In dieser Folge der Serie „Offenbarung Vers für Vers“ beleuchtet Christopher Kramp die geistliche Blindheit der Gemeinde Laodizea aus Offenbarung 3:17. Er erklärt, dass diese Blindheit oft aus dem Vergessen von Gottes Wirken und der Erlösung resultiert. Der Sprecher warnt davor, sich auf „blinde Leiter“ zu verlassen, und betont die Notwendigkeit, durch Gottes Kraft und Verheißungen ein Leben des Glaubens und der Tugend zu führen.
Offenbarung 3:17e
Christopher Kramp · Offenbarung Vers für Vers ·Themen: Bibel, Bibelstudium, Endzeit, Offenbarung, Prophetie, Zeichen der ZeitPodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Offenbarung Vers für Vers
Jede Woche geht Christopher Kramp mikroskopisch durch einen Vers des Buches der Offenbarung aus der Bibel. Dies sind Aufnahmen einer Live-Produktion von Joel Media Ministry e.V. Die entsprechende Videoserie findet sich auf https://www.joelmedia.de/serien/offenbarung/.
Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:
Weitere Aufnahmen
Serie: Offenbarung Vers für Vers
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Transkript
[0:48] Hallo und herzlich willkommen zu unserem Offenbarungsseminar. Schön, dass ihr wieder dabei seid auf www.julmedia.de zu einer weiteren Folge, in der wir die Laodizea-Botschaft studieren wollen. Wir haben in den letzten Wochen und Monaten gesehen, dass diese Botschaft eine gute Botschaft ist, ein echtes Evangelium, auch eine herausfordernde Botschaft, weil sie mir und dir deutlich macht, dass wir das Evangelium selbst brauchen. Wir sind nicht nur aufgefordert, das Evangelium anderen zu predigen und ihnen davon zu erzählen, wir sind dazu aufgefordert, es selbst in Anspruch zu nehmen, uns nicht selbst zu täuschen, sondern wirklich zu erkennen, wie dringend wir Jesus und seine Gnade, seine Barmherzigkeit, seine rechtfertigende und heiligende Gerechtigkeit brauchen.
[1:41] Wir haben festgestellt, dass es Jesus ist, in dem alle Verheißungen ihr Amen finden. Jesus, der die Wahrheit sagt und nicht lügt, vorgibt. Jesus, der uns geschaffen hat und der unser Herz neu schaffen kann. Dass es Jesus ist, der deutlich macht, dass er es nicht ertragen kann, wenn wir uns geistlich überschätzen und uns selbstsicher fühlen und unseren wahren geistlichen Zustand, unsere Bedürftigkeit, nicht erkennen.
[2:17] Bevor wir heute uns das nächste Wort anschauen, mit dem Jesus die Gemeinde Laodizea als wahrhaftiger und treuer Zeuge charakterisiert, wollen wir ihn bitten, dass durch seinen Heiligen Geist heute zu meinem und zu deinem Herzen spricht, dass er uns erneut zeigt, wie er es schon oft getan hat, wie sehr wir ihn brauchen und wie wenig wir ohne ihn sind. Dass wir sehen, dass wir noch nicht sehen und dass wir erkennen, dass wir ihn noch nicht so erkannt haben, wie wir es erkennen können. Ihn erkennen können, dass wir vor allem sehen, was er uns anbietet und sein Evangelium für uns in Anspruch nehmen wollen.
[3:03] Wollen wir gemeinsam, wenn es dir möglich ist, dazu niederkniien. Lieber Vater im Himmel, ich möchte dir von Herzen Dank sagen, dass du mit so viel Güte und so viel Liebe an uns arbeitest, dass du uns Schritt für Schritt führst, dass du uns nicht überforderst, dass du uns genau das zeigst, was wir benötigen, dass wir verstehen können, was wir umsetzen können in deiner Kraft. Wir möchten dich bitten, dass du heute durch dein Wort zu uns sprichst, dass dein Heiliger Geist unsere Herzen durchforscht und dass wir die Wahrheit erkennen, so wie du die Wahrheit gedacht und gemeint hast, so wie du die Wahrheit bist, und dass wir wegschauen von uns und hinschauen auf dich, Herr Jesus. Das bitten wir in deinem Namen. Amen.
[4:15] Offenbarung Kapitel 3 Vers 17. Jesus sagt: "Denn du sprichst: Ich bin reich und habe Überfluss und mir mangelt es an nichts." Griechisch: "Reich bin ich und reich bin ich geworden und nichts habe ich nötig." Und du erkennst nicht, dass du elend und erbärmlich bist, arm, blind und entblößt.
[4:41] Wir haben das letzte Mal gesehen, dort sind zwei allgemeine Begriffe verwendet, die den allgemeinen, den grundsätzlichen Zustand beschreiben: elend und erbärmlich. Und dann sind drei Begriffe verwendet, die konkrete Aspekte dieses beschreiben: arm, blind und entblößt. Das letzte Mal haben wir uns über die Armut, die geistliche Armut, Gedanken gemacht. Heute soll es um die Blindheit gehen, geistlich blind zu sein.
[5:25] Jesus sagt seinem Volk, dass es geistlich blind ist. Und das ist nicht das erste Mal, dass das Volk Gottes von Gott diagnostiziert bekommt, dass es geistlich blind ist. Wir finden dieses schon im Alten Testament beim Propheten Jesaja in einer bemerkenswerten Frage, die Gott stellt in Jesaja 42 und dort in Vers 18 bis 20. Jesaja 42 ab Vers 18: "Hört, ihr Tauben, und ihr Blinden, schaut her, um zu sehen!" Ein schon sehr interessanter Beginn dieses Abschnittes. "Hört, ihr Tauben, und ihr Blinden, schaut her, um zu sehen!"
[6:12] Jetzt kommt diese Frage in Vers 19: "Wer ist blind, wenn nicht mein Knecht? Oder so taub wie mein Bote, den ich sende? Wer ist so blind wie der Vertraute und so blind wie der Knecht des Herrn?" Gott sagt: Gibt es irgendjemanden, der so blind ist wie mein Volk? Irgendjemand, der so taub ist wie mein Volk? Und wir bekommen ja schon die Idee, dass vielleicht diese drei Begriffe auch exemplarisch sind. Jesus hätte vielleicht auch noch den einen oder anderen Begriff verwenden können, um auf dieselbe Grundproblematik, dieselbe geistliche Problematik, hinzuweisen. Wir werden später sehen, dass oft diese Dinge, die Armut und die Blindheit, die Blindheit und die Taubheit, auch dann im Neuen Testament oft miteinander einhergehen können.
[7:02] Wer ist so blind, wenn nicht mein Knecht? Gott stellt also hier diese Blindheit als – oder stellt sie so dar, dass sie – oder anders gesagt: Er sagt, es gibt niemanden. Also, wenn es jemanden gibt, der blind ist, dann mein Volk. Es ist also nicht nur eine schwache Blindheit, die vielleicht so eine kleine Eintrübung ist, wo man sagt, okay, das ist vielleicht aber noch halbwegs okay. Gott sagt mit anderen Worten hier: Sein Volk ist sozusagen das Paradebeispiel, wenn man das Wort so verwenden möchte, also ein – das Exempel für geistliche Blindheit. Mit anderen Worten: Wenn es jemanden gibt, der geistlich blind ist, dann ist es das Volk Gottes, der Vertraute, die, die eigentlich Gott so gut kennen, die so viel von ihm wissen, die so viel Erfahrungen gemacht haben. Gott sagt, sie sind geistlich blind.
[8:04] Und die Frage ist: Warum? Die Antwort wird gegeben in Vers 20. Hier beschreibt Gott, warum er sein Volk als blind bezeichnet: "Du hast viel gesehen und es doch nicht beachtet. Die Ohren hat er aufgetan und doch nicht gehört." Viel gesehen, nicht beachtet. Die geistliche Blindheit darin, das Wirken Gottes gesehen zu haben und trotzdem keine Lehren daraus zu ziehen. Und schon an dieser Stelle muss ich zu mir selbst sprechen, zu mir, Christopher, und mir die Frage stellen: Wie viel habe ich schon gesehen? Wie viel habe ich erlebt mit Gott? Was habe ich alles schon sehen dürfen in der Bibel? Und habe ich darauf geachtet? Oder fange ich immer wieder von vorne an?
[9:01] Wie viel haben wir schon gesehen? Was hat Gott schon alles getan in unserem Leben? Wie viel Wunder und Zeichen konnten wir schon sehen in unserem Leben, im Leben unserer Freunde, unserer Familie, unserer nächsten Verwandten, in der Gemeinde? Wie viel vom Wirken Gottes haben wir schon gesehen? Wie viel Wahrheit in der Bibel durften wir schon erkennen, sehen mit eigenen Augen, verstehen? Und ist es nicht wahr – jedenfalls, wenn ich für mich spreche, ist es sicherlich wahr – ist es nicht wahr, dass wenn wir sehen, wie viel wir gesehen haben, und die Frage stellen müssen, warum haben wir nicht darauf geachtet? Warum ist unser Glaube oft so schwach? Warum sind wir geistlich so blind?
[9:53] Gott sagt hier durch Jesaja: Geistliche Blindheit besteht – wissen und nicht zu tun, nicht darauf zu achten. Und deswegen ist es insbesondere Gottes Volk, das blind ist. Denn wer hat so viel sehen können wie Gottes Volk? Keiner kennt die Wahrheit so gut wie Gottes Volk. Niemand hat so viel Wunder gesehen wie Gottes Volk. Wir erinnern uns an die erste Generation der Israeliten, die aus Ägypten herauskam. Sie sahen Wunder für Wunder und doch fingen sie jedes Mal neu an zu fragen: Ist Gott unter uns? Bei jeder neuen Schwierigkeit. Und bevor wir über sie urteilen, möchte ich mir Zeugnis geben, dass mir das auch oft passiert. So viele Wunder habe ich in meinem Leben erlebt, und so oft geht es mir, dass ich plötzlich in Schwierigkeit denke: Ja, wo ist jetzt Gott? Warum greift er nicht ein? Ist das nicht genau das Zeichen unserer Blindheit, dass wir so viel Wissen, so viel gesehen haben und doch nicht die Schlüsse daraus ziehen, nicht im Glauben darauf dann in der nächsten Situation sagen: Herr, weil du schon all das gesagt hast und all das getan hast, weil ich schon so viel gesehen habe, deswegen glaube ich dir jetzt?
[11:32] Lieber Freund, liebe Freundin, ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich möchte heute mich dafür entscheiden, aus dem Glauben zu leben, das zu beachten, was Gott mir zeigt, das festzuhalten, dabei zu bleiben, die Erfahrungen nicht zu verlieren, auf das zu achten, was Gott zu mir spricht, und mich daran erinnern, wenn ich es wieder benötige. Hinschauen auf Jesus.
[12:10] 2. Petrus spricht ebenfalls von der geistlichen Blindheit, die Gottes Gemeinde befällt, in 2. Petrus Kapitel 1 Vers 9. Dort sagt er: "Wem dagegen diese Dinge fehlen, der ist blind und kurzsichtig." Es gibt also offensichtlich verschiedene Stufen. Es ist ein gradueller Prozess. Man kann vielleicht kurzsichtig sein, man kann irgendwann regelrecht erblinden geistlich. Und dann steht etwas Interessantes: "Wem dagegen diese Dinge fehlen, der ist blind und kurzsichtig und hat die Reinigung von seinen früheren Sünden vergessen."
[12:51] Man weiß vielleicht viel, hat viel gesehen, aber hat das Entscheidende vergessen: die Erfahrung der Erlösung, die Erfahrung der Reinigung vergessen. Denn immer dann, wenn ich weiß und wenn ich erlebe, dass Gott mir vergibt, wenn ich mich daran erinnere, was er alles für mich getan hat, dann möchte ich auch das umsetzen, was ich sehe. Aber wenn ich die Erlösung, die ich erlebt habe, wenn ich die Vergebung, die Gott mir geschenkt hat, wenn ich die Barmherzigkeit, die ich erfahren durfte, wenn ich sie vergesse, aus den Augen verliere, wegdrücke, weil ich wieder meinen eigenen Stiefel fahren möchte, dann kann ich zwar noch die Wahrheiten alle lesen, ich sehe sie noch, aber sie haben keinen Einfluss mehr auf mein Leben, weil ich plötzlich vergessen habe, was Gott für mich getan hat und deswegen keine große Lust mehr spüre, etwas für Gott zu tun oder auf seinen Rat zu achten.
[13:54] Das Vergessen der Erlösung ist ein entscheidendes Kennzeichen der Blindheit. Und wir haben schon öfter gesehen, bei der Gemeinde Laodizea geht es ja darum, dass Jesus verzweifelt versucht, seiner Gemeinde deutlich zu machen: Du brauchst das Evangelium! Jemand, der sich daran erinnert, wie Gott ihm vergeben hat, der wird wissen, dass er das Evangelium braucht. Aber wenn wir das vergessen...
[14:31] Vers 9 sagt: "Wem dagegen diese Dinge fehlen..." Und die Frage muss natürlich sein: Was sind diese Dinge? Welche Dinge fehlen und führen dazu, dass man blind wird? Denn wem diese Dinge fehlen, sagt er, der ist blind. Also können wir die geistliche Blindheit ein bisschen genauer charakterisieren. Wir können ein bisschen genauer verstehen, was geistliche Blindheit bedeutet, indem wir uns anschauen, welche Dinge da sein sollten bei einem geistlich sehenden Menschen und schlussfolgern: Wenn jemand geistlich blind ist, dann fehlen diese Dinge. Mit anderen Worten, wir lesen jetzt die Dinge, die Laodizea haben sollte, aber nicht hat.
[15:18] Vers 5. So setzt eben – nein, fangen wir vorne an in Vers 3, weil Vers 3 gibt uns die Begründung. Vers 3 gibt das Fundament, Vers 3 gibt den Schlüssel zu all dem, da jetzt kommt die Begründung für alles, was später kommt. "Da seine göttliche Kraft uns – wie viel? – was steht dort? – da seine göttliche Kraft uns alles geschenkt hat, was zum Leben und zum Wandel in Gottesfurcht dient." Lieber Christopher, lieber Freund, liebe Freunde, das müssen wir alle erneut hören: Alles, was wir brauchen, alles, was notwendig ist, damit wir ein Gott gefälliges Leben leben, schenkt Gott uns durch seine göttliche Kraft.
[16:09] Und wo ist diese göttliche Kraft zu finden? Römer 1 Vers 16 sagt: "Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, denn es ist Gottes Kraft zur Errettung für jeden, der da glaubt." Die göttliche Kraft, das Evangelium, schenkt uns alles, was wir brauchen. Erinnern wir uns an – oder wir werden dann dazu noch kommen – Offenbarung 3 Vers 18. Wenn wir dann bei Vers 18 sind, da sagt der Jesus, dass wir von ihm etwas kaufen sollen. Aber wenn wir dann das studieren werden, wenn wir sehen in Jesaja 55, wird das ganz deutlich: Wir kaufen ohne Geld. Er schenkt es uns ja. Wir müssen es nur haben wollen. Jesus schenkt uns das Evangelium. Er schenkt uns die Kraft, den Glauben, die Gerechtigkeit, die Augensalbe gegen die Blindheit.
[16:59] "Da seine Kraft uns alles geschenkt hat, was zum Leben und zum Wandel in Gottesfurcht dient, durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat, durch seine Herrlichkeit und Tugend." Also, wie bekommen wir es geschenkt? Indem wir Jesus persönlich als unseren Heiland kennenlernen. Ich möchte mich heute neu entscheiden, Jesus besser kennenzulernen, mehr mit ihm zu leben und ihm zu folgen.
[17:26] "Durch welche uns die überaus großen und kostbaren Verheißungen gegeben hat." Erinnern uns noch: Jede Verheißung Gottes findet ihr Amen in Jesus. Das ist, was die Laodizea-Botschaft sagt. "Durch welche uns die überaus großen und kostbaren Verheißungen gegeben hat, damit ihr durch dieselbe göttlicher Natur teilhaftig werdet, nachdem ihr dem Verderben entflohen seid, das durch die Begierde in der Welt herrscht."
[17:57] Also die Begründung ist: Weil Gott, indem wir Jesus kennenlernen, uns alles schenkt. Seine göttliche Kraft schenkt uns alles zum Leben, zur Gottesfurcht, alles, was wir brauchen, um ein Leben zu leben, das vor Gott wirklich angenehm ist. Und weil er uns diese überaus großen Verheißungen gegeben hat. Also, weil Gott uns alles schenkt und weil er uns das alles verspricht und in Jesus diese Verheißung ihr Amen findet, weil das so ist, und jetzt kommen die Schritte, die man die Leiter von Petrus nennt.
[18:30] Vers 5: "So setzt deshalb allen Eifer daran." Grundlage von all dem ist die göttliche – durch dessen Erkenntnis, den wir ihn erkennen – die göttliche Kraft uns alles schenkt. Jesus, der das Amen für die Verheißung ist. Das ist die Grundlage, das Fundament. Und auf dieses Fundament setzen wir Eifer. Also ein echtes Interesse, Eifer für den Glauben, Eifer für Gottes Evangelium, Eifer für Jesus.
[19:20] "So setzt deshalb allen Eifer daran und reicht in eurem Glauben die Tugend." Da also der Glaube Charakterveränderung führt in der Tugend, aber die Erkenntnis. Je mehr sich unser Charakter verändert, desto mehr werden wir die Wahrheit erkennen. Und viele missverstehen das und denken einfach durch intellektuelles Bibelstudium wird ihre Erkenntnis erweitert. Und viele verbreiten dann all mögliches Zeug und haben tausend Bibelverse, aber sind schlimme Irrlehrer, weil ihr Charakter sich gar nicht geändert hat. Die Tugend führt zur Erkenntnis.
[20:13] Und in der Erkenntnis aber die Selbstbeherrschung. Und die führt zum standhaften Ausharren, zur Gottesfurcht. Das heißt, dass ich Gott an die erste Stelle setze. Und das führt zur Bruderliebe, dass ich meine Geschwister in der Gemeinde von Herzen gerne habe und bereit bin, für sie ein Opfer zu bringen. Und das führt zum Höchsten, zur Liebe, zur Liebe, die so groß ist, dass ich sogar meine Feinde liebe, die Liebe, die Gott hat.
[20:57] Und Petrus sagt jetzt: "Wenn aber diese Dinge – die Liebe, die Bruderliebe, die Gottesfurcht, das standhafte Ausharren (Offenbarung 14 Vers 12), die Selbstbeherrschung, die Erkenntnis, die Tugend und der Glaube und der Eifer – fehlen, dann ist man blind." Da fehlt eine ganze Menge in der Gemeinde, da fehlt eine ganze Menge in unserem Leben. Und das Erstaunliche ist, dass alles ist ja nicht ein Konstrukt, das wir aufbauen, wo wir jetzt uns anstrengen müssen im Sinne von, dass wir uns jetzt hier irgendwie verkünsteln müssen, sondern es sind alle Dinge, die wir tun könnten, weil Gott uns für alles die Kraft gibt und das alles versprochen hat. All das ist nur möglich durch seine Kraft und durch seine Verheißung. Und Petrus sagt ja, weil er uns das gegeben hat, weil wir die Kraft haben durch Jesus und weil wir die Verheißung haben, lasst uns daran bauen. Wem aber diese Dinge fehlen, wo die nicht wachsen, wo die nicht mehr werden, da ist Blindheit, vielleicht erst Kurzsichtigkeit und irgendwann geistliche Blindheit.
[22:11] Wie sieht es mit meiner Liebe aus, mit meiner Liebe zu den Geschwistern, mit meiner Gottesfurcht? Steht Gott an der ersten Stelle? Bin ich geduldig auch in Schwierigkeiten? Wie sieht's mit meiner Selbstbeherrschung aus? Erkenntnis: Wachse ich in der Erkenntnis? Lerne ich neue Dinge aus der Bibel? Wachse ich in meinem Charakter? Wird mein Glaube stärker? Wächst mein Eifer für Gott? Das sind die diagnostischen Fragen, die wir uns stellen können, nicht damit wir verzweifeln, aber damit wir erkennen, wie dringend ich und du, wie dringend wir die göttliche Kraft von Jesus brauchen, wie dringend wir aus den Verheißungen leben müssen. Wir können nicht ohne.
[22:54] Wenn wir uns darauf verlassen, dass andere Menschen uns schon auf den richtigen Weg bringen werden, dann gehen wir verloren. Matthäus 15 und dort Vers 14. Jesus sagt: "Lasst sie! Sie sind blinde Blindenleiter. Wenn aber ein Blinder den anderen leitet, werden beide in die Grube fallen."
[23:27] Jesus sagt über seine Gemeinde, dass sie blind ist. Das betrifft nicht nur einzelne Geschwister, das betrifft auch die, die in Verantwortung sind. Wenn ich mich an einen anderen in der Gemeinde hänge und dann sage: Na ja, der kennt sich in der Bibel gut aus, ich werde einfach so glauben, wie er glaubt. Das ist jemand, der hat viel Erfahrung, ich werde einfach ihm nachfolgen. Das ist jemand, der scheint eine gute Position zu haben, den mache ich jetzt zu meinem Modell, zu einem Maßstab. Wenn wir einen Menschen aus Laodizea zum Maßstab machen, dann sind wir in höchster Gefahr, denn Laodizea ist blind.
[24:12] Es ist nicht unsere Aufgabe, andere Menschen zu verurteilen, aber wir sollten zumindest so viel aus der Laodizea-Botschaft erkennen, dass kein Gemeindeglied in Laodizea mich zum ewigen Leben führen kann. Die Blinden leiten die Blinden nur ins Verderben.
[24:32] Und worin besteht die geistliche Blindheit von blinden Leitern? Matthäus 23 gibt ein paar traurige Verse, in denen Jesus über die Leiter seiner Zeit in Matthäus 23 folgendes sagen muss, ab Vers 16: "Wehe euch, ihr blinden Führer, die ihr sagt: Wer beim Tempel schwört, das gilt nichts; wer aber beim Gold des Tempels schwört, der ist gebunden! Ihr Narren und Blinden! Was ist denn größer: das Gold oder der Tempel, der das Gold heiligt? Und wer beim Brandopferaltar schwört, das gilt nichts; wer beim Opfer schwört, das darauf liegt, der ist gebunden! Ihr Narren und Blinden! Was ist denn größer: das Opfer oder der Brandopferaltar, der das Opfer heiligt?"
[25:37] Was war das Problem? Die Obersten haben gesagt: Na ja, wenn man jetzt schwört und einen Eid schwört, dann ist das unter bestimmten Voraussetzungen oder bestimmten Gegebenheiten okay. In der Situation ist es okay, in einer anderen ist es nicht okay. Mit anderen Worten, es gab plötzlich Ausnahmen, es gab Entschuldigungen für bestimmte Sünden. Wenn ich einen Eid schwöre und den dann nicht halte, ist das eine Sünde. Aber die Pharisäer sagten, es kommt auf die Situation an, eine Situationsethik sozusagen. Je nachdem, in welcher Situation, wie genau das war, ist es entweder eine Sünde oder auch keine Sünde. Indem also die Leiter bestimmte Sünden entschuldigten und als nicht problematisch darstellten, waren sie blinde Leiter.
[26:21] Und die Frage ist: Gibt es das heute auch noch? Das sind Gottes Volk, Prediger, verantwortliche Menschen, die einen Hauskreis haben, eine Sabbatschule leiten. Das kann auf allen Ebenen sein, wo Menschen gelehrt werden sollen, wo jemand eine Verantwortung für andere übernimmt, und sei es in der Kindersabbatschule. Passiert das heute noch, dass bestimmte Sünden, die die Bibel als Sünde benennt, entschuldigt werden und gesagt werden: Ja, das ist nicht so schlimm, oder unter bestimmten Umständen kann man das anders sehen und so weiter? Das ist ein Zeichen geistlicher Blindheit.
[27:01] Es geht noch weiter in Vers 24: "Ihr blinden Führer, die die Mücke aussiebt, das Kamel aber verschluckt!" Auch das gibt es, dass um die kleinsten Kleinigkeiten gestritten wird, dass zum Teil eigene Regeln aufgestellt werden, die rigoros verfolgt werden, aber die großen Themen der Gnade, der Barmherzigkeit und der Gerechtigkeit...
[27:19] Barmherzigkeit und Gerechtigkeit außer Acht gelassen werden. Wie oft finden wir das auch in unseren Gemeinden, dass Menschen sich über Kleinigkeiten die Köpfe einschlagen, über Dinge, über die es vielleicht nicht einmal ein „So steht geschrieben“ gibt? Gibt es aber die Dinge, die groß und breit in den Evangelien, im Alten Testament, in Offenbarung überall angesprochen werden, die werden ignoriert oder vernachlässigt. Auch das ein Zeichen von geistlicher Blindheit. Zum einen, dass Sünde entschuldigt wird, zum anderen, dass die Proportionen, die Prioritäten, dass das Entscheidende aus den Augen verloren wird und man sich an Kleinigkeiten aufhängt und menschliche Regeln, die aus dem Wort Gottes nicht bestätigt werden können.
[28:17] Vers 36 – Verzeihung, Vers 26: „Du blinder Pharisäer, reinige zuerst das Inwendige des Bechers und der Schüssel, damit auch ihr Äußeres rein werde.“ Das Problem der Blindheit ist innere Unreinheit. Die Pharisäer waren darauf bedacht, bemüht, eine äußere Fassade einzuhalten, so möglichst heilig auszusehen, damit alle sehen, wie heilig sie sind. Und doch waren gerade sie, die darauf bedacht waren, dass alle ihre Heiligkeit sehen, blind für ihre Unheiligkeit. Im Innern waren sie unrein, und Jesus hat das genau gesehen und gewusst. Ihnen gesagt: „Wenn ihr wirklich heilig sein wollt, wenn ihr wirklich geistlich sehend sein wollt, dann müsst ihr innerlich gereinigt sein.“
[29:09] Lieber Freund, liebe Freundin, es reicht nicht, dass wir uns äußerlich als Mitglieder des Adventvolkes so schadlos wie möglich verhalten und überall einen guten Eindruck hinterlassen. Wir müssen im Innern rein werden, gereinigt durch das Blut Jesu, das er jedem versprochen hat, der es für sich in Anspruch nimmt.
[29:35] Und dadurch werden wir die Kraft Gottes erleben. Dadurch werden wir Jesus besser kennenlernen. Das wird uns Eifer geben und Glauben. Unser Charakter wird sich verändern. Wir werden die Wahrheit viel besser verstehen. Wir werden Selbstbeherrschung lernen. Wir werden Geduld lernen. Wir werden Gott an die erste Stelle setzen. Wir werden unseren Nächsten lieben wie uns selbst und schließlich sogar unsere Feinde.
[30:03] Wohin können wir gehen? Wir können nicht zu den Leitern der Gemeinde gehen, denn sie sind blind, genauso wie wir. Es geht nicht darum, die Leiter irgendwie schlechter zu machen als jemand, der kein Leiter ist. Der Punkt ist ganz klar: Laodizea ist blind. Ein Blinder kann dem Blinden nicht helfen. Aber jemand kann uns helfen, der sieht und der die Kraft hat, Blindheit zu heilen. Wer ist das? Das ist niemand anders als unser Herr Jesus.
[30:33] Matthäus 15, Vers 30 und 31: Jesus ist in der Dekapolis auf der Ostseite des See Genezareth. Und es heißt hier: „Und es kamen große Volksmengen zu ihm, die hatten Lahme, Blinde, Stumme und viele andere bei sich, die Armen, die Blinden, die Elenden. Und sie legten sie zu Jesu Füßen, und er heilte sie, sodass sich die Menge verwunderte, als sie sah, dass Stumme redeten, Gesund wurden, Lahme gingen und Blinde sehend wurden, und sie priesen den Gott Israels.“
[31:10] Wohin müssen wir mit unserer Blindheit? Wir müssen zu Jesus. Wir müssen uns zu den Füßen Jesu setzen, zu den Füßen Jesu legen, damit er meine und deine Blindheit heilen kann.
[31:36] Matthäus Kapitel 9 und dort Vers 27 bis 29. Gibt es eine Bedingung, damit wir von unserer Blindheit loskommen, dass wir wieder geistlich sehend werden?
[31:45] Die Heilungen von Jesus, in denen er physisch blinde Menschen geheilt hat, sind eine Illustration dafür, wie er geistlich Blinde heilen kann und will. Genauso wie die Heilung von Menschen, die nicht laufen konnten, eine Illustration ist für Menschen, die geistlich nicht gehen können. So wie die Heilung von körperlich Aussätzigen ein Symbol ist für Menschen, die innerlich geistlich durch Sünde aussätzig sind, nämlich wir alle.
[32:28] Matthäus Kapitel 9, Vers 27 bis 29: „Und als Jesus von dort weiterging, folgten ihm zwei Blinde nach, die schrien und sprachen: Du Sohn Davids, erbarme dich über uns!“
[32:40] Wenn wir zu Jesus kommen, dann müssen wir ihn bitten: „Erbarme dich über uns! Hilf uns! Wir sind erbärmlich, erbarmungswürdig. Wir brauchen das Erbarmen Jesu.“
[32:54] Vers 28: „Als er nun ins Haus kam, traten die Blinden zu ihm, und Jesus fragte sie: Glaubt ihr, dass ich dies tun kann?“
[33:04] Lieber Freund, liebe Freundin, glaubst du, dass Jesus dir und mir die Blindheit nehmen kann, dass wir unser Wissen tatsächlich dann umsetzen, dass wir die Erfahrung der Erlösung nicht wieder vergessen, dass wir bei ihr bleiben, dass wir die Kraft Gottes und die Verheißung in Anspruch nehmen, dass wir wieder geistlich sehen? Glaubst du das?
[33:27] Jesus fragte die Blinden: „Glaubt ihr, dass ich das tun kann, dies tun kann?“ Sie sprachen zu ihm: „Ja, Herr!“
[33:34] Die Frage ist, an der sich alles entscheidet: Glaubst du, dass Jesus deinen Zustand ändern kann?
[33:39] Und ich habe in meinem Leben erlebt: Immer dann, wenn ich geglaubt habe, dass Jesus mir in einer bestimmten Situation helfen kann, hat er mir geholfen. Er hat mich nie im Stich gelassen. Ich habe oft seine Weisung im Stich gelassen, ich habe sie oft ignoriert oder nicht geglaubt. Aber wann immer ich Gott geglaubt habe, war seine Kraft für mich da. Situationen haben sich vielleicht nicht geändert, aber die Kraft war da.
[34:08] Glaubst du das? Sie sprachen zu ihm: „Ja, Herr!“ Da rührte er ihre Augen an und sprach: „Euch geschehe nach eurem Glauben!“
[34:17] Entscheidend ist, ob wir glauben, dass Jesus uns sehend machen kann, dass Jesus die geistliche Blindheit beenden kann, damit wir sehen, wie es uns wirklich geht, damit wir sehen, wie Jesus wirklich ist, damit wir sehen, was Jesus alles tun kann und dass das hier nicht nur fromme Wünsche sind, damit wir endlich glauben, dass das eine Realität ist, die Gott durch seine Kraft in uns bewirken kann, weil er es versprochen hat und Jesus sich für diese Verheißung verbürgt, indem er sagt: „Ich bin der Amen.“ Diese Heilung, dass dein Glaube wachsen kann, dass dein Eifer wachsen kann, dass dein Charakter sich verändert, dass du in alle Wahrheit geführt wirst, dass du dich selbst beherrschen kannst, dass du Geduld lernen wirst, auch in der Endzeit, dass du am Ende alles Gott unterordnest, dass du deinen Nächsten liebst wie dich selbst und am Ende deine Feinde – diese Verheißungen können echte Realität werden, wenn wir das sehen, wenn wir das glauben, dass das passieren kann, dann sind wir nicht mehr blind, dann beginnen wir wieder geistlich zu sehen.
[35:35] Matthäus 20 und dort Vers 29. Matthäus 20 und dort ab Vers 29: „Und als sie von Jericho auszogen, folgte ihm eine große Volksmenge nach. Und siehe, zwei Blinde saßen am Weg. Als sie hörten, dass Jesus vorüberziehe, riefen sie und sprachen: Herr, du Sohn Davids, erbarme dich über uns!“
[36:04] „Aber das Volk gebot ihnen, sie sollten schweigen. Sie aber riefen nur noch mehr und sprachen: Herr, du Sohn Davids, erbarme dich über uns!“ Es kann sein, dass, wenn du verstehst: „Ich bin blind, ich brauche Hilfe“, dass andere dich abhalten wollen, dass andere sagen: „Ach, das ist übertrieben, das ist fanatisch, das ist jetzt, jetzt mal, mach mal halblang! Du bist doch getauft, du bist doch in der Gemeinde, ist doch alles ganz gut!“ Es kann sein, dass der Satan uns abhalten will. Es kann sein, dass Umstände in unserem Leben uns abhalten wollen, die Arbeit und die Dinge unseres Alltags zu stressig werden, dass uns Menschen davon abhalten wollen, dass Umstände, Dämonen, Satan uns abhalten wollen, uns ganz Jesus vor die Füße zu legen und sagen: „Erbarme dich über uns!“ Aber diese beiden Blinden ließen sich nicht zum Schweigen bringen. Sie ließen sich nicht abhalten, sie haben umso lauter gerufen. Wenn du merkst, es wird schwierig, diese Bitte zu Jesus zu äußern, weil Dinge in deinem Alltag dir die Zeit nehmen für die Andacht, Zeit nehmen für das Gebet, dann bete umso länger, dann bete umso intensiver. Lass dich nicht abhalten!
[37:13] Als diese beiden Blinden, von denen uns in Markus 10, Vers 46 gesagt wird, dass einer auch gebettelt hat, also auch arm war, sehen wir wieder, dass die Sachen zusammengehören:
[37:26] Arm, elend, blind, aber nicht gewillt, Jesus beiseitezuziehen zu lassen. Jesus steht in Laodizea und klopft an der Tür. Diese beiden hatten nicht mal das Vorrecht, dass Jesus vor an der Tür steht. Jesus ging nur vorbei, und sie wollten ihn nicht vorbeiziehen lassen. Lieber Freund, liebe Freundin, wenn Jesus vor deiner Tür steht, möchtest du ihn vorbeiziehen lassen oder möchtest du, dass er stehen bleibt und hineinkommt? Diese beiden riefen so laut: „Herr, du Sohn Davids!“ Mit anderen Worten: „Du bist der König, du bist der Messias, du bist der Erlöser! Erbarme dich über uns!“
[38:04] Und dann sagt Vers 32: „Und Jesus stand still.“ Wir haben in Vers 29 gelesen, da folgt ihm eine große Volksmenge nach. Jesus hätte sich sagen können: „Ich habe so viele Nachfolger, so eine große Gemeinde hier um mich herum. Diese zwei sind jetzt nicht so wichtig. Ich bin gerade auf dem Weg, ich habe keine Zeit, ich kümmere mich ein andermal drum.“ Nein, Jesus steht still. Lieber Freund, liebe Freundin, wenn du Hilfe brauchst und wenn du zu Jesus betest, dann steht notfalls das ganze Universum still, damit Jesus dir helfen kann.
[38:44] Jesus stand still, rief sie und sprach: „Was wollt ihr, dass ich euch tun soll?“
[38:49] Was für eine Frage! Stell dir vor, Jesus steht heute vor deiner Tür und klopft an und sagt: „Was soll ich dir tun? Was wünschst du dir? Was willst du, dass ich dir tun soll?“ Er fragt sie: „Was wollt ihr, dass ich euch tun soll?“ Sie sagten zu ihm: „Herr, dass unsere Augen geöffnet werden.“
[39:13] Ist das auch dein Wunsch, deine Augen geistlich geöffnet werden, dass du wieder siehst, dass du die Erfahrung der Erlösung nicht vergisst, dass du auch beachtest, was du alles weißt, und dass diese Leiter Petri, wie sie genannt wird, in deinem Leben immer weiter wachsen kann?
[39:42] Vers 34 beginnt mit diesen wundervollen Worten, was so bewegt davon: „Da erbarmte sich Jesus über sie.“ Ja, sie sind erbärmlich. Jesus erbarmt sich über sie und rührt ihre Augen an, und sogleich wurden ihre Augen wieder sehend, und sie folgten ihm nach.
[40:06] Weißt du, wenn wir als Laodizea mit unseren blinden Augen zu Jesus kommen und ihn bitten: „Herr, mach mich sehend!“, dann hat er Erbarmen mit Laodizea, hat Erbarmen mit dir und mir, und er macht uns sehend. Und dann werden wir ihm nachfolgen. Dann werden wir nicht mehr ihn auf Distanz halten, so wie Laodizea das Wasser aus den entfernten Quellen bekam und da kam es lauwarm an. Wir haben das ja alles studiert. Dann werden wir ihm folgen, wohin er auch geht. Offenbarung 14, die 144.000.
[40:52] Eine letzte Geschichte in Markus Kapitel 8. In Markus Kapitel 8 und dort Vers 22. Dort lesen wir: „Und er kommt nach Betsaida, und man bringt einen Blinden zu ihm und bittet ihn, dass er ihn anrühre. Und er nahm den Blinden bei der Hand und führte ihn vor das Dorf hinaus, spie ihm in die Augen, legte ihm die Hände auf und fragte ihn, ob er etwas sehe.“ Jesus spuckt ihm in die Augen.
[41:32] Interessant ist, dass er diesen Blinden zunächst vor das Dorf hinausführt. Er möchte also nicht, dass dieser Blinde vor der gesamten Menge dort geheilt wird, sondern offensichtlich, wie vorher auch schon in Markus 7 bei dem Taubstummen in Markus 7, Vers 31, möchte Jesus seinen Jüngern eine ganz besondere Lektion erteilen. Dieser Mann hier ist blind, aber Jesus hätte einfach nur seine Augen anrühren können und so wie bei den anderen Fällen einfach die Blindheit beenden können. Aber er macht eine Zeichenhandlung, die weniger für den Blinden als viel mehr für die Zuschauer da ist, die nämlich auch noch an geistlicher Blindheit leiden, obwohl sie – oder wir werden gleich sehen, was das Problem hier ist – obwohl sie ja seine Gemeinde sind.
[42:20] Vers 24: „Und er blickte auf und sprach: Ich sehe die Leute, als sehe ich wandelnde Bäume.“ Mit anderen Worten: „Ich sehe unscharf.“ Dieser Mann war halb geheilt. Er konnte sehen, aber er sah nicht besonders scharf, er sah verschwommen. Und das war auf Dauer zwar eine Verbesserung, aber nicht das, was Gott eigentlich vorgesehen hatte.
[42:39] Hierauf legte er noch einmal die Hände auf seine Augen und ließ ihn aufblicken, und er wurde wiederhergestellt und sah jedermann deutlich. Jesus heilt diesen Mann
[42:51] zweimal, weil beim ersten Mal die Heilung – der Mann nicht so sehr geheilt war, als dass er schon jetzt einfach so leben konnte. Die Jünger haben sich wahrscheinlich gefragt, was das soll, vor allem, weil Jesus hier spucken musste. Vielleicht haben sie sich daran erinnert, dass er schon vorher in Markus 7 ebenfalls mit Speichel die Zunge des Taubstummen berührt hatte. Speichel damals im Alten Testament schon ein Symbol für Schande und Schmach gewesen. Aber Jesus, auch wenn die Jünger sich gefragt haben, was das soll, Jesus wusste genau, was er getan hat. Denn Jesus war kurz davor – das sehen wir dann in Markus 8 – kurz davor, seinen Jüngern zu sagen, wohin der Weg führt. Denn seine Jünger waren ja unterwegs und mit ihm in der Hoffnung und der Erwartung, dass er den Königsthron von David besteigt, um die Römer zu vertreiben. Jesus macht ihnen deutlich: Nein, der Weg führt nicht zur Herrlichkeit, jedenfalls nicht diesmal und nicht hier auf der Erde, sondern der Weg führt zum Kreuz, zur Schande, zur Schmach. Kern des Evangeliums: Jesus stirbt für uns.
[44:14] Die Jünger waren wie dieser Blinde. Sie waren schon ein bisschen geheilt, sozusagen, nicht weil Gott nicht viel Kraft hätte, sondern weil sie diese Kraft nur teilweise zugelassen hatten. Sie hatten verstanden: Jesus, der Messias. Sie glaubten ihm, sie liebten seine Worte, sie wollten ihn nicht gehen lassen, aber sie verstanden noch nicht den Kern des Evangeliums. Sie waren kurzsichtig, sozusagen, sie sahen nicht, wohin das alles führt. Kann es sein, dass wir manchmal auch so sind wie dieser Mann nach seiner ersten Heilung? Vielleicht sind wir nicht mehr blind, vielleicht haben wir Gottes Kraft gesehen und wir sind ganz begeistert von Jesus, aber wir verstehen nicht ganz die eigentlichen Tiefen des Evangeliums, wie sehr Jesus für uns gelitten hat. Denn wenn wir das richtig verstehen, dann werden wir auch bereit sein, das zu tun, was Jesus dann im Folgenden auch zu den Jüngern sagt: „Nehmt auf euch das Kreuz und folgt mir nach!“ Wie es in Markus 8, Vers 34 sagt: „Und er rief die Volksmenge samt seinen Jüngern zu sich und sprach zu ihnen: Wer mir nachkommen will – also wer sehend sein will –, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach!“
[45:38] All das ist nur möglich, wenn wir uns selbst verleugnen, wenn wir Gott glauben und nicht uns selbst, wenn wir unseren Charakter verändern lassen, den Stolz verändern lassen, wenn wir erkennen, dass wir nicht alles wissen oder dass Gott die Wahrheit hat, wenn wir uns beherrschen sollen, obwohl unser Ich angegriffen wird, wenn wir drunter bleiben müssen, wie das griechische Wort für Ausharren bedeutet, und wenn wir Gott an die erste Stelle setzen und nicht mehr unser Ich, wenn wir für den Nächsten bereit sind, etwas zu tun, ein Opfer zu bringen, und am Ende sogar für unsere Feinde, dann nehmen wir das Kreuz auf uns, dann sehen wir richtig, denn dann sehen wir, was Jesus für uns getan hat und was Nachfolge wirklich bedeutet.
[46:37] Könnte es sein, dass Laodizea genau das fehlt: ein Verständnis, was das Evangelium wirklich kann und was es dann noch im Leben eines Gläubigen tatsächlich bewirken wird?
[46:48] Lieber Freund, liebe Freundin, ich habe den Wunsch, Jesus zu bitten, mich sehend zu machen. Hast du den Wunsch auch? Wollen wir ihn heute bitten, dass er uns die Augen öffnet, nachfolgen können? Wollen wir gemeinsam dazu niederknien?
[47:16] Lieber Vater im Himmel, danke, dass du durch dein Wort uns die Augen öffnest, die Augen öffnest über unseren Zustand, die Augen öffnest über die Realität, das, was du eigentlich für uns geplant hast. Weil, Herr, das Bibellesen alleine, das wird uns nicht verändern, es sei denn, wir kommen zu dir und bitten dich, dass du das, was wir dort lesen, in unserem Leben tust, dass wir die Versprechen, die du dort gegeben hast, in Anspruch nehmen und dass wir das tun wollen, was du sagst, dass du in uns tun kannst, dass wir mit dir zusammenarbeiten wollen. Herr Jesus, bitte öffne mir und öffne uns, öffne jedem, der dieses Video sieht, die Augen, dass wir unsere Erfahrung der Erlösung nicht mehr vergessen und dass wir Schritt für Schritt all die Dinge in unserem Leben erleben dürfen und dass sie wachsen dürfen, die der Petrus beschreibt. Herr, wir wollen niemandem erlauben, uns davon abzuhalten, dich darum zu bitten, dass du uns die Augen öffnest. Mach uns ganz sehend, dass wir nicht mit einer oberflächlichen, verschwommenen Sicht zufrieden sind, dass wir die Wahrheit erkennen, wie du möchtest, dass wir die Wahrheit erkennen, für uns persönlich, für unseren Glauben, für unser Glaubensleben, die theologische Wahrheit, die praktische Wahrheit, dass wir Jesus erkennen, der die Wahrheit ist. Das bitten wir in seinem Namen. Amen.
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