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Diese Predigt von Erhard Biró beleuchtet das Thema der „rettenden Gnade“ Gottes, die weit über die Heilung von Krankheiten hinausgeht. Anhand biblischer Texte und eindringlicher Beispiele wird die Macht und Tiefe der göttlichen Gnade dargestellt, die uns von der Sünde befreit, uns erzieht und uns zur Vollendung führt. Die Botschaft ermutigt dazu, diese Gnade anzunehmen und sich auf die Wiederkunft Jesu vorzubereiten.


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Serie: Predigten

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Transkript

[0:00] Verehrte Gäste, liebe Schwestern und Brüder in Jesus Christus. Wie gut, dass ihr diese Probleme habt. Wie schön, wenn ich vor einer Gemeinde stehe, die Probleme hat, weil sie zu wenig Platz hat. Solche Bilder kenne ich aus dem Ausland, aus Osteuropa, aus Mittelasien, aus dem Missionsgebiet. Das macht Hoffnung für Deutschland.

[0:31] Vor einiger Zeit las ich die Überschrift eines Zeitungsartikels. Es war in der FAZ. Die Überschrift lautete: "Was darf ein Monat Leben kosten?". Die Überschrift fiel mir auf, denn ich bin der festen Überzeugung, mit Geld kann man keine Minute seines Lebens erkaufen.

[1:03] Dahinter stand eigentlich das Problem, dass wir als Menschen es mit schrecklichen Krankheiten zu tun haben, unter anderem auch mit Krebs. Forscher auf der ganzen Welt sind rund um die Uhr damit beschäftigt, neue Medikamente auf den Markt zu bringen, mit denen die Lebenserwartung von Krebspatienten verlängert werden kann. Die Rückseite der Medaille: Diese Medikamente kosten viel Geld, pro Monat um die 4.000 Euro für einen Patienten. Und da fragt man sich, der Autor dieses Artikels fragt sich, bei einer durchschnittlichen Verlängerung der Lebenserwartung um drei Monaten, lohnt sich der Aufwand? Was darf ein Monat Leben kosten?

[1:56] Stellen wir uns vor, eines Morgens wachen wir auf und über die Nachrichtenticker kommt die Meldung: "Mittel gegen Krebs entdeckt! Lebensretter in jedem Stadium." Was würde das bedeuten? Das wäre eine Revolution. Millionen von Menschen auf der ganzen Erde würden diese Nachricht feiern wie das Ende eines großen Weltkrieges. Die Kehrseite: Es gäbe wahrscheinlich nur eine bestimmte Gruppe von Menschen, die diese Vorteile genießen könnten, weil die anderen es sich nicht leisten könnten, diese Mittel sich zu kaufen.

[2:44] Aber stellen wir uns vor, eine andere Nachricht, eine andere Meldung. Die Meldung lautet: "Forscher enträtseln das Leben, der Tod ist überwunden! Rettung in jedem Stadium möglich." Eine Fiktion, ein schöner Traum, Fantasie. Diese Schlagzeile steht in der Bibel.

[3:00] Ich lese mit euch unseren Predigtext im Titusbrief im zweiten Kapitel. Titus Kapitel 2 und dort zunächst Vers 11. Wir werden uns mit dem Abschnitt beschäftigen, mit dem ganzen Abschnitt bis Vers 14, aber zunächst Vers 11. Die Schlagzeile lautet: Ich lese hier an der revidierten Luther-Übersetzung: "Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen." In manchen Bibelübersetzungen heißt dieser Text: "Denn es ist erschienen die heilende oder die rettende Gnade Gottes allen Menschen."

[4:05] Es geht um viel mehr als um die Bekämpfung von Krebs. Es gibt ja viele andere Krankheiten, Seuchen. Es geht um viel mehr als nur darum, eine ganz bestimmte Gruppe in der Gesellschaft zu heilen oder zu retten. Dieses Angebot gilt für alle Menschen, unabhängig davon, in welcher sozialen Schicht sie sich befinden und in welchem Stadium ihres Lebens sie sich gerade befinden. Aber ich frage euch: Wo bleiben die Freudentänze? Wo bleibt die Begeisterung? Hat uns diese Aussage erreicht? Haben wir begriffen, was in Titus 2 Vers 11 steht?

[4:56] Vielleicht haben wir schon zu vieles erlitten. Manch einer von euch hat Narben in seiner Seele, Schmerzen, Wunden, Schmerzen, die nicht aufhören wollen. Man hat gelernt zu lächeln, man funktioniert, man ist freundlich, man kann sich vertragen, aber so ganz tief innen in der Seele tut es ständig weh und es will nicht aufhören weh zu tun.

[5:37] Es ist erschienen die rettende, die heilende Gnade Gottes allen Menschen. Rettende Gnade. Gnade – ein zentraler Begriff des Neuen Testamentes. Es bedeutet Gottes Zuwendung an Gebrechliche, an Arme, an Hoffnungslose. Als Jesus als Mensch auf dieser Erde auftrat, als er seine öffentliche Mission begann, war viel Gnade bei ihm. Als die Apostel zu Pfingsten durch den Heiligen Geist bevollmächtigt anfingen, das Evangelium und die Auferstehung von Jesus zu verkündigen, war viel Gnade bei ihnen. Gnade ist das Gegenteil von Lohn, Gnade ist das Gegenteil von Leistung. Und Gnade kann man nicht einsetzen, wie man will. Man kann über Gnade nicht verfügen, so wie man über Geld verfügt. Es ist kein Eigentumsrecht. Gnade ist Gnade.

[6:42] Vielleicht fragen wir uns: Ist wirklich dieser Text, ist wirklich diese Aussage die Antwort Gottes auf die Probleme, die uns beschäftigen? Wir schauen in eine Welt, die aus allen Wunden blutet. Millionen von Menschen auf der Flucht, Millionen von Menschen haben letzte Nacht bei Minustemperaturen bestenfalls in einem Zelt übernachtet. Viele haben vielleicht nicht einmal eine Mahlzeit am Tag gehabt. Menschen, die entrechtet werden, Menschen, die vergewaltigt, entführt, verkauft werden. Schreckliche, grausame Dinge, die auf der Welt geschehen. Und dann diese Antwort: Wer über Gnade spricht, macht sich verdächtig. Es kann als Schwäche gewertet werden. Ist denn diese Gnade, diese rettende Gnade stark genug? Ist das das, was wir Menschen wirklich brauchen? Rettet es uns wirklich?

[7:46] Ich möchte mit euch einen zweiten Text lesen, in Verbindung mit Titus 2, Vers 11, im Römerbrief im fünften Kapitel. Römer, Kapitel 5, beschäftigt sich auch mit dieser Thematik. Und da heißt es in Römer 5, Vers 20: Römer 5, Vers 20: "Das Gesetz aber ist dazwischen hineingekommen, damit die Sünde mächtiger würde. Wo aber die Sünde mächtig geworden ist, da ist doch die Gnade noch viel mächtiger geworden."

[8:31] Glaubst du das? Glauben wir das, was hier steht? Wir glauben an die Übermacht der Gewalt. Wir schauen nach Syrien, nach Pakistan, in das südliche Afrika oder wohin wir auch schauen, wo die Brennpunkte dieser Welt sind. Und wir stellen fest, derjenige, der die besseren Waffen hat und das meiste Geld, der bestimmt, was dort läuft. Zumindest menschlich sieht es so aus. Wir glauben an die Macht der Gewalt.

[9:08] Wir glauben auch an die Macht des Geldes. Und wir starren jeden Tag auf den DAX. Und wir schauen es uns an, wie er verläuft. Und wir wissen, so wie der DAX verläuft, so verläuft auch die Konjunktur, so viel wert ist auch unser Geld und so weiter. So viele Arbeitsplätze haben wir oder haben wir nicht.

[9:30] Wir glauben auch an die Übermacht des Wissens, der Bildung. Wir leben in einem Land, wo Bildung und Information ganz, ganz wichtig ist. Deutschland lebt vom Informationsvorsprung.

[9:44] Und ich sage euch noch etwas. Und vielleicht wehrt sich der eine oder der andere dagegen innerlich, aber ich sage es, ich spreche es aus: Wir glauben auch an die Übermacht der Sünde. Und wisst ihr, warum wir daran glauben? Weil uns die Sünde so oft besiegt hat. Weil wir uns so oft vorgenommen haben, etwas nicht mehr zu tun. Ganz fest. In unserem Herzen, in unserem Verstand. Wir haben es verstanden, was Gott will. Wir haben verstanden, dass wir Menschen verletzen. Wir haben verstanden, dass wir uns selbst entwürdigen. Ja, wir haben das alles verstanden. Und wir haben es wieder getan.

[10:38] Aber glauben wir dann wirklich, dass Römer 5, Vers 20 stimmt? "Wo aber die Sünde mächtig geworden ist, da ist die Gnade noch viel mächtiger geworden." Glauben wir daran, dass die Gnade noch mächtiger ist als die Macht der Sünde? Und als die Macht des Geldes und der Gewalt und des Krieges? Und des Wissens und der Bildung?

[11:02] In Titus 2, Vers 11 haben wir gelesen: "Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen." Ich möchte euch einladen, und es ist mein Gebet in dieser Predigt zu Gott, dass wir verstehen, was er uns sagen will, wenn er uns das mitteilt als Antwort auf unsere Probleme.

[11:29] Ich möchte mit euch in dieser Predigt vier Zeiten der Gnade betrachten. Die vier Zeiten der Gnade Gottes. Die erste Phase überschreibe ich aufgrund der Heiligen Schrift als die geheime Gnade oder die verborgene Gnade. Die zweite Phase ist die offenbarte Gnade. Die dritte Phase ist die erziehende Gnade. Und die vierte Phase ist die vollendende Gnade.

[12:06] Wenn jemand uns die Frage stellen würde: "Seit wann brauchen wir Menschen die Gnade?", könnten wir sagen: "Seit dem Sündenfall." Aber wenn man uns die Frage stellen würde: "Seit wann gibt es die Gnade?", wäre es falsch, wenn wir antworten würden: "Seit dem Sündenfall." Denn die Gnade Gottes ist viel, viel älter.

[12:28] Ich zitiere hier einige Aussagen der Heiligen Schrift. Bleiben wir erstmal im Titus. Titus 1, Verse 2 und 3. Und ich lade euch ein mitzulesen. Da heißt es: "In der Hoffnung auf das ewige Leben, dass Gott, der nicht lügt, verheißen hat vor den Zeiten der Welt." Gott hat die Hoffnung auf das ewige Leben verheißen vor den Zeiten der Welt.

[13:01] Im Vers 3: "Aber zu seiner Zeit hat er sein Wort offenbar durch die Predigt, die mir anvertraut ist, nach dem Befehl Gottes unseres Heilandes." Da ist etwas im Neuen Testament, das als das Geheimnis Gottes genannt wird. Das Geheimnis Gottes, das Gott verschwiegen hat oder das er schon verheißen hat vor den Zeiten der Welt.

[13:24] Zweite Aussage in Römer 16, Vers 25. Schlagen wir einige Texte auf. Es ist wichtig, dass wir sie mitlesen und sehen, was Gott dazu sagt. Römer 16, Vers 25, da heißt es am Ende des Römerbriefes, die Aussage: "Dem aber, der euch stärken kann, gemäß meinem Evangelium, unter Predigt von Jesus Christus, durch die das Geheimnis offenbart ist, das seit ewigen Zeiten verschwiegen war, nun aber offenbart und kundgemacht ist durch die Schriften der Propheten, nach dem Befehl des ewigen Gottes, den Gehorsam des Glaubens aufzurichten unter den Heiden." Da redet der Apostel Paulus von einem Geheimnis, das verschwiegen war von ewigen Zeiten, das Geheimnis Gottes vor der Zeit der Welt.

[14:19] Und die nächsten Texte schlage ich jetzt nicht auf, sondern ich erwähne sie nur. Ihr könnt sie nachlesen für euch. In Epheser 1 und in Epheser 3 steht: "Gott hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem Ratschluss, den er zuvor in Christus gefasst hat." Oder in Kapitel 3: "Für alle ans Licht zu bringen, wie Gott seinen geheimen Ratschluss ausführt, der von Ewigkeit her verborgen war in ihm, der alles geschaffen hat."

[14:48] Und so könnten wir weiterlesen. Und ihr werdet immer wieder auf diesen Begriff stoßen: Geheimnis, Ratschluss, verschwiegen vor der Zeit der Welt, offenbart in Jesus Christus, herrlich erreicht um das Geheimnis des Kolosseins, Geheimnis des Glaubens, 1. Timotheus 3. 1. Petrus 1 heißt es: "Er ist zuvor ersehnt, ehe der Welt Grund gelegt wurde, aber offenbart am Ende der Zeiten um euren Willen."

[15:20] Die Bibel spricht von einem Geheimnis, und dieses Geheimnis ist das, was wir gerade in diesen Tagen betrachten. Die christliche Welt denkt an die Geburt Jesu. Der Stern aus Bethlehem erzählt dieses Geheimnis. Der Prophet Jesaja spricht darüber, wenn er sagt: "Uns ist ein Kind geboren, und er heißt starker Gott, ein Kind, starker Gott. Er heißt der Ewigkeiten Vater, er heißt Fürst des Friedens." Wie soll man das begreifen?

[16:04] Das Geheimnis Gottes wird offenbar. Das, was im Opfer Abels zum Ausdruck kam, Vertrauen auf Gottes Verheißungen, das wird sichtbar in der Menschwerdung Jesu, als er auf die Erde kam, als er geboren wurde. Es ist der Ratschluss Gottes, es ist das Geheimnis Gottes.

[16:30] Und liebe Gemeinde, verehrte Zuschauer, Zuhörer, wenn wir von Gnade sprechen, dann sprechen wir nicht von einem abstrakten theologischen Begriff, sondern wir sprechen von einer Person: von Jesus Christus. Denn er ist die Verkörperung der Gnade Gottes, er ist die Offenbarung des Geheimnisses. Wer Evangelium verkündigt, verkündigt das Geheimnis Gottes, das offenbar wurde durch die Menschwerdung Jesu und durch den Erlösungsplan, den er für uns vollendet hat.

[17:10] Wenn ich jetzt die Frage stelle, noch einmal stelle: Können wir uns vorstellen, dass die Gnade mächtiger ist als die Sünde? Und wenn ich statt dem Vokabel "Gnade" "Christus" einsetze und ich sage: Können wir uns vorstellen, dass Christus mächtiger ist als die Sünde? Dann ist die Antwort auf diese Frage überhaupt nicht schwer. Denn Jesus Christus ist gekommen, um die Werke des Teufels zu zerstören. Er ist gekommen, um die Macht der Sünde zu brechen, auch in deinem Leben, auch in meinem Leben. Er ist mächtiger als die Macht der Sünde. Deshalb sind wir Gemeinde, deshalb glauben wir an ihn. Er hat den Tod überwunden. Er hat eine bessere Antwort als die Gewalt. Er hat eine bessere Antwort als das Geld. Er hat eine bessere Antwort als menschliches Wissen.

[18:14] Es ist sein Wille, dass wir seine Gnade begreifen. Und ich glaube, wir müssen immer wieder darüber nachdenken, darüber beten und darum bitten, dass wir seine Gnade begreifen.

[18:27] Es war vor Jahren, ein Flugzeug startete in Karachi, in der Hauptstadt von Pakistan, mit dem Ziel Kathmandu, Nepal. Leider kam die Maschine dort nie an. Unterwegs stürzte sie ab und alle 167 Passagiere, die an Bord waren, verbrannten. Das heißt, alle Menschen, die dort waren, Besatzung inklusive. Leider ist das nichts Aufsehenerregendes, sowas geschieht immer wieder.

[18:53] Das Besondere an dieser Geschichte war, dass auf der Passagierliste dieser Maschine 13 weitere Namen standen, aber die Menschen saßen nicht in der Maschine. Zwölf von ihnen starteten in Frankfurt am Main mit vier Stunden Verspätung. Ihre Maschine hatte technische Probleme. Sie starteten nach Karachi, um dort den Anschlussflug zu bekommen nach Kathmandu. Und sie haben sich geärgert, denn es waren Geschäftsleute, die meisten von ihnen, und sie haben zwei volle Tage verloren, denn der nächste Flug von Karachi nach Kathmandu war erst in zwei Tagen. Sie flogen dorthin und während der ganzen Zeit, während der ganzen Wartezeit, während dieser Stunden des Wartens, waren sie voller Zorn und Fluch in sich.

[19:47] Aber als sie in Karachi landeten und als sie dort ausgecheckt haben, da flimmerten schon die ersten Bilder von der Unglücksmaschine über die Bildschirme. Und als sie realisiert haben, dass sie in dieser Maschine hätten sitzen sollen. Das meinte, wie viel von dem Ärger noch da war? Gar nichts mehr.

[20:12] Da war noch ein 13. Passagier, ein Japaner, der saß schon in der Unglücksmaschine vorher und die Behörden in Pakistan haben ihn in letzter Minute rausgeholt und sagten, die Papiere seien nicht in Ordnung. Und der Mann hat sich furchtbar aufgeregt. Vor seinen Augen flog die Maschine weg. Und dieser Mann wurde interviewt und man hat ihn gefragt. Und er sagte, und er verlor dabei seine Stimme und seine Fassung, er weinte, und er sagte: "Peter, können Sie mir sagen, wieso ich davon gekommen bin? Warum sind die anderen armen Menschen, 167 an der Zahl, verbrannt, und ich müsste dabei sein und ich bin nicht dabei? Mit welchem Recht lebe ich noch?"

[21:06] Das ist Gnade. Gnade ist, wenn dir etwas widerfährt, wofür du nichts kannst. Wenn du etwas bekommst, was du nicht verdient hast, was du nicht verarbeitet hast. Es ist die Gnade Gottes. Es gibt eine Macht, die eingreift von außen in unser Leben. Und es geschehen Dinge, die wir nicht verstehen können. Und im Rückblick stellen wir fest, wie gnädig Gott mit uns war, wie er eingegriffen hat, wie er uns geführt hat, unbegreiflich.

[21:47] Das ist das Thema Jesu gewesen. Eigentlich hat er mit jedem Gleichnis, mit jeder Predigt, mit jeder Heilung nichts anderes erzählt, als die Rettung der Gnade Gottes. Und die schönste seiner Geschichten für mich ist die Begebenheit, die Erzählung vom verlorenen Sohn, von den zwei verlorenen Söhnen.

[22:14] Da ist dieser junge Mann, der das Gefühl hat, er bekommt keine Luft mehr. Der Vater engt ihn ein. Er könnte so viel aus seinem Leben machen. Was hilft es ihm, wenn er alt ist und er dann erst erbt? Dann kann er mit seinem Geld nichts mehr anfangen. Jetzt will er leben. Jetzt will er frei sein. Jetzt will er seine Ziele verwirklichen. Und er fordert. Ich möchte euch einladen, die Bibel immer so zu lesen, dass wir auch die Aussagen zwischen den Zeilen lesen. Denn es gibt immer so viele Aussagen zwischen den Zeilen. Das sind die Zuhörer Jesu, die diese Geschichte hören, die Frommen.

[23:00] Erwarten würde man, dass Jesus erzählt, dass der Vater sagt: "Junge, du kannst es jetzt noch nicht begreifen. Aber du bekommst jetzt kein Geld von mir. Denn du würdest dich kaputt machen damit. Heute ärgerst du dich. Heute schimpfst du vielleicht. Aber eines Tages wirst du es einsehen und wirst mir danken." Hat Jesus die Geschichte so erzählt? Nein, Jesus erzählt die Geschichte anders.

[23:29] Der Vater gibt, obwohl wir inzwischen den Zeilen spüren, dass die Forderungen des Sohnes gar nicht berechtigt sind. Aber der Vater gibt. Und das ist die Geschichte von dir und von mir und von Gott. Jesus erzählt in dieser Geschichte, wie Gott ist. Und er erzählt in dieser Geschichte, wie wir wir sind als Menschen. Gott gibt. Er gibt. Und wir freuen uns, dass er gibt. Aber wir haben auch Probleme, dass er gibt. Wir freuen uns, dass er uns das Leben erhält. Ich bin so froh, dass Senta hier vorne stand und gesagt hat, dass Gott dir geholfen hat. Er erhält unseren Herzschlag.

[24:21] Aber wisst ihr, wir haben Probleme damit, wenn jemand ein Kind entführt und Gott erhält seinen Herzschlag. Da würden wir eigentlich wünschen, dass er abschaltet, oder? Aber er gibt. Er gibt uns unser Leben und er sagt: "Pass auf, was du damit machst." Mit deiner Kraft, mit deiner Lebenszeit, mit deinen Fähigkeiten, mit deinen Talenten, mit deiner Jugend, mit deiner Liebe, mit deinem Geld, mit allem, was du bist und hast.

[24:53] Und die Geschichte geht weiter. Und zunächst sieht es so aus, als hätte der Junge die richtige Entscheidung getroffen. Da ist viel los. Da wimmelt es vor Freunden. Alle interessieren sich für ihn. Alle wollen ihn hören. Er steht im Mittelpunkt. Natürlich, eines Tages dämmert es ihm, dass das alles ein Trugbild war. Denn nachdem sein Geld nicht mehr da ist, gibt es keine Freunde mehr. Niemand kennt ihn. Und da ist eine Hungersnot und er landet bei den Schweinen.

[25:26] Und dort, erst am tiefsten Punkt, besinnt er sich. Und ihm wird bewusst: Es gab in meinem Leben bis jetzt nur einen, der mich wirklich geliebt hat, der wirklich Interesse an mir hatte. Und das ist mein Vater. Und ich habe gesündigt. Ich habe die größte Dummheit meines Lebens begangen. Ich habe ihm misstraut. Ich habe gedacht, ich wäre frei ohne ihn. Ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor ihm. Ich bin nicht mehr wert, sein Sohn zu heißen. Aber ich erinnere mich: Dem letzten Tagelöhner bei ihm geht es besser. Ich werde zurückgehen. Und ich werde ihm sagen, dass ich gesündigt habe. Und mein Vater wird mich annehmen. Und ich werde ihm sagen: "Mach mich zu einem deiner Tagelöhner. Ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen."

[26:19] Wäre dieser Vater, jetzt wieder lesen wir zwischen den Zeilen, wäre dieser Vater ein harter Mann gewesen? Unbarmherzig, streng? Denn wäre der Sohn lieber gestorben, als dass er zum Vater zurückgeht. Aber so ist Gott. Er ist barmherzig. Er gibt Freiheit. Er schenkt uns. Er gibt uns überreichlich.

[26:43] Und der Sohn geht zurück. Und wieder zwischen den Zeilen lesen wir für uns: An wie vielen Tagen und Abenden stand der Vater schon da und hat Ausschau gehalten. Wann kommt der Junge endlich zurück? Er kannte das Ende der Geschichte von der ersten Stunde an. Und er hat trotzdem gegeben. Wann kommt der Junge zurück?

[27:08] Und eines Tages ist es soweit. Und obwohl der Junge zur Unkenntlichkeit verändert ist in seiner Lumpen, läuft ihm der Vater entgegen. Er erkennt ihn mit den Augen der Liebe. Und bevor der Junge überhaupt etwas sagen kann, so erzählt es Jesus in Lukas 15, landet er in den Armen seines Vaters.

[27:34] Jesus sagt: Wenn du zu Gott zurückkehrst, wenn du bekennst, wenn du bereust, dann erwartet er dich nicht mit dem Stock. Es gibt kein Wort des Vorwurfs. Es gibt kein Wort: "Ich hab's gewusst." Es gibt nicht das Wort: "Du musst dich erst mal bewähren. Jetzt fang mal ganz unten an, hinten in der Scheune hast du einen Platz. Da kannst du anfangen."

[28:11] Der Sohn sagt: "Ich habe gesündigt." Es ist wichtig, dass er es sagt, dass er bekennt. Aber der Vater sagt: "Bringt das Kleid her und Schuhe an seine Füße und den Ring an seinen Finger. Er gehört zur Familie und lasst uns feiern." Was feiert man? In Lukas 15, was feiert man dort? Man feiert Auferstehung. Denn dieser, mein Sohn, war tot und er ist wieder lebendig.

[28:44] Ich habe noch nie erlebt, dass jemand, der auf dieser Erde lebt und starb, auferstanden ist. Ich glaube aber fest, dass es Auferstehung gibt. Aber was würde es uns aufwühlen, wenn jemand aus unserer Gemeinde, aus unserer Familie sterben würde und Gott ihn auferwecken würde, um einige Jahre noch auf dieser Erde zu leben? Würden wir das nicht feiern?

[29:07] Wisst ihr, was Jesus erzählt? Jeder Mensch, der sein Leben ihm in der Taufe übergibt, ist so ein großes Wunder wie eine Auferstehung. Jeder Jugendliche aus der Gemeinde und jeder Mensch, ganz gleich aus welcher Gruppe, wenn er gläubig wird, ist das ein Wunder. Es ist Auferstehung. Denn dieser, mein Sohn, war tot und ist wieder lebendig.

[29:38] Manchmal, wenn Menschen getauft werden oder wenn Menschen sich bekehren, könnten wir versucht sein zu fragen: Meint er das ernst? Ist das eine wirkliche Bekehrung? Ist das tief genug? Jesus beantwortet im Gleichnis diese Frage, indem er sagt: Wenn jemand zum Vater zurückgekehrt ist, dann lebt er. Er lebt. Er ist vom Tod zum Leben hindurch gekommen.

[30:05] Was für eine Nachricht für uns. Was für eine Einladung an dich, der du vielleicht heute Vormittag hier sitzt, aber dein Leben Gott noch nicht übergeben hast. Was für eine Einladung an dich. Was für eine Einladung an dich, wenn du vielleicht schon längst getauft bist, aber in der letzten Zeit einen ganz anderen Weg gegangen bist, nicht den Weg mit Jesus.

[30:30] Was für ein Wunder. Was für eine Freude. Das ist die zweite Phase der Gnade. Die erste war die geheime Gnade, die verborgen war vor ewigen Zeiten, der Erlösungsplan, den auch die Engel gelüstet haben zu schauen. Diese Gnade wurde offenbart in der Menschwerdung Jesu. Er erzählt sie auch im Gleichnis vom verlorenen Sohn. Auf den älteren Sohn gehen wir jetzt nicht ein.

[30:59] Und viele Menschen hören an dieser Stelle auf mit dem Thema Gnade. Wenn ich mit lieben Menschen, die die Heilige Schrift noch nicht so gut kennen und Gott noch nicht so gut kennen, Lukas 15 lese, diese Geschichte, dann stelle ich an dieser Stelle eine Frage an sie. Und diese Frage lautet: Was meinen Sie, nachdem der jüngere Sohn zurückgekommen ist, wie lange blieb er beim Vater?

[31:29] Und auf diese Frage habe ich bisher immer nur eine Antwort bekommen von Menschen, die Gott noch gar nicht so tief kennen. Und diese Antwort lautet: Für immer. Und ich frage zurück: Wieso? Erklären Sie mir das. Und diese Leute, auf die der Geist Gottes wirkt und die diese Erzählung Jesu auf sich wirken lassen, sagen: Na ja, das wäre ja die größte Dummheit. Das wäre ja die größte Fehlentscheidung, einen solchen Vater, der so selbstlos lebt, der so großzügig vergibt, der so einen Neuanfang ermöglicht, der keine Vorwürfe macht, der einem die Würde wiedergibt, der mich so behandelt, als hätte ich nichts Falsches gemacht, ins Gesicht zu schlagen, wegzulaufen, sich wieder neu einzubilden, dass man freier wäre ohnehin.

[32:30] Der Apostel Paulus stellt diese Frage in Römer 6. Und er sagt in Römer 6, Vers 15: "Sollen wir den Sündigen, damit die Gnade noch mächtiger wird? Sollten wir das?" Und in dieser Frage ist schon die Antwort drin. Auf keinen Fall sollen wir jemanden, der uns so behandelt hat, mit so viel Liebe, mit so viel Geduld, sollen wir den einfach verletzen?

[32:55] Und damit kommen wir zur dritten Phase der Gnade. Ich lese zunächst einmal Titus 2, Vers 12. Titus 2, Vers 12, und das ist die erziehende Gnade. Titus 2, Vers 12 heißt: "Und nimmt uns in Zucht, dass wir absagen dem ungöttlichen Wesen, den weltlichen Begierden und besonnen gerecht und fromm in dieser Welt leben."

[33:24] Beachten wir bitte: Es ist nicht das Gesetz, sondern es ist die Gnade, die uns in Zucht nimmt. Das ist kein Widerspruch. Für den verlorenen Sohn, der zurückgekehrt ist, war das eine Ehrensache. Es war für ihn eine Ehrensache, seinen Vater nicht mehr traurig zu machen. Diese Liebe des Vaters hat ihn viel mehr in die Pflicht genommen als alles andere.

[33:58] In Titus 2, Vers 12, in dem neutestamentlichen Grundtext, steht hier das Wort "erzieht uns", "nimmt uns in Zucht", übersetzt Luther. Diese Gnade erzieht uns. Wozu erzieht sie uns? Dass wir absagen dem ungöttlichen Wesen, der Gottlosigkeit steht da wörtlich, den weltlichen Begierden und besonnen gerecht und fromm in dieser Welt leben.

[34:27] Kein anderer auf dem Hof des Vaters war ein so fleißiger Arbeiter als der jüngere Sohn. Kein anderer hat so viel Hingabe gezeigt und Gewissenhaftigkeit in seinen Pflichten wie der jüngere Sohn. Nicht aus Angst, sondern aus Liebe, aus Dankbarkeit.

[34:48] Das bedeutet, die Gnade Gottes verändert uns, wenn wir sie zulassen, dass sie an unseren Herzen wirkt. Und sie verändert auch unser Verhältnis zu unserem Mitmenschen. Weil wir wissen, dass Gott uns so viel vergeben hat, werden wir auch anderen Menschen gegenüber gnädig. Wir werden nicht den Geist der Kritik pflegen. Wir werden nicht lauern, ob der andere einen Fehler macht. Sondern wenn jemand einen Fehler macht, erinnern wir uns, wie viele Fehler wir gemacht haben.

[35:20] Spurgeon hat es so ausgedrückt, ich zitiere ihn hier wörtlich: "Wer in der Gnade wächst, weiß, dass er nichts als Staub ist. Und deshalb erwartet er von seinen Mitchristen nicht, dass sie irgendetwas mehr seien. Er sieht über 10.000 ihrer Fehler hinweg, weil er weiß, dass sein Gott in seinem Fall über 20.000 Fehler hinweggesehen hat. Er erwartet in den Geschöpfen keine Vollkommenheit und deshalb ist er nicht enttäuscht, wenn er diese Vollkommenheit bei den anderen nicht vorfindet." Zitat Ende.

[35:59] Die Gnade Gottes verändert unser Gottesbild. Wir bekommen ein neues Bild von Gott, von einem liebenden Vater, der mehr als wir wünscht, dass wir für immer bei ihm sind. Und diese Gnade Gottes verändert unser Herz auch Menschen gegenüber, die falsch handeln, die wirklich sündigen, die uns vielleicht verletzen. Wie schön, wenn zwei, drei Geschwister vorne stehen und sagen: "Wir haben uns versöhnt." Was ist das für ein Beweis der Macht der Gnade, wenn man aufgibt, Recht haben zu wollen?

[36:38] Ich habe eine Definition der Gemeinde Jesu gelesen, die mich sehr berührt hat. Diese Definition heißt: Gläubige Menschen oder Gemeinde Gottes ist die Gemeinschaft von Menschen, die darauf verzichten, Recht haben zu wollen. Sondern sie haben Gott Recht gegeben. Gott hat Recht.

[37:02] Aber diese Gnade geht noch weiter. Viele bleiben stehen bei der Vergebung. Viele bleiben stehen beim Freispruch. Und es ist wunderbar, freigesprochen zu werden. Es ist wunderbar zu wissen und es zu feiern, dass Gott vergeben hat. Wie schön ist es, wenn man neu anfangen kann. Und man darf neu anfangen. Dein Leben kann neu beginnen. Aber das ist nicht alles.

[37:28] Als ich mit 19 Jahren getauft wurde, habe ich einen Wunsch gehabt an diesem Spätnachmittag. Ich wollte möglichst gleich sterben. Nicht, weil ich lebensüberdrüssig war, sondern weil ich mit meinen 19 Jahren sagte: "Ich komme jetzt aus diesem Taufwasser und ich bin jetzt in diesem Augenblick ganz rein. Aber was passiert in einer Stunde?" Und ich dachte, wenn ich jetzt sterben würde, das wäre gut. Oh, es gibt eine viel bessere Nachricht als sterben. Es gibt die Nachricht: Wir dürfen mit Christus leben.

[38:18] Und die Gnade Gottes ist nicht nur mächtig genug, uns frei zu sprechen. Sie ist nicht nur mächtig genug, uns zu erziehen, sondern sie vollendet uns. Es ist die Gnade Gottes, die uns vollendet. Nicht unsere Werke. Es ist die Gnade Gottes, die uns tauglich macht für die Wiederkunft Jesu und für die Auferstehung der Gerechten.

[38:40] Lesen wir Titus 2, Verse 13 und 14. Da steht es: "Und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilandes, Jesus Christus, der sich selbst für uns gegeben hat, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken."

[39:08] Ein wunderbarer Abschnitt. Er macht uns bewusst: Gnade Gottes ist mächtiger als die Sünde. Gnade Gottes verändert uns, erzieht uns. Gnade Gottes führt uns aber auch zum Ziel. Gnade ist nicht eine Momentaufnahme.

[39:26] Ich war wahrscheinlich in der achten Klasse. Es waren viele Schüler in dieser Klasse. Es waren etwa 45 Schüler. Und wir waren in einer Phase unseres Lebens, in der die Jungs sich sehr gerne in den Pausen gerauft haben. Es gab manchmal richtige Schlägereien. Und es kam wieder mal eine große Pause, anschließend Matheunterricht. Unser Mathelehrer war unser Klassenlehrer und ein sehr strenger Mann. Es war üblich, dass er uns auch mal geschlagen hat.

[40:01] Und einer aus der Klasse stand schmierig am Fenster und der schaute, um zu melden, wann der Lehrer kommt. Und in der großen Pause gab es ziemliches Durcheinander und ziemliche Kämpfe in der Klasse. Es war alles im Chaos. Und dieser Junge, der so fasziniert war von den Szenen, die er da gesehen hat, hat seine Aufgabe vernachlässigt. Und plötzlich schaut er wieder hinaus und entdeckt etwas und schreit ganz laut: "Er kommt!" Aber in dem Augenblick öffnete sich schon die Tür. Der Lehrer stand im Zimmer und rief noch lauter: "Nein, er ist schon da!" Und dann gab es was.

[40:52] Liebe Freunde, liebe Gemeinde, das darf uns in Bezug auf die Wiederkunft Jesu nicht passieren. Es ist große Pause. Die Pause ist länger, als wir vielleicht dachten. Und vielleicht sind wir auch versucht, dieses und jenes noch schnell zu tun. Wir wussten, der Lehrer kommt, unser Matheunterricht kommt. Es war kein Zweifel. Aber wir wollten noch schnell etwas vorher machen. Wir wissen, dass unser Herr kommt. Er wird ganz sicher kommen. Alles andere in diesem Buch hat sich, in dieser Heiligen Schrift hat sich auch erfüllt vorher. Auch die Wiederkunft wird sich erfüllen.

[41:38] Wir dürfen auf keinen Fall so leben, dass wir vorher noch schnell etwas anderes machen. Sondern die Gnade Gottes ist es, die uns verändert, die uns vollendet. Hier ist die Rede vom Volk des Eigentums, das eifrig wäre zu guten Werken. Also ich habe oft in der Adventgemeinde diese Diskussionen erlebt. Die eine Gruppe war für die guten Werke und die andere Gruppe für die Gnade. Aber beide Gruppen kommen durcheinander, wenn sie lesen, dass ausgerechnet die Gnade uns zu guten Werken führt. Hier steht es: Wir werden eifrig zu guten Werken, weil die Gnade Gottes uns in die Zucht nimmt, weil wir in der Liebe Jesu Christi anders leben wollen, weil Gott in unseren Herzen lebt.

[42:27] Aber wollen wir Volk des Eigentums sein? Das ist ein Begriff aus dem fünften Buch Mose. Volk des Eigentums. Das war das große Problem Israels. Sie wollten eigentlich gar nicht Volk des Eigentums sein. Sie wollten eigentlich genauso sein wie die anderen. Sie wollten einen König haben wie die anderen. Sie wollten eine lustigere Religion haben, so wie die Kanaaniter. Sie wollten einen anderen Lebensstil haben.

[42:57] Und wenn wir heute die Gemeinde fragen: Wollen wir die übrigen sein? Oh nein, wir wollen uns nichts darauf einbilden. Nein, wir wollen uns nichts darauf einbilden. Elitäres Denken wäre falsch. Aber sind wir bereit dazu, Gottes auserwähltes, sichtbares Volk, sichtbare Gemeinde auf dieser Erde zu sein?

[43:19] Was mich so tröstet in diesem Abschnitt, das ist das Wort im Vers 14: "Damit er, Jesus, uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und damit er, Jesus, reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum." Er macht es. Die Gnade macht es. Er bereitet uns vor auf die Wiederkunft. Durch seine Gnade können wir alle Gesetzlosigkeit hinter uns lassen. So steht es hier. Statt Ungerechtigkeit müsste man wörtlich übersetzen: alle Gesetzesfeindlichkeit, alle Gesetzlosigkeit.

[43:56] Ellen G. White schreibt im Schatzkammer der Zeugnisse, Band 2, Seite 209: "Jeder, der der Welt die Warnungsbotschaft verkündigt, wird in die große Versuchung kommen, einen Lebenswandel zu führen, der seinem Glauben nicht entspricht. Das ist unser Problem. Es ist Satans ausgeklügelter Plan, dass wir durch unseren Charakterfehler im Gebet, in der Kraft und in unserem Einfluss geschwächt werden."

[44:29] Gott will uns, Christus will uns reinigen. Er will uns reinigen, nicht mit Strafe, nicht mit Angst. Er will uns reinigen durch seine Gnade. Er will uns reinigen durch seine Liebe. Durch seine Güte zieht er uns zu sich, damit wir eifrig werden zu guten Werken.

[44:49] Ich schließe diese Predigt mit einer Begebenheit, die mich bis heute bewegt. Es war im Jahr 1995. Generalkonferenz in Utrecht, Holland, Niederlande. Es war zum zweiten Mal in der Geschichte der Adventgemeinde, dass außerhalb Nordamerikas eine Generalkonferenz stattgefunden hat. Zum zweiten Mal in Europa. Es war nach der Öffnung der Grenzen. Es war ein großartiges Erlebnis. Viele unserer Geschwister, die vorher hinter dem Eisernen Vorhang lebten, durften kommen und durften zum ersten Mal in ihrem Leben eine solche Generalkonferenz besuchen.

[45:32] Ich war mit meiner Familie dort und, ich muss euch sagen, überfüllter Saal. Sehr, sehr tausende, viele, viele Geschwister, viele Anwesende. Und da saß neben uns ein ganz altes Ehepaar. Und wir haben uns so in der Pause ein bisschen kennengelernt und haben ein paar Worte ausgetauscht und das war's.

[45:55] Am nächsten Morgen strömten wieder alle in diesen großen Saal von allen Richtungen, durch alle Eingänge. Und wir schauten auch, dass wir irgendwo Platz finden. Und wir setzten uns hin, wir haben uns gefreut, wir haben einen guten Platz gefunden und schauen kurz nach rechts. Und wer sitzt neben uns? Dieses ganz alte Ehepaar. Sie haben gelacht, wir haben gelacht. Wir haben es nicht darauf abgesehen. Und wir haben dann in einer größeren, längeren Pause uns kennengelernt. Eine ganz reizende, humorvolle alte Dame und ihr Mann aus den Vereinigten Staaten, liebe Geschwister, im hohen Alter.

[46:36] Und wir unterhielten uns ein bisschen und dann sagte die Schwester so augenzwinkend zu mir: "Frag meinen Mann. Er ist ein berühmter Mann." Und ich schaute sie an und ich dachte, das ist ein Spaß jetzt, was ist das? Und er sagte: "Ach was, lass das." Aber es weckte meine Neugierde. Ich wollte wissen, was das für ein berühmter Mann ist. Und ich fragte ihn dann: "Ja, jetzt musst du schon sagen, was deine Frau meint." Und dann wurde er ein bisschen ernst und er sagte mir: "Weißt du, ich bin ein Überlebender der Titanic."

[47:20] Und dann war ich derjenige, dem es kalt den Rücken runterlief. Und tausend Bilder und Gedanken waren in meinem Kopf. Und ich schaute ihn an und ich sagte ihm: "Du, ich habe so viel gesehen und gelesen, sag mir, wie war es wirklich?" Er war fünf Jahre alt. Es war das Jahr 1912. Er gehörte zu diesen 705 Menschen, die in einem Rettungsboot Platz gefunden haben. Gegenzug zu den 1502, die starben.

[47:59] Und er sagte mir: "Weißt du, die Nacht war furchtbar kalt. Wir haben gefroren. Es war neblig, es war laut. Ich saß in einem dieser Rettungsboote und wir entfernten uns von diesem großen beleuchteten Schiff, das so glänzend und schön war. Und das Schiff haben wir von Weitem, immer weiter von Weitem gesehen. Und ich habe selbst zugeschaut, wie dieses Schiff anfing zu kippen. Und es kippte und kippte und kippte und wir haben diese furchtbaren Geräusche gehört und vor meinen Augen versank dieses Schiff."

[48:45] Und er sagte mir: "Weißt du, diese Bilder sind schrecklich, aber sie sind nicht das Schlimmste gewesen. Das, was mich in all den Jahrzehnten seither begleitet hat, waren die Schreckensschreie der Menschen. Die Schreckensschreie jener, die untergingen."

[49:06] Am nächsten Tag, am 13. April, hat man im Hafen in England, dort wo dieses große Schiff ausgelaufen war, zwei große Tafeln aufgerichtet. Auf der einen Tafel stand mit großen Buchstaben: "Bekannt als gerettet" und viele Namen darunter. Und auf einer anderen großen Tafel stand von Weitem: "Bekannt als verloren" und darunter eine viel längere Liste von Namen. Und vor diesen zwei Tafeln eine große Menschenmenge, die sich gegenseitig schubste und auf die Füße trat, weil jeder mit einem Blick erhaschen wollte, wo seine Angehörigen sind, auf welcher Seite.

[49:49] Dieses Bild erinnert mich an das, was Jesus erzählt hat von seiner Wiederkunft. "Zwei werden auf dem Feld sein, der eine wird aufgenommen, der andere zurückgelassen werden. Zwei werden in einem Bett schlafen und der eine wird aufgenommen und der andere zurückgelassen werden."

[50:11] Ich kann mir und euch die Frage nicht ersparen: Wo werde ich sein? Wo wirst du sein? Wo wird deine Mutter sein? Dein Sohn? Deine Tochter? Deine Frau? Dein Mann? Deine Eltern? Deine Geschwister? Die Schwester, die neben dir in der Sabbatsschule sitzt?

[50:42] Ich bin so froh, dass ich heute vor euch stehen darf und sagen kann: Wir haben Gnadenzeit. Ich bin so froh, dass ich sagen kann, die rettende Gnade Gottes ist erschienen allen Menschen, gilt für jeden, auch für dich und auch für die Menschen, für die du sorgst. Und ich bin so froh, sagen zu können, diese rettende Gnade ist mächtiger als die Sünde, auch als die Sünde, die dich zurzeit quält. Und ich bin so froh, sagen zu können, es ist stark genug, um dich und mich zu erziehen und zu vollenden auf die Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus. Dafür danke ich ihm. Amen.


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