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In diesem Joel Media Spezial geht es um die Frage, ob sich das Papsttum wandelt. Christopher Kramp analysiert ein aktuelles Studiendokument des Vatikans, das die Rolle des Papstes im Kontext der Ökumene neu beleuchtet. Er untersucht, inwiefern die katholische Kirche versucht, das Papstamt so zu gestalten, dass es von anderen christlichen Konfessionen als „Dienst der Einheit“ akzeptiert werden kann, ohne dabei die grundlegenden Dogmen der päpstlichen Autorität und Unfehlbarkeit aufzugeben. Das Video beleuchtet die historischen und biblischen Hintergründe dieser Debatte und die Herausforderungen für die Einheit der Christen.


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Serie: Joel Media TV Spezial (Zeitgeschehen im jährlichen Update)

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Transkript

[0:44] Hallo und herzlich willkommen zu unserem Joel Media Spezial, dem ersten seit über vier Jahren.

[0:55] Diese besondere Sendereihe haben wir vor über zehn Jahren gegründet, um aktuelle Ereignisse, die biblische Prophetie bestätigen, gebündelt und in besonderer Weise ansprechen zu können.

[1:06] Wenn du, lieber Freund, liebe Freundin, dich noch nicht mit biblischer Prophetie – das heißt mit den Weissagungen aus den Büchern Daniel und Offenbarung – beschäftigt hast, dann ist diese Sendung nicht für dich gedacht.

[1:23] Wir wollen hier ein Update geben über Ereignisse und Entwicklungen, die zu Themen passen, die wir an anderer Stelle ausführlich biblisch beleuchtet haben.

[1:34] Wenn du also dich dafür interessierst, was die Bibel über die Endzeit sagt, was die Bibel über die Mächte der Endzeit sagt, dann empfehlen wir dir, zunächst einmal genau das zu studieren.

[1:48] Auf Joel Media gibt es dort ein reichhaltiges Angebot, viele Möglichkeiten, verschiedene Vortragsreihen wie zum Beispiel "Ausweg 2012" oder "Magna Conflitio", oder auch verschiedene Spezialserien der CSH über Daniel, über die Offenbarung.

[2:06] Wir haben das Offenbarungsseminar auch, wir haben auch in jüngster Zeit über das Thema "Vom Schatten zum Licht" und auch über die dreifache Engelsbotschaft ausführliche CSH-Spezialserien gehabt in diesem und dem letzten Jahr, mit ausführlichen Sendemanuskripten, wo du all das ausführlich studieren kannst, nachvollziehen kannst.

[2:28] Diese Sendung richtet sich an Menschen, die sich bereits damit beschäftigt haben, die wissen, was Offenbarung 13 vorhersagt, und die sich jetzt dafür interessieren, wie in der jetzigen Zeit Ereignisse, die wir um uns herum erleben und wahrnehmen, wie die zu dieser Prophetie passen.

[2:49] Das Thema ist heute: "Ändert sich das Papsttum?"

[2:56] Wir haben in vielen Vorträgen immer wieder biblisch nachgewiesen, dass das Papsttum, der mittelalterliche Kirchenstaat, die Erfüllung des kleinen Hornes aus Daniel 7 ist und dass Offenbarung 13 das Wiederaufkommen dieser Macht beschreibt und dass das Papsttum all das, was im Mittelalter einmal passiert ist, prinzipiell am Ende der Zeit noch einmal vollführen wird.

[3:24] Demgegenüber gibt es heute viele Menschen, auch in allerjüngster Zeit, die den Eindruck haben, das Papsttum hätte sich geändert und könne nicht mehr so gesehen werden wie früher.

[3:38] Unser Joel Media Spezial möchte aus gegebenem Anlass, aus aktuellen Schlagzeilen, die uns dieses Jahr erreicht haben, ein Dokument studieren, in dem genau diese Frage behandelt wird.

[3:52] Und wir wollen uns die Frage stellen: Müssen wir tatsächlich unsere Einschätzung des Papsttums ändern, oder muss sie nach Auswertung des Dokumentes, nach Berücksichtigung der Bibel und der Geschichte, muss diese Auslegung bestehen bleiben?

[4:10] Bevor wir damit beginnen, wollen wir Gott bitten, dass er uns Weisheit schenkt, dass wir fair und aufrichtig urteilen, dass wir mit der Bibel in der Hand nicht irregehen.

[4:23] Und ich möchte dich einladen, dass, wenn es dir möglich ist, dass wir auch gemeinsam beten.

[4:31] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass du uns dein Wort gegeben hast und in deinem Wort auch die biblische Prophetie, die uns den Weg weist zur Wiederkunft Jesu und dann bis in die Ewigkeit.

[4:48] Herr, wir sind dir dankbar, dass du in der Prophetie uns nicht nur zeigst, was kommen wird und uns Vorfreude schenkst auf eine Ewigkeit bei dir, sondern dass du auch uns warnst vor den Verführungen der Endzeit.

[5:03] Danke, dass du uns zeigst, wo wir vor falschen Evangelien gewarnt werden müssen, und dass insbesondere Offenbarung 13 und 14 diese Dinge klar und deutlich zusammengefasst werden, sodass jeder, der die Bibel liest, diese Dinge erkennen kann.

[5:20] Wir möchten dich bitten, dass, wenn wir jetzt uns mit dieser Frage beschäftigen, ob das Papsttum sich ändert, dass du unser Studium segnest, dass du uns wache Augen schenkst, ein faires Urteil und ein Vertrauen in deine Prophetie.

[5:48] Das bitten wir im Namen Jesu, Amen.

[5:48] Jesus hat in seiner berühmten Bergpredigt davor gewarnt, dass auch die Auserwählten verführt werden können.

[5:55] Er sagte in Matthäus 24, in Vers 24: "Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten auftreten und werden große Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen."

[6:06] Wir denken dabei vielleicht an Verrückte, die sich als Jesus Christus bezeichnen.

[6:12] In der Offenbarung in Kapitel 13 werden zwei Endzeitmächte beschrieben, vor denen dann auch das ewige Evangelium in der dritten Engelsbotschaft in Offenbarung 14, Vers 9 folgende, warnt.

[6:21] Das Tier wird beschrieben in Begriffen und theologischen Konzepten, die deutlich machen, dass es sich dabei um den Antichristen handelt.

[6:31] Und das zweite Tier aus der Erde – als das erste Tier aus dem Meer der Antichrist – das zweite Tier aus der Erde wird sogar in Offenbarung explizit der falsche Prophet genannt.

[6:41] Es geht also offensichtlich in Matthäus 24 und bei der Endzeit nicht nur um verrückte Einzelpersonen, sondern auch um Institutionen, Kirchenstaaten, die eine verführende Rolle spielen werden.

[6:56] Und wir wissen aus der Prophetie, dass in Offenbarung 13 der Vatikan und die Protestanten Amerikas, die USA, gemeint sind.

[7:06] Heute soll es um den Vatikan gehen, es soll um das Papsttum gehen, das von Martin Luther schon vor über 500 Jahren als der biblische Antichrist identifiziert worden ist.

[7:25] Vor ihm hatte es schon etliche gegeben, schon im Mittelalter, vor allem auch im Spätmittelalter, die einzelne Päpste als Antichristen bezeichnet haben.

[7:33] Einer der besonderen Verdienste Luthers und der Reformation war es, zu erkennen, dass das Papsttum strukturell der Antichrist ist, als Kirche, als Institution, nicht nur, dass einzelne Päpste sozusagen aufgrund von enormen Missständen so tituliert werden müssen, sondern dass das Papsttum in seiner ganzen Idee des Papstamtes etwas Unbiblisches darstellt.

[8:03] Die Offenbarung macht auch deutlich, dass dieses Tier aus der Erde, das Papsttum, nach seiner tödlichen Wunde, die, wie uns bekannt, 1798 geschlagen wurde, noch einmal große Macht bekommen wird.

[8:14] Und es heißt hier in Vers 3: "Und die ganze Erde sah verwundert dem Tier nach."

[8:21] Große Verwunderung herrschte tatsächlich vor wenigen Monaten, als Mitte Juni die Schlagzeilen um die Welt gingen, es könne eine, wie es hier heißt, große Kirchenreform eventuell geben.

[8:33] Uns wurde gesagt, der Vatikan will die Rolle des Papstes verändern.

[8:41] Es ist überall berichtet worden, auch in verschiedenen sozialen Medien sind kurze Kommentare dazu veröffentlicht worden.

[8:47] Was wir hier machen wollen, ist der Sache ein bisschen genauer auf den Grund gehen.

[8:53] Es geht nämlich um dieses Dokument unter dem Titel "The Bishop of Rome", also der Bischof von Rom.

[9:02] Hat das Dikasterium für die Förderung der Einheit der Christen – seit wenigen Jahren heißen ja die großen ehemaligen Kongregationen an der römischen Kurie Dikasterium – ein Studiendokument vorgelegt, wo genau diese Frage behandelt wird.

[9:24] Und auf dieses Dokument haben sich all die verschiedenen Zeitungsberichte, Nachrichten, Meldungen bezogen.

[9:33] Dieses Dokument nimmt seinen Ausgangspunkt von einem Zitat, das Johannes Paul II. in seinem Werk "Ut Unum Sint" geäußert hatte.

[9:47] Johannes Paul II. hatte sich sehr um die Ökumene bemüht, und "Ut Unum Sint" heißt ja auf Lateinisch "Auf dass sie eins seien", ein Zitat aus Johannes 17.

[9:56] Und da sagt er hier: "Was die Einheit aller christlichen Gemeinschaften betrifft, gehört natürlich in den Bereich der Sorgen des Primates."

[10:05] Mit anderen Worten, dem Papstamt ist die Einheit der Kirchen besonders wichtig.

[10:14] Er sagt dann, dass er die an ihn gerichtete Bitte vernehme, eine Form der Primatsausübung zu finden, die zwar – Achtung – keineswegs auf das Wesentliche ihrer Sendung verzichtet, sich aber einer neuen Situation öffnet.

[10:27] Eine Jahrtausend hindurch waren die Christen miteinander verbunden in brüderlicher Gemeinschaft des Glaubens und des sakramentalen Lebens, wobei dem römischen Stuhl mit allgemeiner Zustimmung eine Führungsrolle zukam, wenn Streitigkeiten über Glaube oder Disziplin unter ihnen entstanden.

[10:44] Wir werden darauf gleich noch später zurückkommen.

[10:46] Johannes Paul II. sagt, er vernimmt die Bitte, eine neue Form der Ausübung des Papstamtes zu finden, wobei – und das wollen wir von Anfang an feststellen – das Wesentliche der Sendung unverändert sein soll.

[11:00] Weiter heißt es hier unten: "Damit wir ganz offensichtlich miteinander die Formen finden können, in denen dieser Dienst" – gemeint ist das Papstamt – "einen von den einen und anderen, also den verschiedenen Kirchen, anerkannten Dienst der Liebe zu verwirklichen vermag."

[11:19] Johannes Paul II. entwickelte diese Vision: Man könne das Papsttum so gestalten, dass auch andere Kirchen es annehmen könnten als einen Dienst der Liebe.

[11:29] Angesichts des 25-jährigen Jubiläums dieses Dokumentes von "Ut Unum Sint" hat das Dikasterium dann dieses Dokument initiiert, um einmal zu sehen, wie weit ist man gekommen auf diesem Weg.

[11:46] Es handelt sich ausdrücklich um ein Studiendokument, also keine Lehrentscheidung des Papstes "ex cathedra".

[11:53] Es ist keine offizielle Lehrmeinung der katholischen Kirche und macht das auch ganz deutlich.

[12:00] Wir müssen also sozusagen dieses Dokument auch richtig einordnen, ist ein Studiendokument, das zur weiteren Bewertung vorgelegt worden ist, sowohl der katholischen Kirche als auch den anderen Kirchen.

[12:15] Trotzdem ist es interessant, dieses Dokument sehr ausführlich zu lesen, weil es nicht einfach die Privatmeinung von jemandem ist, sondern das Studiendokument der offiziellen Stelle der römischen Kurie, an der die Ökumene bearbeitet wird: das Dikasterium für die Förderung der Einheit der Christen.

[12:32] Wir wollen zunächst einmal uns ein bisschen die Frage stellen, was aus päpstlicher Perspektive an der ganzen Sache dran ist.

[12:41] Vielleicht ist es von Anfang an wichtig darauf hinzuweisen, dass das ganze Dokument mit einem Problem ringt, und das Problem in Anführungsstrichen ist das Erste Vatikanische Konzil.

[12:57] Es heißt gleich auf Seite 3: "Complementing the definitions of the First Vatican Council on Primacy", also komplimentierend zu den Definitionen.

[13:09] Und um diese Definition geht es in diesem Dokument immer wieder, und deswegen ist es gut, wenn wir uns sie uns kurz vor Augen führen.

[13:17] Im Ersten Vatikanischen Konzil ist 1870 in dem Dokument "Pastor Aeternus" folgendes gesagt worden, und unter Punkt 21, das heißt, wenn er – das heißt der Papst – in Ausübung seines Amtes als Hirte und Lehrer aller Christen mit seiner höchsten apostolischen Autorität erklärt, dass eine Lehre, die den Glauben oder das sittliche Leben betrifft, von der ganzen Kirche gläubig festzuhalten ist, dann besitzt er Kraft des göttlichen Beistandes, der ihm im heiligen Petrus verheißen wurde, eben jene Unfehlbarkeit, mit der der göttliche Erlöser seine Kirche bei Entscheidungen in der Glaubens- und Sittenlehre ausgerüstet wissen wollte.

[14:04] Deshalb lassen solche Lehrentscheidungen des römischen Papstes keine Abänderung mehr zu, und zwar von sich aus, nicht erst infolge der Zustimmung der Kirche.

[14:14] Also autonom kann der Papst unfehlbar entscheiden.

[14:23] "Wer sie aber vermessen sollte – was Gott verhüte – dieser unserer Glaubensentscheidung zu widersprechen, der sei im Bann."

[14:30] Schon im Abschnitt davor, im Absatz davor, wird gesagt: "Obwohl nun gerade die gegenwärtige Zeit der heilbringenden Wirkkraft – merken wir uns das auch – des apostolischen Amtes" – damit ist das Papstamt gemeint – "so dringend bedarf, mit anderen Worten, es ist so dringend in der jetzigen Zeit, gibt es dennoch nicht wenige, die sich seiner Autorität nicht fügen wollen."

[14:50] Also Vatikan 1 hatte das explizite Ziel, die Unfehlbarkeit des Papstes auch als Autorität darzustellen, der man sich fügen sollte.

[15:04] Im 20. Jahrhundert hat dann das Zweite Vatikanische Konzil wichtige, wie man heute es bewertet, ausgleichende Sätze formuliert, zum Beispiel in "Lumen Gentium".

[15:18] Das ist das große Dokument über die Kirche und die Lehre der Kirche, Paragraph 27: "Sie sind nicht als Stellvertreter der Bischöfe von Rom zu verstehen – das sind die Bischöfe – denn sie haben eine ihnen eigene Gewalt inne und heißen in voller Wahrheit Vorsteher des Volkes, das sie leiten."

[15:37] "Folglich wird ihre Gewalt von der obersten und allgemeinen Gewalt nicht ausgeschaltet, sondern im Gegenteil bestätigt, gestärkt und in Schutz genommen."

[15:44] Es geht also darum, hier die Macht der einzelnen Bischöfe unter dem Papst zu stärken.

[15:49] "Dabei bewahrt der Heilige Geist die von Christus dem Herrn in seiner Kirche gesetzte Form der Leitung ohne mit" – halten wir das auch einmal fest.

[16:02] Weiter wird hier davon gesprochen, was der Bischof von Rom sei.

[16:07] "Der Bischof von Rom ist als Nachfolger Petri das immerwährende sichtbare Prinzip und Fundament für die Einheit der Vielfalt von Bischöfen und Gläubigen."

[16:18] "Die Einzelbischöfe wiederum sind sichtbares Prinzip und Fundament der Einheit in ihren Teilkirchen, die nach dem Bild der Gesamtkirche gestaltet sind."

[16:25] "In ihnen und aus ihnen besteht die eine und einzige katholische Kirche."

[16:29] "Daher stellen die Einzelbischöfe je ihre Kirche, alle zusammen aber in Einheit mit dem Papst, die ganze Kirche im Band des Friedens, der Liebe und der Einheit dar."

[16:37] Also das ist sozusagen die Lehre von Vatikanum 1 und Vatikanum 2 über das Papsttum.

[16:45] Schon Paul VI. hatte ziemlich klar erkannt, dass, wie er hier sagt, das Papsttum, so wissen wir ganz genau, ohne Zweifel das größte Hindernis auf dem Weg der Ökumene darstellt.

[17:02] Das also das Problem: Ökumene scheint zu scheitern an dem Anspruch des Papstes.

[17:10] Darum geht es den Päpsten jetzt: Wie können wir die anderen Kirchen wieder mit uns vereinen?

[17:19] Und an diesem Problem des Papsttums arbeiten.

[17:25] Er sagte ebenfalls schon 1964: "Sie, die Kirche, wird unablässig darauf hinweisen, dass die Vorrechte, welche die getrennten Brüder noch von ihr fernhalten – also das Papsttum – nicht das Ergebnis ehrgeiziger historischer Ansprüche oder fantastischer theologischer Spekulation sind, sondern sich aus dem Willen Christi herleiten."

[17:45] Also er sagt, das, was die anderen Kirchen von uns trennt, nämlich die Nichtakzeptanz des Papsttums, das Papsttum selbst, was sozusagen die Trennung bewirkt, ist eigentlich der Wille Jesu und richtig verstanden eine Wohltat für alle, sind für die gemeinsame Einheit, für die gemeinsame Freiheit und für die gemeinsame christliche Fülle.

[18:10] "Die katholische Kirche wird sich unaufhörlich darum bemühen, sich durch Gebet und Buße der ersehnten Versöhnung fähig und würdig zu machen."

[18:17] Er sagt also, die anderen Christen glauben, das Papsttum sei etwas vielleicht historisch Gewachsenes, eine fantastische theologische Spekulation, irgendein ehrgeiziger Anspruch.

[18:26] In Wirklichkeit ist es Jesu Wille und gut für alle.

[18:29] Das ist also der Anspruch, den wir hier sehen.

[18:35] Und dann sagt er weiter: "Wir Förderer der Versöhnung..."

[18:39] Oder fangen wir gleich vorne an: "In dieser Hinsicht bedrückt uns besonders ein Gedanke, dass nämlich gerade wir Förderer der Versöhnung von vielen getrennten Brüdern wegen des Primates der Ehre und der Jurisdiktion, den Christus dem Apostel Petrus übertragen hat und den wir von bekommen haben, als deren Hindernis angesehen werden."

[19:00] Er sagt, das ärgert uns, oder besser gesagt, das bedrückt uns, dass gerade dieses Papstamt als Hindernis gesehen wird von den anderen Kirchen.

[19:11] "Sagen nicht manche, eine Wiedervereinigung der getrennten Kirchen würde viel leichter zustande kommen, wenn der Primat des Papstes aufgegeben würde?"

[19:20] "Wir möchten die getrennten Brüder eindringlich bitten, die Haltlosigkeit einer solchen Annahme zu bedenken."

[19:24] Also an eine Auflösung des Papstamtes wird von päpstlicher Seite natürlich nicht gedacht.

[19:38] Johannes Paul II. sagte in dem schon zitierten "Ut Unum Sint": "Der Auftrag des Bischofs von Rom in der Gruppe aller Bischöfe besteht eben darin, wie ein Wächter zu wachen – 'episkopein', das ist das Griechische, auch schon im Neuen Testament so –, dass dank der Hirten in allen Teilkirchen die wirkliche Stimme des Hirten Christus zu hören ist."

[19:54] "Auf diese Weise verwirklicht sich in jeder der ihnen anvertrauten Teilkirchen die 'Una Sancta Catholica et Apostolica Ecclesia', also die eine heilige, katholische und apostolische Kirche."

[20:04] "Alle Kirchen befinden sich in voller und sichtbarer Gemeinschaft, wie alle Hirten in Gemeinschaft mit Petrus und so in der Einheit Christi."

[20:13] Wir sehen hier die Idee in der katholischen Kirche: Wenn alle mit dem Papst in Gemeinschaft sind, auch wenn sie ihre eigene Verantwortung, ihre eigene Autorität haben, dadurch entsteht die Einheit der Kirche, so die Lehre.

[20:27] Und das ist die Idee.

[20:29] Wir werden jetzt öfter den Begriff "Dienst der Einheit" hören, das ist damit gemeint.

[20:34] Er sagte auch: "Nach Jahrhunderten erbitterter Polemiken" – damit ist natürlich auch Luther und Co. gemeint – "stellen die anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften zunehmend mit einem neuen Blick Untersuchung über diesen Dienst an der Einheit an."

[20:48] Und was uns heute hier beschäftigen soll, ist zu sehen, wie tatsächlich verschiedene Kirchen das Papstamt neu bewerten.

[20:54] Wir wissen nicht genau, wie exakt dieses Dokument umgesetzt werden wird, aber wir sehen hier eine ganze Reihe von Ideen, von Konzepten, von Gedanken, die wir auf jeden Fall in der Zukunft vermehrt hören werden und denen wir begegnen müssen.

[21:14] Benedikt XVI. sprach nach seiner Wahl zu den versammelten Kollegen, dass er ganz bewusst als vorrangige Verpflichtung die Aufgabe hat, mit Kräften an der Wiederherstellung der vollen und sichtbaren Einheit aller Jünger Christi zu arbeiten.

[21:33] Das ist sein Bestreben, das ist seine dringende Pflicht.

[21:38] Interessant ist auch, was er danach sagte: "Der theologische Dialog ist notwendig, und die Untersuchung der geschichtlichen Beweggründe dieser Entscheidungen, die in der Vergangenheit geschehen sind, ist ebenso unerlässlich."

[21:48] "Und jetzt kommt etwas Interessantes: Aber am dringendsten ist die Zitat 'Reinigung des Gedächtnisses', die von Johannes Paul II. so oft hervorgehoben wurde und die allein die Herzen darauf vorbereiten kann, die volle Wahrheit Christi anzunehmen."

[22:04] Er erklärt nicht genau, was er damit meint oder was Johannes Paul II. damit meint, aber "Reinigung des Gedächtnisses" kann ja letztlich nur bedeuten, dass man Dinge auch vergisst, die gesagt worden sind, die getan worden sind und die der Ökumene entgegenstehen.

[22:24] "Reinigung des Gedächtnisses."

[22:26] Ebenfalls sagte er 2011: "Wir wissen, dass es vor allem die Primatsfrage ist, um deren rechtes Verständnis wir weiter geduldig und demütig ringen müssen."

[22:35] "Ich denke, da können wir uns die Gedanken..." Und dann zitiert der Papst Johannes Paul II. und sagt: "Das ist weiterhin ein guter Anstoß."

[22:43] Auch Franziskus hat sich dazu geäußert.

[22:47] Er sagte: "Da ich berufen bin, selbst zu leben, was ich von den anderen verlange, muss ich auch an eine Neuausrichtung des Papsttums denken."

[22:55] "Meine Aufgabe als Bischof von Rom ist es, offen zu bleiben für die Vorschläge, die darauf ausgerichtet sind, dass eine Ausübung meines Amtes der Bedeutung, die Jesus Christus ihm geben wollte, treuer ist und mehr den gegenwärtigen Notwendigkeiten der Evangelisierung entspricht."

[23:12] Also Franziskus hat auch diese Idee aufgegriffen: "Wir müssen", so sagen sie, "die Ausübung des Amtes ein bisschen modifizieren."

[23:22] Und er stellt fest: "In diesem Sinne sind wir wenig vorangekommen."

[23:26] "Auch das Papsttum und die zentralen Strukturen der universalen, der Universalkirche, haben es nötig, dem Aufruf zu einer pastoralen Neuausrichtung zu folgen."

[23:35] Das klingt also erstmal wie ein Aufruf zur Erneuerung, zur Reformation.

[23:46] Weiter sagt er: "Wir können auch sagen, dass der ökumenische Weg erlaubt hat, das Verständnis des Amtes des Nachfolgers Petri zu vertiefen."

[23:50] Also durch die Ökumene, sagt er, sei auch die katholische Kirche zu einem vertieften Verständnis des Papstamtes gekommen.

[23:59] Und dann 17. Oktober 2015 eine interessante Formulierung, die für unser Thema gleich noch wichtig wird: "Die Tatsache, dass die Synode immer 'cum Petro et sub Petro' handelt, also mit Petrus und unter Petrus."

[24:16] Das heißt wörtlich oder bedeutet: nicht nur mit dem Papst, sondern unter dem Papst.

[24:23] Das ist sehr wichtig.

[24:25] Franziskus stellt heraus: "Wann immer sich die Bischöfe treffen und gemeinsam beraten, dann tun sie das 'cum Petro', also mit dem Papst, und 'sub Petro', unter dem Papst."

[24:37] Also der Papst ist ein Gleicher und gleichzeitig einer, der über ihnen steht.

[24:42] Und er sagt, dass es keine Begrenzung der Freiheit, sondern eine Garantie für die Einheit.

[24:45] Halten wir das ganz gut fest, weil wir werden jetzt viele Begriffe dann hören und viele Formulierungen, die erstmal sehr blumig und sehr schön klingen: "Dienst für die Einheit" und "gemeinsam" und "ja, alle gemeinsam".

[25:00] In der katholischen Lehre wird die Einheit dadurch garantiert, dass alle gemeinsam...

[25:04] dadurch garantiert, dass alle gemeinsam beraten und am Ende doch einer über allen steht. Das ist die Garantie der Einheit, so das päpstliche Verständnis. Der Papst ist nämlich nach dem Willen des Herrn, so verstehen sie das, das immerwährende sichtbare Prinzip und Fundament für die Einheit der Vielheit von Bischöfen und Gläubigen. Also das Zeichen der Einheit, so versteht sich das Papsttum.

[25:31] Nun, das Studiendokument zeigt jetzt, das war ein Kurzüberblick über das, was Päpste in den letzten Jahrzehnten dazu gesagt haben, die auch im Studiendokument zitiert werden. Es gab verschiedene Reaktionen auf den Aufruf von Johannes Paul II., gemeinsam neue Formen zu finden. Orthodoxe, Orientale, Anglikaner, Lutheraner, verschiedene protestantische Kirchen, sie alle haben sich mehr oder weniger in offiziellen Dialogen und auch in inoffiziellen Studiengruppen in den Jahrzehnten mit diesem Thema befasst. Und dieses Studiendokument stellt also jetzt nicht einfach einen Vorschlag der katholischen Kirche dar, sondern zeigt, was in den letzten Jahrzehnten über dieses Thema geschrieben worden ist. Es gibt uns also einen guten Hinweis darauf, wo wir stehen, eine Standortbestimmung in der Frage, wie andere Kirchen auch über den Bischof von Rom denken und wie auch nach katholischer Sicht eine Einheit der Kirchen unter dem Bischof von Rom möglich wäre.

[26:30] Es gibt dabei verschiedene theologische Fragen, die wir uns hier gemeinsam anschauen wollen: vier Kerngebiete. Erstens, die biblischen Grundlagen für das Petrusamt. Zweitens, das sogenannte Ius divinum, das erkläre ich dann. Und dann die Frage der Jurisdiktion. Der Papst behauptet ja, der oberste Richter zu sein, das ist das Primat der Jurisdiktion. Und theologisch bei ex cathedra-Entscheidungen unfehlbar zu sein. Diese vier Punkte sind diskutiert worden und werden diskutiert.

[27:00] Dabei wird deutlich, dass protestantische Kirchen bereit sind zu Zugeständnissen. Hier eine Sammlung von Dingen, die von protestantischer Seite in den letzten Jahrzehnten angeführt worden sind, um sich dem Papsttum anzunähern. Man habe, so wird gesagt, eine Vorrangstellung des Petrus in den Evangelien und in der Urgemeinde erkannt.

[27:22] Nun, wenn wir die Bibel lesen, sehen wir, dass es keinen Amtsvorrang von Petrus gegeben hat. Er wird, und das stimmt tatsächlich, in allen Listen zuerst genannt, in Matthäus 10 Vers 2 sogar explizit als der Erste bezeichnet. Er ist unter den ersten berufenen Jüngern, das stimmt, aber Johannes und Andreas sind vor ihm berufen worden oder Jünger gewesen. Er wird, so wird behauptet, als Sprecher der Apostel dargestellt, aber das ist eine Übertreibung. Es scheint Teil seiner Persönlichkeit gewesen zu sein, sehr stark impulsiv, immer auch gerne zu sprechen. Er war kein formaler Sprecher der Apostel.

[28:01] Weiter wird behauptet von protestantischer Seite mittlerweile, er wäre einer der ersten apostolischen Zeugen für die Auferstehung. Das ist unklar. Es könnte durchaus sein, dass die beiden Apostel, die auf dem Weg nach Emmaus waren, Jesus früher gesehen haben. Aber natürlich hat auch Maria Magdalena vorher gesehen. Und dann wird gesagt, wird hervorgehoben, dass ihm der Schlüssel zum Himmelreich gegeben sei. Das sind, wie gesagt, jetzt neue protestantische exegetische Erkenntnisse. Also Protestanten studieren die Bibel und sagen: „Na ja, wenn wir das Neue Testament anschauen, dann müssen wir schon sagen, dem Petrus ist der Schlüssel zum Himmelreich gegeben worden.“ Aber natürlich ist auch das einseitig, und das ist natürlich auch bekannt, denn Matthäus 18 formuliert dieselbe Formulierung oder hat dieselben Formulierungen für alle Jünger.

[28:52] Er ist der, so wird gesagt, der Bekenner und Prediger des wahren Glaubens. Das stimmt, aber ist nicht der Erste. Schon Andreas und auch Nathanael sagen das, was Petrus später in Matthäus 16 sagt, schon in Johannes 1. Und dann wird behauptet, er sei – und das, da müssen unsere Ohren gespitzt sein – er sei der Träger eines einzigartigen Dienstes der Einheit. Und das gehe aus Johannes 21 und aus Lukas 22 Vers 22 hervor. Und wenn man die Texte nachliest, stellt man fest, dort wird überhaupt kein Dienst der Einheit als solcher definiert.

[29:28] Das ist aber deswegen interessant, weil dieser Dienst der Einheit genau das Konzept ist, das von katholischer Seite immer wieder vorgeschlagen worden ist und wie das Papsttum auch in katholischer Lehre betrachtet wird. Johannes 21 ist die Wiedereinsetzung von Petrus in sein Apostelamt als einer der Zwölf, und ihm wird dort gesagt, er solle die Lämmer weiden, die Schafe weiden. Er hat also wieder die pastorale Aufgabe, ist nur einer von den Zwölf. Und in Lukas 22 heißt es, dass, wenn er umgekehrt sei, soll er seine Brüder stärken. Das ist aber etwas völlig anderes als der Anspruch, ein Amt zu haben, das für die Einheit der Kirche garantiert. Das geht daraus nicht hervor.

[30:09] Auch die katholische Kirche hat neue Perspektiven gewonnen, Dinge, die uns biblisch vollkommen klar sind: Petrus ist nicht nur der Fels, sondern auch ein Fischer, ein Missionar, ein Zeuge, ein Märtyrer, ein schwacher Mensch und auch ein Sünder. Und dankenswerterweise hat Johannes Paul II. das auch festgehalten.

[30:27] Außerdem ist der katholischen Kirche aufgegangen, dass die frühesten Kirchenväter ab dem dritten Jahrhundert sehr unterschiedlich mit Matthäus 16, dem berühmten Vers über also den Felsen, umgehen, nämlich teilweise beziehen dies auf jeden Christen, andere beziehen es auf alle Apostel und Bischöfe, und andere Kirchenväter allein auf Petrus, und zwar jetzt entweder, weil er das Fundament ist oder weil sein Bekenntnis das Fundament der Kirche ist. Das ist ein großer Unterschied.

[30:58] Und dann wird immer wieder auch darauf hingewiesen, dass die frühen Kirchenväter natürlich alle glaubten, dass der Christus eigentlich der erste und wichtigste Stein, der Stein an sich ist.

[31:09] Das Interessante nun ist, dass während früher diese Lesarten gegeneinander abgewogen worden sind, ja, und Protestanten haben sich dann dafür entschieden zu sagen, das Bekenntnis Christus ist der Stein, wird jetzt eine ökumenische Lesart vorgeschlagen, bei der, Achtung, alle Auslegungen gleichzeitig richtig sind. Das heißt, als Protestant kann man dann sagen, ich glaube, dass Jesus Christus der Stein ist oder dass das Bekenntnis zu Christus der Felsen ist, und gleichzeitig ist dann gleichzeitig richtig, dass es sich auch speziell auf Petrus bezieht. Dadurch wird also die katholische Lehre nicht aufgegeben, sie wird nur mit dem anderen kombiniert. Interessanterweise soll alles dann richtig sein.

[31:56] Nun, wer die Bibel kennt, weiß, Jesus hat deutlich gesagt, ohne sich auf Petrus in irgendeiner Weise zu beziehen, schon in der Bergpredigt: „Ein jeder nun, der diese meine Worte hört und tut, der hat sein Haus auf den Felsen gebaut.“ Der Felsen ist Christus, seine Worte und seine Kraft.

[32:18] Außerdem wird von katholischer Seite mittlerweile zugegeben, dass in der Urgemeinde durchaus eine Diversität gewesen sein mag. Man hat auch erkannt, Matthäus 18 spricht von allen Aposteln und nicht nur von Petrus. Dass das, was in Matthäus 16 auf Petrus bezogen, so dachte man ja, wird in Epheser 2 Vers 20 auf die ganze Gemeinde bezogen. Man hat wahrgenommen, dass auch Paulus, wie man es nennt, einen Dienst der Einheit gehabt haben soll. Dass Petrus, Johannes, Jakobus als Säulen genannt worden sind. Also die Perspektive ist schon die, dass biblisch das nicht so klar ist, wie es die katholische Kirche vielleicht früher im Mittelalter behauptet hat.

[33:00] Man versucht auch mehr, den Fokus jetzt zu legen auf das Aufseheramt generell, auf den Bischof an sich, und betont dabei jetzt, dass Leitung natürlich Dienst ist, eine Diakonia, wie es Jesus ja selbst gesagt hat. Er selbst hat als Menschensohn gedient und kam nicht, um sich dienen zu lassen. Und dieser Gedanke ist sehr wichtig und sehr richtig, und den kann man nur begrüßen. Autorität besteht im Dienen und nicht im Dominieren. Dazu kann man Amen sagen.

[33:32] Nun, interessanterweise heißt es jetzt hier, dass man Schwierigkeiten hatte, zum Beispiel in dem offiziellen Dialog zwischen Lutheranern und Katholiken in den USA. Man hatte Schwierigkeiten, jetzt direkt ein Fundament für den Papstdienst im Neuen Testament zu finden. Deswegen hat man ein neues Konzept eingeführt, das Konzept einer petrinischen, einer petrinologischen Funktion. Man hat also gesagt, wir können aus dem Neuen Testament nicht ableiten, dass es ein Papstamt gibt, aber wir könnten sozusagen so ein Konzept entwickeln, dass es so eine Art Funktion gibt, eine so eine Petrusfunktion.

[34:10] Und dann wird weiter gesagt, wenn man dieses Bild dann ein bisschen weiter verfolgt und so ein bisschen diese Richtung weiterdenkt, dann sieht man, wie das im Laufe der Zeit sich so entwickelt hat. Und diese Entwicklung ist dann keine Begründung für das Papstamt im späteren technischen Sinne, aber könnte sozusagen – man kann da eine Möglichkeit sehen, dass es so in diese Richtung sich orientiert hat durch die weiteren Faktoren, die halt die Entwicklung der Kirche beeinflusst haben. Mit anderen Worten, man muss ein bisschen weg vom Neuen Testament in die frühe Kirchengeschichte.

[34:40] Und deswegen haben einige theologische Dialoge zwischen Protestanten oder auch zwischen Orthodoxen und katholischen Vertretern herausgefunden, dass man nicht die Bibel alleine dazu nehmen kann. Man muss auch die Tradition dazu nehmen, wenn man das Papstamt begründen möchte. Und das ist natürlich für uns jetzt erstmal keine große Überraschung.

[35:07] Also man hat festgestellt, das hat auch mit der geopolitischen Bedeutung der Stadt Rom zu tun gehabt. Und dann wird gesagt, na ja, aus Apostelgeschichte 19 und auch Kapitel 25 könne man auf diese besondere strategische Bedeutung Roms für die weltweite Mission schließen. Wir haben ja vorhin gelesen, dass das Papstamt aus katholischer Sicht so wichtig sei für die weltweite Evangelisierung. Nun, wenn man sich die Texte anschaut, dann sieht man natürlich, dass Paulus in keinster Weise Rom jetzt als das Zentrum der Mission gesehen hat. Er sagt einfach, dass er auch Rom sehen muss. An die Römer schreibt er dann, dass er auch Spanien sehen muss. Und er hat sich dann auf den Kaiser berufen, aber natürlich nicht, weil er dachte, dass in Rom jetzt das Zentrum für die Einheit der Kirchen sein sollte. Also hier wird mit den Texten völlig falsch umgegangen.

[35:56] Man muss dann also tatsächlich auf die früheste Kirchengeschichte gehen. Man verweist dann auf die Gräber von Paulus und Petrus und sagt, das sei schon irgendwie so ein Hinweis, dass die römische Kirche eine einzigartige Verantwortung für die Einheit der Kirche hat. Man verweist dann zum Teil auf ein paar Stellen bei Tertullian, der durchaus schon auch Texte auf Petrus allein bezogen hat. Wie wir vorhin auch gesehen haben, ist das bei den Kirchenvätern sehr unterschiedlich. Und dann natürlich Leo I., der dann diese – im Leo I., Verzeihung, natürlich in der Mitte des 5. Jahrhunderts, der diese ausgearbeitete Idee hatte, dass römische Bischöfe die rechtmäßigen, juristischen Nachfolger von Petrus seien.

[36:43] Und da dieser Leo beim Konzil von Chalkedon 451 die theologische Basis lieferte für die Entscheidung zur Christologie damals, wird jetzt gesagt von einigen, das könnte man so interpretieren, dass dort ja auch dann die allgemeine Kirche dieses Petrusamt akzeptiert habe. Das ist allerdings an dieser Stelle historisch vollkommen unhaltbar, denn genau dieses Konzil Chalkedon 451 hat in seinem 28. Kanon beschlossen, dass Rom gerade keinen Vorrang hat, sondern Konstantinopel den gleichen Rang habe wie Rom. Und dagegen haben die Päpste jahrzehntelang angekämpft. Also hier wird nicht nur die Bibel mitunter falsch ausgelegt, hier wird auch die Geschichte geglättet.

[37:29] Um noch einmal ganz kurz darauf hinzuweisen: wir haben ja einige Meilensteine in der Entstehung des Papsttums auf der Folie. Wer das möchte, kann das noch mal dann das Video stoppen und sich das durchlesen. Wir haben an anderer Stelle das ausführlich erklärt. Der wesentliche Punkt ist, die Entstehung des Papsttums ist eine spätantike Sache, die damit zu tun hat, dass plötzlich Konstantinopel denselben Rang hat wie Rom. Und nachdem vorher Bischöfe von Rom einfach nur deswegen bedeutsam waren, weil sie in der Hauptstadt residierten, jetzt erst Ende des vierten Jahrhunderts diese Idee einer theologischen, juristischen Vormachtstellung des Bischofs von Rom entsteht. Siricius ist dann Ende des vierten Jahrhunderts der, der sich Papst nennen lässt, der sich dann vom Kaiser inspirieren lässt, so kaiserliche Ausdrucksweisen übernimmt. Und dann im 5. Jahrhundert wird diese Idee entwickelt durch Leute wie Leo und dann noch Gelasius, wo das Papsttum unerhörte Machtansprüche stellt, die allerdings immer noch abgelehnt werden im Osten. Und erst im 6. Jahrhundert durch neue Kaiser im Osten, durch Justin und Justinian, das Ganze dann offiziell für die ganze Kirche implementiert wird.

[38:40] Das können wir hier an dieser Stelle übergehen. Das Zwischenfazit ist: Die katholische Kirche hat also biblische Argumente zur Kenntnis genommen, aber keine konsequenten Schlussfolgerungen daraus gezogen, sondern propagiert jetzt, man müsste alle Auslegungen nebeneinanderlegen und gemeinsam akzeptieren. Und die Protestanten sind und auch Orthodoxe sind bereit, jetzt Bibelstellen so zu biegen ein bisschen, dass sie durchaus eine besondere Rolle von Petrus begründen könnten, obwohl das oft gegen die Aussageintention des Textes geht. Und weil die Bibel trotz alledem keine klare Basis liefert für das Petrusamt, muss die Frühkirche, also die frühe Kirchengeschichte, hinzugezogen werden, wobei allerdings auch hier Geschichtsfakten umgedeutet werden und geschönt werden.

[39:30] Ein wichtiger Punkt ist das sogenannte Ius divinum. Das ist das sogenannte göttliche Recht, weil die katholische Kirche das Papstamt als göttliches Recht bezeichnet. Es gibt in der katholischen Lehre durchaus Dinge, die nicht göttlichen Rechtes sind, die man theoretisch auch verändern könnte, ja. Es gibt also die Idee von göttlichem und von menschlichem Recht. Und Dinge, die nur als menschliches Recht festgesetzt sind, die könnten einer Änderung unterworfen sein, aber eben das Papsttum nicht, weil es als göttliches Recht definiert worden ist.

[40:02] Und deswegen wird jetzt dafür geworben, diese Begriffe göttliches und menschliches Recht neu zu interpretieren und zu definieren. Dahinter steckt auch die Frage: Ist das Petrusamt notwendig oder nur fundamental möglich? Manche differenzieren und sagen, ja, es wäre nicht nötig für das Sein der Kirche, aber nur für die Einheit der Kirche, was natürlich eine komische Differenzierung ist, denn das würde bedeuten, man könnte sich eine Kirche ohne Einheit vorstellen. Also das wird hier sehr kontrovers oder, ich kontrovers, aber sehr differenziert diskutiert.

[40:42] Was man jetzt tut, ist, man stellt diese klare Trennung zwischen göttlichem Recht und menschlichem Recht in Frage und sagt, na ja, göttliches Recht drückt sich halt auch immer in historischen, konkreten Gegebenheiten aus. Dann ist das Papstprimat sowohl göttlichen als auch menschlichen Rechtes. Es sei historisch gewachsen und trotzdem Gottes Wille.

[41:06] Die Anglikaner sagen dazu, man könnte ja diesen Begriff göttliches Recht so verstehen, dass es eine Art göttliche Vorsehung sei. Also der Heilige Geist habe das einfach dann so geführt. Und dann könnte man unter bestimmten Umständen dann auch das auf das Papsttum anwenden. Und dann wäre Vatikanum I. mit diesem krassen Definition, die wir am Anfang gelesen haben, für die Anglikaner akzeptierbar. Wir sehen ja also, wie durch Umformulierung plötzlich Dinge akzeptierbar werden, die vorher undenkbar waren.

[41:46] Es wird also jetzt eher unterschieden zwischen der theologischen Essenz und der historischen Entwicklung. Und dann sagt man, na ja, manche Dinge, die das Papsttum gemacht hat und gesagt hat, waren zu bestimmten Zeiten halt notwendig und sind es jetzt allerdings vielleicht nicht mehr. Deswegen könnte man bestimmte Aspekte beiseitelegen und nur das Wesentliche bewahren. Was ist das Wesentliche? Das Wesentliche auf jeden Fall, auf jeden Fall auch nach diesen Zitaten hier, ist der Dienst der Einheit. Andere Aspekte könnten dann vielleicht historisch nur bedingt sein. Das heißt, bestimmte Dinge sind göttlichen Willens und bestimmte Aspekte des Papstes sind nur historisch bedingt und dann nicht mehr vonnöten.

[42:30] Das heißt, die katholische Kirche hat den Anspruch, das Papsttum wäre göttlichen Rechtes, nicht aufgegeben. Stattdessen werden jetzt neue Begrifflichkeiten eingeführt, um das Konzept für Protestanten annehmbarer zu machen. Zum Beispiel, es ist dann, wird gesagt, das ist eine göttliche Führung in der Geschichte. Das heißt dann im Grunde genommen, es hätte zwar anders kommen können, es war also nicht von vornherein so gesetzt, aber da das Papsttum historisch durch Gottes Willen gewachsen sei, müsste es jetzt auch als göttliche Institution wahrgenommen werden.

[43:08] Ja, und das ist natürlich ein fauler Kompromiss. Das Papsttum könnte also bereit sein, bestimmte Einzelaspekte beiseitezulegen, weil man sie als historisch, zeitbedingt betrachtet in der heutigen Zeit. Aber gleichzeitig würde die Kernaufgabe bestehen bleiben, nämlich die Einheit aller Christen zu garantieren. Wir haben gesehen, was Einheit bedeutet in der katholischen Kirche: Wenn alle in Harmonie und in völliger Kommunion mit dem Papst sind, sind sie auch alle in der Einheit. Und das wäre dann die göttliche Bestimmung. Also man könnte sagen, bestimmte Dinge sind göttlichen Rechtes sozusagen, bestimmte Dinge sind menschlich nur und nicht notwendig.

[43:47] Das würde aber konkret bedeuten: Würden Protestanten das annehmen, dann wäre letztlich Widerstand gegen die Ökumene als ein Widerstand gegen Gottes Willen interpretierbar. Und hier ist das brandgefährlich, was die Protestanten an dieser Stelle machen. Brandgefährlich! Mehr dazu gleich noch weiter unten.

[44:07] Der nächste Punkt oder die nächsten beiden Punkte behandeln wir hier zusammen: Die päpstliche Unfehlbarkeit und die universale Jurisdiktion sind beide eng miteinander verknüpft. Und das war schon lange vor dem Ersten Vatikanischen Konzil die Glaubenslehre der katholischen Kirche. Also der Papst, wenn er eine Lehrentscheidung trifft, ist er unfehlbar und ist der oberste Richter. Das meint die Jurisdiktion.

[44:30] Und jetzt, da diese Dogmen so formuliert sind, sind natürlich eine größte Herausforderung für die Ökumene. Wie kann man sie so neu formulieren, dass sie jetzt für andere Kirchen annehmbar werden? Dazu sagt man, ja, man muss diese Definition nicht isoliert betrachten, sondern im Licht des Evangeliums betrachten, im Licht der gesamten Tradition und des historischen Kontextes.

[44:53] Dann sagt man, ja, das Erste Vatikanische Konzil hat ja einen bestimmten Kontext. Da gab es Strömungen in Frankreich, die wollten die Nationalkirchen aufwerten, die wollten den Einfluss des Papstes minimieren, die wollten wieder die Konzilien stark machen. Dann gab es den Regalismus, wo die Staaten versucht haben, Einfluss auf die Kirche zu nehmen. Dann gab es den Liberalismus, der sich überhaupt gegen die Kirche gerichtet hat, Rationalismus, moderne Wissenschaft. Glaubensformulierungen sind hinterfragt worden. Und dagegen hat die katholische Kirche halt sich gewehrt mit dem sogenannten Ultramontanismus. Man wollte einen starken Papst, eine zentralisierte Kirche nach dem Modell moderner Staaten, um damit die Freiheit des katholischen Glaubens zu beschützen. Man sagt also, man muss Vatikanum I. so im historischen Kontext verstehen.

[45:38] Außerdem hat ja der Deutsch-Französische Krieg das Konzil unterbrochen. Deswegen konnte das Konzil zwar über den Papst sprechen, aber nicht nur über die Bischöfe. Das geschah erst beim Zweiten Vatikanischen Konzil. Und deswegen muss man das Erste und das Zweite gemeinsam lesen. Ganz wichtig jetzt immer mitzudenken: Die katholische Kirche ist also bereit, weitere Gedanken dazu zu nehmen, aber nicht Vatikanum I. aufzugeben. Ist ganz wichtig, wird nicht aufgegeben. Es werden nur noch Dinge dazugenommen, die es ein bisschen annehmbarer formulieren sozusagen.

[46:15] Und dann wird gesagt, man müsse unterscheiden zwischen dem, was im Ersten Vatikanischen Konzil gesagt wird und dem, was gemeint war. Ja, dann wird gesagt, na ja, schon Vatikanum I. hat ja gesagt, es soll so verstanden werden, wie es von der Kirche immer schon geglaubt worden sei, also gar nichts Neues. Und dann sagt man, man müsse auch unterscheiden zwischen dem, was der Text wirklich sagt und was später da noch hineininterpretiert haben. Und gelten, so sagt man, dürfen nur die...

[46:47] und gelten, so sagt man, dürfen nur die Auslegung der katholischen Kirche, nicht das, was dann spätere protestantische Kommentatoren, die sich sozusagen ausgelassen haben über Vaticanum I und die das alles ja negativ bewertet haben. Die haben das dann vielleicht übertrieben und deswegen müssen wir bei der konkreten, klaren, wie man meint, Auslegung der Kirche selbst bleiben. Und dort sei es halt so, dass das Primat des Papstes ja die Autorität der Bischöfe nicht reduziere. Und jetzt interessanterweise die Unfehlbarkeit des Papstes der Unfehlbarkeit der Kirche entspreche und sich auf die Bibel, die Tradition und bereits angenommene Lehrmeinungen beschränke.

[47:31] Nun schauen wir uns Vaticanum II an, das ja als ausgleichendes Dokument oder ausgleichendes Konzil wahrgenommen. In *Dei Verbum*, das Wort Gottes. Da heißt es folgendermaßen: „Die Aufgabe aber, das Geschriebene oder Überlieferte, das heißt Tradition, Wort Gottes verbindlich zu erklären, ist nur dem lebendigen Lehramt der Kirche anvertraut, dessen Vollmacht im Namen Jesu Christi ausgeübt wird. Das Lehramt ist nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm, indem es nichts lehrt, als was überliefert ist.“ Dann heißt es hier: „Weil es das Wort Gottes aus göttlichem Auftrag und mit dem Beistand des Heiligen Geistes und voll Ehrfurcht hört, heilig bewahrt und treu auslegt und weil es alles, was es als von Gott geoffenbart zu glauben vorlegt, aus diesem einen Schatz des Glaubens schöpft. Es zeigt sich also, dass die Heilige Überlieferung, also die Tradition, die Heilige Schrift und das Lehramt der Kirche gemäß dem weisen Ratschluss Gottes so miteinander verknüpft und einander zugesellt sind, dass keines ohne die anderen besteht und dass alle zusammen, jedes auf seine Art, durch das Tun des einen Heiligen Geistes wirksam dem Heil der Seelen dient.“

[48:42] Also Vaticanum II, das immer auch in diesem Studiendokument als eine Art Ausgleich gesehen wird, sagt: Tradition, Bibel und Papst bilden eine Einheit, die nicht getrennt werden kann. Man kann nicht eines ohne das andere haben. Das ist, was es sagt, ist nur etwas freundlicher formuliert als Vaticanum I, das so ein bisschen sehr, ja, also sehr, sehr, sehr, sehr scharf formuliert. Das heißt, Vaticanum II verbindet die Tradition der Kirche, das päpstliche Lehramt und die Bibel zu einer unauflöslichen Einheit. Wenn man also dem folgt, was hier vorgeschlagen wird, dann kann man die Bibel gar nicht mehr ohne Tradition und ohne das päpstliche Lehramt als Fundament des Glaubens haben. Und damit wird das päpstliche Lehramt zwingend notwendig für jede korrekte Bibelauslegung. Vaticanum II hat also Vaticanum I unter keinen Umständen minimiert oder reduziert, sondern einfach nur eine blumigere Sprache gefunden für denselben Gedanken. Mein Kommentar dazu ist Psalm 119, Vers 99: „Ich bin verständiger geworden als alle meine Lehrer, denn über deine Zeugnisse sinne ich nach.“ Jeder von uns kann die Bibel verstehen und braucht weder einen Papst, ein Konzil oder eine Kirche.

[50:04] Was Vaticanum II dazu noch betont hat, was es vorher zwar auch schon katholisches Glaubensgut war, aber nie so definiert worden war in dem Sinne, das ist die Unfehlbarkeit der Kirche. Das heißt es nämlich: „Die Gesamtheit der Gläubigen, welche die Salbung von dem Heiligen Geist haben, kann im Glauben nicht irren.“ Da steht *Lumen Gentium* in dem großen Dokument über die Kirche. Und das bedeutet also, wenn die Kirche nicht irren kann, dass dann natürlich auch der Papst, der Repräsentant der Einheit der ganzen Kirche ist und für sie sozusagen dann spricht, auch genau diese Unfehlbarkeit hat. Also die Unfehlbarkeit ist sozusagen nicht reduziert worden, sie ist nicht gemindert worden, sie ist sozusagen noch mehr theologisch ausgeweitet, begründet worden, ist ein größeres Fundament gegeben worden, warum die Unfehlbarkeit des Papstes so wichtig sei, weil halt die Kirche auch unfehlbar sei.

[51:08] Also Kommentar: Die Unfehlbarkeit des Papstes ist nicht untergraben, sie ist vielmehr noch zusätzlich betont. Zusätzlich ist die Unfehlbarkeit der Kirche betont worden, und also da der Papst Haupt und sichtbares Zeichen der Einheit der Kirche sei, hängen seine Unfehlbarkeit und die der Gesamtkirche auch voneinander ab. Und das heißt, wenn die Kirche als Ganzes unfehlbar ist, dann kann man vielleicht an einzelnen Missständen arbeiten. Das ist ja in der katholischen Kirche auch momentan der Fall. Man möchte in den Missbrauchsfällen zum Beispiel Missstände abschaffen. Aber dann gibt es keinen begründeten Anlass mehr zu einer grundsätzlichen Reformation, wo man sagt, das ist alles sozusagen systemisch falsch, so wie es aber Luther und andere damals gefordert haben und durchgeführt haben. Und damit wird die Kirche sozusagen vor der Reformation immun, weil sie sich als im Ganzen unfehlbar betrachtet.

[52:07] Es gibt jetzt neue hermeneutische Ansätze, ja. Da heißt es zum Beispiel: Die Autorität des Papstes ist pastoral. Selbst wenn sie juristisch in der Form ist, ist sie doch im Zweck pastoral. Also auch wenn der Papst als Richter auftritt und als Richter entscheidet, ist ja der Sinn dahinter, dass er wie ein Pastor ist. Wird also nicht seine juristische Autorität und Macht beseitigt oder infrage gestellt, sie wird nur anders gekleidet, dass er jetzt als ein Pastor richtet. Und das sollte immer in so einem kollegialen Kontext betrachtet werden. Er richtet halt, weil er auch Bischofskollegen hat. Ja, und dann macht man sogar Wortstudien und zeigt, es sei also keine absolute Monarchie intendiert, obwohl natürlich zumindestens im Vatikanstaat der Papst als absoluter Monarch regiert.

[52:58] Nun schauen wir uns den Text einfach selbst an, den *Pastor Aeternus*, also Vaticanum I. Da heißt es: „Ist aber vom Heiligen Stuhl, dessen Autorität die höchste ist, ein richterlicher Spruch ergangen, hat kein Mensch das Recht, diesen noch einmal zur Verhandlung zu stellen oder sich als Richter darüber aufzuwerfen.“ Also das ist eigentlich ziemlich deutlich. Oder weiter unten: „Diese Gewalt sei keine – also wenn jemand sagt, diese Gewalt sei keine ordentliche und unmittelbare über die Gesamtheit der Kirchen wie über jeder einzelne, über alle Hirten und Gläubigen wie über jeden einzelnen, der sei Bann.“ Also die Macht, die juristische Macht des Papstes ist in Vaticanum I absolut unqualifiziert, ohne jede Ausnahme, in jeglicher Hinsicht. Das wird jetzt einfach nur in Vaticanum II und in diesen Studiendokumenten als pastoralen Zweck umformuliert. Es wird darauf hingewiesen, die Unfehlbarkeit sei natürlich keine persönliche Eigenschaft des Papstes, sondern nur eine Gabe in bestimmten, engen, umrissenen Situationen. Wir alle wissen, nicht jedes Zeitungsinterview des Papstes ist unfehlbar, das war uns auch schon vorher klar. Sie ist auch nicht unabhängig von der Kirche. Und das heißt aber, der Text im Vaticanum I sagt ganz deutlich, es gibt keine formale Zustimmung von außen. Also mit anderen Worten, wenn der Papst entscheidet, dann muss das niemand mehr noch mal beschließen und es darf auch von niemandem angegriffen werden. Jetzt sagt man, na ja, es ist aber trotzdem nicht unabhängig von der Kirche. Das ist aber nur eine Worthülse, denn wenn jemand entscheiden kann und niemand kann ein Veto einlegen, dann ist es vielleicht nicht unabhängig, ist aber trotzdem autonom.

[54:41] Letztlich wird gesagt, die Unfehlbarkeit sei nicht absolut, er könne ja keine neuen Lehren verkünden, sondern nur die bestehende katholische Überzeugung vertiefen. Und dann ist es interessanterweise hier im Dialog mit den Lutheranern gesagt worden, dass die Sprache der Unfehlbarkeit nicht dazu gedacht ist, etwas der Autorität des Evangeliums hinzuzufügen, sondern vielmehr, dass diese Autorität des Evangeliums ohne Ambiguität jetzt erkannt werden kann. Mit anderen Worten, die päpstliche Unfehlbarkeit besteht darin, das Evangelium klar zu definieren. Und da habe ich ein gewaltiges Problem, weil ich glaube, das Papsttum lehrt ein Evangelium, das ganz weit weg ist von dem Evangelium der Bibel. Und so haben es natürlich auch Luther und Melanchthon gesehen.

[55:28] Das heißt umgekehrt, wenn ich das jetzt alles gegen den Strich lese, das heißt es nach wie vor, kann der Papst in eng umrissenen, bestimmten Situationen Unfehlbarkeit in Anspruch nehmen. Es gibt kein Veto gegen eine unfehlbare Papstentscheidung. Auch wenn er nicht eigenmächtig handelt, bedeutet es nur, dass er die Kirche mit einbezieht, aber nicht, dass sie ihn hindern kann. Sie werden zwar alle gefragt, sie können aber nicht hindern. Das ist genau das, was wir sehen auch jetzt in der gegenwärtigen Zeit, wo die sogenannte Synodalität sehr gefördert wird. Alle sollen mitreden dürfen, alle sollen etwas sagen dürfen. Entscheiden tut der Papst.

[56:10] Der Papst kann also bestehende Irrlehren der katholischen Kirche durch dogmatische Festschreibung für alle verbindlich und damit heilsentscheidend machen. Und er maßt sich an, die Lehre des Evangeliums unverhandelbar und autoritativ festzuschreiben. Dadurch wird ein eigenes Verständnis des Evangeliums durch eigenes persönliches Bibelstudium letztlich nicht mehr möglich. Und da gibt es noch weitere Neuinterpretationen. Die Lutheraner sagen zum Beispiel, na ja, also wir können uns schon vorstellen, dass der Papst so einen Dienst der Einheit ausführen könnte, der dann eher befreiend ist und „empowering“, also sozusagen Kraft gibt und nicht mehr so restriktiv und so repressiv. Ja, also wenn sozusagen die Stoßrichtung eine andere ist, dann können wir uns durchaus vorstellen. Und auch die anglikanische Antwort fällt hier ganz ähnlich aus. Also erstaunlicherweise sind Protestanten nicht mehr dem Papstamt aus Prinzip und biblischer Überzeugung dagegen, sondern sie sind nur noch gegen Missbräuche desselben. Und das hat einen großen Unterschied. Sie halten einen positiven Gebrauch des Papstamtes für möglich, vielleicht sogar für hilfreich und Achtung: befreiend.

[57:29] Es gibt aber noch Hürden. Es ist noch nicht so, dass alles aus Sicht der katholischen Kirche für die Einheit der Kirchen in trockenen Tüchern ist. Nach wie vor bestehen Lutheraner darauf, dass sich letztlich Ex-cathedra-Entscheidungen der Schrift beugen müssen. Und die Katholiken reagieren darauf, indem sie sagen, es ist auch wichtig zu zeigen, wie die Unfehlbarkeit einen Dienst dem Volk Gottes geben kann, indem es sozusagen das Primat des Evangeliums ausdrückt. Ja, dann wäre sozusagen die Aufgabe des Papstes, Evangelium besonders zu fördern. Das bedeutet aber auch, dass dann diese Evangeliumsauslegung unfehlbar sind.

[58:17] Manchmal wird unterschieden zwischen Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit. Das müssen wir jetzt aus Zeitgründen vielleicht überspringen. Aber halten wir fest: Die päpstliche Unfehlbarkeit soll von katholischer Seite nicht aufgegeben werden. Die wird nur anders ausgedrückt und verpackt. Die päpstliche Unfehlbarkeit soll als ein Dienst an der Vorrangstellung der Schrift verstanden werden, der Bibel. Das würde bedeuten, wenn man das annimmt, dass letztlich jede unfehlbare Papstentscheidung als Unterstützung der Bibel interpretiert wird. Und dann ist die Bibel letztlich unter die Hand des Papstes verkauft. Da viele Protestanten ohnehin durch die historisch-kritische Methode kaum noch eine solide Basis in der Bibel haben, hätten sie keine wirksame Gegenwehr gegen eine solche Instrumentalisierung der biblischen Botschaft durch das päpstliche Lehramt.

[59:15] Und dann heißt es interessanterweise tatsächlich hier weiter unten: „Die Lutheraner können erkennen, dass die Art und Weise, wie die katholische Kirche heute die Lehre von der päpstlichen Unfehlbarkeit lehrt, das ganz viel gemeinsam hat mit dem lutherischen Verständnis von der Unfehlbarkeit des Wortes Gottes.“ Das ist schon ein ziemlich, ziemlich krasser Satz. Was sind also die Perspektiven? Die Frage ist also, ist dieses Primat notwendig für die Kirche? Und viele sagen ja. Die Katholiken bringen vor allem biblische Argumente, aber die meisten anderen eher Argumente aus der Tradition. Das machen vor allem die Orthodoxen, die sagen, na ja, ab dem vierten Jahrhundert war ja Rom apostolischer Bischofssitz an der Spitze. Und die Anglikaner sagen, wenn es ein Primat geben sollte in einer geeinten Kirche, dann wäre Rom wegen Petrus und Paulus schon ein guter Kandidat. Baptisten dagegen sind mit diesem Traditionsargument nicht so besonders vertraut, da können sie wenig mit anfangen. Aber sie sind für eine führende Rolle des Papstes durchaus auch zu gewinnen. Es gibt nämlich andere Argumente, nämlich das ekklesiologische Argument. Da sagt man, na ja, eine Gemeinde hat auch einen Pastor. Und wenn das auf der lokalen Ebene so ist, warum soll es nicht auf der weltweiten Ebene so sein? Hat die gesamte weltweite geeinte Kirche einen Pastor sozusagen? Und dann gibt es das pragmatische Argument, dass man sagt, na ja, wir leben in einer globalisierten Welt, wir brauchen ein einheitliches Zeugnis, wir brauchen ein weltweites Zeugnis. Das ist notwendig für die Mission der Kirche. Und dann heißt es hier wiederum von den Lutheranern: „Sie anerkennen, dass für die Ausübung dieses Dienstes, so eines petrinischen Dienstes, Institutionen, die in der Geschichte ihre Wurzeln haben, wirklich ernsthaft in Frage kommen.“ Sprich, das Papsttum. Also verschiedene Gründe sind da, verschiedene Kirchen finden verschiedene Gründe und deswegen muss die katholische Kirche auch den verschiedenen Kirchen verschiedene Modelle anbieten oder auf verschiedenen Weisen argumentieren. Und die Frage ist, könnte das Papsttum diese Aufgabe übernehmen?

[1:01:24] Im Malta Report schon 1972 hat man gesagt: „Das Papsttum wollen wir nicht von dieser Möglichkeit ausschließen.“ 1991, 31 heißt es: „Man die Möglichkeit beginnt sich zu entfalten, dass der Bischof von Rom so ein Amt ausüben könnte.“ Lutheraner wollen das nicht ausschließen. Und dann heißt es hier 2015: „Der Bischof von Rom zeugt für die christliche Botschaft in einem in der weiten Welt durch Evangelisation, durch interreligiöse Beziehung und durch die Förderung von sozialer Gerechtigkeit und der Sorge für die Schöpfung.“ Also mit anderen Worten, der Papst hat sowieso in dieser globalisierten Welt eine besondere Stimme und der könnte man sich ja dann anschließen. Und dann wird immer wieder das erste Jahrtausend als Vorbild genommen. Man möchte sich – das hatte schon Johannes Paul II. in *Ut Unum Sint* gesagt – man möchte sich an der Erfahrung des ersten Jahrtausends orientieren. Das sehen auch die Orthodoxen so. Die Orientalen gehen dann eher nur bis zur Mitte des fünften Jahrhunderts, weil nach Chalkedon sie schon abgespalten waren. Und das wird auch von Lutheranern übernommen. Ja, sagen also hier, es wäre möglich, sich daran zu orientieren, wie das Papsttum im ersten Jahrtausend ausgeführt worden ist. Anglikaner halten das für wichtig.

[1:02:43] Und dann, was ist also im ersten Jahrtausend gewesen? Es gab die gemeinsame Eucharistie, man konnte also gemeinsam Abendmahl halten. Und die Einheit war damals noch nicht so primär juristisch ausgedrückt und so weiter und so fort. Was dabei ausgeblendet wird, ist, wie tiefgreifend zerstritten der Ost und der Westen schon in der Mitte des ersten Jahrtausends waren. Wir denken zum Beispiel an das Akakianische Schisma Ende des fünften, Anfang des sechsten Jahrhunderts. Und dass der Zusammenhalt der Kirche unter dem Papst eigentlich vor allem eine politische Entscheidung von Justinian gewesen ist. Das Primat des Papstes ist ausdrücklich eine politische Entscheidung gewesen und ist den östlichen Patriarchen aufgezwungen worden. Also wenn jemand die Geschichte kennt, wie das Papsttum entstanden ist, der möchte nicht das erste Jahrtausend zum Vorbild haben. Zudem war das Primat in den ersten drei Jahrhunderten völlig unbekannt und dann in darauf folgenden zwei Jahrhunderten im Osten abgelehnt und dann wurde es politisch erzwungen. Das ist die wahre Geschichte, die jeder in den Geschichtsbüchern nachlesen kann.

[1:03:51] Das überspringen wir, das überspringen wir nicht, das ist interessant. Ein Beispiel wird genommen, das Konzil von Serdika 343, wo man sagt, ein verurteilter Bischof könne sich an Rom wenden, um eine neue Verhandlung zu bekommen. Und dadurch – und es wird auch überlegt, ob man so ein Recht auf Appellation auch auf doktrinäre Fragen anwenden könnte, wie das auch 449 Theodoret gemacht hat, als er sich an Papst Leo I. wandte. Das heißt, die Konsequenz wäre dann, wenn es innerhalb einer Kirche, innerhalb dieser Ökumene, einen Streit gibt, könnte man sich an den Papst wenden, der eine Art Vermittlerrolle einnimmt und der sozusagen dann da noch mal für Einheit sorgt. Und auch ökumenische Konzilien werden diskutiert. Die waren ja im ersten Jahrtausend, die gab es da noch, obwohl der Papst selbst nie anwesend war, aber doch durch Legaten dort sehr mitgewirkt hat. Und man schlägt vor, dass es solche wieder geben könnte. Gleichzeitig sagt man, im ersten Jahrtausend gab es verschiedene Kirchenstrukturen, eine Diversität und das könnte man ja auch beibehalten. Es sei also durchaus erwünscht für die Mission, wenn es Unterschiede in den Gepflogenheiten, in den Traditionen gäbe, solange die große Einheit gewahrt bleibe. Das ist also die Idee. Also eine absolute Übereinstimmung wird gar nicht angestrebt. Schon bei der gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre zwischen Lutheranern und Katholiken hatte man einen sogenannten differenzierten Konsens. Und jetzt ist tatsächlich vorgeschlagen worden, dass man nicht nur eine gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungsfrage abgibt, sondern auch eine gemeinsame Erklärung zur Autorität des Bischofs von Rom. Ob es die geben wird, weiß ich nicht.

[1:05:37] Eine wichtige Anwendung dieser Idee vom ersten Jahrtausend ist natürlich, dass man sagt, okay, das darf man auch nicht überinterpretieren. Es gibt natürlich auch nach dem ersten Jahrtausend noch wichtige Entwicklungen. Das ist für die katholische Kirche natürlich auch wichtig, weil sie natürlich nicht einfach 1000 Jahre rausstreichen kann aus ihrer Geschichte. Und die Frage ist, wie soll die Kirche strukturiert sein? Und die Idee ist, na ja, die Katholiken, die strukturieren über einen, das Papsttum. Die Orthodoxen strukturieren über manche, das heißt die Patriarchen, die Bischöfe und so weiter. Die Protestanten strukturieren über alle, das gemeinsame Priestertum der Gläubigen, über Wahlen und so weiter. Und jetzt heißt es, wenn die Kirche in der Ökumene vereint würde, dann wären, Achtung, alle drei Ebenen gleichzeitig wirksam. Das ist genau das gleiche Prinzip, was wir vorher mit den Auslegungen in der Bibel gesehen haben. Statt das gegeneinander auszuspielen, wird es einfach alles zusammengenommen. Dann ist die Kirche geleitet von allen, manchen und einem gleichzeitig. Die Idee ist dann, dass sozusagen auf der unteren Ebene Kirchen so ihr eigenes Ding machen könnten, aber auf den Fragen, die alle betrifft, dann sozusagen die höheren Ebenen eine Rolle spielen.

[1:06:49] Das Prinzip der Subsidiarität besagt: Alles, was untere Ebenen allein tun können, das sollen sie auch alleine machen. Es wird nicht von oben nach unten reinregiert. Aber dann, wenn es um die Einheit geht, um den Glauben, um die Mission, dann wird letztendlich alles zentral durch den Papst auch verkörpert. Vorgeschlagen wird eine freiwillige Selbstbeschränkung, dass also der Papst nicht mehr alles regieren kann, sondern nur noch die in Anführungsstrichen entscheidenden Fragen. Aber natürlich wird dann immer in diesem Studiendokument gleich im nächsten Atemzug betont: Ja, okay, das ist eine interessante Idee, wir müssen allerdings darauf hinweisen, der Papst braucht natürlich realistischerweise eine ausreichende Menge Autorität, damit er das auch umsetzen kann. Ja, und das ist natürlich der Punkt: Wenn es einen gibt, der letztendlich entscheiden soll, braucht er auch Autorität überall. Und das können alle blumigen Worte nicht verwischen.

[1:07:53] Also Ziel ist eine ökumenisch vereinte Kirche, in der die einzelnen Teilkirchen durchaus in eng begrenztem Maße eigene Tradition pflegen können. Also die Lutheraner könnten ihre eigenen Lieder singen zum Beispiel, oder die Anglikaner auch bestimmte Traditionen weiter pflegen. Aber sie sind dann nicht mehr unabhängig vom Papsttum. Und diese Grundausrichtung: einer, manche, alle sollen alle integriert werden. Nun, wenn man wissen will, wie das praktisch aussieht in der katholischen Kirche, dass einer, manche und alle, dann kann man ja die katholische Kirche heute anschauen. Da gibt es einen Papst, die Kardinäle und die Kirchenmitglieder. Und dann stellt man fest, dass mittlerweile es einen ganz großen Drang gibt, mehr, also mehr Mitsprache zu...

[1:08:36] mehr Mitsprache zu haben. Es gibt den Synodalen Weg in Deutschland, sogar die Kirchenmitglieder, die Laien, sollen alle mit eingebunden werden. Sie sollen eine Stimme haben, die sollen auch sprechen. Jetzt gerade vor wenigen Tagen ging die Weltsynode zu Ende, wo das ganz ostentativ zelebriert worden ist. Alle sollen mitreden, es sollen alle mit dabei sein.

[1:08:58] Aber wenn man genau hinliest, dann wird's halt immer wieder interessant, denn Franziskus sagte eben nicht, welchen kirchenrechtlichen Status das Dokument der Weltsynode hat. Und es geht zwar um mehr Mitsprache für die kirchliche Basis, mehr Transparenz, mehr Rechenschaftspflicht, aber der Passauer Bischof Oster hat noch mal vor Journalisten betont, dass Priester und Bischöfe die Entscheidungsgewalt in der Kirche behielten. Ich möchte das mal ganz auf den Punkt bringen.

[1:09:28] Als ich in Tübingen ein Semester katholisches Verfassungsrecht gehört habe, da hat uns der Professor das immer wieder deutlich gemacht: All die ganzen Foren, Synodalen Wege, Konferenzen, das ist alles, um die Mitglieder mit einzubinden, aber niemals, um ihnen Entscheidungsgewalt zu übertragen. Sie dürfen also alle etwas sagen, aber sie dürfen niemals Entscheidungen fällen. Sie dürfen kein Veto einlegen. Sie können letztlich sind es keine Korrektur, kein Korrektiv, sondern ihnen wird jetzt nur Gehör geschenkt. Sie dürfen hören, es wird das Gefühl gegeben, sie sind alle mit dabei.

[1:10:11] Es heißt hier, die Entscheidungsfindung beziehe möglichst viele ein. Entscheidungen aber blieben der Hierarchie reserviert. Mit anderen Worten: Wir hören euch alle an, ihr dürft alle etwas sagen, ihr dürft alle eure Meinung sagen, und wenn wir alles gehört haben, dann entscheiden wir. Das ist das Modell, wie Synodalität, also gemeinschaftliches Entscheidungsfinden, in der katholischen Kirche gelebt wird bis zum heutigen Tag. Und Protestanten, Orthodoxe und so weiter sollten genauer hinschauen, wenn das Papsttum sagt: „Na ja, lasst uns eine Kirche haben, in der einer, viele, manche und alle etwas zu sagen haben.“ Es haben dann tatsächlich alle was zu sagen. Jeder wird seine Meinung sagen dürfen, jeder wird sagen, wie er fühlt und wie er denkt, aber wird er auch Entscheidungen des Papstes umstoßen können? Das wird nicht der Fall sein.

[1:11:08] Im Kern bleibt also das Papsttum völlig unverändert. Es hat nur sozusagen einen pastoralen Ton umgelegt und eine Bereitschaft hinzuhören, die man im Vatikanum 1 Dokument natürlich jetzt so nicht sehen kann. Es gab also praktische Vorschläge, wie das jetzt ausgeführt werden soll. Das Erste Vatikanische Konzil soll also neu interpretiert, neu rezipiert werden. Man soll neue Ausdrucksweisen finden, die der originalen Intention entsprechen, aber an einen veränderten kulturellen Kontext angepasst werden. Wer so mit moderner Theologie beschäftigt ist, der hört hier ganz viele Parallelen, die, wie man auch oft mit der Bibel umgeht – das ist ein anderes Thema. Und es heißt ja, das Dogma der Unfehlbarkeit soll jetzt nicht mehr so sehr mit Gesetzverpflichtung und Gehorsam verbunden sein, sondern Unfehlbarkeit des Papstes soll mehr mit Verheißung, Vertrauen, Hoffnung verbunden werden. Das heißt, es bleibt gleich, es wird nur anders formuliert, so dass es jetzt mehr positiv klingt, bekommt einen neuen Anstrich. Und man bittet um eine offizielle Interpretation, einen Kommentar dazu, der das Ganze jetzt ein bisschen noch dann die Wogen glättet von der Formulierung. Und man soll auch ein bisschen mehr differenzieren. Der Papst ist ja gleichzeitig Bischof in Rom und Patriarch des Westens und dann aber auch irgendwie ein Diener der Einheit auf der universalen Ebene. Und das soll man ein bisschen mehr differenzieren, welche Rollen er wann ausübt.

[1:12:28] Und genau, das haben wir gerade schon gesehen. Man ruft nach einem Konzil. Ja, die Iona Community hat sogar ein zweites Jerusalemer Konzil nach Apostelgeschichte 15 vorgeschlagen. Und man sagt auch, bevor es eine Einheitskirche gibt, könnten doch auch Vertreter anderer Kirchen, zum Beispiel des Weltkirchenrates, sich bei den katholischen Bischöfen auch mit treffen. Solche konziliaren Treffen könnten das Ganze fördern.

[1:12:55] Also die zukünftigen Schritte von Seiten des Dikasteriums sind jetzt die verschiedenen Dialoge mit den Anglikanern, den Lutheranern und so weiter zu vernetzen, um schneller voranzukommen, Wiederholung zu vermeiden und diesen differenzierten Konsens auch ganz konkret auf das Papsttum anzuwenden. Es soll mehr studiert werden, es soll das Primat und das gemeinsame Entscheiden sollen nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern sollen wieder miteinander verbunden werden. Wir sehen, das große Konzept ist sozusagen, die katholische Lehre beizubehalten und einfach noch Ideen, die aus dem protestantischen Raum kommen, so ein bisschen dazuzunehmen, um es ein bisschen mehr, ja, reicher zu machen, ohne dass sich an der katholischen Kirche etwas eigentlich ändert.

[1:13:38] Der Begriff „universale Kirche“ muss genauer studiert werden. Es gebe einen Unterschied zwischen „Ecclesia universalis“, das heißt die Kirche im geographischen Sinne, die Kirche der ganzen Welt, und der „Ecclesia universa“, das heißt die ganze Kirche. Und die Katholiken dringen darauf: Wir sind nicht die universale Kirche im Sinne der Geographie, wir sind die „Ecclesia universa“ im Sinne, wir sind die ganze Kirche. Ganz entscheidender Unterschied, den man auch noch weiter vertiefen könnte. Und all das, was man schon erreicht hat, soll jetzt auf allen Ebenen verbreitet werden, sodass es von den Gläubigen auch wahrgenommen wird. Und man soll nicht immer nur die Vergangenheit reden, sondern vor allem die jetzige Situation theologisch interpretieren. Und dann heißt es – und das ist sehr wichtig – der römische Bischof soll mehr spezielle Gesten und symbolische Handlungen durchführen, damit Vertrauen bei den anderen Kirchen entsteht.

[1:14:27] Und genau das ist es, das ist mein Kommentar jetzt: Es ist alles Symbolpolitik, es ist alles, alles Gesten und Symbole, die eine unveränderte katholische Lehre plötzlich annehmbarer machen. Es ist so, als ob man einfach anfängt zu lächeln, ohne als Person sich geändert zu haben.

[1:14:56] Alle diese Änderungen – wir haben hier noch ein paar unterschlagen aus Zeitgründen – aber alle diese Änderungen fallen in den Bereich der Symbolpolitik. Das Papstprimat wird nicht aufgegeben oder strukturell verändert, sondern nur mit unverbindlichen Verwaltungsformen angereichert. Das heißt, alle für die doktrinalen, das heißt die lehrmäßigen, und disziplinarische Einheit – also wenn es Streit gibt – alle für diese Einheit der Kirche relevanten Aspekte verbleiben beim Amt. Nur die Außenwirkung soll jetzt maximal auf die Befindlichkeiten und Wünsche anderer abgestimmt werden. Das ist alles aus diesem Dokument direkt zu entnehmen, man muss es nur ausführlich lesen.

[1:15:43] Es gab zu diesem Studiendokument tatsächlich auch eine Diskussion innerhalb der katholischen Kirche. Einige haben das gelesen und fanden es zu liberal und haben die Befürchtung geäußert: „Heißt das jetzt, dass wir Vatikanum 1 aufgeben, die Unfehlbarkeit aufgeben?“ Und in seiner Antwort weist Koch dies deutlich zurück: Es sei schlicht falsch, dass das Dokument, wie von Elaganti unterstellt, die Akzeptanz der Jurisdiktion des Papstes durch die anderen Christen als Kriterium für seine Gültigkeit und Legitimität gesehen werde. Es geht keineswegs darum, die Papstdogmen des Ersten Vatikanums zu verabschieden. Das Papsttum ändert sich nicht.

[1:16:24] Matthäus 7 warnt vor den falschen Propheten, die sich in Schafskleider kleiden, inwendig aber reißende Wölfe sind. Lieber Freund, liebe Freundin, die katholische Kirche sieht immer mehr wie ein Schaf aus. Und es gibt immer mehr Protestanten, die sagen: „Na ja, also ist ja nicht viel Unterschied zu uns, sieht doch genauso aus.“ Lasst uns die Bibel genau lesen, lasst uns auch die Kirchengeschichte, wenn nötig, etwas genauer kennen. Lasst uns wissen, wie Gott uns geführt hat und erkennen, dass Rom sich nicht ändert.

[1:16:56] Vom Schatten zum Licht. Dort heißt es: Die Papstkirche wird ihren Anspruch auf Unfehlbarkeit niemals aufgeben. Und wir sehen hier, was groß angekündigt ist als Kirchenreform in den Medien, ist in Wirklichkeit nur eine Nebelkerze. Der Katholizismus steht heute genauso wenig in Übereinstimmung mit dem Evangelium Christi, wie zu irgendeiner früheren Zeit in seiner Geschichte. Und wenn jetzt die katholische Kirche sagt: „Unser Dienst Unfehlbarkeit ist ein Dienst am Evangelium“, dann müssen wir Angst bekommen. Da dürfen wir gar nicht mitmachen, denn das heißt nur, ein falsches Evangelium soll dann bestätigt werden. Sie hüllt sich in Christus-ähnliche Gewänder, aber in ihrem Wesen ist sie unverändert geblieben. Dieses Dokument zeigt das eindeutig. Es täusche sich niemand: Das Papsttum, dem die Protestanten heute so freundlich begegnen, ist dasselbe, das die Welt in den Tagen der Reformation beherrschte, als sich Menschen unter Lebensgefahr erhoben, um seine Bosheit bloßzustellen. Und dann heißt es hier: Es gehört zu seinem diplomatischen Geschick, Achtung, gut zu hören, immer gerade den Charakter anzunehmen, der seinen Absichten am besten dient. Es verändert sich äußerlich wie ein Chamäleon, verbirgt aber darunter das unveränderliche Gift der Schlange. Nur diejenigen, die die Bibel kennen, die dem Geist der Weissagung vertrauen, die die Prophetie studieren, werden in der Lage sein, hinter der chamäleonartigen Verwandlung immer noch das Gift der Schlange zu erkennen. Das diplomatische Geschick der katholischen Kirche wird in diesem Studiendokument des Dikasteriums für die Förderung der Einheit der Christen ganz brillant ausgeführt. Und wir sehen, wie seit Jahrzehnten viele Kirchen darauf hineinfallen.

[1:18:37] Zum Schluss: Jesus hat gesagt, dass er der Hirte ist. In Vatikanum 1 wird „Pastor Aeternus“, das heißt der ewige Hirte, wird deutlich gemacht, dass in der katholischen Kirche das Papsttum unabdingbar ist für das ewige Leben. Aber Jesus sagt: „Ich bin die Tür. Wenn jemand durch mich hineingeht, wird er gerettet werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden.“ Er sagt: „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.“ Kein Papst ist für mich oder dich gestorben. „Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und bin den Meinen bekannt, gleich wie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne. Und ich habe noch andere Schafe, die nicht aus dieser Schafhürde sind. Auch diese muss ich führen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte sein.“ Lieber Freund, liebe Freundin, es gibt viele, viele, viele Schafe auch in der katholischen Kirche, in allen Kirchen. Und es wird eine Herde sein, es wird eine Einheit geben der wahren Gläubigen unter einem Hirten. Aber dieser eine Hirte ist nicht der Nachfolger von Petrus, ist nicht der Papst, der übrigens auch gar nicht der Nachfolger von Petrus ist. Es ist eine Erfindung des vierten Jahrhunderts, sondern der eine Hirt ist Jesus allein. Dazu braucht es kein Konzil, dazu braucht es keine Kurie, dazu braucht es keine katholische Kirche, kein Lehramt des Papstes, kein Dienst der Einheit. Es braucht Christus. Christus selbst ist in der Lage, Einheit zu erzeugen, und den Dienst der Einheit, den hat er dem Wort Gottes übergeben: „Heilige sie in deiner Wahrheit. Dein Wort ist Wahrheit. Gleich wie du mich in die Welt gesandt hast, so sende auch ich sie in die Welt. Und ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie geheiligt seien in Wahrheit.“ Es ist das Wort Gottes, es ist Christus selbst, der uns heilig macht und uns die Wahrheit zeigt. „Ich bitte aber nicht für diese allein, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben werden, auf dass sie alle eins seien, gleich wie du, Vater, in mir und ich in dir, auf dass sie in uns – auf dass auch sie Verzeihung in uns eins seien.“ Es gibt einen Dienst der Einheit, aber dieser ist nicht dem Petrus gegeben worden. Dieser Dienst der Einheit ist Jesus, der im Himmel Dienst tut und der im Himmel für uns eintritt. Und weil er für uns betet, und weil sein Wort uns leitet, und weil er sich geheiligt hat für uns, so dass auch wir heilig sein können. Dadurch werden wir auch eins, nicht durch einen differenzierten Konsens, indem man die Worte neu interpretiert. Glaubst du, dass der Vater und Jesus eine Einheit des differenzierten Konsens haben, wo sie die Worte, die sie gesagt haben, neu interpretieren, damit sie ein bisschen mehr zueinander kommen? Das ist nicht der Weg der Einheit. Der Weg der Einheit führt allein über Jesus Christus, allein über das Wort Gottes. Das ist der Dienst der Einheit, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. „Und ich habe die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, ihnen gegeben, auf dass sie eins seien, gleich wie wir eins sind.“ Die Herrlichkeit, die Jesus gezeigt hat, voller Gnade und Wahrheit, das führt zur Einheit. „Auf dass sie eins seien, gleich wie wir eins sind: Ich in ihnen und du in mir, damit sie zu vollendeter Einheit gelangen.“ Nicht eine, wo jeder so ein bisschen machen kann, was er möchte, und alle irgendwie dann über einen Papst in sind. Nein, nein, nein, das ist die Einheit, für die Jesus gebetet hat, das ist die Einheit, nach der wir streben, und damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, gleich wie du mich liebst.“

[1:22:09] Lieber Freund, liebe Freundin, das Papsttum ändert sich nicht. Das Papsttum tut bis zum heutigen Tag den Dienst von Jesus für sich in Anspruch nehmen. Jesus sagt, dass sein Gebet, sein Wort, seine Heiligung eine echte Einheit bewirken werden. Das Papsttum sagt: „Nein, ich habe den Dienst der Einheit, und alle müssen mit mir in Gemeinschaft sein, damit es letztendlich auch eine Einheit gibt.“ In diesem Sinne, allein in diesem Sinne, ist der Papst buchstäblich der Antichrist. Er nimmt die Aufgabe von Jesus, eine Einheit zu erzeugen, auf sich und möchte jetzt, dass alle anderen Kirchen durch weltliche Prozesse der Annäherung, der Symbolpolitik und der politischen, des politischen Konsenses, so eine Einheit herbeiführen, die niemals die Einheit ist, die Jesus gegeben hat. Eine Einheit, die auf dem Wort Gottes allein basiert, ohne Tradition und ohne päpstliches Lehramt. Lieber Freund, liebe Freundin, ich möchte dich auffordern, festzuhalten am protestantischen Erbe, festzuhalten an dem Evangelium, festzuhalten an dem Wort Gottes, festzuhalten an Jesus. Und wenn es in dieser Welt dunkler wird, weil dieses Dokument, die Gedanken dieses Dokumentes, jedenfalls sich weiter entfalten werden, sie werden weiter in diese Richtung gehen,

[1:23:31] dann lasst uns erinnern, dass Jesus für uns da ist. Was wird passieren, wenn das Sonntagsgesetz kommt? Was wird passieren, wenn Kirchen plötzlich das Problem haben, dass ihre Mitglieder sich plötzlich zum Sabbat halten, den Sabbat annehmen, und sie in diesen doktrinalen Fragen disziplinarisch Hilfe brauchen? An wen werden sie sich wenden, wenn dieses Konzept in den Köpfen ist, dass der Papst für die doktrinalen und die disziplinarischen Aspekte einen Dienst der Einheit hat, dass alle eins sind? Werden sie sich nicht an Rom wenden? Genau das sagt Ellen White voraus. Die sagt voraus, dass wenn in Amerika die die Kirchen den Sonntag fördern werden, und es dann Widerstand gibt von einigen wenigen, dann wird man sich an die Institutionen wenden, die schon historisch Erfahrung damit hat, Einheit zu erzeugen. Und ich habe durch dieses Dokument besser verstanden, wie weit wir auf diesem Prozess sind. Möge Gott uns davor bewahren, diesen Nebelkerzen zu folgen. Und wenn sie selbst in unserer eigenen Adventbewegung an einzelnen Stellen hier und dort aufleuchten, diese Nebelkerzen, wenn sie plötzlich auch den Eindruck erwecken, das Papsttum habe sich geändert, lasst uns nüchtern sein und genau hinschauen. Lasst uns der Bibel folgen, und zwar wegen Jesus, wegen dem wahren Evangelium. Dafür lohnt es sich auch, den Antichristen beim Namen zu nennen, weil Jesus es verdient hat, alleine den Dienst der Einheit zu haben.

[1:25:22] Wollen wir noch gemeinsam beten? Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass du zu uns gesprochen hast. Wir haben ein paar deiner Worte gelesen, ein paar Verse. Wir haben auch viel gelesen von dem, was das Papsttum plant und was Kirchen vorschlagen. Herr, bewahre uns vor dem Irrtum und schenk du uns Mut, mit Liebe und mit Klarheit für die Wahrheit einzustehen. Schenk uns Liebe für jeden Sünder, weil du uns lieb hast, aber schenk uns auch Liebe für die Wahrheit, die keinen Kompromiss mit dem Irrtum macht. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen.


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