[0:00] Hallo und herzlich willkommen zur Cannstatt Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Ein herzliches Willkommen gilt auch allen Zuschauern auf Amazing Discoveries zur siebten Folge unserer Serie „Wie legen wir die Bibel aus?“. Und in dem heutigen Thema, mit dem wir uns vorbereiten wollen auf das Bibelgespräch am 16. Mai, geht es um einige sehr praktische Dinge. Der Titel ist: Sprache, Text und Kontext. Und das klingt vielleicht etwas theoretisch. Wir wollen es allerdings sehr praktisch gestalten, uns dabei auch ein wenig mehr, als wir das sonst üblicherweise gewohnt sind, von der Struktur der wöchentlichen Lektion entfernen, die sehr gut ist und die wir zum Studium ausdrücklich empfehlen. Aber sozusagen als Ergänzung noch ein bisschen ein paar praktische Beispiele, die wir so im Alltag, im alltäglichen Studium auch direkt dann umsetzen können. Ein paar Prinzipien, auch das Verständnis für diese Phänomene von Sprache, Text und Kontext besser zu verstehen. Und all das wollen wir tun unter der Leitung des Heiligen Geistes und möchten ihn bitten, dass er uns jetzt in unseren Gedanken führt. Und dazu lade ich dich, liebe Freunde, zu einem Gebet ein.
[1:44] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir jetzt zu dir kommen können, dass wir dein Wort haben und dass wir dieses Wort verstehen können. Wir haben in den letzten Wochen immer wieder gesehen, dass du dein Buch, die Bibel, uns gegeben hast, nicht damit wir uns den Kopf zerbrechen darüber, sondern dass wir klare Weisungen von dir bekommen. Und auch wenn manche schwer zu verstehen ist, ist doch alles, was wir brauchen, eigentlich sonnenklar, wenn wir nur ein Herz haben, wirklich dich verstehen zu wollen. Wir möchten dich bitten, dass du uns auch in diesem Studium jetzt segnest, dass du uns Freude schenkst, dein Wort zu studieren. Das ist nicht nur eine Pflicht, sondern ein echtes Erlebnis, dir zu begegnen und von dir zu lernen und zu merken, wie dein Heiliger Geist zu uns spricht und in uns wirkt. Herr, wir möchten dich jetzt einladen, dass du unser Lehrer bist, dass du uns zeigst, wie du zu uns sprichst, damit wir auch im Alltag jeden Tag aufs Neue diese Erfahrung machen können, dass dein Wort buchstäblich unser Leben ist, weil du dich darin offenbarst. Das bitten wir im Namen unseres Hohen Priesters, der jetzt für uns eintritt und der das Wort Gottes selbst ist, Jesus Christus. Amen.
[2:57] Johannes Kapitel 1 und dort Vers 1 ist ein entscheidender Vers und ein Ausgangspunkt für unser Studium heute. In Johannes 1 Vers 1 heißt es: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ Wir haben schon über diese Idee nachgedacht, dass Worte eigentlich ausgesprochene Gedanken sind. Wenn wir hier also sehen, dass das Wort ein Name für Gott ist, um präzise zu sein, für die zweite Person der Gottheit, die wir auch Jesus nennen oder den Sohn Gottes. Wenn der Begriff Wort ein Titel für ihn ist, dann können wir ohne große Übertreibung sagen: Gott selbst ist Kommunikation. Er möchte sich mitteilen, und das ist eine ganz entscheidende Einsicht, ein ganz entscheidendes Verständnis, wenn es um die Bibel geht. Es ist nicht so, dass Gott etwas hinterlassen hat, was wir suchen müssen allein, sondern vielmehr redet er zu uns. Er hat eine Intention, er hat eine Botschaft, er will uns erreichen. Gott ist das Wort.
[4:20] Nun, der Begriff Wort kommt natürlich in der Bibel häufiger vor, und Johannes hat sich etwas dabei gedacht, als er gesagt hat: „Im Anfang war das Wort.“ Wir finden zum Beispiel in 5. Mose Kapitel 4 und dort Vers 13 eine interessante Aussage, wo ebenfalls der Begriff Wort verwendet wird. Dort heißt es in 5. Mose 4 Vers 13: „Und er verkündigte euch seinen Bund, den er euch zu halten gebot, nämlich die zehn Worte, und er schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln.“ Nun, jeder von uns weiß, die zehn Gebote haben mehr als zehn Worte, wie wir heute das Wort definieren würden. In der Tat sind es eine ganze Reihe Worte, die dort beschrieben werden, und doch kennen wir diese Gebote als die zehn Gebote, denn die verschiedenen Worte, die verwendet werden, die Gott selbst mit seinem eigenen Finger hat aufschreiben lassen, diese Worte drücken zehn ganz bestimmte Ideen aus, zehn Prinzipien, die ausgedrückt werden in den zehn Geboten. Das heißt, mit anderen Worten, die Idee des Wortes hier, wenn es zehn Worte sind, dann können wir das eigentlich auch übersetzen oder verstehen als zehn Gedanken, zehn Prinzipien. Um diese zehn Gedanken auszudrücken, hat Gott mehr als zehn buchstäbliche Worte verwendet. Das heißt, da gibt es Gedanken und da gibt es die buchstäblichen Worte, die wir hier in der Bibel finden. Diese Unterscheidung sollten wir schon mal ein bisschen im Kopf haben.
[6:12] Nun, wenn wir darüber sprechen, dass Gott spricht und dass er seine Gedanken uns mitteilt, dann muss uns bewusst sein, dass Gottes Gedanken höher sind als alles, was wir begreifen können. Wir hatten in der letzten Woche hier einen Bibeltext, der deutlich gemacht hat, dass Gottes Gedanken höher sind als der – also so hoch wie der Himmel über der Erde ist, so hoch sind seine Gedanken über unseren Gedanken. In Hiob 11, Vers 7 steht etwas ganz Ähnliches, nämlich dort heißt es in Hiob 11, Vers 7: „Kannst du die Tiefe Gottes ergründen oder zur Vollkommenheit des Allmächtigen gelangen?“ Egal, wie gründlich wir die Worte der Bibel studieren, die Gedanken, die dahinter sind, sind unermesslich. Egal, wie viel Zeit wir aufwenden, wie präzise wir studieren, wie gründlich wir die Verse aneinanderreihen, es bleibt immer ein Ozean von unerkannten Dingen übrig. Gottes Gedanken sind unergründlich. Wir können vielleicht noch mal den Vers heute hier noch mal kurz erwähnen, den ich gerade schon angeführt habe in Jesaja 55 und dort Vers 8 und 9 heißt es: „Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr, sondern so hoch der Himmel über der Erde ist, so viel höher sind meine Wege als eure und meine Gedanken als eure Gedanken.“ Niemand von uns kommt so ohne Weiteres in den Himmel. Der ist für uns Menschen, die wir zumindest mit zwei Füßen auf dem Boden stehen, unerreichbar. Das war quasi das Bild, das sich dem Jesaja geboten hat. So unerreichbar sind letztlich die Gedanken Gottes in ihrer absoluten Fülle. Niemand von uns kann durch präzise Bibelstudientechniken alles wissen, was Gott jemals gedacht hat oder was er sich gedacht hat, als er diese Worte hat aufschreiben lassen. Und trotzdem müssen wir nicht verzweifeln, denn die Tatsache, dass Gott eben spricht und nicht nur denkt, die Tatsache, dass er seine unergründlichen, unfassbaren Gedanken doch in menschliche Worte kleidet, wissend, dass wir nicht alles begreifen können, was Gott versteht, ist doch ein deutlicher Hinweis darauf, dass er meint, dass wir in der Lage sind, das Entscheidende, das für uns Wichtige begreifen zu können.
[8:42] Damit die Kommunikation von Gott zu uns funktioniert, müssen Dinge gegeben sein. 1. Korinther 14 spricht über gute Kommunikation in Vers 8 und 9: „Ebenso auch, wenn die Posaune einen undeutlichen Ton gibt, wer wird sich zum Kampf rüsten? So auch ihr, wenn ihr durch die Sprache nicht eine verständliche Rede gebt, wie kann man verstehen, was geredet wird? Denn ihr werdet in den Wind treten.“ Hier geht es im Kontext zwar um das Begabtsein mit Fremdsprachen, die übersetzt werden müssen, da haben wir letzte Woche ja schon einiges dazu gesagt im Kontext dieser Idee von Auslegung, von Übersetzung. Was der Paulus hier deutlich macht, ist ein wesentliches Prinzip: Wenn jemand etwas von sich gibt, hat es nur dann eine Wirkung, wenn es verstanden wird. Und Gott weiß, der ja uns verändern möchte, er weiß, dass die Veränderung nur stattfinden kann, wenn wir seine Gedanken oder zumindest das, was wir verstehen können, auch wirklich verstehen. Gott muss also in der Bibel auf unser Niveau herabkommen, er muss in unserer Sprache reden, weil nur wenn wir ihn verstehen, kann sein Wort etwas in uns bewirken und wir werden danach handeln. Gott hat also ewige Prinzipien so formuliert, dass Menschen in dieser Welt sie verstehen können.
[10:18] Das vielleicht eindrucksvollste Beispiel sind die zehn Gebote, denn dort hat er selbst formuliert. In 2. Mose 20 und dort Vers 17 sehen wir als Beispiel, 2. Mose 20, Vers 17: „Du sollst nicht begehren das Haus deines Nächsten, du sollst nicht begehren die Frau deines Nächsten, noch seinen Knecht, noch seine Magd, noch seinen Rind, noch seinen Esel, noch irgendetwas, das dein Nächster hat.“ Dieses ganze Gebot ist in menschliche Sprache gefasst. Im Himmel gab es keinen Esel, kein Rind, zumindest wissen wir nichts davon. Es gab dort keine Knechte, es gab keine Mägde und auch keine Ehefrauen. Und trotzdem war das Prinzip, das sich hier deutlich zeigt, Gegenstand der Regierung Gottes schon seit Ewigkeiten und Luzifer hatte gegen dieses Prinzip verstoßen. Dieses Prinzip nun wird hier in menschliche Worte gekleidet. Und doch zeigt uns die Bibel an anderer Stelle in der Bergpredigt, wir haben sie letzte Woche ja schon uns angeschaut, dass hinter den zehn Geboten, hinter den Worten der zehn Gebote besser gesagt, Prinzipien stehen, die viel weiter gehen, als es nur die einzelnen Buchstaben uns vielleicht auf den ersten Blick suggerieren. Das Gebot „Du sollst nicht töten“ spricht auch von unseren Worten. Das Gebot „Du sollst nicht Ehe brechen“ spricht auch von unseren Gedanken. Es gilt also nicht nur die Buchstaben zu erfassen, das ist schon wichtig, es geht auch gar nicht darum, dass man Buchstaben gegeneinander aufspielt, ganz im Gegenteil, die Buchstaben sind ja genau das Mittel, mit denen weiterreichende Prinzipien vermittelt werden. Was deutlich werden soll, ist: Wenn Gott sagt „Du sollst nicht töten“, meint er genau das, was er sagt und noch eine ganze Menge mehr, was sich als Prinzip dahinter verbirgt.
[12:27] Und deswegen ist es mehr als angebracht, dass wir uns über die Aussprüche Gottes tiefe Gedanken machen. Das war der Grund, warum Psalm 1, Vers 2 und 3 sagt: „Sondern – also es geht um den Menschen, der nicht wandelt nach dem Rat der Gottlosen, noch tritt auf den Weg der Sünder, noch sitzt, wo die Spötter sitzen – Vers 2: Sondern seine Lust hat am Gesetz des Herrn und über sein Gesetz nachsinnt, Tag und Nacht. Der ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit und seine Blätter verwelken nicht, und alles, was er tut, gerät wohl.“ Wie kann es sein, dass ein Mensch so gesegnet wird, einfach nur, weil er wie ein Mantra immer wieder die Gesetze wiederholt? Nein, sondern jemand, der solch eine Freude an dem Wort Gottes hat, dass es ihm Freude macht, über die tiefen Prinzipien nachzudenken. Wenn er versucht, die Gedanken Gottes etwas nachzudenken, soweit das seinem Geist möglich ist, dann kann Gottes Geist in ihm wirken, dann funktioniert die Kommunikation, dann hören wir, was Gott uns sagen möchte und lesen nicht nur Buchstaben, dann kann Gottes Wort wirken.
[13:44] Man kann vielleicht das ganz praktisch sich mal veranschaulichen, indem man einen Gedanken nimmt, den die Bibel ganz klar formuliert und anschaut, wie unterschiedliche Personen aufgrund ihrer Umgebung, ihrer Umstände, ihrer zeitlichen Umstände diesen Gedanken in unterschiedliche Worte gefasst haben. Fangen wir mit dem vielleicht grundlegendsten Gedanken einmal als Beispiel an, den die Bibel uns überhaupt sagt. 1. Johannes 4, Vers 8 sagt: „Gott ist die Liebe.“ Dieser Gedanke kommt in der Bibel oft vor, obwohl er nur zweimal als „Gott ist die Liebe“ ausgedrückt wird, nämlich in 1. Johannes 4, Vers 8 und Vers 16. Aber wir finden überall in der Bibel denselben Gedanken, nur einige Beispiele, um zu sehen, wie mannigfaltig unterschiedlich derselbe Gedanke ausgedrückt werden kann. 5. Mose, Kapitel 7 und dort Vers 8: „Nicht deshalb, sondern weil der Herr euch liebte und weil er den Eid halten wollte, den er euren Vätern geschworen hatte, darum hat der Herr euch mit starker Hand herausgeführt und dich erlöst aus dem Haus der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten.“ Weil der Herr euch liebte, hat er euch gerettet. So sagt es Mose. Wie sagt es Jesaja? Jesaja sagt es in Jesaja 43 zum Beispiel, Vers 5, wo es heißt: „Fürchte dich nicht.“ Verzeihung, Vers 4, Vers 5, Vers 4: „Darum, weil du kostbar bist in meinen Augen und wertgeachtet und ich dich lieb habe, so gebe ich Menschen für dich hin und Völker für dein Leben.“ So Jesaja. Wie drückt es Jeremia aus? Jeremia 31, Vers 3: „Von ferne her ist mir der Herr erschienen, mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Gnade.“ Hosea Kapitel 11 und dort Vers 4, also ein anderes Beispiel. Dort heißt es: „Mit menschlichen Banden zog ich sie, mit Seilen der Liebe.“ Oder zum Beispiel Daniel, Daniel 9, da sagt es hier über Daniel, Vers 23: „So, als du anfingst zu beten, erging ein Wort, und ich bin gekommen, es dir zu verkünden, denn du bist ein viel Geliebter.“ Wieder ganz anders klingt das in Hohelied Kapitel 8, Vers 6. Dort steht nämlich, so schön formuliert: „Setze mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel an deinen Armen, denn die Liebe ist stark wie der Tod, und ihr Eifer unbezwinglich wie das Totenreich. Ihre Glut ist Feuerglut, eine Flamme des Herrn.“ Und dann gibt es natürlich Johannes in Johannes 3, Vers 16. Dort steht derselbe Gedanke so formuliert: „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass jeder, der in ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ Und ähnlich, aber doch wiederum anders formuliert denselben Gedanken Paulus im Römerbrief in Römer 5 und dort Vers 8, dort finden wir die Worte: „Gott aber beweist seine Liebe zu uns dadurch, dass Christus von uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ Jeder von diesen Autoren, und wir könnten vielleicht noch mehr finden, sagt denselben Gedanken von seiner Perspektive aus. Daniel erzählt das, was er selbst erlebt hat. Hosea beschreibt das Ganze auch letztlich so ein bisschen aus seiner eigenen Perspektive, die er mit seiner Ehefrau gehabt hat. Jesaja beschreibt das, was Gott ihm in einer Vision gezeigt hat. Johannes schreibt auf, was Jesus ihm erzählt hat, was Nikodemus ihm erzählt hat, über ein Gespräch mit Jesus. Paulus beschreibt diesen Gedanken in Ausdrücken, die mehr so theologisch-systematisch sind. Salomo verwendet einfach Poesie, weil er gerade verliebt ist in seine Sulamit. Aber überall kommt derselbe Gedanke durch. Das heißt, die verschiedenen Persönlichkeiten färben sozusagen denselben Gedanken durch ihre eigenen Worte, die sie verwenden. Trotzdem bleibt es derselbe Gedanke.
[18:07] Das heißt, wir müssen vor allem beim Bibellesen darauf achten, was sind die Gedanken und nicht so sehr einfach nur, was bedeutet dieses einzelne Wort. Es gibt oft im Bibelstudium diesen Grundfehler, dass man denkt, man ist ein besonders tiefer Bibelstudent, wenn man jedes einzelne Wort quasi seziert und dann nach Grammatik und nach Urtextbedeutung irgendwie analysiert und dann irgendwie der Bedeutung näher kommt. Es gibt Stellen in der Bibel, wo es tatsächlich auf das einzelne Wort präzise ankommt, wo vielleicht sogar die Grammatik des Wortes einen entscheidenden Unterschied macht. Wenn das so ist, sagt die Bibel aber selbst einen Hinweis, dass man jetzt darauf achten sollte. Zum Beispiel in Galater, Kapitel 3, und dort Vers 16. Dort heißt es: „Nun aber sind die Verheißungen dem Abram und seinem Samen zugesprochen worden. Es heißt, und jetzt ist Paulus sehr deutlich: Es heißt nicht ‚und den Samen‘ (Plural), als von vielen, sondern als von einem (Singular) ‚und deinem Samen‘, und dieser ist Christus.“ Also hier gibt es eine Stelle, wo Paulus im Urtext sieht, hier kommt es auf die Grammatik an und er sagt: „Schaut mal her, achtet hier an dieser Stelle auf die Grammatik.“ Und da könnte man viele andere Beispiele dafür verwenden, aber das sollte ja mit dem einen genügen. Wir müssen nicht die Idee haben, nur weil wir jetzt vielleicht nicht die hebräische Grammatik können oder griechische Vokabeln auswendig gelernt haben, dass wir deswegen irgendwie nicht in die Tiefe des Textes reinkommen. Die Tiefe des Textes hat erstmal wenig mit Grammatik und der griechischen Bedeutung eines Wortes zu tun, denn die kann sich auch variieren, wie wir gleich noch sehen werden, sondern damit, dass wir im Fluss des Textes den Gedanken erfassen, der sich durch die verschiedenen Worte ganz deutlich ergibt.
[19:46] Dass also einzelne Worte etwas Verschiedenes bedeuten können, in der Bibel ist es ganz offensichtlich. Schauen wir zum Beispiel Matthäus als Beispiel an, Matthäus Kapitel 8 und dort Vers 22. Matthäus 8 und dort Vers 22 sagt Jesus: „Jesus sprach zu ihm: Folge mir nach und lass die Toten ihre Toten begraben.“ Hier haben wir von drei Worten zweimal das Wort „Tote“, aber das eine Mal bedeutet es geistlich Tote und das andere Mal bedeutet es buchstäblich Tote. Ähnlich könnten wir zum Beispiel auch über Paulus und Jakobus reden. In Römer 3 spricht Paulus von den Werken, dort heißt es in Römer 3, Vers 26 – nein, Verzeihung, Vers 28: „So kommen wir nun zu dem Schluss, dass der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt wird, ohne Werke des Gesetzes.“ Das Wort „Werke“ bedeutet hier menschliche Anstrengung ohne Christus, ohne Gnade, um irgendwie bei Gott sich angenehm zu machen. Jetzt finden wir dasselbe Wort „Werke“ auch bei Jakobus und da bedeutet es offensichtlich etwas völlig anderes oder etwas ziemlich anderes. In Jakobus Kapitel 2 und dort Vers 17, so heißt es hier: „So ist es auch mit dem Glauben, wenn er keine Werke hat, so ist er an und für sich tot.“ Hier geht es also nicht um Werke ohne Jesus und ohne Glauben, sondern hier geht es um das, was ein Mensch aufgrund des Glaubens und der Erfüllung mit dem Heiligen Geist tut. Es geht also um aktives Christsein durch die Kraft des Heiligen Geistes. Zweimal steht dort „Werke“, aber es sind zwei verschiedene Dinge gemeint, die mit demselben Wort ausgedrückt werden. Man kann also nicht ohne Weiteres immer ein Wort nehmen, eine Bedeutung finden und dann mit dieser Bedeutung die ganze Bibel rennen. Das ist eine Sache, die oft gemacht wird und die dann zu viel Verwirrung führt. Das sieht man in der Prophetie ganz deutlich. Der Löwe ist ein Symbol für Juda in 1. Mose 49. In Jeremia ist er ein Symbol sowohl für Assyrien als auch für Babylon. In Daniel wird es dann aufgegriffen. In 1. Petrus ist der Löwe ein Symbol für den Satan, aber in Offenbarung 5 ist der Löwe ein Symbol für Jesus. Das heißt, eine reine Wortstudie hilft in der Regel erstmal noch gar nicht weiter. Sie gibt vielleicht dem Studierten, Bibelkenner, das Gefühl, jetzt viel erkannt zu haben, aber in Wirklichkeit sind es die Gedanken, die sich durch die Sätze, durch die Abfolge der einzelnen Worte dann zusammenfügen. Diese Gedanken sind es, auf die es ankommt. Nicht so sehr eine einzelne Bedeutung eines Wortes, denn Hebräisch, wie ich das schon letzte Woche gesagt habe, Hebräisch und Griechisch sind auch nur ganz gewöhnliche Sprachen. Man muss nicht verzweifeln, wenn man sie nicht kennt. Sie funktionieren genauso wie jede andere Sprache auch. Es gibt Worte mit mehreren Bedeutungen, was leider zu oft geschieht. Da möchte ich wirklich vor warnen, dass man irgendwie, vor allem wenn man nicht Hebräisch und Griechisch kann, einfach ein Wörterbuch nimmt und einfach dann ein Wort findet mit 20 verschiedenen Bedeutungen und dann seine Lieblingsbedeutung rauspickt und sagt dann, das ist jetzt das, was der Vers sagt. Ganz oft ist es so, dass eben auch, wenn die Übersetzer die Bibel übersetzen und sie die Frage stellen, bedeutet das Wort jetzt an dieser Stelle das oder das, schauen auch die Übersetzer auf den Kontext. Sie schauen, in welchem Zusammenhang ist dieses Wort verwendet. Und wenn das die Übersetzer sowieso machen, dann können wir auch von vornherein als vielleicht Nichtkundige der Sprachen, die viele von uns sind, einfach den Kontext uns anschauen und den Gedankenfluss mitverfolgen, weil dann kann man die Botschaft auch erfassen, selbst wenn man ein Wort mal nicht versteht oder ein Wort vielleicht auch unklar übersetzt ist. Ein ganz wichtiges Prinzip, das ich euch wirklich ans Herz legen möchte zu beachten.
[24:18] Und dann ist es so, dass auch verschiedene Worte dasselbe Konzept ausdrücken können. Es gab vor etlichen Jahren einmal diese große Krise in der Adventbewegung, als der Theologe Desmond Ford darauf hinwies, dass das Wort für Sühnung in 3. Mose 16, Vers 33, wo es um die Stiftshütte geht, um den großen Versöhnungstag, wenn das Heiligtum selbst, das Allerheiligste gereinigt, gesühnt wird, dass das hebräische Wort daher ist. Während in Daniel 8, Vers 14, wo wir immer angenommen haben und zu Recht annehmen, dass es sich um einen Antitypus zum großen Versöhnungstag handelt, ein anderes Wort steht. Dort steht nämlich „nizdak“, die Nifal-Form, quasi passiv – ist nicht genau passiv, ungefähr passiv, reflexiv – für das Verb „tzaddak“ und das hat mit Gerechtigkeit zu tun. Und sein Argument war, wenn hier zwei verschiedene Worte stehen, dann sind das ja auch zwei verschiedene Ideen. Und das ist gelinde gesagt sehr naiv, denn keine Sprache dieser Welt, weder Deutsch, noch Englisch, noch Französisch, noch Chinesisch, noch Hebräisch oder Griechisch funktioniert so, dass ein Wort immer nur präzise eine Bedeutung hat. Und das nicht auch in allen Sprachen gibt es das, dass eine Bedeutung auch mit verschiedenen Worten ausgedrückt werden kann. Selbstverständlich auch im Hebräischen. Und entscheidend ist dann nicht allein die Wortstudie, sondern der Kontext, und der zeigt ganz offensichtlich – und das haben wir im letzten Quartal an der entsprechenden Stelle bei Daniel 8 ja gezeigt –, dass Daniel 8 einen Heiligtumskontext hat und auch es um den großen Versöhnungstag dort geht.
[26:11] Das heißt, was soll das alles bedeuten? In der Praxis müssen wir die einzelnen Verse nebeneinander legen, damit wir die einzelnen Gedanken verstehen. Es kann ja sein, dass ich jetzt einen Vers habe und denke, der Gedanke könnte das sein oder könnte auch das sein, aber wenn ich andere Verse über dasselbe Thema finde, dann wird es immer schwieriger, in die Irre zu gehen, weil Gott ja immer seine Gedanken hat, die dann unterschiedlich ausgedrückt werden und damit es immer spezifischer machen. Jesaja 28 und dort Vers 10 gibt uns dieses wichtige Prinzip. Jesaja 28 und dort Vers 10, dort heißt es: „Weil sie sagen: Vorschrift auf Vorschrift, Vorschrift auf Vorschrift, Satzung auf Satzung, Satzung auf Satzung, hier ein wenig, da ein wenig.“ Vers muss mit Vers verglichen werden. Wir haben bei unserem Lehrer Jesus gesehen, dass er genau das so gemacht hat. Lukas 24, Vers 27 zur Erinnerung, das ABC des Bibelstudiums. Dort heißt es: „Und er begann bei Mose und bei allen Propheten und legte ihnen in allen Schriften aus, was sich auf ihn bezieht.“ Jesus hat nicht einfach eine Prophezeiung genommen und hat dann eine lange Vorlesung über Grammatik und Wortstudien gehalten, sondern er hat einfach einen Vers an den anderen gelegt und gezeigt, wie die verschiedenen Verse alle dieselben Gedanken über ihn ausdrücken und sich so gegenseitig erklären.
[27:38] Hier mal ein Beispiel noch für dieses Prinzip. Nehmen wir an, im Bibelstudium zu Hause lesen wir Matthäus 7, Vers 7. Matthäus 7, Vers 7, bekannter Vers: „Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan.“ Wir sehen hier, das ist ganz offensichtlich, dass ein Gedanke dahinter ist, der sich auf nicht nur bitten und klopfen und suchen, sondern wann immer wir etwas von Gott möchten, dann werden wir es auch bekommen, das ist die Idee hier. Aber ihr seht wahrscheinlich auch auf den ersten Blick schon, dass diese Idee auch missverstanden werden kann, dass sie vielleicht auch in einer Art und Weise gebraucht werden könnte, die möglicherweise dem Wort Gottes gar nicht entspricht. Und so suchen wir jetzt praktisch nach anderen Beispielen, wo über dasselbe Thema gesprochen wird, um sozusagen weitere Gedanken zu diesem Thema zu erhalten. In Jakobus Kapitel 4, Vers 3 zum Beispiel finden wir jetzt den zusätzlichen Hinweis. Jakobus 4, Vers 3, dort steht nämlich: „Ihr bittet und bekommt es nicht, weil ihr in böser Absicht bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden.“ Also wir sehen, mit falscher Absicht zu beten wäre ein Ausschlusskriterium. In Johannes 16 und dort Vers 23 heißt es: „Oder an jenem Tag werdet ihr mich nichts fragen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Was auch immer ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, er wird es euch geben.“ Also wann erhalten wir, wenn wir bitten? Wenn wir im Namen Jesu bitten. Dann kommt noch Markus 11, Vers 24 dazu. Markus 11 und dort Vers 24, dort lesen wir: „Darum sage ich euch: Alles, was ihr auch immer im Gebet erbittet, glaubt, dass ihr es empfangt, so wird es euch zuteilwerden.“ Hier haben wir die Idee, dass wir im Glauben bitten sollen und auch beten. Und dann heißt es in 1. Johannes 5 und dort Vers 14. 1. Johannes 5 und dort Vers 14, dort heißt es: „Und das ist die Freimütigkeit, die wir ihm gegenüber haben, dass er uns hört, wenn wir seinem Willen gemäß um etwas bitten.“ Wir sehen also, jeder einzelne Vers bringt seinen eigenen Beitrag und zusammen haben wir jetzt ein viel sichereres Fundament und sind nicht mehr so unsicher über die genaue Bedeutung des Gedankens in Matthäus 7, Vers 7. Ein allerletzter Vers noch dazu, und man könnte sicherlich noch mehr finden. Johannes 15 und dort Vers 7 sagt uns: „Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch zuteilwerden.“ Hier sehen wir also auch, dass wir in Jesus bleiben müssen.
[30:25] Was haben wir also gemacht? Wir haben zu einem Thema verschiedene Verse genommen und haben gesehen, dass die unterschiedlichen Gedanken, die sich dort zeigen, sich zu einem harmonischen Ganzen verbinden. Und wenn wir das nicht getan hätten, hätten wir vielleicht Matthäus 7, Vers 7 falsch verstanden, hätten den Gedanken übertrieben. Aber diese anderen Verse helfen uns jetzt nicht, irre zu gehen. Und deswegen müssen wir keine Angst haben, wenn wir uns versuchen zu überlegen, was ist der Gedanke hinter dem Vers, den ich lese, was will Gott eigentlich sagen, weil durch das Vergleichen der einzelnen Bibeltexte wir dann tatsächlich auf die richtigen Gedanken kommen. Das machen wir beim Sabbat, beim Zustand der Toten, bei der Wiederkunft und so weiter und so fort.
[31:12] Wenn man jetzt diesen Gedanken weiterspinnt, dann kann man nicht nur einzelne Verse miteinander vergleichen, sondern man kann auch ganze Abschnitte entwickeln. Bibelschreiber schreiben ja nicht nur Verse wahllos aneinander, sondern sie sind oft in einem bestimmten Zusammenhang gestellt. Zum Beispiel, das lesen wir jetzt nicht aus Zeitgründen, es gibt eine CSH über den Römerbrief von vor einigen Jahren, da könnt ihr dann noch mal das im Einzelnen nachstudieren, aber im Römerbrief finden wir zum Beispiel ganz systematisch aufgeschriebene Gedanken. Zum Beispiel in Römer 4 sieht man sehr deutlich, wie so die Verse aufeinander aufbauen, wie sie sich bedingen. Man kann nicht einfach einen Vers aus dem Römerbrief so nehmen und dann so für sich bearbeiten, man muss eigentlich schauen, woher kommt das. Da werden so große Linien aufgebaut und ein Vers bezieht sich auf den nächsten. Manchmal springt Paulus mal drei Verse zurück, man muss gucken, welche Verse gehören so gedanklich zusammen. Und wenn man das tut, wenn man diesen Kontext sieht, dann hat man nicht nur einzelne Gedanken, sondern man sieht so den großen roten Faden, den der Paulus spinnt. Und man stellt dann auch mal erstaunlich fest, dass so mancher Bibelfers, den man so für sich genommen immer so interpretiert hätte, im großen Ganzen, im Fluss der Gedanken eigentlich zwingend einen anderen oder eine andere Nuance eigentlich hat oder einen anderen Sinn verfolgt. Das passiert immer wieder, dass Verse so genommen werden und man schaut sich an und denkt, das könnte das bedeuten, das bedeuten. Wenn man sie einfach dort belassen würde, wo sie sind und einfach dem Gedankengang des Autors mal versucht zu folgen, dann sieht man sehr deutlich, was die Verse eigentlich so bedeuten.
[32:47] Eine andere wichtige Sache ist es, wenn man zum Beispiel sich die Geschichten der Bibel anschaut, die oftmals nicht nur so dahererzählt werden, sondern mit sehr viel Kunstfertigkeit und interessanten Mitteln. Das ist vielleicht nicht das Allererste und Wichtigste, was man lernt beim Bibelstudium, aber wenn man da ein bisschen tiefer hineingeht, ist es schön zu sehen, wieso auch die Autoren der Bibel nicht einfach nur Berichte geben, sondern auch sehr kunstvoll mit der Sprache umgehen. Ein Beispiel hier soll mal genügen in 1. Mose 4, da heißt es in den ersten Versen, achten wir mal auf die Worte Abel und Kain. „Und Adam erkannte seine Frau Eva, und sie wurde schwanger und gebar den Kain. Und sie sprach: Ich habe einen Mann erworben mit der Hilfe des Herrn. Und weiter gebar sie seinen Bruder Abel. Und Abel wurde ein Schafhirt, Kain aber ein Ackerbauer. Und es geschah nach geraumer Zeit, dass Kain dem Herrn ein Opfer erbrachte von den Früchten des Erdbodens. Und auch Abel brachte ein Opfer dar, von den Erstlingen seiner Schafe und von ihrem Fett. Und der Herr sah Abel und sein Opfer an, aber Kain und sein Opfer sah er nicht an.“ Also hier sieht man, der Mose, der schreibt ganz bewusst: Kain, Abel, Abel, Kain. Er wechselt immer in diesem Zweierrhythmus hin und her. Schön zum Beispiel Vers 8 und 9, wenn wir darauf achten, wie oft das Wort „Bruder“ hier verwendet wird. Dort heißt es ab Vers 8: „Und Kain redete mit seinem Bruder Abel. Und es geschah, als sie auf dem Feld waren, da hob sich Kain gegen seinen Bruder Abel und schlug ihn tot. Da sprach der Herr zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er antwortete: Ich weiß es nicht, soll ich meines Bruders Hüter sein? Er aber sprach: Was hast du getan? Horch, die Stimme des Blutes deines Bruders schreitst du mir von dem Erdboden.“ Wenn man das zum ersten Mal liest, denkt man, naja, das ist ja alles dasselbe, was soll es auch bedeuten. Wenn man ein bisschen genauer hinschaut, sieht man, da wird etwas betont. Auf diese Betonung kommt es durchaus an. Mose will sagen, sie waren Brüder.
[34:43] Ganz toll auch 1. Mose 22, wie das so geschrieben ist, da merkt man, Mose war nicht nur ein großer Schriftführer und ein großer Gesetzgeber. Mose war auch ein großer Poet. Schauen wir mal in Vers 2, wie es hier heißt: „Und er sprach: Nimm doch deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, Isaak, und geh hin in das Land Moria und bring ihn dort zum Brandopfer, da auf einem der Berge, den ich dir nennen werde.“ Diese Steigerung: „Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast.“ Das soll nicht nur Informationen weitergeben, das soll eigentlich so ein Gefühl evozieren. Oder wenn dann später in Vers 7 gesagt wird: „Da sprach Isaak zu seinem Vater Abram: Mein Vater! Und er antwortete: Hier bin ich, mein Sohn.“ Und er sprach: „Sieh, hier ist Feuer und Holz, wo aber ist das Lamm zum Brandopfer?“ Da merkt man, wie der Mose das ganz bewusst auch so ausgestaltet. Man sieht, wie er dann drei Tage überspringt und dann plötzlich wieder sehr langsam, ausführlich beschreibt, wie das Holz aufgelegt wird und der Isaak gebunden wird. Da sieht man richtig eine Dramaturgie der Ereignisse. Und das lohnt sich auch beim Lesen der Bibel, auf solche Dinge zu achten. Da sieht man plötzlich viel von der Schönheit dieses Buches und auch, was eigentlich den Schreibern wirklich wichtig war. Man muss nicht immer Rätsel raten und sagen, das könnte wirklich sein oder das. Nein, die Schreiber haben ihre Methoden, das deutlich zu machen, durch Wiederholung, durch Betonung, durch den Zusammenhang.
[36:24] Ein wesentliches Mittel, das man auch hier noch erwähnen sollte, ist die Poesie. Nur ein Beispiel soll hier genügen, um zu zeigen, wie die Poesie im Hebräischen funktioniert. Sie funktioniert nämlich über Gedankenreime, wo also Dinge parallel zueinander geschrieben werden. Psalm 19, Abvers 8, ist ein gutes Beispiel. Dort heißt es: „Das Gesetz des Herrn ist vollkommen, es erquickt die Seele. Das Zeugnis des Herrn ist zuverlässig, es macht den Unverständigen weise. Die Befehle des Herrn sind richtig, sie erfreuen das Herz. Das Gebot des Herrn ist lauter, es erleuchtet die Augen. Die Furcht des Herrn ist rein, sie bleibt in Ewigkeit. Die Bestimmungen des Herrn sind Wahrheit, sie sind allesamt gerecht.“ Es ist interessant jetzt, man sieht also ganz offensichtlich, dass hier „Gesetz des Herrn“ und „Zeugnis des Herrn“ und „Befehle des Herrn“ und „Gebot des Herrn“ und „Bestimmung des Herrn“ eigentlich alle denselben Gedanken tragen. Und mitten in dieser Auflistung an Parallelen kommt der Begriff „Furcht des Herrn“. Jetzt, wenn man nur den Begriff „Furcht des Herrn“ hätte, hätte man vielleicht verschiedene Ideen, was da alles mit verbunden sein könnte. Aber im Kontext von Gesetz, Zeugnis, Befehle, Gebot und Bestimmungen sieht man, dass die Furcht des Herrn mit dem Gesetz zu tun haben muss. Da müssen wir gar kein Wortstudium machen. Wir müssen nicht das hebräische Wort „Furcht“ analysieren. Wir sehen, dass der David beim Schreiben offensichtlich geglaubt hat und ausdrücken wollte, dass die Furcht Gottes etwas mit den Geboten Gottes zu tun hat, weil er es in diese Liste von Parallelenaussagen mit einfügt. Und das hilft uns dann wieder im Studium von Offenbarung 14, Vers 7, wo offensichtlich durch die Aussage „Fürchte Gott und gib ihm die Ehre“ schon auch die Gebote mit angesprochen sind.
[38:10] Dann ist es natürlich wichtig, dass wir nicht nur Verse miteinander vergleichen und längere Abschnitte lesen, sondern dass wir auch längere Abschnitte wiederum miteinander vergleichen. Das vielleicht der beste Beispiel ist da das Studium der Evangelien. Wenn man also die verschiedenen Aussagen von Matthäus und Markus und Lukas zum Beispiel zu einer Geschichte nebeneinander legt und die Gemeinsamkeiten herausarbeitet, auch die unterschiedlichen Darstellungen von Details, die man dann addiert und nicht gegeneinander ausspielt, dann sieht man erst, was eigentlich wirklich so richtig vorgefallen ist. Mein Lieblingsbeispiel dazu, dass wir hier aus Zeitgründen jetzt nicht im Einzelnen studieren können, ist die Verleugnung von Petrus. In allen vier Evangelien, wie sie berichtet wird, erst wenn man alle vier Evangelien zusammennimmt, hat man eine wirklich die gesamte Geschichte und sieht plötzlich Dinge, die man in keinem Evangelium alleine gesehen hätte. Wenn es dich interessiert, wir haben eine Serie, die wir vor vielen, vielen Jahren aufgenommen haben, „Wenn Gott zweimal ruft“, da gibt es einen Vortrag, der heißt „Simon, Simon“, da ist dann in der zweiten Hälfte des Vortrags genau das getan. Da sind alle diese vier Geschichten nebeneinander gelegt, sozusagen. Das lohnt sich vielleicht, das mal zu studieren. Aber das kann man mit allen Geschichten im Evangelium, in Evangelien machen. In unserer Serie, „Der Ersehnte“, tun wir es ja auch immer wieder, dass wir die Geschichten nebeneinander legen und dadurch erst so richtig das Gesamtbild entstehen lassen können. Das Ganze geht natürlich auch im Alten Testament mit den Büchern Samuel und Könige und Chroniken. Das gilt auch für die Prophetie. Es lohnt sich, einmal Offenbarung 13, Verse 1 bis 10 mit Daniel 7 zu vergleichen oder auch Daniel 3 mit Offenbarung 13 ab Vers 11, um nur zwei Beispiele zu nennen, wo man dann die ganz vielen Parallelen sieht und dann aufgrund der Fülle der Parallelen überzeugt ist, dass es sich hier um dieselbe Macht oder um dieselbe Prinzipien handelt.
[40:19] Und dann gibt es auch das Prinzip, große Linien zu sehen, nicht nur einzelne Abschnitte, sondern vielleicht über Kapitel hinweg mal zu verfolgen, was ein Autor der Bibel uns sagen möchte. Schauen wir zum Beispiel dazu in Matthäus Kapitel 4 und dort ab Vers 23. Da haben wir diese interessante Aussage: „Und Jesus durchzog ganz Galiläa, lehrte in ihren Synagogen und verkündigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen im Volk.“ Einige Kapitel später in Kapitel 9, Vers 35 haben wir dieselbe Idee: „Jesus durchzog alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen, verkündigte das Evangelium von dem Reich und heilte jede Krankheit und jedes Gebrechen im Volk.“ Zwischen diesen beiden Aussagen finden wir zuerst die Bergpredigt, Kapitel 5, 6 und 7, wo wir sehen, wie Jesus gelehrt und gepredigt hat, und dann Kapitel 8 und 9, wo wir sehen, wie er geheilt hat, im Wesentlichen, ganz viele Heilungswunder, nicht chronologisch aufgeschrieben, aber thematisch gruppiert, damit man von Matthäus 4, 23 bis 9, 35 die Methode Jesu studieren kann. Und dann kommt Kapitel 10 mit der Aussendung der zwölf Jünger, die dasselbe tun soll. Und in Römer 8, Römer 1 bis 8 sehen wir, wie das ganze Evangelium ausführlich erklärt wird. Noch ein Beispiel vielleicht aus dem Matthäus-Evangelium, nur dass man das mal so sieht, wie man so aus der Vogelperspektive über ein Buch auch so ein bisschen hinüberfliegen kann. Matthäus 21: Der Einzug Jesu nach Jerusalem, er reinigt den Tempel, dann gibt es das Gleichnis von dem unfruchtbaren, oder die Geschichte von dem unfruchtbaren Feigenbaum, ein Sinnbild dafür, dass Jerusalem eigentlich gefallen ist. Er wird nach seiner Vollmacht gefragt und gibt dann drei Gleichnisse: das Gleichnis von den zwei Söhnen, das Gleichnis von dem Hausherrn und den Weingärtnern und das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl, die alle drei dasselbe sagen, dass nämlich die Juden als Nation von Gott verworfen werden und ein anderes Volk diese Aufgabe übernehmen wird. Dann kommen drei verschiedene Gruppen und stellen Jesus Fragen. Die Pharisäer kommen und fragen nach der Steuer, dann kommen die Sadduzäer und fragen nach der Auferstehung, dann kommt ein Schriftgelehrter, fragt nach dem größten Gebot, und jedes Mal sagt Jesus eine Antwort, die sie verblüfft. Dann dreht Jesus das Ganze um und stellt ihnen eine Frage, die sie nicht beantworten können. Dann kommt die Strafrede gegen genau diese Schriftgelehrten und Pharisäer und das Ende dann in der Klage über Jerusalem. Erinnern wir uns, Kapitel 21 ist er nach Jerusalem eingezogen, oder Matthäus 24 in der Ankündigung über die Zerstörung Jerusalems. Wir haben also von Kapitel 21 bis 24 eine durchgehende Linie, die sich mit einem Thema beschäftigt, nämlich dem Untergang Jerusalems und damit dem Volk Israel als das Volk Gottes. Alles wird hier von Matthäus so zusammengruppiert.
[43:26] Es lohnt sich also auch ganze Bücher im Kontext zu studieren. Nur ein Beispiel sei hier erwähnt, wie man die Struktur eines Buches schön analysieren kann. Das Buch Joel ist kurz und sehr kompakt und wir haben in einer Predigt-Serie, die man sich anschauen kann auf Joel Media, herausgearbeitet, dass dieses Buch genau zwei Hälften hat und der Mittelpunkt des Buches exakt in der Mitte ist in Joel 2, Vers 17. Vorher ist alles Gerichtsandrohung und Dunkelheit und Katastrophe und in dunklen Farben geschrieben. Als das Volk betet, dieses eine Gebet in Kapitel 2, Vers 17, ändert alles und dann hat plötzlich Verheißungen und Wiederherstellung und der Spätregen und die Ausgießung des Geistes und der Sieg des Volkes Gottes in der Endzeit. All das wird quasi durch dieses eine Gebet in Kapitel 2, Vers 17 in zwei Hälften geteilt. Wenn man das sieht, dann hat man so auch eine Idee, wo man einzelne Verse in dem Buch dann einordnen soll. Das kann man natürlich mit allen möglichen Büchern machen und viele sind natürlich etwas komplexer als das Buch Joel an dieser Sache, aber das soll illustrieren, dass es sich lohnt, auch über größere Abschnitte mal ein Thema zu verfolgen.
[44:43] Wenn man biblische Bücher studiert, ist es interessant zu wissen, dass oftmals die Hauptidee des Buches schon gleich am Anfang, so wie in einer Nutshell, also wie in einer Nussschale sozusagen, schon mal dargestellt wird. Wie ein Embryo sozusagen. In 5. Mose, Kapitel 1, unmöglich für mich dieses Prinzip zu erklären, ohne 5. Mose zu verwenden. Da finden wir in den ersten drei Versen eigentlich schon das Problem, das dann das Buch 5. Mose die nächsten 34 Kapitel anspricht. „Dies sind die Worte, die Mose zu ganz Israel redet, auf der anderen Seite des Jordan in der Wüste, in der Arawa, gegenüber von Suf zwischen Paran und Tophel, Laban, Hazeroth und Dizahab. Elftagereisen sind es vom Horeb auf den Weg zum Bergland Seir bis Kadesch-Barnea. Und es geschah im 40. Jahr, im 11. Monat, am ersten des Monats, dass Mose zu den Kindern Israels redete, und zwar alles so, wie es ihn der Herr für sie geboten hatte.“ Wenn man diese drei Verse anschaut, stellt man fest, hier ist etwas schief gegangen. Sie hätten schon längst in Kanaan sein sollen. Sie sind immer noch in der Wüste. Warum? Und das ist die Frage, die sich aus diesen drei Versen ergibt: Warum sind sie im 40. Jahr immer noch in der Wüste, obwohl sie schon im zweiten Jahr, nach nur elf Tagen nach dem Bergland, nach dem Sinai, in das Land hätten hineingehen können. Die Frage nach der Verzögerung der Einnahme von Kanaan ist die zentrale Frage von 5. Mose. Dort werden die Gründe erläutert und die Lösung präsentiert. Und das macht dieses Buch übrigens – kleiner Werbeblock – so entscheidend für unsere Zeit, dass wir es studieren.
[46:29] Das Gleiche in Daniel. In Daniel finden wir in den ersten Versen den Kampf von Nebukadnezar gegen Jojakim, Babylon gegen Juda, das Reich Satans gegen das eigentliche Reich Gottes. Wir finden dort, wie Nebukadnezar gewinnt und die Dinge vom Tempel mitnimmt und die Israeliten mitnimmt, und all das sind Fragen, die dann das gesamte Buch Daniel hindurch diskutiert werden. Diese Frage zwischen Babylon und Jerusalem, die Frage, wo ist das wahre Reich Gottes? Wer gewinnt am Ende diesen großen Kampf?
[47:07] Und das haben wir in dem letzten Quartal auch sehr ausführlich uns angeschaut. Zum Schluss vielleicht noch als Illustration, wie interessant es sein kann, die vier verschiedenen Evangelien gemäß ihrer Anfänge anzuschauen. Das Matthäus-Evangelium beginnt mit einem Geschlechtsregister, weil es für Juden geschrieben ist, vor allem und Menschen, die das Alte Testament kennen. Wahrscheinlich war Matthäus der offizielle Lebensbericht. Er wurde wahrscheinlich von Jesus beauftragt, aus dem Kreis der Apostel sozusagen einen offiziellen Bericht zu geben, und da geht es mit einem Geschlechtsregister los. Markus dagegen ist ganz kurz und knapp mit der Einleitung, nur ein Vers, dann geht es sofort mit den Geschichten los, weil Markus, so scheint es zu sein, sich auf das Material von Petrus stützt. Es geht vor allem um das praktische Leben Jesu, nicht um die Lehren, sondern um die Taten. Es ist wahrscheinlich geschrieben für Heiden, höchstwahrscheinlich für Römer. Es gibt einige lateinische Begriffe im Markus-Evangelium. Es ist das kürzeste von allen. Und dann haben wir Lukas, der in vier Versen mit sehr elaboriertem Griechisch zeigen möchte, dass er alles gründlich recherchiert hat. Lukas ist ein Historiker, er hat einen chronologischen Ansatz und er ist ein gebildeter Mann und er schreibt für einen Gläubigen, für Theophilus, der offensichtlich schon etwas weiß. Also das Buch Lukas ist eigentlich geschrieben zur Vertiefung und deswegen vielleicht auch interessant, dass die Apostelgeschichte da noch hintendran kommt. Dagegen Johannes hat wieder einen völlig anderen Anfang mit diesen Worten, die wir am Anfang zitiert haben: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ Da geht es direkt zurück auf 1. Mose, da geht es um die ganz großen Fragen des Lebens. Gleich in den ersten Versen geht es um den Anfang, Gott, das Leben, das Licht, die Schöpfung. Das ist, man könnte fast sagen, philosophisch, eigentlich noch mehr als philosophisch. Das geht um die existenziellen Fragen. Johannes will, und das macht er später ganz deutlich, noch einmal so ganz grundsätzlich zeigen, dass Jesus Gott ist und wie Gott mit uns kommuniziert.
[49:06] Und damit schließt sich der Kreis für heute. Liebe Freunde, ich hoffe, ihr habt ein bisschen Lust bekommen, die Bibel selbst zu studieren. Was wir heute brauchen, sind eigentlich nicht mehr Videos. Es gibt mehr als genug Informationen über die Dreifache Engelsbotschaft im Internet. Was wir vor allem brauchen, sind Geschwister, die das nicht nur vom Hörensagen kennen und die alle Predigten gesehen haben, sondern die selbst studieren und Dinge herausfinden, die kein YouTube-Prediger bisher gefunden hat. Geschwister und Freunde, die das Wort Gottes zu ihrer eigenen Speise machen, die darin lesen aus Freude und dann gerne davon anderen erzählen. Weil Gott, das meine ich ganz ehrlich und ganz, das ist mir sehr wichtig, lieber Freund, liebe Freundin, Gott kann dich unterrichten. Er möchte dein Lehrer sein. Er hat dir Dinge zu sagen, die kein anderer sagen kann, nur Gott in seinem Wort. Und du wirst ein ganz anderes Empfinden für den Glauben haben, eine ganz andere Sicherheit haben, auch in der Mission, wenn du sein Wort selbst kennst, wenn du dir Gedanken machst und nachsinnst über sein Wort. Wollen wir uns gemeinsam vornehmen, das Wort Gottes besser kennenzulernen und damit Jesus besser kennenzulernen, dass wir seine Gedanken nachdenken. Ist das dein Wunsch, lieber Freund, liebe Freundin? Gott segne dich in deiner Entscheidung. Nächste Woche werden wir in dieser Serie weiter studieren. Dann dürft ihr euch freuen auf einen interessanten und kompetenten Redner hier. Und bis dahin wünsche ich euch Gottes reichen Segen und viel Freude im Studium seines Wortes. Amen.