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Manuskript zur Sendung >>> CSH_Manuskript_2020 2nd Nr 6

In dieser Folge der Cannstatt Study Hour wird die Notwendigkeit der biblischen Auslegung beleuchtet. Christopher Kramp erklärt, warum wir die Bibel nicht einfach nur lesen, sondern auch verstehen müssen. Er zeigt auf, dass Gott selbst uns durch den Heiligen Geist leiten möchte, aber auch die Rolle von Lehrern in der Gemeinde betont. Anhand von biblischen Beispielen wird verdeutlicht, wie Jesus die Schrift ausgelegt hat und welche Prinzipien wir dabei anwenden können. Die Bedeutung von Kultur und Sprache wird ebenso thematisiert wie die zentrale Rolle von Christus im Verständnis der Bibel.

In dieser Folge der Cannstatt Study Hour wird die Notwendigkeit der biblischen Auslegung beleuchtet. Es wird erklärt, warum wir die Bibel nicht einfach nur lesen, sondern auch verstehen müssen. Der Vortrag geht auf die Rolle des Heiligen Geistes als ultimativer Ausleger ein und zeigt auf, wie Jesus selbst die Schrift ausgelegt hat. Dabei werden wichtige Prinzipien wie „Alle Schrift“, „Beginne von vorn“ und „Christus im Zentrum“ vorgestellt. Weiterhin wird die Bedeutung von Sprachen und Kultur für das Bibelstudium diskutiert, sowie die entscheidende Rolle der Bekehrung und der Liebe zur Wahrheit für ein korrektes Verständnis der Heiligen Schrift.


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Serie: Cannstatt Study Hour 2020 Q2: Wie legen wir die Bibel aus?

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Transkript

[0:00] Hallo und herzlich willkommen zur Cannstatt Study Hour hier auf www.joel-media.de. Ein herzliches Willkommen auch allen Zuschauern auf Amazing Discoveries zur sechsten Folge unserer Serie über die Frage: Wie legen wir die Bibel aus? Und in der heutigen Folge wollen wir uns der Frage widmen: Warum wird Auslegung benötigt? Warum kann man nicht einfach die Bibel so von A bis Z lesen? Warum braucht es eine Auslegung der Bibel und wie funktioniert sie? Und wo sind vielleicht auch die Schwierigkeiten oder die Probleme, die Herausforderungen, auf die wir achten sollten, um nicht irre zu gehen im Studium des Wortes Gottes? All das wollen wir gemeinsam im Wort Gottes studieren, besprechen, uns damit vorbereiten auf das Bibelgespräch am 9. Mai.

[1:15] Und bevor wir uns die Texte anschauen und uns Gedanken machen über das Thema der biblischen Auslegung, wollen wir den einladen, der nicht nur die Bibel inspiriert hat, sondern uns auch im Studium und im Erkennen der Wahrheit leiten möchte, nämlich den Heiligen Geist, dass er unsere Herzen erfüllt und uns zeigt, wie wir die Bibel richtig verstehen. Lasst uns gemeinsam beten. Lieber Vater im Himmel, wir danken dir so sehr, dass wir dein Wort haben. Es ist ein echtes Fundament und wir danken dir so sehr, dass wir immer wieder zu dir kommen können, zu deinem Wort. Wann immer sich irgendeine Gelegenheit bietet, dass du immer bereit bist, zu uns zu sprechen, dass wir dich nicht erst überreden müssen, sondern dass du vielmehr immer uns versuchst, uns zu überreden, dass wir auch endlich mehr Zeit mit dir verbringen in deinem Wort. Herr, du hast dieses Wort, diese Bibel uns gegeben, nicht um uns zu verwirren, sondern um uns Wahrheit deutlich zu machen. Und Herr, nimm uns die Angst und die Furcht vor dem Bibelstudium, die vielleicht der eine oder andere hat, oder auch das Gefühl, dass es zu kompliziert ist. Schenke uns das Vertrauen, dass jeder Einzelne von uns dein Wort so verstehen kann, wie du es gemeint hast und dass du ja direkt zu uns sprechen möchtest. Wir möchten dich jetzt bitten, dass du unser Studium segnest, dass du alle segnest, die jetzt zuschauen und dass wir alle in unserem Herzen den Entschluss fassen, aus Liebe zu dir noch viel mehr von dir zu lesen, über dich nachzudenken. Das bitten wir im Namen Jesu, der uns gezeigt hat, wie man die Bibel richtig verstehen kann. Amen.

[2:58] Es ist nicht selbstverständlich, dass man beim Bibellesen versteht, was man liest. Apostelgeschichte 8 und dort Vers 30, eine bekannte Geschichte, da lesen wir von Philippus, dem Diakon, der vom Geist geführt auf einen Bibelstudenten trifft, der gerade von Jerusalem auf dem Weg zurück nach Hause nach Äthiopien ist und in seinem Wagen die Bibel liest, das heißt in dem Fall das Alte Testament. Vers 30, da lief Philippus hinzu und hörte ihn den Propheten Jesaja lesen und er sprach: „Verstehst du auch, was du liest?“ Keine Frage, der Mann hatte Interesse an der Bibel. Er hat nicht nur im Gottesdienst sie gelesen, sondern auch auf dem Weg nach Hause. Wie viele von uns kommen vielleicht in den Gottesdienst und lesen in der Sabbatsschule, im Gottesdienst, während der Predigt in der Bibel, aber schon auf dem Weg nach Hause sind unsere Gedanken vielleicht wieder ganz woanders. Dieser Mann hatte ein Interesse an der Bibel. Er wollte verstehen, was sie sagt. Er interessierte sich, so wie wir den Kontext dann verstehen können, für die gegenwärtige prophetische Wahrheit. Und obwohl er ein Interesse hatte, obwohl er sich Zeit nahm, obwohl er wahrscheinlich wirklich intensiv nachgedacht hat, hat er nicht alles wirklich verstanden. Die Geschichte macht deutlich, er hat sogar einen der wesentlichen Hauptpunkte gar nicht gleich verstanden.

[4:26] Es geht um Auslegung. Warum brauchen wir Auslegung und wer legt die Bibel aus? Brauchen wir Menschen, die als Experten qualifiziert sind, um uns zu sagen, was die Bibel sagt? Brauchen wir Menschen, die sich zwischen uns und Gott stellen und die Botschaften Gottes uns erklären, damit wir verstehen, was Gott eigentlich uns sagen möchte?

[5:00] Schauen wir zunächst einmal in den Hebräerbrief und dort in Hebräer Kapitel 8 und dort Vers 11. Im Zusammenhang des neuen Bundes, den Gott verheißen hat, schon in Jeremia 31, von Paulus hier in Hebräer 8 zitiert, lesen wir in Vers 11: „Und es wird keiner mehr seinen Nächsten und keiner mehr seinen Bruder lehren und sagen: Erkenne den Herrn! Denn sie werden mich alle kennen, vom Kleinsten bis zum Größten unter ihnen.“ Gott sagt, im neuen Bund braucht es keinen Menschen, der dauernd der Vermittler zwischen Gott und anderen ist. Jeder, der zum Volk Gottes gehört, darf im neuen Bund einen direkten Zugang zu Gott haben, darf von Gott selbst unterwiesen werden. Im alten Bund war es ja so gewesen, dass die Israeliten explizit gebeten hatten, dass Mose quasi als Zwischenstation eingeschaltet wird, dass er die Worte Gottes hört und ihnen dann erklärt, was sie zu tun haben. Aber Gottes Wunsch schon damals im Alten Testament und dann auch hier im Neuen ist, dass jeder einzelne Gläubige einen direkten Draht zu Gott hat. Niemand braucht dauerhaft einen, der ihm alles erklärt, sondern wir dürfen Gott unseren persönlichen Gott nennen, wir dürfen in Anspruch nehmen, dass er selbst unser Lehrer sein möchte.

[6:30] Und das bedeutet, dass wir wirklich uns nicht abhängig machen müssen von anderen Menschen oder immer nur dem folgen, was andere über die Bibel sagen. In Psalm 119, einer meiner absoluten Lieblingsverse dort, ist Vers 99. Einer meiner größten Lieblingsverse in der ganzen Bibel. Dort heißt es in Psalm 119, Vers 99: „Ich bin verständiger geworden als alle meine Lehrer; denn über deine Zeugnisse sinne ich nach.“ David sagt, wenn ich in der Bibel lese und nachdenke, dann kann ich mehr herausfinden als andere, die mir etwas über die Bibel beigebracht haben. Ich weiß nicht, wie es dir geht, ob du Menschen kennst, denen du viel verdankst an Bibelwissen, egal wer das ist in deinem persönlichen Leben. Durch Kontakt zu Gott persönlich, durch das Wirken des Heiligen Geistes kannst du mehr wissen. Und dabei geht es ja nicht nur um Faktenwissen, dabei geht es auch um Erfahrung mit dem Wort. Kannst du das Wort Gottes besser durchdringen, tiefer verstehen als alle, die es dir bisher erklärt haben. Das ist die Verheißung Gottes und die meint er ganz buchstäblich. Entsprechend ist die Bedingung in Vers 97: „Wie habe ich dein Gesetz so lieb! Ich sinne darüber nach den ganzen Tag.“ Wenn wir von Gott gelehrt werden wollen, müssen wir uns auch mit dem beschäftigen, was Gott sagt.

[8:08] Halten wir also fest, als allererstes: Wir brauchen nicht zwingend und auf die lange Sicht schon gar nicht dauerhaft Menschen, die uns erklären, was Gottes Wort sagt. Wir können Gott selbst fragen. Ja, er möchte, dass wir direkt zu ihm kommen und uns von ihm unterrichten lassen. Dennoch gibt es in der Gemeinde auch das Amt des Lehrers. In Epheser Kapitel 4 und dort Vers 11 sagt Paulus über die verschiedenen Geistesgaben in der Gemeinde: „Und er hat etliche als Apostel gegeben, etliche als Propheten, etliche als Evangelisten, etliche als Hirten und Lehrer.“ Warum? Vers 12: „Zur Zurüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes des Christus.“ Gott hat also vorgesehen, dass, obwohl jeder Gläubige einen direkten Draht zu ihm hat und niemand abhängig ist von anderen Menschen, jeder selbst für sich wissen darf, was Gott ihm in der Bibel zeigt, dass es trotzdem in der Gemeinde Menschen gibt, die er besonders befähigt und auch dazu beruft, das Wort Gottes auszulegen als Lehrer.

[9:27] Und diese Menschen sollen in der Gemeinde auch geachtet werden. Paulus spricht im Hebräerbrief von ihnen in Kapitel 13 in Vers 7 und 17. Dort heißt es in Vers 7: „Gedenkt an eure Führer, die euch das Wort Gottes gesagt haben“, also die das Wort Gottes ihnen nahegebracht haben. „Schaut das Ende ihres Wandels an und ahmt ihren Glauben nach.“ Also es geht nicht nur darum, dass es hier Lehrer gibt, die intellektuell eine hohe Erkenntnis des Wortes Gottes hätten, im Sinne, dass sie viele Fakten kennen oder irgendwelche Strukturen erklären können. Nein, es geht hier um Menschen, die wirklich das Wort Gottes erklären, weil sie selbst darin leben. Ganz wichtiger Punkt: Gute Ausleger der Bibel sind Menschen, die auch in ihrem Leben und ihrem Glauben zeigen, dass das, was sie dort lesen, ihr Leben verändert. Vers 17: „Gehorcht euren Führern und fügt euch ihnen, denn sie wachen über eure Seelen als solche, die einmal Rechenschaft ablegen werden, damit sie das mit Freuden tun und nicht mit Seufzen, denn das wäre nicht gut für euch.“ Diese Idee, „gehorcht euren Führern“, bedeutet natürlich nicht, dass wir unseren Verstand ausschalten, dass wir Menschen mehr gehorchen als Gott, aber es bedeutet, dass wir anerkennen, dass es in der Gemeinde auch Menschen gibt, die Gott beruft und befähigt, in einem besonderen Maße auch über die Lehre in der Gemeinde zu wachen.

[10:49] Gottes Plan in der Gemeinde war nie, dass jeder so seinem eigenen Gedünken folgt und alles großes Chaos ist. Er führt jeden Einzelnen und er hat viele verschiedene Gaben und Fähigkeiten gegeben und manche begabt er auch mit der Fähigkeit, biblische Lehre besonders klar und konzise darzustellen, damit auch andere sie leichter verstehen. Und diese Gabe ist auch in der Auslegung wichtig und wir wollen sie nicht aus den Augen verlieren.

[11:21] Und das bringt uns zurück zu der Geschichte von dem Kämmerer, dem Mann aus Äthiopien in Apostelgeschichte 8, denn dort sehen wir die Rolle des Auslegers, der einem anderen die Bibel erklärt. In Vers 30 haben wir gesehen, wie Philippus zu dem Mann kommt und ihn fragt, ob er den Propheten Jesaja denn versteht. In Vers 31 heißt es dann: „Er aber sprach: Wie kann ich denn, wenn mich nicht jemand anleitet?“ Und das ist ganz interessant. Der Kämmerer sagt nicht: „Wie kann ich denn, wenn es mir nicht jemand anders alles erklärt, so vorkaut und ich einfach nur das so dann abnicken muss.“ Er möchte jemanden, der ihn anleitet im Verstehen der Bibel. Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen. Und dann wird uns erzählt in den folgenden Versen, wie der Mann, der Kämmerer, gerade Jesaja 53 studiert hat und das liest. Und dann die Frage stellt in Vers 34: „Da wandte sich der Kämmerer an Philippus und sprach: Ich bitte dich, von wem sagt der Prophet dies? Von sich selbst oder von einem anderen?“ Und dann lesen wir, wie Philippus anfängt, dem Kämmerer zu erklären, wie diese Prophezeiungen sich im Leben, Sterben und der Auferstehung von Jesus erfüllt haben. Und er erklärt ihm, die Bibel führt ihn dann auch zu der Glaubensentscheidung der Taufe.

[12:53] Und jetzt kommt ein interessanter Punkt. Dieser neu bekehrte, frisch getaufte wird alleine nach Äthiopien geschickt. Es brauchte einen menschlichen Ausleger, um ihn auf den richtigen Weg zu bringen. Aber Philippus wird nicht sein persönlicher Guru, der ihn jetzt nach Äthiopien begleitet und dort immer zu jeder Tageszeit Rede und Antwort steht, sondern er leitet ihn an, die Bibel selbst zu verstehen. Und vielleicht haben wir hier in unseren Köpfen noch einiges zu lernen, ich selbst und jeder von uns, dass wir vielleicht zu sehr uns darauf verlassen, dass einige predigen und andere zuhören und wir vielleicht theoretisch sagen: „Naja, jeder prüft das schon zu Hause.“ Aber ganz ehrlich, wie viele machen das? Wie viele gehen nach einer Predigt nach Hause, schlagen die Bibel auf und prüfen, ob die Verse wirklich das sagen, auch im Kontext, was in der Predigt gesagt worden ist. Ist es nicht eher so, dass wir hören, begeistert sind und sagen: „Das hat schon gut gestimmt.“

[13:55] Sollten wir nicht vielmehr vielleicht in unseren Bemühungen, sowohl in den Predigten, in Evangelisationen, in Bibelstunden, in Hauskreisen, wann immer wir die Bibel aufschlagen, nicht nur erklären, in der Sabbatschule, nicht nur erklären, sondern andere dazu anleiten, dann selbst die Bibel verstehen zu können? Das ist eigentlich die Rolle des Lehrers. Er bringt diejenigen, die noch schwach im Glauben sind, die noch wenig Erfahrung haben, die vielleicht noch besonders gefährdet sind, Irrlehrern nachzulaufen, weil sie die Bibel nicht gut kennen und noch wenig Fundament haben. Er hat die Aufgabe, sie anzuleiten, ihnen das Handwerkszeug mitzugeben, ihnen die Grundlagen des Evangeliums klar und deutlich zu erklären, damit sie dann irgendwann immer besser selbstständig mit dem Wort Gottes umgehen können. Jeder, der aufrichtig die Bibel unterrichtet, sollte das Ziel haben, dass sein Bibelstudent am Ende die Bibel besser kennt als er selbst. Und das geht nur, indem man jemanden zum eigenständigen Bibellesen und Nachdenken anleitet.

[14:58] Was also ist Auslegung? 1. Korinther 14 und dort Vers 27, in einem sehr interessanten und spannenden Kapitel, sagt Paulus im Zusammenhang mit der Gottesdienstordnung der Korinther, wo es einige Probleme gab, weil Menschen, die die Sprachengabe bekommen hatten, das heißt, die in anderen Sprachen reden konnten, aus missionarischen Zwecken es für angebracht hielten, im Gottesdienst ihre Fremdsprachen zu präsentieren und in längeren Einheiten in fremden Sprachen zu reden und niemand hatte was davon. Und da sagt Paulus hier in 1. Korinther 14, Vers 27: „Wenn jemand in einer Sprache reden will, so sollen es zwei, höchstens drei sein und der Reihe nach, und einer soll es auslegen.“ Gemeint ist hier, wenn jemand in einer fremden Sprache spricht. Also, wenn man das jetzt auf heute übertragen würde, nehmen wir an, jemand bekommt von Gott die Sprachengabe für einen chinesischen Dialekt, weil es noch niemanden dort gibt, in der Gegend dort, wo immer das ist, und Gott ihm die Gabe, in diesem chinesischen Dialekt zu sprechen, und er kommt dann von der Missionsseite zurück und möchte das hier präsentieren im Gottesdienst und fängt an, in diesem chinesischen Dialekt im Gottesdienst zu reden und zu reden und zu reden, dann ist das vielleicht auf den ersten Moment ganz eindrucksvoll, aber eigentlich ziemlich nutzlos, es sei denn, jemand ist in der Lage, das zu übersetzen.

[16:25] Auslegung ist eigentlich dem Wortsinn nach eine Übersetzung. Das griechische „ermeneu“ heißt wörtlich die Bedeutung entfalten, erläutern, erklären, in die eigene Sprache zu übersetzen. Eigentlich gibt es auch das Wort „hermeneu“, erklären oder übersetzen, so in Johannes 1, 38, 42, in Johannes 9, Vers 7, Hebräer 7, Vers 2, dort sind immer Begriffe, dann heißt es dann, was übersetzt heißt, was heißt verdolmetscht oder übersetzt. Und die „ermeneu“ ist letztendlich dasselbe, ist nur ein bisschen gründlicher, dieses „dia“ – das durch und durch übersetzen, erklären. Wir sehen das zum Beispiel in Apostelgeschichte 9 und dort Vers 36. Das heißt es Apostelgeschichte 9, Vers 36: „In Joppe aber war eine Jüngerin namens Tabitha, was übersetzt die „ermeneu“ Gazelle heißt.“ Diese war reich an guten Werken und Wohltätigkeit, die sie übte.

[17:32] Auslegung ist also eigentlich eine Übersetzung und jeder, der schon mal auf Übersetzung angewiesen war oder auch selbst übersetzen musste, weiß, was für eine Aufgabe das ist, den Gedanken einer fremden Sprache in eine andere eigene Sprache zu übertragen. Das ist nicht immer eins zu eins wörtlich möglich und trotzdem ist es sehr gut möglich, gut zu übersetzen oder halt auch nicht so gut. Eine wesentliche Aufgabe.

[18:02] 1. Korinther 14 und dort Vers 5, da wird deutlich, dass so Übersetzung ganz entscheidend ist, wenn die Gemeinde dann von dieser Sprachengabe profitieren will. 1. Korinther 14, Vers 5: „Ich wünschte, dass ihr alle in Sprachen reden würdet, noch viel mehr aber, dass ihr Weissagen würdet; denn wer Weissagt, ist größer als wer in Sprachen redet, es sei denn, dass er es auslegt, damit die Gemeinde Erbauung empfängt.“ Also die Idee ist, es soll ausgelegt werden, damit die Gemeinde erbaut wird. Nur wenn etwas, nur wenn übersetzt wird in die Sprache, das heißt in das Verständnis der Gläubigen, dann haben die Gläubigen auch was davon. Man kann Gottes Wort nur verstehen, wenn man es in der eigenen Sprache, in der eigenen Gedankenwelt auch versteht.

[19:00] Und in diesem Sinne wird ein Bibelfers uns in der Bibel gezeigt, der vielleicht in diesem ganzen Thema der mit Abstand wichtigste ist. Lukas 24 und dort Vers 27, dort lesen wir von Jesus nach seiner Auferstehung, als er mit den beiden Jüngern auf dem Weg nach Emmaus ist. Da heißt es hier: „Und er begann bei Mose und bei allen Propheten und wörtlich übersetzte ihnen, er legte ihnen in allen Schriften aus, was sich auf ihn bezieht.“ Jesus übersetzt das Alte Testament, aber nicht von Hebräisch auf Griechisch oder Latein oder Aramäisch. Er übersetzt es von den gelesenen Worten in die Vorstellungskraft, in das Verständnis seiner Jünger, indem er zeigt, wie sich die Dinge erfüllt haben. Manchmal spricht man die selbe Sprache wie der Bibeltext, aber man braucht trotzdem eine Übersetzung. Jesus übersetzt, er legt aus, er erklärt, was diese Worte bedeuten.

[20:12] Manchmal sind Bibeltexte für uns wie Fremdsprache, die erscheinen uns mysteriös. Jesus hatte ja schon vor seiner Kreuzigung mehrmals darauf hingewiesen, was kommen würde. Wir lesen immer wieder, die Jünger wussten nicht, was er sagt. Sie haben es nicht verstanden, es war ihnen zu hoch, zu mysteriös, zu unverständlich, geheimnisvoll. Jesus erklärt ihnen hier ganz genau, was gemeint ist.

[20:38] Im Grunde genommen ist also Auslegung eine Form der Kommunikation. Auslegung soll etwas verständlich machen. Jesus ist nicht nur der Meisterarzt, nicht nur der Meisterevangelist, nicht nur der Meisterlehrer, er ist auch der Meisterausleger, der Meisterübersetzer. Er zeigt uns hier, mit welchen drei Hauptmethoden er die Botschaft der Bibel ausgelegt hat.

[21:11] Wenn man sich mit dem Thema biblische Auslegung beschäftigt, das Fachwort ist ja die sogenannte Hermeneutik, das kommt von diesem „ermeneu“ oder der „hermeneia“. Dann stellt man fest, dass es viele Beispiele von Jesus gibt, wenn es um das Heilen geht, um die Frage, wie hat er geheilt, wie hat er gepredigt, wie hat er Missionen gemacht. Aber wenn es um die Frage geht, wie hat Jesus die Bibel ausgelegt, dann gibt es im Wesentlichen diesen einen Vers. Wir wissen zwar ganz oft, dass er die Bibel ausgelegt hat, aber die Methode, die er angewandt hat, die Hermeneutik, wie man sozusagen pflegt, die wird aus diesem Vers hier ersichtlich. Und deswegen ist er für das Thema Bibelauslegung so entscheidend. Dieser Vers ist das A, B, C des Bibelstudiums.

[21:56] Warum? A steht für „Alle Schrift“. Jesus vergleicht eine Aussage mit allen anderen biblischen Versen, die über dasselbe Thema sprechen. A wie alle Schrift. B wie „Beginne von vorn“. Jesus fängt nicht einfach irgendwo bei Obadja oder Sacharja an, nein, er fängt bei Mose an. Warum? Weil Mose der Erste war, der Dinge aufgeschrieben hat und alle anderen sich dann immer wieder auf Mose bezogen haben. Biblische Auslegung ist nicht nur sehr umfassend, sie ist auch systematisch. Sie springt nicht einfach wild hin und her, sondern sie vollzieht nach, wie Stück für Stück eine Wahrheit sich über die Zeitalter entfaltet hat. Also Jesus ist sehr gründlich, er ist sehr systematisch. Alle Schrift, Beginne von vorn und C, Christus im Zentrum.

[22:54] Jesus hat nicht einfach die Bibel ausgelegt, um ein paar historische Fakten zu erhalten oder ein paar interessante Details in der Geschichte herauszufinden. Jesus hat in seiner Bibelauslegung immer auf sich selbst und sein Wirken und sein Wesen und sein Werk hingewiesen. Die Aussagen des Alten Testamentes hat er verglichen mit seinem Leben, mit seinen Leiden, mit seinem Sterben, seiner Auferstehung. Er selbst hat damit deutlich gemacht, dass er der Schlüssel zum Verständnis des Alten Testamentes ist. Also bitte merkt euch diese drei Grundprinzipien der Bibelauslegung: A, B, C. Alle Schrift, Beginne von vorn und Christus im Zentrum. Wenn wir diesen drei simplen, fundamentalen Prinzipien folgen, dann werden wir gar nicht viele Fehler machen können. Natürlich sind wir Menschen, werden immer uns auch irren, aber dann sind wir auf dem Weg, den Jesus uns vorgezeichnet hat und dann kann er uns wirklich führen.

[23:58] Und solch eine Art von Bibelauslegung, die ist nicht nur intellektuell redlich und gut, die erreicht das Herz. Die beiden Emmausjünger waren Zeugen davon, dass diese Bibelauslegung weder langweilig noch irgendwie extrem war. Sie sagen in Vers 32: „Und sie sprachen zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Weg und als er uns die Schriften öffnete?“ Was für ein Wort! Als Jesus die Bibel übersetzt, da haben sie den Eindruck, als ob Schriften, biblische Bücher, Prophezeiungen, Altes Testament, das vorher geschlossen gewesen ist, sich auftut. Hast du das Gefühl mal gehabt, dass du einen Vers, den du nie verstanden hast, plötzlich verstehst und plötzlich macht sich so eine Welt auf und man versteht plötzlich, was Gott eigentlich sagen wollte oder man versteht, wie dieser Vers mit einem anderen zusammenhängt. Man versteht, warum Gott etwas gesagt hat, warum er etwas getan hat. Man hat den Eindruck, ein bisschen mehr die Gedanken Gottes nachvollziehen können. Jedes Mal, wenn mir das passiert, dann kann ich diesem Vers hier sehr nachempfinden.

[25:01] Brennt da nicht unser Herz? Wenn wir Bibel auslegen, geht es nicht darum zu zeigen, was wir alles wissen und können. Es geht darum, die Schrift aufzuschließen und damit ihre Schätze und die Kraft, die in ihr liegt, so richtig zutage zu fördern. Denn die Bibel, das haben wir ja sehr ausführlich in den letzten Wochen auch studiert, ist ja dazu da, um unser Leben zu verändern und dazu müssen wir sie verstehen. Wir müssen verstehen, was Gott uns sagen will und dann erreicht und verändert das auch unser Herz.

[25:33] Und das bringt uns dazu, ein bisschen uns genauer Gedanken zu machen über die Kommunikation als solche. Denn in Johannes 1, Vers 1, gleich auf der nächsten Seite, heißt es ja berühmterweise über Jesus: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ Was ist ein Wort? Ein Wort ist ein Gedanke, der kommuniziert wird. Und hier wird Jesus selbst als das Wort Gottes genannt. Er ist derjenige, der die Gedanken Gottes uns weitergibt. Durch das Anschauen von Jesus in der Bibel, auch in all seinen Werken in der Natur und in der Vorsehung, durch das Anschauen Jesu begreifen wir besser und am Ende wirklich, wie Gott ist. Wenn wir über Jesus nachdenken, dann denken wir letztendlich über Kommunikation da. Durch Jesus kommuniziert Gott, der Vater, mit mir.

[26:45] Und ohne, dass wir hier in die Details der Wissenschaft über Kommunikation gehen, so viel wissen wir alle: Kommunikation hängt immer an mindestens zwei. Die gelingt nur, wenn der, der den Gedanken hat, ihn auch richtig ausdrückt. Vielleicht kennen wir das, wenn wir mal einen Gedanken haben und keine Worte finden und nicht wissen, wie wir es ausdrücken sollen und dann irgendwie das falsch rauskommt. Also der Gedanke, der muss adäquat ausgedrückt werden. Aber selbst wenn der Gedanke richtig ausgedrückt ist, hängt es immer noch an dem Hörenden, diesen Gedanken auch richtig zu verstehen. Man kann etwas ganz genau erklären und trotzdem nicht verstanden werden.

[27:26] Nun, bei der Bibel ist es so, dass der erste Punkt ganz unproblematisch ist, denn Gott ist mehr als in der Lage, sich sehr deutlich und klar auszudrücken. Das Problem liegt bei uns. Wir sind nicht immer in der Lage, aufgrund unseres sündigen Herzens – da werden wir gleich noch mehr dazu sagen – Gottes Gedanken immer gleich so richtig zu verstehen. Bei Auslegung geht es darum, zu begreifen und zu verstehen, dass hinter den geschriebenen, gedruckten Worten der Bibel Gedanken sind, die tiefer sind als das, was die Buchstaben alleine uns sagen können.

[27:59] Das vielleicht perfekte Beispiel dazu ist Matthäus 5, Vers 21. Jesus sagt: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten.“ Und das sind jetzt Worte, die Gott selbst formuliert hat, in menschlicher Sprache wohlgemerkt, aber es sind Gottes eigenständig formulierte Worte. Er hat hier sogar in dem einzelnen Fall, sonst ist es ja auch die Grammatik und der Sprachstil der einzelnen menschlichen Schreiber, aber hier bei den Zehn Geboten ist es Gottes eigene Handschrift. Aber selbst hier ist es so, dass hinter diesen Worten „Du sollst nicht töten“ – im Deutschen vier Worte, im Hebräischen zwei – ein Gedanke steckt, der noch weitergeht, als es diese vier Worte jetzt so ausdrücken können, oder diese vier Worte beinhalten einen Gedanken, der weitergeht, als das, was die Buchstaben uns allein vermitteln. Jesus sagt: „Wer aber tötet, der wird im Gericht verfallen sein. Ich sage euch: Jeder, der seinem Bruder ohne Ursache zürnt, wird im Gericht verfallen sein. Wer aber zu seinem Bruder sagt: Raka, der wird im Hohen Rat verfallen sein. Wer aber sagt: Du Narr, der wird im höllischen Feuer verfallen sein.“ Das Gleiche dann auch in Vers 27 und 28 mit dem siebten Gebot, dem Ehebrechen, wo auch deutlich wird, dass dahinter ein Gedanke steht, der weitergeht, als nur über den tatsächlichen, letztendlichen Ehebruch.

[29:22] Was deutlich macht, dass wann immer jemand redet, selbst wenn Gott in den Zehn Geboten redet und spricht, dass hinter den Worten ein Gedanke steht, der größer ist als das, was die Buchstaben alleine nur sagen. Und das wissen wir auch, wenn wir miteinander kommunizieren. Wir wissen, dass wenn jemand etwas sagt, er ja immer auch etwas noch damit meint, eine Idee verkörpert und etwas mitgeben will. Wir hören das manchmal auch am Ton, wir hören das auf der Art und Weise, was er sagt, was er vielleicht nicht sagt. Je besser wir jemanden kennen, desto genauer hören wir, sind wir in der Lage zu verstehen, was er uns sagen möchte.

[30:02] Nun, Jesaja 55 sagt uns, dass Gottes Gedanken unergründlich sind. Jesaja 55 und dort Vers 8 und 9: „Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr. Sondern so hoch der Himmel über der Erde ist, so viel höher sind meine Wege als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.“ Göttliche Gedanken kann man gar nicht vollumfänglich in menschliche Worte packen. Ja, die Bibel ist Gottes Wort, aber Gottes Gedanken sind so groß, so tief, so weit, dass egal welche menschlichen Worte man verwenden würde, Gott muss immer sozusagen etwas auf unsere Ebene herabkommen. Aber indem er menschliche Worte verwendet, ist er doch fähig, Gedanken uns mitzugeben. Und wenn wir uns Gedanken machen, wenn wir uns überlegen, was will er denn damit sagen, dann sehen wir nicht nur die Buchstaben, sondern wir sehen auch das, was seine Botschaft an uns ist.

[31:23] Vielleicht geht es Gott so ein wenig wie uns, wenn wir im Gottesdienst eine Kindergeschichte erzählen. Derjenige, der die Kindergeschichte erzählt, ist meistens schon erwachsen oder jedenfalls sehr viel älter als die Kinder. Er versteht sehr viel mehr, hat sehr viel mehr Lebenserfahrung und er möchte Wahrheiten vermitteln, die tief sind, aber die, wenn man sie theoretisch und korrekt, philosophisch ausdrücken würde, die Kinder niemals würden sie verstehen. Also erklärt man diese Idee mithilfe einer Kindergeschichte, einer kleinen Illustration und das Prinzip wird deutlich anhand einfacher sprachlicher Mittel. So kommt Gott auf unser Level herab in der Bibel und spricht zu uns in einer Sprache, die wir verstehen können. Aber deswegen ist es wichtig, dass wir nicht einfach nur lesen und sagen: „Jetzt weiß ich, was er gesagt hat“, sondern dass wir uns Gedanken machen: Was will er uns wirklich sagen?

[32:19] Wer ist es also, der uns den Inhalt der Botschaft Gottes dann vermittelt? 1. Korinther 2, Vers 10. Wir brauchen ja jemand, der in der Lage ist, die Gedanken Gottes zu erfassen, denn wenn wir Menschen schon nicht in der Lage sind, Gottes Gedanken vollumfänglich in Worte auszudrücken, wie viel weniger können wir sie dann erfassen? In 1. Korinther 2, Vers 10 heißt es: „Uns aber hat es Gott geoffenbart durch seinen Geist; denn der Geist erforscht alles, auch die Tiefen Gottes.“ Es gibt jemanden, der genau weiß, was Gott mit den einzelnen Prophezeiungen, den Psalmen, den Sprüchen, den Evangelien, mit einzelnen, vielleicht auch sehr schwierigen, unverständlichen Sätzen, was er damit gemeint hat, in welchem Kontext das eigentlich steht und womit das zusammenhängt und welche Gedanken dahinter stehen. Es gibt jemanden, der das alles erklären kann, das ist der Heilige Geist.

[33:16] Wenn wir also jemanden wirklich als Ausleger benötigen, ist es der Heilige Geist. Gott selbst weiß ja am besten, was er gesagt hat. Wie vermittelt also Gott jetzt diese Auslegung? Indem der Heilige Geist zu verschiedenen Menschen, zu verschiedenen Zeitaltern, in verschiedenen Kulturen gesprochen hat und jedem die Wahrheit so vermittelt hat, wie dieser Mensch es fassen konnte und aufschreiben konnte. Und da sehr viele verschiedene Leute in sehr vielen verschiedenen Zeitaltern mit verschiedenen Hintergründen und Erfahrungen die Wahrheit erkannt haben und jeweils ihren Blickpunkt aufgeschrieben haben, können wir jetzt diese einzelnen Aspekte miteinander vergleichen. Und wenn ich nicht genau ganz verstehe, was Paulus über ein bestimmtes Thema da sagt, weil seine Sprache vielleicht so ist, dass ich sie nicht ganz richtig verstehe, und ich den Heiligen Geist frage: „Was ist eigentlich der Gedanke in diesem Vers?“ Dann kann ich zu Johannes gehen, ich kann zu Petrus gehen, ich kann zu Mose gehen und zu David, wo derselbe Heilige Geist anderen, die etwas anders gedacht haben, etwas anders formuliert haben, dieselben Wahrheiten offenbart. Und wenn ich das alles zusammennehme, dann kann eines das andere erklären. Die Bibel legt sich selber aus.

[34:32] Und wenn ich all das kombiniere, dann entsteht ein ganzes, ein harmonisches Ganzes, eine göttliche Wahrheit, die sich immer weiter vertieft, weil man ja die biblischen Aussagen immer mehr miteinander kombinieren kann. Die Kombination ist unerschöpflich. Und das ist das Prinzip in 1. Korinther 2, Vers 13: „Und davon reden wir auch nicht in Worten, die von menschlicher Weisheit gelehrt sind, sondern in solchen, die vom Heiligen Geist gelehrt sind, indem wir Geistliches geistlich erklären.“ Der Ausleger der Bibel ist der Heilige Geist und der spricht primär durch andere Bibeltexte zu uns.

[35:12] Wenn ich also in 4. Mose oder 5. Mose nicht weiterkomme, dann habe ich noch mehr als 60 andere biblische Bücher, wo derselbe Heilige Geist grundsätzlich zu den selben Themen Stellung nimmt. Und indem ich all diese verschiedenen Aussagen vergleiche, systematisch anordne und Jesus im Zentrum habe, werde ich in die Lage versetzt, durch Gottes Geist gelehrt zu werden. Gottes Geist kennt die Bibel besser als menschliche Ausleger. Gottes Geist kennt die Bibel besser als Menschen, die die Ursprachen beherrschen, also die Grundtextsprachen. Gottes Geist kennt die Bibel besser als jemand, der alle Verse auswendig gelernt hat. Und deswegen ist der beste Ausleger, der jedem von uns zur Verfügung steht, Gottes Heiliger Geist.

[36:01] Dieses Vergleichen von verschiedenen Bibeltexten ist nicht nur hilfreich, es ist lebensnotwendig. In Matthäus Kapitel 4 sehen wir, wie Jesus mit diesem Prinzip die zweite Attacke des Satans abgewehrt hat, während seiner Versuchung. In Vers 6 heißt es von dem Teufel, dass er, nachdem er Jesus auf die Zinne des Tempels genommen hat, zu ihm gesprochen hat: „Wenn du Gottes Sohn bist, so stürze dich hinab; denn es steht geschrieben: Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben, und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht etwa an einen Stein stößt.“ Der Satan selbst zitiert die Bibel. Und jetzt könnte man sich die Frage stellen: Hat er es jetzt richtig ausgelegt oder falsch ausgelegt? Und die Antwort ist sehr simpel. Jesus geht einfach zu einem anderen Bibelfers, der deutlich macht, dass die Auslegung des Satans falsch sein muss. Vers 7: „Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht geschrieben: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.“ Deine Auslegung, Satan, muss falsch sein, denn es gibt einen anderen Text, der deiner Auslegung widerspricht. Das Vergleichen von Textstellen verhindert eine extreme Auslegung und auch eine falsche Auslegung von Bibelfersen.

[37:10] In Jesaja Kapitel 8, Vers 20, den haben wir schon öfter hier angeschaut, heißt es berühmterweise: „Zum Gesetz und zum Zeugnis! Wenn sie nicht so sprechen, gibt es für sie kein Morgenrot.“ Heißt im Umkehrschluss: Alles wahre neue Licht, alle wahren Prophezeiungen und wahren inspirierten Schriften basieren immer auf den Älteren. Sie basieren auf dem Gesetz und dem Zeugnis, sie basieren alle auf Mose. Deswegen fing ja auch Jesus bei Mose an. Jedes neue Licht kann nur verstanden werden, wenn es mit dem Alten kombiniert wird, auf dem Fundament des Alten aufgebaut wird. Und deswegen sollten wir immer wieder auch die Grundwahrheiten der Bibel felsenfest uns vor Augen führen, am besten anderen erklären, weil nur dann wir in die Lage versetzt werden, auch kompliziertere und vielleicht auch neues Licht, komplizierte Wahrheiten zu verstehen.

[38:09] Nun, noch ein ganz wichtiger Punkt beim Bibelstudium: Manchmal wird Bibelauslegung so zu einer Geheimwissenschaft, wo man den Eindruck hat, da gibt es ein paar Leute, die sind so richtig tief da drin und die haben so Geheimtricks, wie sie da aus der einfachen Geschichte unfassbare Dinge rausfinden, so außergewöhnliche Typologie und ich weiß nicht was. Und dann gibt es viele Geschwister vielleicht, die völlig verwirrt sind und sagen: „Das kann ich gar nicht, das schaffe ich gar nicht.“ Ihr Lieben, lasst euch nicht irre machen. Die Bibel war nie dazu gegeben worden, damit Menschen irgendwie mit ihrem Bibelwissen angeben können. Sie war auch nie dazu geschrieben worden, dass Gläubige irgendwie Angst bekommen, dass sie die Techniken der Bibelauslegung nicht verstehen. Nein, nein, nein. Die Bibel hat einen äußerst praktischen, pragmatischen Daseinsgrund. Römer 15, Vers 4: „Denn alles, was zuvor geschrieben worden ist, wurde zu unserer Belehrung zuvor geschrieben, damit wir durch das Ausharren und den Trost der Schriften Hoffnung fassen.“ Also, warum gibt es die Bibel? Weil sie uns im praktischen Leben helfen soll.

[39:16] Bibelauslegung, die nicht praktisch ist und nicht für den Alltagsglauben etwas hilft, ist ziemlich unnütz. Solche eine Auslegung verkennt die Intention der Bibel. Gott ist sehr viel praktischer und pragmatischer und mehr eben auf den Alltag fokussiert, als wir das glauben. Die Bibel ist geschrieben worden für Bauern, für einfache Menschen, für Menschen, die keine hohen Bildungsabschlüsse vielleicht haben, aber die Gott kennen und aufgrund ihrer Verbindung zu Gott tiefste Wahrheiten verstehen können. Tief, weil sie nicht besonders kompliziert sind, sondern weil sie das Leben nachhaltig verändern, weil sie direkt vom Thron Gottes kommen und unser Herz verändern. Durch Gottes Gnade und durch das Blut, das Jesus am Kreuz vergossen hat für uns.

[39:57] Ganz ähnlich drückt sich Johannes aus. In Johannes 20, da sagt er uns, dass er noch viele Bände hätte schreiben können. Vom Johannes-Evangelium hätte es noch zwei, drei, vier, fünf, 380 geben können. Er sagt, die Welt könnte die Bücher nicht fassen. In Johannes 20, Vers 30 heißt es: „Noch viele andere Zeichen tat Jesus nun vor seinen Jüngern, die in diesem Buch nicht geschrieben sind. Diese aber sind geschrieben.“ Warum? Warum hat Johannes diese ausgebildet? Warum sind diese Wunder dem Johannes-Evangelium jetzt da hingeschrieben worden? „Diese sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus, der Sohn Gottes ist, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.“ Das Johannes-Evangelium existiert, damit wir Jesus kennenlernen und dann ihm glauben und ewiges Leben bekommen. Die Bibel hat ein sehr praktisches Ziel und deswegen basiert alle wahre Auslegung darauf, dass wir unseren Erlöser Jesus Christus kennenlernen und dass wir den Weg zum ewigen Leben gewiesen bekommen. Alle wahre Auslegung wird dahin führen.

[41:18] Jesus ist nicht nur die Mitte der Schrift. Manchmal sagt man, hört man das: „Ja, Jesus ist die Mitte der Schrift.“ Er wird dann so ein bisschen impliziert, dass es da Sachen gibt, die sind schwer zu verstehen, die muss man vielleicht nicht wirklich lesen. Das sind vielleicht auch manche Sachen nicht ganz wahr. Manche Sachen sind vielleicht ein bisschen nicht so inspiriert. Aber wir halten uns dann mehr so an die inspirierten Sachen, so an das, was so ganz offensichtlich, wo Jesus dann irgendwie steht. Er ist die Mitte der Schrift. Nein, nein, nein, nein. Jesus ist nicht nur die Mitte der Schrift, er ist Alpha und Omega. Er ist Anfang und Ende. Im ersten Satz der Bibel, da heißt es: „Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.“ Und wir wissen aus Hebräer 1, Vers 10, das war Jesus. In Offenbarung 22, Vers 20 und 21 bis ganz an den Schluss haben wir Jesus. Er beendet auch dieses Buch. Da heißt es in Vers 20: „Er spricht: Ja, ich komme bald. Amen. Ja, komm, Herr Jesus!“ Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen. Amen. Vom ersten bis zum letzten Bibelfers ist Jesus das Zentrum der ganzen Bibel. Jede Bibelauslegung, die nicht dazu führt, dass Jesus mein Freund, mein Erlöser, mein Hoher Priester für mich persönlich wird, geht am Ziel vorbei.

[42:31] Nun, die Jünger haben nicht immer alles verstanden, wie wir gesehen haben. In Lukas 24 haben wir gesehen, dass die Emmausjünger die Prophezeiung nicht so richtig kannten. Und das lag daran, und das kann man auch nachlesen oder sich fragen, wenn man das liest, dann auch später, als Jesus den Jüngern erscheint und sie ihn sogar sehen und immer noch nicht wirklich verstehen, was er, dass er wirklich auferstanden ist und wie das mit der Bibel zusammenhängt, dann muss man sich fragen: Woran lag das? Und man stellt fest, es waren populäre Missverständnisse, es waren Gedanken, die im ganzen Volk verbreitet waren. Es war im Fall der Jünger dieser besondere Hass auf die Römer, die Vorstellung, dass der Messias gegen die Regierung kämpft, gegen die steuereintreibenden Militärdiktatoren aus Rom. Dieses nachvollziehbare, aber sehr menschliche Gedankenkonstrukt hat ihre gesamte Bibelauslegung gefärbt und dazu geführt, dass sie, als Jesus sie am meisten brauchte, sich verstanden haben, was er getan hat.

[43:36] Haben wir auch Missverständnisse heute in unserem Kopf, in unseren Reihen, die wir für ganz selbstverständlich halten, die sich aber eigentlich nicht direkt aus der Bibel ableiten und die dann, wenn wir sie immer so in unserem Herzen tragen, vielleicht auch die Auslegung der Bibel in unserem eigenen Fall eintrüben?

[43:59] Nun, wir müssen keine Panik haben, weil die Wahrheit ist, niemand kommt ohne Missverständnisse zur Bibel. Denn das ist ja der ganze Punkt: Wir kommen nicht als sündlose Menschen zur Bibel, sondern wir kommen als Sünder, wir kommen als Menschen mit Zweifeln, wir kommen als Menschen beladen mit Lasten, mit Sorgen, mit falschen Ideen. Die Jünger, die Jesus hatte, waren alle voller falscher Ideen. Jesus hat sie nicht dafür getadelt, er hat ihnen gesagt: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid.“ Egal, wie viele falsche Ideen wir in unserem Kopf haben, wir können zu Jesus kommen, zur Bibel, wie wir sind. Wir sollten uns einfach nur bewusst machen, dass wir nach und nach vieles aufgeben müssen und dass die Bibel uns korrigieren darf. Dass wir nicht anfangen, die Bibel in unser Bild zu verändern, weil wir so Ideen haben, sondern dass wir bereit sind, mit allen Ideen, die wir jetzt haben, die wir jetzt vielleicht noch nicht ablegen können, aber dass wir mit diesen Ideen zur Bibel kommen und am Licht der Bibel prüfen und Gott uns nach und nach alle falschen Ideen wegnehmen kann, so wie das Jesus auch mit den Jüngern machte.

[45:00] Er hat uns sehr versprochen in Johannes 16 und dort Vers 13: „Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, so wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht auf sich selbst reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen.“ Der Heilige Geist, der wahre Ausleger der Bibel, der kann uns Schritt für Schritt führen.

[45:23] Was brauchen wir also? Wir brauchen eine Bereitschaft, die Wahrheit besser kennenzulernen. Paulus spricht in 2. Thessalonicher 2, Vers 10 von der „Liebe zur Wahrheit, durch die man gerettet werden kann.“ Wir müssen nicht alle Wahrheit immer sofort gleich kennen, wir brauchen eine Liebe zur Wahrheit. Und eine Liebe zur Wahrheit ist etwas anderes, als viel Wahrheit zu wissen. Es gibt durchaus Menschen, die wissen sogar extrem viel Wahrheit, haben aber keine Liebe zur Wahrheit. Menschen, die sehr viel übernommen haben an richtigen, korrekten, theologischen Ideen, die aber kein Verlangen haben nach neuer Wahrheit, die möglicherweise ihre Herzen durchforschen würde. Entscheidend ist nicht, ob du Wahrheit kennst, entscheidend ist, ob du Wahrheit liebst, denn wenn du Wahrheit liebst, willst du mehr davon und du bist bereit, auch liebgewonnene alte Ideen aufzugeben, wenn du merkst, dass sie gar nicht wahr sind, obwohl du es bisher gedacht hast. Was wir brauchen, sind nicht Checklisten mit Wahrheiten, die ich alle schon verstanden habe, sondern eine Liebe zur Wahrheit. Und dann ist es eher weniger wichtig, ob ich schon wenig Wahrheit oder viel Wahrheit habe. Jemand, der Liebe zur Wahrheit hat, wird immer mehr Wahrheit wollen und auch bekommen, denn Gott ist die Wahrheit und er wird uns immer mehr Wahrheit geben wollen.

[46:46] Die Frage, die wir uns also stellen müssen, du und ich, ist nicht nur: Was weiß ich schon? Bin ich in der Wahrheit? Sondern: Habe ich Liebe zur Wahrheit? Will ich wirklich wissen, was die Wahrheit ist, koste, was es wolle.

[46:56] Ein Thema, das bei der Bibelauslegung immer eine Rolle spielt, ist das Thema der Sprachen. Viele Geschwister sind verunsichert oder zumindest etwas eingeschüchtert, weil sie immer wieder hören: „Im Griechischen steht hier, im Hebräischen ist es eigentlich so.“ Und dann hat man den Eindruck, wenn man kein Hebräisch und kein Griechisch kann, dann ist man irgendwie so ein bisschen gläubiger zweiter Klasse, oder? Ganz ehrlich, ging es dir auch schon so, dass du gedacht hast: „Naja, ich kann es gar nicht nachprüfen. Ich würde ja auch so gerne so sensationelle Dinge rausfinden. Ich kann halt kein Hebräisch, vielleicht nicht mal Englisch kann ich mal einschlägige Internet-Hilfsmittel benutzen. Ich habe nur meine deutsche Bibel und dann habe ich den Eindruck, als ob ich immer so ein bisschen da so auf Distanz bin.“

[47:41] Nun, lieber Bruder, liebe Schwester, sei guten Mutes, lass dich nicht irritieren. In aller Regel wird auch in unserer Gemeinde die Bedeutung des Grundtextes für die Auslegung total überschätzt. Und das sage ich mit vollem Bewusstsein, auch wenn jetzt vielleicht der ein oder andere ein bisschen wütend wird. Gott ist super pragmatisch. Gott hat kein Interesse, dass seine Gläubigen einfach zu großen Linguisten werden. Das wird ganz deutlich, wenn man sich die Sprachen anschaut. Hebräisch ist eigentlich eine relativ einfache Sprache. Er hätte auch Akkadisch schreiben können in Keilschrift, das wäre sehr viel komplexer gewesen. Er hat dann, als Aramäisch sehr beliebt war, manche Teile im Alten Testament in Aramäisch verfassen lassen, damit es mehr Leute erreicht. Und das griechische Neutestament ist nicht verfasst in der gelehrten Sprache des klassischen Attisch, sondern im Koine-Griechisch. Das ist so quasi die Umgangssprache. Mit anderen Worten, Gott hat schon in den Grundtextsprachen deutlich gemacht: Er will verstanden werden. Er ist nicht interessiert an einem kleinen Zirkel von Leuten, die so Worte sezieren. Dann hätte er klassisch Attisch schreiben lassen, also die Sprache von Homer und Thukydides. Da hätten Leute dann wirklich genau verstehen müssen, welches Wort hier, warum, wie verwendet ist. Nein, nein, nein, Gott, das ist gar nicht sein Anliegen.

[49:57] Das Studium der Grundsprachen wird meistens von Laien total überschätzt. Klar, Experten sind gut. Es ist hilfreich und wichtig, dass wir ein paar Leute in der Gemeinde haben, die richtig Hebräisch können. Mit richtig Hebräisch meine ich nicht zwei Jahre im Studium. Ich meine, die wirklich Hebräisch richtig studiert haben, die dann auch andere semitische Sprachen können, die dann auch Akkadisch und Ugaritisch und Aramäisch und vielleicht auch einige andere westsemitische Sprachen können, vergleichen können, die dann wirklich echte, echte Linguisten sind. Weil die uns dann meistens wieder auf den Boden der Tatsachen holen und sagen, dass so manches spektakuläre Ding, was wir vermutlich meinen, in der Sprache zu sehen, eigentlich totaler Unsinn ist. Wenn Gott gewollt hätte, dass wir die Sprachen analysieren, dann hätte er gewollt, dass wir die menschliche Ausdrucksweise studieren. Aber die Sprache ist ja eben von Johannes und von Petrus. Die Gedanken sind vom Heiligen Geist und der Gedankengang, der offenbart sich nicht dadurch, dass ich die grammatischen Feinheiten eines Wortes studiere. In der Regel offenbart sich der Gedankengang, indem ich Vers mit Vers vergleiche und sehe, in welche Richtung Paulus argumentiert, was so sein größter Gedankengang ist.

[50:18] Jesus und seine Jünger hatten die Septuaginta, das war eine griechische Übersetzung, die war weit davon entfernt, perfekt zu sein. Und übrigens, viele Irrlehren basieren darauf, dass man irgendwie suggeriert, dass im Grundtext was steht, was anders ist, als man bisher geglaubt hat. Und das kann man nicht nachprüfen und Laien sind zu schnell dabei, das einfach ungeprüft zu glauben.

[50:40] Und jetzt kommt es: Kein Scherz, manchmal ist das Deutsche sogar genauer als das Hebräische. Denn auch Hebräisch ist nicht die wunderwirkende Geheimsprache, mit der man jetzt irgendwie Sachen ausdrücken kann, die sonst gar nicht ausgedrückt werden können. Ja, es stimmt, im Hebräischen kann man Sachen ausdrücken, die man nicht im Deutschen ausdrücken kann. Übrigens im Griechischen sogar noch mehr. Das Griechische ist oft etwas feiner als das Deutsche. Aber das gilt auch umgekehrt. Es gibt Sachen, die man im Hebräischen nicht ausdrücken kann, die im Deutschen möglich sind.

[51:09] Ich gebe mal ein Beispiel. In 1. Mose 1, da heißt es, in 1. Mose 1, Vers 16, da heißt es: „Und Gott machte die zwei großen Lichter, das große Licht zur Beherrschung des Tages und das kleinere Licht zur Beherrschung der Nacht, dazu die Sterne.“ Also der Text ist sehr deutlich. Gott macht zwei große Lichter, eins ist größer, eins ist kleiner. Das ist die Idee. Aber das Hebräische kann gar nichts sagen: „größer“ und „kleiner“. Die Wortform Komparativ, also größer als, kleiner als, gibt es gar nicht. Der Hebräer kann nur sagen: Gott macht zwei große Lichter, das große und das kleine. Und damit wird deutlich, das ist eine Hilfskonstruktion. Er versucht irgendwie darzustellen, dass beide groß sind, aber eins ein bisschen kleiner ist. Beide groß, eins größer, eins kleiner. Aber er kann nur sagen, wörtlich müsste man übersetzen: „Gott machte die zwei großen Lichter, das große und das kleine.“ Das Deutsche ist hier tatsächlich sprachlich genauer als das Hebräische, weil es nämlich sagen kann: „Gott machte zwei große Lichter, das größere und das kleine.“ Die Schlachter ist ein bisschen unentschieden, die sagt: „das große Licht und das kleinere“, ein bisschen inkonsequent. Aber egal wie der Gedanke, egal wie man jetzt das, ob man es wörtlich übersetzt oder wie die Schlachter oder eigentlich wie es dann „größere, kleinere“ sein sollte, der Gedanke wird immer deutlich. Und das sind so die Feinheiten, die es in der Regel gibt zwischen deutscher und hebräischer Sprache. In aller Regel hat das für die Bedeutung des Gedankenganges so gut wie nie eine weitreichende Bedeutung.

[52:48] Also ich möchte euch wirklich Mut machen. Ich habe jetzt vielen Jahren Hebräisch gelernt und es macht mir großen Spaß, das zu lesen. Aber für das Verstehen der Bibel muss ich sagen, mit der deutschen Bibel kommt man mehr als genug, sehr gut voran. Macht euch keine Gedanken, studiert die Bibel auf Deutsch richtig gut, vergleicht Vers für Vers. Es gibt sehr, sehr wenig, sehr marginale kleine Punkte, wo man mal im Hebräischen was entdeckt, was im Deutschen nicht so rüberkommt. Und das ist so oft so unentscheidend für das Evangelium. Das wird völlig überschätzt.

[53:23] Wie ist es mit der Kultur? Wir wissen, dass es in der Bibel eine ganze Reihe von kulturellen Gegebenheiten gibt. Wir wissen zum Beispiel in Ruth als Beispiel, in Ruth 4, Vers 7, da wird sogar erklärt, dass es eine bestimmte Formulierung auf eine Tradition zurückgeht, auf eine kulturelle Gepflogenheit. In Ruth 4, Vers 7 heißt es: „Es war aber von Alters her Sitte in Israel, bei der Lösung und beim Tausch, die ganze Sache so gültig zu machen: Der eine zog seinen Schuh aus und gab ihm den anderen.“ Das war die Bestätigung in Israel. Also, wenn ich jetzt lese, dass einer den Schuh auszieht und dem anderen gibt, dann verstehe ich das vielleicht erst nicht, aber mit diesem Blick auf die Kultur verstehe ich das und kann das jetzt in meine Kultur übersetzen und sehen, was wäre das jetzt in meiner Kultur, wenn jetzt da eine Bestätigung in einem Vertrag gemacht werden soll. Oder ähnlich ist das mit dem Teilen von Tieren, wo dann die Vertragspartner durchgehen. Auch das macht man heute nicht, aber das hat man damals gemacht. Und wenn Gott also durch die Tiere dahin durchgeht, in 1. Mose 15, dann heißt es, er schließt einen Vertrag. Man würde also heute das vielleicht darstellen, indem Gott einen Vertrag unterschreibt, zum Beispiel ein Siegel irgendwo drauf drückt. Also das sind sehr wichtige Dinge. Wir wissen, dass Gott in die Kultur hinein spricht. Dem Nebukadnezar gibt er einen Traum über ein Standbild. Warum? Weil der Nebukadnezar in seinem Palast und seinen Tempeln von Standbildern umgeben war. Und deswegen ist es hilfreich und sinnvoll, wo es möglich ist, sich auch mit der Kultur der Bibel zu beschäftigen, ein bisschen zu verstehen, woher die Bilder und die Ausdrucksweisen kommen.

[54:58] Aber Gott weiß ja, dass er in der Bibel nicht nur zu den Menschen redet, die damals gelebt haben, sondern auch zu uns. In 1. Korinther 10, Vers 11 wird das sehr deutlich. 1. Korinther 10, Vers 11: „Es gibt also keinen Grund zu sagen: Das brauchen wir nicht mehr lesen, das brauchen wir nicht mehr studieren, weil das war ja alles früher oder die Kultur war ganz anders.“ „Alle Dinge, die aufgeschrieben worden sind“, heißt es hier in 1. Korinther 10, Vers 11, „sind für uns aufgeschrieben. Alle diese Dinge aber, die jenen widerfuhren, sind Vorbilder und sie wurden zur Warnung für uns aufgeschrieben, auf die das Ende der Weltzeiten gekommen ist.“ Alles, auch das, was kulturell besonders formuliert ist, ist aufgeschrieben für uns. Wir sollen es also verstehen, auch wenn wir vielleicht nicht immer dieselben kulturellen Bräuche haben, ist es wichtig für uns.

[55:54] Wie kann ich also verstehen, was die Botschaft für mich ist? Nämlich Vers mit Vers, Kapitel mit Kapitel, Buch mit Buch. Vergleiche, stelle ich fest, dass bestimmte kulturelle Dinge sich vielleicht auch geändert haben im Laufe der Zeit in Israel, aber dass die zugrunde liegenden Botschaften und Prinzipien immer dieselben gewesen sind und darauf kommt es an.

[56:18] Matthäus 22, Vers 29. Was ist das größte Problem bei der Auslegung der Bibel? Matthäus 22, Vers 29: „Aber Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Ihr irrt, weil ihr weder die Schriften noch die Kraft Gottes kennt.“ Die Kraft Gottes, sagt Römer 1, Vers 16, ist das Evangelium. Wenn wir das Evangelium nicht kennen, wenn wir nicht erlebt haben aus eigener Erfahrung, wie die Gotteskraft uns verändert, uns ein neues Herz schenkt, uns Freude schenkt, Frieden schenkt, dann werden wir die Bibel auch nicht wirklich begreifen. Die wichtigste Voraussetzung für eine richtige Bibelauslegung ist echte Bekehrung. Und gerade deswegen brauchen Menschen am Anfang ihres Glaubensweges Hilfe, weil sie gerade erst dabei sind, sich zu bekehren und ihr Leben Gott ganz zu übergeben. Deswegen brauchen sie Menschen, die ihnen erst einmal zeigen, was die Wahrheit ist, bevor sie dann selbst mit einem erneuten Herzen überhaupt richtig verstehen können, wie Gott zu ihnen redet und das selbst dann beurteilen können.

[57:09] Der Maßstab der Bibelauslegung haben wir gesehen, ist das Gesetz, hin zur Weisung, hin zur Offenbarung. Und dieses Gesetz soll im neuen Bund in unserem Herzen sein. Das haben wir ja schon gesehen, dass Gott mit jedem Einzelnen von uns eine persönliche Beziehung haben möchte. In Hebräer 8, Vers 10 heißt es: „Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel schließen werde nach jenen Tagen, spricht der Herr: Ich will ihnen meine Gesetze in den Sinn geben und sie in ihre Herzen schreiben, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.“ Das Wort, das Gesetz Gottes, das der Maßstab ist für alle Bibelauslegung, soll in unserem Herzen sein und das kann nur der Heilige Geist tun.

[57:49] 2. Korinther 3, Vers 3 bedeutet, dass wir ein Brief sind, geschrieben vom Heiligen Geist, nicht auf steinernen Tafeln, sondern auf fleischernen Tafeln des Herzens. Und deswegen macht Paulus später im Kapitel den Punkt: Verstehen wir das Alte Testament? Er sagt, die Juden, die das nicht haben, die Christus nicht angenommen haben, bei denen ist eine Decke vor dem Kopf. Deren Auslegung ist sozusagen blockiert. Die Blockade wird weggenommen, nicht durch mehr Studium, nicht durch eine bessere sprachliche Ausbildung, nicht durch ein Geschichtsstudium der kulturellen Hintergründe, sondern durch Bekehrung. Christus im Herzen nimmt die Blockade weg und plötzlich kann man die Bibel viel besser verstehen.

[58:28] Auslegung ist entscheidend. Wir haben im letzten Jahr, Ende des Jahres, uns ja lang und breit mit Nehemia und Esra beschäftigt. In Nehemia 8 finden wir im Zuge dieser großen Erweckung und Reformation, die Nehemia dort anlässlich des Aufbaus der Mauer durchführt, die Tatsache, dass das ganze Volk zusammenkommt. In Nehemia 8, ab Vers 1 heißt es: „Und als der siebte Monat nahte und die Kinder Israels in ihren Städten waren, da versammelte sich das ganze Volk wie ein Mann auf dem Platz vor dem Wassertor, und sie sprachen zu Esra, dem Schriftgelehrten, dass er das Buch des Gesetzes Mose holen sollte, das der Herr Israel geboten hatte. Und Esra, der Priester, brachte das Gesetz vor die Gemeinde, vor die Männer und Frauen und alle, die Verständnis hatten, um zuzuhören. Am ersten Tag des siebten Monats, und er las darauf vor auf dem Platz, der vor dem Wassertor ist, vom hellen Morgen bis zum Mittag vor den Männern und Frauen und allen, die es verstehen konnten, und die Ohren des ganzen Volkes waren auf das Buch des Gesetzes gerichtet.“ Dann kommt Vers 8: „Und sie lasen aus dem Buch des Gesetzes Gottes deutlich vor und erklärten den Sinn, sodass man das Gelesene verstand.“ Gott wünscht sich Menschen, die den Sinn des Wortes Gottes klar und deutlich erklären können, dass viele im Volk Gottes, wenn möglich alle, durch Erweckung und Reformationen aufgerüttelt werden und es zu einer echten Neuformierung im Worte Gottes kommt.

[1:00:02] Gottes Gemeinde braucht Erweckung und Reformationen, sie braucht eine klare, christozentrische, biblisch fundierte, geistgeführte Auslegung und darum müssen wir uns alle in unserem persönlichen Leben und in der Gemeinde bemühen.

[1:00:13] Eure Lehrer verdrehen immer wieder besonders Aussagen. Der liebe Petrus sagt uns, dass sie das besonders gerne mit den schwierigen Texten machen. Also fast alle Irrlehrer, die ich kenne, die basieren auf irgendwelchen schwer zu verstehenden Texten, die dann getwistet werden. In 2. Petrus 3, Verse 15 bis 17 heißt es: „Und seht die Langmut unseres Herrn als eure Rettung an, wie auch unser geliebter Bruder Paulus euch geschrieben hat, nach der ihm gegebenen Weisheit, sowie auch in allen Briefen, wo er von diesen Dingen spricht. In ihnen ist manche schwer zu verstehen, und ja, es gibt manche Dinge, die werden wir auf dieser Erde nie verstehen, weil es Gottes Wort ist, weil es größer ist als unsere Gedanken es erfassen können. Aber diese schweren Dinge werden von den Unwissenden und Ungefestigten verdreht, wie auch die übrigen Schriften, zu ihrem eigenen Verderben. Ihr aber, Geliebte, da ihr dies im Voraus wisst, so hütet euch, dass ihr nicht durch die Verführung der Frevler mit fortgerissen werdet und euren eigenen festen Stand verliert.“

[1:01:11] Liebe Geschwister, liebe Freunde, liebe Bibelstudenten, bitte wisst im Voraus, dass Lehrer anhand von schwierigen Bibeltexten versuchen werden, euch aus der Gemeinde zu ziehen. Was ist der Schutz? Der Schutz ist, Christus kennen, Jesu Freund sein, ein Gebetsleben führen, das von Erfahrung geprägt ist und die Bibel so auszulegen, wie Jesus sie ausgelegt hat. Wer das tut, wer Jesus auch in der Bibelauslegungsmethode folgt, der wird sicher sein, der wird erleben, dass Gott ihn führt und ihm zeigt, was Wahrheit und Irrtum ist.

[1:01:42] Aber die wichtigste Auslegung, die es heute braucht, ist nicht einmal die Auslegung, nur die wir uns, die wir erhalten in unserem eigenen persönlichen Bibelstudium, sondern die wir weitergeben. Matthäus 24, Vers 14, der letzte Vers für heute, dort heißt es: „Und dieses Evangelium vom Reich wird in der ganzen Welt verkündigt werden zum Zeugnis für alle Heidenvölker, und dann wird das Ende kommen.“ Gott sucht dringend Menschen, die sich in seinen Dienst stellen, die anfangen, die Worte der Bibel anderen Menschen so klar wie möglich in der heutigen Sprache, auch vielleicht mit Bildern und Gleichnissen aus der heutigen Welt erklären, die anfangen, die biblischen Konzepte so zu leben und zu erklären, dass Menschen, die heute im 21. Jahrhundert leben, sie begreifen, verstehen, annehmen und Gott lieben.

[1:02:31] Möchtest du Jesus bitten, lieber Freund, liebe Freundin, dass er dein persönlicher Lehrer sein darf? Möchtest du anderen zeigen, wie sie Gottes Wort selbstständig verstehen können? Möchtest du sie anleiten in der Hermeneutik, in der Bibelauslegung? Möchtest du dich darum bemühen, dass du Gottes Wort besser verstehst, dass du eine Liebe zur Wahrheit hast und es auch anderen dann besser erklären kannst? Möchtest du nach Wegen und Möglichkeiten suchen, andere Menschen, die es noch nicht kennen, das Evangelium verständlich zu erklären? Gott segne deine Entscheidung.

[1:03:06] Nächste Woche sehen wir uns wieder hier und dann werden wir weiter uns über einige Prinzipien der Auslegung gemeinsam unterhalten. Es wird sehr spannend werden. Bis dahin wünsche ich Gottes reichen Segen und viel Freude im Studium seines Wortes. Amen.


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