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In dieser Cannstatt Study Hour-Folge beleuchtet Christopher Kramp, wie die Bibel als Geschichtsschreibung verstanden werden kann. Anhand zahlreicher Beispiele aus dem Alten und Neuen Testament, von Mose bis zu den Aposteln, wird gezeigt, wie archäologische Funde und historische Quellen die biblischen Berichte bestätigen. Die Lektion unterstreicht die Glaubwürdigkeit und Tiefe der biblischen Erzählungen, die weit über reine Fakten hinausgehen und tiefe Einblicke in menschliche Motive und göttliche Pläne geben.


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Serie: Cannstatt Study Hour 2020 Q2: Wie legen wir die Bibel aus?

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Transkript

[0:00] Hallo und herzlich willkommen zur Cannstatt Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Ein herzliches Willkommen gilt auch allen Zuschauern auf Amazing Discoveries zur zehnten Folge unserer Serie über die Auslegung der Bibel und heute mit einem Thema, auf das ich mich persönlich schon sehr, sehr gefreut habe. Es geht um Geschichte und vielleicht magst du, lieber Freund, liebe Freundin, Geschichte nicht allzu sehr. Aber in Verbindung mit der Bibel wird Geschichte und vor allem alte Geschichte zu einer wirklich spannenden Sache. Wir wollen uns heute diesem Thema widmen: die Bibel als Geschichtsschreibung und uns einige Highlights herausgreifen. Man könnte eine ganze Vortragsserie füllen mit all den Dingen, die geschichtlich Licht auf die Bibel und ihre Geschichten und Prophezeiungen werfen. Wir werden auch etliche andere Beispiele hier besprechen, als sie im Lektionsheft vorhanden sind, einfach als Ergänzung. Diejenigen, die im Lektionsheft besprochen sind, sind sehr gut und wir wollen einfach noch einige weitere Aspekte zum Teil noch hinzubringen, um zu zeigen, wie reichhaltig und spannend dieses Thema ist und sein kann.

[1:42] Und bevor wir damit beginnen, wollen wir gemeinsam ein Gebet sprechen und den Herrn der Geschichte, der auch unsere persönliche Geschichte am allerbesten kennt, ihn einladen, unsere Gedanken zu führen. Lasst uns beten. Lieber Vater im Himmel, du bist der Einzige, der wirklich ganz genau weiß, was in den letzten ungefähr 6000 Jahren auf diesem Planeten passiert ist. Und du hast dich entschieden, uns viel darüber zu offenbaren. Nicht alles, weil das hätte uns völlig überwältigt, aber das, was uns hilft, heute gute Entscheidungen zu fällen. Und wenn wir uns jetzt ein paar Minuten Zeit nehmen, um zu sehen, wie vertrauenswürdig dein Wort ist und was man alles lernen kann, wenn man auch ein bisschen in die Geschichte schaut, dann bitten wir, dass wir bei all dem dich immer im Fokus haben, im Zentrum haben und sehen, dass es in der ganzen Bibel um dich, um deinen Erlösungsplan, um deinen Charakter, um dein Gesetz geht. Herr, wir danken dir, dass du uns die Geschichte offenbarst, damit wir nicht nur klug werden, sondern damit wir lernen, nicht dieselben Fehler zu tun, die andere gemacht haben. Danke, dass wir sehen dürfen, dass dein Wort vertrauenswürdig ist. Wir möchten dich bitten, dass du jetzt unser Lehrer bist, dass du uns mit deinem heiligen Geist erfüllst. Amen.

[3:05] Die Bibel und Geschichte. Wir werden heute hier vor allem uns mit Beispielen beschäftigen, in denen die biblischen Schreiber tatsächlich geschichtlich etwas aus ihrer Zeit berichten. Also den gesamten Bereich der Prophetie und der dann späteren geschichtlichen Erfüllung von Beisagungen ausklammern, einfach, weil das zeitlich dann völlig den Rahmen sprengen wird und weil es dazu auch schon durchaus einiges Material auf Joel Media gibt. Die Bibel ist ein Geschichtsbuch. Wir lesen hier in Lukas Kapitel 1 und dort ab Vers 1, wie Lukas im Stile eines Historikers dieses Evangelium beginnt. "Nachdem viele es unternommen haben, einen Bericht über die Tatsachen abzufassen, die unter uns völlig erwiesen sind, wie sie uns diejenigen überliefert haben, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen sind, so erschien es auch mir gut, der ich allem von Anfang an genau nachgegangen bin, es dir der Reihe nach zu beschreiben, vortrefflichster Theophilus, damit du die Gewissheit der Dinge erkennst, in denen du unterrichtet worden bist." Theophilus kannte schon Jesus, er kannte das Evangelium, er hatte sich für Jesus entschieden und doch fand Lukas es wäre wertvoll, noch einmal ganz genau, sozusagen chronologisch darzustellen, wie das Leben Jesu abgelaufen ist und dazu hat er sehr gründlich recherchiert. Er hat Quellen untersucht und hat sein Material dann ganz systematisch angeordnet, hat ja dann sogar noch einen Nachfolgeband geschrieben, die Apostelgeschichte.

[4:49] Manchmal gibt es Menschen, die sagen, ja, die Bibel ist Gottes Wort, wenn es so um die Verheißungen geht, um die theologischen Aussagen des Evangeliums, aber wenn es so um die geschichtlichen Hintergründe und Fakten geht, da sollten wir vielleicht nicht zu sehr Gewicht auf die Bibel legen, vielleicht kann man ihr da nicht in allen Details vertrauen. Aber das ist eigentlich nicht der Anspruch der Bibel. Wenn wir der Bibel schon in den Zahlen und Fakten und den geschichtlichen Hintergründen nicht vertrauen können, warum sollten wir dann vertrauen, wenn es um unser ewiges Leben und um Dinge geht, die unseren Verstand völlig übersteigen, nämlich die Menschwerdung Jesu und die Auferstehung und sein Dienst im himmlischen Heiligtum und die Wiederkunft? Die Bibel ist ein Buch der Wahrheit. In Psalm 12, Vers 7, so lesen wir es hier, heißt es: "Die Worte des Herrn sind reine Worte, in irdenem Tiegel geschmolzenes Silber siebenmal geläutert." Die Bibel enthält nicht nur einige Edelsteine der Wahrheit, sondern egal, was wir aufschlagen, was wir lesen, es sind reine Worte, siebenfach von allem menschlichen Falschen, aller menschlichen Irrtum geläutert und gereinigt. Das gilt auch für die geschichtlichen Fakten, auch wenn wir manchmal mit unserem Geschichtswissen noch nicht so weit sind, um all das in der Bibel bestätigen zu können, was sie sagt, weil uns Quellen fehlen oder Lücken bei den geschichtlichen Fakten der säkularen Geschichte vorhanden sind. Dazu werden wir vielleicht noch mehr zu sagen haben.

[6:26] Auch Ellen White hat etwas zu sagen über die biblischen Schreiber als Historiker. Sie spricht hier in "Patriarchen und Propheten" von Mose, der in der Lage ist, unter all den Großen der Erde, sagt sie hier, den obersten Platz einzunehmen. Sie spricht über seine intellektuelle Größe, die ihn von allen anderen großen Männern aller Zeitalter abhebt. Als Historiker, Poet, Philosoph, General von Armeen und Gesetzgeber steht er ohne seinesgleichen. Mose ist nicht nur ein Mann Gottes gewesen, er ist auch nach Aussagen der Inspiration der größte und wohl auch der erste richtige Historiker aller Zeiten.

[7:17] Und so wollen wir auch direkt mal mit einem Beispiel von Mose beginnen, aus seinem großen Geschichtswerk Erste Mose. Dort lesen wir in Erste Mose 10 über das Erste Reich nach der Sintflut von Nimrod. Und das heißt hier: "Und der Anfang seines Königreiches war Babel, so wie Erek, Akkad und Kalne im Land Sinia." Wir wissen bis heute nicht genau, wo oder was Kalne ist, aber wir kennen die drei anderen Städte. Babel, natürlich ganz berühmt, später ja noch große Bedeutung der Geschichte. Wir wissen von der Bedeutung Akkad, das später zum Zentrum eines großen Reiches gewesen wurde, unter Sargon. Und wir kennen Erek. Erek, so ist der biblische Name für Uruk, die Stadt, die auch in der säkularen Geschichtswissenschaft als der Beginn der menschlichen Zivilisation gilt. Wir wissen heute, dass Uruk schon vor langer Zeit eine riesige Metropole mit tausenden von Menschen gewesen ist, großen Stadtmauern. Und dass dort höchstwahrscheinlich die Schrift erfunden worden ist, die sumerische Sprache ist dort zum ersten Mal verschriftlicht worden. Wir wissen für diese Zeit kurz nach der Flut nicht allzu viel über Akkad und über Babel aus den einfachen Gründen, weil Akkad bis heute nicht wiederentdeckt worden ist. Manch einer vermutet, dass die Ruinen unter Bagdad liegen, da wird es wahrscheinlich auch nie ausgegraben werden. Und Babylon kann man nicht bis auf diese Tiefe ausgraben, weil der Grundwasserstand zu hoch ist. Man kommt dort nur bis in die altbabylonische Zeit, die einige Jahrhunderte später gewesen ist. Aber die Geschichtswissenschaft belegt, dass tatsächlich hier in Mesopotamien der Ursprung der heute uns bekannten Zivilisation gewesen ist, wenn auch die Daten, die die moderne Wissenschaft dieser Zeit zuweist, etwas zu weit aus biblischer Sicht gehen, ungefähr bis 3000, 3500 vor Christus. Aber da ist noch Forschung auch von unserer Seite nötig, um zu zeigen, dass auch die Genealogien und die Königslisten der Sumerer und der Akkader gekürzt werden können. Da kann man noch einiges tun, da muss man sich noch etwas mehr hineinknien.

[9:50] Ein anderes interessantes Beispiel aus Mose ist die Geschichte vom Turmbau zu Babel. Es heißt hier in der Ersten Mose 11, Vers 3 und 4: "Und sie sprachen zueinander: Wohl an, lasst uns Ziegel streichen und sie feuerfest brennen. Und sie verwendeten Ziegel statt Steine und Asphalt statt Mörtel." Wir kennen die Geschichte, aber achten vielleicht selten auf dieses Detail hier: Ziegel und Asphalt. Jetzt ist es so, und ich weiß nicht, ob das jemals schon mal irgendwo im Rahmen der Adventgemeinde behandelt worden ist, ich bin da im Studium drauf gestoßen. Es gibt einen Zylinder von Nabunith, das ist der Vater von Belsatzar, also viele, viele, viele, viele Jahrhunderte später zur Zeit von Daniel, der in Ur, der berühmten Ziggurat, diesem Stufenturm, Bauarbeiten ausführen lässt und dabei alte Dokumente gefunden haben will von den frühen sumerischen Königen Ur-Nammu und Shulgi. Und als er dort diesen Tempel, diese Ziggurat, ausbessert, schreibt er hier auf diesem Keilschrifttext, und wir können das mal gemeinsam hier lesen, ihr seht vielleicht hier diesen roten Laserpointer, und zwar liest es hier ab dieser Zeile, und dann geht es hier weiter mit: "Das heißt, auf Babylonisch, wie wir hier sehen können, wie in alter Zeit und mit Bitumen oder Asphalt und Ziegelsteinen ergriff ich seinen Schaden, das heißt also, besserte ich diesen Tempel aus." Nabunith wusste noch viele Jahrhunderte später, dass man in alter Zeit, zur Zeit, in den Jahrhunderten nach der Sintflut, mit Asphalt und mit Ziegelsteinen diese großen Türme, diese Ziggurate, diese Tempel gebaut hat.

[12:01] Und was interessant ist und was man auch selbst in den Wörterbüchern nicht gleich immer sofort findet, ist die Tatsache, dass das Wort für Ziegelstein, dass dieses Wort hier Aguri, also hier im Genitiv, also Aguru eigentlich wörtlich, das seht ihr hier, diese drei Zeichen, dass dieses Wort für Ziegelstein eigentlich gebrannte Ziegelsteine bedeutet. Gebrannte Ziegelsteine ist interessant, weil normalerweise die Ziegel im alten Orient nicht gebrannt worden sind, außer wenn man Dinge baute, bei denen viel Wasser zu erwarten ist, also Brunnen zum Beispiel. Zisternen wurden mit gebrannten Ziegelsteinen gebaut. Normalerweise Tempel aber nicht. Aber hier wird uns gesagt, dass in alter Zeit, kurz nach der Flut, an die ja auch die Babylonier felsenfest geglaubt haben, wie ihre Königslisten deutlich offenbaren, dass man dort mit gebrannten Ziegelsteinen gebaut hat. Und wenn wir dann in 1. Mose 11 lesen, dass dort auch die Ziegel gebrannt worden sind, dann ist das ein interessanter Hinweis, dass man damals noch mit großer Wassereinwirkung rechnete und wir wissen auch aus dem Schrifttum von Ellen White, dass die Menschen sich vor einer vermeintlich weiteren Sintflut schützen wollten.

[13:20] Ein weiteres Beispiel kommt aus 1. Mose 16. Geschichte und Geschichtsfakten helfen uns auch so ein bisschen, den Hintergrund der Geschichten der Bibel etwas zu beleuchten. Wir kennen ja die Geschichte von Sarai, die zu Abram sprach: "Siehe doch, der Herr hat mich verschlossen, dass ich keine Kinder gebären kann. Geh doch ein zu meiner Magd, vielleicht werde ich durch sie Nachkommen empfangen." Und Abram hörte auf die Stimme. Es ist eine sehr merkwürdige Sache, wie kommt die Sara darauf, ihre Magd quasi als Ersatzfrau oder als diejenige zu geben, die jetzt einen Erben mit Abraham zeugen soll. Das Ganze ist nicht einfach im Kopf von Sarai entstanden, sondern entsprach der altmesopotamischen Praxis, wie man an verschiedenen Gesetzeswerken sehen kann. Am berühmtesten vielleicht der Kodex Hammurabi, den man heute noch im Louvre bestaunen kann. Und da gibt es eine Reihe von Paragraphen und einer von ihnen behandelt genau diesen Fall. Das können wir uns auch mal hier gemeinsam durchlesen. Das ist ein kurzer Abschnitt hier aus dem Anfang des Paragraphen 146. Ihr seht vielleicht in dieser Folie, die Zeichen sehen völlig anders aus. Das ist altbabylonische Monumentalschrift. Also Keilschrift hat sehr viele verschiedene Varianten, je nachdem, in welcher Zeit man lebt. Und da können wir mal hier ab Zeile 1 gemeinsam lesen. Da heißt es: "Schumma Awilum." "Schumma" ist, wenn "Awilum" ein Bürger. Wenn also ein Bürger. Und dann kommt das nächste Wort, sumerisch "Lukur". Und "Lukur" ist, und da kommen wir gleich noch drauf, eine sogenannte Nadidu-Priesterin, mit der ist etwas ganz besonders. Wenn also so eine Nadidu-Priesterin, hier geht es weiter jetzt, "Ichuutzma", wenn er sie geheiratet hat. Und "Gemme 2", hier Zeile 45, "Gemme 2" steht für "Amtum". Und "Amtum" ist die Magd, eine Magd. "Ina", und dann heißt es hier weiter, "Mutishu", "Idinma". Wenn sie eine Markt ihm als Ehemann gibt. Dieses "Idinma" ist gibt. Und dann kommt hier noch in der letzten Zeile "Dumumesh". Das ist sumerisch für Söhne. Und dann geht es weiter hier mit "Italat". Und das kann man hier nochmal gemeinsam zusammen lesen. Das heißt hier: "Wenn ein Bürger eine Nadidu-Priesterin heiratete und sie ihrem Mann eine Markt gab und sie Söhne geboren hat." Es war etwas völlig Selbstverständliches im Alten Orient, dass wenn ein Bürger eine Frau hatte, und da kommen wir jetzt auf diese Priesterin, die keine Kinder kriegen konnte. Damals gab es immer wieder Frauen, die den Heiligtümern geweiht worden sind. So ein bisschen wie Nonnen heute. Und die sollten dann kinderlos bleiben. Interessanterweise nicht unbedingt jungfräulich. Sie konnten Geschlechtsverkehr haben, aber sie durften keine Kinder bekommen. Und wenn also so ein Bürger so eine Nadidu-Priesterin heiratete und trotzdem Kinder wollte, konnte er eine Markt dazu bekommen. Die Nadidu-Priesterin selbst musste dann ihrem Mann eine Markt geben. Und der würde dann Söhne gebären. Also die Sarai tat etwas, das im Kontext ihrer Kultur, in der sie aufgewachsen war, Gang und Gebe war.

[17:02] Und interessant ist, dass dieses Kinderlossein immer auch eine religiöse Konnotation hatte. Die Menschen in Babylon, die Frauen, die ohne Kinder waren, das waren meistens Priesterinnen. Man hielt das so ein bisschen auch für das Schicksal, das Gott bestimmt hat. Und deswegen ist es interessant, dass die Sarai tatsächlich dann sagt, wie wir gelesen haben: "Siehe doch, der Herr hat mich verschlossen." Sie glaubte, dass sie also gar keine Kinder bekommen kann, weil Gott das so will. Das war natürlich eine völlige Fehlinterpretation. Und da sieht man, wie auch gläubige Menschen, Sarai gehört ja zu den Glaubensheldinnen der Bibel, auf Abwege kommen, wenn sie sich von irdischen, weltlichen Maßstäben leiten lassen in Zeiten der persönlichen Krise. Wenn man die Welt zum Maßstab macht. Und die Geschichte ist ja gut bekannt. Und man weiß ja dann, was im Laufe dieses Kapitels, unserem nächsten Kapitel dann alles passiert.

[18:03] Ein anderes schönes Beispiel aus den Büchern Mose ist hier der sogenannte Aaronitische Segen. In 4. Mose 6, Vers 22 bis 27 heißt es: "Und der Herr redete zu Mose und sprach: Rede zu Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr die Kinder Israels segnen. Sprecht zu ihnen: Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden." Und so sollen sie meinem Namen auf die Kinder Israels legen, und ich will sie segnen. Ein toller Vers, den wir öfter im Gottesdienst hören, am Ende der Predigt vielleicht. Vor etlichen Jahren fand man bei einer Ausgrabung in Ketef Hinnom zwei Silberstreifen, die ihr hier auf der Folie sehen könnt, links den größeren und rechts den kleineren. Und entsprechend auch bei dem kleineren schon die althebräische Schrift. Und als Forscher das entziffert haben, haben sie zu ihrem großen Erstaunen, und ich hoffe, das kann man hier gut lesen, auf beiden Silberstreifen Bruchstücke dieses Aaronitischen Segens gefunden. Also ihr seht das hier auf der Folie im Kasten links unten beim Silberstreifen 1: "Es segne dich, Jahwe." Also das ist der Name Gottes, der in der Bibel meistens mit Herr übersetzt wird. Und dann so eine Teile von "behüte dich, lasse Jahwe leuchten." Und dann bricht das sehr ab, weil man vermutet hier "sein Angesicht", weil auf dem zweiten Silberstreifen das auch genau so steht. Das könnt ihr im zweiten Kasten sehen: "Es segne dich, Jahwe, und behüte dich. Es lasse leuchten, Jahwe, sein Angesicht über dir und gebe dir Frieden." Das ist die wörtliche Übersetzung. Gebe dir Frieden. Und da sieht man also, wie diese Verse auch so im privaten Gebrauch benutzt worden sind. Man hat so Silberstreifen genommen, hat diese Bibelverse sich aufgeschrieben, mitgenommen. Im konkreten Fall sind sie in einem Begräbnis, in einem Begräbniskontext gefunden worden. Menschen haben also mit diesen Versen auch zur Zeit des Alten Testamentes gelebt, was bisher in der Literatur nicht immer so berücksichtigt worden ist.

[20:36] Wenn ihr den Silberstreifen 1 anschaut, auf der Folie links oben, dann seht ihr noch eine Anspielung auf einen anderen Vers. Da heißt es: "Der, der liebt den Bund und die Gnade für die, die ihn lieben und die bewahren." Und ich persönlich habe den Eindruck, das sieht eigentlich ziemlich nach 5. Mose 7 aus. In Vers 9 heißt es in 5. Mose 7, Vers 9: "So erkenne nun, dass der Herr, dein Gott, der wahre Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Gnade bewahrt, die ihn lieben und seine Gebote bewahren, auf tausend Generationen." Da gibt es ja einige Verse, die auch so ähnlich klingen. Also wir sehen hier eigentlich eine Reihe von Bibelfersen, wenn auch nur noch bruchstückhaft, die uns zeigen, dass Menschen auch zur Zeit des Alten Testamentes mit diesen Texten gelebt haben und sie, so wie wir heute vielleicht Verheißungskärtchen haben oder irgendwie vielleicht auf Instagram oder Facebook so Verse posten, auch damals Menschen solche Verse in ihrem Alltag gehabt haben.

[21:42] Schauen wir ein bisschen weiter in der Geschichte Israels, in die Zeit der Könige. Wir alle wissen, in der Bibel gab es den König David und von ihm hat sich eine Dynastie ausgebildet über Salomo und dann Rehabeam. Und es heißt hier in 1. Könige 12, Vers 20: "Und es geschah, als ganz Israel hörte, dass Jerobeam zurückgekommen war, da sandten sie hin und beriefen ihn in die Volksversammlung und machten ihn zum König über ganz Israel. Und niemand folgte, Achtung, dem Haus Davids als allein der Stamm Juda." Das ist natürlich die berühmte Geschichte von der Teilung des Staates Israel in das Nordreich, das dann Israel genannt wurde, und das Südreich Juda. Interessant ist, dass diese Dynastie des Südreiches das Haus David genannt worden ist. Und vor nicht allzu langer Zeit, Anfang der 90er Jahre, ist in Tel Dan ein Stein gefunden worden, den ihr hier auf der Folie sehen könnt, mit alt-hebräischen Buchstaben von rechts nach links. Und hier, da wo der Laserpointer beginnt, da haben wir hier das Wort "Beit" für Haus und hier "D", also David, ohne Vokale natürlich, aber die Lesung ist unter den meisten Wissenschaftlern ziemlich unumstritten. Hier finden wir eine Erwähnung des Hauses David. Bis dahin gab es immer noch Wissenschaftler, die bezweifelt haben, ob es das überhaupt jemals gegeben hat, diesen Namen David in der Königsherrschaft Israels. Aber auch hier sehen wir, es ist oft nur der Mangel an Funden, der dazu führt, dass noch nicht alles, was die Bibel uns sagt, auch durch äußere Quellen bestätigt werden kann. Wenn man solche Quellen findet, immer wieder, dann sieht man, dass die Bibel doch recht hat.

[23:44] Eine ganz klassische und berühmte Geschichte diesbezüglich ist die folgende, die sich dann etwas weiter in den Königsbüchern findet, in 2. Könige 3, Vers 4 und 5. Eine Geschichte, die wahrscheinlich aus archäologischer Sicht die meisten Bibelkenner mehr interessiert als der eigentliche Inhalt der Geschichte, obwohl der auch sehr spannend ist. Es geht hier um den moabitischen König Mesa oder Misha. "Misha aber, der König der Moabiter, war ein Schafzüchter und entrichtete dem König von Israel hunderttausend Lämmer und hunderttausend Witter samt der Wolle als Abgabe. Und es geschah, als Ahab tot war, da fiel der König der Moabiter von dem König von Israel ab." Ein moabitischer König, der zur Zeit von Ahab lebte und als Ahab stirbt, dann eine Revolte startet. Und wir lesen in 2. Könige 3 dann einen sehr ausführlichen Bericht eines Feldzuges, den dann sowohl das Nord- als auch das Südreich gemeinsam mit Edom gegen Moab unternommen haben. Das endet dann sehr tragisch damit, dass der König Mesa seinen eigenen Sohn auf der Stadtmauer schlachtet, dem Gott Chemosch, und das Ganze dann da endet. Aber berühmt ist diese Geschichte wegen einem Stein, der im 19. Jahrhundert mitten in Jordanien gefunden worden ist. Die Geschichte um die Auffindung und auch die Zersplitterung des Steines und die Zusammensetzung könnt ihr im Internet recherchieren, ist leicht zu finden, ist heute hier nicht das Thema. Aber dieser Stein ist in die Geschichte eingegangen als der Moabit Stone oder die Misha-Stele, heute noch im Louvre zu sehen. Hier seht ihr eine Kopie davon und wir gucken uns hier mal die erste Stelle an. Ganz oben in der ersten Zeile, das ist jetzt moabitisch, auch mit althebräischen, altkanaanitischen Buchstaben. Moabitisch ist im Prinzip fast wie ein Dialekt vom Hebräischen, aber ohne Vokale geschrieben, von rechts nach links. Da sieht man hier diese ersten drei Buchstaben, das ist A, N, K. Das ist sowas ähnlich wie Hebräisch "Anochi" oder im Akkadischen "Anaku" – Ich. Das ist Ich. Und dann sehen wir hier die nächsten drei Buchstaben, das ist Misha oder Mesa. Man weiß nicht genau, ob Mesa oder Misha ausgesprochen. Und dann hier B und N, da muss man kein Moabitisch können, um zu wissen, das ist "Bin". Bin, das ist der Sohn, so wie Ben Hur oder Bin Laden oder der Sohn. Der Sohn von wem? Nächsten Buchstaben hier K, M, Esch. Das ist Chemosch, der Gott der Moabiter, der Sohn des Chemosch. Und dann gibt es eine Lücke, die wissen wir nicht genau, was da gestanden hat. Aber wir sehen hier dann, das seht ihr hier, diese drei Buchstaben M, L, K. Das ist "Melach" oder "Malach", der König. Und dann hier drei weitere Buchstaben für Moab, der König von Moab. Und dann heißt es hier noch "Ha", das ist also der bestimmte Artikel, "der Dibonia", also der Diboniter, der aus Dibon kommt. Hier seht ihr nochmal die Übersetzung: "Ich bin Misha, Sohn des Chemosch, König Moabs, der Diboniter." Gleich auf der ersten Zeile eine historische Bestätigung für diesen König.

[27:04] Und noch eine weitere Zeile können wir uns anschauen, nämlich hier, das haben wir gleich mit Übersetzung, damit wir nicht so lange rätseln müssen. Und zwar hier, ihr seht es auf der Folie wieder hier bei dem Laserpointer. Ab dieser Stelle hier ist Omri, das ist der berühmte, mit hier das Jod, das gehört noch dazu. Omri, das ist der König Israel. Das steht mir hier M, L, K wieder. Malach, der König. Und jetzt Achtung hier: Israel. Also das Jod, das Samech und dann das R und das Aleph und das Lamed. Hier haben wir diese fünf Buchstaben für Israel. Ganz interessant, dass wir schon ziemlich früh in der Archäologie Geschichte Beweise für die Existenz Israels hier deutlich finden. Und dann heißt es hier noch weiter: "Er hat unterdrückt, nämlich Moab." Und zwar "viele Tage lang hat Omri, der König, das ist der Vater von Ahab, viele Tage hat er Moab unterdrückt." Und das entspricht ganz genau dem, was auch die Bibel beschrieben hat. Und dann zeigt diese Stele, was dann Misha alles als Revolution gestartet hat, welche Feldzüge er unternommen hat. Und es ist ganz interessant, sich damit mehr zu beschäftigen. Da kommen wir also schon auch so ein bisschen in die weitere Königszeit. Und da gibt es dann sehr viele Parallelen, vor allem mit der assyrischen Geschichte. Ihr könnt das auch im Internet ein bisschen nachrecherchieren. Da gibt es dann Erwähnungen von Jehu zum Beispiel.

[28:36] Ich habe hier mal ein Beispiel ausgewählt, das sehr selten angeschaut wird, weil es auch vergleichsweise eher später entdeckt worden ist im 20. Jahrhundert. Weil ich momentan diese entsprechende Stele selbst gerade übersetze. Das ist der Fall von Tiglat-Pileser dem Dritten, ein äußerst grausamer neuassyrischer König. Und wir lesen in der Zweiten Könige 15 über ihn: "Im 39. Jahr Assayas des Königs von Juda wurde Menachem, das ist also der König von Israel, der Sohn Gadis, König über Israel. Und er regierte zehn Jahre lang in Samaria. Und er tat, was böse war in den Augen des Herrn, er ließ sein Leben lang nicht von den Sünden, zu denen Jerobeam, der Sohn Nebats, Israel verführt hatte. Und Pul, Pul ist ein anderer Name, ein vermutlich babylonischer Name für Tiglat-Pileser. Pul kommt auch in anderen säkularen Quellen vor für diesen König Tiglat-Pileser. Der König von Assyrien kam in das Land und Menachem gab, Achtung, Pul 1000 Talente Silber, damit er ihm Beistand gewährte und ihm das Königreich bestätigte." Jetzt hat man vor einigen Jahrzehnten eine Stele gefunden, die sogenannte Iran-Stele des Tiglat-Pilesers des Dritten. Und ich habe euch hier auf der Folie mal einen Teil davon hier mitgebracht. Und ihr seht hier auch kleine Ausschnitte aus einem sehr langen Text, also viele Kolumnen mit viel, viel Text. Und nur hier diese Zeile 21, den original assyrischen Namen von Tiglat-Pileser: "Der eingesetzte Enlil, der Fürst, Priester von Assur, der König der Scharu, der König der Gesamtheit, König des Landes Assur, König des Landes Sumer und Akkad, König der vier Enten, Hirte der Untertanen." Das ist interessant, dass auch die Könige Assyriens, auch Babylon, sich immer als Hirten betrachtet haben. Das ist interessant, wenn man auch in der Bibel von dem Messias liest, der dann König und Hirte sein soll. In Teil 29 heißt es über diesen Tiglat-Pileser, der die Grenzen des Landes Assur erweiterte. Das sieht man in den Büchern Könige sehr deutlich, wie er Krieg führt und andere Länder erobert. Und hier: "Der den Tribut und die Gabe Empfangende von der ganzen Welt." Er empfängt also von allen Gegenden der Welt im Tribut, wie es die Bibel auch sagt. Und es gibt dann sehr viel später in dieser Stele eine lange Liste mit Königen, auch in Palästina und Syrien und der ganzen Levante. Und in dieser Liste von Königen finden wir dann in der entsprechenden Zeile 5, und das könnt ihr hier auf der Folie sehen, einen gewissen Minichim, der aus dem Lande Samarina. Das ist Menachem aus dem Land Samaria, der hier dem Tiglat-Pileser III den Tribut gibt. Übrigens war Tiglat-Pileser einer der grausamsten Könige, den die Bibel hier beschreibt. Und das war der Grund, warum Ellen White, eine interessante Anekdote, als sie in Australien war, ihren Wachhund, der ihr ganzes Gelände bewachen sollte, Tiglat-Pileser III genannt hat. Hat aber nicht viel genutzt, er soll wohl recht friedlich gewesen sein, jedenfalls der Hund von Ellen White.

[32:01] Schauen wir weiter. Ein anderes Beispiel: an das Grab des Schebna. Wir lesen in Jesaja 22 von einem Mann, der Schebna heißt. "So hat der Herrscher der Herr, der Herrscher haben gesprochen: Geh hinein zu diesem Verwalter, zu Schebna, der über den Palast gesetzt ist und sprich: Was hast du hier und wen hast du hier, dass du dir hier ein Grab aushaust? Du, der sich hoch oben sein Grab aushaut, sich eine Wohnung in den Felsen hineinmeißelt." Da steht in Jesaja 22, Vers 16 und 17. Ein bisschen merkwürdiger Text, und der aber sehr viel mehr noch erklärt werden kann, wenn man ein bisschen archäologisch Licht darauf wirft. Dazu muss man zunächst einmal wissen, dass Schebna ein Name ist, der für verschiedene Leute in der Bibel erwähnt wird und der auch Schebanja oder Schebanjahu an verschiedenen Stellen geschrieben wird. Das ist dann sozusagen immer noch die Variante mit dem Gottesnamen dran. Nun ist es so, dass es in Jerusalem eine Reihe von sehr hochrangigen, sozial hochrangigen Gräbern gibt, in der sogenannten Ostnekropole, könnt ihr hier sehen. Hier ist der Tempelberg und hier ist das Tal Kidron. Und hier haben wir hier an dieser Stelle eine Reihe von sehr imposanten Felsengräbern, die damals zur Zeit der israelitischen Könige hochangestellte Persönlichkeiten dort ausgehauen haben. Die Gräber waren grundsätzlich in Israel nämlich außerhalb der Stadtmauern. Ausnahme waren die Königsgräber, die sich innerhalb der Stadtmauern befunden haben, alles andere war außerhalb. Und das war eine sehr lukrative Gegend. Hier sehen wir auf der Karte die entsprechende Stelle. Und das ist dieses Grab hier, um das es geht. Und so sieht es aus. Hier rechts unten eine Zeichnung, als es noch etwas besser erhalten gewesen ist. Das ist so der momentane Zustand. Da geht es hier um diese Inschrift. Und da liest man Folgendes. Hier auch in althebräischen Buchstaben: "Das ist das, das muss offensichtlich ein Grab sein, des Jahu, des Palastvorstehers. Es gibt hier kein Silber und Gold, sondern seine Gebeine und mit ihm die Gebeine seiner Magd. Verflucht sei der Mensch, der dies öffnet." Also hier haben wir das Grab genau dort, ein ausgehauenes Grab in der Höhe am Hang. Und viele Forscher vermuten, dass hier ursprünglich Schebanjahu stand. Das Grab des Schebna, des Palastvorstehers, der in Jesaja erwähnt worden ist. Wie gesagt, das kann man nicht ganz eindeutig beweisen, weil an der Stelle ein bisschen das abgebrochen ist. Aber es spricht viel dafür, dass wir wissen, wo dieser Schebna sein Grab gehabt hatte. Und das ist der Grund, warum er so in Jesaja getadelt wird, dass er sich hier ein besonders prächtiges Grab an sehr prominenter Stelle ausgegraben hatte, obwohl er selbst ein ziemlich verworfener Charakter gewesen ist.

[35:12] Kommen wir wieder zu einer etwas berühmteren Stelle, nämlich zu dem Angriff des assyrischen Königs Sanherib auf das Südreich Juda. "Im 14. Jahr des Königs Hiskia zog Sanherib, der König von Assyrien, gegen alle festen Städte Judas herauf und nahm sie ein. Da sandte Hiskia, der König von Juda, Boden zum König von Assyrien nach Lachisch und ließ ihm sagen: Ich habe mich versündigt, zieh ab von mir, was du mir auferlegst, das will ich tragen. Da legte der König von Assyrien Hiskia, dem König von Juda, 300 Talente Silber und 30 Talente Gold auf." Auf diese Stelle ist sehr berühmt, es gibt ja noch mehr Bibelstellen dazu, auch in den Königen und vor allem auch bei Jesaja. Dieser Angriff der Assyrer auf die Städte Judas, vor allem berühmt durch die sogenannten Lachisch-Reliefs im Britischen Museum, die sehr präzise und im grausamen Detail zeigen, wie die Stadt Lachisch, das war eine der befestigten Städte in der Nähe Jerusalems, wie diese Stadt erobert worden ist von der Militärmaschinerie Assyriens. Hier seht ihr auf der Folie so typisch assyrische Reliefdarstellung der Belagerungsramböcke und Wälle, indem man versucht jetzt diese Stadt zu erobern, man hat dort die Menschen massakriert. Es gibt Darstellungen auf diesem Relief, wie Menschen bei lebendigem Leib die Haut abgezogen werden. Wirklich grausame Sachen. Und wenn man das mal so ein bisschen gesehen hat und gelesen hat, dann kann man sich manchmal ein bisschen besser hineinversetzen in die Lage von Propheten wie Jesaja und später auch Jeremia, die immer wieder das Volk gewarnt haben vor dieser Gefahr und die deutlich gemacht haben, dass nur mit Gott man vor dieser Gefahr sicher sein kann und die Trauer, die die Propheten gehabt haben, wenn die Menschen diese Gefahr nicht ernst genommen haben.

[37:12] Es gibt etliche Prismen und Zylinder, die die Militärkampagnen des Sanherib beschreiben und auf vielen von ihnen findet sich auch diese sehr berühmte Militärkampagne gegen Juda und vor allem auch gegen Jerusalem, gegen die Stadt. In der Bibel wird berichtet, wie von Lachisch ein Gesandter des Sanherib, der Rabschaq, sich vor Jerusalem aufstellt und dem ganzen Volk droht und die Gesandten des Königs versuchen das noch ein bisschen abzuwiegeln, indem sie sagen: "Sprich mit uns auf Aramäisch, damit das Volk es uns nicht hört, was du sagst." Aber die Geschichte endet dann ganz dramatisch und glücklich, weil es eine große Erweckung gibt im Volk. Hiskia, der demütigt sich vor Gott und er schüttet sein Herz aus und bittet den Gott des Himmels um Vergebung und Hilfe. Und das ist ein gutes Beispiel dafür, dass egal wie schlimm unsere Situation sein mag, egal wie weit der Feind schon vorgerückt ist, wenn wir uns zu Gott wenden, dass wenn der Feind schon vor den Toren ist, kann Gott eingreifen und Gott hat auf mächtige Weise eingegriffen. Er hat dann einen Engel gesandt und die ganze Armee, Hunderttausende, viele, viele, viele Tausende, über Hunderttausend Soldaten der Assyrer umgebracht. Das berichtet Sanherib natürlich nicht. Die assyrischen Könige sind nicht geneigt, ihre Niederlagen einzugestehen, aber die Zylinder berichten davon, dass zwar jede Stadt erobert worden ist, aber die Stadt Jerusalem lediglich eingekesselt worden sei. Man habe den König dort zurückgelassen wie einen Vogel im Käfig. Das klingt zwar noch ganz martialisch, ist aber ein stillschweigendes Eingeständnis, dass man die Stadt nicht erobern konnte.

[39:06] Und weil das so spektakulär ist, können wir noch einmal hier die Schlüsselworte auf Babylonisch in neuassyrischer Schrift lesen. Das ist auf der Folie hier. Können wir gemeinsam von links nach rechts wieder. Jetzt ist es ja Akkadisch. Dieses Zeichen hier ist das Zeichen für eine Stadt. Und dann haben wir hier die Silben Ursalimu. Da könnt ihr vielleicht überlegen, was das sein könnte. Und dann haben wir hier noch mal das Zeichen Uru für Stadt, also akkadisch "Alum" oder im Statuskonstruktus "Al". Und dann hier das Zeichen Lugal, das steht für König, für Scharum oder auch für Königtum. Denn hier steht jetzt das T dazu, das ist Scharutischu, also die Stadt seines Königtums. Und dann hier auf der anderen Zeile ein sogenanntes Personenkeil, das alles, was jetzt folgt, ist ein Personenname. Und da haben wir jetzt die Silben Chasakiau. Und da könnt ihr auch überlegen, was wohl Chasakiau heißen könnte. Und hier ein Determinativ Kur, das heißt für das Land, was jetzt folgt, ist ein Ländername. Und da haben wir jetzt die Silben Ja, U, Zwei, Da. Und das ist hier falsch gedruckt von dem, warum er es gemacht hat, das sind zweimal ein A. Und das ist Ja, U, Da, Ach. Und das Ganze kann man sich jetzt hier noch mal anschauen. Also Jerusalem, Ursalemu, ali Scharutischu, das ist die Stadt seines Königtums. Von wem nämlich? Von Chasakiau, von Hiskia. Und Jaudai sind die Juden. Das also hier von Juda.

[41:04] Übrigens gibt es von diesem König von Hiskia, wie er im Hebräischen heißt, auch ein Siegel. Das ist relativ neu, das ist erst vor knapp fünf Jahren gefunden worden, 2015, direkt in Jerusalem. Das ist ein sehr kleines Siegel, wie ihr hier auf der Folie sehen könnt, nur ein Zentimeter. Und hier steht hier oben Cheskiahu. Hier ist das Chet für alle, die Hebräisch können, das ist Altkanäisch. Hier ist das Lamed für, also für oder von. Es betrifft also den König, dieses L hier. Und das ist das Samech, das Kopf ist hier nicht zu sehen. Und hier sieht man sehr deutlich das He und das Waw für Yahu, für den Gottesnamen. Und ganz deutlich kann man hier sehen MLK und das ist Malach, das ist der König Judas. Also da findet man immer wieder ganz interessante Dinge, die bestätigen, es ist das erste Siegel eines israelischen Königs, das gefunden worden ist und das uns also seine Existenz bestätigt.

[42:04] Gehen wir ein bisschen weiter und nehmen wir das auf. In Jeremia 46 Vers 2 lesen wir von einer Schlacht von Karkemisch über das Heer des Pharao Necho, des Königs von Ägypten, das bei Karkemisch am Euphrat stand, wo Nebukadnezar, der König von Babel, es schlug im vierten Jahr des Königs Jojakim, des Sohnes Josias, des Königs von Juda. Und wir haben an anderer Stelle schon mehr darüber gesagt, deswegen werden wir hier heute nicht so viel darüber sagen, aber es gibt diese berühmte Chronik, die Babylonische Chronik Nummer 5 im Britischen Museum, so sieht sie hier aus, das ist die von vorn und hinten. Hier seht ihr den Keilschrifttext, aber den lesen wir jetzt nicht komplett alles, sondern hier nur so ein bisschen. Da heißt es hier, über den könnt ihr ja, wenn ihr euch das einzeln anschauen wollt, die Folie oder das Video stoppen und die Folie durchlesen, aber da spricht hier eine Babylonische Chronik von dem Kronprinzen Nebukadnezar, der gegen Babylon genau bei Karkemisch kämpft, genauso wie das auch in Jesaja beschrieben wird.

[43:09] Im Zuge dessen ist ja auch dann Jerusalem zum ersten Mal attackiert worden von den Babyloniern, die standen da vor den Toren und haben Tribut mitgenommen und einige Gefangene, wohl so als königliche Geiseln, Daniel war darunter. Wir lesen hier in Daniel 1: "Und der Herr gab Jojakim, dem König von Juda, seine Hand, auch einen Teil der Geräte des Hauses Gottes. Diese führte er hinweg in das Land Sinear, in das Haus seines Gottes, und er brachte die Geräte in die Schatzkammer seines Gottes. Und der König befahl Aschpenaz, dem Obersten seiner Kämmerer, dass ihm etliche von den Söhnen Israels bringen solle, die von königlichem Samen und von den vornehmsten sein sollten, junge Männer ohne Makel, schön von Gestalt und klug in aller Weisheit, einsichtsvoll und des Wissens kundig, die tüchtig wären, im Palast des Königs zu dienen, und dass man sie in der Schrift und Sprache der Chaldäer unterwiese." Bei der ersten Wegführung, es gab ja insgesamt drei, später war das sehr brutal und die Leute wurden dann regelrecht versklavt, aber beim ersten Mal war das eigentlich sehr human. Der Nebukadnezar wollte eigentlich nur sehr fähige Leute für seinen Hofstaat, für seine Administration haben. Und entsprechend sagt uns der Geschichtsschreiber Berossos, ein Babylonier, der dann zur Zeit der Griechen lebte und auf Griechisch schrieb, um den Griechen so ein bisschen die babylonische Kultur näher zu bringen, ein bisschen auch Geschichtsfakten dort arrangiert hat. Da spricht er davon, wie der Nebukadnezar seinen Freunden befohlen hat, die jüdischen, phönizischen, syrischen, ägyptischen Gefangenen mit der Hauptmasse der Armee und dem Rest der Beute nach Babylon zu bringen. Und dann heißt es hier ganz unten in dieser Folie: "Als die Gefangenen ankamen, befahl er, dass ihnen Wohnungen in den besten Teilen Babylons zugewiesen werden sollten." Also die Geschichtsschreiber belegen, in dem Fall Berossos, dass diejenigen, die bei der ersten Wegführung nach Babylon kamen, dass es denen sehr gut ging und sie entsprechend sehr höflich und zuvorkommend behandelt worden sind, genauso wie es auch Daniel 1 uns zeigt.

[45:10] Ganz anders war das dann schon bei der zweiten Wegführung, einige Jahre später, als die Juden gegen Nebukadnezar rebelliert hatten. Da heißt es hier in 2. Chronik 36, Vers 10: "Aber um die Jahreswende sandte der König Nebukadnezar hin und ließ ihn nach Babel holen samt den kostbaren Geräten des Hauses des Herrn. Und er machte Zedekia, seinen Bruder, zum König über Juda und Jerusalem." Und wenn man diese Babylonische Chronik 5 dreht auf die Rückseite und dort sich die Zeilen 11 bis 13 anschaut, findet man genau dieses Ereignis beschrieben. Das können wir uns hier mal kurz anschauen. Hier der Zeile 11, dieses Zeichen, das Zeichen für Jahr. Und dann muss man gar nicht Akkadisch können. Wir können selbst zählen, wie viele Jahre es ist. Wir müssen nur die Keile zählen: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7. Das ist das Jahr 7, das 7. Jahr von Nebukadnezar. Das ist hier nur ein Zeichen, dass hier gerade eine Zahl stand. Und dann ein Zeichen für Monat und der Monat Kislev. Und dann haben wir hier den König, den Schar Akkadi, den König von Akkad. Und das ist hier nur das Zeichen für ein Ort. Und dann heißt es hier die Truppe, das Heer, umani. Und Plural, also die Truppen, seine Truppen. Und dann heißt es hier "Itke", musterte er. Ma und Anna. Und dann heißt es hier "Hattu". Er ist also in das Land Hattu gegangen, "Illik". Er ist marschiert in das Land Hattu. Das ist also das Land Palästina. Und jetzt wird es ganz dramatisch. Und dann "Inamuchi", also gegenüber von. Und dann haben wir hier "Ali". Das ist also die Stadt. Und dann wird hier beschrieben, wie er in der Stadt Jerusalem, das können wir hier lesen, das ist Jaachodah, die Stadt Judas. Und dann haben wir hier den Monat und dann hier den Tag. Das ist also der zweite Tag. Hier ist das Zeichen für Tag und der zweite Tag. Wir können also dieses Ereignis bis auf den Tag genau präzise datieren. Es war der zweite Adar. Das ist der 16. März 597. Und was ist da passiert? Gucken wir nochmal hier auf die Folie. Und da sehen wir dann. Genau hier. Er hat sie ergriffen, die Stadt und den König gefangen genommen. Und dann heißt es hier noch: "Der König Schalipischu", einen König nach seinem Herzen hat er dann eingesetzt und so weiter. Das heißt, hier wird präzise genau das beschrieben, was auch in den entsprechenden Texten, in den Chroniken und Königen steht. Und wir können das sogar bis auf das, nicht auf das Jahr, auf den Monat, auf den Tag genau datieren. Ihr seht, das ist manchmal ein bisschen abgebrochen, aber man kann es mehr oder weniger rekonstruieren. Hier habt ihr den deutschen Text in der Folie. "Im siebten Jahr im Monat Kislimu musterte der König von Akkad seine Truppen, marschierte nach Hatti-Land und belagerte die Stadt von Juda, Joselem. Und am zweiten Tag des Monats Adaru nahm er die Stadt ein und ergriff den König. Er nannte dort seinen König seiner eigenen Wahl." Das ist dann der Zedekia. Wie uns die Bibel lehrt, empfing ihren schweren Tribut und sandte nach Babylon.

[49:05] Wir wollen jetzt gegen Ende nochmal kurz ins Neue Testament springen. Je mehr wir uns unserer Zeit nähern, desto reichhaltiger werden natürlich auch die Geschichtsquellen, desto genauer werden auch die Datierungen. In Johannes 18, Vers 38 lesen wir von dem berühmten Pilatus. Pontius Pilatus. Pilatus spricht zu ihm, zu Jesus: "Was ist Wahrheit?" Was für ein interessanter Text, den man viel sagen könnte. Nachdem er das gesagt hatte, ging er wieder hinaus zu den Juden und sprach zu ihnen: "Ich finde keine Schuld an ihm." Wir alle kennen die Geschichte dieser tragischen Figur von Pontius Pilatus, der eigentlich keine Lust hat auf diesen Fall Jesus, der dann trotzdem diese Begegnung mit Jesus hat und merkt, dieser Mensch ist anders, der ihn eigentlich freilassen will und trotzdem aus weltlicher Ehre und aus Gruppendruck und verschiedenen Überlegungen gegen die Warnung seiner Frau doch Jesus verurteilen lässt.

[49:55] Vor einiger Zeit fand man diesen Stein hier. Und diesmal muss man keine Keilschrift entziffern. Das kann man selbst ohne Lateinkenntnisse verstehen. Hier steht eindeutig Pilatus. Man kann sich vorstellen, dass hier vorher mal Pontius Pilatus gestanden hat. Und was interessant ist, was man vielleicht nicht gleich sofort sieht, ist hier ein I, ein V oder U, ein D, Judaea. Das klingt also wie Judäa. Und man kann sich überlegen, dass hier vielleicht "Praefectus" gestanden haben könnte. Also U, S, C, Praefectus, also der Präfekt von Juda, den wir hier in der Archäologie finden.

[50:42] Relativ viel untersucht sind natürlich die historischen Quellen zu Jesus. Sueton spricht in einem seiner Werke: "Judaeos impulsore Chresto assidue tumultuantis Roma expulit." Die Juden, die sich von Christus ständig zu Unruhen anstiften ließen, vertrieb er aus Rom. Es ist nicht ganz klar, ob damit frühe Christen gemeint sind oder Juden, die gegen die Christen Stress gemacht haben und deswegen aus der Stadt vertrieben worden sind. Auch Orosius, ein Geschichtsschreiber späterer Zeit, sagt, das könnte also entsprechend beides sein. Könnt ihr euch dann durchlesen und die Folie hier stoppen. Das Ganze bezieht sich natürlich auf eine Geschichte, eine Apostelgeschichte. Dort fand er einen Juden namens Aquila aus Pontus gebürtig, der vor kurzem mit seiner Frau Priscilla aus Italien gekommen war, weil Claudius befohlen hatte, dass alle Juden Rom verlassen sollten. Wir sehen hier bei Sueton das entsprechend, dass auch genau so passiert ist.

[51:50] Eine andere ganz berühmte Quelle für die Historizität von Jesus sind die Annalen von Tacitus. Der schreibt: "Daher schob Nero, es geht hier um den Brand von Rom, den berühmten in den 60er Jahren, um dem Gerede ein Ende zu machen, andere als Schuldige vor und belegte die mit den ausgesuchtesten Strafen, die wegen ihrer Schandtaten verhasst, vom Volk Christianer genannt wurden." Interessanter Hinweis, dass die frühen Christen also nicht immer vielleicht nur Christen, sondern hier auch so Christianer genannt worden sind. "Der Mann, von dem sich dieser Name herleitet, Christus, war unter der Herrschaft des Tiberius auf Veranlassung des Prokurators Pontius Pilatus hingerichtet worden. Und für den Augenblick unterdrückt, brach der unheilvolle Aberglaube wieder hervor, nicht nur in Judäa, dem Ursprungsland dieses Übels, sondern auch in Rom." Also sehen wir schon eine relativ frühe Quelle, Anfang des 2. Jahrhunderts, die uns sagt, dass schon zur Zeit von Nero die Christen nicht nur in Judäa, sondern bis in Rom ihre Präsenz gehabt haben, so dass auch große Geschichtsschreiber das entsprechend vermerken. Und es waren also nicht nur irgendeine unscheinbare kleine Gruppe, sondern die waren in der Bevölkerung bereits ganz klar wahrzunehmen. Und entsprechend heißt es hier weiter: "So verhaftete man zunächst diejenigen, die ein Geständnis ablegten. Dann wurde auf ihre Anzeige hin eine ungeheure Menge nicht so sehr des Verbrechens der Brandschriftung als einer hasserfüllten Einstellung gegenüber dem Menschen geschlechtsschuldig gesprochen." Die frühen Christen von Nero wurden also zum Teil gar nicht deswegen verurteilt, weil sie angeblich Rom angezündet hätten, sondern weil man ihnen vorwarf, andere Menschen zu hassen, weil sie sich ja oft von der Welt abgesondert hatten und entsprechend lebten.

[53:48] Das ist vielleicht noch ganz interessant. Ich denke, viele von euch haben die Geschichte gehört von Pompeji, die Stadt, die beim Ausbruch des Vesuv 79 nach Christus buchstäblich in Schutt und Asche begraben worden ist. Und bei Ausgrabungen in Pompeji hat man dieses Graffito hier gefunden, das ihr in der Folie seht. Und hier seht ihr, das ist gar nicht so schwer zu sehen: "Christiano". Da geht es um einen Menschen, wohl Bovius oder Bovius oder so, der zu den Christen gehört. Und was da jetzt sonst weiter steht, da ist sich die Forschung sehr unsicher. Es ist schwer zu lesen, irgendwie nicht gut geschrieben, verwaschen oder nicht mehr gut erhalten. Aber hier haben wir Hinweise auf Menschen, die in Pompeji sich zu den Christen zugehörig fühlten. Die Christen waren schon vor 79, weil danach hat ja niemand mehr dort gelebt. Also offensichtlich vielleicht auch Christen, die da in diesem Unglück auch umgekommen sind.

[54:50] Springen wir noch in die Zeit, die Schlusszeit des Neuen Testamentes. Unter Domitian gab es ja diese große Christenverfolgung, bei der auch Johannes dann verurteilt worden ist und dann auf die Insel Patmos gesandt worden ist. Das heißt hier: "Und im gleichen Jahr ließ Domitian, neben vielen anderen, den Konsul Flavius Clemens hinrichten, obwohl er sein Vetter war. Und Flavia Domitilla, ebenfalls seine Verwandte des Kaisers, zur Frau hatte." Da sieht man also, wie weit bereits das Christentum in der Gesellschaft aufgestiegen war. Bis in die höchsten Schichten gab es Christen. Beide wurde Atheismus zum Vorwurf gemacht, weil sie die alten römischen Götter nicht mehr akzeptierten. Weshalb auch viele andere, die sich in jüdische Lebensformen hineintreiben ließen. Das zeigt auch, wie sehr römische Geschichtsschreiber immer noch die Christen so als quasi Juden begriffen haben. Verurteilung erfuhren. Einige von ihnen wurden hingerichtet, andere nur ihres Vermögens beraubt. Domitilla musste lediglich in die Verbannung nach Pandataria gehen. Da sehen wir also auch diese verschiedenen Strafen, Todesstrafe, Verbannung, wie wir es dann auch bei Johannes auf Patmos sehen.

[55:58] Zum Schluss vielleicht noch ein paar allgemeine Gedanken über Geschichtsschreibung in der Bibel. Es gibt ja einige Geschichts-Historiker in der Bibel. Und da gibt es einen interessanten Gedanken, mit dem man selten nachdenkt. Theodor Mommsen, ein berühmter Historiker des 19. und 20. Jahrhunderts, der für sein Buch über die römische Geschichte den Literaturnobelpreis bekommen hat, sagte Folgendes: "Der Geschichtsschreiber gehört vielleicht mehr zu den Künstlern als zu den Gelehrten." Wir denken vielleicht bei Geschichtsschreibung an Annalen, an trockene Fakten, an irgendwie langweilige Beschreibung von irgendwelchen alten Geschichten. Aber Mommsen sagt, ein guter Geschichtsschreiber ist eigentlich mehr ein Künstler. Jemand, der versucht, die Motive von Menschen zu verstehen, der sich versucht hineinzuversetzen, warum Menschen so gehandelt haben, der muss eigentlich mehr Poet sein als nur ein Faktensammler. Entsprechend schreibt auch Plutarch, ein anderer Geschichtsschreiber, diesmal aus der Antike: "Der effektivste Historiker ist derjenige, der durch seine lebendige Darstellung der Emotionen und Protagonisten seine Geschichte wie ein Gemälde erscheinen lässt." Thukydides, das ist ein Geschichtsschreiber aus dem klassischen Griechenland, strebt in seinen Texten sicherlich immer nach dieser Anschaulichkeit. Und ihm liegt viel daran, seine Leser einen Zuschauer zu verwandeln. Außerdem lässt er seine Leser das Leiden, das für die Menschen, die es auf sich nehmen mussten, entsetzlich und verstörend war, in einem ähnlichen Effekt nachvollziehen. Also, Geschichtsschreiber oder Historiker der Antike und der Neuzeit haben immer wieder, einige von ihnen zumindest, gesagt, ein guter Historiker ist jemand, der nicht nur die Wahrheit zusammenträgt, sondern der es auch anschaulich beschreibt, so dass der Leser sich hineinversetzen kann in die Szene, weil, und jetzt kommt der große Punkt, warum betreibt man Geschichte? Doch deswegen, weil man etwas aus der Geschichte lernen möchte. Und schon antike Historiker wie Herodot und Thukydides und Xenophon und dann Polybios und wie sie alle heißen, haben verstanden, dass man Geschichte anschaulich erzählen muss, damit man sich quasi in die Situation hineindenken kann, indem man quasi mitfühlen kann, weil man dann erst von der Geschichte lernt.

[58:15] Wenn man diesen Punkt einmal richtig verstanden hat, hat man plötzlich den Schlüssel zu ganz viel Geschichtsschreibung in der Bibel, denn die ist ganz selten nur Fakten und Zahlen, sondern ganz oft in richtig lebendig dargestellte Geschichten gehüllt. Also man muss nur mal 1. Mose 22 lesen, um zu sehen, wie gut Mose als Historiker geschrieben hat, wie sehr er diese Geschichte so beschrieben hat, dass man sich förmlich hineinversetzen kann. Wir lesen hier nur mal drei Verse der Zeit wegen: "Und als sie an den Ort kam, den Gott ihm genannt hatte, baute Abraham dort ein Altar, schichtete das Holz darauf und er bann seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz. Und Abraham streckte seine Hand aus und fasste das Messer, um seinen Sohn zu schlachten." Wenn man richtig sich hineindenkt, dann kann man die Spannung förmlich mit Händen greifen. "Da rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel her und zu und sprach: Abraham, Abraham! Und er antwortete: Hier bin ich." Mose hätte auch einfach schreiben können: Abraham wollte seinen Sohn opfern und Gott hat es verhindert. Aber hier zeigt sich die Qualität des Historikers Mose, der nicht nur Fakten sammelt, sondern sie so darstellt, dass auch ein Leser nach Jahrtausenden sich hineinversetzen kann und etwas aus der Geschichte lernen kann.

[59:34] Entsprechend finden wir, man könnte also sagen, jemand, der poetisch begabt ist, kann ein besserer Historiker sein und es ist kein Zufall, dass weite Teile des Alten Testamentes in Poesie geschrieben sind. Ja, Mose, als er die schwierigste Geschichte erzählen musste, die vielleicht jemals erzählt worden ist, die Geschichte von Hiob, hat er nicht einfach nur wie ein Historiker gesagt: "Das sind die Zahlen und Fakten und so ist es passiert." Er hat die ganze Geschichte als ein gigantisches Gedicht aufgeschrieben und man kann das Buch Hiob durchlesen. Weite Teile sind in Gedichtform geschrieben, hier nur ein paar Verse: "Hiob begann und sprach: Oh, wäre doch der Tag ausgelöscht, da ich geboren wurde, und die Nacht, die sprach: Ein Knabe ist gezeugt!" Wir haben die Zeit nicht, das alles durchzulesen, aber ihr könnt mal lesen, es ist so viel Poesie, so viele parallele Gedanken, so viel bildhafte Beschreibung. Nicht, weil das weniger wahr ist, sondern weil Mose, wie viele antike Historiker und wie manchmal noch heute moderne Historiker, wie Mommsen zum Beispiel, versucht haben, diese Geschichte anschaulich darzustellen. Die Tatsache also, dass Poesie verwendet wird, dass bildhafte Ausdrücke verwendet werden, heißt nicht, dass es weniger wahr ist oder mythenhaft oder legendenhaft, wie viele Bibelkritiker heute sagen, sondern es ist ein ganz bewusstes Stilmittel, das Historiker schon immer verwendet haben, auch Herodot und Thukydides, einfach um dafür zu sorgen, dass Menschen das Lesen gepackt sind und aus der Geschichte lernen.

[1:01:07] Wir finden, dass die Historiker der Bibel sehr klar auch sagen, wenn sie Quellen verwendet haben, was jeden guten Historiker auszeichnet, was aber mehr von Salomo zu sagen ist, die früheren und die späteren, ist das nicht aufgezeichnet in der Geschichte des Propheten Nathan, in der Geschichte der Weißsagung Achias von Silo, in den Geschichten Edos des Sehers über Jerobeam, den Sohn Nebats und so weiter. Und wie wir schon bei Lukas gesehen haben, es gibt auch die persönliche Recherche. Natürlich gibt es auch, wie im Fall von Mose, die Tatsache, dass Gott ihn direkt in Visionen offenbart hat, in der Wüste Medien, wie die Schöpfung gewesen ist. Man konnte ja niemanden fragen, der dabei gewesen ist. Natürlich gibt es die Visionen und die Träume, aber es gibt auch die Historiker der Bibel, die Menschen fragen, die Augenzeugen noch einmal interviewen, die Quellen durchgehen, die vergleichen, die sich Mühe machen. Auch das ist ein Teil der Bibel.

[1:02:01] Und manch einer war ja selbst dabei. Petrus sagt: "Denn wir sind nicht klug erdachten Legenden gefolgt, als wir euch die Macht und Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus wissen ließen, sondern wir sind Augenzeugen seiner herrlichen Majestät gewesen." Manchmal wird das unterschätzt, die Kraft dieses Argumentes, dass es dort Menschen gab, die nicht nur Geschichten aufgeschrieben haben, sondern die sagen konnten: "Ich war persönlich dabei." Das trifft auf Johannes zu, auf Matthäus, das trifft auf Petrus zu. Paulus hat die Dinge, die er schreibt, alle selbst erlebt. Mose hat die Geschichten von 2. bis 5. Mose selbst erlebt und wir könnten viele weitere Beispiele hier aufzählen.

[1:02:43] Ganz am Ende noch zwei, drei Zitate von Ellen White über die Beschäftigung mit Geschichte. Ellen White sagt: "Die Bibel ist die älteste und umfangreichste Geschichte, die Menschen besitzen." Allein dieser Satz ist schon gewaltig. "Die Bibel ist die älteste und umfassendste Geschichte, die wir als Menschen besitzen. Sie kam frisch von dem Urquell der ewigen Wahrheit und durch die Zeitalter hindurch hat eine göttliche Hand ihre Reinheit bewahrt. Sie erleuchtet die weit entfernte Vergangenheit, wo menschliche Nachforschung vergeblich versucht hindurchzudringen." Kein Mensch kann mehr wissen, was vor der Sintflut wirklich passiert ist, aber die Bibel gibt uns entsprechende Hinweise. Auch für die Zeit kurz nach der Sintflut. Je weiter wir von unserer Zeit entfernt sind, desto lückenhafter werden die Berichte. Wir wissen aus der ägyptischen Geschichte nur vieles sehr, sehr bruchstückhaft. Auch in der mesopotamischen Geschichte gibt es einzelne Bereiche, die gut erforscht sind, andere mit Jahrhunderten von Lücken. Und wenn wir das sehen, sollten wir vertrauen, dass Gottes Wort wirklich uns hilft. Es gibt keinen Grund, die Bibel wegzuschmeißen, nur weil bestimmte Theorien von säkularen Geschichtswissenschaftlern mit ihr im Konflikt zu stehen scheinen.

[1:04:20] Nur hier, sagt sie hier weiter, wird uns eine Geschichte unserer menschlichen Rasse gegeben, die nicht von menschlichem Stolz oder Vorurteil befleckt ist. Was wir sehen bei menschlichen Historikern ist, dass sie immer mit Vorurteilen arbeiten, dass sie immer das eigene Volk, den eigenen König, ein besseres Licht darstellen wollen. Die assyrischen Könige haben angeblich nie verloren, die ägyptischen auch nicht. Aber die Bibel berichtet die Geschichte, wie sie passiert ist. Die Bibel berichtet jede Niederlage Israels genauso im Detail wie die Siege. Selbst bei den größten Glaubenshelden werden die Glaubensniederlagen schonungslos offengelegt. Kein weltlicher Biograf würde schreiben, was die Bibel über Noahs Trunkenheit schreibt. Aber sie schreibt das, um zu zeigen, wie schwach der Mensch und wie groß Gott ist.

[1:05:12] Hier lesen wir weiter auf dieser Folie: "Aber im Wort Gottes wird der Vorhang beiseite geschoben. Und wir sehen dahinter, darüber und durch alles, durch die ganze Geschichte, durch das Spiel und Gegenspiel der menschlichen Interessen und Mächte und Leidenschaften die Mittel des allbarmherzigen Einen, der leise und geduldig die Ratschläge seines Willens durchführt." Wenn wir nur Geschichte ohne Bibel studieren, dann ist vielleicht alles ein totales Durcheinander. Aber mit diesem einen Buch haben wir einen Maßstab, der uns durch die gesamte Weltgeschichte durchführt und sagt, was wichtig und was unwichtig ist. Und sagt, wem wir vertrauen können und wem nicht. Was wichtig, was wahr und was falsch ist.

[1:05:59] Und dann haben wir hier noch ein anderes Zitat von ihr aus "Education". Da heißt es: "In ihrem weiten Rang oder in ihrem weiten, den vielfältigen Stilen und Themen hat die Bibel für jeden Menschen, für jedes Denken etwas Interessantes. Und sie spricht zu jedem Herzen. Sie spricht dann hier davon, dass in der Bibel, in ihren Seiten, die älteste Geschichte gefunden wird, die wahrste Biografie, die Prinzipien der Regierung, um einen Staat zu kontrollieren, für die Regulation eines Heimes, Prinzipien, die menschliche Weisheit niemals gleichkommen können, die tiefste Philosophie, die süßeste Poesie, und auch die leidenschaftlichste und die pathetischste." Und dann sagt sie: "Unendlich höher im Wert als all das, was menschliche Autoren geschrieben haben, sind die biblischen Schriften, selbst wenn man nur diese Aspekte bedenkt." Also schon allein geschichtlich gesehen oder literarisch gesehen oder politisch gesehen ist die Bibel ein sehr viel besseres Buch als alles das, was Menschen jemals geschrieben haben. Aber dann sagt sie: "Aber von noch viel größerer Bedeutung, von unendlich größerem Wert ist sie, wenn all das in Verbindung gesehen wird mit dem großen zentralen Gedanken. Und der ist Jesus." Jesus, der Schöpfer, der Erlöser, der Priester, der König, der Freund, der sich in der gesamten Geschichte offenbart und der durch die menschliche Geschichte zeigt, welche Prinzipien, die Prinzipien der Gerechtigkeit und die Prinzipien der Sünde, welche Prinzipien hier in dieser Welt gegeneinander kämpfen. Und so sagt Ellen White, die Bibel, das Studium der Bibel wird Kraft für den Intellekt geben.

[1:08:12] Hier, gelb unterlegt, heißt es, es ist eine Geschichte, die uns die vergangenen Zeitalter öffnet. Ohne die Bibel würden wir nur vermuten können und hätten nur Märchen und Fabeln in Bezug auf die Ereignisse vergangener Zeitalter. Wenn wir nur das hätten, was Sumerer und Arkader, was Griechen und Römer und Perser und Ägypter aufgeschrieben hätten, wir hätten ein sehr viel vernebelteres Bild von der Vergangenheit. Preist den Herrn, dass das meiste, was wir über die Vergangenheit wissen, nicht aus Keilschrifttafeln kommt, die man mühsam entziffern muss, sondern aus dem Wort Gottes, das jeder von uns gerne lesen kann und ohne Probleme verstehen kann.

[1:09:59] Als letztes Zitat von Ellen White heißt es hier, über jemanden, der sich vorgenommen hatte, sich mit Geschichte und Philosophie zu beschäftigen. "Es ist richtig, dass du dieses Gefühl hast, dass du auf die höchste Stufe der Bildungsleiter kletterst." Es gibt manchmal die Idee: Hauptsache, ich lese die Bibel und alles andere außerhalb der Bibel ist verboten, gefährlich und sollte uns gar nicht interessieren. Aber nein, Ellen White sagt, es ist gut, wenn wir versuchen, mehr zu erfahren und einen bestimmten Bereich der Bildung wirklich den höchsten Grad zu erreichen. Philosophie und Geschichte, sagt sie, sind wichtige Studien. Aber dein Opfer, das du an Zeit und Geld bringst, wird nichts erreichen, wenn du diese Errungenschaften nicht zur Ehre Gottes und für das Gute der Menschheit einsetzt. Wenn die Wissenschaft, die Kenntnis der Wissenschaft, nicht ein Hilfsschritt ist, ein Stein, von dem man sozusagen weiter nach vorne kommt in der Erreichung dieses höchsten Zieles, dann ist sie wertlos. Mit anderen Worten, sich mit Geschichte zu befassen ist dann sinnvoll, wenn wir Gott damit dienen wollen. Sich mit Literatur zu befassen, mit Poesie, mit Politik, mit allen Bereichen des Lebens, was immer die Wissenschaft auch sein mag, ist dann sinnvoll, wenn wir damit Gott ehren wollen. Und dann sagt sie am Ende: "Aber wenn Jesus dein Lehrer ist, nicht nur an einem Tag der Woche, sondern jeden Tag, jede Stunde, dann kannst du sein Lächeln haben, während du deine literarischen, deine bildungstechnischen Errungenschaften verfolgst."

[1:10:55] In dem, was du tust, lieber Freund, liebe Freundin, heute haben wir über Geschichte gesprochen, wir hätten über Naturwissenschaften sprechen können, über Soziologie, über Musik, Kultur, was auch immer. In dem, was du tust, hast du die Ehre Gottes vor Augen und benutzt du die Bibel als den Maßstab für das, was du in diesem Berufsfeld, in deinem Interessensgebiet, in deinem Hobby studierst. Gott ist der Herr der Geschichte. Daniel begann und sprach: "Gepriesen sei sein Name, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit, denn sein ist beides: Weisheit und Macht. Er führt andere Zeiten und Stunden herbei. Er setzt Könige ab und setzt Könige ein. Er gibt den Weisen die Weisheit und den Verständigen den Verstand." Gott kennt die gesamte Geschichte. Und weißt du, was das bedeutet, lieber Freund, liebe Freundin? Er kennt auch deine Geschichte. Und deswegen hat er Geschichte aufschreiben lassen, damit du aus der Geschichte lernst, damit du aus den Fehlern und den Siegen, den Erfahrungen von Mose und Abraham, Daniel und David, von Paulus und Petrus, dass du von denen lernen kannst und dass du vor allem Jesus erkennst als den wahren Messias. Es waren ja historische Fakten und Prophezeiungen, die den Finger seit Jahrhunderten auf diesen Messias gelegt hatten. Wenn wir uns mit Geschichte beschäftigen, dann aus einem Grund: Um zu verstehen, dass Gott hinter allem steht, dass sein Wort wahr ist und dass Jesus der Herr der Geschichte ist. Und weil er der Herr der Geschichte ist, ist er Herr auch unserer persönlichen Geschichte. Und deswegen können wir ihm von ganzem Herzen vertrauen. Möchtest du dir vornehmen, deinem Leben Jesus ganz zu widmen und der Bibel von ganzem Herzen völlig zu vertrauen? Gott segne dich in deiner Entscheidung. Nächste Woche werden wir hier weiter studieren. Es wird dann ein anderes spannendes Thema geben, um die Bibel, um das Bibelstudium. Bis dahin wünsche ich Gottes reichen Segen und viel Freude im Studium seines Wortes. Amen.


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