In dieser Folge von LOGOS tauchen wir in die spannungsgeladene Zeit ein, in die Jesus hineingeboren wurde. Christopher Kramp beleuchtet den historischen Kontext und den Kontrast zwischen den antiken Herrschern, die sich als Friedensbringer inszenierten, und der wahren Bedeutung des Titels „Friedefürst“.
LOGOS: 5. Friedefürst und „Friedenskaiser“
Christopher Kramp · LOGOS ·Themen: Bibel, Bibelstudium, JesusWeitere Aufnahmen
Serie: LOGOS
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Transkript
[0:32] Herzlich willkommen zurück zu LOGOS, die Geschichte von Jesus neu durchdenken.
[0:41] Er ist wahrscheinlich der begehrteste Preis der Welt: der Friedensnobelpreis. Vergeben von einem fünfköpfigen Komitee, das vom norwegischen Parlament bestimmt wird. In jüngster Zeit haben wir gesehen, dass mancher sich wirklich ins Zeug legt, um unbedingt diesen Friedensnobelpreis zu bekommen. Vergeben wird er an Personen und auch an Institutionen, die sich für den Frieden in der Welt, für Abrüstung, für Völkerverständigung und dergleichen verdient gemacht haben, dafür eingesetzt haben.
[1:21] Friede ist eines der ganz großen Themen der Menschheit, und lange bevor es den Friedensnobelpreis gab, gab es Menschen, die sich gerühmt haben, den Frieden zu bringen. Und damit sind wir heute bei unserem Thema, der fünften Folge unseres Podcasts: Friedefürst und Friedenskaiser.
[1:44] Wir fangen heute endlich an, die Geschichte selbst uns vor Augen zu führen. Die Geschichte von Jesus, und wir fangen sozusagen ganz vorne an. Heute im Grunde genommen noch damit, so ein bisschen den Hintergrund, den geschichtlichen Hintergrund, die historischen Gegebenheiten ein bisschen einzuatmen, um zu verstehen, in was für eine Zeit, mit was für welchen Ideen die Menschen damals hantiert haben, in welcher Zeit Jesus geboren worden ist.
[2:16] Das hier ist die Ockenswarft auf der Hallig in Nordfriesland. Die hat mit der Antike und auch mit den Evangelien eigentlich gar nichts zu tun. Ich habe meiner Frau vor kurzem zum Geburtstag eine Reise dorthin geschenkt. Wir werden als ganze Familie irgendwann in absehbarer Zukunft dort mal den Sommerurlaub verbringen. Meine Frau kommt aus Nordfriesland, die hat sich riesig gefreut. Man muss sich ja Gedanken machen, was man schenkt, wenn jemand, den man sehr gern hat, Geburtstag hat. Und das geht nicht nur uns so, das ging auch schon mächtigen Menschen in der Antike, so Augustus zum Beispiel.
[3:01] Dieser Mann, der wirklich die Weltgeschichte verändert hat. Nicht zuletzt nennen wir heute noch unseren Monat August nach ihm. Der war offiziell eigentlich noch nicht mal ein Amtsträger im römischen Reich. Er war offiziell der Princeps, der erste Bürger. Er hatte zwar kein Amt, aber er hatte quasi die Amtsgewalten von allen nur erdenklichen Ämtern und war de facto der uneingeschränkte Monarch im gesamten römischen Reich. Aus den blutigen Jahrzehnten der Bürgerkriege war er als Sieger hervorgegangen, hatte versprochen, alles wieder zur alten republikanischen Ordnung zurückzubringen. Das hat er nur dem Schein nach gemacht. Die Republik wurde offiziell wieder aufgerichtet, aber de facto war er der Alleinherrscher, weil er über alle Legionen im gesamten römischen Reich als Sieger der Bürgerkriege den Oberbefehl behielt.
[4:00] Er ist der Begründer des Kaisertums, wenn man so möchte. Auch wenn dieser Begriff zu seiner Zeit noch gar nicht so gebraucht worden ist – der leitet sich ja von Caesar, also dem Kaiser, wie das damals ausgesprochen worden ist, ab, von Julius Caesar – und hat sich dann selbst auch Kaiser, also Caesar genannt, und alle anderen in seiner Nachfolge haben diesen Titel übernommen. Und so sprechen wir heute vom Kaisertum. Er hat das römische Reich letztlich stabilisiert und war mit Abstand, mit ganz großem Abstand, der allermächtigste Mensch der damaligen Zeit.
[4:38] Aber auch er musste sich die Frage stellen: Was schenke ich meiner Frau zum Geburtstag? Verheiratet war er mit Livia in zweiter Ehe. Er hatte sich von seiner ersten Frau Scribonia scheiden lassen, um Livia zu heiraten. Hatte deren Ehemann gezwungen, sich scheiden zu lassen. Der hat sogar so wenig Anstand besessen, dann als Brautvater seine eigene geschiedene Ehefrau dem Octavian, wie er damals noch hieß – eigentlich Octavius und Octavian, dem späteren Augustus – zuzuführen.
[5:11] Augustus und Livia scheinen sich tatsächlich wirklich sehr geliebt zu haben. Sie brachte schon zwei Kinder in die Ehe: Tiberius, den späteren Kaiser, mit dem wir uns auch noch viel beschäftigen werden, und Drusus. Im Jahre 9 vor Christus, Augustus auf der Höhe seiner Macht, hatte Livia ihren 49. Geburtstag. Es war der 30. Januar und Augustus hat sich was ganz Besonderes einfallen lassen. Er hat nämlich diesen Altar hier genau an ihrem Geburtstag einweihen lassen. Geplant war der Altar schon seit einigen Jahren, seit er im Jahre 13 vor Christus aus dem Westen zurückgekommen war. Da hatte der Senat beschlossen, ihm ein besonderes Monument zu errichten, einen Friedensaltar. Deswegen nennt man diesen Altar die Ara Pacis. Das ist das Lateinische für Friedensaltar, der Altar des Friedens.
[6:11] Und am 30. Januar wurde er eingeweiht auf dem Marsfeld, damals noch relativ wenig bebaut, an der Via Flaminia, die von der Ostküste Italiens über den nördlichen Apennin kommend nach Rom kam. Wenn man also von Norden sich Rom näherte, dann war das jetzt eines der ersten Dinge, die man dort sah. Hier sehen wir auf der Karte mit dem dunkelblauen Pfeil markiert diesen kleinen Kreis. Das ist dieser Friedensaltar. Direkt daneben das sogenannte Horologium von Augustus, ganz in der Nähe auch schon sein Mausoleum, das er 20 Jahre vorher schon hatte errichten lassen für den Fall, dass er halt dann irgendwann mal stirbt.
[6:56] Dieses Horologium ist auch eine ganz interessante Sache. Manche nennen es auch das Solarium. Das hängt damit zusammen, dass niemand so ganz genau weiß, was es exakt wissenschaftlich jetzt war: war es eine Sonnenuhr, war es eine astronomische, wissenschaftliche Einrichtung? Auf jeden Fall hat man dort den bis dahin größten ägyptischen Obelisken aufgestellt, den man geklaut hatte aus Ägypten. Eigentlich mal aus der Zeit von Psammetich II., um 600 vor Christus entstanden, hat man ihn dort aufgestellt, um quasi als überdimensionale Sonnenuhr, also als Zeiger für diese Sonnenuhr, zu dienen.
[7:37] Und im Zuge dieses Solariums, dieses Horologiums – der Obelisk steht heute übrigens immer noch in Rom, aber an einem anderen Platz – hat Augustus auch folgende Inschrift hier anbringen lassen, die ganz interessant ist, nämlich: "Imperator Caesar Augustus, Sohn des Vergöttlichten" – damit ist natürlich Julius Caesar gemeint – "Pontifex Maximus, Imperator zum 12. Mal, Konsul zum 11. Mal, Inhaber der tribunitischen Gewalt zum 14. Mal, nachdem Ägypten unter die Herrschaft des römischen Volkes gebracht war, hat er diesen Obelisken der Sonne zum Geschenk gegeben." Also das Ganze war der Sonne geweiht, ganz interessant.
[8:15] Aber wir wollen uns mehr mit diesem Friedensaltar hier beschäftigen. Dieser Friedensaltar zeigt auf den Außenwänden eine Prozession, eine Opferprozession. Es ist ja ein religiöser Gegenstand und es sollten nach Augustus' Anweisung einmal im Jahr ganz besondere Opfer dargebracht werden. Er selbst zeigt sich dort als ganz bescheidener, einfacher Herrscher. Seine ganze Familie ist auch abgebildet. Das alles hat einen sehr frommen und sehr altrömischen Charakter. Und der ganze Altar atmet so ein bisschen diese Idee von paradiesischen Zuständen. Nach den langen Jahrzehnten der blutigen Bürgerkriege und den großen Belastungen und Schrecken, die das mit sich gebracht hat, sagt Augustus hier: Die Zeit eines goldenen Zeitalters ist angebrochen. Es gibt Frieden und die Pflanzen wachsen und die Tiere freuen sich und alles wächst und gedeiht.
[9:18] Das ist so diese Idee, die er mit diesem Friedensaltar ausdrücken wollte. Es ist das erste Mal in der Geschichte des römischen Reiches gewesen, dass eine Einzelperson sich so stark mit einem Monument selbst dargestellt hat. Das ist natürlich dann im Laufe der Kaisergeschichte noch häufiger passiert, aber das war ein Schlüsselmoment der Geschichte von der Republik zum Kaisertum. Wie die Forscher heute sagen: Augustus als der Bringer des allgemeinen Friedens, eines glücklichen Zeitalters, wo alles jetzt fromm und friedlich vonstattengeht.
[9:57] Wer genau hinschaut, merkt natürlich schnell, das Ganze war im Grunde genommen natürlich nur Ideologie. Paul Zanker, ein klassischer Archäologe, der sich sehr intensiv mit Augustus und den Bildern und der Propagandasprache dieses ersten Kaisers beschäftigt hat, hat das so schön auf den Punkt gebracht: "Bilder eines dauerhaften Glückszustandes schieben sich wohltätig vor die Realitäten." Der Augustus war ja nicht wirklich ein friedliebender Mensch. Wer mal das frühe Leben von Octavius, Octavian, wie er ja ursprünglich hieß, anschaut, der merkt: Er war ein regelrechter Bluthund, wie das hier auch in der berühmten Biografie von Jochen Bleicken zum Ausdruck kommt, der sehr ausführlich die frühen Jahre von Augustus und seinen Aufstieg beschreibt, der absolut schonungslos und ohne Rücksicht auf Feind und Freund einfach nur immer überlegt hat, was ihm zum Besten dient, eine Blutspur hinterlassen hat, ständig die Seiten gewechselt hat, um mehr Macht zu bekommen, um am Ende als Sieger dazustehen. Wahrscheinlich gab es kaum einen verhassteren Politiker am Anfang seiner Zeit als ihn.
[11:11] Er hat lange Jahrzehnte gebraucht, nachdem er dann die Macht errungen hatte, durch diese Propaganda das Bild so sehr zu verschieben, dass er bis heute dann doch als ein Friedensbringer, selbst in der populären Wahrnehmung vieler Menschen heute, geblieben ist. In Wirklichkeit war er ein ganz anderer, ein ganz kühl berechnender, fast emotionsloser Mensch, der sich nicht darum geschert hat, was andere Menschen jetzt vielleicht fühlen. Er hat wie ein Schachspieler die Menschen hin und her geschoben, um seine Macht zu vergrößern und zu konsolidieren. Der Friede als eine äußerliche Propaganda eines absoluten Machtmenschen.
[11:53] Auf diesem Altar wird auch deutlich, dass das, was Augustus jetzt getan hat und erreicht hat, in einer Fluchtlinie sozusagen sich befindet mit den ganz berühmten Anfängen Roms. Da werden also so berühmte Geschichten wie Romulus und Remus mit der Wölfin dargestellt oder der Aeneas, der das erste Opfer dort bringt, das Schwein. Also, der Eindruck soll vermittelt werden: Die gesamte römische Geschichte seit den mythischen Anfängen, die geht direkt auf diesen Augustus zu. Er ist sozusagen der Zielpunkt, der Höhepunkt, die Vollendung, die Kulmination der gesamten römischen Geschichte. Das wollte er genauso dargestellt haben. Er hat das immer mit sehr zur Schau gestellter Bescheidenheit und Demut getan, aber immer so im Hintergrund die Zügel gelenkt, dass letztendlich das immer genauso dargestellt wurde, wie er es wollte.
[12:48] Und so entstand der Eindruck, dass ohne ihn es keinen Frieden gegeben hätte, dass er sozusagen fast die Personifizierung des Friedens an sich sei. Ein anderer klassischer Archäologe aus Italien hat das einmal so formuliert: "Die Rückkehr des Augustus garantiert tatsächlich den Frieden. Kein anderer Friede ist möglich und verehrungswürdig, wenn nicht die Pax Augusta, also der Frieden des Augustus." Augustus, der römische Kaiser, der erste Kaiser als Inbegriff des Friedens. Das war die Botschaft dieses Friedensaltars, eines Monuments, das man heute noch in Rom besichtigen kann, das viele klassische Archäologen und Althistoriker immer wieder ausgewertet haben, weil es so eine Schlüsselfunktion hat, um zu verstehen, wie der Augustus seine Herrschaft begründet hat und auch als Propaganda dann vermittelt hat. Dieser Altar wurde, wie schon gesagt, zum Geburtstag der Livia eingeweiht.
[13:55] Wie stand es jetzt also um diesen Frieden, diese Pax Augusta? Wenn man die Germanen im freien Germanien gefragt hätte, hätten die einen ganz anderen Eindruck gehabt. Im selben Jahr, im Jahre 9, hat nämlich der Sohn der Livia, der jüngere Sohn, der Drusus, den bis dahin größten und gewaltigsten Angriff auf die freien Germanen ausgeführt, nachdem in den Jahren vorher schon es immer wieder so Erkundungsinvasionen gab, einmal in Friesland auch und dann immer wieder auch im Westen Germaniens. Ging es im Jahre 9 vor Christus bis an die Elbe. Wir sehen hier den blauen Pfeil, der diese rote Linie markiert, die durch das Gebiet der Chatten und dann der Cherusker nördlich vom heutigen Harz dann bis an die Stelle, wo die Saale in die Elbe mündet, und dort soll er dann umgekehrt sein. Genau warum, wissen wir nicht. Vielleicht hat man einfach auch gemerkt: Okay, das ist jetzt sehr weit weg von unseren Grenzen und das können wir sowieso nicht alles halten. Das ist natürlich sehr umstritten, aber uns wird gesagt – hier ist übrigens der Drusus, der diesen Feldzug geführt hat – und es wird gesagt von einem zeitgenössischen Historiker, der auch im Militär aktiv gewesen ist, Velleius Paterculus: "Doch die Ungerechtigkeit des Schicksals riss diesen Mann, der Germanien weitgehend unterworfen hatte, wobei viel Blut dieses Volkes an verschiedenen Orten vergossen worden war, im Alter von 30 Jahren als Konsul aus dem Leben."
[15:35] Also Velleius Paterculus sagt: Diese friedliche römische Herrschaft bestand im Wesentlichen darin, jetzt freie Völker ohne erkennbaren Grund zu unterwerfen und sehr viel Blut zu vergießen. Das war der römische Frieden, wie er sich den unterworfenen Völkern zumindestens an den Grenzen dargestellt hat. Wie hier schon angedeutet, ist der Drusus dann auf dem Rückweg gestorben. Ist vom Pferd wohl gestürzt, wohl ziemlich schon in der Nähe westlich der Saale. Man hat ihn dann noch weitgehend zurückgetragen bis fast wieder an den Rhein. Und hier in Mainz gibt's dieses Gebäude, diesen Eichelstein, wie er heute genannt wird. Das ist wahrscheinlich ein Kenotaph, also ein Gebäude, das man in Erinnerung an diesen Drusus damals gebaut hat. Der Augustus und Livia waren natürlich untröstlich über diesen herben Verlust.
[16:32] Das Ganze ist Teil einer ganz groß angelegten militärischen Expansion, die so ungefähr seit dem Jahre 16 vor Christus neue Fahrt aufgenommen hatte. Jahrzehntelang hatten die Römer ja vor allem Bürgerkrieg geführt, ja, in der Zeit von Julius Caesar und dann auch der Zeit des Zweiten Triumvirats mit Mark Anton und mit Lepidus und Octavian. Und es ging hin und her, es ging durch das ganze römische Reich, aber als dann Frieden war nach dem Sieg von Octavian über Mark Anton und er Augustus wurde und quasi das Kaisertum jetzt so begann und der Frieden im Inneren hergestellt worden war, hat seit 16 vor Christus Augustus begonnen, die Legionen wieder an den Grenzen in fremde Gebiete zu schicken. Man hat fast den gesamten Alpenraum erstmals erobert. Man hat in Pannonien, das ist so die Gegend von Kroatien und Ungarn vor allem heute, bis zur Donau die Grenze vorgeschoben. Man hat, wie gesagt, diese Invasionen nach Germanien immer wieder durchgeführt.
[17:36] Und Historiker haben sich gefragt: Warum tut er das? Manche haben gesagt, das ist reine Defensive gewesen. Das ist natürlich im Grunde genommen völliger Unsinn, denn keine dieser Gebiete hat irgendeine echte Gefahr dargestellt. Der Hauptgrund wird wohl der gewesen sein, dass Augustus diese ganzen Legionen hatte und wenn diese tausenden Soldaten ständig nur tatenlos rumsitzen, dann werden die ungeduldig, dann kommen die auf dumme Ideen. Man muss sie sozusagen in Bewegung halten, man muss ihnen was zu arbeiten geben, und so hat man immer weiter die Grenzen erweitern wollen. Der römische Frieden war also ein Eroberungsfrieden, ein Frieden mit Waffengewalt und Blutvergießen.
[18:17] Kein Wunder, auch Augustus hat in diesem Jahr Geburtstag. Sein Geburtstag war am 23. September. Er wurde 54 Jahre alt und auch für ihn haben sich Leute etwas sehr Bemerkenswertes ausgedacht. In der griechischen Stadt Priene an der Westküste der heutigen Türkei hatten die Einwohner eine ganz besondere Idee. Sie haben eine Inschrift für Augustus in Auftrag gegeben und hier in Stein meißeln lassen, und die hat es in sich. Also wirklich. Schauen wir uns mal ein bisschen hier etwas an in der Übersetzung von Adolf von Harnack. Da steht z.B.: "Der Geburtstag des Gottes hat für die Welt die an ihn sich knüpfenden Freudenbotschaften." Und da steht wörtlich im Griechischen: "die Evangelien heraufgeführt." So, Augustus hat Geburtstag und in Griechenland, in Asien, also in der Westtürkei heute, da sagen die Leute aus Begeisterung für diesen Friedensbringer: Sein Geburtstag ist der Geburtstag eines Gottes und alles, was mit ihm zu tun hat, das ist ein Evangelium, ist eine Frohbotschaft.
[19:29] Es gibt noch mehr hier etwas weiter davor: "Die Vorsehung, die über allem im Leben waltet, hat diesen Mann zum Heile der Menschen mit solchen Gaben erfüllt, dass sie ihn uns und den kommenden Geschlechtern, also für die Zukunft, als Heiland gesandt hat. Aller Fehde wird er ein Ende machen und alles herrlich ausgestalten." Er ist also Gott, er bringt Evangelien, er ist der Heiland und er wird allen Krieg beenden bis in die Zukunft. Was für gewaltige Worte! Und dann heißt es weiter: "In seine Erscheinung sind die Hoffnungen der Vorfahren erfüllt." Mit anderen Worten, die Vergangenheit, alles, was die Menschen in der Vergangenheit ersehnt haben, das findet seine Erfüllung. Er hat nicht nur die früheren Wohltäter der Menschheit sämtlich übertroffen, sondern es ist auch unmöglich, dass je ein Größerer käme. So schreiben die Bewohner von Priene am 23. September des Jahres 9 vor Christus zum Geburtstag des Augustus. Er ist der Heiland, er bringt das Evangelium, er ist Gott, in ihm erfüllen sich alle Hoffnungen vergangener Zeitalter und es wird niemals einen Größeren geben. Neun vor Christus.
[20:56] "Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter und man nennt seinen Namen: Wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Ewigvater, Friedefürst. Die Mehrung der Herrschaft und der Friede werden kein Ende haben auf dem Thron Davids und über seinem Königreich, dass er es gründe und festige mit Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Der Eifer des Herrn der Heerscharen wird dies tun." Diese Worte beziehen sich nicht auf Augustus. Diese Worte, geschrieben über sieben Jahrhunderte zuvor von dem Propheten Jesaja, beziehen sich auf Jesus, der kurze Zeit später geboren werden sollte. Eine der berühmtesten Prophezeiungen der Bibel.
[22:01] In ihr heißt es, dass die Herrschaft auf seiner Schulter liegt. Dieses Wort "Herrschaft", wie es hier z.B. in der Schlachter-Übersetzung wird, ist im Hebräischen das Wort "Misrah". Und das kommt nur in dieser Passage vor, in Jesaja 9, Vers 5 und 6. Die Wurzel des Wortes ist entweder eine sonst nicht bezeugte Nebenform zum Wort "regieren" – deswegen übersetzen viele mit Herrschaft – oder das Wort leitet sich von "Sere" (von kämpfen/streiten) ab, und dann ist vielleicht eher zu übersetzen mit "der Sieg", "die Eroberung" oder auch das "Imperium", also das, was man durch einen Sieg erringt. Jesus, der das Imperium, nicht das römische Imperium, aber das Imperium auf seinen Schultern trägt.
[23:04] Dieser Vers, der oft gerade zu Weihnachten in Gottesdiensten erwähnt wird, der in Liedern besungen ist, der ist eigentlich eine Begründung. Das sieht man am ersten Wort. Das heißt nämlich: "Denn ein Kind ist uns geboren." Wir denken bei diesem Vers an eine Krippe in Bethlehem, vielleicht an Engel, die singen, aber Jesaja verknüpft in Jesaja 9 diesen Gedanken des Kindes, das geboren ist, das einen Geburtstag sozusagen hat, der gleichzeitig ein starker Gott ist, ein Friedefürst, der die Herrschaft haben wird, dessen Herrschaft nicht aufhören wird, das Imperium wird sich mehren. Er verknüpft das mit einem Gedanken zuvor. Der Vers vorher sagt nämlich, und der klingt überhaupt gar nicht weihnachtlich: "Denn jeder Stiefel derer, die gestiefelt daherstapfen im Schlachtgetümmel, und jeder Mantel, der durchs Blut geschleift wurde, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt."
[24:10] Also, wir haben ja folgende Idee: Wir haben hier sozusagen eine Armee, wir haben Stiefel, die daher stampfen, wir haben Schlachtgetümmel und wir haben jetzt die Idee in diesem Vers, dass diese Stiefel, die mit Blut befleckten Kriegsmäntel verbrannt werden. Mit anderen Worten: dass der Krieg aufhört, das Ende dieses Krieges. "Denn ein Kind ist uns geboren." Er ist der Friedefürst, weil er dem hier ein Ende macht. Als Jesaja das schreibt, denkt er noch nicht an die Römer. Er denkt an eine andere imperiale Macht, die er vor Augen hat, die er selbst erlebt hat. Das sind die Assyrer, die schon damals sich angeschickt haben, andere Völker zu unterwerfen. Ganz ähnlich, wie es die Römer dann gemacht haben, z.B. mit den Germanen oder anderen Völkern. Die Assyrer waren damals dabei, aus dem heutigen Nordirak und Nordostsyrien kommend, auch in die Levante, das heißt Richtung Palästina, in das damalige Israel und Juda zu kommen und viele Völker zu unterwerfen und mit äußerster Brutalität Krieg zu führen.
[25:22] Die gute Nachricht im Buch Jesaja ist: Diese Art von imperialer Kriegführung, dass die Gewaltigen ihre Macht anderen aufdrücken, die findet ein Ende, weil ein Sohn uns geboren, gegeben ist, ein Kind geboren ist, der Friedefürst, der starke Gott. Und damit ist nicht Augustus gemeint, der sich zwar so hat darstellen lassen, aber eigentlich genau zu dieser Kategorie von Militärpotentaten, von Imperialisten zählte, die mit Waffengewalt ihre Macht durchdrücken wollten.
[25:58] Interessant ist, dass in Jesaja 8, kurz vor Jesaja 9, sogar Folgendes steht: "Doch bleibt nicht im Dunkel das Land, das bedrängt ist. Wie er in der ersten Zeit das Land Sebulon und das Land Naftali gering machte, so wird er in der letzten Zeit den Weg am See zu Ehren bringen, jenseits des Jordan, das Gebiet der Heiden." Und dieses Gebiet der Heiden, das entwickelt sich was aus dem Hebräischen, irgendwann diese Bezeichnung Galiläa. Denn wenn man sich... ah, das müssen wir noch lesen, Entschuldigung. Jesaja 9, Vers 1: "Das Volk, das in der Finsternis wandelt, hat ein großes Licht gesehen; über den Bewohnern des Landes der Todesschatten ist ein Licht aufgeleuchtet." Diese Stämme dort im Norden Israels, die übrigens als allererste von den Assyrern aufgerieben wurden, in die Gefangenschaft weggeführt worden sind, schon in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts vor Christus durch den blutrünstigen König Tiglat-Pileser. Gerade dort, wo die Finsternis dieser Unterdrückung durch die Assyrer besonders stark gewesen ist, sagt Jesaja: Dort wird ein großes Licht aufleuchten.
[27:08] Wenn man sich die Karte anschaut, Naftali und Sebulon, dann ist das genau das Gebiet, das wir im Neuen Testament als Galiläa kennen. Dort am See Kinneret, wie im Alten Testament heißt, dann See Genezareth im Neuen Testament, dort, wo die Assyrer wüteten, sagt Jesaja, wird derjenige kommen, der der wahre Friedefürst ist. Er wird Gott sein und er wird den echten Frieden bringen. Und wenn man dann das Matthäusevangelium aufschlägt, dann sieht man, wie Jesus in Galiläa wirkt, und es heißt ja: "Und er verließ Nazareth, kam und ließ sich in Kapernaum nieder, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali, damit erfüllt würde, was durch den Propheten Jesaja gesagt ist." Und dann kommt genau das, was wir gerade gelesen haben aus Jesaja 8, Vers 23 und Jesaja 9, Vers 1. "Von da an begann Jesus zu verkündigen und zu sprechen: Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe herbeigekommen."
[28:13] Das Matthäusevangelium zeigt: Jesus ist die Erfüllung dieser Prophezeiung aus Jesaja 9. Und er kommt nicht mit Legionen, die daher stampfen wie Augustus, um irgendwie Frieden zu erzwingen. Er kommt alleine. Er kommt auch nicht mit Propaganda und mit irgendwelchen Utopien. Er kommt mit einer sehr klaren, einfachen und profunden Botschaft: Kehrt um, glaubt an das Evangelium.
[28:48] Wenn wir noch mal zurückkehren zu Jesaja 9, Vers 5 und 6, dann stellen wir fest, dass hier von einem Sohn die Rede ist. Und es heißt dann in Vers 6: "Die Mehrung der Herrschaft des Imperiums." Also sein Reich wird sich immer mehr erweitern. Es wird klein beginnen, unscheinbar sein, aber es wird sich immer weiter erweitern und erweitern und erweitern und erweitern. Es wird kein Ende geben für den Frieden auf dem Thron Davids. Und da klingelt es bei uns schon, vor allem, wenn du auch die ersten vier Folgen hier mit uns verfolgt hast. Der Sohn Davids, da war doch was. Ganz genau: Matthäus 1, Vers 1: "Jesus Christus, der Sohn Davids." Und wir haben damals uns angeschaut, dass damit die Erwartung eines Königs verbunden war, der gerecht regieren wird, als "gerechter Spross", wie Jeremia 23, Vers 5 sagt.
[29:48] Es heißt in Jesaja 9, Vers 5: Jesus wird starker Gott sein, er wird wunderbarer Ratgeber sein, er wird der Friedefürst sein. Und tatsächlich heißt es bei seiner Geburt in Lukas 2, Vers 14: "Herrlichkeit bei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden." Wir werden uns auch mit dieser Geschichte noch ausführlich beschäftigen, aber heute wollen wir diesen Kontrast sehen zwischen dem Augustus, der so eine Inszenierung vorgenommen hat, die in vielen Punkten inhaltlich sich berührt mit dem, was über den Messias gesagt wird, und Jesus, der das tatsächlich erfüllt hat.
[30:33] Vielleicht fragt sich der eine oder andere jetzt: Aber Moment mal, klar, Augustus hat keinen dauerhaften Frieden gebracht. Er hat die Welt oder Teile der Welt erobert und später ist der Krieg an den Stellen da weitergegangen. Die Hoffnung der Einwohner von Priene ist nicht in Erfüllung gegangen. Er ist nicht der dauerhafte Friedensbringer gewesen. Aber hat Jesus dauerhaften Frieden gebracht? Sehen wir nicht in dieser Welt immer noch Krieg und Mord und Angriffe und Terror? Wo ist der Friede, der in Lukas 2 verheißen ist, "Friede auf Erden"?
[31:08] Dazu müssen wir ein bisschen tiefer noch denken heute am Ende. Jesus hat selbst Folgendes gesagt: "Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch." Nicht wie die Welt gibt, nicht wie der politische Friede, der durch Kompromisse ausgehandelt wird und immer nur höchstens eine Generation währt, bis die nächsten kommen, die von allem nichts mehr wussten und wieder neu ihren mörderischen Leidenschaften freien Lauf lassen. Nicht der Friede, der durch Waffengewalt erzwungen ist, weil der andere sich nicht mehr wehren kann und der nur so lange hält, bis man selbst schwach ist und der andere wieder stark, sondern es ist der göttliche Frieden. "Nicht wie die Welt gibt, sagt er, gebe ich euch. Euer Herz schrecke nicht und verzage nicht." Es ist ein Frieden für das Herz.
[31:58] Augustus konnte formal das römische Reich befrieden. Er konnte von Frieden reden und auch dafür sorgen, dass die Legionen jetzt an den Grenzen postiert sind und nicht mehr durchs italienische Kernland liefen, wie noch zur Zeit der Bürgerkriege. Aber was Augustus niemals konnte: Er konnte den Menschen ihre existentiellen Nöte, ihre Ängste nicht nehmen. Er konnte ihr Herz nicht verändern. Er konnte keinen echten, tiefen Herzensfrieden geben. Aber genau dazu ist Jesus gekommen. Dazu brauchte er keine Legion. Er musste kein Theater spielen wie Augustus, der noch am Ende seines Lebens gesagt haben soll, dass man doch bitte applaudieren sollte für die Theatervorstellung, die er gegeben hat. Jesus war echt, Jesus war authentisch. Und er hat damals gesagt, und ich glaube fest, er meint auch uns heute noch: "Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen." Frieden für unser Herz. Das ist die Einladung von Jesus. Dazu braucht er keine Waffen, er brauchte keinen Propagandaapparat. Er hat die Wahrheit und die Liebe Gottes verkörpert und gepredigt und lädt uns alle ein.
[33:21] Wir wollen uns in den nächsten Folgen jetzt wirklich mit der Geschichte von Jesus Schritt für Schritt beschäftigen. Wir werden immer so kleine Abschnitte uns wählen, die wir gut überblicken können, die wir durchdenken wollen, von verschiedenen Seiten aus beleuchten, wollen die historischen Hintergründe verstehen, wollen überlegen, was das für uns konkret bedeutet. Und das nächste Mal werden wir damit beginnen und wir werden ganz vorne anfangen, bei der sozusagen chronologisch allerersten Geschichte. Das Thema wird dann sein: "Treffpunkt Tempel, 15 Uhr", und du bist herzlich eingeladen, dann wieder hier einzuschalten und dabei zu sein.
[34:07] Aber wir haben ja noch einen Nachgedanken. Was geht dir durch den Kopf, wenn du solche Bilder siehst? Das sieht doch aus wie das Paradies, oder? Irgendwie ganz tief in unserem Herzen haben wir so ein Verlangen nach dem Paradies, wo alles schön ist, wo alles einfach ist, wo alles ohne Konflikt ist. Dieses Paradies, sagt die Bibel, haben wir verloren. 1. Mose 3 sagt uns, dass aufgrund der Sünde Adam aus dem Garten Eden vertrieben worden ist und der Erdboden verflucht wurde um seinetwillen. Dornen und Disteln trägt jetzt diese Welt. Selbst dort, wo sie schön ist, ist nicht mehr das Paradies. Überall sieht man die Folgen der Sünde, man sieht die Mühsal, man sieht, dass alles anstrengend ist.
[35:07] Es sieht so aus, als ob auch Augustus mit seinem Friedensaltar, den er zum Geburtstag seiner Frau hat einweihen lassen, so ein bisschen diese Paradiessehnsucht bedienen wollte. Ein goldenes Zeitalter, wo alles wächst und gedeiht, wo man sich keine Sorgen um die Ernte machen muss. Aber dieses goldene Zeitalter, dieses Paradies des Augustus, das konnte er nicht bringen, denn Augustus konnte das Problem, warum wir das Paradies nicht mehr haben, nicht lösen. Er hat das Problem der Sünde nicht mal angegangen. Aber Jesus hat genau dieses Problem gelöst.
[35:46] Jesus bietet uns einen Weg zurück ins Paradies. In Offenbarung heißt es: "Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt. Wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, der in der Mitte des Paradieses Gottes ist." Um das Paradies erleben zu können, müssen wir überwinden. Und die Offenbarung sagt uns, dass das nur möglich ist durch Jesus Christus. "Und sie haben ihn überwunden um des Blutes des Lammes und um des Wortes ihres Zeugnisses willen." Weil Jesus gestorben ist für dich und für mich, können wir zurück ins Paradies. Jesus hat den Weg geöffnet für ein wirklich goldenes Zeitalter. Keinen politischen Frieden auf dieser Erde, aber einen ewigen Frieden, der jetzt schon in unserem Herzen beginnt und der sich mehrt und irgendwann auch körperlich für uns Realität wird, wenn wir einmal mit ihm im Paradies Gottes sind. Wir haben durch unseren Herrn Jesus Christus Frieden mit Gott. Das ist weitaus mehr, als Augustus jemals hätte geben können. Und ich möchte dich einladen, diesen Frieden zu erfahren, diesen Frieden in Anspruch zu nehmen und zu Jesus als zu deinem persönlichen Gott und Friedensbringer, Friedefürst, zu kommen und ihn zu loben und ihm zu dienen. Gott segne dich. Bis zum nächsten Mal hier bei LOGOS.
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