein ganzes Leben, körperlich, psychisch, emotional, intellektuell, dein ganzes Leben in Jesu Hand gegeben? Kannst du mit Paulus sagen: Ich bin mit Christus gekreuzigt?
[38:13] Johannes ist der erste Märtyrer im Neuen Testament. Er hat fast sein gesamtes Leben in der Wüste verbracht. Und als er dann berühmt wurde im Jahre 27, als er plötzlich anfing zu predigen, da wurde er, er wurde so berühmt in der Apostelgeschichte. Selbst wenn die Christen dann zu den Heiden sprechen, setzen sie immer voraus, dass Johannes und seine Bewegung bekannt waren. Jeder kannte Johannes. Ellen White sagt: Zu einem Zeitpunkt war er so berühmt, wenn er jetzt gesagt hätte: Vorwärts!, dann wären die Priester, Pharisäer, Sadduzäer, alle wären mit hergelaufen. Sie hätten ihn zum König gemacht.
[38:51] Zwei Jahre, schätze ich ungefähr, wenn ich die Chronologie richtig durchdenke, knapp zwei Jahre hat er gepredigt. Sein ganzes Lebenswerk bestand aus ungefähr knapp zwei Jahren. Das zweite Jahr davon war schon mit sinkenden YouTube-Zahlen. Seine Videos wurden immer weniger angeklickt, es wurden immer weniger Follower, die gingen alle zu Jesus. Und dann, nachdem er ungefähr zwei Jahre lang gepredigt hat, wurde er gefangen genommen. Ihr wisst, warum, nicht? Weil er hatte dem Herodes gesagt: Du kannst die Frau nicht haben. Er wurde ins Gefängnis in die Burg Machärus in Perea östlich des Jordans gebracht. Und dort blieb er monatelang. Ich glaube, er wusste nicht ganz genau, was mit ihm passiert. Zumindest lesen wir nirgendwo von einem Gerichtsverfahren oder wir lesen nichts von irgendeinem Urteil. Wir lesen aber in der Bibel, dass die Volksmenge Herodes daran hindert, ihn zu töten. Und wir lesen bei Markus, dass der Herodes eigentlich ihn auch nicht töten wollte, sondern nur die Herodias. Wir lesen bei Markus, dass Herodes ihn sogar öfter mal predigen ließ und gerne hörte. Johannes hatte wahrscheinlich guten Grund zu glauben, dass es ja irgendwann wieder vorbei ist. Wenn sich diese Frau nicht durchsetzt, komme ich irgendwann wieder auf freien Fuß.
[40:18] Und eines Tages ging die Tür auf. Der Wächter war da und hat ihm den Kopf abgeschlagen. Ich glaube nicht, dass ihm irgendjemand noch erklärt hat, was gerade bei der Geburtstagsparty passiert war. Wir lesen die Geschichte, wir sehen, was da passiert ist mit der Salome tanzend und dem Hin und Her, nicht wahr? Wir sehen die Dramatik, wir denken: Nein, nein, nein, nein, nein! Wahrscheinlich hat Johannes von allem nichts mitbekommen. Er saß in seiner Zelle wie jeden anderen Tag seit Monaten oder so. Die Tür ging auf. Markus sagt, es war sogleich, nicht? Wahrscheinlich hat der Wärter keine Zeit gehabt, ihm noch lange die Geschichte zu erzählen. Ihm wurde der Kopf abgeschlagen.
[40:55] Aber wisst ihr, was ich interessant fand? Wenn man sich die Evangelien chronologisch anschaut, dann stellt man fest, dass es nicht viele Wochen vorher war, dass er zwei seiner Jünger zu Jesus gesandt hat. Das ist wahrscheinlich nicht viele Wochen vorher gewesen. Wisst ihr noch, warum er seine Jünger zu Jesus gesandt hat? Er hat gefragt, weil ihn selbst Zweifel überkommen waren: Bist du es, oder sollen wir auf einen anderen warten? Ist es nicht interessant, dass Jesus die Herodias so lange in Schach gehalten hat, bis Johannes seine Zweifel bei Jesus abgeben konnte? Er hat so lange gewartet, bis der zweifelnde Prophet seine Zweifel abgeben konnte. Erst dann kam der Bote.
[41:49] Nicht jeder Märtyrertod wird lange angekündigt mit Pauken und Trompeten. Und das bringt uns zu einer praktischen Frage, die selbst Ellen White meistens nicht breittritt. Und sie sagt es in "Schritte zu Jesus". Sie möchte gar nicht lange drüber reden, aber ich glaube, diese Geschichte lädt uns ein, wenigstens ein paar Minuten darüber nachzudenken.
[42:10] Johannes musste jeden Tag bereit sein. Oder bist du heute bereit? Lass mich nur für ein, zwei Minuten diesen Gedanken euch nahebringen. Was wir verhüten wollten, aber wenn dieses Haus heute durch einen Erdstoß, wenn irgendeiner dieser schwäbischen Alpvulkane plötzlich wieder ausbricht, was völlig unwahrscheinlich ist, aber wenn dieses Haus hier zusammenbrechen würde und wir alle heute unsere letzte Predigt hören würden, lass mich euch eine Frage stellen: Würdest du heute wissen, dass du gerettet bist, wenn du diesen Raum nicht mehr verlassen würdest? Würdest du jetzt wissen, dass wenn du heute stirbst, dass du erlöst bist? Musst dich jetzt nicht melden, nicht sagen, aber ich möchte diese Frage stellen, weil diese Frage ist entscheidend.
[43:07] Wir glauben nicht an eine Erlösungsgewissheit, wo ich heute weiß, was ich in sieben Tagen tue. Aber wir glauben an eine Erlösungsgewissheit, wo ich heute wissen darf, dass ich heute bereit bin. Und morgen gehe ich mit Jesus, und morgen kann ich wieder heute sagen, und übermorgen kann ich heute sagen. Es ist kein Selbstläufer, aber ich darf jeden Tag wissen: Jesus ist für mich gestorben, und ich darf bereit sein.
[43:36] Und wenn du Zweifel hast, und wenn du dir heute nicht ganz sicher bist, möchte ich dir in einer Minute helfen, weil man kann dieses Problem in einer Minute lösen. Glaubt mir, in einer Minute. Als die Israeliten von Schlangen gebissen wurden, gab es eine einfache Lösung: Schau auf die Bronzeschlange!
[44:04] Wenn du heute in deinem Herzen dir nicht ganz sicher bist, wenn du heute sterben würdest, ob du heute bereit wärst, dann musst du nur eine einzige Sache tun, heute, jetzt, hier: Schau weg von den Schlangen, weg von deinen Problemen, weg von den Sorgen, weg von den Sünden, den ehemaligen Sünden, den Sünden, die du in langer Vergangenheit getan hast, die Sünden von gestern oder von heute. Schau weg und schau auf Jesus. Ellen White hat gesagt: Wenn du auf dich schaust, weißt du nicht, wie du gerettet werden kannst. Wenn du auf Jesus schaust, weißt du nicht, wie du verloren gehen kannst. In dem Moment, wo du schaust, bist du gerettet. In dem Moment, wo du schaust, wirst du verwandelt. Solange du schaust, kannst du nicht verloren gehen. Jeder, der heute Abend schaut, kann heute Abend diesen Saal verlassen und wissen: Wenn ich heute sterben würde, bin ich gerettet. Schau einfach auf das Kreuz von Golgatha.
[45:00] Denn alle Schlangen, die in deinem Leben dich jetzt bedrohen, hängen dort schon. Die Israeliten haben verstanden, dass die Schlangen, die dort gefährlich um sie waren, die hingen dort schon. Das Problem war schon gelöst. Es gibt kein Problem, dass dich heute scheinbar annagt in deinem Herzen, das nicht am Kreuz schon gelöst ist. Du musst nur hinschauen. Alle Probleme sind dort schon gelöst. Die Schlangen sind noch da, die wurden durch die Bronzeschlange nicht weggezaubert, die waren immer noch da, aber sie haben nicht mehr gebissen. Versuch nicht, die Schlangen auszutreten. Versuch nicht wegzulaufen. Lass die Schlangen um deine Füße krabbeln oder kriechen. Schau auf die Bronzeschlange, und du weißt heute, jetzt. Du musst nicht mal bis zum Ende der Predigt warten. Du kannst heute wissen, jetzt wissen: Jesus ist dafür gestorben. Egal, was mich hier gerade in meinem Herzen, in meiner Psyche, in meiner Vergangenheit irgendwie ankriegt, Jesus hat es schon bezahlt. Und wenn du das glaubst, kann es ja nichts geben, was dich hindert, gerettet zu sein. Das war der Glaube von Johannes, und ich glaube, das war der Glaube von jedem einzelnen dieser Märtyrer.
[46:16] Denn so sagt Johannes 3, Vers 16: In Vers 14 und 15 beschreibt er, wie Mose die Schlange der Wüste erhöht hat. So muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Und deswegen sagt er dann: Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gegeben, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.
[46:35] Wenn die Bibel und wenn die Kirchengeschichte zeigt, dass manche Menschen ihr Leben nicht geliebt haben, dann müssen wir immer mitdenken: Sie alle haben niemals ihr ewiges Leben aufgegeben. Sie wussten schon, dass sie ewiges Leben haben und waren bereit, auf dieses irdische Leben dann notfalls zu verzichten. Ewiges Leben müssen wir nie aufgeben. Ewiges Leben hat nur Jesus auf die Wagschale geworfen. Nur er, nur er. Das müssen wir niemals tun.
[47:07] Louis Berquin war ein französischer Humanist, ein Sprachwissenschaftler, der die Mönche verachtete, der allerdings auch mit Luther ein bisschen Probleme hatte. Er war so gebildet, er war so ein feiner Geist. Luther war ihm zu derb, weiß nicht, ob ihr das nachvollziehen könnt. Er dachte: Erasmus von Rotterdam, das ist der wahre Missionar, der wahre Reformator. Und 1523 wurden seine Schriften vom Parlament als häretisch verurteilt. Er wurde gefangen genommen, seine Schriften wurden verbrannt. Aber dann schritt Franz I., ein König von Frankreich, ein. Er hat gesagt: Moment mal, den Louis de Berquin, den tun wir jetzt nichts. Er hatte einen mächtigen Beschützer.
[47:51] Aber dann zwei Jahre später ist Franz I. in der Schlacht von Pavia gefangen genommen. Und das Parlament dachte sich: Der König ist in Kriegsgefangenschaft. Jetzt können wir den Louis Berquin mal richtig drannehmen. Er wurde wieder zum Häretiker verurteilt. Berquin verteidigt sich, aber er wäre verbrannt worden, wenn nicht der König aus der Kriegsgefangenschaft einen Brief gesandt hat und gesagt hat: Lass den Berquin in Ruhe! Das Parlament hat gesagt: Okay, okay, okay. Erasmus hat dann zu Berquin gesagt: Halt jetzt den Mund, mach nichts weiter. Der König hat dich zweimal gerettet, lass es jetzt einfach bleiben, sei still. Weil das war so die Methode von Erasmus, ja? Deswegen hat Gott den Luther gebrauchen können. Aber Berquin war eigentlich mehr wie Luther, auch wenn er vielleicht nicht zugeben wollte. Der konnte nicht. Er hat wieder angefangen, hat wieder gepredigt, hat Sachen verbreitet. Und er wurde ein drittes Mal gefangen genommen. Das Parlament hat sich nicht getraut, ihn zum Tode zu verurteilen. Die Strafe war: Er sollte zusehen, wie alle seine Schriften verbrannt werden. Dann sollte seine Zunge mit einem heißen Eisen durchstochen werden. Und dann sollte er für lebenslanges Gefängnis kommen. Berquin hat wieder zum König geschrieben, aber es kam keine Antwort. Und dann hat das Parlament gedacht: Oh, es gibt keine Antwort. Und hat ihn am nächsten Tag auf dem Scheiterhaufen verbrennen lassen.
[49:29] Auf Menschen kann man sich nicht verlassen. Das ist die Lehre, die wir aus seinem Leben ziehen können. Jemand hat gesagt, er hätte der Luther Frankreichs werden können. Ich glaube, der Bernhard hat das gestern auch erwähnt, wenn er in Franz I. einen Kurfürsten gehabt hätte. So wurde er der erste Märtyrer Frankreichs.
[49:50] Wenn wir den ersten Märtyrer der Christenheit denken, an Stephanus, nur ganz kurz, dann fällt uns auf, was er sterbend gesagt hat: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an. An wen erinnert euch das? Das war das nicht Jesus? Jeder Märtyrer hat eigentlich nichts weiter getan, als – hört mir gut zu – das klingt in unseren Ohren vielleicht merkwürdig, aber einen schwachen Abglanz...
[50:14] merkwürdig, aber einen schwachen Abglanz, ein schwaches Zeugnis zu geben von dem, was Jesus getan hat für uns. Sind das krasse Geschichten, aber verglichen mit dem, was Jesus für uns getan hat, ist es immer noch ein schwacher Abglanz, etwas, wo wir in Umrissen kennen können, was Jesus für uns getan hat. Denn Jesus sagte: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Meine Lieblingsgeschichte vom „Schatten zum Licht“, die mich schon als – ich weiß noch, wie ich als Kind, also nicht jetzt mit fünf Jahren, aber so vielleicht mit zehn oder zwölf, ich weiß nicht, bei mir zu Hause den „Großen Kampf“ genommen habe und diese Geschichte gelesen habe. Die hat mich schon als Kind fasziniert.
[50:53] Jan Hus, vielleicht kennt ihr die Geschichte, wie dieser Reformator in Böhmen im 15. Jahrhundert nach Konstanz eingeladen worden ist. Er schrieb vor seiner Abreise: „Ich vertraue vollständig auf den allmächtigen Gott, auf meinen Erretter. Er wird mir seinen Heiligen Geist geben, um mich in seiner Wahrheit zu festigen, sodass ich mit Mut Versuchungen, Gefängnis und, wenn nötig, einem grausamen Tod entgegengehen kann.“
[51:17] Eigentlich sollte nichts schiefgehen, denn Kaiser Sigismund hatte sich offiziell mit seiner eigenen Würde und der Würde seines Reiches verbürgt, dass Jan Hus nach Konstanz kommen kann und wieder zurückgehen kann. Ihr kennt die Geschichte, oder? Er kam an und 25 Tage ist ihm nichts widerfahren, hat gelebt ganz normal. Am 26. Tag hatten seine Gegner genügend Leute überzeugt: „Einem Häretiker muss man nicht das Versprechen halten.“ So wurde er ins Gefängnis geworfen, erst hierhin in das damalige Dominikanerkloster. Es ist heute ein Hotel übrigens, wenn ihr mal in Konstanz seid. Ganz großer – ich weiß gar nicht, wie oft ich in Konstanz gewesen bin. Ich habe schon so viele Evangelisten nach Konstanz gebracht, die wollten alle immer nach Worms. Sie haben gesagt: „Konstanz ist viel toller, es gibt so viel Dinge in Konstanz zu sehen.“ Aber es ist heute nicht unser Thema. Er ist dort gefangen genommen worden. Sein Zimmer war direkt neben dem Abfluss, wo die ganzen Abwässer sich gesammelt haben. Er ist so krank geworden, hat Fieber bekommen, dass man sogar den päpstlichen Arzt senden musste, um ihn am Leben zu halten, weil man wollte ihn ja verbrennen. Man wollte ihn noch ein bisschen am Leben halten. Und dann sind alle Wächter geflohen, weil einer der Päpste, der dort sogar gegenwärtig war, auch geflohen. Vielleicht kennt ihr die Geschichte. Es gab ja zu dem Zeitpunkt drei Päpste. Einer von denen war gegenwärtig, der war so schlimm, dass selbst Hus mit all seiner Kritik an der Kirche nicht mal alle Sünden aufgezählt hatte, die dieser Papst begangen hatte. Der ist geflohen und dann hat man den gefangen gesetzt, und zwar in dieser Burg, und Jan Hus gleich noch daneben. Da saßen die beiden, Jan Hus und der Papst, in derselben Burg.
[52:51] Und weil die Konzilsväter schon, weil sie diesen Papst abgesetzt haben und ihn für verkehrt erklärt haben, würde die Welt ja ahnen: Hus hatte Recht! Und das durfte nicht sein. Also musste man Hus trotzdem verbrennen und ihm den Prozess machen.
[53:04] Die Zeit reicht uns nicht aus, um alles zu erzählen. Könnt ihr nachlesen in „Vom Schatten zum Licht“ oder wenn euch interessiert, haben wir auch ein Video dazu auf J-Media. Aber Hus ist dreimal verhört worden. Beim ersten Mal kam er in den Saal hinein und er konnte kaum reden. Die Konzilsväter, diese ehrwürdigen Kardinäle, die haben alle geschrien. Luther sagt später, sie haben sich wie Wildschweine benommen, haben ihre Nackenhaare aufgestellt. Er konnte nicht mal reden. Beim zweiten Mal war der Kaiser dabei und hat für Ruhe gesorgt, weil der Kaiser, dem war das ja schon peinlich, dass er sich das einsperren lassen. Der Kaiser wollte sein Leben retten, glaubt mir, der Kaiser wollte sein Leben retten, aber das wollte Pilatus auch schon, oder? Wenn man einmal mit dem Kompromiss beginnt, dann führt er einen an Orte, wo man gar nicht gedacht hat, dass man hingehen würde.
[53:58] Er schreibt dann im Gefängnis: „Ich schreibe diesen Brief im Gefängnis und mit angeketteter Hand in der Erwartung meines Todesurteils. Morgen, wenn wir mit der Hilfe Jesu Christi uns in dem köstlichen Frieden des zukünftigen Lebens wieder treffen werden, wirst du erfahren – jetzt hört gut zu – wie gnädig Gott sich mir gegenüber gezeigt hat, wie wirksam er mich inmitten seiner Versuchung und Anfechtung gestützt hat.“ Ein Zeugnis des Märtyrers, dass mitten im Gefängnis Gott ihn getröstet hat, gestärkt hat.
[54:28] Es war dann der 6. Juli, stimmt. Das war sein Geburtstag und er wurde in den Konstanzer Dom gebracht. Man hat ein großes Podest für ihn aufbereitet. Erst wurde die Messe gesungen, da durfte er nicht dabei sein, dann wurde er hineingebracht. Und dort wurde er schlussendlich gefragt: „Willst du widerrufen oder nicht?“ Und ihr kennt vielleicht die berühmten Worte, die er dort sprach. Er sagt: „Ich bin hierher gekommen im Vertrauen auf das sichere Geleit Kaiser Sigismunds.“ Und die gesamte Menge dreht sich um und Sigismund errötet. Das hat den Luther dann 100 Jahre später gerettet, aber Hus hat das nicht gerettet. Man hat ihn dann degradiert, man hat ihm seine Kleider ausgezogen, man hat ihm eine Mitra aufgesetzt mit Dämonen drauf. Und er sagt dann selbst:
[55:27] „Überaus freudig will ich diese Krone der Schande deinetwillen tragen, oh Jesus, der du für mich eine Dornenkrone getragen hast.“ Man hat ihn dann dem Kaiser übergeben, der hat ihn dem Herzog von Bayern übergeben, der hat ihn den obersten Magistraten von Konstanz übergeben. 800 Soldaten war die Prozession stark, plus all die ganzen Prälaten und die ganzen Würdenträger und die ganze Bevölkerung, eine riesige Masse, die damals aus Konstanz herauskam bis an den Ort, wo heute noch dieser Hussenstein steht. Als er dort ankam, hat er gebetet.
[56:00] Und als er gebetet hat, beim Niederknien ist ihm diese Mitra runtergefallen mit den Dämonen drauf. Und dann ist ein Soldat hingesprungen, hat die Mitra genommen, hat gesagt: „Einen Häretiker kann man nur verbrennen, wenn auch die Dämonen drauf sind auf seinem Kopf, die er verehrt hat.“ Dann musste diese Mitra wieder auf seinen Kopf gesetzt werden. Dann hat man ihn festgeklammert, festgemacht an dem Scheiterhaufen, und zwar nach Osten, bis es irgendjemandem auffiel: „Man kann doch einen Häretiker nicht verbrennen, wenn er nach Osten schaut.“ Dann muss er wieder losgemacht werden und er wurde nach Westen gemacht. Ach übrigens, bevor er dorthin gebracht wurde, gab es sogar noch einen Streit. Man musste ja seine Tonsur wegmachen, weil er ja kein – also weil er als Laie war. Und ein Streit brach aus unter den Konzilsvätern, ob man dazu ein Messer oder eine Schere benutzen sollte. Die haben sich da Minuten lang gestritten und Jan Hus stand da, zum Kaiser gesagt: „Siehst du, sie können sich nicht mal einigen, wie sie mir wehtun.“
[57:01] Er ist dort angekettet worden und als er bereit war, als die Reisigbündel ihm bis zum Kinn gingen, also das war nicht so, dass ein bisschen Feuer unten ist, sondern er ist ja quasi umgeben worden mit Reisig und mit Holz bis oben an. Da kam der Herzog von Bayern angeritten. Die Fackel war schon bereit, aber der Herzog von Bayern kommt ein letztes Mal angeritten und sagt: „Hus, deine letzte Chance: Willst du widerrufen?“ Er wollte nicht. Er wollte sein Leben nicht höher achten als Jesus. Und dann ist Feuer angezündet worden. Das Feuer brannte. Er hat angefangen zu singen: „Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich.“ Ich kenne die Melodie nicht, die er gesungen hat. Er hat noch mal gesungen: „Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich.“ Oder ein drittes Mal angefangen: „Jesus, du Sohn Davids...“ Und dann kam das Feuer so hoch und hat ihn für immer verstummt.
[58:11] Das ist eines der ältesten Bilder aus der Zeit mit seinem Märtyrertod. Wir sind gleich am Ende, aber ich möchte nicht enden, ohne die Geschichte noch kurz zu erzählen, die eigentlich mich noch mehr bewegt hat, die von Jan Hus. Sein guter Freund Hieronymus, als er hörte: „Jan Hus ist gefangen genommen worden“, hat gesagt: „Das gibt's doch gar nicht!“ Jan Hus hat ihn beschworen, gesagt: „Wenn mir etwas geschieht, bleibe in Prag, wir brauchen einen Reformator dort. Komm nicht nach Konstanz.“ Hieronymus hat nicht gehört, der ist hingerannt, also hingefahren, ja, weite Strecken gewesen, es gab keine Autos. Ist in Konstanz da gewesen, hat gemerkt: „Ich kann ihm gar nicht helfen. Was habe ich nur Dummes gemacht?“ Ist wieder zurück und er war schon fast wieder in Böhmen, im Bayerischen Wald. Von Konstanz bis zum Bayerischen Wald ist er gekommen und dann haben sie ihn dort gepackt und wieder nach Konstanz zurückgebracht.
[59:07] Sie haben ihn so angekettet, dass er nicht sitzen konnte. Sie haben seine Hände so angekettet über seinem Nacken, dass er ständig seinen Kopf nach unten machen musste und schlimme Schmerzen gelitten hat. Als sie gemerkt haben, dass das zu schlimm ist, haben sie das dann wieder geändert, weil sie ihn ja noch verhören wollten. Er war im Gefängnis für vier Monate. Hus war schon verbrannt, alle seine Freunde waren weg. Und dann kam das Angebot: „Widerrufe und rette dein Leben.“ Und Hieronymus hat gesagt: „Ich bekenne, dass Hus und Wyclif Irrtümer gepredigt haben, abgesehen von den heiligen Wahrheiten.“ Vielleicht hat er sich daran so ein bisschen reingerettet, ja, abgesehen von den heiligen Wahrheiten, aber ansonsten haben sie Irrtümer geredet und ich möchte Katholik sein und bleiben und (Klammer auf) mein Leben retten. Aber er kam nicht frei, er kam wieder ins Gefängnis für weitere Monate, weil die Konzilsväter waren irgendwie noch nicht ganz zufrieden.
[1:00:09] Wenn du erstmal einen Kompromiss machst, lauert der Nächste um die Ecke. Er hat insgesamt fast ein Jahr im Gefängnis verbracht und gemerkt, sein Widerruf hat ihm gar nichts genützt. Und nach ungefähr einem Jahr in der Dunkelheit – wahrscheinlich wären wir alle depressiv geworden – hat man ihn ins Konzil gebracht, in die Kathedrale von Konstanz. Und er ist dort aufgetreten und das Gleiche passiert wie bei Hus. Man wollte ihn nicht mal reden lassen, man wollte ihm nur Ja-Nein-Antworten geben. Er hat gesagt: „Das kann er wohl nicht sein. Jeden Ausländer behandelt ihr besser, jeden Nichtchristen behandelt ihr besser als mich.“ Hat man gesagt: „Okay, wir geben dir eine Chance. In drei Tagen treffen wir uns.“ Und drei Tage später, am 26. Mai 1416, hat er vielleicht die größte, eine der größten Reden der Reformation gehalten, ohne irgendeine Vorbereitungszeit, ohne irgendwelche Bücher, die er hätte konsultieren können. Er hatte eine Rede gehalten vor dem Konzil von Konstanz, anfangend bei den würdigen heidnischen Philosophen, die umgebracht worden sind, über die Patriarchen und Propheten, die Apostel durch die Kirchengeschichte, und hat einen großen historischen Bogen gespannt und gezeigt, wie schon immer Menschen der Wahrheit wegen umgebracht worden sind. Und damals gab es viele Konzilsväter, die so erstaunt waren: „Wie ist das möglich? Wie kann ein Mensch so eine Predigt halten?“ Könnt ihr mir sagen, wie das möglich ist? Was hat Jesus gesagt? „Bereitet die Predigt nicht vor, speichert sie nicht auf dem Computer ab. Wenn ihr in die Situation kommt, wird der Heilige Geist euch eine Predigt geben, die ihr gar nicht vorbereiten könntet.“ Das hat sich im Leben von Hieronymus erfüllt.
[1:01:57] Und dann ist er hinweggeführt und verurteilt worden, hinweggeführt worden. Und ich kürze die Geschichte ein bisschen ab aus Zeitgründen. Er ist auf demselben Platz wie Jan Hus hingestellt worden. Man sagt, dass er auf dem ganzen Weg von der Kathedrale zu dem Platz – das ist durchaus, da läuft man ein paar Minuten, wenn man das mal in Konstanz abläuft – dann hat er die ganze Zeit Kirchenlieder gesungen. Ich weiß nicht, welche Kirchenlieder er gesungen hat, aber ich frage mich, welche Lieder werden wir singen, welche Art von Lieder werden wir singen, wenn wir mal so einen Weg gehen? Vielleicht hilft euch das in der Auswahl der Lieder heute schon. Ich habe so eine Idee, dass es eine bestimmte Art von Liedern gibt, die uns dann sehr ermutigen wird. Bestimmte Art von sogenannten christlichen Liedern, die uns da nichts geben werden, so mein persönlicher Eindruck, aber könnt ihr selbst drüber nachdenken.
[1:03:02] Und als er dort von all diesen Reisigbündeln umgeben war und als man ihn von hinten anzünden wollte, um ihm quasi das ein bisschen erträglicher zu machen, hat er gesagt: „Kommt nach vorne! Wenn ich Angst gehabt hätte vor dem Feuer, würde ich heute hier nicht stehen.“ Hieronymus hat sein Leben nicht geliebt bis in den Tod. Und wir fragen uns: „Wie lange geht das noch?“ In Offenbarung 6 steht: „Die hingeschlachtet worden sind um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses willen, dass sie hatten. Und sie riefen mit lauter Stimme und sprachen: Wie lange, Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, richtest du nicht und rächst nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen?“ Das Blut der Zeugen Jesu.
[1:03:45] Ruft schon Abel, der erste Märtyrer, sein Blut rief. Hören wir die Stimme? Abel wurde ersetzt und wir sehen in der Kirchengeschichte, wann immer Menschen für Jesus gestorben sind, kamen mindestens zwei dazu. Calvin, einer der größten Reformatoren, hat sich bekehrt, weil ein namenloser Mensch im Feuer gelächelt hat und Frieden hatte. Tertullian hat gesagt: „Semen sanguis Christianorum.“ Ein Samenkorn ist das Blut der Christen. Gott hat kein Gefallen am Tod der Gläubigen, aber er weiß, dass manchmal der Tod eines Gläubigen mehr Menschen erreicht als sein gesamtes Leben.
[1:04:31] Und ich möchte euch heute hier wenigstens das mitgeben, dass die Offenbarung sagt, dass es noch etwas Zeit gibt, bis auch ihre Mitknechte und ihre Brüder vollendet wären, die auch wie sie getötet werden sollten. Heute Abend möchte ich niemanden zum Märtyrertod aufrufen, mitnichten. Aber ich möchte euch Mut machen, es ist gut möglich, dass vielleicht der ein oder andere von uns in seinem Leben irgendwann vor dieser Wahl steht. Und ich glaube, da wird so gut wie nie drüber gesprochen. Kostbar ist in den Augen des Herrn der Tod seiner Getreuen. Er lässt ihn nur zu, wenn dadurch etwas erreicht wird, was sonst nicht erreicht werden könnte. Und deswegen wird es Märtyrer nur bis zum Ende der Gnadenzeit geben. Auch wenn nach dem Ende der Gnadenzeit die Hölle losbricht auf dieser Erde, wird es keinen Märtyrer geben, denn Gott lässt Märtyrer nur zu, wenn sie ein Zeugnis für ihn geben können.
[1:05:34] Jesus ruft nicht nur den Christen damals, sondern auch uns: „So sei getreu bis in den Tod, so werde ich dir die Krone des Lebens geben.“ Und das erinnert mich am Ende an Paulus. Er sagt in seinem letzten Brief, kurz bevor er umgebracht worden ist durch Nero: „Denn ich werde schon geopfert und die Zeit meines Aufbruchs ist nah.“ Dieses Wort „Aufbruch“ in der Schlachter könnt ihr vergessen, das ist Analyse, das ist meine Auflösung. Er wusste, jetzt werde ich bald nicht aufbrechen woanders hin, ich werde sterben, ich werde aufgelöst. Und dann sagt er Folgendes: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt. Von nun an liegt für mich die Krone der Gerechtigkeit bereit, die mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag zuerkennen wird, nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb gewonnen haben.“ Könnt ihr euch erinnern, dass der Paulus mal gesagt hat: „Ich habe es noch nicht ergriffen.“ Könnt ihr euch erinnern, dass er im Philipperbrief sagt: „Ich kämpfe noch und ich hab es noch nicht ergriffen, ich strecke mich aus.“ Ich finde es so tröstlich, dass er am Ende seines Lebens sagen konnte: „Ich habe den Lauf vollendet.“
[1:06:31] Gott lässt uns nicht sterben, wenn wir gerade so noch gar nicht irgendwie genau wissen, wo wir sind. Er wartet, er hat auf Johannes den Täufer gewartet, er hatte den Lauf vollendet. Ohne jedes Aufsehen wurde Paulus zur Hinrichtungsstätte geführt. Nur wenige Zuschauer durften zugegen sein, denn seine Verfolger fürchteten, beunruhigt durch seinen starken Einfluss, dass sein Sterben andere veranlassen könnte, sich zum Christentum hinzuwenden. Doch selbst die verrohten Kriegsknechte, die ihn begleiteten, hörten seinen Worten zu und mit Verwunderung sahen sie, wie er ja sogar freudig dem Tod entgegensah. Seine Bereitschaft, seinen Mördern zu vergeben und sein bis zum letzten Augenblick unwandelbares Vertrauen auf Christus wurden manchem Zeugen seines Märtyrertodes ein Anstoß zum ewigen Leben. Mehr als einer von ihnen nahm den Heiland an, den Paulus ihnen gepredigt hatte, und besiegelte selbst kurze Zeit später seinen Glauben mit dem Tode. Ich stell mir Paulus vor, wie er dort mit wenigen Soldaten durch Rom marschiert ist.
[1:07:47] An einem Sommertag, sagt Ellen White, nicht mit Ungewissheit oder Furcht, sondern mit freudiger Hoffnung und sehnsüchtiger Erwartung schaute der Apostel in das wunderbare Jenseits. Als er an die Stätte seines Martyriums stand, sah er weder das Schwert des Scharfrichters noch die Erde, die bald sein Blut empfangen sollte. Durch das Blau des Himmels blickte er an jenem Sommertag hinauf zum Thron des Ewigen. Wart ihr mal in Rom? Dieser blaue, azurblaue Sommerhimmel in Rom mit den Pinien drumherum. Was für ein Bild! Paulus stand da, in den Himmel geschaut, neben ihm ein Soldat mit einem Schwert, beim Gladius oder was immer die hatten, mit einem Schwert, neben ihm der Boden, wo gleich sein Blut hintropfen würde. Aber Paulus schaute nach oben in den Himmel. Dieser Mann des Glaubens schaute wie einst Jakob im Traum die Himmelsleiter als ein Sinnbild auf Christus, der die Erde mit dem Himmel, den vergänglichen Menschen mit dem unvergänglichen Gott verbunden hatte. Sein Glaube wurde gestärkt, als er sich daran erinnerte, wie sich schon die Patriarchen und Propheten auf den verlassen hatten, der auch seine stützte, und sein Trost war von diesen heiligen Männern, die im Laufe der Jahrhunderte Zeugnis für ihren Glauben abgelegt hatten. Er empfing die Gewissheit, dass Gott treu ist, von seinen Mitaposteln, die um des Evangeliums willen vor jüdischem Fanatismus, heidnischem Aberglauben, Verfolgung und Verachtung nicht zurückgeschreckt waren und ihr Leben nicht geschont hatten. Wo in Mitten geistlicher Finsternis das Licht vom Kreuz hochgehalten werden musste, vernahm er das klare Zeugnis, dass Jesus Gottes Sohn und der Weltheiland ist. Hört zu, hört genau zu: Von Folterstätten und Scheiterhaufen, aus Kerkern, Höhlen und Klüften der Erde drang der Siegesruf der Märtyrer an sein Ohr.
[1:09:38] Ich möchte euch sagen, was diese Predigt möchte. Ich möchte, dass, wenn irgendjemand von euch irgendwann einmal an diesem Punkt steht, ihr das erlebt, dass ihr euch erinnert an die Geschichten der Märtyrer, so wie Paulus sich an seiner Hinrichtungsstätte an die Geschichten der Märtyrer erinnerte. Die Stimmen der Märtyrer drangen zu ihm. Er hörte das Bekenntnis jener Standhaften, die, obwohl sie verlassen, verfolgt und gepeinigt waren, dennoch furchtlos und ernst ihren Glauben bezeugten und sprachen: „Ich weiß, an wen ich glaube.“ Die um ihres Glaubens willen ihr Leben hingaben, bekundeten damit vor der Welt, dass der, dem sie vertrauten, sie zu erretten vermag. Das Größte, was wir Gott geben können, ist unser Leben. Wenn wir unser Leben in die Hand geben, dann haben wir ihm alles gegeben, was wir haben. Letztes Zitat hier: „Durch das Opfer Christi losgekauft, in seinem Blut von der Sünde reingewaschen und mit seiner Gerechtigkeit bekleidet, trug Paulus in sich die Gewissheit, dass er in den Augen...“
[1:10:44] sich die Gewissheit, dass er in den Augen des Erlösers kostbar war. Paulus wusste das. Paulus hat nicht gehofft, na, hoffentlich werde ich jetzt noch bald irgendwie ein bisschen heiliger. Paulus hat nicht gehofft, hoffentlich werde ich es jetzt schaffen, hoffentlich nimmt Jesus mich an.
[1:10:55] Er wusste es. Und lieber Freund, liebe Freundin, wenn Paulus es an diesem Tag wissen konnte – es war noch nicht die Endzeit, war noch nicht das Ende der Gnadenzeit – er wusste es an diesem Tag, dann kannst du es auch heute wissen. Du kannst es wissen, dass du reingewaschen bist, dass du mit der Gerechtigkeit Jesu bekleidet bist. Er war überzeugt, dass der, der den Tod überwunden hat, auch bewahren wird, was ihm anvertraut ist.
[1:11:19] Und dann liest hier ab dem Zitat: Seine Gedanken und seine Hoffnung waren auf die Wiederkunft seines Herrn gerichtet. Als das Schwert des Scharfrichters fiel und die Schatten des Todes den Märtyrer umfingen, war sein letzter Gedanke der, der bei jenem großen Erwachen auch sein erster sein wird: dass er dem Herrn des Lebens begegnen werde, der ihn zur Freude der Gesegneten willkommen heißen wird.
[1:11:47] Weißt du, wie du es machen kannst, dass dein letzter Gedanke im Tod die Wiederkunft ist? Lass es heute Abend dein letzter Gedanke sein. Du wirst morgen früh damit aufwachen und lass es morgen Abend und übermorgen Abend dein letzter Gedanke sein: an Jesus. Mach das zu deiner Gewohnheit, und wenn irgendwann so eine Stunde kommt, wird es für dich natürlich sein, an Jesus zu denken.
[1:13:13] Paulus ist im Glauben gestorben. Und wir sind am Ende, aber ich möchte euch nicht lassen. Vielleicht habt ihr euch gefragt: Und was wurde aus Cranmer, Ridley und Latimer? Sie sind verurteilt worden, gestorben. Cranmer stand hier oben. Er war als Erster verurteilt worden, aber er war noch nicht umgebracht worden, weil er Erzbischof war. Das war ein paar Formalitäten, man musste erst noch nach Rom schreiben, und so verzögerte sich seine Verurteilung.
[1:12:48] Er wusste, wenige Tage später bin auch ich dran. Er stand dort oben auf dem Gefängnis von Bocardo und betete für Latimer und Ridley. Tagelang war er im Gefängnis, und als er im Gefängnis war, änderte sich plötzlich alles. Plötzlich wurde er aus dem Gefängnis herausgeführt. Man brachte ihn wieder zur Universität, man setzte ihm feine Speisen vor, man fing an, ihn wieder in akademische Kreise zuzulassen und verwickelte ihn in interessante Diskussionen. Das tolle Leben eines Akademikers, eines Kirchenmannes.
[1:13:26] Und Cranmer fing an, weiche Knie zu bekommen. Es war irgendwie hier schöner beim Wein und bei den Pasteten, angenehme Diskussion mit klugen Leuten, so viel anders als bei den Ratten in diesem verfluchten Gefängnis.
[1:13:40] Und ein Mönch kam auf ihn zu, Juan de Villagarcía, und fing an, mit ihm das Papsttum zu reden, und Cranmer ließ sich hinreißen, das Papsttum anzuerkennen. Ein Widerruf. Und er widerrief noch ein zweites Mal und dann sogar ein drittes Mal. Viermal hat Cranmer innerhalb weniger Tagen seinen Glauben widerrufen.
[1:14:09] Aber Mary war noch nicht zufrieden. Sie hat ihn wieder ins Gefängnis bringen lassen. Er überlegte jetzt: Was soll ich tun? Hieronymus hat die Entscheidung gefällt, nachdem er widerrufen hatte, das wiedergutzumachen. Aber Cranmer fing jetzt an zu überlegen: Wie kann ich mein Leben retten? Viermal hat er widerrufen, das hatte nicht ausgereicht.
[1:14:32] Und so schrieb er einen schriftlichen Widerruf, so vollständig wie ein Widerruf nur sein kann. Er hat alles abgelehnt und alles Katholische Punkt für Punkt angenommen: Transsubstantiation, Erzbischof, Papsttum, alles, alles, alles. Historiker sagen, nach kanonischem Recht hätte er sofort freigemacht werden sollen. Er hat sich völlig dem katholischen Glauben wieder übergeben.
[1:15:02] Aber Bloody Mary wollte ihn eigentlich trotzdem umbringen. Hört mir gut zu: Man kann den Satan nicht gnädig stimmen, und Gott muss man nicht gnädig stimmen. Cranmer war verzweifelt, denn er merkte, dass, obwohl er alles getan hat, er hat alles widerrufen, man trotzdem noch damit spielt, ihn vielleicht doch umzubringen. Er hat noch einen Brief geschrieben, wirklich von Herzen widerrufen. Also, wenn ich alles zusammenzähle, komme ich auf sechs Widerrufe innerhalb von wenigen Tagen.
[1:15:44] Und dann haben sie ihm gesagt: Weißt du was? Wenn du wirklich widerrufen willst, geben wir dir noch eine Chance. Aber diesmal soll es kein schriftliches Dokument sein, sondern wir möchten, dass du in der Kirche, in der University Church in Cambridge, widerrufst, und zwar vor allen Leuten. Die Überlegung war natürlich: Wenn der Erzbischof von Canterbury alles widerruft, offiziell vor allen Leuten, dann würden wir der Reformation den Todesstoß geben.
[1:16:09] Und Cranmer hat seine Rede vorbereitet, die kennen wir heute noch, ein vollständiger Widerruf. Man hat ihn dort in die Kirche getan, und hier bei diesen Säulen war das Podest. Man kann heute noch sehen, wie man etwas hier abgeschlagen hat, damit das Podest hier passt. Ich bin vor ein paar Wochen da gewesen, es war ein Klavierkonzert, nebenbei. Das hat mich nicht gestört, ich habe das hier fotografiert.
[1:16:38] Man hat Cranmer auf dieses Podest getan und hat sich so gefreut: Dieser Mann, der schon sechsmal widerrufen hat, der wird jetzt den letzten Reformatoren den Todesstoß in England verleihen. Und er hat angefangen, seine vorbereitete Widerrufsrede zu lesen und die Menschen aufzufordern, dem König, der Königin, dem Staat, der Kirche zu gehorchen.
[1:17:00] Und während er dort seine Rede vorgelesen hat, ist etwas Besonderes passiert. Er hat angefangen, von seinem Manuskript abzuweichen. Er hat angefangen, etwas anderes zu sagen als das, was dort stand. Er hat angefangen, seine sechs Widerrufe zu widerrufen. Offensichtlich hat der Heilige Geist in dem Moment etwas an seinem Herzen getan. Er hat daran erinnert, dass man mit Jesus im Himmel besser diskutieren kann als mit den Doktoren von der Cambridge und Oxford University. Dass das Wasser des Lebens besser schmeckt als der Wein und die Pasteten dort bei diesen Abendmahlen, dass die Gegenwart von Engeln angenehmer ist als von feinen Baronen.
[1:17:47] Fast wie der Liedschreiber später mal schrieb:
[1:20:28] I'd rather have Jesus than silver or gold.
[1:20:31] I'd rather have Jesus than riches untold.
[1:20:36] I'd rather be His than have houses or lands.
[1:20:46] I'd rather have Jesus than men's applause.
[1:20:51] I'd rather have Jesus.
[1:20:59] I'd rather be led by His nail-pierced hand.
[1:21:10] King of the vast dominion.
[1:21:28] I'd rather have Jesus than anything this world affords today.
[1:21:58] I'd rather have Jesus than men's applause.
[1:22:10] I'd rather be faithful to His dear cause.
[1:22:30] I'd rather be true to His name.
[1:23:31] Und er hat in seiner Predigt gesagt: "Ich weiß, ich werde jetzt verbrannt werden, und ich werde, wenn ich verbrannt werde, mit meiner rechten Hand, mit der ich all diese Widerrufe geschrieben habe, diese rechte Hand werde ich zuerst ins Feuer halten." Hat er gesagt. Er hat diese Predigt nicht beendet. Man hat ihn von dem Podest runtergerissen, man hat den Scheiterhaufen vorbereitet, man hat ihn auf den Scheiterhaufen getan, das Feuer angezündet. Er hat sein Versprechen wahrgemacht, seine rechte Hand ins Feuer gehalten, hat gerufen: "That unworthy hand!" Diese unwürdige Hand.
[1:23:44] Die sterbenden Worte von Thomas Cranmer, der, nachdem er sechsmal widerrufen hatte, doch noch zu Jesus gefunden hat. Zurück, die sterbenden Worte von dem, der so weit schon weg war, dass wir denken würden, der kommt nie wieder zurück, der hat im letzten Moment die Kurve gekriegt.
[1:24:07] Und ich möchte dir heute Mut machen, egal wie oft du gefallen bist, egal wie viel du verleugnet hast. Nicht einmal wie Hieronymus, nicht dreimal wie Petrus, sechsmal und so vollständig, dass wir alle gesagt hätten, der ist weg vom Fenster. Der Heilige Geist hat im entscheidenden Moment sein Herz erreicht. Seine sterbenden Worte waren, als er hier seine Hand ins Feuer gehalten hat: "Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Ich sehe den Himmel geöffnet und Jesus stehen zur Rechten Gottes."
[1:25:21] Ihr Lieben, wer von euch möchte sagen: Ich möchte lieber Jesus haben, lieber Jesus als alles andere auf der Welt? Vielleicht hast du dich heute mit einem oder dem anderen identifiziert. Vielleicht bist du wie Ridley, ein bisschen komisch. Vielleicht bist du wie der Latimer, ein lustiger Mensch. Vielleicht bist du wie Louis de Berquin, ganz fein und gesittet. Vielleicht bist du wie Jan Hus, so ein richtig prinzipientreuer Mann. Oder wie Hieronymus, leidenschaftlich, aber doch auch mit Fehlern. Vielleicht bist du wie Cranmer, der vielfältig. Gott kann jeden von euch gebrauchen.
[1:26:07] Du kannst heute von hier gehen und wissen, dass dein Leben in Gottes Hand ist. Du kannst wissen, dass, wenn du heute sterben würdest – was wir nicht hoffen und was Gott sich auch nicht wünscht – dass dein Leben in Gott verborgen ist. Wollen wir noch gemeinsam einmal niederknien dafür? Danke sagen.
[1:26:40] Lieber Vater im Himmel, danke, dass du heute zu uns gesprochen hast. Und Herr, du allein kennst unsere Herzen. Wenn es heute irgendjemand gibt, der sich nicht ganz sicher ist, ob sein Leben wirklich in dir verborgen ist, dann möchten wir dich bitten, dass dein Heiliger Geist ihm diese Gewissheit schenkst, dass du ihm die Gewissheit schenkst, dass, wenn er seine Sünden bekennt, dass du treu und gerecht bist.
[1:27:20] Herr, wir haben heute gesehen, dass es etwas gibt, was wichtiger als unser eigenes Leben ist, und das bist du, weil wir wichtiger sind für dich als dein eigenes Leben. Und Herr, das können wir kaum richtig begreifen. Wir können es glauben. Wir wollen heute uns neu dafür entscheiden, in unserem Herzen, unseren Gedanken, unseren Worten und Taten dich höher zu schätzen, höher einzuschätzen, höher zu lieben als uns selbst und unser eigenes Leben.
[1:27:58] Und wir danken dir, dass wir heute sehen durften, dass egal in welche Situation wir geraten, selbst wenn wir einmal in der Endzeit zum ultimativen Test gefordert werden, dass wir heute keine Angst davor haben brauchen, weil du dann die Kraft geben wirst und sogar die Freude, die wir uns heute nicht vorstellen können. Denn du gibst immer die Kraft für jeden Tag, die wir brauchen. So wollen wir die Stimmen der Märtyrer im Ohr behalten für den Zeitpunkt, wo wir sie besonders gebrauchen können. Lass uns weiter drüber nachdenken und heute mit einem Gedanken an dich einschlafen. Im Namen Jesu. Amen.
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